Zum Inhalt springen
stories! Die Buchhandlung Logo
im Shop suchen

Alle Empfehlungen von Frank Menden

Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

ist der ungeschlagene Vielleser im stories! Team. Seit einiger Zeit bereichert er die Welt des Bookstergram mit seinen Empfehlungen auf Instagram und war damit auch für den Buchblog Award 2018 nominiert. Außerdem kann man ihn dann und wann in der "Lesart" auf Deutschlandradio Kultur hören, wo er Geheimtipps und das Neueste vom Neuesten empfiehlt.
Zudem war er in der Jury für die Wahl des Deutschen Buchpreises 2022!

Löwe
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Es gibt Bücher, bei deren Lektüre man spürt: dieser Text musste geschrieben werden, hier schreibt sich jemand etwas von der Seele.
„Löwe“ vpm Sonya Walger, erschienen bei Suhrkamp in der Übersetzung von Tanja Handels ist so ein Text. Und ich spreche bewusst von einem Text, auch wenn der Verlag „Roman“ auf den Schutzumschlag gedruckt hat, denn diese Mischung aus Memoir, Familiengeschichte und Autofiktion entzieht sich für mich jeglicher Einordnung, was eine große Stärke dieses Buches ist.

Der titelgebende Löwe ist der Vater der Autorin und Schauspielerin ( die ich vor allem als Molly in „For all mankind“ gefeiert habe) - und er ist die meiste Zeit ihres Lebens abwesend.
Ein Mann, dessen Lebenshunger grenzenlos und faszinierend ist, der ständig neue Jobs hat, mit dem Gesetz in Konflikt gerät, immer wieder neue Beziehungen eingeht, auch diese wieder hinter sich lässt, mit weiteren gezeugten Kindern, denen er eine Leerstelle hinterlässt.
Der Vater als Verweigerer der Vaterrolle, als Versager, als Verräter, als Vakuum.
Sonya Walger erzählt nicht chronologisch, sie lässt sich von ihren Erinnerungen leiten, was die Lektüre manchmal durchaus fordernd macht, muss man sich doch oft zeitlich neu orientieren und Geschildertes einordnen.
Dies stört aber aufgrund der Brillanz dieses Textes überhaupt nicht. Selbst komplexeste familiäre Dynamiken werden mit präziser Klarheit beschrieben und man kann im Verlauf der Lektüre immer besser verstehen, welche Faszination von diesem Mann ausgeht - und warum man ihm trotzdem nie wirklich nahekommt. Weder die Tochter, noch wir Lesende. Und das ist in gleichen Teilen irritierend und berührend.

„Ich bin ein kleines Kind und weiß bereits, dass die Liebe meines Vaters absolut ist und trotzdem unpräzise, dass er sich mit den Einzelheiten meines Lebens nicht recht auskennt, weil er das Alltägliche geringschätzt, weil sich seine Aufmerksamkeit immer auf etwas richtet, was direkt hinter dem Horizont liegt.“
 

Löwe

von Sonya Walger

Zum Buch im Shop
Unerwünschte Töchter
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Am Anfang steht ein alter Bücherschrank aus Kirschholz. In ihm findet die Autorin Tagebücher und Notizen ihrer Vorfahrinnen. Diese bilden den Ausgangspunkt für eine Familiengeschichte, ihre eigene Familiengeschichte: die Geschichte von Margarethe, Marianne, Monika und Miriam.
Vier Frauen, deren Leben von historischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt wird, von der Enge der tradierten Normen. Vier Frauen, die jeweils ihren Platz in ihrer Welt suchten, deren Schicksal, so individuell es auch ist, doch exemplarisch für viele Frauen ihrer Generation steht.

