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Alle Empfehlungen von Frank Menden

Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

ist der ungeschlagene Vielleser im stories! Team. Seit einiger Zeit bereichert er die Welt des Bookstergram mit seinen Empfehlungen auf Instagram und war damit auch für den Buchblog Award 2018 nominiert. Außerdem kann man ihn dann und wann in der "Lesart" auf Deutschlandradio Kultur hören, wo er Geheimtipps und das Neueste vom Neuesten empfiehlt.
Zudem war er in der Jury für die Wahl des Deutschen Buchpreises 2022!

Löwe
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Es gibt Bücher, bei deren Lektüre man spürt: dieser Text musste geschrieben werden, hier schreibt sich jemand etwas von der Seele.
„Löwe“ vpm Sonya Walger, erschienen bei Suhrkamp in der Übersetzung von Tanja Handels ist so ein Text. Und ich spreche bewusst von einem Text, auch wenn der Verlag „Roman“ auf den Schutzumschlag gedruckt hat, denn diese Mischung aus Memoir, Familiengeschichte und Autofiktion entzieht sich für mich jeglicher Einordnung, was eine große Stärke dieses Buches ist.

Der titelgebende Löwe ist der Vater der Autorin und Schauspielerin ( die ich vor allem als Molly in „For all mankind“ gefeiert habe) - und er ist die meiste Zeit ihres Lebens abwesend.
Ein Mann, dessen Lebenshunger grenzenlos und faszinierend ist, der ständig neue Jobs hat, mit dem Gesetz in Konflikt gerät, immer wieder neue Beziehungen eingeht, auch diese wieder hinter sich lässt, mit weiteren gezeugten Kindern, denen er eine Leerstelle hinterlässt.
Der Vater als Verweigerer der Vaterrolle, als Versager, als Verräter, als Vakuum.
Sonya Walger erzählt nicht chronologisch, sie lässt sich von ihren Erinnerungen leiten, was die Lektüre manchmal durchaus fordernd macht, muss man sich doch oft zeitlich neu orientieren und Geschildertes einordnen.
Dies stört aber aufgrund der Brillanz dieses Textes überhaupt nicht. Selbst komplexeste familiäre Dynamiken werden mit präziser Klarheit beschrieben und man kann im Verlauf der Lektüre immer besser verstehen, welche Faszination von diesem Mann ausgeht - und warum man ihm trotzdem nie wirklich nahekommt. Weder die Tochter, noch wir Lesende. Und das ist in gleichen Teilen irritierend und berührend.

„Ich bin ein kleines Kind und weiß bereits, dass die Liebe meines Vaters absolut ist und trotzdem unpräzise, dass er sich mit den Einzelheiten meines Lebens nicht recht auskennt, weil er das Alltägliche geringschätzt, weil sich seine Aufmerksamkeit immer auf etwas richtet, was direkt hinter dem Horizont liegt.“
 

Löwe

von Sonya Walger

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Unerwünschte Töchter
Frank Menden

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Am Anfang steht ein alter Bücherschrank aus Kirschholz. In ihm findet die Autorin Tagebücher und Notizen ihrer Vorfahrinnen. Diese bilden den Ausgangspunkt für eine Familiengeschichte, ihre eigene Familiengeschichte: die Geschichte von Margarethe, Marianne, Monika und Miriam.
Vier Frauen, deren Leben von historischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt wird, von der Enge der tradierten Normen. Vier Frauen, die jeweils ihren Platz in ihrer Welt suchten, deren Schicksal, so individuell es auch ist, doch exemplarisch für viele Frauen ihrer Generation steht.

„Unerwünschte Töchter“ von Miriam Carbe, erschienen im Hanser Verlag steht völlig verdient auf der Longlist des Deutschen Buchpreis.
Die Autorin verbindet reale Dokumente, Auszüge aus Tagebüchern und Fiktion zu einer starken und berührenden Innenperspektive. Sie erzählt klar und präzise, ohne Pathos, was viele Szenen gerade deswegen besonders eindrucksvoll macht. Dabei zeigt sie auch ein gutes Gespür für die historischen Details und kulturellen Signets der jeweiligen Epoche.
Der Einstieg in diesen 576 Seiten starken Roman fiel mir nicht leicht, aber als ich dann in der Geschichte war, haben mich diese vier Frauen nicht mehr losgelassen.
Die Art und Weise wie hier ein ganzes Jahrhundert erlebbar gemacht wird, wie familiäre Muster aufgezeigt werden und vor allem wie diese vier Frauen ihr Leben gelebt haben und leben hat mich zutiefst beeindruckt. Denn Miriam Carbe bleibt immer ehrlich, zeigt die gegenseitigen Verletzungen trotz aller Bemühungen es doch besser zu machen als die Generation zuvor.


Ein rundum gelungenes Buch.

Unerwünschte Töchter

von Miriam Carbe

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Schwebende Lasten
Frank Menden

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„Der gelungene Strauß ist einfach gehalten, in der Gestaltung wie in der Fertigung. Auf die innere Ordnung ist zu achten. Aber was sie gelernt hatte, vergaß sie im Leben oft genug und mit Absicht.“

Es gibt wenige deutschsprachige Romane, die dieses Jahr so viel positive Kritik erhalten haben wie „Schwebende Lasten“ .
Kein Wunder, denn dieser Roman ist so hervorragend beobachtet wie geschrieben.
Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna ist eine Frau, der im 20. Jahrhundert wenig erspart bleibt.
Sie erlebt zwei Weltkriege, durchlebt alle Irrungen und Wirrungen ihrer Zeit, erlebt viele persönliche Niederlagen und wenig Triumphe, bringt sechs Kinder zur Welt, packt an was anzupacken ist. Sie ist eine normale Frau in einer sehr unnormalen Zeit, durchaus emanzipiert, aber doch ganz ein Produkt ihrer jeweiligen Lebenswelten.
Magdeburg ist ihre Stadt, Blumen bleiben lebenslang ihre Leidenschaft, werden durch eine Begegnung ein kleines Fenster in eine andere, kultiviertere Welt.
Annett Gröschner erzählt dieses Leben detailliert und voller Empathie, sehr real und lebendig und trotz der Härte mit Charme und einer gewissen Portion leiser Heiterkeit.
Sie hat so einen Roman geschaffen, der individuell und exemplarisch ist, und dem man direkt auf der allerersten Seite vollkommen verfällt.
Man ist ja manchmal misstrauisch, wenn allenthalben Lobeslieder gesungen werden.
Braucht man in diesem Falle nicht zu sein.
Sie stimmen !

Schwebende Lasten

von Annett Gröschner

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Die erste halbe Stunde im Paradies
Frank Menden

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„Drei sind eine Party.“
Und was für eine Party ist die kleine, aufeinander eingeschworene Dreierfamilie. Die Mutter Sängerin und Musikerin, immer zu haben für Spontaneität und „verrückte“ Ideen. Und ihre beiden Kinder: die kleine Anne und der große Kai.
Sie sind füreinander da, ohne wenn und aber und Anne bedauert alle, die nicht so einen tollen Bruder haben wie sie.
Die chronische Krankheit der Mutter führt die Familie nach Flensburg, des Klimas wegen. Doch auch das vermag den stetig voranschreitenden körperlichen Verfall der Mutter nicht aufzuhalten. Immer mehr werden Anne und Kai in die Verantwortung genommen, immer mehr leisten sie, halten alles im wahrsten Sinne am laufen. Drei Menschen, die füreinander da sind . Bis….

Was ist passiert, dass aus den Geschwistern, zwischen die kein Blatt Papier passte, zwei einander Fremde wurden? Warum gab es jahrelang keinerlei Kontakt, keine Verbindung mehr? Bis zu diesem Anruf auf dem Teambildungsevent in Hamburg, bei dem die erfolgreiche Pharmareferentin Anne eigentlich nur die nötigen Punkte für den nächsten Karriereschritt sammeln will - und sich stattdessen der Vergangenheit stellen muss.

