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Alle Empfehlungen von Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

… ist bloggende Buchhändlerin. Seit 2010 betreibt sie den Literaturblog „Klappentexterin und Herr Klappentexter“. Sie liebt japanische Literatur und fühlt sich in poetischen, warmherzig-erzählten Büchern am wohlsten. Doch auch außergewöhnliche Krimis hat sie stets im Visier.

Weird Girls
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

+++ Unser Shop meldet vorbestellbar, aber wir haben das Buch vorrätig. +++

Wie im richtigen Leben ist auch die Literatur heute voll mit Themen übers Kinderkriegen, Muttersein, Gesundheit und Älterwerden. Aber Sex & Drugs & Rock & Roll? Oftmals Fehlanzeige. Dabei sind solche Geschichten spannend und faszinierend wie "Weird Girls" von Grainne O'Hare. Ich habe zuletzt jedenfalls kein Buch gelesen, in dem so viel getrunken und gekokst wurde. Und das von jungen Frauen! Oha!

Maggie, Harley und Roise sind die Hauptfiguren in diesem feurigen Buch, das von meiner geschätzten Anna-Nina Kroll übersetzt wurde. Sie ist die deutsche Stimme von Donal Ryan, ein irischer Lieblingsautor von mir. Und das hier ist irische Literatur, wie ich sie liebe! Dunkel, belebend, quirlig und ganz speziell einprägend.

Die Mädels sind Ende Zwanzig, Anfang Dreißig und bewohnen in Belfast ein Haus. Selbst nach dem Tod ihrer Freundin Lydia bleiben die Freundinnen dort. Sie sind wie Pech und Schwefel und äußerst feierwütig. Gleichwohl hat jede Narben auf ihrer Seele, die mal mehr, mal weniger pochen. Wie Roise, die noch an dem Ende ihrer Beziehung knabbert. Jetzt hat Roise Angst, sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Obendrein hat sie ein weiteres Problem. Meggie bandelt gerade mit der unnahbaren Cate an.
Während Harley in Therapiesitzungen mit der australischen Psychologin ihr Leben aufarbeitet, sich betrinkt, und von ihrem Vermieter aufsammeln lässt. Der gleichzeitig als Dealer fungiert.

Es wird nicht wenig konsumiert. Doch hinter der flirrenden wie partyfrohen Fassade schlummert noch mehr, was ich als aufmerksame Leserin schnell erkenne. Als helles Kontrastmittel arbeiten die Dialoge der Mädels, die mich oft auflachen lassen.

"Weird Girls" hat ordentlich Zunder zwischen den Seiten! Was für eine außergewöhnliche Lektüre über Freundschaft, Zusammenhalt und die große Suche nach dem richtigen Leben!

Weird Girls

von Gráinne O'Hare

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Unter Wasser
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Wasser trägt mich mitten hinein in diese traurig-schöne Geschichte, die auch Claire Messud begeistert hat: "Ein ebenso fesselndes wie herzzreißendes Werk."

Tara Menon verbindet zwei Zeitebenen. Zum einen bin ich in der Gegenwart der Erzählerin, im Oktober 2012 in New York. Hier hat sich der Hurrikan Sandy angekündigt. Die Metropole ist in Aufruhr, nur Marissa bleibt seltsam ruhig. Die Ich-Erzählerin arbeitet für ein Reisemagazin für Superreiche. Sie nutzt Adjektive, die sie auf einem Kaffeebecher notiert hat. Die Chilifrüchte sind in ihrem Leben treue Begleiterinnen. Warum erfahre ich erst später.

Zum anderen begegne ich der ganz jungen Marissa und ihrer besten Freundin Arielle im Jahr 2004. Nach dem Tod ihrer Mutter ist Marissas Vater mit seiner Tochter nach Thailand ausgewandert. Der Vater ist Meeresbiologe und forscht auf einer kleinen Insel zu Mantarochen. Die beiden Mädchen schwimmen und tauchen viel, halten sich fest. Das Wasser schwappt aus dem Buch in meine Augen, und ich zoome mich an diesen faszinierenden Ort. Ich selbst bin leidenschaftliche Schwimmerin, wohl deshalb catcht mich die Autorin. Doch auch die Freundschaft der beiden Mädchen berührt mich bis ins Herzzentrum.

Die Freundschaft wird von der Naturgewalt entzweit. Aber alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, wissen: Es bleibt viel Tröstliches zurück. Selbst im Jahr 2012 ist Arielle bei Marissa: "Ob ich etwas esse, trinke, spazieren gehe oder fernsehe, sie ist immer bei mir. Jetzt hüpft sie an Fremden vorbei durch eine Straße, auf die sie nie ein Fuß gesetzt hat."

Tara Menon hat ein unglaublich schönes berührendes und gleichwohl wissenserweiternde Buch geschrieben. Wussten Sie, dass Rotwangen-Schmuckschildkröten anderen das Futter wegfressen und tödliche Krankheiten übertragen? Und dies: "Zwischen 1989 und 1997 wurden 52 Millionen dieser Schildkröten als Haustiere aus den Vereinigten Staaten ins Ausland exportiert."

Immer noch schwimme ich mit Marissa und Arielle - wir haben dabei Chilischoten zwischen den Zähnen und grinsen dem Schicksal entgegen. Dass es ein mieser Verräter ist, wissen wir natürlich. Was Sie noch nicht wissen, ist die Tiefe und Besonderheit des Buches, das über Narben, die wunderschöne Natur, das Meer und bedingungslose Liebe über den Tod hinaus absolut mitreißend wie feinfühlig erzählt. Ein must-read für alle Tiefseetaucher:innen und Thailand-New-York-Urlauber:innen, die sich wie ich gern von melancholische Klängen bezirzen lassen.

Unter Wasser

von Tara Menon

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Wassermann
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es hätte eine gewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte werden können, aber Wassermann ist viel mehr als das: Eine stille Explosion. Und eine Heldenreise der besonderen Art für alle Lesenden verschiedenen Alters.

Ich folge dem Ich-Erzähler und bin sofort umhüllt von einem melancholischen Schleier. Luk braucht Abstand zu seinem aktuellen Leben in Hamburg. Vor allem die kranke Mutter beschäftigt ihn sehr. So beginnt er nur schweren Herzens sein Auslandssemester in Barcelona, und lässt seinen geliebten besten Freund Kurt ebenso zurück.

Bei der Willkommensveranstaltung trifft er auf die Auswirkungen des katalanischen Konflikts. So würde man in diesem Jahr keine Prüfungsleistungen erwarten aus Solidarität mit den Inhaftierten. Die Unabhängigkeitskämpfe bleiben die ganze Zeit präsent. Auch als Luk seine WG Mitbewohnerin Olive kennenlernt und mit ihr eine Beziehung eingeht. Olive kommt aus Großbritannien und wird den Konflikt digital festhalten, gerät dabei selbst ins Fegefeuer der Justiz.

