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Alle Empfehlungen von Frank Menden

Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

ist der ungeschlagene Vielleser im stories! Team. Seit einiger Zeit bereichert er die Welt des Bookstergram mit seinen Empfehlungen auf Instagram und war damit auch für den Buchblog Award 2018 nominiert. Außerdem kann man ihn dann und wann in der "Lesart" auf Deutschlandradio Kultur hören, wo er Geheimtipps und das Neueste vom Neuesten empfiehlt.
Zudem war er in der Jury für die Wahl des Deutschen Buchpreises 2022!

So, in etwa, ist es geschehen
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

Ein Mann und eine Frau fahren an einem heißen Tag im Mai von Berlin nach Timmendorfer Strand.
Am Ende des Tages wird der Mann tot sein. Ermordet von seiner Beifahrerin.

Die Frau, das ist die afrodeutsche Amita Haller. Sie möchte ihre Mutter zum Gedenktag des Untergangs der Cap Arcona treffen, welchen Amitas Großvater damals überlebte.
Der Mann ist ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat sie mitzunehmen.
Es ist unerträglich heiß, die Fahrt verläuft stockend, Brockhaus redet ohne Unterlass - bis Amita ihn mit einem Schal stranguliert.

„So in etwa ist es geschehen“ , ein mit 139 Seiten schmales Buch, ist ein äußerst vielschichtiger Roman, den man aufgrund seiner zahlreichen Verweise auf schwarze Kultur und die deutsche Erinnerungskultur mehrmals lesen sollte.
Das Feuilleton war sich uneins über diesen Roman und auch ich bin hin und hergerissen. Fakt ist, dass mich das Buch seit der Lektüre beschäftigt, ich viel nachgelesen habe, vieles recherchiert habe und mich mit dem Werk von u.a. Toni Morrison, Audre Lorde und Paul Celan zumindest ansatzweise vertrauter gemacht habe. AutorInnen, denen Sharon Dodua Otoo im Nachwort dankt und deren Einfluss im Text durchscheinen.
Der Roman hat ( nicht nur mich ) mit einigen Fragen zurückgelassen, denn das „Warum“ vieler Dinge wurde mir nicht ganz klar.
Er hat mir aber auch neue Perspektiven eröffnet, neue Denkräume geschaffen und mir ein noch lange nicht abgeschlossenes Leseerlebnis bescher

So, in etwa, ist es geschehen

von Sharon Dodua Otoo

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Die Liebeshungrigen
Frank Menden

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„Man glaubt immer, dass bei einem selbst alles anders ist, aber das täuscht. Man erlebt dieselben Rückschläge wie der Rest der Welt.“

Der ehemalige französische Präsident Dan Lehmann leidet unter dem Verlust seiner Macht, der zunehmenden Bedeutungslosigkeit seitdem er vor einem Jahr aus dem Élysée Palast ausziehen musste. Der Alkohol ist sein bester Freund, mit dem er auch das Scheitern seiner zweiten Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda Müller „verarbeitet“.
Hilda wiederum hat nach einer längeren Durststrecke, in der sie nur als First Lady fungierte, endlich wieder eine vielversprechende Rolle ergattert, pikanterweise in der Verfilmung eines Romans der ersten Frau ihres Noch - Ehemanns.
Regisseur dieses mit Spannung erwarteten Films ist das ehemalige Wunderkind des französischen Kinos, Romain Nizan, der den Erfolg ebenso dringend benötigt wie Hilda - und dem das Projekt von seiner On/Off Geliebten empfohlen wurde, die es ebenfalls auf die Hauptrolle abgesehen hatte…

Dies ist die Ausgangslage in Karine Tuils neuen grandiosen und absolut mitreißenden Roman „Die Liebeshungrigen“ , übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch.
Es geht um Macht in all ihren Facetten, um die Gnadenlosigkeit der Medien, um die Liebe in all ihren Spielarten - und um uns Menschen, die versuchen, den entscheidenden Moment des verheißungsvollen Glücks zu ergattern und nicht in Vergessenheit zu geraten.
Ein Roman, den ich tatsächlich ALLEN LESENDEN nur dringendst empfehlen kann, denn er ist einfach !!!!!!

Die Liebeshungrigen

von Karine Tuil

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Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart
Frank Menden

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Südschleswig. Hier steht das Elternhaus der Erzählerin, hierher kehrt sie zurück weil ihre Mutter im Sterben liegt. Die evangelische Gemeindepastorin hat Krebs im Endstadium. Die Frau, die für alle Mitglieder ihrer Gemeinde ein offenes Ohr hat, mitfühlend, geduldig, fürsorglich.
Und die ihrer Familie, dem dänischen Musiker Ehemann, den drei Kindern, eher kühl und kontrollierend begegnete - so zumindest die Erinnerung der Erzählerin.
Doch ist jetzt im Anblick der letzten Tage der Zeitpunkt für eine Aufarbeitung gekommen? Was kann man der sterbenden Mutter an Wut und Enttäuschung entgegenbringen? Wie geht man um mit dieser sich ständig wechselnden Mischung aus Trauer und Schuldgefühlen, mit dem Gefühl, das ganze Leben nicht wirklich gesehen worden zu sein? Und darf man trotzdem noch unbändig lachen, tanzen, das Leben genießen? Oder muss man es gerade deswegen ?

„Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart“ von Marie-Louise Moller hat einen Ton, der mich von den ersten Sätzen an für das Buch eingenommen hat - trotz des bedrückenden Themas. Der Autorin gelingt das Kunststück gleichzeitig ernst und humorvoll zu sein, erzählt nüchtern und doch poetisch, sieht genau hin, und zeigt uns, dass das Leben keine eindeutigen Antworten liefert, das man es annehmen, aushalten und doch auch gestalten kann.
Ein Debütroman, der mich unglaublich berührt hat durch seine Klarheit - und durch seinen eigenen Ton auch immer wieder zum schmunzeln brachte. Hier liegt alles nebeneinander, wie im Leben selbst.

Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart

von Marie-Louise Monrad Møller

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Nicht
Frank Menden

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„Aber dann stellt sich heraus, der Sack mit Gottesgeschenken, der deinen Namen trägt, ist doch noch nicht vollkommen leer. Noch nicht.“

Für den Übersetzer Eli, einem Mann in den 50er, scheint eine tiefergehende Beziehung zu einer Frau nicht mehr möglich zu sein.
Nach dem Tod seiner Frau hatte er zwar flüchtige Begegnungen, Affären, aber nie ergab sich etwas von längerer Dauer.
Aber, so beschwichtigt er sich selbst, vielleicht ist es auch gut so. Seine beiden Kinder sind beruflich erfolgreich und brauchen keinerlei finanzielle Zuwendungen, seine Arbeit macht ihm Freude.
Doch dann lernt er bei gemeinsamen Freunden Lia kennen, eine Cellistin. Und plötzlich scheint es doch möglich zu sein: eine neue Liebe, ein gemeinsames Leben.
Aber eine kleine Unachtsamkeit entwickelt sich zu einer nicht mehr kontrollierbaren Situation, die alles zum einstürzen bringen kann…

„Nicht“ , übersetzt von Markus Lemke, ist ein mit 187 großzügig gesetzten Seiten schmaler Roman, der es allerdings in sich hat. Je mehr man der Geschichte folgt, je mehr sich Eli in sein eigenes Lügengespinst verstrickt, umso vielschichtiger wird der Roman, der am Ende noch einmal eine Kapriole schlägt.
Eine wahrlich kurzweilige, mitreißende und spannende Lektüre, die wieder einmal zeigt, dass dem Leben die eigenen Pläne herzlich egal sind - oder?

Nicht

von Dror Mishani

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Yesteryear
Frank Menden

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„Manchmal wurde mir fast schlecht, wenn ich darüber nachdachte, wie perfekt mein Leben war und wie gut mir alles gelang.“

Natalie Heller Mills. Die Frau, die alles hat. Eine renovierte Farm, malerisch gelegen. Einen attraktiven Ehemann aus einer guten amerikanischen Familie inclusive eines politisch ambitionierten Schwiegervaters auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur. Und fünf entzückende und sehr photogene Kinder.
Logisch, dass Natalie ein Social Media Star mit mehreren Millionen Followern ist.
Und ebenso logisch, dass dies viele Neider mit sich bringt.
Aber die verstehen eben nicht, wie wunderbar es ist, ein traditionelles Leben zu leben und sich ganz an christlichen Werten zu orientieren.
Eine Tradwife zu sein ist keine Arbeit, es ist eine Bestimmung. Oder ?

„Yesteryear“ übersetzt von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn, ist ein absoluter Pageturner, der sich äußerst gelungen zwischen Gesellschaftssatire und Spannungsroman bewegt. Denn natürlich ist auch in Natalies leben nicht alles Gold was glänzt, sind die Kamerawinkel exakt geplant und die HelferInnen im Hintergrund bleiben weitestgehend unsichtbar.
Was aber wenn aus der Inszenierung Realität wird? Ist das Leben dann immer noch so wunderbar?

Bewusst habe ich möglichst wenig über diesen Roman verraten, DEN Plotpoint nur vage angerissen. Je weniger man weiß, umso spannender ist dieses Buch.
Ich habe es in kürzester Zeit gelesen, viel geschmunzelt - und mich mehr in das Tradwife Phänomen vertieft.
Über die Auflösung wird sicherlich kontrovers diskutiert werden. Für mich war sie im Gesamtkonzept des Romans sehr schlüssig.
Also: lesen, weiterempfehlen, diskutieren.

Yesteryear

von Caro Claire Burke

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Noch fünf Tage
Frank Menden

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Davos, Silvesterabend.
Die Spitzenköchin Lis Castrop bereitet dem Millionär John Harmans, seiner Frau Reeta und den beiden Kindern ein Festmahl zu. Kurze Zeit später sind alle tot: vergiftet. Auch die Köchin hat es erwischt, dank einer schwächeren Dosis des Giftes verbleiben ihr aber noch fünf Tage. Kostbare Zeit, in der sie nicht nur vom Krankenhaus aus die Zukunft ihrer 12jährigen Tochter Cosima regeln muss. Lis muss gleichzeitig die Kriminalpolizei von Ihrer Unschuld überzeugen - und dabei ihren eigenen Mörder suchen…

„Noch fünf Tage“ von Helena Falke ist ein absolut ungewöhnlicher Thriller - und das nicht nur wegen seiner Prämisse. Wie ein Countdown läuft die Handlung ab, mit jeder Seite verliert auch die Protagonistin immer mehr Lebenszeit - und muss doch mit allerletzten Kräften herausfinden, wer das eigentliche Opfer sein sollte, und wer „nur“ ein Kollateralschaden war.
Wer Lust auf einen etwas anderen Thriller hat, der sollte sich dieser konsequent erzählten und immens spannenden ergeben, denn man kann dieses Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen!

