„Sue. Suze. Susie Q. Susannah in the Morning. Mom. Wie viele tausend Facetten war sie für ihn gewesen - in unterschiedlichen Stimmungen, unterschiedlichen Momenten. Wie viele Wörterbücher ihrer gemeinsamen Sprache waren mit der Zeit verloren gegangen?“
Als sich Susan und Al kennenlernen treffen zwei Welten aufeinander: hier der ernste, ruhige Akademiker, dort die ehrgeizige junge Schauspielerin. Es ist Liebe auf den ersten Blick, die offensichtlichen Gegensätze ziehen sich an und anfangs scheint alles machbar, beider Karrieren nehmen Fahrt auf.
Die Geburt der Zwillinge Viola und Sebastian stellt das Paar vor neue Herausforderungen, denn Susan will ihre Karriere als Serienstar nicht aufgeben, was Al mit seinem Wunsch nach einem traditionellen Familienbild vor den Kopf stößt. Susan führt fortan zwei Leben: in Hollywood steht sie vor Kamera, in Neuengland ist sie die von allen beäugte Ehefrau und Mutter, ein strahlender Fremdkörper, eine Wandlerin zwischen diesen so unterschiedlichen Welten…
Rebecca Fallon beginnt ihren Roman „Was wir von ihr wissen“ @mareverlag , übersetzt von Juliane Zaubitzer, mit Susans Beerdigung. Sie ist jung gestorben, an Krebs, Al fühlt sich verloren, die Zwillinge sind zu klein, um zu verstehen, wer ihre Mutter außerhalb des gemeinsamen Lebens war - und Al tilgt alle Spuren ihres beruflichen Lebens.
Geschieht dies aus reiner Rücksichtnahme seinen Kindern gegenüber, denn Susans Serie und der von Ihr verkörperte Charakter sind nicht für kleine Kinder geeignet, oder versucht er die Deutungshoheit über das Bild seiner Frau zurückzugewinnen? Und was macht diese Entscheidung mit Viola und Sebastian, wie wirkt es sich auf deren Entwicklung aus?
Rebecca Fallon beschreibt in ihrem Roman die großen Erwartungen, die Menschen aneinander haben, als Liebende, Familie oder Freunde. Dabei schildert sie die Ereignisse nicht chronologisch, sie springt zwischen den Jahren 1983 und 2012 hin und her, wechselt die Perspektiven.
Das verdichtet diesen Familienroman sehr effektiv, führt allerdings zu Beginn der Lektüre dazu, dass man sich erst etwas einlesen muss.
Ist man aber erst einmal „drin“ in der Geschichte kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Eine emotionale Achterbahnfahrt, gut beobachtet, mit präzisen Charakterzeichnungen.