„Unerwünschte Töchter“ von Miriam Carbe, erschienen im Hanser Verlag steht völlig verdient auf der Longlist des Deutschen Buchpreis.
Die Autorin verbindet reale Dokumente, Auszüge aus Tagebüchern und Fiktion zu einer starken und berührenden Innenperspektive. Sie erzählt klar und präzise, ohne Pathos, was viele Szenen gerade deswegen besonders eindrucksvoll macht. Dabei zeigt sie auch ein gutes Gespür für die historischen Details und kulturellen Signets der jeweiligen Epoche.
Der Einstieg in diesen 576 Seiten starken Roman fiel mir nicht leicht, aber als ich dann in der Geschichte war, haben mich diese vier Frauen nicht mehr losgelassen.
Die Art und Weise wie hier ein ganzes Jahrhundert erlebbar gemacht wird, wie familiäre Muster aufgezeigt werden und vor allem wie diese vier Frauen ihr Leben gelebt haben und leben hat mich zutiefst beeindruckt. Denn Miriam Carbe bleibt immer ehrlich, zeigt die gegenseitigen Verletzungen trotz aller Bemühungen es doch besser zu machen als die Generation zuvor.


Ein rundum gelungenes Buch.

Unerwünschte Töchter

von Miriam Carbe

Zum Buch im Shop
Schwebende Lasten
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Der gelungene Strauß ist einfach gehalten, in der Gestaltung wie in der Fertigung. Auf die innere Ordnung ist zu achten. Aber was sie gelernt hatte, vergaß sie im Leben oft genug und mit Absicht.“

Es gibt wenige deutschsprachige Romane, die dieses Jahr so viel positive Kritik erhalten haben wie „Schwebende Lasten“ .
Kein Wunder, denn dieser Roman ist so hervorragend beobachtet wie geschrieben.
Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna ist eine Frau, der im 20. Jahrhundert wenig erspart bleibt.
Sie erlebt zwei Weltkriege, durchlebt alle Irrungen und Wirrungen ihrer Zeit, erlebt viele persönliche Niederlagen und wenig Triumphe, bringt sechs Kinder zur Welt, packt an was anzupacken ist. Sie ist eine normale Frau in einer sehr unnormalen Zeit, durchaus emanzipiert, aber doch ganz ein Produkt ihrer jeweiligen Lebenswelten.
Magdeburg ist ihre Stadt, Blumen bleiben lebenslang ihre Leidenschaft, werden durch eine Begegnung ein kleines Fenster in eine andere, kultiviertere Welt.
Annett Gröschner erzählt dieses Leben detailliert und voller Empathie, sehr real und lebendig und trotz der Härte mit Charme und einer gewissen Portion leiser Heiterkeit.
Sie hat so einen Roman geschaffen, der individuell und exemplarisch ist, und dem man direkt auf der allerersten Seite vollkommen verfällt.
Man ist ja manchmal misstrauisch, wenn allenthalben Lobeslieder gesungen werden.
Braucht man in diesem Falle nicht zu sein.
Sie stimmen !

Schwebende Lasten

von Annett Gröschner

Zum Buch im Shop
Die erste halbe Stunde im Paradies
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Drei sind eine Party.“
Und was für eine Party ist die kleine, aufeinander eingeschworene Dreierfamilie. Die Mutter Sängerin und Musikerin, immer zu haben für Spontaneität und „verrückte“ Ideen. Und ihre beiden Kinder: die kleine Anne und der große Kai.
Sie sind füreinander da, ohne wenn und aber und Anne bedauert alle, die nicht so einen tollen Bruder haben wie sie.
Die chronische Krankheit der Mutter führt die Familie nach Flensburg, des Klimas wegen. Doch auch das vermag den stetig voranschreitenden körperlichen Verfall der Mutter nicht aufzuhalten. Immer mehr werden Anne und Kai in die Verantwortung genommen, immer mehr leisten sie, halten alles im wahrsten Sinne am laufen. Drei Menschen, die füreinander da sind . Bis….

Was ist passiert, dass aus den Geschwistern, zwischen die kein Blatt Papier passte, zwei einander Fremde wurden? Warum gab es jahrelang keinerlei Kontakt, keine Verbindung mehr? Bis zu diesem Anruf auf dem Teambildungsevent in Hamburg, bei dem die erfolgreiche Pharmareferentin Anne eigentlich nur die nötigen Punkte für den nächsten Karriereschritt sammeln will - und sich stattdessen der Vergangenheit stellen muss.

