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Alle Empfehlungen von Frank Menden

Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

ist der ungeschlagene Vielleser im stories! Team. Seit einiger Zeit bereichert er die Welt des Bookstergram mit seinen Empfehlungen auf Instagram und war damit auch für den Buchblog Award 2018 nominiert. Außerdem kann man ihn dann und wann in der "Lesart" auf Deutschlandradio Kultur hören, wo er Geheimtipps und das Neueste vom Neuesten empfiehlt.
Zudem war er in der Jury für die Wahl des Deutschen Buchpreises 2022!

Der Fall Ebby Freeman
Frank Menden

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Die Freemans sind eine wohlhabende Schwarze Familie - und als einzige Schwarze in einer der reichsten Gegenden Connecticuts an Aufmerksamkeit und Misstrauen gewohnt. Als der einzige Sohn bei einem Einbruch in ihr Haus ermordet wird mischt sich in die öffentliche Aufmerksamkeit und Sensationslust auch ein Funken Misstrauen: war der junge Mann nicht evtl. in gewisser Weise selbst Schuld? Als seine Schwester Ebony zwanzig Jahre später am Tag vor ihrer Hochzeit von ihrem Verlobten ohne jegliche Erklärung verlassen wird, ist dies wieder ein Fest für die Öffentlichkeit, die das Interesse an den Freemans seit dem immer noch ungelösten Mord nie verloren hat.

Ein Jahr später begegnet Ebony in Frankreich zufällig ihrem ehemaligen Verlobten mit seiner neuen Freundin - und beschließt, endlich Antworten darauf zu finden, warum das Leben ihrer Familie von Schicksalsschlägen heimgesucht wird….

„Der Fall Ebby Freeman“ in der Übersetzung von Britt Somann-Jung , erzählt eine hochspannende und thematisch vielschichtige Familiengeschichte. Es geht um Schwarze Akademikerinnen, um den Druck einer Schwarzen Oberschicht zwischen Anpassung und Individualität zu bestehen, um sensationslüsterne Medien, den Skandal einer Mischehe, um Sklaverei und die „Underground Railroad“ - und um die Bedeutung des Töpferhandwerks und kulturelles Erbe. Dabei wirkt der nicht linear erzählte Roman nie überfrachtet oder überkonstruiert, sondern entwickelt von den ersten Seiten an einen mitreißenden Sog, dem man sich nicht entziehen kann.
Hat mir ausgesprochen gut gefallen!

Der Fall Ebby Freeman

von Charmaine Wilkerson

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Lori
Frank Menden

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So beginnt „Lori“ von Anousch Mueller: Es geht um eine Familie, die geprägt ist von Geheimnissen und Tragödien. Eine Familie, die durch das Schweigen geprägt wurde, das Verschweigen der Vergangenheit, der politischen Umstände und das Verschweigen eines unermesslichen Verlustes, der nie thematisiert wurde und doch alle für ihr Leben geprägt hat.

Anousch Muellers Roman ist 205 Seiten lang, er ist kunstvoll komponiert, variiert verschiedene Zeitebenen und Perspektiven und ist trotz dieser auf den ersten Blick evtl. kompliziert wirkenden Struktur enorm zugänglich.
Ich möchte gar nicht näher auf das Buch eingehen, Deutschlankfunk Kultur gibt es ein sehr hörenswertes Interview mit der Autorin, welches einige Aspekte des Romans , darunter auch die Wahl der Handlungsorte, hervorragend beleuchtet und vertieft.

Für mich gehört dieser Roman zu den besten, eindringlichsten und berührendsten deutschsprachigen Romane der letzten Jahre. Und ich kann nur alle dringendst auffordern, die nächste Buchhandlung aufzusuchen, dieses Buch zu kaufen und zu lesen. Denn diese mit psychologischer Finesse erzählte Familiengeschichte zählt zu den Romanen, die man einmal gelesen nie wieder vergisst.
Vielen Dank Anousch Mueller!

Lori

von Anousch Mueller

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Und dahinter das Meer
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

Es gibt Romane, die wie ein Geschenk für Lesende und Buchhandlungen sind.
Für Lesende, weil sie darin vieles - wenn nicht alles - finden , was ein Buch haben muss, um es tief ins Herz zu schließen.
Und für Buchhandlungen, weil man es unbedenklich beinah der ganzen Kundschaft mit den Worten „ Freuen Sie sich drauf ! Sie werden es genießen“ empfehlen kann.

So ein Buch ist „Und dahinter das Meer“ von Laura Spence-Ash @mareverlag , übersetzt von Claudia Feldmann.
Und als @boersenblatt den Roman auf das Cover setzte, standen da auch meine Worte :

„Wunderbare Lesestunden, intelligente Unterhaltung: was will man mehr !“

Nun, evtl. noch ein paar Worte zum Inhalt .
Die elfjährige Bea wird 1940 von ihren Eltern von London nach Boston geschickt, um dem Bombardement der Deutschen zu entkommen.
Was als Aufbruch in die Fremde beginnt, wird jedoch bald zur eigentlichen Heimat , zur eigentlichen Familie. Aber auch der schönste Traum hat irgendwann ein bitteres Erwachen…

Ich mache ja nie viel Worte um den Inhalt eines Romans und hier müsste ich jetzt sehr ausschweifen.
Aber ich möchte einfach, dass ihr dieses aus acht verschiedenen Perspektiven und über einen Zeitraum von 37 Jahren erzähltes Buch selbst entdeckt .
Und es dann genauso feiert wie Ann Napolitano, Meg Wolitzer und Claire Messud ( da habt ihr auch gleich die entsprechenden Referenzen) und auch die altehrwürdige THE NEW YORK TIMES.
Kann also nichts schiefgehen!
Viel Freude mit diesem Roman.

