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Alle Empfehlungen von Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

… ist bloggende Buchhändlerin. Seit 2010 betreibt sie den Literaturblog „Klappentexterin und Herr Klappentexter“. Sie liebt japanische Literatur und fühlt sich in poetischen, warmherzig-erzählten Büchern am wohlsten. Doch auch außergewöhnliche Krimis hat sie stets im Visier.

Weird Girls
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

+++ Unser Shop meldet vorbestellbar, aber wir haben das Buch vorrätig. +++

Wie im richtigen Leben ist auch die Literatur heute voll mit Themen übers Kinderkriegen, Muttersein, Gesundheit und Älterwerden. Aber Sex & Drugs & Rock & Roll? Oftmals Fehlanzeige. Dabei sind solche Geschichten spannend und faszinierend wie "Weird Girls" von Grainne O'Hare. Ich habe zuletzt jedenfalls kein Buch gelesen, in dem so viel getrunken und gekokst wurde. Und das von jungen Frauen! Oha!

Maggie, Harley und Roise sind die Hauptfiguren in diesem feurigen Buch, das von meiner geschätzten Anna-Nina Kroll übersetzt wurde. Sie ist die deutsche Stimme von Donal Ryan, ein irischer Lieblingsautor von mir. Und das hier ist irische Literatur, wie ich sie liebe! Dunkel, belebend, quirlig und ganz speziell einprägend.

Die Mädels sind Ende Zwanzig, Anfang Dreißig und bewohnen in Belfast ein Haus. Selbst nach dem Tod ihrer Freundin Lydia bleiben die Freundinnen dort. Sie sind wie Pech und Schwefel und äußerst feierwütig. Gleichwohl hat jede Narben auf ihrer Seele, die mal mehr, mal weniger pochen. Wie Roise, die noch an dem Ende ihrer Beziehung knabbert. Jetzt hat Roise Angst, sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Obendrein hat sie ein weiteres Problem. Meggie bandelt gerade mit der unnahbaren Cate an.
Während Harley in Therapiesitzungen mit der australischen Psychologin ihr Leben aufarbeitet, sich betrinkt, und von ihrem Vermieter aufsammeln lässt. Der gleichzeitig als Dealer fungiert.

Es wird nicht wenig konsumiert. Doch hinter der flirrenden wie partyfrohen Fassade schlummert noch mehr, was ich als aufmerksame Leserin schnell erkenne. Als helles Kontrastmittel arbeiten die Dialoge der Mädels, die mich oft auflachen lassen.

"Weird Girls" hat ordentlich Zunder zwischen den Seiten! Was für eine außergewöhnliche Lektüre über Freundschaft, Zusammenhalt und die große Suche nach dem richtigen Leben!

Weird Girls

von Gráinne O'Hare

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Unter Wasser
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Wasser trägt mich mitten hinein in diese traurig-schöne Geschichte, die auch Claire Messud begeistert hat: "Ein ebenso fesselndes wie herzzreißendes Werk."

Tara Menon verbindet zwei Zeitebenen. Zum einen bin ich in der Gegenwart der Erzählerin, im Oktober 2012 in New York. Hier hat sich der Hurrikan Sandy angekündigt. Die Metropole ist in Aufruhr, nur Marissa bleibt seltsam ruhig. Die Ich-Erzählerin arbeitet für ein Reisemagazin für Superreiche. Sie nutzt Adjektive, die sie auf einem Kaffeebecher notiert hat. Die Chilifrüchte sind in ihrem Leben treue Begleiterinnen. Warum erfahre ich erst später.

Zum anderen begegne ich der ganz jungen Marissa und ihrer besten Freundin Arielle im Jahr 2004. Nach dem Tod ihrer Mutter ist Marissas Vater mit seiner Tochter nach Thailand ausgewandert. Der Vater ist Meeresbiologe und forscht auf einer kleinen Insel zu Mantarochen. Die beiden Mädchen schwimmen und tauchen viel, halten sich fest. Das Wasser schwappt aus dem Buch in meine Augen, und ich zoome mich an diesen faszinierenden Ort. Ich selbst bin leidenschaftliche Schwimmerin, wohl deshalb catcht mich die Autorin. Doch auch die Freundschaft der beiden Mädchen berührt mich bis ins Herzzentrum.

Die Freundschaft wird von der Naturgewalt entzweit. Aber alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, wissen: Es bleibt viel Tröstliches zurück. Selbst im Jahr 2012 ist Arielle bei Marissa: "Ob ich etwas esse, trinke, spazieren gehe oder fernsehe, sie ist immer bei mir. Jetzt hüpft sie an Fremden vorbei durch eine Straße, auf die sie nie ein Fuß gesetzt hat."

Tara Menon hat ein unglaublich schönes berührendes und gleichwohl wissenserweiternde Buch geschrieben. Wussten Sie, dass Rotwangen-Schmuckschildkröten anderen das Futter wegfressen und tödliche Krankheiten übertragen? Und dies: "Zwischen 1989 und 1997 wurden 52 Millionen dieser Schildkröten als Haustiere aus den Vereinigten Staaten ins Ausland exportiert."

Immer noch schwimme ich mit Marissa und Arielle - wir haben dabei Chilischoten zwischen den Zähnen und grinsen dem Schicksal entgegen. Dass es ein mieser Verräter ist, wissen wir natürlich. Was Sie noch nicht wissen, ist die Tiefe und Besonderheit des Buches, das über Narben, die wunderschöne Natur, das Meer und bedingungslose Liebe über den Tod hinaus absolut mitreißend wie feinfühlig erzählt. Ein must-read für alle Tiefseetaucher:innen und Thailand-New-York-Urlauber:innen, die sich wie ich gern von melancholische Klängen bezirzen lassen.

Unter Wasser

von Tara Menon

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Wassermann
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es hätte eine gewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte werden können, aber Wassermann ist viel mehr als das: Eine stille Explosion. Und eine Heldenreise der besonderen Art für alle Lesenden verschiedenen Alters.

Ich folge dem Ich-Erzähler und bin sofort umhüllt von einem melancholischen Schleier. Luk braucht Abstand zu seinem aktuellen Leben in Hamburg. Vor allem die kranke Mutter beschäftigt ihn sehr. So beginnt er nur schweren Herzens sein Auslandssemester in Barcelona, und lässt seinen geliebten besten Freund Kurt ebenso zurück.

Bei der Willkommensveranstaltung trifft er auf die Auswirkungen des katalanischen Konflikts. So würde man in diesem Jahr keine Prüfungsleistungen erwarten aus Solidarität mit den Inhaftierten. Die Unabhängigkeitskämpfe bleiben die ganze Zeit präsent. Auch als Luk seine WG Mitbewohnerin Olive kennenlernt und mit ihr eine Beziehung eingeht. Olive kommt aus Großbritannien und wird den Konflikt digital festhalten, gerät dabei selbst ins Fegefeuer der Justiz.

Statt im heißen Kessel der Unruhen zu bleiben, haut Luk dann doch ab. Mit Kurt zusammen nach Portugal zum Surfen. Der macht es sich aber ganz schön leicht, möchte man meinen, aber hinter Luks Flucht steckt noch mehr... geht tiefer. Eine innere Zerissenheit steht neben einer Unsicherheit, die sich zu einer Sprachlosigkeit setzt, bis sie alle von der Fürsorge gerettet werden.

Der ruhige Erzählstrom taucht mitunter in philosophische Töne, die mich umspülen wie das allseits anwesende Wasser und Bücher, die dem Helden als Rettungsanker dienen. So ist Wassermann eine Roadnovel deren Buchabdruck lange in meinem Herzen zu spüren sein wird. Man darf von dem Debütanten noch Großes erwarten! Ich verneige mich vor dem Autor und seinem Entdecker: Bodo Föhr!

Wassermann

von Lukas Hoffmann

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Mit dem Sturm um die Wette rennen
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Wenn Sie das nächste Mal ans Meer fahren, sollten Sie unbedingt dieses fantastische Buch mitnehmen! Oder als Lektüre für danach, um all die Gefühle aufzuwecken, die man dort an einem stürmischen Tag alle erlebt.

Ich folge einem Geschwisterpaar, das sich an einem verregneten und stürmischen Tag am Meer auf den Weg macht. Wohin eigentlich? Irgendwohin. Zum Meer natürlich! Dieser Spaziergang hat es wahrlich in sich. Es gibt so viel zu sehen und zu beobachten. Die stürmische Gischt! Der blinkende Leuchtturm passt auf alles auf. Während sich die Welt auf der Insel zurückgezogen hat, die Straßen gespenstisch leergefegt sind, und selbst die Eisdiele geschlossen hat, laufen die beiden weiter bis es donnert und finster wird. Nun ist es doch an der Zeit, nach Hause zurückzukehren...

Dunkel sind die Bilder, aber nicht unheimlich. Sie fangen die Stimmung eines solchen unruhigen Tages am Meer perfekt ein. Doch am Ende geht die Sonne auf. Denn wir wissen ja alle: Nach dem Unwetter, Regenschauer, Sturm, folgt Helligkeit und Ruhe.

Ab 4 Jahren.

Mit dem Sturm um die Wette rennen

von Brian Floca

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Frühstücken
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Selten hat Frühstück so viel Spaß gemacht wie mit diesem Bilderbuch, das die Jury beim Deutschlandfunk ebenso begeistert hat - deshalb zählt es zu den 7 schönsten Kinderbüchern im Mai. Voller Poesie und mit einem wirklich besonders feinen Pinselstrich hat Raquel Catalina die Gedichte von Alicia Bululü untermalt.

Schon der Anfang verfängt sich in meinen verschlafenen Augen:

"Ich frühstücke Geschwindigkeit / während ich träume / dass mein Glas Milch / auf mich wartet / in Ruhe, bis zum Mittagessen.

Es geht hektisch zu am Morgen, das kennen wir wohl alle. Auch wenn die Kleinen nicht aus dem Bett wollen "Verklebte Wimpern beim Sonnenaufgang / Noch fünf Minuten... / Wecker sei still!

Da kann man vor Wut auch mal den frischen Saft und das Hörnchen vergessen.

Das ist für mich eins der schönsten Bilderbücher, das ich je erlebt habe. Nicht nur, weil ich eine Poetin bin und mich in den Texten gut aufgehoben fühle. Die Autorin und Illustratorin öffnen vor uns ein facettenreiches Universum - das die Jahreszeiten miteinbindet und viele Gefühle von Violetta. Ich nasche vom Himbeerrot, tanze durch eine musikalische Szene, bis ich auf der nächsten Seite in der Stille versinke.

Ab 4 Jahren!

Frühstücken

von Alicia Bululú

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Die gelben Gummistiefel
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Kürzlich habe ich mir beim Deutschlandfunk ausgezeichnete Bücher vom Juror Benno Hennig von Lange vorstellen lassen. Dieses hier ist eins davon! Und so eine Freude!

Isabel Pin zeigt uns, wie viele Geschichten in Regenstiefeln stecken können. Die Mama der Ich-Erzählerin überreicht sie ihrer Tochter und fügt hinzu: "Sie haben viel erlebt. Traurige Momente, aber auch gute Zeiten. Alles, was Leben so mit sich bringt."

So folgen wir den Gummistiefeln und den vorherigen Trägerinnen und Trägern. Entdeckt wurden die gelben Stiefel von Anna, die große Schwester der Erzählerin. Anna hat die Schuhe so sehr geliebt, dass sie die sogar am ersten Schultag tragen wollte. Und es wurde so, wie sie es sich erhofft hatte. Anna hatte mit ihren Stiefeln einen tollen ersten Tag und konnte neue Freundinnen gewinnen. Als Anna aus den Stiefeln herausgewachsen ist, erbt sie ihre Cousine Josie, die mit ihnen sogar ins Bett gegangen ist.

Was müssen das für wundersame Stiefel sein! Die will ich auch haben! Das ist mal eine tolle Geschichte über Nachhaltigkeit und darüber, wie wir alle verbunden sind. Nachmachen unbedingt erwünscht! Lassen Sie mich bitte unbedingt ihre Gummistiefel-Geschichten wissen!

Ab 4 Jahren.

Die gelben Gummistiefel

von Isabel Pin

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Mit beiden Händen den Himmel stützen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie lesen wir? Und warum lesen wir, was wir lesen? Zu diesen Gedanken hat mich u.a. dieses beeindruckende Debüt geführt. Denn Lilli Tollkien erzählt keine wohltemperierte Geschichte. Dennoch ist sie erstaunlich und brennt sich uns Lesenden ins Mark. Frank Menden nickt mir begeistert zu. Und ich blicke bejahend in Mareike Fallwickls Richtung, die über das Buch sagt: "Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt- und gerade deshalb lesen muss." Ja, bitte unbedingt lesen, egal, wie hart sich die Story anhört.

Lales Kindheit ist schon sehr speziell und alles andere als einfach. Sie wächst in den 80er Jahren in einer Männer-WG in Berlin auf. Lales Mutter ist drogenabhängig, landet immer wieder im Gefängnis. Doch Karlheinz, ein Freund von Lales Vater, bezirzst die Heimleiterin, in dem das zweijährige Mädchen zunächst untergekommen ist. Zusammen mit seiner Freundin Marianne holen sie Lale aus der staatlichen Obhut. Denn Lales Vater sitzt währenddessen auch im Gefängnis, stößt später in die WG dazu.

Und dann wird alles gut? Nein! Die Welt, in der Lale groß wird, ist nichts für kleine Mädchen: Es wird getrunken, geraucht und Drogen konsumiert. Jedes Mal, wenn sich der offizielle Kontrollbesuch des Jugendamts ankündigt, werden sämtliche Spuren der Vernachlässigung und des Konsums beseitigt. Was macht das mit einem kleinen Menschen? Viel! Vor allem Wut staut sich in Lale an, die sie später an ihren Zähnen auslässt. An einer Stelle heißt es: "Wo eben ein sicherer Hafen war, ein Erwachsener, dem ich vertraute, konnte plötzlich ein glitschiger Steg sein. Die Wellen im Wohnzimmer waren Karlheinz' Launen unterworfen und den Wirkungen unterschiedlicher Drogen, unwägbar die Zeichen an der Wasserobefläche, die ich ununterbrochen zu deuten versuchte."

Es sind die Kraft des Mädchens wie die starke Erzählstimme der Autorin, die uns alle mitziehen und in den Himmel der Begeisterung heben! Wir brauchen diese Art von Literatur, die uns mit allen Sinnen erfasst und am Ende sprachlos, aber mit einem Lächeln zurücklässt.

Mit beiden Händen den Himmel stützen

von Lilli Tollkien

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Am Himmel die Flüsse
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch stellt mich vor eine große Herausforderung: In wenigen Zeilen den Inhalt wiederzugeben. Denn Elif Shafaks Roman ist derart weitreichend und voll an Geschichten.

Zunächst trifft mich das Wasser:

"Am Rand der Gewitterwolke hängt ein einzelner Regentropfen - kaum so groß wie eine Bohne und leichter als eine Kichererbse. Eine Weile zittert es bedenklich, das kleine, runde verschreckte Ding, denn es macht Angst, die Erde zu betrachten, die sich dort unten wie eine Lotusblüte öffnet. Dabei ist es wahrlich nicht das erste Mal. Der Tropfen hat die Reise schon oft gemacht - hinauf zum Himmel, hinunter zu festen Boden und wieder hinauf. Doch er fürchtet den Fall immer wieder."

Und dann fällt die erste starke Figur ins Augenlicht: Arthur, König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere, kommt 1840 in ärmlichen Bedingungen in London zur Welt. Er ist arm, dafür reich gesegnet mit Talenten. Genau das wird ihm in der Schule zum Verhängnis. Doch später rettet Arthur genau dies, als er zunächst als Hilfsjunge beim Verlag Bradbury & Evans beginnt. Dort sogar auf Charles Dickens trifft. Seine Neugier führt ihn ins British Museum. Hier verliebt er sich in die Lamassus (assyrische Schutzdämone) und entwickelt für die Tafeln von Ninive geradezu eine Passion.

Dem gegenüber steht Narin im Jahr 2014. Ein neunjähriges Mädchen, das an einer seltenen Krankheit leidet. Narins Familie gehört zu den Eziden. Ihre Großmutter kann Wasserquellen aufspüren, und Menschen heilen. Als sie zu Narins Taufe in den Irak reisen, wird dies ein schrecklicher Wendepunkt im Leben der Familie.

2018 stehe ich an der Seite von Zaleekhah, eine Wasser-Expertin und Wissenschaftlerin, die sich kürzlich von ihrem Mann getrennt hat. Die junge Frau hat seit dem Tod ihrer Eltern eine stete Traurigkeit in sich. Als sie in ein Hausboot zieht und deren Vermieterin kennenlernt, wird das Zaleekhahs Leben verändern.

Wie nun alle Figuren miteinander verbunden sind, das überlasse ich der herausragenden Autorin selbst.

Elif Shafak hat ein unglaubliches Buch geschrieben! Sorgfältig recherchiert, flechtet sie gekonnt menschliche Linien mit ihren Schicksalen ein. Zudem erzählt sie die hochspannende Kulturgeschichte Mesopotamiens und erschüttert uns mit den barbarischen Kriegshandlungen des IS. Schreckliche Szenen, die mich lange beschäftigt haben.

Eine große Fabulierlust durchströmt das Werk. Ich denke an beeindruckende lebenskluge Sätze genauso wie an ihre eleganten Verbindungen vom Punkt zum nächsten Satz. Für mich ist dies eins der großen Werke der Autorin - wenn überhaupt das beste - das es übrigens auch kongenial von Pegah Ferydoni eingesprochen als Hörbuchfassung bei Argon gibt.

Am Himmel die Flüsse

von Elif Shafak

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Ein Ort, der bleibt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sandra Lüpkes hat es wieder getan, und einen erstklassigen, exzellent recherchierten wie mitreißenden Roman geschrieben! Die Autorin reist dieses Mal mit uns nach Istanbul. Dort kreuzen sich drei Lebenslinien - die von Mehpare, Magda und Imke.

Mit Mehpare beginnt die Geschichte, im Jahr 1926. Da muss das Mädchen mit Ansehen, wie sich ihr Traum in Asche verwandelt. Ihre geliebte Mädchenschule brennt und damit auch die Hoffnung des Mädchens auf ein wissensreiches Leben?

Danach beamt uns die Autorin in Imkes Kopf. Die junge Frau sitzt in unserer Gegenwart im Flugzeug und ist auf dem Weg nach Istanbul zu ihrem ersten Job. Sie soll zusammen mit Kai Surrau für die Firma GestAlterna ein denkmalfachliches Gutachten für das Botanische Institut erstellen, das zwischen 1935 und 1937 errichtet worden ist, und sich nun in einem desolaten Zustand befindet. Ist natürlich alles herausfordernd, weil's für Imke der erste Job ist, und ihr Vorgesetzter nicht immer einfach...

In jenem Institut hat seinerzeit der Botaniker Alfred Heilbronn gearbeitet. Der Münsteraner wurde 1933 wegen seiner jüdische Wurzeln diskrediert und - schlimmer noch - von einigen Studierenden beschimpft. Als ihn die Gestapo festnimmt, erhält seine Frau einen Brief. Dieser führt die Familie schließlich nach Istanbul. Und genau dort trifft der Professor auf Mehpare...

Mir war die Rolle der Türkei während des Zweiten Weltkriegs nicht bekannt. Dies hat sich nach diesem Buch nun geändert, das obendrein mein Wissen über Pflanzen erweitert hat. Wussten Sie beispielsweise, dass an sonnigen Standort der Anteil weiblicher Pflanzen auf 46 Prozent sinkt?

"Ein Ort, der bleibt" überzeugt nicht nur durch das, wie alles erzählt ist, sondern Sandra Lüpkes beglückt durch die warmherzigen Figuren, die ich so schnell nicht vergesse. Ein Buch, das bleibt.

Ein Ort, der bleibt

von Sandra Lüpkes

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Evie und die Macht der Tiere
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Matt Haig ist hierzulande vor allem unter den erwachsenen Lesenden bekannt. Lange schon schlummerte dieses Kinderbuch in meinem Regal. Nun habe ich es endlich aufgeschlagen und darf mal wieder sagen: Wer warten kann, der wird belohnt. So ist "Evie und die Macht der Tiere" eine lohnenswerte wie ganz besondere Lektüre für alle ab Neun und junggebliebenen Matt Haig-Fans.

Evie besitzt eine Gabe: Sie kann mit Tieren sprechen. Was cool klingt, wird dem Mädchen und ihrer Familie im Verlauf der Geschichte zum Verhängnis. Denn der Bösewicht Mortimer wird auf Evie aufmerksam. Und das ist überhaupt nicht gut.

Doch beginnen wir von vorn. Evie hört, wie die Schulhäsin Kahlo traurig denkt: "Eine, die einfach vorbeigeht. Ohne einen Gedanken an mich zu verschwenden." Also bleibt Evie stehen und wendet sich in Gedanken an Kahlo. Dabei erfährt sie, dass die Schulleiterin die Häsin aus dem Wald geklaut und hier eingesperrt hat. Evie mit ihrer großen Empathie kann diese Ungerechtigkeit nicht einfach stehen lassen, und lässt Kahlo frei. Zum großen Ärgernis der Schulleiterin. Danach muss Evie ihrem Vater versprechen, ihre Gabe nicht mehr einzusetzen. Was sie brav durchzieht - bis zu dem Tag, an dem sie ihrem Freund Ramesh im Zoo begleitet, und ein Junge ins Löwengehege fällt...

Ich liebe jede Seite in diesem Buch! Das ist einerseits dem Schreibstil des Autors und seiner Heldin zu verdanken. Aber auch die schönen Illustrationen von Emily Gravett bereichern die Seiten auf besondere Weise. Andererseits schätze ich kluge Botschaften wie diese: "Alles hängt mit allem zusammen. Nicht nur eine Großmutter mit ihrer Enkelin. Auch der Mensch mit dem Schimpansen und die Primaten mit den Hunden und Katzen. (...) Jedes Teilstück hängt von den anderen ab und fügt sich in sie ein. Und zusammengehalten wird alles durch eine gewaltige Energie."

Die Kraft, von der Evies Großmutter spricht, nennt sich Dawa. Diese gilt es, zu erkennen, dann kann Evie Großes leisten. Wird es der mutigen Heldin gelingen?

Evie und die Macht der Tiere

von Matt Haig

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Einfach Sunny
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer noch im Winterblues steckt, sollte mit Sunny ein paar Stunden verbringen. Danach ist nichts mehr trüb, eher hell und erquickend. Maren Graf hat mit ihrem Kinderbuch eine erstaunliche wie mitreißende Heldin geschaffen, die gute Laune versprüht. Vor der ich mich zudem verneige, denn Sunny ist blind. Aber das fühlt sich nebensächlich an, denn das Mädchen geht trotzdem ihren Weg und ist leidenschaftliche Sachen-Sucherin.

Gleich zu Beginn stolpert sie über eine Sache. Wobei, nein, Ben, ist doch ein Mensch, der etwas sucht und sehr verzweifelt ist. Bis der Junge aber Klartext spricht, muss Sunny in ihrer Detektivart mehrere Anläufe unternehmen, denn Ben ist stumm wie ein Fisch. Aber Sunny lässt sich natürlich nicht unterkriegen, selbst nicht von den frechen Jungs ihrer neuen Schule.

Auch das ist bemerkenswert. Nicht nur, wie Sunny den Jungs entgegentritt. Nein, die Tatsache, dass sie von ihrer aktuellen Schule auf eine gewöhnliche wechseln will.

Ben blüht am Ende doch auf, verrät seiner neuen Freundin, was sich hinter dem Dings verbirgt und begibt sich mit Sunny auf eine spannende Spurensuche, bei der sie nicht nur andere Menschen treffen, sondern auch einen süßen Dackel namens Frodo.

"Einfach Sunny" ist eine packende Detektivgeschichte, die gleichwohl Mut und Einfallsreichtum ausatmet. Ganz besonders freue ich mich, dass es eine Fortsetzung geben wird und ich Sunny bald schon wieder treffen werde.

Altersempfehlung: Ab 8 Jahren.

Einfach Sunny

von Maren Graf

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Aali muss los
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lesen erweitert nicht nur den eigenen Horizont. Lesen bildet - vor allem durch das Einsaugen von fiktiven Geschichten geschieht die Wissenserweiterung eher spielerisch. So weiß ich erst nach diesem wundervollen und schön gestalteten Kinderbuch, dass ein Aal vier Leben hat.

Genau genommen sind es drei komplexe Verwandlungen, die ein Aal durchmacht. Vor so einer steht Aali, die sympathische Erzählstimme zu Beginn. Sein Kumpel Frank, eine loyale Brasse, fällt auf, dass Aali an dem Morgen so komische Augen hat. Aali indes spürt eine seltsame Unruhe und sagt: "Lass mal schwimmen." Am Ende haben wir - also Aali und ich - einen unglaublichen Weg zurückgelegt. Vom Nord-Ostsee-Kanal durch die Nordsee bis zur Sargassosee. Dabei haben wir allerlei schwimmende Wesen getroffen und Abenteuer erlebt.

Was führt Aali weg von seinem guten Kumpel? Warum schwimmt er so weit? Das löst dieses wissensreiche Kinderbuch auf hinreißende Art und Weise auf. Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich schreiben Hand in Hand, weben neben der Geschichte kleine Infoblöcke zum Aal mit ein. Nele Brönner hat dem Buch den passenden Pinselstrich gegeben. Und der mairisch Verlag hat gezaubert, denn wenn Sie durch die Seiten blättern, leuchten nicht nur ihre Augen so aalimäßig hell, auch die Nase schnuppert. Kann nicht genug bekommen von diesem tollen Papierduft.

So ist dieses Buch eine große Lesefreude für die ganze Familie! Altersempfehlung ab 7 Jahren, aber man kann durchaus schon jüngeren Geschwistern daraus vorlesen.

Ich danke meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor, die mir dieses Buch in meine Hände gelegt und dabei mit leuchtenden Augen gesagt hat: "Das ist so ein großartiges Buch. Du wirst Aali lieben!"

Aali muss los

von Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel

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Forever Beautiful
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Frühjahr ist da. Und mit ihm jede Menge neue Bücher. Nicht nur Romane und Krimis, sondern auch interessante Kochbücher. "Forever Beautiful" von Susanne Korasani ist eins davon. Es ist im Malia Verlag erschienen - dem Verlag von Laura Malina Seiler.

Susanne Korasani ist bekannt geworden durch ihr Buch "Be Your Owen Healer" - in dem sie zeigt, wie es gelingen kann die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Ich trinke seit dem Buch den Löwenzahntee. So hat es mich nicht überrascht, dass der Löwenzahn auch in dem Buch eine besondere Rolle spielt. Sie "ist eine Pflanze, die nichts aufhält. Sie wächst durch Asphalt, trotz dem Wind und Abgasen und trägt in jeder Zelle die Erinnerung an Aufbruch." Die Bitterstoffe sind wichtig für die Entgiftung der Leber. Zudem unterstützen Sesquiterpenlactone, Flavonoide, Inulin und Kalium - die Gallenbildung, aktivieren die Verdauungsenzyme und entlasten die Leber. Die Autorin empfiehlt den Tee, den es im Reformhaus gibt, und die Blätter für Salate, Smoothies und Suppen. Wie gut, dass mein Gemüsehändler auf dem Isemarkt das Kraut verkauft.

Das Buch unterteilt sich in die Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter sowie den Tagesrhythmus: Morgens, mittags und abends. Das Gros der Rezepte enthält nur wenige Zutaten, was ich sehr begrüße, und arbeitet saisonal.

Einfach und gehaltvoll ist beispielsweise die Yoshino-Suppe mit Seidentofu. Hierfür braucht man nur Wasser, Seidentofu, eine kleine Karotte, eine Handvoll Spinat oder Pak Choi, Sesamöl, frischen Ingwer und Frühlingszwiebel. Als Teetrinkerin habe ich mich über die "Grüntee-Kraftbrühe mit Tamari sehr gefreut. Dafür benötigen Sie nur Sencha oder Bancha, einen Schuss Soja-Tamari aus fermentierten Sojabohnen. Auch spannend: die Kuzu-Limo. Oder der Safran Latte. In einem Glossar verrät die Autorin, wo man die Zutaten erhält und worauf man achten sollte.

Was das Buch zudem aufwertet, sind einzelne konkrete Ausführungen zu bestimmten Inhaltsstoffen, ihre Wirkung und Anwendung. So habe ich erfahren, dass Gänseblümchen nicht nur die Regeneration und Ausgleich fördert, sondern ebenso als Umschlag Hautreizungen und leichte Schwellungen genutzt werden kann.

"Forever Beautiful" ist ein ganzheitliches wie nachhaltiges Kochbuch für Geist und Seele! Es zeigt, wie alles miteinander verbunden ist: "Wer Nahrung, Gedanken und Worte auf diese Weise versteht - nicht nur als Kalorienquelle oder Nebensächlichkeit - verändert die Qualität seines gesamten Lebens. Körperlich wie geistig."

Forever Beautiful

von Susanne Abbassian Korasani

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Richtig gutes Essen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Sie suchen das passende Buch für eine Kollegin oder Ihrem Chef? Hier ist es! In Junko Takases Roman „Richtig gutes Essen“ geht es herrlich schräg und sehr unterhaltsam zu. Aber auch nachdenkliche Töne stoßen an die Oberfläche: „Es ist doch total einfach, Leute zu ermutigen, indem man sagt: „Du schaffst das!“ Sich selbst zu ermutigen ist viel schwieriger.“

Das sagt Oshio ihrem Kollegen Nitani. Die beiden verbindet eine platonische Freundschaft. Sie genehmigen sich nach Feierabend gern einen Absacker und werden dem Titel des Romans mehr als gerecht, wenn sie sich leckere Sachen wie Edamame, ein Omlette oder gegrillten Fisch schmecken lassen. Dagegen stellt sich Ashikawa freudig an den Herd und backt Kuchen oder Kekse, die sie auch fürs Team in den Ofen schiebt. Weil sie es gern macht, oder eher, weil sie ein schlechtes Gewissen hat? Denn Ashikawa geht oft früher nach Hause, weil sie Kopfschmerzen hat oder sie sich nicht fühlt. Trotzdem ist gerade sie es, die Natani ermutigt, selbst zu kochen. Sie erklärt ihm, wie einfach das doch eigentlich sei:

„Du könntest dir doch wenigstens eine Misosuppe machen. Du setzt Wasser auf, löst Misopaste, die schon Brühe enthält, darin auf und gibst nur noch Tofu und etwas Grünes dazu.“ Eigentlich total einfach. Aber Nitani sieht es so: „Vielleicht mag ich es eher, anständig zu leben. Weil für mich Sachen wie Essen und Schlafen, die zum Leben notwendig sind, nichts mit Mögen und Nichtmögen zu tun haben.“

Das Essen fungiert als verbindendes und gleichwohl als toxisches Element, das die Autorin zum Ende hin zum Äußersten ausufern lässt. Sie erzählt über eine Bürogemeinschaft, in der alle unterschiedliche Ambitionen verfolgen. Der zielstrebige Natani, seine Geliebte Ashikawa, die ihr Glück im Mehl und im Kochtopf findet, und Oshio, die zwischen den beiden steht. Bitte nicht mit leerem Magen lesen, denn beim Lesen bekommen Sie automatisch Appetit.

In Japan hat sich dieses herrlich lebendige Buch über hundertachtzigtausendmal verkauft und wurde mit dem renommierten Akutagawa-Preis ausgezeichnet. Absolut verdient!

Richtig gutes Essen

von Junko Takase

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Einfach Sunny
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wer noch im Winterblues steckt, sollte mit Sunny ein paar Stunden verbringen. Danach ist nichts mehr trüb, eher hell und erquickend. Maren Graf hat mit ihrem Kinderbuch eine erstaunliche wie mitreißende Heldin geschaffen, die gute Laune versprüht. Vor der ich mich zudem verneige, denn Sunny ist blind. Aber das fühlt sich nebensächlich an, denn das Mädchen geht trotzdem ihren Weg und ist leidenschaftliche Sachen-Sucherin.

Gleich zu Beginn stolpert sie über eine Sache. Wobei, nein, Ben, ist doch ein Mensch, der etwas sucht und sehr verzweifelt ist. Bis der Junge aber Klartext spricht, muss Sunny in ihrer Detektivart mehrere Anläufe unternehmen, denn Ben ist stumm wie ein Fisch. Aber Sunny lässt sich natürlich nicht unterkriegen, selbst nicht von den frechen Jungs ihrer neuen Schule.

Auch das ist bemerkenswert. Nicht nur, wie Sunny den Jungs entgegentritt. Nein, die Tatsache, dass sie von ihrer aktuellen Schule auf eine gewöhnliche wechseln will.

Ben blüht am Ende doch auf, verrät seiner neuen Freundin, was sich hinter dem Dings verbirgt und begibt sich mit Sunny auf eine spannende Spurensuche, bei der sie nicht nur andere Menschen treffen, sondern auch einen süßen Dackel namens Frodo.

"Einfach Sunny" ist eine packende Detektivgeschichte, die gleichwohl Mut und Einfallsreichtum ausatmet. Ganz besonders freue ich mich, dass es eine Fortsetzung geben wird und ich Sunny bald schon wieder treffen werde.

Altersempfehlung: Ab 8 Jahren.

Einfach Sunny

von Maren Graf

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Evie und die Macht der Tiere
Simone Finkenwirth

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Matt Haig ist hierzulande vor allem unter den erwachsenen Lesenden bekannt. Lange schon schlummerte dieses Kinderbuch in meinem Regal. Nun habe ich es endlich aufgeschlagen und darf mal wieder sagen: Wer warten kann, der wird belohnt. So ist "Evie und die Macht der Tiere" eine lohnenswerte wie ganz besondere Lektüre für alle ab Neun und junggebliebenen Matt Haig-Fans.

Evie besitzt eine Gabe: Sie kann mit Tieren sprechen. Was cool klingt, wird dem Mädchen und ihrer Familie im Verlauf der Geschichte zum Verhängnis. Denn der Bösewicht Mortimer wird auf Evie aufmerksam. Und das ist überhaupt nicht gut.

Doch beginnen wir von vorn. Evie hört, wie die Schulhäsin Kahlo traurig denkt: "Eine, die einfach vorbeigeht. Ohne einen Gedanken an mich zu verschwenden." Also bleibt Evie stehen und wendet sich in Gedanken an Kahlo. Dabei erfährt sie, dass die Schulleiterin die Häsin aus dem Wald geklaut und hier eingesperrt hat. Evie mit ihrer großen Empathie kann diese Ungerechtigkeit nicht einfach stehen lassen, und lässt Kahlo frei. Zum großen Ärgernis der Schulleiterin. Danach muss Evie ihrem Vater versprechen, ihre Gabe nicht mehr einzusetzen. Was sie brav durchzieht - bis zu dem Tag, an dem sie ihrem Freund Ramesh im Zoo begleitet, und ein Junge ins Löwengehege fällt...

Ich liebe jede Seite in diesem Buch! Das ist einerseits dem Schreibstil des Autors und seiner Heldin zu verdanken. Aber auch die schönen Illustrationen von Emily Gravett bereichern die Seiten auf besondere Weise. Andererseits schätze ich kluge Botschaften wie diese: "Alles hängt mit allem zusammen. Nicht nur eine Großmutter mit ihrer Enkelin. Auch der Mensch mit dem Schimpansen und die Primaten mit den Hunden und Katzen. (...) Jedes Teilstück hängt von den anderen ab und fügt sich in sie ein. Und zusammengehalten wird alles durch eine gewaltige Energie."

Die Kraft, von der Evies Großmutter spricht, nennt sich Dawa. Diese gilt es, zu erkennen, dann kann Evie Großes leisten. Wird es der mutigen Heldin gelingen?

Evie und die Macht der Tiere

von Matt Haig

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Aali muss los
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lesen erweitert nicht nur den eigenen Horizont. Lesen bildet - vor allem durch das Einsaugen von fiktiven Geschichten geschieht die Wissenserweiterung eher spielerisch. So weiß ich erst nach diesem wundervollen und schön gestalteten Kinderbuch, dass ein Aal vier Leben hat.

Genau genommen sind es drei komplexe Verwandlungen, die ein Aal durchmacht. Vor so einer steht Aali, die sympathische Erzählstimme zu Beginn. Sein Kumpel Frank, eine loyale Brasse, fällt auf, dass Aali an dem Morgen so komische Augen hat. Aali indes spürt eine seltsame Unruhe und sagt: "Lass mal schwimmen." Am Ende haben wir - also Aali und ich - einen unglaublichen Weg zurückgelegt. Vom Nord-Ostsee-Kanal durch die Nordsee bis zur Sargassosee. Dabei haben wir allerlei schwimmende Wesen getroffen und Abenteuer erlebt.

Was führt Aali weg von seinem guten Kumpel? Warum schwimmt er so weit? Das löst dieses wissensreiche Kinderbuch auf hinreißende Art und Weise auf. Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich schreiben Hand in Hand, weben neben der Geschichte kleine Infoblöcke zum Aal mit ein. Nele Brönner hat dem Buch den passenden Pinselstrich gegeben. Und der mairisch Verlag hat gezaubert, denn wenn Sie durch die Seiten blättern, leuchten nicht nur ihre Augen so aalimäßig hell, auch die Nase schnuppert. Kann nicht genug bekommen von diesem tollen Papierduft.

So ist dieses Buch eine große Lesefreude für die ganze Familie! Altersempfehlung ab 7 Jahren, aber man kann durchaus schon jüngeren Geschwistern daraus vorlesen.

Ich danke meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor, die mir dieses Buch in meine Hände gelegt und dabei mit leuchtenden Augen gesagt hat: "Das ist so ein großartiges Buch. Du wirst Aali lieben!"

Aali muss los

von Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel

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Beste Zeiten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lost girl meets life! Wäre ich nochmal süße Achtzehn dann würde ich diesen Roman lieben! Denn ich fühle so sehr mit der Ich-Erzählerin. Daher habe mit meinen 40ern "Beste Zeiten" von Jenny Mustard ebenfalls mit allergrößter Freude gelesen. Die Autorin hatte mich ja bereits mit "Okaye Tage" begeistert.

In ihrem neuen Roman werde ich eine Freundin von der 21jährigen Sickan. Die Ich-Erzählerin ist gerade aus der schwedischen Provinz nach Stockholm gezogen und hat alles vor sich: die Uni, neue Kontakte und das Glück! Als sie ihre Kommilitonin Hanna kennenlernt, findet sie eine Freundin, und das obwohl Hanna aus einem anderem Haushalt stammt. Denn Hanna hat Geld, lebt in der Wohnung der verstorbenen Großmutter in einem guten Viertel. Sickan hingegen wohnt im Studentenheim und muss jede Krone umdrehen.

Sickan ist speziell und ich mag sie gerade deshalb. Sie hatte keine einfache Kindheit und Narben in ihrer Seele wie Abbe. Doch eine Beziehung wird schwierig, weil Abbe in einem Jahr nach Mexiko City will. Sie können dafür einfach gute Freunde sein. Werden es natürlich, und schließlich noch viel mehr.

Jenny Mustard hat einen wahrlich eigenen Sound - extrem cool und sehr nah an ihren Figuren greift sie Themen wie Identität, Freundschaft, LIebe und Abgrenzung auf. Jedes junge Mädchen findet sich in ihren Geschichte wieder, ob sie nun lost ist oder nicht:

"Ich frage mich, ob er recht hat, ob wir jetzt, wo wir erwachsen sind, endlich über die schweren Themen, die wir bisher verheimlicht haben, reden können."

Dem Eichborn-Verlag ist diese Entdeckung ebenfalls zu verdanken, wie ihrer Übersetzerin Lisa Kögeböhn, die wieder erstklassige Arbeit geleistet hat!

Beste Zeiten

von Jenny Mustard

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Sophie L.
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch fällt in die Kategorie: Falsches Cover, richtiges Buch! Ich verstehe den Gedanken des Verlags durchaus. Man wollte dem ersten Buch "Anna O." in der Gestaltung treu bleiben. "Sophie L." wird als Thriller vermarktet. Aber Vorsicht, das könnte Lesende enttäuschen. Eben jene, die eine durchgehend packende Handlung erwarten.

Mich hat das Buch von der ersten Seite begeistert. Das hat vor allem mit dem feinsinnigen Schreibstil des Autors zu tun. Und die Geschichte, die komplex und anziehend ist.

Die Londoner Gedächtnisexpertin Olivia Finn erhält aus Paris einen Anruf von der Polizei. Ihre Großmutter hätte im Hotel Lutetia einen Mord gestanden, und gesagt, sie sei eine andere. Das überrascht und beunruhigt die alleinerziehende Mutter. Folglich fährt sie nach Paris. Als Olivia dort ankommt, wird sie von der Polizei vernommen. Später spricht sie mit ihrer Gran, plötzlich scheint sie wieder klar, als sie bei ihr Zuhause sind. Édouard, ein ehemaliger Geliebter, ist zum Zeitpunkt auch in Paris und eilt Olivia zur Unterstützung. Édouard ist der Sohn von Olivias Therapeuten und treuen Weggefährten, der ihr den Weg in ihren Berufsweg als Psychologin geebnet hat. Louis war auch seinerzeit - vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs - der Herzensmensch ihrer Großmutter. Die wird nach ihrer Freilassung aus Ausschwitz mit anderen in dem Hotel Lutetia für drei Tage untergebracht. In diesen drei Tagen ist etwas passiert, über das alle bis heute schweigen...

Haben Sie mitgezählt? Ich habe hier vier Personen erwähnt, aber das sind längst nicht alle. Wie ein Puzzlemeister setzt Matthew Blake alle Figuren und Handlungsstränge gekonnt ins sein geheimnisvolles Bild. Durch das man sich klar und gespannt bewegt und dann...!

"Sophie L." ist ein raffinierter Thriller, der sich erneut einem spannenden Thema - dem der Erinnerung - widmet. Also ignorieren Sie das Cover und vertrauen auf meine wohlwollende Stimme.

Sophie L.

von Matthew Blake

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Die Farm der Mädchen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Hans Rosenfeldt hat es mir nicht leicht gemacht. Und doch konnte er mich für sich gewinnen. Wie das? Nun, hochwertige Krimiliteratur kann eben nichts erschüttern.

In seinem Krimi-Solo "Die Farm der Mädchen" erzählt er eine komplexe Krimigeschichte. Nichts für Leseratten, die schnelldrehende Plots mögen. Wer hingegen ein bisschen mehr Zeit mitbringt, wird um so mehr belohnt.

Bislang hat der angesehende Drehbuchautor zusammen mit Hjorth die achtbändige Sebastian-Bergman-Reihe verfasst, und wurde auch hierzulande dafür sehr gelobt. Dass er ein Meister seines Fachs ist, beweist er nach seinem Solodebüt "Wolfssommer" erneut.

"Die Farm der Mädchen" beginnt mit der Flucht von zwei schwangeren Frauen. Als die eine im Wald plötzlich ein totes Kind gebärt, versucht ihre Freundin Dardana einen sicheren Ort aufzuspüren. Sie schlüpfen in einer einsamen Waldhütte unter. Doch Natalia verliert am Ende zu viel Blut und stirbt. Dardana lässt ihre tote Freundin zurück und flieht allein vor ihren Verfolgern.

Das tote Baby führt schließlich zur Polizistin Hannah Wester, die nach einer Auszeit wieder in den Dienst tritt. Ihr Mann ist bei einem Einsatz ums Leben gekommen. Was hat es nun mit dem toten Baby auf sich? Und wie ist die Leiche in der Hütte zu erklären? Der Fall ist komplexer und führt auch ins dunkle Reich des Menschenhandels.

Rosenfeldt nutzt für seinen Plot verschiedene Handlungsstränge, behält aber eine klare Linie und erzeugt mit zunehmenden Seitenananzahl mehr an Spannung.

Ein Hochkaräter, über den man lange noch nachdenkt.

Die Farm der Mädchen

von Hans Rosenfeldt

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Statt aus dem Fenster zu schauen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sinnkrise? Kennen wir doch alle! So weiter machen? Oder eine andere Richtung einschlagen? Diese Fragen stellen wir uns nicht nur mit Anfang 20 oder mit 35 Jahren, auch mit Mitte 40 oder sogar mit Ende Sechzig. Daher ist Anna Katharina Scheidemantels grandioses Debüt "Statt aus dem Fenster zu schauen" eine willkommende Einladung für alle Sinnsuchenden.

Den Mumm der Ich-Erzählerin hätte ich allerdings nicht. Aus einer Stagnation bei ihrem Praktikumsplatz heraus surft Sophie ein bisschen bei Kleinanzeigen.de herum und kauft sich mal eben mit ihrem Ersparten ein Haus in der Pampa. In Günderode, hinter Berlin. So lässt unsere Heldin alles in München hinter sich, schnappt sich ihr Rad und einen Rucksack und auf geht's mit der Bahn ins Abenteuer!

Als die Studentin in der ostdeutschen Provinz an ihrem Häuschen ankommt, wird ihr schlecht. Vor ihr offenbart sich mehr eine Bruchbude. Aber hey, was hast du für 3000 Euro erwartet? - will ich ihr zurufen. Ich wäre sofort wieder abgehauen, Sophie nicht. Die bleibt. Ihr dabei zuzuschauen, ist herrlich erfrischend und bereitet mir große Freude! Wie sie in Eigenregie das heruntergekommene Haus putzt, streicht und auf Vordermann bringt, weitet meine Augen. Damit nicht genug. Sophie beginnt, den Garten mit Pflanzensamen auszusäen, um im Sommer eine erste Ernte einzufahren. Sie arbeitet, bis sie vor Erschöpfung auf ihrer Isomatte liegt und die Gedanken schweigen. Denn Sophie hat bisher niemanden von ihrer Aktion erzählt... Wie lange kann das gut gehen?

"Statt aus dem Fenster zu schauen" ist eine besondere Sinnsuche mit existenziellen Fragen. Obendrein entschleunigt es, indem die Autorin unsere Köpfe ins reichhaltige Meer der Natur stupst. Herrlich! Ein mutmachendes Buch für alle, die sich gerade selbst fragen: Und jetzt?

Ich freue mich, dass ich am kommenden Mittwoch, 8. April, um 19.30 Uhr, mit der Autorin bei uns die Buchpremiere ausrichten darf.

Statt aus dem Fenster zu schauen

von Anna Katharina Scheidemantel

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Spielverderberin
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es könnte so leicht sein wie so vieles im Leben. Einfach eine schöne Freundschaftsgeschichte. Doch das wollte Marie Menke mit ihrem Debüt nicht. Und genau das ist gut so!

Lotte, Sophie und Romy sind die drei tragenden Säulen des Romans. Während Lotte und Sophie seit Kindheitstagen befreundet sind, stößt in der Oberstufe Romy aus der Großstadt dazu. Am Anfang der Geschichte treffen sie sich in der alten Heimat, im Süthland. Alle drei sind der Heimat entwachsen, leben in Köln. Doch wie nah sind sie sich immer noch?

Die Ich-Erzählerin, Sophie, will sich mit ihren beiden Freundinnen am Baggersee treffen, angestoßen hatte dies Romy. Als Sophie und Lotte dort ankommen, ist Romy längst da. Nach einigen Gläsern Wein will Romy in den See. Lotte ist das zu riskant, Sophie ebenso. Als sie Romy im See nicht mehr sehen, sagt Lotte: "Romy braucht keine Hilfe." Lotte verschwindet daraufhin mit ihrem Jutebeutel, Sophie bleibt. Bereits hier wird mir klar, dass etwas nicht stimmt. Und das liegt weiter zurück.

Nach und nach nimmt uns die Autorin mit in die vertrackte Freundschaftsgeschichte, die gleichermaßen Fragen wie Unsicherheiten aufwirft. Marie Menke verwebt verschiedene Themen in ihre mitreißend erzählte Geschichte: Anziehung, der Wunsch nach Zugehörigkeit, Abhängigkeit, Ghosting. Und ich denke: Was bin ich dankbar, dass ich so etwas nie erleben musste. Ich bin in einem harmonischen Kreis unterschiedlicher Freundinnen groß geworden, mit denen ich heute noch verbunden bin, und das obwohl sich unsere Leben anders entwickelt haben.

Marie Menke geht indes weiter oder sagen wir besser: Sie stürzt uns in dunkle Täler, was Freundschaften noch sein können. Teuflisch und toxisch.

Ich habe den Roman in einem Atemzug weggelesen, wurde am Ende nochmal aus der Bahn geworfen und ahne: Man darf von der jungen Schriftstellerin noch Großes erwarten.

PS: Bald gibt es mehr zur Autorin, die ich bei der Leipziger Buchmesse gecoffeetalkt habe.

Spielverderberin

von Marie Menke

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Pina fällt aus
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe Vera Zischke verpasst, also "Ava liebt noch". Ihr Debüt hat unzählige Lesende mitgerissen. Deshalb ließ ich den Kelch an mir vorbeiziehen, obwohl ich natürlich neugierig geblieben bin. Nun ist ihr zweiter Roman erschienen und ich weiß: Ich habe etwas verpasst. Aber aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben.

Ich bin so verliebt in "Pina fällt aus" und kann mein Grinsen nicht bei mir behalten. In diesem Roman erzählt die Autorin eine Geschichte über Zusammenhalt, Solidarität, Fürsorge und Liebe in unterschiedlicher Form. Pina ist eine alleinerziehende Mutter. Sie kümmert sich um ihren Sohn Leo, der in seiner eigenen Welt lebt, jeden Morgen vom Bus abgeholt wird. Dann geht es ab in die Werkstatt. An einem Nachmittag, Leo ist längst zurück, will Pina noch Einkäufe erledigen. Auch für die älteste Bewohnerin im Haus. Inge verlässt nach einem Unfall und dem Tod ihres Mannes die Wohnung nicht mehr. Muss sie auch nicht, denn Pina kauft für Inge ein. Doch dieses Mal kehrt sie nicht zurück. Pina ist auf der Straße zusammengebrochen, kommt ins Krankenhaus und Leo bleibt bei Inge. Alle warten. Nur wir Lesende wissen mehr, sind an Pinas Seite im Krankenhaus und dem pflegenden Personal.

Bald ist klar, was passiert ist und dann? Kümmern sich drei schräge Vögel um den mutterlosen Leo. Neben Inge gibt es noch den Einsiedler Wojtek, der eine russische Freundin hat, die ihm besondere Nippes besorgt. Und die revoltierende Zola. Ein 16jähriges Mädchen, das am liebsten nachts zockt und die von ihrem Vater organisierten Jobs in den Boden stampft. Ja, da ist wahrlich so viel Wut in dem Mädchen, aber gleichwohl extrem viel Fürsorge für Leo, dass mein Herz fast explodiert.

Ich habe mich bei der Lektüre an Anna Gavaldas Erfolg "Zusammen ist man weniger allein" gedacht. Aber nicht nur deshalb zählt "Pina fällt aus" zu meinen Lieblingen. So ist das Buch gefüllt mit herrlich abstrusen, liebenswerten, bewegenden Momenten, bei denen ich oft seufzt lache oder innehalte. Vera Zischke hat einen charmanten Erzählstil, die Tiefe dennoch nicht scheut und ihr geradewegs ins Gesicht blickt.

Mehr Hintergründe zum Roman erfahren Sie bald in einem Interview, das ich mit der Autorin auf der Leipziger Buchmesse geführt habe. Es war mir eine große Freude wie diese wunderbare Lektüre, die wir in diesen aufwühlenden Zeiten besonders brauchen!

Pina fällt aus

von Vera Zischke

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Bei aller Liebe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Weniger kratzbüstig, aber nicht minder lesenswert ist der neue Roman von Jane Campbell. Nachdem die 82jährige Autorin mit ihrem Debüt „Kleine Kratzer“ auch hierzulande für Furore gesorgt hat, legt sie nun nach.

Die Autorin bedient sich wieder ihrem wertvollen Wissen über uns Menschen. Denn in ihrem vorherigen Leben war sie als Psychoanalytikerin in Oxford tätig. Apropos: Psychologisch klug und feinfühlig erzählt sie eine Familiengeschichte. Die beginnt damit, dass Agnes viel zu früh ihre Eltern bei einem Autounfall verliert. Ihre Mutter Sophy hat vorher ihrem Bruder Malcom einen Brief übergeben. Er soll Dr. Joseph Bradshaw persönlich ausgehändigt werden. Doch das macht Malcolm nicht. So hütet er bis heute ein Geheimnis, das eng mit seiner Nichte Agnes verknüpft ist. Warum handelt er so? Das ist eine von weiteren Fragen, denen ich mich Seite um Seite nähere.

In abwechselnden Kapiteln erlebe ich dabei die Lebensgeschichten von Dr. Joseph Bradshaw, Malcolm und Agnes. Alle widmen sich der Psychologie in verschiedenen Formen. Ein raffinierter Schachzug wie die Linien, die Campbell zusammenzieht. So baut sie ein Spannungsfeld auf, dem man ebenso wenig entgeht wie ihren klugen Ansichten: „Mit dem Alter kommt die Zerknirschung, Malcom. Da gibt es kein Entrinnen. Es kommt allerdings darauf an, wie du die Geschichte deines Lebens erzählst.“

„Bei aller Liebe“ ist ein packendes wie berührendes Buch über Lebenslügen, Familie, Verletzungen und die Kunst des Verzeihens. Die Geschichte hallt lange noch nach. Da verzichtet man durchaus auf das kratzbürstige Erzählen. Und freut sich viel mehr darüber, dass diese bewundernswerte Frau mit Anfang 80 angefangen hat, zu schreiben. Bitte weiter so und mehr davon!

Bei aller Liebe

von Jane Campbell, Bettina Abarbanell

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Der Wald
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Viel zu wenig habe ich bisher über diesen Roman vernommen. Warum nur? Denn die Booker-Preisträgerin, die mit ihrem Buch „Die Gestirne“ mit gerade mal 28 Jahre auf dem literarischen Parkett zu einer Berühmtheit wurde, zeigt erneut, dass sie zu den besten Autorinnen unserer Gegenwart gehört.

Eleanor Catton möchte mit ihrem Roman nicht nur unterhalten. Sie will uns auch zum Nachdenken anregen, indem sie zwei gegensätzliche Pole zusammenbringt. Da ist die 24jährige Mira. Die Umweltaktivistin hat eine Guerilla-Gardening-Gruppe ins Leben gerufen. Das „Birnam Wood“-Kollektiv setzt überall dort Pflanzen, wo es keiner merkt.

Als es in einem Naturschutzgebiet zu einem Erdrutsch kommt, sieht sie ihre große Chance gekommen. So bietet das große Grundstück des Unternehmers Owen Darvish viel Raum fürs Gardening. Als Mira dort ankommt, findet sie die Farm verlassen vor, und will bald loslegen, bis ihr der Milliardär Robert Lemoine über den Weg läuft... und der unterbreitet ihr ein lukratives Angebot, das wiederum den Grundsätzen des Kollektivs widerspricht.

Wahnsinn! Was für eine hochspannende Geschichte! Eleanor Cotton hat in ihrem Roman eine Vielzahl an relevanten Themen versehen: Gesellschafts- und Kapitalismuskritik, Umweltschutz, Gemeinschaft - was sie schaffen kann, aber auch spaltet, Freundschaft, Ideale – wie weit würden wir gehen? Spritzige Dialoge befeuern die plotgetriebene Handlung, die mit einem extrem packenden Showdown endet. Stephen King meint: „Grandios. Was für ein Genuss!“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht: Setzen Sie ein Pflänzchen, auch für dieses Buch, von dem ich gern noch mehr lesen und hören möchte. Ob es uns gelingt?

Der Wald

von Eleanor Catton

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Der Kuckucksjunge
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich hatte richtigen Heißhunger! Nicht auf Lakritz, sondern auf einen guten Krimi. Da kam mir Soren Sveistrup gerade recht. Der dänische Erfolgsautor hatte mich seinerzeit mit "Der Kastanienmann" und seiner großartigen TV-Serie "Kommissarin Lund: Das Verbrechen" schier begeistert.

Und jetzt am Ende der Lektüre kann ich freudig verkünden: Auch dieses Mal hat konnte mich der Däne überzeugen. In dem Fall geht es um Stalking Opfer - Frauen und ein Mann. Der Täter schickt ihnen erst zwei Wörter "Hab dich", danach folgen Kurzmitteilungen mit Abzählreimen und sogar noch Fotos, die zeigen, dass der Verbrecher ganz in der Nähe sein muss.

Silje Thomsens ist das erste Opfer. Mehrmals hat sie ihre SIM Karte gewechselt, aber davon zeigt sich der Täter unberührt. Als ihr geschiedener Mann die gemeinsame Tochter zurückbringt, finden sie das Haus leer vor und von Silje fehlt jede Spur, das Handy ist ausgeschaltet.

Die Kommissarin Naia Thulin soll sich zusammen mit ihrem eigensinnigen Kollegen Mark Hess um diesen Fall kümmern. Die beiden verbindet noch mehr als ihre Arbeit. Als eine Leiche gefunden wird, ahnen wir bald schon, wer die Tote sein wird. Und es bleibt nicht die Einzige in diesem atmelos machenden Thriller.

Seltsam ist, dass das Vorgehen an einen Cold Case erinnert. Denn eine 19jährige Schülerin ist auf ähnliche Weise umgebracht worden: Erst gab es diese Kurzmitteilungen und dann folgte der Mord...

Soren Sveistrup ist ein Meister seines Fachs. Er setzt spannende Cliffhanger und hält die Spannung die ganze Zeit über! Man rätselt lange darüber, wer es denn nun sein könnte. Das macht für mich gute Krimiliteratur aus wie eine tolle empathische Figurenzeichnung.

"Der Kuckucksjunge" stillt nicht nur jeden Heißhunger auf spannende Lesestunden. Er macht Lust auf noch mehr Krimis! So folge ich meinem Kollegen Frank Menden, der kürzlich "Kill For Me" von Steve Cavanagh mit Begeisterung verschlungen hat.

Der Kuckucksjunge

von Søren Sveistrup

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Am Ende der Kleinigkeiten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Pures Glück umhüllt mich nach Franziska Hausers neuem Roman wie eine Membran, die mich vor äußeren negativen Einflüssen beschützt. Weltenflucht, nennen es die einen. Weltenerkundung - die anderen. Noch etwas zeigt sich in mir: Eine große Dankbarkeit, wenn es Werken wie diesem gelingt, mich voll und ganz einzusaugen.

Wobei der Anfang nicht einladend ist. Das hat weniger mit der Autorin, dafür mehr mit Irmas gemeinen Mutter zu tun. Garstig, abweisend und spitz wie ein Stachel durchbohrt sie die Harmonie der Buchstaben. Wie kann eine Mutter nur derart verletzend sein?

Irma kann eines Tages nicht mehr und haut ab. Weg vom Land und der Kommune, die ihre Mutter nach der Wende mitgegründet hat, hinein in die pulsierenden Arme der Großstadt. Als die 15jährige vorm Theater strandet, weiß sie noch nicht, dass sie in ihrem neuen Zuhause angekommen ist.

Hier stößt sie auf Menschen, die bald zu Vertrauten werden. Da ist der Regisseur Taron Capla, die erfolgreiche Blanda, den Agenten Enno und mittendrin Irma, die ohne Ausbildung bravourös auftritt. Das gelingt ihr allein dadurch: „Es war so leicht. Ich musste nur meine Mutter spielen.“

Aber natürlich bleibt es nicht einfach, denn dafür ist die Autorin bekannt. So setzt sie Irma Prüfungen aus, und verliert dabei den Ursprung der Geschichte nicht aus den Augen. Immer wieder treffen mich die mütterlichen Stacheln, ich sehe Irma taumeln und frage mich: Wird es ihr gelingen, von den Schatten der Vergangenheit loszukommen?

Für mich zählt dieses Buch zu meinen Highlights in diesem Frühjahr und ich widerspreche der Rezensentin vom Deutschlandfunk. Franziska Hauser hat mich mit ihrer Sprache, die alles andere als schlicht ist, genauso bezirzt wie mit ihrer besonderen Geschichte und bemerkenswerten Heldin. Daher gibt’s zum Indiebookday von mir eine große Leseempfehlung!

Am Ende der Kleinigkeiten

von Franziska Hauser

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Half His Age
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die Geschichte ist nicht neu. Trotzdem lese ich sie mit Neugier, Begeisterung und roten Ohren "Half His Age" von Jennette Mccurdy. Waldo hat ein sehr lebendiges Sexleben: "Ich weiß schon, dass dieses genervte Ächzen nicht gut kommt, wenn man gerade von einem Typen geleckt wird, aber im Moment kann ich mich echt schwer zurückhalten." Oha! Von solchen expliziten Stellen hagelt es hier mehr als mir manchmal lieb ist. Trotzdem lese ich weiter. Je tiefer ich eintauche, um so mehr dringe ich zum Kern vor. Und der ist weniger hot, eher beklemmend und düster.

Waldo lebt mir ihrer Mutter in präkeren Verhältnissen zusammen. Die wiederum hat wechselnde Männerbekanntschaften. Nach jedem Ende versinkt ihre Mutter in eine Depression. So will Waldo nie werden. Und doch wird sie selbst bald in ein solches tiefes Tal fallen. Als sie mit ihrem Lehrer Mr. Korgy eine Affäre beginnt. Mr. Korgy unterrichtet Kreatives Schreiben, erkennt Waldos Talent. Und genauso ihre Neugier, Reife und natürlich findet er sie reizend. Erst versucht der verheiratete Vater der Anziehung zu entgehen, aber hey, am Ende ist er auch nur ein Mann.

Man könnte diese Geschichte als Nabokovs "Lolita" lesen. Doch sie ist natürlich moderner. Heutige Kummerfluchten wie das Internet und damit verbunden der immer verfügbare Konsum, das hat es damals nicht gegeben. Diese unmögliche Lovestory trieft nicht nur vor Sex. Es geht um Klassizismus, und den Wunsch nach einem besseren Leben. Immer, wenn ich denke, es reicht jetzt langsam mit dem Sex, wirft mir die Autorin ziemlich kluge Sätze zu und ich betrachte die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel.

So sehe ich einen verzweifelten Hilferuf! Höre den Wunsch nach einer Rettung heraus - durch einen älteren Mann. Kann das gelingen? Und geht es hier wirklich um den älteren Liebhaber oder viel mehr um das, was Waldo zum ersten Mal führt? Dass Sex mehr ist als reine Befriedigung.

"I'm Glad My Mom Died" war der große Erfolg der Autorin. Auch in ihrem aktuellen Roman treffe ich auf ihre offenherzige, witzige Erzählweise. Mag der Ausgang für manche vorhersehbar sein, ich mochte vieles an dieser sexy, belebenden und mitunter tiefsinnigen Story.

Altersempfehlung ab 18 Jahren!

Half His Age

von Jennette McCurdy

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Zugwind
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wann hat der Zugwind zuletzt in Ihrem Herzen gewütet? Bei mir war's erst vergangene Woche. Aber zum Glück hat mich Iryna Fingerova aufgefangen. Denn ihre Romanheldin aus "Zugwind" ergeht es genauso: "Der Zugwind, der sich in mir breitgemacht hatte, machte keine Anstalten, sich zu beruhigen. Die Fenster und Türen schlugen. Sie weckten die Kinder auf!"

Am 24. Februar 2022 überfällt Mira diese Unruhe. An dem Tag, als Russland in ihr Heimatland einmarschiert. Mira lebt da bereits mit ihrem Mann, ihrer fünfjährigen Tochter und ihren Eltern in Deutschland. Sie arbeitet als Ärztin, erst im Krankenhaus, bald in einer Hausarztpraxis bei Frau Erde und Frau Meer. Anhand der Namen merkt man schon, hier ist eine Poetin am Werk. Als Mira dort beginnt, spricht sich das natürlich in der ukrainischen Gemeinde herum, und bald suchen sie viele Patienten aus der alten Heimat auf. Sie haben unterschiedliche Leiden, die uns die Erzählerin anonymisiert teilt. "Frau A. brach in Tränen aus, kaum, dass sie Platz genommen hatte."

So verschieden die Menschen sind, eint doch alle diese Tatsache: "Mit einem Bein in der Ukraine, mit dem anderen in Deutschland. In zwei Realitäten gleichzeitig." Das strengt auf Dauer an. Iryna Fingerova gibt den entwurzelten Menschen eine Stimme, ohne Pathos oder Schwere. Sicherlich zwickt das Herz, aber es knickt nie ganz in sich zusammen, denn die Autorin kommt rechtzeitig mit ihrer charmanten Leichtigkeit daher und schenkt mir einen Sonnenstrahl, der das Dunkle vertreibt. Übrigens stellt ihre Heldin auf der Verlagsseite des Rowohlt Verlags Rezepte gegen Zugwind-Beschwerden aus:
https://www.rowohlt.de/zugwind

Auch Mira spürt diese Zerrissenheit. Obwohl sie sich mit ihrem Mann ein Leben in Deutschland aufgebaut hat, sehnt sie sich nach Odesa und ihrer Großmutter. Als es ganz schlimm wird, sagt ihr Mann, sie solle endlich fahren. Das macht Mira dann auch, und nimmt mich mit. Zeigt, wie ein normales Leben in einem Kriegsland weiterexistieren kann und muss.

"Zugwind" ist ein kluges, berührend schönes, luftig charmantes und wichtiges Buch über den noch andauernden Krieg in der Ukraine. StaywithUkraine!

Zugwind

von Iryna Fingerova

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Die Sonne und die Mond
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn ein geliebter Mensch von uns geht, tut das sehr weh. Genauso schmerzhaft sind die Wellen der Trauer, die einen immer wieder erfassen. Chris Kraus findet dafür die passenden Worte: "Auch das Vergehen von Menschen heißt nicht, dass sie nicht überdauern. Alles Bedeutende existiert nur in der Erinnerung." Das schreibt jemand, der seinen Lebensmensch verloren hat. "Die Sonne und die Mond" hat ihn durch die schwere Zeit getragen. Ich staune wieder einmal, wie viel Kraft in der Liebe steckt.

Wobei das Gros der Geschichte alles anderes als ruhig ist. Denn hier treffen zwei gegensätzliche Pole aufeinander. Da ist die stille in sich gekehrte Sonne. Eigentlich heißt sie Sonja, aber ihr Vater hat sie immer Sonne genannt. Sonne betreibt in einer ehemaligen Bäckerei ein alternatives Berliner Bestattungsunternehmen. Als Mond ins ruhige Örtchen reinfällt, steht die Welt Kopf. Mond heißt Jana von Mond und erinnert mich an einen bunten Kanarienvogel dessen Schnabel nie stillsteht.

Sonne reagiert ziemlich kratzbürstig und wird von ihrem Angestellten zurechtgewiesen. Was Samuel und ich nicht wissen, ist der Konflikt, den die Freundschaft seinerzeit entzweit hat. Auch Monds aktuelles Problem ist alles andere als einfach: Ihr geliebter Mann ist mit seiner Freundin bei einem Verkehrsunfall in Italien ums Leben gekommen. Said hat in seinem Testament darüber verfügt, dass er mit Ying Shu zusammen beerdigt werden will.

Und jetzt? Sonne will Mond am liebsten rausschmeißen. Mond hingegen fleht, bettelt und wird schließlich von ihrer alten Freundin erstmal mit nach Hause genommen, in die kleine Wohnung, die Sonne mit ihrem Sohn Nicky bewohnt. Eine goldige Frohnatur, die ich sofort ins Herz schließe wie Nicky Jana.

Man merkt dem Autor sein erfahrenes Händchen für Figuren und Plots an. So fühlt sich die Lektüre wie ein wunderschöner Kinofilm an - mit dem Unterschied, dass sich neben schmissigen Dialogen und bizarren Momenten nachdenklich kluge Gedanken wie sanfter Schnee über das bunte Treiben legt.

"Überleben ist kein Wert von Dauer, auch unser Überleben nicht." Das ist einer der Sätze, der sich in mein Gedächtnis gebrannt hat wie die Figuren, die ich nur schwer loslassen möchte. Doch auch das gehört zum Leben dazu: Abschied zu nehmen, voller Dankbarkeit zu sein für die gemeinsame Zeit, reich gesegnet mit vielen Erinnerungen, die einem keiner nehmen kann. Ganz im Gegenteil: Sie sind der Ort, an dem wir immer wieder zu unseren Lieben zurückkehren können, und das zu jeder Sonnen- und Mondzeit!

Die Sonne und die Mond

von Chris Kraus

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The Tainted Cup
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wahnsinn! Irre! Unglaublich! im besten Sinne fantastisch ist dieser großartige Krimi. Er steht aktuell in der Krimibestenliste bei Deutschlandfunk Kultur. Yes! Da gehört er hin!

Kaum ausgepackt, waren meine Kollegin Sarah O'Connor und ich wie vom Blitz getroffen. Wir ahnten, dass „The Tainted Cup“ von Robert Jackson Bennett etwas ganz und gar Außergewöhnliches sein muss. Nicht nur, weil das Buch mit dem „Hugo Award 2025“ ausgezeichnet wurde. Da war noch etwas... kennen Sie doch alle! Diese Magie, die aus manchen Büchern besonders herausströmt. Und jetzt nach der Lektüre lachen Sarah O'Connor und Simone Finkenwirth immer noch. Voller Freude und Staunen über das wundersame schöne Ding aus Papier!

Alles beginnt mit einem Mord. Als unser Held an den Ort des Geschehens gerufen wird, verschlägt es auch ihm die Sprache: Aus dem Körper des toten Mannes ist ein Baum gewachsen. Wie kann das sein? Dinios‘ exentrische Chefin Ana weiß recht schnell, was es damit auf sich hat. Es bleibt nicht bei dem einen Toten. Denn kurze Zeit später geschieht an der Mauer ein Durchbruch vom Levithian ausgelöst. Wer jetzt noch bei uns ist, sollte sich schleunigst diesen unterhaltsamen wie fantastievollen Roman gönnen. Zu finden ist er auf unserer Eingangspyramide. Haben wir natürlich auch auf Englisch.

