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Alle Empfehlungen von Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

… ist bloggende Buchhändlerin. Seit 2010 betreibt sie den Literaturblog „Klappentexterin und Herr Klappentexter“. Sie liebt japanische Literatur und fühlt sich in poetischen, warmherzig-erzählten Büchern am wohlsten. Doch auch außergewöhnliche Krimis hat sie stets im Visier.

DAISY - Und all deine Geheimnisse werden mir gehören
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

War es Zufall, dass ich Daisy von Melanie Raabe nach der erstklassigen Dokumentation zum skrupellosen Unternehmer Bernard Arnaults gesehen habe? Ich kann die arte-Serie allen nur sehr ans Herz legen, allen voran Luca -  die Hauptfigur in Daisy. Tagsüber arbeitet die junge Frau in einer Berliner Anwaltskanzlei. Nachts ist sie als Rächerin unterwegs.

Ich begegne ihr bei einer Aktion, die beinah schiefgeht. Sie hat bei der Chefredakteurin einer Boulevard Zeitung giftige Vogelspinnen ausgesetzt. Ungünstigerweise kommt diese früher nach Hause. Luca kann jedoch noch flüchten.

Nach dieser Nacht tauchen plötzlich an Litfaßsäulen Plakate mit dem Spruch auf: “Geheimnisvolle Fremde. Eines Tages kamst du in mein Leben  schwarzer Jumpsuit, Sturmhaube, Combat Boots und dunkle Augen. Seither denke ich an dich. Tag und Nacht. Ich verspreche dir, ich werde dich finden, und all deine Geheimnisse werden mir gehören.”

Als sie dann bei sich zu Hause eine Gänseblume findet und spürt, dass sie nicht allein ist, und der Kobra ins Gesicht schaut, ahnt Luca, sie ist in großer Gefahr. Glücklicherweise hat sie einen klugen wie sympathischen Freund an ihrer Seite: Walther. Er ist ihr eine wichtige Stütze sowie besonderer Freund, mit dem sie am liebsten Croissants isst und Chamapgner trinkt. Walther ist Mitte 70 und kennt seine beste Freundin so gut. Diese Beziehung und Lucas liebe Freundinnen funktionieren als wärmendes Kontrastmittel in diesem Thriller.

Melanie Raabe schreibt packende wie raffinierte Thriller. Das hat die Jury der Krimibestenliste überzeugt, denn dort steht sie diesen Monat. In Daisy hält sie von Beginn eine enorme Spannung, baut unerwartete Cliffhanger ein. Und haut mich öfter von meinem Lesehocker.

Die Autorin spielt mit uns und es bereitet ihr große Freude wie das Schreiben. Das spüre ich mit jeder Zeile. Und natürlich schätze ich den Gerechtigkeitssinn gegen all die bösen Menschen da draußen, die oft davonkommen wie Bernard Arnaults.

Also, liebe Luca, schau dir diesen Unternehmer mal genauer an.

DAISY - Und all deine Geheimnisse werden mir gehören

von Melanie Raabe

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Die Bernsteinfischerin
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch zeigt, wie fantastisch der Zufall sein kann. Denn ohne ihn würde es diese wundervolle Geschichte gar nicht geben. Als Lisa Quentin vom Beruf des Bernsteinfischers erfuhr, wollte sie mehr wissen, recherchierte die Kulturgeschichte des beliebten fossilen Harzes und schrieb schließlich diesen Roman.

Die Autorin setzt hierbei zwei Frauenfiguren nebeneinander. Ebba lebt mit ihrer Familie im Samland, an der ostpreußischen Bernsteinküste. Der Vater arbeitet als Bernsteinfischer, seine Tochter ist ihm hierbei eine tüchtige wie neugierige Helferin. Was er nicht weiß, den einen oder anderen ganz besonderen Stein hebt sie auf und bringt ihn ihren guten Freund Leo. Der Krieg – die Handlung setzt 1943 ein - und die Flucht treibt die beiden Seelenverwandten schließlich auseinander, und Ebbas Familie findet in Niendorf an der Ostsee ein neues Zuhause. Wie schon in der alten Heimat, schlägt in Ebbas Brust das Herz einer Künstlerin. Sie schafft heimlich kleine Kunstwerke aus Strandgut und Bernstein. Solch ein Prachtexemplar mit einer eingeschlossenen burmesischen Wespe im Bernstein, die es „nur auf dem Urkontinent Gondwana gab“, taucht plötzlich im Institut der Bernsteinforscherin Julika auf. Wie ist das möglich?

Das will Julika wissen. Dieser Stein ist es, der die junge Frau aus ihrem eingeschränkten Leben nach draußen zieht. Denn Julika kümmert sich mit ihrem Vater um ihre Mutter, die nach dem Tod der jüngeren Tochter an einer Depression leidet. Schließlich wagt Julika den für sie großen Sprung, reist an die Ostsee und trifft dort auf Ebba Bredow.