Noch fünf Tage

von Helena Falke

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Brandung
Frank Menden

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„Wir möchten Sie im Rahmen einer Angelegenheit sprechen, die Sie betrifft.“

Der Anruf vom Kommissariat in Le Havre erwischt die Erzählerin, eine in Paris lebende Synchronsprecherin, verheiratet und Mutter, als sie gerade nach Hause kommt.
Die Leiche eines nicht identifizierbaren Mannes war gefunden worden, in seiner Tasche ein Kinoticket mit der Nummer der Ich-Erzählerin. Diese macht sich sofort auf den Weg in ihre Heimatstadt, verfolgt von Erinnerungen an die Vergangenheit. An ihre und an die der Stadt - und an einen Mann, ihren Jugendfreund, die erste große Liebe.
Könnte er der Tote sein?

„Brandung“ von Maylis de Kerangal , übersetzt von Andrea Spingler, beginnt wie ein klassischer Kriminalroman - und ist doch etwas völlig anderes.
Denn die Reise nach Le Havre stößt eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Protagonistin an, die sich mehr und mehr als unzuverlässige Erzählerin entpuppt und die uns an ihren Assoziationen über Geschichte, die Bedrohung ihres Berufes durch Künstliche Intelligenz und vielem mehr teilhaben lässt. Dabei gerät der Tote manchmal aus dem Fokus, bleibt aber unterschwellig stets präsent.
Man sollte sich einlassen auf diesen vielschichtigen und anspielungsreichen Roman, der zeigt, wie sehr die Brandung der Erinnerung uns auch Jahrzehnte nach bestimmten Ereignissen und Erfahrungen immer noch einholen kann.
Ein faszinierender Text, der Resonanzräume öffnet.

„Die Vergangenheit war keine fossile Materie, sie entwickelte sich in der Zeit, geschmeidig, plastisch, sie entwickelte sich endlos, sie lud sich auf im Lauf des Lebens, die Vergangenheit blieb lebendig.“

Brandung

von Maylis de Kerangal

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Hammerfrau
Frank Menden

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„Nein, ich war nicht leichtsinnig, sicher nicht. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich bin es leid, mir diese Frage zu stellen. Oder sie gestellt zu bekommen. Aber es war genau diese Frage, die mir viele gestellt haben, ohne sie auszusprechen. Ich habe sie in ihren Blicken gesehen.“

Julia steht kurz vor ihrem Durchbruch als Sopranistin als ein kleiner Gang durch den Park alles verändert. Hier wird sie von einem ihr unbekannten Mann, dem Plattenverkäufer Thomas, mit einem Hammer attackiert, die Folgen werden sie den Rest ihres Lebens begleiten.

Opfer wie Täter berichten abwechselnd wie es zu dieser Tat kam, wie ihr Leben davor verlief, wie danach.

„Hammerfrau“ von Mario Kreszner ist ein aufrüttelnder Roman. Ein Roman, der genau hinsieht, der beide Perspektiven nicht kommentiert und dessen Sympathien doch klar verteilt sind.
Es ist eine Geschichte, wie sie beinah täglich passiert und die uns alle zwingt genauer hinzusehen.
Und uns vor Augen führt, mit welchem Blick Männer Frauen betrachten.
Absolute Leseempfehlung!

Hammerfrau

von Mario Keszner

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Das Haus der Türen
Frank Menden

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1921 besucht der berühmte Schriftsteller William Somerset Maugham einen alten Freund aus London in Penang. Hier in Malaysia lebt der Anwalt Robert Hamlyn zusammen mit seiner Frau Lesley und freut sich, seinen einstigen Mitbewohner, der von seinem Sekretär - und dies ist schnell klar - und Liebhaber begleitet wird, wiederzusehen.
Der Besuch wird für den von seiner Asienreise erschöpften Schriftsteller allerdings weniger erholsam als gedacht.
Schnell erkennt er, dass es mit der Ehe seiner Gastgeber nicht zum besten steht und je mehr er und Lesley sich annähern, umso mehr erfährt er die Hintergründe dieser langsamen Entfremdung.
Da ist neben Roberts Krankheit, ein durch einen Giftgasangriff im Ersten Weltkrieg verursachtes Lungenleiden, auch Lesleys Zusammenarbeit mit einem bekannten chinesischen Revolutionär.
Und da ist ja auch noch der zehn Jahre zurückliegende Skandal um Lesleys Freundin Ethel, die in einem spektakulären Prozess des Mordes beschuldigt wurde….

Als großer Fan der Werke W. Somerset Maughams ( man sollte unbedingt „Der Menschen Hörigkeit lesen ) war der für den Booker Prize nominierte Roman „Das Haus der Türen“ natürlich ein Muss.
Tan Twan Eng hat einen atmosphärischen Roman über Menschen geschrieben, die Gefangene der Konventionen ihrer Zeit sind. Gleichberechtigung der Frau, Homosexualität und politischer Freiheitskampf sind ebenso seine Themen wie die Manipulation von Menschen durch einen Autoren, der alles ihm anvertraute für sein Werk nutzt.
Somerset Maughams vorherrschendes Thema seiner Romane waren die menschlichen Schwächen, die zum scheitern von Beziehungen führen: Selbstsucht, Stolz, Heuchelei, Feigheit und Angst.
Tan Twang Eng greift dies in seinem hervorragend von Michaela Grabinger übersetzten Roman auf und zeigt uns zudem in einem genialen Twist, wie Literatur ihre Magie entfaltet.
Ein sehr zu empfehlender Roman, nach dessen Lektüre man unbedingt Maughams „The Letter“ lesen sollte.