Übrigens folgt bald Teil 2. Erstmal nur auf Englisch. Aber die deutsche Übersetzung lässt sicherlich nicht lange auf sich warten. Das eingesprochene Hörbuch von Tim Gössler ist genauso beeindruckend. Eine Stimmenvielfalt und wahrer Filmgenuss! Ja, es fühlt sich wie ein extrem guter Filmritt an. Erschienen ist’s bei Hörbuch Hamburg.

Jakob und Karla Schmidt haben diesen Hochkaräter aus dem Englischen übersetzt.

The Tainted Cup

von Robert Jackson Bennett

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Tage des Lichts
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Liebe auf den ersten Blick gibt es nicht nur bei Menschen. Auch zwischen Büchern und den Lesenden. Megan Hunter ist für mich der lebende Beweis dafür! Mit ihrem neuen Roman "Tage des Lichts" hat sie die Tür zu meinem Herzen sofort ganz weit aufgestoßen. Genau dort sitzt sie und ich verrate Ihnen nun warum.

Ivy ist die tragende Figur in dem Roman, der mich von der ersten Seite an bezirzt. Kein Wunder, ist Ivy in eine Künstlerfamilie hineingeboren und ich fühle mich diesen interessanten Menschen seit jeher verbunden. So falle ich federleicht in dieses flirrende Setting. Es ist Ostersonntag im Jahr 1938. In dem atmet die Kunst. Ivys Bruder Angus teilt sich das Atelier mit seiner Mutter. Joseph, Ivys anderer Bruder, singt indes schief. Er ist voller Vorfreude, denn heute soll seine Liebste endlich eintreffen: Frances. Alle sind gespannt. Nun passiert an diesem Tag etwas, das dem Leben und der Geschichte eine andere Wendung gibt. Plötzlich knallt mir eine Faust in den Bauch.

Aber wir bleiben tapfer, Ivy und ich. Gehen unsere Wege, viel mehr Ivy, und ich folge dieser Frau mit den zwei Gesichtern. Einerseits spürt sie die Freiheit und den Wunsch nach einem selbstbestimmten anderem Leben jenseits der Norm, andererseits geht sie doch die Ehe ein, wird Mutter, hat aber tiefschürfende Gedanken und den Wunsch nach einer überirdischen Transformation, denn das helle Licht aus dem Jahr 1938 in dem Fluss geht ihr nicht aus den Kopf. Wie Frances, die eines Tages wieder auftaucht und mehr in Ivy auslöst, als es eigentlich sollte und durfte zu dieser Zeit.

Der Roman wird getragen von einer wärmenden Zärtlichkeit. Elegant, stimmungsvoll und mit einer feinfühligen Hand zeichnet die Autorin ein Frauenleben mit all seinen Facetten. Ein Buch über das Verlangen und der weiblichen Urkraft. Still erzählt, aber mit einer wunderschönen Melodie, die sich um das helle Licht dieses feinen Romans legt wie eine Geliebte um ihren Herzensmenschen. Das ist Liebe!

Tage des Lichts

von Megan Hunter

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Das gelbe Haus
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lange schon hat mich „Das gelbe Haus“ von Mieko Kawakami gezwickt. Seit ihrem Debüt „Brüste und Eier“ zählt die Japanerin zu den geschätzten Autorinnen meines Sehnsuchtlandes. Und das obwohl kein magischer Realismus am Wirken ist. Viel mehr zeigt Kawakami das wahre Leben. Dabei geht sie äußerst feinfühlig und mitreißend vor wie auch in ihrem neuen Roman, der 2025 das Feuilleton des Spiegels mehr als überzeugt, und ihm den 5. Platz des Spiegel Buchpreises verliehen hat.

Im Zentrum steht die vierzigjährige Hana. Als sie auf einen Zeitungsartikel über eine Freundin stößt, erwachen die Erinnerungen an ihre jüngeren Tage mit Kimiko - eine Freundin der Mutter, die sich in den Sommerferien dem Mädchen angenommen hat, nachdem die Mutter einfach verschwunden war.

Hana wächst in prekären Verhältnissen auf. Die Mutter hangelt sich von verschiedenen Jobs zum nächsten, wechselt ihre Partner. Da kommt Kimiko wie gerufen. Die beiden verleben eine wunderbare Sommerzeit. Doch als die Mutter wiederkehrt, bleibt Kimiko verschwunden. Erst als junge Frau trifft Hana diese zufällig wieder. Dieses Mal bleiben sie zusammen. Schöner noch: Sie übernehmen eine Bar und nennen sie „Lemon“. Denn die Farbe Gelb steht für Geld und Wohlstand. Feng-Shui spielt hier eine besondere Rolle.

Die beiden bleiben nicht allein, später gesellen sich noch Momoko und Ran dazu, weitere verlorene Seelen, die ein Haus beziehen. Als alles perfekt scheint, schlägt das Schicksal zu. Bämm!

Dieses Buch zeigt das andere Japan. Kawakami lichtet die eher verborgene Welt ab, die der Benachteiligten. „Geld ist Macht, Armut ist Gewalt“ heißt es an einer Stelle, so wahr, sind die nachfolgenden Worte. Bemerkenswert ist die Wandlung der Figur Hana wie die Geschichte. Also genießen Sie jede warme Seite, denn es könnte die letzte sein, und dies dafür Ihr erstes Highlight 2026 werden.

Das gelbe Haus

von Mieko Kawakami

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Wie man einen Yeti findet
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wollten wir nicht alle schonmal einen Yeti finden? Ob klein oder groß, diese Wesen faszinieren uns alle! Das hat sich auch Matt Hunt gedacht. Und uns einen großen Bilderbuchspaß geschenkt. Darin erzählt er genau das – die Suche nach einem Yeti. Ein kleiner Junge packt seinen Rucksack und macht sich mit seinem Hund auf den Weg, um dieses sagenumwobene Wesen zu finden. Der Junge sieht sich las ausgewiesener Experte, schließlich hat er sich aus der Bücherei ganze siebenundzwanzig Bücher über den Yeti geholt, sie eingehend studiert.

So laufen wir mit dem kleinen Helden während seiner Suche durch den Schnee und erleben wir ein kleines Wunder aus Bildern. Um tatsächlich dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Raffiniert und fantasievoll sind die Illustrationen, auf denen man herrlich viel entdecken kann. Und das Ende ist furios!

Wie man einen Yeti findet

von Matt Hunt

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Winter
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Kochbuch enthält das einfachste Rezept für die fabelhaftesten Brownies und dem besten Pizzateig, der bereits bei der Herstellung glücklich macht. Denn er ist derart geschmeidig. Aber das ist noch nicht alles, was sich in diesem wunderbaren Kochbuch verbirgt. Sarah Hassert liefert uns obendrein tolle Geschichten über Bräuche wie den Barbaratag - ein kirchlicher Festtag zu Ehren der heiligen Barbara von Nikomedien in der heutigen Türkei. Ihr zu Ehren gibt es am 4. Dezember immer einen Mändelchenpudding. Dafür bedarf es nicht viele Zutaten: Milch, eine Vanilleschote, ein paar Tropfen Mandelaroma, Zucker, Eigelb, Zucker, Mandelsplitter und Speisestärke.

Dank Sarah Hassert weiß ich, dass der Kürbis im Backofen am besten aufgehoben ist, bevor man ihn weiterverarbeitet. Wer wie ich gern Angebote shoppt und plötzlich zu viel Gemüse im Kühlschrank hat, dem wirft Sarah einen Rettungsanker zu. Neben leichten Alltagsgerichten finden sich köstliche und feierliche Anregungen wie „Hansas Mess“. Auch schön ist der Spaziergang durch alle Wintermonate – von Oktober bis April.

Die Hamburger Autorin liebt nicht nur gute Literatur, kulinarisch-feine Gaumenfreuden - auch die Kultur des Essens ist ihr eine Herzensangelegenheit. Das spüre ich mit jeder Seite und kann nicht lange an mich halten. Vor allem durch die stilvollen und atmosphärischen Fotos von Jule Kiefer werde ich angeregt, sofort loslegen zu wollen. So fühlt man sich mit diesem Kochbuch gut aufgehoben im grauen nordischen nasskalten Winter.

Winter

von Saint John Studio, John Saint

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Das Jahr voller Bücher und Wunder
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Achtung: Dieses Buch ist überhaupt nicht kitschig! Der Goldmann Verlag hat sich wohl gedacht: Wir gestalten das Buch wie "Der verschwundene Buchladen" von Evie Woods und dann läuft das schon. Aber ganz so easy ist es dann doch nicht. Glücklicherweise haben Sie uns: Ihre literarischen Vorkoster!

Libby Page ist für mich keine unbekannte Autorin. Die Engländerin hat mich seinerzeit mit ihrem Roman "Schwimmen mit Rosemary" begeistert. Auch in diesem Roman verbindet sie schwere Themen mit der Leichtigkeit des schönen Zufalls und den richtigen Menschen, die genau in unser Leben treten, wenn wir sie brauchen. In Tillys Fall ist es Alfie. Der Buchhändler ruft die junge Frau im Januar an ihrem Geburtstag zu Hause an und verkündet, er hätte ein Geschenk für sie. Von ihrem Mann Joe, der vor einem halben Jahr verstorben ist. Nur widerwillig macht sich die Lektorin auf den Weg zur Book Lane Buchhandlung. Aber wie gut, dass sie dies getan hat, denn was folgt, sind eine Vielzahl von wunderbaren Momenten, die nicht nur duch das Lesen entstehen, denn Joe hat jedem Buch und eine kleine Challenge dazu gelegt. Und langsam gewinnt unsere traurige Tilly immer mehr Lebenskraft und wieder zu sich selbst. Mehr noch: Sie wächst über sich hinaus.

Und noch etwas ist magisch: Was hat Joe nur für ein Feingespür für Bücher! Dass Alfie seine Finger im Spiel hat, ahne ich schnell. Und doch finde ich diese Tatsache nicht wirklich überraschend. Viel mehr fühle ich mich darin bestätigt, warum ich meinen Beruf so liebe. Weil wir mitunter wahre Wunder vollbringen können!

PS: Sollten Sie überlegen, ein Buchabo zu verschenken, dann verbinden Sie dieses mit diesem wunderbaren Buch. "Schokolade für die Seele" steht auf dem Klappentext. Und das wiederum ist so was von wahr!

Das Jahr voller Bücher und Wunder

von Libby Page

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Marie des Brebis
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Dieses Buch ist eine Rarität und Hommage an das einfache Glück. Egal, mit wem ich darüber spreche, stets leuchten die Augen wie Sterne. Und das nicht ohne Grund. Marie des Brebis ist eine bemerkenswerte Frau, die mich mit ihrem Durchhaltevermögen an Henning Sußebachs Urgroßmutter Anna erinnert, der er mit seinem ebenfalls grandiosen Buch "Anne oder: Was von einem Leben bleibt" ein Denkmal gesetzt hat. Gleiches hat der Autor Christian Signol vollbracht.

Marie wird von ihrer Mutter ausgesetzt, sie hat ihr Baby in eine Wolldecke gehüllt und zu den Schafen gelegt. Als der Hirte Johannes das Findelkind entdeckt, nimmt er sich diesem an. Das gefällt dem Bauer nicht, der meint, das Kind gehöre ins Waisenhaus. Also packt Johannes seine Sachen und zieht mit Marie über die Causses, das französische Hochland ist ihm wohlvertraut, der eigensinnige Mann, der auch mit dem Mond spricht, ist mir sofort sympathisch. Die beiden landen schließlich auf einem Hof, der von Augustine und Alexis betrieben wird. Die Frau liebt Kinder, konnte aber nie welche bekommen. Und dann wird es für uns alle sehr warm.

Wenngleich das Leben Anfang des vorherigen Jahrhunderts kein leichtes ist, auf dem Land noch weniger. Aber Marie ist ein Mensch, der das kleine einfache Glück sieht, und zu schätzen weiß, wie das warme frische Brot. "Lange habe ich nach dem Grund gesucht, und heute weiß ich, dass wir nur richtig glücklich sind, wenn die Zeit stillsteht. Ganz einfach, weil unser eigentliches Wesen, unsere ewige Seele, wiederum zum Vorschein kommt und uns mit echter Freude erfüllt."

Die Zeit steht bei der Lektüre wirklich still. Vergessen sind die Aufregungen des Alltags und die Unruhe in unserer Welt. Marie des Brebis führt uns genau dorthin, wo wir eins sind mit uns und den Buchstaben, die so viel Schönes erzählen und uns lange lächeln lassen.

Marie des Brebis

von Christian Signol

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Es düst ein Rentier durch den Schnee
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Finn und Frieda sind zurück! Yeah! Das Vorweihnachtszeit und Weihnachtsfest sind gerettet. Im vergangenen Jahr war der 1. Band lange vor Weihnachten nicht mehr lieferbar, deshalb kennen sie diese Reihe vielleicht nicht. Aber 2025 gibt's beide und man kann sie natürlich unabhängig von einander lesen.

Flinn ist ein Rentier vom Weihnachtsmann, der in diesem Jahr am 1. Weihnachtsabend per Express direkt vom Weihnachtsmann an Familie Winterwald verschickt wurde. Flinn hat ein Trauma. Nachdem der Weihnachtsmann bei einem Überflug eine Bruchlandung hingelegt hat, hat Flinn Angst vor der Höhe und der Geschwindigkeit. Na, wie passend, dass die Familie am 2. Weihnachtstag in die Berge reisen will. Über ein Wochenende. Aber es wird noch besser. Der Herr Weihnachtsmann hat gleich eine ganze Woche für alle gebucht. Da kann Frieda nicht nur ihren neuen Superspeed-Poposchneeflitzer einweihen, sondern jetzt mit ihrem geliebten Flinni die Piste unsicher machen...

"Es düst ein Rentier durch den Schnee" und "Es niest ein Rentier durch die Tür" ist ein großer Lesespaß für die ganze Familie! Nicht nur wegen der hinreißenden Illustrationen von Susanne Göhlich. Smilla Blau schreibt frech, aus dem Kopf eines kleinen Mädchens und hat noch etwas gemacht: Flinn einen Sprachfehler verpasst. Schokokuchen spricht Flinn als "Fokokuchen", "Birne läcka" und "Faumbad fpitfe!"

Vorlesespaß ab 5 Jahre.

Es düst ein Rentier durch den Schnee

von Smilla Blau

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Der brennende Garten
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Ich kannte Sri Lanka bisher als beliebtes Reiseziel. Doch der Bürgerkrieg war mir weniger vertraut. Gut, ich war beim Beginn noch sehr klein, lebte in einem Land, das alles andere als frei war. Aber jetzt nach V.V. Ganeshananthans Roman bin ich schlauer. "Der brennende Garten" hat mir wieder gezeigt, warum ich lese. Nicht nur, um abzutauchen. Sondern, weil ich dabei fremde Lebenswelten kennenlernen kann.

Wir begleiten Sashi, eine junge Frau, die mit ihren vier Brüdern und Eltern in Jaffna auf Sri Lanka ein gutes Leben führt, bis der Bürgerkrieg ausbricht. Die Tigers, tamilistische Seperatisten, stehen den regierungsnahen Singhalesen gegenüber. Es gibt Überfälle, zahlreiche unschuldige junge Männer werden von der Regierung festgenommen, ohne, dass sie etwas gemacht haben. Tiger bildet in Indien Krieger aus, rächt sich, und tötet dann selbst.

In diesen Konflikt schlittert unsere Ich-Erzählerin mit ihren Brüdern, die sich teils den Tigern anschließen. Ich erlebe eine junge Frau, die hin- und hergerissen ist. Einerseits will sie Ärztin werden, und beginnt ihr Medizinstudium. Andererseits will sie helfen. Als ein guter Freund K. an sie herantritt, und fragt, ob sie im Tiger-Lazarett Verwundete, auch Zivilisten, verarzten will, braucht sie nicht lange für ihre Antwort. Und doch steht die junge Frau bald zwischen den Fronten. Denn ihr Studium leidet unter diesem Einsatz. Und überhaupt will sie keinen Krieg. Doch es ist nicht alles finster, denn Sashi trifft auf Menschen wie ihre Professorin Anjali Acca, die sie durch ihre Denkweise und Zuwendung auffangen wie gute Bücher. Gelesen wird hier übrigens viel.

V.V. Ganeshananthan schreibt in einem ruhigen Ton eine aufwühlende Geschichte. Manchen Lesenden war einiges zu ausführlich auserzählt, ich habe indes jede Seite verschlungen, und nichts überblättert. Die innere Zerrissenheit der Heldin habe ich mit jedem Atemzug so sehr gefühlt wie den Konflikt, der die Familie bis ans Äußerste führt. Für mich bleibt dieses eindringliche und preisgekrönte Buch noch lange im Herzen. Ja, viel mehr noch: Es ist ein Highlight in diesem Lesejahr, das ich meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor zu verdanken habe. So hat meine Kollegin die Women's Prize for Fiction 2024 bereits im Original gelesen, bevor es Sophie Zeitz ins Deutsche übertragen hat.

Der brennende Garten

von V. V. Ganeshananthan

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Zwei in einem Leben
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es gibt ja aktuell nicht wenige Bücher über die Wechseljahre und die Mitte des Lebens. Aber wie viele Romane erzählen über die Liebe in mittleren Jahren? Ob David Nicholls den gleichen Gedanken bei der Idee seines neuen Romans hatte, weiß ich nicht. Was ich jedoch mit Gewissheit sagen kann: Dieser Autor steht Zeit seines Schriftstellerlebens im Schatten seines großen Welterfolgs „Zwei an einem Tag“. Schade. Denn „Zwei in einem Leben“ ist wiederholt allerbester Lesegenuss!

Im Mittelpunkt steht Marnie, die in London lebt und als freischaffende Lektorin und Korrektorin arbeitet. Marnie war verheiratet, ist Ende 30 und hat sich in ihrem Nest verkrochen. Marnies Freundin Cleo hat schon mehrere Male versucht, sie aus ihrem Igelversteck hervorzulocken. Vergeblich. Doch jetzt steht eine dreitägige Wandertour an und Marnie hat – oh Wunder! - zugesagt. Neues Jahr, neue Vorhaben! So stattet sie sich mit einer Wanderrüstung aus, setzt sich in den Zug. Als Michael die Großstadtpflanze erspäht, fällt ihm sofort auf, dass ihr Rucksack zu groß ist, und die Riemen zu lang sind. Michael ist die andere Figur in dieser Geschichte. Geographielehrer und leidenschaftlicher Wanderer, Anfang 40, frisch getrennt von seiner Frau.

Michael liebt es zu wandern, Marnie hasst es. Und doch öffnet sie sich und trotzt dem Regen. Den beiden zu folgen, ist absolut hinreißend. David Nicholls schreibt gewohnt charmant, unterhaltend, und streut gleichsam interessante Gedanken ein, in denen sich vor allem Singles wiederfinden, aber auch glücklich Vergebene trifft der Brite mitten ins Herz, und das gelingt ihm ohne Kitsch dafür mit Feinsinn und großer Empathie.

„Zwei in einem Leben“ ist so vieles: Eine atmosphärische Wandertour durch England, die Geschichte von zwei einsamen Menschen in den mittleren Jahren und eine Liebesgeschichte. Wirklich? Nun, das sollten Sie selbst herausfinden. Der Roman ist Eskapismus im allerfeinsten Sinne, sehr authentisch und beglückend! Das findet übrigens auch Jojo Moyes und der Independent schreibt: „Nicholls bester Roman“. Dem kann ich wahrlich nichts hinzufügen.

Zwei in einem Leben

von David Nicholls

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Sterben lernen auf Japanisch
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Tod ist ein Bestandteil von Milena Michiko Flasars Büchern. Doch sie differenziert zwischen ihren Geschichten und dem wirklichen Leben. Ende 2024 begibt sich die japanisch-österreichische Autorin nach Japan, um im Urlaub ihre Familie zu besuchen. Das Thema des zerbrechlichen Lebens und des Todes reist mit ihr.

Als geradezu magisch empfinde ich es, dass Milena im Flugzeug eine Kurzgeschichte ("Thailand") von Haruki Murakami liest. Das sagt die Geistheilerin zur Protagonistin: "From now on, little by little, you should prepare yourself to face death. If you devote all your future energy to living, you will not to be able to die will." Während sie diese wahren Worte liest, sieht sie, wie klein und zerbrechlich das Flugzeug ist. Wie das Leben selbst. Nur wollen wir es uns nicht eingestehen. Wir blenden den Tod aus, und sind erschrocken, wenn er eintrifft. Sie vergleicht die Geburt mit dem Tod. Man wird geboren, aber man stirbt aktiv. Nur lernen wir ihn nicht wirklich. Die Lehrpläne haben ihn nicht auf der Agenda. "Aber wir lernen doch sonst so vieles. [...] Vielleicht, weil der Tod etwas Einmaliges ist."

Die Japaner:innen haben eine besondere Beziehung zum fragilen Leben und dem Sterben. Das Land liegt auf dem "Pazifischen Feuerring". Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass es in den nächsten Jahren ein gewaltiges Erdbeben mit über "200.000 Toten geben wird". Von Kindheit an wird allen beigebracht, wie sie sich in solchem Fall verhalten müssen. Es gibt Vorsichtsmaßnahmen, aber auch Rituale und lebenskluge Haikus, an denen wir uns festhalten können, und die für mich die japanische Literatur wie Kultur zu etwas Außergewöhnlichen macht.

Die teilt die Autorin mit uns auf ihrem Weg. "When it comes - just so! When it go - just so" schrieb Musho Josho, ein Zen Mönch im 14. Jahrhundert.

Wir beginnen in Osaka, treffen dort auf jugendliche Ausreißer - die "Guri Shita Kids". 30.000 Obdachlose zählt Japan, zunehmend Jugendliche, die sich für ein Leben auf der Straße entscheiden. Danach reisen wir weiter nach Tsuyama, wo ihre Tante mit elf Katzen lebt. Nur knapp ist sie dem Tod entkommen, dem sogenannten "Kodokushi", den Tod der Alleinstehenden, der Bestandteil ihres Buches "Oben Erden, unten Himmel ist". Gleichwohl denkt sie an den erst kürzlich verstorbenen Vater. Wie es ist, dem Tod vor sich zu sehen, nichts mehr zu Wollen und Können, schildert sie eindringlich, bevor ihr an MS erkrankter Vater seinen letzten Atem ausgehaucht hat.

"Sterben lernen auf Japanisch" ist so vieles in einem. Ein ganz persönlicher Reisebericht durch Japan, der uns in die Riten einführt wie der unperfekten Wabi-Sabi-Ästhetik, die das Hinfallen verdeutlicht. Das Buch blickt dem Tod mutig, würdig und elegant ins Gesicht. Er wird dadurch nicht kleiner, aber wie heilsam Worte sein können, wissen wir alle. Die picken wir mit diesem Essay auf, der beim neugegründeten unabhängigen Verlag "Wasser Publishin" erschienen ist. Sie sehen hier nur die eBook-Variante, aber wir haben das Werk auch klassisch als Buch vorrätig.

Sterben lernen auf Japanisch

von Milena Michiko FlaSar

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Einer reist mit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Heutzutage ist eine Fahrt mit der Deutschen Bahn fast aufregender als ein Trip durch Indien. Stets taucht das Wort Verspätung oder Ausfall auf. Aber verzagen Sie bei der nächsten Zugreise nicht, und haben Sie dieses Buch parat. Dann wird ihr Grummeln verstummen, das Lachen aus ihrem Rachen um so lauter.

Anne Serre ist "eine veritable Entdeckung" - schreibt Meike Feßmann über die mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Autorin. Dem kann ich nur zustimmen. Nachdem mich Anne Serrre mit den filmreifen "Governanten" tief beeindruckt hat, wurde sie für mich zu einer Wiederholungstäterin in Sachen herausragender Literatur. Bereits der Einstieg versetzt meine Glückshormone in Partystimmung. Die Erzählerin plaudert offenherzig: "Ich stehe nicht gern früh auf. Seit nunmehr zehn Jahren bleibe ich so lange liegen, wie ich möchte, gut und gern bis neun, aber vor allem schätze ich einen ruhigen Vormittag ohne jede Störung."

Ungünstigerweise muss die Autorin jetzt früh hoch, da sie eine Einladung zu einem Literaturfestival in Montauban erreicht hat. Die Ich-Erzählerin überlegt abzusagen, geht im Geiste verschiedene Ausreden durch, wie so oft bei Auftritten, aber unsere Heldin tritt die Reise mutig an. Und begegnet am Pariser Bahnhof eine Autorin-Freundin. Wiedersehensfreude einerseits, andererseits wird wohl jetzt wohl nichts mit der Ruhe. Trotzdem bleibt auf der siebenstündigen Fahrt ausreichend Zeit für Beoachtungen und Gedanken, und gerade Letztere haben es mitunter in sich. Sie werden sogar leicht magisch, als die Autorin plötzlich ihren spanischen Lieblingsautor Enrique Vila-Matas entdeckt, und mit ihm anfängt zu plaudern.

Gleichzeitig lässt uns die Autorin an ihrem Leben als Schriftstellerin teilhaben. Sie erzählt von den Anspannungen vor öffentlichen Auftreten, überlegt, wie ihr in Montauban der Zustand konzentriertem Präsens gelingen kann. Dafür müsse sie sich "umdrehen, umstülpen, als wäre man ein Handschuh."
Als ebenso bemerkenswert erweisen sich die Gedanken über Autoren wie Franz Kafka, Thomas Bernhard, Marcel Proust, Robert Walser, und andere. Hat man diese noch nicht gelesen oder lange nicht, nach dem Buch will man es unbedingt oder gern wieder.

"Einer reist mit" ist ein literarischer Glücksgriff - und ich stehe mit der Feststellung nicht allein da. Schauen Sie mal bei Perlentaucher vorbei. Hinreißend sind die Einfälle, erfrischend, charmant und erhellend die Sprache wie die Reflexionen zu so vielem. Das Buch ist eine große Liebeserklärung an die Literatur, ihre Schöpfer:innen, dem Zauber des Unterwegsseins und eine großartige wie fantastische Lektüre.

Übrigens passt das Buch perfekt in die Handtasche. Ist das Magie oder berechnet? Ich weiß es nicht. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann: Dieser Roman ist ein großer Gewinn, herausgegeben von einem unabhängigen Verlag, der in den Ruhestand gegangen ist. Also kaufen Sie dieses Buch, so lange es noch lieferbar ist! Lesen Sie es mit Freude und verschenken Sie es. Man wird es Ihnen danken. Davon ist auszugehen wie die nächste Zugverspätung.

Einer reist mit

von Anne Serre

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Mama & Sam
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Wie kann man nur so dämlich sein? Das ist doch offensichtlich!“ So oder ähnlich heißt es, wenn wir von Love Scammer-Opfern erfahren. Aber wie ist es überhaupt möglich, dass Menschen ihr gesamtes Vermögen an jemanden abtreten, den sie nie persönlich getroffen haben? Davon erzählt Sarah Kuttners neues autofiktionales Buch „Mama & Sam“.

Nach dem Tod der Mutter findet die Ich-Erzählerin heraus, dass ihre Mutter 104.000 Euro an einen Love Scammer abgegeben hat, meist unter enormen Aufwand, dieses aufzuspüren. Mir ist immer noch ganz schlecht, wenn ich daran zurückdenke.

Die Erzählerin bezeichnet sich selbst als Kinderdetektivin und versucht mit der Zeit im Rücken, dieses Unfassbare bis zur Bestattung aufzudecken. Dabei folge ich fassungslos dem Chatverlauf zwischen der Mutter und Sam Heughan, ein berühmter Schauspieler, so gibt er sich aus.
An vielen Stellen denke ich, dass ist doch gelogen! Sieht sie das nicht?! Aber ich stecke nicht in der Haut der Frau, die lange schon einsam ist und in Sam ihre große Liebe findet.

„Mutter & Sam“ hat eine große Brisanz, zeigt das Ausmaß und damit verbunden die fatalen Verbrechen der Herzen. Obendrein enthält Sarahs Buch eine eine wichtige Botschaft: Nicht aufs Recht pochen, sondern mit den Betroffenen mitgehen, so schwer es auch sein mag. Es gibt im Anhang noch Adressen.

„Mama & Sam“ versprüht trotz aller Eindringlichkeit den fluffigen und liebenswerten Charme der Autorin. Zudem ist es ein aufrichtiges Buch über eine angespannte Mutter-Tochter-Beziehung, das Spuren hinterlässt.

Mama & Sam

von Sarah Kuttner

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Wenn die Sonne untergeht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Florian Illies zu lesen, ist wie nach Hause zu kommen. Man weiß, was einen erwartet und es fühlt sich verdammt gut an. Gut, Illies ist noch ein bisschen besser. Wie schon vor zwei Jahren nutzt der Autor das Jubiläum eines bekannten Mannes. Während sich das Thomas Mann Jahr allmählich dem Ende neigt, schenkt uns der S. Fischer Verlag mit seinem Erfolgsautor ein abschließend berauschendes Feuerwerk. Denn so empfinde ich "Wenn die Sonne untergeht - Familie Mann in Sanary".

Wir schreiben das Jahr 1933, in dem die Machtergreifung Hitlers einsetzt. Damit folgt auch eine Fluchtbewegung der Intellektuellen, Künstler:innen sowie den Autor:innen ein, die ahnen, was da passieren könnte und schließlich ja auch eintrifft. Aus einer Reise nach Amsterdam, geht es für Katja und Thomas Mann weiter über die Schweiz und endet schließlich in Frankreich, in Sanary sur Mer. Bis alle Mann-Schäfchen dort angekommen sind, erleben wir eine aufregende Reise, die übrigens genauso spannend ist wie die nachgeschickten und nicht ankommenden Tagebücher von Thomas Mann. Während sich alle mit der Situation anfreunden, hadert der große Meister, bezieht keine Stellung. Immerhin pocht die deutsche Kultur noch im Herzen des Nobelpreisträgers. Aus dem Zauberer wird sozusagen ein Zauderer, der durchzogen wird von einer dunklen Melancholie. Einzig Tolstois "Krieg und Frieden" erschafft ihm eine Atempause aus dem finsteren Tal.

In Sanary treffen die Manns auf weitere Exilanten, die Feuchtwangers, die Zweigs und weitere bekannte Persönlichkeiten. Als Leserin flaniere ich mit leuchtenden Augen durch die luftigen leichten Zeilen des schreibenden Chrononisten, der wieder einmal mehr als nur ein Sachbuch verfasst hat. So empfinde ich das Buch als großen Familienroman. Und wissen Sie, was das Schöne ist? Ich sehe sie alle leibhaftig vor mir. Dank Illies natürlich, aber durch die fantastischen Verfilmung "Die Manns" von Heinrich Breloer, die ich mittlerweile schon etliche Male gesehen habe.

Folgen Sie dem Feuerwerk und vertrauen Sie unserem must-read November. Wir wissen, was gut ist und gut tut.

Wenn die Sonne untergeht

von Florian Illies

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Stories
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe diese spektakuläre Kurzgeschichtensammlung noch gar nicht aufgeschlagen und schon strahlt sie mich an wie eine weiße Wand, die das Sonnenlicht reflektiert. Denn auf dem Umschlag feiern große Namen wie Lauren Groff, Raymond Carver, Bret Easton Ellis und Don DeLillo ihre amerikanische Kollegin. Auch hierzulande überschlugen sich kurz nach Erscheinen die Feuilletons über das Werk der Autorin mit der Sonnenbrille. Da war mein literarischer Jagdinstinkt natürlich sofort entfacht. Als große Freundin von Kurzgeschichten sowieso. Und jetzt? Bin ich verstört und begeistert gleichermaßen.

Wie das? Nun, die Geschichten haben es wahrlich in sich. Williams lichtet das Leben ab, sie erzählt von den kleinen und größeren Dramen unterschiedlicher Menschen - von gewöhnlichen bis hin zu nun ja, außergewöhnlichen. Gleich eingangs erlebe ich die zu Herzen gehende Geschichte eines Predigers - dessen Frau liegt mit einer Bluterkrankung im Krankenhaus. Während sich seine Tochter selbst finden will, hat sie ihren Eltern ihre kleine Tochter anvertraut. So pendelt der Mann zwischen der Angst, seine Frau zu verlieren, und dem Glück, das ihm seine kleine Enkelin beschert.

Oder die Zusammenkunft verschiedener Mütter, deren Kinder im Gefängnis sitzen. Durch Zufall ziehen sie alle in die gleiche Gegend. Sie fühlen sich schuldig, und suchen einen Weg damit zu leben. Ebenso bemerkenswert ist die Geschichte eines Liebespaars. Dwight wusste schon mit 25 Jahren, dass er das Baby eines Tages heiraten wird. Wie? Ja! Und so kommt es. Und noch etwas passiert in „Rost“. Dwight kauft sich und Lucy einen schwarzen Ford Thunderbird, der fast auseinanderfällt, aber Dwight hat die Lösung. Und was für eine! Ob eine Schlange die Veränderung des Lebens bewirken kann? Dieser Frage spürt Williams in „Lu-Lu“ nach.

Das sind mitunter beunruhigende, verstörende und komische wie berührende Geschichten. Sie bleiben auf der Netzhaut haften und hinterlassen ein unterschwelliges Surren im Kopf. „Stories“ ist keine Feelgood-Lektüre. Aber das muss Literatur ja nicht immer sein. Glücklicherweise streut Williams besondere Aufheller in ihre Erzählungen. Wunderschöne Bilder oder Sätze, über die man stolpert, weil man plötzlich lachen muss oder solche, die einen still werden lassen: „Sie dachte, dass jeder Mensch jeden Augenblick kurz vor der Ewigkeit steht und die Wege, diese Welt zu verlassen, zahllos und oft unvorhersehbar sind.“

Die Lobeshymnen sind so wahr wie das Grün auf den Blättern der Bäume. Joy Williams ist wirklich die „strahlende Großmeisterin der Kurzgeschichte“ wie es Lauren Groff treffend formuliert. Eine große und beeindruckende Entdeckung und ein Must Read für alle Fans der kurzen Erzählform.

Stories

von Joy Williams

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Blue Sisters
Simone Finkenwirth

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Endlich ist das neue Buch von Coco Mellors in der deutschen Übersetzung von Lisa Kögeböhn beim Eichborn Verlag erschienen. Ich bin sofort in der Geschichte gefangen. Wie bereits in „Cleopatra und Frankenstein“ zieht mich der mitreißende Erzählstil vollkommen mit.

In ihrem neuen Roman dreht sich alles um die drei Schwestern: Lucky, Bonny und Avery. Genau vor einem Jahr ist ihre Schwester Nicky an einer Überdosis Tabletten gestorben. Als wäre das Datum nicht schon furchtbar genug, will ihre Mutter die New Yorker Wohnung jetzt verkaufen, in der Nicky zuletzt gelebt hat. Und das obwohl Avery die laufenden Kosten trägt. Und jetzt? Noch etwas brummt zwischen den Seiten wie ein nicht enden wollender Kopfschmerz: Die Narben der drei Schwestern, die immer noch pulsieren. Können sie sich gemeinsam retten?

Mellors holt alles hervor, was wehtut: Trauer, Sucht, ungesunde Fluchtaktionen, schwierige Eltern und Verletzungen, die nicht einfach heilen wollen. Doch sie können es, das zeigt uns die Autorin mit ihrem unverwechselbaren Stil aus Leichtigkeit und Tiefe. Ein lautes wie stilles Buch, das man am Ende mit einem glücklichen Seufzer zuschlägt.“

Blue Sisters

von Coco Mellors

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Haus zur Sonne
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Das große Deutsche Buchpreis Finale längst Geschichte, doch die nominierten Bücher atmen weiter. Das ist gut und notwendig. So möchte ich Ihnen meinen Favoriten präsentieren: "Haus zur Sonne" von Thomas Melle. Das Buch hat mich tief beeindruckt, auch dank der grandionsen Hörbuchfassung, die von Jens Harzer brillant vorgetragen wurde. Nicht nur deshalb möchte ich es vorstellen. Sondern stellvertretend für die Menschen, die diese dunklen Phasen kennen. Es ist wichtig, dass seelische Krankheiten in unserer Gesellschaft gesehen und anerkannt werden. Wie viele scheuen sich noch davor, zuzugeben, dass sie an einer Depression leiden. Jeder hat mal schlechte Tage, sagen manche. Aber diese Krankheit geht tiefer. Schlimmer noch ist eine bipolare Störung.

Von der unser Ich-Erzähler betroffen ist. Er hat sich viel aufgebaut und wieder zerstört. Jetzt will er nicht mehr, und hat die Zusage für das "Haus zur Sonne" erhalten. Ein Ort, an dem Menschen, die sich für den Freitod entschieden haben, ihre letzten Wochen verbringen. Plötzlich ist unser Held nicht mehr isoliert, sondern eins mit den anderen: "Wirklich seltsam und unheimlich, in diesem Haus voller Zeit mit Menschen ohne Zukunft zu leben! Ich war nur einer von ihnen, und mein Schicksal war nicht wichtig."

Diese Institution ermöglicht seinen Klienten u.a. Reisen in Situationen, die sie gern wollen. Mal ein berühmter Star werden oder ein anderes Leben führen. Doch manchmal hakt selbst dieses System. Das sorgt für Unruhe, ebenfalls bei unserem Erzähler, der - je länger er dort ist - mehr bei sich ankommt, bis eines Tages ein Gedanke auftaucht...

"Haus zur Sonne" blickt in die dunklen Täler der Seele. Das erfordert eine Offenheit und gefestigte Stimmung. Trotz der Finsternis leuchtet der Roman durch äußerst lebenskluge, offenherzige Betrachtungen. Zudem ist er stilistisch fein justiert, zeigt das Innenleben eines bipolaren Menschen und fungiert als Sprachrohr für diejenigen, die nicht schlecht drauf, sondern ernsthaft erkrankt sind. Davor verneige ich mich. Ich wünsche dem Buch weitere mutige Lesende, und den Erkrankten alles erdenklich Gute!

Haus zur Sonne

von Thomas Melle

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Der Hase im Mond
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich hatte das große Glück, Milena Michiko Flašar persönlich zu interviewen. Den Coffeetalk finden Sie auf unserer Startseite. Lange schon bewundere ich ihr literarisches Schreiben. "Ich nannte ihn Krawatte" habe ich seinerzeit mit so vielen anderen gefeiert. Das Debüt verkaufte sich über 100.000 Mal und war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Danach folgten zwei weitere lesenswerte Romane "Herr Kato spielt Familie" und "Oben Erde, unten Himmel". Und jetzt "Der Hase im Mond".

Hier ist etwas anders. Zum einen hat sich die japanisch-österreichische Autorin für Erzählungen erschienen. Zum anderen blitzen sie durch eine von mir geschätzte japanische Zutat in meinen Augäpfeln hervor: magischer Realismus. Jede Geschichte hat es wahrlich in sich. Sie kommen ruhig daher, und plötzlich reißt etwas auf und ich schlage die Hände über die Augen. Kann nicht sein!? Oder doch?

Ich denke an die erste Geschichte "Die Füchsin". Ein angesehender Autor trifft auf seinem Heimweg auf eine weinende Frau. Der bescheidene kleine Fukuda kommt gerade angetrunken von einer Verlagsparty, als er das traurige Etwas aufsammelt und mit sich nach Hause nimmt. "Zum Weinen", schreibt die Autorin, "braucht es ein Dach über dem Kopf." Tut das gut? Oh ja!

Zwischen den beiden passiert natürlich mehr. Dann ereignen sich seltsame Dinge... die ich hier nicht ausführen möchte. Ebenso bemerkenswert ist die Erzählung über den ruhigen Kalligraphie-Meister, der stets auf Achtsamkeit, gutes Essen und Zen bedacht ist. Doch dann eines Abends macht ein Schüler von ihm eine unglaubliche Entdeckung und stürzt ihn in eine Krise.

Unwirklich ist "Hawaiian Dreams". Hier begegnen wir einem Ehepaar, das kurz vor der Trennung steht. Akiko und Nubo haben sich auseinandergelebt, schlafen sogar in getrennten Betten. Aber als Nobu auf dem Balkon durch sein Fernrohr in dem gegenüberliegenden Haus das Spiegelbild seiner Frau entdeckt, gerät das Leben der beiden aus den Fugen. Wer ist diese Frau? Akiko selbst?

Für mich ist "Der Hase im Mond" ein Buch der Wandlungen und das in vielfältiger Form. Absolut fantastisch und beeindruckend schön!

Der Hase im Mond

von Milena Michiko Flašar

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Lázár
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es ist wirklich unglaublich, was Nelio Biedermann in seinem zweiten Roman erzählt und vor allem wie. In einer derart schönen, klugen, bildreichen wie rhythmischen Sprache. Das Feuilleton spricht vom neuen Wunderkind am Literaturhimmel. Da ist verdammt viel dran. Auch der Buchhandel jubelt. Ich kenne niemanden, die oder der bei diesen fünf Buchstaben keine leuchtende Augen hat und glücklich grinst. Selbst mein Kollege Frank Menden und ich sind uns hier so was von einig. Daher ist es kein Wunder, dass "Lázár" auf der Shortlist für den Preis Lieblingsbuch der Unabhängigen steht.

Mit 16 Jahren begann der Autor während der Corona Epidemie mit dem Schreiben. 2023 erschien sein Debüt "Anton will bleiben". Es war gewissermaßen die Ouvertüre zu seinem Kunstwerk "Lázár", das wahrlich formvollendet die Geschichte der wohlhabenden ungarischen Familie Lázár über drei Generationen hinweg erzählt. Sie setzt ein, als Lajos, "das durchsichtige Kind mit den wasserblauen Augen" das Licht der Welt erblickt. Die Lázárs residieren in einem Waldschloss, abgeschottet von der Welt. Doch die bricht bald bei ihnen ein und auseinander wie das Ende des Habsburgerreichs, der sich breitmachende Nationalsozialismus, der Stalinismus, Krieg, Enteignung, Flucht. Und dazwischen jede Menge Liebe, mystische Momente, Natur, Alkohol, Kunst, Verluste und Hoffnung auf ein helles Ende.

Dieser Roman berauscht alle Sinne! Wenn Sie jetzt nur noch ein Buch lesen können, dann bitte diesen fulminanten, berührenden, packenden und wunderschönen Roman. Der zu Herzen geht, sich an große Namen der schreibenden Zunft anlehnt, sie zitiert und uns im nächsten Moment vollkommen atemlos macht. Weil wir nicht glauben können, was wir lesen oder hören. Das Hörbuch hat Max von Pufendorf kongenial eingesprochen. Es ist beim Argon Verlag erschienen und verspricht allerfeinsten Hochgenuss!

Lázár

von Nelio Biedermann

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Nacht über Soho
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin dem Dunklen und Verbotenen nicht gänzlich abgeneigt. Sieht man mir nicht an. Ist auch gut so und gewissermaßen mein Deckmantel. Aber ich sauge Geschichten über Figuren auf, die nicht immer ganz konform sind. Daher rührt wohl meine Begeisterung für die meisterhafte Serie "The Sopranos". An die musste ich bei "Nacht über Soho" von Kate Atkinson denken, deren Buch sehr lange in der Krimibestenliste thronte. Was mich erfreut und gleichermaßen erstaunt hat.

Denn dies ist kein Krimi oder sagen wir kein gewöhnlicher. Kate Atkinson hat sich von Kate Meyrick inspirieren lassen. Die Dark Lady war viele Jahre lang die Herrscherin über die Clublandschaft von Soho. Kate hatte wie Atkinsons Hauptfigur Nellie Coker eine reiche Kinderschar. Durch einen Zufall gerät die alleinerziehende Nellie an Diebesgut und beginnt damit ihr Imperium geschickt aufzubauen. Nun einige Jahre später ist sie aus dem Gefängnis entlassen worden. Ihre vier Kinder haben während iher Abwesenheit die Clubs am Laufen gehalten. Aber nicht alle sind einfach oder sagen wir businesslike.

Seit geraumer Zeit tauchen tote junge Frauen auf. Der Inspektor John Frobisher saust von einem Leichenhaus zum nächsten und hat gleichwohl Nellie im Visier. Als er auf die Bibliothekarin Gwendolen trifft, sieht er in ihr die perfekte Ermittlerin, die sich undercover in den Clubs umhören soll. Als die junge Frau in einer ihrer Nächte bei einer Schießerei in einem der Clubs jemanden rettet, wird Nellie auf sie aufmerksam...

Das Figurenkabinett ist vielseitig und von Atkinson empathisch gezeichnet. Wir haben neben den Cokers und dem Ermittler zudem korrupte Beamte und zwei Mädchen aus York, die in London ihr Glück als Tänzerinnen finden wollen.

"Nacht über Soho" ist ein Slowburner im allerfeinsten Sinne. Atkinson entführt uns ins London der 20er Jahre. Es funkelt, vibriert und ist verboten gut! Als absolut anziehend empfinde ich jede Seite. Und das Gros der Figuren wächst mir sehr ans Herz, selbst der schreibende Ramsay Coker. Oder sein Bruder Niven, der Gwendolen umschwärmt wie eine Motte das Licht. Ein must-read für alle Sopranos, Clubmenschen und Fans verbotener Früchte!

Nacht über Soho

von Kate Atkinson

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Marnie Mitternacht. Das Geheimnis der Mondmagie (Band 1)
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe ein Faible für eigensinnig-schön illustrierte Kinderbücher. Und ich bin eine Mondanbeterin. Als mir "Marnie Mitternacht" mit der Magie des Schneiderbuch Verlags in die Hände fiel, habe ich gegrinst und mache es immer noch. Denn die Lektüre ist herrlich!

Aber von vorn. Hier begleite ich die junge Motte Marnie auf ihrer Reise. Gemeinsam mit ihrer Familie, inklusive dem noch nicht geschlüpften kleinen Bruder, der als Larve auftritt, fährt sie zur Minitier-Akademie. Hier soll das Mottenmädchen alles lernen, was für so ein Insekt wichtig ist. Zudem hofft sie, auf ihr großes Idol zu treffen: Lunora Flügelherz. Sie hat an der Akademie alles über Mond gelernt und gilt als eine der führenden Mondologinnen. Als Marnie an der Schule noch gar nicht richtig angekommen ist, spürt sie einen Widerstand. Keiner will etwas über den Mond sagen. Und es wird auch nichts darüber gelehrt. Hat der grimmige Lehrer Herrn Atlas etwas mit Lunoras Verschwinden zu tun?

Zusammen mit ihren neuen Freunden, dem Bienenjungen Flavio Flairissimo und der Ameisenprinzessin Stella, geht sie dem ganzen auf den Grund und erlebt vielerlei abenteuerliche Dinge, die - so viel darf ich schon mal verraten - natürlich auch zum Mond führen werden.

Großer Lesespaß für alle ab 8 Jahren, auch für Lesemuffel wegen der großen Schrift und den vielen zauberhaften, frechen wie fantastischen Illustrationen.

Dies ist übrigens der 1.Band. Der 2. Band erscheint schon bald Ende Oktober.

Marnie Mitternacht. Das Geheimnis der Mondmagie (Band 1)

von Laura Ellen Anderson

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Alice und die Geister von nebenan
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Halloween kommt uns in großen Schritten näher. Passend dazu habe ich die perfekte Geschichte: "Alice und die Geister von nebenan". Wobei die Geister in diesem Falle überhaupt nicht böse sind, auch wenn wir uns alle im ersten Moment erschrecken. Allen voran die titelgebende Heldin dieses hinreißenden Buches.

Alice ist soeben mit ihren Eltern in ein abgewracktes Haus gezogen. Ihr Vater und Alice lieben es, Häuser zu reparieren, während ihre Mutter an der Uni erstaunliche Vorlesungen abhält. Nun ist es so, dass die Uni die Handwerkskunst der Familie nutzt, und sie stets in andere reparaturwürdige Häuser versetzt.

Doch dieses Mal machen sie alles anders. Nix wird neu in Stand gesetzt, denn die Familie will endlich heimisch werden und sie haben die geldgierigen Machenschaften der Uni durchschaut. Diese verkauft nämlich nach der fabelhaften Instandsetzung die Häuser.

Wie passend, dass es ein ebenso abbruchreifes Haus nebenan gibt, in das die neugierige Alice natürlich hineinschaut. Und nicht nur das, sie fängt an Stellen zu reparieren. Als sie das Herzstück - eine Kachel neu befestigt, atmet das Haus Geister aus: Ivy, Mugwort und Danny. Wobei sie das Wort Geister gegen Seelen eintauschen.
Mugwort erklärt, dass es verschiedene Arten von ihnen geben würde. Sie zählten zu den Überfälligen, weil sie vor ihrem Tod noch eine unvollendete Herzensangelegenheit haben, die sie zu Lebzeiten nicht mehr beenden konnten. Ob Alice ihnen zur ewigen Ruhe helfen kann?

Das ist eine fantastische wie liebenswerte Geistergeschichte für alle ab zehn Jahren! Mit tollen Figuren und packenden Elementen! Wirklich gruselig wird es nie, wobei am Ende schon, als Alice noch die Bekanntschaft mit der Furie vom Dachboden macht.

Alice und die Geister von nebenan

von Jacqueline Davies

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Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Rückenprobleme? Kennen wir doch alle. Bei dem einen sind es kleine Zwicker, die vor allem pieksen, wenn man Stress hat. Andere haben täglich damit zu kämpfen und sind mitunter in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Sie fühlen sich machtlos und haben es nicht leicht. Mein Mitgefühl ist bei all den Schmerzpatienten. Gleichwohl präsentiere ich Ihnen eine erste mögliche Erleichterung: "Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache" von der Diplom-Psychologin Catrin Marnitz und ihrer Co-Autorin Tina Epking. Catrin Marnitz ist leitende Psychologin am renommierten Hamburger Rückenzentrum "Am Michel". Die Psychologin hat 2010 die Weiterbildung im Bereich der Speziellen Schmerztherapie abgeschlossen. Sie ist eine Fachfrau auf ihrem Gebiet und kann ihr Wissen praxisnah vermitteln.

"Schmerz ist auch immer das Ergebnis einer Lerngeschichte" schreibt Marnitz an einer Stelle. Manche sind geprägt durch überängstliche Eltern, die ihre Kinder dafür mehr als gewöhnlich sensibiliseren, so dass sich das Thema fester im Gehirn verankert als es sollte. Dies zu erkennen, könnte ein erster möglicher Schritt in einen Lebensabschnitt mit weniger Schmerzen sein. Aber nicht nur. Natürlich spielen auch andere Faktoren eine bedeutende Rolle: Bandschreibenvorfälle, Sport- oder Arbeitsunfälle, starke emotionale Belastungen. Und natürlich unser Leben: "Wir wollen alle mehr, mehr, mehr." Fühlen Sie sich ertappt? Keine Bange, ich auch. Unser Leben ist einfach schnell geworden, die Anforderungen sind hoch, die Ablenkungen wie das Internet enorm.

Wie nun mit dem Schmerz umzugehen ist, davon erzählt die Psychologin absolut lebensnah und nachvollziehbar. So betrachtet sie den Schmerz als ganzheitlich. "Bei der Aufrechterhaltung einer Erkrankung oder einer Schmerzsymptomatik spielen immer verschiedene Faktoren eine Rolle. Wir sprechen deswegen auch von einem multifaktoriellen Geschehen. Deshalb sollte man sich alles angucken: die medizinische, die psychologische und die soziale Ebene." Sie löst den Begriff chronisch auf, wandelt ihn in die Chronifizierung und ermutigt uns, Schritt für Schritt für uns selbst zu sorgen. Denn darin liegt der Schlüssel: In einem selbstwirksamen Umgang mit Stress und dem Schmerz, dem man sich nicht vollkommen ausliefern muss.

Das ist ein ganzheitlicher und nachhaltiger Ratgeber, der uns sehr viel Input und Werkzeuge an die Hand gibt. Doch beim Lesen allein sollte es nicht bleiben. Wie auch in ihrem Alltag im Hamburger Rückenzentrum appeliert die Diplom-Psychologin an alle:
"Ärmel hoch und mitmachen."

Das werde ich kommenden Mittwoch, dem 8.10., um 19.30 Uhr, wenn wir die Autorin und Tina Epking bei uns zu Gast haben werden.

Wir haben noch freie Plätze. Melden Sie sich unter anmeldungen@stories-hamburg.de für die Veranstaltung an und bringen Sie gern zahlreiche Fragen mit.

Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache

von Catrin Marnitz, Tina Epking

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Onigiri
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Yuko Kuhn erzählt im sanften Ton einer Zen-Meisterin eine deutsch-japanische Familiengeschichte. Nach dem Tod ihrer Großmutter will Aki in die Heimat ihrer Mutter reisen. Diese ist an Demenz erkrankt. Trotzdem geht die junge Frau das Wagnis ein. Die Reise nach Japan wird für alle Beteiligten in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere. Wer einen demenzkranken Menschen kennt, weiß, was passieren kann, diesen aus gewohnten Bahnen zu ziehen. Aber Akis japanische Familie ist so gütig und aufmerksam, dass sich die Anspannung der Reise recht bald legt.

In wechselnden Zeitzonen reflektiert Aki die Familiengeschichte. Ihre Mutter Keiko ist nach Deutschland gegangen, um so den traditionellen Hochzeitsriten zu entkommen und sich ein eigenes Leben aufzubauen. Aber das dies nicht einfach war, kann man sich gut vorstellen. Die Musik war stets eine Konstantante, sie trägt ihre Mutter: "Meine langjährige Gesangserfahrung ist, ohne, dass es mir bewusst war, eine Kraftquelle hier für mich in Deutschland geworden."

Sie verliebt sich in der neuen Heimat des Öfteren, wird jedoch nie zurückgeliebt, bis sie auf Karl trifft. Die beiden heiraten, bekommen zwei Kinder: Aki und Kento. Dies ist jetzt kein Happy End, denn das Leben bleibt für Keiko angespannt. Eine vollkommen andere Welt eröffnet sich für Aki und Kento bei den recht eigenwilligen wie wohlhabenden Großeltern väterlicher Seite.

Irgendwann fängt Akis Mutter an, sich zurückziehen. Sie legt öfter die Hände über ihre Augen, um vieles auszublenden. Ist die Demenz womöglich eine selbst gewählte Flucht?

Das Buch geht zu Herzen, ohne kitschig zu sein und einen herunterzuziehen. Das ist dem Feingespür der Autorin zu verdanken, die liebevoll erzählt, wie Aki, den Spagat versucht, als junge Mutter und fürsorgliche Tochter für alle da zu sein. Yuko Kuhn streut charmante und mitunter verrückt-schöne Momente ein, die mich häufig schmunzeln lassen. Große Empfehlung nicht nur für Japan-Fans!

Onigiri

von Yuko Kuhn

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Was wäre, wenn ...
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieser Leseschatz ist mir sofort in die Augen gesprungen, von dort übers Blut direkt mitten ins Herz. Und ich spürte: Das muss ein ganz besonderes Bilderbuch sein.

Sabine Bohlmann ist u.a. durch ihre Kinderbüchern "Frau Honig" und "Das Flusskind" bekannt und beliebt geworden. Stella Dreis hat dem philosophischen Buch die passenden weichen und verträumt-schönen Bilder geschenkt.

Im Kern dreht sich alles um eine Frage: Was wäre, wenn... alle freundlich zueinander wären, heißt es gleich auf den ersten beiden Seiten. Zu sehen ist ein älterer Herr, der vor einer Schnecke seinen Hut zieht. Und das rothaarige Mädchen mit ihrer schwarzen Katze, die zwei kleinen Kätzchen beim Milchschlecken zusehen. Auf der nächsten Seite steht: Was, wenn jeder einfach lächeln würde...

Am Ende gibt es natürlich die Auflösung - getragen von einer großen Menschlichkeit und Herzenswärme. Das Buch feiert die kleinen wichtigen Dinge des Lebens. Und zelebriert sie auf hinreißend schöne Weise, das einem wahrlich warm wird und man lange lächelt.

Das Bilderbuch richtet sich an alle nachdenklichen ruhigen Kinder ab 5 Jahre. Und es ist ein wunderbares Geschenk für einen erwachsenen Menschen, der gerade Zuspruch braucht oder dem die Sanftmut abhanden gekommen ist.

Was wäre, wenn ...

von Sabine Bohlmann

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Jakob und Jelena
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die großen Sommerferien sind vorbei selbst bei Jelena und Jakob, den titelgebenden Figuren in Tamara Bachs neuen Roman. Vieles ist anders und nicht wirklich einfach.

Jelenas beste Freundin ist auf eine andere Schule gewechselt, die Lotte ziemlich unter Stress setzt. War sie bisher ein Einserschreiberin gibt es jetzt Vieren und sogar eine Fünf. Auf dem Gymnasium weht ein anderer Wind.

Jelena hat es ebenso nicht einfach. Sie trägt den neuen roten großen Parka und bekommt von der fiesen Franzi gleich einen neuen Spitznamen verpasst: Radieschen. Und der neue Mitschüler Jakob wird Flummi gerufen. Alles nicht schön, doch Augen zu und durch. Auf dem Schulweg im Bus und in der Pause vergräbt sich Jakob am liebsten in Büchern. Die Bibliothek ist sein liebster Ort. Dort ist er viel lieber als beim Schwimmkurs, den er eigentlich belegen sollte. Eine Gemeinschaftsarbeit soll nun die neuen Schülerinnen und Schüler zusammenbringen. Jelena und Jakob bilden ein Team. Obgleich sie nicht viel gemeinsam haben, finden sie doch zueinander. Und Jakob findet in Samson einen weiteren neuen Weggefährten, der wie er genauso gern liest.

Tamara Bach schreibt aus abwechselnden Perspektiven. Mal sind wir bei Jelena und ihrer alleinerziehenden Mutter, die einem Spagat versucht, zwischen dem Muttersein und Job. Wenn ihre Mama nicht da ist, kümmern sich entweder Felix oder die Rambke um das Mädchen. Jakob hat indes einen sehr fürsorglichen Vater, dem das Wohl seines Sohnes sehr am Herzen liegt. Aber er kann halt nicht überall helfen.

"Jakob und Jelena" ist ein realitätsnahes Kinderbuch für alle Zehnjährigen! Sehr kindgerecht, einfühlsam erzählt die Autorin von den Stürmen des Lebens, lässt sie laufen und selbst nach Lösungen suchen. Und am Ende wird alles gut. Ebenfalls bemerkenswert sind die Illustrationen von der mir sehr geschätzten Illustratorin Barbara Yelin, die mich beispielsweise im vergangenen Jahr mit ihrer berührenden Graphic Novel über Emmie Arbel begeistert hat.

Jakob und Jelena

von Tamara Bach

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Atmosphere
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

I've landed again. Wow, that was an exciting reading trip to America and outer space! Now it's time to take a deep breath! And find the words to describe this great book.

Taylor Jenkins Reid is no longer an unknown planet in this country. And yet this book has shown me once again what an outstanding author the American is. Like many other novels, “The Seven Men of Evelyn Hugo” is a global bestseller. But “Atmosphere,” as its promising cover suggests, is extremely cool, absolutely gripping, and a stand-alone.

When Joan learns from her sister that NASA wants to train women to be astronauts again, the astronomer and physicist pricks up her ears. There had been a project before, but it was scrapped. Now, however, the women are returning. And Joan becomes one of them. Together with Lydia, Donna, and Vanessa. Group 9 includes others, including Griff. The training brings the people together. Warmth flows through my veins, but my breath catches when I suddenly experience a space mission in which complications arise – four years later in the book. Vanessa is the only one who is not injured in an explosion. Now every second counts! Joan is sitting on Earth in mission control—the center that is in contact with the space shuttle crew, coordinating everything and being pushed to its limits.

Taylor Jenkins Reid switches between the present and the path that led to it. I follow Joan's journey, which is remarkable. Not only in how she cares for her little niece Frances. Because there is also Vanessa, who triggers something in her that she had never experienced before. And then it happens. But love between two women at NASA in the 1980s is allowed to exist, of course...

Jenkins Reid proceeds very sensitively, without falling into kitsch. The relationships between the characters are so realistic that I feel like I have real friends by my side. Equally remarkable are Reid's thoughts on the universe and the stuff we are made of. As she so beautifully writes: “When you look up at the night sky, you see parts of what once was and what you may one day be.”

“Atmosphere” is so many things in one: a love story, a family history, a shimmering flight to the stars, a call to follow your dreams and your heart, and to fight for what you love and what is important to you, without compromise.

Atmosphere

von Taylor Jenkins Reid

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Atmosphere
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin wieder gelandet. Wow, das war ein aufregender Leseausflug nach Amerika und ins Weltall! Jetzt erstmal tief durchatmen! Und Worte finden für dieses großartige Buch.

Taylor Jenkins Reid ist ja selbst hierzulande kein unbekannter Planet mehr. Und doch hat mir dieses Buch erneut gezeigt, was für eine herausragende Autorin die Amerikanerin ist. "Die sieben Männer der Evelyn Hugo" ist wie viele andere Romane ein Weltbestseller. Aber "Atmosphere" ist wie sein verheißungsvolles Cover verspricht, extrem cool, absolut packend und ein Stand Alone.

Als Joan von ihrer Schwester erfährt, dass die NASA wieder Frauen zu Astronautinnen ausbilden wollen, wird die Astronomin und Physikerin hellhörig. Es hatte schon mal ein Projekt gegeben, dass dann aber wieder eingestampft wurde. Doch jetzt kehren die Frauen zurück. Und Joan wird eine von ihnen. Zusammen mit Lydia, Donna und Vanessa. Zur Gruppe 9 gehören noch weitere u.a. auch Griff an. Die Ausbildung schweißt die Menschen zusammen. Wärme durchzieht meine Adern, doch mein Atem stockt je, als ich plötzlich - im Buch sind's vier Jahre später - eine Weltraum-Mission erlebe, in der es zu Komplikationen kommt. Vanessa ist die Einzige, die bei einer Explosion nicht zu schaden kommt. Jetzt zählt jede Sekunde! Joan sitzt auf der Erde in der Missionskontrolle - das Zentrum, das Kontakt mit der Space Shuttle Crew hat, koordiniert alles und wird selbst an ihre Grenzen geführt.

Taylor Jenkins Reid wechselt zwischen der Gegenwart und dem Weg dorthin. Ich verfolge Joans Weg, der beachtlich ist. Nicht nur, wie sie sich um ihre kleine Nichte Frances kümmert. Denn da ist ja noch Vanessa, die etwas bei ihr auslöst, was sie bis dahin noch nicht kannte. Und dann passiert es. Aber die Liebe zwischen zwei Frauen in den 80er Jahren bei der NASA darf natürlich bestehen...

Jenkins Reid geht sehr feinfühlig vor, ohne ins Kitschige zu verfallen. Die Beziehungen untereinander sind derart realitätsnah, dass ich das Gefühl habe, echte Freundinnen an meiner Seite zu haben. Ebenso bemerkenswert sind Reids Gedanken zum Universum und der Stoff, aus dem wir sind. Denn wie schreibt sie so schön: "Wenn man in den Nachthimmel schaut, sieht man Teile dessen, was einmal war und was man vielleicht eines Tages sein wird."

"Atmosphere" ist so vieles in einem: Eine Lovestory, eine Familiengeschichte, ein flirrender Flug zu den Sternen, ein Aufruf seinen Träumen und dem Herzen zu folgen, und dafür zu kämpfen, was einem lieb und wichtig ist, ohne Kompromisse.

Atmosphere

von Taylor Jenkins Reid

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James
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir sind auf der Flucht. Der Mississippi zischt wie eine Schlange. Ich spitze meine Ohren, und versuche die verdrehten Wörter zu verstehen. Jim spricht ganz komisch mit Huckleberry Finn, als hätte er einen Knoten in der Zunge. Was ist passiert? Vor allem: Was machen wir hier?

Jim ist ein Sklave. Als er erfährt, dass er an einen Mann in New Orleans verkauft werden soll, haut er ab. Denn er will nicht von seiner Tochter und Frau getrennt werden. Wenn Jim verschwunden ist, kann man ihn auch nicht verkaufen. So sein Plan. Dummerweise gelangt Huck Finn auf seine versteckte Insel. Er ist mit Schweineblut besudelt, weil er Mrs Watson glauben lassen will, dass er tot ist, und hat in ihrem Haus Blut verteilt. Was das nach sich zieht, können Sie sich bestimmt denken…

Und doch übersteigt die Vorstellung die tatsächliche Lektüre bei Weitem. Außergewöhnlich ist sie und voller Einfallsreichtum in der Handlung und sprachlich, derart packend wie mitreißend erzählt, berührend und nachdenklich stimmend. Ein Buch mit lauten gewaltigen Szenen und ebenso stillen Momenten. Ja, ein Wechselbad von Temperaturen, auch von Gefühlen. Wut, Angst, Hoffnung, Liebe… alle da!

Bewundernswert, wie Percival Everett Mark Twains Abenteuergeschichte ein anderes Gesicht verleiht, sie uns neu erzählt. Und Twains Nebenfigur in seinem Roman zur Hauptfigur macht, dabei Themen hineinwebt, die selbst heute noch aktuell sind.

Obwohl ich längst angekommen bin nach dieser Reise, so bin ich immer noch bei dem mutigen Helden Jim. Oder viel mehr sitzt er in meinem Herzen. „James“ von Percival Everett zählt für mich zu den herausragendsten Werken des Jahres! Sie da draußen, was immer Sie über „James“ vernommen habt, stimmt. (Ich kenne nur Gutes.) So begeben Sie sich auf eine unvergessliche Abenteuerreise! Und vergessen Sie Ihre Schwimmkleidung nicht.

Ich danke von Herzen meiner Kollegin Sarah O'Connor, die mich erst auf diese ungewöhnliche Lektüre aufmerksam gemacht hat!

Wir haben das Buch auch in englischer Sprache vorrätig – Strange Flowers. Don't forget: Imagine a world where it’s Friday every day! For 30 days in a row! stories! – card holders (and applicants) can now live this dream: you will get a 20 % discount on English books - every day throughout June! (valid also for online purchases, to be collected in the shop!)

James

von Percival Everett

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Das Lied des Propheten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Möchte man in unseren unruhigen Zeiten aufwühlende Bücher lesen? Eher weniger. „Das Lied des Propheten" ein wichtiges Buch, das man trotzdem aufschlagen sollte. Was der Booker Preisträger erzählt, ist äußerst beklemmend, und vor allem, wie er die Geschichte darstellt: Dunkel, beunruhigend, fesselnd, bewegend und spannend bis zur letzten Seite. Literatur darf ablenken, aber sie sollte genauso zum Diskurs und Austausch anstoßen. Apropos Anstoß: Ich habe das Buch meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor zu verdanken. Sie hat das Original lange Zeit vor mir gelesen und sich schon seit vergangenem Winter dafür stark gemacht.

"Das Lied des Propheten" ist eine Dystopie, weit weg und doch sehr nah an uns dran. Hätten wir vor einem Jahr gedacht, dass die Rechtspopulisten hierzulande und in der EU derart erstarken würden?

Paul Lynch erzählt in seinem Roman von einer radikalen Regierung, die das Land reformieren will. Alle Andersdenkenden werden verhaftet, mundtot gemacht. Eilishs Mann Larry, der in der Lehrer-Gewerkschaft engagiert ist, kehrt am Abend einer Demo nicht zurück. Was mit ihm passiert ist, erfährt sie nicht. Diese Ungewissheit zermalmt sie genauso wie das Virus, das um sie greift. In ihrer Firma übernehmen regierungsnahe Menschen die Leitung und entlassen immer mehr Menschen. Eilishs älterer Sohn Mark rebelliert. Nachdem Eilish ihn bei einer Freundin untergebracht hat, verschwindet er eines Tages, schließt sich einer Untergrundorganisation an. Die einzige Verbindung ist ein Prepaid-Handy, doch das bleibt eines Tages stumm. Mark ist nicht zu erreichen. Plötzlich wird alles knapp, selbst das Wasser. Eilishs Schwester drängt sie, auszureisen. Aber was, wenn Mark wieder zurückkommt? Und Larry? Und was ist mit Simon - Eilishs Vater? Soll sie ihn zurücklassen?

Ich lese mich mit angehaltenem Atem durch diese Geschichte, die nur schwer auszuhalten ist. Vom ersten Satz an schafft der irische Autor eine beklemmende Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Atemlos sind die dichten Sätze, denen ich genauso hinterher laufe wie Eilish - eine Löwin, die versucht zwischen Ohnmacht, Hilflosigkeit, weiterzuleben, für ihre Familie da zu sein. Denn Eilish hat noch drei weitere Kinder, für die sie da sein will und muss. Stets an ihrer Seite: die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird.

"Das Lied des Propheten" erschüttert einen bis ins Mark. Und trotzdem sollte man das Buch lesen. Was Literatur alles bewegen kann, zeigt der Booker Preisträger auf erschreckende Weise.

Das Lied des Propheten

von Paul Lynch

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Annas Lied
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich liebe jede Seite dieses Romans. Erst jetzt habe ich "Annas Lied" von Benjamin Koppel für mich entdeckt. Frisch ist das Buch als Taschenbuch erschienen und so besonders! Der Saxophonist erzählt darin die Geschichte seiner langverschollenden Schwester des Großvaters. Hannah. Sie war das einzige Mädchen in der Koppelman Familie.

Eine große Bürde liegt auf dem Mädchen, nachdem ihre vier Brüder sich in nicht-jüdische Mädchen verliebt hatten und somit dem Ruf der Mutter nach einer würdigen und gesitteten Heirat mit Jüdinnen entgangen sind. Großes Familiendrama! Diese Szenen von der Mutter sind zum Schmunzeln schön und dramatisch berührend.

Die Familie ist musikalisch veranlagt. Jeder spielt ein Instrument, bei Hannah ist es das Klavier. Sie träumt von einer Karriere als Pianistin, aber den Wunsch zu verwirklichen, scheint ein schwieriges Unterfangen. Selbst nachdem Hannah am Kopenhagener Konservatorium angenommen wurde. Mutter Bruche hat für ihre Tochter ein anderes Leben vorgesehen. Sie soll den Pariser Francoise heiraten. Als Hannah durch ihre beste Freundin Elisabeth den revolutionären Aksel kennenlernt, keimt Hoffnung eines Ausbruchs auf...