Lisa Quentin erzählt atmosphärisch, poetisch und zieht mich mit ihrer kraftvollen Sprache wie das Meer den Sand durch die Seiten. Ich erfahre so viel über Bernstein, dass ich damit einen Vortrag halten könnte, lese vom Bernsteinjäger Verein in Hamburg. Mit feinfühliger Hand entwickelt sie Ebbas und Julikas Lebensgeschichten, die einen zu Herzen gehen, berühren und beeindrucken. 

Beide verbindet viel mehr als sie wissen. Während ich all das auflese, tobt das Meer um mich herum, ich spüre die Gischt an den Füßen und halte einen Bernstein in der Hand.

Die Bernsteinfischerin

von Lisa Quentin

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Nobody Told Me
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Wäre ich nicht schon ein Fangirl von „Nobody told me“ dann spätestens jetzt nach diesem ganzheitlichen Wohlfühl-Kochbuch für alle Frauen ab 40! Susanne Liedtke, Dr. Christina Enzmann und Anne-Katrin Weber haben ein Wunderwerk für uns Frauen geschrieben, die sich in der Prä-, Peri- und in der Post-Menopause befinden.

Wie viel wir mit Ernährung lenken können, weiß ich nicht erst seit „Somebody told me“. Dr. Andreas Michalsen hat bahnbrechende Erkenntnisse in seinem Buch „Mit Ernährung heilen“ leicht verständlich dargelegt. Der Autor ist als Professor für Klinische Naturheilkunde an der Berliner Charité tätig. Aber die Autorinnen richten sich gezielt an uns Frauen, die ab 40 in eine neue Phase des Lebens treten - die der Prä-, Peri- und in der Post-Menopause.

Dieses Wohlfühl-Kochbuch ist eine Wissensbibel, die hochinteressante Aspekte offenlegt, selbst unbequeme. So gehen die Autorinnen mit uns in den Darm und zeigen, wer uns in den Wechseljahren das Leben schwermacht: das Östrobolom. Natürlich enthält das Buch ausgleichende Rezepte zu diesem Störenfried.

Wie wichtig Grünzeug ist, hat mir Susanne Liedtke schon mal bei unserer Lesung erklärt. 500 Gramm täglich wären ideal – das Ganze aufgeteilt in Blattgemüse, Kreuzblüter, und anderes Gemüse. Nüsse, Saaten, Gewürze und Kräuter sind ebenfalls dringend zu empfehlen wie den Dr. Shinya-Smoothie am Morgen. Dafür brauchen wir nur Rucola, eine unbehandelte Zitrone und stilles Mineralwasser.

Besonders angetan hat es mir der Makrelensalat: Er besteht aus 180g Makrelenfilets, frischem Dill, Staudensellerie, Zwiebeln, eine unbehandelte Zitrone und Kapern. Letztere enthalten einen Pflanzenstoff mit starker anti-entzündungshemmender Wirkung. Wem - wie mir - Nüsse zu langweilig sind, sollte mal den feurigen Party-Nussmix ausprobieren. Das gibt ordentlich Beat auf der Zunge. 

Sollten Sie danach Lust auf eine erfrischende und charmante Geschmacksexplosion haben, dann empfehle ich die Rosmarin-Zitronen-Tarte. Aha-Momente habe ich mit den einfachen selbst-fermentierten Gemüse erlebt. Gefeiert habe ich den pfiffigen Grünkohlsalat mit Tempeh-Nuss-Crumble und Misodressing.

Zwischen den Rezepten gibt es immer wieder interessante Wissenseinschübe. Große Empfehlung für alle, denn die Rezepte sind alltagstauglich, leicht umzusetzen, sättigend wie gesund und ein Booster für unser aus dem Takt geratenen Hormon-Immunsystem!

Nobody Told Me

von Christina Enzmann, Susanne Liedtke, Anne-Katrin Weber

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Im Licht des neuen Tages
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn Bücher inspirieren, ist es einfach das Schönste! Genau wie „Im Licht des neuen Tages“ von Jarka Kubsova. Noch Etwas war da: Während der Lektüre durchflutete mich ein warmes Gefühl, zog meine Mundwinkel zur Sonne. Danach habe ich mir „Großmütterchen Babička“ von Božena Němcová besorgt.  Denn Tschechien ist das Gastland der Frankfurter Buchmesse.