Und dahinter das Meer

von Laura Spence-Ash

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Seltsame Sally Diamond
Frank Menden

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Sally Diamond ist 42 Jahre alt und „sozial defizitär“. Diese Aussage trifft sie über sich selbst , auch wenn andere sie evtl. als Autistin bezeichnen würden. Ihr Vater Tom, mit dem sie nach dem Tod der Mutter alleine lebt, mag keine dieser Bezeichnungen. Für ihn ist Sally einfach ein ganz besonderer Mensch, die immer entwaffnend ehrlich ist, mit der Unfähigkeit sich zu verstellen.

Als Tom nach einer längeren Krankheit stirbt, verbrennt Sally die Leiche in der Feuertonne. Sie kann daran nichts Verwerfliches finden. Die Polizei, die auf Umwegen davon Wind bekommt jedoch schon.
Doch nicht nur diese bringt Sallys bislang in geordneten Bahnen verlaufenes Leben durcheinander.
Da sind auch noch die drei Briefe, die Tom ihr hinterlassen hat….

Je weniger man bei der Lektüre von Liz Nugents Roman „Seltsame Sally Diamond“ @steidlverlag über die Handlung weiß, umso besser. Denn auch der dritte Roman der irischen Autorin ist wieder durch und durch gelungen .
Sally ist eine unvergessliche Figur, die - durchaus harte - Handlung schlägt immer wieder gekonnt Haken und man kann das Buch nicht aus der Hand legen, bis man es nach 368 Seiten völlig durchgerüttelt beendet hat.
Der von Kathrin Razum übersetzte Roman sollte Liz Nugent nach den exzellenten Vorgängerromanen „Kleine Grausamkeiten“ und „Auf der Lauer liegen“ endlich auch in Deutschland den ganz großen Durchbruch bringen.
Sie hat ihn mehr als verdient!

Seltsame Sally Diamond

von Liz Nugent

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Bitternis
Frank Menden

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„In der grauen Stunde vor Morgendämmerung, der Stunde zwischen Hund und Wolf, wenn es so still ist, dass ich nur den Herzschlag des Hauses und den Atem des schlafenden Mannes höre, versetze ich mich in die Zeit der Ersten von uns….“

Die Erste, das ist Berta Koch , die Urgroßmutter der Erzählerin Kalina, Großmutter von Violetta und Mutter von Barbara. Vier Frauen einer Familie aus Schlesien, denen das Leben oft auf härteste Art und Weise mitspielt, deren Träume zu groß für die Welt in der sie leben sind, oder aber zu klein. Vier Frauen, denen die wechselvolle Geschichte ihres Herkunftlandes eine ebensolche Lebensgeschichte beschert. Leben, in denen Männer fast komplett abwesend sind, was die Autorin Johanna Bator grossartigerweise „männerförmige Löcher“ nennt.

Die Geschichte der 829 Seiten von Joanna Bators so großen wie mitreißenden und wahrlich großartigen Roman „Bitterniss“ wiederzugeben kann nur scheitern. Man sollte sich hineinstürzen in diese miteinander verwobenen Geschichten der vier Frauen und sich an der hervorragenden Sprache erfreuen ( Übersetzung: Lisa Palmes ).
Es ist eine epische Familiensaga, die langsam zu lesen und zu erfahren ist und deren Lektüre eine äußerst nachhaltige ist. Eine Kritik nannte den Roman ein „Wimmelbild von vier Frauengenerationen“, ein sehr zutreffender Vergleich.
Für mich war die Lektüre durchaus herausfordernd, aber enorm bereichernd. Trotz allem Leid und aller Tristesse gibt es auch viel Humor, viel Mut und Optimismus, dem Leben etwas Glück abzutrotzen und niemals aufzugeben.
Eine emotional fordernde und in vielerlei Hinsicht bereichernde Lektüre.
Joanna Bator ist eine Autorin, die man nicht genug preisen kann - gerade nach diesem epochalen Roman!

Bitternis

von Joanna Bator

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Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
Frank Menden

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„Es heißt, diese Reise habe ihren Preis. Einen Preis, der über die Kosten des Tickets hinausgeht.“
Denn eine Reise mit dem Transsibirien-Express durch das Ödland, die geheimnisvolle Wildnis zwischen China und Russland, ist voller Gefahren - und voller Verheißungen.

1899 macht sich der Zug , seine Besatzung nebst Passagieren, auf die zweiwöchige 6.000 Kilometer umfassende Reise.
Obwohl der Zug wie eine Festung gebaut ist, damit nichts den Zug verlassen, aber vor allen Dingen nichts hineingelangen kann, schwingt bei dieser Fahrt etwas Neues mit, endete doch die letzte Reise in einer Katastrophe…

Ich liebe Romane, die sich jeder Kategorie entziehen - und „Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland“ , übersetzt von Claudia Feldmann, ist genau so ein Roman.
Ein Roman, dessen pralle Fabulierkunst von der ersten Seite an zu überzeugen weiß, der geschickt zwischen Abenteuer-, Öko- und Fantasyroman changiert, dazu eine Prise von Agatha Christies „Mord im Orient-Express“.