Ich folge Hannahs Weg wie dem Leben der Familie mit klopfendem Herzen und bin berührt, höchst beglückt über die vielen Seiten, die mir der Autor beschert. Er schreibt in alter jüdischer Erzähltradition mit diesem gewissen Verve, den wir an jüdischen Geschichten so lieben. Wir bewegen uns zwischen den politischen Entwicklungen der späten 30er Jahre, schlittern hinein in den 2. Weltkrieg, erleben Angst und Flucht. Dabei stellt sich in mir eine Stille an, die nur die Musik durchbrechen kann.

Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung, denn im Oktober erscheint "Großmutters Geheimnis" - dafür hat der Autor den wichtigsten dänischen Literaturpreis "Die goldene Lorbeere" erhalten.

Annas Lied

von Benjamin Koppel

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Sein Name ist Donner
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich gebe offen zu: Zuerst war da dieses hinreißende Cover. Danach folgte eine hymnische Besprechung bei Deutschlandradio Kultur. Als ich schließlich Tommy Orange auf dem Buchrücken las, wusste ich: Das vielfach ausgezeichnete Werk muss ich lesen! Was Tommy Orange schreibt? "Es steckt so viel rohe und schöne Kraft in diesem Buch." So wahr!

Das Buch beginnt auf bizarre Weise: Der Ich-Erzähler will Drogen kaufen, findet sein Geld nicht mehr. Doch der Dealer will Kohle, und lässt den jungen Mann leer ausgehen. Dieser läuft zurück und hört plötzlich im Wald ein Stöhnen. Als David dem nachgeht, entdeckt er seinen Freund, der mit seinen langen Haaren festgefroren ist. Als David das Haar vom Eis mit seinem Messer befreien will, sagt Fellis: "Geh zu mir nach Hause und hol kochendes Wasser." Geht natürlich nicht im Winter. Also schneidet er das Haar ab. Doch sie müssen es verbrennen, damit die Geister nicht auf Fellis Nacken auftauchen. Willkommen in der Welt der Native Americans!

Dieses Buch ist in Amerika als Sammlung von Short Stories erschienen. Bei uns als Roman, was ich nur begrüßen kann. Obwohl es zwischen den Kapiteln kurze Breaks gibt, erschließt sich das Erzählte als fundierte Geschichte. Wir erleben den kleinen David, der mit seiner Mutter und hohem Fieber ins Reservat auf eine Insel flüchtet. Dort angekommen, findet der Junge ein Glas mit Zähnen und Haaren. Sofort wird Frick gerufen, der Medizinmann. Der räuchert das Haus mit Salbei aus, David und seine Mutter gleich mit. Danach bleibt Frick. Irgendwann taucht Davids ältere Schwester Paige auf.

In verschiedenen Episoden bin ich beim kleinen David, ein anderes Mal beim Herwanwachsenden, der mit einer labilen Mutter groß wird, und später zu Drogen greift, sich keine stabile Zukunft aufbaut. An einer Stelle sagt er über seine Mutter: "Sie ist indigen, und sie hat ein Trauma. Ich vielleicht auch - ich bin nämlich derjenige, der alles hautnah mitbekommen hat - , aber sie denkt, sie sei schlimmer betroffen."

Der Ton ist unbeschwert, ironisch, doch dunkle zu Herzen gehende Nuancen bleiben nicht aus. Sollen sie auch nicht. Dafür haben wir andere Bücher. Dieses hier bleibt bei mir. Dank auch der famosen Übersetzung von Thomas Überhoff!

Sein Name ist Donner

von Morgan Talty

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Himmel ohne Ende
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mit 15 Jahren hätte ich mir so ein Buch gewünscht. Julia Engelmann erzählt Charlies Geschichte auf behutsame wie sensible und schöne Weise. Die 15jährige ist eine junge Melancholikerin, ihre Oma bezeichnet sie als Philosophin. Zu viele Gedanken, zu viele unguten Gefühle jagen Charlie Tränen in die Augen und kennen keine Grenzen, selbst nicht vor dem Klassenzimmer. Das führt zu Häme unter ihren Schulfreund:innen. Sogar Charlies beste Freundin Kati findet das Verhalten seltsam und wendet sich ab.

Charlie muss sich in der neuen Rolle der Einzelgängerin zurechtfinden. Dass sie auch noch unglücklich verliebt ist, macht die Gefühlslage nicht leichter. Glücklicherweise taucht nach den Sommerferien Charlies Sonne auf: Kornelius. Weil der blonde Junge, Charlies Schulfreund Schmitti an Pommes erinnert, bekommt das neue Klassenmitglied den Namen verpasst. Pommes setzt sich neben Charlie. Und die beiden werden sehr schnell ein Herz und eine Seele.

„Himmel ohne Ende“ ist für mich die melancholischste Coming-of-Age-Geschichte ever. Aber sie hat mich erstaunlicherweise gar nicht heruntergezogen. Eher berührt und auf zarte Weise beglück. Charlie stellt die richtigen Fragen, hat interessante Einsichten wie aufbauende Sätze, und zeigt, wie stark und hell eine gute Freundschaft sein kann, und noch viel mehr: Sie kann Grenzen durchschreiten, einen wieder aufrichten und manchmal sogar fliegen lassen.

„Himmel ohne Ende“ ist so gesehen viel mehr als die Geschichte vom Erwachsenwerden. Eine wärmende Decke für eine aufgewühlte Seele, egal ob mit 15 oder 45 Jahren.

Himmel ohne Ende

von Julia Engelmann

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Gym
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Verena Keßler hat mich mit "Gym" aus einem Lesetief gezogen, das ich gar nicht hatte. Aber hätte ich eins, dann wäre dieses grandiose Buch die beste Medizin zum Aufbau von Lesemasse.

Apropos. Um Muskelaufbau geht es hier. Aber im zweiten Step. Im ersten stehe ich neben der Ich-Erzählerin und denke: Ich müsste sie dringend mit Marisa aus "Geht so" von Beatriz Serrano verkuppeln. Zwei völlig andere Geschichten, aber die beiden Frauen könnten gut miteinander. Denn auch unsere Heldin des Romans ist eine Lügnerin. So hat sie im Vorstellungsgespräch im Fitnessstudio MEGA GYM angegeben, eine junge Mutter zu sein. Warum sie das gemacht hat? Ist sie gewieft? Am Ende des Romans erahne ich den Grund. Nach dem Finale muss ich mich übrigens erstmal sammeln. Denn die Autorin hat mir da ganz schön zugesetzt.

Zwischendurch habe ich viel gegrinst, spürte meinen Puls wie auf einer Autobahn rasen. Doch zurück zum Anfang. Unsere namenlose Frau beginnt am Tresen des MEGA GYM an Millis Seite, hält den Schein der Mutter clever aufrecht. Irgendwann hat sie neben Milli eine Art Offenbarung und danach wendet sich das Blatt. Fortan beginnt die Erzählerin mit einem straffen Fitnessprogramm, besorgt sich figurbetonte Kleidung. Als sie eines Tages auf die Profi-Bodybuilderin trifft, gibt's einen weiteren Kick.

Was hat die junge Frau ins Fitness-Studio gebracht? Sie hatte ein Vorleben als erfolgreiche Businessfrau. Bis es zu einem Bruch kam. Und noch etwas ist passiert. Genau diesen Trumpf zieht Verena Keßler hervor, und zwingt mich zu Boden.

Die Autorin ist bekannt für ihre eindringlichen Bücher. Keins gleicht dem anderen. Aber alle sind Garanten für High-End-Reading-Feelings! Auch dieses hinterlässt Spuren in meinem Geist. Ich brodele, weiß nach dem Ende nicht, wohin mit mir und schreie: Verdammt, wie gut bist du bitteschön?!

Rasant, bewegend, witzig und mit einem extrem coolen Rhythmus erzählt die Autorin die Geschichte einer gefallenen Frau und einer Obsession, die mich umhaut. Danke, liebe Verena! Weiter so!

Gym

von Verena Keßler

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Sorry, aber ich bleibe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der italienische Autor und Buchhändler wurde mit seinem ersten Kinderbuch mit dem renommierten Literaturpreis Strega Regazze e Strega Regazzi ausgezeichnet. Auch sein Jugendroman "Sorry, aber ich bleibe" ist in meinen Augen preiswürdig und wichtig. Hier erzählt Alessandro Barbaglia die Geschichte von Zeno mit dem Kopf ins Klo gesteckt und dabei gefilmt wurde. Das Video ging viral. Danach hagelte es im Schulchat nur so von hämischen Nachrichten. Bis auf eine. Und die kam von Luna.

Luna wendet sich direkt an Zeno. Der ist überhaupt nicht begeistert und will einfach nur seine Ruhe. Doch "Luna Nervensäge niemals antworten" - so speichert er die unbekannte Nummer ab, bleibt hartnäckig. Sie schreibt: "Ich bin nicht wie all die anderen. Nur damit du's weißt." Zeno reagiert ziemlich drastisch: "Geht's eigentlich noch? Dich find ich fast noch schlimmer als die anderen." Harte Worte, aber Luna lässt nicht locker. Und irgendwie entsteht zwischen den beiden eine Verbindung, liebenswert, offenherzig, frech und am Ende ist es so berührend. Denn auch Luna hat ihre Geschichte.

Im digitalen Zeitalter sind solche Bücher wichtig, weil sie uns für das Thema sensibilisieren. Zudem zeigt uns Alessandro Barbaglia, was Mobbing bei den Opfern bewirken kann. Trotz der Schwere erzählt der Autor mit jugendlicher Lässigkeit.

So ist der Roman cool und authentisch in Whats-APP-Chat-Form geschrieben, punktet obendrein mit klugen Aussagen wie dieser: "Weil es keine richtigen Menschen gibt, denn wir alle sind ein bisschen falsch. Deswegen muss man den richtigen Falschen suchen. Wie wir."

Ab 12 Jahren.

Sorry, aber ich bleibe

von Alessandro Barbaglia

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Plötzlich Mama!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der alte Dachs ist ein Griesgram und wird daher von den Waldtieren gemieden. Als seine Essensvorräte nun aus, muss er Nachschub besorgen. Also macht sich der alte Dachs auf den Weg in den Wald. Als er im hohen Gras ein Ei entdeckt, nimmt er dies mit. Er überlegt, welche Köstlichkeiten er damit anstellen kann: Rührei, gekochtes Ei oder Eierkuchen? Als der alte Dachs jedoch nach seinem langsamen und langen Gang zu Haus ankommt, entdeckt er ein Loch.

Dieses wird schließlich immer größer, bis dort ein kleiner gelber Kopf herausschaut und laut ruft: "Mama! Mama!" "Ich und Mama? Nie und nimmer!" Was soll er mit einem Küken? Enttäuscht bringt er es zuück an den Teich. Läuft hungrig zurück und wird vom Küken verfolgt. Sie ahnen sicherlich schon, worauf die Geschichte hinausläuft.

Unser alter Griesgram wird Mutter, eine glückliche dazu. Und später sogar siebenfache "Großmutter".

Eine wundervolle Geschichte über Versöhnung, Liebe und die kleinen Wunder des Lebens. Rebekka Stelbrinks Scherenschnitt-artige farbenfrohe Bilder haben mich vollends begeistert.

Plötzlich Mama!

von Rebekka Stelbrink

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Eingeladen!
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

"Eingeladen" ist das perfekte Mitbringsel zu einer Kindergeburtstagsparty! Denn genau darum geht es in dieser wunderschönen illustrierten Geschichte.

Bis wir beim Geburtstagskind ankommen, folgen wir der Postbotin Paulina, die allen Gästen einen Brief überreicht. Wir beginnen beim Marienkäfer Marie, die den Brief liest und sofort ein Kleeblatt abzupft. Dann gehen wir mit Paulina und Marie zur Feldgrille Ferdinand. Bis wir beim sechsten Briefempfänger - dem Igel Isidor -angekommen sind, konnten wir alle Baus der Tiere voller Neugier betrachten.

Natürlich wissen wir noch nicht, was in den Briefen steht. Genau das macht Ganze ja so spannend. Maja P. Kastelic lässt ihre Geschichte auch durch die hinreißenden Bilder leuchten, in denen sich viele kleine Details entdecken lassen.

Dieses Buch hat mich absolut berührt und verzaubert. Für alle ab 3 Jahren.

Eingeladen!

von Maja Kastelic

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Großer Bär und Kleiner Bär machen einen Ausflug
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die Tuschebilder von Amy Hest haben mich ebenso entzückt wie die Geschichte.

Kleiner und großer Bär wollen angeln. Aber bevor sie losziehen, müssen sie sich erstmal anziehen. Und die Angelruten einpacken. "Jetzt ist es so weit - der Ausflug kann beginnen." Aber Halt: "Noch nicht ganz." Denn natürlich müssen noch Muffins mit. Okay. Also backen die beiden ihr Proviant. Jetzt aber los. "Noch nicht ganz". Es fehlt noch ein Buch voller Geschichten. Gut, auch das kommt noch ins Wägelchen. Doch nun kann es losgehen.

Werden sie am Ende Fische angeln?

Den beiden zu folgen, rührt mein Herz. Diese ruhig erzählte und unglaublich stimmungsvolle Geschichte ist durchaus auch das ideale Geschenk für Angler, ob kleine (ab 3) oder große.

Großer Bär und Kleiner Bär machen einen Ausflug

von Amy Hest

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Selma, du machst das falsch!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich gebe es zu: Ich hatte bisher große Angst vor Spinnen. Doch nach diesem Buch sehe ich diese seltsamen Tiere mit anderen Augen. Denn wer weiß, ob sich unter ihnen nicht auch eine Selma befindet? Und die gilt es zu beschützen.

Selma ist anders als ihre Artsgenossen. Statt gewöhnliche Netze zu spinnen, schafft sie wahre Kunstwerke. Eins sieht aus wie der Regen, ein anderes spiegelt die Schönheit des Nachthimmels. Die anderen Spinnen rufen immer: "Selma, das machst du falsch!" Aber unserer kleinen Spinne ist das egal.

Eines Tages will sie ihr Netz möglichst nah am Himmel spinnen, und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise, die sie tatsächlich hoch hinausführt.

Drollig und fantasievoll ist dieses charmante wie witzige Kinderbuch für alle ab 3!

Selma, du machst das falsch!

von Tini Malina

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Die Sache mit Rachel
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Endlich ist unser Herzensbuch erschienen! Frank Menden und Simone Finkenwirth sind selten einer Meinung, doch manchmal erfreuen sie sich gemeinsam an einem #nichtimmereinigaberimmereins-Buch. Dieses hier ist solch ein Werk. Und hey! ganz ehrlich: Wenn sich zwei verschiedene Menschen so einig sind, dann solltet ihr hellhörig werden! Dolly Alderton findet das übrigens auch. Also, dass dieses Buch ein Knaller und brillant ist. Und sicherlich auch, dass sich die beiden nicht täuschen können.

Weil wir unser Glück gern teilen, haben wir ein besonderes Geschenk: Die ersten vier Käufer:innen von „Die Sache mit Rachel“ erhalten beim Kauf einen blauen oder pinken Stoffbeutel. Reservierungen sind möglich, aber sollte vor euch jemand kommen, geben wir den Beutel mit. Gleiche Chance für alle.

Was macht dieses Buch nun derart außergewöhnlich? Vieles! Rachel und James natürlich! Aber auch all die Verwicklungen und Fallstricke, die sie zum Stürzen bringen - und das in einer schwierigen Zeit, denn die Geschichte spielt 2010/2011 während der Rezession in Irland. Das Lebensgefühl von jungen Heranwachsenden, denen noch alles offen steht, und an das wir uns alle gern zurückerinnern. Obendrein ist da ein fein ausbalancierte Mix aus Übermut, Melancholie, Witz, Tiefsinn.

Caroline O'Donoghue schreibt klug und scharfsinnig wie feinfühlig über die großen Themen des Lebens. Es gibt berührende wie herzerwärmende und übersprudelnde Momente, die wir mit jeder Faser gespürt haben. Am Ende erfüllt uns das Gefühl, das nur wenige gute Bücher bei uns hinterlassen. Darin waren wir uns so was von einig!

Die Sache mit Rachel

von Caroline O'Donoghue

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Der Sommer zu Hause
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Sommer zeigt sich jetzt in seiner vollen Blüte. Passend dazu möchte ich Ihnen noch ein Buch kredenzen, das in diese Jahreszeit so gut passt, aber natürlich auch im Herbst und Winter gelesen werden kann. Der Berlin Verlag hat sich mit dem deutschen Titel keinen Gefallen getan, und somit die Halbwertzeit des Buches etwas gedrosselt. Das englische Original heißt "Tom Lake", übrigens vom Guardian und der Washington Post gefeiert. Und das zu Recht!

Lara ist die Ich-Erzählstimme. Die 57jährige ist die Mutter von drei erwachsenen Töchtern, die beim ersten Lockdown zur Kirschernte nach Hause gekommen sind. Die Eltern betreiben im nördlichen Michigan eine Obstfarm. Emily will das Gut nach ihrem Studium der Agrarwissenschaften übernehmen, Maisie möchte als Tierärztin arbeiten und Nell in die Fußstapfen der Mutter treten: Sie will Schauspielerin werden.

Genau das war Lara in jungen Jahren. Eher zufällig ist sie in diesen Job hineingestolpert. Es mag neben ihrem Talent wohl auch diese Leichtigkeit sein, die aus dem Provinzmädchen eine gefragte Schauspielerin gemacht hat. Ein Mädchen, das an der Seite eines bekannten Schauspielers gestanden hat. Aber wie kam das alles? Und was hat es mit Peter Duke auf sich? Warum hat sich die Mutter der Schauspielerei abgewandt und wurde stattdessen eine Farmerin? Diesen Fragen beugt sich Lara, während ihr Kirschen zwischen den Fingern hängen.

So mäandern wir zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. All das fließt ganz harmonisch wie in einem Atemzug ineinander. Wir bleiben dabei besonders in jenem Sommer am Tom Lake hängen, wo Lara die Emily aus Unsere kleine Stadt in einem Sommertheater gespielt hat. Dort traf sie auf Duke, Sebastian, und ihre Freundin Pallas. Was für eine tolle Kulisse! Was für herrliche Szenen!

Und was für ein wundervolles Buch! Atmosphärisch dicht, herzerwärmend und herrlich ruhig geschrieben. Das Buch zeigt, dass selbst leise Töne laut sein können. „Der Sommer zu Hause“ ist ein Reigen aus schönen Sätzen, in die ich mich seufzend geschmiegt habe. Obendrein ist's ein friedvoller wie sommerlich flirrender Slow-Burner zum Gernhaben und Nicht-wieder-Loslassen-wollen.

Eine literarische Meditation über die Liebe in jeglicher Form, übers Erwachsenwerden, Träume, Sehnsüchte, Schauspielerei und die Familie. Das perfekte Geschenk für die beste Freundin, die liebe Kollegin, die Liebste, die Tochter, Tante, Nichte, Cousine oder Mutter für laue Sommernächte - sofern es zwischen den Zeilen auch mal ruhiger zugehen darf.

Der Sommer zu Hause

von Ann Patchett

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Porträt auf grüner Wandfarbe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Elisabeth Sandmann publiziert In ihrem gleichnamigen Verlag seit über 20 Jahren Bücher über herausragende Frauen. War es da nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst schriftstellerisch tätig wird? Vielleicht. Mit Sicherheit weiß ich, dass die Verlagsbuchhändlerin mit „Porträt auf grüner Wandfarbe“ für mich einen der schönsten Frauen- und Familienromane des Jahres geschrieben hat. Ein Buch, das nicht nur optisch eine Augenweide ist, auch das Innenleben leuchtet. Und ganz ehrlich? Ich weiß nicht, wie ich Ihnen in wenigen Worten die Fülle die Geschichten in kurzen Zeilen wiedergeben soll.

Am besten beginne ich von vorn. Die Londonerin Übersetzerin Gwen bekommt von ihrer betagten Tante Lily einen Anruf. Wir schreiben das Jahr 1989. Die Mauer ist gefallen. Lily will mit Gwen nach Pommern reisen - zu den Familienwurzeln, jetzt, wo das wieder möglich ist. Gwen fühlt sich überrumpelt, eigentlich wollte sie mit ihrer besten Freundin Laura nach Italien. Und nun das. Gwen besinnt sich, fragt Laura. Diese willigt ein. Zusammen reisen Gwen, Laura und Lily mit ihrer Freundin Lotte von Berlin an die polnische Ostsee.

Vorher passieren ungeplante Dinge, denn Gwen taucht in die Tiefen ihrer Familiengeschichte ein. Und die ist bunt, bewegend, aufregend. Und obendrein derart mitreißend erzählt. Kunst kommt darin vor, aber auch lang verschwiegene Geheimnisse, nicht ganz verheilte Wunden. Gwen liest alte Briefe und Aufzeichnungen und entdeckt dabei Ellas Geschichte, sie ist eine der tragenden Frauen, die mich die ganze Zeit wie eine Freundin begleitet. Und dann ist da noch ein verborgenes Geheimnis, das niemand ansprechen will, aber ein wichtiges Mosaiksteinchen ist, das vieles erklären könnte - wie den Tod von Gwens Mutter.

Keine Seite ist zu viel in diesem Familien- und Frauenepos, das uns auch quer durch Europa führt, und die politischen Verflechtungen genauso klug einwebt wie den Wunsch der Frauen nach Unabhängigkeit. So treffe ich auf taffe Frauen, die ihrer Zeit voraus sind und mich durch ihre eigene selbst bestimmte Art tief beeindrucken.

Elisabeth Sandmann weiß, was gut erzählte Romane auszeichnet, die aus der Masse hervorblitzen. Nicht nur mit einer wundervollen Covergestaltung. Sie berührt mich an vielen Stellen, lässt mich nach charmanten Dialogen gleichwohl schmunzeln. Und am Ende fehlen mir die Figuren. Auch das zeichnet gute Romane aus, wenn ihr Innenleben in unseres übergeht.

Sollten Sie gern Hörbücher hören, dann möchte ich Ihnen die Hörbuchfassung ans Herz legen, denn dieser bin ich mit großer Begeisterung gefolgt. Elisabeth Günther spricht die Geschichte kongenial und schafft ein hochklassiges Erlebnis, sie gibt jeder Figur eine eigene Stimme! Doch selbst in Buchform ist dieser Roman einprägend und eine absolute Empfehlung! Nicht nur für Fans von Alena Schröder.

Porträt auf grüner Wandfarbe

von Elisabeth Sandmann

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The Safekeep
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

I am caught in the spider's web. That's how I felt at first in “In Their House.” Quite uncomfortable, because Isabel is an unpleasant woman. She lives alone and secluded in the family home after her mother's death. Only her brothers, Hendrik and Louis, and an admirer draw her outside. During a meal with her brothers, she meets Louis' new girlfriend: Eva.

Shortly afterwards, Louis turns up at Isabel's with Eva. He has taken on an important job at short notice and is reluctant to leave his girlfriend alone in his shared flat with his roommate. After a brief interlude, Eva is allowed to stay with Isabel.

Can this work out? The two are like cats and dogs. What else is bothering Isabel: things keep disappearing. Here a spoon, there a bowl, a knife. She suspects her housekeeper Neelke and watches her with eagle eyes. But Eva is also a monster to her. Then something happens that turns both their lives upside down. Mine too. The spider has me firmly in its clutches.

In the end, I took both women into my heart, breathless and completely thrilled by what the Dutch author has cleverly woven into the story.

The author was shortlisted for the 2024 Booker Prize with her debut—so well deserved. I am particularly pleased that it was published by Gutkind Verlag. They fit together as well as our two characters. What do you mean? Yes, you missed something. You'll find the answer between the pages.

The Safekeep

von Yael van der Wouden

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Wir sehen uns wieder am Meer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mit ihrem Roman "Als Großmutter im Regen tanzte" eroberte die norwegische Erfolgsautorin auch hierzulande die Herzen vieler Leserinnen und Leser im Sturm. Danach folgte "Und Großvater atmete mit den Wellen" und jetzt ganz neu: "Wir sehen uns wieder am Meer".

Für gewöhnlich beuge ich mich ja vornehmlich über eher unbekannte Stimmen in der Literatur. Die anderen gehen ja auch so. Hin und wieder piekst mich dann aber doch die Neugier und ich frage mich: "Was ist eigentlich dran an dieser Begeisterungswelle?" So lese ich gerade antizyklisch: Ich habe mit dem 3. Band begonnen und möchte die anderen beiden auch noch lesen. Die Bände bauen nicht aufeinander auf, jeder steht für sich. Einzig die Figuren kreuzen unsere Leselinien.

In "Wir sehen wieder uns am Meer" stehen wir an der Seite von Birgit. Eine junge Krankenschwester, die im Jahr 1944 die Besetzung deutscher Soldaten in Norwegen miterlebt. Birgit spricht Russisch, die Sprache hat sie durch ihren Klavierlehrer erworben. Als ihr geliebter Iwan plötzlich verstirbt, entscheidet sich die junge Frau für einen Neuanfang und tritt eine Stelle im Bodoer Krankenhaus an.

Im Küstenort beschäftigt eine Fischerfabrik Zwangsarbeiter:innen aus Osteuropa. Nadia ist eine von ihnen. Als die junge Frau einen entzündeten Blinddarm hat, kreuzen sich die Wege der beiden Frauen. Eine Verbindung, die bleiben wird, trotz der Fallstricke und Gefahren. Und das ist nicht nur die eine Gefahr, in die sich Birgit mit ihrer Zimmergenossin und ihrem Klinikarzt begibt.

Trude Teige schickt uns von Norwegen bis nach Moskau und begeistert mich vor allem durch die große menschliche Note und ihre mutigen Heldinnen. Sie verknüpft Lebensschicksale mit dem Weltgeschehen. Und baut einen unglaublichen Spannungsbogen auf, dem man nicht entkommt. Also, der Hype ist so was von berechtigt.

Wir sehen uns wieder am Meer

von Trude Teige

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Furye
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich hatte dieses Buch noch nicht geöffnet, wusste da aber schon, dass wir Freundinnen werden würden. Nicht nur, da mein Kollege Frank Menden „Furye“ mit Begeisterung gelesen hatte. Es waren die Vibes, die ich vernahm. Nennen Sie es Magie oder einfach den siebten Sinn einer Buchhändlerin.

Wissbierig folge ich der Ich-Erzählerin, eine erfolgreiche Musikmanagerin mit einem Kinderwunsch. Als sie einen Anruf aus der alten Heimat erreicht, streicht sie die Segel und fährt in ihren Heimatort, den sie vor zwanzig Jahren verlassen hat. Zur Empörung ihres Künstlers, den sie betreut. Wie könne sie es wagen! Doch die Frau bleibt so was von cool, dass ich grinsen muss.

Parallel wechselt Kat Eryn Rubik in Alecs Vergangenheit. Dort erlebe ich sie mit ihren Freundinnen Meg und Tess im aufblühenden Frühling der Jugend mit allen Fallstricken und Verführungen sowie die Macht der Weiblichkeit, die sie auslotet.

Das Buch hat einen ganz eigenen Sound, der sich wie ein Ohrwurm festsetzt. Die Autorin webt allerhand Themen in die Geschichte, die ihr damit eine besondere Tiefe verleihen. So ist "Furye" viel mehr als nur ein flirrender Summer Read. Ein Schwergewicht mit der Leichtigkeit einer Fliege, deren Abdruck man lange noch auf der Lese-DNA spürt.

Furye

von Kat Eryn Rubik

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Na und?
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch habe ich einer Kundin zu verdanken. Als diese in unserer Kinderbuchabteilung daraus ihren Kindern vorlas, dachte ich: "Das ist ja interessant und wichtig."

Bosse ist ein giftgrünes Krokodil, das stellvertrtend für gemeine Kinder steht. Jeden Tag macht sich Bosse über ein Tier im Kindergarten lustig. Alle knicken ein, bis das Leopardenmächen Pauline Teil des Tier-Kindergarten wird. "Hey", ruft Bosse. "Deine Flecken sehen komisch aus. Pfui, bäh!"

Alle bleiben still und verfolgen das Gespräch. Doch Pauline bleibt forsch und antwortet: "Na, und?" Auch am nächsten Tag macht sie so weiter und steckt die anderen mit dem Mutausbruch an.

Ein wichtiges wie hinreißend schön illustriertes Buch über Ausgrenzung, Mobbing und Courage! Für alle großen wie kleinen Kinder ab 3 Jahren.

Na und?

von Sonia Coudert

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Reality
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer fühlt sich nicht manchmal verloren in dieser lauten und hektischen Welt? Sollte es Ihnen mal so ergehen, dann haben Sie für solche Momente Jasmin Ramadan im Regal zu stehen. Allein schon die Aufmachung von „Reality“ weckt das müde Herz. Und der charmante wie kluge Text sowieso.

Ums Herz geht’s hier übrigens. Vornehmlich um die Liebe. Die sucht die Ich-Erzählerin Lilith Innocenta West, kurz Lit genannt. Allerdings nicht aus einer romantischen Laune heraus, sondern als Auftrag. Vorher hat unsere Ich-Erzählerin mit ihrer ungeduldigen Vermieterin Viktoria zu kämpfen. Lit ist mit ihren Zahlungen im Rückstand. Es wäre so einfach, das Geld aufzutreiben. Die Künstlerin könnte ihre bekannte Mutter anrufen. Wanda ist Psychologin, die einen erfolgreichen Podcast hat. Auch Lits Vater könnte helfen. Aber nein! Stattdessen trifft sie sich mit ihrer Affäre Junius, der sie mit einem Galeristen bekanntmachen will. Bei einem sündhaft teuren Abendessen, läuft alles aus dem Ruder. Lit flüchtet zum Bahnhof, setzt sich in den nächsten Zug und landet schließlich auf einer Insel. Dort kümmert sie sich um die menschenscheue Frau Auve. Dafür kann sie umsonst in einer kleinen Villa wohnen. Als die Dame verstirbt, winkt ein großes Erbe, das sie nur bekommt, wenn sie die Liebe findet. Das eröffnet ihr ein gewisser Plü.

Eben dieses fremde Gefühl, was Lit bisher nicht gefunden hat. Alle Spuren führen zurück in ihr kindliches Wesen. Mit 11 Jahren ist offenbar etwas Traumatisches passiert. Lits Eltern waren mit ihr auf der Loveparade und haben sie dort verloren.

Dieses Buch ist ein irrer Ritt! Nichts für Leser:innen geradliniger Romane. Wer die Bücher von Tamar Noort oder Mariana Leky schätzt, sollte sich diese außerordentliche Hamburger Autorin mal genauer anschauen. Mein Kollege Frank Menden schwört auf ihren Roman "Auf Wiedersehen". Mit einem Auszug daraus wurde sie 2020 zum Ingeborg Bachmann Preis eingeladen. Und auch Fatih Akin ist Fan. Er hat ihr Debüt "Soul Kitchen" kongenial verfilmt. Genau den beiden Männern habe ich diese literarische Entdeckung übrigens erst zu verdanken.

Reality

von Jasmin Ramadan

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Seascraper
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

It doesn't take Benjamin Wood long to get me hooked. I bite into the book immediately. It's more my eyes that get stuck in it. The further I immerse myself in the story, the warmer I feel, even though it's cold the whole time. This is due to the two main characters: Edgar and Thomas.

At first, I see Thomas at work. The 20-year-old is a crab fisherman and carries on his grandfather's legacy. Every day he takes his horse and cart into the mudflats, collecting crabs at low tide. There used to be more men, now he is the only one. It's wet, mostly dripping or fog hanging over the landscape. It was precisely this setting that led the American director Edgar Acheson to Thomas' mother. The two of them are waiting for Thomas at home after work.

There, Edgar tells him that he is offering him a job: He could give him a hand with the filming. Edgar wants to film a well-known novel that Thomas, a frequent reader, has never heard of. Thomas becomes increasingly fond of the man and 100 pounds is a lot of money. After all, it is the 1960s. Thomas only gets two pounds and four shillings for his daily catch from his customer.

So they become business partners and relatively fast friends. Their conversations are sometimes profound, spiced with charm and a pleasant warmth of heart. For the first time, Thomas looks beyond his small world in Longferry and senses what could be possible. He confides his big secret to Edgar: Thomas has been playing the guitar for a long time. He should go out and show everyone. But Thomas, in his modesty, refuses. Then Edgar suddenly disappears into the fog and strange things pull the rug from under our feet...

Wow, what a read! It lives from wonderful atmospheric descriptions of nature as well as from the lovable characters and the unexpected twists that quietly creep into the story and blew me away in the end. “The Crab Fisherman” is a book with a quiet power that creates a lingering echo and won over the Booker Prize jury. That's why the title is currently on the longlist.

Seascraper

von Benjamin Wood

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Der Krabbenfischer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Benjamin Wood braucht nicht lange, um mich an die Angel zu bekommen. Ich beiße sofort ins Buch. Viel mehr sind es meine Augen, die darin hängenbleiben. Je weiter ich in die Geschichte eintauche, um so wärmer wird mir, obwohl es die ganze Zeit kalt ist. Das liegt an den beiden Hauptfiguren: Edgar und Thomas.

Zunächst erlebe ich Thomas bei seiner Arbeit. Der 20jährige ist Krabbenfischer und führt das Erbe seines Großvaters fort. Täglich fährt er mit seinem Pferd und dem Karren ins Watt, sammelt bei Ebbe Krabben ein. Früher waren es mehr Männer, jetzt ist er der Einzige. Es ist nass, meistens tröpfelt es oder Nebel hängt über der Landschaft. Genau dieses Setting hat den amerikanischen Regisseur Edgar Acheson zu Thomas' Mutter geführt. Die beiden erwarten Thomas nach seiner Arbeit zu Hause.

Dort eröffnet ihm Edgar, dass er ihm einen Job anbietet: Er könne ihm bei den Dreharbeiten zur Hand gehen. Edgar will einen bekannten Roman verfilmen, von dem der Vielleser Thomas bisher nichts gehört hat. Thomas wird der Mann zunehmend symphatischer und 100 Pfund sind 'ne Stange Geld. Immerhin befinden wir uns in den 60er Jahren. Thomas bekommt für seinen täglichen Fang bei seinem Abnehmer lediglich zwei Pfund und vier Schilling.

Also werden sie Geschäftspartner und relativ schnell Freunde. Es sind mitunter tiefsinnige Gespräche gewürzt mit Charme und einer wohltuenden Herzenswärme. Thomas schaut zum ersten Mal über seine kleine Welt in Longferry hinaus, ahnt, was alles möglich sein könnte. So vertraut er Edgar sein großes Geheimnis an: Sehr lange schon spielt Thomas Gitarre. Er solle damit rausgehen und es allen zeigen. Aber Thomas in seiner Bescheidenheit wiegelt ab. Dann ist Edgar plötzlich im Nebel verschwunden und seltsame Dinge ziehen uns den Boden unter den Füßen weg...

Wow, was für eine Lektüre! Sie lebt von wunderschönen atmosphärischen Naturbeschreibungen wie von den liebenswerten Figuren und den unerwarteten Wendungen, die leise ins Geschehen schleichen und mich am Ende umgehaut haben. "Der Krabbenfischer" ist ein Buch, das mit einer stillen Wucht ein nachklingendes Echo erzeugt, und die Booker Prize Jury überzeugt hat. Daher steht der Titel aktuell auf der Longlist.

Der Krabbenfischer

von Benjamin Wood

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Die Insel der Schlasocks
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich liebe fantastische Kinderbücher. Als mich "Die Insel der Schlasocks" von Nils Mohl und Michael Roher angrinste, wusste ich schon vor der ersten Zeile: Wir werden dicke Freunde! Jasper lebt mit seiner Schwester allein, das Geld ist knapp. Bis Bonnie ihren Bestseller geschrieben hat, arbeitet sie nachts in einem Kaufhaus. Jasper weiß, dass sie bald aus dem Haus ziehen müssen, und er in ein Internat kommen wird.

Am ersten Ferientag beobachtet Jasper, wie sein Ferienfreund sich weigert aus dem elterlichen Auto auszusteigen. Honz soll wieder bei seinem Opa, Eiche, die Ferien verbringen. Eiche ist ein seltsamer liebenswerter Kerl. Der bei sich im Gartenpool ein seltsames Gerät versteckt: die Drohnatella. Eine Art Drohne mit Flügeln. Bevor Jasper kneift, wagt er den Schritt. Die Drohne ist von Eiche so programmiert, dass sie direkt ins Meer der Langeweile steuert. Und ehe sich Jasper versieht, fliegt er huuui looos! Und landet auf einer Insel, die vom Meer umgeben ist.

Und dort trifft er auf wahrlich seltsame Lebewesen. "Zottelig, klobig und verranzt. Kräftige, behaarte Arme und Beine, behaarte Körper, um die Bäuche herum breit wie Fässer, die Köpfe verwachsen. Ein krummes Horn links, ein krummes Horn rechts oberhalb der flachen Stirn. Unterschiedlich groß sind die Ungetüme. Mal mit eher lockigem, mal mit richtig stacheligen, mal mit eher glattem Fell. Und das Fell wiederum ist bei einigen einfarbig oder sogar gestreift,"

Erstmal müssen diese Schlasocks und Schnarnas entscheiden, was sie mit diesem neuen Wesen anstellen? Apropos anstellen, das ist auch so ein Wort. Denn diese felligen Wesen machen überhaupt nichts. War bisher doch ganz nett. Aber jetzt soll sich das ändern?

Das Buch macht so viel Spaß! Nicht nur wegen Zebrazzo, Schäff Laso, Tetete, Lobsta, Pank, Fluffi, Drops, Nana, Fidi, Pidi und der herrlich schiefen Dialoge bzw. Wörter. Kaum haben sich alle aneinander gewöhnt, purzelt auch noch Honz auf die Insel und sorgt für Aufregung. Und dann passiert das Unfassbare. Honz verwandelt sich in ein seltsames Wesen... aber warum bleibt Jasper wie er ist. Dafür gibt es eine plausible Erklärung, die zu einer großen anderen Kette von Ereignissen führt.

Die Auflösung ist überraschend und lässt mich lange grinsen. Ja, überhaupt das Grinsen bekomme ich nicht mehr aus meinem Gesicht. Wie die fantastischen Illustrationen von Michael Roher.

Leseempfehlung ab 10 Jahren.

Die Insel der Schlasocks

von Nils Mohl

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Frida und die Blaubeersuppe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Manchmal läuft es im Leben nicht so wie gewünscht. Diese bittere Pille muss auch Lina schlucken. Ihre Mutter eröffnet ihr, dass sie ihre Urlaubspläne geändert haben, da der Vater kurzfristig beruflich nach Japan muss. "Ständig ist das so! Immer müssen wir uns nach Papas oder deiner blöden Arbeit richten." Lina ist sauer, zumal es jetzt nicht nach Spanien geht, sondern nach Schweden. Was Lina zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, das wird ein richtig toller Sommer in Schweden.

Dort angekommen im schönen Schwedenhaus, das wirklich aussieht wie Ikea, macht Lina eines Nachmittags eine interessante Bekanntschaft. Viel mehr ist es ihr Hund Oscar, der ausbüxt und sie dorthin führt. Lina ruft Oscar, ist verzweifelt und hört sie ihn hinter einem Gebüsch, bleibt vor einem Bach stehen, und wagt dann doch den Schritt auf die wackelige Brücke. Und die führt mitten hinein in einen wunderschönen Garten, der sogar Lina den Atem raubt. Ihr grinst ein Mädchen mit total wilden Haaren entgegen. Eine halbt Pipi Langstrumpf, die irgendwie seltsam spricht. Sie wollte gerade ihre Wilden Hühner anknabbern und spricht von Drückerich. Was? Warum Frida so seltsam spricht, erfahre ich später. Und noch viel mehr. Himmel, das ist alles aufregend und herrlich erfrischend.

Frida rettet ihre neue Freundin auch vor der frechen Bande Jonne, Benny und Tilla. Und sie kommt in den Genuss von sehr leckeren Gerichten, die Fridas Oma kocht und backt. Jetzt wird es nur schwierig die Ausflüge der Eltern wirklich zu genießen.

Die beiden unterschiedlichen Mädchen sind bald unzertrennlich und erleben einen fantastischen Sommer, den wir alle so schnell nicht vergessen werden.

Für alle Leser:innen ab 8 Jahren.

Frida und die Blaubeersuppe

von Alva Bengt

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Das Sommerfest
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Kurz - wirklich nur ganz kurz wollte ich zwischen den Jahren in dieses Buch reinlesen. Das mache ich zu der Zeit immer. Ich begutachte die Neuerscheinungen des Frühlings. Doch dann wurde es länger. Und wissen Sie was? Genau das fand ich großartig! Wenn ich einen Leseschatz Monate vor Erscheinen entdecke, fühlt sich das stets wie ein Feuerwerk an. Genauso empfand ich den neuen Roman von Adrienne Brodeur „Das Sommerfest“. Wem der Name bekannt vorkommt, liegt richtig. Denn die Autorin hatte mit ihrem Debüt „Wild Game“ etliche begeisterte Leser:innen. Nun legt sie nach. Und ich vermute: Ich bleibe nicht die einzige Jubelstimme. Der englische Titel „Little Monsters“ trifft für mich den Inhalt mehr. Aber Monster gehen im deutschsprachigen Raum offenbar nicht ganz so leicht, daher wohl diese Verlagsentscheidung.

Es ist so ein Buch, das man einmal aufgeschlagen, nicht mehr an die Seite legen möchte. Brodeur erzählt von einer interessanten Familie. Adam ist das Familienoberhaupt. Sein siebzigster Geburtstag nähert sich und der soll groß gefeiert werden. Warum bis dahin alte Dinge nicht ablegen? Wie die Tabletten, die Adam seit Jahren nimmt, um seine bipolare Störung in Schach zu halten. Während Adam dieses Experiment wagt, staucheln seine beiden erwachsenen Kinder. Abby ist schwanger von ihrem langjährigen Geliebten. Gleichzeitig wächst das Interesse an ihrer Kunst. Abbys Bruder hingegen ist getrieben vom Erfolg, verdrängt die Rufe seiner verletzten Seele, doch Monster lassen sich schwer besänftigen. Und wer ist diese fremde Frau? Steph taucht plötzlich auf und hat ein Geheimnis in der Tasche.

Atemlos bin ich durch die Seiten gepeitscht – bis zum furiosen filmreifen Finale. Überhaupt ist das ganze Setting – Cape Cod – wie zahlreiche Szenen absolut filmreif. So verwundert es mich nicht, dass auch Miranda Cowley Heller - die Autorin von „Der Papierpalast“ - ihrer Kollegin ein begeistertes Zitat gewidmet hat. Denn ich sah einige Parallelen, obwohl der Kern der Geschichte ein anderer ist. Aber wir Buchhändler:innen denken ja gern in sogenannten Referenztiteln: "Mochten Sie das Buch, dann werden Sie dieses ebenso lieben."

„Das Sommerfest“ ist eine bewegende Familiengeschichte, ein flirrender Kosmos aus verschiedenen Figuren. Ein Roman, der mitunter zu Herzen geht, aber niemals ins Kitschige kippt. Alles ist perfekt ausbalanciert.

Das Sommerfest

von Adrienne Brodeur

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Der Sommer der unmöglichen Dinge
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Waschbären, die die Hausherrschaft übernehmen. Eine Großmutter, die mit einem Geist spricht und deren Herz schwächelt. Eine zehnjährige Kaffeeschlürferin und eine sechsjährige Bankräuberin. Wenn ich Sie jetzt noch an meiner Seite habe, dann sollten Sie mir folgen, und sich wie ihrem Sprößling dieses ungewöhnliche Sommerbuch gönnen.

Während Kate DiCamillo absolutes Neuland für mich ist, schwärmt Annerose Beurich: "Wie toll! Die Autorin ist fantastisch!" Dass wir beide auch die Kinderbücher von Eva Ibbotson feiern, ist kein reiner Zufall, sondern die Magie der Bücherwelt.

Kate DiCamillo erzählt in ihrem Sommerbuch einfach die Geschichte einer ungewöhnlichen Familie. Einfach ist gut, ha - denn einfach ist hier nichts und gerade das hat mich begeistert. Das verunsichert mich einerseits ein bisschen, weil ich selbst keine Mutter bin und weiß, wie Zehnjährige das Buch aufnehmen werden. Andererseits bin ich mir sicher, dass es dort draußen junge Leser:innen gibt, die genau solche abstrusen Geschichten lieben.

Ferris ist die zehnjährige Romandheldin. Stets an ihrer Seite - ihr Klavier spielender Freund Billy Jackson wie der zottelige Hund Boomer. Dieser Sommer stellt sie vor einigen Herausforderungen. Ihnen zu folgen, ist hinreißend, berührend, komisch, witzig und einfallsreich. Wie der Erzählton. Raffiniert baut die Autorin Wörter und deren Bedeutung mit ein: „Donquichottisch bedeutete weltfremd und närrisch so wie jemand, der seinen Job aufgab, um dir Geschichte der Welt zu malen.“ So ist Ferris' Onkel, der gerade im Keller der Familie wohnt, da sich seine Frau deshalb von ihm getrennt hat. Die wiederum verpasst Ferris eine Dauerwelle.

Wir lesen uns durch aufwühlende Momente. Doch überall grinst der Schelm und reichlich Fantasie um die Ecke. Ich reibe mir oft verwundert und höchst verzaubert meine Augen. Das ist ein Kinderbuch, das ich mir als Zehnjährige gewünscht hätte.

Der Sommer der unmöglichen Dinge

von Kate DiCamillo

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Die Stadt und ihre ungewisse Mauer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der neue Roman von Haruki Murakami erfreut sich ja derzeit großer Beliebtheit und führt die Spiegel Bestsellerliste an. Für mich ist das eine ganz besondere Freude, denn ich bin seit vielen Jahren eine große Bewunderin des japanischen Autors, der in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden ist. Was ist nun dran an diesem Hype? Lohnt sich die Lektüre?

Allen Murakami-Fans kann ich das neue Buch uneingeschränkt empfehlen, denn bereits nach den ersten Seiten treffen wir auf eine vertraute Murakami-Szene: Die Freundin des Erzählers berichtet von der anderen Stadt. Dort lebe ihr wahres Ich. Hier im Jetzt sei nur ihr Schatten. Ein wandernder Schatten sozusagen. Für uns eingefleischte Murakami-Fans liest sich das ganz normal, so als würde der Nachrichtensprecher das Wetter für morgen ankündigen.

Für Neulinge könnte das allerdings befremdlich erscheinen. Ja, man braucht eine bestimmte Offenheit, um in diesen Murakami anzukommen. Aber es lohnt sich.

Denn Murakami nimmt uns nicht nur mit in verschiedene Ebenen und zeigt, wie kraftvoll die Fantasie sein kann, er schreibt genauso über all die Themen, die uns Menschen gleichermaßen beschäftigen: Das Leben als solches, über die Wirklichkeit, die Ängste, die Einsamkeit und die große Liebe, für die man bereit ist, alles zu geben. So folge ich seinem verliebten Helden, bleibe ganz oft an großen Sätzen hängen wie vor etlichen Szenen, reibe mir ungläubig die Augen. Und denke: Wie unglaublich ist das bitte nur?!

Murakami seziert alles bis ins Kleinste, er eröffnet uns ein Mikrokosmos und es wird nie langweilig. So ist er mitunter sehr philosophisch, poetisch, weise und natürlich rätselhaft. Aber auch melancholisch. Kaum ein Autor versteht es, derart schön über das dunkle Gefühl zu schreiben, dass man sich gleich weniger traurig fühlt. Nicht zu vergessen, das vielseitige, feine Figurenkabinett, das er mit großer Liebe ausgearbeitet hat. Übrigens ist die Grundidee des Romans vor vielen Jahren entstanden 1980, damals erschien eine Kurzgeschichte. Da er von der Geschichte nicht überzeugt war, wollte er sie nicht in Buchform veröffentlichen. Aber ganz losgelassen hat sie ihn nie. Und während des Lockdowns fing er wieder an, an ihr zu arbeiten, zwei Jahre lang. Und das ist das Ergebnis!

Wer je bezweifelt hat, ob Murakami den Literatur-Nobelpreis verdient hat, der findet in „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ eine Antwort. Denn hier zeigt sich große Erzählkunst, die tief beeindruckt und nicht ohne Grund eine große feste Fangemeinde hervorgehoben hat. Diese trifft sich aktuell auf Instagram bei reading_haruki_murakami. Kommen Sie gern vorbei und sprechen mit uns. Oder natürlich auch bei uns im Laden. Ich freue mich auf den Austausch!

Allen Hörbuch-Freunden empfehle ich auch das von David Nathan eingesprochene Hörbuch! Großes Kopfkino!

Ich verneige mich vor allen: dem Autor, seiner Übersetzerin Ursula Gräfe und dem Vorleser. Und Ja, der Hype ist so was von berechtigt!

Die Stadt und ihre ungewisse Mauer

von Haruki Murakami

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Das Ausmaß von Liebe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Eine geschätzte Stammkundin hat mir den Italiener wärmstens empfohlen. Erschienen ist „Das Ausmaß von Liebe" bei der Edition Converso, die 2021 mit dem Verlagspreis prämiert wurde. Nicht nur haptisch ist das Buch eine Augenweide, auch das seidenweiche Papier und der Satz sind einfach fantastico! Wer ist die Edition CONVERSO?

„Die Edition CONVERSO will – wie bereits im Namen anklingt – die Kehrseite der Dinge ans Licht holen; spannt dazu Literaturen aus allen Regionen rings um Mittelmeer, Adria und von den Küsten Kleinasiens ein: Widerstand und Aufklärung. Aufbrechen stereotypisch, rassistisch geprägter Denkmuster." So steht es auf der liebevollen gestalteten Verlagsseite. Wer Italien liebt, sollte sich das Programm unbedingt anschauen wie den ausgezeichneten Autor. 2024 hat Fabio Stassi für „Die Seele aller Zufälle" den Hermann-Kesten-Preis des deutschen PEN erhalten.

Vince Corso ist der Ich-Erzähler dieses charmant erzählten Detektivromans. Er arbeitet als Bibliotherapeut und Detektiv in Rom. Unser Held will seine Liebste in Neapel besuchen und landet im falschen Zug. Dieser fährt nach Mailand. Sein Reisegenosse sagt, dass alles seine Richtigkeit hat, während er auf das Buch seines Gegenüber deutet. „Vielleicht wissen Sie es noch nicht, doch es könnte der Moment gekommen sein, diese Reise zu machen." Am Ende landet Vince in Nizza. Ich könnte ihn dafür umarmen, dass er tapfer seinen neuen Weg einschlägt.

Dieses Buch ist einfach grandios schön und Vince ein unglaublich sympathischer Held, die Sprache eine Wonne an Lesesfreude und die Kulisse traumhaft. Alle Sinne sind geschärft und seufzen. Man kann die Bände unabhängig voneinander lesen, das hat mir die Verlegerin Marion Lustig bestätigt. Annette Kopetzki hat das Buch ins Deutsche übertragen. Un grande ringraziamento a tutti!

Das Ausmaß von Liebe

von Fabio Stassi

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Lichtungen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie zarte Regentropfen berühren mich Iris Wolffs Sätze. Ich spüre, „Lichtungen“ ist kein Buch, das man mal eben in der Bahn liest. Dafür ist es zu gehaltvoll, wertvoll. Jeder Satz möchte mit voller Aufmerksamkeit betrachtet werden. Und noch etwas passiert während des Lesens: „Lichtungen“ entschleunigt mich auf bezaubernde Weise. Liegt es an der besonderen Beziehung der Hauptfiguren, Lev und Kato? Oder an der feinsinnigen, zarten wie poetischen Sprache? Oder dem ungewöhnlichen Erzählstil? So beginnt die Autorin mit dem Ende.

Im Mittelpunkt stehen Kato und Lev, die sich als Schulkinder kennenlernen, als Lev erkrankt. Das Band zwischen ihnen bleibt die Jahre bestehen, und wir begleiten die beiden auf ihren verschiedenen Stationen des Lebens, lernen die unterschiedliche Charaktere kennen. Während Kato als Straßenzeichnerin durch die Welt reist, bleibt Lev im Ort der Kindheit. Erst als Kato Lev eine selbstgemalte Karte mit der Frage schickt: „Wann kommst du?“ wagt Lev den Aufbruch... - genau der steht nun am Anfang des Buches, und wir bewegen uns langsam zurück.

Wie bereits in „Die Unschärfe der Welt“ reist Iris Wolff mit uns an den Ort ihrer Kindheit – nach Siebenbürgen. Die Autorin wurde in Rumänien geboren, verbrachte dort die ersten acht Jahre des Lebens. Es scheint, als gäbe es eine unsichtbare Schnur, die sie immer wieder dorthin zurückführt. Ich bin ihr - wie mein Kollege Frank Menden ebenfalls - auch dieses Mal mit Staunen und Bewunderung gefolgt. Wie viel Themen sie in diesem schmalen wie gehaltvollen Buch eingearbeitet hat, ist derart kunstvoll, dass sich das Feuilleton und die Leserschaft alle einig sind: Dieses hier ist ein umwerfend schönes wie beeindruckendes Buch, das zeigt: Wir brauchen nicht immer auf alles Antworten, manchmal ist das Schweben auch ein schöner Zustand. Kato und Lev werden es ihnen bestätigen.

Lichtungen

von Iris Wolff

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Die Gouvernanten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Die Governanten“ von Anne Serre wurde unlängst von der SWR-Lesenswert-Redaktion so wohlwollend besprochen, dass ich sofort ins Buch einsteigen wollte. Gleich zu Beginn habe ich ein Déjà vu: Ich fühle mich an Nabokovs „Ada oder Das Verlangen“ von Vladimir Nabokov erinnert. Da ist diese fantastische leicht märchenhafte Atmosphäre, die ich bis heute nicht vergessen kann. Sonderbar ist hier einiges und wie Sie wissen, mag ich auch solche Bücher.

Im Zentrum des Romans bewegen sich drei Governanten, die eingestellt wurden, um die Kinder zu erziehen. Doch diese Arbeit ist nur reine Nebensache. Der Dienstherr Monsieur Austeur hat die drei Frauen auch angestellt, weil er Unordnung in seinem Leben braucht. Und so stolzieren Éléonore, Inés und Laura in die abgeschiedene Villa – das Gepäck besteht nicht nur aus Koffern, sondern auch aus Erinnerungen, Bäumen, Häusern... alle drängen sie ins Haus, denn mit dem Dienstantritt geben die Frauen alles Bisherige aus ihrem Leben ab.

Wie jetzt? werden Sie sich jetzt vielleicht fragen, das geht doch nicht. Hier schon. Die Geschichte hat surrealistische Elemente, für die man offen sein sollte. Angekommen, mischen die Governanten mächtig auf, ziehen dahergelaufene unbekannte Männer am Tor in den Garten und fallen über sie her wie Spinnen über ihre Beute. Obendrein wird jede Handlung von einem Herrn von gegenüber – dem alten Greis - mit seinem Fernrohr beobachtet.

Wer erzählt uns jetzt die Geschichte? Der Spanner? Monsieur Austeur? Seine Frau? Man weiß es nicht. Ich muss es auch nicht, denn ich bin mit etwas anderem beschäftigt: Hinter fast jedem Satz mache ich eine sinnliche oder skurrile Entdeckung, über die ich schmunzele oder mir verwundert die Augen reibe. Ich lasse mich komplett in die Szenerie fallen, höre ein Seufzen, ein Rascheln und andere Geräusche.

Nach der Lektüre kehre ich mit roten Wangen und glühenden Augen in die Gegenwart zurück, denke wieder einmal: Wie großartig ist die Welt der Literatur!? Was kann sie auf wenigen Seiten für Filme erzeugen?! Dass dieser Roman in Hollywood gerade verfilmt wird, verwundert mich daher überhaupt nicht. Nabokov hätte das sicherlich auch gefallen.

Die Gouvernanten

von Anne Serre

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Paradise Garden
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Für mich steht „Paradise Garden“ im Schatten eines anderes Debüts, das ich mir auf der diesjährigen Longlist gewünscht hätte: „Gewässer im Ziplock“ von Dana Vowinckel. Und wer weiß, hätte ich jenes Debüt nicht vor Elena Fischers Erstling gelesen, wäre meine Meinung enthusiastischer. Dennoch hat mich „Paradise Garden" beim Lesen durchaus beglückt, deshalb ziehe es hier noch einmal hervor.

„Paradise Garden“ erzählt mit leichter Feder von einer schweren Geschichte. Die 14jährige Billie wächst mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einer Hochhaussiedlung auf. Geld ist knapp. Die Mutter hat zwei Jobs, tagsüber putzt sie, abends arbeitet sie in einer Bar. Als die beiden bei einem Gewinnspiel Geld gewinnen, steht fest: Sie gehen auf Reisen. Doch dazu kommt es dann doch nicht, da sich am Tag der Abreise Billies Großmutter meldet. Sie ist krank und reist von Ungarn nach Deutschland, da hier die ärztliche Versorgung besser ist. Als sich die Mutter und Großmutter streiten, passiert etwas Schlimmes, das unserer jungen Heldin den Boden unter den Füßen wegzieht...

Einmal begonnen, fliege ich durch die Seiten. Elena Fischer hat mit Bilie eine wunderbare Erzählstimme geschaffen. Sie hat Chuzpe, ist cool und mutig – alle Figuren wachsen einen ans Herz, das ist der Zauber dieses Buches.

„Paradise Garden“ ist ein Buch über Verlust, Sehnsucht, Fragen und eine Suche. Eine mitreißend erzählte Coming-of-Age Geschichte, die man jungen Leser:innen ab 14 Jahren in die Hand drücken kann. Denn ich hätte so ein Buch als Jugendliche mit großer Freude verschlungen.

Paradise Garden

von Elena Fischer

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Sofra
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Woran denken Sie bei türkischer Küche als Erstes? Also ich an Bulgur und Döner. Doch weit gefehlt. Dank Yelda Yilmaz weiß ich nicht, was sich wirklich hinter der türkischen Küche verbirgt. In ihrem neuen Kochbuch "Sofra" präsentiert sie vegetarische und vegane Gerichte - und das in vielseitiger Form.

Die türkische Küche ist von vielen Einflüssen geprägt. Die Ursprünge reichen zurück bis zu den nomadischen Stämmen der asiatischen Steppe, auch die Araber und Perser im Mittelalter haben ihr Knowhow mit einfließen lassen wie die Inder. Dann sind da noch die geographischen Voraussetzungen, die eine Vielfalt aus Obst, Gemüse, Gewürze, Getreide und Früchte bietet.

Gleich zu Beginn feiert die Autorin die Kunst der Einfachheit, und erzählt, wie schon ihre Mutter und Großmutter mit wenigen saisonalen Zutaten wahre Festmahle gezaubert haben. Bevor wir loskochen, zeigt sie zudem die türkische Vorratskammer. Welche Gewürze, Nüsse, Öle und Beilagen nicht fehlen dürfen. Für mich übrigens ist die Melasse, dickflüssiger Sirup aus den Kernen von Trauben, mein Aha-Erlebnis. Zusammen mit dem selbstgebackenen Fladenbrot erleben Sie eine Geschmacksfreude.

Passend zur sommerlichen Jahreszeit möchte ich Ihnen gern Yeldas Seftali Salatasi - Pfirsich-Gurken-Salat mit Dill kredenzen. Wenn es ein bisschen würziger sein darf, dann probieren Sie mal die Döner-Tacos aus, dessen Füllung aus 400 g Kräuterseitlingen oder Austernpilze besteht. Für die Schlemmerkatzen von süßen Speisen, warten zum Abschluss noch einige Backtipps wie mit Walnuss gefüllte Plätzchen.

Wie schon mit ihrem Kochbuch "Hitzefrei" hat mich die Autorin inspiriert und wieder einmal gezeigt, wie gut und lecker, einfache wie raffinierte Küche sein kann.

"Sofra" bedeutet übersetzt gedeckter Tisch. Genau das eint die Rezepte, sie laden ein, mit Freunden und Familie zusammen die leckeren Gerichte zu vernaschen. Am Ende gibt es sogar noch Menüvorschläge.

Sofra

von Yelda Yilmaz

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Unbedingt lesen, wenn ...
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer kennt das nicht? Situationen, die uns herausfordern und Momente, in denen wir uns eine Hand wünschen, die uns die richtige Richtung weist und wieder aufrichtet. Wenngleich Bücher keine Therapie ersetzen, können sie uns trotzdem auffangen wie ein Erste-Hilfe-Notfall-Kit dienen.

Dr. Julie Smith hat bereits mit „Aufstehen oder liegen bleiben?“ zahlreiche Leser•innen für sich gewinnen können. Auch „Unbedingt lesen, wenn…“ lohnt sich. Die Psychologin greift verschiedene Turbulenzen des Lebens auf wie zu viel Grübelei, lähmende Angst, Trauer, Vergleiche, geringes Selbstwertgefühl oder wenn du immer wieder Ja sagst, obwohl du eigentlich Nein sagen willst. Wenn es dir schwer fällt, im Hilfe zu bitten.

Jedes Thema beginnt mit einem Brief an die Lesenden. Im zweiten Step folgt ein Toolkit mit praktischen Lösungen und den richtigen Fragen für persönliche Reflektionen. Smith erklärt dabei auch die Abläufe in unserem Körper und Nervenbahnen, und zeigt, wie eng alles miteinander verknüpft ist. Was schon kleine Veränderungen bewirken können.

„Unbedingt lesen, wenn…“ ist ein wohltuendes, aufbauendes wie kluges Trostpflaster.

Unbedingt lesen, wenn ...

von Julie Smith

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Der alte Apfelgarten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sharon Gosling kann es einfach. Wie groß der Anteil ihres Mannes bei ihrer schreibenden Tätigkeit ist, weiß ich nicht. Er besitzt einen Buchladen. Doch eins ist gewiss: Sharon Goslings Romane beglücken mich immer wieder.

Ich habe mir "Der alte Apfelgarten" von Anja Kalischke-Bäuerle vorlesen lassen (das macht sie wundervoll). Dieses Mal nimmt uns die Engländerin mit an die Steilküste Schottlands. Kürzlich ist Bern Crowdie verstorben, Bettes und Ninas Vater. Nina lebt mit ihrem Sohn Barnaby auf dem familiären Bauernhof, und hat ihren liebenswerten Nachbarn Cam als wichtigen wie besonderen Freund an der Seite. Bette hat sich indes eine Kariere als Anwältin in London aufgebaut und steht kurz davor, Partnerin einer großen Kanzlei zu werden.

Doch die Beerdigung und Testamentsvollstreckung führt Bette in ihre alte Heimat, die sie vor Jahren verlassen hat. Nur für ein Wochenende will sie hier sein. Aber dann kommt alles anders. Denn das Testament stellt die beiden Schwestern vor neuen großen Herausforderungen: Der Hof ist verschuldet. Bette weiß, sie kann jetzt nicht zurück. Und bleibt bei ihrer Schwester, die ihr bisher mehr Zorn als Liebe entgegengebracht hat.

Nina kümmert sich weiterhin um den Hofbetrieb, Bette sichtet alle Unterlagen, sucht nach Lösungen und der Rauch zwischen den beiden nimmt ab. Als Bette das Grundstück von einer Immobilienmaklerin schätzen lassen will, entdeckt sie einen verborgenen Apfelgarten mit Bienen-Alkoven. Warum wussten die Schwestern bisher nichts davon? Als Cam einen fachkundigen Mann kommen lässt, um eine ungewöhnliche Apfelbaumsorte einorden zu können, trifft Bette auf denjenigen, der der Grund ihrer Flucht gewesen ist.

Nein, das Buch ist nicht gefühlig, eher herzenswarm. Es lebt durch die kleinen feinen Verflechtungen aller Akteurinnen, ist berührend wie mitreißend. Sharon Gosling erzählt leichtfüßig über schwere Themen wie ungleiche Schwesternschaft, und bezieht dabei die betörend schöne wilde Natur mit ein.

Der alte Apfelgarten

von Sharon Gosling

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Riot Girl
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Den zweiten Monat in Folge steht Susanne Kaiser mit ihrem Krimi-Debüt "Riot Girl" in der Krimibestenliste. So was stimmt mich besonders neugierig. Daher habe ich das Buch aufgeschlagen.

Bevor wir in die Geschichte eintauchen, sollten Sie wissen, dass die Autorin bereits ein Sachbuch unter dem Titel "Backlash" veröffentlicht hat. Darin geht es um die neue Gewalt gegen Frauen. Ich erwähne dies deshalb, weil das Thema in dem Krimi eine zentrale Rolle spielt.

Die LKA-Forensikerin Obalski wird als verdeckte Ermittlerin beim Jugendamt in München eingesetzt. Sie soll Verbindungen und Infos zu einer neuen radikalen weiblichen Vereinigung "Influenzas" herausfiltern. Über Social Media planen die Mädchen Aktionen, einmal geht sogar ein Beben durch München.

Gleich zu Beginn wird die Ermittlerin mit einem verletzten Mädchen konfrontiert. Maja hat an den Handgelenken Verletzungen, die beim genaueren Hinsehen auf ein Symbol hindeuten. Handelt es sich um ein Runenzeichen? Als Obalski später Maja zu Hause aufsucht, macht sie erschreckende Entdeckungen.

Der Krimi ist rasant, nimmt natürlich im Verlauf an Spannung zu und wartet mit einem packenden Finale auf. Atemlos folge ich der sympathischen Ermittlerin. Man merkt der Autorin ihre Expertise an. So beschäftigt sich die Journalistin seit 20 Jahren mit den Machtverhältnissen zwischen Männern und Frauen in muslimischen und westlichen Gesellschaften. Sie schreibt und spricht u.a. für Die Zeit, Der Spiegel, Deutschlandfunk Kultur. Und teilt ihr Wissen auch bei arte, WDR und Pro7.

Ein zeitgemäßer Kriminalroman, der erneut verdeutlicht, welchen Einfluss die sozialen Netzwerke wie TikTok heutzutage haben können. Und wie sich Wut und Verzweiflung junger Frauen entladen kann. Viel schlimmer ist allerdings die Tatsache, was wirklich hinter der Aktion der Mädchen steht. Das lässt mich einerseits fassungslos zurück. Andererseits bin ich der Autorin dankbar, dass sie dieses Thema in ihrem literarischen Krimi aufdeckt.

Riot Girl

von Susanne Kaiser

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Der Schlaf der Anderen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Tamar Noort konnte mich vor drei Jahren mit ihrem Debüt "Die Ewigkeit ist ein guter Ort" als großen Fan für sich gewinnen. Mit ihrem neuen Roman hat mir die Autorin ein Herzensbuch geschenkt. Das Annerose Beurich genauso begeistert hat wie den NDR. Dieser hat "Der Schlaf der Anderen" zum Buch des Monats Juni gekürt. Das ist so schön und natürlich mehr als verdient!

Tamar Noort hat mich mit ihrem Debüt auch deshalb beeindruckt, weil sie ein Händchen für eigensinnige und doch liebenswerte Menschen hat. Sina und Janis führen das fort. Sina ist Lehrerin, Mutter zweier Kinder und hat ein ernstes Problem: Sie kann nicht mehr schlafen. Ihr neuer Hausarzt will ihr aber kein Schlafmittel verschreiben, sondern schickt sie ins Schlaflabor an. Diagnose: Verdacht auf Schlafapnoe.

Im Schlaflabor überwacht Janis seit Jahren die Patienten. Als sie Sina begegnet, duzt sie die neue Patientin sofort, spürt eine innige Verbundenheit. Weil beide am gleichen Tag Geburtstag haben? Nein, es ist etwas anderes, wie sich später herausstellt.

Sina braucht etwas Zeit, aber dann gelingt es ihr tatsächlich, in die warmen Arme des Schlafs zu sinken. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für eine SMS ihres Ehemannes. Janis sieht das auf ihrem Bildschirm und will verhindern, dass Sina aufwacht. Sie eilt in ihr Zimmer und erreicht genau das Gegenteil, indem sie Sina unabsichtlich anstößt.

Danach gewinnt der Roman an Geschwindigkeit, unerwartete und bisweilen urkomische Szenen spielen sich in abwechselnden Erzählperspektiven ab. Aus Patientin und Betreuerin werden Ausbrecherinnen, die die Nacht zum Tag machen. Eine Nacht, die alles ändert. Den beiden zu folgen, ist komisch und rührend zugleich.

„Der Schlaf der Anderen“ macht in vielerlei Hinsicht Schluss. Schluss mit den scheinbar richtigen und sicheren Lebensläufen. Schluss mit den Schubladen eines vermeintlich geordneten Lebens. Das Buch stimmt nachdenklich und brilliert mit unglaublich tollen, berührenden und skurrilen Szenen.

Der Sound wechselt zwischen Melancholie und Witz. Man seufzt, schweigt und lacht mit. Das Buch richtet sich an Lesende von guten Romanen und vor allem an alle, die sich im sogenannten richtigen Leben manchmal an der falschen Stelle fühlen. Und natürlich an alle, denen Schlaflosigkeit nicht fremd ist. Ich verspreche euch: Nach diesem Buch fühlen Sie sich in einer schlaflosen Nacht weniger allein.

Der Schlaf der Anderen

von Tamar Noort

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Demon Copperhead
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wann hatte ich zuletzt mit einer literarischen Figur eine so enge Beziehung gehabt wie mit Demon Copperhead? Ich weiß es nicht. In jedem Fall spüre ich jetzt nach der Lektüre eine, sagen wir, literarische Melancholie. Abschied nehmen von einem Protagonisten, der mir ans Herz gewachsen ist. Gleichzeitig empfinde ich große Dankbarkeit für diese Begegnung. Für mich ist dieser Roman ein Meilenstein auf der Straße der vielen Neuerscheinungen.

