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Empfehlungen aus Taschenbuch

Hammerfrau
Frank Menden

Frank Menden

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„Nein, ich war nicht leichtsinnig, sicher nicht. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich bin es leid, mir diese Frage zu stellen. Oder sie gestellt zu bekommen. Aber es war genau diese Frage, die mir viele gestellt haben, ohne sie auszusprechen. Ich habe sie in ihren Blicken gesehen.“

Julia steht kurz vor ihrem Durchbruch als Sopranistin als ein kleiner Gang durch den Park alles verändert. Hier wird sie von einem ihr unbekannten Mann, dem Plattenverkäufer Thomas, mit einem Hammer attackiert, die Folgen werden sie den Rest ihres Lebens begleiten.

Opfer wie Täter berichten abwechselnd wie es zu dieser Tat kam, wie ihr Leben davor verlief, wie danach.

„Hammerfrau“ von Mario Kreszner ist ein aufrüttelnder Roman. Ein Roman, der genau hinsieht, der beide Perspektiven nicht kommentiert und dessen Sympathien doch klar verteilt sind.
Es ist eine Geschichte, wie sie beinah täglich passiert und die uns alle zwingt genauer hinzusehen.
Und uns vor Augen führt, mit welchem Blick Männer Frauen betrachten.
Absolute Leseempfehlung!

Hammerfrau

von Mario Keszner

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Das Haus der Türen
Frank Menden

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1921 besucht der berühmte Schriftsteller William Somerset Maugham einen alten Freund aus London in Penang. Hier in Malaysia lebt der Anwalt Robert Hamlyn zusammen mit seiner Frau Lesley und freut sich, seinen einstigen Mitbewohner, der von seinem Sekretär - und dies ist schnell klar - und Liebhaber begleitet wird, wiederzusehen.
Der Besuch wird für den von seiner Asienreise erschöpften Schriftsteller allerdings weniger erholsam als gedacht.
Schnell erkennt er, dass es mit der Ehe seiner Gastgeber nicht zum besten steht und je mehr er und Lesley sich annähern, umso mehr erfährt er die Hintergründe dieser langsamen Entfremdung.
Da ist neben Roberts Krankheit, ein durch einen Giftgasangriff im Ersten Weltkrieg verursachtes Lungenleiden, auch Lesleys Zusammenarbeit mit einem bekannten chinesischen Revolutionär.
Und da ist ja auch noch der zehn Jahre zurückliegende Skandal um Lesleys Freundin Ethel, die in einem spektakulären Prozess des Mordes beschuldigt wurde….

Als großer Fan der Werke W. Somerset Maughams ( man sollte unbedingt „Der Menschen Hörigkeit lesen ) war der für den Booker Prize nominierte Roman „Das Haus der Türen“ natürlich ein Muss.
Tan Twan Eng hat einen atmosphärischen Roman über Menschen geschrieben, die Gefangene der Konventionen ihrer Zeit sind. Gleichberechtigung der Frau, Homosexualität und politischer Freiheitskampf sind ebenso seine Themen wie die Manipulation von Menschen durch einen Autoren, der alles ihm anvertraute für sein Werk nutzt.
Somerset Maughams vorherrschendes Thema seiner Romane waren die menschlichen Schwächen, die zum scheitern von Beziehungen führen: Selbstsucht, Stolz, Heuchelei, Feigheit und Angst.
Tan Twang Eng greift dies in seinem hervorragend von Michaela Grabinger übersetzten Roman auf und zeigt uns zudem in einem genialen Twist, wie Literatur ihre Magie entfaltet.
Ein sehr zu empfehlender Roman, nach dessen Lektüre man unbedingt Maughams „The Letter“ lesen sollte.

Das Haus der Türen

von Tan Twan Eng

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Hier draußen
Frank Menden

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„Was hier üblich war und schon immer so, das hatte so zu passieren, und wer das nicht abkonnte, gehörte eben nicht dazu.“

Fehrdorf in Schleswig-Holstein. Hier hat alles und jede(r) seinen angestammten Platz. Nur Ingo und Lara fremdeln noch ein wenig mit dem kleinen Dorf. Der Umzug von Hamburg hierher auf den schönen großen Resthof sollte ihnen und ihren Kindern die Möglichkeit für einen Neuanfang geben. Doch zwischen den Vorzeigelandfrauen, den wortkargen Bauern und den beiden letzten Bewohnern einer einstigen Öko-WG ist es schwer einen Platz zu finden, sich einzuordnen in die tradierte Choreografie des Ortes.
Als Ingo eines Abends einen Wildunfall mit einer weißen Hirschkuh hat und sich Dorfjäger Uwe weigert, dem schwer verwundeten Tier alleine den Gnadenschuss zu geben, da denjenigen, der eine weiße Hirschkuh tötet, innerhalb eines Jahres der Tod ereilt, setzt dies eine Kette von Ereignissen in Gang , die unweigerlich zu Veränderungen führt. Und da ist ja auch noch die Prophezeiung….

Es gibt nur eines, was ich nach der Lektüre von „Hier draussen“ bedaure: dass ich diesen wunderbaren Roman nicht früher gelesen habe.

Martina Behm hat einen Dorfroman geschrieben, der nichts beschönigt, der mit Klischees gleichzeitig aufräumt und sie bestätigt, mit viel Empathie und leisem Humor ihr Sujet betrachtet und das fiktive Fehrdorf mit seinen Bewohnern so lebendig werden lässt, dass man es mit allen Sinnen erfasst.
Der vielschichtige Roman bietet eine multiperspektivische Sicht auf vermeintliche und reale Dorfromantik, auf Beziehungen und Traditionen. Nie gerät der Roman in den Ruch eine thesenhafte Versuchsanordnung zu sein, dafür kennt die Autorin ihr Setting und Personal zu gut.
„Hier draussen“ ist ein Roman über das Land, das Leben - und das Landleben. Mit allen Höhen und Tiefen, allen Facetten und Schattierungen, ohne Kitsch, völlig unsentimental, lebensklug und unbedingt lesenswert!
Wie Max Moor korrekt auf dem Umschlag zitiert wird : „Ein richtig gutes Buch“

Hier draußen

von Martina Behm

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Unter Grund
Frank Menden

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Eine junge Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf und stellt sich dort ihrer Vergangenheit - ihrer rechten Vergangenheit.
Die junge Frau ist Franziska, eine Referendarin, das Dorf liegt in der fränkischen Provinz .
Hier ist sie aufgewachsen, der Vater früh verstorben, die Mutter nach dessen Tod überfordert und sich der Esoterik zuwendend, die Großmutter barsch und verschlossen.
Aus einer zufälligen Begegnung erwächst eine Freundschaft, die Franziska mehr und mehr in rechtsradikale Kreise führt…

„Unter Grund“ erzählt authentisch vom allmählichen abdriften in die Rechte Szene, von rechtem Gedankengut, das unterschwellig im Dorf schwelt und dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt, die alle am liebsten vergessen wollen.
Verdrängen und Schweigen, Wegschauen und -hören wenn es unangenehm wird, das scheint die Devise zu sein. Bis Franziska, die sich mittlerweile von ihrer Vergangenheit distanziert hat (sich aber trotzdem nicht traut mit ihrem neuen Umfeld darüber zu reden) wieder auftaucht und alte Wunden aufbrechen.

Für mich ist dieses Debüt ein überzeugender Blick auf ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit, genau beobachtet, in einem eigenen unverwechselbaren Ton geschrieben und ohne erhobenen Zeigefinger.
Ein Roman, der gelesen werden sollte !

Unter Grund

von Annegret Liepold

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Am Himmel die Flüsse
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Dieses Buch stellt mich vor eine große Herausforderung: In wenigen Zeilen den Inhalt wiederzugeben. Denn Elif Shafaks Roman ist derart weitreichend und voll an Geschichten.

Zunächst trifft mich das Wasser:

"Am Rand der Gewitterwolke hängt ein einzelner Regentropfen - kaum so groß wie eine Bohne und leichter als eine Kichererbse. Eine Weile zittert es bedenklich, das kleine, runde verschreckte Ding, denn es macht Angst, die Erde zu betrachten, die sich dort unten wie eine Lotusblüte öffnet. Dabei ist es wahrlich nicht das erste Mal. Der Tropfen hat die Reise schon oft gemacht - hinauf zum Himmel, hinunter zu festen Boden und wieder hinauf. Doch er fürchtet den Fall immer wieder."

Und dann fällt die erste starke Figur ins Augenlicht: Arthur, König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere, kommt 1840 in ärmlichen Bedingungen in London zur Welt. Er ist arm, dafür reich gesegnet mit Talenten. Genau das wird ihm in der Schule zum Verhängnis. Doch später rettet Arthur genau dies, als er zunächst als Hilfsjunge beim Verlag Bradbury & Evans beginnt. Dort sogar auf Charles Dickens trifft. Seine Neugier führt ihn ins British Museum. Hier verliebt er sich in die Lamassus (assyrische Schutzdämone) und entwickelt für die Tafeln von Ninive geradezu eine Passion.

Dem gegenüber steht Narin im Jahr 2014. Ein neunjähriges Mädchen, das an einer seltenen Krankheit leidet. Narins Familie gehört zu den Eziden. Ihre Großmutter kann Wasserquellen aufspüren, und Menschen heilen. Als sie zu Narins Taufe in den Irak reisen, wird dies ein schrecklicher Wendepunkt im Leben der Familie.

2018 stehe ich an der Seite von Zaleekhah, eine Wasser-Expertin und Wissenschaftlerin, die sich kürzlich von ihrem Mann getrennt hat. Die junge Frau hat seit dem Tod ihrer Eltern eine stete Traurigkeit in sich. Als sie in ein Hausboot zieht und deren Vermieterin kennenlernt, wird das Zaleekhahs Leben verändern.

Wie nun alle Figuren miteinander verbunden sind, das überlasse ich der herausragenden Autorin selbst.

Elif Shafak hat ein unglaubliches Buch geschrieben! Sorgfältig recherchiert, flechtet sie gekonnt menschliche Linien mit ihren Schicksalen ein. Zudem erzählt sie die hochspannende Kulturgeschichte Mesopotamiens und erschüttert uns mit den barbarischen Kriegshandlungen des IS. Schreckliche Szenen, die mich lange beschäftigt haben.

Eine große Fabulierlust durchströmt das Werk. Ich denke an beeindruckende lebenskluge Sätze genauso wie an ihre eleganten Verbindungen vom Punkt zum nächsten Satz. Für mich ist dies eins der großen Werke der Autorin - wenn überhaupt das beste - das es übrigens auch kongenial von Pegah Ferydoni eingesprochen als Hörbuchfassung bei Argon gibt.

Am Himmel die Flüsse

von Elif Shafak

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Drei Tage im Juni
Frank Menden

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Anne Tyler ist immer eine sichere Bank .
Ihr neuer Roman „Drei Tage im Juni“ , übersetzt von Michaela Grabinger, zeigt erneut ihre Meisterschaft.

Die titelgebenden drei Tage im Juni sind die Tage vor und nach der Hochzeit der gemeinsamen Tochter von Gail und Max, sowie der feierliche Tag selbst .
Gail und Max sind schon lange geschieden, haben einen guten Umgang miteinander gefunden.
So ist es für Gail auch völlig okay, Max bei sich über die Hochzeit unterzubringen.
Nicht ganz so okay ist die Ansage ihrer Chefin ihr den Job als stellvertretende Schuldirektorin wegen mangelnder Sozialkompetenz zu kündigen .
Und erst recht nicht okay ist die Tatsache, dass ihre Tochter Debbie am Tag vor der Hochzeit völlig fertig ist, da sie gerade erfahren hat , dass ihr zukünftiger Mann sie wohl vor gar nicht langer Zeit betrogen hat .
Nicht die besten Voraussetzungen für eine strahlende Hochzeit, zu der auch ein recht missglückter Friseurbesuch nicht gerade optimistisch einstimmt …

208 Seiten hat dieser Roman, und jede Seite ist ein Genuss . Anne Tyler hat mit der 61jährigen Gail eine Protagonistin geschaffen, die einem gerade wegen ihrer oftmals etwas brüsken Art sehr schnell ans Herz wächst und die uns mit all ihren Fehlern und Vorzügen wünschen lässt, dass sich alles in ihrem Leben zurechtrücken wird.
Mich hat dieser mit genauem Blick und voller Empathie erzählte Roman für ein paar Stunden völlig in den Bann gezogen und mich wieder darin bestärkt, dass Anne Tyler eine der großen amerikanischen AutorInnen ist.