Sarah Brooks hat ein Buch geschrieben, welches mich in einen wahren Leserausch versetzt hat. Ich fieberte mit den geheimnisvollen Reisenden, war neugierig - und etwas ängstlich - was da im Ödland vor sich geht und war nach 416 Seiten völlig beglückt.
Ich glaube, so eine Geschichte, so eine Abenteuerlust, habe ich zuletzt als Kind gelesen und verspürt.
Ein großer großer Spaß !
Wer der Reise durch das Ödland noch nicht verfallen ist sollte schleunigst zu diesem „Handbuch…“ greifen.
Denn es sind Romane wie diese, die uns zeigen, wie großartig und lebendig und voller Freude an der Fantasie lesen ist .

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland

von Sarah Brooks

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Nach uns das Leben
Frank Menden

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„Mit hinreißender Lakonie erzählt Gudrun Eiden in ihrem Debütroman eine beglückend traurige Geschichte über eine Gruppe von Freunden, die gemeinsam auf ein mit Liebe und Schmerz prallgefülltes Leben zurückblicken.“

Diesem im Klappentext aufgeführten Satz zu „Nach uns das Leben“ kann ich nur zustimmen .
Die Geschichte um die verbliebenen Mitglieder eines Männerchores auf dem Dorf, deren letzter Auftritt mangels Nachwuchs kurz bevorsteht lebt von einer an Dörte Hansen erinnernde Atmosphäre und der bereits oben zitierten Lakonie.

Es ist gerade dieser Ton, der mich die auf 191 Seiten geballt daherkommenden Schicksalsschläge zwar mit einem kurzen „puh, das auch noch“ und einem Augenrollen bei einem bestimmten Ereignis ( das mir dann beinah zu viel war) kommentieren lies - mich aber dennoch nicht vom Haken gelassen hat.
Und ich den Roman mit einem wohligen Gefühl zugeklappt habe.

Diesem Roman eine große Leserschaft zu wünschen ist durchaus egoistisch motiviert, denn von Gudrun Eiden möchte ich unbedingt mehr lesen.
Denn wenn eine Autorin es schafft , mich trotz der oben angeführten Einwände zu überzeugen, nun, das will bei einem radikalen Buchabbrecher was heißen.

Nach uns das Leben

von Gudrun Eiden

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Dorf ohne Franz
Frank Menden

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In den 1960er Jahren wächst Maria in dörflicher Umgebung auf einem Bauernhof auf. Während der ältere Bruder Josef in die Fußstapfen des Vaters tritt und dessen Anerkennung ( und das komplette Erbe ) erhält, wird Nesthäkchen Franz von der Mutter gerade wegen seines anderen Wesens verhätschelt.
Für Maria bleibt nur die typische Rolle der damaligen Zeit und der dörflichen Struktur: die der unbezahlten Magd und Pflegekraft der Großeltern und Eltern.
Ihre Sehnsucht diesem Leben zu entkommen kollidiert mit ihrem Pflichtgefühl, vor allem als Franz eines Tages dem Dorf den Rücken kehrt und in die Welt hinauszieht.
Gefangen in der Abhängigkeit einer Ehe wartet Maria auf den Moment , der ihr ein neues Leben ermöglicht…

Nur 168 Seiten hat „Dorf ohne Franz“ , aber was für 168 Seiten sind dies!
Verena Dolovai hat einen ungemein eindringlichen Roman über die Kehrseite der dörflichen Idylle geschrieben, in einem nüchternen und direkten Stil, der nichts beschönigt , direkt, aber nie drastisch.
Lohnt sich sehr !

Dorf ohne Franz

von Verena Dolovai

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Vaterlos
Frank Menden

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„An einem dieser schönen Tage, irgendwann vom 9. auf den 10. März 1971 geschah es, dass sich der Landarzt Otto M. das Leben nahm. Er war neunundvierzig Jahre alt, verheiratet, Vater zweier Kinder.“

Aus zwei Perspektiven erzählt Thomas Medicus in seinem Buch „Vaterlos - Ein Tatsachenroman“ @rowohltverlag vom Suizid seines Vaters: aus der des Jungen direkt nach der Tat und aus der des Erwachsenen, der dreißig Jahre nach dem Selbstmord diesem hinterherspürt.
Wir lesen über einen Mann, der liebevoll war, ein Lebemann, der Welt zugewandt, ein Arzt, der sich wegen Depressionen in einer Klinik behandeln lassen musste und der sich mit seiner Geliebten in einem Hotelzimmer vergiftete ( die junge Frau überlebt dies, nimmt sich aber kurze Zeit später das Leben).
Man taucht ein in die bürgerliche Welt der BRD in den 1950ern und 1960ern, in scheinbar glückliche, geordnete Verhältnisse - bis sie es durch die Tat nicht mehr sind.

Dieser ungemein eindringliche autobiografische Roman versucht nicht Erklärungen für das Unerklärliche zu finden. Es geht um das, was der Selbstmord des Vaters beim Sohn für Spuren hinterlassen hat, wie sehr er den Autor geprägt hat.
Der Ton ist nüchtern, behutsam, genau. Wie sehr Verdrängung in der Lebenswelt der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft verankert war - auch davon erzählt dieses Buch.
Und schafft es so aus einer privaten Auseinandersetzung mit einer persönlichen Tragödie auch ein präzise beobachtetes Zeitporträt.
Ich bin tief beeindruckt.