Im Mittelpunkt steht die Schriftstellerin Elli Hajek, die sich in einer Lebenskrise befindet. Die Tochter geht ihre eigenen Wege, und Elli kann nicht loslassen. Auch die Beziehung zu Jan hat Risse, obendrein zwickt der Abgabe-Termin für das neue Buch. Statt sich allem zu stellen, flüchtet Elli. Sie mietet sich ein Haus im Wald. Doch die Geister reisen mit, und noch jemand erscheint: Viktorka. Jene sagenumwobene Frau von der Ellis Großmutter seinerzeit erzählt hat.

Wie in „Bergland“ und „Marschlande“ zieht die Hamburger Autorin viel Kraft aus der Natur. Unzählige Stellen verströmen den Zauber des Waldes. Ich stoße auf wundersame Früchte wie das „𝘎𝘰𝘭𝘥𝘦𝘯𝘦 𝘍𝘢𝘳𝘯“. Was in ihn besonders macht, offenbart das Buch wie die faszinierende Geschichte über Viktorka und Božena Němcová, die mit 𝘋𝘳𝘦𝘪 𝘏𝘢𝘴𝘦𝘭𝘯𝘶̈𝘴𝘴𝘦 𝘧𝘶̈𝘳 𝘈𝘴𝘤𝘩𝘦𝘯𝘣𝘳𝘰̈𝘥𝘦𝘭 allen bekannt ist.

„Im Licht des neuen Tages“ ist eine Suche, ein Waldmärchen, und die Begegnung mit dem, vor dem wir uns alle fürchten.

„𝘐𝘤𝘩 𝘩𝘪𝘦𝘭𝘵 𝘥𝘪𝘦 𝘈𝘯𝘨𝘴𝘵 𝘢𝘶𝘴. 𝘜𝘯𝘥 𝘮𝘢𝘯𝘤𝘩𝘮𝘢𝘭 𝘢𝘶𝘤𝘩 𝘥𝘦𝘯 𝘚𝘤𝘩𝘮𝘦𝘳𝘻, 𝘥𝘦𝘳 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘥𝘢𝘻𝘶𝘨𝘦𝘴𝘦𝘭𝘭𝘵𝘦. 𝘈𝘶𝘴𝘩𝘢𝘭𝘵𝘦𝘯 𝘪𝘴𝘵 𝘫𝘢 𝘮𝘢𝘯𝘤𝘩𝘮𝘢𝘭 𝘥𝘢𝘴 𝘌𝘪𝘯𝘻𝘪𝘨𝘦, 𝘥𝘢𝘴 𝘶𝘯𝘴 𝘣𝘭𝘦𝘪𝘣𝘵, 𝘰𝘥𝘦𝘳? 𝘝𝘰𝘳 𝘢𝘭𝘭𝘦𝘮, 𝘸𝘦𝘯𝘯 𝘈𝘶𝘴𝘸𝘦𝘪𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘨𝘢𝘳 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘮𝘰̈𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘪𝘴𝘵. 𝘔𝘢𝘯 𝘩𝘢̈𝘭𝘵 𝘢𝘶𝘴, 𝘮𝘢𝘯 𝘴𝘱𝘶̈𝘳𝘵 𝘢𝘭𝘭𝘦𝘴..." Sätze wie dieser halten mich beim Lesen an, während die knarrende Eiche ihr Lied durch die „𝘥𝘪𝘦 𝘦𝘪𝘴𝘪𝘨 𝘬𝘭𝘢𝘳𝘦 𝘓𝘶𝘧𝘵“ singt.

Es ist das wohl persönlichste Buch von Jarka Kubsova. Denn die Autorin ist gebürtige Tschechin und lädt uns auch in die Welt der Literatur aus ihrer Heimat ein. 

Im Licht des neuen Tages

von Jarka Kubsova

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Land
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe „Land“, den neuen Roman von Maggie O’Farrell, regelrecht herbeigesehnt. Und wie so oft, wenn die Vorfreude allzu groß ist, lauert schon eine latente Enttäuschung. Wobei, ich möchte es eher Irritation nennen. Ich komme erst nicht richtig rein in das Buch, als wäre es in einer mir unbekannten Sprache geschrieben. Aber schon nahte Hilfe in Form der Besprechung von Katja Eßbach auf NDR Kultur.

Die Redakteurin macht deutlich, dass man sich Maggie O’Farrells Bücher regelrecht erarbeiten müsse. Dabei bin ich bisher in ihre Geschichten stets von einem Trichter eingesogen wurden. Also erarbeiten. Die Gedanken ordnen, die Verwirrung beiseiteschieben. Konzentration auf all das, was die irische Autorin auszeichnet.

„Land“ entführt uns ins Jahr 1865. Eine irische Halbinsel. Dort treffe ich auf Liam und seinen Vater Tomás. Dieser arbeitet als Vermesser für die sogenannten Rotröcke – die Soldaten der britischen Besatzer. Er legt Karten an und ermisst so das irische Land. Sein Sohn hilft ihm dabei und entdeckt einen Abschnitt, der es wahrlich in sich hat. 