Statt im heißen Kessel der Unruhen zu bleiben, haut Luk dann doch ab. Mit Kurt zusammen nach Portugal zum Surfen. Der macht es sich aber ganz schön leicht, möchte man meinen, aber hinter Luks Flucht steckt noch mehr... geht tiefer. Eine innere Zerissenheit steht neben einer Unsicherheit, die sich zu einer Sprachlosigkeit setzt, bis sie alle von der Fürsorge gerettet werden.

Der ruhige Erzählstrom taucht mitunter in philosophische Töne, die mich umspülen wie das allseits anwesende Wasser und Bücher, die dem Helden als Rettungsanker dienen. So ist Wassermann eine Roadnovel deren Buchabdruck lange in meinem Herzen zu spüren sein wird. Man darf von dem Debütanten noch Großes erwarten! Ich verneige mich vor dem Autor und seinem Entdecker: Bodo Föhr!

Wassermann

von Lukas Hoffmann

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Mit dem Sturm um die Wette rennen
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Wenn Sie das nächste Mal ans Meer fahren, sollten Sie unbedingt dieses fantastische Buch mitnehmen! Oder als Lektüre für danach, um all die Gefühle aufzuwecken, die man dort an einem stürmischen Tag alle erlebt.

Ich folge einem Geschwisterpaar, das sich an einem verregneten und stürmischen Tag am Meer auf den Weg macht. Wohin eigentlich? Irgendwohin. Zum Meer natürlich! Dieser Spaziergang hat es wahrlich in sich. Es gibt so viel zu sehen und zu beobachten. Die stürmische Gischt! Der blinkende Leuchtturm passt auf alles auf. Während sich die Welt auf der Insel zurückgezogen hat, die Straßen gespenstisch leergefegt sind, und selbst die Eisdiele geschlossen hat, laufen die beiden weiter bis es donnert und finster wird. Nun ist es doch an der Zeit, nach Hause zurückzukehren...

Dunkel sind die Bilder, aber nicht unheimlich. Sie fangen die Stimmung eines solchen unruhigen Tages am Meer perfekt ein. Doch am Ende geht die Sonne auf. Denn wir wissen ja alle: Nach dem Unwetter, Regenschauer, Sturm, folgt Helligkeit und Ruhe.

Ab 4 Jahren.

Mit dem Sturm um die Wette rennen

von Brian Floca

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Frühstücken
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Selten hat Frühstück so viel Spaß gemacht wie mit diesem Bilderbuch, das die Jury beim Deutschlandfunk ebenso begeistert hat - deshalb zählt es zu den 7 schönsten Kinderbüchern im Mai. Voller Poesie und mit einem wirklich besonders feinen Pinselstrich hat Raquel Catalina die Gedichte von Alicia Bululü untermalt.

Schon der Anfang verfängt sich in meinen verschlafenen Augen:

"Ich frühstücke Geschwindigkeit / während ich träume / dass mein Glas Milch / auf mich wartet / in Ruhe, bis zum Mittagessen.

Es geht hektisch zu am Morgen, das kennen wir wohl alle. Auch wenn die Kleinen nicht aus dem Bett wollen "Verklebte Wimpern beim Sonnenaufgang / Noch fünf Minuten... / Wecker sei still!

Da kann man vor Wut auch mal den frischen Saft und das Hörnchen vergessen.

Das ist für mich eins der schönsten Bilderbücher, das ich je erlebt habe. Nicht nur, weil ich eine Poetin bin und mich in den Texten gut aufgehoben fühle. Die Autorin und Illustratorin öffnen vor uns ein facettenreiches Universum - das die Jahreszeiten miteinbindet und viele Gefühle von Violetta. Ich nasche vom Himbeerrot, tanze durch eine musikalische Szene, bis ich auf der nächsten Seite in der Stille versinke.

Ab 4 Jahren!

Frühstücken

von Alicia Bululú

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Die gelben Gummistiefel
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Kürzlich habe ich mir beim Deutschlandfunk ausgezeichnete Bücher vom Juror Benno Hennig von Lange vorstellen lassen. Dieses hier ist eins davon! Und so eine Freude!

Isabel Pin zeigt uns, wie viele Geschichten in Regenstiefeln stecken können. Die Mama der Ich-Erzählerin überreicht sie ihrer Tochter und fügt hinzu: "Sie haben viel erlebt. Traurige Momente, aber auch gute Zeiten. Alles, was Leben so mit sich bringt."

So folgen wir den Gummistiefeln und den vorherigen Trägerinnen und Trägern. Entdeckt wurden die gelben Stiefel von Anna, die große Schwester der Erzählerin. Anna hat die Schuhe so sehr geliebt, dass sie die sogar am ersten Schultag tragen wollte. Und es wurde so, wie sie es sich erhofft hatte. Anna hatte mit ihren Stiefeln einen tollen ersten Tag und konnte neue Freundinnen gewinnen. Als Anna aus den Stiefeln herausgewachsen ist, erbt sie ihre Cousine Josie, die mit ihnen sogar ins Bett gegangen ist.

Was müssen das für wundersame Stiefel sein! Die will ich auch haben! Das ist mal eine tolle Geschichte über Nachhaltigkeit und darüber, wie wir alle verbunden sind. Nachmachen unbedingt erwünscht! Lassen Sie mich bitte unbedingt ihre Gummistiefel-Geschichten wissen!

Ab 4 Jahren.

Die gelben Gummistiefel

von Isabel Pin

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Mit beiden Händen den Himmel stützen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie lesen wir? Und warum lesen wir, was wir lesen? Zu diesen Gedanken hat mich u.a. dieses beeindruckende Debüt geführt. Denn Lilli Tollkien erzählt keine wohltemperierte Geschichte. Dennoch ist sie erstaunlich und brennt sich uns Lesenden ins Mark. Frank Menden nickt mir begeistert zu. Und ich blicke bejahend in Mareike Fallwickls Richtung, die über das Buch sagt: "Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt- und gerade deshalb lesen muss." Ja, bitte unbedingt lesen, egal, wie hart sich die Story anhört.

Lales Kindheit ist schon sehr speziell und alles andere als einfach. Sie wächst in den 80er Jahren in einer Männer-WG in Berlin auf. Lales Mutter ist drogenabhängig, landet immer wieder im Gefängnis. Doch Karlheinz, ein Freund von Lales Vater, bezirzst die Heimleiterin, in dem das zweijährige Mädchen zunächst untergekommen ist. Zusammen mit seiner Freundin Marianne holen sie Lale aus der staatlichen Obhut. Denn Lales Vater sitzt währenddessen auch im Gefängnis, stößt später in die WG dazu.