Vaterlos

von Thomas Medicus

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Die Liebeshungrigen
Frank Menden

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„Man glaubt immer, dass bei einem selbst alles anders ist, aber das täuscht. Man erlebt dieselben Rückschläge wie der Rest der Welt.“

Der ehemalige französische Präsident Dan Lehmann leidet unter dem Verlust seiner Macht, der zunehmenden Bedeutungslosigkeit seitdem er vor einem Jahr aus dem Élysée Palast ausziehen musste. Der Alkohol ist sein bester Freund, mit dem er auch das Scheitern seiner zweiten Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda Müller „verarbeitet“.
Hilda wiederum hat nach einer längeren Durststrecke, in der sie nur als First Lady fungierte, endlich wieder eine vielversprechende Rolle ergattert, pikanterweise in der Verfilmung eines Romans der ersten Frau ihres Noch - Ehemanns.
Regisseur dieses mit Spannung erwarteten Films ist das ehemalige Wunderkind des französischen Kinos, Romain Nizan, der den Erfolg ebenso dringend benötigt wie Hilda - und dem das Projekt von seiner On/Off Geliebten empfohlen wurde, die es ebenfalls auf die Hauptrolle abgesehen hatte…

Dies ist die Ausgangslage in Karine Tuils neuen grandiosen und absolut mitreißenden Roman „Die Liebeshungrigen“ @dtv_verlag , übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch.
Es geht um Macht in all ihren Facetten, um die Gnadenlosigkeit der Medien, um die Liebe in all ihren Spielarten - und um uns Menschen, die versuchen, den entscheidenden Moment des verheißungsvollen Glücks zu ergattern und nicht in Vergessenheit zu geraten.
Ein Roman, den ich tatsächlich ALLEN LESENDEN nur dringendst empfehlen kann, denn er ist einfach !!!!!!

Die Liebeshungrigen

von Karine Tuil

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Frau im Mond
Frank Menden

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Die Zwillingsschwestern Lilit und Lina el Shami sind nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihrem Großvater in Montreal aufgewachsenen. Eine alte Postkarte von ihrer ihnen unbekannten Großmutter Anoush bringt sie auf die Spur ihrer Familie – und auf lang vergessene Geschehnisse in ihrer früheren Heimat: dem Libanon. 
Was hatte Anoush mit der ominösen „Lebanese Rocket Society“ zu tun? Was bedeutet die Widmung an ihren Großvater auf der Postkarte? Und was hat es mit der „Frau im Mond“ auf sich?
Lilit beschließt diesen Fragen im Libanon auf den Grund zu gehen. Während sie das Land neu erlebt und den Aufruhr der libanesischen Gesellschaft zu spüren bekommt, findet sie immer mehr Antworten – und stößt auf eine faszinierende Geschichte. Doch der 04. August 2020 ist nicht mehr fern….

Pierre Jarawan hat einen prallen, meisterhaft konstruierten Roman geschrieben, der auf faszinierende Art und Weise eine spannende Familiengeschichte mit den Themen Wissenschaft, Politik, Film und Kunst verbindet. Herausgekommen ist ein fulminanter Roman, der berührt, inspiriert und noch lange nach der letzten Seite nachhallt.
Ganz großes Kino!

Frau im Mond

von Pierre Jarawan

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Die Spielerin
Frank Menden

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A. wird in den 1990er Jahren von der niedersächsischen Provinz nach Zürich geholt. Die junge Frau gilt als ehrgeizig und talentiert, Eigenschaften, die in der Welt der Hochfinanz von Vorteil sind.
Doch die erhoffte Karriere als Investmentbankerin stagniert, die Männer machen die Geschäfte unter sich aus, ignorieren ihre Ihnen unscheinbar daherkommende Kollegin.
Ein Fehler, wie sich herausstellen wird…

„Die Spielerin“ ist der neue Roman von Isabelle Lehn - und ein wahres böses Vergnügen.
Die von einer wahren Geschichte inspirierte Story über eine unscheinbare Frau, die sich die Regeln der Männer zu eigen macht und sie in ihrem eigenen Spiel schlägt, erzählt Isabelle Lehn in einem ganz eigenen, leicht unterkühlten und kargen Stil, der hervorragend zu ihrer Protagonistin passt - und der ihr die Aura des Geheimnisvollen lässt.

Es kann einem bei der Lektüre Angst und Bange werden ob der geschilderten Zustände in den obersten Etagen der Hochfinanz. Und doch kann man sich einer gewissen Faszination nicht entziehen und wünscht der durchaus ambivalenten A. nur das Beste.

Ein fulminanter Roman, mitreißend und wie aus einem Guss, hochvergnüglich und leicht beängstigend - und wie die sehr geschätzte Daniela Dröscher sagt: „Ein flirrendes Stück investigativer Literatur.“

Unbedingt lesen und sich an dieser Geschichte und der unverwechselbaren Sprache erfreuen!

Die Spielerin

von Isabelle Lehn

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So, in etwa, ist es geschehen
Frank Menden

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Ein Mann und eine Frau fahren an einem heißen Tag im Mai von Berlin nach Timmendorfer Strand.
Am Ende des Tages wird der Mann tot sein. Ermordet von seiner Beifahrerin.