Das Haus der Türen

von Tan Twan Eng

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Hier draußen
Frank Menden

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„Was hier üblich war und schon immer so, das hatte so zu passieren, und wer das nicht abkonnte, gehörte eben nicht dazu.“

Fehrdorf in Schleswig-Holstein. Hier hat alles und jede(r) seinen angestammten Platz. Nur Ingo und Lara fremdeln noch ein wenig mit dem kleinen Dorf. Der Umzug von Hamburg hierher auf den schönen großen Resthof sollte ihnen und ihren Kindern die Möglichkeit für einen Neuanfang geben. Doch zwischen den Vorzeigelandfrauen, den wortkargen Bauern und den beiden letzten Bewohnern einer einstigen Öko-WG ist es schwer einen Platz zu finden, sich einzuordnen in die tradierte Choreografie des Ortes.
Als Ingo eines Abends einen Wildunfall mit einer weißen Hirschkuh hat und sich Dorfjäger Uwe weigert, dem schwer verwundeten Tier alleine den Gnadenschuss zu geben, da denjenigen, der eine weiße Hirschkuh tötet, innerhalb eines Jahres der Tod ereilt, setzt dies eine Kette von Ereignissen in Gang , die unweigerlich zu Veränderungen führt. Und da ist ja auch noch die Prophezeiung….

Es gibt nur eines, was ich nach der Lektüre von „Hier draussen“ bedaure: dass ich diesen wunderbaren Roman nicht früher gelesen habe.

Martina Behm hat einen Dorfroman geschrieben, der nichts beschönigt, der mit Klischees gleichzeitig aufräumt und sie bestätigt, mit viel Empathie und leisem Humor ihr Sujet betrachtet und das fiktive Fehrdorf mit seinen Bewohnern so lebendig werden lässt, dass man es mit allen Sinnen erfasst.
Der vielschichtige Roman bietet eine multiperspektivische Sicht auf vermeintliche und reale Dorfromantik, auf Beziehungen und Traditionen. Nie gerät der Roman in den Ruch eine thesenhafte Versuchsanordnung zu sein, dafür kennt die Autorin ihr Setting und Personal zu gut.
„Hier draussen“ ist ein Roman über das Land, das Leben - und das Landleben. Mit allen Höhen und Tiefen, allen Facetten und Schattierungen, ohne Kitsch, völlig unsentimental, lebensklug und unbedingt lesenswert!
Wie Max Moor korrekt auf dem Umschlag zitiert wird : „Ein richtig gutes Buch“

Hier draußen

von Martina Behm

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Unter Grund
Frank Menden

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Eine junge Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf und stellt sich dort ihrer Vergangenheit - ihrer rechten Vergangenheit.
Die junge Frau ist Franziska, eine Referendarin, das Dorf liegt in der fränkischen Provinz .
Hier ist sie aufgewachsen, der Vater früh verstorben, die Mutter nach dessen Tod überfordert und sich der Esoterik zuwendend, die Großmutter barsch und verschlossen.
Aus einer zufälligen Begegnung erwächst eine Freundschaft, die Franziska mehr und mehr in rechtsradikale Kreise führt…

„Unter Grund“ erzählt authentisch vom allmählichen abdriften in die Rechte Szene, von rechtem Gedankengut, das unterschwellig im Dorf schwelt und dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt, die alle am liebsten vergessen wollen.
Verdrängen und Schweigen, Wegschauen und -hören wenn es unangenehm wird, das scheint die Devise zu sein. Bis Franziska, die sich mittlerweile von ihrer Vergangenheit distanziert hat (sich aber trotzdem nicht traut mit ihrem neuen Umfeld darüber zu reden) wieder auftaucht und alte Wunden aufbrechen.

Für mich ist dieses Debüt ein überzeugender Blick auf ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit, genau beobachtet, in einem eigenen unverwechselbaren Ton geschrieben und ohne erhobenen Zeigefinger.
Ein Roman, der gelesen werden sollte !

Unter Grund

von Annegret Liepold

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Drei Tage im Juni
Frank Menden

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Anne Tyler ist immer eine sichere Bank .
Ihr neuer Roman „Drei Tage im Juni“ , übersetzt von Michaela Grabinger, zeigt erneut ihre Meisterschaft.

Die titelgebenden drei Tage im Juni sind die Tage vor und nach der Hochzeit der gemeinsamen Tochter von Gail und Max, sowie der feierliche Tag selbst .
Gail und Max sind schon lange geschieden, haben einen guten Umgang miteinander gefunden.
So ist es für Gail auch völlig okay, Max bei sich über die Hochzeit unterzubringen.
Nicht ganz so okay ist die Ansage ihrer Chefin ihr den Job als stellvertretende Schuldirektorin wegen mangelnder Sozialkompetenz zu kündigen .
Und erst recht nicht okay ist die Tatsache, dass ihre Tochter Debbie am Tag vor der Hochzeit völlig fertig ist, da sie gerade erfahren hat , dass ihr zukünftiger Mann sie wohl vor gar nicht langer Zeit betrogen hat .
Nicht die besten Voraussetzungen für eine strahlende Hochzeit, zu der auch ein recht missglückter Friseurbesuch nicht gerade optimistisch einstimmt …

208 Seiten hat dieser Roman, und jede Seite ist ein Genuss . Anne Tyler hat mit der 61jährigen Gail eine Protagonistin geschaffen, die einem gerade wegen ihrer oftmals etwas brüsken Art sehr schnell ans Herz wächst und die uns mit all ihren Fehlern und Vorzügen wünschen lässt, dass sich alles in ihrem Leben zurechtrücken wird.
Mich hat dieser mit genauem Blick und voller Empathie erzählte Roman für ein paar Stunden völlig in den Bann gezogen und mich wieder darin bestärkt, dass Anne Tyler eine der großen amerikanischen AutorInnen ist.