Und dann wird alles gut? Nein! Die Welt, in der Lale groß wird, ist nichts für kleine Mädchen: Es wird getrunken, geraucht und Drogen konsumiert. Jedes Mal, wenn sich der offizielle Kontrollbesuch des Jugendamts ankündigt, werden sämtliche Spuren der Vernachlässigung und des Konsums beseitigt. Was macht das mit einem kleinen Menschen? Viel! Vor allem Wut staut sich in Lale an, die sie später an ihren Zähnen auslässt. An einer Stelle heißt es: "Wo eben ein sicherer Hafen war, ein Erwachsener, dem ich vertraute, konnte plötzlich ein glitschiger Steg sein. Die Wellen im Wohnzimmer waren Karlheinz' Launen unterworfen und den Wirkungen unterschiedlicher Drogen, unwägbar die Zeichen an der Wasserobefläche, die ich ununterbrochen zu deuten versuchte."

Es sind die Kraft des Mädchens wie die starke Erzählstimme der Autorin, die uns alle mitziehen und in den Himmel der Begeisterung heben! Wir brauchen diese Art von Literatur, die uns mit allen Sinnen erfasst und am Ende sprachlos, aber mit einem Lächeln zurücklässt.

Mit beiden Händen den Himmel stützen

von Lilli Tollkien

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Am Himmel die Flüsse
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch stellt mich vor eine große Herausforderung: In wenigen Zeilen den Inhalt wiederzugeben. Denn Elif Shafaks Roman ist derart weitreichend und voll an Geschichten.

Zunächst trifft mich das Wasser:

"Am Rand der Gewitterwolke hängt ein einzelner Regentropfen - kaum so groß wie eine Bohne und leichter als eine Kichererbse. Eine Weile zittert es bedenklich, das kleine, runde verschreckte Ding, denn es macht Angst, die Erde zu betrachten, die sich dort unten wie eine Lotusblüte öffnet. Dabei ist es wahrlich nicht das erste Mal. Der Tropfen hat die Reise schon oft gemacht - hinauf zum Himmel, hinunter zu festen Boden und wieder hinauf. Doch er fürchtet den Fall immer wieder."

Und dann fällt die erste starke Figur ins Augenlicht: Arthur, König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere, kommt 1840 in ärmlichen Bedingungen in London zur Welt. Er ist arm, dafür reich gesegnet mit Talenten. Genau das wird ihm in der Schule zum Verhängnis. Doch später rettet Arthur genau dies, als er zunächst als Hilfsjunge beim Verlag Bradbury & Evans beginnt. Dort sogar auf Charles Dickens trifft. Seine Neugier führt ihn ins British Museum. Hier verliebt er sich in die Lamassus (assyrische Schutzdämone) und entwickelt für die Tafeln von Ninive geradezu eine Passion.

Dem gegenüber steht Narin im Jahr 2014. Ein neunjähriges Mädchen, das an einer seltenen Krankheit leidet. Narins Familie gehört zu den Eziden. Ihre Großmutter kann Wasserquellen aufspüren, und Menschen heilen. Als sie zu Narins Taufe in den Irak reisen, wird dies ein schrecklicher Wendepunkt im Leben der Familie.

2018 stehe ich an der Seite von Zaleekhah, eine Wasser-Expertin und Wissenschaftlerin, die sich kürzlich von ihrem Mann getrennt hat. Die junge Frau hat seit dem Tod ihrer Eltern eine stete Traurigkeit in sich. Als sie in ein Hausboot zieht und deren Vermieterin kennenlernt, wird das Zaleekhahs Leben verändern.

Wie nun alle Figuren miteinander verbunden sind, das überlasse ich der herausragenden Autorin selbst.

Elif Shafak hat ein unglaubliches Buch geschrieben! Sorgfältig recherchiert, flechtet sie gekonnt menschliche Linien mit ihren Schicksalen ein. Zudem erzählt sie die hochspannende Kulturgeschichte Mesopotamiens und erschüttert uns mit den barbarischen Kriegshandlungen des IS. Schreckliche Szenen, die mich lange beschäftigt haben.

Eine große Fabulierlust durchströmt das Werk. Ich denke an beeindruckende lebenskluge Sätze genauso wie an ihre eleganten Verbindungen vom Punkt zum nächsten Satz. Für mich ist dies eins der großen Werke der Autorin - wenn überhaupt das beste - das es übrigens auch kongenial von Pegah Ferydoni eingesprochen als Hörbuchfassung bei Argon gibt.

Am Himmel die Flüsse

von Elif Shafak

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Ein Ort, der bleibt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sandra Lüpkes hat es wieder getan, und einen erstklassigen, exzellent recherchierten wie mitreißenden Roman geschrieben! Die Autorin reist dieses Mal mit uns nach Istanbul. Dort kreuzen sich drei Lebenslinien - die von Mehpare, Magda und Imke.

Mit Mehpare beginnt die Geschichte, im Jahr 1926. Da muss das Mädchen mit Ansehen, wie sich ihr Traum in Asche verwandelt. Ihre geliebte Mädchenschule brennt und damit auch die Hoffnung des Mädchens auf ein wissensreiches Leben?

Danach beamt uns die Autorin in Imkes Kopf. Die junge Frau sitzt in unserer Gegenwart im Flugzeug und ist auf dem Weg nach Istanbul zu ihrem ersten Job. Sie soll zusammen mit Kai Surrau für die Firma GestAlterna ein denkmalfachliches Gutachten für das Botanische Institut erstellen, das zwischen 1935 und 1937 errichtet worden ist, und sich nun in einem desolaten Zustand befindet. Ist natürlich alles herausfordernd, weil's für Imke der erste Job ist, und ihr Vorgesetzter nicht immer einfach...

In jenem Institut hat seinerzeit der Botaniker Alfred Heilbronn gearbeitet. Der Münsteraner wurde 1933 wegen seiner jüdische Wurzeln diskrediert und - schlimmer noch - von einigen Studierenden beschimpft. Als ihn die Gestapo festnimmt, erhält seine Frau einen Brief. Dieser führt die Familie schließlich nach Istanbul. Und genau dort trifft der Professor auf Mehpare...

Mir war die Rolle der Türkei während des Zweiten Weltkriegs nicht bekannt. Dies hat sich nach diesem Buch nun geändert, das obendrein mein Wissen über Pflanzen erweitert hat. Wussten Sie beispielsweise, dass an sonnigen Standort der Anteil weiblicher Pflanzen auf 46 Prozent sinkt?

"Ein Ort, der bleibt" überzeugt nicht nur durch das, wie alles erzählt ist, sondern Sandra Lüpkes beglückt durch die warmherzigen Figuren, die ich so schnell nicht vergesse. Ein Buch, das bleibt.

Ein Ort, der bleibt

von Sandra Lüpkes

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Evie und die Macht der Tiere
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Matt Haig ist hierzulande vor allem unter den erwachsenen Lesenden bekannt. Lange schon schlummerte dieses Kinderbuch in meinem Regal. Nun habe ich es endlich aufgeschlagen und darf mal wieder sagen: Wer warten kann, der wird belohnt. So ist "Evie und die Macht der Tiere" eine lohnenswerte wie ganz besondere Lektüre für alle ab Neun und junggebliebenen Matt Haig-Fans.

