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DAISY - Und all deine Geheimnisse werden mir gehören
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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War es Zufall, dass ich Daisy von Melanie Raabe nach der erstklassigen Dokumentation zum skrupellosen Unternehmer Bernard Arnaults gesehen habe? Ich kann die arte-Serie allen nur sehr ans Herz legen, allen voran Luca -  die Hauptfigur in Daisy. Tagsüber arbeitet die junge Frau in einer Berliner Anwaltskanzlei. Nachts ist sie als Rächerin unterwegs.

Ich begegne ihr bei einer Aktion, die beinah schiefgeht. Sie hat bei der Chefredakteurin einer Boulevard Zeitung giftige Vogelspinnen ausgesetzt. Ungünstigerweise kommt diese früher nach Hause. Luca kann jedoch noch flüchten.

Nach dieser Nacht tauchen plötzlich an Litfaßsäulen Plakate mit dem Spruch auf: “Geheimnisvolle Fremde. Eines Tages kamst du in mein Leben  schwarzer Jumpsuit, Sturmhaube, Combat Boots und dunkle Augen. Seither denke ich an dich. Tag und Nacht. Ich verspreche dir, ich werde dich finden, und all deine Geheimnisse werden mir gehören.”

Als sie dann bei sich zu Hause eine Gänseblume findet und spürt, dass sie nicht allein ist, und der Kobra ins Gesicht schaut, ahnt Luca, sie ist in großer Gefahr. Glücklicherweise hat sie einen klugen wie sympathischen Freund an ihrer Seite: Walther. Er ist ihr eine wichtige Stütze sowie besonderer Freund, mit dem sie am liebsten Croissants isst und Chamapgner trinkt. Walther ist Mitte 70 und kennt seine beste Freundin so gut. Diese Beziehung und Lucas liebe Freundinnen funktionieren als wärmendes Kontrastmittel in diesem Thriller.

Melanie Raabe schreibt packende wie raffinierte Thriller. Das hat die Jury der Krimibestenliste überzeugt, denn dort steht sie diesen Monat. In Daisy hält sie von Beginn eine enorme Spannung, baut unerwartete Cliffhanger ein. Und haut mich öfter von meinem Lesehocker.

Die Autorin spielt mit uns und es bereitet ihr große Freude wie das Schreiben. Das spüre ich mit jeder Zeile. Und natürlich schätze ich den Gerechtigkeitssinn gegen all die bösen Menschen da draußen, die oft davonkommen wie Bernard Arnaults.

Also, liebe Luca, schau dir diesen Unternehmer mal genauer an.

DAISY - Und all deine Geheimnisse werden mir gehören

von Melanie Raabe

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Die Lücken
Frank Menden

Frank Menden

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Ein Jahrhundertroman! Und nicht ( nur ) wegen der fast hundert Jahre erzählten Zeit, die ein Panorama des fiktiven Ortes Heimes Bach im Hunsrück abbilden. 

Der frisch und höchst verdient mit dem Deutschen Buchpreis UND dem Wilhelm-Raabe-Preis ausgezeichnete Roman ist ein moderner Anti- Heimatroman und ein Buch, das man einmal gelesen nie wieder vergessen wird. Ein Roman, der sprachlich wie inhaltlich überzeugt, das herausfordert und durch seine klug komponierte Struktur überzeugt. Vielschichtig erzählt Shida Bazyar über Gewalt, Traumata, Gleichgültigkeit und Sehnsüchte in einem fiktiven pfälzischen Dorf, und fächerst so ein ganzes Jahrhundert auf. Dabei tritt vieles Ungesagte und Verdrängte zu Tage und konfrontiert die Leser mit den eigenen blinden Flecken in ihrer Wahrnehmung der Gegenwart und Vergangenheit.

Ein großer Wurf ist dieser Roman, der gekonnt den Bogen bis in die Gegenwart schlägt, und der zeigt, welche Auswirkungen Verdrängung haben kann.

Unbedingt lesen!

Die Lücken

von Shida Bazyar

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Glim aus dem Ginsterwald
Katja Schneider

Katja Schneider

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Als Gesellin hat Glim von ihrem Meister Mistelbrod alles gelernt, was es über Zauberstäbe und deren Herstellung zu wissen gibt. Nun wird sie zu einer Yarlimpimpi und muss sich auf Wanderschaft begeben, um die Welt zu sehen, Abenteuer zu erleben und als Meisterin wiederzukehren. Doch das ist leichter gesagt als getan, denn Laubwichtel, so wie Glim eine ist, sind gern zu Hause und haben es am liebsten behaglich. Als jedoch auf dem jährlichen Frühlingsfest Eisblitze auf dem Boden einschlagen, wird es doch dringlich, denn in der weiten Welt weiß hoffentlich ein Zauberer oder eine Hexe, was es damit auf sich hat. Schon nach kurzer Zeit lernt Glim die etwas tollpatschige Elfin Annivé kennen, die ein Buch mit spannenden Elebnissen füllen möchte - natürlich alle selbst erlebt. Und so tun sich die beiden zusammen, um gemeinsam zu reisen, nicht ahnend, dass sie das größte und gefährlichste Abenteuer ihres Lebens bestehen müssen. Viel Mut, Vertrauen und vor allem Magie sind vonnöten, doch dank ihrer Freundschaft können Glim und Annivé über sich hinauswachsen und hoffentlich die arglistigen Pläne ihres Widersachers durchkreuzen.

„Glim aus dem Ginterwald“ ist ein turbulentes, lustiges und warmherziges Abenteuer für alle, die Geschichten voller Magie lieben oder kennenlernen möchten.

Ab 9 J.

Glim aus dem Ginsterwald

von Marcus Raffel

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Prinzessin Floradora. Verflixt, verwünscht und voll verflucht
Katja Schneider

Katja Schneider

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Floradora ist eine Prinzessin wie aus dem Märchenbuch: Sie hat die schönsten rosafarbenen Kleider, ihre Mutter ist der Königin, der Vater der König, sie wohnt in einem prächtigen Palast und tagein, tagaus spielt sie mit ihrer goldenen Kugel. Doch eines Tages wird sie aus heiterem Himmel von der bösen Fee, die natürlich auch zu einem Märchen gehört, verflucht: auf einmal wachsen ihr Hörner aus dem Kopf! Nach dem ersten Schrecken gefällt sich die Prinzessin mit dem ungewöhnlich Kopfschmuck ziemlich gut, aber für ihre Eltern ist klar, dass sich ihre Tochter so nicht dem Volk auf dem königlichen Balkon präsentieren kann. Die schnell herbeigerufene gute Fee verspricht Abhilfe, doch zunächst soll Floradora in ein Internat. Gesagt, getan landet sie in „Dunkelwald“, wo es besonders grau, trostlos und düster ist. Dort wohnen bereits 19 andere Prinzessinen und Prinzen, die ebenso wie der Neuankömmling verflucht worden sind - die eine hat eine Schweinenase, der andere einen Schwanenflügel und einer sogar einen Rabenschnabel! Und sie alle wollen schnell wieder nach Hause in ihre königlichen Gemächer und vor allem ihren Fluch loswerden. Hilfe bekommen sie von einer neuen Lehrerin namens Fräulein Mauserich, die ziemlich nützliche Fähigkeiten hat und die die vermeintlichen Makel ihrer Schützlinge weder ungewöhnlich noch störend findet. Gemeinsam wagen sie die Flucht und erleben die unglaublichsten Abenteuer. Und die Flüche? Und die böse und die gute Fee? Nichts ist, wie es scheint und alles endet mit einem Frosch in der Suppenschüssel.

