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Alle Empfehlungen von Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

… ist bloggende Buchhändlerin. Seit 2010 betreibt sie den Literaturblog „Klappentexterin und Herr Klappentexter“. Sie liebt japanische Literatur und fühlt sich in poetischen, warmherzig-erzählten Büchern am wohlsten. Doch auch außergewöhnliche Krimis hat sie stets im Visier.

Das Ding der Unmöglichkeit
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Wir vermissen die Krimibestenliste von Deutschlandradio Kultur! Sie setzt diesen Monat aus. Also müssen Sie mit unseren Tipps Vorlieb nehmen. „Das Ding der Unmöglichkeit“ von Belinda Bauer wäre tatsächlich eine heiße Kandidatin für diese beliebte Liste.

Paula Hawkins, Ann Cleeves und Val Mcdermit sind voll des Lobes für ihre Kollegin, und das nicht ohne Grund. Denn der Kriminalroman ist ein außerordentliches Exponat im Genre der Spannungsliteratur. Das Buch überzeugt weniger durch rasant peitschende Plots, dafür viel mehr durch die außerordentliche Geschichte, die meine Kollegin Sarah O’Connor weit vor der deutschen Übersetzung mit leuchtenden Augen aufgelesen hat.

Es geht um Eier. Nicht die aus dem Supermarkt, sondern seltene wertvolle Lummen-Eier. Hierbei handelt es sich um Alkenvögel, die am Meer leben und nisten. Die Eier haben eine besondere Form und Farbe. Und sind bei Sammlern heiß begehrt. Solch ein seltenes Exemplar findet Neird Nick auf dem Dachboden. Er setzt es im Internet zum Verkauf rein – und genau das wird ihm zum Verhängnis. Als sein Freund Patrick ihn gefesselt zu Hause vorfindet, beginnt eine unglaubliche Reise für die beiden wie für uns Lesende.

Belinda Bauer verknüpft raffiniert zwei Handlungsstränge. Einerseits folgen wir Neird Nick und Patrick auf ihrer Jagd, die beiden Freunde erwärmen sofort mein Herz. Sie sind sehr eigen, vor allem Weid Nick, wie sein Name allein schon verrät.

Andererseits reisen wir ins Jahr 1926 – zum Ursprung der Lummen-Eier. Die sammelt die kleine Celie an der Küste von Yorkshire ein, und wird bald zur Dealerin für einen zahlungskräftigen Sammler George Ambler.

Voller Witz und Einfallsreichtum zieht uns Belinda Bauer durch ihre Geschichte und beweist, wie besonders und vielseitig das Genre der Krimiliteratur sein kann. Großen Dank gebührt dem Verlag Antje Kunstmann für diese Entdeckung und Conny Lösch für die Übersetzung!

Das Ding der Unmöglichkeit

von Belinda Bauer

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Die Komponistin
Simone Finkenwirth

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Wir kennen sie alle: Chopin, Bach, Debussy, Mozart. Aber wem ist Mélanie Bonis vertraut? Für mich eröffnet die französische Autorin Alissa Wenz ein neues Kapitel in der Geschichte klassischer Musik. Sie wurde am 21. Januar 1858 geboren, und starb am 18. März 1937.

Sie ist die Erste, die sich ans Klavier in ihrem Zuhause, Nummer 18 Rue Montmatre setzt. Und bald schon das spürt, was alle Kunstschaffenden fühlen, wenn sie in ihrer Oase ankommen: eine tiefe Zufriedenheit und Frieden.

Das Mädchen spielt, wenn es allein ist, erkennt die Patzer und korrigiert sich, baut sich ein Fundament und neues Standbein. Die Mutter verfolgt indes andere Pläne mit ihrer musischen Tochter. Doch als ein Freund der Familie das Talent des Mädchens erkennt, ermutigt er die Eltern, Mélanie am Konservatorium anzumelden. Mélanie besteht die Aufnahmeprüfung mit Leichtigkeit. Genau dort trifft sie auf ihre große Liebe und Muse, den Sänger und Lyriker Amédée-Louis Hetrich. Die beiden verlieben sich. Sie wollen heiraten, aber die Familie will eine bessere Partie. Und arrangiert die Ehe mit einem 20 Jahre älteren Unternehmer. Das führt die junge Frau in eine tiefe Krise. Sie bricht ihr Studium ab, und die innige Verbindung zum Klavier.

Als Jahre später Amédée aus Italien zurückkehrt, erblüht die verwelkte Blume in Mélanies Seele erneut. Amédée schreibt Gedichte, die sie vertont. Sie reicht als Mel Bonis ihre Kompositionen ein, wird ausgezeichnet. Doch wie lange können sie ihre verbotene Beziehung geheim halten?

Alissa Wenz selbst ist Komponistin, das spüre ich mit jedem Satz. Sie erschafft eine eigene Melodie, hat sich für eine besondere Erzählperspektive entschieden, und erzeugt damit einen Klangraum, der mitten hinein führt in den Geist einer Komponistin. Gleichwohl erzählt sie eine beeindruckende Emanzipationsgeschichte. Zwischen Liebe, Wut, Leidenschaft entlädt sich eine Energie, die Unglaubliches kreiert. 

So klingt „Die Komponistin“ lange noch nach, was auch der kongenialen Übersetzung von Alexandra Baisch zu verdanken ist.

Die Komponistin

von Alissa Wenz

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Honey
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Was für ein unglaubliches Buch! Ich bin immer noch fassungslos und gleichwohl begeistert über das Debüt einer Buchhandelskollegin. Imani Thompson hat nach ihem Soziologiestudium bei 𝘋𝘢𝘶𝘯𝘵𝘉𝘰𝘰𝘬𝘴 in London gearbeitet. Ihre Hauptfigur lebt und arbeitet in Cambridge, genau dort hat die Autorin ebenfalls studiert.

Yrsa schreibt ihre Doktorarbeit über 𝘈𝘧𝘳𝘰𝘱𝘦𝘴𝘴𝘪𝘮𝘪𝘴𝘮𝘶𝘴𝘪𝘮𝘉𝘦𝘧𝘳𝘦𝘪𝘶𝘯𝘨𝘴𝘬𝘢𝘮𝘱𝘧 𝘢𝘧𝘳𝘪𝘬𝘢𝘯𝘪𝘴𝘤𝘩𝘦𝘳𝘍𝘳𝘢𝘶𝘦𝘯. Sie selbst ist die Tochter von karibischen Einwanderern und im Alltag dem Mikro-Rassismus ausgesetzt. Zudem unterrichtet Yrsa Studierende, und hat zu Beginn eine Konfrontation mit einem Studenten, die ihr später wie ein schlechter Rülpser aufstoßen wird.

Bei einem zufälligen Treffen mit einem Professor passiert etwas Erschreckendes. Als dieser von seiner Frau angerufen wird und kurz abgelenkt ist, schnippt sie eine Biene in dessen Glas. Wenn Richardson gestochen wird, wäre dies die gerechte Strafe für das, was er Yrsas Freundin angetan hat, denkt sie. Er hat eine Affäre mit Nina, war mit ihr sogar auf Recherchereise und verwendet deren Ergebnisse, präsentiert sie als seine. Das macht Yrsa natürlich wütend, zurecht. Richardson wird gestochen. Was Yrsa nicht weiß, er ist allergisch gegen Bienenstiche.  Keiner sieht sie, Yrsa greift nicht ein, und lässt diesen Mann vor ihren Augen sterben. Krass!