Barbara Kingsolver war mir bis zu diesem Buch, ihrem ersten internationalen Bestseller, kaum bekannt. Dabei hat die amerikanische Autorin bereits sechzehn Bücher geschrieben, sechs wurden ins Deutsche übersetzt, die allerdings bei verschiedenen Verlagen erschienen sind. Für „Demon Copperhead“ hat sie den Pulitzer Preis und den Women’s Prize for Fiction erhalten – mehr als verdient!

Die Story beginnt Mitte der Neunziger Jahre mit der Geburt ihres Romanhelden. Demons Start ins Leben ist alles andere als leicht, seine Mutter ist ein Junkie, sein Vater tot. Die Mutter lebt in einem Trailer in den Wäldern Virginias – der Welt von Tabakbauern und Hillbillys. Als rothaariger Melungeon ist Demon eher ein Außenseiter, hat jedoch stets Menschen an seiner Seite, die ihn auffangen. So wie sein bester Freund Maggot, dessen Pflegeeltern sich Demon annehmen, später folgen noch Angus, Ms Annie, June, Emmie und Tommy. Wir verfolgen nicht nur Demons dramatische Lebensgeschichte, Barbara Kingsolver webt die verheerende Opioidkrise, die Amerika seit Mitte der Neunziger Jahre heimsucht, mit ein, sind nah dran an den Menschen, die damit leben und mitunter daran zerbrechen.

Barbara Kingsolver hat den sogenannten Hillbillys mit ihrem Werk ein Denkmal gesetzt. Sie hat mich mitgenommen in die dunkelsten Momente eines Menschenlebens und dabei stets am Horizont einen Hauch Hoffnung scheinen lassen, der alles trägt. Der dir sagt: Nie aufgeben, kämpfen lohnt sich! Und vielleicht wird am Ende doch noch alles gut. Wird es das? Das möchte ich nicht verraten, denn das Werk verdient noch viele weitere Leser:innen. Doch eine Gewissheit haben wir: Menschen wie Demon, vermeintliche Verlierer, können zu Gewinnern werden, wenn sie den Ungerechtigkeiten dieser Welt nur die Stirn bieten.

Demon Copperhead

von Barbara Kingsolver

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Die Rettung
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stürmisch, dunkel, unheimlich, anarchisch und unglaublich anziehend ist der neue Roman von Charlotte McConaghy. „Die Rettung“ hat mich förmlich mitgerissen. Immer noch stehe ich auf Shearwater Island und kann nicht fassen, was ich da aufgelesen habe.

Die Insel liegt mitten im Südpolarmeer, ist „fünfzehnhundert Kilometer entfernt vom nächsten Land.“ Dort leben Dominic und seine drei Kinder: Raff, Fen und der jüngste Spross Orly. Sie sind die Hüter der wichtigsten Samen der Welt, die sie bewahren und retten müssen. Bevor die Insel vom Wasser überschwemmt wird. In wenigen Wochen sollen sie abgeholt werden. Doch jetzt spült das Meer ein lebendiges Wesen an den Strand. Die mit dem Wasser verbundene und ausgezeichnete Schwimmerin Fen fischt das menschliche Treibgut an. Und welch Wunder: Der Mensch lebt noch! Wie ist das möglich? Wunder gibt es immer wieder.

Rowan heißt die Überlebende, die nicht zufällig an diesem Ort. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, denn das würde den Spannungsbogen zersprengen.

Weshalb ich Charlotte McConaghy derart schätze, ist einerseits ihr erzählerisches Talent. Mitreißend und spannend waren auch ihre vorangegenen Werke: „Zugvögel“ und „Wo die Wölfe wohnen“. Andererseits ist sie Botschafterin der Natur- und Tierwelt. Kaum eine versteht es, auf die wichtigen wie existenziellen Themen wie Klimawandel, Artenschutz anzugehen, fundierte Sätze über den Zustand der Welt darzulegen. Trauma und psychische Erkrankungen begleiten ihre Werke wie das Rauschen des Meeres, das Rascheln der Blätter und die Stimmen der Tiere.

„Die Rettung“ gräbt sich erneut tief in die Seelen der Lesenden, indem sie obendren über den Tod, Verlust, die allumfassende Liebe, Familie, Elternschaft und die Hoffnung schreibt. Ob am Ende alles gut wird?

Die Rettung

von Charlotte McConaghy

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Die Chance unseres Lebens
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Alles richtig gemacht, lieber Fischer Verlag! Genau einem Jahr nach dem wundervollen Debüt „Helle Sommer“ gibt’s zum nahenden Sommer von Sophie Astrabie das zweite Buch, das perfekt in die Urlaubstasche passt. Wie schon in ihrem Erstling konnte mich die Französin erneut von der ersten Zeile an für sich gewinnen.

„Man muss an das Glück glauben. Nur so kann es existieren.“ Das sagt Sara ihrem guten Freund Stanislas. Wahre und gute Worte von einer unsteten Frau. Die beiden haben sich in der Schule kennengelernt und ein inneres Band geknüpft. Das aber je unterbrochen wurde. Und jetzt viele Jahre später schreibt Sara Stanislas, nachdem sie eine Todesanzeige von seinem Namensvetter in der Zeitung gesehen hat. „Ich hoffe, ich höre von dir“, schreibt sie. Dieser Satz versetzt Stanislas in Aufruhr, raubt ihm den Schlaf.

Er antwortet. Natürlich. Was dann passiert, ist aufregend schön. Nicht glatt und weder kongruent. Doch Stanislas kann nicht anders, als Sara zu folgen. Was seinem guten Freund Laurent so gar nicht gefällt. Er hat für den 39jährigen eine andere Frau entdeckt.

Ich weiß nicht, wie sie das machen, die Franzosen. Aber es gelingt ihnen stets mit einem ganz eigenen Ton flirrende Liebesgeschichten zu erzählen, ohne kitschig zu werden.

An Sophie Austrabie liebe ich besonders die rotzige Melancholie. Wenn es die so überhaupt gibt, aber die Umschreibung fiel mir nach der Lektüre ein. Astrabies Ton
ist witzig, würzig und absolut miteißend. Doch bei aller Überheblichkeit baut die Autorin nachdenkliche Gedanken ein. Obendrein ist sie eine Meisterin von spannenden Plots, quirligen Dialogen und abstrusen Momenten. C'est très bien!

Die Chance unseres Lebens

von Sophie Astrabie

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Fast & Tasty
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Bis zu diesem Kochbuch war mir Achim Oecal nicht vertraut. Obwohl der Autor des Kochbuchs im Instagram-Universum über 1,9 Millionen Follwer:innen hat. Oha! Das ist eine Zahl, bei der mir sofort heiß wird. Wie bei seinen einfachen und leckeren Gerichten.

Dass Achim ein großer Feigen-Fan ist, wird mir schon bei seinen Vorspeisen klar. Und ich frage mich: Warum ist mir diese Kombination nicht schon früher eingefallen? Ich denke hier an den gebackenen Feta mit Feigen. Sie brauchen neben Feta und Feigen nur noch 20g geröstete Pinienkerne, Honig und Thymian. Oder die Feigenrosen. Zusammen mit Walnusskernen, einer Kugel Burrata, Honig und sechs Schreiben Serranoschinken erleben Sie eine Geschmacksxeplosion auf der Zunge.

Auch die kalte-Avocado-Gurken-Suppe hat es mir angetan. So easy und lecker. Daran schließt sich gleich noch der warme Süßkartoffel-Salat an. Apropos Süßkartoffel, da hat Achim noch ein schnelles und raffiniertes Gericht parat: Gefüllte Süßkartoffeln, für die man nur Feta; Paprika, 2 Eier, Olivenöl und eine Frühlungsziebel braucht.

Sie sehen, Achim Oecal löst sein Titel-Versprechen ein. Wie schnell und raffiniert man kochen kann, zeigt der Koch auf einfache Art. Weiter hinten gibt es noch reichhaltigere Rezepte, die in ihrer Zubereitung nicht kompliziert sind, aber tiefergehender, allerdings nur ein bisschen. Dieses Kochbuch ist eine schnelle und tolle Inspirationshilfe für die alltägliche Küche!

Fast & Tasty

von Achim Oecal

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Der Kaiser der Freude
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wie soll ich Ihnen in wenigen Worten dieses unglaublich reichhaltige und beeindruckende Buch nur schmackhaft machen? Maike Albath hat für ihre wohwollende Besprechung im Deutschlandfunk 19 Minuten in Anspruch genommen. Okay, I'll try it shorter.

Vielen von Ihnen ist Ocean Vuong sicherlich mit seinem beliebten Debüt „Auf Erden sind wir kurz grandios“ vertraut. Ganze fünf Jahre mussten alle Vuong-Fans nun warten. Aber hier trifft der Spruch voll zu: „Wer warten kann, der wird belohnt.“ Für mich zählt „Der Kaiser der Freude“ schon jetzt zu meinen Jahreshighlights.

Warum? Nun, ich bin eine Freundin von bildstark erzählten Geschichten und habe ein großes Herz für alle Menschen, auch für die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren sind, kämpfen und täglich ihre Tapferkeit unter Beweis stellen müssen. Davon gibt es hier einige wie Hai, er ist die Hauptfigur. Der 19jährige hat seinen College-Abschluss in New York versemmelt. Er hat sich durch die exzessive Einnahme von Tabletten, und einen sehr guten Freund verloren. Nun weiß er nicht mehr weiter. Will sich in den Fluss stürzen, der sich durch das freudlose Städtchen East Gladness, in New England, bewegt. Doch kurz vor seinem Sprung flattern ihm Kleider ins Blickfeld. Die kommen von Grazina. Eine alte Dame aus Litauen, die wohl ahnt, was der Knabe vorhat. Sie nimmt ihn kurzerhand bei sich auf, bis es ihm wieder besser geht. Doch als Erstes soll er erstmal auf Brötchen treten, das helfe in Krisen. Und reichlich Möhren knabbern: „Karotten sind Wurzeln. Und Wurzeln verhindern, dass man trübsinnig wird.“ So besagt es eine Tradition aus Litauen. Möhren gedeihen in der dunklen Erde, doch trotzdem sind sie voller Farbe und Licht.

Sie einigen sich darauf, dass sich Hai um Grazina kümmert, denn die Dame lebt allein in einem verfallenen Haus, hat Demenz und immer wieder kleine Aussetzer. Wie Hai diesen begegnet, rührt mein Herz.
Als das Geld ausgeht, sucht sich Hai einen Job, und strandet im HomeMarket, einem Schnellimbiss, in dem auch sein Cousin Sony arbeitet. Die Chefin ist eine große Erscheinung und außerdem Wrestlerin. Dort findet Hai eine zweite Wahlfamilie, alle haben ihre Päckchen zu tragen, sind liebenswert. Was Voung aus diesem Schnellimbiss macht, ist umwerfend. Und ein Statement, ein Denkmal.

Ocean Vuong wollte viel in seinem zweiten Roman. Er hat nicht nur Operah Winfrey berührt, er hat mich ebenso tief getroffen und gefüllt wie eine Weihnachtsgans. „Der Kaiser der Freude“ atmet und lebt durch so vieles: Skurrile Momente, Lebensklugheit, Solidarität, formschöne Sätze, tröstliche Gedanken, eine starke Gemeinschaft und eine große Menschlichkeit. Sie leuchtet. Und ist das tragende Element. Das immer noch bei mir ist wie dieses umwerfend famose Buch, das ich einfach noch nicht loslassen will.

Der Kaiser der Freude

von Ocean Vuong

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Die Frau im lila Rock
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sie geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf: Die Frau im lila Rock. Eine komische Person. Aber noch seltsamer ist ihre Beobachterin: Die Frau mit der gelben Strickjacke. Sie erzählt uns diese Geschichte. Sehr akribisch dokumentiert sie beinah jede Regung dieser fremden Person von der Parkbank. Sie weiß, wann die Frau im lila Rock arbeitet und wann nicht. Als sie im gleichen Hotel beginnt wie ihre Beobachterin, sind wir ihr ganz nah. Schmunzeln oft über die naiven Reaktionen der Frau im lila Rock.

Doch wer glaubt, sie hätte alles im Überblick, täuscht sich. Denn unsere Ich-Erzählerin spinnt ein Netz, in dem man sich sehr schnell verfängt und hängenbleibt. Und am Ende gibt es einen Aufschrei. So ist es mir ergangen. Denn ich wusste nach dem Buch nicht, wohin mit meinen Gedanken und wie ist doch gleich die (Auf)-Lösung?

Natsuko Imamura hat mit ihrem schmalen, aber gehaltvollen Band nicht nur mich, sondern auch Leila Slimani, Hiromi Kawakami und Paula Hawkins begeistert. Es ist ein Buch über eine eigenartige Obsession und Observation.

„Die Frau im lila Rock“ ist durch und durch Japanisch. Suspekt , nah am Leben dran und irgendwie nicht von dieser Welt. Man steht Kopf, der gleichwohl von einer frischen Brise durchgeschüttelt ist, und sich nach der Lektüre erst einmal neu sortieren muss. Allerbestes Lesefutter für alle Japanfans und Lesekreise. Denn wie viel man über die 127 Seiten sprechen kann, weiß ich nun. Und es ist noch nicht zu Ende.

Die Frau im lila Rock

von Natsuko Imamura

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Great Big Beautiful Life
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Emily Henry beschert uns jedes Jahr zum Sommer einen neuen Roman. Ihre Bücher sind so sicher wie das Amen in der Kirche. Jeder Roman ist eine erfrischende Lesefreude. Doch dieses Mal ist etwas anders. Halt, nicht zurückschrecken, denn das Anders finde ich gut. Und dass ihre Schriftstellerkollegin Taylor Jenkins Reid ihrem neuen Roman mit einem wohlwollenden Zitat schmückt, dürfte alle Plagiatsvorwürfe abprallen lassen.

Denn in der Mitte treffen sich die beiden. Wie in Reids Roman „Die sieben Männer der Emily Hugo“ steht eine glamouröse Frau im Zentrum der Geschichte. Bei Reid war es Evelyn Hugo, bei Henry ist es Margaret Ives, die Tochter einer skandalumwitterten wohlhabenden Familie. Margaret möchte ihre Geschichte in einem Buch erzählen. Und sucht nur noch die Richtige oder den Richtigen, die/der das aufschreibt.

Nun stehen sich der Pulitzer-Preis-Gewinner Hayden Anderson und die Ich-Erzählerin Alice Scott gegenüber. Zwei gegensätzliche Menschen. Alice ist ein Sonnenschein und ein optimistischer Zeitgeist. Hayden recht grummelig. Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Das hat sich offenbar auch unsere Autorin gedacht. Während Alice frei von der Leber heraus über Margaret sprechen möchte, blockt Hayden alles ab. Was er jedoch schwer verdecken kann, sind seine Gefühle, doch er bleibt hart „Ich werde mich mit niemanden einlassen, dem ich den Traumjob wegenehmen werde.“ Oha, das hat gesessen!

Die beiden konkurrieren um ihre Beute. Denn Margaret wird sich einen Monat lang mit den beiden treffen und dann entscheiden, wem sie ihre Zusage für das Buchprojekt geben wird.

Emily Henry ist beliebt und bekannt für ihre fluffigen, charmanten Romane, in denen die Liebe stets im Mittelpunkt steht wie Freundschaftsgeschichten. In diesem Buch hat sie eine neue Weggabelung eingeschlagen. Der Ton zwischen den beiden Akteuren ist natürlich ganz im Emily Henry Stil äußerst übermütig, charmant und zum Schmunzeln. Doch Margarets Geschichte verströmt ernste, andere Nuancen. Und ich spüre, die Autorin will mehr als nur locker leicht sein. Ein Wagnis. Was sie aber für mich eingelöst hat.

Great Big Beautiful Life

von Emily Henry

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Und ich werde dich nie wieder Papa nennen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Caroline Darian ist die Tochter von Gisèle Pelicot, die über acht Jahre lang von ihrem Mann betäubt und von anderen Männern missbraucht wurde, ohne, dass sie davon wusste. Viele haben den Prozess sicherlich beobachtet. Doch ganz nah am Geschehen waren nur wenige. Das holt Caroline Darian mit ihrem wichtigen Buch nach. Caroline ist die Tochter von Gisèle Pelicot.

Wie konnte das passieren? Durch „chemische Unterwerfung“ - „Medikamente wie Schlafmittel, Antiallergika oder Hustenmittel, die eigentlich heilen sollen“ kommen zum Einsatz, und betäuben die Opfer. Werden ins Essen oder Getränke gefüllt. Dann fallen sie in einer Art komatösen Schlaf und bekommen nichts mit.

Dominique Pelicot hat verschiedene Männer zu sich nach Hause geholt, die seine betäubte Frau vergewaltigen, was er aufgenommen hat. Junge Familienväter waren dabei wie 70jährige. Er selbst hat dies auch bei anderen Frauen gemacht. Wie kann man nur?

Was macht das mit den Angehörigen? Und vor allem mit dem Opfer? „Leider hängt die Versorgung noch sehr von der Willensstärke der Opfer ab und ist zu wenigen von ihnen zugänglich.“ Gisèle Pelicot hat das Glück, drei erwachsene Kinder zu haben, die sich ihrer annehmen.

Als Caroline von sich auch eine Aufnahme sieht, weiß sie: Sie selbst ist ein Opfer geworden, durchlebt ein Trauma. Panikattacken überfallen sie, rauben ihre jede Kraft, aber sie bleibt stark, denn sie will kämpfen.

Das Buch macht fassungslos, aber es ist so wichtig! Neben den persönlichen Einblicken in ihr Innerstes zeigt die Autorin auf, was diese Gewalttat mit Betroffenen macht und ist ein Weckruf: „Seien Sie auf der Hut, wenn Ihr Gedächtnis Sie regelmäßig im Stich lässt. Suchen Sie lieber einen Arzt auf und unterziehen Sie sich einer toxilogischen Analyse.“

Und ich werde dich nie wieder Papa nennen

von Caroline Darian

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Das Echo der Sommer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Elin Anna Labba ist eine schwedisch-sámische Journalistin und Autorin. Bereits ausgezeichnet mit dem wichtigsten schwedischen Buchpreis sowie den renommierten Norrlands-Literaturpreis für ihr Sachbuch über die Zwangsumsiedlung der Samen.

Rávdná ist eine von drei samischen Frauen, die Elina Anna Labba in ihre Familiengeschichte eingewoben hat. Sie lebt mit ihrer Schwester Ánne und ihrer Tochter Ingá im Wechsel der Jahreszeiten zwischen dem sogenannten Sommer- und Winterland.

Als die Frauen in ihr Sommerland zurückkehren, ist alles überflutet. Der Grund ist der Staudamm, der ein neues Zeitalter der Energieversorgung einläuten soll, aber ausgerechnet den Lebensraum der Samen entscheidend einschränken würde. So kollidieren zwei Welten: Die Samen wollen weiterhin ihr traditionelles Leben am See führen, Fische fangen und in ihren Häusern bleiben. All das sollen sie opfern, um den Weg freizumachen für eine sogenannte neue, ökologische Produktion von Wasserkraft.

Die Geschichte erstreckt sich über 30 Jahre, ich begleite die kleine Ingá, die zur erwachsenen Frau wird. Erlebe Ànnes Krankheit, eine von tiefer Trauer getragenen Frau, die sich immer mehr zurückzieht, bald nicht mehr zu sehen ist, bis sie ganz verschwindet. In den Armen des Sees. Überhaupt der See! Eigentlich der vierte Protagonist, spricht er doch zu uns und ist das bindende Glied zwischen den Kapiteln.

Und er bleibt in meinem Gedächtnis. Wie ein Echo. Und all die mutigen und tapferen Menschen, die für ihre Selbstbestimmung kämpfen. Für die Verbundenheit von Mensch und Natur. Ohne die es bald keine Sommer mehr geben wird.

Das Echo der Sommer

von Elin Anna Labba

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Windstärke 17
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der zweite Roman ist immer ein Wagnis. Für die Schreibenden, den Verlag und die Leserschaft. So habe auch ich dem neuen Roman von der gefeierten Bestsellerautorin mit großer Erwartung entgegengefiebert.

Dieses Mal steht Tildas kleine Schwester im Mittelpunkt. Ida befindet sich am Tiefpunkt ihres jungen Daseins. Nachdem sich ihre Mutter an einem Wochenende der Abwesenheit mit einer Überdosis das Leben genommen hat, spürt Ida eine schwere Last der Schuld auf ihren zarten Schultern. Doch statt die Hilfe von ihrer Schwester anzunehmen, macht sie einfach dicht, verschließt sich, tobt in einem Vakuum aus Gefühlen und Gedanken. Sie knallt uns ihre Wut entgegen. Die ist es auch, die mir den Einstieg nicht leicht gemacht hat. Es stürmte gewaltig. Trotzdem hält mich Caroline Wahl mit ihrem unvergleichlichen Sound fest, für auch die auch Benedict Wells bewundernde Worte gefunden hat.

Während ich ganz zersaust neben Tilda stehe, gesellen sich plötzlich Marianne und Kurt zu mir. Zwei Sonnen, die nicht nur mir gut tun. Diese beiden Menschen nehmen sich der wütenden jungen Frau auf Rügen an. Genau dorthin flüchtet sich Ida. Im Wasser fühlt sie sich Zuhause, hier taucht sie ein, fordert das Meer heraus: „Das Meer, das so krass wunderschön und gewaltig ist, zeigt mir, dass ich mit meinen Nichtigkeiten ganz klein und egal bin.“ Findet Ida auf Rügen, das, was sie sucht und braucht? Und was ist mit Leif, der plötzlich auftaucht, ein Star-DJ, der von der Bühne getreten ist, und auch durche tiefe Wasser schwimmt...

„Windstärke 17“ kann man als Fortsetzung lesen, aber genauso unabhängig. Doch begeisterte Leser:innen von „22 Bahnen“ werden sich in dem Roman zu Hause fühlen, und noch etwas feststellen: Dieser Roman mag im Grundton dem Debüt ähneln, aber er überragt seinen Vorgänger, und macht deutlich: Hier entwickelt sich eine vielversprechende Autorin, von der wir zukünftig noch mehr lesen wollen.

Windstärke 17

von Caroline Wahl

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Somebody told me
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Bücher über die Wechseljahre gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die besten herauszupicken, sehe ich als meinen Auftrag. „Somebody told me“ von Susanne Liedtke und Dr. med. Christina Enzmann zählt zu solchen herausragenden Titeln.

Im Vorwort klären die beiden Autorinnen ihr Anliegen und Wissen auf. Während sich Christina Enzmann mit der funktionellen Medizin in diesem Bereich beschäftigt hat, fokussiert Susanne Liedtke die Ernährung. Entstanden ist ein Wechselspiel aus beiden Bereichen mit wirklich fundiertem Wissen und nachvollziehbaren Life-Hacks.

So laufe ich seitdem jeden Morgen einmal stramm um den Block und nehme fix die Treppen bis in meine 4. Etage. Und bei meinem Joggingrunden habe ich kurze Sprints integriert. Warum? Es geht um den Blutzucker. Den im Griff zu haben, sei eines der wichtigsten Grundziele. Die „All-out-Bursts“ haben einen bedeutenden Effekt: Damit wird der Insulinspiegel reguliert. „Das hilft, den restlichen Zucker in deinem Blutkreislauf zu verbrennen...“ Der wiederum dafür verantwortlich ist, dass die Fettverbrennung läuft.

Allein dafür hat sich die Lektüre für mich gelohnt. Aber sie ist natürlich noch reichhaltiger. So erläutern die beiden Autorinnen, welche Lebensmittel man möglichst vermeiden sollte und welche uns Frauen in den Wechseljahren gut tun. Und worauf man bei der Ernährung achten sollte. Ich bin in dem Bereich schon gut aufgestellt, und fühle mich bestätigt. Dennoch finde ich das Body-Reset-Ernährungsprogramm aus dem Buch sehr inspirierend.

Auch der Hormonhaushalt spielt eine bedeutende Rolle wie Vorsorgetipps ärztliche Konsultationen beim Hausarzt oder der Internistin und der Frauenärztin.

„Somebody told me“ ist daher ein ganzheitlicher und wichtiger Beitrag für alle Frauen ab 40! Das hat mir übrigens auch eine versierte Kundin, die in dem Bereich tätig ist, bestätigt.

Somebody told me

von Susanne Liedtke, Christina Enzmann

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Good Girl
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lügen als Fundament der Freiheit. Geht das? Und wenn ja, wie lange kann man darauf laufen, ohne einzubrechen? Diese Frage ploppt bei der Lektüre von „Good Girl“ von Aria Aber immer wieder in meinem Kopf auf. Ich kann sie nicht zähmen ebenso wenig wie ihre Heldin Nila.

Aria Aber steht mit ihrem Buch auf der Shortlist des Women’s Prize for Fiction 2025. Und ich freue mich so sehr über die Nominierung! Fatma Aydemir, Raven Leilani und Garth Greenwell sind begeistert von diesem außergewöhnlichen Buch, bei dem ständig mein Puls pocht.

Das hat natürlich mit Nila und ihrem Leben zu tun. Sie ist die Tochter von afghanischen Einwanderern, was sie jedoch vertuscht. Nilas Mutter ist verstorben. Sie lebt immer noch zu Hause bei ihrem Vater und ihrer Großmutter in einem Plattenbau, den sie Marlowe verschweigt. In einer ihrer nächtlichen Fluchtaktionen ins Berliner Nachtleben trifft sie auf den Autor.

Sie nehmen zusammen nicht wenige Drogen und haben Sex. Aber die beiden führen mitunter tiefsinnige Gespräche, an denen ich länger hängenbleibe. Dabei offenbart Nila ihrem Geliebten ihre große Sehnsucht: Sie möchte Fotografin werden wie die Künstlerin Nan Goldin. Als Marlowe ihr eine Kamera schenkt, fängt sie an. Parallel erzählt Aria Aber aus dem Leben der Familie, zeigt die Zwänge und Vorstellungen auf, denen die junge Frau entkommen will. Wird es ihr am Ende gelingen?

Was für ein Ritt! Nila ist alles andere als brav. Und gut? Nun lest selbst! Das Buch versprüht einen ganz eigenen Sound und man spürt, dass hier eine Lyrikerin am Werk ist. So wurde Aria Aber für ihren Lyrikband „Hard Damage“ mit dem Prairie Schooner Prize ausgezeichnet.

„Good Girl“ ist eins der pulsierendsten Bücher der letzten Zeit! Doch sie hat es mir nicht immer leicht gemacht. Am Ende siegt allerdings dann doch die Begeisterung. Wild, einnehmend, unberechenbar und mitunter sehr weise wie menschlich ist diese funkelnde Lektüre. Ein Buch, das dem Schrecken mutig ins Gesicht schaut und standhält. Komme, was da wolle!

Good Girl

von Aria Aber

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All dies könnte anders sein
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer kennt das nicht? Wenn einem das Leben in den Bauch boxt? Ist uns allen bestens vertraut. Egal, welches Alter. So fühlt sich „All dies könnte anders sein“ von Sarah Thankam Mathews wie die Umarmung einer Seelengefährtin an. Obwohl die Erzählerin ein paar Jahre jünger ist als ich. Darauf erstmal ein Glas Rharbarberschorle!

Die Ich-Erzählerin ist das Kind von indischen Einwanderern, die es nach einem Studium geschafft hat, in Milwaukee als Changemangement-Beraterin einen gutbezahlten Job bei einer Agentur zu ergattern. Endlich kann Sneha ihren Eltern Geld in ihrer Heimat zukommen lassen und Freunde einladen. Und doch gibt es die Fallstricke des Lebens, in denen sich unsere sympathische Romanheldin verheddert. Ihr zu folgen, berührt und trotzdem falle ich nie in ein Tal der Tränen. Denn die Autorin hält geschickt die Waage zwischen Drama und Humor.

Mit Augenzwinkern und einem wohligen Gefühl folge ich dieser sympathischen Frau, die auf der Suche nach einer erfüllenden Beziehung ist. Auf ihrem Weg knüpft sie neue Kontakte, die in keiner Lovestory endet, dafür ereignen sich andere schöne Dinge.

Noch etwas passiert:: Unsere Romanheldin erfährt eine große Solidarität: „Was ich in den darauffolgenden Jahren schwer zu erklären fand, war die Tatsache, wie sehr die Menschen, die ich in Milwaukee kennenlernte, füreinander da waren, selbst für Fremde.“ Unvergesslich: Die Schlüsselverlust-Sache, bei der Sneha eine große Unterstützung bekommt. Ich sehe sie alle noch vor mir, wie sie versuchen, Sneha in ihre Wohnung zu helfen.

Sarah Thankam Mathews stand mit ihrem Buch auf der Shortlist der National Book Awards 2022. So verdient! „All dies könnte anders sein“ belebt, verführt, trifft einen Nerv und beglückt daher im allerfeinsten Sinne. Lauren Groff hat über ihre Kollegin so treffende wie wertschätzende Worte gefunden: „Sarah Thankam Mathews“ ist eine geniale Autorin, und jeder ihrer Sätze hat sowohl Biss als auch Herz.“ Mehr kann ich dem nicht hinzufügen: Außer: Lesen und dem Bauchtritten ins Gesicht lachen. Vergesst nie, wie stark ihr seid!

All dies könnte anders sein

von Sarah Thankam Mathews

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Verheiratete Frauen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ein echtes Tabuthema – Fremdgehen. Manche tun es, andere wieder nicht. Ich will es gar nicht. Aber Gabriela sieht das ein bisschen anders. Die Mutter eines kleinen Sohnes fühlt sich zu einem Autor magisch angezogen. Sehr lange schon. Bis sich Pablo und Gabi endlich näherkommen, dauert es. Wenngleich der Roman mit ihrer Romanze beginnt und einer großen Frage.

Denn Gabi will ihr Verhältnis in eine richtige Beziehung umwandeln. Aber soll sie das Wagnis eingehen? „In einem Jahr wirst du aufhören, mich zu begehren, und nichts wird mehr so sein wie jetzt", sagt ihr Geliebter. Die 45jährige kann sich das allerdings nicht vorstellen. Noch nie hat sie so empfunden. Was sagen ihre Freundinnen?

Nun, die haben es auch keineswegs leicht. Silvia ist nicht glücklich in ihrer Ehe, und Cósima hat mit der Enthaltsamkeit ihres Ehemannes zu kämpfen. Sie spürt der Sache nach und macht eine erschütternde Entdeckung.

Was für eine mitreißend erzählte Geschichte! Besonders schön ist, dass sich die Frauen über die Frauenzeitschrift „La Femme" nähergekommen sind. Gabi arbeitet als Journalistin, Silvia ist Fotografin und Cósima Stylistin. Unterschiedliche Vitas, die doch zueinander finden und zeigen: Es geht nichts über eine wahrhaftige und innige Freundschaft! Genau das ist „Verheiratete Frauen": Eine Hommage an unsere Freundinnen und Verbündeten. Keine kennt uns so gut wie unsere Freundin. Doch selbst die kann uns so manche Entscheidung nicht abnehmen. Die müssen wir dann allein treffen.

Was den Roman obendrein lesenswert macht – er zeigt die Herausforderungen der modernen Frau, die ständig einen Spagat zwischen Karriere und Familie machen muss. Der große Wunsch nach Mutterschaft spielt ebenso eine große Rolle, wie das Muttersein selbst, die Liebe zum Kind wie die Selbstzweifel.

So ist "Verheiratete Frauen" viel mehr als nur ein Roman über weibliches Begehren und Freundschaft. Er umarmt dich als Frau auf wirklich wohltuende Weise und flüstert dir zu: Du bist nicht allein. Allein deshalb lohnt sich die Lektüre!

Verheiratete Frauen

von Cristina Campos

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Die Zeit-Agenten 1. Das Propeller-Dilemma
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Während die Erwachsenen mit unserem Mai „must read“- Titel „Das Ministerium der Zeit“ von Kaliane Bradley die Zeit durchbrechen, können die jüngeren Bücherwürmer mit „Die Zeit Agenten“ von S. J. King ebenfalls durch die Zeit reisen.

Jasmin ist Teil der Zeit Agenten. Gerade, als sie mit ihren Eltern durch das Museum der Flugfahrt schlendert, selbst in einem Simulator fliegt, fragt sie sich: „Wie es wohl gewesen war, als erster Mensch auf der Welt einen solchen Flug zu vollbringen?“ Kaum hat sie den Gedanken zu Ende gedacht, da meldet sich ihre Agentenuhr und beamt sie zu ihrem geheimen Club. Denn der böse Mora hat wieder für Ärger gesorgt. Genau dann wird die Zeit Agenten Crew zusammengesammelt.

Solange alle Agenten aus ihrer wirklichen Welt verschwinden, bleibt dort die Zeit stehen. So bekommen Jasmins Eltern ihr Verschwinden nicht mit. Eine bunte Truppe aus aller Welt ist diese Agentenschar. Der flinke Vogel Tempo ist derjenige, der seine Aufträge verteilt. Die Wahl fällt dieses Mal auf Jasmin und Min-Juns. Flugs landen die beiden im Jahr 1903 auf dem Flugplatz der Gebrüder Wright, die am ersten Flugzeug tüfteln. Als der Propeller verschwunden ist, wissen Jasmin und Min-Juns, wer dahinter stecken muss: Mora!

Das ist eine abenteuerliche wie lebendig erzählte Geschichte für alle ab 7 Jahre! Tolle Illustrationen versetzen dem Ganzen einen charmanten wie hinreißenden Anstrich. Große Schrift sorgt für ein federleichtes Leseerlebnis, daher ist die Lektüre auch für Lesemuffel geeignet. Dies ist der 1. Band der Reihe. Der zweite führt zu den ersten Olympischen Spielen.

Kleiner Bonustrack an allen Bänden: Spielerisch werden in allen Bänden leichtfüßig dargestellt.

Die Zeit-Agenten 1. Das Propeller-Dilemma

von S. J. King

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Jenseits aller Zeit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Krimis gibt es wie Sand am Meer. Meine Passion ist es, daraus die Perlen zu fischen. Ich lese die skandinavischen genauso gern wie die englischen, aber auch Noirs, klassische Detektivgeschichten und literarische feine Titel, die ich regelmäßig aus der Krimibestenliste von Deutschlandradiokultur empfange wie „Jenseits aller Zeit“ von Sebastian Barry.

Hier stehe ich neben Tom Kettle. Der pensionierte Kriminalbeamte hat sich nach vierzig Jahren zur Ruhe gesetzt und lebt in einer kleinen Wohnung, die Teil eines großen viktorianischen Hauses ist, das im beschaulichen Küstendorf Killeney steht. Am liebsten sitzt Tom in seinem Korbsessel, hier ist er „der Hüter der Zeit", der aufs Wasser blickt und übers Leben sinniert. Von dort muss er sich jetzt erheben, als es unerwartet an der Tür klingelt. Wer stört ihn da in seiner Ruhe?

Zwei Polizeibeamte, und sie haben etwas auf dem Herzen. Es dauert, bis sie mit der Sprache herausrücken, erstmal Smalltalk über dies und das. Sie bitten ihn schließlich, sie bei einem ungeklärten Mordfall zu unterstützen, der dreißig Jahre zurückliegt. Tom hält inne und überlegt, ob er diesen Schritt zurück in eine Vergangenheit gehen soll, die er ad acta gelegt hat. Denn dieser Fall ist eine sehr persönliche Angelegenheit.

Was Sebastian Barry hier Seite um Seite brillant spinnt, ist fein komponiert und gleichwohl harter Tobak. So wandelt sich die zunächst stille in eine tragische Geschichte, geht es doch um Kindermissbrauch in der katholischen Kirche. Viel Wut ist im Spiel, und eine Rache, die Erlösung schaffen soll.

„Jenseits aller Zeit" enthält alles, was ich an Barry so schätze: Seine eigensinnigen Figuren, die Liebe zur irischen Natur und das Feingespür, unterschiedlichste Nuancen des Lebens literarisch kunstvoll abzulichten, sodass sich das Buch ganz tief in deine Seele einbrennt.

Brillant, eindringlich und unbedingt empfehlenswert, auch für Lesekreise. Aber ich will ehrlich sein: Freunde von Mainstream-Krimis könnten enttäuscht sein. Alle anderen haben die Chance, einen der besten Kriminalromane seit langer Zeit zu lesen. Sozusagen einen Krimi jenseits aller gewöhnlichen Krimis.

Jenseits aller Zeit

von Sebastian Barry

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Das Schwarz an den Händen meines Vaters
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lena Schätte erzählt Mottes Geschichte, und die fühlt sich an wie ein Faustschlag in den Bauch. So zeigt die Autorin sehr authentisch, wie es ist, in einer dysfunktionalen Familie großzuwerden. Der Vater ist ein Spieler und Alkoholiker.

„Als ich noch Kind bin, denke ich oft, ich habe zwei Väter. Den einen nüchternen, der schnell rennen kann. […] Und dann gibt es noch den anderen Vater. Der sich darüber legt und ihn verschwinden lässt.“

Der Vater arbeitet in einer Fabrik, wird wegen seines unsteten Zustands versetzt und verliert später seinen Job. Auch die Mutter erkrankt, wird depressiv. An einer Stelle heißt es: „Wir denken nicht nach in dieser Familie, über die Reihenfolge der Dinge oder darüber, wer wen aufhebt.“ Diese Aussage ist so exemplarisch für den Kern der Geschichte. Zeigt sie das Verantwortungsgefühl der Kinder wie die bedingungslose Liebe. Das geht wahrlich unter die Haut.

Lena Schätte holt ihre Ich-Erzählerin ganz nah an uns Lesende heran, und das in einem dichten wie klaren Erzählton, der seinesgleichen sucht. Ich folge der jungen Frau, die später selbst im gefährlichen Sumpf des Alkohols fällt, sich verliert und gleichwohl ihren Platz finden will. Wir bewegen uns zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, zwischen dem Kind und der jungen Frau. Als der Vater erkrankt, bleibt das nicht ohne Folgen auch für unsere Ich-Erzählerin.

Die Autorin hat als Krankenschwester in der Psychiatrie gearbeitet, und ist in einem Arbeitermilieu groß geworden. All das strömt hier glasklar hinein, entlädt sich in einer unaufgeregten Form, denn die Autorin wollte keine klassische Täter-Opfer-Kategorien einnehmen. Das hat sie mir in einem Interview auf der Leipziger Buchmesse erzählt, das Sie auf meinem Instagram-Kanal "Klappentexterin" jetzt sehen können. Ebenso bemerkenswert ist, dass die 1993 geborene Autorin sehr lange an ihrem Wunsch des Schreibens festgehalten hat und schließlich am renommierten Literaturinstitut Leipzig weiterentwickeln konnte. Der Roman sei schon seit 15 Jahren in ihr gewesen, geschrieben hat sie diesen im Café eines Baumarktes.

Das Buch ist ein Leichtgewicht, und doch sind die 187 Seiten unglaublich füllend und hinterlassen einen bleibenden Abdruck bei allen Lesenden. Der Roman hat das Feuilleton und Blogger:innen gleichermaßen beeindruckt. Und wenn das der Fall ist, soll das viel heißen. Denn wie oft sind sich beide Formen der Literaturkritik schon einig? Eben!

Das Schwarz an den Händen meines Vaters

von Lena Schätte

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Ruhm für eine Nacht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ein Buch so aufregend wie ein Trip! Ich hatte noch keinen, aber so stelle ich ihn mir in etwa vor. Ein bisschen jedenfalls. Nicht nur diese aufgeladene Stimmung hat mich trichterförmig ins Buch hineingesogen. Auch alte Erinnerungen wurden plötzlich putzmunter: Sofort war ich wieder in Berlin - dieser wilden Metropople, so ungestüm wie eine Leopardin in Netzstrumpfhosen. Ich denke an die Zeit zurück, als wir alle versuchten, ins Cookies zu gelangen. Oder die langen Abende in der Volksbühne, an denen unsere Popos ganz heiß wurden von den vielen Stunden der Castorf-Inszenierungen. Während unsere Augen glänzten, unsere Köpfe glühten, derart berauscht waren wir vom Rauch, dem Schauspiel und seinen Akteur:innen. Solch einen Abend erlebe ich in dem Buch wieder. Die Autorin hat an der Volksbühne gearbeitet. So kann nur jemand über dieses Theater schreiben, der es liebt wie wir, denke ich und grinse.

Calla Henkel hat mit "Ruhm für eine Nacht" eine der irrsten Berliner Geschichten geschrieben. Ein wundersames und äußerst erfrischendes Gegenstück zum nasskalten Winter. Aber Vorsicht, die Lektüre ist nicht für jedermann geeignet, sie ist ebenso verstörend. Ein Faible für Kunst und Schräges solltet ihr schon mitbringen. Und wenn ihr es habt, dann werdet ihr an Zoes und Haileys Fersen festkleben wie Kaugummis an den Absätzen ihrer Pumps.

Die beiden New Yorker Kunststudentinnen sind für ein Auslandssemester nach Berlin gekommen. Zoe erzählt uns die Geschichte aus ihrer Perspektive. Zoe ist die Zögerliche, Hailey hingegen hält die Zepter in den Händen. So springt sie auf eine Wohnungsanzeige an und beide Mädels dürfen die Wohnung von Beatrice anmieten. Die Autorin hat ein Arbeitsstipendium in Österreich ergattert und wird sich dahin zurückziehen.

Doch es kommt anders. Wir stehen Kopf und ich denke, wie großartig Literatur doch sein kann. Kunstvoll, schräg und so mitreißend, dass selbst der graue Himmel über mir Funken versprüht. Was für ein Trip!

Ruhm für eine Nacht

von Calla Henkel

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Radikale Freundlichkeit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir alle wollen freundlich sein, und sind es. Doch kennen Sie nicht auch die Momente, wenn Sie ein unhöflicher Mensch derart aus der Fassung bringt? Oder wenn Sie von Ihrer eigenen Eile getrieben unachtsam hantieren und dann passiert es. Wie können wir mit solchen Herausforderungen umgehen, und die Freundlichkeit trotzdem bei uns tragen?

Nora Blum liefert in ihrem Buch „Radikale Freundlichkeit“ Antworten auf diese Fragen. Die studierte Psychologin lässt uns verstehen, warum uns unhöfliche Menschen so triggern. Und geht noch weiter, in dem sie die unsensiblen Handlungen durchleuchtet. Warum agiert jemand so unwirsch? Was hat das wirklich mit uns zu tun? Welche Reaktion wäre angemessen? Und wie kann sie gelingen?

Weiterhin verdeutlicht die Gründerin von Selfapy anhand von wissenschaftlichen Studien, wie positiv sich Freundlichkeit auf unsere Gesundheit auswirkt. Schnell umsetzbare Tipps lassen mich staunen und lächeln. Ebenso erhellend sind ihre eigenen Geschichten zum Thema, in denen ich mich mitunter sogar wiedererkenne.

Das Buch ist in verschiedene Kapitel eingeteilt und bezieht jeden Lebensbereich mit ein. Die Psychologin schreibt, wie wichtig es ist, auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören, auch mal Nein zu sagen. Oder nach einer groben Kontakftaufnahme, zunächst dreimal TIEF durchzuatmen.

So erweist sich „Radikale Freundlichkeit“ als ein lebensnaher und nachhaltiger Ratgeber mit wertvollen Impulsen wie Anstößen zur Selbstreflexion.

Radikale Freundlichkeit

von Nora Blum

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Beeren pflücken
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Bereits vor Erscheinen der deutschen Ausgabe ging ein Leuchten aus unserer englischen Abteilung aus. Denn meine geschätzte Kollegin Sarah O'Connor hat „The Berry Pickers“ längst mit großer Begeisterung gelesen. Nun liegt die von Brigitte Jakobeit übersetzte Fassung auf unserer Eingangspyramide, strahlt allen entgegen und ich mit.

Die Autorin ist eine Native American und zählt zum Stamm der Mi'kmaq, ein indigenes Volk, das im östlichen Nordamerika angesiedelt ist wie die Familie, um die es hier geht. Sie hilft zur Saison auf einer Farm aus und pflückt Beeren. Alle packen mit an: Die Eltern und ihre vier Kinder. Eines Tages verschwindet die Jüngste, Ruthie. Alle suchen nach dem fünfjährigen Mädchen, doch Ruthie wird nicht gefunden. Der ältere Bruder Joe zerbricht an diesem Verlust, fühlt die Schuld auf seiner Schulter. Die Wut nagt an ihm wie ein Geschwür und treibt ihn zu schrecklichen Handlungen, vor denen wir alle zurückschrecken.

An einer Stelle heißt es: „Manche Wunden sind nicht zu heilen. Manche Wunden schließen sich nie, desto einfacher wurde es zu lächeln.“ Das sind nur zwei von zahlreichen bemerkenswerten Sätzen, an denen ich anhalte und innehalte.

Was mit Ruthie passiert ist, davon erzählt Amanda Peters auf wirklich berührende Weise. Wir Lesende wissen mehr als alle zusammen, bleiben dennoch still, neugierig und hören unsere eigenen Herzen ganz laut klopfen. Denn diese Geschichte, die in den 1960er Jahren beginnt, geht einem unglaublich nah.

„Beeren pflücken“ ist ein vielschichtiger Roman über Ethnie, Familienbande, Traumata und Wunden - manche bleiben, andere dürfen heilen. Und lassen etwas Neues entstehen.

Ich liebe jede Faser des Romans, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Und ich hoffe, Sie finden die leuchtenden Beeren, die meine Kollegin und ich aufgepickt haben.

Bevor ich schließe, möchte ich noch erwähnen, dass wir die Übersetzerin am 13. Juni zusammen mit dem Übersetzer Cornelius Hartz bei uns zu Gast haben werden. Sie können sich schon jetzt unter anmeldungen@stories-hamburg.de einen Platz sichern.

Beeren pflücken

von Amanda Peters

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Am Meer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Eine Literaturfreundin meinte kürzlich zu mir: „Elizabeth Strout zu lesen, fühlt sich an, als würde man nach Hause kommen.“ Wie wahr! Genauso empfinde ich die Bücher der Amerikanerin. Jüngst ist „Am Meer“ erschienen und ich habe das Buch viel zu schnell gelesen, und es hat mich gewärmt. Obwohl die Umstände, die Corona-Pandemie setzt ein, eher ungemütlich sind, spüre ich schnell dieses hyggelige umarmende Strout-Feeling.

Die Ich-Erzählerin Lucy wird von ihrem Ex-Mann William, mit dem sie noch ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, aus New York nach Maine bugsiert. Lucy versteht die Aufregung nicht, folgt aber seinem Drängen und fährt mit ihm an die Ostküste. Dort beziehen sie ein Haus, es ist klirrend kalt, immer grau. Wir schreiben den Februar 2020 und bis April wird es dort wohl so bleiben, also absolutes schlechte Laune-Wetter. Und was macht unsere knurrende Heldin?

Sie fügt sich diesem neuen Lebensabzweig... ihr dabei zu folgen, tut gut, nicht zuletzt durch ihre klugen Gedanken, die mich hier und da anhalten lassen. Die Gespräche mit William und Lucy sind genauso wärmend wie die zwischen den Menschen, die die beiden umkreisen. Obwohl natürlich nicht alles nur schön ist, denn so ist das Leben ja auch nicht. Unsere Gegenwart lichtet sie voller glasklarer Wahrheiten ab, und das ist weniger erfreulich. Dennoch vermute ich: In dem Buch findet sich jede oder jeder auf die eine oder andere Art wieder als wollte die Autorin sagen: „Du bist nicht allein!“

Das zeichnet die Literatur von Elizabeth Strout für mich aus: Dieses zutiefst Menschliche, das uns mit ihren Figuren verbindet und sie zu Weggefährten macht. Man kann dieses Buch – wie alle ihre Bücher – unabhängig von einander lesen. Vor allem dann, wenn einem gerade besonders kalt ist oder die Nase tropft. Denn auch das ist Elizabeth Strout: beste Medizin für Körper und Seele.

Am Meer

von Elizabeth Strout

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Leuchtfeuer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Das Glück sucht Gesellschaft, und das Unglück – das will nur in Ruhe gelassen werden.“ So wahr, so gut. Apropos gut genauso liest sich „Leuchtfeuer“ von Dani Shapeiro. Für mich zählt dieser Roman zu meinen Highlights des Frühjahrs. Nicht ohne Grund war dieses Buch ein gefeierter Bestseller in den USA. Es wurde mehrfach ausgezeichnet und von verschiedenen Medien zum besten Buch des Jahres ernannt. Welch Glück übrigens, dass hanserblau das Übersetzerpaar Ulrike Wasel und Klaus Timmermann für die Übersetzung gewinnen konnte. Die beiden haben u.a. schon „Der Gesang der Flusskrebse“ übersetzt. Und wer jetzt wie ich bei dem Buchtitel lächelt, darf gern weiterlesen. Aber auch alle anderen. Denn die Lektüre lohnt sich.

Und das obwohl die Erzählperspektive ungewöhnlich ist. Glücklicherweise wurde Dani Shapiro von ihrer Kollegin Jennifer Egan ermutigt, diese beizubehalten. So bewegen wir uns wie Planeten durch verschiedene Zeiten, sind in verschiedenen Köpfen. Ausgangspunkt ist eine nächtliche Autofahrt drei junger Teenager: Misty und das Geschwisterpaar Sarah und Theo rauschen im August 1985 durch die Nacht. In einem Moment der Unachtsamkeit kommt es zu einem schweren Unfall, bei dem Misty stirbt. Sarah legt schützend den Arm um ihren Bruder und sagt: Ich bin gefahren. Obwohl dem nicht so war. Und dann? Cut!

Jetzt sind wir bei Benjamin – Theos und Sarahs Vater, der den Nachbarsjungen Waldo an einem Abend im Jahr 2010 beobachtet. Die beiden stehen im Austausch. Warum und wie, das erfahren wir erst später, wie all die Verflechtungen der beiden Familien. Und wir lernen Waldo noch näher kennen, seine Eltern, schauen auf die erwachsenen Kinder Theo und Sarah, erleben eine sehr eindringliche Szene mit ihrer Mutter...
Die Kapitel haben eine enorme Sogkraft. Und wenngleich sie oft wechseln, verliert man nie den Pfaden oder die Verbindungen zu allen Figuren.

„Leuchtfeuer“ ist eine berührende, spannungsgeladene Geschichte über die Familienbande wie über die Narben der Kindheit. Ein Buch sehr dicht erzählt, und es wundert mich nicht, dass dieses Buch als Serie verfilmt werden soll. Trotz der wechselnden Perspektiven und Zeitsprünge verliert man nie den Überblick oder Anschluss. Jeder findet sich in der einen oder anderen Figur wieder, da die Autorin wirklich alles anspricht: Frausein, Außenseiter, Muttersein, Sucht, Beziehungen, Älterwerden und Altsein, Verbundenheit, Geschwisternbande, Familie. Und über den Genuss von gutem Essen. Ein universelles Buch also. Und ein Buch mit einem Summen, das erst verstummt, wenn man das Buch ausgelesen hat. Doch selbst dann vibriert es noch.

Leuchtfeuer

von Dani Shapiro

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Der Traum vom Fliegen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Eigentlich dachte ich, ich sei satt von Coming-of-Age-Romanen. Denn ich habe 2023 so einige gelesen. Doch da fiel mir „Der Traum vom Fliegen“ von Milena Moser in die Hände. Ich wollte nur kurz hineinlesen, doch ehe ich mich versah, klebten meine Augen in den Seiten und wollten von dort nicht mehr weg.

Sofia ist die Romanheldin und sie wächst mir sofort ans Herz. Ein schlaues Mädchen mit Superkräften. Sofia hatte immer schon den großen Traum, ins Weltall zu fliegen. So belegte sie in der Mittelstufe zusätzliche Kurse in Mathematik und Physik, und bekam ein Stipendium an dem renommierten Institute of Technology in Boston. Sie war eine der Jahrgangsbesten. Doch dann kam der Lockdown, brachte alles durcheinander. Zudem setze ihr die andere Sache mehr zu. Und sie beschloss zuzunehmen, um dem anderen Ding zu entkommen. Nun soll Sofia in einer Privatklinik wieder zu sich kommen, und bestenfalls ihr Übergewicht minimieren.

In der Klinik passieren ungeahnte Dinge, das Allerschönste aber ist: Sofia bekommt Freunde und trifft auf Seelengefährten. Besonders in Zach und Carmel findet sie einen warmen Kreis. Alle drei verfügen über Superkräfte. Zach, ein ehemaliger Manager aus der High-Techbranche kann Gedanken lesen, Carmel – Mutter von zwei Kindern und Lottogewinnerin - kann sich unsichtbar machen, allerdings nicht auf Befehl, es passiert einfach so bei allen dreien. Klingt schräg. Ist es auch, aber nur ein bisschen, denn das Verrückte fühlt sich hier irgendwie normal an. Sofias Superkraft ist das Fliegen. Da sie nachts auch schlimme Sachen gesehen hat, ist sie schließlich daran zerbrochen und hat zugenommen. Natürlich haben alle mit den gewöhnlichen Problemen des Lebens zu kämpfen. Die Klinik erdet alle und ist ein Heim, in dem sie länger sind wie Sofias immer sprudelnde Zimmergenossin, die an einer Essstörung leidet.

Was für eine Geschichte, die mich mitunter an Nick Hornbys A Long Way Down hat denken lassen. Denn hier kommt eine liebenswerte Schicksalsgemeinschaft zusammen, die mich berührt und gleichermaßen amüsiert. Milena Moser erzählt in ihrer schnörkellosen Sprache mit ganz viel Einfühlungsvermögen über Menschen und deren Brüche, die wir alle kennen und vor denen selbst eine Therapeutin wie Skye nicht gefeit ist.

Man muss nicht unbedingt an Superkräfte glauben, um das Buch zu lieben. Sie kommen bei der Lektüre von ganz allein. Unterm Strich ist dies ein All-Age-Roman für junge und ältere Leser:innen. Vielleicht fühlte ich mich deshalb darin so pudelwohl. Große Empfehlung und volle Punktzahl für mein letztes Jahreshighlight 2023!

Der Traum vom Fliegen

von Milena Moser

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Stromlinien
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin die Patin für "Stromlinien" von Rebekka Frank, dessen Cover schon unverschämt gut aussieht. Patin deshalb, weil ich eine der Ersten war, die das Manuskript gelesen haben. Annerose Beurich war ja von Rebekkas Debüt "Das Echo der Gezeiten" bei S. Fischer bereits sehr angetan. Als der Verlag dann mit dem neuen Werk auf uns zukam, war meine Neugier entfacht. Eigentlich wollte ich nur mal reinschauen, aber dann habe ich es an einem Wochenende verschlungen. Und dachte: Wow! Das zweite Buch! So gut! Doch Rebekka Frank ist nicht neu in dem Metier, sie hat bereits als Rebekka Eder erfolgreich historische Bücher geschrieben.

Zur Story: Enna und ihre Zwillingsschwester Jale warten seit siebzehn Jahren darauf, dass ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch am Tag der Entlassung verschwindet Jale plötzlich, und Enna bleibt allein zurück mit einem großen Gepäck an Fragen. Wo ist Jale? Enna begiebt sich auf eine Suche, die sie immer näher an ein Familiengeheimnis heranführt, das ich hier nicht verraten möchte. Erstaunlich ist die Figurenzeichnung der Autorin und der Spannungsbogen, den sie aufbaut. Geschickt webt sie verschiedene Handlungsstränge ein, die zum großen Finale führen. Sie wechselt dabei die Perspektiven, setzt kurze Plots. Stets an unserer Seite die faszinierende Elbmarschen-Landschaft, das Alte Land und sein historischer Background. Ich spüre Rebekkas Liebe zur Natur mit allen Sinnen. Erstaunlich, was die Autorin alles in ihrem Buch vereint. Eine atmosphärische, naturnahe Geschichte mit extrem spannenden Elementen.

Mein Tipp für alle Hamburger und Leser:innen, die spannende Bücher mit Familiengeheimnissen genauso gern verschlingen wie ich!

Stromlinien

von Rebekka Frank

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Der letzte Mord am Ende der Welt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stuart Turton ist der Meister der Locked-Room-Mystery. Schon seine beiden Romane „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ und „Der Tod und das dunkle Meer“ hat hierzulande für begeisterte Leserstimmen gesorgt. Auch sein neues Buch „Der Mord am Ende der Welt“ ist ein packendes, raffiniertes, unheimliches und unvergessliches Lesevergnügen. Diejenigen, die wie ich „Prophet“ von Sin Blaché und Helen Macdonald gelesen haben, werden hier auf ihre Kosten kommen.

Dieses Mal nimmt uns Turton mit auf eine Insel, auf der noch einige hundert Menschen leben, die letzten ihrer Art. Eine Handvoll Wissenschaftler sorgen fürs Überleben. „Jeder Einzelne von euch muss gepflegt und gewartet werden, damit ich meine Arbeit erledigen kann. Gelegentlich müsst ihr versetzt werden.“ Das sagt Abi – die Ich-Stimme, die sich hin und wieder ins Geschehen einmischt und sogar in die Köpfe der Menschen eindringt. Jede Person erreicht nur das 60. Lebensjahr. Stirbt einer, kommt Nachschub. Woher und wie, erfährt man erst im Laufe der faszinierenden Geschichte.

Um diese Insel herum ist eine Nebelwand, die alles abtötet, was sich darin verfängt. Als nun eine der Wissenschaftlerinnen stirbt, droht die Ausrottung aller Lebewesen auf der Insel. Es bleiben nur 107 Stunden, um den Mörder zu finden. Oder das angeknackste System – denn das ist die Insel – am Laufen zu halten.

Atemlos folge ich den wichtigen Retterinnen wie Emory, ihrer Tochter Clara und Thea, eine der Wissenschaftlerinnen. Bei ihrer Spurensuche macht Emory erstaunliche Entdeckungen, die ihr bisheriges Weltbild ins Wanken bringt.

Wow! Was für ein Wahnsinnsbuch! Da es sich zwischen Science Fiction und Krimi bewegt, habe ich das Buch in unsere Fantasy-Abteilung gestellt. Denn gewöhnliche Krimifans könnten fremdeln. Alle anderen werden begeistert sein und sich in einen Rausch lesen. Sprachlich wie vom Plot her ist das Buch allererste Sahne. Besonders berührt hat mich am Ende noch das Nachwort des Autoren, das sich an uns Lesende richtet.

Der letzte Mord am Ende der Welt

von Stuart Turton

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Maman
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn es ein Buch gibt, das meine Lesevorlieben am besten charakterisiert, dann ist es „Maman“ von Sylvie Schenk. Bereits vor sieben Jahren habe ich mir nach ihrem Debüt „Schnell, dein Leben“ einen Platz in der Longlist gewünscht. Damals hat es nicht geklappt. Daher war meine Freude in diesem Jahr riesig, als ich den Namen der Autorin in der Liste entdeckt habe.

„Maman“ ist eine Spurensuche. Die Erzählerin spürt dem Leben ihrer Mutter nach. Voller Poesie, Klarheit und Zärtlichkeit folge ich der Autorin, bin berührt, bewegt und begeistert.

Die Mutter ist das Kind einer Frau, die nach einem kurzen Intermezzo mit einem Mann schwanger wird. Die junge Frau verstirbt nach der Geburt der Tochter. Renée – so heißt Maman – kommt erst in die Obhut einer armen Bauernfamilie. Verwahrlost dort jedoch und wird zwei Jahre später von dem wohlhabenden Ehepaar Legendre adoptiert. Vor allem Marguerite Legendre kümmert sich liebevoll um die neue Adoptivtochter. In der Privatschule wird Renée anfangs kritisch beäugt, später gehänselt. Renée findet nie richtig Anschluss.

Es ist eine besondere und eindringliche Erzählung. Einerseits gelingt dies Sylvie Schenk durch die Sprache, andererseits durch die Form des Erzählens. So zoomt sich die Autorin in die damalige Zeit ihrer Mutter direkt hinein, dass wir die kleine Renée direkt vor uns sehen, förmlich ihren Atem spüren.

Beeindruckend, nachhallend und formschön ist dieser autobiographisch gefärbte Roman, dem ich einen Platz in der Shortlist wünsche!

Maman

von Sylvie Schenk

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Kleine Kratzer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Vorhang auf für Jane Campbell. Ich verneige mich vor dieser Frau – die 80 Jahre alt ist und nicht nur Christine Westermann und Elke Heidenreich mit ihrem Debüt begeistert hat. Aufgespürt hat sie der neu gegründete Kjona Verlag, den wir auch schon bei uns zu Besuch hatten. Genau, das ist der kleine feine unabhängige Verlag mit dem goldenen Klima-Fußabdruck.

Was macht „Kleine Kratzer“ nun derart lesenswert? Keine Geschichte ist wie die andere. Und noch etwas schillert aus dem Band hervor: Die Heldinnen sind alle über 70. Ihnen verschafft die Autorin Verhör. Gleich die erste Erzählung beginnt mit einem Paukenschlag, es ist eine bittersüße Rachegeschichte. Im Mittelpunkt steht eine Ich-Erzählerin, die ihre Mitmenschen feinsinnig versteht und ein bisschen überheblich, frech über die schreibt. Ihre Nachbarn haben einen Hund – keinen tiefenentspannten und friedvollen wie unseren Bobby – nein, Brutus, ein bissiger Hund mit einer offenbar schwierigen Kindheit. Das Ehepaar Leo und Mattie haben ihn aus Rumänien mitgebracht. Leo wollte keinen kleinen Dackel, nein, es sollte was Größeres sein. Leo ist - Sie ahnen es sicherlich – ein furchtbarer Menschen, ein selbstgerechter und furchtbarer, seine Frau Mattie klein, dumm, ihrem manipulativen Leo treu ergeben. Als die beiden nun wegfahren, wissen sie nicht wohin mit ihrem Brutus, die Erzählerin erweist sich als Retterin, als sie sagt, sie würde ihn zu sich nehmen. Aber nicht ohne Hintergedanken. Die Auflösung – o la la - die ist bittersüß.

Jane Campbell schlägt aber auch andere Töne an – nachdenkliche, melancholische. Berührend ist beispielsweise die Begegnung einer Pflegerin und ihrer Patientin in der Geschichte „Susan und Miffy“. Jane Campbell schenkt in ihren 13 Geschichten den alten, zerbrechlichen, betagten Damen eine Stimme, setzt sie in unerhörte, freche, humorvolle, selbstbewusste und mitunter überraschende Plots, so dass ich manchmal gar nicht weiß, wohin mit mir und keine Furcht mehr davor habe, alt zu werden.

Kleine Kratzer

von Jane Campbell

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Überall ist Wasser
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Überall ist Wasser" von Inger Bråtveit ist ein tiefes Eintauchen ins Wasser und in die Seelenlandschaft einer schreibenden Frau. Alle Leser:innen von Rachel Cusk sollten jetzt aufhorchen, denn ich spüre sofort Parallelen zu ihrer Outline-Trilogie.

Dass mein Exemplar aussieht wie ein Punk liegt an den allerhand klugen Gedanken und Zitaten von großen Namen wie Marguerite Duras, Herta Müller, Tove Jansson, Jeanette Winterson und anderen bekannten Frauen, die die Norwegerin kunstvoll einarbeitet. Voller Faszination und mit leuchtenden Augen folge ich der Ich-Erzählerin, die gefangen ist. Einerseits als sich sorgende Ehefrau mit einem kranken Mann, einer kleinen Tochter und zwei Stiefsöhnen. Andererseits als Künstlerin und schreibende Frau, bei der die Inspiration nicht immer so fließt, wie sie´s sollte. Rettende Anker sind die Natur, das Wasser und die Kraft der Literatur.

An einer Stelle fragt sie rätselhaft: „Ist der Sommer, wie das Leben, nur ein kurzer Lichtstrahl auf dem Weg hinab ins Meer?" Wissen wir das? Nein, aber ich begebe mich mit der Erzählerin hinein ins kühle Nass. Wir sind eins in dem Element, in dem die Sorgen von allein schmaler werden und sich ein neuer, heller Raum öffnet.

Inger Bråtveit schreibt über eigene Krisen, wenn sich Wörter nicht mehr so einfach finden lassen, oder sie ihre Rolle als Mutter sucht, die sich manchmal fremd anfühlt, beängstigend und gleichwohl erfüllend ist. Einmal wagt sie es, schwimmt einfach hinaus, und lässt ihre Tochter zurück. Die sie hinterher dafür bestraft. Das schmerzt. Aber auch das ist das Leben. Nicht alles ist schön als Mutter, davon berichtet die Autorin sehr offenherzig und berührend schön.

„Ich denke, das Schwimmen dem Schreiben und dem Lesen ähnelt. Du musst zulassen, dass das Wasser ein Teil von dir wird und du ein Teil von ihm." So ein wahrer Satz. Dass man sich manchmal in unbekannte Gewässer begeben muss, um daran zu wachsen, zeigt sie auf beeindruckende Weise. Es heißt Abschiednehmen von geliebten Menschen. Auch davon erzählt die Autorin sehr feinsinnig.

Also, liebe Schwimmfreunde, Sinnsucher des Lebens, Freunde des Schreibens und des Lesens, folgt dieser interessanten und jungen Stimme aus Norwegen. Das Dagbladet schreibt: "Bråtveit ist eine sensible und scharfe Betrachterin, Denkerin und Schriftstellerin!" Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen außer dies: Nach der Lektüre seid ihr reich erfüllt – eine Meditation für Geist und Seele!

Überall ist Wasser

von Inger Bråtveit

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Frühlingsnacht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Pünktlich zum Buchmesse-Schwerpunkt hat Sebastian Guggolz einen norwegischen Klassiker zum ersten Mal auf Deutsch herausgebracht: „Frühlingsnacht" von Tarjei Vesaas, erneut kongenial übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Vesaas hat zeitgenössische Schriftsteller wie Tomas Espedal und Karl Ove-Knausgard inspiriert wie begeistert.

Mit seiner klaren wie atmosphärischen Sprache zieht mich der Autor atemlos in seine Geschichte. Sissel und ihr jüngerer Bruder Hallstein sind die Hauptfiguren. Hallstein erinnert mich an Mattis aus Vessas´ ebenfalls lesenswerten Roman „Die Vögel". Ist er doch ein recht seltsamer Junge mit großer Fantasie und eigentümlichen Gedanken. So sucht er Gudrun auf, eine Freundin, die er in einem leerstehenden Haus entdeckt hat und mit der er spricht. Aber es gibt sie nicht wirklich, sie ist lediglich eine imaginäre Bewohnerin seiner ganz eigenen Fanatsiewelt. Aber vor ihm liegt eine freie, wunderbare Zeit ohne Eltern.

Seine Schwester nutzt diese, um mit ihrem Verehrer Tore anzubandeln, was Hallstein neugierig beobachtet. Als sich die beiden Geschwister auf einen ruhigen Abend vorbereiten, klopft es plötzlich an der Tür. Wer kann das sein? Tore? Nein, eine ganze Familie, die sofort hektisch auf die beiden einredet. Das Auto sei kaputt, und bei der hochschwangeren Grete haben die Wehen eingesetzt. Eine Hebamme muss her! Sofort!

So radelt Hallstein mit Gretes Mann Karl in den Ort, um eine Hebamme zu besorgen. Fahren vorbei am kaputten Auto der Familie, in der noch Kristine sitzt, die nicht mehr laufen kann und auch nicht spricht, außer mit Hallstein. Sie ist zudem mit Karls Vater liiert. Und dann ist da noch Gudrun, ja, Gudrun, leibhaftig und aus Fleisch und Blut. Hallstein verliebt sich augenblicklich.

Waren die vorherigen Werke vor allem von Innenansichten geprägt, öffnet der Autor hier eine Wundertüte aus Dialogen und Aktionen, gleich einem mitreißenden Theaterstück. Obgleich viel gesprochen wird, erweist sich Vesaas als Meister der Auslassung. Einiges hängt in der Schwebe wie Tautropfen an Blumen. So schafft er eine ganz besondere, geradezu zauberhafte Stimmung. Und er beweist erneut auf beeindruckend schöne Weise, dass er ein Freund von eigentümlichen Figuren und Geschichten ist.

Tarjei Vesaas ist einer der großen literarischen Stimmen aus Norwegen, die es lohnt, entdeckt zu werden. Findet übrigens auch Siri Hustvedt, die den Autor sehr schätzt. Dem möchte ich an diesem Vorfrühlingstag nicht widersprechen.

Frühlingsnacht

von Tarjei Vesaas

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Haltlos
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sarah Nisi ist für ihre raffinierten psychologisch feinen Thriller bekannt und beliebt. Diesem Ruf wird sie auch in ihrem neuen Buch „Haltlos“ gerecht. Eine atemlos machende Lektüre, durch die man förmlich hindurch rauscht.

Emily ist eine der Hauptfiguren. Sie ist gerade dabei, die Wohnung ihrer Freundin Liv auszuräumen. Liv wurde kürzlich auf die Londoner U-Bahngleise geschubst und starb. Emily war Zeugin der Tat, kann sich aber an nichts mehr erinnern. Seitdem plagen sie Albträumen und auch der seltsame Nachbar von Livs Wohnung Shakes verhält sich seltsam. Während die Polizei den Vorfall als Selbstmord einstuft, kann Emily nicht daran glauben und beginnt eigenständiig zu recherchieren...

Sarah Nisi hält den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht. Das gelingt durch sehr kurze Kapitel und Perspektivwechsel verschiedener Figuren. So erleben wir nicht nur Emilys und Shakes Sicht, sondern auch noch die einer dritten Person. Und noch etwas hat mich eingenommen: Eine düstere Atmosphäre, die an verregnete Tage erinnert.

Ein unblutiger und flotter Thriller mit einem schönen Setting: So spielt die Handlung in London.

Haltlos

von Sarah Nisi

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No Hard Feelings
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn dich das Leben gerade an mehreren Stellen zwickt, dann lies dieses Buch! Es enthält zwar keine Gebrauchsanweisung für das perfekte Leben, aber Genevieve Novak zu lesen, tut einfach gut, und sie ist eine Schwester im Geiste. So steht ihre Romanheldin Penny vor Herausforderungen und verliert nicht selten das innere Gleichgewicht.