Drei Tage im Juni

von Anne Tyler

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Bevor wir uns vergessen
Frank Menden

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„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“
Sören Kierkegaard

Alice und Jules, beide 85 Jahre alt, treffen sich auf einer Bank im Jardin du Luxembourg in Paris .
Hier begann vor sechzig Jahren ihre gemeinsame Geschichte, ihre Liebe, die so groß war und ist, dass sie alle Stürme des Lebens überdauert hat. Doch wie ist ihnen dieses Kunststück gelungen? Und wie schauen sie auf die gemeinsame Zeit zurück, jetzt, da die Erinnerungen schwinden….

„Bevor wir uns vergessen“ ist der neue Roman von Eliette Abecassis, übersetzt von Kirsten Gleinig .
Und wie auch schon „Mit uns wäre es anders gewesen“ ( jetzt übrigens zeitgleich als Taschenbuch erschienen) hat mich auch dieser Roman fasziniert und überzeugt.
Die Autorin erzählt die Geschichte von Alice und Jules rückwärts, kommt dem Ursprung ihrer Geschichte in Schlaglichtern näher und enthüllt uns so das Leben zweier Menschen, die manchmal nur schwer miteinander leben können. Und bei denen doch klar ist, dass sie ohne einander nicht sein können - so wie es die beiden nach ihrer ersten Begegnung wissen.

Man kann diese Erzählweise für einen „Gimmick“ halten, mich hat der Roman gerade deswegen so beeindruckt. Zu erfahren, wo Verhaltensweisen ihren Ursprung haben, wann die gemeinsamen Rituale begannen ( und warum ) und was es mit den wiederkehrenden Redewendungen auf sich hat … Für mich war dieses langsame entblättern ein Genuss.
Und der Brief, der am Anfang der Geschichte von Alice und Jules stand und den wir am Ende der 176 Seiten lesen - so einen Brief würden wir alle wohl gern einmal erhalten….

Bevor wir uns vergessen

von Éliette Abécassis

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Scheidung
Frank Menden

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30 Jahre verheiratet, zwei Töchter , eine schöne Wohnung mit brandneuer schicker Küche - und plötzlich ist alles aus.
Nach einem Streit kehrt Niklas nicht in die Wohnung zurück . Auch am nächsten Tag: keine Nachricht.
Bea weiß sich nicht zu helfen. Ist Niklas vielleicht etwas zugestoßen, warum meldet er sich nicht?
Als er es dann doch macht, stellt er seine Frau vor vollendete Tatsachen: er will dieses Leben nicht mehr, er will die Scheidung.
Für Bea bricht eine Welt zusammen. Was ist in ihren Mann gefahren? Ist all Ihre Vergangenheit, ihre Töchter, das gemeinsame Zuhause, ist das alles nichts mehr wert?

„Scheidung“ von Moa Herngren , übersetzt von Katharina Martl, erzählt realistisch und psychologisch genau die Geschichte einer Trennung - und zwar aus beider Perspektiven.
Das ist spannend und ernüchternd, erhellend und auch ein wenig beängstigend, denn hier erfährt man , wie unterschiedlich zwei Menschen ihr gemeinsames Leben erlebt haben. Und wie sich Kleinigkeiten zu unüberwindlichen Hindernissen entwickeln.

399 Seiten, keine ist zu viel. Man versteht sowohl Bea als auch Niklas, versteht beider Verhalten, ihre Gründe und Sorgen, Wünsche und Träume.
Man ist ganz nah dran, erkennt einiges aus vergangenen Trennungen wieder, ist mit dem Umfeld der beiden hin und hergerissen - und ist am Ende beeindruckt , wie nuanciert die Autorin die vielen Seiten einer Beziehung ans Licht bringt.
Ein hervorragender Roman, nah an den Figuren, nah am Leben. Und trotz aller Bitternis auch ein Mut machendes Buch!

Scheidung

von Moa Herngren

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Sommer ohne Plan
Frank Menden

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Zugegeben: ich hatte meine Vorbehalte gegenüber „Sommer ohne Plan“ von Johanna Swanberg , übersetzt von Nina Hoyer.
Die Geschichte von Cassi, die nach einem Burnout ihr schickes Stockholmer Leben aufgibt, sich völlig gehen lässt, spontan ein Haus im Wald kauft und durch eine Verkettung von Umständen von den Dorfbewohnern für einen Selbsthilfe Guru gehalten wird und diese mit höchst obskuren Methoden zu behandeln begibt, klingt doch etwas zu skurril und vermeintlich leichtfüßig.
Aber der Roman ist zwar durchaus komisch , die Protagonistin auch leicht nervend, allerdings erfährt die Geschichte auch viel Tiefe.

Johanna Swanberg bietet Einblicke in das komplizierte Geflecht der Dorfhierarchie, karikiert die einzelnen Bewohner nicht und blättert Cassis Geschichte nach und nach auf.
Das ist sehr unterhaltsam erzählt, einmal musste ich laut lachen und auch an einer Stelle eine Träne fließen lassen ( es gibt eine wirklich schöne und berührende Liebesgeschichte, die glaube ich niemand kalt lässt , aber die ich keinesfalls spoilern will. Nur soviel: sie passt hervorragend zum Pride Month ????).

Für mich war „Sommer ohne Plan“ eine wunderbar kurzweilige intelligente Strandkorblektüre, die zwar einige Klischees bedient, sie aber auch hervorragend gegen den Strich bürstet.
Ein Buch, das man glücklich und mit einem kleinen Lächeln wieder aus der Hand legt.

Sommer ohne Plan

von Johanna Swanberg

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Mit den Jahren
Frank Menden

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Leipzig.
Drei Menschen in ihren 40ern treffen hier aufeinander.
Jette, Single, in der wohl letzten Videothek der Stadt arbeitend, würde gern einen Roman schreiben, kommt nur irgendwie nicht dazu.
Lukas, freischaffender Künstler, wie Jette aus Hamburg kommend, beginnt eines Abends eine Affäre mit Jette - aus Überdruss, als Ventil für ein nicht gelebtes Leben?
Eva ist Lehrerin, Mutter zweier Kinder , und Lukas Ehefrau. Sie fragt sich immer mehr, ob sie eigentlich das Leben führt, das sie leben möchte .

Eine normale Dreiecksgeschichte möchte man meinen - und ja, auf den ersten Blick scheint es so.
Doch im Laufe des Romans „Mit den Jahren“ entwickelt die Geschichte nicht nur einen klugen Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten in Liebe und Beziehungen ( muss allein sein wirklich ein Problem sein? ) , sondern auch auf die Unterschiede zwischen Ost und West, Körperlichkeit und Selbstakzeptanz.

Mich hat die Autorin mit diesem Buch durch ihren klugen und mit leisem Humor durchsetzten Ton von den ersten Zeilen an überzeugt. Sie schreibt mit leichter Hand über die Anforderungen des Familienlebens, über alternative Lebensentwürfe und die Fragen, die diese Konstellationen aufwerfen - und bringt dadurch viele Aspekte auf den Punkt.
Gutes Buch !

Mit den Jahren

von Janna Steenfatt

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Rückkehr nach Budapest
Frank Menden

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Auf den ersten Blick ist es eine klassische Dreiecksgeschichte: zwei Frauen lieben den gleichen Mann.
Marta, bodenständig, eine gute Zuhörerin, bei der alle ihre Sorgen abladen und darüber zu vergessen scheinen, dass sie auch ein Leben hat .
Teresa, ihre Cousine, ist anders, schillernd und flirrend, das Schicksal scheint immer auf ihrer Seite zu sein.
Konstantin ist der Mann, um den sich beide drehen, ein Künstler, Schriftsteller, der in Opposition steht zur Politik des Landes, in dem er lebt: der DDR.

Nikoletta Kiss erzählt in ihrem Roman „Rückkehr nach Budapest“ jedoch mehr als nur die Geschichte dieser drei Menschen, dieser drei Leben in Ost-Berlin und Ungarn, in der Zeit vor der Wende.
Sie arbeitet mit verschiedenen Zeitebenen, die mit Reflexionen über Sprache und Literatur durchsetzt sind - und sich auch so mit dem unterschiedlich gelebten Sozialismus auseinandersetzt.
Vor allem aber schildert sie anschaulich und genau die Suche einer Frau nach sich selbst. Einer Frau, die sich oft am Rande des Geschehens fühlt und erst spät bemerkt, dass sie das Zentrum der Geschichte ist - und diese die ihrige ist.

Ein politischer Roman, der einen anderen Blick auf den Sozialismus bietet.
Eine Freundschaftsgeschichte, die zugleich auch eine Liebesgeschichte ist.
Eine Geschichte über den falschen Mann im richtigen Leben und umgekehrt.
Vor allem aber ein Roman, den man lesen sollte.

Rückkehr nach Budapest

von Nikoletta Kiss

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Zehn Bilder einer Liebe
Frank Menden

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„Ein Liebesroman der Gegenwart, der nichts beschönigt und gerade deswegen so überzeugt.“

Ich könnte dies jetzt so stehen lassen, denn dieses Zitat schmückt die Rückseite des exzellenten neuen Romans von Hannes Koehler, erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt - und es ist von mir.
Eingerahmt von Zitaten von Julia Wolf und Daniela Dröscher , also in allerbester Gesellschaft.

Aber es geht ja hier um diesen Roman, diese „Zehn Bilder einer Liebe“, die mich sehr begeistert haben.
Hannes Köhler erzählt die Geschichte eines Paares aus beiden Perspektiven. Er erzählt sie ehrlich und ungeschönt und wahrhaftig. Davon, dass Liebe allein selbst bei der großen Liebe nicht ausreicht. Und wie man mit den Fallstricken derselben trotzdem leben und lieben kann - wenn man denn wirklich will.

Zehn Bilder einer Liebe

von Hannes Köhler

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Bei aller Liebe
Simone Finkenwirth

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Weniger kratzbüstig, aber nicht minder lesenswert ist der neue Roman von Jane Campbell. Nachdem die 82jährige Autorin mit ihrem Debüt „Kleine Kratzer“ auch hierzulande für Furore gesorgt hat, legt sie nun nach.

Die Autorin bedient sich wieder ihrem wertvollen Wissen über uns Menschen. Denn in ihrem vorherigen Leben war sie als Psychoanalytikerin in Oxford tätig. Apropos: Psychologisch klug und feinfühlig erzählt sie eine Familiengeschichte. Die beginnt damit, dass Agnes viel zu früh ihre Eltern bei einem Autounfall verliert. Ihre Mutter Sophy hat vorher ihrem Bruder Malcom einen Brief übergeben. Er soll Dr. Joseph Bradshaw persönlich ausgehändigt werden. Doch das macht Malcolm nicht. So hütet er bis heute ein Geheimnis, das eng mit seiner Nichte Agnes verknüpft ist. Warum handelt er so? Das ist eine von weiteren Fragen, denen ich mich Seite um Seite nähere.

In abwechselnden Kapiteln erlebe ich dabei die Lebensgeschichten von Dr. Joseph Bradshaw, Malcolm und Agnes. Alle widmen sich der Psychologie in verschiedenen Formen. Ein raffinierter Schachzug wie die Linien, die Campbell zusammenzieht. So baut sie ein Spannungsfeld auf, dem man ebenso wenig entgeht wie ihren klugen Ansichten: „Mit dem Alter kommt die Zerknirschung, Malcom. Da gibt es kein Entrinnen. Es kommt allerdings darauf an, wie du die Geschichte deines Lebens erzählst.“

„Bei aller Liebe“ ist ein packendes wie berührendes Buch über Lebenslügen, Familie, Verletzungen und die Kunst des Verzeihens. Die Geschichte hallt lange noch nach. Da verzichtet man durchaus auf das kratzbürstige Erzählen. Und freut sich viel mehr darüber, dass diese bewundernswerte Frau mit Anfang 80 angefangen hat, zu schreiben. Bitte weiter so und mehr davon!