„Die erste halbe Stunde im Paradies“ ist der zweite Roman von Janiune Adomeit - und er ist vollkommen verdient das NDR Buch des Monats Februar 2025.
Mit leichter Hand erzählt die Autorin von Loyalität, Verantwortung und Überlastung, von Liebe und den Konflikten die aufbrechen, wenn die Fürsorge die eigenen Bedürfnisse vollkommen überlagert.
Wie Janine Adomeit es schafft diese Themen vollkommen ohne Kitsch und Klischees, eindringlich und bewegend, voller Empathie und leisem feinen Humor zu verhandeln, das sollte unbedingt gelesen werden.
Ein tröstliches Buch voller Hoffnung, das ist diese erste halbe Stunde im Paradies!

Die erste halbe Stunde im Paradies

von Janine Adomeit

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Buckeye
Frank Menden

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„Bonhomie war nicht annähernd so klein, dass jeder jeden kannte, aber klein genug, dass früher oder später fast jeder jeden mal zu Gesicht bekommen hatte.“

Hier leben zwei Paare, deren Leben sich am 08.05.1945 auf immer miteinander verbinden werden.
Cal Jenkins, der Sohn eines traumatisierten WW1 Veteranen, der wegen einer angeborenen Beinverkürzung für untauglich erklärt wurde, und Seine Frau Becky, deren Tätigkeit als Medium gerade während des Krieges enorm gefragt ist.
Felix Salt, dem das Schicksal alles Gute in die Wiege gelegt zu haben schien und der schon vor seiner Rückkehr von der Front damit kämpft, ein falsches Leben zu leben. Und seine Frau Margaret, in einem Waisenhaus aufgewachsen, eigensinnig, unabhängig, ihrer Zeit voraus.
Vier Menschen, die auf unterschiedliche Art und Weise von der Norm der Gesellschaft abweichen und doch versuchen, sich ihr anzupassen. Und die deswegen Entscheidungen treffen, die weitreichende und nicht absehbare Folgen haben werden…

„Buckeye“ von Patrick Ryan  in der Übersetzung von Thomas Überhoff ist ein 648 Seiten umfassender Roman, der mich mit zunehmender Lektüre mehr und mehr für sich eingenommen hat. Es ist ein Roman, der auf den ersten Blick den Geist der Gemälde Norman Rockwells aufgreift, aber mit einer tiefen Melancholie genauer hinsieht und nicht nostalgisch verklärt - und so zum Kern des American Dream vordringt.

Zu den Bewunderern dieses Romans gehören Ann Napolitano und Tom Hanks, und es sind die perfekten Referenzen, denn zum einen liest sich dieser epische charaktergetriebene Roman wie ein Tom Hanks Film ( etwa „Here“ mit einer Prise „Forrest Gump“), zum anderen klingen auch Aspekte von Napolitanos „Hallo Du Schöne“ an.
Und auch wenn manche Wendungen durchaus vorhersehbar sind trübt dies nicht das Lesevergnügen, im Gegenteil.
Patrick Ryan erzählt mit großem Atem eine Geschichte von einem Ort und von Menschen, die sich langsam in mein Herz geschlichen haben und die dort noch eine Zeit verweilen werden.
Ein absoluter „RomanRoman“! Eingeweihte wissen, was ich meine.

Buckeye

von Patrick Ryan

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Die Wahrheit über Ruby Cooper
Frank Menden

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„Die Wahrheit über Ruby Cooper“ von Liz Nugent in der Übersetzung von Astrid Gravert ist bereits mein vierter Roman der irischen Autorin - und wie schon die Vorgänger habe ich auch diesen wieder innerhalb kürzester Zeit inhaliert.

Dabei macht es einem die Hauptfigur nicht gerade leicht, sie lügt, betrügt, manipuliert und beeinflusst so die Leben der ihr nahestehenden Menschen aufs perfideste!
Ruby wächst in den 1990ern als Tochter eines Pastors im Boston auf . Die Familie ist wohlhabend und angesehen, Ruby fühlt sich jedoch ganz im Schatten ihrer älteren, attraktiven und intelligenten Schwester. Und als sie eines Tages ein Gespräch zwischen ihren Eltern belauscht, die klar heraus sagen, wie schwer es ihnen Ruby macht sie zu lieben, ist dies eine Manifestation ihres Gefühls nicht zu genügen so wie sie ist.
Ein Gefühl, dass zu einem Ereignis führt, welches die Familie zerrüttet - und Ruby wird einen hohen Preis für eine schwere Lüge zahlen…

Ich bleibe bewusst nebulös was die Handlung angeht, denn Liz Nugents Romane leben von den Haken, die die Handlung immer wieder schlägt.
Es ist kein klassischer Kriminalroman, kein üblicher Psychothriller, sondern vielmehr das Psychogramm einer zutiefst gekränkten jungen Frau, die Schuld auf sich lädt und sich in Selbsttäuschungen verliert, unfähig die Wahrheit zu gestehen - und so mehrere Leben zerstört.
Ruby Cooper ist eine Figur, die man schwer erträgt, der man sich aber auch nicht entziehen kann.
Liz Nugent hat ihren Roman äußerst intelligent komponiert, man kann sich der zunehmenden Sogwirkung dieser Geschichte um Schuld, Sucht und Suche nach Anerkennung nicht entziehen.
Lügen können Leben zerstören. Die Wahrheit ebenso.

Die Wahrheit über Ruby Cooper

von Liz Nugent

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Come out!
Frank Menden

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„Es war eine Selbstbefreiung, die gelang und trotzdem bis heute gefährdet ist.“

So der letzte Satz auf der Rückseite von Thomas Sparrs „Come Out - Wie der Aufstand in der Christopher Street die Welt veränderte“.

Wie groß diese Gefährdung ist, das wurde am späten Samstag Abend beim Berliner CSD auf schmerzhafteste, schockierende Art und Weise deutlich.

Für uns in der LGBTQIA+ Community ist dies die bittere und traurige Kulmination eines immer kälter werdenden gesellschaftlichen Klimas, der Ton uns gegenüber wird rauer, ausfallender, die (welt)politische Lage ist gerade in Bezug auf unsere Leben, unsere Rechte rasant rückwärts gewandt.

Sicherlich ist Thomas Sparrs Buch streitbar, nicht alle Aspekte der Folgen der Stonewall Riots werden tiefgründig benannt. Aber trotzdem ist dieses Buch wichtig und relevant, zeigt anhand von Beispielen vor allem aus dem kulturellen Bereich, wie sich die Sichtbarkeit von Homosexualität verändert hat. Und was Menschen wie Rosa von Praunheim, Hubert Fichte, Hans Mayer und Hans-Joachim Schoeps angestoßen und geleistet haben.
Insofern bietet dieser längere Essay, der verdient auf der Sachbuch Bestenliste stand, einen lesenswerten Einstieg in die Kulturgeschichte der Homosexualität in Deutschland nach 1969.

Come out!

von Thomas Sparr

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Karacho
Frank Menden

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„Liebeskummer lohnt sich nicht my Darling…“ So sang einst Siw Malmkvist.
Doch auch wenn man sich das selbst immer wieder sagen kann: es tut einfach verdammt weh.

Es ist eine alte Geschichte. Mann verlässt Frau wegen einer Jüngeren und sagt: Ich liebe dich nicht mehr.
20 gemeinsame Jahre, mit einem Schlag beendet. Eine ungewisse Zukunft, eine Vergangenheit, die plötzlich neu betrachtet wird, werden muss.
Kira ist Mitte 40, die beiden Söhne jugendlich, und trotz dieses großen Kippmomentes des Lebens geht eben dieses weiter, auch wenn sie am liebsten einfach stehen bleiben will.
Doch ihre Rollen als Mutter, Künstlerin, Freundin kann sie nicht einfach pausieren.
Und so läuft das Entlieben parallel zum weiteren Leben, für das „Karacho“ zum neuen Motto wird…

„Karacho“ @schirdewahnsusanne @volandquist spricht wohl alle an, die schon einmal eine Trennung er- und durchlebt haben.
Dabei liegt der Focus des Romans nicht auf der Verdammung des Ex, die guten Gefühle, das gemeinsame Leben werden nicht negiert, trotz der Wut, der Verletzlichkeit und der Panik, wie es nun weitergehen soll.
Kira kämpft sich voran, bleibt die kreative, lebenslustige, sinnliche Frau, entdeckt Neues.
Und wir sind hautnah dabei, erleben ein Leben und Literatur die ganz am Puls der Zeit sind, unideologisch, mit Schwung und Kraft.