Eine Magie, die Liam alles vergessen lässt. Der Vermessungsstab fällt auf den Boden, er rennt los und verliert schließlich sogar seine Stiefel im Moor. Als er wie ein Schlammmonster aus dem Hain wieder rauskommt, wartet bereits sein Vater aufgeregt auf ihn. Und will sofort Liams Sachen zurückholen. So wirft er sich in den moorigen Hain und kehrt nicht zurück, bleibt verschollen.

Danach ist nichts mehr, wie es war. Liam sitzt beunruhigt bei der Witwe, die ihnen ein Obdach bietet. Ein Suchtrupp wird losgeschickt und kehrt ohne Tomás zurück. Nach drei Tagen taucht er plötzlich wieder auf, scheint wie verwandelt. Was ist passiert?

Werde ich naturgemäß nicht verraten. Aber wer die irische Autorin kennt, weiß, dass sie eine Grenzgängerin zwischen der sogenannten Realität und dem Übersinnlichen ist.

Wie gesagt, dieser fulminante Roman braucht Zeit. Aber wer geduldig ist, wird reich belohnt. Neben Liam und Tomás bietet die Geschichte noch weitere, starke Figuren: Tomás Frau Pinha, die er als Kind im Armenhaus getroffen und sofort eine Verbindung gespürt hat. Rose und Enda, die beiden Töchter, sind ebenso typisch irische Charakterköpfe wie der eigensinnige und sprachlose Eugene, der letzte im Bunde der Familie. Tief berührt folge ich allen. Begeistert von der sinnlichen wie poetischen Sprachkraft der Autorin. Übrigens kongenial übersetzt von Nikolaus Hansen und Kathrin Razum.

 

Land

von Maggie OFarrell, Maggie O'Farrell

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Wirf einen Schatten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Man muss sich erlauben, der Mensch zu sein, der man sein will.“ Dieser kluge Satz von Elena Fischer hängt immer noch in meinem Kopf wie ein liebgewonnenes Kleidungsstück auf dem Wäscheständer. Er steht exemplarisch für den Kern des zweiten Romans der Autorin.

Mit „Paradise Garden“ stand die Autorin auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde vom Buchhandel als Lieblingsbuch nominiert. Das zweite Buch ist stets ein besonderes, vor allem, wenn das Debüt ein großer Wurf war.

Dieses Mal hat Elena Fischer ein anderes Setting gewählt. Einerseits macht sie einen Schritt nach hinten, setzt ihre Geschichte in die Vergangenheit, Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre. Andererseits hat sie als Hauptfigur ein Mann gewählt.

Joseph beschließt am Heiligabend, sich das Leben zu nehmen. Gerade, als er abdrücken will, klingelt es an der Tür. Dort steht ein Engel. Birdie ist erschöpft und fällt geradewegs in Josephs Arme. Dieser nimmt sich der jungen Frau mit dem großen Hut und den verschissenen Klamotten an. Vergessen ist der eigene Weltschmerz. Was wir noch nicht wissen, ist Birdies Rolle: Sie wird Josephs Leitstern.

Elena Fischer wechselt die Zeitebenen, bringt Licht in Josephs scheinbar dunkles Leben und zeigt, warum er der geworden ist, der er heute ist. Was ihn mit seiner Frau Lis verbindet und was sie trennt. Sie hat ihn mit ihrem gemeinsamen Sohn verlassen. Lis war ihm einen Schritt voraus, sagt Birdie. Überhaupt Birdie, die sich selbst so nennt, weil… „Wenn man ein Vogel ist, geht einem niemand auf die Nerven. Und wenn doch, dann fliegt man einfach davon.“ Auch über ihr liegt ein dunkler Schatten, denn sie ist auf der Flucht vor den Eltern und deren Vorstellungen über ihr Leben, was sie ablehnt. Als man sie entdeckt, muss sie flüchten, und bekommt bei Josephs Freundin Ada Unterschlupf. Ada ist die vierte Komponente in diesem Kosmos - Lis‘ Schwester und womöglich noch mehr…

„Wirf ein Schatten“ ist ein Buch, das wir gerade brauchen. Eine wärmende Hommage an den Zusammenhalt, Fürsorge und an vielen Stellen sehr lebensklug wie wohltuend. Hier liegt ein Nebel aus Melancholie, und doch verhindert eine Leichtigkeit des Textes, dass wir tief fallen und vergessen, was Hoffnung ist. Ein Wintermärchen mitten im ausklingenden Sommer.

Wirf einen Schatten

von Elena Fischer

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Das Ding der Unmöglichkeit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir vermissen die Krimibestenliste von Deutschlandradio Kultur! Sie setzt diesen Monat aus. Also müssen Sie mit unseren Tipps Vorlieb nehmen. „Das Ding der Unmöglichkeit“ von Belinda Bauer wäre tatsächlich eine heiße Kandidatin für diese beliebte Liste.