Evie besitzt eine Gabe: Sie kann mit Tieren sprechen. Was cool klingt, wird dem Mädchen und ihrer Familie im Verlauf der Geschichte zum Verhängnis. Denn der Bösewicht Mortimer wird auf Evie aufmerksam. Und das ist überhaupt nicht gut.

Doch beginnen wir von vorn. Evie hört, wie die Schulhäsin Kahlo traurig denkt: "Eine, die einfach vorbeigeht. Ohne einen Gedanken an mich zu verschwenden." Also bleibt Evie stehen und wendet sich in Gedanken an Kahlo. Dabei erfährt sie, dass die Schulleiterin die Häsin aus dem Wald geklaut und hier eingesperrt hat. Evie mit ihrer großen Empathie kann diese Ungerechtigkeit nicht einfach stehen lassen, und lässt Kahlo frei. Zum großen Ärgernis der Schulleiterin. Danach muss Evie ihrem Vater versprechen, ihre Gabe nicht mehr einzusetzen. Was sie brav durchzieht - bis zu dem Tag, an dem sie ihrem Freund Ramesh im Zoo begleitet, und ein Junge ins Löwengehege fällt...

Ich liebe jede Seite in diesem Buch! Das ist einerseits dem Schreibstil des Autors und seiner Heldin zu verdanken. Aber auch die schönen Illustrationen von Emily Gravett bereichern die Seiten auf besondere Weise. Andererseits schätze ich kluge Botschaften wie diese: "Alles hängt mit allem zusammen. Nicht nur eine Großmutter mit ihrer Enkelin. Auch der Mensch mit dem Schimpansen und die Primaten mit den Hunden und Katzen. (...) Jedes Teilstück hängt von den anderen ab und fügt sich in sie ein. Und zusammengehalten wird alles durch eine gewaltige Energie."

Die Kraft, von der Evies Großmutter spricht, nennt sich Dawa. Diese gilt es, zu erkennen, dann kann Evie Großes leisten. Wird es der mutigen Heldin gelingen?

Evie und die Macht der Tiere

von Matt Haig

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Einfach Sunny
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer noch im Winterblues steckt, sollte mit Sunny ein paar Stunden verbringen. Danach ist nichts mehr trüb, eher hell und erquickend. Maren Graf hat mit ihrem Kinderbuch eine erstaunliche wie mitreißende Heldin geschaffen, die gute Laune versprüht. Vor der ich mich zudem verneige, denn Sunny ist blind. Aber das fühlt sich nebensächlich an, denn das Mädchen geht trotzdem ihren Weg und ist leidenschaftliche Sachen-Sucherin.

Gleich zu Beginn stolpert sie über eine Sache. Wobei, nein, Ben, ist doch ein Mensch, der etwas sucht und sehr verzweifelt ist. Bis der Junge aber Klartext spricht, muss Sunny in ihrer Detektivart mehrere Anläufe unternehmen, denn Ben ist stumm wie ein Fisch. Aber Sunny lässt sich natürlich nicht unterkriegen, selbst nicht von den frechen Jungs ihrer neuen Schule.

Auch das ist bemerkenswert. Nicht nur, wie Sunny den Jungs entgegentritt. Nein, die Tatsache, dass sie von ihrer aktuellen Schule auf eine gewöhnliche wechseln will.

Ben blüht am Ende doch auf, verrät seiner neuen Freundin, was sich hinter dem Dings verbirgt und begibt sich mit Sunny auf eine spannende Spurensuche, bei der sie nicht nur andere Menschen treffen, sondern auch einen süßen Dackel namens Frodo.

"Einfach Sunny" ist eine packende Detektivgeschichte, die gleichwohl Mut und Einfallsreichtum ausatmet. Ganz besonders freue ich mich, dass es eine Fortsetzung geben wird und ich Sunny bald schon wieder treffen werde.

Altersempfehlung: Ab 8 Jahren.

Einfach Sunny

von Maren Graf

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Aali muss los
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lesen erweitert nicht nur den eigenen Horizont. Lesen bildet - vor allem durch das Einsaugen von fiktiven Geschichten geschieht die Wissenserweiterung eher spielerisch. So weiß ich erst nach diesem wundervollen und schön gestalteten Kinderbuch, dass ein Aal vier Leben hat.

Genau genommen sind es drei komplexe Verwandlungen, die ein Aal durchmacht. Vor so einer steht Aali, die sympathische Erzählstimme zu Beginn. Sein Kumpel Frank, eine loyale Brasse, fällt auf, dass Aali an dem Morgen so komische Augen hat. Aali indes spürt eine seltsame Unruhe und sagt: "Lass mal schwimmen." Am Ende haben wir - also Aali und ich - einen unglaublichen Weg zurückgelegt. Vom Nord-Ostsee-Kanal durch die Nordsee bis zur Sargassosee. Dabei haben wir allerlei schwimmende Wesen getroffen und Abenteuer erlebt.

Was führt Aali weg von seinem guten Kumpel? Warum schwimmt er so weit? Das löst dieses wissensreiche Kinderbuch auf hinreißende Art und Weise auf. Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich schreiben Hand in Hand, weben neben der Geschichte kleine Infoblöcke zum Aal mit ein. Nele Brönner hat dem Buch den passenden Pinselstrich gegeben. Und der mairisch Verlag hat gezaubert, denn wenn Sie durch die Seiten blättern, leuchten nicht nur ihre Augen so aalimäßig hell, auch die Nase schnuppert. Kann nicht genug bekommen von diesem tollen Papierduft.

So ist dieses Buch eine große Lesefreude für die ganze Familie! Altersempfehlung ab 7 Jahren, aber man kann durchaus schon jüngeren Geschwistern daraus vorlesen.

Ich danke meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor, die mir dieses Buch in meine Hände gelegt und dabei mit leuchtenden Augen gesagt hat: "Das ist so ein großartiges Buch. Du wirst Aali lieben!"

Aali muss los

von Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel

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Forever Beautiful
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Frühjahr ist da. Und mit ihm jede Menge neue Bücher. Nicht nur Romane und Krimis, sondern auch interessante Kochbücher. "Forever Beautiful" von Susanne Korasani ist eins davon. Es ist im Malia Verlag erschienen - dem Verlag von Laura Malina Seiler.

Susanne Korasani ist bekannt geworden durch ihr Buch "Be Your Owen Healer" - in dem sie zeigt, wie es gelingen kann die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Ich trinke seit dem Buch den Löwenzahntee. So hat es mich nicht überrascht, dass der Löwenzahn auch in dem Buch eine besondere Rolle spielt. Sie "ist eine Pflanze, die nichts aufhält. Sie wächst durch Asphalt, trotz dem Wind und Abgasen und trägt in jeder Zelle die Erinnerung an Aufbruch." Die Bitterstoffe sind wichtig für die Entgiftung der Leber. Zudem unterstützen Sesquiterpenlactone, Flavonoide, Inulin und Kalium - die Gallenbildung, aktivieren die Verdauungsenzyme und entlasten die Leber. Die Autorin empfiehlt den Tee, den es im Reformhaus gibt, und die Blätter für Salate, Smoothies und Suppen. Wie gut, dass mein Gemüsehändler auf dem Isemarkt das Kraut verkauft.