„Scheiss auf die Angst… man muss nur den Koffer packen und die Tür hinter sich schließen“

Lesen!

Karacho

von Susanne Schirdewahn

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Halbinsel
Frank Menden

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„Inzwischen habe ich begriffen, es grenzt an ein Wunder, wenn man geliebte Menschen um sich hat und sie nicht zu früh verliert. Ein noch größeres Wunder ist es, wenn es einem mehrmals im Leben gelingt, jemanden zu finden, der es gut mit einem meint.“

Lange herbeigesehnt, jetzt ist er da: „Halbinsel“, der neue Roman von Kristine Bilkau.
Es ist die Geschichte von Annett, einer Bibliothekarin, die nach dem frühen Tod ihres Mannes die gemeinsame Tochter Linn allein aufzog und sich nach deren Auszug in ihrem Leben eingerichtet hat.
Als Linn auf einer Tagung einen Zusammenbruch erleidet, holt Annett sie zu sich in das Haus im nordfriesischen Wattenmeer.
Aus ein paar Tagen werden Wochen, dann Monate. Linn, die für Annett immer so voller Leben war, voller Ideen und Tatendrang, ist antriebslos, sucht nach einer neuen Ausrichtung ihres Lebens. Für Annett ist dies schwer zu ertragen, aus ihrer Hilflosigkeit heraus brechen Konflikte auf, die beide anders auf das jeweilige Leben blicken lassen.

Kristine Bilkau beherrscht die Kunst Romane zu schreiben, die leise und unauffällig daherkommen, bei denen kein Wort zu viel ist und die vielschichtig sind und eine enorme Tiefe haben.
Die Annäherung von Mutter und Tochter ist gleichzeitig auch eine Annäherung an das Leben, an die Natur, an das zulassen von Veränderung.

Mit der Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse erscheint der Roman mit einer großen Erwartungshaltung und vielen Vorschusslorbeeren. Für mich hat er sie alle eingelöst.

„Wo würde die Einsamkeit lauern? Hinter der Veränderung oder dem Vertrauen?“

Halbinsel

von Kristine Bilkau

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Halbe Leben
Frank Menden

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„Es ist ein stiller Tod.“

So beginnt „Halbe Leben“ , der neue Roman von Susanne Gregor.
Der stille Tod ereilt Klara bei einer Wanderung, sie stürzt eine Böschung hinab. Bei ihr ist nur Paulina.
Paulina, die aus der Slowakei kommt und sich nach dem Schlaganfall von Klaras Mutter Irene um diese kümmert.
So kann Klara weiterhin ihrer Arbeit und Karriere nachgehen, ihr Mann sich seiner Fotografie widmen.
Paulina ist ein wahrer Schatz , versteht sich gut mit allen, kocht sogar immer noch für die Familie mit und Irene blüht richtig auf .
Dafür macht man Paulina gern Geschenke, irgendwie ist sie doch mehr als eine Pflegekraft, sie ist eine Freundin.
Auf Paulinas Söhne passt derweil die Schwiegermutter in der Slowakei auf. Das passt doch für alle gut .
Bis es eben nicht mehr passt. Und Klara bei einem Unfall beim gemeinsamen wandern ums Leben kommt.

„Es liegt kein Motiv vor, man lässt den Tod als Unfall gelten. Niemand zweifelt an dieser Version.“ ( Seite 11 )

Die Geschichte von Klara und Paulina, erzählt wird sie rückblickend von diesem Unfall aus, aus beider Perspektive.
Es ist eine Geschichte der Missverständnisse, der Unfähigkeit, sich in die jeweils fremde Lebenssituation hineinzuversetzen. Auf den ersten Blick ist alles eine Win Win Situation, einen zweiten riskiert man besser nicht.

Susanne Gregor erzählt diese Geschichte völlig unprätentiös und eindringlich - und unparteiisch.
Man versteht beide Frauen, kann beide Sichtweisen verstehen, erkennt die Unvereinbarkeit dieser jeweils fremden Leben. Erkennt, dass zwei halbe Leben noch lange kein ganzes ergeben.
Zwei Frauen, die sich aufreiben, in ihrem Leben und am Leben der anderen.

„Sie weiß bereits, dass es nicht mehr reichen wird, dass sie nicht genug Kraft hat. Dass es nichts mehr zu tun gibt. Dass alles passiert ist.“

Ich wünsche diesem Roman eine große Leserschaft!

Halbe Leben

von Susanne Gregor

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Zuhause ist das Wetter unzuverlässig
Frank Menden

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„Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken.
Man muss nur gehen: Kein Gefühl ist das fernste.“ ( Rainer Maria Rilke )

Im Sommer soll Schluss sein. Schluss mit allem. Vierzig Tage, so lange währt die festgesetzte Frist der namenlosen Erzählerin.
Vierzig Tage, in denen sie ihr eigenes Leben Revue passieren lässt, aber auch die der Frauen vor ihr .
Es entstehen Muster weiblichen Lebens, Muster voller Erwartungshaltungen und Ansprüchen, die keinen oder kaum Platz lassen für Träume, für Freiräume.
Es sind Leben, die von patriarchalen Strukturen geprägt sind. Doch bleibt am Ende wirklich nur der eigene Tod, um alles Alte hinter sich zu lassen ?

Es ist nicht so einfach „Zuhause ist das Wetter unzuverlässig“ zusammenzufassen.
Die Autorin verknüpft Geschichten mit tagebuchartigen Passagen, es gibt Einschübe zu Literatur, zu Autorinnen.
Was evtl etwas unstrukturiert klingt ist aber ungemein lesbar - und beeindruckend, wie sehr diese Form die Themen verdichtet.
Individualität und das Kollektiv gehen so eine zwingende Verbindung ein in einem durch und durch überzeugenden Text.
Klasse !

Zuhause ist das Wetter unzuverlässig

von Carolin Würfel

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Der Fall Ebby Freeman
Frank Menden

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Die Freemans sind eine wohlhabende Schwarze Familie - und als einzige Schwarze in einer der reichsten Gegenden Connecticuts an Aufmerksamkeit und Misstrauen gewohnt. Als der einzige Sohn bei einem Einbruch in ihr Haus ermordet wird mischt sich in die öffentliche Aufmerksamkeit und Sensationslust auch ein Funken Misstrauen: war der junge Mann nicht evtl. in gewisser Weise selbst Schuld? Als seine Schwester Ebony zwanzig Jahre später am Tag vor ihrer Hochzeit von ihrem Verlobten ohne jegliche Erklärung verlassen wird, ist dies wieder ein Fest für die Öffentlichkeit, die das Interesse an den Freemans seit dem immer noch ungelösten Mord nie verloren hat.

Ein Jahr später begegnet Ebony in Frankreich zufällig ihrem ehemaligen Verlobten mit seiner neuen Freundin - und beschließt, endlich Antworten darauf zu finden, warum das Leben ihrer Familie von Schicksalsschlägen heimgesucht wird….

„Der Fall Ebby Freeman“ in der Übersetzung von Britt Somann-Jung , erzählt eine hochspannende und thematisch vielschichtige Familiengeschichte. Es geht um Schwarze Akademikerinnen, um den Druck einer Schwarzen Oberschicht zwischen Anpassung und Individualität zu bestehen, um sensationslüsterne Medien, den Skandal einer Mischehe, um Sklaverei und die „Underground Railroad“ - und um die Bedeutung des Töpferhandwerks und kulturelles Erbe. Dabei wirkt der nicht linear erzählte Roman nie überfrachtet oder überkonstruiert, sondern entwickelt von den ersten Seiten an einen mitreißenden Sog, dem man sich nicht entziehen kann.
Hat mir ausgesprochen gut gefallen!

Der Fall Ebby Freeman

von Charmaine Wilkerson

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Lori
Frank Menden

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So beginnt „Lori“ von Anousch Mueller: Es geht um eine Familie, die geprägt ist von Geheimnissen und Tragödien. Eine Familie, die durch das Schweigen geprägt wurde, das Verschweigen der Vergangenheit, der politischen Umstände und das Verschweigen eines unermesslichen Verlustes, der nie thematisiert wurde und doch alle für ihr Leben geprägt hat.