Drei Tage im Juni

von Anne Tyler

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Bevor wir uns vergessen
Frank Menden

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„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“
Sören Kierkegaard

Alice und Jules, beide 85 Jahre alt, treffen sich auf einer Bank im Jardin du Luxembourg in Paris .
Hier begann vor sechzig Jahren ihre gemeinsame Geschichte, ihre Liebe, die so groß war und ist, dass sie alle Stürme des Lebens überdauert hat. Doch wie ist ihnen dieses Kunststück gelungen? Und wie schauen sie auf die gemeinsame Zeit zurück, jetzt, da die Erinnerungen schwinden….

„Bevor wir uns vergessen“ ist der neue Roman von Eliette Abecassis, übersetzt von Kirsten Gleinig .
Und wie auch schon „Mit uns wäre es anders gewesen“ ( jetzt übrigens zeitgleich als Taschenbuch erschienen) hat mich auch dieser Roman fasziniert und überzeugt.
Die Autorin erzählt die Geschichte von Alice und Jules rückwärts, kommt dem Ursprung ihrer Geschichte in Schlaglichtern näher und enthüllt uns so das Leben zweier Menschen, die manchmal nur schwer miteinander leben können. Und bei denen doch klar ist, dass sie ohne einander nicht sein können - so wie es die beiden nach ihrer ersten Begegnung wissen.

Man kann diese Erzählweise für einen „Gimmick“ halten, mich hat der Roman gerade deswegen so beeindruckt. Zu erfahren, wo Verhaltensweisen ihren Ursprung haben, wann die gemeinsamen Rituale begannen ( und warum ) und was es mit den wiederkehrenden Redewendungen auf sich hat … Für mich war dieses langsame entblättern ein Genuss.
Und der Brief, der am Anfang der Geschichte von Alice und Jules stand und den wir am Ende der 176 Seiten lesen - so einen Brief würden wir alle wohl gern einmal erhalten….

Bevor wir uns vergessen

von Éliette Abécassis

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Scheidung
Frank Menden

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30 Jahre verheiratet, zwei Töchter , eine schöne Wohnung mit brandneuer schicker Küche - und plötzlich ist alles aus.
Nach einem Streit kehrt Niklas nicht in die Wohnung zurück . Auch am nächsten Tag: keine Nachricht.
Bea weiß sich nicht zu helfen. Ist Niklas vielleicht etwas zugestoßen, warum meldet er sich nicht?
Als er es dann doch macht, stellt er seine Frau vor vollendete Tatsachen: er will dieses Leben nicht mehr, er will die Scheidung.
Für Bea bricht eine Welt zusammen. Was ist in ihren Mann gefahren? Ist all Ihre Vergangenheit, ihre Töchter, das gemeinsame Zuhause, ist das alles nichts mehr wert?

„Scheidung“ von Moa Herngren , übersetzt von Katharina Martl, erzählt realistisch und psychologisch genau die Geschichte einer Trennung - und zwar aus beider Perspektiven.
Das ist spannend und ernüchternd, erhellend und auch ein wenig beängstigend, denn hier erfährt man , wie unterschiedlich zwei Menschen ihr gemeinsames Leben erlebt haben. Und wie sich Kleinigkeiten zu unüberwindlichen Hindernissen entwickeln.

399 Seiten, keine ist zu viel. Man versteht sowohl Bea als auch Niklas, versteht beider Verhalten, ihre Gründe und Sorgen, Wünsche und Träume.
Man ist ganz nah dran, erkennt einiges aus vergangenen Trennungen wieder, ist mit dem Umfeld der beiden hin und hergerissen - und ist am Ende beeindruckt , wie nuanciert die Autorin die vielen Seiten einer Beziehung ans Licht bringt.
Ein hervorragender Roman, nah an den Figuren, nah am Leben. Und trotz aller Bitternis auch ein Mut machendes Buch!

Scheidung

von Moa Herngren

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Die seltenste Frucht
Frank Menden

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Vanille.
Es gibt keinen Geschmack, den ich mehr liebe als den von Vanille. Egal ob Eis, als Sauce, im Kuchen oder Gebäck: der Geschmack und der Duft von Vanille führt bei mir immer sofort zu einem absoluten Wohlfühlen.
Doch wie ist die Vanille überhaupt in unsere Welt gekommen?