Die Frau, das ist die afrodeutsche Amita Haller. Sie möchte ihre Mutter zum Gedenktag des Untergangs der Cap Arcona treffen, welchen Amitas Großvater damals überlebte.
Der Mann ist ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat sie mitzunehmen.
Es ist unerträglich heiß, die Fahrt verläuft stockend, Brockhaus redet ohne Unterlass - bis Amita ihn mit einem Schal stranguliert.

„So in etwa ist es geschehen“ , ein mit 139 Seiten schmales Buch, ist ein äußerst vielschichtiger Roman, den man aufgrund seiner zahlreichen Verweise auf schwarze Kultur und die deutsche Erinnerungskultur mehrmals lesen sollte.
Das Feuilleton war sich uneins über diesen Roman und auch ich bin hin und hergerissen. Fakt ist, dass mich das Buch seit der Lektüre beschäftigt, ich viel nachgelesen habe, vieles recherchiert habe und mich mit dem Werk von u.a. Toni Morrison, Audre Lorde und Paul Celan zumindest ansatzweise vertrauter gemacht habe. AutorInnen, denen Sharon Dodua Otoo im Nachwort dankt und deren Einfluss im Text durchscheinen.
Der Roman hat ( nicht nur mich ) mit einigen Fragen zurückgelassen, denn das „Warum“ vieler Dinge wurde mir nicht ganz klar.
Er hat mir aber auch neue Perspektiven eröffnet, neue Denkräume geschaffen und mir ein noch lange nicht abgeschlossenes Leseerlebnis bescher

So, in etwa, ist es geschehen

von Sharon Dodua Otoo

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Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
Frank Menden

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Lange schon schleiche ich um eine Rezension von „Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben“ herum.
Warum? Nun, es ist gar nicht so einfach diesen Roman „zu pitchen“.

Klar, ich könnte über die aufkeimende und nicht unkomplizierte Liebesgeschichte von Nina ( 50, geschieden, zweifache Mutter, in einem nicht sooo sehr geliebten Job arbeitend ) und David ( 30, Inhaber eines hippen Sandwichladens, die er selbst kreiert ) schreiben. Über den Altersunterschied, die damit zusammenhängende Unsicherheit vor allem - aber nicht nur - durch das soziale Umfeld.

Oder über die Missstände in der Produktionsfirma, in der Nina und ihre beste Freundin Zeynep arbeiten, über die sexuellen Übergriffe bei den Dreharbeiten zu einer sehr beliebten Krimireihe.

Oder über Lena, Ninas Schwester, die verzweifelt versucht , bei den vermeintlich richtigen Leuten anzukommen und dabei sich selbst mehr und mehr aufgibt .

Oder über das schwieriger Verhältnis der beiden Schwestern . Oder beider schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Karin.

Ich könnte aber auch einfach schreiben, dass die Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker einen Roman geschrieben hat, der trotz der vielen Themen nie überfrachtet ist. Der Witz mit Tiefgang verbindet, der berührt und absolut mitreißend ist und bitte unbedingt verfilmt werden sollte ( natürlich von Frau Decker selbst!)

Aber ich sag es einfach so: ein verdammt guter Roman mit einem genialen Titel!

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben

von Anika Decker

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Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart
Frank Menden

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Südschleswig. Hier steht das Elternhaus der Erzählerin, hierher kehrt sie zurück weil ihre Mutter im Sterben liegt. Die evangelische Gemeindepastorin hat Krebs im Endstadium. Die Frau, die für alle Mitglieder ihrer Gemeinde ein offenes Ohr hat, mitfühlend, geduldig, fürsorglich.
Und die ihrer Familie, dem dänischen Musiker Ehemann, den drei Kindern, eher kühl und kontrollierend begegnete - so zumindest die Erinnerung der Erzählerin.
Doch ist jetzt im Anblick der letzten Tage der Zeitpunkt für eine Aufarbeitung gekommen? Was kann man der sterbenden Mutter an Wut und Enttäuschung entgegenbringen? Wie geht man um mit dieser sich ständig wechselnden Mischung aus Trauer und Schuldgefühlen, mit dem Gefühl, das ganze Leben nicht wirklich gesehen worden zu sein? Und darf man trotzdem noch unbändig lachen, tanzen, das Leben genießen? Oder muss man es gerade deswegen ?

„Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart“ von Marie-Louise Moller hat einen Ton, der mich von den ersten Sätzen an für das Buch eingenommen hat - trotz des bedrückenden Themas. Der Autorin gelingt das Kunststück gleichzeitig ernst und humorvoll zu sein, erzählt nüchtern und doch poetisch, sieht genau hin, und zeigt uns, dass das Leben keine eindeutigen Antworten liefert, das man es annehmen, aushalten und doch auch gestalten kann.
Ein Debütroman, der mich unglaublich berührt hat durch seine Klarheit - und durch seinen eigenen Ton auch immer wieder zum schmunzeln brachte. Hier liegt alles nebeneinander, wie im Leben selbst.
 

Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart

von Marie-Louise Monrad Møller

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Nicht
Frank Menden

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„Aber dann stellt sich heraus, der Sack mit Gottesgeschenken, der deinen Namen trägt, ist doch noch nicht vollkommen leer. Noch nicht.“

Für den Übersetzer Eli, einem Mann in den 50er, scheint eine tiefergehende Beziehung zu einer Frau nicht mehr möglich zu sein.
Nach dem Tod seiner Frau hatte er zwar flüchtige Begegnungen, Affären, aber nie ergab sich etwas von längerer Dauer.
Aber, so beschwichtigt er sich selbst, vielleicht ist es auch gut so. Seine beiden Kinder sind beruflich erfolgreich und brauchen keinerlei finanzielle Zuwendungen, seine Arbeit macht ihm Freude.
Doch dann lernt er bei gemeinsamen Freunden Lia kennen, eine Cellistin. Und plötzlich scheint es doch möglich zu sein: eine neue Liebe, ein gemeinsames Leben.
Aber eine kleine Unachtsamkeit entwickelt sich zu einer nicht mehr kontrollierbaren Situation, die alles zum einstürzen bringen kann…

„Nicht“ , übersetzt von Markus Lemke, ist ein mit 187 großzügig gesetzten Seiten schmaler Roman, der es allerdings in sich hat. Je mehr man der Geschichte folgt, je mehr sich Eli in sein eigenes Lügengespinst verstrickt, umso vielschichtiger wird der Roman, der am Ende noch einmal eine Kapriole schlägt.
Eine wahrlich kurzweilige, mitreißende und spannende Lektüre, die wieder einmal zeigt, dass dem Leben die eigenen Pläne herzlich egal sind - oder?

Nicht

von Dror Mishani

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Yesteryear
Frank Menden

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„Manchmal wurde mir fast schlecht, wenn ich darüber nachdachte, wie perfekt mein Leben war und wie gut mir alles gelang.“

Natalie Heller Mills. Die Frau, die alles hat. Eine renovierte Farm, malerisch gelegen. Einen attraktiven Ehemann aus einer guten amerikanischen Familie inclusive eines politisch ambitionierten Schwiegervaters auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur. Und fünf entzückende und sehr photogene Kinder.
Logisch, dass Natalie ein Social Media Star mit mehreren Millionen Followern ist.
Und ebenso logisch, dass dies viele Neider mit sich bringt.
Aber die verstehen eben nicht, wie wunderbar es ist, ein traditionelles Leben zu leben und sich ganz an christlichen Werten zu orientieren.
Eine Tradwife zu sein ist keine Arbeit, es ist eine Bestimmung. Oder ?

„Yesteryear“ übersetzt von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn, ist ein absoluter Pageturner, der sich äußerst gelungen zwischen Gesellschaftssatire und Spannungsroman bewegt. Denn natürlich ist auch in Natalies leben nicht alles Gold was glänzt, sind die Kamerawinkel exakt geplant und die HelferInnen im Hintergrund bleiben weitestgehend unsichtbar.
Was aber wenn aus der Inszenierung Realität wird? Ist das Leben dann immer noch so wunderbar?

Bewusst habe ich möglichst wenig über diesen Roman verraten, DEN Plotpoint nur vage angerissen. Je weniger man weiß, umso spannender ist dieses Buch.
Ich habe es in kürzester Zeit gelesen, viel geschmunzelt - und mich mehr in das Tradwife Phänomen vertieft.
Über die Auflösung wird sicherlich kontrovers diskutiert werden. Für mich war sie im Gesamtkonzept des Romans sehr schlüssig.
Also: lesen, weiterempfehlen, diskutieren.

Yesteryear

von Caro Claire Burke

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Noch fünf Tage
Frank Menden

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Davos, Silvesterabend.
Die Spitzenköchin Lis Castrop bereitet dem Millionär John Harmans, seiner Frau Reeta und den beiden Kindern ein Festmahl zu. Kurze Zeit später sind alle tot: vergiftet. Auch die Köchin hat es erwischt, dank einer schwächeren Dosis des Giftes verbleiben ihr aber noch fünf Tage. Kostbare Zeit, in der sie nicht nur vom Krankenhaus aus die Zukunft ihrer 12jährigen Tochter Cosima regeln muss. Lis muss gleichzeitig die Kriminalpolizei von Ihrer Unschuld überzeugen - und dabei ihren eigenen Mörder suchen…

„Noch fünf Tage“ von Helena Falke ist ein absolut ungewöhnlicher Thriller - und das nicht nur wegen seiner Prämisse. Wie ein Countdown läuft die Handlung ab, mit jeder Seite verliert auch die Protagonistin immer mehr Lebenszeit - und muss doch mit allerletzten Kräften herausfinden, wer das eigentliche Opfer sein sollte, und wer „nur“ ein Kollateralschaden war.
Wer Lust auf einen etwas anderen Thriller hat, der sollte sich dieser konsequent erzählten und immens spannenden ergeben, denn man kann dieses Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen!

Noch fünf Tage

von Helena Falke

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Brandung
Frank Menden

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„Wir möchten Sie im Rahmen einer Angelegenheit sprechen, die Sie betrifft.“

Der Anruf vom Kommissariat in Le Havre erwischt die Erzählerin, eine in Paris lebende Synchronsprecherin, verheiratet und Mutter, als sie gerade nach Hause kommt.
Die Leiche eines nicht identifizierbaren Mannes war gefunden worden, in seiner Tasche ein Kinoticket mit der Nummer der Ich-Erzählerin. Diese macht sich sofort auf den Weg in ihre Heimatstadt, verfolgt von Erinnerungen an die Vergangenheit. An ihre und an die der Stadt - und an einen Mann, ihren Jugendfreund, die erste große Liebe.
Könnte er der Tote sein?