„Die erste halbe Stunde im Paradies“ ist der zweite Roman von Janiune Adomeit - und er ist vollkommen verdient das NDR Buch des Monats Februar 2025.
Mit leichter Hand erzählt die Autorin von Loyalität, Verantwortung und Überlastung, von Liebe und den Konflikten die aufbrechen, wenn die Fürsorge die eigenen Bedürfnisse vollkommen überlagert.
Wie Janine Adomeit es schafft diese Themen vollkommen ohne Kitsch und Klischees, eindringlich und bewegend, voller Empathie und leisem feinen Humor zu verhandeln, das sollte unbedingt gelesen werden.
Ein tröstliches Buch voller Hoffnung, das ist diese erste halbe Stunde im Paradies!

Die erste halbe Stunde im Paradies

von Janine Adomeit

Zum Buch im Shop
Buckeye
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Bonhomie war nicht annähernd so klein, dass jeder jeden kannte, aber klein genug, dass früher oder später fast jeder jeden mal zu Gesicht bekommen hatte.“

Hier leben zwei Paare, deren Leben sich am 08.05.1945 auf immer miteinander verbinden werden.
Cal Jenkins, der Sohn eines traumatisierten WW1 Veteranen, der wegen einer angeborenen Beinverkürzung für untauglich erklärt wurde, und Seine Frau Becky, deren Tätigkeit als Medium gerade während des Krieges enorm gefragt ist.
Felix Salt, dem das Schicksal alles Gute in die Wiege gelegt zu haben schien und der schon vor seiner Rückkehr von der Front damit kämpft, ein falsches Leben zu leben. Und seine Frau Margaret, in einem Waisenhaus aufgewachsen, eigensinnig, unabhängig, ihrer Zeit voraus.
Vier Menschen, die auf unterschiedliche Art und Weise von der Norm der Gesellschaft abweichen und doch versuchen, sich ihr anzupassen. Und die deswegen Entscheidungen treffen, die weitreichende und nicht absehbare Folgen haben werden…

„Buckeye“ von Patrick Ryan  in der Übersetzung von Thomas Überhoff ist ein 648 Seiten umfassender Roman, der mich mit zunehmender Lektüre mehr und mehr für sich eingenommen hat. Es ist ein Roman, der auf den ersten Blick den Geist der Gemälde Norman Rockwells aufgreift, aber mit einer tiefen Melancholie genauer hinsieht und nicht nostalgisch verklärt - und so zum Kern des American Dream vordringt.

Zu den Bewunderern dieses Romans gehören Ann Napolitano und Tom Hanks, und es sind die perfekten Referenzen, denn zum einen liest sich dieser epische charaktergetriebene Roman wie ein Tom Hanks Film ( etwa „Here“ mit einer Prise „Forrest Gump“), zum anderen klingen auch Aspekte von Napolitanos „Hallo Du Schöne“ an.
Und auch wenn manche Wendungen durchaus vorhersehbar sind trübt dies nicht das Lesevergnügen, im Gegenteil.
Patrick Ryan erzählt mit großem Atem eine Geschichte von einem Ort und von Menschen, die sich langsam in mein Herz geschlichen haben und die dort noch eine Zeit verweilen werden.
Ein absoluter „RomanRoman“! Eingeweihte wissen, was ich meine.

Buckeye

von Patrick Ryan

Zum Buch im Shop
Die Wahrheit über Ruby Cooper
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Die Wahrheit über Ruby Cooper“ von Liz Nugent in der Übersetzung von Astrid Gravert ist bereits mein vierter Roman der irischen Autorin - und wie schon die Vorgänger habe ich auch diesen wieder innerhalb kürzester Zeit inhaliert.