Anousch Muellers Roman ist 205 Seiten lang, er ist kunstvoll komponiert, variiert verschiedene Zeitebenen und Perspektiven und ist trotz dieser auf den ersten Blick evtl. kompliziert wirkenden Struktur enorm zugänglich.
Ich möchte gar nicht näher auf das Buch eingehen, Deutschlankfunk Kultur gibt es ein sehr hörenswertes Interview mit der Autorin, welches einige Aspekte des Romans , darunter auch die Wahl der Handlungsorte, hervorragend beleuchtet und vertieft.

Für mich gehört dieser Roman zu den besten, eindringlichsten und berührendsten deutschsprachigen Romane der letzten Jahre. Und ich kann nur alle dringendst auffordern, die nächste Buchhandlung aufzusuchen, dieses Buch zu kaufen und zu lesen. Denn diese mit psychologischer Finesse erzählte Familiengeschichte zählt zu den Romanen, die man einmal gelesen nie wieder vergisst.
Vielen Dank Anousch Mueller!

Lori

von Anousch Mueller

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Die Villa der Architektin
Frank Menden

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Lesen bildet!
Wissen wir natürlich alle, aber im Falle von „Die Villa der Architektin“ von Melania G. Mazzucco , übersetzt von Karin Fleischanderl, ist dies auf jeden Fall so.
Denn ohne diesen Roman wüsste ich bis heute nicht, wer Plautilla Bricci war.

Geboren 1616, wird sie die erste Architektin Roms. Gefördert vom Vater und später von Abt Elpidio Benedetti, schafft sie es Mitglied der Kunstakademie San Luca zu werden - darf allerdings als Frau nicht an Aktstudien teilnehmen.
Ihr Hauptwerk wird die wie ein Schiff gebaute Villa „Il Vascello“, in deren Grundfesten ihr Name gegen alle Widerstände eingraviert wurde ( und die 1849 komplett zerstört wurde ).
Doch mit dem Erfolg kommen die Neider, aus Gönnern werden Feinde und selbst engste Verwandte betrügen Plautilla um die Früchte ihrer Arbeit…

Was für ein Leben ! Und was für ein Roman. Die Strega Preisträgerin Melania G. Mazzucco erzählt geradezu filmisch von dieser beeindruckenden Frau und der Zeit, in der sie lebt. Intensive Recherchen gingen dem Schreibprozess voraus und es bleibt zu hoffen, dass dieser so unterhaltsame wie lehrreiche Roman dazu beiträgt, dass Plautilla Bricci die Anerkennung und Hochachtung erhält, die ihr zustehen.

Das Buch enthält eine Karte, in der die Schauplätze und Standorte der Werke Briccis verzeichnet sind, sowie die Abbildungen eines Gemälde, inclusive Detailaufnahmen.
Also, auf nach Rom und diesen sehr lesenswerten Roman als Vorbereitung lesen

Die Villa der Architektin

von Melania G. Mazzucco

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Und dahinter das Meer
Frank Menden

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Es gibt Romane, die wie ein Geschenk für Lesende und Buchhandlungen sind.
Für Lesende, weil sie darin vieles - wenn nicht alles - finden , was ein Buch haben muss, um es tief ins Herz zu schließen.
Und für Buchhandlungen, weil man es unbedenklich beinah der ganzen Kundschaft mit den Worten „ Freuen Sie sich drauf ! Sie werden es genießen“ empfehlen kann.

So ein Buch ist „Und dahinter das Meer“ von Laura Spence-Ash @mareverlag , übersetzt von Claudia Feldmann.
Und als @boersenblatt den Roman auf das Cover setzte, standen da auch meine Worte :

„Wunderbare Lesestunden, intelligente Unterhaltung: was will man mehr !“

Nun, evtl. noch ein paar Worte zum Inhalt .
Die elfjährige Bea wird 1940 von ihren Eltern von London nach Boston geschickt, um dem Bombardement der Deutschen zu entkommen.
Was als Aufbruch in die Fremde beginnt, wird jedoch bald zur eigentlichen Heimat , zur eigentlichen Familie. Aber auch der schönste Traum hat irgendwann ein bitteres Erwachen…

Ich mache ja nie viel Worte um den Inhalt eines Romans und hier müsste ich jetzt sehr ausschweifen.
Aber ich möchte einfach, dass ihr dieses aus acht verschiedenen Perspektiven und über einen Zeitraum von 37 Jahren erzähltes Buch selbst entdeckt .
Und es dann genauso feiert wie Ann Napolitano, Meg Wolitzer und Claire Messud ( da habt ihr auch gleich die entsprechenden Referenzen) und auch die altehrwürdige THE NEW YORK TIMES.
Kann also nichts schiefgehen!
Viel Freude mit diesem Roman.

Und dahinter das Meer

von Laura Spence-Ash

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Seltsame Sally Diamond
Frank Menden

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Sally Diamond ist 42 Jahre alt und „sozial defizitär“. Diese Aussage trifft sie über sich selbst , auch wenn andere sie evtl. als Autistin bezeichnen würden. Ihr Vater Tom, mit dem sie nach dem Tod der Mutter alleine lebt, mag keine dieser Bezeichnungen. Für ihn ist Sally einfach ein ganz besonderer Mensch, die immer entwaffnend ehrlich ist, mit der Unfähigkeit sich zu verstellen.

Als Tom nach einer längeren Krankheit stirbt, verbrennt Sally die Leiche in der Feuertonne. Sie kann daran nichts Verwerfliches finden. Die Polizei, die auf Umwegen davon Wind bekommt jedoch schon.
Doch nicht nur diese bringt Sallys bislang in geordneten Bahnen verlaufenes Leben durcheinander.
Da sind auch noch die drei Briefe, die Tom ihr hinterlassen hat….

Je weniger man bei der Lektüre von Liz Nugents Roman „Seltsame Sally Diamond“ @steidlverlag über die Handlung weiß, umso besser. Denn auch der dritte Roman der irischen Autorin ist wieder durch und durch gelungen .
Sally ist eine unvergessliche Figur, die - durchaus harte - Handlung schlägt immer wieder gekonnt Haken und man kann das Buch nicht aus der Hand legen, bis man es nach 368 Seiten völlig durchgerüttelt beendet hat.
Der von Kathrin Razum übersetzte Roman sollte Liz Nugent nach den exzellenten Vorgängerromanen „Kleine Grausamkeiten“ und „Auf der Lauer liegen“ endlich auch in Deutschland den ganz großen Durchbruch bringen.
Sie hat ihn mehr als verdient!

Seltsame Sally Diamond

von Liz Nugent

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Bitternis
Frank Menden

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„In der grauen Stunde vor Morgendämmerung, der Stunde zwischen Hund und Wolf, wenn es so still ist, dass ich nur den Herzschlag des Hauses und den Atem des schlafenden Mannes höre, versetze ich mich in die Zeit der Ersten von uns….“

Die Erste, das ist Berta Koch , die Urgroßmutter der Erzählerin Kalina, Großmutter von Violetta und Mutter von Barbara. Vier Frauen einer Familie aus Schlesien, denen das Leben oft auf härteste Art und Weise mitspielt, deren Träume zu groß für die Welt in der sie leben sind, oder aber zu klein. Vier Frauen, denen die wechselvolle Geschichte ihres Herkunftlandes eine ebensolche Lebensgeschichte beschert. Leben, in denen Männer fast komplett abwesend sind, was die Autorin Johanna Bator grossartigerweise „männerförmige Löcher“ nennt.

Die Geschichte der 829 Seiten von Joanna Bators so großen wie mitreißenden und wahrlich großartigen Roman „Bitterniss“ wiederzugeben kann nur scheitern. Man sollte sich hineinstürzen in diese miteinander verwobenen Geschichten der vier Frauen und sich an der hervorragenden Sprache erfreuen ( Übersetzung: Lisa Palmes ).
Es ist eine epische Familiensaga, die langsam zu lesen und zu erfahren ist und deren Lektüre eine äußerst nachhaltige ist. Eine Kritik nannte den Roman ein „Wimmelbild von vier Frauengenerationen“, ein sehr zutreffender Vergleich.
Für mich war die Lektüre durchaus herausfordernd, aber enorm bereichernd. Trotz allem Leid und aller Tristesse gibt es auch viel Humor, viel Mut und Optimismus, dem Leben etwas Glück abzutrotzen und niemals aufzugeben.
Eine emotional fordernde und in vielerlei Hinsicht bereichernde Lektüre.
Joanna Bator ist eine Autorin, die man nicht genug preisen kann - gerade nach diesem epochalen Roman!