Paula Hawkins, Ann Cleeves und Val Mcdermit sind voll des Lobes für ihre Kollegin, und das nicht ohne Grund. Denn der Kriminalroman ist ein außerordentliches Exponat im Genre der Spannungsliteratur. Das Buch überzeugt weniger durch rasant peitschende Plots, dafür viel mehr durch die außerordentliche Geschichte, die meine Kollegin Sarah O’Connor weit vor der deutschen Übersetzung mit leuchtenden Augen aufgelesen hat.

Es geht um Eier. Nicht die aus dem Supermarkt, sondern seltene wertvolle Lummen-Eier. Hierbei handelt es sich um Alkenvögel, die am Meer leben und nisten. Die Eier haben eine besondere Form und Farbe. Und sind bei Sammlern heiß begehrt. Solch ein seltenes Exemplar findet Neird Nick auf dem Dachboden. Er setzt es im Internet zum Verkauf rein – und genau das wird ihm zum Verhängnis. Als sein Freund Patrick ihn gefesselt zu Hause vorfindet, beginnt eine unglaubliche Reise für die beiden wie für uns Lesende.

Belinda Bauer verknüpft raffiniert zwei Handlungsstränge. Einerseits folgen wir Neird Nick und Patrick auf ihrer Jagd, die beiden Freunde erwärmen sofort mein Herz. Sie sind sehr eigen, vor allem Weid Nick, wie sein Name allein schon verrät.

Andererseits reisen wir ins Jahr 1926 – zum Ursprung der Lummen-Eier. Die sammelt die kleine Celie an der Küste von Yorkshire ein, und wird bald zur Dealerin für einen zahlungskräftigen Sammler George Ambler.

Voller Witz und Einfallsreichtum zieht uns Belinda Bauer durch ihre Geschichte und beweist, wie besonders und vielseitig das Genre der Krimiliteratur sein kann. Großen Dank gebührt dem Verlag Antje Kunstmann für diese Entdeckung und Conny Lösch für die Übersetzung!

Das Ding der Unmöglichkeit

von Belinda Bauer

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Die Komponistin
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir kennen sie alle: Chopin, Bach, Debussy, Mozart. Aber wem ist Mélanie Bonis vertraut? Für mich eröffnet die französische Autorin Alissa Wenz ein neues Kapitel in der Geschichte klassischer Musik. Sie wurde am 21. Januar 1858 geboren, und starb am 18. März 1937.

Sie ist die Erste, die sich ans Klavier in ihrem Zuhause, Nummer 18 Rue Montmatre setzt. Und bald schon das spürt, was alle Kunstschaffenden fühlen, wenn sie in ihrer Oase ankommen: eine tiefe Zufriedenheit und Frieden.

Das Mädchen spielt, wenn es allein ist, erkennt die Patzer und korrigiert sich, baut sich ein Fundament und neues Standbein. Die Mutter verfolgt indes andere Pläne mit ihrer musischen Tochter. Doch als ein Freund der Familie das Talent des Mädchens erkennt, ermutigt er die Eltern, Mélanie am Konservatorium anzumelden. Mélanie besteht die Aufnahmeprüfung mit Leichtigkeit. Genau dort trifft sie auf ihre große Liebe und Muse, den Sänger und Lyriker Amédée-Louis Hetrich. Die beiden verlieben sich. Sie wollen heiraten, aber die Familie will eine bessere Partie. Und arrangiert die Ehe mit einem 20 Jahre älteren Unternehmer. Das führt die junge Frau in eine tiefe Krise. Sie bricht ihr Studium ab, und die innige Verbindung zum Klavier.

Als Jahre später Amédée aus Italien zurückkehrt, erblüht die verwelkte Blume in Mélanies Seele erneut. Amédée schreibt Gedichte, die sie vertont. Sie reicht als Mel Bonis ihre Kompositionen ein, wird ausgezeichnet. Doch wie lange können sie ihre verbotene Beziehung geheim halten?

Alissa Wenz selbst ist Komponistin, das spüre ich mit jedem Satz. Sie erschafft eine eigene Melodie, hat sich für eine besondere Erzählperspektive entschieden, und erzeugt damit einen Klangraum, der mitten hinein führt in den Geist einer Komponistin. Gleichwohl erzählt sie eine beeindruckende Emanzipationsgeschichte. Zwischen Liebe, Wut, Leidenschaft entlädt sich eine Energie, die Unglaubliches kreiert. 

So klingt „Die Komponistin“ lange noch nach, was auch der kongenialen Übersetzung von Alexandra Baisch zu verdanken ist.

