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Empfehlungen aus Sachbücher

Come out!
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

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„Es war eine Selbstbefreiung, die gelang und trotzdem bis heute gefährdet ist.“

So der letzte Satz auf der Rückseite von Thomas Sparrs „Come Out - Wie der Aufstand in der Christopher Street die Welt veränderte“.

Wie groß diese Gefährdung ist, das wurde am späten Samstag Abend beim Berliner CSD auf schmerzhafteste, schockierende Art und Weise deutlich.

Für uns in der LGBTQIA+ Community ist dies die bittere und traurige Kulmination eines immer kälter werdenden gesellschaftlichen Klimas, der Ton uns gegenüber wird rauer, ausfallender, die (welt)politische Lage ist gerade in Bezug auf unsere Leben, unsere Rechte rasant rückwärts gewandt.

Sicherlich ist Thomas Sparrs Buch streitbar, nicht alle Aspekte der Folgen der Stonewall Riots werden tiefgründig benannt. Aber trotzdem ist dieses Buch wichtig und relevant, zeigt anhand von Beispielen vor allem aus dem kulturellen Bereich, wie sich die Sichtbarkeit von Homosexualität verändert hat. Und was Menschen wie Rosa von Praunheim, Hubert Fichte, Hans Mayer und Hans-Joachim Schoeps angestoßen und geleistet haben.
Insofern bietet dieser längere Essay, der verdient auf der Sachbuch Bestenliste stand, einen lesenswerten Einstieg in die Kulturgeschichte der Homosexualität in Deutschland nach 1969.

Come out!

von Thomas Sparr

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Sommer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Während der Sommer bei uns im Norden nicht weiß, was er will, ist sich dieses Kochbuch dessen Charakterzug vollends bewusst und feiert diese Jahreszeit!

Nachdem mir Sarah Hassert und Jule Kiefer mit ihrem Winter-Kochbuch DAS Rezept für den besten Pizzateig geliefert und mich mit den anderen Rezepten wie Bildern abgeholt haben, konnten sie mich erneut begeistern. Als kochbuchaffine Leserin habe ich bereits auf den ersten Seiten erneut erkannt: das ist kein gewöhnliches Kochbuch. Es ist viel mehr, die exquisite Zutat, das i-Tüpfelchen zwischem dem Salz und den Gewürzen. Obendrein eine Kulturgeschichte, die perfekte Anleitung für gelungene Buffets und ein Fingerzeig für alle Genussmenschen, die mehr wollen als nur zu essen.

So erfahre ich, dass mein geliebter Knoblauch seit 4000 lebt und als Wunderwaffe gegen schlechtes Blut, Erkältung, Fieber und für den Kinderwunsch eingesetzt wird. Passend dazu gibt es ein Rezept, wie man jungen Knoblauch zähmt und schmackhaft macht. Er braucht dafür nur wenige Mitspieler wie den Thymian, Salbei und Rosmarin.

Fans von Gurken werden über das Rezept jubeln, dass die gesunden Stangen aufpeppen. Dazu benötigen Sie nur Reisessig, Sojasauce, Sesamöl, Ahornsirup, Chiliflocken und gerösteten Sesam. Fertig ist der feurige Gurkensalat, der uns Ooohs aus dem Rachen bescheren wird.

Mein absolutes Highlight ist der Thunfisch-Bohnen-Salat. Das perfekte Essen für tropische Abende. So easy und köstlich! Mehlige Aprikosen haben wir mit diesem Kochbuch wiederbelebt - die karamellisierten Früchte lassen Ihre Zungen als Beilage zu Fleisch oder als Kompott mit Eis oder Creme zum Vibrieren bringen. Ebenso köstlich sind die Erdbeeren, die mit dem Lachs eine bemerkenswerte Verbindung eingehen. Dass Erdbeeren bestens mit feinem Schinken und Parmesan harmonieren, kann ich nun bestätigen. Danke für den Impuls, liebe Sarah & Jule!