Damit setzt Yrsa etwas in Gang. Sie spürt ein Hochgefühl, das sie fortan nicht loslassen und zu weitere Taten verleiten wird. Gut durchdacht und mit dem Wissen ihr vertrauter Soziologen und Menschen, auf die sich stets bezieht.

Imani Thompsons Antiheldin tötet nicht einfach so, sondern mit Hintergedanken. Spürt sie doch einen großen Zorn auf überhebliche, gemeine Männer und dem Rassismus. Die Autorin findet für Letzteres einen wahren erschütternden Satz: „𝘔𝘢𝘯 𝘬𝘢𝘯𝘯𝘥𝘦𝘯𝘚𝘤𝘩𝘮𝘦𝘳𝘻𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵𝘷𝘰𝘮𝘚𝘤𝘩𝘸𝘢𝘳𝘻𝘴𝘦𝘪𝘯 𝘵𝘳𝘦𝘯𝘯𝘦𝘯.“

„Honey“ hat es wirklich in sich! Man könnte den Roman als reinen College-Roman mit einer Serienmörderin lesen. Doch das wäre zu flach, und würde Yrsa nicht gefallen. Ist doch jede Tat bestens vorbereitet und bekommt Rückendeckung von den großen Denker:innen, die sie in ihre Gedankengänge miteinbezieht.

„Honey“ steht exemplarisch für die sogenannte 𝘞𝘦𝘪𝘳𝘥𝘎𝘪𝘳𝘭𝘓𝘪𝘵𝘦𝘳𝘢𝘵𝘶𝘳𝘦 die man mögen muss. Ich mochte jede Seite, trotz des Unbehagens, das wie ein aufkommendes Sommergewitter kontinuierlich zunimmt und ein raffiniertes Teil dieses Gesamtkunstwerkes ist.

Ideal für Buchkreise und für junge Lesende ab 18 Jahre!

Honey

von Imani Thompson

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Contrapposto
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich wollte in „Contrapposto“ von Dave Eggers förmlich hineinkriechen. So wohltuend empfand ich die Geschichte, die mir der Bestsellerautor von „The Circle“ präsentiert hat. Anders als bei seinem Bestseller verzichtet der amerikanische Autor hier auf schnelle Plots und rasante Wendungen. Fast in Zeitlupe betrachtet er das Leben des talentierten Cricket und seiner Lebensfreundin Olympia.

Cricket wächst in prekären Verhältnissen auf. Der Liebhaber seiner Mutter ist toxisch und alles andere als fürsorglich. Aber Cricket hat sich seine eigenen Fluchten geschaffen: seine Malerei, die Bibliothek und vor allem seine Freundin Olympia, die sich selbst als Reinkarnation von Albert Camus empfindet. Olympia erkennt das Talent ihres Freundes und versucht ihn zu fördern, den Eigenbrötler aus seinem selbstgezimmerten Elfenbeinturm zu holen. Sie ermuntert ihn, aus der Kleinstadt auszubrechen, in der sie leben. Und muss Cricket gar nicht groß überzeugen. Er will nach Europa, bei einem Meister in die Lehre gehen. Zunächst gönnt er sich zunächst einen Kurs in Aktmalerei. Dort lernt der Fünfzehnjährige viel, die Zeichnungen finden sich in dem Buch.

Während Olympia alles vermarkten und eine künstlerische Plattform gründen will, bleibt Cricket eher im Hintergrund, arbeitet später sogar für den erfolgreichen Kyle als Zuarbeiter. Das zollt von großer Stärke. Denn buhlt nicht jeder Künstler nach Anerkennung für sein Schaffen?

Der Roman zelebriert die Kunst und würdigt sie auf einzigartige Weise. Eggers zeigt, was sie ausmacht – und mit ihr die Menschen, die sie kreieren. Obendrein ist die Geschichte eine Hommage an die lebenslange Freundschaft. Eine von der Sorte, die wir uns alle wünschen.

Es würde mich nicht wundern, wenn Leute „Contrapposto“ das Label Wohlfühllektüre verpassen. Was dem vielschichtigen Roman nicht gerecht wird. Dennoch ist es eine enorm wohltuende Lektüre. Und erweist sich als Gegenentwurf zur schnelllebigen, oft ja geradezu hysterischen Welt von heute.

Und wenn Sie sich fragen, was „Contrapposto“ bedeutet – es steht in der Bildhauerei für das Nebeneinander von Stand- und Spielbein einer menschlichen Figur zum Ausgleich der Gewichtsverhältnisse. Gleichzeitig ist die Sache mit dem Stand- und Spielbein auch zum geflügelten Wort geworden, zum Synonym für das innere Gleichgewicht von Menschen. Eggers bedient beides in seinem Roman. Und am Ende möchte man sich fast als Modell in diese Pose bringen. Nur um der Schönheit willen. Der Schönheit der Kunst. Auch der Worte. Ein Balanceakt, den Dave Eggers perfekt beherrscht. 

Andrea O'Brien hat den Roman aus dem Englischen ins Deutsche übertragen.

Contrapposto

von Dave Eggers

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Kaskaden
Simone Finkenwirth

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Selten hat sich das Verlorensein so gut angefühlt wie mit „Kaskaden“ von Louise K. Böhm. Gerade mal 26 Jahre jung ist die Hamburger Autorin, und doch sitzt in ihre eine Weisheit, die nur wenige junge Schreibende besitzen.

Nach der Beerdigung in der alten Heimat, kehrt die Studentin der Molekularbiologie mit einer DVD und Erinnerungen zurück. Schmerzhafte Rückblicke an ihre Freundin, die sie einfach so im Stich gelassen hat. Bis heute kann Jojo Yaras Abkehr nicht vergessen wie die Gefühle für sie. Schlimmer noch: Diese Narben bremsen Jojo in allem aus. Jojo schweigt, wenn ihre Mitbewohnerin mit ihr sprechen will. Ich will Jojo schütteln. Wobei das brauche ich nicht, denn sie wispert mir ihre Gefühle zu: „𝘐𝘤𝘩 𝘥𝘦𝘯𝘬𝘦: 𝘑𝘦𝘵𝘻𝘵 𝘩𝘪𝘦𝘳 𝘥𝘳𝘪𝘯 𝘢𝘶𝘧𝘭𝘰̈𝘴𝘦𝘯. 𝘞𝘪𝘦 𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘉𝘳𝘢𝘶𝘴𝘦𝘵𝘢𝘣𝘭𝘦𝘵𝘵𝘦 𝘪𝘯 𝘊𝘰𝘭𝘢.“

