Der neue Roman von Haruki Murakami erfreut sich ja derzeit großer Beliebtheit und führt die Spiegel Bestsellerliste an. Für mich ist das eine ganz besondere Freude, denn ich bin seit vielen Jahren eine große Bewunderin des japanischen Autors, der in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden ist. Was ist nun dran an diesem Hype? Lohnt sich die Lektüre?
Allen Murakami-Fans kann ich das neue Buch uneingeschränkt empfehlen, denn bereits nach den ersten Seiten treffen wir auf eine vertraute Murakami-Szene: Die Freundin des Erzählers berichtet von der anderen Stadt. Dort lebe ihr wahres Ich. Hier im Jetzt sei nur ihr Schatten. Ein wandernder Schatten sozusagen. Für uns eingefleischte Murakami-Fans liest sich das ganz normal, so als würde der Nachrichtensprecher das Wetter für morgen ankündigen.
Für Neulinge könnte das allerdings befremdlich erscheinen. Ja, man braucht eine bestimmte Offenheit, um in diesen Murakami anzukommen. Aber es lohnt sich.
Denn Murakami nimmt uns nicht nur mit in verschiedene Ebenen und zeigt, wie kraftvoll die Fantasie sein kann, er schreibt genauso über all die Themen, die uns Menschen gleichermaßen beschäftigen: Das Leben als solches, über die Wirklichkeit, die Ängste, die Einsamkeit und die große Liebe, für die man bereit ist, alles zu geben. So folge ich seinem verliebten Helden, bleibe ganz oft an großen Sätzen hängen wie vor etlichen Szenen, reibe mir ungläubig die Augen. Und denke: Wie unglaublich ist das bitte nur?!
Murakami seziert alles bis ins Kleinste, er eröffnet uns ein Mikrokosmos und es wird nie langweilig. So ist er mitunter sehr philosophisch, poetisch, weise und natürlich rätselhaft. Aber auch melancholisch. Kaum ein Autor versteht es, derart schön über das dunkle Gefühl zu schreiben, dass man sich gleich weniger traurig fühlt. Nicht zu vergessen, das vielseitige, feine Figurenkabinett, das er mit großer Liebe ausgearbeitet hat. Übrigens ist die Grundidee des Romans vor vielen Jahren entstanden 1980, damals erschien eine Kurzgeschichte. Da er von der Geschichte nicht überzeugt war, wollte er sie nicht in Buchform veröffentlichen. Aber ganz losgelassen hat sie ihn nie. Und während des Lockdowns fing er wieder an, an ihr zu arbeiten, zwei Jahre lang. Und das ist das Ergebnis!
Wer je bezweifelt hat, ob Murakami den Literatur-Nobelpreis verdient hat, der findet in „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ eine Antwort. Denn hier zeigt sich große Erzählkunst, die tief beeindruckt und nicht ohne Grund eine große feste Fangemeinde hervorgehoben hat. Diese trifft sich aktuell auf Instagram bei reading_haruki_murakami. Kommen Sie gern vorbei und sprechen mit uns. Oder natürlich auch bei uns im Laden. Ich freue mich auf den Austausch!
Allen Hörbuch-Freunden empfehle ich auch das von David Nathan eingesprochene Hörbuch! Großes Kopfkino!
Ich verneige mich vor allen: dem Autor, seiner Übersetzerin Ursula Gräfe und dem Vorleser. Und Ja, der Hype ist so was von berechtigt!
Die Stadt und ihre ungewisse Mauer
von Haruki Murakami
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