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Empfehlungen aus Taschenbuch

Hammerfrau
Frank Menden

Frank Menden

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„Nein, ich war nicht leichtsinnig, sicher nicht. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich bin es leid, mir diese Frage zu stellen. Oder sie gestellt zu bekommen. Aber es war genau diese Frage, die mir viele gestellt haben, ohne sie auszusprechen. Ich habe sie in ihren Blicken gesehen.“

Julia steht kurz vor ihrem Durchbruch als Sopranistin als ein kleiner Gang durch den Park alles verändert. Hier wird sie von einem ihr unbekannten Mann, dem Plattenverkäufer Thomas, mit einem Hammer attackiert, die Folgen werden sie den Rest ihres Lebens begleiten.

Opfer wie Täter berichten abwechselnd wie es zu dieser Tat kam, wie ihr Leben davor verlief, wie danach.

„Hammerfrau“ von Mario Kreszner ist ein aufrüttelnder Roman. Ein Roman, der genau hinsieht, der beide Perspektiven nicht kommentiert und dessen Sympathien doch klar verteilt sind.
Es ist eine Geschichte, wie sie beinah täglich passiert und die uns alle zwingt genauer hinzusehen.
Und uns vor Augen führt, mit welchem Blick Männer Frauen betrachten.
Absolute Leseempfehlung!

Hammerfrau

von Mario Keszner

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Das Haus der Türen
Frank Menden

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1921 besucht der berühmte Schriftsteller William Somerset Maugham einen alten Freund aus London in Penang. Hier in Malaysia lebt der Anwalt Robert Hamlyn zusammen mit seiner Frau Lesley und freut sich, seinen einstigen Mitbewohner, der von seinem Sekretär - und dies ist schnell klar - und Liebhaber begleitet wird, wiederzusehen.
Der Besuch wird für den von seiner Asienreise erschöpften Schriftsteller allerdings weniger erholsam als gedacht.
Schnell erkennt er, dass es mit der Ehe seiner Gastgeber nicht zum besten steht und je mehr er und Lesley sich annähern, umso mehr erfährt er die Hintergründe dieser langsamen Entfremdung.
Da ist neben Roberts Krankheit, ein durch einen Giftgasangriff im Ersten Weltkrieg verursachtes Lungenleiden, auch Lesleys Zusammenarbeit mit einem bekannten chinesischen Revolutionär.
Und da ist ja auch noch der zehn Jahre zurückliegende Skandal um Lesleys Freundin Ethel, die in einem spektakulären Prozess des Mordes beschuldigt wurde….

Als großer Fan der Werke W. Somerset Maughams ( man sollte unbedingt „Der Menschen Hörigkeit lesen ) war der für den Booker Prize nominierte Roman „Das Haus der Türen“ natürlich ein Muss.
Tan Twan Eng hat einen atmosphärischen Roman über Menschen geschrieben, die Gefangene der Konventionen ihrer Zeit sind. Gleichberechtigung der Frau, Homosexualität und politischer Freiheitskampf sind ebenso seine Themen wie die Manipulation von Menschen durch einen Autoren, der alles ihm anvertraute für sein Werk nutzt.
Somerset Maughams vorherrschendes Thema seiner Romane waren die menschlichen Schwächen, die zum scheitern von Beziehungen führen: Selbstsucht, Stolz, Heuchelei, Feigheit und Angst.
Tan Twang Eng greift dies in seinem hervorragend von Michaela Grabinger übersetzten Roman auf und zeigt uns zudem in einem genialen Twist, wie Literatur ihre Magie entfaltet.
Ein sehr zu empfehlender Roman, nach dessen Lektüre man unbedingt Maughams „The Letter“ lesen sollte.

Das Haus der Türen

von Tan Twan Eng

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Hier draußen
Frank Menden

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„Was hier üblich war und schon immer so, das hatte so zu passieren, und wer das nicht abkonnte, gehörte eben nicht dazu.“

Fehrdorf in Schleswig-Holstein. Hier hat alles und jede(r) seinen angestammten Platz. Nur Ingo und Lara fremdeln noch ein wenig mit dem kleinen Dorf. Der Umzug von Hamburg hierher auf den schönen großen Resthof sollte ihnen und ihren Kindern die Möglichkeit für einen Neuanfang geben. Doch zwischen den Vorzeigelandfrauen, den wortkargen Bauern und den beiden letzten Bewohnern einer einstigen Öko-WG ist es schwer einen Platz zu finden, sich einzuordnen in die tradierte Choreografie des Ortes.
Als Ingo eines Abends einen Wildunfall mit einer weißen Hirschkuh hat und sich Dorfjäger Uwe weigert, dem schwer verwundeten Tier alleine den Gnadenschuss zu geben, da denjenigen, der eine weiße Hirschkuh tötet, innerhalb eines Jahres der Tod ereilt, setzt dies eine Kette von Ereignissen in Gang , die unweigerlich zu Veränderungen führt. Und da ist ja auch noch die Prophezeiung….

Es gibt nur eines, was ich nach der Lektüre von „Hier draussen“ bedaure: dass ich diesen wunderbaren Roman nicht früher gelesen habe.