Da ist ihre toxische Chefin, und Pennys Job im Allgemeinen macht sie nicht glücklich. Ebenso anstrengend ist die On-Off-Beziehung mit Max. Und als Pennys Freundin Bec verkündet, dass sie demnächst heiraten wird, ist Penny eher zum Schreien als zum Feiern zumute.

Penny weiß: Es muss sich etwas ändern. Sie will etwas ändern. Wird es ihr gelingen?

Dieses Buch passt wieder einmal perfekt in die pola-DNA. Das ist der Verlag, der seinen jungen Leser:innen einen Mehrwert geben will. Raffiniert hat die Autorin herausfordernde Themen wie toxische Beziehungen, Perfektionismus, Bodyshaming eingewoben. Der Witz und liebenswerte, mitfühlende Menschen ziehen nicht nur unsere Ich-Erzählerin aus den tiefen Tälern.

„No Hard Feelings“ ist alles andere als hart. Eher weich, sonnig, witzig und spritzig!

No Hard Feelings

von Genevieve Novak

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Ein Geist in der Kehle
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Doirerann Ni Ghriofa erzählt in ihrem beeindruckenden Debüt von einer Frau. Diese Frau ist sie selbst. Denn das Buch ist autofiktional. Die Mutter arbeitet sich mit to-do-Listen durch ihren Alltag. Sie stillt, kümmert sich um ihre Kinder, spendet ihre Muttermilch an unbekannte Säuglinge, die keine Muttermilch bekommen können, sie studiert Angebote, wo sie am günstigsten einkaufen kann. Und dann erinnert sich die Autorin eines Tages an die Dichterin, mit der sie als Schülerin erstmals in Berührung gekommen ist.

Eibhlin Dubh Ni Chonaill hat es tatsächlich gegeben. Die Lyrikerin wurde dafür bekannt, dass sie im 18. Jahrhundert das längste Klagelied - "Caoineadh Airt Uí Laoghaire" - verfasst hat. Nachdem sie ihren Geliebten tot aufgefunden und dessen Blut getrunken hat.

Die junge Mutter entsinnt sich nun dieses Gedichts. Und findet darin – ja so etwas – wie einen hellen Stern, der sie durch die dunklen Tage geleitet. „Ich richte mir mein Leben so ein, dass ich immer, wenn ich mal sitze, gleichzeitig blasse Silben aus Milch von mir gebe und selbst dunkle Nahrung aus Tinte trinke.“

Sie will die Zeilen selbst neu übersetzen und mehr über die Lyrikerin erfahren. Plötzlich ist sie wie von einem Fieber erfasst und taucht immer, wenn sie einen offenen Raum dafür findet, darin ein, übersetzt Wort für Wort, Vers für Vers. Und sie recherchiert den Ursprung, die Geschichte dieser Frau.

Die irische Autorin ist Lyrikerin und das spüre ich sofort. In ihrem Text sind kurze Sätze mit einer Kraft, die mich festhalten.
Beschreibungen, die meinem Geist mit einem inneren Feuer anzünden. Und es finden sich Lebenswahrheiten, derart schön und klug formuliert.

Dies ist ein Buch übers Muttersein und die damit verbundenen Aufgaben.
Aber nicht nur. Denn ich bin keine Mutter und fühlte mich trotzdem darin so gut aufgehoben und elektrisiert.

Denn „Ein Geist in der Kehle“ ist ein Buch übers Frausein. Über die Macht von Lyrik und den kurzen wie prägenden Momentaufnahmen in unserem Leben. Zudem Autorin erzählt eine hochspannende Geschichte einer Frau, die mit ihrem Klagelied zum nationalen irischen Mythos wurde.

Ein außergewöhnliches Debüt aus Irland, von dem Sie in den nächsten Wochen sicherlich noch mehr hören werden.

Ein Geist in der Kehle

von Doireann Ní Ghríofa

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Dienstmädchen für ein Jahr
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Begeistern Sie auch die Bücher von Irmgard Keun? Dann könnte „Dienstmädchen für ein Jahr" von Sigrid Boo etwas für Sie sein. Dieser norwegische Klassiker ist jüngst frisch in der besonderen Reihe „rororo"-Entdeckungen erschienen. Sigrid Boo hat zwischen 1922 und 1942 zehn Romane veröffentlicht, die uns hoffentlich Buch für Buch erfreuen werden. Denn die Autorin ist eine wunderbare Wiederentdeckung.

„Dienstmädchen für ein Jahr" hat mich von der ersten Seite an verzückt. Boos Schreibe verströmt eine belebende Frische, die die letzte Wintermüdigkeit charmant vertreibt. Ich verneige mich vor Gabriele Haefs, die diesen Ton perfekt ins Deutsche übertragen hat.

Helga ist die Ich-Erzählerin. Das Mädchen aus gutem Hause wollte eigentlich nach Frankreich, aber ihr Vater eröffnet ihr, dass es um die finanzielle Situation der Familie nicht gut bestellt ist und sie das Vorhaben verschieben müsse. Helga dazu: „... aber ich wäre doch, ehrlich gesagt, nie auf die Idee gekommen, dass ausgerechnet ich mich jemals mit einer Wirtschaftskrise befassen müsste."

Die junge jährige Frau hatte eine ausgezeichnete Abiturarbeit zur „Wirtschaftskrise nach dem Krieg" geschrieben. Und jetzt? Trifft sie sich erstmal mit Freunden und aus einer Laune heraus entsteht eine Wette, entspinnt sich aus einer Diskussion über das moderne Mädchen. „Ja, was könnt ihr denn eigentlich?" fragt ein junger Ingenieur an diesem Abend. Und Helga ruft: „Wir können alles!" Dann wagt sie es und begibt sich für einen Diamantenring in den Kampfring.

Helga arbeitet zunächst bei einer Familie, wo die Mutter am liebsten im Bett liegt und der Vater dem mit Glücksspiel verfallen ist. Und die fünf Kinder? Haben das Nachsehen. Glücklicherweise nicht mit Helga. Doch die nimmt bald Reißaus und beginnt neu bei einer besser gestellten Adresse. Dort bedient sie die Menschen, an deren Stelle sie sonst sitzt, und erfährt eine warmherzige und freundschaftliche Arbeitsatmosphäre.

Wir alle fragen uns ja gerade: Was lesen in derart schwierigen Zeiten? „Dienstmädchen für ein Jahr" ist meine Antwort. Geistreich, unterhaltsam und klug schreibt die Autorin über Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt, Identität und den Klassenunterschied – gewichtige Themen, die bis heute nicht an Aktualität verloren haben.

Dienstmädchen für ein Jahr

von Sigrid Boo

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Das Eis-Schloss
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

»Das Eis-Schloss« erinnert mich an einen Eiskristall, denn Tarjei Vesaas erzählt in einer eisklaren Sprache von einem zarten Glück, das viel zu schnell zerbricht. Dieser moderne Klassiker der norwegischen Literatur erschien erstmals 1963. Und wieder einmal haben wir es dem Verleger Sebastian Guggolz zu verdanken, dass das Werk bei uns in einer neuen Übersetzung erscheint. »Das Eis-Schloss« erhielt seinerzeit den Preis des Nordischen Rats, den wichtigsten Literaturpreis Skandinaviens. Völlig zu recht, strahlt das Buch doch durch seine eindringlich, elegante Sprache, die den Leser mitsamt der Geschichte magisch anzieht: »Vier Augen voller Funkeln und Strahlen unter den Wimpern. Der ganze Spiegel davon erfüllt. Ich weiß nicht: Funkeln und Strahlen, Funkeln von dir zu mir, von mir zu dir, und von mir allein zu dir – in den Spiegel hinein und zurück, und keine Antwort darauf, was das jetzt ist, keine Auflösung.«

Sofort sehe ich die Protagonisten Unn und Siss an einem Winterabend vor mir. Sie sind zum ersten Mal unter sich, neugierig, zurückhaltend, und doch fragend. Denn die Freude zwischen ihnen ist zerbrechlich. In Unns Seele lauert ein lang gehütetes Geheimnis, das aus den Tiefen ihres Ichs heraus will. Es braucht viel Überwindung, denn das Mädchen hat noch nie jemandem davon erzählt. Siss soll es nun erfahren, aber sie ergreift die Flucht und will nur noch weg, nach Hause. Tarjei Vesaas erzählt von einer besonderen Freundschaft zwischen zwei elfjährigen Mädchen, einer Freundschaft, die eher einem rohen Diamanten gleicht. Sie kann nicht zu dem werden, was man den beiden Mädchen wünscht, denn das Schicksal hat was dagegen: Der kalte Atem des Winters bringt eines der Mädchenherzen zum Stillstand.

Was geschehen ist? Nur soviel: Der Autor spricht über den Verlust in seiner ganz eigenen Sprache, die einfach nur einzigartig ist. Taucht ein in dieses faszinierende, winterliche Buch, das mich berührt und mit seinen stimmungsvollen Naturbeobachtungen regelrecht begeistert hat. Und durch seine tiefe Menschlichkeit, wie ein warmes Mäntelchen um das trauende Mädchen legt.

Das Eis-Schloss

von Tarjei Vesaas

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Vermissen auf Japanisch
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Nur wenige Atemzüge und ich bin im Buch angekommen. Yukiko Tominaga verströmt eine umarmende Wärme, die mich sofort wie ein Kokon umhüllt.

Kyoko ist die Ich-Erzählerin in „Vermissen auf Japanisch“. Ihre familiären Wurzeln liegen in Japan, aber in Amerika hat sie eine liebevolle Wahlfamilie gefunden. Vor allem ihre Schwiegermutter Bubbe ist ihr eine besondere Seelentrösterin. Gemeinsam trauern sie um Kyokos verstorbenen Mann Levi. Ich folge der Erzählerin, die Mutter eines Sohnes ist. Als Levi stirbt, ist Alex vier Jahre alt. Wie mit der Lücke leben?

Davon erzählt die Autorin mit einer Sanftheit, die mich derart berührt. Um sie herum sind liebenswerte Figuren wie Bubbe und ihre Mitbewohnerin Mi Cha. Die Südkoreanerin ist mit ihrer Familie in Kyokos Haus eingezogen, weil der Witwe das Geld fehlt. Sie sagt ihrer Freundin aber auch wahre Dinge wie: „Lauf nicht vor der Liebe davon, Kyoko. Lauf nicht vor ihr davon. Und selbst wenn die ganze Welt gegen dich wäre, du selbst eingeschlossen, ich bin es nicht.“

Ich folge der Romanheldin mit Ruhe und Besonnenheit. Die Geschichte fühlt sich so typisch Japanisch an. Für mich ist sie eine Meditation für die Augen und den Geist. Es sind kleine Puzzleteile, Rückblenden und gegenwärtige Momente, die Yukiko Tominaga elegant aneinandersetzt. Wer geradlinig erzählte und schnelle Plots bevorzugt, könnte enttäuscht werden. Fans von japanischer werden bei der Lektüre Sterne in ihren Augen haben.

„Vermissen auf Japanisch“ ist ein Buch übers Abschiednehmen, Trauer – und der tapfere Weg von dort weg in ein neues Kapitel mit mehr Leichtigkeit und wohltuender Hoffnung.

Vermissen auf Japanisch

von Yukiko Tominaga

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Cleopatra und Frankenstein
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Schon vor Erscheinen der deutschen Ausgabe von „Cleopatra und Frankenstein“ gab es einen Hype um das Debüt von Coco Mellors. Manchmal meide ich derartige laute Rufe in der Bücherwelt. Ein anderes Mal lasse ich mich in so eine Welle hineinfallen. Wenn meine Neugier - wie in diesem Fall - zu stark ist. Was ist dran an dieser gefeierten Autorin?

Der Roman ploppt wie der Korken einer übermütigen Proseccoflasche auf. Der Einstieg ist charmant, witzig und lässt mich sofort an Bücher von Sally Rooney denken. Coco Mellors nimmt mich mit in eine meiner Traumstädte: New York. Dort treffen sich in einer Silvesternacht Cleo und Frank. Schon der Anfang macht deutlich: Das ist ein Buch der Dialoge, schneidend scharf. Die beiden verlieben sich, obwohl sie einige Jahre trennt, Frank ist Mitte 40, Cleo 25. Er aufsteigender Werbemann mit einer eigenen Agentur, sie eine Künstlerin, die bangt, ihr Visum zu verlieren und zurück nach England muss. Kurzerhand heiraten die beiden. Recht schnell, aber aus Liebe. Und dann? Wird alles schön wie im Märchen?

Der Roman durchlebt eine erstaunliche Entwicklung. Am Anfang scheint alles auf Glanz, Party, Unterhaltung und Oberflächlichkeit aus zu sein. Doch ab der Mitte kippt die Tonlage durch eine Ich-Erzählerin, die sich in die Geschichte mit ihrer eigenen Stimme einfügt. Und nicht nur das sorgt für einen Richtungswechsel. Denn die verschiedenen Figuren fangen an zu wanken. Dunkle Dämonen übernehmen das Ruder, nicht verarbeitete Traumata bahnen sich den Weg nach draußen, treiben Cleo zu einer fassungslosen, verzweifelten Aktion.

Dies ist keine seichte Lektüre, die nur perlt und unterhält. Das ist ein Buch, das sich Löcher gräbt, berührt und mich am Ende atemlos beglückt zurücklässt. Und ja, der Hype ist so was von berechtigt. Sally Rooney hat eine ernstzunehmende Kontrahentin hinzubekommen.

Cleopatra und Frankenstein

von Coco Mellors

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Sommerwasser
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Regentropfen überall! Auf der Brille, zwischen den Wimpern, auf der Jeans und den Lippen. Auch in den Schuhen? Nein, da glücklicherweise nicht. Dafür im Buch. Wer beim Titel „Sommerwasser“ an den Sommer denkt, hat nur bedingt Recht. Denn in Sarah Moss' Roman ist es nass und kalt. Der Sommer in diesem schottischen Landstrich hat verregnete Züge und erinnert mehr an den Herbst.

Beim genaueren Blick ins Buch erlebe ich eine weitere Jahreszeit: den Winter. Den sogenannten inneren Winter, durch den die verschiedenen Figuren stolpern. Sarah Moss fährt ein vielstimmiges Figurenkabinett auf. Und obwohl sich die Menschen nicht kennen, sind sie miteinander verbunden: Sie wohnen alle in einer Anlage mit zügigen Ferienhäusern. Die Autorin zoomt sich in die Köpfe der Figuren. Da ist Justine, die sich in den Regen traut und joggt: „Wasser auf bettwarmer Haut, und warum genau macht sie das noch mal?“ Die Antwort findet sich zwischen den Seiten. Dort treffe ich später auch auf Claire. Eine einstige erfolgreiche Businessfrau, die ihr zweites Kind bekommen hat. Als Claires Mann ihr anbietet, mit den Kindern für eine Stunde rauszugehen, sagt sie nicht nein. Doch was macht sie in dieser Zeit?

Der Roman teilt sich wie Regen in kleine einzelne Geschichten, die in meine Augen tröpfeln. Oft stehen weibliche Figuren im Mittelpunkt. Frauen, die große Fragen aufwerfen. Wer sind sie heute? Wer damals? Wer wollen sie sein? Der Regen schubst sie in ihre inneren Räume, und ich folge ihnen, manchmal lache ich auf, zu komisch sind die Gedanken und Situationen, ein anderes Mal werde ich still, bin berührt, seufze tief.

Sarah Moss' Ton bewegt sich zwischen nachdenklich melancholisch bis hin zu witzig, komisch. In allem steckt so viel Wahrheit und Tiefe. Doch die Lektüre zieht mich nie herunter, viel mehr erfrischt sie mich wie freche Regentropfen, die überallhin tanzen - ob ich nun will oder nicht.

Sommerwasser

von Sarah Moss

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Die Halbwertszeit von Glück
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dass die Hamburger Autorin keine Debütantin ist, merke ich sofort. Louise Pelt hat bereits unter einem anderen Namen Bücher geschrieben. In diesem Roman verknüpft sie drei Frauenporträts, die alle miteinander verbunden sind. Vor allem durch ihre Neugier und noch etwas anderem, das ich nicht verraten darf.

Mylènes Leben verläuft in geordneten Bahnen. Die Pariserin ist erfolgreiche Unternehmerin und wird demnächst ihren berühmten Freund heiraten. Doch als sie ein Erbschein erreicht, gerät Mylènes Leben aus den Bahnen.

Viele Jahre vorher – im Jahr 1987 – führt Johanna in der DDR ein einsames gewähltes Leben. Im Wald bewohnt sie eine Hütte, bewirtschaftet sich mehr oder weniger selbst. Warum sie das macht, erfahre ich im Verlauf der Geschichte. Als Johanna im Wald ein verletztes Mädchen vorfindet, das die Dorfbewohner suchen, nimmt sie sich diesem an. Das Mädchen wollte über die Grenze in den Westen zu ihrem Liebsten nach Frankreich, denn es ist schwanger. Was macht Johanna jetzt? Helfen oder melden?

In Los Angeles träumt Holly im Jahr 2003 davon, Drehbuchautorin zu werden. Als ihre Mitbewohnerin, die Schauspielerin ist, ihr Manuskript an eine bekannte Regisseurin weiterleitet, meldet diese sich bei ihr. Sie treffen sich, doch dann passiert ein Unglück, das Holly den Boden unter den Füßen wegzieht, und der Traum verliert an Kraft, weil andere Dinge Hollys Kopf und Herz vollends einnehmen.

Dieses Buch lebt vor allem von den Menschen und ihren Geschichten. Es geht um Verlust, Familiengeheimnisse, Liebe, Solidarität und das vergängliche Glück. Neben den starken Frauen webt Louise Pelt weitere Figuren feinfühlig und gekonnt ein, auf die unsere Heldinnen treffen. Sie sind das Öl in ihren stockenden Motoren. All das liest sich federleicht, ohne oberflächlich zu sein. Wenngleich sich auf dem ersten Blick drei Geschichten eigenständig ihren Raum schaffen, muss ich widersprechen – denn da ist noch viel mehr. Aber lesen Sie selbst!

Die Halbwertszeit von Glück

von Louise Pelt

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Für Polina
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Roman lebt vor allem durch seine besonderen und liebenswerten Figuren. Fritzi ist die Erste. Das Mädchen reist vor ihrem Abitur ins sonnenreiche Land der Genüsse. Dort hat sie ein kurzes Intermezzo mit einem Geschäftsmann. Leider nicht ohne Folgen: Fritzi wird schwanger. Ihr großes Ziel nach München zu gehen, um Jura zu studieren, rückt erstmal in weite Ferne.

Im Krankenhaus lernt Fritzi Günes kennen, die zeitgleich mit ihr gebärt. Ein Mädchen, das den Namen Polina trägt. Ein untypischer Name für ein türkisches Mädchen. Aber Günes verehrt Dostojewski, und Polina ist eine Figur aus einem ihrer liebsten Romane des Russen. Die beiden Frauen bleiben auch nach der Entbindung in Kontakt, folglich auch ihre Kinder. Wann aus dieser Freundschaft mehr geworden ist, mag niemand so genau sagen. Aber es leuchtet, brennt zwischen Polina und Hannes und sorgt für mehr Unruhe, als allen lieb ist.

Fritzi zieht aber zunächst mit Hannes in eine alte Villa nach Kananohe, ein Naturschutzgebiet bei Hannover, umgeben von einer Moorlandschaft. Dort treffen sie auf den 60jährigen Heinrich Hildebrand. Als junger Mann hat Heinrich am Wiener Konservatorium Klavier studiert, und so findet sich in der Villa auch ein Klavier. Das Instrument wird für Hannes noch eine bedeutende Rolle spielen.

Der Roman besticht nicht nur mit seiner einzigartigen Familien- und Liebesgeschichte. Takis Würger gelingt es quasi spielend, dass ich mich als Leserin wieder sehr zur klassischen Musik hingezogen fühle. Mit ihr zu fühlen, Taste für Taste, Ton für Ton.

Takis Würger öffnet wahrlich eine große Palette an leichten wie schwerwiegenden Themen, verarbeitet sie mit leichter Hand, baut unerwartete Wendungen ein, und ist voller Empathie für das bunte Figurenensemble. Allen zu folgen, bereitet mir derartig große Freude, dass ich am liebsten selbst ein Stück komponieren möchte. Zahlreiche Momente lassen mich lächeln, filmische Szenen gehen vor meinem inneren Auge auf. Und ich denke: Das ist die Art von Geschichten, die wir gerade brauchen. Warm, berührend, charmant und voller sensibler Herzlichkeit. Ein Buch wie eine sehnsuchtsvolle Klaviersonate, die lange nachklingt.

Für Polina

von Takis Würger

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Hilda Hasenherz. Das Abenteuer im Fuchswald
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe ein großes Herz für Tiere. Für Wölfe, Raben, Füchse, Ferkel, Mäuse und natürlich für Hasen. Insofern war „Hilda Hasenherz“ Pflichtlektüre für mich.

Hilda ist eine Buddelhäsin. Täglich gräbt sie mit ihren Artgenossen nach Möhren, die der Baron von Ratezahn mit der Spinne Ottilie einfordert. Sie lebt und arbeitet in den Tiefen der Erde, hat noch nie die Sonne oder den Mond gesehen. Überhaupt den Mond, den gibt es nicht, sagt der Baron. Statt der Möhren bekommen die Hasen nur Heu zu essen.

Wir alle wissen ja, was Möhren für Hasen bedeuten. Doch unsere Heldin bleibt tapfer und ist extrem neugierig. Großmutter Graupfote sagt: Du hast immer Fragen im Kopf. Wenn man dir eine beantwortet, hüpfen drei neue hinein und wuseln darin herum wie Hasenbabys, die das erste Mal den Bau verlassen.“ Gesagt, getan!

Denn unsere kleine Heldenhäsin buddelt sich eines Tages tatsächlich frei und landet fast in den Armen von Prinz Lämpchen. Der Hasenprinz sozusagen. Prinz Lämpchen reicht ihr Möhren, erklärt ihr die Sonne und den Mond, und ermuntert sie, den Fuchs zu finden. Sam Grau. Denn vor dem hat selbst der unverschämte Baron von Ratezahn Angst. Denn eins ist klar, Baron von Ratezahn muss besiegt werden.

Was Hilda auf ihrer Reise alles passiert, wem sie begegnet, ist hinreißend wie spannend. Da haben wir beispielsweise Igromir, den Igel oder Eicho, das Eichhörnchen. Werden sie Sam Grau finden? Eins darf ich in jedem Fall schon verraten: Unsere Buddelhäsin wird eine Abenteuer- und Heldenhäsin. Und es gibt einen packenden Showdown am Ende!

Verena Körtling hat der Geschichte zauberhafte Illustrationen geschenkt! Ein wunderbares Buch über Mut, Gemeinschaft und Neugier für Leser:innen ab 8 Jahre und zum Vorlesen ab 5 Jahre.

Hilda Hasenherz. Das Abenteuer im Fuchswald

von Tobias Goldfarb

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Dunkle Momente
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir urteilen täglich, meistens unbewusst. Es sind vor allem unsere Vorstellungen und Prägungen, die uns dabei lenken. Nur wer gibt schon gern zu, dass er sich getäuscht hat in seiner Meinung? Elisa Hoven macht dies auf zutiefst menschliche Weise. Allein dafür möchte ich das Buch allen in die Hand drücken. Die Autorin ist Professorin für Strafrecht und Richterin im Sächsischen Verfassungsgerichtshof. Aber nicht nur deshalb ist die Lektüre lesenswert.

Elisa Hoven hat bereits Bücher geschrieben. Mein Kollege Frank Menden schwört sehr auf „Strafsachen“, das sie zusammen mit Thomas Weigend geschrieben hat. Während dieses ein Sachbuch ist, handelt es sich bei „Dunkle Momente“ um einen Roman. Allerdings ist es keiner mit einer stringenten Handlung, sondern eine Sammlung aus verschiedenen Geschichten um die Hauptfigur herum.

Neun Fälle sind es insgesamt und es ist wirklich alles dabei, was wir schon mal irgendwo gehört und gelesen haben. Oder es sind vollkommen neue Fälle und Einsichten. Manches scheint eingangs als ausweglos, entwickelt sich im Verlauf der Recherche als plausibel.

Wie die Geschichte des Kannibalen. Frank Schanzer wird angeklagt, einen Mann umgebracht zu haben. Und mehr noch: Körperteile gegessen zu haben. Dass Tobias Rennler diesen Tod aus freien Willen wollte, weil er in sich das Bedürfnis gespürt hat, scheint uns allen suspekt, aber: „Sexuelle Phantasien sind unsere intimsten Gedanken...“ Was sie herausfindet und belegt, ist bemerkenswert.

Die Geschichten gehen wirklich sehr nah, aber sie sind wichtig und alle eint: Eine tiefe Menschlichkeit seitens der Verteidigerin, die stets nach dem Warum sucht.

Einige denken jetzt vielleicht: Moment, das kenne ich doch von Ferdinand von Schirach. Stimmt! Doch beide haben ihren eigenen Ton. Dieses Buch empfinde ich anders. Vor allem durch die offenherzigen Einsichten und Denkimpulse. Vor allem Laien wie ich werden mit Staunen und Entsetzen durch das teilweise verzwickten Justizsystem geführt.

Was ebenfalls bemerkenswert ist, sind Hovens Töne für die Nebenfiguren: „Dabei geben sich die Anstaltsleiter meist große Mühe, das Leben der Inhaftierten erträglich zu machen. Viele, die dort arbeiten, haben Sozialpädagogik studiert, sie sind das Gegenteil dessen, was man aus amerikanischen Filmen kennt. […] Und es ist ein Kampf, denn die wenigsten Politiker wollen mehr Geld für Straftäter ausgeben, damit gewinnt man keine Wähler.“

Das sitzt. Und noch etwas passiert bei der Lektüre und dem fabelhaften Hörbuch - eingesprochen von der Schauspielerin Nina Kunzendorf: Einige Aussagen halten mich an, lassen mich länger über die Fälle nachdenken sowie über Elisa Hovens Worte: „So vieles erklärt sich aus der Kindheit des Menschen.“ Da haben wir sie: Unsere Prägungen.

Wenn ich also das nächste Mal urteile, werde ich mit Sicherheit länger innehalten. Denn jede, jeder hat seine Geschichte, handelt nicht ohne Grund.

Dunkle Momente

von Elisa Hoven

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Wildhof
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Darf ich vorstellen? Mein 2. Herzensbuch des Jahres, das ich bereits mit so vielen Buchhändler-Kolleg:innen teile. Obwohl ich nach dem ersten Blick auf dem Klappentext dachte: „Die Handlung ist nicht neu.“ Doch wie viele Geschichten hat es so noch nie gegeben? Zählt nicht, wie die Schreibenden ihre Ideen zu Papier bringen? Und Eva Strasser macht dies derart einschlagend gut.

Die fast 30jährige Lina kehrt nach Hause zurück. Kürzlich sind ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall verstorben. Nun will sie diese beerdigen und das Haus verkaufen. Nicht ohne Grund ist sie seinerzeit nach der Schule ausgebüxt. In die Anonymität. Doch die Schatten der Vergangenheit und ihre Wut sind ihr geblieben. Ihr Temperament führt sie im Job zu einer Handlung mit gerichtlichen Folgen. Nur auf Bewährung, aber die Strafe ist da. Ploppt im Hintergrund auf wie die zahlreichen Nachrichten der Firma. Denn Lina ist gefragt in ihrem Business als App-Entwicklerin. So öffnet Lina öffnet diese und knurrt dabei, wie so oft.

Nun ist sie in Wildhof. Da passieren mitunter seltsame Dinge: Die Kuckucksuhr geht plötzlich wieder, der platte Spielball der Kindheit liegt frisch auf dem Rasen. Ein Lachen huscht durch die Luft, immer wieder sieht sie ihren geliebten längst verstorbenen Hund. Wesentlich realistischer und wärmend sind die Begegnungen mit alten Freunden die ihr zur Seite stehen wie damals als ihre Zwillingsschwester verschwunden ist. Wenn Lina mal wieder vollkommen außer sich ist, bleibt sie allein, und rettet sich in den Wald.

Was für eine einzigartige Schreibe! Voller Sinnlichkeit, Poesie, Witz und Tiefe, temporeich, überraschend erzählt Eva Strasser ihre Geschichte. Die sehr grün ist, denn sie geht oft mit uns raus, taucht in die raschelnde Natur, lässt die Lungen beim Lesen ganz automatisch weiten. Dass die Autorin studierte Philosophin ist und Drehbücher verfasst, spürt man mit jedem Satz. So sause ich lächelnd durch die Seiten und am Ende ist einiges anders als erst vermutet.

Wildhof

von Eva Strasser

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Diese miesen Riesen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es war einmal ein Ritter, der suchte einen Riesen und fand sich plötzlich selbst in einer Geschichte wieder. Diesem Buch. Das tatsächlich mehr von den Bildern getragen wird, und dem wunderbaren Schalk. Während unser Ritter den Riesen sucht, haben wir ihn bald schon gefunden und lachen uns ins Fäustchen. Aber was ist das? Will der Riese unseren Ritter etwa fressen? Glücklicherweise kommt ihm das Fräulein zur Hilfe.

Susannah Llloyd und Paddy Donnelly drehen einfach mal das Märchen um, und machen eine Frau zur Retterin. Großflächige farbenfrohe Bilder laden zum Verweilen und Entdecken ein. Auf jeder Seite erwarten einen verspielte und versteckte Elemente - hinreißend, charmant und fantastisch!

Hat man den Riesen erstmal erspäht, ist die Freude gleich doppelt GROSS.

Bilderbuchspaß für alle ab 4 Jahre!

Diese miesen Riesen

von Susannah Lloyd

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Fuchs & Ferkel - Tücken mit Mücken | "Fuchs & Ferkel" Band 3
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Fuchs & Ferkel sind zurück! Auch der 3. Band („Tücken mit Mücken“) dieser Reihe hat mir großen Spaß bereitet. Ich habe erneut schallend gelacht. Ein Kunde meinte zu mir: „Der Autor versteht es, die Fantasie der Kinder perfekt abzulichten.“ Wohl wahr!

Dieses Mal stehen aber keine Süßigkeiten im Vordergrund, sondern lästige Mücken. Unser Ferkel mit dem „geringelten Ringelschwanz“ wird von einer gestochen.

Oh, wie lästig das ist! Vor allem juckt der Mückenstich, die Ferkel-Arme sind zu kurz, um an die Stelle heranzukommen. So eilt unser kleiner Held in den Fuchsbau und reißt seinen Freund vom Kreuzworträtsel weg.

Da fällt dem Fuchs ein, warum Elefanten nicht von Mücken gestochen werden: Wegen ihrer stinkenden Pupse. Ha, das ist also die Lösung und so entwickeln die beiden eine stinkende Paste, die Mücken zwar abschreckt, aber dafür den Rettich-Hai anzieht. Wie? Ihr kennt den Rettich-Hai nicht? Dann wird es aber Zeit, dieses Buch aufzuschlagen...

Allerbeste & herrliche Vorleselektüre für alle ab 5 Jahre!

Fuchs & Ferkel - Tücken mit Mücken | "Fuchs & Ferkel" Band 3

von Bjørn F. Rørvik

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Coast Road
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie so viele irische Geschichten spielt auch diese in einem kleinen Ort am Meer. Jetzt im Herbst 1994 sind die Menschen in Ardglas aufgeregt: Die Dichterin Colette Crowley ist zurückgekehrt. Wegen einer Liebschaft hatte sie ihren Mann und Kinder zurückgelassen. Ihr Mann verbietet ihr weiterhin den Kontakt zu den Kindern. Die Dichterin bezieht das Cottage von Familie Mullen. Dolores Mullen ist hochschwanger, und ihr Mann ein Lustmolch.

Izzy ist die andere tragende Frauenfigur, und gefangen in einer unglücklichen Ehe. Ihr Mann, ein Lokalpolitiker, will bloß keine Skandale. Die zerbrechliche Izzy, die hin und wieder dunkle Tage hat, trifft während eines Schreibkurses der Dichterin auf diese faszinierende Frau. Als Colette erfährt, dass Izzys Sohn mit ihrem älteren Sohn befreundet ist, entsteht ein Plan...

Was zunächst sehr weich beginnt, entwickelt sich mit jeder Seite zu einem Sog mit beklemmenden Ausmaß. Zeitweise wusste ich gar nicht, wohin mit meinen Gefühlen. Alan Murrin hat sich beeindruckend in seine weibliche Figuren hineingefühlt, ihnen eine authentische Stimme verliehen. Es sind keine Sympathieträgerinnen, aber Kämpferinnen. So widersetzt sich jede auf ihre Art der Ungerechtigkeit und Unterdrückung.

"Coast Road" ist kein Buch zum Liebhaben, aber es entfacht ein inneres Feuer, ist packend geschrieben und birgt jede Menge Gesprächsbedarf. Daher eignet es sich auch bestens für Lesekreise.

Coast Road

von Alan Murrin

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Die Kolonie
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Audrey Magee erzählt auf höchst erfrischende wie poetische Weise die Geschichte einer kleinen Inselgemeinschaft. Alles beginnt mit einem Inselbesucher, dem Londoner Maler Mr. Lloyd. Allein schon die Überfahrt entzückt mich.

Auf der Insel wird er bereits von zwei Frauen erwartet: Bean Uí Néill – Großmutter des Bootsmannes James, der Irisch und Englisch spricht, und auch seine Mutter Mairéad ist zur Stelle. Mr. Lloyd möchte nur schnell ins angemietete Cottage und dann – bitteschön – seine Ruhe haben. Die er dringend braucht, um aus seiner Schaffens- und Ehekrise herauszukommen.

Doch daraus wird leider nichts, schon am nächsten Tag trifft Masson, kurz JP genannt, ein. Ein französischer Linguist, der die irische Sprache erforscht und bewahren möchte. JP will Stimmen um sich haben und ist zu Lloyds Ärgernis sein Nachbar. Als der Maler weiter draußen einen heruntergekommenen Schuppen entdeckt, nistet er sich dort ein. Endlich Ruhe!

Aber nein, James besucht ihn immer wieder. Er ist unglaublich neugierig, fühlt sich von der Kunst des Malers angezogen. Und fängt bald selbst an, den Pinsel zu schwingen. Kann das gut gehen?

Ich bin den vielen Stimmen gefolgt, und erfahre auch den Grund der gewalttätigen Auseinandersetzungen, die Irland lange in Unruhe versetzt haben.Der schwelende Konflikt wirkt selbst in diese scheinbar friedliche Gemeinschaft hinein. Das macht die Autorin auf drastische Art, denn sie setzt jedem neuen Kapitel einen Bericht über grausame Attentate an verschiedenen Menschen voran.

Audrey Magee lässt mit großer Empathie ihr vielschichtiges Figurenensemble über die kleinen Dinge des Lebens laufen, ohne den Blick aufs Große zu vergessen. Einzigartig sind die kleinen poetischen Einschübe, die Versen eines Gedichts sehr nahekommen.

„Die Kolonie“ ist ein Juwel, das lange noch in meinem Herzen funkeln wird. Ein Buch über die Kunst, die Sprache und das, was Menschen eint oder entzweit. Mit einem unglaublichen Finale!

Die Kolonie

von Audrey Magee

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Less Stress In Your 30s
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

+++ Unser Online Shop meldet nicht lieferbar. Stimmt. Aber wir haben das Buch im Laden ausreichend vorrätig. Eine kurze eMail an info@stories-hamburg.de reicht uns und wir reservieren Ihnen gern ein Exemplar. +++

Das Buch kommt für mich zu spät. Eigentlich. Denn ich habe die 30 bereits überschritten. Mit allem, was dazu gehört. Fühle mich aber nicht selten wie 30. So habe ich das Buch mit großem Gewinn gelesen.

Die Hamburgerin ist Expertin im Stressmanagement. Im Oktober und November bietet sie regelmäßig Retreats für alle Altersgruppen an. Zudem schreibt Sue Fengler wöchentlich eine Kolumne „Life at 30“, hat einen eigenen Blog und ist auf Instagram unterwegs. Ihre Fangemeinde ist groß, sie hat fast über 21.000 Follower:innen.

Die 30 ist vor allem für uns Frauen eine entscheidende Zahl. Sue spricht in ihrem Buch über die Rushhour des Lebens. Entscheidungen müssen getroffen werden. Karriere? Mit Kind? Oder ohne? Wo will ich mal hin? Und dann sind da noch die vielen Verpflichtungen und eigenen Ansprüche ans Leben. Obendrein blinkt das Handy die ganze Zeit. Vom übervollen eMail-Postfach ganz zu verschweigen. Wie soll man sich da bitteschön sortieren? Wie ruhig bleiben? Kraft sammeln?

Es kann gelingen. Mit Selbstfürsorge und dem Fokus auf einen selbst. „Less Stress in your 30s“ kann dabei unterstützend wirken. Sue hat das Buch so geschrieben, dass man es eben mal so wegsnacken kann. Man muss es nicht chronologisch lesen. Wichtige Gedanken sind farblich hinterlegt, und jedes Kapitel hat am Ende wirkungsvolle Impulse und Fragen, denen man Raum geben kann und auch sollte.

Die Autorin unterteilt ihr Buch in Themenblöcke:
Mit dem (Zeit-)Druck und all den Erwartungen umgehen.
Wie soll das alles unter einen Hut passen?
Wann wurde es schwierig, die besten Freund:innen zu sehen?
Zeit für dich, wenn du denkst, du hast gar keine?

Offenherzig arbeitet Sue eigene Erfahrungen und Reflexionen mit ein wie die von anderen Frauen. Was das Buch so universell für mich macht, sind Themen, die altersübergreifend sind. So geht es um die eigenen Bedürfnisse, Energie, People Pleasing und die Frage: Was will ich eigentlich wirklich? Was tut mir gut? Was raubt Energie?

So ist „Less Stress in your 30s“ ein nachhaltiger Leitfaden für alle, die der Rushhour des Lebens etwas entgegensetzen wollen. Und löst sein Versprechen ein: Wenn du dir mehr Leichtigkeit und Energie wünschst, lies dieses Buch.

Less Stress In Your 30s

von Sue Fengler

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Ein Hund kam in die Küche
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sepp Mall hat mir mit seinem für den Deutschen Buchpreis 2023 nominierten Buch „Ein Hund kam in die Küche“ vor Augen geführt, weshalb ich die Literaturwelt so liebe. Sie entführt mich nicht nur in fremde Welten, sondern zeigt mir historische Begebenheiten auf, von denen ich nichts oder wenig wusste. Wie die sogenannte „Option“, die der Autor in seinem Buch aufgreift. Die Südtiroler mussten sich während des 2. Weltkrieges entscheiden, ob sie zukünftig der italienischen Seite angehören wollen oder ob sie ins Deutsche Reich auswandern wollen. Genau diese zweite Möglichkeit nutzt Ludis Familie.

Der elfjährige Junge ist die Erzählstimme des Romans. Als die Familie in Innsbruck ankommt, erfährt Ludi, dass sein Bruder in ein Heim muss. Weil es ihm dort besser gehen und er lernen wird, besser zu reden und zu laufen. Hanno ist geistig und körperlich nicht so entwickelt wie es für sein Alter üblich ist.

Bei diesem Teil der Geschichte möchte ich dem Jungen zurufen, dass das nicht stimmt, denn die Menschen in dem Heim haben ihre eigenen Pläne, verfolgen eine Ideologie - die wir alle kennen, doch er kann mich nicht hören. Und muss sich weiter seinem neuen Leben stellen, ohne Hanno. Und auch ohne Vater, der bald voller Stolz in den Krieg zieht. In einem Land, das Ludi an einer Stelle Niemandsland nennt. Denn wirklich an kommt unser Held nie. Er wird zerrissen vor Heimweh und von der Sehnsucht nach seinem geliebten Bruder.

Sepp Mall überzeugt mit seiner bilddichten Sprache, dem Feingespür für seine Hauptfigur. „Ein Hund kam in die Küche“ erzählt von dem Gefühl der Heimatlosigkeit, des Verlorenseins und über eine innige Brüderliebe. Gleichwohl blicke ich in die bewegende Vergangenheit dieser sehr beliebten Urlaubsregion. Da es sich auch um eine junge Hauptfigur handelt, kann das Buch durchaus von Jugendlichen gelesen werden. Diese Lektüre eignet sich bestens als Buchvorstellung für die Schule. Ist es doch ein Buch, über das man sprechen möchte.

Dieser berührende Roman steht wohlverdient auf der Longlist. Wie gut und wichtig ist doch diese Liste, die mitunter hierzulande unbekannte Autorinnen und Autoren mit ihren ganz eigenen literarischen Stimmen in den Fokus rückt, Menschen neugierig macht. In diesem Sinne folgen Sie Ihrer Neugier!

Ein Hund kam in die Küche

von Sepp Mall

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Dalee
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dennis Gastmann ist ein hervorragender Vorleser. Ich habe „Dalee“ wie ein Schwamm förmlich aufgesogen. Auch auf dem Papier ist „Dalee“ eine wahre Lesewonne, ein Abenteuerroman und eine Hommage an die großen wie sensiblen Dickhäuter!

Der Ich-Erzähler dieser Geschichte setzt mit seiner Familie und den Elefanten von Kalkutta auf die Andamaneninseln mit einem Schiff über, um dort bei der Forstwirtschaft aktiv zu werden. Was für eine Reise! Wussten Sie, dass Elefanten auch seekrank werden können? Und ist Ihnen bekannt, dass Elefanten nur zwei Stunden schlafen und dafür ausgiebig gähnen? Gastmann zeigt noch andere bestaunenswerte Eigenarten dieser Tiere auf. Doch nicht nur die Erkenntnisse verwandelt den Roman in ein außergewöhnliches Erlebnis. Hierin steckt viel Liebe, findet sich genauso berührend Schönes - all dies ist sinnlich und voller Hingabe erzählt.

Die Begeisterung für dieses Buch knüpft an meine Faszination für Indien und Elefanten. Doch selbst ohne diese Vorlieben hätte ich die Lektüre ins Herz geschlossen wie seinen jungen Ich-Erzähler Bellini. Dennis Gastmann ist so nah an Bellini und den Elefanten, als wäre er selbst Teil dieser Gemeinschaft gewesen. Vielleicht resultiert dies aus seiner Zeit als Auslandsreporter? Nun, es bleibt sein gut gehütetes Geheimnis.

Dafür ist Gastmanns Buch offen für jede Reisefreudige, jeden Abenteurer, Indienliebhaber und jede Tierfreundin bestens geeignet. Eine Reise, die sich wahrlich lohnt – ob selbst gelesen oder vorgetragen! Die Hörbuchfassungen können Sie übrigens bei uns im Shop bestellen – entweder als Hörbuch oder mp3-Download.

Dalee

von Dennis Gastmann

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Der verschwundene Buchladen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es existieren schon zahlreiche Bücher über Buchhandlungen. Wohl auch deshalb, da sie auf uns eine magische Ausstrahlung ausüben. Nicht ohne Grund arbeite ich ja in einer. Trotz der Fülle empfehle ich „Der verschwundene Buchladen“ von Evie Woods, weil es wirklich großartig ist.

Die Autorin ist Irin. Wenngleich das Cover gar nicht typisch Irisch anmutet und einen leichten kitschigen Charakter verströmt, so kann ich Ihnen mit Gewissheit sagen: Hier steckt mehr drin als sein Aussehen auf dem ersten Blick scheint.

Evie Woods verbindet das Leben von drei Menschen. Opaline flüchtet 1921 vor ihrer Familie, denn ihr Bruder will sie mit einem Mann verheiraten. Es gebe nur zwei Optionen als Frau: Entweder sie heiratet oder sie findet irgendwo ein Anstellung.“ Daraufhin büxt unsere Heldin in einer Nacht- und Nebelaktion mit der Erstausgabe von „David Copperfield“ aus. Mit dem Geld bezahlt sie die Überfahrt nach Frankreich. Über magische Fügungen landet sie in der bekannten Buchhandlung „Shakespeare & Company“ und lernt von Sylvia Beach wichtiges Handwerkzeug, das sie später nutzen wird.

In der Gegenwart flüchtet Martha vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Durch Glück findet sie bei der wohlhabenden Mrs Browden eine Anstellung als Dienstmädchen. Ihre Herrin legt ihr immer Bücher ins Zimmer und Martha, die bislang nicht gelesen hat, fängt an. Und noch etwas ist seltsam: In ihrem Gemach passieren mitunter seltsame Dinge. Eins ist die Begegnung mit einem Mann an ihrem Fenster Henry ist auf der Suche nach einem verschollenen Manuskript und dem Buchladen, den es genau dort bei ihr mal gegeben haben soll. Und noch etwas ist seltsam und nicht von dieser Welt: Immer wieder hat Martha Eingebungen von Texten und lässt sich diese auf dem Rücken tätowieren... Wer oder was ist das?

Ich freue mich jetzt schon, wenn Sie am Ende angekommen sind! Zum einen hatten Sie wohlige Lesestunden. Zum anderen dürften ihre Augen leuchten, denn Evie Woods hat eine unglaubliche Auflösung! Hatte ich schon erwähnt, dass die Bronté Schwestern auch eine tragende Rolle spielen?

Apropos Magie. Können wir davon nie genug bekommen? Vor allem in so seltsamen dunklen Zeiten wie diesen? Eben! Also Buch aufschlagen, und magisch glücklich sein!

Der verschwundene Buchladen

von Evie Woods

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Only Margo
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Du fängst an, ein neues Buch zu lesen, und hast ein wenig Herzklopfen. Der Beginn eines Romans ist wie ein erstes Date. Du denkst: Hoffentlich ziehen die ersten Zeilen mich sofort in ihren Bann, und ich versinke in der Geschichte wie in einem wohligen Bad…“

Mit diesen ersten Worten hatte mich Rufi Thorpe sofort auf ihrer Seite. Die Anziehung blieb, Margo und ich wurden zu Verbündeten. Die 19-Jährige ist die Stimme in „Only Margo“. Die Studentin hat eine Affäre mit ihrem Collegeprofessor. Als sie von ihm schwanger wird, zieht er sich feige zurück. Was soll sie nun machen? Das Kind behalten oder abtreiben? Margo entscheidet sich fürs Leben, ohne sich den Konsequenzen wirklich bewusst zu sein. Wer kümmert sich im Bodhi, während sie arbeitet? Ihre Chefin Tessa hat wenig Geduld und entlässt die junge Frau recht schnell. Und jetzt? Wie soll Margo ihren Lebensunterhalt bestreiten? Als ihr die Plattform OnlyFans begegnet, denkt sie: Warum nicht? Ihre Brüste sind prall und bei den Männern sicher sehr begehrt.

Als Mark – Bodhis Vater - von Margos Einnahmequelle erfährt, gerät Margos Leben buchstäblich ins Wanken. Auch nachdem sie entdeckt hat, dass ihr Vater wieder schwach geworden ist. Margos Vater war ein erfolgreicher Wrestler, er ist bei ihr eingezogen. Jinx unterstützt seine Tochter im Haushalt, mit Ratschlägen, betreut Bodhi, wann immer Margo verhindert ist. Als es gerade gut läuft, macht Margo bei Jinx eines Morgens eine schlimme Entdeckung...

„Only Margo“ ist viel mehr als eine Coming-of-Age-Geschichte. Rufi Thorpe macht deutlich, wie schwierig es ist, als alleinerziehende Frauen Geld zu verdienen. Sie zeigt gleichsam, welche Kräfte in uns Frauen stecken. Margo ist eine Superwoman, ihr Kampfgeist absolut ansteckend.

Das Buch hat Witz, Tempo und genauso berührende wie filmreife Szenen. So überrascht es mich nicht, dass es den Roman als Miniserie mit Nicole Kidman und Michele Pfeiffer geben wird. Einzig die Länge im Mittelteil und das Ende waren für mich to much. Aber hey! das verzeihe ich der Autorin. Denn wer ist schon perfekt?

Only Margo

von Rufi Thorpe

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Bright Young Women
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Auf den letzten Metern dieses lesefreudigen Jahres hat mir der Eichborn-Verlag noch ein Highlight beschert: Das expressiv-bunte Cover von Jessica Knolls „Bright Young Women" hat mich sofort neugierig gemacht. Als ich dann noch sah, dass eine Buchhändler-Kollegin, Jasmin Humburg von Lüders, die Übersetzerin dieses Werkes ist, wusste ich sofort – unbedingt lesen! Hat mich Jasmin doch bereits mit ihrer Übersetzung von R. F. Kuangs „Yellowface" begeistert.

Die Story beginnt mit einem Brief und diesen Zeilen: „Du erinnerst Dich vielleicht nicht an mich, aber ich habe Dich nie vergessen." Pamela hat den Verfasser und die Ereignisse von damals natürlich nicht vergessen. Wie könnte sie?! Als Studentin wurde sie Zeugin eines schrecklichen Verbrechens. In der Nacht zum 15. Januar 1978 bricht ein Mann in ein Verbindungshaus auf dem Campus der Florida State University ein, misshandelt und tötet Studentinnen. Pamela sieht den Mann für Sekunden, glaubt sogar, den Exfreund ihrer ermordeten Freundin zu erkennen. Was ihr später zum Verhängnis wird. Denn Roger war nicht der Täter, sondern ein Serienmörder. Das erfährt sie von Tina Gannon, deren Freundin Ruth vier Jahre zuvor von diesem Mann umgebracht wurde. Und der Schuldige ist noch auf freiem Fuß.

Wow – was für ein Höllentrip! Raffiniert konstruiert, absolut packend und scharfsinnig liest sich dieses Buch über mutige Frauen, die die Wahrheit ans Licht bringen wollen. Wer intelligent gemachte Krimis bevorzugt, sollte sich diesen psychologisch ausgefeilten Thriller auf keinen Fall entgehen lassen. Gelb. Pink. Suspense pur!

Bright Young Women

von Jessica Knoll

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Going Zero
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich warne vor diesem Buch! Sie sollten ein größeres Zeitfenster haben. Denn Sie werden „Going Zero“ in einem Rutsch durchlesen wollen. Anthony McCarten jagt uns durch die Seiten. Der neuseeländische Autor erzählt von einem hochspannenden Gedankenexperiment. Was gar nicht mal so fern von unserer Realität ist. Gerade deshalb hat mich die Lektüre fasziniert und gleichermaßen gefesselt.

In einem letzten Betatest sollen zehn ausgewählte Menschen innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufgefunden werden. Wer den Test besteht, bekommt am Ende drei Millionen Dollar. Nach dem Startschuss haben die Kandidatinnen und Kandidaten zwei Stunden Zeit, abzutauchen. Das Silicon-Valley-Wunderkind Cy Baxter und die CIA haben ein Überwachungsprojekt entwickelt, das sie an diesen Versuchspersonen ausprobieren wollen. Die Bibliothekarin Kaitlyn Day ist eine der Kandidatinnen - eher unauffällig - sie scheint eine leichte Beute zu sein, doch ist sie das wirklich?

Was für ein Pageturner! Er liest sich nicht nur absolut spannend, er piekst uns obendrein, indem uns der Autor den Spiegel vors Gesicht hält. So ist uns allen bekannt, wie die großen Internetplattformen unsere Daten absaugen. Trotzdem entziehen wir sie uns ihnen nicht. Und ist wirklich immer alles zu unserer Sicherheit?

Mich hat Kaitlyn Day beeindruckt. Mit ihrer Cleverness, ihrem Durchhaltevermögen und großem Einfallsreichtum. Auch den anderen Teilnehmer:innen zu folgen, war äußerst interessant und mitunter sehr unterhaltsam wie interessant.

Sollten Sie sich gerade in einem Lesetief befinden oder eine richtig packende unblutige Lektüre suchen, dann greifen Sie zu „Going Zero“. Ein furioses wie temporeiches Buch, das man durchaus auch jüngeren Leser:innen ab 18 Jahren in die Hand drücken kann.

Going Zero

von Anthony McCarten

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Oben Erde, unten Himmel
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sie kennen das sicher: Manche Autorinnen und Autoren begleiten uns wie langjährige Freunde. So ergeht es mir mit Milena Michiko Flašar. Ihr Debüt "Ich nannte ihn Krawatte" hatte mich seinerzeit begeistert. Danach folgte „Herr Kato spielt Familie". Daher war die Freude groß, als mich „Oben Himmel, unten Erde" erreichte.

Obwohl Milena Michiko Flašar halb Österreicherin ist, finde ich in ihren Büchern das literarische Japan: Diese schnörkellose Erzählweise, das Sonderbare, die Eleganz. Das Leichte, das auch Schweres erzählt - mit poetischen Pinselstrichen versehen. Milena Michiko Flašars Stil versprüht zudem eine feine Prise Humor.

In ihrem aktuellen Roman folge ich der Ich-Erzählerin, die am liebsten alleine ist. Die introvertierte Suzu wird Teil einer speziellen Putztruppe, die Wohnungen reinigt, in denen Leichen lange unentdeckt gelegen haben - die sogenannten Kodokushi-Fälle. Suzu fügt sich mit großem Ernst in ihre neue Aufgabe ein und es passiert noch etwas: Sie findet Anschluss, neue Weggefährten. Denn ihr einziger Geselle, ihr Hamster Punsuke, hält sich seit einiger Zeit eher bedeckt. Es ist berührend schön mitzuerleben, wie die junge Frau nach und nach aufblüht, als würde eine Eisschicht in der Frühlingssonne schmelzen.

Die Autorin hat eine besondere Schicksalsgemeinschaft zusammengeführt, die man unweigerlich ins Herz schließt. Gleichwohl erzählt sie über existentielle Themen, die uns Europäer ebenfalls betreffen: Es geht um die Einsamkeit der Dinge und der Menschen, den Tod, den verborgenen Tod (wenn einsame Menschen lange tot in ihrer Wohnung liegen), aber auch um Gemeinschaft und was sie aus eigensinnigen Menschen machen kann.

Ein zurückhaltendes, lebenskluges Buch mit besonderen Zwischentönen, die denen einer Klangschale sehr ähneln.

Oben Erde, unten Himmel

von Milena Michiko Flasar

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Okaye Tage
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sam und Luc sind die Hauptfiguren in dieser mitreißend erzählten Lovestory. Sam ist für einige Wochen in London, dort arbeitet die Stockholmerin in einer Agentur. Auf einer Party trifft Sam auf Luc. Relativ schnell kommen sich beide näher, sehr nah sogar.

Luc ist ein durchtrainierter junger angehender Ingenieur mit einem eigenen feinen Kleidungsstil, der die Welt mit cleveren Instruktionen zu einem besseren Ort machen will. Doch aktuell arbeitet er in einem minimalistischen Klamottenladen. Als nun Sam in sein Leben schwebt, geraten seine Routinen durcheinander. Doch die beiden können nicht anders als beisammen zu sein. Sam: „Mit Luc bin ich so sehr ich selbst, dass es mir vorkommt, als würden wir uns schon ewig kennen...“ Und Luc über seine Liebste: „Trotz ihrer schroffen Art ist sie erstaunlich aufmerksam und tiefgründig.“

Außerdem wissen die beiden, dass ihre Lovestory hat ein Verfallsdatum hat, denn Sam geht nach ihrem Praktikum zurück nach Stockholm. Und danach ist wirklich alles vorbei?

Jenny Mustard hat einen zeitgemäßen Liebesroman von Endzwanzigern geschrieben – jenseits von Kitsch, dafür hat er Tiefgang und ist witzig. Durch die wechselnden Erzählperspektiven schaut man in beide Köpfe und Herzen. Geschickt webt die Autorin nicht nur ihren feinen britischen Humor ein. Raffiniert und lebensnah platziert sie die Themen junger Menschen. Es geht nicht nur um die Liebe und Sex, sondern auch um Selbstverwirklichung, Sehnsüchte und berufliche Ziele.

Selten habe ich so einen umwerfend charmanten Liebesroman gelesen. Extrem cool ist er obendrein auch!

Okaye Tage

von Jenny Mustard

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Und ich -
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Maria-Christina Piwowarski war lange Zeit die Leitung in einem der angesagtesten Buchläden Berlins. Im vergangenen Jahr hat sie sich entschieden, ihre führende Buchhändlerinnen-Tätigkeit aufzugeben, um das zu machen, was ihr noch mehr Freude bereitet: Mit den Schreibenden zusammenzuarbeiten. So moderiert die Berlinerin sehr lange schon zahlreiche Lesungen sowie Online Talks bei Instagram. Im Laufe der Jahre haben sich durch ihre Arbeit als engagierte, herzliche wie mitreißende Literaturvermittlerin viele Verbindungen ergeben. Ein Ergebnis ihrer zahlreichen Kontakte vereint sie nun in Und ich - .

„Ich möchte erfundene Geschichten, Essayartiges und Memoirhaftes, ich möchte Gedichte, Lustiges, und Trauriges, ich möchte die ganze Wildheit der lauten Wendenund stillen Zäsuren in einem Buch", schreibt Maria-Christina Piwowarski in ihrem Vorwort. Diese finden Sie in diesen wunderbaren und reichhaltigen Seiten, keine Geschichte gleicht der vorangegangen. Und doch eint alle eine wichtige Sache: der Wendepunkt.

Gabriele von Arnim. Zsuzsa Bánk, Mareike Fallwickl, Jarka Kubsova, Isabel Bogdan, Marica Bodrozic zählen zu den insgesamt 20 Beitragenden. Ihre Texte sind genauso vielfältig wie die Literatur sich uns täglich präsentiert. Sie berühren, stimmen nachdenklich, lassen einen lächeln und staunen über die Kraft, die uns alle innewohnt wie der Zauber des Anfangs natürlich. Der nicht immer leicht ist, aber machbar, Schritt für Schritt, Zeile um Zeile, Satz für Satz.

Jarka Kubsova öffnet uns die Stelle, über die so lange geschwiegen hat. Zsuzsa Bánk erzählt von der Angst einer Frau, die ihrem gewalttätigen Mann entkommen will. Marica Bodrozic nimmt uns mit in einem Körper, der von einer schweren Krankheit gezeichnet ist.

Sollten Sie gerade vor großen Herausforderungen oder gar einem Wendepunkt stehen, dann gönnen Sie sich diese wundervolle Anthologie! Atmen Sie den Mut der schreibenden Frauen mit allen Sinnen ein! Und dann gehen Sie los. Für Ihr Glück, das Ihnen zusteht. Ich wünsche Ihnen nur das Beste!

Und ich -

von Marica Bodrozic, Mareike Fallwickl, Judith Poznan, Christine Koschmieder, Stefanie Jaksch

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Velvet Winter
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Hast du schon in dieses wunderschöne Kochbuch geschaut?“ fragt mich meine liebe Kollegin Sarah O'Connor. Nein, noch nicht. Ich habe es blind eingekauft, weil der Brandstätter Verlag und Theresa Baumgärtner immer Garanten für einzigartige und besondere Kochbücher sind. Nun aber. Endlich! Und ich bin wieder absolut hingerissen.

Dieses Mal nimmt uns die bekannte Kochbuch-Autorin mit in die verzauberte englische Landschaft. Nach Oxford, Cotswolds – der Inbegriff der englischen Countryside. Mit jeder Seite staune ich mehr – über die stimmungsvollen Bilder, feinen Texte und einfachen Rezepte. Ich habe das Gros tatsächlich in der heimischen Küche vorrätig: Hefe, Dinkelmehl, Weinsteinbackpulver, Schokolade, Butter und Eier. Mehr braucht es nicht, um die Köstlichkeiten herzustellen. Besonders angetan hat es mir der Orange Cake. So einfach, und derart himmlisch lecker!

Das Kochbuch ist das ideale Geschenk für alle Naschkatzen. Enthält es allerhand liebliche Rezepte, zu Shortbread beispielsweise und das in vielerlei Hinsicht - sowie über andere verführerische Backwaren. Die Breakfast Buns haben es mir sehr angetan. Absolut hinreißend und besonders sind die Cookies „Painswick“, zu denen es im Buch Vorlagen gibt. Apropos Basteln. Natürlich widmet sich die Autorin wieder einem Thema. Dieses Mal steht Samt im Vordergrund. Im hinteren Teil hält sie Anleitungen parat - für Schleifen, festliche Rosetten, goldene Tannenbäume, eine Orangen-Girlande, Christbaumkugeln und andere raffinierte wie zauberhafte weihnachtliche Deko-Elemente.

„Velvet Winter“ ist ein wunderschönes und atmosphärisches Kochbuch zum Abtauchen, Wärmen, Träumen und Inspirieren lassen! Selbst Nicht-Naschkatzen kommen auf ihre Kosten: So finden sich hier raffinierte und aromatisch-feine würzige Leckerlies wie der festliche Maronenbraten, Bohnen-Stew mit Wintergemüse. Salmon Wellington und Skrei (Winterkabeljau) mit geröstetem Fenchel.

Velvet Winter

von Theresa Baumgärtner

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Peanut Jones und die Stadt der Bilder
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Peanut Jones und die Stadt der Bilder ist das coolste, schönste und wunderbarste Kinderbuch für 10-Jährige, das ich seit Langem gelesen habe! Einige von Ihnen kennen Rob Biddulph sicherlich. Er ist ein preisgekrönter britischer Illustrator. Dieses Zeichentalent hat er nun in seine Reihe um Peanut Jones einfließen lassen. Was für ein Gewinn!

Denn in dem Buch dreht sich viel um Kunst und Kreativität. Peanut Jones ist die Hauptfigur. Das Mädchen ist traurig, denn ihr geliebter Vater hat seine Familie verlassen. Obendrein ist Peanut von ihrer Kunstschule auf eine naturwissenschaftliche Schule gewechselt. Dort wird der Chemie begeisterte Rockwell Riley ihr Lernpartner.

Eines Abends entdeckt unsere Heldin unter der Kiste, in dem sich die liebevoll gemalten Post-its ihres Vaters verbergen, einen seltsam aussehenden Bleistift. Peanut malt mit ihm eine Blume, die in einer Vase steht. Als die Blume am nächsten Morgen verwelkt ist, fangen nicht nur Peanuts Augen an, zu leuchten.

Sie ahnen es sicherlich schon, und liegen goldrichtig: Dieser Bleistift ist magisch! So sehr, dass er Peanut zusammen mit ihrem Lernpartner und ihrer kleinen Schwester nach Chroma führt. Wie sie dort hingelangen, und welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen, verrate ich natürlich nicht.

Rob Biddulph hat eine packende, hinreißende wie fantastische und humorvoll-erzählte Abenteuergeschichte erschaffen. Es gibt immer wieder neue Wendungen und natürlich allerhand tolle Bilder. Großartig! Absolute Leseempfehlung - auch für erwachsene Kunstfreund:innen, die etwas Wärmendes zwischen den Augen brauchen.

Peanut Jones und die Stadt der Bilder

von Rob Biddulph

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Die Unmöglichkeit des Lebens
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Grace lebt zurückgezogen in den Midlands, und spürt zwei Narben in ihrem Herzen: Die pensionierte Mathematiklehrerin hat ihren Sohn viel zu früh verloren, ihr Mann ist vor vier Jahren gestorben. Und jetzt? Unterzieht sie sich gerade einer Venenoperation, als sie entscheidet, nach Ibiza zu fliegen, um sich das vererbte Haus anzuschauen. Ob das eine gute Idee ist?

Finden Sie es heraus! Und erleben Sie an Graces Seite magische Momente. Nicht alles lässt sich erklären, diese Erfahrung macht unsere selbst unsere rational denkende Ich-Erzählerin. Sie trifft auf besondere Menschen, und will das Rätsel lösen, wie Christina ums Leben gekommen ist, denn da tappt man noch im Dunkeln. Also die Polizei, aber nicht Alberto Ribas – ein Taucher, der Grace auf einen nächtlichen Tauchgang mitnimmt. Plötzlich wird es in der finsteren Nacht taghell. Das kommt nicht nur durch das leuchtende Seegras im Mittelmeer.

Denn „Die Unmöglichkeit des Lebens“ ist Wunderbalsam für die Seele. Man sollte etwas Offenheit für nicht immer ganz erklärbare Dinge mitbringen. Matt Haigs Botschaft hingegen ist klar: Es gibt keine Begrenzungen. Zudem gesellt sich die Gewissheit dazu, dass es nie zu spät ist für einen Neuanfang. Es lohnt sich, offen und neugierig für alles zu sein, so unbehaglich sich vielleicht im ersten Moment manches anfühlen mag. Die Antwort kommt, ganz bestimmt, siehe Grace.

Die Unmöglichkeit des Lebens

von Matt Haig

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Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Wer kennt das nicht? Da ist man zu einer Feier eingeladen, möchte gern etwas mitbringen – im besten Falle ein gutes Buch, das einen tollen Eindruck hinterlässt. Aber man weiß nicht welches. Ich hätte da etwas total Unverfängliches, das Ihnen und den Empfängern eine große Tüte Lachsalven bescheren wird. Die erfolgreiche Podcasterin (DRINNIES) Giulia Becker hat mir mit ihrer neuen Textsammlung erheiternde, wie wärmende Stunden beschert. Ich muss jetzt seltsamerweise grinsen, wenn ich auf das Buch schaue.

Was macht sie? Ganz einfach: Sie wedelt mit ihrem raffinierten Wörter-Zauberstab, reflektiert den Wahnsinn des Alltags, fantasiert ein bisschen weiter. Wie gleich eingangs, als sie darüber nachdenkt, wie es wäre, unsterblich zu sein. Wie reich sie damit werden würde, wenn sie jeden Tag nur einen Cent zurücklegen würde. Da wäre man nach hundert Millionen Jahre Millionärin. Auch interessant, finde ich ihre Analyse über Schlafanzug-Träger:innen. Für Zwischendurch gibt’s auch kleine Umfragen, bei denen man sein Kreuz setzen kann. Ebenso herrlich sind die Ruhezonen, die sie in Geschäften sucht. Und – oh Schreck – im Media Markt eingeschlossen wird.

Dieses Buch kommt zur richtigen Zeit! Nicht nur in Hinblick auf Weihnachten. Sie pustet den Schrecken des Weltgeschehens weg. Für mich ist das Buch schon jetzt ein All-Time-Favorite für Zeiten, in denen ich nicht weiß, wie ich da gerade durch den Alltag stolpern soll, und für Menschen, die ich mag, aber noch nicht gut kenne. Danach werden wir mit Sicherheit Freunde.

Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes

von Giulia Becker

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Winterfest
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Winter ist bei vielen wie die Schwiegermutter: Sehr unbeliebt. Er ist kalt, dunkel, und nicht selten schauen wir in mürrische Gesichter. Doch Rettung naht: Mit diesem wunderschönen wie gehaltvollen Kochbuch.

Rachel de Thample begeistert mich gleich mit einem Versprechen: „Dieses Buch ist eine freundliche Einladung an Sie, sich auf die essenzielle Verlangsamung des Winters einzulassen." Ich und langsam? Nun ja. Aber für gutes Essen halte ich Wirbelwind und nimmersatte Raupe gerne an.

Wie ganzheitlich das Kochbuch konzipiert ist, erfahre ich bereits auf den ersten Seiten. Die Autorin präsentiert Rezepte, Kräuter und Gewürze, die bei nahezu jedem Zipperlein helfen. Da mein Fokus und meine Konzentration in den nächsten Wochen besonders gefordert werden, esse ich nun also vermehrt Brokkoli, Chiasamen, Süßkartoffeln und würze alles mit Muskatnuss, knabbere viele Walnusskerne und genieße Sellerie Tacos mit Kimchi und geräucherte Makrele. Ebenso Weizengras, Kurkuma, Kefir und dunkelgrünes Blattgemüse für eine schöne Haut.

Bevor ich mich das Weihnachtsgeschäft vollends beansprucht, genieße ich mein Tahini-Birnen-Porridge. Für Zwischendurch mixe ich mir einen grünen Smoothie. Mittags genieße ich meine Blumenkohl-Lasagne. Und am Abend empfängt mich mein Mann mit einem Karotten-Miso-Mac. Gut, über Letzteres ist noch zu reden, sagt Herr Klappentexter. (150)

„Wir Menschen machen zwar keinen Winterschlaf, unser Körper sehnt sich jedoch nach mehr Ruhe, wenn die Tage kürzer werden." Auch dafür hält die Autorin raffinierte wie wohltuende Gerichte parat. Dieses Buch ist eine Wohltat auf allen Ebenen und es versöhnt uns mit dem Winter. Wie wichtig und essenziell gute Ernährung sein kann, zeigt uns dieses feine Kochbuch, das obendrein noch mit wunderschönen Bildern Appetit macht.

Winterfest

von Rachel de Thample

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Mein Jahr voller Selfcare
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mindfullness und Selfcare sind schwer in Mode und für viele Menschen aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sei es auch nur der Wunsch, endlich richtig zu atmen oder Dies und Jenes zu zelebrieren.

Klar, ist oft nicht einfach. Haben wir doch selten Zeit, hetzen von einem Termin zum nächsten. Immer die Selbst To-Do-Liste im Nacken. Aber haltet für einen Moment inne! Für mich und dieses wunderschöne Buch!

Gleich zu Beginn eine wohltuende Einleitung: „Umarme die Jahreszeiten, lass dich von Ritualen stärken und schaffe das ganze Jahr über positive spirituelle Gewohnheiten."

Für jeden Monat gibt es Übungen und Impulse, um eine Verbindung zum inneren Ich aufzunehmen oder einfach durchzuatmen und alle Listen dieser Welt mal zum Schweigen zu bringen. Da helfen schon leichte Yoga-Übungen wie die Berghaltung, der Baum, der Krieger und die Göttinnenpose.

Oder ganz simpel Dankbarkeit und Sätze wie „Ich sehe die Wunder in meinem Leben. Ich bin beschenkt."

Dankbarkeit ist so ein wertvolles und kraftvolles Tool, dem wir viel zu wenig Beachtung schenken. Im Buddhismus gibt es zwei wichtige Worte: Danke und Ja.