Davon erzählt Gaelle Belem in „Die seltenste Frucht“ , übersetzt von Gudrun Honke.
Auf der französisch kolonisierten Ile Bourbon (!) wächst Edmond Albius in 19. Jahrhundert als Sklave auf. Der zwölfjährige Waisenjunge lebt bei Ferreol Beaumont, seinem „Besitzer“, der ein begeisterter Botaniker ist und dem es trotz vieler Versuche nicht gelingen will, der Gewürzvanille eine Frucht abzuringen.
Edmond, der die Begeisterung für Botanik mit Beaumont teilt, forscht selbst, probiert und probiert - und erfindet ein Verfahren zum händischen Bestäuben. Der Grundstein für den Siegeszug der Vanille ist gelegt…

Dies ist jetzt natürlich arg verkürzt dargestellt. Gaelle Belem hat für ihren Roman sorgfältig recherchiert und führt ihre Geschichte über die persönliche Erzählung Edmonds hinaus zu einer Geschichte über Kolonialismus und Rassismus. Denn auch wenn Beaumont immer wieder auf Edmonds bahnbrechenden Beitrag zur Kultivierung der Vanille hinweist, es trägt nicht zu einem besseren Leben für den jungen Mann bei, der nach der Freilassung - wie so viele ehemalige Sklaven - ein armseliges prekäres Leben führt.

Ein sprachlich kraftvoller historischer Roman, der mich seitdem Vanille mit anderen Augen betrachten lässt.

Die seltenste Frucht

von Gaëlle Bélem

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Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter
Frank Menden

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Man möchte ja angesichts der Nachrichtenlage wahlweise schreien oder sich vergraben und dem Eskapismus frönen.
Oder man liest Wolfgang Schorlaus neues Buch, die geniale bitterböse Politsatire „Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter“ .

Es ist ein schmales Buch, ganz auf der Höhe der Zeit, in der die Titelfigur den politischen Aufstieg vom Gas-Manager über einen Ministerposten bis hin zum Bundeskanzler anstrebt - und diesem Ziel bereitwillig alles unterordnet.
En Passant kommt auch die jüngere deutsche Wirtschaftsgeschichte vor, vornehmlich der Beitrag der Gas-Lobby zum Niedergang der einst blühenden Solarenergie. Katharina Reiche anyone?

Wie schon in seinen Dengler Krimis ist Wolfgang Schorlau auch hier ganz nah an der gesellschaftlichen und politischen Realität. Auf den knapp 160 Seiten ist alles auf den Punkt gebracht: die Einflussnahme externer „Player“ auf politische Entscheidungen, das typische „Business-Denglish“ des Polit- und Medienbetriebs, die Dehnung der Wahrheit bis sie wieder ins geschaffene Bild passt und und und…
Ein vortrefflicher Blick auf die aktuelle politische Lage, bei der einem das Lachen oft im Halse steckenbleibt - wie es sich für eine gelungene Satire gehört.

Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter

von Wolfgang Schorlau

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Sommer ohne Plan
Frank Menden

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Zugegeben: ich hatte meine Vorbehalte gegenüber „Sommer ohne Plan“ von Johanna Swanberg , übersetzt von Nina Hoyer.
Die Geschichte von Cassi, die nach einem Burnout ihr schickes Stockholmer Leben aufgibt, sich völlig gehen lässt, spontan ein Haus im Wald kauft und durch eine Verkettung von Umständen von den Dorfbewohnern für einen Selbsthilfe Guru gehalten wird und diese mit höchst obskuren Methoden zu behandeln begibt, klingt doch etwas zu skurril und vermeintlich leichtfüßig.
Aber der Roman ist zwar durchaus komisch , die Protagonistin auch leicht nervend, allerdings erfährt die Geschichte auch viel Tiefe.

Johanna Swanberg bietet Einblicke in das komplizierte Geflecht der Dorfhierarchie, karikiert die einzelnen Bewohner nicht und blättert Cassis Geschichte nach und nach auf.
Das ist sehr unterhaltsam erzählt, einmal musste ich laut lachen und auch an einer Stelle eine Träne fließen lassen ( es gibt eine wirklich schöne und berührende Liebesgeschichte, die glaube ich niemand kalt lässt , aber die ich keinesfalls spoilern will. Nur soviel: sie passt hervorragend zum Pride Month ????).

Für mich war „Sommer ohne Plan“ eine wunderbar kurzweilige intelligente Strandkorblektüre, die zwar einige Klischees bedient, sie aber auch hervorragend gegen den Strich bürstet.
Ein Buch, das man glücklich und mit einem kleinen Lächeln wieder aus der Hand legt.

Sommer ohne Plan

von Johanna Swanberg

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Walküre
Frank Menden

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Man könnte meinen, dass ein Roman über einen Juristen in einer Beratungsstelle für Geflüchtete, der Probleme mit Abgrenzung zu seinem Job hat und deswegen eine längere Auszeit wegen psychischer Überlastung nehmen musste, der noch dazu immer noch an seiner Scheidung knabbert UND seine leicht demente, aber äußerst resolute Oma nach Wien holt und in deren Umzugskartons mit der verschwiegenen NS-Vergangenheit seiner Großeltern konfrontiert wird - nun, dass dieser Roman ein wenig überfrachtet ist. Und dabei habe noch nicht das weitere Dilemma des Protagonisten Benjamin Weiß erwähnt: dem ehemaligen Dolmetscher seiner Beratungsstelle werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, was dessen Aufenthaltsstatus gefährdet. Gleichzeitig kümmert sich Adnan aber hervorragend um die „Walküre“, Bens Oma.

Um es kurz zu machen: bei aller thematischen Vielfalt ist „Walküre“ ein überaus fesselnder Roman, der einen von den ersten Sätzen an mitreißt.
Man merkt, dass der Autor wie sein Protagonist Jurist in der Asylberatung ist, so präzise und eindringlich wie er von Bürokratie und deren Kälte gegenüber den Schicksalen zwischen den Aktendeckeln schreibt.
Dabei differenziert der Roman, bleibt lebensnah, hält unserer Gesellschaft den Spiegel vor und stellt genau die richtigen Fragen über Schuld und Verdrängung, über andauerndes Schweigen und Aufarbeitung, über bewusstes Wegsehen und wie die Politik immer auch die Seele der Betroffenen für immer verändert.