Bei aller Liebe

von Jane Campbell, Bettina Abarbanell

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Der Wald
Simone Finkenwirth

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Viel zu wenig habe ich bisher über diesen Roman vernommen. Warum nur? Denn die Booker-Preisträgerin, die mit ihrem Buch „Die Gestirne“ mit gerade mal 28 Jahre auf dem literarischen Parkett zu einer Berühmtheit wurde, zeigt erneut, dass sie zu den besten Autorinnen unserer Gegenwart gehört.

Eleanor Catton möchte mit ihrem Roman nicht nur unterhalten. Sie will uns auch zum Nachdenken anregen, indem sie zwei gegensätzliche Pole zusammenbringt. Da ist die 24jährige Mira. Die Umweltaktivistin hat eine Guerilla-Gardening-Gruppe ins Leben gerufen. Das „Birnam Wood“-Kollektiv setzt überall dort Pflanzen, wo es keiner merkt.

Als es in einem Naturschutzgebiet zu einem Erdrutsch kommt, sieht sie ihre große Chance gekommen. So bietet das große Grundstück des Unternehmers Owen Darvish viel Raum fürs Gardening. Als Mira dort ankommt, findet sie die Farm verlassen vor, und will bald loslegen, bis ihr der Milliardär Robert Lemoine über den Weg läuft... und der unterbreitet ihr ein lukratives Angebot, das wiederum den Grundsätzen des Kollektivs widerspricht.

Wahnsinn! Was für eine hochspannende Geschichte! Eleanor Cotton hat in ihrem Roman eine Vielzahl an relevanten Themen versehen: Gesellschafts- und Kapitalismuskritik, Umweltschutz, Gemeinschaft - was sie schaffen kann, aber auch spaltet, Freundschaft, Ideale – wie weit würden wir gehen? Spritzige Dialoge befeuern die plotgetriebene Handlung, die mit einem extrem packenden Showdown endet. Stephen King meint: „Grandios. Was für ein Genuss!“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht: Setzen Sie ein Pflänzchen, auch für dieses Buch, von dem ich gern noch mehr lesen und hören möchte. Ob es uns gelingt?

Der Wald

von Eleanor Catton

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Die vorletzte Frau
Frank Menden

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Als Katja Oskamp 2019 mit „Marzahn, mon amour“ ein bis heute von vielen gefeiertes Buch veröffentlicht, war sie für viele Lesende eine große Entdeckung.
Für mich war die Schriftstellerin keine Unbekannte mehr, hatte sie mich doch schon 2003 mit ihrem Debüt „Halbschwimmer“ und den nachfolgenden Büchern „Die Staubfängerin“ und „Hellersdorfer Perle“ vollkommen begeistert.

Nun erscheint mit „Die vorletzte Frau“ endlich ein neuer Roman.
Wie bereits der Vorgänger ist auch dieses Buch stark autofiktional ( ihre Tätigkeit als Fußpflegerin und der Erfolg ihres darauf basierenden Buches werden hier auch thematisiert ).
Im Zentrum steht die 19 Jahre dauernde Beziehung zu einem bekannten Schriftsteller, die zu Beginn alles ist, was man sich von einer Liebesbeziehung nur wünschen kann - und die sich dann durch die Krankheit des Mannes mannigfaltig verändert.

Katja Oskamp schreibt entwaffnend ehrlich, nie despektierlich, mit scharfer Beobachtung und ebensolchem Humor. Sie gibt intime Einblicke und bleibt doch diskret ( ihr langjähriger Partner ist mit dem Roman einverstanden), lässt uns teilhaben an ihrem Leben, ihrer Liebe, ihrem Muttersein, den Erfolgen und Misserfolgen - und hat mich aufs Neue beeindruckt, berührt und begeistert.
Einzelheiten zu erzählen würde bedeuten viel vorwegnehmen. Zum Beispiel, warum der Roman diesen Titel trägt und eine Katze auf dem Cover abgebildet ist.
Aber das Vergnügen, dies selbst herauszufinden, selbst in dieses Buch , dieses Leben, einzutauchen, es mit zu leben - dies möchte ich mit keinem Wort zu viel spoilern.
Nur so viel: gönnt euch diesen Roman! Ihr werdet es in keinster Weise bereuen .

Die vorletzte Frau

von Katja Oskamp

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Das Unwetter
Frank Menden

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Aus der beliebten Reihe „Bücher, die niemand auf dem Schirm hat“ heute: „Das Unwetter“ von Brit Bildoen, übersetzt von Frank Zuber.

Dieser Roman entzieht sich jeglicher kategorischen Einordnung.
Es ist Oktober, das Wetter in Norwegen ist eher unwirtlich. Trotzdem soll in einem kleinen abgeschiedenen exquisiten Hotel in den Bergen die goldene Hochzeit der Eltern gefeiert werden.
Tochter Dorte hat alles geplant und organisiert, obwohl man nun auch wirklich gut Zuhause hätte bleiben können.
Was nun folgt, ist ein klassisches Thriller Setting: eine Gerölllawine macht die Straße ins Tal unpassierbar, die Familie sitzt zusammen mit dem Wirt Ole fest - und dann tauchen plötzlich zwei fremde Männer auf…
Aber es kommt ganz anders als man denkt.

Ich kann mir gut vorstellen, wie man im Verlag gerätselt hat, wie dieses Buch zu platzieren sei.
Die Tagline „Sechs Menschen, drei Tage - und ein Berg voller Lügen“ ist auf jeden Fall viel zu reißerisch für diesen klugen, gut beobachteten, ruhigen und dennoch ungemein spannenden und beklemmenden Roman.
Für mich schreit diese Vorlage geradezu nach einer Verfilmung durch Thomas Vinterberg, so sehr hat es mich in der Atmosphäre und Personenkonstellation an seine Filme erinnert.

Wer Lust auf einen kleinen feinen beunruhigen Roman ohne Effekthascherei hat , der sollte sich diesem „Unwetter“ unbedingt aussetzen.

Das Unwetter

von Brit Bildøen

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Ehemänner
Frank Menden

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Als Lauren von einem feucht fröhlichen Junggesellinnenabschied nach Hause kommt findet sie einen fremden Mann in ihrer Wohnung .
Der beteuert jedoch ihr Ehemann zu sein - nur ist Lauren Single .
Als der Mann auf den Dachboden geht und kurz darauf ein anderer Mann durch die Luke in der Decke in ihre Wohnung steigt , zweifelt Lauren an ihrem Verstand.
Doch bald versteht sie zwar nicht was da vor sich geht , das Konzept der stetig wechselnden Ehemänner überzeugt sie jedoch .
Wie befreiend , Männer beim kleinsten Misston einfach auszuwechseln.
Allerdings wechseln nicht nur die Männer, auch ihre Lebensumstände sind immer andere, die Wohnung mal mehr oder weniger geschmackvoll möbliert und auch das Verhältnis zu Nachbarn und Freundinnen ist jedes Mal leicht anders…

„Sie mag die neuen Versionen von sich selbst nicht immer, aber sie helfen ihr, die Grenzen ihrer Persönlichkeit zu verstehen.“

„Ehemänner“ , übersetzt von Babette Schröder ist eine Wundertüte von Roman.
Nicht nur ist die Idee absolut zwingend und originell ( ich habe ein paar Mal laut auflachen müssen ), die Autorin versteht es hervorragend , ihrer Geschichte durch immer wieder neue Ideen Wendungen zu verleihen, die ihr immer mehr Tiefe geben.
Für mich war dieser intelligente Unterhaltungsroman eine sehr begeisternde Leseerfahrung, die nicht nur das moderne Datingverhalten kommentiert , sondern auch andere Aspekte unserer Gesellschaft kritisch beleuchtet .
Ein großer Spaß mit Mehrwert !

Ehemänner

von Holly Gramazio

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O Brother
Frank Menden

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2010 begeht Gary Niven im Alter von 42 Jahren Selbstmord. Vor allem sein älterer Bruder John quält sich seitdem mit Schuldgefühlen : hätte er die Tat kommen sehen können, hätte er eingreifen können , hätte hätte hätte…

John Nivens „O Brother“ ist weitaus mehr als nur ein sehr persönliches Memoir.
Der erfolgreiche Schriftsteller spürt der Frage nach, warum zwei Menschen mit der gleichen Herkunft, den gleichen Lebensumständen völlig andere Lebenswege einschlagen.
Warum der eine , John selbst, im Leben reüssiert, erfolgreich wird, während der andere, Gary, von frühester Kindheit an ein Troublemaker ist und auf die schiefe Bahn gerät. Auf einen Weg, aus dem er an seinem Ende keinen Ausweg mehr sieht.

John Niven schont sich und die Seinen in diesen berührenden Lebenserinnerungen nicht. Er schreibt sich die Trauer von der Seele, durchlebt noch einmal alle Höhen und Tiefen der Geschwisterbeziehung, hinterfragt die Erziehung der Eltern und auch seine eigenen Verhaltensmuster.
Immer wieder blitzt der Nivensche schwarze Humor durch, aber vor allem ist dieses ungemein bewegende Buch eine Hommage an den verlorenen Bruder.
Beeindruckend!

O Brother

von John Niven

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Das Jahr voller Bücher und Wunder
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Achtung: Dieses Buch ist überhaupt nicht kitschig! Der Goldmann Verlag hat sich wohl gedacht: Wir gestalten das Buch wie "Der verschwundene Buchladen" von Evie Woods und dann läuft das schon. Aber ganz so easy ist es dann doch nicht. Glücklicherweise haben Sie uns: Ihre literarischen Vorkoster!

Libby Page ist für mich keine unbekannte Autorin. Die Engländerin hat mich seinerzeit mit ihrem Roman "Schwimmen mit Rosemary" begeistert. Auch in diesem Roman verbindet sie schwere Themen mit der Leichtigkeit des schönen Zufalls und den richtigen Menschen, die genau in unser Leben treten, wenn wir sie brauchen. In Tillys Fall ist es Alfie. Der Buchhändler ruft die junge Frau im Januar an ihrem Geburtstag zu Hause an und verkündet, er hätte ein Geschenk für sie. Von ihrem Mann Joe, der vor einem halben Jahr verstorben ist. Nur widerwillig macht sich die Lektorin auf den Weg zur Book Lane Buchhandlung. Aber wie gut, dass sie dies getan hat, denn was folgt, sind eine Vielzahl von wunderbaren Momenten, die nicht nur duch das Lesen entstehen, denn Joe hat jedem Buch und eine kleine Challenge dazu gelegt. Und langsam gewinnt unsere traurige Tilly immer mehr Lebenskraft und wieder zu sich selbst. Mehr noch: Sie wächst über sich hinaus.

Und noch etwas ist magisch: Was hat Joe nur für ein Feingespür für Bücher! Dass Alfie seine Finger im Spiel hat, ahne ich schnell. Und doch finde ich diese Tatsache nicht wirklich überraschend. Viel mehr fühle ich mich darin bestätigt, warum ich meinen Beruf so liebe. Weil wir mitunter wahre Wunder vollbringen können!

PS: Sollten Sie überlegen, ein Buchabo zu verschenken, dann verbinden Sie dieses mit diesem wunderbaren Buch. "Schokolade für die Seele" steht auf dem Klappentext. Und das wiederum ist so was von wahr!