Wie in „Winter“ bedienen sich die beiden Autorinnen einfachen Mitteln und erzeugen großes Gaumenkino. Nebenbei erfahren wir noch allerhand Interessantes. So können Sie bei ihren Zusammenkünften mit der Geschichte über den „Gott des Weines“ auftrumpfen. Nachzulesen in diesem kulturfeinen Kochbuch, das einen ebenso mit wundervollen wie atmosphärischen Fotos inspiriert. Die Rezepte und Geschichten beginnen im April, enden im Oktober - genau dann, wenn das Winter-Kochbuch zum Einsatz kommt oder in den Sommerschlaf verschwindet. Besser geht's nicht!

Sommer

von Saint John Studio, John Saint

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Sind Flüsse Lebewesen?
Katja Schneider

Katja Schneider

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In einem Zeitungsartikel wurde kürzlich die Frage aufgeworfen, was wäre, wenn die Elbe ein Mensch wäre und Rechte hätte. Wenn Sie vor Gericht vertreten werden könnte und eine Anklage erhoben werden könnte. Denn der Elbe geht es schlecht: Der Sauerstoffgehalt sinkt, Fische sterben, es kommt immer wieder zu Überschwemmungen und weiteren Katastrophen. Flüsse sind Lebensadern, auch für uns Menschen und doch beuten wir diese aus, lassen verunreinigtes Wasser und Chemikalien hineinlaufen und baggern sie immer weiter aus, damit noch größere Schiffe auf ihnen fahren können.

Der Elbe fühle ich mich seit meiner Kindheit in Wittenberg verbunden und liebe es, an diesem Fluss entlang zu spazieren, das glitzernde Wasser zu beobachten und an ihrem Ufer eine Rast einzulegen. Auch der Autor Robert Macfarlane hat in seiner englischen Heimat solch einen Fluss, den er liebt und gern besucht. Doch auch in Großbritannien ist die Situat für die Gewässer alles andere als rosig. Weltweit betrachtet ist die Lage ebenfalls ernst. Macfarlane hat drei Flüsse in Indien, Kanada und Ecuador besucht, in denen eine Umweltkatastrophe droht. Er hat mit Menschen gesprochen, die sich mit anderen zusammengeschlossen haben, um diese zu schützen und eine Stimme zu verleihen und schreibt darüber in seinem wunderschönen Buch „Sind Flüsse Lebewesen?“ Diese Menschen und darüber zu lesen verleiht Hoffnung und die Frage, die der Titel aufwirft, wird klar mit einem JA beantwortet.

Sind Flüsse Lebewesen?

von Robert Macfarlane

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Beliebige Fracht. Die Geschichte der globalen Wirtschaft, erzählt anhand eines Schiffs
Katja Schneider

Katja Schneider

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Die besten Sachbücher sind für mich jene, welche mich ohne erhobenen Zeigefinger, viel Wissen, einem Bezug zur Praxis und einem unterhaltsamen Schreibstil bilden können. Immer wieder lege ich ein Sachbuch zur Seite, wenn der Autor oder die Autorin zwar viele interessante Dinge wissen, aber hölzern schreiben und mich nicht mitnehmen. „Beliebige Fracht“ von Ian Kumekawa ist eines der besten Sachbücher, das ich jede gelesen habe. Der Historiker erzählt die Geschichte der globalen Wirtschaft anhand zweier Frachter, die Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts in einer schwedischen Werft gebaut wurden und seit 2018 in Nigeria bzw. seit 2022 in Indien stillgelegt sind. Bis zu ihren Endzielen wurden sie in der ganzen Welt als Behausung für Werksarbeiter, Soldaten oder gar Gefängnisinsassen und immer wieder als Spekulationsobjekte genutzt. Der Autor erläutert dabei, wie Briefkastenfirmen arbeiten, wie der Sklavenhandel und Ölförderung häufig nur wenigen Menschen nützt, juristische Fallstricke, den Neoliberalismus und dergleichen mehr und das so eingängig und packend, dass man sich wünscht, die Schiffe wären noch im Einsatz und es gäbe noch mehr über sie zu erfahren.

Dieses Buch bekommt von mir eine Eins mit Sternchen und das Prädikat genial.