„Prinzessin Floradora. Verflixt, verwünscht und voll verflucht" ist ein kräftig gegen den Strich gebürstetes Märchen, voller Magie, Witz und einer wichtigen Botschaft: Du bist gut so, wie du bist!

Ab 10 J.

Prinzessin Floradora. Verflixt, verwünscht und voll verflucht

von Maja Ilisch

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Die Bernsteinfischerin
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Dieses Buch zeigt, wie fantastisch der Zufall sein kann. Denn ohne ihn würde es diese wundervolle Geschichte gar nicht geben. Als Lisa Quentin vom Beruf des Bernsteinfischers erfuhr, wollte sie mehr wissen, recherchierte die Kulturgeschichte des beliebten fossilen Harzes und schrieb schließlich diesen Roman.

Die Autorin setzt hierbei zwei Frauenfiguren nebeneinander. Ebba lebt mit ihrer Familie im Samland, an der ostpreußischen Bernsteinküste. Der Vater arbeitet als Bernsteinfischer, seine Tochter ist ihm hierbei eine tüchtige wie neugierige Helferin. Was er nicht weiß, den einen oder anderen ganz besonderen Stein hebt sie auf und bringt ihn ihren guten Freund Leo. Der Krieg – die Handlung setzt 1943 ein - und die Flucht treibt die beiden Seelenverwandten schließlich auseinander, und Ebbas Familie findet in Niendorf an der Ostsee ein neues Zuhause. Wie schon in der alten Heimat, schlägt in Ebbas Brust das Herz einer Künstlerin. Sie schafft heimlich kleine Kunstwerke aus Strandgut und Bernstein. Solch ein Prachtexemplar mit einer eingeschlossenen burmesischen Wespe im Bernstein, die es „nur auf dem Urkontinent Gondwana gab“, taucht plötzlich im Institut der Bernsteinforscherin Julika auf. Wie ist das möglich?

Das will Julika wissen. Dieser Stein ist es, der die junge Frau aus ihrem eingeschränkten Leben nach draußen zieht. Denn Julika kümmert sich mit ihrem Vater um ihre Mutter, die nach dem Tod der jüngeren Tochter an einer Depression leidet. Schließlich wagt Julika den für sie großen Sprung, reist an die Ostsee und trifft dort auf Ebba Bredow.

Lisa Quentin erzählt atmosphärisch, poetisch und zieht mich mit ihrer kraftvollen Sprache wie das Meer den Sand durch die Seiten. Ich erfahre so viel über Bernstein, dass ich damit einen Vortrag halten könnte, lese vom Bernsteinjäger Verein in Hamburg. Mit feinfühliger Hand entwickelt sie Ebbas und Julikas Lebensgeschichten, die einen zu Herzen gehen, berühren und beeindrucken. 

Beide verbindet viel mehr als sie wissen. Während ich all das auflese, tobt das Meer um mich herum, ich spüre die Gischt an den Füßen und halte einen Bernstein in der Hand.

Die Bernsteinfischerin

von Lisa Quentin

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Nobody Told Me
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wäre ich nicht schon ein Fangirl von „Nobody told me“ dann spätestens jetzt nach diesem ganzheitlichen Wohlfühl-Kochbuch für alle Frauen ab 40! Susanne Liedtke, Dr. Christina Enzmann und Anne-Katrin Weber haben ein Wunderwerk für uns Frauen geschrieben, die sich in der Prä-, Peri- und in der Post-Menopause befinden.

Wie viel wir mit Ernährung lenken können, weiß ich nicht erst seit „Somebody told me“. Dr. Andreas Michalsen hat bahnbrechende Erkenntnisse in seinem Buch „Mit Ernährung heilen“ leicht verständlich dargelegt. Der Autor ist als Professor für Klinische Naturheilkunde an der Berliner Charité tätig. Aber die Autorinnen richten sich gezielt an uns Frauen, die ab 40 in eine neue Phase des Lebens treten - die der Prä-, Peri- und in der Post-Menopause.

Dieses Wohlfühl-Kochbuch ist eine Wissensbibel, die hochinteressante Aspekte offenlegt, selbst unbequeme. So gehen die Autorinnen mit uns in den Darm und zeigen, wer uns in den Wechseljahren das Leben schwermacht: das Östrobolom. Natürlich enthält das Buch ausgleichende Rezepte zu diesem Störenfried.

Wie wichtig Grünzeug ist, hat mir Susanne Liedtke schon mal bei unserer Lesung erklärt. 500 Gramm täglich wären ideal – das Ganze aufgeteilt in Blattgemüse, Kreuzblüter, und anderes Gemüse. Nüsse, Saaten, Gewürze und Kräuter sind ebenfalls dringend zu empfehlen wie den Dr. Shinya-Smoothie am Morgen. Dafür brauchen wir nur Rucola, eine unbehandelte Zitrone und stilles Mineralwasser.

Besonders angetan hat es mir der Makrelensalat: Er besteht aus 180g Makrelenfilets, frischem Dill, Staudensellerie, Zwiebeln, eine unbehandelte Zitrone und Kapern. Letztere enthalten einen Pflanzenstoff mit starker anti-entzündungshemmender Wirkung. Wem - wie mir - Nüsse zu langweilig sind, sollte mal den feurigen Party-Nussmix ausprobieren. Das gibt ordentlich Beat auf der Zunge. 

Sollten Sie danach Lust auf eine erfrischende und charmante Geschmacksexplosion haben, dann empfehle ich die Rosmarin-Zitronen-Tarte. Aha-Momente habe ich mit den einfachen selbst-fermentierten Gemüse erlebt. Gefeiert habe ich den pfiffigen Grünkohlsalat mit Tempeh-Nuss-Crumble und Misodressing.

Zwischen den Rezepten gibt es immer wieder interessante Wissenseinschübe. Große Empfehlung für alle, denn die Rezepte sind alltagstauglich, leicht umzusetzen, sättigend wie gesund und ein Booster für unser aus dem Takt geratenen Hormon-Immunsystem!

Nobody Told Me

von Christina Enzmann, Susanne Liedtke, Anne-Katrin Weber

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Die drei aus Reihe zwei
Katja Schneider

Katja Schneider

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Olga, Horst und Mesut sitzen zusammen in der 2. Reihe, aber nicht etwa, weil sie beste Freunde wären, sondern weil ihre neue Klassenlehrerin Frau Freund sich diese Sitzordnung überlegt hat. Wenige Wochen später sitzen sie zusammen vor ihrem Schuldirektor, Herrn Lindemann, wie die armen Sünder. Dabei haben sie doch nur das getan, wozu Frau Freund sie aufgefordert hat: einen Plan zu entwickeln, wie aus ihrer chaotischen Klasse und dem täglichen Unterrichtsdurcheinander eine Klasse werden kann, die zusammenhält und ordentlich dem Unterricht folgt. Denn wenn nicht, würde die geplante Klassenfahrt ins Wasser fallen. Einen superguten Plan haben sie sich überlegt, der gestohlene Fußballtore und ordentlich Werkelei und Zusammenarbeit beinhaltet hat und Olga, Horst und Mesut, die nicht unterschiedlicher sein könnten, ganz schön herausgefordert hat. Schließlich lief dann alles ganz anders und gar nicht ordentlich und nun sitzen Sie vor Herrn Lindemann und seinem grünen Schreibtisch. Fällt die Klassenfahrt nun wirklich ins Wasser?