Das Jahr voller Bücher und Wunder

von Libby Page

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Die Lungenschwimmprobe
Frank Menden

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1681 steht die 15jährige Anna Voigt wegen Kindsmordes vor Gericht: sie soll ihr neugeborenes Baby ermordet haben. Das Urteil ist klar: die Todesstrafe. Doch Anna beteuert, dass ihr Kind tot zur Welt kam.
Zu ihrem Glück glaubt Annas Vater, ein wohlhabender und einflussreicher Mann, seiner Tochter. Und es findet sich ein Arzt, der durch ein neues Verfahren, die titelgebende „Lungenschwimmprobe“ nachweisen will, dass es sich tatsächlich um eine Totgeburt handelt. Zusammen mit dem aufstrebenden Juristen Christian Thomasius unternehmen die drei Männer alles, um Anna gegen alle Widerstände der Kirche und des Scharfrichters vor dem Tod zu retten. Ein Unterfangen, das scheinbar aussichtslos ist…

Tore Renbergs im Luchterhand Verlag erschienener Roman beruht auf einem wahren Fall in Leipzig. „Die Lungenschwimmprobe“ gilt als Beginn der Rechtsmedizin und so lesen sich die über 700 Seiten auch wie ein hervorragend recherchierter historischer Kriminalroman.
Aber Renberg schafft viel mehr als dies. Sein Roman ist auch ein akribisch recherchierter Appell gegen religiösen Fanatismus und Bigotterie und für kritisches Denken, Meinungs - und Religionsfreiheit.
Ein wahrlich gewichtiger Roman, der auch gelungen den Bogen in die Gegenwart schlägt und hoffentlich unter vielen Weihnachtsbäumen liegen wird.

Die Lungenschwimmprobe

von Tore Renberg

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Marie des Brebis
Simone Finkenwirth

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Dieses Buch ist eine Rarität und Hommage an das einfache Glück. Egal, mit wem ich darüber spreche, stets leuchten die Augen wie Sterne. Und das nicht ohne Grund. Marie des Brebis ist eine bemerkenswerte Frau, die mich mit ihrem Durchhaltevermögen an Henning Sußebachs Urgroßmutter Anna erinnert, der er mit seinem ebenfalls grandiosen Buch "Anne oder: Was von einem Leben bleibt" ein Denkmal gesetzt hat. Gleiches hat der Autor Christian Signol vollbracht.

Marie wird von ihrer Mutter ausgesetzt, sie hat ihr Baby in eine Wolldecke gehüllt und zu den Schafen gelegt. Als der Hirte Johannes das Findelkind entdeckt, nimmt er sich diesem an. Das gefällt dem Bauer nicht, der meint, das Kind gehöre ins Waisenhaus. Also packt Johannes seine Sachen und zieht mit Marie über die Causses, das französische Hochland ist ihm wohlvertraut, der eigensinnige Mann, der auch mit dem Mond spricht, ist mir sofort sympathisch. Die beiden landen schließlich auf einem Hof, der von Augustine und Alexis betrieben wird. Die Frau liebt Kinder, konnte aber nie welche bekommen. Und dann wird es für uns alle sehr warm.

Wenngleich das Leben Anfang des vorherigen Jahrhunderts kein leichtes ist, auf dem Land noch weniger. Aber Marie ist ein Mensch, der das kleine einfache Glück sieht, und zu schätzen weiß, wie das warme frische Brot. "Lange habe ich nach dem Grund gesucht, und heute weiß ich, dass wir nur richtig glücklich sind, wenn die Zeit stillsteht. Ganz einfach, weil unser eigentliches Wesen, unsere ewige Seele, wiederum zum Vorschein kommt und uns mit echter Freude erfüllt."

Die Zeit steht bei der Lektüre wirklich still. Vergessen sind die Aufregungen des Alltags und die Unruhe in unserer Welt. Marie des Brebis führt uns genau dorthin, wo wir eins sind mit uns und den Buchstaben, die so viel Schönes erzählen und uns lange lächeln lassen.

Marie des Brebis

von Christian Signol

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Caledonian Road
Sarah O'Connor

Sarah O'Connor

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Campbell Flynn, 52 Jahre, hat es geschafft: er ist ein anerkannter Kunsthistoriker, hat sich einen Platz in Londons High Society ergattert, seine Frau ist die Tochter einer Gräfin, sein bester Freund ein Industrieller und sein Schwager ein einflussreicher Politiker. Seine Stadtvilla steht auf der „richtigen“ Seite der Caledonian Road. Seine 2 Kinder lassen vielleicht etwas zu wünschen übrig, besonders der Sohn, ein Reichtum anklagender Umweltaktivist. Es könnte eine richtig schöne „Bottom Up“ Story sein, stammt Campell doch aus ärmlichen Verhältnissen. Aber nein. Andrew O’Hagan schreibt die Geschichte eines (tiefen) Falls, geboren aus Eitelkeit und Hybris. Sein Antiheld verfängt sich in einem Geflecht aus Intrigen, Skandalen und Verbrechen, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Polyfon erzählt, bietet dieses Buch 784 Seiten bester, zerebraler Unterhaltung – ein Meisterwerk!

Caledonian Road

von Andrew O'Hagan

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Zwei in einem Leben
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Es gibt ja aktuell nicht wenige Bücher über die Wechseljahre und die Mitte des Lebens. Aber wie viele Romane erzählen über die Liebe in mittleren Jahren? Ob David Nicholls den gleichen Gedanken bei der Idee seines neuen Romans hatte, weiß ich nicht. Was ich jedoch mit Gewissheit sagen kann: Dieser Autor steht Zeit seines Schriftstellerlebens im Schatten seines großen Welterfolgs „Zwei an einem Tag“. Schade. Denn „Zwei in einem Leben“ ist wiederholt allerbester Lesegenuss!

Im Mittelpunkt steht Marnie, die in London lebt und als freischaffende Lektorin und Korrektorin arbeitet. Marnie war verheiratet, ist Ende 30 und hat sich in ihrem Nest verkrochen. Marnies Freundin Cleo hat schon mehrere Male versucht, sie aus ihrem Igelversteck hervorzulocken. Vergeblich. Doch jetzt steht eine dreitägige Wandertour an und Marnie hat – oh Wunder! - zugesagt. Neues Jahr, neue Vorhaben! So stattet sie sich mit einer Wanderrüstung aus, setzt sich in den Zug. Als Michael die Großstadtpflanze erspäht, fällt ihm sofort auf, dass ihr Rucksack zu groß ist, und die Riemen zu lang sind. Michael ist die andere Figur in dieser Geschichte. Geographielehrer und leidenschaftlicher Wanderer, Anfang 40, frisch getrennt von seiner Frau.

Michael liebt es zu wandern, Marnie hasst es. Und doch öffnet sie sich und trotzt dem Regen. Den beiden zu folgen, ist absolut hinreißend. David Nicholls schreibt gewohnt charmant, unterhaltend, und streut gleichsam interessante Gedanken ein, in denen sich vor allem Singles wiederfinden, aber auch glücklich Vergebene trifft der Brite mitten ins Herz, und das gelingt ihm ohne Kitsch dafür mit Feinsinn und großer Empathie.

„Zwei in einem Leben“ ist so vieles: Eine atmosphärische Wandertour durch England, die Geschichte von zwei einsamen Menschen in den mittleren Jahren und eine Liebesgeschichte. Wirklich? Nun, das sollten Sie selbst herausfinden. Der Roman ist Eskapismus im allerfeinsten Sinne, sehr authentisch und beglückend! Das findet übrigens auch Jojo Moyes und der Independent schreibt: „Nicholls bester Roman“. Dem kann ich wahrlich nichts hinzufügen.

Zwei in einem Leben

von David Nicholls

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Stories
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich habe diese spektakuläre Kurzgeschichtensammlung noch gar nicht aufgeschlagen und schon strahlt sie mich an wie eine weiße Wand, die das Sonnenlicht reflektiert. Denn auf dem Umschlag feiern große Namen wie Lauren Groff, Raymond Carver, Bret Easton Ellis und Don DeLillo ihre amerikanische Kollegin. Auch hierzulande überschlugen sich kurz nach Erscheinen die Feuilletons über das Werk der Autorin mit der Sonnenbrille. Da war mein literarischer Jagdinstinkt natürlich sofort entfacht. Als große Freundin von Kurzgeschichten sowieso. Und jetzt? Bin ich verstört und begeistert gleichermaßen.

Wie das? Nun, die Geschichten haben es wahrlich in sich. Williams lichtet das Leben ab, sie erzählt von den kleinen und größeren Dramen unterschiedlicher Menschen - von gewöhnlichen bis hin zu nun ja, außergewöhnlichen. Gleich eingangs erlebe ich die zu Herzen gehende Geschichte eines Predigers - dessen Frau liegt mit einer Bluterkrankung im Krankenhaus. Während sich seine Tochter selbst finden will, hat sie ihren Eltern ihre kleine Tochter anvertraut. So pendelt der Mann zwischen der Angst, seine Frau zu verlieren, und dem Glück, das ihm seine kleine Enkelin beschert.

Oder die Zusammenkunft verschiedener Mütter, deren Kinder im Gefängnis sitzen. Durch Zufall ziehen sie alle in die gleiche Gegend. Sie fühlen sich schuldig, und suchen einen Weg damit zu leben. Ebenso bemerkenswert ist die Geschichte eines Liebespaars. Dwight wusste schon mit 25 Jahren, dass er das Baby eines Tages heiraten wird. Wie? Ja! Und so kommt es. Und noch etwas passiert in „Rost“. Dwight kauft sich und Lucy einen schwarzen Ford Thunderbird, der fast auseinanderfällt, aber Dwight hat die Lösung. Und was für eine! Ob eine Schlange die Veränderung des Lebens bewirken kann? Dieser Frage spürt Williams in „Lu-Lu“ nach.

Das sind mitunter beunruhigende, verstörende und komische wie berührende Geschichten. Sie bleiben auf der Netzhaut haften und hinterlassen ein unterschwelliges Surren im Kopf. „Stories“ ist keine Feelgood-Lektüre. Aber das muss Literatur ja nicht immer sein. Glücklicherweise streut Williams besondere Aufheller in ihre Erzählungen. Wunderschöne Bilder oder Sätze, über die man stolpert, weil man plötzlich lachen muss oder solche, die einen still werden lassen: „Sie dachte, dass jeder Mensch jeden Augenblick kurz vor der Ewigkeit steht und die Wege, diese Welt zu verlassen, zahllos und oft unvorhersehbar sind.“

Die Lobeshymnen sind so wahr wie das Grün auf den Blättern der Bäume. Joy Williams ist wirklich die „strahlende Großmeisterin der Kurzgeschichte“ wie es Lauren Groff treffend formuliert. Eine große und beeindruckende Entdeckung und ein Must Read für alle Fans der kurzen Erzählform.

Stories

von Joy Williams

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Blue Sisters
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Endlich ist das neue Buch von Coco Mellors in der deutschen Übersetzung von Lisa Kögeböhn beim Eichborn Verlag erschienen. Ich bin sofort in der Geschichte gefangen. Wie bereits in „Cleopatra und Frankenstein“ zieht mich der mitreißende Erzählstil vollkommen mit.

In ihrem neuen Roman dreht sich alles um die drei Schwestern: Lucky, Bonny und Avery. Genau vor einem Jahr ist ihre Schwester Nicky an einer Überdosis Tabletten gestorben. Als wäre das Datum nicht schon furchtbar genug, will ihre Mutter die New Yorker Wohnung jetzt verkaufen, in der Nicky zuletzt gelebt hat. Und das obwohl Avery die laufenden Kosten trägt. Und jetzt? Noch etwas brummt zwischen den Seiten wie ein nicht enden wollender Kopfschmerz: Die Narben der drei Schwestern, die immer noch pulsieren. Können sie sich gemeinsam retten?

Mellors holt alles hervor, was wehtut: Trauer, Sucht, ungesunde Fluchtaktionen, schwierige Eltern und Verletzungen, die nicht einfach heilen wollen. Doch sie können es, das zeigt uns die Autorin mit ihrem unverwechselbaren Stil aus Leichtigkeit und Tiefe. Ein lautes wie stilles Buch, das man am Ende mit einem glücklichen Seufzer zuschlägt.“

Blue Sisters

von Coco Mellors

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Der Morgen gehört uns
Frank Menden

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Ettore lebt mit seinen Eltern in einem kleinen Ort nahe Mailand. Seine einzige Vertraute ist seine Großmutter Elsa. Doch im dem Sommer, in dem Ettore 18 wird, verändert sich sein Leben. Er wechselt die Schule und lernt dort Giulio kennen, der ihn mit seinem Charisma in den Bann zieht . So wie dieser gut aussehende junge Mann möchte er sein, so selbstbewusst, so lässig. Und tatsächlich sucht Giulio auch seine Nähe, sie werden Freunde - und Ettore auch bald Mitglied der Federazione, einer Jugendorganisation, in der Giulio eine große Rolle spielt. Und die durch und durch faschistisch ist.