Bitternis

von Joanna Bator

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Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
Frank Menden

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„Es heißt, diese Reise habe ihren Preis. Einen Preis, der über die Kosten des Tickets hinausgeht.“
Denn eine Reise mit dem Transsibirien-Express durch das Ödland, die geheimnisvolle Wildnis zwischen China und Russland, ist voller Gefahren - und voller Verheißungen.

1899 macht sich der Zug , seine Besatzung nebst Passagieren, auf die zweiwöchige 6.000 Kilometer umfassende Reise.
Obwohl der Zug wie eine Festung gebaut ist, damit nichts den Zug verlassen, aber vor allen Dingen nichts hineingelangen kann, schwingt bei dieser Fahrt etwas Neues mit, endete doch die letzte Reise in einer Katastrophe…

Ich liebe Romane, die sich jeder Kategorie entziehen - und „Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland“ , übersetzt von Claudia Feldmann, ist genau so ein Roman.
Ein Roman, dessen pralle Fabulierkunst von der ersten Seite an zu überzeugen weiß, der geschickt zwischen Abenteuer-, Öko- und Fantasyroman changiert, dazu eine Prise von Agatha Christies „Mord im Orient-Express“.

Sarah Brooks hat ein Buch geschrieben, welches mich in einen wahren Leserausch versetzt hat. Ich fieberte mit den geheimnisvollen Reisenden, war neugierig - und etwas ängstlich - was da im Ödland vor sich geht und war nach 416 Seiten völlig beglückt.
Ich glaube, so eine Geschichte, so eine Abenteuerlust, habe ich zuletzt als Kind gelesen und verspürt.
Ein großer großer Spaß !
Wer der Reise durch das Ödland noch nicht verfallen ist sollte schleunigst zu diesem „Handbuch…“ greifen.
Denn es sind Romane wie diese, die uns zeigen, wie großartig und lebendig und voller Freude an der Fantasie lesen ist .

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland

von Sarah Brooks

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Nach uns das Leben
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

„Mit hinreißender Lakonie erzählt Gudrun Eiden in ihrem Debütroman eine beglückend traurige Geschichte über eine Gruppe von Freunden, die gemeinsam auf ein mit Liebe und Schmerz prallgefülltes Leben zurückblicken.“

Diesem im Klappentext aufgeführten Satz zu „Nach uns das Leben“ kann ich nur zustimmen .
Die Geschichte um die verbliebenen Mitglieder eines Männerchores auf dem Dorf, deren letzter Auftritt mangels Nachwuchs kurz bevorsteht lebt von einer an Dörte Hansen erinnernde Atmosphäre und der bereits oben zitierten Lakonie.

Es ist gerade dieser Ton, der mich die auf 191 Seiten geballt daherkommenden Schicksalsschläge zwar mit einem kurzen „puh, das auch noch“ und einem Augenrollen bei einem bestimmten Ereignis ( das mir dann beinah zu viel war) kommentieren lies - mich aber dennoch nicht vom Haken gelassen hat.
Und ich den Roman mit einem wohligen Gefühl zugeklappt habe.

Diesem Roman eine große Leserschaft zu wünschen ist durchaus egoistisch motiviert, denn von Gudrun Eiden möchte ich unbedingt mehr lesen.
Denn wenn eine Autorin es schafft , mich trotz der oben angeführten Einwände zu überzeugen, nun, das will bei einem radikalen Buchabbrecher was heißen.

Nach uns das Leben

von Gudrun Eiden

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Dorf ohne Franz
Frank Menden

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In den 1960er Jahren wächst Maria in dörflicher Umgebung auf einem Bauernhof auf. Während der ältere Bruder Josef in die Fußstapfen des Vaters tritt und dessen Anerkennung ( und das komplette Erbe ) erhält, wird Nesthäkchen Franz von der Mutter gerade wegen seines anderen Wesens verhätschelt.
Für Maria bleibt nur die typische Rolle der damaligen Zeit und der dörflichen Struktur: die der unbezahlten Magd und Pflegekraft der Großeltern und Eltern.
Ihre Sehnsucht diesem Leben zu entkommen kollidiert mit ihrem Pflichtgefühl, vor allem als Franz eines Tages dem Dorf den Rücken kehrt und in die Welt hinauszieht.
Gefangen in der Abhängigkeit einer Ehe wartet Maria auf den Moment , der ihr ein neues Leben ermöglicht…

Nur 168 Seiten hat „Dorf ohne Franz“ , aber was für 168 Seiten sind dies!
Verena Dolovai hat einen ungemein eindringlichen Roman über die Kehrseite der dörflichen Idylle geschrieben, in einem nüchternen und direkten Stil, der nichts beschönigt , direkt, aber nie drastisch.
Lohnt sich sehr !

Dorf ohne Franz

von Verena Dolovai

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Vaterlos
Frank Menden

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„An einem dieser schönen Tage, irgendwann vom 9. auf den 10. März 1971 geschah es, dass sich der Landarzt Otto M. das Leben nahm. Er war neunundvierzig Jahre alt, verheiratet, Vater zweier Kinder.“

Aus zwei Perspektiven erzählt Thomas Medicus in seinem Buch „Vaterlos - Ein Tatsachenroman“ @rowohltverlag vom Suizid seines Vaters: aus der des Jungen direkt nach der Tat und aus der des Erwachsenen, der dreißig Jahre nach dem Selbstmord diesem hinterherspürt.
Wir lesen über einen Mann, der liebevoll war, ein Lebemann, der Welt zugewandt, ein Arzt, der sich wegen Depressionen in einer Klinik behandeln lassen musste und der sich mit seiner Geliebten in einem Hotelzimmer vergiftete ( die junge Frau überlebt dies, nimmt sich aber kurze Zeit später das Leben).
Man taucht ein in die bürgerliche Welt der BRD in den 1950ern und 1960ern, in scheinbar glückliche, geordnete Verhältnisse - bis sie es durch die Tat nicht mehr sind.

Dieser ungemein eindringliche autobiografische Roman versucht nicht Erklärungen für das Unerklärliche zu finden. Es geht um das, was der Selbstmord des Vaters beim Sohn für Spuren hinterlassen hat, wie sehr er den Autor geprägt hat.
Der Ton ist nüchtern, behutsam, genau. Wie sehr Verdrängung in der Lebenswelt der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft verankert war - auch davon erzählt dieses Buch.
Und schafft es so aus einer privaten Auseinandersetzung mit einer persönlichen Tragödie auch ein präzise beobachtetes Zeitporträt.
Ich bin tief beeindruckt.

Vaterlos

von Thomas Medicus

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Die Liebeshungrigen
Frank Menden

Frank Menden

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„Man glaubt immer, dass bei einem selbst alles anders ist, aber das täuscht. Man erlebt dieselben Rückschläge wie der Rest der Welt.“

Der ehemalige französische Präsident Dan Lehmann leidet unter dem Verlust seiner Macht, der zunehmenden Bedeutungslosigkeit seitdem er vor einem Jahr aus dem Élysée Palast ausziehen musste. Der Alkohol ist sein bester Freund, mit dem er auch das Scheitern seiner zweiten Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda Müller „verarbeitet“.
Hilda wiederum hat nach einer längeren Durststrecke, in der sie nur als First Lady fungierte, endlich wieder eine vielversprechende Rolle ergattert, pikanterweise in der Verfilmung eines Romans der ersten Frau ihres Noch - Ehemanns.
Regisseur dieses mit Spannung erwarteten Films ist das ehemalige Wunderkind des französischen Kinos, Romain Nizan, der den Erfolg ebenso dringend benötigt wie Hilda - und dem das Projekt von seiner On/Off Geliebten empfohlen wurde, die es ebenfalls auf die Hauptrolle abgesehen hatte…

Dies ist die Ausgangslage in Karine Tuils neuen grandiosen und absolut mitreißenden Roman „Die Liebeshungrigen“ @dtv_verlag , übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch.
Es geht um Macht in all ihren Facetten, um die Gnadenlosigkeit der Medien, um die Liebe in all ihren Spielarten - und um uns Menschen, die versuchen, den entscheidenden Moment des verheißungsvollen Glücks zu ergattern und nicht in Vergessenheit zu geraten.
Ein Roman, den ich tatsächlich ALLEN LESENDEN nur dringendst empfehlen kann, denn er ist einfach !!!!!!