Beliebige Fracht. Die Geschichte der globalen Wirtschaft, erzählt anhand eines Schiffs

von Ian Kumekawa

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Forever Beautiful
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Das Frühjahr ist da. Und mit ihm jede Menge neue Bücher. Nicht nur Romane und Krimis, sondern auch interessante Kochbücher. "Forever Beautiful" von Susanne Korasani ist eins davon. Es ist im Malia Verlag erschienen - dem Verlag von Laura Malina Seiler.

Susanne Korasani ist bekannt geworden durch ihr Buch "Be Your Owen Healer" - in dem sie zeigt, wie es gelingen kann die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Ich trinke seit dem Buch den Löwenzahntee. So hat es mich nicht überrascht, dass der Löwenzahn auch in dem Buch eine besondere Rolle spielt. Sie "ist eine Pflanze, die nichts aufhält. Sie wächst durch Asphalt, trotz dem Wind und Abgasen und trägt in jeder Zelle die Erinnerung an Aufbruch." Die Bitterstoffe sind wichtig für die Entgiftung der Leber. Zudem unterstützen Sesquiterpenlactone, Flavonoide, Inulin und Kalium - die Gallenbildung, aktivieren die Verdauungsenzyme und entlasten die Leber. Die Autorin empfiehlt den Tee, den es im Reformhaus gibt, und die Blätter für Salate, Smoothies und Suppen. Wie gut, dass mein Gemüsehändler auf dem Isemarkt das Kraut verkauft.

Das Buch unterteilt sich in die Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter sowie den Tagesrhythmus: Morgens, mittags und abends. Das Gros der Rezepte enthält nur wenige Zutaten, was ich sehr begrüße, und arbeitet saisonal.

Einfach und gehaltvoll ist beispielsweise die Yoshino-Suppe mit Seidentofu. Hierfür braucht man nur Wasser, Seidentofu, eine kleine Karotte, eine Handvoll Spinat oder Pak Choi, Sesamöl, frischen Ingwer und Frühlingszwiebel. Als Teetrinkerin habe ich mich über die "Grüntee-Kraftbrühe mit Tamari sehr gefreut. Dafür benötigen Sie nur Sencha oder Bancha, einen Schuss Soja-Tamari aus fermentierten Sojabohnen. Auch spannend: die Kuzu-Limo. Oder der Safran Latte. In einem Glossar verrät die Autorin, wo man die Zutaten erhält und worauf man achten sollte.

Was das Buch zudem aufwertet, sind einzelne konkrete Ausführungen zu bestimmten Inhaltsstoffen, ihre Wirkung und Anwendung. So habe ich erfahren, dass Gänseblümchen nicht nur die Regeneration und Ausgleich fördert, sondern ebenso als Umschlag Hautreizungen und leichte Schwellungen genutzt werden kann.

"Forever Beautiful" ist ein ganzheitliches wie nachhaltiges Kochbuch für Geist und Seele! Es zeigt, wie alles miteinander verbunden ist: "Wer Nahrung, Gedanken und Worte auf diese Weise versteht - nicht nur als Kalorienquelle oder Nebensächlichkeit - verändert die Qualität seines gesamten Lebens. Körperlich wie geistig."

Forever Beautiful

von Susanne Abbassian Korasani

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Trotzdem zuhause
Frank Menden

Frank Menden

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Es gibt Bücher, bei denen meine „Rezensionsfähigkeit“ versagt. Bücher, die mich so durchrütteln, mich begeistern, mir die Augen öffnen, mich zu Tränen rühren, vor Wut, vor Erkenntnis, vor miterlebtem Schmerz. Die mich - hoffentlich - klüger machen, empathischer, rücksichtsvoller und ja: zu einem besseren, aufmerksameren Menschen.
Ich neige nicht zu Pathos, habe keine „Adjektivdiarrhoe“ - aber dieses Buch !!!!!!!!!

Ich bedanke mich bei Tupoka Ogette für ihr Memoir „Trotzdem Zuhause“.
Für ihren Mut ihr Leben aufzuschreiben, uns daran teilhaben zu lassen.
Ich hatte intensive Lesestunden und die Lektüre hat viele Prozesse in Gang gesetzt.