Was treibt junge Leute nach rechts, was macht den Faschismus für sie so interessant und wählbar? Davide Coppo versucht in seinem Roman „Der Morgen gehört uns“ , übersetzt von Jan Schönherr, am Beispiel von Ettore zu zeigen, wie so etwas passieren kann. Der unter die Haut gehende Roman bietet weder einfache Antworten noch Lösungen - und gerade dies macht ihn so überzeugend. Aus der Sicht des älteren und politisch geläuterten Ettore wird diese Geschichte erzählt, die erkennbar macht, dass Sexualität und Gewalt wichtige Bestandteile auf dem Weg nach rechts sind, wie auch der Wunsch sich der „linken Antiglobalisierungsfolklore“ - so Ettore - entgegenzustellen, einfach um nicht dem vermeintlichen Mainstream hinterherzurennen.

Man lernt durch Davide Coppos Roman viel über Postfaschismus und seine Versprechungen und Verlockungen, seine Gefahren und Mechanismen. Über deren jugendliche Anhänger und wie sehr er auch in den intellektuellen Bereich eingedrungen ist, durch Wort, Bild und Musik. Ein Roman der lehrt, noch genauer hinzusehen.

Der Morgen gehört uns

von Davide Coppo

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Maifliegenzeit
Frank Menden

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„Daniel hat angerufen.“
Drei Worte, die ein Erdbeben auslösen. Denn Daniel ist offiziell seit 40 Jahren tot, gestorben bei seiner Geburt.

Mit diesem Paukenschlag beginnt „Maifliegenzeit“ von Matthias Jügler.

Den Anruf hat Anne entgegengenommen, seit zehn Jahren die Lebensgefährtin des mittlerweile pensionierten Lehrer Hans.
Der hatte ihr beim kennenlernen von seiner Ehe mit Katrin erzählt, von dem größten Unglück was Eltern passieren kann, welches schließlich auch die Ehe nicht überlebte: der Tod des Kindes kurz nach der Geburt.
Katrin hatte nie daran geglaubt, hatte darauf bestanden, dass der Sohn noch leben müsse. Warum sonst hätte man ihn nicht sehen dürfen? Und er hätte doch kräftig geschrieen?

Kurz vor ihrem Tod bittet Katrin Hans noch einmal um ein Treffen und appelliert an ihn: sollte sich je eine Chance ergeben, dann solle er sie nutzen und Licht ins Dunkel der Geburt bringen.
Die Wende 1989 scheint diese Chance zu sein, doch nach vielversprechenden Ansätzen verläuft sich die Angelegenheit.
Und wieder zieht sich Hans zurück in seinen geliebten Angelsport.
Bis der Anruf kommt…

Nur 156 Seiten hat dieser ruhig erzählte Roman, der sich mit einem dunklen Kapitel der DDR beschäftigt, welches auch schon in der Serie „Weißensee“ aufgegriffen wurde - und seitdem eine große Kontroverse ausgelöst hat.

Jügler verschränkt verschiedene Zeitebenen, mischt das Schweigen und die Schuldgefühle mit Allegorien zum Angeln und enthüllt mehr und mehr, wie schwer sich eine einmal verinnerlichte Wahrheit trotz Fakten revidieren lässt.
Ein ungemein berührender Roman, der gerade durch den verdichteten, ruhigen Ton enorm eindrücklich ist.

Maifliegenzeit

von Matthias Jügler

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Tiere, vor denen man Angst haben muss
Frank Menden

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Von Lübeck ins nördliche Mecklenburg, von einer komfortablen Wohnung auf einen maroden Hof. Für Madeleine und ihre Familie hat sich einiges verändert, nicht nur der Standort. Vater und Brüder haben sie verlassen, sie lebt nur noch mit ihrer Schwester Ronja und ihrer Mutter auf dem Hof. Dieser ist eine von der Mutter initiierte Auffangstation für Haus- und Wildtiere geworden – und die Tiere verdrängen fast die menschlichen Bewohner. Dau zieht es an allen Ecken und Madeleine friert fast die ganze Zeit über – und das nicht nur körperlich, denn die Mutter zieht augenscheinlich die Tiere und die Sorge um deren Schicksal ihrer Familie vor. Das ist viel Verantwortung für die Schwestern, die früh schon erwachsen sein müssen und nur zusammen Momente der Geborgenheit erleben….

Eindringlich, berührend und mit einem zwingenden, unvergesslichen Ende -das ist Alina Herbings zweiter beeindruckender Roman.
Ein Roman, den man nicht aus der Hand legen kann und der so schmal wie kraftvoll ist. Ein Buch, das man gelesen haben sollte!

Tiere, vor denen man Angst haben muss

von Alina Herbing

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Bevor es geschah
Frank Menden

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Das jährliche Barbecue steht an - und so machen sich alle vier Haynes Geschwister nebst PartnerInnen und Kindern auf den Weg zu ihrem Elternhaus, wo Matriarchin Elisabeth seit dem Tod des Vaters mit kühler Eleganz und Strenge waltet.
Die Stimmung ist angespannt, denn jedes Familienmitglied hat etwas zu verbergen. Ein Geheimnis, das schon lange in ihnen gärt und tunlichst nicht an die Öffentlichkeit geraten soll. Und erst recht nicht innerhalb der Familie.
Doch sind wirklich alle Geheimnisse so geheim?
Während die Anspannung bei allen Beteiligten steigt und alle mit sich und dem belauern der anderen beschäftigt sind, geraten andere Dinge aus dem Focus. Und das hat Folgen…

Zugegebenermaßen ist dies kein neuer Plot . Aber Celine Spierer erzählt ihn in ihrem Roman „Bevor es geschah“ , übersetzt von Sina de Malafosse, so einnehmend, dass man diesen geradezu filmischen Pageturner nicht aus der Hand legen mag . Wie hier eine Familie seziert wird, in der wirklich alle in der ein oder anderen Weise „eine Leiche im Keller haben“ ist höchst vergnüglich zu lesen - und lässt einen mit Freude dem nächsten Familientreffen entgegenblicken.
Denn so wie bei den Haynes wird es sicherlich nicht sein - oder ?

Bevor es geschah

von Céline Spierer

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Service
Frank Menden

Frank Menden

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Daniel, Sternekoch und Besitzer eines angesagten Restaurants, steht vor Gericht. Sein Restaurant musste schließen, sein Leben droht aus den Fugen zu geraten, er steht kurz davor, alles zu verlieren.

Daniels Frau Julie fühlt sich mit der Situation überfordert, muss sich mit Paparazzi auseinandersetzen, versucht ihre Kinder zu schützen und ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihrem Mann beizustehen und der Angst, dass die Anschuldigungen wahr sind. Mehr und mehr fragt sie sich, ob sie wirklich weiß, wer der Mann ist, mit dem sie ihr Leben teilt.

Hannah, eine ehemalige Kollegin von Daniel, soll im Prozess wegen sexueller Übergriffe aussagen, fühlt sich aber nicht in der Lage dazu. Jahrelang hat sie die Vergangenheit verdrängt, doch dann bringen Ereignisse alles wieder an die Oberfläche

Sarah Gilmartin erzählt in „Service“ ( Übersetzung: Anna-Christin Kramer ) abwechselnd aus diesen drei Perspektiven .
Aus den verschiedenen Versionen und Erinnerungen setzt die Autorin gekonnt ein Puzzle zusammen – und fordert den Leser dabei heraus, sich selbst eine Meinung zu bilden und diese immer wieder zu hinterfragen.
Leicht und eindringlich, atmosphärisch und scharf beobachtet, erzählt Gilmartin vom Alltag in der Sternegastronomie, von den Lügen, mit denen wir uns selbst zu täuschen versuchen, und von dem Mut, der nötig ist, um sich der Wahrheit zu stellen.
Herausgekommen ist ein Roman, der durchrüttelt und uns einmal mehr dazu auffordert genau hinzusehen und den Mut zu haben, Missständen und Fehlverhalten Einhalt zu gebieten. Und zwar jederzeit und überall.
Ein gelungener Roman, den man nicht oft genug empfehlen kann.

Service

von Sarah Gilmartin

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James
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wir sind auf der Flucht. Der Mississippi zischt wie eine Schlange. Ich spitze meine Ohren, und versuche die verdrehten Wörter zu verstehen. Jim spricht ganz komisch mit Huckleberry Finn, als hätte er einen Knoten in der Zunge. Was ist passiert? Vor allem: Was machen wir hier?

Jim ist ein Sklave. Als er erfährt, dass er an einen Mann in New Orleans verkauft werden soll, haut er ab. Denn er will nicht von seiner Tochter und Frau getrennt werden. Wenn Jim verschwunden ist, kann man ihn auch nicht verkaufen. So sein Plan. Dummerweise gelangt Huck Finn auf seine versteckte Insel. Er ist mit Schweineblut besudelt, weil er Mrs Watson glauben lassen will, dass er tot ist, und hat in ihrem Haus Blut verteilt. Was das nach sich zieht, können Sie sich bestimmt denken…

Und doch übersteigt die Vorstellung die tatsächliche Lektüre bei Weitem. Außergewöhnlich ist sie und voller Einfallsreichtum in der Handlung und sprachlich, derart packend wie mitreißend erzählt, berührend und nachdenklich stimmend. Ein Buch mit lauten gewaltigen Szenen und ebenso stillen Momenten. Ja, ein Wechselbad von Temperaturen, auch von Gefühlen. Wut, Angst, Hoffnung, Liebe… alle da!

Bewundernswert, wie Percival Everett Mark Twains Abenteuergeschichte ein anderes Gesicht verleiht, sie uns neu erzählt. Und Twains Nebenfigur in seinem Roman zur Hauptfigur macht, dabei Themen hineinwebt, die selbst heute noch aktuell sind.

Obwohl ich längst angekommen bin nach dieser Reise, so bin ich immer noch bei dem mutigen Helden Jim. Oder viel mehr sitzt er in meinem Herzen. „James“ von Percival Everett zählt für mich zu den herausragendsten Werken des Jahres! Sie da draußen, was immer Sie über „James“ vernommen habt, stimmt. (Ich kenne nur Gutes.) So begeben Sie sich auf eine unvergessliche Abenteuerreise! Und vergessen Sie Ihre Schwimmkleidung nicht.

Ich danke von Herzen meiner Kollegin Sarah O'Connor, die mich erst auf diese ungewöhnliche Lektüre aufmerksam gemacht hat!

Wir haben das Buch auch in englischer Sprache vorrätig – Strange Flowers. Don't forget: Imagine a world where it’s Friday every day! For 30 days in a row! stories! – card holders (and applicants) can now live this dream: you will get a 20 % discount on English books - every day throughout June! (valid also for online purchases, to be collected in the shop!)

James

von Percival Everett

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Das Lied des Propheten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Möchte man in unseren unruhigen Zeiten aufwühlende Bücher lesen? Eher weniger. „Das Lied des Propheten" ein wichtiges Buch, das man trotzdem aufschlagen sollte. Was der Booker Preisträger erzählt, ist äußerst beklemmend, und vor allem, wie er die Geschichte darstellt: Dunkel, beunruhigend, fesselnd, bewegend und spannend bis zur letzten Seite. Literatur darf ablenken, aber sie sollte genauso zum Diskurs und Austausch anstoßen. Apropos Anstoß: Ich habe das Buch meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor zu verdanken. Sie hat das Original lange Zeit vor mir gelesen und sich schon seit vergangenem Winter dafür stark gemacht.

"Das Lied des Propheten" ist eine Dystopie, weit weg und doch sehr nah an uns dran. Hätten wir vor einem Jahr gedacht, dass die Rechtspopulisten hierzulande und in der EU derart erstarken würden?