Dabei macht es einem die Hauptfigur nicht gerade leicht, sie lügt, betrügt, manipuliert und beeinflusst so die Leben der ihr nahestehenden Menschen aufs perfideste!
Ruby wächst in den 1990ern als Tochter eines Pastors im Boston auf . Die Familie ist wohlhabend und angesehen, Ruby fühlt sich jedoch ganz im Schatten ihrer älteren, attraktiven und intelligenten Schwester. Und als sie eines Tages ein Gespräch zwischen ihren Eltern belauscht, die klar heraus sagen, wie schwer es ihnen Ruby macht sie zu lieben, ist dies eine Manifestation ihres Gefühls nicht zu genügen so wie sie ist.
Ein Gefühl, dass zu einem Ereignis führt, welches die Familie zerrüttet - und Ruby wird einen hohen Preis für eine schwere Lüge zahlen…

Ich bleibe bewusst nebulös was die Handlung angeht, denn Liz Nugents Romane leben von den Haken, die die Handlung immer wieder schlägt.
Es ist kein klassischer Kriminalroman, kein üblicher Psychothriller, sondern vielmehr das Psychogramm einer zutiefst gekränkten jungen Frau, die Schuld auf sich lädt und sich in Selbsttäuschungen verliert, unfähig die Wahrheit zu gestehen - und so mehrere Leben zerstört.
Ruby Cooper ist eine Figur, die man schwer erträgt, der man sich aber auch nicht entziehen kann.
Liz Nugent hat ihren Roman äußerst intelligent komponiert, man kann sich der zunehmenden Sogwirkung dieser Geschichte um Schuld, Sucht und Suche nach Anerkennung nicht entziehen.
Lügen können Leben zerstören. Die Wahrheit ebenso.

Die Wahrheit über Ruby Cooper

von Liz Nugent

Zum Buch im Shop
Come out!
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Es war eine Selbstbefreiung, die gelang und trotzdem bis heute gefährdet ist.“

So der letzte Satz auf der Rückseite von Thomas Sparrs „Come Out - Wie der Aufstand in der Christopher Street die Welt veränderte“.

Wie groß diese Gefährdung ist, das wurde am späten Samstag Abend beim Berliner CSD auf schmerzhafteste, schockierende Art und Weise deutlich.

Für uns in der LGBTQIA+ Community ist dies die bittere und traurige Kulmination eines immer kälter werdenden gesellschaftlichen Klimas, der Ton uns gegenüber wird rauer, ausfallender, die (welt)politische Lage ist gerade in Bezug auf unsere Leben, unsere Rechte rasant rückwärts gewandt.

Sicherlich ist Thomas Sparrs Buch streitbar, nicht alle Aspekte der Folgen der Stonewall Riots werden tiefgründig benannt. Aber trotzdem ist dieses Buch wichtig und relevant, zeigt anhand von Beispielen vor allem aus dem kulturellen Bereich, wie sich die Sichtbarkeit von Homosexualität verändert hat. Und was Menschen wie Rosa von Praunheim, Hubert Fichte, Hans Mayer und Hans-Joachim Schoeps angestoßen und geleistet haben.
Insofern bietet dieser längere Essay, der verdient auf der Sachbuch Bestenliste stand, einen lesenswerten Einstieg in die Kulturgeschichte der Homosexualität in Deutschland nach 1969.

Come out!

von Thomas Sparr

Zum Buch im Shop
Karacho
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Liebeskummer lohnt sich nicht my Darling…“ So sang einst Siw Malmkvist.
Doch auch wenn man sich das selbst immer wieder sagen kann: es tut einfach verdammt weh.

Es ist eine alte Geschichte. Mann verlässt Frau wegen einer Jüngeren und sagt: Ich liebe dich nicht mehr.
20 gemeinsame Jahre, mit einem Schlag beendet. Eine ungewisse Zukunft, eine Vergangenheit, die plötzlich neu betrachtet wird, werden muss.
Kira ist Mitte 40, die beiden Söhne jugendlich, und trotz dieses großen Kippmomentes des Lebens geht eben dieses weiter, auch wenn sie am liebsten einfach stehen bleiben will.
Doch ihre Rollen als Mutter, Künstlerin, Freundin kann sie nicht einfach pausieren.
Und so läuft das Entlieben parallel zum weiteren Leben, für das „Karacho“ zum neuen Motto wird…

„Karacho“ @schirdewahnsusanne @volandquist spricht wohl alle an, die schon einmal eine Trennung er- und durchlebt haben.
Dabei liegt der Focus des Romans nicht auf der Verdammung des Ex, die guten Gefühle, das gemeinsame Leben werden nicht negiert, trotz der Wut, der Verletzlichkeit und der Panik, wie es nun weitergehen soll.
Kira kämpft sich voran, bleibt die kreative, lebenslustige, sinnliche Frau, entdeckt Neues.
Und wir sind hautnah dabei, erleben ein Leben und Literatur die ganz am Puls der Zeit sind, unideologisch, mit Schwung und Kraft.