Für diese paar Zeilen hab ich jetzt eine knappe Stunde gebraucht. Und mir ist die Unzulänglichkeit meiner Worte sehr bewusst.
Trotzdem schließe ich mit einem sehr abgedroschenen Satz, der aber dennoch so wahr ist.
Lest dieses ungemein wichtige Buch - und redet darüber!

Trotzdem zuhause

von Tupoka Ogette

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Winter
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Dieses Kochbuch enthält das einfachste Rezept für die fabelhaftesten Brownies und dem besten Pizzateig, der bereits bei der Herstellung glücklich macht. Denn er ist derart geschmeidig. Aber das ist noch nicht alles, was sich in diesem wunderbaren Kochbuch verbirgt. Sarah Hassert liefert uns obendrein tolle Geschichten über Bräuche wie den Barbaratag - ein kirchlicher Festtag zu Ehren der heiligen Barbara von Nikomedien in der heutigen Türkei. Ihr zu Ehren gibt es am 4. Dezember immer einen Mändelchenpudding. Dafür bedarf es nicht viele Zutaten: Milch, eine Vanilleschote, ein paar Tropfen Mandelaroma, Zucker, Eigelb, Zucker, Mandelsplitter und Speisestärke.

Dank Sarah Hassert weiß ich, dass der Kürbis im Backofen am besten aufgehoben ist, bevor man ihn weiterverarbeitet. Wer wie ich gern Angebote shoppt und plötzlich zu viel Gemüse im Kühlschrank hat, dem wirft Sarah einen Rettungsanker zu. Neben leichten Alltagsgerichten finden sich köstliche und feierliche Anregungen wie „Hansas Mess“. Auch schön ist der Spaziergang durch alle Wintermonate – von Oktober bis April.

Die Hamburger Autorin liebt nicht nur gute Literatur, kulinarisch-feine Gaumenfreuden - auch die Kultur des Essens ist ihr eine Herzensangelegenheit. Das spüre ich mit jeder Seite und kann nicht lange an mich halten. Vor allem durch die stilvollen und atmosphärischen Fotos von Jule Kiefer werde ich angeregt, sofort loslegen zu wollen. So fühlt man sich mit diesem Kochbuch gut aufgehoben im grauen nordischen nasskalten Winter.

Winter

von Saint John Studio, John Saint

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Wir dachten, wir könnten fliegen
Frank Menden

Frank Menden

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„Literatur lässt uns die Welt, in der wir leben, mit anderen Augen sehen: Wer liest, kann an zwei Orten gleichzeitig sein. Wer liest, kann mühelos durch alle Zeiten reisen. Und wo sonst, wenn nicht in der Literatur, ist es uns gegeben, Tote wiederauferstehen zu lassen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die bloße Beschreibung einer Art nicht ausreicht, um sie von den Toten zu erwecken. Für diesen Zauber brauchen wir die Literatur.“

So Matthias Jügler im Vorwort von „Wir dachten, wir könnten fliegen“ , in dem 19 AutorInnen je eine ausgestorbene Tier- oder Pflanzenart auf unterschiedlichste Weise porträtieren bzw. ihr ein Denkmal setzen - wunderbar illustriert von Barbara Dziadosz.
Herausgekommen ist ein ganz wunderbarer Band voller unterschiedlicher Erzählungen, voller Humor und Wehmut, sehr berührend und ungemein verdienstvoll, führt er uns doch durch das Beschreiben des Vergangenen vor Augen, was wir unbedingt bewahren müssen.

Die 19 Erzählungen sind so verschieden wie ihre AutorInnen, darunter Daniele Droescher, , Caroline Wahl , T.C. Boyle, Kim de L'Horizon , John Burnside, Alex Capus, Julia Schoch,Clemens J. Setz und Antje Ravik Strubel.

Eine Anthologie, die Augen ( und in Kim de L'Horizons Beitrag auch Ohren ) öffnet, und die ein durch und durch famose Geschenk ist: für sich selbst und alle um einen herum!