Das Buch unterteilt sich in die Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter sowie den Tagesrhythmus: Morgens, mittags und abends. Das Gros der Rezepte enthält nur wenige Zutaten, was ich sehr begrüße, und arbeitet saisonal.

Einfach und gehaltvoll ist beispielsweise die Yoshino-Suppe mit Seidentofu. Hierfür braucht man nur Wasser, Seidentofu, eine kleine Karotte, eine Handvoll Spinat oder Pak Choi, Sesamöl, frischen Ingwer und Frühlingszwiebel. Als Teetrinkerin habe ich mich über die "Grüntee-Kraftbrühe mit Tamari sehr gefreut. Dafür benötigen Sie nur Sencha oder Bancha, einen Schuss Soja-Tamari aus fermentierten Sojabohnen. Auch spannend: die Kuzu-Limo. Oder der Safran Latte. In einem Glossar verrät die Autorin, wo man die Zutaten erhält und worauf man achten sollte.

Was das Buch zudem aufwertet, sind einzelne konkrete Ausführungen zu bestimmten Inhaltsstoffen, ihre Wirkung und Anwendung. So habe ich erfahren, dass Gänseblümchen nicht nur die Regeneration und Ausgleich fördert, sondern ebenso als Umschlag Hautreizungen und leichte Schwellungen genutzt werden kann.

"Forever Beautiful" ist ein ganzheitliches wie nachhaltiges Kochbuch für Geist und Seele! Es zeigt, wie alles miteinander verbunden ist: "Wer Nahrung, Gedanken und Worte auf diese Weise versteht - nicht nur als Kalorienquelle oder Nebensächlichkeit - verändert die Qualität seines gesamten Lebens. Körperlich wie geistig."

Forever Beautiful

von Susanne Abbassian Korasani

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Richtig gutes Essen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Sie suchen das passende Buch für eine Kollegin oder Ihrem Chef? Hier ist es! In Junko Takases Roman „Richtig gutes Essen“ geht es herrlich schräg und sehr unterhaltsam zu. Aber auch nachdenkliche Töne stoßen an die Oberfläche: „Es ist doch total einfach, Leute zu ermutigen, indem man sagt: „Du schaffst das!“ Sich selbst zu ermutigen ist viel schwieriger.“

Das sagt Oshio ihrem Kollegen Nitani. Die beiden verbindet eine platonische Freundschaft. Sie genehmigen sich nach Feierabend gern einen Absacker und werden dem Titel des Romans mehr als gerecht, wenn sie sich leckere Sachen wie Edamame, ein Omlette oder gegrillten Fisch schmecken lassen. Dagegen stellt sich Ashikawa freudig an den Herd und backt Kuchen oder Kekse, die sie auch fürs Team in den Ofen schiebt. Weil sie es gern macht, oder eher, weil sie ein schlechtes Gewissen hat? Denn Ashikawa geht oft früher nach Hause, weil sie Kopfschmerzen hat oder sie sich nicht fühlt. Trotzdem ist gerade sie es, die Natani ermutigt, selbst zu kochen. Sie erklärt ihm, wie einfach das doch eigentlich sei:

„Du könntest dir doch wenigstens eine Misosuppe machen. Du setzt Wasser auf, löst Misopaste, die schon Brühe enthält, darin auf und gibst nur noch Tofu und etwas Grünes dazu.“ Eigentlich total einfach. Aber Nitani sieht es so: „Vielleicht mag ich es eher, anständig zu leben. Weil für mich Sachen wie Essen und Schlafen, die zum Leben notwendig sind, nichts mit Mögen und Nichtmögen zu tun haben.“

Das Essen fungiert als verbindendes und gleichwohl als toxisches Element, das die Autorin zum Ende hin zum Äußersten ausufern lässt. Sie erzählt über eine Bürogemeinschaft, in der alle unterschiedliche Ambitionen verfolgen. Der zielstrebige Natani, seine Geliebte Ashikawa, die ihr Glück im Mehl und im Kochtopf findet, und Oshio, die zwischen den beiden steht. Bitte nicht mit leerem Magen lesen, denn beim Lesen bekommen Sie automatisch Appetit.

In Japan hat sich dieses herrlich lebendige Buch über hundertachtzigtausendmal verkauft und wurde mit dem renommierten Akutagawa-Preis ausgezeichnet. Absolut verdient!

Richtig gutes Essen

von Junko Takase

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Einfach Sunny
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wer noch im Winterblues steckt, sollte mit Sunny ein paar Stunden verbringen. Danach ist nichts mehr trüb, eher hell und erquickend. Maren Graf hat mit ihrem Kinderbuch eine erstaunliche wie mitreißende Heldin geschaffen, die gute Laune versprüht. Vor der ich mich zudem verneige, denn Sunny ist blind. Aber das fühlt sich nebensächlich an, denn das Mädchen geht trotzdem ihren Weg und ist leidenschaftliche Sachen-Sucherin.

Gleich zu Beginn stolpert sie über eine Sache. Wobei, nein, Ben, ist doch ein Mensch, der etwas sucht und sehr verzweifelt ist. Bis der Junge aber Klartext spricht, muss Sunny in ihrer Detektivart mehrere Anläufe unternehmen, denn Ben ist stumm wie ein Fisch. Aber Sunny lässt sich natürlich nicht unterkriegen, selbst nicht von den frechen Jungs ihrer neuen Schule.

Auch das ist bemerkenswert. Nicht nur, wie Sunny den Jungs entgegentritt. Nein, die Tatsache, dass sie von ihrer aktuellen Schule auf eine gewöhnliche wechseln will.

Ben blüht am Ende doch auf, verrät seiner neuen Freundin, was sich hinter dem Dings verbirgt und begibt sich mit Sunny auf eine spannende Spurensuche, bei der sie nicht nur andere Menschen treffen, sondern auch einen süßen Dackel namens Frodo.

"Einfach Sunny" ist eine packende Detektivgeschichte, die gleichwohl Mut und Einfallsreichtum ausatmet. Ganz besonders freue ich mich, dass es eine Fortsetzung geben wird und ich Sunny bald schon wieder treffen werde.

Altersempfehlung: Ab 8 Jahren.

Einfach Sunny

von Maren Graf

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Evie und die Macht der Tiere
Simone Finkenwirth

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Matt Haig ist hierzulande vor allem unter den erwachsenen Lesenden bekannt. Lange schon schlummerte dieses Kinderbuch in meinem Regal. Nun habe ich es endlich aufgeschlagen und darf mal wieder sagen: Wer warten kann, der wird belohnt. So ist "Evie und die Macht der Tiere" eine lohnenswerte wie ganz besondere Lektüre für alle ab Neun und junggebliebenen Matt Haig-Fans.