Die Komponistin

von Alissa Wenz

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Honey
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Was für ein unglaubliches Buch! Ich bin immer noch fassungslos und gleichwohl begeistert über das Debüt einer Buchhandelskollegin. Imani Thompson hat nach ihem Soziologiestudium bei 𝘋𝘢𝘶𝘯𝘵𝘉𝘰𝘰𝘬𝘴 in London gearbeitet. Ihre Hauptfigur lebt und arbeitet in Cambridge, genau dort hat die Autorin ebenfalls studiert.

Yrsa schreibt ihre Doktorarbeit über 𝘈𝘧𝘳𝘰𝘱𝘦𝘴𝘴𝘪𝘮𝘪𝘴𝘮𝘶𝘴𝘪𝘮𝘉𝘦𝘧𝘳𝘦𝘪𝘶𝘯𝘨𝘴𝘬𝘢𝘮𝘱𝘧 𝘢𝘧𝘳𝘪𝘬𝘢𝘯𝘪𝘴𝘤𝘩𝘦𝘳𝘍𝘳𝘢𝘶𝘦𝘯. Sie selbst ist die Tochter von karibischen Einwanderern und im Alltag dem Mikro-Rassismus ausgesetzt. Zudem unterrichtet Yrsa Studierende, und hat zu Beginn eine Konfrontation mit einem Studenten, die ihr später wie ein schlechter Rülpser aufstoßen wird.

Bei einem zufälligen Treffen mit einem Professor passiert etwas Erschreckendes. Als dieser von seiner Frau angerufen wird und kurz abgelenkt ist, schnippt sie eine Biene in dessen Glas. Wenn Richardson gestochen wird, wäre dies die gerechte Strafe für das, was er Yrsas Freundin angetan hat, denkt sie. Er hat eine Affäre mit Nina, war mit ihr sogar auf Recherchereise und verwendet deren Ergebnisse, präsentiert sie als seine. Das macht Yrsa natürlich wütend, zurecht. Richardson wird gestochen. Was Yrsa nicht weiß, er ist allergisch gegen Bienenstiche.  Keiner sieht sie, Yrsa greift nicht ein, und lässt diesen Mann vor ihren Augen sterben. Krass!

Damit setzt Yrsa etwas in Gang. Sie spürt ein Hochgefühl, das sie fortan nicht loslassen und zu weitere Taten verleiten wird. Gut durchdacht und mit dem Wissen ihr vertrauter Soziologen und Menschen, auf die sich stets bezieht.

Imani Thompsons Antiheldin tötet nicht einfach so, sondern mit Hintergedanken. Spürt sie doch einen großen Zorn auf überhebliche, gemeine Männer und dem Rassismus. Die Autorin findet für Letzteres einen wahren erschütternden Satz: „𝘔𝘢𝘯 𝘬𝘢𝘯𝘯𝘥𝘦𝘯𝘚𝘤𝘩𝘮𝘦𝘳𝘻𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵𝘷𝘰𝘮𝘚𝘤𝘩𝘸𝘢𝘳𝘻𝘴𝘦𝘪𝘯 𝘵𝘳𝘦𝘯𝘯𝘦𝘯.“

„Honey“ hat es wirklich in sich! Man könnte den Roman als reinen College-Roman mit einer Serienmörderin lesen. Doch das wäre zu flach, und würde Yrsa nicht gefallen. Ist doch jede Tat bestens vorbereitet und bekommt Rückendeckung von den großen Denker:innen, die sie in ihre Gedankengänge miteinbezieht.

„Honey“ steht exemplarisch für die sogenannte 𝘞𝘦𝘪𝘳𝘥𝘎𝘪𝘳𝘭𝘓𝘪𝘵𝘦𝘳𝘢𝘵𝘶𝘳𝘦 die man mögen muss. Ich mochte jede Seite, trotz des Unbehagens, das wie ein aufkommendes Sommergewitter kontinuierlich zunimmt und ein raffiniertes Teil dieses Gesamtkunstwerkes ist.

Ideal für Buchkreise und für junge Lesende ab 18 Jahre!

Honey

von Imani Thompson

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Contrapposto
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich wollte in „Contrapposto“ von Dave Eggers förmlich hineinkriechen. So wohltuend empfand ich die Geschichte, die mir der Bestsellerautor von „The Circle“ präsentiert hat. Anders als bei seinem Bestseller verzichtet der amerikanische Autor hier auf schnelle Plots und rasante Wendungen. Fast in Zeitlupe betrachtet er das Leben des talentierten Cricket und seiner Lebensfreundin Olympia.