Martina Behm hat einen Dorfroman geschrieben, der nichts beschönigt, der mit Klischees gleichzeitig aufräumt und sie bestätigt, mit viel Empathie und leisem Humor ihr Sujet betrachtet und das fiktive Fehrdorf mit seinen Bewohnern so lebendig werden lässt, dass man es mit allen Sinnen erfasst.
Der vielschichtige Roman bietet eine multiperspektivische Sicht auf vermeintliche und reale Dorfromantik, auf Beziehungen und Traditionen. Nie gerät der Roman in den Ruch eine thesenhafte Versuchsanordnung zu sein, dafür kennt die Autorin ihr Setting und Personal zu gut.
„Hier draussen“ ist ein Roman über das Land, das Leben - und das Landleben. Mit allen Höhen und Tiefen, allen Facetten und Schattierungen, ohne Kitsch, völlig unsentimental, lebensklug und unbedingt lesenswert!
Wie Max Moor korrekt auf dem Umschlag zitiert wird : „Ein richtig gutes Buch“

Hier draußen

von Martina Behm

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Unter Grund
Frank Menden

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Eine junge Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf und stellt sich dort ihrer Vergangenheit - ihrer rechten Vergangenheit.
Die junge Frau ist Franziska, eine Referendarin, das Dorf liegt in der fränkischen Provinz .
Hier ist sie aufgewachsen, der Vater früh verstorben, die Mutter nach dessen Tod überfordert und sich der Esoterik zuwendend, die Großmutter barsch und verschlossen.
Aus einer zufälligen Begegnung erwächst eine Freundschaft, die Franziska mehr und mehr in rechtsradikale Kreise führt…

„Unter Grund“ erzählt authentisch vom allmählichen abdriften in die Rechte Szene, von rechtem Gedankengut, das unterschwellig im Dorf schwelt und dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt, die alle am liebsten vergessen wollen.
Verdrängen und Schweigen, Wegschauen und -hören wenn es unangenehm wird, das scheint die Devise zu sein. Bis Franziska, die sich mittlerweile von ihrer Vergangenheit distanziert hat (sich aber trotzdem nicht traut mit ihrem neuen Umfeld darüber zu reden) wieder auftaucht und alte Wunden aufbrechen.

Für mich ist dieses Debüt ein überzeugender Blick auf ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit, genau beobachtet, in einem eigenen unverwechselbaren Ton geschrieben und ohne erhobenen Zeigefinger.
Ein Roman, der gelesen werden sollte !

Unter Grund

von Annegret Liepold

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Am Himmel die Flüsse
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Dieses Buch stellt mich vor eine große Herausforderung: In wenigen Zeilen den Inhalt wiederzugeben. Denn Elif Shafaks Roman ist derart weitreichend und voll an Geschichten.

Zunächst trifft mich das Wasser:

"Am Rand der Gewitterwolke hängt ein einzelner Regentropfen - kaum so groß wie eine Bohne und leichter als eine Kichererbse. Eine Weile zittert es bedenklich, das kleine, runde verschreckte Ding, denn es macht Angst, die Erde zu betrachten, die sich dort unten wie eine Lotusblüte öffnet. Dabei ist es wahrlich nicht das erste Mal. Der Tropfen hat die Reise schon oft gemacht - hinauf zum Himmel, hinunter zu festen Boden und wieder hinauf. Doch er fürchtet den Fall immer wieder."

Und dann fällt die erste starke Figur ins Augenlicht: Arthur, König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere, kommt 1840 in ärmlichen Bedingungen in London zur Welt. Er ist arm, dafür reich gesegnet mit Talenten. Genau das wird ihm in der Schule zum Verhängnis. Doch später rettet Arthur genau dies, als er zunächst als Hilfsjunge beim Verlag Bradbury & Evans beginnt. Dort sogar auf Charles Dickens trifft. Seine Neugier führt ihn ins British Museum. Hier verliebt er sich in die Lamassus (assyrische Schutzdämone) und entwickelt für die Tafeln von Ninive geradezu eine Passion.

Dem gegenüber steht Narin im Jahr 2014. Ein neunjähriges Mädchen, das an einer seltenen Krankheit leidet. Narins Familie gehört zu den Eziden. Ihre Großmutter kann Wasserquellen aufspüren, und Menschen heilen. Als sie zu Narins Taufe in den Irak reisen, wird dies ein schrecklicher Wendepunkt im Leben der Familie.

2018 stehe ich an der Seite von Zaleekhah, eine Wasser-Expertin und Wissenschaftlerin, die sich kürzlich von ihrem Mann getrennt hat. Die junge Frau hat seit dem Tod ihrer Eltern eine stete Traurigkeit in sich. Als sie in ein Hausboot zieht und deren Vermieterin kennenlernt, wird das Zaleekhahs Leben verändern.

Wie nun alle Figuren miteinander verbunden sind, das überlasse ich der herausragenden Autorin selbst.

Elif Shafak hat ein unglaubliches Buch geschrieben! Sorgfältig recherchiert, flechtet sie gekonnt menschliche Linien mit ihren Schicksalen ein. Zudem erzählt sie die hochspannende Kulturgeschichte Mesopotamiens und erschüttert uns mit den barbarischen Kriegshandlungen des IS. Schreckliche Szenen, die mich lange beschäftigt haben.

Eine große Fabulierlust durchströmt das Werk. Ich denke an beeindruckende lebenskluge Sätze genauso wie an ihre eleganten Verbindungen vom Punkt zum nächsten Satz. Für mich ist dies eins der großen Werke der Autorin - wenn überhaupt das beste - das es übrigens auch kongenial von Pegah Ferydoni eingesprochen als Hörbuchfassung bei Argon gibt.

Am Himmel die Flüsse

von Elif Shafak

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Drei Tage im Juni
Frank Menden

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Anne Tyler ist immer eine sichere Bank .
Ihr neuer Roman „Drei Tage im Juni“ , übersetzt von Michaela Grabinger, zeigt erneut ihre Meisterschaft.