Evie besitzt eine Gabe: Sie kann mit Tieren sprechen. Was cool klingt, wird dem Mädchen und ihrer Familie im Verlauf der Geschichte zum Verhängnis. Denn der Bösewicht Mortimer wird auf Evie aufmerksam. Und das ist überhaupt nicht gut.

Doch beginnen wir von vorn. Evie hört, wie die Schulhäsin Kahlo traurig denkt: "Eine, die einfach vorbeigeht. Ohne einen Gedanken an mich zu verschwenden." Also bleibt Evie stehen und wendet sich in Gedanken an Kahlo. Dabei erfährt sie, dass die Schulleiterin die Häsin aus dem Wald geklaut und hier eingesperrt hat. Evie mit ihrer großen Empathie kann diese Ungerechtigkeit nicht einfach stehen lassen, und lässt Kahlo frei. Zum großen Ärgernis der Schulleiterin. Danach muss Evie ihrem Vater versprechen, ihre Gabe nicht mehr einzusetzen. Was sie brav durchzieht - bis zu dem Tag, an dem sie ihrem Freund Ramesh im Zoo begleitet, und ein Junge ins Löwengehege fällt...

Ich liebe jede Seite in diesem Buch! Das ist einerseits dem Schreibstil des Autors und seiner Heldin zu verdanken. Aber auch die schönen Illustrationen von Emily Gravett bereichern die Seiten auf besondere Weise. Andererseits schätze ich kluge Botschaften wie diese: "Alles hängt mit allem zusammen. Nicht nur eine Großmutter mit ihrer Enkelin. Auch der Mensch mit dem Schimpansen und die Primaten mit den Hunden und Katzen. (...) Jedes Teilstück hängt von den anderen ab und fügt sich in sie ein. Und zusammengehalten wird alles durch eine gewaltige Energie."

Die Kraft, von der Evies Großmutter spricht, nennt sich Dawa. Diese gilt es, zu erkennen, dann kann Evie Großes leisten. Wird es der mutigen Heldin gelingen?

Evie und die Macht der Tiere

von Matt Haig

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Aali muss los
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lesen erweitert nicht nur den eigenen Horizont. Lesen bildet - vor allem durch das Einsaugen von fiktiven Geschichten geschieht die Wissenserweiterung eher spielerisch. So weiß ich erst nach diesem wundervollen und schön gestalteten Kinderbuch, dass ein Aal vier Leben hat.

Genau genommen sind es drei komplexe Verwandlungen, die ein Aal durchmacht. Vor so einer steht Aali, die sympathische Erzählstimme zu Beginn. Sein Kumpel Frank, eine loyale Brasse, fällt auf, dass Aali an dem Morgen so komische Augen hat. Aali indes spürt eine seltsame Unruhe und sagt: "Lass mal schwimmen." Am Ende haben wir - also Aali und ich - einen unglaublichen Weg zurückgelegt. Vom Nord-Ostsee-Kanal durch die Nordsee bis zur Sargassosee. Dabei haben wir allerlei schwimmende Wesen getroffen und Abenteuer erlebt.

Was führt Aali weg von seinem guten Kumpel? Warum schwimmt er so weit? Das löst dieses wissensreiche Kinderbuch auf hinreißende Art und Weise auf. Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich schreiben Hand in Hand, weben neben der Geschichte kleine Infoblöcke zum Aal mit ein. Nele Brönner hat dem Buch den passenden Pinselstrich gegeben. Und der mairisch Verlag hat gezaubert, denn wenn Sie durch die Seiten blättern, leuchten nicht nur ihre Augen so aalimäßig hell, auch die Nase schnuppert. Kann nicht genug bekommen von diesem tollen Papierduft.

So ist dieses Buch eine große Lesefreude für die ganze Familie! Altersempfehlung ab 7 Jahren, aber man kann durchaus schon jüngeren Geschwistern daraus vorlesen.

Ich danke meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor, die mir dieses Buch in meine Hände gelegt und dabei mit leuchtenden Augen gesagt hat: "Das ist so ein großartiges Buch. Du wirst Aali lieben!"

Aali muss los

von Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel

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Beste Zeiten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lost girl meets life! Wäre ich nochmal süße Achtzehn dann würde ich diesen Roman lieben! Denn ich fühle so sehr mit der Ich-Erzählerin. Daher habe mit meinen 40ern "Beste Zeiten" von Jenny Mustard ebenfalls mit allergrößter Freude gelesen. Die Autorin hatte mich ja bereits mit "Okaye Tage" begeistert.

In ihrem neuen Roman werde ich eine Freundin von der 21jährigen Sickan. Die Ich-Erzählerin ist gerade aus der schwedischen Provinz nach Stockholm gezogen und hat alles vor sich: die Uni, neue Kontakte und das Glück! Als sie ihre Kommilitonin Hanna kennenlernt, findet sie eine Freundin, und das obwohl Hanna aus einem anderem Haushalt stammt. Denn Hanna hat Geld, lebt in der Wohnung der verstorbenen Großmutter in einem guten Viertel. Sickan hingegen wohnt im Studentenheim und muss jede Krone umdrehen.

Sickan ist speziell und ich mag sie gerade deshalb. Sie hatte keine einfache Kindheit und Narben in ihrer Seele wie Abbe. Doch eine Beziehung wird schwierig, weil Abbe in einem Jahr nach Mexiko City will. Sie können dafür einfach gute Freunde sein. Werden es natürlich, und schließlich noch viel mehr.

Jenny Mustard hat einen wahrlich eigenen Sound - extrem cool und sehr nah an ihren Figuren greift sie Themen wie Identität, Freundschaft, LIebe und Abgrenzung auf. Jedes junge Mädchen findet sich in ihren Geschichte wieder, ob sie nun lost ist oder nicht:

"Ich frage mich, ob er recht hat, ob wir jetzt, wo wir erwachsen sind, endlich über die schweren Themen, die wir bisher verheimlicht haben, reden können."

Dem Eichborn-Verlag ist diese Entdeckung ebenfalls zu verdanken, wie ihrer Übersetzerin Lisa Kögeböhn, die wieder erstklassige Arbeit geleistet hat!

Beste Zeiten

von Jenny Mustard

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Sophie L.
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch fällt in die Kategorie: Falsches Cover, richtiges Buch! Ich verstehe den Gedanken des Verlags durchaus. Man wollte dem ersten Buch "Anna O." in der Gestaltung treu bleiben. "Sophie L." wird als Thriller vermarktet. Aber Vorsicht, das könnte Lesende enttäuschen. Eben jene, die eine durchgehend packende Handlung erwarten.

Mich hat das Buch von der ersten Seite begeistert. Das hat vor allem mit dem feinsinnigen Schreibstil des Autors zu tun. Und die Geschichte, die komplex und anziehend ist.