Cricket wächst in prekären Verhältnissen auf. Der Liebhaber seiner Mutter ist toxisch und alles andere als fürsorglich. Aber Cricket hat sich seine eigenen Fluchten geschaffen: seine Malerei, die Bibliothek und vor allem seine Freundin Olympia, die sich selbst als Reinkarnation von Albert Camus empfindet. Olympia erkennt das Talent ihres Freundes und versucht ihn zu fördern, den Eigenbrötler aus seinem selbstgezimmerten Elfenbeinturm zu holen. Sie ermuntert ihn, aus der Kleinstadt auszubrechen, in der sie leben. Und muss Cricket gar nicht groß überzeugen. Er will nach Europa, bei einem Meister in die Lehre gehen. Zunächst gönnt er sich zunächst einen Kurs in Aktmalerei. Dort lernt der Fünfzehnjährige viel, die Zeichnungen finden sich in dem Buch.

Während Olympia alles vermarkten und eine künstlerische Plattform gründen will, bleibt Cricket eher im Hintergrund, arbeitet später sogar für den erfolgreichen Kyle als Zuarbeiter. Das zollt von großer Stärke. Denn buhlt nicht jeder Künstler nach Anerkennung für sein Schaffen?

Der Roman zelebriert die Kunst und würdigt sie auf einzigartige Weise. Eggers zeigt, was sie ausmacht – und mit ihr die Menschen, die sie kreieren. Obendrein ist die Geschichte eine Hommage an die lebenslange Freundschaft. Eine von der Sorte, die wir uns alle wünschen.

Es würde mich nicht wundern, wenn Leute „Contrapposto“ das Label Wohlfühllektüre verpassen. Was dem vielschichtigen Roman nicht gerecht wird. Dennoch ist es eine enorm wohltuende Lektüre. Und erweist sich als Gegenentwurf zur schnelllebigen, oft ja geradezu hysterischen Welt von heute.

Und wenn Sie sich fragen, was „Contrapposto“ bedeutet – es steht in der Bildhauerei für das Nebeneinander von Stand- und Spielbein einer menschlichen Figur zum Ausgleich der Gewichtsverhältnisse. Gleichzeitig ist die Sache mit dem Stand- und Spielbein auch zum geflügelten Wort geworden, zum Synonym für das innere Gleichgewicht von Menschen. Eggers bedient beides in seinem Roman. Und am Ende möchte man sich fast als Modell in diese Pose bringen. Nur um der Schönheit willen. Der Schönheit der Kunst. Auch der Worte. Ein Balanceakt, den Dave Eggers perfekt beherrscht. 

Andrea O'Brien hat den Roman aus dem Englischen ins Deutsche übertragen.

Contrapposto

von Dave Eggers

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Kaskaden
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Selten hat sich das Verlorensein so gut angefühlt wie mit „Kaskaden“ von Louise K. Böhm. Gerade mal 26 Jahre jung ist die Hamburger Autorin, und doch sitzt in ihre eine Weisheit, die nur wenige junge Schreibende besitzen.

Nach der Beerdigung in der alten Heimat, kehrt die Studentin der Molekularbiologie mit einer DVD und Erinnerungen zurück. Schmerzhafte Rückblicke an ihre Freundin, die sie einfach so im Stich gelassen hat. Bis heute kann Jojo Yaras Abkehr nicht vergessen wie die Gefühle für sie. Schlimmer noch: Diese Narben bremsen Jojo in allem aus. Jojo schweigt, wenn ihre Mitbewohnerin mit ihr sprechen will. Ich will Jojo schütteln. Wobei das brauche ich nicht, denn sie wispert mir ihre Gefühle zu: „𝘐𝘤𝘩 𝘥𝘦𝘯𝘬𝘦: 𝘑𝘦𝘵𝘻𝘵 𝘩𝘪𝘦𝘳 𝘥𝘳𝘪𝘯 𝘢𝘶𝘧𝘭𝘰̈𝘴𝘦𝘯. 𝘞𝘪𝘦 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘉𝘳𝘢𝘶𝘴𝘦𝘵𝘢𝘣𝘭𝘦𝘵𝘵𝘦 𝘪𝘯 𝘊𝘰𝘭𝘢.“