„Die 3 aus Reihe 2“ von Silke Schlichtmann steckt voller Überraschungen und ist eine tolle Geschichte über Respekt und Akzeptanz.

Ab 8 J.

Die drei aus Reihe zwei

von Silke Schlichtmann

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Im Licht des neuen Tages
Simone Finkenwirth

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Wenn Bücher inspirieren, ist es einfach das Schönste! Genau wie „Im Licht des neuen Tages“ von Jarka Kubsova. Noch Etwas war da: Während der Lektüre durchflutete mich ein warmes Gefühl, zog meine Mundwinkel zur Sonne. Danach habe ich mir „Großmütterchen Babička“ von Božena Němcová besorgt.  Denn Tschechien ist das Gastland der Frankfurter Buchmesse.

Im Mittelpunkt steht die Schriftstellerin Elli Hajek, die sich in einer Lebenskrise befindet. Die Tochter geht ihre eigenen Wege, und Elli kann nicht loslassen. Auch die Beziehung zu Jan hat Risse, obendrein zwickt der Abgabe-Termin für das neue Buch. Statt sich allem zu stellen, flüchtet Elli. Sie mietet sich ein Haus im Wald. Doch die Geister reisen mit, und noch jemand erscheint: Viktorka. Jene sagenumwobene Frau von der Ellis Großmutter seinerzeit erzählt hat.

Wie in „Bergland“ und „Marschlande“ zieht die Hamburger Autorin viel Kraft aus der Natur. Unzählige Stellen verströmen den Zauber des Waldes. Ich stoße auf wundersame Früchte wie das „𝘎𝘰𝘭𝘥𝘦𝘯𝘦 𝘍𝘢𝘳𝘯“. Was in ihn besonders macht, offenbart das Buch wie die faszinierende Geschichte über Viktorka und Božena Němcová, die mit 𝘋𝘳𝘦𝘪 𝘏𝘢𝘴𝘦𝘭𝘯𝘶̈𝘴𝘴𝘦 𝘧𝘶̈𝘳 𝘈𝘴𝘤𝘩𝘦𝘯𝘣𝘳𝘰̈𝘥𝘦𝘭 allen bekannt ist.

„Im Licht des neuen Tages“ ist eine Suche, ein Waldmärchen, und die Begegnung mit dem, vor dem wir uns alle fürchten.

„𝘐𝘤𝘩 𝘩𝘪𝘦𝘭𝘵 𝘥𝘪𝘦 𝘈𝘯𝘨𝘴𝘵 𝘢𝘶𝘴. 𝘜𝘯𝘥 𝘮𝘢𝘯𝘤𝘩𝘮𝘢𝘭 𝘢𝘶𝘤𝘩 𝘥𝘦𝘯 𝘚𝘤𝘩𝘮𝘦𝘳𝘻, 𝘥𝘦𝘳 𝘴𝘪𝘤𝘩 𝘥𝘢𝘻𝘶𝘨𝘦𝘴𝘦𝘭𝘭𝘵𝘦. 𝘈𝘶𝘴𝘩𝘢𝘭𝘵𝘦𝘯 𝘪𝘴𝘵 𝘫𝘢 𝘮𝘢𝘯𝘤𝘩𝘮𝘢𝘭 𝘥𝘢𝘴 𝘌𝘪𝘯𝘻𝘪𝘨𝘦, 𝘥𝘢𝘴 𝘶𝘯𝘴 𝘣𝘭𝘦𝘪𝘣𝘵, 𝘰𝘥𝘦𝘳? 𝘝𝘰𝘳 𝘢𝘭𝘭𝘦𝘮, 𝘸𝘦𝘯𝘯 𝘈𝘶𝘴𝘸𝘦𝘪𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘨𝘢𝘳 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵 𝘮𝘰̈𝘨𝘭𝘪𝘤𝘩 𝘪𝘴𝘵. 𝘔𝘢𝘯 𝘩𝘢̈𝘭𝘵 𝘢𝘶𝘴, 𝘮𝘢𝘯 𝘴𝘱𝘶̈𝘳𝘵 𝘢𝘭𝘭𝘦𝘴..." Sätze wie dieser halten mich beim Lesen an, während die knarrende Eiche ihr Lied durch die „𝘥𝘪𝘦 𝘦𝘪𝘴𝘪𝘨 𝘬𝘭𝘢𝘳𝘦 𝘓𝘶𝘧𝘵“ singt.

Es ist das wohl persönlichste Buch von Jarka Kubsova. Denn die Autorin ist gebürtige Tschechin und lädt uns auch in die Welt der Literatur aus ihrer Heimat ein. 

Im Licht des neuen Tages

von Jarka Kubsova

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Land
Simone Finkenwirth

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Ich habe „Land“, den neuen Roman von Maggie O’Farrell, regelrecht herbeigesehnt. Und wie so oft, wenn die Vorfreude allzu groß ist, lauert schon eine latente Enttäuschung. Wobei, ich möchte es eher Irritation nennen. Ich komme erst nicht richtig rein in das Buch, als wäre es in einer mir unbekannten Sprache geschrieben. Aber schon nahte Hilfe in Form der Besprechung von Katja Eßbach auf NDR Kultur.

Die Redakteurin macht deutlich, dass man sich Maggie O’Farrells Bücher regelrecht erarbeiten müsse. Dabei bin ich bisher in ihre Geschichten stets von einem Trichter eingesogen wurden. Also erarbeiten. Die Gedanken ordnen, die Verwirrung beiseiteschieben. Konzentration auf all das, was die irische Autorin auszeichnet.

„Land“ entführt uns ins Jahr 1865. Eine irische Halbinsel. Dort treffe ich auf Liam und seinen Vater Tomás. Dieser arbeitet als Vermesser für die sogenannten Rotröcke – die Soldaten der britischen Besatzer. Er legt Karten an und ermisst so das irische Land. Sein Sohn hilft ihm dabei und entdeckt einen Abschnitt, der es wahrlich in sich hat. 

Eine Magie, die Liam alles vergessen lässt. Der Vermessungsstab fällt auf den Boden, er rennt los und verliert schließlich sogar seine Stiefel im Moor. Als er wie ein Schlammmonster aus dem Hain wieder rauskommt, wartet bereits sein Vater aufgeregt auf ihn. Und will sofort Liams Sachen zurückholen. So wirft er sich in den moorigen Hain und kehrt nicht zurück, bleibt verschollen.

Danach ist nichts mehr, wie es war. Liam sitzt beunruhigt bei der Witwe, die ihnen ein Obdach bietet. Ein Suchtrupp wird losgeschickt und kehrt ohne Tomás zurück. Nach drei Tagen taucht er plötzlich wieder auf, scheint wie verwandelt. Was ist passiert?

Werde ich naturgemäß nicht verraten. Aber wer die irische Autorin kennt, weiß, dass sie eine Grenzgängerin zwischen der sogenannten Realität und dem Übersinnlichen ist.