Die Londoner Gedächtnisexpertin Olivia Finn erhält aus Paris einen Anruf von der Polizei. Ihre Großmutter hätte im Hotel Lutetia einen Mord gestanden, und gesagt, sie sei eine andere. Das überrascht und beunruhigt die alleinerziehende Mutter. Folglich fährt sie nach Paris. Als Olivia dort ankommt, wird sie von der Polizei vernommen. Später spricht sie mit ihrer Gran, plötzlich scheint sie wieder klar, als sie bei ihr Zuhause sind. Édouard, ein ehemaliger Geliebter, ist zum Zeitpunkt auch in Paris und eilt Olivia zur Unterstützung. Édouard ist der Sohn von Olivias Therapeuten und treuen Weggefährten, der ihr den Weg in ihren Berufsweg als Psychologin geebnet hat. Louis war auch seinerzeit - vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs - der Herzensmensch ihrer Großmutter. Die wird nach ihrer Freilassung aus Ausschwitz mit anderen in dem Hotel Lutetia für drei Tage untergebracht. In diesen drei Tagen ist etwas passiert, über das alle bis heute schweigen...

Haben Sie mitgezählt? Ich habe hier vier Personen erwähnt, aber das sind längst nicht alle. Wie ein Puzzlemeister setzt Matthew Blake alle Figuren und Handlungsstränge gekonnt ins sein geheimnisvolles Bild. Durch das man sich klar und gespannt bewegt und dann...!

"Sophie L." ist ein raffinierter Thriller, der sich erneut einem spannenden Thema - dem der Erinnerung - widmet. Also ignorieren Sie das Cover und vertrauen auf meine wohlwollende Stimme.

Sophie L.

von Matthew Blake

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Die Farm der Mädchen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Hans Rosenfeldt hat es mir nicht leicht gemacht. Und doch konnte er mich für sich gewinnen. Wie das? Nun, hochwertige Krimiliteratur kann eben nichts erschüttern.

In seinem Krimi-Solo "Die Farm der Mädchen" erzählt er eine komplexe Krimigeschichte. Nichts für Leseratten, die schnelldrehende Plots mögen. Wer hingegen ein bisschen mehr Zeit mitbringt, wird um so mehr belohnt.

Bislang hat der angesehende Drehbuchautor zusammen mit Hjorth die achtbändige Sebastian-Bergman-Reihe verfasst, und wurde auch hierzulande dafür sehr gelobt. Dass er ein Meister seines Fachs ist, beweist er nach seinem Solodebüt "Wolfssommer" erneut.

"Die Farm der Mädchen" beginnt mit der Flucht von zwei schwangeren Frauen. Als die eine im Wald plötzlich ein totes Kind gebärt, versucht ihre Freundin Dardana einen sicheren Ort aufzuspüren. Sie schlüpfen in einer einsamen Waldhütte unter. Doch Natalia verliert am Ende zu viel Blut und stirbt. Dardana lässt ihre tote Freundin zurück und flieht allein vor ihren Verfolgern.

Das tote Baby führt schließlich zur Polizistin Hannah Wester, die nach einer Auszeit wieder in den Dienst tritt. Ihr Mann ist bei einem Einsatz ums Leben gekommen. Was hat es nun mit dem toten Baby auf sich? Und wie ist die Leiche in der Hütte zu erklären? Der Fall ist komplexer und führt auch ins dunkle Reich des Menschenhandels.

Rosenfeldt nutzt für seinen Plot verschiedene Handlungsstränge, behält aber eine klare Linie und erzeugt mit zunehmenden Seitenananzahl mehr an Spannung.

Ein Hochkaräter, über den man lange noch nachdenkt.

Die Farm der Mädchen

von Hans Rosenfeldt

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Statt aus dem Fenster zu schauen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sinnkrise? Kennen wir doch alle! So weiter machen? Oder eine andere Richtung einschlagen? Diese Fragen stellen wir uns nicht nur mit Anfang 20 oder mit 35 Jahren, auch mit Mitte 40 oder sogar mit Ende Sechzig. Daher ist Anna Katharina Scheidemantels grandioses Debüt "Statt aus dem Fenster zu schauen" eine willkommende Einladung für alle Sinnsuchenden.

Den Mumm der Ich-Erzählerin hätte ich allerdings nicht. Aus einer Stagnation bei ihrem Praktikumsplatz heraus surft Sophie ein bisschen bei Kleinanzeigen.de herum und kauft sich mal eben mit ihrem Ersparten ein Haus in der Pampa. In Günderode, hinter Berlin. So lässt unsere Heldin alles in München hinter sich, schnappt sich ihr Rad und einen Rucksack und auf geht's mit der Bahn ins Abenteuer!

Als die Studentin in der ostdeutschen Provinz an ihrem Häuschen ankommt, wird ihr schlecht. Vor ihr offenbart sich mehr eine Bruchbude. Aber hey, was hast du für 3000 Euro erwartet? - will ich ihr zurufen. Ich wäre sofort wieder abgehauen, Sophie nicht. Die bleibt. Ihr dabei zuzuschauen, ist herrlich erfrischend und bereitet mir große Freude! Wie sie in Eigenregie das heruntergekommene Haus putzt, streicht und auf Vordermann bringt, weitet meine Augen. Damit nicht genug. Sophie beginnt, den Garten mit Pflanzensamen auszusäen, um im Sommer eine erste Ernte einzufahren. Sie arbeitet, bis sie vor Erschöpfung auf ihrer Isomatte liegt und die Gedanken schweigen. Denn Sophie hat bisher niemanden von ihrer Aktion erzählt... Wie lange kann das gut gehen?

"Statt aus dem Fenster zu schauen" ist eine besondere Sinnsuche mit existenziellen Fragen. Obendrein entschleunigt es, indem die Autorin unsere Köpfe ins reichhaltige Meer der Natur stupst. Herrlich! Ein mutmachendes Buch für alle, die sich gerade selbst fragen: Und jetzt?

Ich freue mich, dass ich am kommenden Mittwoch, 8. April, um 19.30 Uhr, mit der Autorin bei uns die Buchpremiere ausrichten darf.

Statt aus dem Fenster zu schauen

von Anna Katharina Scheidemantel

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Spielverderberin
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es könnte so leicht sein wie so vieles im Leben. Einfach eine schöne Freundschaftsgeschichte. Doch das wollte Marie Menke mit ihrem Debüt nicht. Und genau das ist gut so!

Lotte, Sophie und Romy sind die drei tragenden Säulen des Romans. Während Lotte und Sophie seit Kindheitstagen befreundet sind, stößt in der Oberstufe Romy aus der Großstadt dazu. Am Anfang der Geschichte treffen sie sich in der alten Heimat, im Süthland. Alle drei sind der Heimat entwachsen, leben in Köln. Doch wie nah sind sie sich immer noch?