Jojo hat Ticks wie ihr allseits anwesendes Ethanolfläschen, das sie stets bei sich hat, um all die „𝘔𝘪𝘭𝘭𝘪𝘰𝘯𝘦𝘯 𝘬𝘰𝘭𝘰𝘯𝘪𝘦𝘣𝘪𝘭𝘥𝘦𝘯𝘥𝘦𝘯 𝘌𝘪𝘯𝘩𝘦𝘪𝘵𝘦𝘯 𝘢𝘶𝘧 𝘥𝘦𝘳 𝘛𝘪𝘴𝘤𝘩𝘰𝘣𝘦𝘳𝘧𝘭𝘢̈𝘤𝘩𝘦“ zu beseitigen. Und das Ausblenden der Erinnerungen: „𝘕𝘪𝘤𝘩𝘵𝘴 𝘬𝘢𝘯𝘯 𝘮𝘢𝘯 𝘥𝘢𝘨𝘦𝘨𝘦𝘯 𝘵𝘶𝘯, 𝘸𝘦𝘯𝘯 𝘴𝘪𝘦 𝘦𝘳𝘴𝘵𝘮𝘢𝘭 𝘢𝘶𝘧 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯 𝘭𝘰𝘴𝘨𝘦𝘩𝘦𝘯, 𝘥𝘢 𝘪𝘴𝘵 𝘬𝘦𝘪𝘯 𝘚𝘵𝘰𝘱𝘱-𝘒𝘯𝘰𝘱𝘧. 𝘒𝘦𝘪𝘯 𝘈𝘶𝘴-𝘚𝘤𝘩𝘢𝘭𝘵𝘦𝘳.“
Louise findet für alle Regungen die richtigen Worte. Sie hat einen eigenen Sound, der all die großen Themen wie Klassismus, Identität, Beziehungen und Zusammenhalt mit Leichtigkeit ausrollt.

Große Leseempfehlungen kommen auch von Deutschlandfunk Kultur, dem Hamburger Abendblatt sowie von Frank Menden, der in Louise K. Böhm "𝑒𝑖𝑛𝑒 𝑛𝑒𝑢𝑒, 𝑝𝑟ä𝑔𝑛𝑎𝑛𝑡𝑒 𝑆𝑡𝑖𝑚𝑚𝑒 𝑚𝑖𝑡 𝑒𝑖𝑔𝑒𝑛𝑒𝑚 𝑇𝑜𝑛" entdeckt hat.
 

Kaskaden

von Louise K. Böhm

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Sommer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Während der Sommer bei uns im Norden nicht weiß, was er will, ist sich dieses Kochbuch dessen Charakterzug vollends bewusst und feiert diese Jahreszeit!

Nachdem mir Sarah Hassert und Jule Kiefer mit ihrem Winter-Kochbuch DAS Rezept für den besten Pizzateig geliefert und mich mit den anderen Rezepten wie Bildern abgeholt haben, konnten sie mich erneut begeistern. Als kochbuchaffine Leserin habe ich bereits auf den ersten Seiten erneut erkannt: das ist kein gewöhnliches Kochbuch. Es ist viel mehr, die exquisite Zutat, das i-Tüpfelchen zwischem dem Salz und den Gewürzen. Obendrein eine Kulturgeschichte, die perfekte Anleitung für gelungene Buffets und ein Fingerzeig für alle Genussmenschen, die mehr wollen als nur zu essen.

So erfahre ich, dass mein geliebter Knoblauch seit 4000 lebt und als Wunderwaffe gegen schlechtes Blut, Erkältung, Fieber und für den Kinderwunsch eingesetzt wird. Passend dazu gibt es ein Rezept, wie man jungen Knoblauch zähmt und schmackhaft macht. Er braucht dafür nur wenige Mitspieler wie den Thymian, Salbei und Rosmarin.

Fans von Gurken werden über das Rezept jubeln, dass die gesunden Stangen aufpeppen. Dazu benötigen Sie nur Reisessig, Sojasauce, Sesamöl, Ahornsirup, Chiliflocken und gerösteten Sesam. Fertig ist der feurige Gurkensalat, der uns Ooohs aus dem Rachen bescheren wird.

Mein absolutes Highlight ist der Thunfisch-Bohnen-Salat. Das perfekte Essen für tropische Abende. So easy und köstlich! Mehlige Aprikosen haben wir mit diesem Kochbuch wiederbelebt - die karamellisierten Früchte lassen Ihre Zungen als Beilage zu Fleisch oder als Kompott mit Eis oder Creme zum Vibrieren bringen. Ebenso köstlich sind die Erdbeeren, die mit dem Lachs eine bemerkenswerte Verbindung eingehen. Dass Erdbeeren bestens mit feinem Schinken und Parmesan harmonieren, kann ich nun bestätigen. Danke für den Impuls, liebe Sarah & Jule!

Wie in „Winter“ bedienen sich die beiden Autorinnen einfachen Mitteln und erzeugen großes Gaumenkino. Nebenbei erfahren wir noch allerhand Interessantes. So können Sie bei ihren Zusammenkünften mit der Geschichte über den „Gott des Weines“ auftrumpfen. Nachzulesen in diesem kulturfeinen Kochbuch, das einen ebenso mit wundervollen wie atmosphärischen Fotos inspiriert. Die Rezepte und Geschichten beginnen im April, enden im Oktober - genau dann, wenn das Winter-Kochbuch zum Einsatz kommt oder in den Sommerschlaf verschwindet. Besser geht's nicht!

Sommer

von Saint John Studio, John Saint

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