Wie gesagt, dieser fulminante Roman braucht Zeit. Aber wer geduldig ist, wird reich belohnt. Neben Liam und Tomás bietet die Geschichte noch weitere, starke Figuren: Tomás Frau Pinha, die er als Kind im Armenhaus getroffen und sofort eine Verbindung gespürt hat. Rose und Enda, die beiden Töchter, sind ebenso typisch irische Charakterköpfe wie der eigensinnige und sprachlose Eugene, der letzte im Bunde der Familie. Tief berührt folge ich allen. Begeistert von der sinnlichen wie poetischen Sprachkraft der Autorin. Übrigens kongenial übersetzt von Nikolaus Hansen und Kathrin Razum.

 

Land

von Maggie OFarrell, Maggie O'Farrell

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Ungebetene Gäste
Frank Menden

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Es beginnt alltäglich. Eine junge Mutter bietet dem in ihrer Wohnung arbeitenden Handwerker einen Kaffee und Kekse an, ihr einjähriger Sohn wuselt um sie herum.
Naomi versucht ihr Unbehagen gegenüber dem freundlichen und dem kleinen Uri sehr zugewandten Mann zu überspielen - und dann ist es passiert : in einem unbeobachteten Augenblick hat Uri den Hammer des arabischen Arbeiters vom Balkon gestoßen, ein sich auf der Straße befindender Jugendlicher wird von ihm erschlagen.
Schnell kochen die Emotionen hoch, von einem Attentat ist die Rede.
Naomi löst das Missverständnis nicht sofort auf, stellt sich dann aber doch der Polizei.
Aber die Schuldgefühle wird sie auch nach einem etwas überstürzten Umzug nach Lagos nicht los, wie auch die Familien der anderen Beteiligten nicht zur Ruhe kommen…

Ayelet Gunder-Goshen verhandelt in ihren Romanen mit psychologischen Geschick Fragen der Moral. So auch ihr neuer Roman „Ungebetene Gäste“ , übersetzt von Ruth Achlama.
Eindringlich schildert sie, wie sich eine Gemengelage aus Schuld, Mitgefühl, unausgesprochenen Geheimnissen und bewusstes Wegsehen vor den Konsequenzen des eigenen Handelns zu immer neuen Konflikten führen.
Mich hat dieses Buch einmal begonnen nicht mehr losgelassen. Spannend wie ein Krimi, von einer mitreißenden Stringenz, zeigt Ayelet Gunder-Goshen wie sehr Lügen, und seien sie auch noch so gut gemeint, unser Leben prägen und zu zerstören im Stande sind. Und das selbst in bester Absicht ausgeführte Handlungen oftmals verheerende Folgen haben können, niemand moralisch überlegen ist.
Beeindruckend und nachdenklich stimmend.

Ungebetene Gäste

von Ayelet Gundar-Goshen

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Die Welt in der ich lebte
Frank Menden

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„Ich kehrte in die Wohnung der Krempkes im dritten Stock zurück, in das kleine Zimmer, das sie an mich vermietet hatten, weil Herr Krempke arbeitslos war. In meine Einsamkeit inmitten der großen Stadt.“

1949 hat Ilse Losa ihren ersten Roman „Die Welt in der ich lebte“ auf Portugiesisch geschrieben. Es ist eine Folie ihrer Erinnerungen an die Kindheit und Jugend in der niedersächsischen Provinz und das Erwachsenwerden unter der zunehmenden Bedrohung des Antisemismus im aufkommenden Nationalsozialismus.

Es ist einer dieser Romane, die einen von den ersten Sätzen an überzeugen und der einen bis zum letzten Satz nicht mehr loslassen wird.

In Portugal gehört der Roman, der nun Weidle Verlag & Wallstein Verlag in der Übersetzung von Maralde Meyer-Minnemann (unter Mitarbeit der Autorin ) wieder aufgelegt wurde, zur Schullektüre.
Ilse Losa hat nach ihrer Flucht 1934 in Portugal als Lektorin und Übersetzerin bei portugiesischen Verlagen für deutsche Literatur tätig als auch bei deutschen Verlagen für portugiesische Literatur.
1991 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Ich kann diese eindringliche, leise erzählte Werk nur aufs nachdrücklichste empfehlen. Wie Ilse Losa den Lebensweg ihrer Protagonistin Rose Frankfurter schildert ( und damit auch ihren eigenen ), wie diese mehr und mehr begreift und erlebt, wie ihre Lebensrealität mehr und mehr auseinanderbricht - das ist emotional aufwühlend und aufgrund der aktuellen politischen Lage so erhellend wie wichtig.
Für mich eine große (Wieder-) Entdeckung!

Die Welt in der ich lebte

von Ilse Losa

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Was wir von ihr wissen
Frank Menden

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„Sue. Suze. Susie Q. Susannah in the Morning. Mom. Wie viele tausend Facetten war sie für ihn gewesen - in unterschiedlichen Stimmungen, unterschiedlichen Momenten. Wie viele Wörterbücher ihrer gemeinsamen Sprache waren mit der Zeit verloren gegangen?“

Als sich Susan und Al kennenlernen treffen zwei Welten aufeinander: hier der ernste, ruhige Akademiker, dort die ehrgeizige junge Schauspielerin. Es ist Liebe auf den ersten Blick, die offensichtlichen Gegensätze ziehen sich an und anfangs scheint alles machbar, beider Karrieren nehmen Fahrt auf.
Die Geburt der Zwillinge Viola und Sebastian stellt das Paar vor neue Herausforderungen, denn Susan will ihre Karriere als Serienstar nicht aufgeben, was Al mit seinem Wunsch nach einem traditionellen Familienbild vor den Kopf stößt. Susan führt fortan zwei Leben: in Hollywood steht sie vor Kamera, in Neuengland ist sie die von allen beäugte Ehefrau und Mutter, ein strahlender Fremdkörper, eine Wandlerin zwischen diesen so unterschiedlichen Welten…

Rebecca Fallon beginnt ihren Roman „Was wir von ihr wissen“ @mareverlag , übersetzt von Juliane Zaubitzer, mit Susans Beerdigung. Sie ist jung gestorben, an Krebs, Al fühlt sich verloren, die Zwillinge sind zu klein, um zu verstehen, wer ihre Mutter außerhalb des gemeinsamen Lebens war - und Al tilgt alle Spuren ihres beruflichen Lebens.
Geschieht dies aus reiner Rücksichtnahme seinen Kindern gegenüber, denn Susans Serie und der von Ihr verkörperte Charakter sind nicht für kleine Kinder geeignet, oder versucht er die Deutungshoheit über das Bild seiner Frau zurückzugewinnen? Und was macht diese Entscheidung mit Viola und Sebastian, wie wirkt es sich auf deren Entwicklung aus?

Rebecca Fallon beschreibt in ihrem Roman die großen Erwartungen, die Menschen aneinander haben, als Liebende, Familie oder Freunde. Dabei schildert sie die Ereignisse nicht chronologisch, sie springt zwischen den Jahren 1983 und 2012 hin und her, wechselt die Perspektiven.
Das verdichtet diesen Familienroman sehr effektiv, führt allerdings zu Beginn der Lektüre dazu, dass man sich erst etwas einlesen muss.
Ist man aber erst einmal „drin“ in der Geschichte kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Eine emotionale Achterbahnfahrt, gut beobachtet, mit präzisen Charakterzeichnungen.