Die titelgebenden drei Tage im Juni sind die Tage vor und nach der Hochzeit der gemeinsamen Tochter von Gail und Max, sowie der feierliche Tag selbst .
Gail und Max sind schon lange geschieden, haben einen guten Umgang miteinander gefunden.
So ist es für Gail auch völlig okay, Max bei sich über die Hochzeit unterzubringen.
Nicht ganz so okay ist die Ansage ihrer Chefin ihr den Job als stellvertretende Schuldirektorin wegen mangelnder Sozialkompetenz zu kündigen .
Und erst recht nicht okay ist die Tatsache, dass ihre Tochter Debbie am Tag vor der Hochzeit völlig fertig ist, da sie gerade erfahren hat , dass ihr zukünftiger Mann sie wohl vor gar nicht langer Zeit betrogen hat .
Nicht die besten Voraussetzungen für eine strahlende Hochzeit, zu der auch ein recht missglückter Friseurbesuch nicht gerade optimistisch einstimmt …

208 Seiten hat dieser Roman, und jede Seite ist ein Genuss . Anne Tyler hat mit der 61jährigen Gail eine Protagonistin geschaffen, die einem gerade wegen ihrer oftmals etwas brüsken Art sehr schnell ans Herz wächst und die uns mit all ihren Fehlern und Vorzügen wünschen lässt, dass sich alles in ihrem Leben zurechtrücken wird.
Mich hat dieser mit genauem Blick und voller Empathie erzählte Roman für ein paar Stunden völlig in den Bann gezogen und mich wieder darin bestärkt, dass Anne Tyler eine der großen amerikanischen AutorInnen ist.

Drei Tage im Juni

von Anne Tyler

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Bevor wir uns vergessen
Frank Menden

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„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“
Sören Kierkegaard

Alice und Jules, beide 85 Jahre alt, treffen sich auf einer Bank im Jardin du Luxembourg in Paris .
Hier begann vor sechzig Jahren ihre gemeinsame Geschichte, ihre Liebe, die so groß war und ist, dass sie alle Stürme des Lebens überdauert hat. Doch wie ist ihnen dieses Kunststück gelungen? Und wie schauen sie auf die gemeinsame Zeit zurück, jetzt, da die Erinnerungen schwinden….

„Bevor wir uns vergessen“ ist der neue Roman von Eliette Abecassis, übersetzt von Kirsten Gleinig .
Und wie auch schon „Mit uns wäre es anders gewesen“ ( jetzt übrigens zeitgleich als Taschenbuch erschienen) hat mich auch dieser Roman fasziniert und überzeugt.
Die Autorin erzählt die Geschichte von Alice und Jules rückwärts, kommt dem Ursprung ihrer Geschichte in Schlaglichtern näher und enthüllt uns so das Leben zweier Menschen, die manchmal nur schwer miteinander leben können. Und bei denen doch klar ist, dass sie ohne einander nicht sein können - so wie es die beiden nach ihrer ersten Begegnung wissen.

Man kann diese Erzählweise für einen „Gimmick“ halten, mich hat der Roman gerade deswegen so beeindruckt. Zu erfahren, wo Verhaltensweisen ihren Ursprung haben, wann die gemeinsamen Rituale begannen ( und warum ) und was es mit den wiederkehrenden Redewendungen auf sich hat … Für mich war dieses langsame entblättern ein Genuss.
Und der Brief, der am Anfang der Geschichte von Alice und Jules stand und den wir am Ende der 176 Seiten lesen - so einen Brief würden wir alle wohl gern einmal erhalten….

Bevor wir uns vergessen

von Éliette Abécassis

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Scheidung
Frank Menden

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30 Jahre verheiratet, zwei Töchter , eine schöne Wohnung mit brandneuer schicker Küche - und plötzlich ist alles aus.
Nach einem Streit kehrt Niklas nicht in die Wohnung zurück . Auch am nächsten Tag: keine Nachricht.
Bea weiß sich nicht zu helfen. Ist Niklas vielleicht etwas zugestoßen, warum meldet er sich nicht?
Als er es dann doch macht, stellt er seine Frau vor vollendete Tatsachen: er will dieses Leben nicht mehr, er will die Scheidung.
Für Bea bricht eine Welt zusammen. Was ist in ihren Mann gefahren? Ist all Ihre Vergangenheit, ihre Töchter, das gemeinsame Zuhause, ist das alles nichts mehr wert?

„Scheidung“ von Moa Herngren , übersetzt von Katharina Martl, erzählt realistisch und psychologisch genau die Geschichte einer Trennung - und zwar aus beider Perspektiven.
Das ist spannend und ernüchternd, erhellend und auch ein wenig beängstigend, denn hier erfährt man , wie unterschiedlich zwei Menschen ihr gemeinsames Leben erlebt haben. Und wie sich Kleinigkeiten zu unüberwindlichen Hindernissen entwickeln.

399 Seiten, keine ist zu viel. Man versteht sowohl Bea als auch Niklas, versteht beider Verhalten, ihre Gründe und Sorgen, Wünsche und Träume.
Man ist ganz nah dran, erkennt einiges aus vergangenen Trennungen wieder, ist mit dem Umfeld der beiden hin und hergerissen - und ist am Ende beeindruckt , wie nuanciert die Autorin die vielen Seiten einer Beziehung ans Licht bringt.
Ein hervorragender Roman, nah an den Figuren, nah am Leben. Und trotz aller Bitternis auch ein Mut machendes Buch!

Scheidung

von Moa Herngren

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Sommer ohne Plan
Frank Menden

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Zugegeben: ich hatte meine Vorbehalte gegenüber „Sommer ohne Plan“ von Johanna Swanberg , übersetzt von Nina Hoyer.
Die Geschichte von Cassi, die nach einem Burnout ihr schickes Stockholmer Leben aufgibt, sich völlig gehen lässt, spontan ein Haus im Wald kauft und durch eine Verkettung von Umständen von den Dorfbewohnern für einen Selbsthilfe Guru gehalten wird und diese mit höchst obskuren Methoden zu behandeln begibt, klingt doch etwas zu skurril und vermeintlich leichtfüßig.
Aber der Roman ist zwar durchaus komisch , die Protagonistin auch leicht nervend, allerdings erfährt die Geschichte auch viel Tiefe.

Johanna Swanberg bietet Einblicke in das komplizierte Geflecht der Dorfhierarchie, karikiert die einzelnen Bewohner nicht und blättert Cassis Geschichte nach und nach auf.
Das ist sehr unterhaltsam erzählt, einmal musste ich laut lachen und auch an einer Stelle eine Träne fließen lassen ( es gibt eine wirklich schöne und berührende Liebesgeschichte, die glaube ich niemand kalt lässt , aber die ich keinesfalls spoilern will. Nur soviel: sie passt hervorragend zum Pride Month ????).