„Scheiss auf die Angst… man muss nur den Koffer packen und die Tür hinter sich schließen“

Lesen!

Karacho

von Susanne Schirdewahn

Zum Buch im Shop
Halbinsel
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Inzwischen habe ich begriffen, es grenzt an ein Wunder, wenn man geliebte Menschen um sich hat und sie nicht zu früh verliert. Ein noch größeres Wunder ist es, wenn es einem mehrmals im Leben gelingt, jemanden zu finden, der es gut mit einem meint.“

Lange herbeigesehnt, jetzt ist er da: „Halbinsel“, der neue Roman von Kristine Bilkau.
Es ist die Geschichte von Annett, einer Bibliothekarin, die nach dem frühen Tod ihres Mannes die gemeinsame Tochter Linn allein aufzog und sich nach deren Auszug in ihrem Leben eingerichtet hat.
Als Linn auf einer Tagung einen Zusammenbruch erleidet, holt Annett sie zu sich in das Haus im nordfriesischen Wattenmeer.
Aus ein paar Tagen werden Wochen, dann Monate. Linn, die für Annett immer so voller Leben war, voller Ideen und Tatendrang, ist antriebslos, sucht nach einer neuen Ausrichtung ihres Lebens. Für Annett ist dies schwer zu ertragen, aus ihrer Hilflosigkeit heraus brechen Konflikte auf, die beide anders auf das jeweilige Leben blicken lassen.

Kristine Bilkau beherrscht die Kunst Romane zu schreiben, die leise und unauffällig daherkommen, bei denen kein Wort zu viel ist und die vielschichtig sind und eine enorme Tiefe haben.
Die Annäherung von Mutter und Tochter ist gleichzeitig auch eine Annäherung an das Leben, an die Natur, an das zulassen von Veränderung.

Mit der Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse erscheint der Roman mit einer großen Erwartungshaltung und vielen Vorschusslorbeeren. Für mich hat er sie alle eingelöst.

„Wo würde die Einsamkeit lauern? Hinter der Veränderung oder dem Vertrauen?“

Halbinsel

von Kristine Bilkau

Zum Buch im Shop
Halbe Leben
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Es ist ein stiller Tod.“

So beginnt „Halbe Leben“ , der neue Roman von Susanne Gregor.
Der stille Tod ereilt Klara bei einer Wanderung, sie stürzt eine Böschung hinab. Bei ihr ist nur Paulina.
Paulina, die aus der Slowakei kommt und sich nach dem Schlaganfall von Klaras Mutter Irene um diese kümmert.
So kann Klara weiterhin ihrer Arbeit und Karriere nachgehen, ihr Mann sich seiner Fotografie widmen.
Paulina ist ein wahrer Schatz , versteht sich gut mit allen, kocht sogar immer noch für die Familie mit und Irene blüht richtig auf .
Dafür macht man Paulina gern Geschenke, irgendwie ist sie doch mehr als eine Pflegekraft, sie ist eine Freundin.
Auf Paulinas Söhne passt derweil die Schwiegermutter in der Slowakei auf. Das passt doch für alle gut .
Bis es eben nicht mehr passt. Und Klara bei einem Unfall beim gemeinsamen wandern ums Leben kommt.

„Es liegt kein Motiv vor, man lässt den Tod als Unfall gelten. Niemand zweifelt an dieser Version.“ ( Seite 11 )

Die Geschichte von Klara und Paulina, erzählt wird sie rückblickend von diesem Unfall aus, aus beider Perspektive.
Es ist eine Geschichte der Missverständnisse, der Unfähigkeit, sich in die jeweils fremde Lebenssituation hineinzuversetzen. Auf den ersten Blick ist alles eine Win Win Situation, einen zweiten riskiert man besser nicht.