Was wir von ihr wissen

von Rebecca Fallon

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Der Portier
Frank Menden

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New York City, Manhattan, Central Park West. Hier steht das „Bohemian“, ein legendäres Gebäude, bewohnt von den Reichen und Schönen der Stadt. So wie Emily Longworth, Ehefrau eines der reichsten Männer Amerikas, ihrem Mann in tiefer Abneigung zugetan, schon lange bevor sie über seine dubiosen Geschäfte und Beziehungen Bescheid wusste. Eine Scheidung ist allerdings kein Ausweg, da die finanziellen Einbußen zu groß wären. Immerhin bietet ein Liebhaber die nötigen Glücksmomente in einem zunehmend hohler werdenden Leben. Der Kunsthändler Julian Sonnenberg wiederum sieht sich mit dem Absturz in die gesellschaftliche Irrelevanz konfrontiert, was ihn angesichts der Ignoranz seiner Familie und der Bedrohung durch eine Herzerkrankung jedoch nicht mehr sonderlich interessiert.

Und dann ist da noch Chicky, der Portier des „Bohemiam“, verwitwet, hoch verschuldet durch die horrenden Arztkosten, die die Krankheit seiner Frau ergeben haben - und der zum ersten Mal seit 28 Jahren mit einer Waffe zur Nachtschicht erschienen ist. Währenddessen kocht die Stimmung in der Stadt, denn kurz zuvor sind zwei Schwarze durch Polizeigewalt gestorben…

Chris Pavones „Der Portier“ - erschienen beim Kampa Verlag und übersetzt von Karin Dufner - ist ein wahrlich furioser Gesellschaftsroman, der die Klassenunterschiede in Amerika seziert und mit seinem Insiderwissen über New York auf scharfsinnige Art und Weise bestens unterhält. Pavone hat seinen Plot die ganzen 560 Seiten perfekt im Griff , bietet Spannung, unvorhergesehene Wendungen und bissige Gesellschaftskritik.
Kein Wunder, dass John Grisham, Karen Slaughter, Lee Child und Stephen King große Fans dieses Romans sind, der mich auch immer wieder an den modernen Klassiker „Fegefeuer der Eitelkeiten“ von Tom Wolfe erinnert hat.

Ein wahrlich fulminanter New York Roman, oszillierend zwischen Thriller und Gesellschaftsroman.
 

Der Portier

von Chris Pavone

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Mein wahrer Name ist Elisabeth
Frank Menden

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Als die 18jährige Adele kurz nach ihrem Geburtstag von ihren Großeltern zu einem Gespräch gebeten wird, geht sie in Erwartung einer kleinen Standpauke zu ihnen, ist sie doch beim Cannabis Konsum erwischt worden.
Die Großeltern haben jedoch anderes in Sinn. Sie erzählen Adele von psychischen Vorbelastungen in der Familie, bleiben jedoch nebulös und warnen eindringlich von der Einnahme von Rauschmitteln, da diese die Veranlagung auslösen könnten. Adele beginnt auf eigene Faust nachzuforschen und entdeckt, dass ihre Großmutter Elisabeth „Betty“ jahrzehntelang Patientin in einer geschlossenen Psychiatrie war und dort einer Lobotomie unterzogen wurde. Warum hat niemand in ihrer Familie je über Betty geredet? Warum liegt ein bleierner Mantel des Schweigens über ihrem Schicksal?

„Mein wahrer Name ist Elisabeth“ von Adele Yo - erschienen beim Berlin Verlag und übersetzt von Sula Textor - ist eine überaus fesselnde Mischung aus literarischer Autobiografie und wissenschaftlicher medizinhistorischer Recherche. Die Autorin nimmt das Schicksal ihrer Urgroßmutter zum Anlass aufzuzeigen, was es im 20. Jahrhundert bedeutete, als Frau in die Fänge der Psychiatrie zu geraten, allein weil sie sich den Strukturen des Patriarchats widersetzten.

Adele Yon erzählt nicht chronologisch, die Struktur des Buches ist ihren Recherchen untergeordnet und manche medizinische Passage war für mich etwas zu lang .
Dennoch sollte dieses Buch gelesen werden, denn die Relevanz der Thematik für die heutige Zeit ist unübersehbar.
Der Verzicht auf jegliche Sentimentalität trotz der persönlichen Betroffenheit Adele Yons macht dieses Buch besonders beeindruckend und ergreifend.

Mein wahrer Name ist Elisabeth

von Adèle Yon

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Mein Mann
Frank Menden

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Über Maud Venturas Debütroman „Mein Mann“ zu schreiben ist nicht gerade einfach. Denn die volle Kraft dieses preisgekrönten ( in Frankreich 2021 auch dazu das erfolgreichste Debüt des Jahres) entfaltet sich erst nach dem Ende. Und was bitte ist das für ein Ende für diese im Zeitraum einer Woche erzählten Geschichte einer Frau, die ein scheinbar perfektes Leben führt, als Lehrerin und Übersetzerin arbeitet, zwei wohlerzogene Kinder hat und einen Mann , den sie auch nach 15 Jahren noch so liebt wie am ersten Tag?
Warum also stellt sie ihn immer wieder auf die Probe , worin liegt ihre geradezu obsessiv zu nennende Freude an der Manipulation der Gefühle ihres Mannes?

Ich habe diesen von Michaela Messner vortrefflich übersetzten Roman geradezu inhaliert. Zuerst mit zunehmenden Befremden, doch dann immer faszinierter bis zum wirklich grandiosen Ende.

Ich kann nur raten, sich auf diesen sicherlich polarisierenden - und sehr französischen - Roman einzulassen.
Für mich einer der besten und überraschendsten in diesem Herbst!

Mein Mann

von Maud Ventura

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Wirf einen Schatten
Simone Finkenwirth

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„Man muss sich erlauben, der Mensch zu sein, der man sein will.“ Dieser kluge Satz von Elena Fischer hängt immer noch in meinem Kopf wie ein liebgewonnenes Kleidungsstück auf dem Wäscheständer. Er steht exemplarisch für den Kern des zweiten Romans der Autorin.

Mit „Paradise Garden“ stand die Autorin auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde vom Buchhandel als Lieblingsbuch nominiert. Das zweite Buch ist stets ein besonderes, vor allem, wenn das Debüt ein großer Wurf war.

Dieses Mal hat Elena Fischer ein anderes Setting gewählt. Einerseits macht sie einen Schritt nach hinten, setzt ihre Geschichte in die Vergangenheit, Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre. Andererseits hat sie als Hauptfigur ein Mann gewählt.

Joseph beschließt am Heiligabend, sich das Leben zu nehmen. Gerade, als er abdrücken will, klingelt es an der Tür. Dort steht ein Engel. Birdie ist erschöpft und fällt geradewegs in Josephs Arme. Dieser nimmt sich der jungen Frau mit dem großen Hut und den verschissenen Klamotten an. Vergessen ist der eigene Weltschmerz. Was wir noch nicht wissen, ist Birdies Rolle: Sie wird Josephs Leitstern.

