Ich kannte Sri Lanka bisher als beliebtes Reiseziel. Doch der Bürgerkrieg war mir weniger vertraut. Gut, ich war beim Beginn noch sehr klein, lebte in einem Land, das alles andere als frei war. Aber jetzt nach V.V. Ganeshananthans Roman bin ich schlauer. "Der brennende Garten" hat mir wieder gezeigt, warum ich lese. Nicht nur, um abzutauchen. Sondern, weil ich dabei fremde Lebenswelten kennenlernen kann.
Wir begleiten Sashi, eine junge Frau, die mit ihren vier Brüdern und Eltern in Jaffna auf Sri Lanka ein gutes Leben führt, bis der Bürgerkrieg ausbricht. Die Tigers, tamilistische Seperatisten, stehen den regierungsnahen Singhalesen gegenüber. Es gibt Überfälle, zahlreiche unschuldige junge Männer werden von der Regierung festgenommen, ohne, dass sie etwas gemacht haben. Tiger bildet in Indien Krieger aus, rächt sich, und tötet dann selbst.
In diesen Konflikt schlittert unsere Ich-Erzählerin mit ihren Brüdern, die sich teils den Tigern anschließen. Ich erlebe eine junge Frau, die hin- und hergerissen ist. Einerseits will sie Ärztin werden, und beginnt ihr Medizinstudium. Andererseits will sie helfen. Als ein guter Freund K. an sie herantritt, und fragt, ob sie im Tiger-Lazarett Verwundete, auch Zivilisten, verarzten will, braucht sie nicht lange für ihre Antwort. Und doch steht die junge Frau bald zwischen den Fronten. Denn ihr Studium leidet unter diesem Einsatz. Und überhaupt will sie keinen Krieg. Doch es ist nicht alles finster, denn Sashi trifft auf Menschen wie ihre Professorin Anjali Acca, die sie durch ihre Denkweise und Zuwendung auffangen wie gute Bücher. Gelesen wird hier übrigens viel.
V.V. Ganeshananthan schreibt in einem ruhigen Ton eine aufwühlende Geschichte. Manchen Lesenden war einiges zu ausführlich auserzählt, ich habe indes jede Seite verschlungen, und nichts überblättert. Die innere Zerrissenheit der Heldin habe ich mit jedem Atemzug so sehr gefühlt wie den Konflikt, der die Familie bis ans Äußerste führt. Für mich bleibt dieses eindringliche und preisgekrönte Buch noch lange im Herzen. Ja, viel mehr noch: Es ist ein Highlight in diesem Lesejahr, das ich meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor zu verdanken habe. So hat meine Kollegin die Women's Prize for Fiction 2024 bereits im Original gelesen, bevor es Sophie Zeitz ins Deutsche übertragen hat.
Der brennende Garten
von V. V. Ganeshananthan
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