Keine großen Dinge, nehmt nur das Geschenk an, morgens aufzuwachen. Oder das Lächeln eines fremden Menschen. Und sagt öfter zu euch selbst, wie zu anderen statt „nein" lieber „ja". Hilft Wunder!

Wenn wir hier von kleinen Dingen sprechen, dann auch von der Kraft des Atmens. Wie du atmest entscheidet tatsächlich oft darüber, ob du dich gut oder schlecht fühlst. Und: „Es lebe die Kraft der Imagination!" Es ist bewiesen, dass die Fantasie wie die Wirklichkeit wirken kann.

„Mein Jahr voller Selfcare" ist ein wohltuendes, inspirierendes und erdendes Buch für alle, die gerne mal im Alltag abtauchen und hineintauchen wollen in die Tiefen der Seele, um bei sich anzukommen oder einfach nur Kraft zu schöpfen. Und wer sich um sein eigenes Wohlbefinden kümmert, tut dies automatisch auch bei anderen Menschen.

Mein Jahr voller Selfcare

von Leaping Hare Press

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Blue Skies
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stellen Sie sich vor, Sie haben Lust auf einen Drink. Doch statt in die Bar gehen Sie in die Zoohandlung nebenan und kaufen sich einen Tigerpython. Würden Sie nie tun? Nun, dann empfehle ich die Lektüre von T. C . Boyles neuem Roman „Blue Skies". Denn darin machen eigentlich ganz normale Menschen ziemlich verrückte Dinge.

Cat ist auf der Suche nach einer Bar, doch auf dem Weg dahin bleibt sie vor einem Schaufenster stehen und wird magisch hineingezogen. Cat stellt sich vor, eine Schlange wie einen Schmuck zu tragen. „Es wäre ein Statement, so viel war sicher." So kauft sich Cat nach einem längeren und ziemlich schrägen Beratungsgespräch diese Schlange, steckt sie in einen Beutel und genehmigt sich danach endlich den Drink, den sie schon längst haben wollte. Da sitzt sie dann mit ihrer Schlange an der Theke. Verrücktes Bild – und es bleibt nicht das einzige in „Blue Skies".

Cats Mutter beispielsweise hat beschlossen, Insekten zu essen. Um ihren Sohn – einem Entomologen – einen Gefallen zu tun und auf diese Weise ihren CO2-Fußabdruck zu minimieren. Also bestellt sich Ottilie einen Grillenbrutautomat, mit dem sie Grillen züchten und selbst Eiweiß selbst herstellen kann. Die Gerichte, die sie ihren Gästen vorsetzt, sind außergewöhnlich, und, nun ja, setzen schon ein gewisses Maß an Unerschrockenheit voraus. Cooper, ihr Sohn, ist als Mann einer Zeckenforscherin vieles gewohnt. Was den beiden bald zum Verhängnis werden wird.

Es geht in Boyles neuem Roman nicht nur um Menschen, Insekten und Schlangen. Der amerikanische Autor nimmt sich den Klimawandel vor und lässt seine Figuren regelrecht in ein Drama größeren Ausmaßes gleiten, in das er innere Konflikte schlangenartig mit einwebt. Dabei spielt der amerikanische Autor Kontraste gekonnt aus. Während Cats Familie in Kalifornien unter andauernder Trockenheit und Hitze leidet, hört es bei Cat in Florida nicht mehr auf zu regnen, schlimmer noch, das Wasser umspült die Pfähle des Hauses, das direkt am Meer steht.

„Blue Skies" ist unterhaltsam, witzig, und auf angenehme Weise verrückt. Gleichwohl berührt mich Boyle, dieser große Menschenkenner, mit seinem feinfühligen Blick auf seine Akteur:innen und einem vielfältigen Figurenkabinett. Unerwartete Wendungen ziehen in seinem düsteren wie fantastischen Roman erhebliche Verwerfungen nach sich. Dabei beweist der Autor erneut, was für ein fabelhafter Chronist unserer Zeit und leidenschaftlicher Erzähler er ist.

Sollten Sie nach der Lektüre von „Blue Skies" Lust auf einen Drink verspüren, sollten Sie sich vergewissern, dass keine Zoohandlung in der Nähe ist. Denn der Spontankauf eines Python ist nicht ausgeschlossen. Oder warum muss ich für mein neues Haustier immer genügend Mäuse bereithalten?

Blue Skies

von T. C. Boyle, Tom Coraghessan Boyle

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Am Tag des Weltuntergangs verschlang der Wolf die Sonne
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mein Herz tobt noch immer wild durcheinander als wäre es eine Raubkatze, die man in einem viel zu kleinen Käfig eingeschlossen hat. Mich hat dieses Debüt vollkommen mitgerissen und selbst jetzt blinzelt es mir immer noch zu. Sina Scherzant erzählt in ihrem umwerfenden Buch die Geschichte zweier Schwestern, die es wahrlich nicht leicht haben. Ihre Eltern haben sich getrennt, die Mutter ist mit der Ich-Erzählerin und der jüngeren Tochter Nadine nach Dortmund gezogen. Neues Leben, neue Schule und Freundinnen. Katharina kümmert sich liebevoll um ihre Schwester. Wer jetzt kurz an „22 Bahnen“ von Caroline Wahl denkt, dem sage ich: Ja, stimmt, es gibt Parallelen, aber die beiden Bücher stehen für sich allein. Und dieses hier hat mich noch mehr begeistert.

Woran mag das liegen? An Angelica? Sie ist die Mutter von einer von Katharinas neuen Freundinnen, bei der sie oft abhängen. Lica ist so anders als Kathas Mutter, die mit der Erziehung oft überfordert ist. Lica ist dem Mädchen zugewandt. Sie ist die erste Person, die dem 15jährigen Mädchen sagt, dass es nicht für alle verantwortlich ist, auf sich hören sollte und es nicht immer allen recht machen muss. Denn die Erzählerin sieht sich selbst als "Lebenshandwerkerin" und schreitet überall ein, stopft Löcher, bügelt unebene Stellen aus, die der Alltag hinterlässt.

Lica sagt Katha auch, was man als Frau nie vergessen sollte, was wichtig ist. Lica ist eine Sonne, die nicht nur Kathas Innenleben zum Leuchten bringt - auch meins. Doch dann passiert eines Tages etwas, das das Leben unserer Heldin komplett aus der Bahn wirft. Wir verlieren alle das Gleichgewicht, doch Sina Scherzant fängt uns mit ihrer Sprache auf, die derart vibriert und sich wie ein Rettungsschirm um alles spannt. Sie trifft für jede Regung den richtigen Ton. Mal ist er rau, motzig, dann wieder zärtlich, klug, laut, leise, cool. Jodie Albon setzt die Sprache im eingesprochenen Hörbuch perfekt um.

Ein beeindruckendes Debüt über Schwesternschaft, weibliche Selbstermächtigung, Verlust, Trauer, Frausein und das wilde Leben mit seinen vielen Fallstricken. Ein Buch wie ein Faustschlag und eine Umarmung in einem. Das macht es so einzigartig und unvergesslich! Erschienen ist dieses Buch übrigens im neu gegründeten parkxullstein-Verlag.

Am Tag des Weltuntergangs verschlang der Wolf die Sonne

von Sina Scherzant

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Die zerbrechliche Zeit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Obwohl die Frankfurter Buchmesse längst Geschichte ist, lese ich weiterhin Bücher aus dem Gastland. Denn zu sehr begeistere ich mich sowohl für zurückhaltende als auch für ausgezeichnete: So hat Donatella Di Pietrantonio für „Die zerbrechliche Zeit“ den italienischen Buchpreis, den Premio Strega 2024 erhalten. So verdient!

Die Autorin ist hierzulande keine Unbekannte. So hat sie bereits mit ihrem Roman „Arminuta“ begeisterte Lesestimmen eingefangen. In ihrem neuen Werk nimmt sie uns mit in die Abruzzen. Lucia ist die Ich-Erzählerin. Ihre Tochter Amanda ist fluchtartig aus Mailand zurückgekommen, hat dort alles stehen und liegenlassen, und igelt sich jetzt ein, spricht kaum. Gleichzeitig will Amandas Vater seiner Tochter das Land unter dem Wolfszahn schenken. So schnell wie möglich. Warum er es so eilig hat, erfahren wir bald. Amanda indes zögert, ist dieses Fleckchen Erde doch von einem Fluch überschattet. Denn dort auf dem Campingplatz hat sich vor vielen Jahren ein tragisches Ereignis, das auch Amanda nicht direkt, aber doch mit einschließt...

„Die zerbrechliche Zeit“ ist keine Wohlfühl-Lektüre, aber gleichwohl eine anziehende, betörend schöne, ruhig und atmosphärisch erzählte Familiengeschichte. Durch kurze Kapitel schafft die Italienerin eine fesselnde Spannung, der man einfach nicht entkommt. Melancholisch, berührend und kraftvoll sind die Seiten, aus denen ich leuchtend hervorgekommen bin und mich vor der Preisträgerin verneige.

Die zerbrechliche Zeit

von Donatella Di Pietrantonio

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Die Straße in die Stadt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Für gewöhnlich liebe ich Romane und Erzählungen mit Figuren, die mein Herz berühren. Die Erzählerin in Natalia Ginzburgs Debüt Die Straße in die Stadt – das 1942 erschien – erfüllt all das überhaupt nicht. Und trotzdem bleibt mein Herz bei dieser Geschichte hängen, da sie derart eigensinnig, versponnen und in vielerlei Hinsicht besonders ist.

Delia ist 16 Jahre, und sie will aus der Enge des kinderreichen Haushalts. Der Vater ist jähzornig, die Mutter überfordert. Und so flüchtet das Mädchen öfter in die Stadt zu ihrer Schwester Azalea, die scheint es geschafft zu haben. Sie ist mit einem älteren Mann verheiratet, der überhaupt kein Problem mit ihrem Lebensstil hat. Der da lautet: Schlafen, Nichtstun. Das will Delia auch. So nähert sie sich dem Sohn des Doktors an, verliert in einem kurzen Intermezzo nicht nur ihre Unschuld. Sondern das Kindsein. Denn Delia wird schwanger. Was jetzt?

In Nini findet sie eine Art Seelengefährten. Der junge Mann lebt zunächst bei ihnen zu Hause. Doch im Verlauf der Geschichte zieht er aus, arbeitet in der Fabrik und versucht, Delia mit Gesprächen und Verbindungen zu retten. Doch unsere Antiheldin macht alles kaputt. Und ich schüttele nicht selten meinen Kopf. Eigensinniges Ding, eigensinniges Buch und gerade deshalb unvergesslich und einprägsam.

Die Straße in die Stadt

von Natalia Ginzburg

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Die Kichererbsen der Señora Dolores
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wussten Sie, dass es ab Mitte des 19. Jahrhunderts friesische Gemeinden in Kalifornien und später in New York gegeben hat? Ich nicht. Und das als ehemalige Nordseekrabbe. Erfahren habe ich das in Stevan Pauls wundervollen neuen Erzählungsband.

Moment! Stevan Paul ist das nicht der bekannte Kochbuch-Autor? Exakt! Dass durch den Wahl-Hamburger auch eine schriftstellerische Ader fließt, hat er bereits vor einigen Jahren unter Beweis stellen können. „Monsieur, der Hummer und ich“, „Schlaraffenland“ und „Der große Glander“ zählen zu seinen literarischen Werken. Jetzt ist bei seinem literarischen Hamburger mairisch-Verlag „Die Kichererbsen der Senora Dolores“ erschienen.

Er wollte mit seinem Buch den Menschen etwas Gutes tun. Und das gelingt ihm im allerfeinsten Sinne. Jede Geschichte ist besonders, und macht Appetit. Sie sollten die Lektüre also nicht mit leeren Magen lesen – höchstens als Vorspeise genießen.

Der Autor reist mit uns um die Welt, erzählt berührende wie hinreißende Momente von Menschen, denen gutes Essen genauso viel bedeutet wie mir. Da ist eingangs die Titel gebende Erzählung. Dort erwacht eine ältere Senora unter dem Orangenbaum. Sie weiß nicht, wie sie dahin gekommen ist. Aber bei einer Sache ist sie sich so was von sicher: Was Sherry bei einem Eintopf bewirken kann. Oder der einfache Postbote, der sich einen großen Traum erfüllt: nach Japan zu reisen. Ertappt fühle ich mich bei „Herzensangelegenheiten“. Dort steht die Buchhändlerin Neka im Mittelpunkt, die ihren Kund:innen nicht nur Ottolenghi in die Hand drücken will... Ob mich der Autor beobachtet hat?

Das bleibt sein süßes Geheimnis. Offen hingegen ist er mit den Rezepten seiner Geschichten. So findet sich nach jeder Erzählung das passende Rezept. Dieses Buch hat großes Glückspotenzial und löst sein Versprechen ein: Nach jeder Geschichte fühlt man sich herrlich beschwingt und ja, voller Tatendrang, etwas Leckeres zu kochen.

Die Kichererbsen der Señora Dolores

von Stevan Paul

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Mein kleiner Orangenbaum
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sesé ist der Ich-Erzähler. Er ist sechs, eigentlich fünf, aber das verschweigt er lieber. Sesé ist ein kluges, aufgewecktes Kerlchen, das bereits lesen kann. Und ich garantiere: Sie werden ihn sofort ins Herz schließen. Und Sie werden ihm verzeihen, dass er sich hin und wieder Streiche ausheckt, bei denen man die Hände über den Kopf zusammenschlägt und ruft: „Ach Sesé, was machst du nur?“

Diesen Bengel nicht zu lieben, ist schier unmöglich. Als Sesés Familie umziehen muss, weil der Vater lange schon arbeitslos ist, entdeckt unser Held im Garten des neuen Hauses einen kleinen Orangenbaum. Er wird sein neuer Freund, und nennt ihn Knirps und an guten Tagen heißt der Baum Bébé. Die beiden unterhalten sich über große und kleine Themen. Falls Sie jetzt denken, das ist mir aber zu fantastisch, dem sage ich: Nein! Sie brauchen nur ein bisschen Fantasie, und davon hat unser Romanheld allerhand. Die geht automatisch in Sie über.

Sesé durch seinen Alltag zu folgen, ist berührend und absolut erfrischend. Als er eines Tages noch einen neuen Freund findet, der erst sein Feind war, platzen unsere Herzen vor Freude, Dankbarkeit, und Staunen: Kann das sein? Oh ja, und wie!

„Mein kleiner Orangenbaum“ bringt ganz viel Licht in diese triste Jahreszeit. Es lässt uns ganz oft lächeln, wärmt auf bezaubernde Weise und verwandelt den Nieselregen in Sonnenfontänen! Das ideale Geschenk für jeden, dem gerade vielleicht das Lächeln abhanden gekommen ist. Oder einfach für Sie, und Ihre junge Seele, die niemals altert.

Mein kleiner Orangenbaum

von José Mauro de Vasconcelos

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One Second to Love
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich habe zuletzt einige schlechte Liebesromane gelesen. Kristina Moninger hat mich aus dem Tief herausgezogen. Woran liegt es? Wohl an der richtigen Mischung. In ihrer auf vier Bände angelegte Reihe „Breaking Waves“ kreist jeder Band um das Leben einer Freundin: Avery, Isabella, Odina, Lee und Josie. Die sehr unterschiedlichen Mädchen lernen sich bei einem Surfkurs kennen und freunden sich an.

Was die Lektüre obendrein spannend macht ist Josies Verschwinden. Josie war eine berühmte Schauspielerin, die vor zehn Jahren von der Bildfläche verschwunden ist. Sie wurde seitdem nicht gefunden. Nun verdichten sich neue Hinweise, als Avery nach ihrem Abschlusskonzert auf Harbour Bridge bleibt – eine Insel vor der Küste South Carolinas. Avery ist ausgebrannt, will wieder zu sich finden. Aber aus ihrer Auszeit wird nichts. Denn nicht nur die Dämonen der Vergangenheit holen sie ein, auch Jake – ihr Bandkollege, mit dem sie mehr verbindet als reine Freundschaft, sucht ihre Nähe. Mehr als ihr lieb ist. Oder doch?

Ich bin durch die Seiten gesurft, habe die Leichtikeit des Sommers auf meiner Haut gespürt und dieses Prickeln, was man aus guten Liebesromanen zieht. Wie auch bei den Romanen von Emily Henry dreht sich nicht alles um die Liebe, es geht genauso um Freundschaften, das was sie zusammenführt und manchmal auch verletzt. Band 2 („Two Lives to Rise“) ist übrigens jüngst erschienen und bei uns vorrätig.

One Second to Love

von Kristina Moninger

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Brown Girls
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Brown Girls brown Girls brown Girls, die sich aus Kellertüren schleichen und in Autos steigen, die mit laufendem Motor an der Straßenecke auf sie warten.“

Wäre ich nochmal richtig jung, wie gern hätte ich da „Brown Girls“ in meiner Hosentasche. Es ist die Art von Literatur, die ich jungen Heranwachsenden aus tiefstem Herzen wünsche. Einerseits bedient sich Daphne Palasi Andreades eines außergewöhnlichen Sounds. So habe ich die ganze Zeit das Gefühl, einen Rapsong zu hören, derart melodisch lesen sich ihre Sätze. Andererseits schreibt die New Yorkerin über die Themen unserer Gegenwart: Erwachsenwerden, Rassismus, Klassismus, Zusammenhalt, Abenteuerlust, Träume und Freundschaft. Bei allem Übermut, den die Mädels verströmen, sind sie natürlich Menschen mit feinfühligen Sensoren, die schon früh spüren: „Aber unsere Wut siegt nicht über das Gefühl der Erniedrigung und Angst, das wir nie loswerden, egal, wie sehr wir uns bemühen.“

Und das machen sie wirklich. Mit unerschütterlichem Eifer lernen sie zielstrebig, damit sie an den angesagten High Schools New York angenommen werden. Denn sie wollen hinaus - hoch hinaus. Ihnen dabei zu folgen ist eine unglaubliche Freude. Wenngleich sie immer wieder spüren, wo sie herkommen, und dass sie nicht weiß sind. Wie anders es sich anfühlt, wenn alle um sie herum genauso dunkel sind, erfahren sie viele Jahre später als erwachsene Frauen, als sie in die Heimatländer ihrer Familien reisen.

„Brown Girls“ verscheucht den Herbstblues, beschwingt und küsst die junge Seite in mir wach. Dem Zauber und der Power der Brown Girls nicht zu entgehen, ist schier unmöglich.

Brown Girls

von Daphne Palasi Andreades

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Das Comeback
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

pola. fühl ich. aber so was von! Gerade eben habe ich das zweite Buch aus dem neuen Verlag gelesen, bin wieder absolut geflasht und das obwohl ich die Zielgruppe verfehle. Doch mein 30jähriges Ich lebt natürlich immer noch in mir. Es hätte solche Bücher seinerzeit geliebt, und blüht jetzt doppelt auf. Wieder sehen wir: Altersgrenzen gibt es nur auf dem Papier.

Mögen sich die pola-Bücher inhaltlich unterscheiden, verbindet sie doch alle eins: Sie sind unglaublich packend, berührend, lebensnah und hinterlassen Fußabdrücke in meinem Herzen. Klar, sie nehmen viel Raum ein, doch den gebe ich ihnen gern.

Ella Berman schenkt in „Das Comeback“ einer jungen Schauspielerin ihre Stimme. Einen Tag vor ihrem GOLDEN GLOBE-Auftritt kappt Grace Turner alle Verbindungen zur Filmbranche und flüchtet nach Hause. Was ist passiert?

Atemlos folge ich Grace, nähere mich dieser verletzten Seele, die zwischen ihrer Vergangenheit und der Gegenwart changiert. Mal ist sie derart unbedacht, dass ich die Hände über den Kopf zusammenschlage und denke: Wie kannst du nur?! Aber hey, Grace hatte bis jetzt kein Handy und kennt die Tücken der neuen modernen Welt nicht. Ich beobachte aber nicht nur die lebensferne junge Frau, die bisher für alles jemanden hatte, der sich um sie kümmert hat. Ella Berman streut genauso Gedanken ein, die wir alle kennen. So sagt Grace‘ Mann: „Du weißt schon, dass sich jeder so fühlt? Dass es wirklich schwer ist, sich der Liebe anderer würdig zu fühlen, weil wir alle wissen, wie beschissen und egoistisch und verkorkst wir im Inneren sind. Aber wir arbeiten trotzdem dran.“ Strike!

Das Comeback

von Ella Berman

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Hot Mess
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich bin sofort angekommen in diesem vielstimmig erzählten Roman. Und das obwohl ich älter bin als die Figuren. Aber Claires Gedanken sind mir nicht unbekannt, und ganz ehrlich? Es tut so gut, sie aufzulesen!

Lexi ist die andere Protagonistin. Sie betreibt mit ihrer besten und temperamentvollen Freundin Amanda einen erfolgreichen Podcast. Gemeinsam mit ihrem Freund, der gleichzeitig als Manager für ihr Unternehmen fungiert, sucht sie jetzt eine Wohnung. Sind natürlich alle viel zu teuer in Dublin. Doch ein großer Werbedeal naht. Dann passiert etwas, was Lexis Leben vollkommen auf den Kopf stellt.

Joanne ist die Dritte im Bunde: Sie wird ungeplant Mutter. Das ändert nicht nur die Beziehung mit ihrem langjährigen Freund. Auch sie selbst und ihr Umfeld durchlaufen eine Metamorphose. Ihre Freundinnen wollen so weitermachen wie bisher: Party, Alkohol und feiern.

Die irische Autorin verbindet die drei Leben derart fließend miteinander, erzählt über Freundschaften, Beziehungen, Lebensentwürfe und Gedanken-Dämonen. Noch etwas eint die Frauen: Scheinbar sichere Beziehungen bekommen Risse und stellen sie vor großen Herausforderungen. Absolut packend, sehr berührend und nah am Leben!

„Hot Mess“ passt daher wie angegossen zum neuen pola-Verlag, der genau das will: Themen von jungen Leserinnen ab Ende 20 eine Stimme geben, die mehr von ihren Büchern erwarten als nur Glitzer.

Hot Mess

von Sophie White

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Rein in die Fluten!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

»Rein in die Fluten!« von David Prudhomme und Pascal Rabaté nimmt mich mit ans Meer. So authentisch, dass man nach der Lektüre das Gefühl hat, gerade dort gewesen zu sein. Der Geruch von Sonnenmilch umkreist mich genauso wie das Geschrei der Möwen und der vielen sonnenhungrigen Menschen. Immer noch kichere ich in mich hinein – dank des heiteren, erfrischenden Ausflugs zwischen zwei Buchdeckeln.

So beobachte ich fremde Menschen und ihre vertrauten Eigenarten. Wie Ameisen flitzen sie über die Bildfläche. Nur dass sie keine Ameisen sind, sondern den Homo sapiens in vielerlei Formen und Gesten zeigen. Da ist der dickbäuchige Herr, der mit seinem überdrehten Hund Zorro spazieren geht. Seine Arme sind rot und man sieht genau, wo das T-Shirt anfing und aufhörte. Als er einen anderen Mann trifft, der ihm in seinem Körperumfang ähnelt, strafft er plötzlich die Schultern, zieht seine Wampe ein, stolziert wie ein aufgeplusterter Hahn davon. Zorro macht es ihm nach, wird aber gleich von einer jungen Frau im Wasser abgelenkt. Prompt tauchen Garnelensammler auf. Und die wiederum… So fließen die Geschichten dem heranrauschenden Meer ähnelnd in einem fort, spülen mich von einer Sequenz zur nächsten.

Sie wechseln in Sekundenschnelle und gehen wie Zahnräder ineinander über. Oft ist es ein Mensch, der zum anderen führt und den Staffelstab für eine weitere, kleine Geschichte übergibt. Dieser Übergang ist ein äußerst raffiniertes Element, das die beiden Macher perfekt und mit einer spielerischen Leichtigkeit einsetzen. Genauso entzücken die kleinen Details, die sich in den Illustrationen wiederfinden und über die ich häufig lachen muss. Bild ist nicht gleich Bild. Jedes Bild ist viel mehr ein Abenteuerspielplatz, an dem ich länger hängenbleibe, weil mir stets winzige, großartige Nebensächlichkeiten auffallen.

Ja, hier steckt vielerlei Situationskomik drin, fantastisch pointiert, mit kräftigen Farben und klaren Formen versehen. Einerseits tauchen überraschende Momente auf, andererseits fühlt man sich ertappt, weil man dieses oder jenes genau so schon mal erlebt oder beobachtet hat. Während ich den Rentnern in ihren mitgebrachten Stühlen, den krebsroten Sonnenanbetern und den anderen Strandgästen zuschaue, verstummt der Regen vorm heimischen Wohnzimmerfenster von ganz allein. So kann es mir schnurzpiepegal sein, wenn der Sommer mal auf Herbstmodus wechselt. Wenn’s mir zu kalt wird, krabbele ich eben wieder ins Buch. In diesem Sinne – rein ins sommerliche Vergnügen!

Rein in die Fluten!

von David Prudhomme, Pascal Rabaté

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Der unendliche Wald
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich gebe offen zu: Ich habe ein großes Herz für Füchse und Wölfe. Daher hatte mich der unabhängige kunstanstifter Verlag sofort, als ich diese wundervolle Neuerscheinung entdeckt habe. Das Cover allein ist eine wahre Augenfreude. Doch einmal aufgeschlagen, geht die Freude weiter.

Julia Schlosser erzählt vom Fuchs, der eines Nachts früher aufwacht. Der Wald weckt ihn mit seinem Geruch und irgendwas ist anders als sonst. So macht sich der Fuchs auf den Weg durch den Wald. Und ich folge ihm. Diese Reise ist eine ganz besondere, sinnliche und bezaubernde. Als der Fuchs später auf Spuren von Wölfen stößt, ist bei mir – Sie ahnen es sicher – die Entzückung groß!

Was genau ist „Der unendliche Wald“ nun eigentlich? Ein Kinderbuch? Vielleicht. Aber ich denke mehr an die großen Kinder. Die sich immer noch gern in illustrierte Bücher verlieben. Was Sie hier nicht riechen und in Gänze genießen können, ist das Papier, sind die großen, einnehmenden verspielten und kunstvollen Bilder. Also kommen Sie am besten zu uns in den Laden und bestaunen dieses Kunstwerk von Buch! Übrigens ist es auch ein tolles Geschenkbuch, daher finden Sie das Buch bei "Zeitlos und schön".

Der unendliche Wald

von Julia Schlosser

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Die Rache der Bücher
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Buch wirkt äußerlich eher unscheinbar, aber man sollte sich ja bekanntermaßen nie vom Äußeren beeinflussen lassen. Das trifft auf Menschen genauso zu wie auf Bücher. Der schottische Comiczeichner Tom Gauld hat mich bereits zu Beginn des Jahres mit dem hinreißenden Bilderbuch Der kleine Holzroboter und die Baumstumpfprinzessin nachhaltig beeindruckt, erschienen im Moritz Verlag.

„Die Rache der Bücher“ vereint verschiedene Strips, die Tom Gauld für die englische Zeitung „Guardian“ illustriert hat. Einmal aufgeschlagen, konnte ich nicht aufhören, darin zu blättern. Schallend gelacht habe ich über die verschiedenen Strips, die sich Schreibenden wie Lesenden mit einem Augenzwinkern zuwenden. Wir erkennen uns da alle wieder.

Ich mag den klugen Witz und die Verrücktheit, die uns alle miteinander verbindet. So gesehen ist „Die Rache der Bücher“ eine Hommage an uns Bücherwürmer. Und das ideale Geschenk für alle buchaffinen Menschen.

Die Rache der Bücher

von Tom Gauld

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Emmie Arbel
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

+++ Unser Shop zeigt eine längere Lieferzeit an, aber wir haben das Buch vorrätig! +++

Welche Farbe hat für Sie die Erinnerung? Blau? Orange? Tiefrot? Bei Emmie Arbel ist sie schwarz. Die Comiczeichnerin Barbara Yelin hat uns diese Antwort mitgebracht. Sie hat der Holocaust-Überlebenden noch mehr Fragen gestellt und ihr Leben in einer berührenden und sehr eindrucksvollen Graphic Novel „Emmie Arbel – Die Farbe der Erinnerung“ porträtiert.

Drei Jahre haben die beiden Frauen an dem Buch zusammen gearbeitet. Obgleich es für Barbara Yelin noch nicht fertig ist, wie sie im Nachwort schreibt, muss es zu Ende gebracht werden, für beide. Denn dieses Projekt war ein Akt der Anstrengung. Genau das spüre ich. Und noch etwas: Die Kraft einer Heldin, die versucht hat, zu überleben und mit den vielen Narben weiterzuatmen. Und eine aufmerksame Zuhörerin, die all das mit ihrem Zeichenstift einfängt.

Emmie ist viereinhalb, als sie mit ihren Brüdern und ihrer Mutter ins KZ deportiert wird. Ihr älterer Bruder trennt man von Emmie, ihrem Bruder Rudi und der Mutter. Die drei kamen später nach Ravensbrück. Der Vater wurde vorher bereits abgeholt, wann genau, daran erinnert sich Emmie nicht mehr.

Das Buch hat viele bewegende Szenen, ich denke an die, als das nackte Mädchen versucht, dem Abrasieren der Haare zu entkommen, wird eingefangen und brutal geschlagen. Emmie erlebt hautnah mit, wie ihre Mutter entkräftet stirbt, weil diese das Essen ihren Kindern gegeben hat. Aber Emmie und ihre Brüder haben überlebt. Sie kamen danach zu einer Pflegefamilie. Das Mädchen erkrankte an Tuberkulose und wurde von ihrem Pflegevater sexuell missbraucht.

Wie hält ein Mensch all das aus? Durch Schweigen und Verdrängen, das zeigt sich in den Erzählungen, die Barbara Yelin behutsam eingefangen hat. Doch irgendwann hat sich Emmie ihrer Vergangenheit gestellt, sich therapeutische Hilfe gesucht und später Vorträge gehalten, denn sie sagt: „So lange noch welche von uns leben – jedes Jahr ein bisschen weniger – müssen wir das tun. Denn es wird Geschichte sein in einigen Jahren. Es ist schwer. Aber ich tu's.“

Und sie hat sich Barbara Yelin geöffnet. Das Buch geht sehr nah, sehr dunkel ist der Farbton, den die Chronistin gewählt hat. Manche Bilder sind verschwommen, andere wiederum klar, dass man jede Regung in Emmies Gesicht sieht und mitfühlt. Hin und wieder leuchtet es in der ergreifenden Geschichte, nicht zuletzt durch die Überlebenskünstlerin, die trotz allem die Strahlkraft einer Sonnenblume hat.

Barbara Yelin ist mir bereits seit „Irmina“ als besondere Chronistin von herausragenden Menschen vertraut. Ihr Stil ist unverkennbar und doch stets eine neue Entdeckung. Dieses Mal hat sie sich mit in die Szenerie gezeichnet und damit noch mehr Nähe erzeugt.

Welche Farbe die Erinnerung für mich hat? Orange, aber jetzt mit einem dicken schwarzen Strich.

Emmie Arbel

von Barbara Yelin, Emmie Arbel

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Honigkuchen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ein neuer Murakami kommt! Notieren Sie sich bitte den 12. Januar 2024. An dem Freitag im neuen Jahr wird der japanische Erfolgsautor 75 Jahre alt, und genau dann erscheint „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“. Wir freuen uns schon sehr darauf!

Bis dahin können Sie sich – wie wir - die Wartezeit mit dieser feinen wie bibliophilen und von Kat Menschik illustrierten Ausgabe versüßen. Und ganz ehrlich? Ich weiß nicht, was schöner ist. Die Geschichte oder die Bilder. So wie Ursula Gräfe die deutsche Stimme des Japaners ist, so ist Kat Menschik die Tapete von Murakamis Fantasie.

„Honigkuchen“ beginnt wie ein Märchen. Darin geht es um einen Bären, der eines Tages so viel Honig findet, dass er ihn nicht allein aufschlemmen kann. Was macht er also? Genau, er geht in die Stadt und verkauft ihn. Er hat einen Eimer und füllt ihn dort hinein. Moment? Das funktioniert? Das fragt auch die kleine Sara. Das Mädchen ist die Zuhörerin dieser Geschichte, die ihr Junpei mitten in der Nacht erzählt. Das Mädchen wacht seit letzter Zeit öfter auf, weil der Erdbebenmann versucht, Sara in einen Kasten zu stecken. Das träumt Sara und wacht voller Angst auf. Ihre Mutter Sayoko berichtet ihrem guten Freund – dem Märchenerzähler – von diesen immer wiederkehrenden Schrecken. Ihm gelingt es, das Mädchen zur Ruhe zu bringen. Wohl auch, weil er ein Meister des Erzählens ist. Er selbst ist Autor und schreibt Erzählungen – und er liebt Sayoko, sehr lange schon, nur hatte er nie den Mut oder wollte es sich nie ganz eingestehen... und er wollte das Band nicht zerschneiden, das Sayoko und Takatsuki verbindet.

Die drei haben sich an der Uni kennengelernt, sind erst befreundet, bis Sayoko und Takatsuki zusammenkommen. Das stürzt Junpei in eine Krise, aber er sagt es den beiden nicht. Als nun die Ehe zwischen den Liebenden auseinandergeht, scheint die Möglichkeit für Junpei da zu sein, und was macht er? Öffnen Sie das Buch, darin finden Sie die Antwort.

„Honigkuchen“ ist eine zarte Hymne auf die Freundschaft, und die Liebe – nicht nur die zwischen Menschen, sondern die für einen Autor. Immer noch liegt das schmale Bändchen neben mir und stets schaue ich hinein. Lese die Sätze auf und träume mich in die Bilder hinein, spüre den Glanz zwischen den Augen, die Kat Menschik und Haruki Murakami in mir hervorrufen.

Honigkuchen

von Haruki Murakami

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Das Haus verlassen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Erst kürzlich hatte ich erwähnt, dass Haruki Murakami fremde Menschen verbindet. Heute habe ich ein Paradebeispiel dafür: „Das Haus verlassen“ von Kat Menschik und Jacqueline Kornmüller würde es ohne den japanischen Autor überhaupt nicht geben. Jacqueline Kornmüller ist Wiener Regisseurin. Sie fragte Kat Menschik, ob sie einen Teil ihrer Bilder aus dem illustrierten Band „Die unheimliche Bibliothek“ von Haruki Murakami für das Theaterstück verwenden dürfe, denn sie plane eine Inszenierung dieser Geschichte. Und wenn ich Ihnen jetzt noch verrate, dass ich nach der Lektüre von „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ „Die unheimliche Bibliothek“ erneut zur Hand genommen habe, staunen wir doch alle gemeinsam über die Magie der Bücher.

„Das Haus verlassen“ ist eine hinreißend, humorvolle Geschichte über eine Frau, die sich von ihrem Haus trennen möchte. Es gibt verschiedene Interessenten, die zur Besichtigung kommen: Und sie alle haben herrliche wie ungewöhnliche Namen: wie die Hausbesitzerfamilie, der Blutdiamantenhändler, die Stillen, die Desinteressierten, Familie Salz... um nur einige zu nennen. Zu allen Besuchern regt sich übrigens auch das Haus selbst, und dieses ist sehr ehrlich und feinfühlig. Wir merken bald schnell, das ist gar nicht mal so einfach, einen Nachfolger zu finden.

Kat Menschik hat diesem bunten Treiben mit ihrem eigenen verwunschenen Pinselstrich die perfekten Bilder geschenkt. Sollten Sie also in diesen Tagen aus meinen Augen dieses Leuchten und Blitzen sehen, dann seien Sie gewiss: Es kommt aus diesem kleinen feinen wunderbaren Buch. Das sich herzallerliebst als Geschenk eignet, ob für einen selbst, weil man gerade etwas Erhellendes braucht, oder für jemanden, dem man eine besondere Freude bereiten möchte.

Das Haus verlassen

von Kat Menschik, Jacqueline Kornmüller

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Allzumenschliches
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die Trennung ihres Freundes hat Catherine Meurisse das Leben gerettet. Das war der Grund, weshalb die Zeichnerin am 7. Januar 2015 zu spät dran war, und somit dem Attentat bei Charlie Hebdo entkommen ist. Mit gerade mal 25 Jahren war sie die jüngste Illustratorin bei dem Pariser Satire Magazin.

Seit ihrem Debüt „Die Leichtigkeit“, in dem sie die Folgen des Attentats verarbeitet hat, verfolge ich die Illustratorin mit Bewunderung. Daher habe ich mit großer Freude ihr neues Buch „Allzumenschliches“ aufgeschlagen, und war natürlich erneut begeistert.

Darin finde ich Meurisses einzigartigen Pinselstrich, der stets mit ihrem unvergleichlichen Humor versehen ist. In diesem Buch begegnet sie den verschiedenen Philosophen, und nimmt sie mitunter auf die Schippe. So heult sie mit Thomes Hobbes zusammen mit den Wölfen. Oder erlebt die Geburtswehen - als Frau Cioran. Großartig, wie sie Aristoteles in die moderne Welt überträgt: „Bleiben Sie yourself, hashtaggen Sie Ihr Ich from scratch.“ Genauso erfreut mich ihr Interview mit Sokrates. Wie erhellend es sein kann, wenn eine moderne Frau den großen Denkern entgegentritt, zeigt Meurisse auf allerschönste und höchst erfrischende Weise. Wir begegnen aber auch weibliche Denkerinnen wie Simone de Beauvoir und Hannah Arendt.

Witzig, klug und natürlich erhellend ist diese Graphic Novel - nicht nur für Fans der Philosophie! Sondern für alle, die mal eine Auszeit vom Ernst des Lebens nehmen wollen, und sich nach Leichtigkeit sehnen.

Allzumenschliches

von Catherine Meurisse

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Der verwunschene Fels
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Am 7. Dezember 2023 jährte sich der Geburtstag von Willa Cather zum 150. Mal. Genau der richtige Anlass, um diese nach wie vor unterschätzte Autorin zu würdigen. "Die Andere Bibliothek" hat zu diesem Jubiläum einen wundervollen, auch haptisch feinen Band mit ihren Meistererzählungen veröffentlicht. Zusätzlich veredelt mit einem kenntnisreichen Nachwort der Übersetzerin Agnes Krup.

Was macht Willa Cather heute noch lesenswert? Nun, sie erzählt eigentlich von ganz gewöhnlichen Menschen, nähert sich ihrem Leben jedoch mit dem allergrößten Einfühlungsvermögen und bleibt ihren Figuren gegenüber stets sehr empathisch. Und sie erzählt klug wie präzise. Cather unterscheidet nie zwischen Mann und Frau, bleibt immer neutral.

In der ersten und titelgebenden Erzählung „Der verwunschene Fels“ denke ich zunächst an eine Frau und bin dann verwundert, dass mir ein Mann die Geschichte erzählt. Oder täusche ich mich? In jedem Fall sind die Gefühle echt, die die Erzählungen in mir hervorrufen. Erschrocken, berührt und erstaunt lese ich mich durch die Seiten. Sie erzählen von Aufbruch, Veränderungen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Von innerer Aufruhr und Verwunderung. Cathers Stimme ist eindringlich und bisweilen bezaubernd.

Willa Cather hat oft aus der Sicht von Männern geschrieben. Dabei war sie Frauen zugeneigt. Louise Pound war ihre erste große Liebe, und es existiert von den beiden ein herzensschönes Bild. Dann lebte sie fast vierzig Jahre mit der Redakteurin und Werbetexterin Edith Lewis zusammen. Wenngleich sie nie offen über ihre Homosexualität sprach, hat Cather diese in ihren Geschichten oft eingeflochten. Nachzulesen im ausführlichen Nachwort von Agnes Krup. Für mich bereichert die Übersetzerin, die selbst Romane schreibt, das Bild von Willa Cather um viele feine Nuancen.

Es lohnt sich also, das vielfältige Werk von Willa Cather zu entdecken, das so viel auslöst, wenn man es liest. Diesmal sage ich wirklich: Eine Entdeckung fürs Leben.

Der verwunschene Fels

von Willa Cather

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Die weite Wildnis
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lauren Groff zählt zu den großartigsten Autorinnen unserer Gegenwart. So war das neue Werk der Autorin für mich ein Must-Read. Und wieder hat mich Lauren Groff begeistert. Schon nach den ersten Sätzen hat sie mich mit ihrer Sprache regelrecht umgarnt. Sie ist das helle Kontrastmittel zur düsteren Geschichte, die sie uns erzählt.

Wir sind auf der Flucht, das Mädchen und ich. Es ist kalt, wir sind hungrig und spüren die Angst wie eine Bärentatze auf unseren Schultern. Als wir nach vielen Tagen tatsächlich einen Bär entdecken, sind wir derart fasziniert, dass dem Mädchen ein Gedanke aus dem Kopf purzelt, den ich auffange: „Wenn sie gefressen würde, ginge irgendetwas von ihr selbst in den Körper der Bärenmutter über und flösse durch die Milch in die Körper ihrer Jungen, und die Jungen würden zu großen Bären heranwachsen und eines Tages selbst Junge bekommen, und irgendein kleiner Teil dessen, was sie gewesen war, würde irgendwo im Blut, im Fleisch und im Fett von ihnen weiterleben.“ Ist das irre? Das ist nur ein Ausschnitt aus weiteren Gedanken und unglaublichen Szenen, die das Buch für uns bereit hält.

Das Mädchen kommt ursprünglich aus England, bevor es mit ihrer Herrin, deren Familie und anderen Menschen Anfang des 17. Jahrhunderts nach Amerika übergesiedelt ist. Doch das Leben wird geprägt von einem brutalen Patriarchat und großer Hungersnot, dieser entflieht sie. Mit nur wenigen Dingen an sich pirscht sie durch die Natur, versucht zu überleben. Erlebt Hunger, Kälte, wird krank, flieht weiter mit Schmerzen und Fieber und ich folge ihr atemlos. Bin beeindruckt von der Furchtlosigkeit und dem Durchhaltevermögen, ein Rücken, der sich nicht brechen lässt. Der Einfallsreichtum, um an Nahrung zu kommen, ist schier grenzenlos. Wo nimmt dieses 17jährige Mädchen nur all die Kraft her?

Während des Lesens denke ich an „Matrix“ - dem letzten Roman der Autorin - und wünsche mir, unsere Romanheldin würde in dem Kloster Unterschlupf finden.

„Die weite Wildnis“ ist erschütternd und schön zugleich. Die Lektüre schickt mich an die Grenzen, und man sollte schon in der richtigen Stimmung sein, wenn man das Buch aufschlägt. Trotz aller Düsternis schimmert es für mich aus dem Meer der Neuerscheinungen hervor. Ein Buch, über das ich sprechen möchte und das sich perfekt für einen Lesekreis eignet. Wenn Sie es dort lesen, lassen Sie es mich bitte unbedingt wissen.

Die weite Wildnis

von Lauren Groff

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Truboy
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn sich jemand mit Truman Capotes Leben und Werk auskennt, dann die studierte Verhaltensbiologin und Journalistin Anuschka Roshani, schließlich hat sie beim Kein & Aber Verlag sein Gesamtwerk herausgegeben. Wir kennen uns nicht persönlich, und doch habe ich bereits nach den ersten Seiten das Gefühl, eine Schwester im Geiste gefunden zu haben.

Legendär die große Suche nach dem verschollenen Manuskript „Erhörte Gebete“. Und sie führt die Autorin nach Amerika. Dort spricht sie mit Vertrauten und Weggefährt:innen, nur noch eine Handvoll sind am Leben. So wird diese Reise für alle Beteiligten unvergesslich – für Roshani selbst, aber auch für uns Leser. Nie war mir Truman Capote derart nah wie in Roshanis mitreißend erzählten und brillant recherchierten Buch. Sie trifft sich mit Kate Harrington, der Tochter von Capotes Lebensgefährten, die über ihn sagt.

„Er war der reizendste, lustigste Mann, den ich jemals getroffen habe! Wenn er seinen Charme anknipste, lagen ihm alle zwischen acht und achtzig Jahren zu Füßen.“


Wer jemals den kongenialen Film „Capote“ mit dem ebenfalls genialen Philip Seymour Hoffman gesehen hat, weiß, wovon ich spreche.

Wir begegnen weiteren Truman-Kennern: einem bekannten Lektor, seinem letzten Interviewer, seinem besten Freund, seinem Tanzpartner. Die Gespräche entzücken mich genauso wie der witzige und kluge Schreibstil der Autorin. Truman Capote hätte diese Schreibe mit Sicherheit gefallen.

„Truboy“ ist ein biographisches Roadmovie, die Annäherung an einen großen Namen und eine Liebeserklärung an einen unsterblichen Autor. Obendrein offenbart die Lektüre einen Reigen an wunderschönen Zitaten, Anekdoten, tiefen wie menschlichen Einblicken, die mich in ein Wechselbad aus Herzklopfen, Leichtigkeit, Rührung und Melancholie tauchen.

Auch Capotes Suchtaffinität, seine Depressionen und das Trauma eines verlassenen Kindes finden hier Raum. So hat ihn seine Mutter sehr früh bekommen und zu seiner Großmutter gegeben. Dort lernte er auch Sook kennen. Die Frau kümmerte sich liebevoll um den verloren Jungen, der als „altes Kind auf die Welt“ kam. Der kleine frühreife Junge mit der hohen Stimme. Bis zu seinem Tod hat er Sooks handgenähtes Lebkuchenmännchen aus Filz und eine gehäkelte Patchwork-Babydecke aufbewahrt. Keine Reise hat er ohne diese Decke unternommen. Wird Ihnen warm ums Herz?

Meins ist nach diesem Buch noch mehr von diesem faszinierenden Autor eingenommen.

Truboy

von Anuschka Roshani

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Die Geburtstagsbande. Jeder Tag ist Feiertag!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der vierte Band der Geburtstagsbande ist erschienen! Auch wenn wir alle gerade erst im Herbst angekommen, macht es überhaupt nichts, dass „Jeder Tag ist ein Feiertag“ um die Weihnachtszeit spielt.

Dieses Mal steht die Bande vor mehreren Herausforderungen. Einerseits sollen die Schüler dieses langweilige Weihnachtskrippenspiel einstudieren, die Klassenweihnachtsfeier organisieren und dann ist da noch ihr Mitschüler Nikki. Der bei vielen Ausflügen selten dabei ist, seltsame Hosen trägt und bald Geburtstag hat. Als die Bande Nikkis Geschichte näher kennenlernen, ist klar:
Sie helfen Nikki und organisieren eine tolle Geburtstagsparty!

Claudia Schaumann und ihre Illustratorin Simona Ceccarelli haben wieder ein wunderbares, erfrischendes wie zutiefst berührend schönes und hinreißend-charmantes Kinderbuch kreiert! Ein Buch, das gute Laune macht, aber auch Themen wie Kindesarmut behutsam behandelt.

Die Geburtstagsbande. Jeder Tag ist Feiertag!

von Claudia Schaumann

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Gewässer im Ziplock
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dana Vowinckel hat mich mit ihrem erstaunlichen Debüt „Gewässer im Ziplock“ in Atem gehalten und bis zur letzten Seite begeistert.

Mit ihrer 15jährigen Hauptfigur Margarita habe ich den Sommer des Lebens erlebt. Zunächst ist das Mädchen bei ihren Großeltern in Chicago. Doch Margarita fühlt sich dort nicht wohl. Das spürt auch ihr Vater in Berlin, mit dem sie im engen Kontakt steht. Als ihre Mutter einen Fellowship an der Hebrew University in Israel erhält, entsteht die Idee, das Mädchen dorthin zu schicken. Erst weigert sie sich und schließlich fliegt sie doch zu ihrer Mutter, die sie und ihren Vater vor dreizehn Jahren verlassen hat. Wird das gut gehen?

Was für eine aufwühlende und mitreißend erzählte Geschichte! Dana Vowinckel eröffnet ein weites Panaroma jüdischer Menschen in der Gegenwart. Da ist Margaritas Vater Avi, der als Kanton arbeitet und in frühen Jahren nach Deutschland kam, um dem Wehrdienst zu entkommen. Oder Margaritas Großeltern, die nach Amerika ausgewandert sind. Die junge Frau bewegt sich zwischen verschiedenen Welten, sucht sich selbst, verzweifelt oft. Ähnlich wechselhaft verhält sich die Autorin, denn sie tauscht die Erzähl-Perspektiven.

Werden sich Mutter und Tochter annähern? Es kommt zu einem furiosen Finale. So ist mein Kopf immer noch zerzaust, aber ich bin glücklich und beeindruckt davon, was diese junge Autorin erzählerisch umgesetzt hat.

Übrigens bin ich nicht die einzige überzeugte Leserin. Auch Julia Franck und Daniela Dröscher waren nach der Lektüre ebenfalls beeindruckt.

Gewässer im Ziplock

von Dana Vowinckel

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Wellengang
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Als sich der graue Herbsthimmel in meiner Seele spiegelt, greife ich zu „Wellengang“ von Anne Griffin. Das Buch hatte ich mich für genau solche Momente aufgehoben. Als ich sah, dass Anne Griffin von der grünen Insel kommt, weitete sich meine irische Seele und wurde wärmend umarmt. Ja, es funkt sofort zwischen uns und ich lese das Buch an einem Tag durch.

Rosie steht vorm Scherbenhaufen ihres Lebens. Die Ehe mit Hugh zerbröselt zunehmend, da Rosie den Schmerz über den Verlust ihrer Tochter bis heute nicht überwunden hat. Immer noch lebt die Hoffnung in ihrem Herzen, dass Saoirse doch wieder auftaucht. Ihre damalige 17jährigen Tochter ist verschwunden und wurde bislang nicht gefunden. Als nun Rosies Vater sie darum bittet, für eine Zeit lang erneut als Skipperin das Steuer der Familienfähre zu übernehmen, sagt sie schließlich zu. Und reist auf die Insel ihrer Kindheit. Dort trifft sie auf alte bekannte Menschen und sie findet in Iggy einen neuen Freund, mit dem sie morgens immer schwimmen geht und seinen hochwertigen Kaffee genießt. Doch es gibt auch alte Fehden, die aufflammen, wie die zwischen Rosie und Liam. Als dann Rosie erfahren muss, dass die familiäre Fähre in Gefahr schwebt, wird es für uns alle extrem aufregend, die Flut setzt ein und wir versuchen in den Wellen zu schwimmen, und nicht unterzugehen.

„Wellengang“ lebt von Rosie und den Menschen um sie herum, aber auch von der Kraft des Meeres und der Natur, in die ich komplett versinke. Plötzlich bricht der Himmel in meiner Seele auf, die Sonne geht in mir auf. Bald schon lächeln wir und strecken dem grauen Herbsthimmel über uns die Zunge raus.

"Wellengang" ist ein berührendes Buch über großen Schmerz, aber auch darüber, mit ihm zu gehen und mit ihm Frieden zu schließen. Tröstlich, lebensklug und hoffnungsvoll!

Wir haben jetzt übrigens das englische Original vorrätig.

Wellengang

von Anne Griffin

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Feel to Heal
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es ist ein großes Versprechen, das Chris Gust uns Lesern unterbreitet. Relativ schnell zeigt sich jedoch: Die Frau kennt sich aus mit den Irrungen und Wirrungen der menschlichen Gefühlswelt. Sie selbst hat lange unter Angst- und Panikattacken gelitten, und ist heute als Coach tätig. Auf ihrem Reichweiten starken Instagram-Account „let.s.talk.mental“ teilt sie regelmäßig Gedanken zu Gefühlen, Hochsensibilität, und setzt Impulse. Zudem ist Gust als Vorsitzende des ehrenamtlichen Telefondienst „Mutruf – einander Halt geben e.V.“ aktiv.

Was zeichnet nun dieses Buch aus? Einerseits nimmt uns die Autorin auch dorthin, wo es lange Zeit für sie schmerzlich und dunkel war. Offenherzig, mitreißend und mit einer wohltuenden Dosis Menschlichkeit schreibt sie über ihre Angstphasen. Andererseits gibt sie uns Werkzeuge an die Hand, mit denen wir arbeiten und versuchen können, den Knäuel an festgefahrenen blockierenden Verhaltensweisen und negativen Emotionen zu betrachten. Und perspektivisch einen besseren Umgang mit ihnen zu konditionieren.

Das wiederum setzt zuallererst eine ehrliche Bestandsaufnahme voraus. Chris Gust stellt Fragen, die ans Eingemachte gehen, und für die man sich Zeit nehmen und ein Notizbuch an die Seite legen sollte – wie übrigens für die komplette Lektüre. So dienen reflektierende Fragen zu Tages- und Wochenrückschauen, um am Ball zu bleiben.

Wenn Sie einfach nur ein Buch zum Lesen suchen, liegen Sie hier nur halb richtig. Denn wir alle wissen ja, eine wirkliche Veränderung kann nur durch kontinuierliche Verbesserungsprozesse einsetzen. Insofern verärgert mich der Bestseller, der mit seinen Essays ein neues Leben verspricht.

„Feel to Heal“ schaut dorthin, wo es weh tut, nimmt uns aber gleichsam liebevoll an die Hand und zeigt: Wandlung ist möglich. Nicht im Großen, sondern Schritt für Schritt. Statt die Lippen zusammenzukneifen, einfach mal lächeln oder sich aufrecht hinstellen, und sich fragen: Welche Werte sind mir wichtig? Lebe ich nach ihnen? Haben Sie sich schon mal zugehört? Sprechen Sie gut zu sich? Oder ist ihr Monk die ganze Zeit am Motzen?

Ja, dann sollten Sie tatsächlich in dieses Buch schauen. Zu finden ist es auf unserer Eingangspyramide. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gern an mich.

Feel to Heal

von Chris Gust

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Bis in alle Endlichkeit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Krimi „Fünf Winter“ hat mich schier begeistert. Insofern war das neue Werk von James Kestrel ein must-read für mich. Und was soll ich sagen? Der Autor hat mich erneut stark beeindruckt!

„Bis in alle Endlichkeit“ beginnt damit, dass der Privatdetektiv Lee Crowe eines Morgens zufällig die Leiche einer jungen Frau findet. Sie liegt vor einem Hochhaus auf einem Rolls-Royce. Er fotografiert die noch warme Frau und verkauft daraufhin seine Aufnahmen an die Presse. Für die Polizei steht schnell fest: Die Tote hat Selbstmord begangen. Doch ihre Mutter Olivia Gravesend glaubt nicht an diese Vision und wendet sich an Jim Gardner. Der Strafverteidiger kennt einen der besten Ermittler und kontaktiert Lee Crowe, der eben noch mit einem anderen Fall seines Kollegen zugange ist. Dennoch nimmt Crowe den Auftrag an, nutzt seine alten Verbindungen zur Justiz und Forensik und weiß recht schnell: Claire Gravesend ist keines natürlichen Todes gestorben. Was Lee im Zuge seiner Ermittlung aufdeckt, ist unglaublich! Man ahnt es nicht, und ist dann gleich doppelt fassungslos.

Würde Raymond Chandler noch leben, dann würde er sich nach diesem Buch die Hände reiben. Denn dieser Noir reiht sich in die hohe Krimikunst. So verwundert es mich nicht, dass der Hochkaräter in der aktuellen Krimibestenliste zu finden ist. Ein raffinierter, kluger und absolut packender wie plausibler Pageturner, den man nicht mehr weglegen kann und der wieder einmal zeigt, was gute Krimi-Literatur bewirken kann. „Bis in alle Endlichkeit“ ist übrigens zugänglicher als „Fünf Winter“ und eine große Leseempfehlung an alle, die wie ich ein Herz für besondere Detektive haben.

Bis in alle Endlichkeit

von James Kestrel

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Brown Girls
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Brown Girls brown Girls brown Girls, die sich aus Kellertüren schleichen und in Autos steigen, die mit laufendem Motor an der Straßenecke auf sie warten.“

Wäre ich nochmal richtig jung, wie gern hätte ich da „Brown Girls“ in meiner Hosentasche. Es ist die Art von Literatur, die ich jungen Heranwachsenden aus tiefstem Herzen wünsche. Einerseits bedient sich Daphne Palasi Andreades eines außergewöhnlichen Sounds. So habe ich die ganze Zeit das Gefühl, einen Rapsong zu hören, derart melodisch lesen sich ihre Sätze. Andererseits schreibt die New Yorkerin über die Themen unserer Gegenwart: Erwachsenwerden, Rassismus, Klassismus, Zusammenhalt, Abenteuerlust, Träume und Freundschaft. Bei allem Übermut, den die Mädels verströmen, sind sie natürlich Menschen mit feinfühligen Sensoren, die schon früh spüren: „Aber unsere Wut siegt nicht über das Gefühl der Erniedrigung und Angst, das wir nie loswerden, egal, wie sehr wir uns bemühen.“

Und das machen sie wirklich. Mit unerschütterlichem Eifer lernen sie zielstrebig, damit sie an den angesagten High Schools New York angenommen werden. Denn sie wollen hinaus - hoch hinaus. Ihnen dabei zu folgen ist eine unglaubliche Freude. Wenngleich sie immer wieder spüren, wo sie herkommen, und dass sie nicht weiß sind. Wie anders es sich anfühlt, wenn alle um sie herum genauso dunkel sind, erfahren sie viele Jahre später als erwachsene Frauen, als sie in die Heimatländer ihrer Familien reisen.

„Brown Girls“ verscheucht den Herbstblues, beschwingt und küsst die junge Seite in mir wach. Dem Zauber und der Power der Brown Girls nicht zu entgehen, ist schier unmöglich.

Brown Girls

von Daphne Palasi Andreades

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Feel-Good Productivity
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bewundere meinen Mann. Kontinuierlich absolviert er seine Sportübungen. An guten wie an schlechten Tagen. Ich hingegen lasse sie öfter ausfallen. Entweder habe ich keine Lust. (Außerdem war ich doch gestern erst Joggen!) Oder mein Handy blinkt, Insta ruft. Ist doch eh viel cooler als schnöde Dehnungsübungen auf der Yogamatte.

Wieso mein Mann durchhält? „Ich will meinem Körper etwas Gutes tun.“ Ha, da ist es! Das klassische Warum, von dem alle Coachs dieser Welt sprechen. Ali Abdaal serviert mir diesen Baustein ebenfalls aus der Durchhalte-DNA. Und dieses Mal schnappe ich zu.

In der Fülle von Ratgebern gibt es allerhand Werke, die schnell verpuffen. Sie sind nicht nachhaltig genug. „Feel Good Productivity“ ragt nicht nur farblich hervor, es kann tatsächlich was, viel sogar. Dass der Autor studierter Arzt und Psychologe ist, kommt dem Werk obendrein positiv zugute. So enthält es die Essenz seiner Online Beiträge, die Ali Abdaal hier wie bei YouTube teilt.

Ali Abdaal geht allen Zeit- wie Energie raubenden Themen auf den Grund und liefert uns leicht umsetzbare Tools, mit denen wir genügsam gegen steuern können, ohne ins Schwitzen zu geraten, sondern erleichtert lächeln.

Einer meiner Lieblinge ist dieser: Einfach Loslegen. Ich habe keine Lust, die Bücher wegzuräumen? 5 Minuten Platz schaffen, geht immer. Zudem erklärt er, wie wichtig richtige Pausen sind, egal, wie stürmisch es gerade ist. „Im Leben geht es nicht darum, rund um die Uhr konzentriert zu bleiben. Es geht darum Raum für kleine Momente des Glücks und der Freude zu schaffen.“ Diese Einsicht hat er übrigens von dem großartigen Thich Nhat Hanh aufgelesen und verinnerlicht.

Das Buch richtet sich an alle, die sich zu oft ausgelaugt fühlen, es allen immer Recht machen wollen, und Dinge im Leben verändern wollen, aber im Alltagsstress zurückfallen. Für Berufseinsteiger:innen, Student:innen und Führungskräfte. Eigentlich für alle! Ich finde ja, dieses Buch sollte in jedem Unternehmen vorrätig sein!

Feel-Good Productivity

von Ali Abdaal

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Vom Ende der Nacht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wollen Sie mal wieder eine richtig schöne Liebesgeschichte lesen? Dann greifen Sie zu diesem Buch! Nicht nur Chris Whitaker und Carley Fortune hat diese Geschichte mitten ins Herz getroffen - mich ebenfalls.

Rosie und Will lernen sich bei einem Lagerfeuer kennen. Will ist sofort von diesem Mädchen verzaubert. Als er später ihrem Gesang lauscht, ist er Rosies Sound sofort erlegen. Und dann beginnt die Liebesgeschichte, die es verdammt schwer hat, sich zu entfalten. Nicht nur, weil die beiden grundverschieden sind. Immer kommt ihnen das Leben dazwischen. Und gerade deshalb liest sie sich derart anziehend.

Ich begleite die beiden ein halbes Leben lang – als Jugendliche bis in ihre 40er Jahre hinein. Claire Daverley hat ihren eigenen Sound, eine berührende Atmosphäre, die mich vollends einnimmt. Ebenso bemerkenswert ist ihre starke Figurenzeichnung.

Claire Daverley bewegt sich aber nicht nur im Kreis der Liebe, sie schreibt zugleich von den Erwartungen ans Leben - den eigenen und von anderen auferlegten.

Eine wundervolle, schmerzlich-schöne und hoffnungsvolle Geschichte mit süßen, aber auch bitteren Noten – die die Autorin perfekt ausbalanciert.

"Vom Ende der Nacht" empfehle ich auch den jungen BookTok-Leser:innen.

Vom Ende der Nacht

von Claire Daverley

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Mon Chéri und unsere demolierten Seelen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn wir die Tage mehr über österreichische Literatur sprechen, dann darf Verena Roßbacher natürlich nicht fehlen. Die Autorin wurde mit ihrem Roman „Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“ im vergangenen Jahr den Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. Das überrascht mich keineswegs. Enthält ihr Werk allerlei Zutaten, die aus dem Lesen ein unvergleichlich und eindrucksvolles Erlebnis formen.

Diese mitreißende Frische, der elegante Spagat zwischen dem Ernst des Lebens und dem rettenden Schalk, diesem zu begegnen. Obendrein ist da der große Einfallsreichtum in Sprache und Szenen. Man läuft – nein, falsch, man tanzt - regelrecht durch die Lektüre, spürt den Gegenwind des Schicksals im Gesicht und gleichzeitig lache ich Tränen, weil die Autorin urkomische Dinge vor uns ausbreitet. Dieses Buch macht so viel Spaß, obwohl es durchaus von düsteren Begebenheiten erzählt.

Aber aus Charlys Mund klingen sie nie ganz so finster. Die Ich-Erzählerin hat Humor – wohl eher Galgenhumor, denn ihr Leben sieht nicht gerade rosig aus: Sie hat keine Freunde, ist Dauersingle, hat ein kaputtes Fahrrad, das sie stets an ihrer Seite hat wie einen Hund. Die 43-Jährige arbeitet als Marketingfrau bei einer Berliner veganen Foodcompany, ernährt sich von deren Müsliriegeln. Und dann hat sie noch Herrn Schabowski an ihrer Seite.

Zunächst nur als Dienstleister, später entwickelt er sich zu einem treuen Weggefährten. Charly leidet an Postphobie, sie kann Briefe nicht allein öffnen. Das erledigt Herr Schabowski für sie. Als Charly nun von ihrer esoterischen Schwester eine Familienaufstellung geschenkt bekommt, gerät Charlys Leben und das von Herrn Schabowski aus dem Gleichgewicht...

Am Ende schlägt man dieses großartige Buch staunend, juchzend zu und hat wieder einmal mehr den Beweis, dass unsere europäischen Nachbarn verdammt gute Literatur verfassen.

Mon Chéri und unsere demolierten Seelen

von Verena Roßbacher

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Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut“ ist nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch ein wichtiges Buch. So behandeln die beiden Autoren den Kapitalismus – sie durchleuchten jeden Winkel und erklären den jungen Leser:innen, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Wer wirklich davon profitiert und wer das Nachsehen hat.

Das Autorenduo hat die Handlung lange Zeit vor uns angesiedelt. Rosa und Karl leben mit ihren Eltern ein bescheidenes, aber gutes Leben. Bis eines Tages ihre Insel Feudalia mit der Capitalia fusioniert. Fortan darf keiner mehr kostenlos Holz aus dem Wald aufsammeln. Man muss dafür bezahlen. Die Eltern werden von den Höfen in die Stadt vertrieben, weil es dort in neuen Fabriken Arbeit gibt, mit der sie nun alles bezahlen müssen. Doch in den Städten gibt es keine neue Wohnungen, und so müssen sie sich ihre mit anderen teilen.

Rosa und Karls Eltern arbeiten für einen Hungerlohn. Warum werden andere immer reicher? Wie kann das sein? Der alte Fischer Karl erklärt: „Die Unternehmen stehen im Wettbewerb zueinander, eigentlich so wie auf dem Marktplatz beim Reifenschlagen. Wer möglichst viel Geld aus seinen Arbeitern herauspressen kann, der gewinnt. Wer weniger Arbeit aus ihnen zieht, verliert.“

Können Rosa und Karl ihre Eltern mit dem mutigen und klugen Fischer Karl retten? Und was hat es mit dem Traum auf sich, den Karl eingangs hatte?

Ich gebe zu, dieses Buch hat mich wirklich beeindruckt und überrascht. Ich hatte zunächst eine fantastische Abenteuergeschichte erwartet, und am Ende gab es diese lehrreiche Lektüre, die obendrein von Mut und Zusammenhalt berichtet. Besser kann man den jungen Leser:innen den Kapitalismus nicht erklären. Doch die Geschichte hat einige düstere Elemente, das möchte ich nicht verschweigen. Denn wenn Ungerechtigkeit und Ausbeutung zusammentreffen, bleibt wenig Raum für Sonnenschein. Daher eignet sich das Buch auch bestens als Schullektüre. Eine Geschichte, über die man sprechen muss und sicherlich möchte.

Ab 10 Jahre.

Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut

von Ole Nymoen, Wolfgang M. Schmitt

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Der längste Schlaf
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Schlaflose Nächte? Kennen viele von uns. Und damit verbunden dieses unhagliche Gefühl, wenn alles schläft, aber man selbst allein in der Stille der Nacht hockt. Auch die Ich-Erzählerin in Melanie Raabes neuen Roman kennt das zu gut. Interessanterweise ist die junge Frau Schlafforscherin. Doch die Schlaflosigkeit hat bei Mara eine andere Ursache.

Eines Tages erreicht Mara in London die Nachricht, dass sie ein altes Herrenhaus in Deutschland geerbt hat. Von einem ihr bis dahin fremden Mann. Klingt seltsam. Ist es auch. Und doch begibt sich die Wahl-Londonerin auf den Weg in diesen kleinen Ort. Als sie in Limmerfeldt ankommt, ist sie sofort hingerissen von diesem besonderen Haus. Weniger bezaubernd ist hingegen die erste Nacht, so passieren seltsame Dinge...

Melanie Raabe vereint ihr Talent, das sie als Krimiautorin bekanntgemacht hat, mit dem des Romanerzählens auf allerbeste Art.
„Der längste Schlaf“ ist eine spannende Lektüre mit übersinnlichen Einschlag, die man erst aus der Hand legen kann, wenn der ganze Spuk vorbei ist. Matt Haig und Murakami-Leser:innen sollten jetzt bitte hellhörig werden.

Der längste Schlaf

von Melanie Raabe

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Feechen Meier - So ein Durcheinander!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Eines Abend bekommt Simon ganz besonderen Besuch! Feechen Meier purzelt von draußen in sein Zimmer. Auweia, das ist bestimmt die Aufräumfee, von der seine Mutter immer gesprochen hat. Simon sieht jetzt erst das Chaos in seinem Zimmer, und natürlich die Fee, die ganz winzig ist wie ein angespitzter Bleistift. Die Fee entdeckt die müffelnden Socken, die aus Simons Kleiderhaufen herausragen. Irgendwo muss es doch einen freien Platz für Feechen Meier geben. Die übrigens in einer anderen Mission unterwegs ist.

Was für ein witziges und feenhaftes Bilderbuch! Für alle Aufräummuffel ab 4 und solche, die verzauberte Geschichten lieben.

Feechen Meier - So ein Durcheinander!

von Anke Girod

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Das seltsame blaue Ding
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Plötzlich liegt es da! Dieses seltsame blaue Ding. Der Dachs ist der 1. Waldbewohner, der es entdeckt. Er findet darin so komische schwarze Muster. Bemerkenswert, das gehört in seine Sammlung. Als es bei Familie Dachs nun Nachwuchs gibt, muss das Ding weichen und er stellt es nach draußen in einen Karton, aus dem sich die anderen Waldbewohner bedienen können, und dann erlebt das seltsame blaue Ding eine kleine wundersame Reise – bis es zu seinem Besitzer zurückfindet.

Wir wissen natürlich, was das blaue Ding ist. Und doch ist es einfach nur zauberhaft den Waldtieren zu folgen. Judith Loske hat eine fantastische Geschichte geschaffen, die uns auch mit ihren verspielten und niedlichen Bildern schmunzeln lässt. Für alle ab 4 und für alle Buchliebhaber:innen!

Das seltsame blaue Ding

von Judith Loske

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Hot Mess
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin sofort angekommen in diesem vielstimmig erzählten Roman. Und das obwohl ich älter bin als die Figuren. Aber Claires Gedanken sind mir nicht unbekannt, und ganz ehrlich? Es tut so gut, sie aufzulesen!

Lexi ist die andere Protagonistin. Sie betreibt mit ihrer besten und temperamentvollen Freundin Amanda einen erfolgreichen Podcast. Gemeinsam mit ihrem Freund, der gleichzeitig als Manager für ihr Unternehmen fungiert, sucht sie jetzt eine Wohnung. Sind natürlich alle viel zu teuer in Dublin. Doch ein großer Werbedeal naht. Dann passiert etwas, was Lexis Leben vollkommen auf den Kopf stellt.

Joanne ist die Dritte im Bunde: Sie wird ungeplant Mutter. Das ändert nicht nur die Beziehung mit ihrem langjährigen Freund. Auch sie selbst und ihr Umfeld durchlaufen eine Metamorphose. Ihre Freundinnen wollen so weitermachen wie bisher: Party, Alkohol und feiern.