Paul Lynch erzählt in seinem Roman von einer radikalen Regierung, die das Land reformieren will. Alle Andersdenkenden werden verhaftet, mundtot gemacht. Eilishs Mann Larry, der in der Lehrer-Gewerkschaft engagiert ist, kehrt am Abend einer Demo nicht zurück. Was mit ihm passiert ist, erfährt sie nicht. Diese Ungewissheit zermalmt sie genauso wie das Virus, das um sie greift. In ihrer Firma übernehmen regierungsnahe Menschen die Leitung und entlassen immer mehr Menschen. Eilishs älterer Sohn Mark rebelliert. Nachdem Eilish ihn bei einer Freundin untergebracht hat, verschwindet er eines Tages, schließt sich einer Untergrundorganisation an. Die einzige Verbindung ist ein Prepaid-Handy, doch das bleibt eines Tages stumm. Mark ist nicht zu erreichen. Plötzlich wird alles knapp, selbst das Wasser. Eilishs Schwester drängt sie, auszureisen. Aber was, wenn Mark wieder zurückkommt? Und Larry? Und was ist mit Simon - Eilishs Vater? Soll sie ihn zurücklassen?

Ich lese mich mit angehaltenem Atem durch diese Geschichte, die nur schwer auszuhalten ist. Vom ersten Satz an schafft der irische Autor eine beklemmende Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Atemlos sind die dichten Sätze, denen ich genauso hinterher laufe wie Eilish - eine Löwin, die versucht zwischen Ohnmacht, Hilflosigkeit, weiterzuleben, für ihre Familie da zu sein. Denn Eilish hat noch drei weitere Kinder, für die sie da sein will und muss. Stets an ihrer Seite: die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird.

"Das Lied des Propheten" erschüttert einen bis ins Mark. Und trotzdem sollte man das Buch lesen. Was Literatur alles bewegen kann, zeigt der Booker Preisträger auf erschreckende Weise.

Das Lied des Propheten

von Paul Lynch

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Annas Lied
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich liebe jede Seite dieses Romans. Erst jetzt habe ich "Annas Lied" von Benjamin Koppel für mich entdeckt. Frisch ist das Buch als Taschenbuch erschienen und so besonders! Der Saxophonist erzählt darin die Geschichte seiner langverschollenden Schwester des Großvaters. Hannah. Sie war das einzige Mädchen in der Koppelman Familie.

Eine große Bürde liegt auf dem Mädchen, nachdem ihre vier Brüder sich in nicht-jüdische Mädchen verliebt hatten und somit dem Ruf der Mutter nach einer würdigen und gesitteten Heirat mit Jüdinnen entgangen sind. Großes Familiendrama! Diese Szenen von der Mutter sind zum Schmunzeln schön und dramatisch berührend.

Die Familie ist musikalisch veranlagt. Jeder spielt ein Instrument, bei Hannah ist es das Klavier. Sie träumt von einer Karriere als Pianistin, aber den Wunsch zu verwirklichen, scheint ein schwieriges Unterfangen. Selbst nachdem Hannah am Kopenhagener Konservatorium angenommen wurde. Mutter Bruche hat für ihre Tochter ein anderes Leben vorgesehen. Sie soll den Pariser Francoise heiraten. Als Hannah durch ihre beste Freundin Elisabeth den revolutionären Aksel kennenlernt, keimt Hoffnung eines Ausbruchs auf...

Ich folge Hannahs Weg wie dem Leben der Familie mit klopfendem Herzen und bin berührt, höchst beglückt über die vielen Seiten, die mir der Autor beschert. Er schreibt in alter jüdischer Erzähltradition mit diesem gewissen Verve, den wir an jüdischen Geschichten so lieben. Wir bewegen uns zwischen den politischen Entwicklungen der späten 30er Jahre, schlittern hinein in den 2. Weltkrieg, erleben Angst und Flucht. Dabei stellt sich in mir eine Stille an, die nur die Musik durchbrechen kann.

Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung, denn im Oktober erscheint "Großmutters Geheimnis" - dafür hat der Autor den wichtigsten dänischen Literaturpreis "Die goldene Lorbeere" erhalten.

Annas Lied

von Benjamin Koppel

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Scheue Wesen
Frank Menden

Frank Menden

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Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Die Anfang 30jährige ist in eine langjährige Affäre mit einem der leitenden Ärzte der Klinik verstrickt, der zudem verheiratet ist. Als man eines Tages einen verwahrlosten jungen Mann auffindet, der offenbar seit Jahrzehnten das Haus seiner alten Tanten nicht verlassen hat, und dessen Existenz den Nachbarn völlig unbekannt war, wirkt dies wie eine Initialzündung auf Helen.
William Tapping, so der Name des Mannes, entpuppt sich in der Klinik als begabter Künstler, der positiv auf Helens Zuwendung reagiert. Diese beginnt sich mehr und mehr für seine Geschichte zu interessieren, stellt Nachforschungen an - und bringt Dinge ans Licht , die auch ihr Leben verändern werden…

„Scheue Wesen“ von Clare Chambers übersetzt von Wibke Kuhn, ist einer dieser Roman , bei dem einfach alles stimmt.
Die Verknüpfung von Helens allmählicher Emanzipation mit dem Schicksal eines stark traumatisierten Mannes und den neuen Entwicklungen in der psychiatrischen Pflege der 1960er ist überaus stringent gelungen.
Mit Empathie und genauer psychologischer Finesse zeichnet die Autorin ihre Figuren , der Plot entwickelt gerade in der durch Rückblenden erzählten Geschichte Williams einen geradezu krimihaften Sog, so dass einem der umfangreiche Roman wesentlich kürzer vorkommt.

Wieder einmal hat Julia Eisele gezeigt, warum ihr kleiner feiner Verlag sich einer so großen Beliebtheit bei Leserinnen und dem Buchhandel erfreut: weil sie Romane wie diesen findet, die beglückend, berührend und mitreißend sind und auf beste Art und Weise intelligent unterhalten.

Scheue Wesen

von Clare Chambers

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Die Sache mit Rachel
Simone Finkenwirth

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Endlich ist unser Herzensbuch erschienen! Frank Menden und Simone Finkenwirth sind selten einer Meinung, doch manchmal erfreuen sie sich gemeinsam an einem #nichtimmereinigaberimmereins-Buch. Dieses hier ist solch ein Werk. Und hey! ganz ehrlich: Wenn sich zwei verschiedene Menschen so einig sind, dann solltet ihr hellhörig werden! Dolly Alderton findet das übrigens auch. Also, dass dieses Buch ein Knaller und brillant ist. Und sicherlich auch, dass sich die beiden nicht täuschen können.

Weil wir unser Glück gern teilen, haben wir ein besonderes Geschenk: Die ersten vier Käufer:innen von „Die Sache mit Rachel“ erhalten beim Kauf einen blauen oder pinken Stoffbeutel. Reservierungen sind möglich, aber sollte vor euch jemand kommen, geben wir den Beutel mit. Gleiche Chance für alle.

Was macht dieses Buch nun derart außergewöhnlich? Vieles! Rachel und James natürlich! Aber auch all die Verwicklungen und Fallstricke, die sie zum Stürzen bringen - und das in einer schwierigen Zeit, denn die Geschichte spielt 2010/2011 während der Rezession in Irland. Das Lebensgefühl von jungen Heranwachsenden, denen noch alles offen steht, und an das wir uns alle gern zurückerinnern. Obendrein ist da ein fein ausbalancierte Mix aus Übermut, Melancholie, Witz, Tiefsinn.

Caroline O'Donoghue schreibt klug und scharfsinnig wie feinfühlig über die großen Themen des Lebens. Es gibt berührende wie herzerwärmende und übersprudelnde Momente, die wir mit jeder Faser gespürt haben. Am Ende erfüllt uns das Gefühl, das nur wenige gute Bücher bei uns hinterlassen. Darin waren wir uns so was von einig!

Die Sache mit Rachel

von Caroline O'Donoghue

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Trophäe
Frank Menden

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Hunter ist ein reicher, amerikanischer Grosswildjäger, der darauf versessen ist , endlich die „Big Five“ zu vollenden.
Dafür bietet er viel Geld. Doch als sein Traum platzt, weil Wilderer das ihm zugedachte Nashorn vor ihm erwischen, überrascht ihn sein Freund Van Heeren mit der Aussicht auf eine noch größere Trophäe….

Lange habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich über „Trophäe“ schreiben könnte, wie diesem außergewöhnlichen Leseerlebnis mit Worten beizukommen wäre.
Nun, ich weiß es immer noch nicht.
Die Wirkung dieses Romans besteht weniger in der Überraschung ( für mich war das Ende von Beginn an absehbar), als in der Intensität, in der die Geschichte erzählt wird. In den nahezu philosophisch Betrachtungen über die Jagd und die Ausbeutung eines Kontinents, über den Mangel ( und die Bereitschaft) an Verständnis für andere Kulturen . Und in den ethischen Fragen, die hier erörtert werden und keine einfachen Antworten liefern.
Ein außergewöhnlicher Roman , in dem das „wie“ mir viele Gedankenräume öffnete - und der definitiv nichts für Zartbesaitete ist.
Man muss die Geschichte in all ihrer plastischen Darstellung aushalten können. Vor allem aber muss man die Bilder, die sich von alleine einstellen, aushalten.
Wenn man sich dazu entschließt wird man mit einem außergewöhnlichen Leseerlebnis belohnt, das man wohl nie vergessen wird.

Trophäe

von Gaea Schoeters

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Wir werden jung sein
Frank Menden

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Was wäre, wenn man nicht mehr altern würde ? Wenn man immer jung sein könnte bzw. sich wieder verjüngen könnte? Und dies ganz einfach ginge, nur die Einnahme eines Medikaments wäre nötig? Würde man es nehmen?
Im ersten Schritt könnten viele von uns dies sicherlich bejahen.
Aber was wären die Folgen ?
Überbevölkerung , kollabierende Renten- und Sozialsysteme, einfrieren des Status Quo und weniger Innovationswillen da man ja jetzt nahezu unsterblich ist …

Diesen Fragen geht Maxim Leo in seinem neuen Roman „Wir werden jung sein“ nach.
Anhand von vier Menschen unterschiedlichen Alters , die als Folge einer neuen Therapie gegen Herzprobleme langsam jünger und fitter werden, beleuchtet er dieses Gedankenexperiment auf vielfältige Art und Weise .
Herausgekommen ist ein mitreißender und überaus kurzweilig zu lesender Roman , der gerade im letzten Drittel vermehrt zum nachdenken anregt und die eingangs erwähnten wichtigen Fragen aufwirft.
Das hätte für meinen Geschmack gerne noch mehr in die Tiefe gehen können, ist aber auch so ein gelungener Beitrag zu einer Diskussion, die uns alle immer wieder beschäftigt ( Stichwort „Jugendkult“ ) und an der die Wissenschaft schon lange intensiv forscht und arbeitet.
Sehr zu empfehlen

Wir werden jung sein

von Maxim Leo

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In den Augen meiner Mutter
Frank Menden

Frank Menden

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Durch einen Zufall stößt die hochschwangere Georgie im Internet auf ein Bild ihrer Mutter . Offensichtlich hat die Frau , die vor 20 Jahren von heute auf morgen ohne jeglichen Grund ihre Familie verließ, in den schottischen Highlands ein verirrtes Mädchen in einer Höhle gefunden.

Spontan macht sich Georgie zusammen mit ihrem Bruder Dan auf die Suche nach dieser Frau - und auf Antworten zu lange unausgesprochenen Familiengeheimnissen….

„In den Augen meiner Mutter“ von Jo Leevers ist ein flüssig und mitreißend erzählter Roman, der auf mehreren Zeitebenen von familiären Verstrickungen und Geheimnissen erzählt, von trügerischen Erinnerungen und nie ausgesprochenen Dingen, von Schuld und Lügen und Verdrängung - und von Liebe.
Es ist der Autorin hoch anzurechnen, dass die Geschichte den Kitsch stets vermeidet. Die Übersetzung von Marie Hochsieder trägt dazu bei, dass mich dieser Roman im diesjährigen Weihnachtsgeschäft wunderbar unterhalten hat.

Wer gute Unterhaltung mit dem richtigen Maß an Tiefgang sucht ist hier genau richtig.

In den Augen meiner Mutter

von Jo Leevers

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Der Sommer zu Hause
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Der Sommer zeigt sich jetzt in seiner vollen Blüte. Passend dazu möchte ich Ihnen noch ein Buch kredenzen, das in diese Jahreszeit so gut passt, aber natürlich auch im Herbst und Winter gelesen werden kann. Der Berlin Verlag hat sich mit dem deutschen Titel keinen Gefallen getan, und somit die Halbwertzeit des Buches etwas gedrosselt. Das englische Original heißt "Tom Lake", übrigens vom Guardian und der Washington Post gefeiert. Und das zu Recht!