Wir dachten, wir könnten fliegen

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Am Wasser das Haus
Sarah O'Connor

Sarah O'Connor

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Sind Sie Geschichtsinteressiert? Oder darf es Kunst sein? Mögen Sie besondere, in besonders schöner Sprache geschriebene, Geschichten? Suchen Sie ein Literaturgeschenk für jemanden, der bereits bestens ausgestattet ist? Oder mal etwas Anderes, sich Genreschubladen Entziehendes? „Am Wasser das Haus“ von Magdalena Saiger ist Ihr Buch. Es beginnt im Jahr 1908, als der Maler Max Liebermann eine Villa am Wannsee nebst Garten entwirft. Zweieinhalb Jahrzehnte dient es der Familie als Refugium, als Sommerresidenz. Nach gewaltsamer Vertreibung wird es in den 1940ern als Reichspost genutzt; im ehemaligen Malersaal wird operiert; in den 70ern zieht ein Unterwasserclub ein. Leerstand. Wir verweilen nie lange bei den Menschen, ziehen weiter, sind Gäste und dürfen beobachten. Eine Villa, die bleibt, als Hauptprotagonistin. Die Autorin malt Bilder mit Worten: kunstvoll, wunderschön, wehmütig, herzzerreißend, auch mal augenzwinkernd. 

Ein veritables Meisterinnenwerk!

Am Wasser das Haus

von Magdalena Saiger

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'Kluge Frauen bezahlen ihre Kleider selbst'
Frank Menden

Frank Menden

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Zum ersten Mal hörte ich den Namen Elsa Schiaparelli im Zusammenhang mit ihrer Enkelin Marisa Berenson, Top Model der 1960er und 1970er und Schauspielerin ( „Cabaret“, „Barry Lyndon“ ) .
Ab diesem Zeitpunkt jedoch beschäftigte mich die italienische Modedesignerin immer mehr, wurden ihre Entwürfe immer präsenter, kleidete sie doch auch viele große Stars des von mir verehrten Old Hollywood ein ( Dietrich , Crawford, Garbo, Hepburn).

Michaela Karl hat nun auf ihre unvergleichliche Art und Weise eine wunderbare Biografie über die bedeutende Designerin geschrieben, die anders als ihre große Rivalin Coco Chanel ein wenig in Vergessenheit geraten ist.
Sie schildert in ihrem aus vielen Biografien bekannten atmosphärischen, lockeren Stil dieses außergewöhnliche Frauenleben des 20. Jahrhunderts.
Dabei besticht wie immer bei Michaela Karl die gründlich recherchierte Quellenlage, die die zahllosen erhellenden Anekdoten hervorgebracht haben, die „Kluge Frauen bezahlen ihre Kleider selbst“ r zu einem so mitreißenden Buch machen.
Nicht nur ein „Must have“ für Modefans, sondern auch eine geschickte Verknüpfung von Mode und Gesellschaftspolitik von den 1930ern bis in die Gegenwart und eine Hommage an Kreativität, Mut und Individualität.

'Kluge Frauen bezahlen ihre Kleider selbst'

von Michaela Karl

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Sterben lernen auf Japanisch
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Der Tod ist ein Bestandteil von Milena Michiko Flasars Büchern. Doch sie differenziert zwischen ihren Geschichten und dem wirklichen Leben. Ende 2024 begibt sich die japanisch-österreichische Autorin nach Japan, um im Urlaub ihre Familie zu besuchen. Das Thema des zerbrechlichen Lebens und des Todes reist mit ihr.

Als geradezu magisch empfinde ich es, dass Milena im Flugzeug eine Kurzgeschichte ("Thailand") von Haruki Murakami liest. Das sagt die Geistheilerin zur Protagonistin: "From now on, little by little, you should prepare yourself to face death. If you devote all your future energy to living, you will not to be able to die will." Während sie diese wahren Worte liest, sieht sie, wie klein und zerbrechlich das Flugzeug ist. Wie das Leben selbst. Nur wollen wir es uns nicht eingestehen. Wir blenden den Tod aus, und sind erschrocken, wenn er eintrifft. Sie vergleicht die Geburt mit dem Tod. Man wird geboren, aber man stirbt aktiv. Nur lernen wir ihn nicht wirklich. Die Lehrpläne haben ihn nicht auf der Agenda. "Aber wir lernen doch sonst so vieles. [...] Vielleicht, weil der Tod etwas Einmaliges ist."