Die irische Autorin verbindet die drei Leben derart fließend miteinander, erzählt über Freundschaften, Beziehungen, Lebensentwürfe und Gedanken-Dämonen. Noch etwas eint die Frauen: Scheinbar sichere Beziehungen bekommen Risse und stellen sie vor großen Herausforderungen. Absolut packend, sehr berührend und nah am Leben!

„Hot Mess“ passt daher wie angegossen zum neuen pola-Verlag, der genau das will: Themen von jungen Leserinnen ab Ende 20 eine Stimme geben, die mehr von ihren Büchern erwarten als nur Glitzer.

Hot Mess

von Sophie White

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Herr Kafka und die verlorene Puppe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich dachte, ich wüsste schon fast alles über Franz Kafka. Aber diese bezaubernde Geschichte ist mir neu. Larissa Theule erzählt in dem wunderschönen von Rebecca Green illustrierten Bilderbuch eine kleine Begebenheit aus dem Leben des großen Autors.

Als Kafka im Herbst 1923 mit seiner Liebsten Dora Diamant durch einen Berliner Park spaziert, treffen die beiden ein weinendes Mädchen. Es erzählt, das seine geliebte Puppe verloren gegangen sei. Die empfindsame Seele Kafkas nimmt sich diesem Mädchen auf besondere Weise an. So sagt er, dass die Puppe nur verreist, und er der Postbote sei. Am nächsten Tag bringt er ihr einen Brief.

Es bleibt nicht nur bei einem. Die Puppe schreibt spannende Geschichte berichtet, wo sie überall gewesen ist: in England bei Peter Hase, in Barcelona trifft sie den Künstler Gaudí. Und dann soll es noch in die Antarktis gehen, von wo aus Supsi ihrer Irma nicht mehr schreiben wird. Das ist gewissermaßen ihr Abschiedsbrief.

„Herr Kafka und die verlorene Puppe“ ist daher nicht nur ein Bilderbuch für alle ab 5. Auch für die großen Kafka Bewunder:innen. Es gibt noch ein Nachwort der Autorin über die wahre Geschichte und ein paar Informationen zum Autor. Ich bin mir übrigens sehr sicher, dass Herr Kafka die Illustrationen sehr gemocht hätte wie die liebevoll erzählte Geschichte.

Herr Kafka und die verlorene Puppe

von Larissa Theule

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Wir hätten uns alles gesagt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Bei Judith Hermann ist es ein Satz. Der alles ins Rollen bringt. Den Beginn einer Erzählung oder Geschichte formt. Bei mir ist es ein Bild, das vor mir erscheint. Taucht es nicht auf, dann lasse ich es bleiben, kann nicht über das Buch schreiben. Das passiert mir selbst bei Büchern, die mich begeistern. Anfangs war ich irritiert, suchte nach Erklärungen. Mittlerweile akzeptiere ich diese Leerstellen. Wir müssen nicht ständig alles hinterfragen. Es ist, was es ist, das wusste schon Erich Fried. Und ich weiß: Der nächste Wortstrom wird kommen - so wie andere Bücher in mein Leben treten werden.

Jetzt sitze ich mit Judith Hermann in dem kleinen Haus am Meer, beobachte ihre Wahlfamilie, wie sie zusammenkommt. Sie ahnt dabei allerdings nicht, dass wir lange schon verbunden sind.

Ich erinnere mich noch sehr gut an „Sommerhaus, später“, und das obwohl über 21 Jahre vergangen sind. Ihr Debüt hat mich geprägt und lange noch beschäftigt. Wie sehr ich dieses Buch vermisse, wird mir erst jetzt bei der Lektüre von „Wir hätten uns alles gesagt“ richtig bewusst. Verrückt, aber auch magisch-schön.

In ihrem neuen Buch begegne ich der Autorin auf einer anderen Ebene: Sie öffnet ihre inneren Fenster. Neugierig folge ich ihren Beobachtungen, Gefühlen, Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend. Sie lässt mich an in ihrem Leben als Mutter, Tochter, Freundin und Schreibende teilhaben.

Es hat sicherlich viel Mut und Vertrauen erfordert, sich uns offenherzig zu zeigen. So gesehen ist dieses Buch ein Geschenk an ihre langjährigen Leser:innen.

„Wir hätten uns alles gesagt“ ist eine zutiefst menschliche wie literarisch schöne Lektüre über Freundschaft, Familie, Beziehungen, das Leben und natürlich über das Schreiben.

Wir hätten uns alles gesagt

von Judith Hermann

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Hemingways Kind
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sarah O'Connor und ich teilen viele gemeinsame Bücher so auch dieses erstaunliche Debüt, über das man bisher nicht allzu viel gelesen oder gehört hat. Und das obwohl es eindrucksvoll ist und in unseren Leserinnenherzen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Russell Franklins Sprache ist unglaublich atmosphärisch, und so sitzen wir gleich im Jahre 1940 neben Patrick und Gregory in Kuba an einem Fluss. Die Brüder verschnaufen, rauchen die gestohlenen Silk Cuts ihrer Mutter und trinken eine Coke dazu. Zwei Jungs, die sich mögen und gegenseitig necken. Allerdings wird diese Innigkeit im Laufe der Jahre nicht nur einmal auf eine harte Probe gestellt.

Denn so federleicht wie der Einstieg hinüberweht, bleibt es nicht. Russell Franklin schickt uns mitunter durch einen finsteren Wald aus großen Bäumen, vor dem wir oft innehalten müssen. Einer dieser Äste im Lebensbaum von Gregory zeigt sich in Form seiner manisch-depressiven Seite, die ihn sein Leben lang begleitet und schlimme Folgen haben wird. Die andere ist die, wenn er den dringenden Wunsch verspürt, sich als Frau zu kleiden. Gleich eingangs gibt es eine beglückenden wie bewegende Szene, als der junge Gregory Martha Gellhorns Kleider anzieht und von seinem Vater ertappt wird. Ausgerechnet Hemingways Lieblingssohn. Greg war anders als sein Bruder mit allen Talenten ausgestattet.

Was für ein facettenreiches Werk, in dem es eine unsichtbare Balance gibt, die das Schwere immer wieder auffängt. Das Krokodil hat sein hungriges Maul weit aufgesperrt, doch es erwischt uns nicht. Noch etwas schafft der englische Autor: Er bewegt sich galant zwischen verschiedenen Zeitebenen und Orten. Mal sind wir auf Kuba, dann in New York oder Montana, plötzlich in Key West oder gar in Tansania. Alles fließt, mal haben wir 1938, dann sind wir auf einmal im Jahr 1985.

Besonders zeitgemäß ist natürlich der Aspekt, wie sich anfühlt, im falschen Körper zu stecken. Dazu noch der ewige Drahtseilakt eines manisch-depressiven Menschen, der stets versucht, auf viel zu dünnem Eis zu laufen und dies oft nur mit Rauschmitteln aushält. Obwohl sich in den vergangenen Jahren viel getan hat, ist die Diskriminierung von Menschen, die aus der sogenannten Norm fallen, weiterhin sichtbar und spürbar.

So gesehen hat uns Russell Franklin nicht nur eine bewegende Biografie aus Hemingways Kosmos geschenkt. Er legt ein Augenmerk auf all die Menschen, die täglich kämpfen. Um ihr Dasein, als das, was sie sind. Oder mit den dunklen Dämonen, die sie einschränken. Und er hat Gloria Hemingway ein Denkmal gesetzt. Greg nannte sich am Ende Gloria und starb mit 69 Jahren in einem Frauengefängnis eines natürlichen Todes. Möge sie mit ihrer Familie im Himmel Frieden geschlossen haben.

Dieses Buch eignet sich auch für junge Leser:innen ab 18 Jahre. Möge es noch viele erreichen und genauso begeistern wie uns. Die englische F assung ( The Broken Places ) haben wir auch bei den englischen Büchern vorrätig.

Hemingways Kind

von Russell Franklin

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Neun wilde Ballerinen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Was für ein wildes, freches und cooles Leseabenteuer! Ich wollte mir das Buch nur kurz anschauen, weil mich Cover und Titel geradezu magisch angezogen haben. Doch kaum aufgeschlagen, ließ ich fast alle Bücherstapel im Laden fallen. Denn ich wollte die Geschichte der acht Waisenmädchen sofort lesen. Zumal die Geschichte mit herrlichen kleinen Zeichnungen versehen ist, über die ich oft lachen muss.

Ida, Jule, Emma, Lizzie, Diana, Victoria, Mary und Elisabeth sind echt irre Mädchen. Sie leben im Waisenhaus unter der Aufsicht einer hundsgemeinen Direktorin. Da muss man sich ein dickes Fell zulegen. Vor allem Ida ist die lauteste und mutigste.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Häuserblocks hockt übrigens die Bärenbande. Sie nur so heißt, weil der Boss der Bande Bär heißt. Die anderen Mitglieder nennen sich Made, Mücke und Maulwurf. Und sie hecken böse Dinge aus, sind nur nicht ganz so gerissen wie die Mädchen.

Und wer ist nun die neunte Ballerina in dieser rasanten wie witzigen Geschichte? Auflösung folgt zwischen den Seiten, durch die ich leider viel zu schnell geflitzt bin wie die taffen Mädels. Ich freue mich schon jetzt auf eine Fortsetzung, denn dies ist der 1. Band einer Reihe.

Alle Mädchen ab 10 Jahre können sich auf diese Abenteuer stürzen! Auch jene, die Bücher vielleicht nicht so gerne aufschlagen.

Mein besonderer Dank gebührt erneut meiner lieben Kollegin Katja Schneider, die - wie so oft - aus dem Meer der unzähligen Kinder- und Jugendbuch-Neuerscheinungen diesen Leseschatz entdeckt und für den Laden bestellt hat.

Neun wilde Ballerinen

von Andreu Llinàs Duran

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Das Schweigen meiner Freundin
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Erinnern Sie sich noch an Elena Ferrantes Freundinnen-Epos? Mochten Sie es genauso wie ich? Dann sollten Sie unbedingt in dieses Buch hineinschauen. Denn es könnte sehr gut möglich sein, dass Sie es auch wie ins Herz schließen werden.

Ich bin sofort gefangen in dem atmosphärischen Roman, der durch die dichte Schreibweise eine Sogwirkung verströmt. Giulia erzählt uns ihre Geschichte und die ist betörend. Sie öffnet ein Dreieck. Zunächst ist es eine Gerade. Als Cristi in Giulias Dorf ankommt, soll sich die Ich-Erzählerin um dieses aparte, schöne wie schweigsame Mädchen kümmern. Zunächst ist Giulia distanziert, doch bald wird das Band zwischen den beiden enger, bis eines Tages Mattia auftaucht... Cristi sucht fortan auch Mattias Nähe. Das behagt ihrer Freundin so gar nicht. Da ist es also: Das Dreieck.

Obwohl wir uns in dem kleinen Kosmos bewegen, hält mich die Autorin auf den über 500 Seiten starken Roman fest. Ich begleite Giulia über 23 Jahre, erlebe, wie ein Mädchen erwachsen wird, und die besondere Beziehung zu Cristi pflegt, die alles andere als einfach ist. Wir gehen durch Höhen und Tiefen, und in unseren Herzen glüht das Dreieck.

Lila und Elenas Geschichte aus Ferrantes Epos unterscheidet sich von dieser hier, doch im Kern sind sie sich sehr ähnlich. Wie ist es, wenn man einen Menschen gefunden hat, mit dem man sich auf besondere Weise verbunden fühlt, und den man einfach nicht vergessen kann? Davon erzählt auch Giulia Baldelli. Ob es eine Eigenart der Italiener:innen ist, dieses lebensbedeutende Thema derart authentisch und eindringlich schriftstellerisch abzulichten? Ich weiß es nicht. Verraten Sie es mir gern bei Ihrem nächsten Besuch.

Das Schweigen meiner Freundin

von Giulia Baldelli

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Origins - Indigene Kulturen der Welt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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„Origins“ von Nat Cardozo ist in vielerlei Hinsicht ein wahrlich besonderes Bilderbuch. Die französisch-uruguayische Autorin stellt 22 indigene Völker dieser Welt vor. Sie sind nur ein kleiner Ausschnitt von insgesamt 5000.

Jedes Kind trägt in seinem Gesicht die für seinen Stamm und Land typischen Elemente. Ich versinke sofort in den geradezu magischen Illustrationen. Auf der linken Seite kommen die Kinder zu Wort. So erzählt das Inuit-Mädchen von Inuas-Bedeutung – „...ein heiliger Geist, den wir niemals kränken dürfen.“ Und sie erzählt vom großen Geist von Sedna, Beschützerin der Meerestiere. Oder der Orang Rimba-Junge. Er berichtet von seinen beiden Schutzbäumen. Und noch etwas verrät er: "Alle Früchte, Tiere, Flüsse und natürlich alle Bäume werden von Göttern bewohnt." Überhaupt spielt die Natur in dem Buch eine große bedeutende Rolle. Ich behaupte, nach der Lektüre betrachten wir unsere Flora und Fauna mit anderen Augen. Jedes Kind erzählt von den Eigenheiten des Stammes, aber auch von den Tieren, dem Zauber und der Eigenheiten der Natur, mit der sie leben und atmen.

„Origins“ ist eine Weltreise um den Globus. So verschieden die Menschen sind, eint sie doch eine Sache: Die Bewunderung und Ehrfurcht vor Mutter Erde und all dem Schönen, die es verdient haben, dass wir sie bewahren. Ob nun in Hamburg, in der Wüste, im hohen kalten Norden oder in Indonesien.

Was für eine großartige, bildreiche wie kenntnisreiche Lektüre für die ganze Familie!

Leseempfehlung ab 8 Jahren.

Origins - Indigene Kulturen der Welt

von Nat Cardozo

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Die Bücherjägerin
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Manchmal braucht man das: Ein Buch, das einfach nur schön ist und wärmend wie eine Kuscheldecke, unter die man wohlig kriecht. Als ich zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse von „Die Bücherjägerin“ gehört habe, wurde auch die Bücherjägerin in mir putzmunter. Und jetzt nach der Lektüre von Elisabeth Beers Roman fühlt sich mein Jagdinstinkt nach besonderen Büchern wiederholt bestätigt.

Elisabeth Beer liebt Bücher so wie ihre Ich-Erzählerin. Sarah ist Antiquitätenhändlerin und Restauratorin und ein bisschen eigen. Anders als der Rest der Welt. Genau deshalb erobert sie mein Herz recht schnell.

Die junge Frau steht gerade vor einem Scherbenhaufen. Ihre geliebte Tante Amalia ist verstorben, hat ihr eine alte Villa mit einem wilden Garten, jede Menge Bücher und auch Schulden hinterlassen. Um diese zu minimieren, hat Sarah eine Auktion organisiert. Dort taucht plötzlich der junge britische Bibliothekar Benjamin auf. Sarahs verstorbene Tante hat Benjamins Bibliothek vor ihrem Ableben ein hoch spannendes Angebot unterbreitet. Sie wüsste etwas über den Verbleib des fehlenden Segments des mittelalterlichen Originals der Tabula Peutingeriana. Sie könne den Verkauf an die Bibliothek vermitteln.

Es handelt sich hierbei um die letzte Version einer berühmten römischen Straßenkarte. Bei ihrer Recherche stoßen die beiden auf einen schriftlichen Hinweis ihrer Tante. Ein gewisser Jean, der in Frankreich auf einem Weingut lebt, hat offenbar wichtige Infos. Da Jean aber weder Internet noch ein Telefon besitzt, müssen die beiden anderweitig Kontakt zu Amalias Freund aufnehmen. So machen sie sich gemeinsam mit den beiden Schildkröten Bonny und Clyde auf den Weg.

Der Roadtrip hält für uns alle einige Überraschungen parat. Es gibt mitunter herrliche Szenen und ebenso zahlreiche Momente, in denen ich schmunzele. Eine witzige und warmherzig erzählte Geschichte und eine wundervolle Hommage an die Welt der Bücher und Karten!

Die Bücherjägerin

von Elisabeth Beer

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Eva
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie wollen wir leben? Was bringt die Zukunft? Fragen, die wir uns alle stellen. Oder auch: Wollen wir wirklich Kinder? In dieser Welt? Muss man sich dafür rechtfertigen, wenn man sich ein Leben ohne Kinder vorstellen kann? Und was ist, wenn man sich Kinder wünscht, aber keine bekommen kann? Diesen und mehr Fragen spürt Verena Keßler in ihrem neuen Buch „Eva" eindrucksvoll nach. Ich habe mich in jeder Frau wiedergefunden, obwohl ich keine von ihnen bin. Und das ist für mich wahre Erzählkunst.

Die Geschichte beginnt mit Sina und einem Interview. In ihrem Gespräch mit der Lehrerin Eva geht es um den Klimawandel und ein Essay: „Verhütet rettet Leben". Eva sagt Dinge wie: „Es kann kein unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten geben, das ist eine einfache Rechnung." Gar keine Kinder mehr? „Ich sage, keine Kinder zu bekommen, erspart Leid." Das ist natürlich Dynamit für viele aktuelle Debatten. Aber es kommt noch explosiver, denn Eva hat einen Hund. Keine Kinder, aber einen Hund? Da geht´s im Internet erst richtig los.

Das ist nicht der einzige Vulkan, der in dem schmalen und doch gewichtigen Buch ausbricht. Ich folge Sina, die vergeblich versucht, schwanger zu werden. Ich beobachte Eva in ihrem Leben nach diesem Ereignis. Und was ist mit Sinas Schwester? Sie hat drei Kinder, scheint glücklich zu sein, aber stimmt das wirklich? Obwohl alle Frauen eigene Kapitel haben, ist da ein Band, das sie verbindet.

Verena Keßler bewegt sich durch die Geschichten ihrer Figuren wie eine Chronistin, erhebt niemals den Zeigefinger, sondern lässt alle machen. Leben und leben lassen. Ich lausche ihnen, bin bewegt und oft amüsiert. Die Autorin hat ein taktvolles Händchen und darüber hinaus ein Gespür für Situationskomik und lebensnahe Dialoge.

Am Ende der Lektüre hält Verena Keßler für uns keineswegs die allumfassende Antwort parat. Dafür viele Stimmen, die immer noch zu mir sprechen, während ich das Buch zuschlage und denke: Am Ende müssen wir uns selbst entscheiden. Aber bis es soweit ist, hilft dieses schlaue Buch enorm.

Eva

von Verena Keßler

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Liebewesen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ganz ehrlich? Ich hätte „Liebewesen“ von Caroline Schmitt nicht gelesen.
Denn das Cover hat mich abgeschreckt, auch fühlte sich die Geschichte auf dem Klappentext zu schwer an. Doch wie so oft im Leben, lohnt sich es durchaus, ein zweites Mal hinzuschauen und seine Türen zu öffnen. Nun gehört „Liebewesen" zu einem meiner Lieblingstitel der frisch begonnenen Frühjahrssaison.

Von Beginn hat mich Caroline Schmitt wie ein Trichter in ihre Geschichte förmlich hineingesogen. Lios Freundin Mariam ist nach einem Liebeskummerjahr glücklich mit Elias. Und sie möchte, dass es Lio auch so ergeht. Daher scrollt sie sich durch eine Dating-App und sucht für Lio den geeigneten Kandidaten. Mariam wird fündig. Sie daten Max. Und das erste Date verspricht außergewöhnlich zu werden: Lio und Max werden sich in der Badewanne treffen. Das klingt herrlich verrückt. Und das ist exakt der Drive, der mich an diesem anziehenden Debüt wie eine wärmende Hand festgehalten hat.

Sehr erfrischend, frech, aber auch berührend erzählt Caroline Schmitt über zwei Menschen, die sich finden. Ihre Herzen öffnen sich, doch sie haben es nicht immer leicht. Denn Max und Lio haben in ihrer Seele noch dunkle Zimmer, die sie am liebsten nicht mehr betreten wollen. Und doch gibt es diese Momente im Leben, in denen es finster und kalt wird… und sie sich plötzlich darin wiederfinden.

Wer jetzt bei dem Wort Trauma und Depression zurückzuckt, sollte sich nicht abschrecken lassen. Denn die Lektüre ist trotz der beklemmenden Themen keineswegs erdrückend. Caroline Schmitt gelingt es, durch ihren scharfsinnigen Erzählton, eine Leichtigkeit beizubehalten. Das liest sich ungemein belebend und tut jetzt in dieser kalten Jahreszeit besonders gut.

Liebewesen

von Caroline Schmitt

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Mein Leben in deinem
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Schuhe nehmen bei uns Frauen ja immer eine gesonderte Stellung ein. Ob Jojo Moyes daran gedacht hat, als sie ihren neuen Roman begonnen hat? In "Mein Leben in deinem" sind rote Christian Louboutins dafür verantwortlich, dass das Leben verschiedener Frauen durcheinandergerät.
Wie spitze Pfeile jagen sie durch die Seiten.

Eigentlich sind es zwei Sporttaschen, die in der Hektik vertauscht werden. Sam greift sich Nishas. Als sie das Versehen feststellt, ist es zu spät, denn die Zeit drängt. Die Vertriebsmanagerin hat an dem Morgen wichtige Geschäftstermine. Und so schlüpft Sam in die ungewohnten spitzen und knallroten Christian Louboutins. Anfangs stöckelt Sam, als sei sie leicht betrunken, doch je länger sie die neuen Schuhe an den Füßen trägt, um so gefestigter wird ihre Balance und noch etwas ändert
sich: ihre Haltung. Sie strahlt Selbstbewusstsein aus.

Indes im Sportstudio stellt Nisha fest, dass ihre Tasche weg ist und sie stattdessen eine schwarze Tasche mit billigen Klamotten vor sich hat. Im Bademantel und in Flipflops macht sich die wohlhabende Nisha auf den Weg zum Hotel. Dort angekommen, erlebt sie die nächste Überraschung: Sie kommt nicht mehr ins Penthouse und ihr Mann hat sämtliche Karten gesperrt. Vollkommen mittellos steht Nisha plötzlich da und weiß nicht mehr weiter. Doch heißt es nicht? Es gibt für alles eine Lösung.

Ich gebe zu, der Anfang des Romans war ein bisschen holprig, Sams Geschäftstermine waren mir zu ausführlich. Doch danach setzt ein geschmeidiger und absolut mitreißender Lesefluss ein. Jojo Moyes würdigt in ihrem neuen Buch alle Frauen. Unseren Zusammenhalt, Mut und unsere Tapferkeit. Gerade im letzten Drittel holt sie mit geradezu filmreifen Szenen zum packenden Finale aus.

"Mein Leben in deinem" ist eine geballte Ladung an Frauenpower. Ein Buch über Solidarität, die Herausforderungen des Lebens, das Fallen, das Aushalten und wieder Aufstehen. Berührend, wärmend, hoffnungsvoll und trotz aller Dramatik sehr unterhaltsam.

Und ich garantiere Ihnen: Nach dieser Lektüre sehen Sie die roten spitzen Absatzschuhe mit anderen Augen.

Mein Leben in deinem

von Jojo Moyes

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Prophet Song
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Do you want to read stirring books in our troubled times? Rather less. "The Song of the Prophet" is an important book that should still be opened. What the Booker Prize winner tells is extremely oppressive, and above all how he portrays the story: dark, unsettling, captivating, moving and exciting until the last page. Literature may be distracting, but it should also stimulate discourse and exchange. Speaking of impetus: I owe the book to my dear colleague Sarah O'Connor. She read the original for a long time before me and has been campaigning for it since last winter.

"Prophet Song" is a dystopia, far away and yet very close to us. Would we have thought a year ago that the right-wing populists in this country and in the EU would become so strong?

I read my way through this story with bated breath, which is difficult to bear. From the first sentence on, the Irish author creates an oppressive atmosphere that you can't escape. Breathless are the dense sentences that I run after just as much as Eilish - a lioness who tries to live on between powerlessness and helplessness, to be there for her family. Because Eilish has three other children for whom she wants and needs to be there. Always at her side: the hope that everything will be fine in the end.

"Prophet Song" shakes you to the core. And yet you should read the book. The Booker Prize winner shows in a frightening way what literature can achieve.

Prophet Song

von Paul Lynch

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Die Liebe an miesen Tagen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie der Titel schon verrät, geht es in dem Buch um die Liebe. Aber keine Bange, es wird nicht kitschig-süß. Eher fruchtig-herb.

Die Liebe flattert unangemeldet ins Leben zweier Menschen, die sie eigentlich nicht wollen. Clara hat eben ihren Job verloren und wird immer wieder von ihrem Vater angerufen, weil ihre Mutter ausgebüxt ist. Claras Mutter leidet an Demenz. Zudem lebt Clara seit dem Tod ihres Mannes lieber allein. Elias ist gegen die Liebe, sie bringe immer alles durcheinander. Als er sich mit seiner Geliebten ein zum Verkauf stehendes Haus einfach mal so anschaut, trifft er auf Clara. Und dann? Grinse ich erstmal, denn die ersten Gespräche der beiden sind herrlich übermütig und äußerst belebend.

Dann gehen sie wieder auseinander, um einige Tage später wieder aufeinanderzutreffen. Und dieses Mal bleiben sie länger beisammen. Kann das Zufall sein? Schicksal? Egal! Sie stürzen sich in das Abenteuer, werden parallel vom Leben eingeholt und ihre Liebe wird auf die harte Probe gestellt...

Das ist ein Buch für richtig miese Tage, aber auch für unerwartet gute! Was für eine mitreißende und herzerwärmende Geschichte. Nicht nur Clara und Elias werden gefühlt zu guten Freunden, die anderen liebenswert ausgearbeiteten Figuren um die beiden Liebenden herum kommen einem ebenfalls sehr nah. So schließt man alle ins Herz und vergisst das kalte graue Nieselwetter. Liebe tut eben immer gut.

Die Liebe an miesen Tagen

von Ewald Arenz

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Das Superteam 1
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Unser Bobby hat ein tolles Buch entdeckt. Rein zufällig heißt einer der Figuren Bob. Und rein zufällig ist Bobs Freund auch ein Hund. Pete und Bob lieben die Comics der Superhelden. Da haben sie plötzlich die Idee, ein eigenes Superteam aus verschiedenen Tieren zusammenzustellen. Als Ergänzung sozusagen zu Petes und Bobs feinen Spürnasen.

Und die Suche ist so so witzig! Wundervolle Illustrationen, bei denen man ganz viel entdecken kann, setzen dem Lesespaß ein Krönchen auf. "Wuffartig toll!" findet Bobby.

Ab 4 Jahre.

Das Superteam 1

von Katerina Gorelik

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Ein mysteriöser Gast
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe ein großes Herz für besondere Figuren. Molly Gray zählt in diese Kategorie. Sie arbeitet als Zimmermädchen im Londoner Regency Grand Hotel. Das ist sie mit aufrichtiger Hingabe, und absolut hinreißend. Molly nicht zu mögen, ist schier unmöglich. Aber Molly ist auch sehr eigen, doch gerade deshalb liebenswert. Und irgendwie schlittert sie immer in Mordermittlungen hinein. In „The Maid“ hat sie ihr Krimi-Debüt gegeben, und im neuen Buch erweist sie sich wieder als clevere und aufmerksame Ermittlerin. Man kann diesen Band übrigens losgelöst vom ersten lesen. Aber ich schwöre: Man will sie beide!

Als der bekannte Krimiautor J. D. Grimthorpe im Teesalon ein Geheimnis lüften will, kurz einen Schluck von dem servierten Tee getrunken hat, kippt er plötzlich um – und stirbt. Große Aufregung bei allen! Die Polizei ist sich sicher, die Mörderin oder der Mörder stammt aus dem Hotel. Mollys schüchterne wie verunsicherte Mitarbeiterin Lily ist traumatisiert, und zählt neben Molly zu den Verdächtigen. Was keiner weiß: Molly kannte den Autor. Denn als Mädchen hat sie zusammen mit ihrer geliebten und mittlerweile verstorbenen Gran im Haus des Schriftstellers geputzt. In Rückblenden begegnen wir der jungen Molly und ihrer klugen wie empathischen Großmutter, die das Sorgerecht des Mädchens hat.

„Ein mysteriöser Gast“ ist Cosy Crime im allerbesten Sinne! Allen voran durch Molly, die dem Buch eine authentische emotionale Tiefe verleiht. Es regt sich vieles, vor allem das Herz, wenn man die Lektüre mit einem verschmitzten Lächeln verschlingt.

Ein mysteriöser Gast

von Nita Prose

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Stay True
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Stay true“ von Hua Hsu ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Buch. Allein schon die Gestaltung innen wie außen und der Papierduft haben mich verführt. Aber auch die geschriebenen Worte – für die der Autor den Pulitzer Preis in der Kategorie Memoir erhalten hat – haben etwas Elementares in mir angeknipst.

20 Jahre hat der taiwanesisch-amerikanische Autor an diesem Buch gearbeitet. Seine Geschichte ist eng verknüpft mit einer besonderen Freundschaft, die viel zu früh endet. Denn sein bester Freund Ken wird brutal ermordet. Wie er den Tod und seine Schuldgefühle verarbeitet, davon erzählt er im zweiten Teil.

Ich gebe dem Lesenswert-Quartett Recht: die erste Hälfte unterscheidet sich von der hinteren, und doch habe ich alles mit großem Interesse gelesen. Denn Hsu erzählt von der taiwanesischen Gemeinschaft in Amerika, die in den 90er Jahren zurückgegangen ist, weil sie im Bereich der Halbleiter-Entwicklung führend wurde. Hua kommuniziert mit seinem Vater in Übersee mit einem Fax. Und natürlich sind mir die 90er Jahre mit Kurt Cobain noch vertraut.

Was Ken und Hua verbindet, ist eine liebevolle Freundschaft. Und das obwohl sie total verschieden sind. Doch das hält sie nicht davon ab, zusammen zu sein, über Bücher, Filme, Musik und das Leben zu sprechen. Ken wiederum ist japanischer Abstammung, anders als Hua sehr amerikanisiert, und an der Uni äußerst beliebt.

Hua Hsu erzählt voller Leichtigkeit von durchaus gewichtigen Themen wie das Zurechtfinden in der Welt, Identität, Jungsein, Ideale, öffnet manchmal zu viele Räume, aber das verzeihe ich ihm. So hat er mich festgehalten, weil er eine Zutat verwendet, auf die ich anspringe. Aber auch wegen Sätzen wie diesen - die so wahr sind, und mir zeigen, weshalb mir meine bunten Freundschaften so viel bedeuten:

„Es gibt viele Währungen für Freundschaft. Wir können uns zu jemanden hingezogen fühlen, der uns heiter und hoffnungsvoll macht, zu jemanden, der uns immer zum Lachen bringt. Es gibt Freundschaften, die instrumentell sind, bei denen die Verlockung konkret ist und die Attraktivität darin besteht, was der andere für uns tun kann. Es gibt Freunde, mit denen wir nur über ernste Dinge sprechen, andere sind für betrunkene Fröhlichkeit mitten in der Nacht zuständig.“

Stay True

von Hua Hsu

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Haus aus Wind
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Der Schmerz und ich, wir liegen da, und ich sage zu ihm: – Wenigstens seh ich dich jetzt mal.“ Bämm, das sitzt. Es bleibt nicht der einzige Schlag ins Herz in Laura Naumanns eindringlichen Debütroman „Haus aus Wind“.

Denn die Ich-Erzählerin Johanna durchlebt eine große Krise. Ihre langjährige Freundin Rosa hat sie verlassen. Johanna ist nach Portugal an die Algarve geflüchtet, und hat sich für einen Surfkurs angemeldet. Dort trifft sie auf die Trainerin Luz und ihre Freundin Robyn. Die beiden werden bald ein neuer Mittelpunkt in Johannas Leben, die nach den zwei Wochen nicht zurück in ihr altes Leben nach Berlin zurückkehrt, sondern bleibt. In einem Surfercamp ergattert sie einen Job, und schläft in einem alten Wohnwagen.

Die junge Frau wird an vielen Stellen hin und hergerissen. Die Geister der Vergangenheit rütteln an ihren inneren Fenstern, auch ihre Rosa kann Johanna nicht vergessen. Als wäre das nicht schon herausfordernd genug, fühlt sie sich zu Robyn und Luz hingezogen...

Wenngleich das Setting herrlich sommerlich ist, weht mir oft ein kalter Wind von Wut, Trauer und Verzweiflung entgegen. Leicht ist hier nur die Sprache, alles andere gräbt sich in die tiefen Täler der Seele und bleibt wie ein Sonnenabdruck.

Laura Naumann lichtet den Zeitgeist ihrer Generation feinfühlig und mit einem eigenen Sound perfekt ab. Was für ein aufwühlender, atmosphärischer und besonderer Surferroman, in dem die Surferboys komplett fehlen. Und das stört überhaupt nicht.

Haus aus Wind

von Laura Naumann

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Das Loch
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sollten Ihre Augen wie meine beim Namen Haruki Murakami hell aufleuchten, dann bleiben Sie bitte kurz hier. Denn Hiroko Oyamada hat eine fantastische Geschichte geschrieben, die magischen Realismus verströmt und Murakami-san nicht ganz unähnlich ist. Für diesen Roman hat Oyamada Japans bedeutendsten Literaturpreis - den Akutagawa-Preis - erhalten. Auch hierzulande sind die Feuilletons zu Recht von diesem famosen Werk beeindruckt.

Die Ich-Erzählerin wechselt mit ihrem Mann von der Großstadt aufs Land zurück an den Ort seiner Kindheit. Er wurde versetzt. Da das Haus neben den Schwiegereltern unbewohnt ist, zieht das Paar dort ein. Asa war bisher noch berufstätig und jetzt breitet sich vor ihren Armen ein nicht zu füllendes Zeitfenster auf. Als sie eines Tages in den Nachbarort muss, passiert Asa etwas Seltsames: Plötzlich kreuzt ihr Weg ein seltsames anziehendes Tier. Sie folgt diesem, plumpst in ein Loch. Und danach wird einiges sehr anders sein.

Es gibt tatsächlich gewisse Parallelen zu Murakami. Eine Romanheldin, die mit ihrem neuen Leben hadert. Mit ihrem Mann spricht sie nur noch abends, wenn er spät nach Hause kommt. Das klassische Rollenbild einer Familie strebt sie nicht an. Und irgendwie purzelt sie in eine Sache hinein, die die Grenzen zwischen dem normalen Leben und einer anderen Welt vermischen. Was ist wahr? Was nicht?

„Das Loch“ ist ein ungewöhnlicher Sommerroman. Es ist auch hier heiß, der Gesang der Zikaden füllt die Luft, wir laufen durch die Natur und erleben wundersame Dinge. Am Ende sitze ich verdutzt da und weiß nicht, was ich denken soll. Nur so viel: Murakami hat eine gleichwertige Kollegin, die wir mit unseren leuchtenden Augen im Blick behalten sollten.

Das Loch

von Hiroko Oyamada

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Wie Inseln im Licht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Zoey kehrt an den Ort der Kindheit zurück - an die französische Atlantikküste. Hier hat sie als Kind für eine Zeit lang mit ihrer Mutter und Schwester gelebt. Sie will die Asche der verstorbenen Mutter ins Meer streuen. Doch noch etwas erwartet sie: Die Erinnerungen an jene Nacht, als ihre jüngere Schwester plötzlich verschwand. Was ist mit Oda passiert?

Zoey trifft an dem vertrauten Ort auf neue Menschen: Marlène, die im Hotel arbeitet. Die 16jährige Kitty, die mit ihrer Großmutter auf dem gleichen Campingplatz lebt wie einst Zoey mit ihrer Mutter und Oda.

Zoeys Recherchen werfen Fragen auf: Warum weiß die Polizei nichts von der vermissten Oda? Und was hat es mit unbekannten Frau zu tun, mit der sich Zoeys Mutter zu jener Zeit gestritten hat?

Franziska Gänsler hat mit ihrem Debüt „Ewig Sommer“ für Furore gesorgt. Ihr zweiter Roman steht diesem in nichts nach - ist ebenso bewundernswert. Ruhig erzählt, entwickelt er im Verlauf der Geschichte eine packende Sogwirkung, der man genauso wenig entkommt wie der atmosphärischen Stimmung.

Die perfekte Lektüre für einen Tag auf Balkonien oder im Park. Es muss ja nicht unbedingt die französische Atlantikküste sein, denn die taucht beim Lesen ganz automatisch vor dem inneren Auge auf.

Wie Inseln im Licht

von Franziska Gänsler

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Unter Frauen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich hatte nach der Lektüre sofort Lust, die Bücher der vorgestellten Autorinnen zu lesen wie Dorothy Parker. Simone Buchholz sei Dank! Die Hamburger Autorin erzählt, wie sehr sie Parkers Schreiben inspiriert hat. Obendrein findet sie in Parker eine Schwester im Geiste. Und damit verbunden eine Antwort auf ihr unruhiges Wesen sowie das Wissen darüber, dass sie nicht allein ist. Eine berührend schöne Liebeserklärung gibt’s am Ende auch: „Ich bin nicht besonders groß, aber ich stehe auf den Schultern einer zierlichen Riesin. Ohne sie würde ich jeden Tag aufs Neue den Überblick verlieren.“

Auch das ist besonders an dieser Anthologie: Sie öffnet die Tür in die Schreib-, Lebens-, und Denkzimmer der hier versammelten Autorinnen. Das liest sich beglückend, erhellend und ist absolut mitreißend wie geistreich! V

Meine Augen und mein Geist strahlen genauso über die Wertschätzung, die die Autorinnen ihren Kolleginnen entgegenbringen. So schreibt Gabriele von Arnim über Elizabeth Strout: „Wer Strout couragiert, liest sich selber mit.“ So wahr! Oder: „Wie frei, wie gefangen sind wir, wie lieben, wie verraten wir, wieviel Sehnsucht können wir ertragen und wie viele Enttäuschungen. Und wie Heiterkeit finden.“ Geradezu magisch finde ich bei ihr andere Lieblingsautorinnen, die von Arnim hier miteingewoben hat. Und wieder denke ich bewundernd über die Verbundenheit von uns allen. Nicht selten bereiten uns die Bücher den Weg. Ich selbst wurde oft Zeugin dieser Magie! Wen habe ich nicht schon alles durch meine Lektüre kennengelernt. Alles ist offen. Für jeden. Von solch einer besonderen wie verbindenden Begegnung erzählt übrigens auch Mirrianne Mahn, die Autorin des wunderbaren Buches "Issa", das im Frühjahr bei Rowohlt erschienen ist.

So sehe ich dieses Buch als eine Art Literarischen Garten, in dem wir uns begegnen. Fremde werden zu Vertrauten, bereits Vertraute zu wiedergetroffenen Weggefährtinnen.

Unter Frauen

von Gabriele von Arnim, Mareike Fallwickl, Mirrianne Mahn, Kathrin Weßling, Ruth-Maria Thomas

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Das Jahr der Veränderungen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Tessa Hadley habe ich länger nicht gelesen. So hat mich die Autorin 2020 mit „Zwei und zwei" höchst beglückt! Ich werde es nach diesem Buch vermehrt machen. Immer dann, wenn ich etwas Leichtes und Schönes brauche. Denn die britische Autorin zählt zu den Perlen der zeitgenössischen Schreibenden. Zadie Smith findet wertschätzende Worte: „Es gibt nur wenige Schriftsteller:innen, die zuverlässig solche Freude machen.“ Wie wahr! Tessa Hadley ist eine große Lesewonne! Dass der Kampa Verlag die Autorin in seiner Verlagstasche hat, passt so gut wie diese Neuerscheinung in diese Jahreszeit.

Dort begegne ich Kate. Sie hat sich ein Jahr Auszeit von der Uni genommen und ihre Londoner Wohnung vermietet, um ihrer Mutter in Wales beizustehen. Denn Billie wird immer vergesslicher. Schon der Einstieg ist herrlich bizarr. Da gerät Kate in eine Autokarambolage, nachdem offenbar ein Schwan vom Himmel gefallen ist. Sie sagt sich wie ein Mantra: „Das war kein Zeichen!" Wirklich? Nun, wir werden sehen.

Keiner ist verletzt, aber alle sind erschrocken. Unter den Betroffenen ist auch die Frau von Kates Jugendfreund David. Den trifft sie später auf einem Konzert wieder. Nachdem seine Frau Suzie wenig angetan von der Musik ist und in der Pause verschwindet. Alte Frundschaftsbeziehungen werden wieder belebt. Auch zwischen Kate und ihrer Freundin Carol, die die beiden Frauen so gern in der heruntergekommenen alten Villa besucht, wo sie gern musizieren. Und dann taucht eines Tages noch Davids ältester Sohn auf. Der 17jährige Jamie fühlt sich zu Kate hingezogen.

Kaum eine andere schreibt derart lebendig, voller Frohgemut und mit leichter Eleganz und Witz über Beziehungen in jeglicher Form. Ob die Familienbande oder Freundschaften und Liebe – bei Tessa Hadley sind sie in besten Händen. Nichts ist kitschig, überladen oder schwermütig, und dass obwohl sie durchaus ernste Themen in ihre Geschichten einarbeitet. Beste Unterhaltung mit Substanz und Raffinesse!

Das Jahr der Veränderungen

von Tessa Hadley

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Der Letzte seiner Art
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Sie waren wie zwei Verrückte, die sich von der Gesellschaft abgesondert hatten, zwei Zauberwesen aus den Zeiten von Merlin, die zurückgezogen in einem Wald lebten, den niemand betrat.“ Außer wir, denn wir begleiten diese beiden liebenswerten Wesen und erleben eine außergewöhnliche Freundschaftsgeschichte, die Michel Houellebecq begeistert hat.

Als der Zoologe Gus im Jahr 1835 nach Island reist, um die Fauna zu erforschen, erlebt er zwei einschneidende Erlebnisse. Zum einen beobachtet der Zoologe, wie Matrosen über Riesenalke herfallen, ihre Eier zertreten, sie töten, um das Fleisch später zu essen. Zum anderen treibt auf dem Rückweg ein Riesenalk neben seiner Schaluppe. Gus zieht das Tier an Bord.

Er nimmt Prosp – so tauft er den Riesenalk später - für Forschungszwecke mit. Doch Prosp ist bald viel mehr als nur ein Objekt. Er wird sein Freund. Das zu lesen, berührt im höchsten Maße. Denn Sibylle Grimbert lässt das Unaussprechliche zu Wort kommen. Wie sie das macht, kann man nur erleben, wenn man das Buch vor sich hat. Sie fühlt sie sich ins Tier, dass man fast meinen könnte, seinen Herzschlag zu hören.

Grimbert erzählt von besonderen Tierarten, die vor dem Aussterben bedroht sind. Sie stellt dabei unserem Zoologen mitunter vor große Fragen. Soll Gus seinen Freund zurück zu den Artgenossen bringen? Oder seine Art retten, in dem er ihn bei sich behält? Und was denkt Prosp? Fühlt er? Versteht er ihn?

Zutiefst beeindruckend, nachwirkend, bezaubernd und ganz besonders ist dieser Roman, der auf der Shortlist für den Prix Renaudot und den Prix Femina stand, und mit dem Goncourt des Animaux ausgezeichnet wurde. Der Eisele Verlag hat diese Geschichte in eine haptisch schöne in Leinen gebundene Ausgabe gesteckt. Da bin ich gleich doppelt hingerissen.

Ich habe in diesem Jahr schon einige großartige Bücher gelesen, dieses hier zählt mit zu meinen Highlights 2023!

Der Letzte seiner Art

von Sibylle Grimbert

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Spatriati
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin in dieses Buch förmllich hineingeschlittert. An einem Juniabend bei einem wunderschönen Verlagsabend mit dem Wagenbach-Verlag. Der traditionsreiche Verlag feiert in diesem Jahr sein sein 60jähriges Bestehen. Wenn es einen Verlag hierzulande gibt, der sich mit italienischer Literatur auskennt, dann ist es Wagenbach. Klaus Wagenbach ist nach Kriegsende nach Italien gereist und hat damit den Grundstein für seine verlegerische Arbeit gelegt, die heute weiterlebt und atmet.

Mario Desiati wurde mit diesem Roman mit dem renommiertesten Verlagspreis Italiens ausgezeichnet. So verdient! Ein treuer und guter Stammkunde meinte: „Es ist gar nicht so leicht, dieses großartige Buch wiederzugeben.“ Okay, dann will ich es mal versuchen.

Als Spatriati bezeichnet man in Apulien diejenigen, die aus der Masse heraustreten wie die beiden Held:innen des Romans: Claudia und Francesco, kurz Frank. Sie sind erst Schulfreunde, werden bald zu Verbündeten, denn Franks Mutter hat eine Affäre mit Claudias Vater. Er ist Arzt im Krankenhaus, sie Krankenschwester. Kann das gut gehen? Claudia und Frank sind zwei absolute Gegenpole: Sie wagt Abenteuer und zieht nach ihrem Schulabschluss nach Mailand. Er ist eher fürs Beständige. Fühlt sich durchaus zu Dingen jenseits der Norm hingezogen. Doch wirklich ausleben, will oder kann Frank dies nicht. Irgendwann sagt Claudia: „Frank, du bist derjenige, der dort unten einfach stehen geblieben ist, der in seinem Schneckenhaus festsitzt, in das du dich zurückgezogen hast.“ Das lässt Frank nicht auf sich sitzen, und folgt Claudia später nach Berlin. Und das wird für uns alle ein abenteuerliche Reise.

„Spatriati“ ist eine Ode an Apulien, die Freundschaft, die Liebe und atmet la dolce vita mit all seinen Höhen und Tiefen. Es zeigt, Mutausbrüche sind möglich und absolut empfehlenswert. Dass der Autor auch Gedichte schreibt, spürt man in seinen Sätzen – sie sind bildreich, poetisch. Claudia und Frank sind liebenswerte Figuren, denen man automatisch verfällt.

Sollten Sie das Gastland der diesjährigen Buchmesse erkunden, dann vertrauen Sie Wagenbach und mir. Wir wissen, was gut ist!

Spatriati

von Mario Desiati

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Acht Tage im Sommer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Acht Tage im Sommer“ ist eine herrliche Sommerlektüre: Maritimes Setting, Herzklopfen, Aufregung und Charme in einem. Doch Halt: So wie im Sommer nicht immer nur die Sonne scheint, gibt es auch hier Regentage – stürmische Momente der Aufruhr und großer Unsicherheiten wie aufwühlende Auseinandersetzungen.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Zwillingsschwestern Amy und Jo. Letztere will ihren Freund auf dem Sommersitz der Familie heiraten. Und das recht schnell, denn Jo und Dave sind erst seit sechs Monaten zusammen. Mit Fire Island verbinden die Schwestern wundervolle Kindheitserinnerungen. Doch bevor es zum großen Tag kommt, erleben wir eine Woche mit Höhen und Tiefen. Amy ist Jos Trauzeugin. Doch die ist nur halb mit dem Kopf anwesend, denn irgendetwas ist zwischen Amy und ihrem Mann Ben vorgefallen. Als dann auch noch eine alte Bekanntschaft aus Amys College-Tagen aufkreuzt, kommen mehr Wellen auf, als Amy lieb ist. Wird Amy gar Schiffbruch erleiden? Und was ist mit Jo – war die Entscheidung der kurzfristigen Hochzeit richtig?

Unerwartete Wendungen geben der Lektüre einen spannenden Drive. Das Leben ist ja auch nicht immer eitel Sonnenschein. Doch trotz einiger Wolkenbrüche überwiegt eine Leichtigkeit, die Becky Chalsen mit ihrer mitreißenden Sprache gekonnt und authentisch einwebt.

So ist „Acht Tage im Sommer“ eine aufregende wie wunderschöne Geschichte zum Abtauchen und Wohlfühlen! Ein Buch für alle Leser:innen von Carley Fortune.

Acht Tage im Sommer

von Becky Chalsen

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VIEWS
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Einige fragen sich vielleicht: Musste der bekannte Autor der Känguru-Chroniken jetzt noch einen Thriller schreiben? Ob es sein musste, sei da hingestellt, aber es war eine gute Entscheidung, es zu tun. Denn der Plot ist auffallend, die Geschichte mitunter erschütternd, denn das alles darin könnte wahr sein, einiges ist es tatsächlich schon.
So hält uns Marc-Uwe Kling unsere Gegenwart vor Augen, und erzählt, wozu Menschen mit den neuen Techniken wie der KI in der Lage sein können. Sich darüber bewusst zu sein, finde ich wichtig. Nicht nur für uns Erwachsene, auch für jugendliche Leser:innen.

Es beginnt mit einem Video, das viral geht: Eine Schülerin wird an einer Waldlichtung von Afrikanern vergewaltigt und dabei gefilmt. Die 16jährige Lena ist seitdem verschwunden. Eine rechtsextreme Gruppe mit dem Namen „Aktiver Heimatschutz“ ruft auf, die Täter zu finden. Gleichzeitig kocht die Stimmung im Land hoch, es gibt Demonstrationen von extremen Gruppierungen.

Die BKA-Ermittlerin Yasira Saad soll den Fall mit ihrem Team aufklären. Yasira selbst hat eine heranwachsende Tochter, und sieht oft Parallelen zu Zara. Lange stochern die Ermittler im Dunkeln, bis Yasira nach einem Gespräch mit Zara eine neue Spur entdeckt. Die abwegig und vollkommen bizarr klingt. Doch sie ist durchaus möglich und das erschüttert mich!

Manches war mir etwas zu viel, aber Marc-Uwe Kling hat eine Dystopie geschrieben, die genau das sein will: Extrem, laut, explodierend, auffallend. Es ist nicht immer brutal ernst und schockierend. Seine kleinen feinen humorvollen Tonarten nehmen dem Stoff etwas von der Glut. Und Yasira ist eine toughe Frau, von der ich zukünftig gern noch mehr lesen möchte.

Ein politischer Thriller, der mit einem lauten Knall endet. Ein Wahnsinnsbuch für alle ab 18 Jahre, die gerade in einer Leseflaute stecken oder einen richtig guten Thriller lesen wollen. Außerdem suche ich noch jemanden, mit dem ich über das Ende reden kann.

VIEWS

von Marc-Uwe Kling

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Nur der Sommer zwischen uns
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

»Nur der Sommer zwischen uns« ist eine Einladung, lesend abzutauchen. Die Autorin Dodie Smith schafft es von der ersten Seite an, eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Cassandra will sich im Schnellschreiben üben, und so fängt die 17-jährige an, Tagebuch zu führen. Sie lebt mit Vater, Stiefmutter und ihren beiden Geschwistern in einer typisch englischen Burg. Aber die Familie ist bitterarm. Früher erhielt der Vater noch Tantiemen aus seinen Buchverkäufen, die werden jedoch immer weniger, denn der Schriftsteller leidet an einer Schreibblockade. Und dann kreuzen nach dem Tod des Burgbesitzers plötzlich die Erben auf: Amerikanische Gentlemen, die einiges durcheinanderbringen.

Was für eine Geschichte, denn nichts bleibt, wie es war! Dabei verströmt der Roman eine geheimnisvolle, fast märchenhafte und romantische Stimmung. Gleichzeitig fasziniert er mit exzentrischen Charakteren wie der Stiefmutter, die gern nackt durch die Landschaft spaziert. Es verwundert daher nicht, dass selbst J.K. Rowling und Julian Barnes dem Zauber des Buches erlegen sind.

Wieder ist dem Kampa Verlag ein Glücksgriff in Sachen Wiederbelebung eines Klassikers gelungen, denn Dodie Smith hat diesen Roman bereits 1948 veröffentlicht. Und ist einigen sicher als Schöpferin von »Hundertundein Dalmatiner« bekannt. Aber »Nur der Sommer zwischen uns« ist wirklich eine Einladung, dies es lohnt, sie anzunehmen.

Nur der Sommer zwischen uns

von Dodie Smith

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Hitzefrei
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer will schon bei der Hitze kochen? Sie? Ich jedenfalls nicht. Aber nur von Erdbeeren, Kirschen und Wassermelone, wird keiner satt. Wie gut, dass es dieses neue Kochbuch gibt! „Hitzefrei“ hält das, was es verspricht: Leichte, schnell umsetzbare Küche für besonders heiße Tage.

Apropos Wassermelone: Die kann man super mit Pistazien, Gurken und Feta-Käse verbinden. Noch ein bisschen Minze dazu und fertig ist dieser köstliche Salat.

Ebenfalls raffiniert und einfach: Der Rettich-Radieschen Salat mit Mandeldressing. Mein neuer Favorit ist der saftige Fenchel-Trauben-Salat, für den man den Fenchel nicht kocht, sondern in ein Eiswürfelbad 20 Minuten ziehen lässt. Das Buch enthält aber auch Gerichte für Regentage, wenn Sie sich an den wärmenden Herd stellen wollen. Zahlreiche einfache Pasta Rezepte wie die Bloody-Mary-Pasta mit Wasabi oder asiatische wie orientalische Gerichte.

Und wie es sich für jedes gutes Kochbuch gehört, findet sich hierin eine schöne Auswahl an Desserts. Mein Favorit: Limetten-Mascarpone-Kuchen mit Erdbeeren.

Kühlende Getränketipps runden das Leseerlebnis feierlich ab. Die Fotografin Yelda Yilmaz hat zu Agnes Prus' Gerichten wundervolle Bilder kreiert. So gute, dass man schon beim Durchblättern hungrig wird.

Hitzefrei

von Agnes Prus

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Das Ende von gestern ist der Anfang von morgen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Kathinka Engel war bisher bekannt und beliebt bei den jungen Leserinnen, die tolle Liebesromane lieben. New Adult nennt sich diese Zielgruppe im Fachjargon des Buchhandels. Auffällig sind die wunderschönen Farbschnitte. Gefeiert und geteilt werden diese Romane auf TikTok – wo sich eigene BookTok-Bestseller entwickelt haben. Mit diesem Roman nun möchte sie auch die älteren Leserinnen erreichen. Und das hat sie, mich auf jeden Fall.

Schon Cover und Titel sind vielversprechend. Hier stimmt wahrlich alles – Kompliment an die Autorin und den Lübbe Verlag. Sollten Sie demnächst eine Reise nach London planen, dann stecken Sie dieses Buch bitte mit ins Reisegepäck! Denn dort spielt die zweigeteilte Geschichte.

In der Gegenwart spricht Gilly. Die Online Redakteurin ist erleichtert, als sie endlich eine neue Wohnung in London gefunden hat, und bei ihrem Exfreund ausziehen kann. Doch das Glück in dem alten viktorianischen Haus bleibt nicht lange, denn es soll verkauft und luxussaniert werden. Oh no, bitte nicht schon wieder suchen. Da hat Gilly eine Idee, die sie zusammen mit einem der Bewohner – dem Kamermann Owen – umsetzt.

Parallel webt Engel die Liebesgeschichte von Pippa und Oz aus dem Jahr 1974 mit ein. Zwei gegensätzliche Menschen, die sich kennenlernen und verlieben. Pippa kommt aus einer gut situierten Familie, Oz ist Sänger in einer Punkband. Kann das gut gehen? Und was haben die beiden Geschichten miteinander zu tun?

Kathinka Engel erzählt herzenswarm, ohne kitschig zu sein. Sehr lebensnah und berührend wickelt sie mich in ihre anziehende Geschichte ein. Die Figuren sind authentisch, werden schnell zu Vertrauten. „Das Ende von gestern ist der Anfang von morgen“ enthält die richtige Dosis, um glückliche Stunden zu erleben. Und man muss nicht unbedingt ein London-Fan sein.

Das Ende von gestern ist der Anfang von morgen

von Kathinka Engel

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The Soulmate Equation - Sie glaubt an die Macht der Zahlen, bis er ihr Ergebnis ist
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Was stellen Singles nicht alles an, um den richtigen Partner oder die richtige Partnerin zu finden. Neuerdings gibt’s sogar eine Dating-Agentur, bei der man anhand von seiner DNA den passenden Match finden kann: *GeneticAlly.

Je nach Anzahl der Übereinstimmungen nennt sich das dann Base Match, Silver Match, Gold Match, Platin Match oder Diamond Match. Letztere ist die höchste Punktzahl, die unsere Romanheldin in Christina Laurens Roman „the soulmate equation“ bekommt. Ihre DNA-Kompatibilität stimmt zu 98 Prozent mit dem Gründer der neuen Partnervermittlung überein. Ausgerechnet mit dem grummeligen „Americano“. Den kennt Jess aus dem Café, in dem sie oft mit ihrer Freundin Fizzy sitzt. Der Geschäftsmann bestellt jeden Morgen einen Americano, daher der Name. Und jetzt? Soll sie dem Angebot der Firma nachgehen? Diese will im Mai auf den Markt, befindet sich jetzt im Januar noch in der Testphase, und will sich diesem besonderen Match mit großer Aufmerksamkeit widmen.

Jess ist alleinerziehende Mutter, freischaffende Unternehmerin, die nur eins will: Eine gute Mutter für ihre entzückende siebenjährige Tochter sein, und Geld verdienen. An Männer denkt sie weniger. Wann auch? Und was soll der ganze Zirkus überhaupt? Jess' Freundin Fizzy ist hingegen hartnäckig. Fizzy ist nicht nur auf der Suche nach Mr Right, sondern auch Autorin von Liebesromanen. Daher schenkt sie ihrer Freundin einen Speicheltest für die Dating Agentur. Und den macht Jess eines abends nach einem schrecklichen Tag aus der Laune heraus und dann Bämm!

Christina Lauren ist ein Autorinnen-Duo, das mich bereits vor einem Jahr mit „Unhoneymooners“ vollkommen begeistert hat. Dieser Roman steht diesem in keinem nach. Dass Ali Hazelwood und Emily Henry ebenfalls Fangirls dieser Enemies to Lovers-Story sind, überrascht mich keineswegs. Die Lektüre versprüht den Esprit der beiden Kolleginnen, ist charmant und mitreißend bis zur letzten Seite.

*Diese App gibt's natürlich nicht wirklich, aber wer weiß, vielleicht irgendwann. Und dann sind Sie nach dieser Lektüre schon bestens vorbereitet.

The Soulmate Equation - Sie glaubt an die Macht der Zahlen, bis er ihr Ergebnis ist

von Christina Lauren

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Black Cake
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Leben von Benny und Byron Bennett gerät aus den Fugen: Ihre Mutter ist verstorben. Das allein wäre schon tragisch genug. Doch wirklich Zeit zum Trauern haben die beiden Geschwister nicht. So erfahren sie einen Tag vor der Beerdigung von einem Erbe, das ihre Mutter, Eleanor, ihnen vermacht hat. Und das hat es wahrlich in sich.

Der Anwalt Mr. Mitch hat eine Sprachmessage, die er den beiden vorspielen soll. Und diese eröffnet den beiden ein Geheimnis – ach viel mehr, eine einnehmende und besondere Familiengeschichte, die mich ebenso aus dem Lesesessel hebt. Einzig der Kuchen aus dem Gefrierfach ist den beiden vertraut: der Black Cake - ein traditioneller karibischer Kuchen. Dieser wiederum ist eng mit Eleanors Lebensgeschichte verknüpft.

Was für ein fesselnder wie bewegender Roman! Charmaine Wilkerson ist eine Königin des Spannungsaufbaus. Stets webt sie neue Cliffhanger und Namen mit in die Geschichte, bei denen ich mir erst verwundert die Augen reime. Habe ich den Namen übersehen? Nein. Die Auflösung folgt mit einem Paukenschlag. Und ich staune, immer wieder.

Ich fließe förmlich durch dieses Buch, das ein breites Tuch aus Geheimnissen, Schicksalsschlägen und von starken Menschen offenlegt.

Alles beginnt auf einer Insel in der Karibik, so viel darf ich noch dazusetzen. Und wenn Sie das Buch verschlungen haben, dann schauen Sie sich die Serie auf Disney+ an. Dass der Roman verfilmt wurde, hat mich nicht überrascht.

Black Cake

von Charmaine Wilkerson

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Seltsame Blüten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Selbst eine Vielleserin kann die Bücherwelt überraschen. Und sie fragt sich erstaunt: Wie konnte ihr dieser irische Autor bisher entgehen? Donal Ryan ist in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit, er wird von Jonathan Franzen und vielen anderen bewundert. Sein Werk wurde ausgezeichnet und für namenhafte Preise wie den Man Booker Prize nominiert.

Seltsame Blüten ist sein fünftes Werk, das kongenial von Anna-Nina Kroll ins Deutsche übertragen wurde, und es ist sein Meisterwerk. Klein, fein, aber mit unglaublichen Klängen. Darin geht es um die Gladneys, die ihre Tochter verlieren. Moll verschwindet eines Morgens einfach spurlos. Keiner hat etwas gesehen oder gehört. Paddy und seine Frau Kit versuchen mit dieser Ungewissheit und den Schmerz zu leben. Wie Donal Ryan Worte für diesen Zustand findet, berührt mein Herz. Voller Einfühlungsvermögen, als würde er ihnen eine Hand in die aufgeregten Seelen legen.

Fünf Jahre sind vergangen, als Moll plötzlich wieder auftaucht. Mittlerweile ist sie 25 Jahre. Sie erzählt nicht, was passiert ist. Die Eltern sind zu erleichtert, dass ihr geliebtes Kind zurückgekehrt ist, und stellen keine Fragen. Als kurze Zeit später der Pastor und der Detective bei ihnen anklopfen, dreht sich das Rad noch einmal neu. Und ich schnappe nach Luft.

Donal Ryan setzt unerwartete Cliffhanger, versetzt mich in großes Staunen und begeistert mich durch seine erstaunliche Erzählweise. Atmosphärisch dicht ist sie, herzenswarm, und derart lebensweise. The Guardian formuliert es treffend: „Er schreibt Sätze, die danach rufen, laut vorgelesen zu werden."

Ebenfalls erwähnen, möchte ich Ryans Liebe zur Natur: So breitet sich die irische Landschaft vor meinem inneren Auge aus wie die Figuren, die er mit großer Empathie und Hingabe zeichnet.

Was die Lektüre obendrein herausragend leuchten lässt, ist neben dem unvergleichlichen Sound die Vielfalt an Themen, die sich hierin finden: Es geht um Lebensentwürfe, Identität, Religion, Familie, Liebe in vielfältiger Weise sowie das Schweigen über Gefühle. So wissen wir bis zum Schluss nicht, durch welche tiefe Täler Moll läuft. Wir können es nur erahnen. Das ist große Kunst. Oder wie Joseph O'Connor sagt: „Ein Triumph von stiller, aber umwerfender Kraft, mit Abstand der beste Roman, den ich in diesem Jahr gelesen habe.“

Wir haben das Buch auch in englischer Sprache vorrätig – Strange Flowers. Don't forget: Imagine a world where it’s Friday every day! For 30 days in a row! stories! – card holders (and applicants) can now live this dream: you will get a 20 % discount on English books - every day throughout June! (valid also for online purchases, to be collected in the shop!)

Seltsame Blüten

von Donal Ryan

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Erinnerungen des Waldes
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich weiß nicht, wann mich zuletzt ein Kinderbuch derart berührt hat wie dieses. Wobei ich überlege, ob es sich hier um ein klassisches Kinderbuch handelt. In jedem Fall ist es eins für reifere Kinder, das man im Kreis der Familie gemeinsam lesen sollte.

Denn Mickael Brun-Arnauds Geschichte hat melancholische Töne, die vor allem mit einer seiner Hauptfiguren zusammenhängt. Der Maulwurf Ferdinand leidet an der Alles-Vergessen-Krankheit und sucht plötzlich seine geliebte Mathilde. Nur kann er sich immer mehr an immer weniger erinnern. So hofft er, das sein Buch „Erinnerungen aus Unter-Erde“ ihm wieder Licht in sein verdunkeltes Gedächtnis bringt. So fällt der Maulwurf mit seiner halben Walnussschale, die auf dem Rücken trägt, in Archibalds Buchhandlung Schönrinde. Besonnen und einfühlsam ist der Buchhändlerfuchs, der sich herzlich dem hilflosen Maulwurf zuwendet.

Ferdinand rupft alle Bücher aus den Regalen, findet nichts, und Archibald erinnert sich, dass gestern ein Kunde sein Buch gekauft hat. Allerdings vergessen hat, den Namen in seinem Heft festzuhalten. Und nun? Begeben sich die beiden auf eine Recherche-Reise, während Charlotte Maus die Leitung der Buchhandlung übernimmt...

Die Reise wird ein großes Abenteuer! Wir treffen auf unterschiedlliche Tiere wie Gedeo Eule Eichendorf, Petunia Murmeltier, Elisabeth Huhn. Es wird nie langweilig. Mit liebevoller Hand erzählt der Autor und nähert sich behutsam dem Thema der Demenz. Zahlreiche farbige fantastische Abbildungen von Sanoe untermalen das märchenhafte wie waldreiche Setting auf bezaubernde Weise.

Altersempfehlung: Der Verlag gibt 10 Jahre an, ich würde das Buch ab 11 oder 12 Jahren empfehlen.

Erinnerungen des Waldes

von Mickaël Brun-Arnaud

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Gidget. Mein Sommer in Malibu
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Vielleicht bin ich alles in allem einfach nur eine Frau, deren große Liebe ein Surfboard ist. So einfach ist das.“ Und so schön! Das Leben kann leicht und einfach sein. Manchmal braucht es nur ein Buch für diesen Zustand der Leichtigkeit. Wie „Gidget“ von Frederick Kohner, aus dem ich zitiert habe. Frederick Kohner war mit Stefan Zweig und Anna Seghers befreundet, schrieb Drehbücher. Er ist mit seiner Familie nach Amerika emigriert, sein Bruder führte eine Agentur, die Größen wie Greta Garbo, Marlene Dietrich und Billy Wilder unter Vertrag hatte.

Innerhalb von sechs Wochen hat Kohner die Geschichte seiner Tochter aufgeschrieben. Volker Weidermann hat sie wiederentdeckt und der S. Fischer Verlag neu herausgebracht.

Gidget und ich haben sofort eine Verbindung zueinander. Sie ist eine Schwester im Geiste, denn Franzie – so heißt sie eigentlich – liebt es wie ich, zu schwimmen. Als sich Franzie mit ihren Eltern am 4. Juli 1956 in Malibu aufhält, passiert etwas: Mit Flossen an den Füßen verliert sie Zeit und Raum - und plötzlich ist die Flut zurück. Sie versucht, zurückzuschwimmen, wird aber immer wieder von den Wellen überschwemmt. Das Mädchen schreit und da entdeckt sie eine Gruppe von Jungs auf ihren Surfbrettern – sie sind ihre Rettung. Und noch viel mehr. Denn das Mädchen wird von den Jungs aufgenommen. Sie verpassen ihr den Namen Gidget - zusammengesetzt aus girl und midget, Zwerg) Franzie ist nur 1,50 groß, aber voller Energie und Mut. Sie ist gerissen und findet Wege, um die Liebe zum Surfen auszuleben.

Himmel – was für ein Buch! Unglaublich erfrischend, frech und mitreißend erzählt der Autor aus der Sicht seiner Tochter, derart authentisch. So habe ich nie das Gefühl, dass die Geschichte aus seiner Feder stammt. Viel mehr ist es Gidget, die mich an diesem Sommer ihres Lebens teilhaben lässt. Ein Mädchen mit Verve, das mich mitreißt wie die perfekte Welle. So einfach ist das manchmal.

Gidget. Mein Sommer in Malibu

von Frederick Kohner

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MAAME
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Bonnie Garmus und Celeste Ng sind begeistert. Und ich bin es auch. Obwohl wir alle keine 25 Jahre mehr sind. Denn so jung ist Maame in Jessica Georges Roman, der sofort nach Erscheinen in der New York Times Bestsellerliste stand.

Maame heißt eigentlich Madeleine, doch in ihrer Muttersprache Twi bedeutet Maame Frau. So hat sie ihre Mutter immer schon genannt. Denn Maddie stand bereits sehr früh auf eigenen Beinen und hat sich um ihren kranken Dad gekümmert. Dieser leidet seit acht Jahren an Parkinson. Maddies Mutter ist seit ihrer Kindheit oft abwesend in Ghana, dort kümmet sie sich um das familiäre Hostel. Maddies älterer Bruder James existiert ebenfalls, doch er hat sich zeitlich mit ihrer Mum aus dem Staub gemacht. So betreut Maddie mit einen Pfleger den kranken Vater. Nur wo bleibt sie bei all dem?

Als ihre Mutter jetzt nach London zurückkehrt, ergreift Maddie die Chance, zieht in eine WG und sucht ihren Platz. Das erweist sich nicht immer als einfach, vor allem als schwarzes Mädchen: „Sie können sich gar nicht vorstellen (oder vielleicht doch?), wie das ist. Sich ständig fragen zu müssen, ob man die kleinen Bemerkungen hier und dort vielleicht doch zu ernst nimmt, ist ganz schön anstrengend.“

Maddie auf ihrem Weg zu begleiten, ist ein mitreißendes wie berührendes Abenteuer. Die junge Frau verliert ihren Job im Theater, gerade als sie ihr WG-Zimmer bezieht. Aber Maddie ist eine Überlebenskünstlerin und lässt sich nicht unterkriegen. Plötzlich taucht Sam auf, sehr charmant, doch wie geht das überhaupt - mit einem Mann zusammenzusein? Maddie fragt oft Google oder ihre lieben Freundinnen Nia und Shu. Obendrein erstellt sie eine to-do-Liste, wie wie sie in ihrem neuen Leben sein will.

Obgleich die Lektüre mitunter dunkle Punkte hat, ist sie erhellend und ein wahre Wohltat für die Seele. Man verliebt sich unweigerlich in Maddie wie in die Sprache, die Jessica George für ihre einzigartige Heldin findet. Riesengroße Empfehlung für alle jungen Leser:innen ab 18 und Junggebliebenen!