Lara ist die Ich-Erzählstimme. Die 57jährige ist die Mutter von drei erwachsenen Töchtern, die beim ersten Lockdown zur Kirschernte nach Hause gekommen sind. Die Eltern betreiben im nördlichen Michigan eine Obstfarm. Emily will das Gut nach ihrem Studium der Agrarwissenschaften übernehmen, Maisie möchte als Tierärztin arbeiten und Nell in die Fußstapfen der Mutter treten: Sie will Schauspielerin werden.

Genau das war Lara in jungen Jahren. Eher zufällig ist sie in diesen Job hineingestolpert. Es mag neben ihrem Talent wohl auch diese Leichtigkeit sein, die aus dem Provinzmädchen eine gefragte Schauspielerin gemacht hat. Ein Mädchen, das an der Seite eines bekannten Schauspielers gestanden hat. Aber wie kam das alles? Und was hat es mit Peter Duke auf sich? Warum hat sich die Mutter der Schauspielerei abgewandt und wurde stattdessen eine Farmerin? Diesen Fragen beugt sich Lara, während ihr Kirschen zwischen den Fingern hängen.

So mäandern wir zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. All das fließt ganz harmonisch wie in einem Atemzug ineinander. Wir bleiben dabei besonders in jenem Sommer am Tom Lake hängen, wo Lara die Emily aus Unsere kleine Stadt in einem Sommertheater gespielt hat. Dort traf sie auf Duke, Sebastian, und ihre Freundin Pallas. Was für eine tolle Kulisse! Was für herrliche Szenen!

Und was für ein wundervolles Buch! Atmosphärisch dicht, herzerwärmend und herrlich ruhig geschrieben. Das Buch zeigt, dass selbst leise Töne laut sein können. „Der Sommer zu Hause“ ist ein Reigen aus schönen Sätzen, in die ich mich seufzend geschmiegt habe. Obendrein ist's ein friedvoller wie sommerlich flirrender Slow-Burner zum Gernhaben und Nicht-wieder-Loslassen-wollen.

Eine literarische Meditation über die Liebe in jeglicher Form, übers Erwachsenwerden, Träume, Sehnsüchte, Schauspielerei und die Familie. Das perfekte Geschenk für die beste Freundin, die liebe Kollegin, die Liebste, die Tochter, Tante, Nichte, Cousine oder Mutter für laue Sommernächte - sofern es zwischen den Zeilen auch mal ruhiger zugehen darf.

Der Sommer zu Hause

von Ann Patchett

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Porträt auf grüner Wandfarbe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Elisabeth Sandmann publiziert In ihrem gleichnamigen Verlag seit über 20 Jahren Bücher über herausragende Frauen. War es da nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst schriftstellerisch tätig wird? Vielleicht. Mit Sicherheit weiß ich, dass die Verlagsbuchhändlerin mit „Porträt auf grüner Wandfarbe“ für mich einen der schönsten Frauen- und Familienromane des Jahres geschrieben hat. Ein Buch, das nicht nur optisch eine Augenweide ist, auch das Innenleben leuchtet. Und ganz ehrlich? Ich weiß nicht, wie ich Ihnen in wenigen Worten die Fülle die Geschichten in kurzen Zeilen wiedergeben soll.

Am besten beginne ich von vorn. Die Londonerin Übersetzerin Gwen bekommt von ihrer betagten Tante Lily einen Anruf. Wir schreiben das Jahr 1989. Die Mauer ist gefallen. Lily will mit Gwen nach Pommern reisen - zu den Familienwurzeln, jetzt, wo das wieder möglich ist. Gwen fühlt sich überrumpelt, eigentlich wollte sie mit ihrer besten Freundin Laura nach Italien. Und nun das. Gwen besinnt sich, fragt Laura. Diese willigt ein. Zusammen reisen Gwen, Laura und Lily mit ihrer Freundin Lotte von Berlin an die polnische Ostsee.

Vorher passieren ungeplante Dinge, denn Gwen taucht in die Tiefen ihrer Familiengeschichte ein. Und die ist bunt, bewegend, aufregend. Und obendrein derart mitreißend erzählt. Kunst kommt darin vor, aber auch lang verschwiegene Geheimnisse, nicht ganz verheilte Wunden. Gwen liest alte Briefe und Aufzeichnungen und entdeckt dabei Ellas Geschichte, sie ist eine der tragenden Frauen, die mich die ganze Zeit wie eine Freundin begleitet. Und dann ist da noch ein verborgenes Geheimnis, das niemand ansprechen will, aber ein wichtiges Mosaiksteinchen ist, das vieles erklären könnte - wie den Tod von Gwens Mutter.

Keine Seite ist zu viel in diesem Familien- und Frauenepos, das uns auch quer durch Europa führt, und die politischen Verflechtungen genauso klug einwebt wie den Wunsch der Frauen nach Unabhängigkeit. So treffe ich auf taffe Frauen, die ihrer Zeit voraus sind und mich durch ihre eigene selbst bestimmte Art tief beeindrucken.

Elisabeth Sandmann weiß, was gut erzählte Romane auszeichnet, die aus der Masse hervorblitzen. Nicht nur mit einer wundervollen Covergestaltung. Sie berührt mich an vielen Stellen, lässt mich nach charmanten Dialogen gleichwohl schmunzeln. Und am Ende fehlen mir die Figuren. Auch das zeichnet gute Romane aus, wenn ihr Innenleben in unseres übergeht.

Sollten Sie gern Hörbücher hören, dann möchte ich Ihnen die Hörbuchfassung ans Herz legen, denn dieser bin ich mit großer Begeisterung gefolgt. Elisabeth Günther spricht die Geschichte kongenial und schafft ein hochklassiges Erlebnis, sie gibt jeder Figur eine eigene Stimme! Doch selbst in Buchform ist dieser Roman einprägend und eine absolute Empfehlung! Nicht nur für Fans von Alena Schröder.

Porträt auf grüner Wandfarbe

von Elisabeth Sandmann

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Licht zwischen den Bäumen (Steidl Pocket)
Frank Menden

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„An dem Abend, als wir Ellen am Straßenrand zurückließen, fuhren wir die 252 in nördlicher Richtung entlang….“

Mit diesen Worten beginnt „Licht zwischen den Bäumen“, der Debütroman von Una Mannion, übersetzt von Tanja Handels.
Der Ton ist gesetzt, dies ist keine heitere Familiengeschichte, keine der üblichen Coming of Age Erzählungen.

Ellen ist 12, sieht aufgrund ihrer schmächtigen Statur jedoch deutlich jünger aus. Die alleinerziehende Mutter Faye ist überfordert vom Leben , überfordert vom ihren fünf Kindern . Und so wirft sie kurzerhand ihre Tochter aus dem Auto , als diese sie fortwährend um die Teilnahme an einer Kunstakademie bittet.
Die Dämmerung hat bereits eingesetzt , das kleine Mädchen bleibt alleine zurück .
Eine Entscheidung, ein Augenblick , der alles verändern wird, der die 14jährige Erzählerin Libby schlagartig erwachsen werden lässt und auch ihre vier Geschwister nachhaltig prägen wird.
Denn obwohl Ellen an diesem Abend wieder den Weg nachhause findet, wird fortan nichts mehr sein wie es war …..

Das klingt jetzt ein wenig nach Kolportage und schlechtem Cliffhanger, doch lasst euch bitte nicht täuschen : dieses Buch ist ein Juwel.
Voller Andeutungen, mit geschickt eingestreuten Krimielementem, erzählt Una Mannion von fünf Geschwistern, die auf ihre Art dem Schicksal trotzen, eine Gemeinschaft, die wahre Not kennt und aus Unkenntnis der Welt der Erwachsenen gegenüber fatale Entscheidungen trifft .
Ein ungemein atmosphärischer Roman , der sich einer Genrefestlegung entzieht, ungemein berührend , spannend und durch und durch bemerkenswert.

Licht zwischen den Bäumen (Steidl Pocket)

von Una Mannion

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Der Lärm des Lebens
Frank Menden

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Schreibende SchauspielerInnen gibt es einige. Nicht alle vermögen auch auf dem Papier zu überzeugen. Einige reüssieren - und andere leider nicht .
Jörg Hartmann, bekannt u.a. aus „Weißensee“ und dem Dortmunder „Tatort“, überzeugt mit „Der Lärm des Lebens“ auf ganzer Linie.

Sein mit großer Offenheit geschriebener Text schildert sowohl das Berufliche wie auch das Private.
Man erfährt viel Wesentliches über den Schauspielberuf ( und natürlich auch pointiert geschriebene Anekdoten ), über aktuelle identitätspolitische Diskurse in diesem Metier.
Man erfährt aber auch viel über das Leben abseits von Bühne und Filmset.
Über die gehörlosen Großeltern, die den Nazis entkamen. Über die Eltern, die Demenzerkrankung und den Tod des Vaters. Über die Partnerschaft und das Leben mit drei Kindern.
Und über den Ruhrpott im allgemeinen und Dortmund-Herdecke im besonderen.

Dies alles ergibt ein sehr rundes Buch, ein Buch über den titelgebenden Lärm des Lebens mit all seinen Aspekten. Es ist ein eher leises Buch , grundsympathisch, uneitel und offen.
Ich habe dieses Buch mit großem Gewinn gelesen, denn der Kreislauf des Lebens , die Frage über Herkunft und Heimat, die beschäftigen uns alle immer wieder.
Jörg Hartmann geht ihnen auf besondere Art und Weise nach.
Sollte man lesen!

Der Lärm des Lebens

von Jörg Hartmann

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Das Sommerfest
Simone Finkenwirth

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Kurz - wirklich nur ganz kurz wollte ich zwischen den Jahren in dieses Buch reinlesen. Das mache ich zu der Zeit immer. Ich begutachte die Neuerscheinungen des Frühlings. Doch dann wurde es länger. Und wissen Sie was? Genau das fand ich großartig! Wenn ich einen Leseschatz Monate vor Erscheinen entdecke, fühlt sich das stets wie ein Feuerwerk an. Genauso empfand ich den neuen Roman von Adrienne Brodeur „Das Sommerfest“. Wem der Name bekannt vorkommt, liegt richtig. Denn die Autorin hatte mit ihrem Debüt „Wild Game“ etliche begeisterte Leser:innen. Nun legt sie nach. Und ich vermute: Ich bleibe nicht die einzige Jubelstimme. Der englische Titel „Little Monsters“ trifft für mich den Inhalt mehr. Aber Monster gehen im deutschsprachigen Raum offenbar nicht ganz so leicht, daher wohl diese Verlagsentscheidung.

Es ist so ein Buch, das man einmal aufgeschlagen, nicht mehr an die Seite legen möchte. Brodeur erzählt von einer interessanten Familie. Adam ist das Familienoberhaupt. Sein siebzigster Geburtstag nähert sich und der soll groß gefeiert werden. Warum bis dahin alte Dinge nicht ablegen? Wie die Tabletten, die Adam seit Jahren nimmt, um seine bipolare Störung in Schach zu halten. Während Adam dieses Experiment wagt, staucheln seine beiden erwachsenen Kinder. Abby ist schwanger von ihrem langjährigen Geliebten. Gleichzeitig wächst das Interesse an ihrer Kunst. Abbys Bruder hingegen ist getrieben vom Erfolg, verdrängt die Rufe seiner verletzten Seele, doch Monster lassen sich schwer besänftigen. Und wer ist diese fremde Frau? Steph taucht plötzlich auf und hat ein Geheimnis in der Tasche.

Atemlos bin ich durch die Seiten gepeitscht – bis zum furiosen filmreifen Finale. Überhaupt ist das ganze Setting – Cape Cod – wie zahlreiche Szenen absolut filmreif. So verwundert es mich nicht, dass auch Miranda Cowley Heller - die Autorin von „Der Papierpalast“ - ihrer Kollegin ein begeistertes Zitat gewidmet hat. Denn ich sah einige Parallelen, obwohl der Kern der Geschichte ein anderer ist. Aber wir Buchhändler:innen denken ja gern in sogenannten Referenztiteln: "Mochten Sie das Buch, dann werden Sie dieses ebenso lieben."