Die Japaner:innen haben eine besondere Beziehung zum fragilen Leben und dem Sterben. Das Land liegt auf dem "Pazifischen Feuerring". Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass es in den nächsten Jahren ein gewaltiges Erdbeben mit über "200.000 Toten geben wird". Von Kindheit an wird allen beigebracht, wie sie sich in solchem Fall verhalten müssen. Es gibt Vorsichtsmaßnahmen, aber auch Rituale und lebenskluge Haikus, an denen wir uns festhalten können, und die für mich die japanische Literatur wie Kultur zu etwas Außergewöhnlichen macht.

Die teilt die Autorin mit uns auf ihrem Weg. "When it comes - just so! When it go - just so" schrieb Musho Josho, ein Zen Mönch im 14. Jahrhundert.

Wir beginnen in Osaka, treffen dort auf jugendliche Ausreißer - die "Guri Shita Kids". 30.000 Obdachlose zählt Japan, zunehmend Jugendliche, die sich für ein Leben auf der Straße entscheiden. Danach reisen wir weiter nach Tsuyama, wo ihre Tante mit elf Katzen lebt. Nur knapp ist sie dem Tod entkommen, dem sogenannten "Kodokushi", den Tod der Alleinstehenden, der Bestandteil ihres Buches "Oben Erden, unten Himmel ist". Gleichwohl denkt sie an den erst kürzlich verstorbenen Vater. Wie es ist, dem Tod vor sich zu sehen, nichts mehr zu Wollen und Können, schildert sie eindringlich, bevor ihr an MS erkrankter Vater seinen letzten Atem ausgehaucht hat.

"Sterben lernen auf Japanisch" ist so vieles in einem. Ein ganz persönlicher Reisebericht durch Japan, der uns in die Riten einführt wie der unperfekten Wabi-Sabi-Ästhetik, die das Hinfallen verdeutlicht. Das Buch blickt dem Tod mutig, würdig und elegant ins Gesicht. Er wird dadurch nicht kleiner, aber wie heilsam Worte sein können, wissen wir alle. Die picken wir mit diesem Essay auf, der beim neugegründeten unabhängigen Verlag "Wasser Publishin" erschienen ist. Sie sehen hier nur die eBook-Variante, aber wir haben das Werk auch klassisch als Buch vorrätig.

Sterben lernen auf Japanisch

von Milena Michiko FlaSar

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Dreihundert Männer
Frank Menden

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Kann man die Geschichte der deutschen Wirtschaft mitreißend, klug, pointiert und mit einer Prise Humor erzählen?
Oh ja, man kann, wie Konstantin Richter in „Dreihundert Männer - Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ beweist.

Auf 543 Seiten erzählt Richter von den Männern und Firmen, die die deutsche Wirtschaft und damit auch unser aller Leben wesentlich prägten und zum Teil bestimmten.
Dabei entsteht ein Zeitporträt, das nie trocken daherkommt.
Richter verwebt die Porträts der Unternehmen und ihrer Führungspersönlichkeiten mit fundierten und teilweise amüsanten Anekdoten, ohne jedoch das große Ganze aus dem Blick zu lassen.
Dabei spannt er den Bogen von 1870 bis in die 1990er Jahre und wirft auch einen Blick in Gegenwart und Zukunft der Bundesrepublik.
Diese Verbindung von historischen und politischen Zusammenhängen bietet neben einem hohen Erkenntnisgewinn auch äußerst spannende, intelligente Unterhaltung.
Ein absolutes MustRead für alle, denen „normale“ Wirtschaftsbücher zu trocken sind .
Und für mich neben Henning Sussebachs „Anna“ das Sachbuch des Jahres!

Dreihundert Männer

von Konstantin Richter

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