Jojo hat Ticks wie ihr allseits anwesendes Ethanolfläschen, das sie stets bei sich hat, um all die „𝘔𝘪𝘭𝘭𝘪𝘰𝘯𝘦𝘯 𝘬𝘰𝘭𝘰𝘯𝘪𝘦𝘣𝘪𝘭𝘥𝘦𝘯𝘥𝘦𝘯 𝘌𝘪𝘯𝘩𝘦𝘪𝘵𝘦𝘯 𝘢𝘶𝘧 𝘥𝘦𝘳 𝘛𝘪𝘴𝘤𝘩𝘰𝘣𝘦𝘳𝘧𝘭𝘢̈𝘤𝘩𝘦“ zu beseitigen. Und das Ausblenden der Erinnerungen: „𝘕𝘪𝘤𝘩𝘵𝘴 𝘬𝘢𝘯𝘯 𝘮𝘢𝘯 𝘥𝘢𝘨𝘦𝘨𝘦𝘯 𝘵𝘶𝘯, 𝘸𝘦𝘯𝘯 𝘴𝘪𝘦 𝘦𝘳𝘴𝘵𝘮𝘢𝘭 𝘢𝘶𝘧 𝘦𝘪𝘯𝘦𝘯 𝘭𝘰𝘴𝘨𝘦𝘩𝘦𝘯, 𝘥𝘢 𝘪𝘴𝘵 𝘬𝘦𝘪𝘯 𝘚𝘵𝘰𝘱𝘱-𝘒𝘯𝘰𝘱𝘧. 𝘒𝘦𝘪𝘯 𝘈𝘶𝘴-𝘚𝘤𝘩𝘢𝘭𝘵𝘦𝘳.“
Louise findet für alle Regungen die richtigen Worte. Sie hat einen eigenen Sound, der all die großen Themen wie Klassismus, Identität, Beziehungen und Zusammenhalt mit Leichtigkeit ausrollt.

Große Leseempfehlungen kommen auch von Deutschlandfunk Kultur, dem Hamburger Abendblatt sowie von Frank Menden, der in Louise K. Böhm "𝑒𝑖𝑛𝑒 𝑛𝑒𝑢𝑒, 𝑝𝑟ä𝑔𝑛𝑎𝑛𝑡𝑒 𝑆𝑡𝑖𝑚𝑚𝑒 𝑚𝑖𝑡 𝑒𝑖𝑔𝑒𝑛𝑒𝑚 𝑇𝑜𝑛" entdeckt hat.
 

Kaskaden

von Louise K. Böhm

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Sommer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Während der Sommer bei uns im Norden nicht weiß, was er will, ist sich dieses Kochbuch dessen Charakterzug vollends bewusst und feiert diese Jahreszeit!

Nachdem mir Sarah Hassert und Jule Kiefer mit ihrem Winter-Kochbuch DAS Rezept für den besten Pizzateig geliefert und mich mit den anderen Rezepten wie Bildern abgeholt haben, konnten sie mich erneut begeistern. Als kochbuchaffine Leserin habe ich bereits auf den ersten Seiten erneut erkannt: das ist kein gewöhnliches Kochbuch. Es ist viel mehr, die exquisite Zutat, das i-Tüpfelchen zwischem dem Salz und den Gewürzen. Obendrein eine Kulturgeschichte, die perfekte Anleitung für gelungene Buffets und ein Fingerzeig für alle Genussmenschen, die mehr wollen als nur zu essen.

So erfahre ich, dass mein geliebter Knoblauch seit 4000 lebt und als Wunderwaffe gegen schlechtes Blut, Erkältung, Fieber und für den Kinderwunsch eingesetzt wird. Passend dazu gibt es ein Rezept, wie man jungen Knoblauch zähmt und schmackhaft macht. Er braucht dafür nur wenige Mitspieler wie den Thymian, Salbei und Rosmarin.

Fans von Gurken werden über das Rezept jubeln, dass die gesunden Stangen aufpeppen. Dazu benötigen Sie nur Reisessig, Sojasauce, Sesamöl, Ahornsirup, Chiliflocken und gerösteten Sesam. Fertig ist der feurige Gurkensalat, der uns Ooohs aus dem Rachen bescheren wird.

Mein absolutes Highlight ist der Thunfisch-Bohnen-Salat. Das perfekte Essen für tropische Abende. So easy und köstlich! Mehlige Aprikosen haben wir mit diesem Kochbuch wiederbelebt - die karamellisierten Früchte lassen Ihre Zungen als Beilage zu Fleisch oder als Kompott mit Eis oder Creme zum Vibrieren bringen. Ebenso köstlich sind die Erdbeeren, die mit dem Lachs eine bemerkenswerte Verbindung eingehen. Dass Erdbeeren bestens mit feinem Schinken und Parmesan harmonieren, kann ich nun bestätigen. Danke für den Impuls, liebe Sarah & Jule!

Wie in „Winter“ bedienen sich die beiden Autorinnen einfachen Mitteln und erzeugen großes Gaumenkino. Nebenbei erfahren wir noch allerhand Interessantes. So können Sie bei ihren Zusammenkünften mit der Geschichte über den „Gott des Weines“ auftrumpfen. Nachzulesen in diesem kulturfeinen Kochbuch, das einen ebenso mit wundervollen wie atmosphärischen Fotos inspiriert. Die Rezepte und Geschichten beginnen im April, enden im Oktober - genau dann, wenn das Winter-Kochbuch zum Einsatz kommt oder in den Sommerschlaf verschwindet. Besser geht's nicht!

Sommer

von Saint John Studio, John Saint

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Sandwich
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Sie suchen noch eine schöne Sommerlektüre? Dann sollten Sie „Sandwich“ von Catherine Newman unbedingt in ihren Koffer werfen, aber bitte behutsam. Denn das Buch ist ganz wunderbar und verdient viel Liebe.

Ann Patchett liebt den Roman wie Frank Menden und ich. Sie schreibt: „Ich habe ununterbrochen gelacht, außer an den Stellen, die mich zum Weinen gebracht haben.“ Wow, da hat die Autorin-Kollegin wirklich alles zusammengefasst. So ist „Sandwich“ ein Mix aus Komik, Summerfeeling und Wolkenbrüche.

Rachel aka Rocky ist die Stimme, die uns ihre Geschichte erzählt. Sie nimmt uns mit nach Cape Cod, wo sie eine Woche mit ihrer Familie verbringt. Seit zwanzig Jahren pflegen sie diese Tradition. Alle sind da. Natürlich ihr liebevoller Ehemann, die beiden Kinder Willa und Jamie, und dessen Freundin Maya, und Rockys Eltern.

Während Rocky mit den Wirren der Menopause kämpft, fällt ihr die blasse Maya auf, die unerwartet schwanger ist, und das versucht, zu vertuschen. Gleichzeitig wird Rocky von traurigen Erinnerungen heimgesucht und plötzlich ploppt eine Familiengeschichte auf, die sehr schmerzvoll und bewegend für uns alle ist.

Erinnern Sie sich noch an „Sommer von Maine“ von Sullivan J. Courtney? Daran musste ich bei der Lektüre oft denken, denn genauso fühlt sich dieser leichte und doch berührend schöne Roman an. Es ist ein Wechselbad aus Gefühlen, doch wir sinken niemals auf den tiefen Grund der Traurigkeit – das haben wir der ausgewogenen Balance Catherine Newmans zu verdanken. Übersetzt wurde das Buch von Alexandra Baisch.

Sandwich

von Catherine Newman

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Die Unmöglichkeit des Lebens
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Grace lebt zurückgezogen in den Midlands, und spürt zwei Narben in ihrem Herzen: Die pensionierte Mathematiklehrerin hat ihren Sohn viel zu früh verloren, ihr Mann ist vor vier Jahren gestorben. Und jetzt? Unterzieht sie sich gerade einer Venenoperation, als sie entscheidet, nach Ibiza zu fliegen, um sich das vererbte Haus anzuschauen. Ob das eine gute Idee ist?