„Brandung“ von Maylis de Kerangal , übersetzt von Andrea Spingler, beginnt wie ein klassischer Kriminalroman - und ist doch etwas völlig anderes.
Denn die Reise nach Le Havre stößt eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Protagonistin an, die sich mehr und mehr als unzuverlässige Erzählerin entpuppt und die uns an ihren Assoziationen über Geschichte, die Bedrohung ihres Berufes durch Künstliche Intelligenz und vielem mehr teilhaben lässt. Dabei gerät der Tote manchmal aus dem Fokus, bleibt aber unterschwellig stets präsent.
Man sollte sich einlassen auf diesen vielschichtigen und anspielungsreichen Roman, der zeigt, wie sehr die Brandung der Erinnerung uns auch Jahrzehnte nach bestimmten Ereignissen und Erfahrungen immer noch einholen kann.
Ein faszinierender Text, der Resonanzräume öffnet.

„Die Vergangenheit war keine fossile Materie, sie entwickelte sich in der Zeit, geschmeidig, plastisch, sie entwickelte sich endlos, sie lud sich auf im Lauf des Lebens, die Vergangenheit blieb lebendig.“

Brandung

von Maylis de Kerangal

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Hammerfrau
Frank Menden

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„Nein, ich war nicht leichtsinnig, sicher nicht. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich bin es leid, mir diese Frage zu stellen. Oder sie gestellt zu bekommen. Aber es war genau diese Frage, die mir viele gestellt haben, ohne sie auszusprechen. Ich habe sie in ihren Blicken gesehen.“

Julia steht kurz vor ihrem Durchbruch als Sopranistin als ein kleiner Gang durch den Park alles verändert. Hier wird sie von einem ihr unbekannten Mann, dem Plattenverkäufer Thomas, mit einem Hammer attackiert, die Folgen werden sie den Rest ihres Lebens begleiten.

Opfer wie Täter berichten abwechselnd wie es zu dieser Tat kam, wie ihr Leben davor verlief, wie danach.

„Hammerfrau“ von Mario Kreszner ist ein aufrüttelnder Roman. Ein Roman, der genau hinsieht, der beide Perspektiven nicht kommentiert und dessen Sympathien doch klar verteilt sind.
Es ist eine Geschichte, wie sie beinah täglich passiert und die uns alle zwingt genauer hinzusehen.
Und uns vor Augen führt, mit welchem Blick Männer Frauen betrachten.
Absolute Leseempfehlung!

Hammerfrau

von Mario Keszner

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Das Haus der Türen
Frank Menden

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1921 besucht der berühmte Schriftsteller William Somerset Maugham einen alten Freund aus London in Penang. Hier in Malaysia lebt der Anwalt Robert Hamlyn zusammen mit seiner Frau Lesley und freut sich, seinen einstigen Mitbewohner, der von seinem Sekretär - und dies ist schnell klar - und Liebhaber begleitet wird, wiederzusehen.
Der Besuch wird für den von seiner Asienreise erschöpften Schriftsteller allerdings weniger erholsam als gedacht.
Schnell erkennt er, dass es mit der Ehe seiner Gastgeber nicht zum besten steht und je mehr er und Lesley sich annähern, umso mehr erfährt er die Hintergründe dieser langsamen Entfremdung.
Da ist neben Roberts Krankheit, ein durch einen Giftgasangriff im Ersten Weltkrieg verursachtes Lungenleiden, auch Lesleys Zusammenarbeit mit einem bekannten chinesischen Revolutionär.
Und da ist ja auch noch der zehn Jahre zurückliegende Skandal um Lesleys Freundin Ethel, die in einem spektakulären Prozess des Mordes beschuldigt wurde….

Als großer Fan der Werke W. Somerset Maughams ( man sollte unbedingt „Der Menschen Hörigkeit lesen ) war der für den Booker Prize nominierte Roman „Das Haus der Türen“ natürlich ein Muss.
Tan Twan Eng hat einen atmosphärischen Roman über Menschen geschrieben, die Gefangene der Konventionen ihrer Zeit sind. Gleichberechtigung der Frau, Homosexualität und politischer Freiheitskampf sind ebenso seine Themen wie die Manipulation von Menschen durch einen Autoren, der alles ihm anvertraute für sein Werk nutzt.
Somerset Maughams vorherrschendes Thema seiner Romane waren die menschlichen Schwächen, die zum scheitern von Beziehungen führen: Selbstsucht, Stolz, Heuchelei, Feigheit und Angst.
Tan Twang Eng greift dies in seinem hervorragend von Michaela Grabinger übersetzten Roman auf und zeigt uns zudem in einem genialen Twist, wie Literatur ihre Magie entfaltet.
Ein sehr zu empfehlender Roman, nach dessen Lektüre man unbedingt Maughams „The Letter“ lesen sollte.