Für mich war „Sommer ohne Plan“ eine wunderbar kurzweilige intelligente Strandkorblektüre, die zwar einige Klischees bedient, sie aber auch hervorragend gegen den Strich bürstet.
Ein Buch, das man glücklich und mit einem kleinen Lächeln wieder aus der Hand legt.

Sommer ohne Plan

von Johanna Swanberg

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Mit den Jahren
Frank Menden

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Leipzig.
Drei Menschen in ihren 40ern treffen hier aufeinander.
Jette, Single, in der wohl letzten Videothek der Stadt arbeitend, würde gern einen Roman schreiben, kommt nur irgendwie nicht dazu.
Lukas, freischaffender Künstler, wie Jette aus Hamburg kommend, beginnt eines Abends eine Affäre mit Jette - aus Überdruss, als Ventil für ein nicht gelebtes Leben?
Eva ist Lehrerin, Mutter zweier Kinder , und Lukas Ehefrau. Sie fragt sich immer mehr, ob sie eigentlich das Leben führt, das sie leben möchte .

Eine normale Dreiecksgeschichte möchte man meinen - und ja, auf den ersten Blick scheint es so.
Doch im Laufe des Romans „Mit den Jahren“ entwickelt die Geschichte nicht nur einen klugen Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten in Liebe und Beziehungen ( muss allein sein wirklich ein Problem sein? ) , sondern auch auf die Unterschiede zwischen Ost und West, Körperlichkeit und Selbstakzeptanz.

Mich hat die Autorin mit diesem Buch durch ihren klugen und mit leisem Humor durchsetzten Ton von den ersten Zeilen an überzeugt. Sie schreibt mit leichter Hand über die Anforderungen des Familienlebens, über alternative Lebensentwürfe und die Fragen, die diese Konstellationen aufwerfen - und bringt dadurch viele Aspekte auf den Punkt.
Gutes Buch !

Mit den Jahren

von Janna Steenfatt

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Rückkehr nach Budapest
Frank Menden

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Auf den ersten Blick ist es eine klassische Dreiecksgeschichte: zwei Frauen lieben den gleichen Mann.
Marta, bodenständig, eine gute Zuhörerin, bei der alle ihre Sorgen abladen und darüber zu vergessen scheinen, dass sie auch ein Leben hat .
Teresa, ihre Cousine, ist anders, schillernd und flirrend, das Schicksal scheint immer auf ihrer Seite zu sein.
Konstantin ist der Mann, um den sich beide drehen, ein Künstler, Schriftsteller, der in Opposition steht zur Politik des Landes, in dem er lebt: der DDR.

Nikoletta Kiss erzählt in ihrem Roman „Rückkehr nach Budapest“ jedoch mehr als nur die Geschichte dieser drei Menschen, dieser drei Leben in Ost-Berlin und Ungarn, in der Zeit vor der Wende.
Sie arbeitet mit verschiedenen Zeitebenen, die mit Reflexionen über Sprache und Literatur durchsetzt sind - und sich auch so mit dem unterschiedlich gelebten Sozialismus auseinandersetzt.
Vor allem aber schildert sie anschaulich und genau die Suche einer Frau nach sich selbst. Einer Frau, die sich oft am Rande des Geschehens fühlt und erst spät bemerkt, dass sie das Zentrum der Geschichte ist - und diese die ihrige ist.

Ein politischer Roman, der einen anderen Blick auf den Sozialismus bietet.
Eine Freundschaftsgeschichte, die zugleich auch eine Liebesgeschichte ist.
Eine Geschichte über den falschen Mann im richtigen Leben und umgekehrt.
Vor allem aber ein Roman, den man lesen sollte.

Rückkehr nach Budapest

von Nikoletta Kiss

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Zehn Bilder einer Liebe
Frank Menden

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„Ein Liebesroman der Gegenwart, der nichts beschönigt und gerade deswegen so überzeugt.“

Ich könnte dies jetzt so stehen lassen, denn dieses Zitat schmückt die Rückseite des exzellenten neuen Romans von Hannes Koehler, erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt - und es ist von mir.
Eingerahmt von Zitaten von Julia Wolf und Daniela Dröscher , also in allerbester Gesellschaft.

Aber es geht ja hier um diesen Roman, diese „Zehn Bilder einer Liebe“, die mich sehr begeistert haben.
Hannes Köhler erzählt die Geschichte eines Paares aus beiden Perspektiven. Er erzählt sie ehrlich und ungeschönt und wahrhaftig. Davon, dass Liebe allein selbst bei der großen Liebe nicht ausreicht. Und wie man mit den Fallstricken derselben trotzdem leben und lieben kann - wenn man denn wirklich will.

Zehn Bilder einer Liebe

von Hannes Köhler

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Bei aller Liebe
Simone Finkenwirth

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Weniger kratzbüstig, aber nicht minder lesenswert ist der neue Roman von Jane Campbell. Nachdem die 82jährige Autorin mit ihrem Debüt „Kleine Kratzer“ auch hierzulande für Furore gesorgt hat, legt sie nun nach.

Die Autorin bedient sich wieder ihrem wertvollen Wissen über uns Menschen. Denn in ihrem vorherigen Leben war sie als Psychoanalytikerin in Oxford tätig. Apropos: Psychologisch klug und feinfühlig erzählt sie eine Familiengeschichte. Die beginnt damit, dass Agnes viel zu früh ihre Eltern bei einem Autounfall verliert. Ihre Mutter Sophy hat vorher ihrem Bruder Malcom einen Brief übergeben. Er soll Dr. Joseph Bradshaw persönlich ausgehändigt werden. Doch das macht Malcolm nicht. So hütet er bis heute ein Geheimnis, das eng mit seiner Nichte Agnes verknüpft ist. Warum handelt er so? Das ist eine von weiteren Fragen, denen ich mich Seite um Seite nähere.