Die Liebeshungrigen

von Karine Tuil

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Frau im Mond
Frank Menden

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Die Zwillingsschwestern Lilit und Lina el Shami sind nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihrem Großvater in Montreal aufgewachsenen. Eine alte Postkarte von ihrer ihnen unbekannten Großmutter Anoush bringt sie auf die Spur ihrer Familie – und auf lang vergessene Geschehnisse in ihrer früheren Heimat: dem Libanon. 
Was hatte Anoush mit der ominösen „Lebanese Rocket Society“ zu tun? Was bedeutet die Widmung an ihren Großvater auf der Postkarte? Und was hat es mit der „Frau im Mond“ auf sich?
Lilit beschließt diesen Fragen im Libanon auf den Grund zu gehen. Während sie das Land neu erlebt und den Aufruhr der libanesischen Gesellschaft zu spüren bekommt, findet sie immer mehr Antworten – und stößt auf eine faszinierende Geschichte. Doch der 04. August 2020 ist nicht mehr fern….

Pierre Jarawan hat einen prallen, meisterhaft konstruierten Roman geschrieben, der auf faszinierende Art und Weise eine spannende Familiengeschichte mit den Themen Wissenschaft, Politik, Film und Kunst verbindet. Herausgekommen ist ein fulminanter Roman, der berührt, inspiriert und noch lange nach der letzten Seite nachhallt.
Ganz großes Kino!

Frau im Mond

von Pierre Jarawan

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Die Spielerin
Frank Menden

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A. wird in den 1990er Jahren von der niedersächsischen Provinz nach Zürich geholt. Die junge Frau gilt als ehrgeizig und talentiert, Eigenschaften, die in der Welt der Hochfinanz von Vorteil sind.
Doch die erhoffte Karriere als Investmentbankerin stagniert, die Männer machen die Geschäfte unter sich aus, ignorieren ihre Ihnen unscheinbar daherkommende Kollegin.
Ein Fehler, wie sich herausstellen wird…

„Die Spielerin“ ist der neue Roman von Isabelle Lehn - und ein wahres böses Vergnügen.
Die von einer wahren Geschichte inspirierte Story über eine unscheinbare Frau, die sich die Regeln der Männer zu eigen macht und sie in ihrem eigenen Spiel schlägt, erzählt Isabelle Lehn in einem ganz eigenen, leicht unterkühlten und kargen Stil, der hervorragend zu ihrer Protagonistin passt - und der ihr die Aura des Geheimnisvollen lässt.

Es kann einem bei der Lektüre Angst und Bange werden ob der geschilderten Zustände in den obersten Etagen der Hochfinanz. Und doch kann man sich einer gewissen Faszination nicht entziehen und wünscht der durchaus ambivalenten A. nur das Beste.

Ein fulminanter Roman, mitreißend und wie aus einem Guss, hochvergnüglich und leicht beängstigend - und wie die sehr geschätzte Daniela Dröscher sagt: „Ein flirrendes Stück investigativer Literatur.“

Unbedingt lesen und sich an dieser Geschichte und der unverwechselbaren Sprache erfreuen!

Die Spielerin

von Isabelle Lehn

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So, in etwa, ist es geschehen
Frank Menden

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Ein Mann und eine Frau fahren an einem heißen Tag im Mai von Berlin nach Timmendorfer Strand.
Am Ende des Tages wird der Mann tot sein. Ermordet von seiner Beifahrerin.

Die Frau, das ist die afrodeutsche Amita Haller. Sie möchte ihre Mutter zum Gedenktag des Untergangs der Cap Arcona treffen, welchen Amitas Großvater damals überlebte.
Der Mann ist ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat sie mitzunehmen.
Es ist unerträglich heiß, die Fahrt verläuft stockend, Brockhaus redet ohne Unterlass - bis Amita ihn mit einem Schal stranguliert.

„So in etwa ist es geschehen“ , ein mit 139 Seiten schmales Buch, ist ein äußerst vielschichtiger Roman, den man aufgrund seiner zahlreichen Verweise auf schwarze Kultur und die deutsche Erinnerungskultur mehrmals lesen sollte.
Das Feuilleton war sich uneins über diesen Roman und auch ich bin hin und hergerissen. Fakt ist, dass mich das Buch seit der Lektüre beschäftigt, ich viel nachgelesen habe, vieles recherchiert habe und mich mit dem Werk von u.a. Toni Morrison, Audre Lorde und Paul Celan zumindest ansatzweise vertrauter gemacht habe. AutorInnen, denen Sharon Dodua Otoo im Nachwort dankt und deren Einfluss im Text durchscheinen.
Der Roman hat ( nicht nur mich ) mit einigen Fragen zurückgelassen, denn das „Warum“ vieler Dinge wurde mir nicht ganz klar.
Er hat mir aber auch neue Perspektiven eröffnet, neue Denkräume geschaffen und mir ein noch lange nicht abgeschlossenes Leseerlebnis bescher

So, in etwa, ist es geschehen

von Sharon Dodua Otoo

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Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
Frank Menden

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Lange schon schleiche ich um eine Rezension von „Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben“ herum.
Warum? Nun, es ist gar nicht so einfach diesen Roman „zu pitchen“.

Klar, ich könnte über die aufkeimende und nicht unkomplizierte Liebesgeschichte von Nina ( 50, geschieden, zweifache Mutter, in einem nicht sooo sehr geliebten Job arbeitend ) und David ( 30, Inhaber eines hippen Sandwichladens, die er selbst kreiert ) schreiben. Über den Altersunterschied, die damit zusammenhängende Unsicherheit vor allem - aber nicht nur - durch das soziale Umfeld.

Oder über die Missstände in der Produktionsfirma, in der Nina und ihre beste Freundin Zeynep arbeiten, über die sexuellen Übergriffe bei den Dreharbeiten zu einer sehr beliebten Krimireihe.

Oder über Lena, Ninas Schwester, die verzweifelt versucht , bei den vermeintlich richtigen Leuten anzukommen und dabei sich selbst mehr und mehr aufgibt .

Oder über das schwieriger Verhältnis der beiden Schwestern . Oder beider schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Karin.

Ich könnte aber auch einfach schreiben, dass die Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker einen Roman geschrieben hat, der trotz der vielen Themen nie überfrachtet ist. Der Witz mit Tiefgang verbindet, der berührt und absolut mitreißend ist und bitte unbedingt verfilmt werden sollte ( natürlich von Frau Decker selbst!)

Aber ich sag es einfach so: ein verdammt guter Roman mit einem genialen Titel!

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben

von Anika Decker

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Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart
Frank Menden

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Südschleswig. Hier steht das Elternhaus der Erzählerin, hierher kehrt sie zurück weil ihre Mutter im Sterben liegt. Die evangelische Gemeindepastorin hat Krebs im Endstadium. Die Frau, die für alle Mitglieder ihrer Gemeinde ein offenes Ohr hat, mitfühlend, geduldig, fürsorglich.
Und die ihrer Familie, dem dänischen Musiker Ehemann, den drei Kindern, eher kühl und kontrollierend begegnete - so zumindest die Erinnerung der Erzählerin.
Doch ist jetzt im Anblick der letzten Tage der Zeitpunkt für eine Aufarbeitung gekommen? Was kann man der sterbenden Mutter an Wut und Enttäuschung entgegenbringen? Wie geht man um mit dieser sich ständig wechselnden Mischung aus Trauer und Schuldgefühlen, mit dem Gefühl, das ganze Leben nicht wirklich gesehen worden zu sein? Und darf man trotzdem noch unbändig lachen, tanzen, das Leben genießen? Oder muss man es gerade deswegen ?

„Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart“ von Marie-Louise Moller hat einen Ton, der mich von den ersten Sätzen an für das Buch eingenommen hat - trotz des bedrückenden Themas. Der Autorin gelingt das Kunststück gleichzeitig ernst und humorvoll zu sein, erzählt nüchtern und doch poetisch, sieht genau hin, und zeigt uns, dass das Leben keine eindeutigen Antworten liefert, das man es annehmen, aushalten und doch auch gestalten kann.
Ein Debütroman, der mich unglaublich berührt hat durch seine Klarheit - und durch seinen eigenen Ton auch immer wieder zum schmunzeln brachte. Hier liegt alles nebeneinander, wie im Leben selbst.
 

Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart

von Marie-Louise Monrad Møller

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Nicht
Frank Menden

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„Aber dann stellt sich heraus, der Sack mit Gottesgeschenken, der deinen Namen trägt, ist doch noch nicht vollkommen leer. Noch nicht.“

Für den Übersetzer Eli, einem Mann in den 50er, scheint eine tiefergehende Beziehung zu einer Frau nicht mehr möglich zu sein.
Nach dem Tod seiner Frau hatte er zwar flüchtige Begegnungen, Affären, aber nie ergab sich etwas von längerer Dauer.
Aber, so beschwichtigt er sich selbst, vielleicht ist es auch gut so. Seine beiden Kinder sind beruflich erfolgreich und brauchen keinerlei finanzielle Zuwendungen, seine Arbeit macht ihm Freude.
Doch dann lernt er bei gemeinsamen Freunden Lia kennen, eine Cellistin. Und plötzlich scheint es doch möglich zu sein: eine neue Liebe, ein gemeinsames Leben.
Aber eine kleine Unachtsamkeit entwickelt sich zu einer nicht mehr kontrollierbaren Situation, die alles zum einstürzen bringen kann…

„Nicht“ , übersetzt von Markus Lemke, ist ein mit 187 großzügig gesetzten Seiten schmaler Roman, der es allerdings in sich hat. Je mehr man der Geschichte folgt, je mehr sich Eli in sein eigenes Lügengespinst verstrickt, umso vielschichtiger wird der Roman, der am Ende noch einmal eine Kapriole schlägt.
Eine wahrlich kurzweilige, mitreißende und spannende Lektüre, die wieder einmal zeigt, dass dem Leben die eigenen Pläne herzlich egal sind - oder?

Nicht

von Dror Mishani

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Yesteryear
Frank Menden

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„Manchmal wurde mir fast schlecht, wenn ich darüber nachdachte, wie perfekt mein Leben war und wie gut mir alles gelang.“

Natalie Heller Mills. Die Frau, die alles hat. Eine renovierte Farm, malerisch gelegen. Einen attraktiven Ehemann aus einer guten amerikanischen Familie inclusive eines politisch ambitionierten Schwiegervaters auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur. Und fünf entzückende und sehr photogene Kinder.
Logisch, dass Natalie ein Social Media Star mit mehreren Millionen Followern ist.
Und ebenso logisch, dass dies viele Neider mit sich bringt.
Aber die verstehen eben nicht, wie wunderbar es ist, ein traditionelles Leben zu leben und sich ganz an christlichen Werten zu orientieren.
Eine Tradwife zu sein ist keine Arbeit, es ist eine Bestimmung. Oder ?

„Yesteryear“ übersetzt von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn, ist ein absoluter Pageturner, der sich äußerst gelungen zwischen Gesellschaftssatire und Spannungsroman bewegt. Denn natürlich ist auch in Natalies leben nicht alles Gold was glänzt, sind die Kamerawinkel exakt geplant und die HelferInnen im Hintergrund bleiben weitestgehend unsichtbar.
Was aber wenn aus der Inszenierung Realität wird? Ist das Leben dann immer noch so wunderbar?

Bewusst habe ich möglichst wenig über diesen Roman verraten, DEN Plotpoint nur vage angerissen. Je weniger man weiß, umso spannender ist dieses Buch.
Ich habe es in kürzester Zeit gelesen, viel geschmunzelt - und mich mehr in das Tradwife Phänomen vertieft.
Über die Auflösung wird sicherlich kontrovers diskutiert werden. Für mich war sie im Gesamtkonzept des Romans sehr schlüssig.
Also: lesen, weiterempfehlen, diskutieren.

Yesteryear

von Caro Claire Burke

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Noch fünf Tage
Frank Menden

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Davos, Silvesterabend.
Die Spitzenköchin Lis Castrop bereitet dem Millionär John Harmans, seiner Frau Reeta und den beiden Kindern ein Festmahl zu. Kurze Zeit später sind alle tot: vergiftet. Auch die Köchin hat es erwischt, dank einer schwächeren Dosis des Giftes verbleiben ihr aber noch fünf Tage. Kostbare Zeit, in der sie nicht nur vom Krankenhaus aus die Zukunft ihrer 12jährigen Tochter Cosima regeln muss. Lis muss gleichzeitig die Kriminalpolizei von Ihrer Unschuld überzeugen - und dabei ihren eigenen Mörder suchen…

„Noch fünf Tage“ von Helena Falke ist ein absolut ungewöhnlicher Thriller - und das nicht nur wegen seiner Prämisse. Wie ein Countdown läuft die Handlung ab, mit jeder Seite verliert auch die Protagonistin immer mehr Lebenszeit - und muss doch mit allerletzten Kräften herausfinden, wer das eigentliche Opfer sein sollte, und wer „nur“ ein Kollateralschaden war.
Wer Lust auf einen etwas anderen Thriller hat, der sollte sich dieser konsequent erzählten und immens spannenden ergeben, denn man kann dieses Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen!

Noch fünf Tage

von Helena Falke

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Brandung
Frank Menden

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„Wir möchten Sie im Rahmen einer Angelegenheit sprechen, die Sie betrifft.“

Der Anruf vom Kommissariat in Le Havre erwischt die Erzählerin, eine in Paris lebende Synchronsprecherin, verheiratet und Mutter, als sie gerade nach Hause kommt.
Die Leiche eines nicht identifizierbaren Mannes war gefunden worden, in seiner Tasche ein Kinoticket mit der Nummer der Ich-Erzählerin. Diese macht sich sofort auf den Weg in ihre Heimatstadt, verfolgt von Erinnerungen an die Vergangenheit. An ihre und an die der Stadt - und an einen Mann, ihren Jugendfreund, die erste große Liebe.
Könnte er der Tote sein?

„Brandung“ von Maylis de Kerangal , übersetzt von Andrea Spingler, beginnt wie ein klassischer Kriminalroman - und ist doch etwas völlig anderes.
Denn die Reise nach Le Havre stößt eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Protagonistin an, die sich mehr und mehr als unzuverlässige Erzählerin entpuppt und die uns an ihren Assoziationen über Geschichte, die Bedrohung ihres Berufes durch Künstliche Intelligenz und vielem mehr teilhaben lässt. Dabei gerät der Tote manchmal aus dem Fokus, bleibt aber unterschwellig stets präsent.
Man sollte sich einlassen auf diesen vielschichtigen und anspielungsreichen Roman, der zeigt, wie sehr die Brandung der Erinnerung uns auch Jahrzehnte nach bestimmten Ereignissen und Erfahrungen immer noch einholen kann.
Ein faszinierender Text, der Resonanzräume öffnet.

„Die Vergangenheit war keine fossile Materie, sie entwickelte sich in der Zeit, geschmeidig, plastisch, sie entwickelte sich endlos, sie lud sich auf im Lauf des Lebens, die Vergangenheit blieb lebendig.“

Brandung

von Maylis de Kerangal

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Hammerfrau
Frank Menden

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„Nein, ich war nicht leichtsinnig, sicher nicht. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich bin es leid, mir diese Frage zu stellen. Oder sie gestellt zu bekommen. Aber es war genau diese Frage, die mir viele gestellt haben, ohne sie auszusprechen. Ich habe sie in ihren Blicken gesehen.“

Julia steht kurz vor ihrem Durchbruch als Sopranistin als ein kleiner Gang durch den Park alles verändert. Hier wird sie von einem ihr unbekannten Mann, dem Plattenverkäufer Thomas, mit einem Hammer attackiert, die Folgen werden sie den Rest ihres Lebens begleiten.

Opfer wie Täter berichten abwechselnd wie es zu dieser Tat kam, wie ihr Leben davor verlief, wie danach.

„Hammerfrau“ von Mario Kreszner ist ein aufrüttelnder Roman. Ein Roman, der genau hinsieht, der beide Perspektiven nicht kommentiert und dessen Sympathien doch klar verteilt sind.
Es ist eine Geschichte, wie sie beinah täglich passiert und die uns alle zwingt genauer hinzusehen.
Und uns vor Augen führt, mit welchem Blick Männer Frauen betrachten.
Absolute Leseempfehlung!