Walküre

von Daniel Zipfel

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Moosland
Frank Menden

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1949 folgen knapp dreihundert Frauen aus Deutschland dem Aufruf des isländischen Bauernverbands. Gegen gute Bezahlung sollen die Frauen mit landwirtschaftlicher Erfahrung auf Bauernhöfen aushelfen - und evtl. auch bleiben, gibt es doch einen deutlichen Männerüberschuss auf der Insel.

Eine der Frauen ist Elsa. Tief traumatisiert durch den Verlust ihrer Familie und ihrer Freundin hat sie das Gefühl, nichts mehr verlieren zu können.
Die Bauernfamilie, bei der sie unterkommt, lebt auf einem abgelegenen Hof. Sie ist Elsa gegenüber freundlich und offen, selbst als sich herausstellt, dass diese keinerlei Erfahrung hat und sogar vor Hühnern Angst hat.
Elsa ist zu verstrickt in sich selbst, sie spricht nicht, lernt auch die neue Sprache nicht. Doch ihre bloße Anwesenheit verändert die Dynamik der Familie - und auch Elsa beginnt sich allmählich wieder auf das Leben einzulassen…

„Moosland“ ist deutlich spröder als das gefällige Cover vermuten lässt - und das ist gut so. Katrin Zispe erzählt auf eine besondere Art vom Ankommen in einem fremden Land, von der Bewältigung bzw. Vernarbung von Trauer, vom finden einer neuen Sprache - und von einer überwältigenden Landschaft und der Kraft der Natur.
Der Roman ist nicht nur hervorragend recherchiert, er überzeugt auch sprachlich, findet passende Worte und Bilder für die Herausforderung der Integration und des Spracherwerbs und für die Herausforderung, mit einer großen Trauer zu leben.
Ein stiller, ruhiger und kraftvoller Roman.

„In der grenzenlosen Weite ist sie orientierungslos. An was sich ihr Auge auch festhalten will, wird vom Nebel verschluckt oder vom gleißenden Licht. Selbst die Zeit.“

Moosland

von Katrin Zipse

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Wir könnten alles sein
Frank Menden

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„Wie dicht kamen sie daran heran, einander Dinge zu sagen, die sie für immer bereuen würden?“

Sie, das sind die Schwestern Nancy und Shelley und ihre Mutter Frieda. Später wird noch Jess dazukommen, Nancys Tochter.
Vier Frauen einer Familie. Vier Frauen, die in permanenter Anziehung und Ablehnung leben. Getrennt voneinander, aber unauslöschlich miteinander verbunden.
Die Töchter eines Uberlebenden, Rudy, der alles zusammengehalten hat. Der seiner Frau versicherte, sie hätten ein schönes Leben.
Und der als er stirbt drei Frauen hinterlässt, die fortan um eine neue Identität kämpfen werden. Die weit gehen werden, um sich zu finden - oder sich zu verlieren.

„Wir könnten alles sein“ heißt Jami Attenbergs neuer Roman in der Übersetzung von Barbara Christ. Der Titel ist ebenso passend wie der des Originals: „A Reason to See You Again“.
Beide sind absolut zutreffend für diesen präzisen Roman über Schwestern, über Mütter und Tochter, über das unverbrüchliche Band einer dysfunktionalen Familie, verbunden durch Traumata und zahlreiche Abgründe - und über die Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft.
Familie hat man, Freunde sucht man sich aus. Doch unseren Wurzeln können wir kaum entkommen, wie Jami Attenberg wieder einmal witzig, sarkastisch, mit einer zuweilen bitteren Melancholie und doch nicht ohne Optimismus und Hoffnung erzählt.
Mir hat dieser Roman ausgesprochen gut gefallen, mochte die vier Frauen und Rudy, hab mit ihnen gelebt und gelitten und bin ihnen gerne von 1971 bis 2007 gefolgt, mal in kleinen, mal in großen Zeitsprüngen. Aber immer ganz nah dran.
Leseempfehlung!

Wir könnten alles sein

von Jami Attenberg

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Mit den Jahren
Frank Menden

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Leipzig.
Drei Menschen in ihren 40ern treffen hier aufeinander.
Jette, Single, in der wohl letzten Videothek der Stadt arbeitend, würde gern einen Roman schreiben, kommt nur irgendwie nicht dazu.
Lukas, freischaffender Künstler, wie Jette aus Hamburg kommend, beginnt eines Abends eine Affäre mit Jette - aus Überdruss, als Ventil für ein nicht gelebtes Leben?
Eva ist Lehrerin, Mutter zweier Kinder , und Lukas Ehefrau. Sie fragt sich immer mehr, ob sie eigentlich das Leben führt, das sie leben möchte .

Eine normale Dreiecksgeschichte möchte man meinen - und ja, auf den ersten Blick scheint es so.
Doch im Laufe des Romans „Mit den Jahren“ entwickelt die Geschichte nicht nur einen klugen Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten in Liebe und Beziehungen ( muss allein sein wirklich ein Problem sein? ) , sondern auch auf die Unterschiede zwischen Ost und West, Körperlichkeit und Selbstakzeptanz.