Finden Sie es heraus! Und erleben Sie an Graces Seite magische Momente. Nicht alles lässt sich erklären, diese Erfahrung macht unsere selbst unsere rational denkende Ich-Erzählerin. Sie trifft auf besondere Menschen, und will das Rätsel lösen, wie Christina ums Leben gekommen ist, denn da tappt man noch im Dunkeln. Also die Polizei, aber nicht Alberto Ribas – ein Taucher, der Grace auf einen nächtlichen Tauchgang mitnimmt. Plötzlich wird es in der finsteren Nacht taghell. Das kommt nicht nur durch das leuchtende Seegras im Mittelmeer. 

Denn „Die Unmöglichkeit des Lebens“ ist Wunderbalsam für die Seele. Man sollte etwas Offenheit für nicht immer ganz erklärbare Dinge mitbringen. Matt Haigs Botschaft hingegen ist klar: Es gibt keine Begrenzungen. Zudem gesellt sich die Gewissheit dazu, dass es nie zu spät ist für einen Neuanfang. Es lohnt sich, offen und neugierig für alles zu sein, so unbehaglich sich vielleicht im ersten Moment manches anfühlen mag. Die Antwort kommt, ganz bestimmt, siehe Grace.

Die Unmöglichkeit des Lebens

von Matt Haig

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Die zerbrechliche Zeit
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Obwohl die Frankfurter Buchmesse längst Geschichte ist, lese ich weiterhin Bücher aus dem Gastland. Denn zu sehr begeistere ich mich sowohl für zurückhaltende als auch für ausgezeichnete: So hat Donatella Di Pietrantonio für „Die zerbrechliche Zeit“ den italienischen Buchpreis, den Premio Strega 2024 erhalten. So verdient!

Die Autorin ist hierzulande keine Unbekannte. So hat sie bereits mit ihrem Roman „Arminuta“ begeisterte Lesestimmen eingefangen. In ihrem neuen Werk nimmt sie uns mit in die Abruzzen. Lucia ist die Ich-Erzählerin. Ihre Tochter Amanda ist fluchtartig aus Mailand zurückgekommen, hat dort alles stehen und liegenlassen, und igelt sich jetzt ein, spricht kaum. Gleichzeitig will Amandas Vater seiner Tochter das Land unter dem Wolfszahn schenken. So schnell wie möglich. Warum er es so eilig hat, erfahren wir bald. Amanda indes zögert, ist dieses Fleckchen Erde doch von einem Fluch überschattet. Denn dort auf dem Campingplatz hat sich vor vielen Jahren ein tragisches Ereignis, das auch Amanda nicht direkt, aber doch mit einschließt...

„Die zerbrechliche Zeit“ ist keine Wohlfühl-Lektüre, aber gleichwohl eine anziehende, betörend schöne, ruhig und atmosphärisch erzählte Familiengeschichte. Durch kurze Kapitel schafft die Italienerin eine fesselnde Spannung, der man einfach nicht entkommt. Melancholisch, berührend und kraftvoll sind die Seiten, aus denen ich leuchtend hervorgekommen bin und mich vor der Preisträgerin verneige.

Die zerbrechliche Zeit

von Donatella Di Pietrantonio

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Annie Robot
Simone Finkenwirth

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Ich weiß nicht, wann mich zuletzt ein Buch derart geschockt und gleichzeitig fasziniert hat wie „Annie Robot“. Sierra Greer wurde für ihr Debüt mit dem Arthur C. Clarke Award ausgezeichnet und holt den unabhängigen Liebeskind Verlag aus seiner Pause zurück. Wie sehr ich ihn vermisst habe, wurde mir nach der Lektüre bewusst. So passt der Roman perfekt in die DNA des Verlags.

Wir befinden uns in ferner Zukunft, in der man sich eine Androidin für verschiedene Dienste kaufen kann. Der wohlhabende Doug entscheidet sich zunächst für einen „Kuschelhasen“. Annie soll vor allem Dougs Liebesleben füllen. Und das macht sie. In regelmäßigen Abständen muss Annie zur Inspektion. Manchmal wird sie nach Dougs Wünschen angepasst. Wenn er mehr Brustumfang, dafür weniger Masse an anderen Stellen will. Dazwischen ist sie ganz für Doug da, der den „Autodidaktmodus“ einstellt, damit alles spannender wird.

Das bleibt nicht ohne Folgen, denn Annie entwickelt sich, lernt dazu. Genau das wird ihr zum Verhängnis. Als Dougs Freund Roland die beiden besucht, passiert etwas, das den Verlauf der Geschichte immens beeinflusst. Ich lese atemlos weiter und kann nicht fassen, was mich erwartet.

Sierra Greer geht der Frage nach: Wie menschlich kann eine KI sein? Annie liefert eine mögliche Antwort. Und noch mehr. Sie wird zu einem Wesen, mit dem ich mitfieberte, mitleide und tatsächlich vergesse, dass sie eine Androidin ist. Denn Annie verwandelt sich zu einem komplexen empathischen Wesen, das die toxische Beziehung mit Doug erdulden muss.

Doug will die Oberhand behalten. Die Passagen seiner Strafen sind beklemmend und nur schwer auszuhalten. Doch ich bleibe an Annies Seite, denn wir sind längst Verbündete geworden. Annie nicht zu mögen, ist schier unmöglich. Sie ist die Sonne in dem düsteren Setting und eine mutige Kämpferin.

„Annie Robot“ stößt die Tür auf zu einem Raum, aus dem ich schon jetzt viele Stimmen vernehme. Über dieses Buch wird man sprechen. Und man wird es so schnell nicht vergessen, vor allem Annie. Meine Kollegin Sarah O'Connor und ich haben bereits über dieses Buch gesprochen. Und das nicht wenig. 

Übersetzt von Stefanie Schäfer.
 

Annie Robot

von Sierra Greer

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Furye
Simone Finkenwirth

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Ich hatte dieses Buch noch nicht geöffnet, wusste da aber schon, dass wir Freundinnen werden würden. Nicht nur, da mein Kollege Frank Menden „Furye“ mit Begeisterung gelesen hatte. Es waren die Vibes, die ich vernahm. Nennen Sie es Magie oder einfach den siebten Sinn einer Buchhändlerin.

Wissbierig folge ich der Ich-Erzählerin, eine erfolgreiche Musikmanagerin mit einem Kinderwunsch. Als sie einen Anruf aus der alten Heimat erreicht, streicht sie die Segel und fährt in ihren Heimatort, den sie vor zwanzig Jahren verlassen hat. Zur Empörung ihres Künstlers, den sie betreut. Wie könne sie es wagen! Doch die Frau bleibt so was von cool, dass ich grinsen muss.

Parallel wechselt Kat Eryn Rubik in Alecs Vergangenheit. Dort erlebe ich sie mit ihren Freundinnen Meg und Tess im aufblühenden Frühling der Jugend mit allen Fallstricken und Verführungen sowie die Macht der Weiblichkeit, die sie auslotet.

Das Buch hat einen ganz eigenen Sound, der sich wie ein Ohrwurm festsetzt. Die Autorin webt allerhand Themen in die Geschichte, die ihr damit eine besondere Tiefe verleihen. So ist "Furye" viel mehr als nur ein flirrender Summer Read. Ein Schwergewicht mit der Leichtigkeit einer Fliege, deren Abdruck man lange noch auf der Lese-DNA spürt. 
 