Susanne Gregor erzählt diese Geschichte völlig unprätentiös und eindringlich - und unparteiisch.
Man versteht beide Frauen, kann beide Sichtweisen verstehen, erkennt die Unvereinbarkeit dieser jeweils fremden Leben. Erkennt, dass zwei halbe Leben noch lange kein ganzes ergeben.
Zwei Frauen, die sich aufreiben, in ihrem Leben und am Leben der anderen.

„Sie weiß bereits, dass es nicht mehr reichen wird, dass sie nicht genug Kraft hat. Dass es nichts mehr zu tun gibt. Dass alles passiert ist.“

Ich wünsche diesem Roman eine große Leserschaft!

Halbe Leben

von Susanne Gregor

Zum Buch im Shop
Zuhause ist das Wetter unzuverlässig
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken.
Man muss nur gehen: Kein Gefühl ist das fernste.“ ( Rainer Maria Rilke )

Im Sommer soll Schluss sein. Schluss mit allem. Vierzig Tage, so lange währt die festgesetzte Frist der namenlosen Erzählerin.
Vierzig Tage, in denen sie ihr eigenes Leben Revue passieren lässt, aber auch die der Frauen vor ihr .
Es entstehen Muster weiblichen Lebens, Muster voller Erwartungshaltungen und Ansprüchen, die keinen oder kaum Platz lassen für Träume, für Freiräume.
Es sind Leben, die von patriarchalen Strukturen geprägt sind. Doch bleibt am Ende wirklich nur der eigene Tod, um alles Alte hinter sich zu lassen ?

Es ist nicht so einfach „Zuhause ist das Wetter unzuverlässig“ zusammenzufassen.
Die Autorin verknüpft Geschichten mit tagebuchartigen Passagen, es gibt Einschübe zu Literatur, zu Autorinnen.
Was evtl etwas unstrukturiert klingt ist aber ungemein lesbar - und beeindruckend, wie sehr diese Form die Themen verdichtet.
Individualität und das Kollektiv gehen so eine zwingende Verbindung ein in einem durch und durch überzeugenden Text.
Klasse !

Zuhause ist das Wetter unzuverlässig

von Carolin Würfel

Zum Buch im Shop
Der Fall Ebby Freeman
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Die Freemans sind eine wohlhabende Schwarze Familie - und als einzige Schwarze in einer der reichsten Gegenden Connecticuts an Aufmerksamkeit und Misstrauen gewohnt. Als der einzige Sohn bei einem Einbruch in ihr Haus ermordet wird mischt sich in die öffentliche Aufmerksamkeit und Sensationslust auch ein Funken Misstrauen: war der junge Mann nicht evtl. in gewisser Weise selbst Schuld? Als seine Schwester Ebony zwanzig Jahre später am Tag vor ihrer Hochzeit von ihrem Verlobten ohne jegliche Erklärung verlassen wird, ist dies wieder ein Fest für die Öffentlichkeit, die das Interesse an den Freemans seit dem immer noch ungelösten Mord nie verloren hat.

Ein Jahr später begegnet Ebony in Frankreich zufällig ihrem ehemaligen Verlobten mit seiner neuen Freundin - und beschließt, endlich Antworten darauf zu finden, warum das Leben ihrer Familie von Schicksalsschlägen heimgesucht wird….

„Der Fall Ebby Freeman“ in der Übersetzung von Britt Somann-Jung , erzählt eine hochspannende und thematisch vielschichtige Familiengeschichte. Es geht um Schwarze Akademikerinnen, um den Druck einer Schwarzen Oberschicht zwischen Anpassung und Individualität zu bestehen, um sensationslüsterne Medien, den Skandal einer Mischehe, um Sklaverei und die „Underground Railroad“ - und um die Bedeutung des Töpferhandwerks und kulturelles Erbe. Dabei wirkt der nicht linear erzählte Roman nie überfrachtet oder überkonstruiert, sondern entwickelt von den ersten Seiten an einen mitreißenden Sog, dem man sich nicht entziehen kann.
Hat mir ausgesprochen gut gefallen!

Der Fall Ebby Freeman

von Charmaine Wilkerson

Zum Buch im Shop