Mich hat die Autorin mit diesem Buch durch ihren klugen und mit leisem Humor durchsetzten Ton von den ersten Zeilen an überzeugt. Sie schreibt mit leichter Hand über die Anforderungen des Familienlebens, über alternative Lebensentwürfe und die Fragen, die diese Konstellationen aufwerfen - und bringt dadurch viele Aspekte auf den Punkt.
Gutes Buch !

Mit den Jahren

von Janna Steenfatt

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Einstein im Bade
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

1920 findet im beschaulichen Kurort Bad Nauheim die Versammlung Deutscher Naturforscher statt. Über 2.000 Gäste werden erwartet, darunter auch einige Nobelpreisträger.
Alle Hotels des Ortes sind ausgebucht.
Auch „Der Rastende Kranich“, ein Traditionshaus, das schon deutlich bessere Zeiten erlebt hat.
Direktor Kleeberger steht ganz im Dienste seiner Gäste, Ruhe und Tradition sind für ihn äußerst wichtig.
Doch der erste Satz von Kleebergers Bericht lautet: „Die Ruhe ist gestört worden.“
Was ist in jenen fünf Tagen im September 1920 geschehen ?

„Einstein im Bade“ ist ein Roman, der sich in seinem Verlauf als vielschichtiger entpuppt als der Einstieg vermuten lässt.
Was als heiterer Hotelroman beginnt - Zimmer werden versehentlich doppelt belegt, eine Maus sorgt ebenso für einen Notfall wie sich die Rivalität zwischen zwei renommierten Gästen immer weiter steigert - mit einem Direktor, der in seinem Bemühen es allen recht zu machen immer mehr zu scheitern droht, entwickelt sich zu einem Roman über die Ideologisierung der Wissenschaft und über die Unmöglichkeit sich in einer verändernden und rauer werdenden Welt neutral zu verhalten.
Dabei ist der Roman sprachlich ganz seiner Zeit und seinem Protagonisten verhaftet, was den Lesegenuss vollkommen macht.
Ich habe mich schon lange nicht mehr so glänzend intelligent unterhalten lassen wie von diesem Hotel - und Wissenschaftsroman.
Oder wie der geschätzte Kristof Magnusson auf dem Cover zitiert wird: „Zerstrittene Genies, eigensinnige Gäste und ein Hoteldirektor in Nöten- sensationell.“

Einstein im Bade

von Daniel Mellem

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Trotzdem zuhause
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Es gibt Bücher, bei denen meine „Rezensionsfähigkeit“ versagt. Bücher, die mich so durchrütteln, mich begeistern, mir die Augen öffnen, mich zu Tränen rühren, vor Wut, vor Erkenntnis, vor miterlebtem Schmerz. Die mich - hoffentlich - klüger machen, empathischer, rücksichtsvoller und ja: zu einem besseren, aufmerksameren Menschen.
Ich neige nicht zu Pathos, habe keine „Adjektivdiarrhoe“ - aber dieses Buch !!!!!!!!!

Ich bedanke mich bei Tupoka Ogette für ihr Memoir „Trotzdem Zuhause“.
Für ihren Mut ihr Leben aufzuschreiben, uns daran teilhaben zu lassen.
Ich hatte intensive Lesestunden und die Lektüre hat viele Prozesse in Gang gesetzt.

Für diese paar Zeilen hab ich jetzt eine knappe Stunde gebraucht. Und mir ist die Unzulänglichkeit meiner Worte sehr bewusst.
Trotzdem schließe ich mit einem sehr abgedroschenen Satz, der aber dennoch so wahr ist.
Lest dieses ungemein wichtige Buch - und redet darüber!

Trotzdem zuhause

von Tupoka Ogette

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Rückkehr nach Budapest
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Auf den ersten Blick ist es eine klassische Dreiecksgeschichte: zwei Frauen lieben den gleichen Mann.
Marta, bodenständig, eine gute Zuhörerin, bei der alle ihre Sorgen abladen und darüber zu vergessen scheinen, dass sie auch ein Leben hat .
Teresa, ihre Cousine, ist anders, schillernd und flirrend, das Schicksal scheint immer auf ihrer Seite zu sein.
Konstantin ist der Mann, um den sich beide drehen, ein Künstler, Schriftsteller, der in Opposition steht zur Politik des Landes, in dem er lebt: der DDR.

Nikoletta Kiss erzählt in ihrem Roman „Rückkehr nach Budapest“ jedoch mehr als nur die Geschichte dieser drei Menschen, dieser drei Leben in Ost-Berlin und Ungarn, in der Zeit vor der Wende.
Sie arbeitet mit verschiedenen Zeitebenen, die mit Reflexionen über Sprache und Literatur durchsetzt sind - und sich auch so mit dem unterschiedlich gelebten Sozialismus auseinandersetzt.
Vor allem aber schildert sie anschaulich und genau die Suche einer Frau nach sich selbst. Einer Frau, die sich oft am Rande des Geschehens fühlt und erst spät bemerkt, dass sie das Zentrum der Geschichte ist - und diese die ihrige ist.

Ein politischer Roman, der einen anderen Blick auf den Sozialismus bietet.
Eine Freundschaftsgeschichte, die zugleich auch eine Liebesgeschichte ist.
Eine Geschichte über den falschen Mann im richtigen Leben und umgekehrt.
Vor allem aber ein Roman, den man lesen sollte.

Rückkehr nach Budapest

von Nikoletta Kiss

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