Furye

von Kat Eryn Rubik

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Tanzende Frau, blauer Hahn
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Sommer zeigt sich gerade in voller Blüte. Da dürfen passende Bücher natürlich nicht fehlen - wie "Tanzende Frau, blauer Hahn" von der schweizerischen-rumänischen Autorin Dana Grigorcea. Ich schätze jedes Buch der Autorin, die bereits beim Bachmann-Wettlesen den 3-sat-Preis in Klagenfurt erhalten hat. Zudem war sie mit "Die nicht sterben" für den Deutschen Buchpreis nominiert und hat dafür den Schweizer Literaturpreis erhalten.

Ihr neues Werk steht verdienterweise in der aktuellen SWR Bestenliste. Hier reist die Autorin mit uns in ihre Heimat nach Rumänien einem kleinen Ort in den Karpaten. Gleich zu Beginn erfahre ich den Grund der Geschichte: Camil ist offenbar bei einem Kabeldiebstahl in Spanien ums Leben gekommen. Camil war der beste Freund der Ich-Erzählerin, die uns in ihre Kindheit mitnimmt.

Nach dem Niedergang des Ostblocks verbringt das Mädchen ihre Sommerferien bei ihrer Großmutter und Großtante in Busteni liegt sie am liebsten lesend im Garten oder ist mit Camil unterwegs. Während Roxana aus der gehobenen Schicht kommt, entstammt Camil aus der "Eisenbahnsiedlung", doch das stört die beiden überhaupt nicht. Damit zeigt die Autorin, Grenzen gibt es nur im Kopf, aber nicht im Herzen.

Um sie herum eröffnen sich verschiedene Lebens- und Liebesgeschichten. Da ist die Anwältin aus Bukarest, die ihren kranken Mann pflegt. Als in ihrem Haus plötzlich ein Kirschbaum wächst, ist die Aufregung groß. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich schreibe: Es hat die Geschichte tatsächlich gegeben. Sie war es, die Dana Grigorcea zu ihrer beeindruckenden Schriftstellerinnenlaufbahn geführt hat. Das Buch ist die Essenz all ihrer Werke, es kaprioliert sozusagen ihre Arbeit. Über 20 Jahre trug sie es in ihrem Herzen - nun ist es da und begeistert die Kritiker:innen. Mich gleich mit.

Dana Grigorcea macht noch etwas mit ihrem Roman: Sie baut eine Rahmenhandlung ein, die sich jedem Kapitel anschließt und in kursiver Schrift eine eigene Geschichte darstellt. Hier ist eine Autorin mit einem französischen Musiker unterwegs, der ihre Lesungen mit seiner Kunst umarmt. Und man fragt sich: Was ist wahr, was entspringt der Fantasie?

"Tanzende Frau, blauer Hahn" verströmt den besonderen Ton der Autorin, leicht tänzelnd, träumend und unglaublich klug wie tiefsinnig. Das Buch hat nur 155 Seiten, und es fühlt sich an wie mehr! Es geht um das postsozialistische Rumänien, die Liebe in verschiedenen Variationen und eine besondere Verbindung zweier Menschen, die sich die Liebe nicht eingestehen wollen oder können. Und um alle herum flirrt der Sommer. 

Selten habe ich so eine feinsinnige und besondere Sommergeschichte gelesen.

Tanzende Frau, blauer Hahn

von Dana Grigorcea

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Stromlinien
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin die Patin für "Stromlinien" von Rebekka Frank, dessen Cover schon unverschämt gut aussieht. Patin deshalb, weil ich eine der Ersten war, die das Manuskript gelesen haben. Annerose Beurich war ja von Rebekkas Debüt "Das Echo der Gezeiten" bei S. Fischer bereits sehr angetan. Als der Verlag dann mit dem neuen Werk auf uns zukam, war meine Neugier entfacht. Eigentlich wollte ich nur mal reinschauen, aber dann habe ich es an einem Wochenende verschlungen. Und dachte: Wow! Das zweite Buch! So gut! Doch Rebekka Frank ist nicht neu in dem Metier, sie hat bereits als Rebekka Eder erfolgreich historische Bücher geschrieben.

Zur Story: Enna und ihre Zwillingsschwester Jale warten seit siebzehn Jahren darauf, dass ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch am Tag der Entlassung verschwindet Jale plötzlich, und Enna bleibt allein zurück mit einem großen Gepäck an Fragen. Wo ist Jale? Enna begiebt sich auf eine Suche, die sie immer näher an ein Familiengeheimnis heranführt, das ich hier nicht verraten möchte. Erstaunlich ist die Figurenzeichnung der Autorin und der Spannungsbogen, den sie aufbaut. Geschickt webt sie verschiedene Handlungsstränge ein, die zum großen Finale führen. Sie wechselt dabei die Perspektiven, setzt kurze Plots. Stets an unserer Seite die faszinierende Elbmarschen-Landschaft, das Alte Land und sein historischer Background. Ich spüre Rebekkas Liebe zur Natur mit allen Sinnen. Erstaunlich, was die Autorin alles in ihrem Buch vereint. Eine atmosphärische, naturnahe Geschichte mit extrem spannenden Elementen.

Mein Tipp für alle Hamburger und Leser:innen, die spannende Bücher mit Familiengeheimnissen genauso gern verschlingen wie ich!

Stromlinien

von Rebekka Frank

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Verheiratete Frauen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ein echtes Tabuthema – Fremdgehen. Manche tun es, andere wieder nicht. Ich will es gar nicht. Aber Gabriela sieht das ein bisschen anders. Die Mutter eines kleinen Sohnes fühlt sich zu einem Autor magisch angezogen. Sehr lange schon. Bis sich Pablo und Gabi endlich näherkommen, dauert es. Wenngleich der Roman mit ihrer Romanze beginnt und einer großen Frage.

Denn Gabi will ihr Verhältnis in eine richtige Beziehung umwandeln. Aber soll sie das Wagnis eingehen? „In einem Jahr wirst du aufhören, mich zu begehren, und nichts wird mehr so sein wie jetzt", sagt ihr Geliebter. Die 45jährige kann sich das allerdings nicht vorstellen. Noch nie hat sie so empfunden. Was sagen ihre Freundinnen?

Nun, die haben es auch keineswegs leicht. Silvia ist nicht glücklich in ihrer Ehe, und Cósima hat mit der Enthaltsamkeit ihres Ehemannes zu kämpfen. Sie spürt der Sache nach und macht eine erschütternde Entdeckung.

Was für eine mitreißend erzählte Geschichte! Besonders schön ist, dass sich die Frauen über die Frauenzeitschrift „La Femme" nähergekommen sind. Gabi arbeitet als Journalistin, Silvia ist Fotografin und Cósima Stylistin. Unterschiedliche Vitas, die doch zueinander finden und zeigen: Es geht nichts über eine wahrhaftige und innige Freundschaft! Genau das ist „Verheiratete Frauen": Eine Hommage an unsere Freundinnen und Verbündeten. Keine kennt uns so gut wie unsere Freundin. Doch selbst die kann uns so manche Entscheidung nicht abnehmen. Die müssen wir dann allein treffen.

Was den Roman obendrein lesenswert macht – er zeigt die Herausforderungen der modernen Frau, die ständig einen Spagat zwischen Karriere und Familie machen muss. Der große Wunsch nach Mutterschaft spielt ebenso eine große Rolle, wie das Muttersein selbst, die Liebe zum Kind wie die Selbstzweifel.