Das Haus der Türen

von Tan Twan Eng

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Hier draußen
Frank Menden

Frank Menden

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„Was hier üblich war und schon immer so, das hatte so zu passieren, und wer das nicht abkonnte, gehörte eben nicht dazu.“

Fehrdorf in Schleswig-Holstein. Hier hat alles und jede(r) seinen angestammten Platz. Nur Ingo und Lara fremdeln noch ein wenig mit dem kleinen Dorf. Der Umzug von Hamburg hierher auf den schönen großen Resthof sollte ihnen und ihren Kindern die Möglichkeit für einen Neuanfang geben. Doch zwischen den Vorzeigelandfrauen, den wortkargen Bauern und den beiden letzten Bewohnern einer einstigen Öko-WG ist es schwer einen Platz zu finden, sich einzuordnen in die tradierte Choreografie des Ortes.
Als Ingo eines Abends einen Wildunfall mit einer weißen Hirschkuh hat und sich Dorfjäger Uwe weigert, dem schwer verwundeten Tier alleine den Gnadenschuss zu geben, da denjenigen, der eine weiße Hirschkuh tötet, innerhalb eines Jahres der Tod ereilt, setzt dies eine Kette von Ereignissen in Gang , die unweigerlich zu Veränderungen führt. Und da ist ja auch noch die Prophezeiung….

Es gibt nur eines, was ich nach der Lektüre von „Hier draussen“ bedaure: dass ich diesen wunderbaren Roman nicht früher gelesen habe.

Martina Behm hat einen Dorfroman geschrieben, der nichts beschönigt, der mit Klischees gleichzeitig aufräumt und sie bestätigt, mit viel Empathie und leisem Humor ihr Sujet betrachtet und das fiktive Fehrdorf mit seinen Bewohnern so lebendig werden lässt, dass man es mit allen Sinnen erfasst.
Der vielschichtige Roman bietet eine multiperspektivische Sicht auf vermeintliche und reale Dorfromantik, auf Beziehungen und Traditionen. Nie gerät der Roman in den Ruch eine thesenhafte Versuchsanordnung zu sein, dafür kennt die Autorin ihr Setting und Personal zu gut.
„Hier draussen“ ist ein Roman über das Land, das Leben - und das Landleben. Mit allen Höhen und Tiefen, allen Facetten und Schattierungen, ohne Kitsch, völlig unsentimental, lebensklug und unbedingt lesenswert!
Wie Max Moor korrekt auf dem Umschlag zitiert wird : „Ein richtig gutes Buch“

Hier draußen

von Martina Behm

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Unter Grund
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Eine junge Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf und stellt sich dort ihrer Vergangenheit - ihrer rechten Vergangenheit.
Die junge Frau ist Franziska, eine Referendarin, das Dorf liegt in der fränkischen Provinz .
Hier ist sie aufgewachsen, der Vater früh verstorben, die Mutter nach dessen Tod überfordert und sich der Esoterik zuwendend, die Großmutter barsch und verschlossen.
Aus einer zufälligen Begegnung erwächst eine Freundschaft, die Franziska mehr und mehr in rechtsradikale Kreise führt…

„Unter Grund“ erzählt authentisch vom allmählichen abdriften in die Rechte Szene, von rechtem Gedankengut, das unterschwellig im Dorf schwelt und dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt, die alle am liebsten vergessen wollen.
Verdrängen und Schweigen, Wegschauen und -hören wenn es unangenehm wird, das scheint die Devise zu sein. Bis Franziska, die sich mittlerweile von ihrer Vergangenheit distanziert hat (sich aber trotzdem nicht traut mit ihrem neuen Umfeld darüber zu reden) wieder auftaucht und alte Wunden aufbrechen.

Für mich ist dieses Debüt ein überzeugender Blick auf ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit, genau beobachtet, in einem eigenen unverwechselbaren Ton geschrieben und ohne erhobenen Zeigefinger.
Ein Roman, der gelesen werden sollte !

Unter Grund

von Annegret Liepold

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Drei Tage im Juni
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Anne Tyler ist immer eine sichere Bank .
Ihr neuer Roman „Drei Tage im Juni“ , übersetzt von Michaela Grabinger, zeigt erneut ihre Meisterschaft.

Die titelgebenden drei Tage im Juni sind die Tage vor und nach der Hochzeit der gemeinsamen Tochter von Gail und Max, sowie der feierliche Tag selbst .
Gail und Max sind schon lange geschieden, haben einen guten Umgang miteinander gefunden.
So ist es für Gail auch völlig okay, Max bei sich über die Hochzeit unterzubringen.
Nicht ganz so okay ist die Ansage ihrer Chefin ihr den Job als stellvertretende Schuldirektorin wegen mangelnder Sozialkompetenz zu kündigen .
Und erst recht nicht okay ist die Tatsache, dass ihre Tochter Debbie am Tag vor der Hochzeit völlig fertig ist, da sie gerade erfahren hat , dass ihr zukünftiger Mann sie wohl vor gar nicht langer Zeit betrogen hat .
Nicht die besten Voraussetzungen für eine strahlende Hochzeit, zu der auch ein recht missglückter Friseurbesuch nicht gerade optimistisch einstimmt …

208 Seiten hat dieser Roman, und jede Seite ist ein Genuss . Anne Tyler hat mit der 61jährigen Gail eine Protagonistin geschaffen, die einem gerade wegen ihrer oftmals etwas brüsken Art sehr schnell ans Herz wächst und die uns mit all ihren Fehlern und Vorzügen wünschen lässt, dass sich alles in ihrem Leben zurechtrücken wird.
Mich hat dieser mit genauem Blick und voller Empathie erzählte Roman für ein paar Stunden völlig in den Bann gezogen und mich wieder darin bestärkt, dass Anne Tyler eine der großen amerikanischen AutorInnen ist.

Drei Tage im Juni

von Anne Tyler

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