Hammerfrau

von Mario Keszner

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Das Haus der Türen
Frank Menden

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1921 besucht der berühmte Schriftsteller William Somerset Maugham einen alten Freund aus London in Penang. Hier in Malaysia lebt der Anwalt Robert Hamlyn zusammen mit seiner Frau Lesley und freut sich, seinen einstigen Mitbewohner, der von seinem Sekretär - und dies ist schnell klar - und Liebhaber begleitet wird, wiederzusehen.
Der Besuch wird für den von seiner Asienreise erschöpften Schriftsteller allerdings weniger erholsam als gedacht.
Schnell erkennt er, dass es mit der Ehe seiner Gastgeber nicht zum besten steht und je mehr er und Lesley sich annähern, umso mehr erfährt er die Hintergründe dieser langsamen Entfremdung.
Da ist neben Roberts Krankheit, ein durch einen Giftgasangriff im Ersten Weltkrieg verursachtes Lungenleiden, auch Lesleys Zusammenarbeit mit einem bekannten chinesischen Revolutionär.
Und da ist ja auch noch der zehn Jahre zurückliegende Skandal um Lesleys Freundin Ethel, die in einem spektakulären Prozess des Mordes beschuldigt wurde….

Als großer Fan der Werke W. Somerset Maughams ( man sollte unbedingt „Der Menschen Hörigkeit lesen ) war der für den Booker Prize nominierte Roman „Das Haus der Türen“ natürlich ein Muss.
Tan Twan Eng hat einen atmosphärischen Roman über Menschen geschrieben, die Gefangene der Konventionen ihrer Zeit sind. Gleichberechtigung der Frau, Homosexualität und politischer Freiheitskampf sind ebenso seine Themen wie die Manipulation von Menschen durch einen Autoren, der alles ihm anvertraute für sein Werk nutzt.
Somerset Maughams vorherrschendes Thema seiner Romane waren die menschlichen Schwächen, die zum scheitern von Beziehungen führen: Selbstsucht, Stolz, Heuchelei, Feigheit und Angst.
Tan Twang Eng greift dies in seinem hervorragend von Michaela Grabinger übersetzten Roman auf und zeigt uns zudem in einem genialen Twist, wie Literatur ihre Magie entfaltet.
Ein sehr zu empfehlender Roman, nach dessen Lektüre man unbedingt Maughams „The Letter“ lesen sollte.

Das Haus der Türen

von Tan Twan Eng

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Hier draußen
Frank Menden

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„Was hier üblich war und schon immer so, das hatte so zu passieren, und wer das nicht abkonnte, gehörte eben nicht dazu.“

Fehrdorf in Schleswig-Holstein. Hier hat alles und jede(r) seinen angestammten Platz. Nur Ingo und Lara fremdeln noch ein wenig mit dem kleinen Dorf. Der Umzug von Hamburg hierher auf den schönen großen Resthof sollte ihnen und ihren Kindern die Möglichkeit für einen Neuanfang geben. Doch zwischen den Vorzeigelandfrauen, den wortkargen Bauern und den beiden letzten Bewohnern einer einstigen Öko-WG ist es schwer einen Platz zu finden, sich einzuordnen in die tradierte Choreografie des Ortes.
Als Ingo eines Abends einen Wildunfall mit einer weißen Hirschkuh hat und sich Dorfjäger Uwe weigert, dem schwer verwundeten Tier alleine den Gnadenschuss zu geben, da denjenigen, der eine weiße Hirschkuh tötet, innerhalb eines Jahres der Tod ereilt, setzt dies eine Kette von Ereignissen in Gang , die unweigerlich zu Veränderungen führt. Und da ist ja auch noch die Prophezeiung….

Es gibt nur eines, was ich nach der Lektüre von „Hier draussen“ bedaure: dass ich diesen wunderbaren Roman nicht früher gelesen habe.

Martina Behm hat einen Dorfroman geschrieben, der nichts beschönigt, der mit Klischees gleichzeitig aufräumt und sie bestätigt, mit viel Empathie und leisem Humor ihr Sujet betrachtet und das fiktive Fehrdorf mit seinen Bewohnern so lebendig werden lässt, dass man es mit allen Sinnen erfasst.
Der vielschichtige Roman bietet eine multiperspektivische Sicht auf vermeintliche und reale Dorfromantik, auf Beziehungen und Traditionen. Nie gerät der Roman in den Ruch eine thesenhafte Versuchsanordnung zu sein, dafür kennt die Autorin ihr Setting und Personal zu gut.
„Hier draussen“ ist ein Roman über das Land, das Leben - und das Landleben. Mit allen Höhen und Tiefen, allen Facetten und Schattierungen, ohne Kitsch, völlig unsentimental, lebensklug und unbedingt lesenswert!
Wie Max Moor korrekt auf dem Umschlag zitiert wird : „Ein richtig gutes Buch“

Hier draußen

von Martina Behm

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Unter Grund
Frank Menden

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Eine junge Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf und stellt sich dort ihrer Vergangenheit - ihrer rechten Vergangenheit.
Die junge Frau ist Franziska, eine Referendarin, das Dorf liegt in der fränkischen Provinz .
Hier ist sie aufgewachsen, der Vater früh verstorben, die Mutter nach dessen Tod überfordert und sich der Esoterik zuwendend, die Großmutter barsch und verschlossen.
Aus einer zufälligen Begegnung erwächst eine Freundschaft, die Franziska mehr und mehr in rechtsradikale Kreise führt…

„Unter Grund“ erzählt authentisch vom allmählichen abdriften in die Rechte Szene, von rechtem Gedankengut, das unterschwellig im Dorf schwelt und dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt, die alle am liebsten vergessen wollen.
Verdrängen und Schweigen, Wegschauen und -hören wenn es unangenehm wird, das scheint die Devise zu sein. Bis Franziska, die sich mittlerweile von ihrer Vergangenheit distanziert hat (sich aber trotzdem nicht traut mit ihrem neuen Umfeld darüber zu reden) wieder auftaucht und alte Wunden aufbrechen.

Für mich ist dieses Debüt ein überzeugender Blick auf ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit, genau beobachtet, in einem eigenen unverwechselbaren Ton geschrieben und ohne erhobenen Zeigefinger.
Ein Roman, der gelesen werden sollte !

Unter Grund

von Annegret Liepold

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Drei Tage im Juni
Frank Menden

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Anne Tyler ist immer eine sichere Bank .
Ihr neuer Roman „Drei Tage im Juni“ , übersetzt von Michaela Grabinger, zeigt erneut ihre Meisterschaft.

Die titelgebenden drei Tage im Juni sind die Tage vor und nach der Hochzeit der gemeinsamen Tochter von Gail und Max, sowie der feierliche Tag selbst .
Gail und Max sind schon lange geschieden, haben einen guten Umgang miteinander gefunden.
So ist es für Gail auch völlig okay, Max bei sich über die Hochzeit unterzubringen.
Nicht ganz so okay ist die Ansage ihrer Chefin ihr den Job als stellvertretende Schuldirektorin wegen mangelnder Sozialkompetenz zu kündigen .
Und erst recht nicht okay ist die Tatsache, dass ihre Tochter Debbie am Tag vor der Hochzeit völlig fertig ist, da sie gerade erfahren hat , dass ihr zukünftiger Mann sie wohl vor gar nicht langer Zeit betrogen hat .
Nicht die besten Voraussetzungen für eine strahlende Hochzeit, zu der auch ein recht missglückter Friseurbesuch nicht gerade optimistisch einstimmt …

208 Seiten hat dieser Roman, und jede Seite ist ein Genuss . Anne Tyler hat mit der 61jährigen Gail eine Protagonistin geschaffen, die einem gerade wegen ihrer oftmals etwas brüsken Art sehr schnell ans Herz wächst und die uns mit all ihren Fehlern und Vorzügen wünschen lässt, dass sich alles in ihrem Leben zurechtrücken wird.
Mich hat dieser mit genauem Blick und voller Empathie erzählte Roman für ein paar Stunden völlig in den Bann gezogen und mich wieder darin bestärkt, dass Anne Tyler eine der großen amerikanischen AutorInnen ist.

Drei Tage im Juni

von Anne Tyler

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