„Das Sommerfest“ ist eine bewegende Familiengeschichte, ein flirrender Kosmos aus verschiedenen Figuren. Ein Roman, der mitunter zu Herzen geht, aber niemals ins Kitschige kippt. Alles ist perfekt ausbalanciert.

Das Sommerfest

von Adrienne Brodeur

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Die Stadt und ihre ungewisse Mauer
Simone Finkenwirth

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Der neue Roman von Haruki Murakami erfreut sich ja derzeit großer Beliebtheit und führt die Spiegel Bestsellerliste an. Für mich ist das eine ganz besondere Freude, denn ich bin seit vielen Jahren eine große Bewunderin des japanischen Autors, der in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden ist. Was ist nun dran an diesem Hype? Lohnt sich die Lektüre?

Allen Murakami-Fans kann ich das neue Buch uneingeschränkt empfehlen, denn bereits nach den ersten Seiten treffen wir auf eine vertraute Murakami-Szene: Die Freundin des Erzählers berichtet von der anderen Stadt. Dort lebe ihr wahres Ich. Hier im Jetzt sei nur ihr Schatten. Ein wandernder Schatten sozusagen. Für uns eingefleischte Murakami-Fans liest sich das ganz normal, so als würde der Nachrichtensprecher das Wetter für morgen ankündigen.

Für Neulinge könnte das allerdings befremdlich erscheinen. Ja, man braucht eine bestimmte Offenheit, um in diesen Murakami anzukommen. Aber es lohnt sich.

Denn Murakami nimmt uns nicht nur mit in verschiedene Ebenen und zeigt, wie kraftvoll die Fantasie sein kann, er schreibt genauso über all die Themen, die uns Menschen gleichermaßen beschäftigen: Das Leben als solches, über die Wirklichkeit, die Ängste, die Einsamkeit und die große Liebe, für die man bereit ist, alles zu geben. So folge ich seinem verliebten Helden, bleibe ganz oft an großen Sätzen hängen wie vor etlichen Szenen, reibe mir ungläubig die Augen. Und denke: Wie unglaublich ist das bitte nur?!

Murakami seziert alles bis ins Kleinste, er eröffnet uns ein Mikrokosmos und es wird nie langweilig. So ist er mitunter sehr philosophisch, poetisch, weise und natürlich rätselhaft. Aber auch melancholisch. Kaum ein Autor versteht es, derart schön über das dunkle Gefühl zu schreiben, dass man sich gleich weniger traurig fühlt. Nicht zu vergessen, das vielseitige, feine Figurenkabinett, das er mit großer Liebe ausgearbeitet hat. Übrigens ist die Grundidee des Romans vor vielen Jahren entstanden 1980, damals erschien eine Kurzgeschichte. Da er von der Geschichte nicht überzeugt war, wollte er sie nicht in Buchform veröffentlichen. Aber ganz losgelassen hat sie ihn nie. Und während des Lockdowns fing er wieder an, an ihr zu arbeiten, zwei Jahre lang. Und das ist das Ergebnis!

Wer je bezweifelt hat, ob Murakami den Literatur-Nobelpreis verdient hat, der findet in „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ eine Antwort. Denn hier zeigt sich große Erzählkunst, die tief beeindruckt und nicht ohne Grund eine große feste Fangemeinde hervorgehoben hat. Diese trifft sich aktuell auf Instagram bei reading_haruki_murakami. Kommen Sie gern vorbei und sprechen mit uns. Oder natürlich auch bei uns im Laden. Ich freue mich auf den Austausch!

Allen Hörbuch-Freunden empfehle ich auch das von David Nathan eingesprochene Hörbuch! Großes Kopfkino!

Ich verneige mich vor allen: dem Autor, seiner Übersetzerin Ursula Gräfe und dem Vorleser. Und Ja, der Hype ist so was von berechtigt!

Die Stadt und ihre ungewisse Mauer

von Haruki Murakami

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Lichtungen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wie zarte Regentropfen berühren mich Iris Wolffs Sätze. Ich spüre, „Lichtungen“ ist kein Buch, das man mal eben in der Bahn liest. Dafür ist es zu gehaltvoll, wertvoll. Jeder Satz möchte mit voller Aufmerksamkeit betrachtet werden. Und noch etwas passiert während des Lesens: „Lichtungen“ entschleunigt mich auf bezaubernde Weise. Liegt es an der besonderen Beziehung der Hauptfiguren, Lev und Kato? Oder an der feinsinnigen, zarten wie poetischen Sprache? Oder dem ungewöhnlichen Erzählstil? So beginnt die Autorin mit dem Ende.

Im Mittelpunkt stehen Kato und Lev, die sich als Schulkinder kennenlernen, als Lev erkrankt. Das Band zwischen ihnen bleibt die Jahre bestehen, und wir begleiten die beiden auf ihren verschiedenen Stationen des Lebens, lernen die unterschiedliche Charaktere kennen. Während Kato als Straßenzeichnerin durch die Welt reist, bleibt Lev im Ort der Kindheit. Erst als Kato Lev eine selbstgemalte Karte mit der Frage schickt: „Wann kommst du?“ wagt Lev den Aufbruch... - genau der steht nun am Anfang des Buches, und wir bewegen uns langsam zurück.

Wie bereits in „Die Unschärfe der Welt“ reist Iris Wolff mit uns an den Ort ihrer Kindheit – nach Siebenbürgen. Die Autorin wurde in Rumänien geboren, verbrachte dort die ersten acht Jahre des Lebens. Es scheint, als gäbe es eine unsichtbare Schnur, die sie immer wieder dorthin zurückführt. Ich bin ihr - wie mein Kollege Frank Menden ebenfalls - auch dieses Mal mit Staunen und Bewunderung gefolgt. Wie viel Themen sie in diesem schmalen wie gehaltvollen Buch eingearbeitet hat, ist derart kunstvoll, dass sich das Feuilleton und die Leserschaft alle einig sind: Dieses hier ist ein umwerfend schönes wie beeindruckendes Buch, das zeigt: Wir brauchen nicht immer auf alles Antworten, manchmal ist das Schweben auch ein schöner Zustand. Kato und Lev werden es ihnen bestätigen.

Lichtungen

von Iris Wolff

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Die Gouvernanten
Simone Finkenwirth

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„Die Governanten“ von Anne Serre wurde unlängst von der SWR-Lesenswert-Redaktion so wohlwollend besprochen, dass ich sofort ins Buch einsteigen wollte. Gleich zu Beginn habe ich ein Déjà vu: Ich fühle mich an Nabokovs „Ada oder Das Verlangen“ von Vladimir Nabokov erinnert. Da ist diese fantastische leicht märchenhafte Atmosphäre, die ich bis heute nicht vergessen kann. Sonderbar ist hier einiges und wie Sie wissen, mag ich auch solche Bücher.

Im Zentrum des Romans bewegen sich drei Governanten, die eingestellt wurden, um die Kinder zu erziehen. Doch diese Arbeit ist nur reine Nebensache. Der Dienstherr Monsieur Austeur hat die drei Frauen auch angestellt, weil er Unordnung in seinem Leben braucht. Und so stolzieren Éléonore, Inés und Laura in die abgeschiedene Villa – das Gepäck besteht nicht nur aus Koffern, sondern auch aus Erinnerungen, Bäumen, Häusern... alle drängen sie ins Haus, denn mit dem Dienstantritt geben die Frauen alles Bisherige aus ihrem Leben ab.

Wie jetzt? werden Sie sich jetzt vielleicht fragen, das geht doch nicht. Hier schon. Die Geschichte hat surrealistische Elemente, für die man offen sein sollte. Angekommen, mischen die Governanten mächtig auf, ziehen dahergelaufene unbekannte Männer am Tor in den Garten und fallen über sie her wie Spinnen über ihre Beute. Obendrein wird jede Handlung von einem Herrn von gegenüber – dem alten Greis - mit seinem Fernrohr beobachtet.

Wer erzählt uns jetzt die Geschichte? Der Spanner? Monsieur Austeur? Seine Frau? Man weiß es nicht. Ich muss es auch nicht, denn ich bin mit etwas anderem beschäftigt: Hinter fast jedem Satz mache ich eine sinnliche oder skurrile Entdeckung, über die ich schmunzele oder mir verwundert die Augen reibe. Ich lasse mich komplett in die Szenerie fallen, höre ein Seufzen, ein Rascheln und andere Geräusche.

Nach der Lektüre kehre ich mit roten Wangen und glühenden Augen in die Gegenwart zurück, denke wieder einmal: Wie großartig ist die Welt der Literatur!? Was kann sie auf wenigen Seiten für Filme erzeugen?! Dass dieser Roman in Hollywood gerade verfilmt wird, verwundert mich daher überhaupt nicht. Nabokov hätte das sicherlich auch gefallen.

Die Gouvernanten

von Anne Serre

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Auf Wiedersehen
Frank Menden

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Jasmins Ramadans erster Roman seit sieben Jahren handelt von einer Gruppe Mitt-und Endvierzigern in Hamburg. Wie eine Art moderner Reigen erzählt sie von einer ehemaligen Freundesgruppe, die aufgrund des Verschwindens von Hendrik, dem unsympathischsten Mitglied der Ex-Clique, wieder zusammenfindet.

Der Roman bietet neben wunderbaren Hamburg Motiven und Momenten eine etwas überzeichnete, aber ungemein unterhaltsame und spitzfindige Analyse des Lebens dieser Altersgruppe und ihrer Befindlichkeiten. Vom Überdruss in Partnerschaften, Luxusproblemen und Entfremdung unter ehemals besten Freunden, von Unsicherheiten, neuen und alten Lieben.
Das bietet Suchtpotential wie eine Miniserie, vor allem weil Jasmin Ramadan lustvoll mit jedweden Klischees spielt.
Vor allem Hamburger*innen sollten sich diesen mitreissenden und sehr viel Spaß machenden Roman nicht entgehen lassen!

Auf Wiedersehen

von Jasmin Ramadan

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Das Jahr ohne Sommer
Frank Menden

Frank Menden

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In ihrem neuen Roman erzählt Constanze Neumann von einem Mädchen zwischen zwei Welten, der DDR und der BRD.
Als die namenlose Protagonistin etwa sechs Jahre alt ist planen die Eltern die Flucht in den Westen . An der Grenze werden sie jedoch zusammen mit ihrer kleinen Tochter durch einen Verrat gefasst und ins Gefängnis gesteckt .
Das Mädchen kommt zur Großmutter bis sie den von der BRD freigekauften Eltern in den Westen folgen kann .
In Aachen finden sie ein neues Heim, ein Zuhause wird es lange nicht werden….

Nach „Wellenflug“, in dem Constanze Neumann über die Herkunft ihrer Familie erzählte, ist „Das Jahr ohne Sommer“ ihr zweiter Roman. Ebenso autobiografisch, erzählt sie hier ihre eigene Kindheit und Jugend .
In kurzen, dichten Sätzen erzählt sie frei von Pathos und fern jeglicher Sentimentalität vom Alltag in der DDR und den Schwierigkeiten sich in der neuen westlichen Welt zurechtzufinden.
Eltern wie Tochter stehen vor schweren Herausforderungen und durchleben die Schwierigkeiten sich ein neues Leben aufzubauen, sich einzugliedern und doch fremd zu bleiben . Dabei kämpft die Mutter zusätzlich noch mit den psychischen Folgen ihrer zweijährigen Haftzeit.
Dies alles schildert die Autorin sehr offen, mit einem ungeheuren Gespür für Feinheiten und Nuancen . Es ist eine mir bis dato nie so deutlich klargewordene Zwischenwelt, die hier in all ihrer Deutlichkeit und Komplexität dargestellt wird.

„Es war nun so, wie es hatte sein sollen, wie wir es uns immer gewünscht hatten, und doch war alles ganz anders und fremd und verwirrend, und so würde es lange bleiben.“

Diesen Roman sollte man sich nicht entgehen lassen!

Das Jahr ohne Sommer

von Constanze Neumann

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