So ist "Verheiratete Frauen" viel mehr als nur ein Roman über weibliches Begehren und Freundschaft. Er umarmt dich als Frau auf wirklich wohltuende Weise und flüstert dir zu: Du bist nicht allein. Allein deshalb lohnt sich die Lektüre!

Verheiratete Frauen

von Cristina Campos

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Fast Abend, immer noch hell
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Linea Maja Ernst stand mit ihrem Buch auf Platz 1 der dänischen Bestsellerliste. Das finde ich großartig! Wenn es so ein Buch mal in unsere Liste schaffen würde, wäre ich beglückt – trotz des Unbehagens, das an manchen Stellen aufblitzt.

Die Autorin hat mich bereits auf der ersten Seite gepackt, derart charmant und mitreißend erzählt sie ihre Geschichte. An einem Sommerwochenende kommen alte Freunde in einem Haus am See zusammen. Als Esben verkündet, dass er und Karen heiraten wollen, passiert etwas in dieser Gemeinschaft. Ein Orkan platzt in die friedliche Mittsommeridylle.

Was die Lektüre so lesenswert macht, ist die Vielseitigkeit. Die Autorin setzt uns in die verschiedenen Köpfe. Das ist äußerst spannend, vor allem für alle jenseits der Dreißig. Wer kennt das nicht, wenn man auf Vertraute der Vergangenheit trifft? Erinnerungen werden wach. Und damit verbunden, das was man werden wollte und man heute ist. Sylvia sagt an einer Stelle: „Ich vermisse uns. Ich möchte nicht zurück in die Wirklichkeit. Ich möchte nicht so ein kleines Leben, mit einer Wohnung und Zweisamkeit und Kindern und Alltagsstress. Ihr etwa?“

Nun, wie sieht das richtige erfüllende Leben aus? Was ist mit unseren Sehnsüchten? Wann bremst der Verstand das Herz aus? Das sind nur einige der vielen Fragen, denen die Autorin auf den Grund geht. Eine Rezensentin kritisierte, dass sich die Figuren in einer privilegierten Lage befänden und in einer eigenen Bubble lebten. Dem stimme ich zu. Dadurch spürte ich eine gewisse Distanz.

Dennoch überwiegen die Lesefreude und das Staunen über ein unglaubliches Finale. Meine Augen blitzen immer noch und überstrahlen am Ende die Schatten des Unwohlseins. Und ganz ehrlich? Was ist schon im Leben perfekt? Warum sollte es da mit Büchern anders sein?

Fast Abend, immer noch hell

von Linea Maja Ernst

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Feine Risse
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Unerhört und gut. Diese beiden Attribute fallen mir zu Elisa Hoven ein. Nachdem mich „Dunkle Momente“ beeindruckt hat, steht ihr neuer Roman „Feine Risse“ dem in nichts nach. So wünsche ich mir um so mehr für die Autorin viele weitere Lesende. Denn Elisa Hoven ist auf dem Krimimarkt eine Ausnahmeerscheinung.

Im Zentrum steht Eva Herbergen. Eine kluge wie engagierte Strafverteidigerin. Ihre Fälle sind vielseitig und natürlich kommt die Frage auf, was davon ist wirklich wahr. So arbeitet die Autorin als Richterin am Sächsischen Verfassungsgericht und lehrt als Professorin für Strafrecht in Leipzig. Das bleibt ihr süßes Geheimnis. Offen hingegen sind die Geschichten, die stets am Ende einen Twist haben, und mich sprichwörtlich umhauen. Da ist die Schauspielerin, die bei einem Dreh aus Versehen eine Kollegin erschießt. In der Waffe befand sich eine echte Patrone. Wer hat hier gepatzt? Wer wollte den Tod? Sehr tragisch ist der Fall um den alkoholkranken René Dombrowski, der den kleinen Milan mit seinem Auto getötet hat. Oder der Bergführer, der mit ansehen musste, wie sein Begleiter in den Tod stürzte.

Elisa Hoven zeigt alle Seiten – die der Opfer und Täter, und ist zutiefst lebensklug wie menschlich: „Ich glaube, dass in jedem von uns Dunkelheit ist. Dass wir zu vielem fähig sind, wenn wir in Not geraten, dass wir düstere Gedanken haben, die niemand wissen darf, dass uns Wut und Angst rücksichtslos, Neid und Hass mitleidlos machen. Ein Mörder ist bis zu der Sekunde seiner Tat kein Mörder gewesen.“ Das sitzt, lässt mich schlucken und lange nachdenken.

Was Eva Herbergen zudem zu einer großen Sympathieträgerin macht, ist die Beziehung mit ihrem literaturbegeisterten Mann Peter. Beide verbindet eine innige Verbundenheit und wahre Liebe, die nun von einem Fund aus Peters Vergangenheit aufgerüttelt wird.

Große Leseempfehlung für alle, die dem Bösen mit menschlichen Augen entgegentreten wollen!

Feine Risse

von Elisa Hoven

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Coast Road
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie so viele irische Geschichten spielt auch diese in einem kleinen Ort am Meer. Jetzt im Herbst 1994 sind die Menschen in Ardglas aufgeregt: Die Dichterin Colette Crowley ist zurückgekehrt. Wegen einer Liebschaft hatte sie ihren Mann und Kinder zurückgelassen. Ihr Mann verbietet ihr weiterhin den Kontakt zu den Kindern. Die Dichterin bezieht das Cottage von Familie Mullen. Dolores Mullen ist hochschwanger, und ihr Mann ein Lustmolch.

Izzy ist die andere tragende Frauenfigur, und gefangen in einer unglücklichen Ehe. Ihr Mann, ein Lokalpolitiker, will bloß keine Skandale. Die zerbrechliche Izzy, die hin und wieder dunkle Tage hat, trifft während eines Schreibkurses der Dichterin auf diese faszinierende Frau. Als Colette erfährt, dass Izzys Sohn mit ihrem älteren Sohn befreundet ist, entsteht ein Plan...

Was zunächst sehr weich beginnt, entwickelt sich mit jeder Seite zu einem Sog mit beklemmenden Ausmaß. Zeitweise wusste ich gar nicht, wohin mit meinen Gefühlen. Alan Murrin hat sich beeindruckend in seine weibliche Figuren hineingefühlt, ihnen eine authentische Stimme verliehen. Es sind keine Sympathieträgerinnen, aber Kämpferinnen. So widersetzt sich jede auf ihre Art der Ungerechtigkeit und Unterdrückung. 

"Coast Road" ist kein Buch zum Liebhaben, aber es entfacht ein inneres Feuer, ist packend geschrieben und birgt jede Menge Gesprächsbedarf. Daher eignet es sich auch bestens für Lesekreise.

Coast Road

von Alan Murrin

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Das Schweigen meiner Freundin
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Erinnern Sie sich noch an Elena Ferrantes Freundinnen-Epos? Mochten Sie es genauso wie ich? Dann sollten Sie unbedingt in dieses Buch hineinschauen. Denn es könnte sehr gut möglich sein, dass Sie es auch wie ins Herz schließen werden.

Ich bin sofort gefangen in dem atmosphärischen Roman, der durch die dichte Schreibweise eine Sogwirkung verströmt. Giulia erzählt uns ihre Geschichte und die ist betörend. Sie öffnet ein Dreieck. Zunächst ist es eine Gerade. Als Cristi in Giulias Dorf ankommt, soll sich die Ich-Erzählerin um dieses aparte, schöne wie schweigsame Mädchen kümmern. Zunächst ist Giulia distanziert, doch bald wird das Band zwischen den beiden enger, bis eines Tages Mattia auftaucht... Cristi sucht fortan auch Mattias Nähe. Das behagt ihrer Freundin so gar nicht. Da ist es also: Das Dreieck.