Elena Fischer wechselt die Zeitebenen, bringt Licht in Josephs scheinbar dunkles Leben und zeigt, warum er der geworden ist, der er heute ist. Was ihn mit seiner Frau Lis verbindet und was sie trennt. Sie hat ihn mit ihrem gemeinsamen Sohn verlassen. Lis war ihm einen Schritt voraus, sagt Birdie. Überhaupt Birdie, die sich selbst so nennt, weil… „Wenn man ein Vogel ist, geht einem niemand auf die Nerven. Und wenn doch, dann fliegt man einfach davon.“ Auch über ihr liegt ein dunkler Schatten, denn sie ist auf der Flucht vor den Eltern und deren Vorstellungen über ihr Leben, was sie ablehnt. Als man sie entdeckt, muss sie flüchten, und bekommt bei Josephs Freundin Ada Unterschlupf. Ada ist die vierte Komponente in diesem Kosmos - Lis‘ Schwester und womöglich noch mehr…

„Wirf ein Schatten“ ist ein Buch, das wir gerade brauchen. Eine wärmende Hommage an den Zusammenhalt, Fürsorge und an vielen Stellen sehr lebensklug wie wohltuend. Hier liegt ein Nebel aus Melancholie, und doch verhindert eine Leichtigkeit des Textes, dass wir tief fallen und vergessen, was Hoffnung ist. Ein Wintermärchen mitten im ausklingenden Sommer.

Wirf einen Schatten

von Elena Fischer

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Das Ding der Unmöglichkeit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wir vermissen die Krimibestenliste von Deutschlandradio Kultur! Sie setzt diesen Monat aus. Also müssen Sie mit unseren Tipps Vorlieb nehmen. „Das Ding der Unmöglichkeit“ von Belinda Bauer wäre tatsächlich eine heiße Kandidatin für diese beliebte Liste.

Paula Hawkins, Ann Cleeves und Val Mcdermit sind voll des Lobes für ihre Kollegin, und das nicht ohne Grund. Denn der Kriminalroman ist ein außerordentliches Exponat im Genre der Spannungsliteratur. Das Buch überzeugt weniger durch rasant peitschende Plots, dafür viel mehr durch die außerordentliche Geschichte, die meine Kollegin Sarah O’Connor weit vor der deutschen Übersetzung mit leuchtenden Augen aufgelesen hat.

Es geht um Eier. Nicht die aus dem Supermarkt, sondern seltene wertvolle Lummen-Eier. Hierbei handelt es sich um Alkenvögel, die am Meer leben und nisten. Die Eier haben eine besondere Form und Farbe. Und sind bei Sammlern heiß begehrt. Solch ein seltenes Exemplar findet Neird Nick auf dem Dachboden. Er setzt es im Internet zum Verkauf rein – und genau das wird ihm zum Verhängnis. Als sein Freund Patrick ihn gefesselt zu Hause vorfindet, beginnt eine unglaubliche Reise für die beiden wie für uns Lesende.

Belinda Bauer verknüpft raffiniert zwei Handlungsstränge. Einerseits folgen wir Neird Nick und Patrick auf ihrer Jagd, die beiden Freunde erwärmen sofort mein Herz. Sie sind sehr eigen, vor allem Weid Nick, wie sein Name allein schon verrät.

Andererseits reisen wir ins Jahr 1926 – zum Ursprung der Lummen-Eier. Die sammelt die kleine Celie an der Küste von Yorkshire ein, und wird bald zur Dealerin für einen zahlungskräftigen Sammler George Ambler.

Voller Witz und Einfallsreichtum zieht uns Belinda Bauer durch ihre Geschichte und beweist, wie besonders und vielseitig das Genre der Krimiliteratur sein kann. Großen Dank gebührt dem Verlag Antje Kunstmann für diese Entdeckung und Conny Lösch für die Übersetzung!

Das Ding der Unmöglichkeit

von Belinda Bauer

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Die Komponistin
Simone Finkenwirth

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Wir kennen sie alle: Chopin, Bach, Debussy, Mozart. Aber wem ist Mélanie Bonis vertraut? Für mich eröffnet die französische Autorin Alissa Wenz ein neues Kapitel in der Geschichte klassischer Musik. Sie wurde am 21. Januar 1858 geboren, und starb am 18. März 1937.

Sie ist die Erste, die sich ans Klavier in ihrem Zuhause, Nummer 18 Rue Montmatre setzt. Und bald schon das spürt, was alle Kunstschaffenden fühlen, wenn sie in ihrer Oase ankommen: eine tiefe Zufriedenheit und Frieden.

Das Mädchen spielt, wenn es allein ist, erkennt die Patzer und korrigiert sich, baut sich ein Fundament und neues Standbein. Die Mutter verfolgt indes andere Pläne mit ihrer musischen Tochter. Doch als ein Freund der Familie das Talent des Mädchens erkennt, ermutigt er die Eltern, Mélanie am Konservatorium anzumelden. Mélanie besteht die Aufnahmeprüfung mit Leichtigkeit. Genau dort trifft sie auf ihre große Liebe und Muse, den Sänger und Lyriker Amédée-Louis Hetrich. Die beiden verlieben sich. Sie wollen heiraten, aber die Familie will eine bessere Partie. Und arrangiert die Ehe mit einem 20 Jahre älteren Unternehmer. Das führt die junge Frau in eine tiefe Krise. Sie bricht ihr Studium ab, und die innige Verbindung zum Klavier.

Als Jahre später Amédée aus Italien zurückkehrt, erblüht die verwelkte Blume in Mélanies Seele erneut. Amédée schreibt Gedichte, die sie vertont. Sie reicht als Mel Bonis ihre Kompositionen ein, wird ausgezeichnet. Doch wie lange können sie ihre verbotene Beziehung geheim halten?

Alissa Wenz selbst ist Komponistin, das spüre ich mit jedem Satz. Sie erschafft eine eigene Melodie, hat sich für eine besondere Erzählperspektive entschieden, und erzeugt damit einen Klangraum, der mitten hinein führt in den Geist einer Komponistin. Gleichwohl erzählt sie eine beeindruckende Emanzipationsgeschichte. Zwischen Liebe, Wut, Leidenschaft entlädt sich eine Energie, die Unglaubliches kreiert. 

So klingt „Die Komponistin“ lange noch nach, was auch der kongenialen Übersetzung von Alexandra Baisch zu verdanken ist.

Die Komponistin

von Alissa Wenz

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Löwe
Frank Menden

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Es gibt Bücher, bei deren Lektüre man spürt: dieser Text musste geschrieben werden, hier schreibt sich jemand etwas von der Seele.
„Löwe“ vpm Sonya Walger, erschienen bei Suhrkamp in der Übersetzung von Tanja Handels ist so ein Text. Und ich spreche bewusst von einem Text, auch wenn der Verlag „Roman“ auf den Schutzumschlag gedruckt hat, denn diese Mischung aus Memoir, Familiengeschichte und Autofiktion entzieht sich für mich jeglicher Einordnung, was eine große Stärke dieses Buches ist.