In abwechselnden Kapiteln erlebe ich dabei die Lebensgeschichten von Dr. Joseph Bradshaw, Malcolm und Agnes. Alle widmen sich der Psychologie in verschiedenen Formen. Ein raffinierter Schachzug wie die Linien, die Campbell zusammenzieht. So baut sie ein Spannungsfeld auf, dem man ebenso wenig entgeht wie ihren klugen Ansichten: „Mit dem Alter kommt die Zerknirschung, Malcom. Da gibt es kein Entrinnen. Es kommt allerdings darauf an, wie du die Geschichte deines Lebens erzählst.“

„Bei aller Liebe“ ist ein packendes wie berührendes Buch über Lebenslügen, Familie, Verletzungen und die Kunst des Verzeihens. Die Geschichte hallt lange noch nach. Da verzichtet man durchaus auf das kratzbürstige Erzählen. Und freut sich viel mehr darüber, dass diese bewundernswerte Frau mit Anfang 80 angefangen hat, zu schreiben. Bitte weiter so und mehr davon!

Bei aller Liebe

von Jane Campbell, Bettina Abarbanell

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Der Wald
Simone Finkenwirth

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Viel zu wenig habe ich bisher über diesen Roman vernommen. Warum nur? Denn die Booker-Preisträgerin, die mit ihrem Buch „Die Gestirne“ mit gerade mal 28 Jahre auf dem literarischen Parkett zu einer Berühmtheit wurde, zeigt erneut, dass sie zu den besten Autorinnen unserer Gegenwart gehört.

Eleanor Catton möchte mit ihrem Roman nicht nur unterhalten. Sie will uns auch zum Nachdenken anregen, indem sie zwei gegensätzliche Pole zusammenbringt. Da ist die 24jährige Mira. Die Umweltaktivistin hat eine Guerilla-Gardening-Gruppe ins Leben gerufen. Das „Birnam Wood“-Kollektiv setzt überall dort Pflanzen, wo es keiner merkt.

Als es in einem Naturschutzgebiet zu einem Erdrutsch kommt, sieht sie ihre große Chance gekommen. So bietet das große Grundstück des Unternehmers Owen Darvish viel Raum fürs Gardening. Als Mira dort ankommt, findet sie die Farm verlassen vor, und will bald loslegen, bis ihr der Milliardär Robert Lemoine über den Weg läuft... und der unterbreitet ihr ein lukratives Angebot, das wiederum den Grundsätzen des Kollektivs widerspricht.

Wahnsinn! Was für eine hochspannende Geschichte! Eleanor Cotton hat in ihrem Roman eine Vielzahl an relevanten Themen versehen: Gesellschafts- und Kapitalismuskritik, Umweltschutz, Gemeinschaft - was sie schaffen kann, aber auch spaltet, Freundschaft, Ideale – wie weit würden wir gehen? Spritzige Dialoge befeuern die plotgetriebene Handlung, die mit einem extrem packenden Showdown endet. Stephen King meint: „Grandios. Was für ein Genuss!“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht: Setzen Sie ein Pflänzchen, auch für dieses Buch, von dem ich gern noch mehr lesen und hören möchte. Ob es uns gelingt?

Der Wald

von Eleanor Catton

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Die vorletzte Frau
Frank Menden

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Als Katja Oskamp 2019 mit „Marzahn, mon amour“ ein bis heute von vielen gefeiertes Buch veröffentlicht, war sie für viele Lesende eine große Entdeckung.
Für mich war die Schriftstellerin keine Unbekannte mehr, hatte sie mich doch schon 2003 mit ihrem Debüt „Halbschwimmer“ und den nachfolgenden Büchern „Die Staubfängerin“ und „Hellersdorfer Perle“ vollkommen begeistert.

Nun erscheint mit „Die vorletzte Frau“ endlich ein neuer Roman.
Wie bereits der Vorgänger ist auch dieses Buch stark autofiktional ( ihre Tätigkeit als Fußpflegerin und der Erfolg ihres darauf basierenden Buches werden hier auch thematisiert ).
Im Zentrum steht die 19 Jahre dauernde Beziehung zu einem bekannten Schriftsteller, die zu Beginn alles ist, was man sich von einer Liebesbeziehung nur wünschen kann - und die sich dann durch die Krankheit des Mannes mannigfaltig verändert.

Katja Oskamp schreibt entwaffnend ehrlich, nie despektierlich, mit scharfer Beobachtung und ebensolchem Humor. Sie gibt intime Einblicke und bleibt doch diskret ( ihr langjähriger Partner ist mit dem Roman einverstanden), lässt uns teilhaben an ihrem Leben, ihrer Liebe, ihrem Muttersein, den Erfolgen und Misserfolgen - und hat mich aufs Neue beeindruckt, berührt und begeistert.
Einzelheiten zu erzählen würde bedeuten viel vorwegnehmen. Zum Beispiel, warum der Roman diesen Titel trägt und eine Katze auf dem Cover abgebildet ist.
Aber das Vergnügen, dies selbst herauszufinden, selbst in dieses Buch , dieses Leben, einzutauchen, es mit zu leben - dies möchte ich mit keinem Wort zu viel spoilern.
Nur so viel: gönnt euch diesen Roman! Ihr werdet es in keinster Weise bereuen .

Die vorletzte Frau

von Katja Oskamp

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Das Unwetter
Frank Menden

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Aus der beliebten Reihe „Bücher, die niemand auf dem Schirm hat“ heute: „Das Unwetter“ von Brit Bildoen, übersetzt von Frank Zuber.