Die Ich-Erzählerin, Sophie, will sich mit ihren beiden Freundinnen am Baggersee treffen, angestoßen hatte dies Romy. Als Sophie und Lotte dort ankommen, ist Romy längst da. Nach einigen Gläsern Wein will Romy in den See. Lotte ist das zu riskant, Sophie ebenso. Als sie Romy im See nicht mehr sehen, sagt Lotte: "Romy braucht keine Hilfe." Lotte verschwindet daraufhin mit ihrem Jutebeutel, Sophie bleibt. Bereits hier wird mir klar, dass etwas nicht stimmt. Und das liegt weiter zurück.

Nach und nach nimmt uns die Autorin mit in die vertrackte Freundschaftsgeschichte, die gleichermaßen Fragen wie Unsicherheiten aufwirft. Marie Menke verwebt verschiedene Themen in ihre mitreißend erzählte Geschichte: Anziehung, der Wunsch nach Zugehörigkeit, Abhängigkeit, Ghosting. Und ich denke: Was bin ich dankbar, dass ich so etwas nie erleben musste. Ich bin in einem harmonischen Kreis unterschiedlicher Freundinnen groß geworden, mit denen ich heute noch verbunden bin, und das obwohl sich unsere Leben anders entwickelt haben.

Marie Menke geht indes weiter oder sagen wir besser: Sie stürzt uns in dunkle Täler, was Freundschaften noch sein können. Teuflisch und toxisch.

Ich habe den Roman in einem Atemzug weggelesen, wurde am Ende nochmal aus der Bahn geworfen und ahne: Man darf von der jungen Schriftstellerin noch Großes erwarten.

PS: Bald gibt es mehr zur Autorin, die ich bei der Leipziger Buchmesse gecoffeetalkt habe.

Spielverderberin

von Marie Menke

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Pina fällt aus
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe Vera Zischke verpasst, also "Ava liebt noch". Ihr Debüt hat unzählige Lesende mitgerissen. Deshalb ließ ich den Kelch an mir vorbeiziehen, obwohl ich natürlich neugierig geblieben bin. Nun ist ihr zweiter Roman erschienen und ich weiß: Ich habe etwas verpasst. Aber aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben.

Ich bin so verliebt in "Pina fällt aus" und kann mein Grinsen nicht bei mir behalten. In diesem Roman erzählt die Autorin eine Geschichte über Zusammenhalt, Solidarität, Fürsorge und Liebe in unterschiedlicher Form. Pina ist eine alleinerziehende Mutter. Sie kümmert sich um ihren Sohn Leo, der in seiner eigenen Welt lebt, jeden Morgen vom Bus abgeholt wird. Dann geht es ab in die Werkstatt. An einem Nachmittag, Leo ist längst zurück, will Pina noch Einkäufe erledigen. Auch für die älteste Bewohnerin im Haus. Inge verlässt nach einem Unfall und dem Tod ihres Mannes die Wohnung nicht mehr. Muss sie auch nicht, denn Pina kauft für Inge ein. Doch dieses Mal kehrt sie nicht zurück. Pina ist auf der Straße zusammengebrochen, kommt ins Krankenhaus und Leo bleibt bei Inge. Alle warten. Nur wir Lesende wissen mehr, sind an Pinas Seite im Krankenhaus und dem pflegenden Personal.

Bald ist klar, was passiert ist und dann? Kümmern sich drei schräge Vögel um den mutterlosen Leo. Neben Inge gibt es noch den Einsiedler Wojtek, der eine russische Freundin hat, die ihm besondere Nippes besorgt. Und die revoltierende Zola. Ein 16jähriges Mädchen, das am liebsten nachts zockt und die von ihrem Vater organisierten Jobs in den Boden stampft. Ja, da ist wahrlich so viel Wut in dem Mädchen, aber gleichwohl extrem viel Fürsorge für Leo, dass mein Herz fast explodiert.

Ich habe mich bei der Lektüre an Anna Gavaldas Erfolg "Zusammen ist man weniger allein" gedacht. Aber nicht nur deshalb zählt "Pina fällt aus" zu meinen Lieblingen. So ist das Buch gefüllt mit herrlich abstrusen, liebenswerten, bewegenden Momenten, bei denen ich oft seufzt lache oder innehalte. Vera Zischke hat einen charmanten Erzählstil, die Tiefe dennoch nicht scheut und ihr geradewegs ins Gesicht blickt.

Mehr Hintergründe zum Roman erfahren Sie bald in einem Interview, das ich mit der Autorin auf der Leipziger Buchmesse geführt habe. Es war mir eine große Freude wie diese wunderbare Lektüre, die wir in diesen aufwühlenden Zeiten besonders brauchen!

Pina fällt aus

von Vera Zischke

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Bei aller Liebe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Weniger kratzbüstig, aber nicht minder lesenswert ist der neue Roman von Jane Campbell. Nachdem die 82jährige Autorin mit ihrem Debüt „Kleine Kratzer“ auch hierzulande für Furore gesorgt hat, legt sie nun nach.

Die Autorin bedient sich wieder ihrem wertvollen Wissen über uns Menschen. Denn in ihrem vorherigen Leben war sie als Psychoanalytikerin in Oxford tätig. Apropos: Psychologisch klug und feinfühlig erzählt sie eine Familiengeschichte. Die beginnt damit, dass Agnes viel zu früh ihre Eltern bei einem Autounfall verliert. Ihre Mutter Sophy hat vorher ihrem Bruder Malcom einen Brief übergeben. Er soll Dr. Joseph Bradshaw persönlich ausgehändigt werden. Doch das macht Malcolm nicht. So hütet er bis heute ein Geheimnis, das eng mit seiner Nichte Agnes verknüpft ist. Warum handelt er so? Das ist eine von weiteren Fragen, denen ich mich Seite um Seite nähere.

In abwechselnden Kapiteln erlebe ich dabei die Lebensgeschichten von Dr. Joseph Bradshaw, Malcolm und Agnes. Alle widmen sich der Psychologie in verschiedenen Formen. Ein raffinierter Schachzug wie die Linien, die Campbell zusammenzieht. So baut sie ein Spannungsfeld auf, dem man ebenso wenig entgeht wie ihren klugen Ansichten: „Mit dem Alter kommt die Zerknirschung, Malcom. Da gibt es kein Entrinnen. Es kommt allerdings darauf an, wie du die Geschichte deines Lebens erzählst.“

„Bei aller Liebe“ ist ein packendes wie berührendes Buch über Lebenslügen, Familie, Verletzungen und die Kunst des Verzeihens. Die Geschichte hallt lange noch nach. Da verzichtet man durchaus auf das kratzbürstige Erzählen. Und freut sich viel mehr darüber, dass diese bewundernswerte Frau mit Anfang 80 angefangen hat, zu schreiben. Bitte weiter so und mehr davon!

Bei aller Liebe

von Jane Campbell, Bettina Abarbanell

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