Obwohl wir uns in dem kleinen Kosmos bewegen, hält mich die Autorin auf den über 500 Seiten starken Roman fest. Ich begleite Giulia über 23 Jahre, erlebe, wie ein Mädchen erwachsen wird, und die besondere Beziehung zu Cristi pflegt, die alles andere als einfach ist. Wir gehen durch Höhen und Tiefen, und in unseren Herzen glüht das Dreieck.

Lila und Elenas Geschichte aus Ferrantes Epos unterscheidet sich von dieser hier, doch im Kern sind sie sich sehr ähnlich. Wie ist es, wenn man einen Menschen gefunden hat, mit dem man sich auf besondere Weise verbunden fühlt, und den man einfach nicht vergessen kann? Davon erzählt auch Giulia Baldelli. Ob es eine Eigenart der Italiener:innen ist, dieses lebensbedeutende Thema derart authentisch und eindringlich schriftstellerisch abzulichten? Ich weiß es nicht. Verraten Sie es mir gern bei Ihrem nächsten Besuch.

Das Schweigen meiner Freundin

von Giulia Baldelli

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Wald im Haus
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wow! Was für ein Buch! Keine leichte Lektüre, trotzdem absolut lesenswert! Obendrein erweist es sich als idealer Einstieg für das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Wobei mir einige Fans der tschechischen Autorin noch ein anderes Werk nahegelegt haben: 

"Hana".

Mit "Wald im Haus" sollte man nicht alleine sein. Daher bin ich so dankbar, dass ich dieses Werk in meinem Buchclub gelesen und mich austauschen konnte. Das Leben der Ich-Erzählerin ist borstig. Das Mädchen lebt zusammen mit der Mutter und dem Vater bei den Großeltern. 

Ihr Spitzname ist ziemlich abwertend: Trutschel. Das Mädchen erfährt wenig Liebe und Zuneigung. Wie hält sie das nur alles aus? Mit ihrer Freundin Monika. Das ist die imaginäre Freundin, der sich das Mädchen anvertraut. Nur bei ihr findet sie Halt.

Die Großmutter ist hartherzig, der Großvater entflieht dem Zorn seiner Frau, und die Mutter wendet sich dem Alkohol zu. Einzig der Vater erlaubt sich die Frage: "Wie könnt ihr nur so leben?" Er solle sich nicht einmischen, faucht die Großvater garstig zurück. Bald muss er ausziehen, als das Mädchen eine Lügengeschichte erzählt. Ja, überhaupt die Lügen bilden das Fundament ihres Daseins: "Ich wuchs mit Lügen vor meinen Augen auf, alle Erwachsenen um mich herum logen und verbargen die Wahrheit, um der Welt ihr ungeschminktes ihr ungeschminktes Gesicht nicht zu zeigen, und so lernte ich, dasselbe zu tun, ich gewöhnte mich an Lügen und betrachtete sie als normalen Teil des Lebens."

Diese Lügen rauben mir den Atem wie die Auflösung und der Wald, und was er mit unserer einsamen Heldin anstellt.

"Wald im Haus" rüttelt an den inneren Fenstern. Es zieht, die Haut kräuselt sich, das Herz, weiß nicht, wohin mit sich. Nur weg! schreit es, und doch entkommen wir dem Sog der düsteren Geschichte nicht. Viel mehr saugt sie uns trichterförmig ein - bis wir am Ende ziemlich zerzaust sind und ja... was eigentlich? Staunen und denken: "Bitte mehr von der Autorin!" Nichts Leichteres als das, ruft es aus dem unabhängigen Wieser Verlag. Im Herbst erscheint ein neues Buch. Bis dahin können wir noch die anderen Werke entdecken, und den Wieser Verlag erkunden!

Wald im Haus

von Alena Mornštajnová, Alena Morntajnová

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Weird Girls
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

+++ Unser Shop meldet vorbestellbar, aber wir haben das Buch vorrätig. +++

Wie im richtigen Leben ist auch die Literatur heute voll mit Themen übers Kinderkriegen, Muttersein, Gesundheit und Älterwerden. Aber Sex & Drugs & Rock & Roll? Oftmals Fehlanzeige. Dabei sind solche Geschichten spannend und faszinierend wie "Weird Girls" von Grainne O'Hare. Ich habe zuletzt jedenfalls kein Buch gelesen, in dem so viel getrunken und gekokst wurde. Und das von jungen Frauen! Oha!

Maggie, Harley und Roise sind die Hauptfiguren in diesem feurigen Buch, das von meiner geschätzten Anna-Nina Kroll übersetzt wurde. Sie ist die deutsche Stimme von Donal Ryan, ein irischer Lieblingsautor von mir. Und das hier ist irische Literatur, wie ich sie liebe! Dunkel, belebend, quirlig und ganz speziell einprägend.

Die Mädels sind Ende Zwanzig, Anfang Dreißig und bewohnen in Belfast ein Haus. Selbst nach dem Tod ihrer Freundin Lydia bleiben die Freundinnen dort. Sie sind wie Pech und Schwefel und äußerst feierwütig. Gleichwohl hat jede Narben auf ihrer Seele, die mal mehr, mal weniger pochen. Wie Roise, die noch an dem Ende ihrer Beziehung knabbert. Jetzt hat Roise Angst, sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Obendrein hat sie ein weiteres Problem. Meggie bandelt gerade mit der unnahbaren Cate an. 
Während Harley in Therapiesitzungen mit der australischen Psychologin ihr Leben aufarbeitet, sich betrinkt, und von ihrem Vermieter aufsammeln lässt. Der gleichzeitig als Dealer fungiert.

Es wird nicht wenig konsumiert. Doch hinter der flirrenden wie partyfrohen Fassade schlummert noch mehr, was ich als aufmerksame Leserin schnell erkenne. Als helles Kontrastmittel arbeiten die Dialoge der Mädels, die mich oft auflachen lassen.

"Weird Girls" hat ordentlich Zunder zwischen den Seiten! Was für eine außergewöhnliche Lektüre über Freundschaft, Zusammenhalt und die große Suche nach dem richtigen Leben!
 

Weird Girls

von Gráinne O'Hare

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Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer kennt das nicht? Da ist man zu einer Feier eingeladen, möchte gern etwas mitbringen – im besten Falle ein gutes Buch, das einen tollen Eindruck hinterlässt. Aber man weiß nicht welches. Ich hätte da etwas total Unverfängliches, das Ihnen und den Empfängern eine große Tüte Lachsalven bescheren wird. Die erfolgreiche Podcasterin (DRINNIES) Giulia Becker hat mir mit ihrer neuen Textsammlung erheiternde, wie wärmende Stunden beschert. Ich muss jetzt seltsamerweise grinsen, wenn ich auf das Buch schaue. 