Der titelgebende Löwe ist der Vater der Autorin und Schauspielerin ( die ich vor allem als Molly in „For all mankind“ gefeiert habe) - und er ist die meiste Zeit ihres Lebens abwesend.
Ein Mann, dessen Lebenshunger grenzenlos und faszinierend ist, der ständig neue Jobs hat, mit dem Gesetz in Konflikt gerät, immer wieder neue Beziehungen eingeht, auch diese wieder hinter sich lässt, mit weiteren gezeugten Kindern, denen er eine Leerstelle hinterlässt.
Der Vater als Verweigerer der Vaterrolle, als Versager, als Verräter, als Vakuum.
Sonya Walger erzählt nicht chronologisch, sie lässt sich von ihren Erinnerungen leiten, was die Lektüre manchmal durchaus fordernd macht, muss man sich doch oft zeitlich neu orientieren und Geschildertes einordnen.
Dies stört aber aufgrund der Brillanz dieses Textes überhaupt nicht. Selbst komplexeste familiäre Dynamiken werden mit präziser Klarheit beschrieben und man kann im Verlauf der Lektüre immer besser verstehen, welche Faszination von diesem Mann ausgeht - und warum man ihm trotzdem nie wirklich nahekommt. Weder die Tochter, noch wir Lesende. Und das ist in gleichen Teilen irritierend und berührend.

„Ich bin ein kleines Kind und weiß bereits, dass die Liebe meines Vaters absolut ist und trotzdem unpräzise, dass er sich mit den Einzelheiten meines Lebens nicht recht auskennt, weil er das Alltägliche geringschätzt, weil sich seine Aufmerksamkeit immer auf etwas richtet, was direkt hinter dem Horizont liegt.“
 

Löwe

von Sonya Walger

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Unerwünschte Töchter
Frank Menden

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Am Anfang steht ein alter Bücherschrank aus Kirschholz. In ihm findet die Autorin Tagebücher und Notizen ihrer Vorfahrinnen. Diese bilden den Ausgangspunkt für eine Familiengeschichte, ihre eigene Familiengeschichte: die Geschichte von Margarethe, Marianne, Monika und Miriam.
Vier Frauen, deren Leben von historischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt wird, von der Enge der tradierten Normen. Vier Frauen, die jeweils ihren Platz in ihrer Welt suchten, deren Schicksal, so individuell es auch ist, doch exemplarisch für viele Frauen ihrer Generation steht.

„Unerwünschte Töchter“ von Miriam Carbe, erschienen im Hanser Verlag steht völlig verdient auf der Longlist des Deutschen Buchpreis.
Die Autorin verbindet reale Dokumente, Auszüge aus Tagebüchern und Fiktion zu einer starken und berührenden Innenperspektive. Sie erzählt klar und präzise, ohne Pathos, was viele Szenen gerade deswegen besonders eindrucksvoll macht. Dabei zeigt sie auch ein gutes Gespür für die historischen Details und kulturellen Signets der jeweiligen Epoche.
Der Einstieg in diesen 576 Seiten starken Roman fiel mir nicht leicht, aber als ich dann in der Geschichte war, haben mich diese vier Frauen nicht mehr losgelassen.
Die Art und Weise wie hier ein ganzes Jahrhundert erlebbar gemacht wird, wie familiäre Muster aufgezeigt werden und vor allem wie diese vier Frauen ihr Leben gelebt haben und leben hat mich zutiefst beeindruckt. Denn Miriam Carbe bleibt immer ehrlich, zeigt die gegenseitigen Verletzungen trotz aller Bemühungen es doch besser zu machen als die Generation zuvor.


Ein rundum gelungenes Buch.

Unerwünschte Töchter

von Miriam Carbe

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Schwebende Lasten
Frank Menden

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„Der gelungene Strauß ist einfach gehalten, in der Gestaltung wie in der Fertigung. Auf die innere Ordnung ist zu achten. Aber was sie gelernt hatte, vergaß sie im Leben oft genug und mit Absicht.“

Es gibt wenige deutschsprachige Romane, die dieses Jahr so viel positive Kritik erhalten haben wie „Schwebende Lasten“ .
Kein Wunder, denn dieser Roman ist so hervorragend beobachtet wie geschrieben.
Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna ist eine Frau, der im 20. Jahrhundert wenig erspart bleibt.
Sie erlebt zwei Weltkriege, durchlebt alle Irrungen und Wirrungen ihrer Zeit, erlebt viele persönliche Niederlagen und wenig Triumphe, bringt sechs Kinder zur Welt, packt an was anzupacken ist. Sie ist eine normale Frau in einer sehr unnormalen Zeit, durchaus emanzipiert, aber doch ganz ein Produkt ihrer jeweiligen Lebenswelten.
Magdeburg ist ihre Stadt, Blumen bleiben lebenslang ihre Leidenschaft, werden durch eine Begegnung ein kleines Fenster in eine andere, kultiviertere Welt.
Annett Gröschner erzählt dieses Leben detailliert und voller Empathie, sehr real und lebendig und trotz der Härte mit Charme und einer gewissen Portion leiser Heiterkeit.
Sie hat so einen Roman geschaffen, der individuell und exemplarisch ist, und dem man direkt auf der allerersten Seite vollkommen verfällt.
Man ist ja manchmal misstrauisch, wenn allenthalben Lobeslieder gesungen werden.
Braucht man in diesem Falle nicht zu sein.
Sie stimmen !

Schwebende Lasten

von Annett Gröschner

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Die erste halbe Stunde im Paradies
Frank Menden

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„Drei sind eine Party.“
Und was für eine Party ist die kleine, aufeinander eingeschworene Dreierfamilie. Die Mutter Sängerin und Musikerin, immer zu haben für Spontaneität und „verrückte“ Ideen. Und ihre beiden Kinder: die kleine Anne und der große Kai.
Sie sind füreinander da, ohne wenn und aber und Anne bedauert alle, die nicht so einen tollen Bruder haben wie sie.
Die chronische Krankheit der Mutter führt die Familie nach Flensburg, des Klimas wegen. Doch auch das vermag den stetig voranschreitenden körperlichen Verfall der Mutter nicht aufzuhalten. Immer mehr werden Anne und Kai in die Verantwortung genommen, immer mehr leisten sie, halten alles im wahrsten Sinne am laufen. Drei Menschen, die füreinander da sind . Bis….

Was ist passiert, dass aus den Geschwistern, zwischen die kein Blatt Papier passte, zwei einander Fremde wurden? Warum gab es jahrelang keinerlei Kontakt, keine Verbindung mehr? Bis zu diesem Anruf auf dem Teambildungsevent in Hamburg, bei dem die erfolgreiche Pharmareferentin Anne eigentlich nur die nötigen Punkte für den nächsten Karriereschritt sammeln will - und sich stattdessen der Vergangenheit stellen muss.

„Die erste halbe Stunde im Paradies“ ist der zweite Roman von Janiune Adomeit - und er ist vollkommen verdient das NDR Buch des Monats Februar 2025.
Mit leichter Hand erzählt die Autorin von Loyalität, Verantwortung und Überlastung, von Liebe und den Konflikten die aufbrechen, wenn die Fürsorge die eigenen Bedürfnisse vollkommen überlagert.
Wie Janine Adomeit es schafft diese Themen vollkommen ohne Kitsch und Klischees, eindringlich und bewegend, voller Empathie und leisem feinen Humor zu verhandeln, das sollte unbedingt gelesen werden.
Ein tröstliches Buch voller Hoffnung, das ist diese erste halbe Stunde im Paradies!