Dieser Roman entzieht sich jeglicher kategorischen Einordnung.
Es ist Oktober, das Wetter in Norwegen ist eher unwirtlich. Trotzdem soll in einem kleinen abgeschiedenen exquisiten Hotel in den Bergen die goldene Hochzeit der Eltern gefeiert werden.
Tochter Dorte hat alles geplant und organisiert, obwohl man nun auch wirklich gut Zuhause hätte bleiben können.
Was nun folgt, ist ein klassisches Thriller Setting: eine Gerölllawine macht die Straße ins Tal unpassierbar, die Familie sitzt zusammen mit dem Wirt Ole fest - und dann tauchen plötzlich zwei fremde Männer auf…
Aber es kommt ganz anders als man denkt.

Ich kann mir gut vorstellen, wie man im Verlag gerätselt hat, wie dieses Buch zu platzieren sei.
Die Tagline „Sechs Menschen, drei Tage - und ein Berg voller Lügen“ ist auf jeden Fall viel zu reißerisch für diesen klugen, gut beobachteten, ruhigen und dennoch ungemein spannenden und beklemmenden Roman.
Für mich schreit diese Vorlage geradezu nach einer Verfilmung durch Thomas Vinterberg, so sehr hat es mich in der Atmosphäre und Personenkonstellation an seine Filme erinnert.

Wer Lust auf einen kleinen feinen beunruhigen Roman ohne Effekthascherei hat , der sollte sich diesem „Unwetter“ unbedingt aussetzen.

Das Unwetter

von Brit Bildøen

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Ehemänner
Frank Menden

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Als Lauren von einem feucht fröhlichen Junggesellinnenabschied nach Hause kommt findet sie einen fremden Mann in ihrer Wohnung .
Der beteuert jedoch ihr Ehemann zu sein - nur ist Lauren Single .
Als der Mann auf den Dachboden geht und kurz darauf ein anderer Mann durch die Luke in der Decke in ihre Wohnung steigt , zweifelt Lauren an ihrem Verstand.
Doch bald versteht sie zwar nicht was da vor sich geht , das Konzept der stetig wechselnden Ehemänner überzeugt sie jedoch .
Wie befreiend , Männer beim kleinsten Misston einfach auszuwechseln.
Allerdings wechseln nicht nur die Männer, auch ihre Lebensumstände sind immer andere, die Wohnung mal mehr oder weniger geschmackvoll möbliert und auch das Verhältnis zu Nachbarn und Freundinnen ist jedes Mal leicht anders…

„Sie mag die neuen Versionen von sich selbst nicht immer, aber sie helfen ihr, die Grenzen ihrer Persönlichkeit zu verstehen.“

„Ehemänner“ , übersetzt von Babette Schröder ist eine Wundertüte von Roman.
Nicht nur ist die Idee absolut zwingend und originell ( ich habe ein paar Mal laut auflachen müssen ), die Autorin versteht es hervorragend , ihrer Geschichte durch immer wieder neue Ideen Wendungen zu verleihen, die ihr immer mehr Tiefe geben.
Für mich war dieser intelligente Unterhaltungsroman eine sehr begeisternde Leseerfahrung, die nicht nur das moderne Datingverhalten kommentiert , sondern auch andere Aspekte unserer Gesellschaft kritisch beleuchtet .
Ein großer Spaß mit Mehrwert !

Ehemänner

von Holly Gramazio

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O Brother
Frank Menden

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2010 begeht Gary Niven im Alter von 42 Jahren Selbstmord. Vor allem sein älterer Bruder John quält sich seitdem mit Schuldgefühlen : hätte er die Tat kommen sehen können, hätte er eingreifen können , hätte hätte hätte…

John Nivens „O Brother“ ist weitaus mehr als nur ein sehr persönliches Memoir.
Der erfolgreiche Schriftsteller spürt der Frage nach, warum zwei Menschen mit der gleichen Herkunft, den gleichen Lebensumständen völlig andere Lebenswege einschlagen.
Warum der eine , John selbst, im Leben reüssiert, erfolgreich wird, während der andere, Gary, von frühester Kindheit an ein Troublemaker ist und auf die schiefe Bahn gerät. Auf einen Weg, aus dem er an seinem Ende keinen Ausweg mehr sieht.

John Niven schont sich und die Seinen in diesen berührenden Lebenserinnerungen nicht. Er schreibt sich die Trauer von der Seele, durchlebt noch einmal alle Höhen und Tiefen der Geschwisterbeziehung, hinterfragt die Erziehung der Eltern und auch seine eigenen Verhaltensmuster.
Immer wieder blitzt der Nivensche schwarze Humor durch, aber vor allem ist dieses ungemein bewegende Buch eine Hommage an den verlorenen Bruder.
Beeindruckend!

O Brother

von John Niven

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Das Jahr voller Bücher und Wunder
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Achtung: Dieses Buch ist überhaupt nicht kitschig! Der Goldmann Verlag hat sich wohl gedacht: Wir gestalten das Buch wie "Der verschwundene Buchladen" von Evie Woods und dann läuft das schon. Aber ganz so easy ist es dann doch nicht. Glücklicherweise haben Sie uns: Ihre literarischen Vorkoster!

Libby Page ist für mich keine unbekannte Autorin. Die Engländerin hat mich seinerzeit mit ihrem Roman "Schwimmen mit Rosemary" begeistert. Auch in diesem Roman verbindet sie schwere Themen mit der Leichtigkeit des schönen Zufalls und den richtigen Menschen, die genau in unser Leben treten, wenn wir sie brauchen. In Tillys Fall ist es Alfie. Der Buchhändler ruft die junge Frau im Januar an ihrem Geburtstag zu Hause an und verkündet, er hätte ein Geschenk für sie. Von ihrem Mann Joe, der vor einem halben Jahr verstorben ist. Nur widerwillig macht sich die Lektorin auf den Weg zur Book Lane Buchhandlung. Aber wie gut, dass sie dies getan hat, denn was folgt, sind eine Vielzahl von wunderbaren Momenten, die nicht nur duch das Lesen entstehen, denn Joe hat jedem Buch und eine kleine Challenge dazu gelegt. Und langsam gewinnt unsere traurige Tilly immer mehr Lebenskraft und wieder zu sich selbst. Mehr noch: Sie wächst über sich hinaus.