Was macht sie? Ganz einfach: Sie wedelt mit ihrem raffinierten Wörter-Zauberstab, reflektiert den Wahnsinn des Alltags, fantasiert ein bisschen weiter. Wie gleich eingangs, als sie darüber nachdenkt, wie es wäre, unsterblich zu sein. Wie reich sie damit werden würde, wenn sie jeden Tag nur einen Cent zurücklegen würde. Da wäre man nach hundert Millionen Jahre Millionärin. Auch interessant, finde ich ihre Analyse über Schlafanzug-Träger:innen. Für Zwischendurch gibt’s auch kleine Umfragen, bei denen man sein Kreuz setzen kann. Ebenso herrlich sind die Ruhezonen, die sie in Geschäften sucht. Und – oh Schreck – im Media Markt eingeschlossen wird.

Dieses Buch kommt zur richtigen Zeit! Nicht nur in Hinblick auf Weihnachten. Sie pustet den Schrecken des Weltgeschehens weg. Für mich ist das Buch schon jetzt ein All-Time-Favorite für Zeiten, in denen ich nicht weiß, wie ich da gerade durch den Alltag stolpern soll, und für Menschen, die ich mag, aber noch nicht gut kenne. Danach werden wir mit Sicherheit Freunde.

Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes

von Giulia Becker

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Unter Wasser
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Wasser trägt mich mitten hinein in diese traurig-schöne Geschichte, die auch Claire Messud begeistert hat: "Ein ebenso fesselndes wie herzzreißendes Werk." 

Tara Menon verbindet zwei Zeitebenen. Zum einen bin ich in der Gegenwart der Erzählerin, im Oktober 2012 in New York. Hier hat sich der Hurrikan Sandy angekündigt. Die Metropole ist in Aufruhr, nur Marissa bleibt seltsam ruhig. Die Ich-Erzählerin arbeitet für ein Reisemagazin für Superreiche. Sie nutzt Adjektive, die sie auf einem Kaffeebecher notiert hat. Die Chilifrüchte sind in ihrem Leben treue Begleiterinnen. Warum erfahre ich erst später.

Zum anderen begegne ich der ganz jungen Marissa und ihrer besten Freundin Arielle im Jahr 2004. Nach dem Tod ihrer Mutter ist Marissas Vater mit seiner Tochter nach Thailand ausgewandert. Der Vater ist Meeresbiologe und forscht auf einer kleinen Insel zu Mantarochen. Die beiden Mädchen schwimmen und tauchen viel, halten sich fest. Das Wasser schwappt aus dem Buch in meine Augen, und ich zoome mich an diesen faszinierenden Ort. Ich selbst bin leidenschaftliche Schwimmerin, wohl deshalb catcht mich die Autorin. Doch auch die Freundschaft der beiden Mädchen berührt mich bis ins Herzzentrum.

Die Freundschaft wird von der Naturgewalt entzweit. Aber alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, wissen: Es bleibt viel Tröstliches zurück. Selbst im Jahr 2012 ist Arielle bei Marissa: "Ob ich etwas esse, trinke, spazieren gehe oder fernsehe, sie ist immer bei mir. Jetzt hüpft sie an Fremden vorbei durch eine Straße, auf die sie nie ein Fuß gesetzt hat." 

Tara Menon hat ein unglaublich schönes berührendes und gleichwohl wissenserweiternde Buch geschrieben. Wussten Sie, dass Rotwangen-Schmuckschildkröten anderen das Futter wegfressen und tödliche Krankheiten übertragen? Und dies: "Zwischen 1989 und 1997 wurden 52 Millionen dieser Schildkröten als Haustiere aus den Vereinigten Staaten ins Ausland exportiert." 

Immer noch schwimme ich mit Marissa und Arielle - wir haben dabei Chilischoten zwischen den Zähnen und grinsen dem Schicksal entgegen. Dass es ein mieser Verräter ist, wissen wir natürlich. Was Sie noch nicht wissen, ist die Tiefe und Besonderheit des Buches, das über Narben, die wunderschöne Natur, das Meer und bedingungslose Liebe über den Tod hinaus absolut mitreißend wie feinfühlig erzählt. Ein must-read für alle Tiefseetaucher:innen und Thailand-New-York-Urlauber:innen, die sich wie ich gern von melancholische Klängen bezirzen lassen.

Unter Wasser

von Tara Menon

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Wassermann
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es hätte eine gewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte werden können, aber Wassermann ist viel mehr als das: Eine stille Explosion. Und eine Heldenreise der besonderen Art für alle Lesenden verschiedenen Alters.

Ich folge dem Ich-Erzähler und bin sofort umhüllt von einem melancholischen Schleier. Luk braucht Abstand zu seinem aktuellen Leben in Hamburg. Vor allem die kranke Mutter beschäftigt ihn sehr. So beginnt er nur schweren Herzens sein Auslandssemester in Barcelona, und lässt seinen geliebten besten Freund Kurt ebenso zurück.

Bei der Willkommensveranstaltung trifft er auf die Auswirkungen des katalanischen Konflikts. So würde man in diesem Jahr keine Prüfungsleistungen erwarten aus Solidarität mit den Inhaftierten. Die Unabhängigkeitskämpfe bleiben die ganze Zeit präsent. Auch als Luk seine WG Mitbewohnerin Olive kennenlernt und mit ihr eine Beziehung eingeht. Olive kommt aus Großbritannien und wird den Konflikt digital festhalten, gerät dabei selbst ins Fegefeuer der Justiz.

Statt im heißen Kessel der Unruhen zu bleiben, haut Luk dann doch ab. Mit Kurt zusammen nach Portugal zum Surfen. Der macht es sich aber ganz schön leicht, möchte man meinen, aber hinter Luks Flucht steckt noch mehr... geht tiefer. Eine innere Zerissenheit steht neben einer Unsicherheit, die sich zu einer Sprachlosigkeit setzt, bis sie alle von der Fürsorge gerettet werden. 

Der ruhige Erzählstrom taucht mitunter in philosophische Töne, die mich umspülen wie das allseits anwesende Wasser und Bücher, die dem Helden als Rettungsanker dienen. So ist Wassermann eine Roadnovel deren Buchabdruck lange in meinem Herzen zu spüren sein wird. Man darf von dem Debütanten noch Großes erwarten! Ich verneige mich vor dem Autor und seinem Entdecker: Bodo Föhr!

Wassermann

von Lukas Hoffmann

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Mit dem Sturm um die Wette rennen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn Sie das nächste Mal ans Meer fahren, sollten Sie unbedingt dieses fantastische Buch mitnehmen! Oder als Lektüre für danach, um all die Gefühle aufzuwecken, die man dort an einem stürmischen Tag alle erlebt.

Ich folge einem Geschwisterpaar, das sich an einem verregneten und stürmischen Tag am Meer auf den Weg macht. Wohin eigentlich? Irgendwohin. Zum Meer natürlich! Dieser Spaziergang hat es wahrlich in sich. Es gibt so viel zu sehen und zu beobachten. Die stürmische Gischt! Der blinkende Leuchtturm passt auf alles auf. Während sich die Welt auf der Insel zurückgezogen hat, die Straßen gespenstisch leergefegt sind, und selbst die Eisdiele geschlossen hat, laufen die beiden weiter bis es donnert und finster wird. Nun ist es doch an der Zeit, nach Hause zurückzukehren...

Dunkel sind die Bilder, aber nicht unheimlich. Sie fangen die Stimmung eines solchen unruhigen Tages am Meer perfekt ein. Doch am Ende geht die Sonne auf. Denn wir wissen ja alle: Nach dem Unwetter, Regenschauer, Sturm, folgt Helligkeit und Ruhe.

Ab 4 Jahren.

Mit dem Sturm um die Wette rennen

von Brian Floca

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