Die erste halbe Stunde im Paradies

von Janine Adomeit

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Honey
Simone Finkenwirth

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Was für ein unglaubliches Buch! Ich bin immer noch fassungslos und gleichwohl begeistert über das Debüt einer Buchhandelskollegin. Imani Thompson hat nach ihem Soziologiestudium bei 𝘋𝘢𝘶𝘯𝘵𝘉𝘰𝘰𝘬𝘴 in London gearbeitet. Ihre Hauptfigur lebt und arbeitet in Cambridge, genau dort hat die Autorin ebenfalls studiert.

Yrsa schreibt ihre Doktorarbeit über 𝘈𝘧𝘳𝘰𝘱𝘦𝘴𝘴𝘪𝘮𝘪𝘴𝘮𝘶𝘴𝘪𝘮𝘉𝘦𝘧𝘳𝘦𝘪𝘶𝘯𝘨𝘴𝘬𝘢𝘮𝘱𝘧 𝘢𝘧𝘳𝘪𝘬𝘢𝘯𝘪𝘴𝘤𝘩𝘦𝘳𝘍𝘳𝘢𝘶𝘦𝘯. Sie selbst ist die Tochter von karibischen Einwanderern und im Alltag dem Mikro-Rassismus ausgesetzt. Zudem unterrichtet Yrsa Studierende, und hat zu Beginn eine Konfrontation mit einem Studenten, die ihr später wie ein schlechter Rülpser aufstoßen wird.

Bei einem zufälligen Treffen mit einem Professor passiert etwas Erschreckendes. Als dieser von seiner Frau angerufen wird und kurz abgelenkt ist, schnippt sie eine Biene in dessen Glas. Wenn Richardson gestochen wird, wäre dies die gerechte Strafe für das, was er Yrsas Freundin angetan hat, denkt sie. Er hat eine Affäre mit Nina, war mit ihr sogar auf Recherchereise und verwendet deren Ergebnisse, präsentiert sie als seine. Das macht Yrsa natürlich wütend, zurecht. Richardson wird gestochen. Was Yrsa nicht weiß, er ist allergisch gegen Bienenstiche.  Keiner sieht sie, Yrsa greift nicht ein, und lässt diesen Mann vor ihren Augen sterben. Krass!

Damit setzt Yrsa etwas in Gang. Sie spürt ein Hochgefühl, das sie fortan nicht loslassen und zu weitere Taten verleiten wird. Gut durchdacht und mit dem Wissen ihr vertrauter Soziologen und Menschen, auf die sich stets bezieht.

Imani Thompsons Antiheldin tötet nicht einfach so, sondern mit Hintergedanken. Spürt sie doch einen großen Zorn auf überhebliche, gemeine Männer und dem Rassismus. Die Autorin findet für Letzteres einen wahren erschütternden Satz: „𝘔𝘢𝘯 𝘬𝘢𝘯𝘯𝘥𝘦𝘯𝘚𝘤𝘩𝘮𝘦𝘳𝘻𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵𝘷𝘰𝘮𝘚𝘤𝘩𝘸𝘢𝘳𝘻𝘴𝘦𝘪𝘯 𝘵𝘳𝘦𝘯𝘯𝘦𝘯.“

„Honey“ hat es wirklich in sich! Man könnte den Roman als reinen College-Roman mit einer Serienmörderin lesen. Doch das wäre zu flach, und würde Yrsa nicht gefallen. Ist doch jede Tat bestens vorbereitet und bekommt Rückendeckung von den großen Denker:innen, die sie in ihre Gedankengänge miteinbezieht.

„Honey“ steht exemplarisch für die sogenannte 𝘞𝘦𝘪𝘳𝘥𝘎𝘪𝘳𝘭𝘓𝘪𝘵𝘦𝘳𝘢𝘵𝘶𝘳𝘦 die man mögen muss. Ich mochte jede Seite, trotz des Unbehagens, das wie ein aufkommendes Sommergewitter kontinuierlich zunimmt und ein raffiniertes Teil dieses Gesamtkunstwerkes ist.

Ideal für Buchkreise und für junge Lesende ab 18 Jahre!

Honey

von Imani Thompson

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Contrapposto
Simone Finkenwirth

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Ich wollte in „Contrapposto“ von Dave Eggers förmlich hineinkriechen. So wohltuend empfand ich die Geschichte, die mir der Bestsellerautor von „The Circle“ präsentiert hat. Anders als bei seinem Bestseller verzichtet der amerikanische Autor hier auf schnelle Plots und rasante Wendungen. Fast in Zeitlupe betrachtet er das Leben des talentierten Cricket und seiner Lebensfreundin Olympia.

Cricket wächst in prekären Verhältnissen auf. Der Liebhaber seiner Mutter ist toxisch und alles andere als fürsorglich. Aber Cricket hat sich seine eigenen Fluchten geschaffen: seine Malerei, die Bibliothek und vor allem seine Freundin Olympia, die sich selbst als Reinkarnation von Albert Camus empfindet. Olympia erkennt das Talent ihres Freundes und versucht ihn zu fördern, den Eigenbrötler aus seinem selbstgezimmerten Elfenbeinturm zu holen. Sie ermuntert ihn, aus der Kleinstadt auszubrechen, in der sie leben. Und muss Cricket gar nicht groß überzeugen. Er will nach Europa, bei einem Meister in die Lehre gehen. Zunächst gönnt er sich zunächst einen Kurs in Aktmalerei. Dort lernt der Fünfzehnjährige viel, die Zeichnungen finden sich in dem Buch.

Während Olympia alles vermarkten und eine künstlerische Plattform gründen will, bleibt Cricket eher im Hintergrund, arbeitet später sogar für den erfolgreichen Kyle als Zuarbeiter. Das zollt von großer Stärke. Denn buhlt nicht jeder Künstler nach Anerkennung für sein Schaffen?

Der Roman zelebriert die Kunst und würdigt sie auf einzigartige Weise. Eggers zeigt, was sie ausmacht – und mit ihr die Menschen, die sie kreieren. Obendrein ist die Geschichte eine Hommage an die lebenslange Freundschaft. Eine von der Sorte, die wir uns alle wünschen.

Es würde mich nicht wundern, wenn Leute „Contrapposto“ das Label Wohlfühllektüre verpassen. Was dem vielschichtigen Roman nicht gerecht wird. Dennoch ist es eine enorm wohltuende Lektüre. Und erweist sich als Gegenentwurf zur schnelllebigen, oft ja geradezu hysterischen Welt von heute.

Und wenn Sie sich fragen, was „Contrapposto“ bedeutet – es steht in der Bildhauerei für das Nebeneinander von Stand- und Spielbein einer menschlichen Figur zum Ausgleich der Gewichtsverhältnisse. Gleichzeitig ist die Sache mit dem Stand- und Spielbein auch zum geflügelten Wort geworden, zum Synonym für das innere Gleichgewicht von Menschen. Eggers bedient beides in seinem Roman. Und am Ende möchte man sich fast als Modell in diese Pose bringen. Nur um der Schönheit willen. Der Schönheit der Kunst. Auch der Worte. Ein Balanceakt, den Dave Eggers perfekt beherrscht. 

Andrea O'Brien hat den Roman aus dem Englischen ins Deutsche übertragen.

Contrapposto

von Dave Eggers

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