Und noch etwas ist magisch: Was hat Joe nur für ein Feingespür für Bücher! Dass Alfie seine Finger im Spiel hat, ahne ich schnell. Und doch finde ich diese Tatsache nicht wirklich überraschend. Viel mehr fühle ich mich darin bestätigt, warum ich meinen Beruf so liebe. Weil wir mitunter wahre Wunder vollbringen können!

PS: Sollten Sie überlegen, ein Buchabo zu verschenken, dann verbinden Sie dieses mit diesem wunderbaren Buch. "Schokolade für die Seele" steht auf dem Klappentext. Und das wiederum ist so was von wahr!

Das Jahr voller Bücher und Wunder

von Libby Page

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Die Lungenschwimmprobe
Frank Menden

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1681 steht die 15jährige Anna Voigt wegen Kindsmordes vor Gericht: sie soll ihr neugeborenes Baby ermordet haben. Das Urteil ist klar: die Todesstrafe. Doch Anna beteuert, dass ihr Kind tot zur Welt kam.
Zu ihrem Glück glaubt Annas Vater, ein wohlhabender und einflussreicher Mann, seiner Tochter. Und es findet sich ein Arzt, der durch ein neues Verfahren, die titelgebende „Lungenschwimmprobe“ nachweisen will, dass es sich tatsächlich um eine Totgeburt handelt. Zusammen mit dem aufstrebenden Juristen Christian Thomasius unternehmen die drei Männer alles, um Anna gegen alle Widerstände der Kirche und des Scharfrichters vor dem Tod zu retten. Ein Unterfangen, das scheinbar aussichtslos ist…

Tore Renbergs im Luchterhand Verlag erschienener Roman beruht auf einem wahren Fall in Leipzig. „Die Lungenschwimmprobe“ gilt als Beginn der Rechtsmedizin und so lesen sich die über 700 Seiten auch wie ein hervorragend recherchierter historischer Kriminalroman.
Aber Renberg schafft viel mehr als dies. Sein Roman ist auch ein akribisch recherchierter Appell gegen religiösen Fanatismus und Bigotterie und für kritisches Denken, Meinungs - und Religionsfreiheit.
Ein wahrlich gewichtiger Roman, der auch gelungen den Bogen in die Gegenwart schlägt und hoffentlich unter vielen Weihnachtsbäumen liegen wird.

Die Lungenschwimmprobe

von Tore Renberg

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Marie des Brebis
Simone Finkenwirth

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Dieses Buch ist eine Rarität und Hommage an das einfache Glück. Egal, mit wem ich darüber spreche, stets leuchten die Augen wie Sterne. Und das nicht ohne Grund. Marie des Brebis ist eine bemerkenswerte Frau, die mich mit ihrem Durchhaltevermögen an Henning Sußebachs Urgroßmutter Anna erinnert, der er mit seinem ebenfalls grandiosen Buch "Anne oder: Was von einem Leben bleibt" ein Denkmal gesetzt hat. Gleiches hat der Autor Christian Signol vollbracht.

Marie wird von ihrer Mutter ausgesetzt, sie hat ihr Baby in eine Wolldecke gehüllt und zu den Schafen gelegt. Als der Hirte Johannes das Findelkind entdeckt, nimmt er sich diesem an. Das gefällt dem Bauer nicht, der meint, das Kind gehöre ins Waisenhaus. Also packt Johannes seine Sachen und zieht mit Marie über die Causses, das französische Hochland ist ihm wohlvertraut, der eigensinnige Mann, der auch mit dem Mond spricht, ist mir sofort sympathisch. Die beiden landen schließlich auf einem Hof, der von Augustine und Alexis betrieben wird. Die Frau liebt Kinder, konnte aber nie welche bekommen. Und dann wird es für uns alle sehr warm.

Wenngleich das Leben Anfang des vorherigen Jahrhunderts kein leichtes ist, auf dem Land noch weniger. Aber Marie ist ein Mensch, der das kleine einfache Glück sieht, und zu schätzen weiß, wie das warme frische Brot. "Lange habe ich nach dem Grund gesucht, und heute weiß ich, dass wir nur richtig glücklich sind, wenn die Zeit stillsteht. Ganz einfach, weil unser eigentliches Wesen, unsere ewige Seele, wiederum zum Vorschein kommt und uns mit echter Freude erfüllt."

Die Zeit steht bei der Lektüre wirklich still. Vergessen sind die Aufregungen des Alltags und die Unruhe in unserer Welt. Marie des Brebis führt uns genau dorthin, wo wir eins sind mit uns und den Buchstaben, die so viel Schönes erzählen und uns lange lächeln lassen.

Marie des Brebis

von Christian Signol

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Caledonian Road
Sarah O'Connor

Sarah O'Connor

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Campbell Flynn, 52 Jahre, hat es geschafft: er ist ein anerkannter Kunsthistoriker, hat sich einen Platz in Londons High Society ergattert, seine Frau ist die Tochter einer Gräfin, sein bester Freund ein Industrieller und sein Schwager ein einflussreicher Politiker. Seine Stadtvilla steht auf der „richtigen“ Seite der Caledonian Road. Seine 2 Kinder lassen vielleicht etwas zu wünschen übrig, besonders der Sohn, ein Reichtum anklagender Umweltaktivist. Es könnte eine richtig schöne „Bottom Up“ Story sein, stammt Campell doch aus ärmlichen Verhältnissen. Aber nein. Andrew O’Hagan schreibt die Geschichte eines (tiefen) Falls, geboren aus Eitelkeit und Hybris. Sein Antiheld verfängt sich in einem Geflecht aus Intrigen, Skandalen und Verbrechen, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Polyfon erzählt, bietet dieses Buch 784 Seiten bester, zerebraler Unterhaltung – ein Meisterwerk!

Caledonian Road

von Andrew O'Hagan

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Zwei in einem Leben
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Es gibt ja aktuell nicht wenige Bücher über die Wechseljahre und die Mitte des Lebens. Aber wie viele Romane erzählen über die Liebe in mittleren Jahren? Ob David Nicholls den gleichen Gedanken bei der Idee seines neuen Romans hatte, weiß ich nicht. Was ich jedoch mit Gewissheit sagen kann: Dieser Autor steht Zeit seines Schriftstellerlebens im Schatten seines großen Welterfolgs „Zwei an einem Tag“. Schade. Denn „Zwei in einem Leben“ ist wiederholt allerbester Lesegenuss!

Im Mittelpunkt steht Marnie, die in London lebt und als freischaffende Lektorin und Korrektorin arbeitet. Marnie war verheiratet, ist Ende 30 und hat sich in ihrem Nest verkrochen. Marnies Freundin Cleo hat schon mehrere Male versucht, sie aus ihrem Igelversteck hervorzulocken. Vergeblich. Doch jetzt steht eine dreitägige Wandertour an und Marnie hat – oh Wunder! - zugesagt. Neues Jahr, neue Vorhaben! So stattet sie sich mit einer Wanderrüstung aus, setzt sich in den Zug. Als Michael die Großstadtpflanze erspäht, fällt ihm sofort auf, dass ihr Rucksack zu groß ist, und die Riemen zu lang sind. Michael ist die andere Figur in dieser Geschichte. Geographielehrer und leidenschaftlicher Wanderer, Anfang 40, frisch getrennt von seiner Frau.

Michael liebt es zu wandern, Marnie hasst es. Und doch öffnet sie sich und trotzt dem Regen. Den beiden zu folgen, ist absolut hinreißend. David Nicholls schreibt gewohnt charmant, unterhaltend, und streut gleichsam interessante Gedanken ein, in denen sich vor allem Singles wiederfinden, aber auch glücklich Vergebene trifft der Brite mitten ins Herz, und das gelingt ihm ohne Kitsch dafür mit Feinsinn und großer Empathie.

„Zwei in einem Leben“ ist so vieles: Eine atmosphärische Wandertour durch England, die Geschichte von zwei einsamen Menschen in den mittleren Jahren und eine Liebesgeschichte. Wirklich? Nun, das sollten Sie selbst herausfinden. Der Roman ist Eskapismus im allerfeinsten Sinne, sehr authentisch und beglückend! Das findet übrigens auch Jojo Moyes und der Independent schreibt: „Nicholls bester Roman“. Dem kann ich wahrlich nichts hinzufügen.

Zwei in einem Leben

von David Nicholls

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Stories
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich habe diese spektakuläre Kurzgeschichtensammlung noch gar nicht aufgeschlagen und schon strahlt sie mich an wie eine weiße Wand, die das Sonnenlicht reflektiert. Denn auf dem Umschlag feiern große Namen wie Lauren Groff, Raymond Carver, Bret Easton Ellis und Don DeLillo ihre amerikanische Kollegin. Auch hierzulande überschlugen sich kurz nach Erscheinen die Feuilletons über das Werk der Autorin mit der Sonnenbrille. Da war mein literarischer Jagdinstinkt natürlich sofort entfacht. Als große Freundin von Kurzgeschichten sowieso. Und jetzt? Bin ich verstört und begeistert gleichermaßen.

Wie das? Nun, die Geschichten haben es wahrlich in sich. Williams lichtet das Leben ab, sie erzählt von den kleinen und größeren Dramen unterschiedlicher Menschen - von gewöhnlichen bis hin zu nun ja, außergewöhnlichen. Gleich eingangs erlebe ich die zu Herzen gehende Geschichte eines Predigers - dessen Frau liegt mit einer Bluterkrankung im Krankenhaus. Während sich seine Tochter selbst finden will, hat sie ihren Eltern ihre kleine Tochter anvertraut. So pendelt der Mann zwischen der Angst, seine Frau zu verlieren, und dem Glück, das ihm seine kleine Enkelin beschert.

Oder die Zusammenkunft verschiedener Mütter, deren Kinder im Gefängnis sitzen. Durch Zufall ziehen sie alle in die gleiche Gegend. Sie fühlen sich schuldig, und suchen einen Weg damit zu leben. Ebenso bemerkenswert ist die Geschichte eines Liebespaars. Dwight wusste schon mit 25 Jahren, dass er das Baby eines Tages heiraten wird. Wie? Ja! Und so kommt es. Und noch etwas passiert in „Rost“. Dwight kauft sich und Lucy einen schwarzen Ford Thunderbird, der fast auseinanderfällt, aber Dwight hat die Lösung. Und was für eine! Ob eine Schlange die Veränderung des Lebens bewirken kann? Dieser Frage spürt Williams in „Lu-Lu“ nach.

Das sind mitunter beunruhigende, verstörende und komische wie berührende Geschichten. Sie bleiben auf der Netzhaut haften und hinterlassen ein unterschwelliges Surren im Kopf. „Stories“ ist keine Feelgood-Lektüre. Aber das muss Literatur ja nicht immer sein. Glücklicherweise streut Williams besondere Aufheller in ihre Erzählungen. Wunderschöne Bilder oder Sätze, über die man stolpert, weil man plötzlich lachen muss oder solche, die einen still werden lassen: „Sie dachte, dass jeder Mensch jeden Augenblick kurz vor der Ewigkeit steht und die Wege, diese Welt zu verlassen, zahllos und oft unvorhersehbar sind.“

Die Lobeshymnen sind so wahr wie das Grün auf den Blättern der Bäume. Joy Williams ist wirklich die „strahlende Großmeisterin der Kurzgeschichte“ wie es Lauren Groff treffend formuliert. Eine große und beeindruckende Entdeckung und ein Must Read für alle Fans der kurzen Erzählform.

Stories

von Joy Williams

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