MAAME

von Jessica George

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Unter Frauen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Zugegeben das Thema ist nicht neu: Autorinnen schreiben über andere Schreibende, aber großes ABER, in dieser Form ist es mir noch nicht untergekommen. Und noch etwas Wunderbares möchte ich hiermit kundtun: Ich hatte nach der Lektüre sofort Lust, die Bücher der vorgestellten Autorinnen zu lesen wie Dorothy Parker. Simone Buchholz sei Dank! Die Hamburger Autorin erzählt, wie sehr sie Parkers Schreiben inspiriert hat. Obendrein findet sie in Parker eine Schwester im Geiste. Und damit verbunden eine Antwort auf ihr unruhiges Wesen sowie das Wissen darüber, dass sie nicht allein ist. Eine berührend schöne Liebeserklärung gibt’s am Ende zusätzlich: „Ich bin nicht besonders groß, aber ich stehe auf den Schultern einer zierlichen Riesin. Ohne sie würde ich jeden Tag aufs Neue den Überblick verlieren.“

Auch das ist besonders an dieser Anthologie: Sie öffnet die Tür in die Schreib-, Lebens-, und Denkzimmer der hier dreizehn versammelten Autorinnen. Das liest sich beglückend, erhellend und ist absolut mitreißend wie geistreich!

Meine Augen und mein Geist strahlen genauso über die Wertschätzung, die die Autorinnen ihren Kolleginnen entgegenbringen. So schreibt Gabriele von Arnim über Elizabeth Strout: „Wer Strout couragiert, liest sich selber mit.“ So wahr! Oder: „Wie frei, wie gefangen sind wir, wie lieben, wie verraten wir, wieviel Sehnsucht können wir ertragen und wie viele Enttäuschungen. Und wie Heiterkeit finden.“ Geradezu magisch finde ich bei ihr andere Lieblingsautorinnen, die von Arnim hier miteingewoben hat.

Und wieder einmal denke ich bewundernd über die Verbundenheit von uns allen nach. Nicht selten bereiten uns die Bücher den Weg. Ich selbst wurde oft Zeugin dieser Magie! Wen habe ich nicht schon alles durch meine Lektüre kennengelernt. Alles ist offen. Für jeden. Von solch einer besonderen wie verbindenden Begegnung erzählt übrigens auch Mirrianne Mahn, die Autorin des wunderbaren Buches "Issa", das im Frühjahr bei Rowohlt erschienen ist.

So sehe ich dieses Buch als eine Art Literarischen Garten, in dem wir uns begegnen. Fremde werden zu Vertrauten, bereits Vertraute zu wiedergetroffenen Weggefährtinnen.

„Unter Frauen – Geschichten vom Lesen und Verehren“ ist das ideale Geschenk für jede Lesende, bei der man denkt. Sie hat doch schon alles! Dieses Buch mit Sicherheit nicht, denn diese Anthologie ist druckfrisch und einzigartig.

Unter Frauen

von Gabriele von Arnim, Mareike Fallwickl, Mirrianne Mahn, Kathrin Weßling, Ruth-Maria Thomas

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Über die See
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Mitten auf See fährt ein Frachter alle Maschinen herunter, damit die Belegschaft ins Meer springen und dort schwimmen kann. Das passiert tatsächlich! In "Über die See" von Mariette Navarro. Die Kapitänin bleibt als einzige an Bord, läuft durch die Kabinen der Matrosen, und versucht so, das Innenleben ihrer Mannschaft zu erkunden. In einer Kajüte duscht sie sogar. Draußen schwimmen derweil die Männer und sind berauscht von all dem.

Wie Mariette Navarro diesen Schwimmgang beschreibt, ist einfach unglaublich. Liest sich anziehend, packend. "Beim Eintauchen fragen sie sich, ob sie wohl alle das Gleiche empfinden, ob der Ozean es auch übernimmt, ihre Gedanken miteinander zu verknüpfen, während die Körper sich in ihm tummeln, ob er ihre Eindrücke leitet wie Blitze." Es ist ein philosophisches Eintauchen in die Weite des Meeres und in die der Menschen. Ich bin vollkommen elektrisiert, blinzele aber genauso fasziniert zur Kapitänin nach oben an Deck.

Und danach? Ist nichts mehr, wie es war. Ein Mann ist zu viel an Bord. Zudem entdeckt die Kapitänin den Grund für das anhaltende Brummen an Bord: Im Maschinenraum befindet sich ein großes klopfendes Herz, das mit zunehmender Geschwindigkeit schneller schlägt. Wie verrückt ist das denn?! Und das ist längst noch nicht alles in diesem schmalen und gleichsam gewaltigen Buch, das schauerhafte, mystische Elemente verbirgt. Neben der unheimlichen Ungewissheit leuchtet dieser Text geradezu vor poetischer und sinnlicher Schönheit.

Daher wundert es mich nicht, dass unsere französischen Nachbarn dieses Buch (das mit dem Prix Léonora Miano ausgezeichnet wurde) gefeiert haben. Ich stimme mit ein in den Lobgesang.

Über die See

von Mariette Navarro

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Das Licht in den Birken
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Romy Fölck war jahrelang durch ihre Krimireihe mit Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn bekannt. 2022 hat sie mit „Die Rückkehr der Kraniche“ ihr Romandebüt gegeben, das jüngst als Taschenbuch erschienen und bei uns vorrätig ist. Nun bereichert „Das Licht in den Birken“ unsere ausgewählte Wand aus Neuerscheinungen. Wieder breitet die Autorin eine wunderschöne naturnahe Decke aus, auf die ich mich sofort setze und wohlig seufze. Auf einem Hof inmitten der Lüneburger Heide treffen drei fremde Menschen aufeinander und werden zu einer besonderen Schicksalsgemeinschaft.

Da ist der überschuldete Hofbesitzer Benno, der bis zum Hals in offenen Rechnungen steckt. Diese aber bislang ignoriert hat. Um noch irgendwie an Geld zu kommen, und Futter für seine Tiere kaufen zu können, vermietet er zwei Wohnungen. In die eine zieht Thea. Sie ist eine Rückkehrerin. Thea ist vor 25 Jahren nach einem persönlichen Schicksalsschlag nach Portugal ausgewandert. Nun zieht sie ein Heimweh zurück, aber auch ein klinischer Befund. Sie kommt mit ihrem klapprigen Transporter und den beiden Ziegen Clara und Aurélia zurück. Was Benno zunächst verstört. Aber Haustiere seien doch erlaubt. Ziegen sind doch keine Haustiere! Für Thea schon. Nun ja, Sie merken, zwischen den beiden besteht eine Reibungsfläche.

Als er nach einem Streit mit Thea mit seinem Rad durch den angrenzenden Wald fährt, stößt Benno auf die junge Juli. Sie ist zu Fuß unterwegs nach Amsterdam, hat sich aber am Fuß verletzt und kann nicht mehr laufen. So die Ausgangslage. Was dann passiert ist ein bunter Salat aus Ereignissen. Auch das Zusammenleben erweist sich zunächst als schwierig. Denn Benno ist ein knurriger Eigenbrödler, Thea ein offenherziger Geist. Doch in alldem surrt die Natur, erfreuen mich der Tierlebenshof, gutes Essen, frisch geerntetes Gemüse und aromatische Gartenkräuter sowie berührende und besondere Momente der Innigkeit. Die gibt es tatsächlich!

Romy Fölck lässt jeder Figur ihren Raum zum Atmen, und trifft mich ins Herz. Wobei hier nichts kitschig ist, eher herzenswarm und lebensnah. „Das Licht in den Birken“ ist ein wunderbarer atmosphärischer und generationsübergreifender Sommerroman, der Leichtigkeit versprüht, aber nie zu oberflächlich daherkommt. Ein Buch, das auch Botschaften bereithält: Es ist nie zu spät für einen Neuanfang! Und mag man noch so anders sein, man kann zusammen finden. Wenn man sich öffnet, Vertrauen schafft, und den anderen akzeptiert, wie sie oder er ist.

Das Licht in den Birken

von Romy Fölck

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Familienglück
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin nicht Polly, und habe keine zwei Kinder. Aber ich kenne die Momente im Leben, in denen sich plötzlich etwas in einem verschiebt, und manches anders ist. Genauso ergeht es der Romanheldin Polly in Laurie Colwins Roman „Familienglück“. Ich bin ihr vom Anfang bis zum Ende mit einem Grinsen gefolgt, weil ich trotz einiger schwerer Themen derart viel Leichtigkeit und Charme zwischen den Zeilen wiedergefunden habe, dass ich gar nicht anders konnte als zu grinsen. Wie eine Verliebte. Im Grunde genommen bin ich es ja auch, denn ich habe mich in dieses Buch verliebt. Und in Polly.

Polly macht es mir nicht schwer, sie nicht ins Herz zu schließen. Sie ist ein Sonnenschein, den man gern um sich hat. War schon immer so, bis die Affäre mit dem Maler Lincoln sie anstößt, ihre Rolle als Mutter, Tochter und Ehefrau aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das klingt dann so: „ Ich bin aus etwas herausgewachsen – aus was, weiß ich nicht so genau. Mir fehlen die Worte. Ich weiß überhaupt nichts mehr.“ Folglich ist sie überspannt, wird vergesslich, und fühlt sich nicht gut. Wie soll es nur weitergehen? Bringt Lincolns Abwesenheit Klarheit in Pollys entrückte Leben? Ihr Geliebter hat eine Einladung nach Paris erhalten, und reist dorthin. Am liebsten wäre er mit seiner Polly dorhin gefahren, aber diese sträubt sich...

„Familienglück“ ist ein Ehebruchroman, der schon ein paar Tage älter ist. Dennoch haftet ihm keine Patina an. Ganz im Gegenteil, die Lektüre versprüht die Frische, die keine Jahreszahl kennt. Das Buch ist bereits 1982 unter dem Titel „Family Happiness“ erschienen. Magda Birkmann und Niole Seifert haben es entdeckt und für den deutschsprachigen Raum nun zugänglich gemacht. So ist „Familienglück“ bei „rororo Entdeckungen“ erschienen. Die beiden Bücherfrauen spüren für diese Reihe Titel vergessener Autorinnen aus dem 20. Jahrhundert auf. Magda Birkmann ist Buchhändlerin, Literaturvermittlerin, aktuell in der Jury beim Deutschen Buchpreis tätig. Nicole Seifert arbeitet als Übersetzerin, Literaturkritikerin und Autorin.

Familienglück

von Laurie Colwin

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In blaukalter Tiefe
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

“In blaukalter Tiefe” von Kristina Hauff hält mich von der ersten Seite an in Atem. Nicht nur, weil ich mich dem Wasser auf besondere Weise verbunden fühle. Denn die Autorin versteht es meisterhaft, eine Spannung aufzubauen, die niemals reißt.

Caroline und ihr Mann begeben sich auf einen Segeltörn in die schwedischen Schären. Doch sie sind nicht allein: Der rätselhafte Skipper Eric koordiniert die Tour und dann kommen noch Andreas' jüngerer Firmenkollege Daniel mit seiner Freundin mit an Bord. Es sei nicht zu viel verraten, wenn ich sage: Hier treffen verschiedene Welten aufeinander. Kann das gut gehen? Auf so engem Raum? Als schließlich noch ein Sturm ausbricht, verlieren wir alle die Kontrolle...

Wir Buchhändler:innen denken ja gern in Vergleichen – sehen Sie es uns nach. So musste ich oft an Yasmina Reza denken, während ich das Buch las. Diese zwischenmenschlichen Reibungen, die aus den Tiefen der menschlichen Seele nach oben schießen und irgendwann fontänenartig ausbrechen, ließen mich mitunter an die französische Autorin denken.

Kristina Hauff ist keine zweite Yasmina Reza, denn sie ist Kristina Hauff – doch diese Autorin weiß, wie man Spannung aufbaut und aufrechterhält. Sie selbst ist leidenschaftliche Seglerin, daher fühlt sich dieser Segeltörn sehr authentisch an.

Und sie kennt uns Menschen ziemlich gut. Hauff sieht, was uns zusammenhält und teilt. Ihr Roman knistert und er ist ungemein atmosphärisch. Während ich atemlos Seite um Seite umblättere, spüre ich den Wind in den Haaren und schmecke das Salz des Meeres auf den Lippen. Dieser literarische Segeltörn bleibt unvergessen.

In blaukalter Tiefe

von Kristina Hauff

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Wenn die Nacht endet
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Richtig und falsch fallen nicht vom Himmel. Sie werden auf Erden gemacht, um Katastrophen zu verhindern.“ Ein weiser Satz, den man in einem Krimi eher weniger vermuten würde, aber Christoffer Carlsson schreibt eben keine gewöhnlichen Krimis. Sie sind psychologisch fein, mitunter tiefschürfend, und stets Garanten für exquisite Spannungsliteratur. So auch sein neuer Roman, der mit dem Schwedischen Krimipreis ausgezeichnet wurde.

Dieser beginnt mit einem Mord an einem Jugendlichen, der nach einer Party tot im Auto aufgefunden wird. Wie sich bald herausstellt, wurde auf der Party nicht nur ausgiebig getrunken. So hat sich der Tote, Mikael, über seinen Freund Jakob lustig gemacht, nachdem dieser berichtete, dass sein Vater alle Ersparnisse abgehoben habe. Schließlich wisse man nicht, was mit dem Jahrtausendwechsel alles passieren wird. Die Handlung setzt im Dezember 1999 ein, und wir alle kennen noch zu gut die Weltuntergangsszenarien. Mikael spricht höhnisch über die finanzielle Situation der Familie., Das lässt Jakob nicht auf sich sitzen. Aber hat er deshalb seinen Freund umgebracht?

Siri Bengtsson hat gerade ihren Polizeidienst in Oskarström begonnen, und wird bald mit ihrer Kollegin Gerd Petterson mit dem Fall in Skavböke vertraut. Wobei Siris Tätigkeit eigentlich mit etwas anderem startet: „Lassen wir die Geschichte mit einem verschwundenen Teenager beginnen und damit, wie Siri Bengtson, drei Jahre nach den Vorkommnissen in Skaböve, den Polizeiberuf an den Nagel hängte.“ Was verbindet nun Mikael mit dem vermissten Hampus?

Wieder beeindruckt mich, wie feinsensorisch der Autor bei seinen Figuren vorgeht, und dabei raffinierte Fährten legt. Im Mittelpunkt stehen die Menschen, aber auch das sich verändernde Leben der auslaufenden neunziger Jahre. Da sich vieles im Milieu von Jugendlichen bewegt, kann man das Buch durchaus jungen Leser:innen ab 18 Jahre in die Hand drücken. Spricht der Autor auch mit dem Herzen von Heranwachsenden.

Der studierte Kriminologe erzeugt erneut eine eigene Stimmung, die mich sofort einfängt wie die Spannung, die fast ohne Gewalt auskommt. Und noch etwas macht die Lektüre zu etwas Besonderem: Die eingestreuten klugen Gedanken, die zwischen den Wimpern hängen bleiben, und mich staunen lassen, was ein Krimi alles sein kann.

Wenn die Nacht endet

von Christoffer Carlsson

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A Place to Love
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lilly Lucas ist bei den den jungen Leserinnen äußerst beliebt. Ihre Bücher sind Bestseller. Was genau zeichnet ihr Oevre aus? Nun, ich bin gerade erst dabei, Lucas' Werke zu erforschen, aber schon jetzt habe ich eine Ahnung davon, warum sie so gern gelesen wird.

„A Place to Love“ ist der Auftakt ihrer „Cherry Hill“ Reihe, die in Colorado spielt. Schon der Einstieg schmiegt sich wie ein kuscheliger Schal wärmend um meine Seele. Lilly Lucas hat ihren ganz eigenen Wohlfühlfaktor, dem man sehr schnell erliegt. Was sie auch auszeichnet: Sie schreibt nicht nur über das schönste Gefühl, sondern ist ganz nah am Leben.

Die 25jährige Ich-Erzählerin leitet nach dem Tod ihres Vaters vor drei Jahren die Obstfarm mit Pfirsichbäumen. Juniper – von allen June genannt - hat die Federführung, aber die ganze Familie ist mit involviert. Was Junes Arbeit auch auszeichnet: Ihre Farm wird biodynamische bewirtschaftet, und steht damit allein da. So muss sich June im Farmverband gegen alte Strukturen durchsetzen, und das macht sie auf ihre Art. Aber June ist nicht immer so fokussiert. Denn als eines Tages ihr Mann auftaucht, der für die Scheidung in einem wirtschaftlichen Punkt ihr Okay braucht, bringt Junes zielstrebige Dasein mächtig ins Wanken. Die Familie ist entrüstet, denn sie wusste bis dato nicht, dass June verheiratet ist. Obendrein ist Henry nicht nur gut aussehend, sondern auch sehr charmant und wird sofort von allen ins Herz geschlossen. Und jetzt? Taumeln wir gemeinsam...

Lily Lucas schreibt mitreißend und warmherzig, jenseits von Kitsch. Ich freue mich auf ihre anderen Bücher, und der Auftakt einer neuen Reihe winkt schon am Horizont: „This could be love“ - in dieser Reihe führt sie uns nach Hawaii. Das Buch erscheint Anfang Juli – bis dahin haben wir also noch Zeit die Cherry Hill-Reihe und „Green Valley Love“ lesend, seufzend und lächelnd zu erkunden.

A Place to Love

von Lilly Lucas

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Das Mondscheincafé
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wussten Sie eigentlich, welchen Einfluss die zwölf Horoskop-Häuser auf Ihr Leben haben? Beziehungsweise, die Planeten und Sternzeichen, die sich mit Ihrem Geburtstag darin wiederfinden. Wenn der Widder in Ihrem 1. Haus der Persönlichkeit sitzt, könnte er verantwortlich für Ihr ungeduldiges Wesen sein. Sollte Merkur in Ihrem 2. Haus (Besitz) stehen, streben Sie nach Informationen. Wie? Alles Humbug? Sollten Sie das jetzt denken, dann brechen Sie das Lesen an dieser Stelle einfach ab. Alle anderen mögen mir bitte folgen, denn genau darum geht es in dem japanischen Bestseller.

Tuxedo-Kater und Singapura sind zwei sprechende Katzen, die unsere Figuren durch den Kosmos des Horoskops führen. Diese fantastischen Wesen finden sich in dem Mondschein Café, das die vier Menschen in der Geschichte zufällig oder durch magischen Zufall betreten. Da ist die Drehbuchautorin, die seit geraumer Zeit wenig Erfolg hat. Woran das liegen könnte, erklären die bedienenden Katzen im Café, das nur bei Vollmond erscheint. Oder die Fernsehregisseurin Akari befindet sich ebenfalls an einem Wendepunkt wie die Schauspielerin Satsuki.

Was für eine herzwärmende und bereichernde Lektüre! Mai Mochizuki streut sternschnuppenartig weise Gedanken in die Lektüre, und reflektiert gleichwohl die Unruhe unserer Welt. So ist „Das Mondscheincafé“ Ratgeber und Fiktion in einem und ähnelt Toshikazu Kawaguchis Buch „Bevor der Kaffee kalt wird“. Das perfekte Geschenk für Leser:innen, die wie ich dem magischen Realismus aus Murakamis Büchern zugetan sind. Oder wollen Sie jemanden etwas Gutes tun, ein bisschen Seelenbalsam reichen, aber nicht unbedingt mit einem Ratgeber ins Haus fallen? Dann wäre dieses hier eine charmante Variante. Doch nicht an reine rationale Menschen, die könnten damit fremdeln.

Man kann sich übrigens das eigene Geburtstagshoroskop erstellen lassen. Das habe ich nach der Lektüre natürlich sofort getan und hatte erhellende wie bestätigende Erkenntnisse, die sich für mich nicht wie Humbug anfühlen, sondern absolut plausibel sind. Denn wir wissen ja, in jeder Geschichte steckt ein Fünkchen Wahrheit – so auch in dieser hier. Große Empfehlung!

Das Mondscheincafé

von Mai Mochizuki

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Jeanie und Julius
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie so oft frage ich mich: Ist es Zufall, dass mir Bücher von bestimmten Übersetzerinnen und Übersetzer immer wieder gefallen? Oder passen die Bücher zu ihnen wie meine Hand in die meines geliebten Mannes?

Jedenfalls liebe ich jedes Buch, das Andrea O‘Brien bisher übersetzt hat, so auch „Jeanie und Julius“. Von Beginn an umarmen mich die Sätze, obwohl die Geschichte eher Kaltes erzählt: An einem Morgen stürzt Dot so ungünstig, dass sie stirbt. Ihre beiden erwachsenen Kinder, Jeanie und Julius, wachen davon auf.

Zeit zum Trauern und Abschiednehmen werden sie jedoch nicht haben, denn plötzlich ändert sich einiges. So wollen einige Dorfbewohner Geld von ihnen. Die Rawsons, denen das Cottage gehört, gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sie drohen mit einer Räumungsklage. Aber wie kann das sein, wo die Familie ihr Leben lang kostenlos darin wohnen darf? Und warum hatte die Mutter an so vielen Stellen Schulden aufgebaut?

Die Lektüre berührt mich durch Jeanies und Jules Schicksal. Ihren verzweifelten Kampf atemlos zu folgen, macht mich unruhig. Beide sind 51 Jahre alt, und doch noch innerlich Kinder mit ihren Brüchen. Julius kann kein Auto fahren, erbricht sofort, versucht mit diversen Jobs, für die er kein Auto betreten muss, Geld an Land zu ziehen. Jeanie hat durch ihre Krankheit in der Schule gefehlt und kann bis heute nicht lesen und schreiben. Aber sie ist eine fabelhafte Gärtnerin, stets an ihrer Seite ist ihre Hündin Maude. Noch etwas beherrschen beide erstaunlich gut: musizieren und singen. Wird sie dieses Talent retten?

Claire Fullers Roman ist herzerwärmend, berührend schön, und geht gleichermaßen unter die Haut. Jeanie und Julius sind zwei sonderbare wie liebenswerte Figuren. Werden sie jetzt mit 51 Jahren ihre eigenen Wege gehen? Oder bleiben die Zwillinge weiterhin vereint? Mit großem Einfühlungsvermögen gibt Fuller den beiden Außenseitern eine würdevolle Stimme.

Jeanie und Julius

von Claire Fuller

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Das Fenster zur Welt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Kann man sich ein zweites Mal in ein Buch verlieben? Und ob! Ist es dann noch genauso schön? Aber hallo?! Nachdem ich Anfang des Jahres „Das Fenster zur Welt“ von Sarah Winman gelesen habe, wusste ich sofort: Das ist ein Herzensbuch! Nur habe ich zwischen Januar und Mai andere Bücher gelesen, und plötzlich war da nur noch das Gefühl. Jetzt habe ich das 2. Buch der Autorin von „Lichte Tage“ erneut durchgeblättert und meine Augen erinnern an Sterne.

Ulysses, Cressy, Alys, der wortgewandte Papagei Claude und all die anderen Figuren in diesem charmant und herzenswarmen erzählten Roman krabbeln zum wiederholten Male in mein Herz, und ich grinse. Die Autorin hat eine große Zuneigung zu ihren Figuren, weshalb dieses Werk üppiger geworden ist, aber das sehe ich ihr nach.

Die fabulierfreudige Winman erzählt von dem Soldaten Ulysses, der während des Krieges in Italien stationiert ist. Dort lernt er die Kunsthistorikerin Evelyn Skinner kennen. Sie weitet Ulysses Blick, sagt so feine Dinge wie: „Und als Ausgleich für unser Leiden haben wir die Schönheit; denn Schönheit gefällt uns, oder? Etwas Schönes zu sehen, muntert uns auf. Es macht etwas mit uns auf molekularer Ebene, es bereichert uns, wir fühlen uns lebendig.“ Evelyn ist obendrein das Verbindungsstück zwischen Ulysses und Florenz. Denn nachdem Ulysses zurück nach London gekehrt ist, hat er noch diese Sehnsucht, die ihm erst bewusst wird, als ihn ein Erbschein aus Florenz erreicht. Er ist nicht von Evelyn, sondern von Arturo. Diesem Mann hatte er das Leben gerettet. So reist er mit dem Kind seiner Frau Peg, die mittlerweile andere Bekanntschaften hatte, und dem betagten Cress nebst Claude nach Italien.

Und da angekommen, erleben wir alle aufregend schöne Dinge. Was mich an diesem Buch besonders begeistert, sind die herrlichen Dialoge und die wundersamen wie liebenswerten Figuren. Da weitet sich das Herz seufzend gern ein zweites Mal.

Das Fenster zur Welt

von Sarah Winman

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Wo ist mein Platz im Leben?
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir kennen sie alle. Die einen sind mal leiser, die anderen lauter. Je nachdem, wer gerade am Mikro sitzt, diese oder dieser trägt dazu bei, wie wir uns fühlen. Entweder stark wie eine Löwin oder verletztlich wie ein Igel. Die Rede ist von den unterschiedlichen Stimmen in unseren Köpfen. Maxima, die immer hoch hinaus will oder der innere Schweinehund, der sich nicht von der Couch in die Laufkleidung bewegen will.

Wie nun mit all den Bewohnern umgeben? Und wie den Platz finden in dieser unruhigen und auf Optimierung gepolten Welt finden?

Zunächst einmal tief durchatmen. Sich etwas zu trinken holen und dann entspannt diesen herausragenden Ratgeber öffnen. Antonia Speerforck ist studierte Juristin, hat aber nochmal umgesattelt auf Psychologie. Sie arbeitet heute als eine der ersten approbierten Systematischen Psychologischen Psychotherapeutinnen in eigener Praxis.

Und dieses systematische Arbeiten zeigt sich in ihrem Buch, das klar unterteilt ist und sich mit menschlicher wie realistischer Betrachtung so vielen Themen unseres Menschseins widmet. „Wo ist mein Platz im Leben?“ verdeutlicht auf wohltuende Art, dass alles Anstrengende, Verrückte, Haltlose in uns vollkommen normal ist. In kleinen Schritten und mit nachvollziehbaren Gedanken ermöglicht sie einen entspannten Weg nach vorn.

Ich habe schon viele Ratgeber zum Thema Persönlichkeitsentwicklung gelesen, doch dieser hier zählt eindeutig zur Kategorie „Wertvoll und nachhaltig“. Daher freue ich mich, dass wir die Psychologin bei uns am 16. Mai um 19.30 Uhr zu Gast haben werden. Reservierungen nehmen wir unter anmeldungen@stories-hamburg.de entgegen.

Wo ist mein Platz im Leben?

von Antonia Speerforck

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Die Hungrige
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Die Hungrige“ von Claire Kohda ist kein Remake von „Biss zum Morgengrauen“, aber die japanisch-englische Musikerin hat die Erinnerung daran bei mir wachgeküsst. Denn Claire Kohda erzählt eine Vampirgeschichte, die ebenso vibriert und mich mit ihrem mitreißenden Erzählstil sofort festhält.

Ihre Romanheldin ist halb Mensch, halb Vampir, und steht vor einem Umbruch: Lydia hat ihre Mutter in ein Heim gebracht, da sie offenbar an Alzheimer leidet. Das kann aber eigentlich nicht sein, Lyds Mutter ist ein Vampir. Was führt also zum Gedächtnisverlust?

Parallel wagt Lyd in London einen Neuanfang. Sie bezieht ein Haus mit verschiedenen Ateliers für Künstler:innen. Dass sie dort leben wird, erzählt sie niemandem, nicht mal Ben. Dieser hat ihr den Raum gezeigt. Sofort spürt Lyd eine enorme Anziehung. Wie gern würde Lyd sein Blut trinken, doch sie kann sich zügeln. Ungünstigerweise kann sich unsere Vampirfrau nicht mal eben Schweineblut bestellen, wie sie es mit ihrer Mutter in dem kleinen Ort bisher problemlos konnte. Und jetzt?

Als sie in der OTA-Galerie ihr Praktikum beginnt, ist Lyd schnell ernüchtert. Denn sie ist wie die anderen Praktikanten ein „Mädchen für alles“. Und noch eine Sache beunruhigt Lyd: die seltsamen Blicke des Chefs. So steht die junge Frau vor vielen Herausforderungen. Sie fühlt sich fremd unter den Menschen, und hat ständig Hunger. Wie kann sie diesen nur stillen und mit den menschlichen Gefühlen umgehen?

„Die Hungrige“ ist ein großartiger moderner und feministischer Vampirroman für alle ab 18 Jahre. Lyd kommt mir sehr nahe - genau das macht diese Lektüre derart lesenswert. Und mal ehrlich: Sind wir nicht alle hungrig? Nicht auf Blut, aber auf gute Bücher.

Die Hungrige

von Claire Kohda

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Tödlicher Podcast
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Krimigenre ist ein weitreichendes Spannungsfeld. Bekannte Namen sind oft Garanten für die Bestsellerliste. Doch es gibt zahlreiche Newcomer:innen, die es mit den Bestsellergrößen durchaus aufnehmen können. So auch dieser Thriller, den ich einem Verlagsmenschen zu verdanken habe. Und der beweist: Es lohnt sich, auch unbekannte Pfade zu betreten.

Die Wissenschaftsjournalistin verknüpft in ihrem Debüt zwei Gegenpole: Da ist die Reiningungskraft Nina, die von Malus erfolgreichem True-Crime-Podcast begeistert ist. Durch großes Glück kann sie bei Malu als Putzfrau anfangen. Das Berliner Haus strahlt nur so von Perfektion: Die Einrichtung ist stilvoll und tadellos. Doch mehr und mehr zeigen sich Risse in Malus Leben. Relativ schnell wird klar: Malu hat ein Geheimnis und verfolgt einen Plan. Welchen erfahre ich erst spät, fast zu spät. Und ich frage mich: Was habe ich übersehen?

Parallel webt Cleo Konrad die Geschichte von Jenni und Strippe mit ein. Jenni ist vor ihrem gewalttätigen Vater geflohen. Das 16jährige Mädchen versucht erst in Berlin Fuß zu fassen, doch als Jenni in eine Gewalttat gerät, flüchtet ihre Straßenfreundin Strippe mit ihr nach Spanien.. Dort passieren schöne, aber auch unerwartete düstere Dinge. Was haben Jenni, Strippe, Malu und Nina gemeinsam?

Cleo Konrad hält den Spannungsgrad bis zur letzten Seite und setzt unerwartete Twists, bei denen ich fast vergesse, zu atmen. „Tödlicher Podcast“ ist ein vielschichtiger Thriller, der obendrein berührt, überrascht und ein packendes Finale bereithält.

Tödlicher Podcast

von Cleo Konrad

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Fuchs & Ferkel - Der Tutomat | "Fuchs & Ferkel" Band 2
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Gute Laune Garantie! Auch der 2. Band von Fuchs & Ferkel hat mich ganz oft lachen lassen. Die beiden Helden sind einfach goldig, lassen sich immer wieder Neues einfallen, um an Süßigkeiten zu kommen. Dieses Mal entwickeln sie einen Tutomaten. Die Idee dazu hat der Fuchs, als er den Brief seiner Tante liest. Darin berichtet sie von ihrem entwickelten Tutomaten. Immer, wenn man eine Flasche dort hineinsteckt, macht es tut. Auch eine Zeichnung hat die Tante beigelegt. Das finden unsere beiden Freunde natürlich hochinteressant.

Sie wollen aber keine leeren Flaschen entgegennehmen, sondern volle Limonadenflaschen. Wie wäre es darüber hinaus noch mit einer Kaugummiklappe? Einem Kuchenfach, einer Schokoladenschublade? Und natürlich darf ein Pfeifrohr nicht fehlen. So basteln die beiden ihren Tutomaten, wobei der Fuchs der Handwerker ist und das Ferkel sein Assistent. Als ihr Tutomat steht, taucht auch schon die erste Kundin auf: die beliebte Kuh. Doch statt Limo hat sie nur Apfelsaft dabei. Geht das trotzdem?

Fuchs & Ferkel ist eine wunderbare Vorlesereihe: Witzig erzählt und mit tollen Dialogen und ebenso großartigen Illustrationen. Die Bücher können Sie unabhängig voneinander vorlesen. Sollten Sie „Fuchs & Ferkel Torte auf Rezept“ noch nicht kennen, dann legen Sie dieses Buch bei Ihrem nächsten Einkauf bitte gern in unseren Tutomaten... ähm an die Kasse.

Großer Vorlesespaß (ab 5 Jahre) für die ganze Familie!

Fuchs & Ferkel - Der Tutomat | "Fuchs & Ferkel" Band 2

von Bjørn F. Rørvik

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22 Bahnen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Die Gewissheit, dass ich vieles verlieren kann, einen Vater, eine Mutter, eine normale Kindheit, dass nichts sicher und beständig ist, dass Bücher aber trotz allem bleiben, dass mir niemand diese Geschichten, diese Welten wegnehmen kann, in die ich zu flüchten vermag. Beruhigte mich und machte mich unverwundbar.“

Diese weisen Gedanken stammen aus der Feder von Caroline Wahl. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Von ihrem Debüt „22 Bahnen“ werden Sie in der nächsten Zeit einiges hören und lesen. Wie die Sommersonne, die selbst durch den dichten Wald hindurch scheint. Genauso fühlt sich diese Lektüre an. Dieses Buch ist ein Glücksgriff. Und das obwohl in der Geschichte einige dunkle Stellen zu finden sind.

Die Ich-Erzählerin Tilda lebt mit ihrer jüngeren Schwester noch zu Hause. Einfach deshalb, weil Tilda Ida nicht allein lassen kann mit ihrer alkoholkranken Mutter. Die immer wieder versucht, aus diesem Teufelskreis auszubrechen und durchaus ihre guten Tage hat. Aber dann kommt das Gewitter wieder und reißt alles Aufgebaute nieder. Tilda legt einen Schutzschirm um ihre Schwester, kann sie aber nicht immer vor den Ausbrüchen der Mutter bewahren. Manchmal ist Tilda nicht da. Weil sie ihre 22 Bahnen schwimmt oder wenn ihre Schulfreundin Marlene sie besucht und zu einer Party mitschleift.

Tilda studiert Mathematik, jobbt nebenbei im Supermarkt an der Kasse. Als ihr nun ihr Professor eines Tages, eine wichtige Promotionsstelle in Berlin in Aussicht stellt, beginnt Tildas Leben zu wackeln. Als auch noch Viktor im Schwimmbad auftaucht, verliert Tilda immer mehr den festen Boden. Viktor ist der Bruder ihres verstorbenen Schulfreundes Ivan. Und irgendwann ist der distanzierte Viktor noch mehr, er setzt ihr eine Libelle in den Bauch.... und Tilda?

Was für eine Achterbahn an Gefühlen! Was für ein erfrischender und mitreißender Roman übers Erwachsenwerden. Witzig, ironisch und berührend! Ein beglückendes Buch – trotz allem – oder gerade wegen dieser besonderen Schwesternschaft, die Tilda und Ida wie ein sicheres Band zusammenhält. Ein Buch für junge Erwachsene und für Erwachsene, die jung geblieben sind oder dieses Gefühl des Jungseins wieder spüren wollen.

22 Bahnen

von Caroline Wahl

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Reichlich spät
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mit großer Erwartung habe ich dieser Neuerscheinung entgegengefiebert. Bereits die englische Ausgabe von Claire Keegans Erzählung erfreute sich bei uns hoher Beliebtheit. Alle, die lieber auf Deutsch lesen, empfehle ich diese wunderschöne bibliophile Ausgabe aus dem Steidl Verlag, dem König hochwertiger Buchgestaltung. Hans-Christian Oeser ist die deutsche Stimme von Claire Keegan und hat auch dieses Werk kongenial übersetzt.

Bereits auf der ersten Seite trifft mich die Autorin mitten ins Herz: „So vieles im Leben verlief reibungs, ungeachtet des Gewirrs menschlicher Enttäuschungen und des Wissens, dass alles einmal enden muss.“ Der Satz klingt wie ein Omen für die Geschichte. Erst nach dem Ende der Lektüre erfassen mich die Worte nochmals neu mit dem Blick einer Wissenden.

Vorher folge ich Cathal, der Hauptfigur in diesem Liebesdrama. Er ist müde und hat eigentlich gar keine Lust zu arbeiten. Aber er bleibt tapfer. Als Cathal schließlich Feierabend macht, sich in den Bus setzt, beginnt sein Gedankenkino. Er erinnert sich an seine Liebste, Sabine.

Cathal hatte sich von ihrem Parfum und Kleidungsstil betören und schließlich verführen lassen. Ihre grünen Augen schauen nicht gerade, sie schielt ein bisschen. Und dann sind da ihre Kochkünste, die leider immer ein großes Chaos hinterlassen. Die beiden Menschen fühlen sich zueinander hingezogen, und Cathal ist sofort klar: Er will Sabine heiraten. Das sagt er weniger romantisch, eher geschäftig. Doch sie sagt ja. Der Ehering, der noch angepasst werden muss, bringt erste Risse in die Beziehung. Und noch etwas treibt einen Keil in diese Liebe...

Ich habe die Geschichte viel zu schnell gelesen, und bin wieder einmal beeindruckt, wie es Claire Keegan mit wenigen, schlanken Sätzen gelingt, eine Stimmung zu erzeugen, der man sich nicht entziehen kann. Sommerlich leicht ist das Fenster, durch das wir schauen. Winterlich kalt hingegen die Essenz. Ein Buch, über das ich noch länger nachgedacht habe. Und das seitdem in meinem Regal funkelt.

Reichlich spät

von Claire Keegan

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Snack Boards
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Keine Lust zu kochen? Auch solche Tage gibt’s. Dass man mit kalten Gerichten durchaus Gaumenfreuden erzeugen kann, beweist uns dieses Kochbuch von Natalie Thomson.

Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei, ob vegetarisch oder mit Fisch und Fleisch. Als Beilage dienen verschiedenen Gemüsesorten und tolle, feine Dips. Mein Favorit ist die Platte mit Regenbogengemüse und Hummus. Auch eine einfach Anleitung für Hummus findet sich zum Rezept. Oder wie wäre es mit einem Bagel-Board? Und dem passenden Zwiebel-Dill-Frischkäse. Wie gut Ente und Wassermelone harmonieren, zeigt uns die Autorin auf Seite 92.

Ganz warm ums Herz wird mir beim Valentinstag-Board, der aus einem Schokoladendip und jeder Menge Früchte entsteht. Nachzumachen ab Juli, wenn die heimischen Früchte wie Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren auch hierzulande reifen.

Das Buch eignet sich nicht nur für Bad Cooking Days, sondern auch als Inspirationsquelle für anstehende Zusammenkünfte oder Partys.

Snack Boards

von Natalie Thomson

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Salt and Silver am Meer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die Nordseefans kennen sicherlich „salt & silver am Meer“. Die beiden Hamburger Thomas Kosikowski (Cozy) und Johannes Riffelmacher (Jo) haben vor zwei Jahren am Böhler Strand in Sankt Peter-Ording ihr Lokal eröffnet. Wer die Adresse bislang noch nicht kannte, dem sei sie an dieser Stelle empfohlen. Als Vorspeise kredenze ich Ihnen das soeben erschienene Kochbuch, das den Titel des Lokals auf dem Pfahlbau trägt.

Dieses wunderbare Kochbuch nimmt uns auf den ersten Seiten mit in verschiedene Länder mitnimmt, die Cozy und Jo zusammen bereist haben. Im Kapitel „Away“ zeigen sie ihre kulinarischen Fundstücke aus Marokko, Kalifornien, dem Libanon, Israel, Toskana, Portugal, Japan, Korea und Lateinamerika. Jeder Abschnitt ist mit persönlichen Geschichten versehen, sodass man nach der Lektüre das Gefühl hat, eine kleine Weltreise unternommen zu haben.

Das Kochbuch ist in Jahreszeiten eingeteilt, offenbart raffinierte wie einfache und erstaunliche Rezepte. Ich denke hier an die panierten Spargelstangen, die man in Bärlauchpesto tunkt oder die die überbackene Auster oder die kleinen Kartoffeln am Spieß, die mit einem Pistazienpesto geflirtet haben und eine herrliche Liebschaft ergeben.

Meist braucht man nicht viele Zutaten. Ein bisschen Abenteuerlust schon, aber der Rest ergibt sich von selbst. Am Ende teilen Jo und Cozy mit uns Grundrezepte von Dingen, die man stets zu Hause haben sollte. Überhaupt ist es ein schon ein Genuss, in diesem haptisch feinen Buch zu blättern.

Duftendes Papier, großartige Fotos vom Essen, der Nordsee und vom Lokal auf Stelzen. Dass Kochbücher mehr als eine bloße Ansammlung von Rezepten sein können, beweist der Wiener Verlag erneut mit ausgewiesenem Feinsinn.

 „salt & silver am Meer“ ist viel mehr als ein Kochbuch. Es dokumentiert mit großer Leidenschaft die Reise zweier Menschen durch verschiedene Geschmacksrichtungen und Länder.

Salt and Silver am Meer

von Thomas Kosikowski, Johannes Riffelmacher

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Die Forscherbande: Ada Twist und das Rätsel um die verschwundenen Haustiere
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ada und ich haben etwas gemeinsam: Wir sind extrem neugierig! Während ich seit Kindheitstagen meine Umwelt mit Fragen ausquetsche wie Zitronen, ist Ada eine Forscherin, die die Wissenschaft so spannend findet. Ob es vielleicht damit zusammenhängt, dass ihre Tante Dinosaurierknochen ausgegraben hat? Jetzt hilft sie ihrer Tante öfter im Schatzgräberladen. Als ihre Tante ihr eines Tages den Auftrag gibt, Katzenfutter zu kaufen, ändert sich Adas Leben.

Einmal purzelt ihr auf dem Weg dorthin ein Mädchen in die Arme. Rosie hat es eilig, denn sie sucht Kip, ihren Hund. Der ist verschwunden. Als Ada in der Tierhandlung ankommt, trifft sie ihren Freund Iggy. Auch Iggy hat eine Vermisstenanzeige: sein Kater Mörtel. Ada macht noch eine Entdeckung: eine große Wand mit weiteren vermissten Tieren. Das Städtchen Bad Blaubach hat offenbar einen gemeinen Tierdieb. Das darf nicht sein!

Und so setzen sich Ada, Iggy, Rosie, Sofia, Aaron zusammen und tüfteln einen Plan aus. Adas Forscherinnengeist kommt ihnen da zur Hilfe. Wie geht man ein Problem am besten? Natürlich mit einer wissenschaftlichen Methode.

Das Buch ist nicht nur sehr spannend und herzallerliebst geschrieben. Jennifer Naalchigar hat dem Buch wunderbare Illustrationen verliehen. Passend zum Buch gibt’s übrigens noch ein Mitmachenheft. Und Iggy hat auch seine eigene Geschichte – in einem anderen Buch, das wir hier bald auch vorstellen werden.

Spannender Lesespaß für alle ab 8 Jahre!

Die Forscherbande: Ada Twist und das Rätsel um die verschwundenen Haustiere

von Andrea Beaty

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The Happiness Blueprint
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie Sie vielleicht wissen, bin ich großer Fan von Emily Henry, eine der großen TikTok-Stars. Ally Zetterberg ist ihre Schwester im Geiste. Wie auch bei Emily Henry verströmt die Autorin herrlich charmante und leichtfüßige Noten in ihrem Erzählton, ohne platt daher zu kommen. Gleichwohl hat sie liebenswerte Figuren geschaffen, denen das Leben zugesetzt hat.

Alex hat seinen geliebten Bruder verloren, und kommt über den Verlust nur schwer hinweg. Gemeinsam mit Calles Mann löst er die Wohnung auf, schreibt seinem toten Bruder aber immer wieder eMails. Seine Therapeutin sagt, er solle sich täglich kleine Aufgaben setzen, die realistisch sind. Nun türmen sich die Rechnungen und Mahnungen. Als er die Stellenanzeige von Klara entdeckt, bewirbt er sich. Obwohl sie nur Frauen sucht.

Klara wiederum ist aus London zurück nach Schweden gekommen, da ihr Vater sich einer Krebstherapie unterziehen muss. Klaras Schwester ist mit Job und Familie eingespannt, die Mutter lebt mit ihrem neuen Mann in Spanien. Bleibt also nur Klara, die übernimmt nun die Führung des Fließenbetriebs des Vaters. Das klingt nach einer großen Herausforderung. Und das ist sie. Nach ersten Startschwierigkeiten gelingt Klara Schritt für Schritt der Weg. Bis der gut aussehende Alex bei ihr auftaucht. Blöderweise trägt Alex einen Ehering. Was Klara nur nicht weiß, es ist Calles Ring...

Man merkt, dass in Ally Zetterbergs Adern britisch-schwedisches Blut fließt. So haben wir einerseits den herrlichen britischen Humor und andererseits die tiefe, nachdenklich leicht melancholische Note der Schweden. Beides zusammen ergänzt sich fabelhaft. Die Autorin ist wie Klara neurodivergent – diese Menschen Menschen lernen anders als üblich. Ich würde Klara nun nicht als Autistin bezeichnen, aber ich bin da keine Expertin.

Klara ist eine kleine Chaotin, die Probleme mit der Organisation hat, sie ist schon besonders, nicht nur durch ihre Diabetes-Erkrankung. Was dem Verlag und der Autorin wichtig ist, sind die glaubwürdigen und lebensnahen Figuren. Alex wiederum versucht, mit seiner Depression zu leben. Und Klaras Vater kämpft mit seinem Prostakrebs. Das sind einige Gewichte, und dennoch fühle ich mich nie erdrückt. Einziger Wermutstropfen: Es dauert ein bisschen bis sich Klara und Alex begegnen. Aber Sie wissen ja: Wer warten kann, der wird belohnt. Und der Weg bis zu ihrem ersten Aufeinandertreffen ist alles andere als langatmig.

Große Empfehlung für alle, die etwas für Herz und die Seele suchen!

The Happiness Blueprint

von Ally Zetterberg

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Abgetaucht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieser Thriller führt aktuell die Krimibestenliste an. Louisa Luna hat mich ebenso überzeugt und mir ein Highlight beschert. Es verwundert mich aber, ehrlich gesagt, überhaupt nicht. Denn Thomas Wörtche hat diese Autorin entdeckt und in seiner eigenen Krimibibliothek bei Suhrkamp herausgegeben. Spannungsliteratur mit Wörtches Handschrift haben mich stets begeistert.

Die Story beginnt auf einem Football-Feld. Von dort büxt der bekannte Spieler Zeb Williams aus. Und wart seitdem nicht mehr gesehen. Jetzt Jahrzehnte später bekommt die Privatermittlerin Alice Vega den Auftrag, Zeb ausfündig zu machen. Vega ist dafür bekannt, besonders knifflige Fälle zu lösen. Und ich ahne recht schnell warum.

Denn Vega ist extrem cool, unerschrocken und wirklich hart im Nehmen. Letzteres erfahre ich erst später. Denn nachdem man sie zusammengeschlagen hat, bringt sie sich sehr schnell wieder auf Vordermann – mit Kraftübungen und Yoga. Dafür heuert sie eigens eine Trainerin an, die ihr zeigen soll, wie sie mit einer Hand – die andere ist im Gips – einen Handstand hinbekommen kann. Das klingt zu abgefahren, aber Vega schafft das.

Als weicher Gegenpol steht ihr der ehemalige Kollege Max Caplan – kurz Cap – mit seiner cleveren 18-jährigen Tochter gegenüber. Vega fragt eingangs Cap, ob er beim Fall mit arbeiten will. Er entscheidet sich dagegen und dann lässt ihn die Geschichte doch nicht los, auch da ihn der Fall schneller einholt...

Als Vega in dem kleinen Ort Ilona in Oregon ankommt, spricht sie mit vielen Bewohner:innen. Dabei sie erfährt, dass in der Gemeinde eine rechtsradikale Gruppe ihr Unwesen treibt. Die Söhne von zwei einflussreichen Männer stecken mit unter der Decke: der Sohn des Unternehmers Klimmer, dem die halbe Stadt gehört, und der Junge des Sherrifs. Dass sich Vega bei ihren Ermittlungen bald Feinde macht, können Sie sich denken. Aber wie gerissen sich die Frau diesen brutalen und radikalen Männern stellt, ist einfach nur umwerfend.

Als wäre das nicht schon erstaunlich genug, wartet Luna mit einem gewaltigen Showdown auf, der mir noch länger in den Knochen sitzt. Ein Buch, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Abgetaucht

von Louisa Luna

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The Things we leave unfinished
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der TikTok-Star Rebecca Yarros hat seit einem Jahr auch hierzulande eine große Fangemeinde. Besonders die jungen jungen Leser:innen begeistern sich für ihren Fantasy Epos „Iron Flame - Flammengeküsst“ - der für den Jugendbuchpreis nominiert wurde. Ich habe es nun nicht so mit Drachen, aber ich liebe gut erzählte Geschichten, vor allem zum Seufzen schöne Liebesgeschichten. Daher wollte ich Yarros' Lovestory „The Things We Leave Unfinished“ unbedingt lesen. Und kann Ihnen bestätigen: Dieses Frau kann einfach schreiben, ob für den Lesenachwuchs oder für die älteren Semester. Keine Ahnung, wann und wie die sechsfache Mutter es schafft, so viele und vor allem umfangreiche Bücher zu schreiben. So hat dieses hier sage und schreibe 570 Seiten. Doch keine ist zu viel. Und das meine ich mit: Diese Autorin kann einfach fesselnd und mitreißend erzählen.

In dem Roman haben wir verschiedene Erzählstimmen. Da ist zum einen Georgia, die nach einer gescheiterten Ehe aus New York zurück in ihre Heimat Colorado zieht, um sich um den literarischen Nachlass ihrer Großmutter zu kümmern. Diese hat über 70 Bücher geschrieben. Ein letztes konnte nicht mehr vollendet werden. Das hat Georgias Mutter dann mal eben verkauft, ohne ihrer Tochter davon Bescheid zu sagen. Davon erfährt Georgia. Sie ist entrüstet, zumal dieser arrogante Autor Noah den Roman zu Ende schreiben soll. Und der hat natürlich seine eigenen Vorstellungen. Sie merken es bestimmt, hier wird es mächtig feurig. Es beginnt zwischen den beiden ein Katz- und Mausspiel, und das ist herallerliebst. Voller Charme und ja, es beginnt natürlich irgendwann zu knistern.

Ein anderer Handlungsstrang widmet sich dem Leben von Scarlett – Georgias geliebten Großmutter. Ihre Liebesgeschichte hat es tatsächlich gegeben. In den Wirren des 2. Weltkrieges verliebt sich Scarlett in den Piloten Jameson. Und diese ist … ach, das müssen Sie selbst lesen.

So ist „Things we leave unfinished“ vieles in einem: Eine Familiengeschichte mit einem Tupfer geschichtlichen Hintergrund und prickelnde rosafarbende wie rotgefärbte Nuancen zweier Liebesgeschichten. Bewegend, anziehend, wärmend und höchst beglückend. Sie können also mit gutem Gewissen diesen Roman neben ihren jungen Schützlingen lesen.

The Things we leave unfinished

von Rebecca Yarros

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Der Sohn des Friseurs
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich muss ein Geständnis ablegen: Ich habe bislang nichts von Gerbrand Bakker gelesen. Was für eine Lücke, die ich nun nach und nach füllen werde. So bin ich Frank Menden gleich doppelt dankbar für seine Empfehlung zu „Der Sohn des Friseurs“. Der niederländische Autor erzählt eine ganz und gar außergewöhnliche Familiengeschichte, die bei uns hängengelieben ist. Nicht zuletzt durch die vielen unerwarteten Wendungen und Begebenheiten, die Bakker in seinen kunstvoll komponierten Roman brillant einwebt.

Im Mittelpunkt steht Simon. Ein in sich gekehrter Friseur, der seinen Beruf ohne große Leidenschaft ausführt. Er ist irgendwie dort hineingeraten in dem Salon seines Großvaters. Simons Vater hat auch für eine kurze Zeit in dem Salon gearbeitet, das war vor Simons Geburt. Cornelis ist eines Morgens mit einem Praktikanten des Salons aufgebrochen, ohne jemanden Bescheid zu geben. Was zunächst keiner wusste: Die beiden saßen in dem KLM-Flugzeug, das 1977 mit einer amerikanischen PAM Maschine kollidiert ist. Bei diesem Unglück sind über 500 Menschen gestorben. Über dieses Unglück wurde in Simons Familie nie gesprochen. Als nun ein Schriftsteller über diesen Zusammenhang recherchiert und Simon ausfragt, will er die Leerstelle füllen... Aber dies ist nicht die einzige Stelle, die Bakker mit Leben füllt. Über die sich noch viel zu berichten lässt, aber ich finde: Sie sollten diesen Roman und die Geschichten selbst aufspüren, und genau das spüren, das wir beim Lesen gefühlt haben.

„Der Sohn des Friseurs“ ein vielschichtiges, kluges wie eindringliches Stück Literatur, an das man in diesem Jahr nicht ungelesen vorbeigehen kann. Große Leseempfehlung auch von mir, insbesondere für Lesekreise, denn hier findet sich viel Gesprächsstoff.

Der Sohn des Friseurs

von Gerbrand Bakker

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Kiezkinder - Wir mischen mit!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Was für eine bunte Truppe sind die Kiezkinder! Jedes Kind hat seine eigene Geschichte und Eigenheit. Da ist Ava, die im falschen Körper steckt, und jetzt eben Ava ist. Die sportliche Helene, die so gern Fußball spielt, aber Probleme in der Schule hat. Sie lebt mit ihrem Bruder Jaron bei ihrer Großmutter Salome, die wie der Name schon sagt, Jüdin ist. Jaron hat ein Hörgerät, malt aber sehr gern und nimmt an einem Zeichenwettbewerb teil. Zusammen mit der anderen Clique Theo, Sia und Paul verbringen sie nach der Schule Zeit miteinander.

Ava macht eines Tages eine spannende Entdeckung: Auf einem verlassenen Fabrikgelände in ihrem Kiez gibt es eine Brachfläche, die sich ideal für einen Geheimspielplatz eignen würde. So erkunden sie diesen Platz und ja, er ist perfekt! So werden Pläne geschmiedet, erste Dinge für ihren neuen Ort besorgt, bis sie eines Tages aber auf Erwachsene stoßen, die sie von ihrem Platz verstoßen. Können sie der Stadtverwaltung von ihrem Projekt berichten?

„Kiezkinder – Wir mischen auf!“ ist ein tolles und aufregendes Kinderbuch für alle ab 10 Jahre, es kann aber auch schon jüngeren Kindern mit vorgelesen werden. Was das Buch derart besonders macht, sind die verschiedenen Themen, die die beiden Autorinnen spielerisch und mit leichter Hand miteinweben. Paul beispielsweise hat Diabetes, Theo lebt mit Papa und Dad zusammen, und Oma Salome muss regelmäßig zur Tafel. Aber all das ist mit einer Selbstverständlichkeit erzählt, dass sich all das normal anfühlt. Und ist es doch auch.

Farbenfrohe Bilder runden das Lesevergnügen ab. Erschienen ist das Buch in dem wunderbaren unabhängigen Orlanda-Verlag, der sich zur Aufgabe macht: „Wir wollen dem Diskurs für eine positive Weiterentwicklung der Welt ohne Vorurteile und vorgefertigte Meinungen eine freie Bühne geben – über Herkunft, Weltbild, Geschlechtsidentitäten und Hautfarbe hinweg. Unsere Autor*innen leisten dazu ihren kostbaren Beitrag.“

Kiezkinder - Wir mischen mit!

von Milena Bartels

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Pizza Girl
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Was für eine famose Mischung! Würde das Buch eine Pizza ergeben, dann eine höchst interessante, deren Geschmack man so schnell nicht vergisst. Denn Jean Kyoung Frazier setzt zwei gegensätzliche Pole nebeneinander. Einerseits hockt da ihre apathische Romanheldin, andererseits sprudelt die Sprache wie eine Fontäne und spült den letzten Rest meiner Wintermüdigkeit fort. Zudem bewahrt mich der Erzählton davor, dass ich ebenso apathisch werde.

Jane ist achtzehn, arbeitet bei einem Pizzalieferanten. Obendrein ist sie schwanger, ungewollt und ungeplant. Aber sie hat eine liebevolle Mutter, emigrierte Koreanerin, und Janes Freund Billy, der mit ins kleine Haus der Familie gezogen ist. Beide sind dem Mädchen derart zugewandt, das verdient große Dankbarkeit, doch was macht Jane? Nichts.

Ich merke schon von Beginn an, dass mit diesem Mädchen etwas nicht stimmt. Und genau das finde ich anziehend. In Jane rumort es, nicht nur wegen des neuen Lebens, das in ihr wächst. Dort ist noch etwas anderes, das sie nachts in den Schuppen des verstorbenen Vaters zieht. Als nun eine neue Kundin bei Jane eine Pizza mit Gurke bestellt, kommt Leben in Janes apathisches Bewusstsein. Die Pizza wird zum Verbindungsstück, sie ist der würzige Käse, den Jane bisher gefehlt hat. Und was hält Jenny von dieser Begegnung?

Ich habe ja bereits einige Coming-of-Romane gelesen, dieser zählt definitiv zur Kategorie „außergewöhnlich & gut“. Es gibt durchaus verwinkelte Ecken. Jane macht es mir obendrein wahrlich nicht immer leicht, und dennoch - oder gerade deshalb?! - lieb' ich alles zwischen den Seiten. Da ist die Schlagfertigkeit, die Licht in die Dunkelheit bringt.

Bewegend, witzig, spritzig und absolut mitreißend für alle jungen Leser:innen ab 18 Jahre!

Pizza Girl

von Jean Kyoung Frazier

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Yours Truly
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Manchmal braucht man einfach eine Leseauszeit! Weg vom hektischen Alltag, den erschreckenden Nachrichten – hinein in ein Buch voller Seufzer. „Yours Truly“ von Abby Jimenez ist solch eine Insel, die Ihnen wohlige Lesestunden bescheren wird. Und wenn Sie Glück haben, bekommen Sie bei uns noch die 1. Auflage mit dem umwerfend schönen Farbschnitt.

Obwohl Ali Hazelwood auf dem Buchcover mit lobenden Worten abgelichtet ist, kann ich Ihnen sagen: Hier ist es nicht so spicy wie in Hazelwoods Lovestorys! Irgendwie schöner sogar. Ja, denn die Autorin zeigt, dass es nicht immer heiß zur Sache gehen muss, um prickelnde Lesestunden zu erleben.

Briana und Jacob heißen die beiden Königskinder. Briana steht kurz vor der Scheidung ihres Mannes, der sie mit einer Freundin betrogen hat. Jacob fängt im gleichen Krankenhaus in der Notaufnahme an, nachdem sich seine Freundin und Kollegin in einem anderen Krankenhaus von ihm getrennt hat. Als Briana erfährt, dass Jacob auch ein Anwärter auf den Job der Leitung ist, fährt sie ihre Krallen aus. Doch am Ende kommt alles ganz anders.

Was dieses Buch so außergewöhnlich macht, sind natürlich die beiden Hauptfiguren, die durch und durch sympathisch sind. Briana kümmert sich um ihren kranken Bruder, der auf eine Spenderniere wartet, sich in einer Lebenskrise befindet. Und Jacob hat eigene Probleme, weniger die Trennung durch seine Ex, mehr in dem neuen Umfeld anzukommen, denn Jacob leidet unter einer Angststörung...

Die Autorin schreibt: „All meine Bücher sind Mosaike von mir und meinen Lebenserfahrungen, die ich zusammensetze, um meinen Leserinnen und Lesern eine Auszeit von ihrem Alltag zu ermöglichen.“ Genau das spürt man, dieses authentische Erzählen und natürlich der große Wohlfühlfaktor – trotz einiger schwerer Themen. Voller Charme und Herz ist die Geschichte erzählt und erobert mein Herz. Ich möchte einfach nur eins: Dass es Ihnen auch so gut geht wie mir! Lesen Sie dieses Buch, dann wissen Sie, was ich meine.

Yours Truly

von Abby Jimenez

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Zeit der Geister
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ein unruhiges, instabiles und heißes Land in Afrika. Mittendrin ein Biotop, in dem Menschen aus unterschiedlichen Nationen friedlich zusammenleben. Trotz aller Differenzen gelingt ihnen ein Alltag ohne Hass und Gewalt. Dieses Glück, sofern man davon reden kann, ist spürbar. Doch die Basis ist fragil, alles kann schnell vorbei sein. Und das ist es dann auch. Als eines Tages eine verbrannte Leiche aufgefunden wird, gerät das Leben von Layla, Dena, William, Alex und Mustafa ins Wanken. Aber halt, bleiben Sie bei mir, bei uns, denn „Zeit der Geister" von Fatin Abbas ist mutig und bemerkenswert, absolut lesenswert wie schön. Trotz allem. Oder gerade deshalb?

Bei dem Biotop handelt es sich um ein Grundstück einer NGO – inmitten des Sudans, in der aufgepeitschten Stadt Saraaya. Layla, Dena, William, Alex und Mustafa sind die Figuren in diesem bewegenden wie mitreißend erzähltem Roman. Jeder hat dort seine Aufgabe. Der zwölfjährige Mustafa ist sozusagen Bursche für alles. Er versucht für seine Familie, die Mutter und Geschwister, Geld zu verdienen. Der kleine Junge mit der viel zu großen Sonnenbrille lässt sich wirklich einiges einfallen und begibt sich dabei nicht selten in große Gefahr.

Alex ist Kartograph und soll „topografische Varianten im Schwemmland des Delta des Weißen Nils" erstellen. Dena kommt wie Alex aus Amerika, sie trägt ihr Haar raspelkurz, sieht mehr wie ein Junge aus und hat ständig ihre Kamera bei sich. William hatte große Ziele nach seinem Bachelorabschluss, arbeitet aber erstmal als Übersetzer. Er verliebt sich in die Köchin Layla, doch diese Liebe darf es nicht geben, denn Layla ist eine Nomadin, Muslima, William dagegen katholisch und ein Nilot. Obendrein bleibt die verbrannte und unbekannte Leiche nicht der einzige Zwischenfall, der unser Biotop erschüttern wird.

Wir haben schon viel über den Sudan gelesen, gehört und gesehen. Zuletzt ist die Krise in dem afrikanischen Land jedoch durch die Kriege in der Ukraine und in Nahost nahezu aus den Nachrichten verschwunden. So ist es wieder einmal gut und wichtig, dass uns Literatur diese Orte nicht vergessen lässt.

Fatin Abbas gelingen gleich zwei Dinge mit ihrem Roman: Einerseits entsteht durch die verschworene Gemeinschaft eine ganz eigene Welt, in der sich mein Herz ausstrecken und weiten kann. Es gibt viele wunderbare, charmante und liebenswerte Szenen und Dialoge, die mich lächeln lassen. Andererseits blicke ich in das zerrüttete Land, werde Augenzeugin von kriegerischen Handlungen. Das ist nicht immer leicht auszuhalten, doch es überwiegt die Wärme, die trotz allem aus den Seiten hervorschimmert. Und dann ist da die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird.

Zeit der Geister

von Fatin Abbas

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Das Gewicht eines Vogels beim Fliegen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich fliege immer noch. Dana Grigorcea habe ich diese Leichtigkeit zu verdanken. Nicht nur, weil ich diese bemerkenswerte sonnengleiche Frau auf der Leipziger Buchmesse wiedergetroffen habe, und sie meine Batterien direkt aufgeladen hat. Auch ihr Roman hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich mich gerade leibhaftig fühle wie ein Finke.

Die schweizerisch-rumänische Autorin hatte mich sofort, die Leichtigkeit und Eleganz ihrer Sprache, das Setting wie ihre Themen: Kunst, die Roaring Twenties in New York, Liebe, Filmkunst und Italien! Geht es schöner? Eben! Also packen Sie den Winterblues in den Schrank und begeben sich mit dieser besonderen Lektüre auf eine wunderbare Reise.

Dana Grigorcea reist mit uns nach Italien an die traumhaft schöne ligurische Küste, und lichtet die Atmosphäre schablonenhaft ab. Plötzlich ist der mürrische Märzregen vergessen, ich wandele in Ligurien. Genau dort stehe ich an Doras Seite, die zusammen mit dem Kindermädchen und ihrem Sohn Loris ankommt. Die Autorin hat ein Stipendium erhalten und will ein Buch über den Künstler Constantin Avis schreiben. Dieser reist im Jahr 1926 aus Paris nach New York, weil ihn ein Galerist unter seine Fittiche nehmen will. Als er dort mit dem Schiff angekommen ist, soll seine mitgereiste Bronzefigur verzollt werden, da die Beamten darin keine Kunst erkennen. Kunst ist zollfrei. So stellt sich schon eingangs die Frage: Was ist Kunst? Wann ist Kunst Kunst?

Die Autorin bewegt sich fortan mit mir auf zwei Ebenen. So begleite ich Constantin, der von der Stummfilm-Ära Alba Fontani eingenommen ist, und schnell in der Fotografin des Galeristen eine Geliebte findet. Und ich stehe in der Gegenwart an Doras Seite. Eine Frau und Mutter, die hin – und hergerissen ist zwischen der Mutterliebe und den eigenen Sehnsüchten wie dem Drang zu schreiben. Kunstvoll verwebt die Autorin das Leben zweier Künstlernaturen, die sich nicht linear entwickeln.

Wer welchen Weg einschlagen wird, behalte ich für mich. Aber so viel darf ich verraten: Dieser Roman vereint Leichtigkeit und Tiefe. Die Autorin hat eine große Fabulierlust, die ich bereits vor vielen Jahren erkannt habe. 2015 hat mich Dana Grigorcea mit ihrem Buch „Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit“ begeistert, und ich wusste, hier ist eine ernstzunehmende Autorin am Werk, von der wir in Zukunft noch viel zu erwarten haben. Mit dieser Vermutung lag ich richtig, denn Dana Grigorcea hat mittlerweile einige Auszeichnungen für ihre Werke erhalten wie den 3sat Publikumspreis beim Ingeborg Bachmann Wettbewerb sowie den Schweizer Literaturpreis.

Sollten Sie also noch ein bibliophiles Geschenk für Ostern suchen, dann legen Sie dieses Buch ins Osterkörbchen. Strahlende Augen sind Ihnen garantiert! Denn schöner kann der literarische Frühling nicht beginnen als mit diesem erhellenden Buch.

Das Gewicht eines Vogels beim Fliegen

von Dana Grigorcea

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Liebe Enkel oder Die Kunst der Zuversicht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sollte Ihnen gerade die Zuversicht abhanden gekommen sein oder Sie jemanden kennen, dem es nicht gut geht - all denen lege ich dieses schmale wie gehaltvolle Buch ans Herz. Schon nach den ersten Sätzen steigt in mir eine Wärme auf und ich fühle mich von den lebensklugen Betrachtungen umarmt, als würde ich nach Hause kommen.

Wie sollte man Zuversicht haben angesichts der aktuellen Weltlage, den politischen Entwicklungen in unserem Land und der vielen Wutausbrüche? Genau dann sei es wichtig, dass man sich in Zuversicht übe. „Nicht nur Krise, sondern auch Chaos kann eine Chance sein.“

Es bedarf ein tägliches Üben. Zuversicht stolziert nicht einfach mal eben so in unser Leben hinein und setzt sich mit uns lächelnd an den Frühstückstisch. Zuversicht gilt es zu suchen, sie zu finden, und dann liebevoll zu pflegen. Nicht unbedingt in großen Dingen, die kleinen reichen auch aus, um einen optimistischen Blick zu entwickeln. Dankbar sein, das Umfeld achtsam wahrnehmen, offen sein für Veränderung, nichts ist beständig außer der Mond und die Sterne. Sich nicht von der Angst kleinmachen lassen, sie durchaus kritisch hinterfragen, der sogenannten Befürchtungsüberprüfung unterziehen oder einfacher ausgedrückt: „Erst mal gucken, ob der Mond scheint, die Sterne leuchten, bevor ich mich fürchte vor der Dunkelheit."

Zudem finde die Autorin, „das unsere Würde als Menschen uns dazu verpflichtet, Kraft zu suchen in der Zuversicht.“ Wie Kraft und Hoffnung zur Zuversicht kommen, auch darüber schreibt Gabriele von Arnim an ihre Enkel. Denn das Buch ist ein langer Brief – so ist „Liebe Enkel oder Die Kunst der Zuversicht“ der dritte Band „Briefe an die kommende Generation“, der beim unabhängigen Kjona Verlag soeben erschienen ist.

Wenngleich das Buch nicht im Jugendbuch zu finden ist, liegt es auf unserem Eingangstisch, denn ich empfehle das Buch als wertvolle Beigabe zur Kommunion oder Jugendweihe. Denn von Arnim schreibt leicht verständlich, sie bezieht dabei Literatur (den guten Camus und Hilde Domin) wie Geschichten aus der Zeitung und Lebensbeispiele mit ein.

Lassen Sie mich den Text mit einem weiteren Zitat enden, der einem warmen ersten frühlingshaften Sonnenstrahl gleichkommt: „Zuversicht heißt nicht, die Welt bewahren zu wollen, wie sie ist, sondern die Kraft zu haben, mit den Veränderungen umzugehen, mit Unbestand und Neubeginn.“

Liebe Enkel oder Die Kunst der Zuversicht

von Gabriele von Arnim

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Sommer ist meine Lieblingsfarbe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ava hat alles, was glücklich macht: einen wunderbaren Mann, drei bezaubernde Jungs, ein schönes Haus in Vierlanden und vier Hühner. Was will frau mehr? Als Ava eines Abends eine Whats-App Nachricht von Pinto erreicht, ist es vorbei mit Avas Bullerbü, es gerät in Schieflage. Denn Ava ist aufgeregt und unterteilt fortan ihr Leben vor und nach der Nachricht.

Mit Pinto war sie seinerzeit zusammen, und jetzt will er sich mit ihr treffen. Bauchkribbeln und jede Menge Aufregung durchziehen Ava. Soll sie? Ihre beste Freundin Sam wird ihre geheime Verbündete. Sam ist so was wie die erwachsene Pippi Langstrumpf, ungezähmt, voller Lebenslust. Es fällt mir nicht schwer, mich nicht von ihr mitreißen zu lassen – wie von Claudia Schaumanns erfrischenden Schreibstil, der mir aus ihrer fantastischen Kinderbuchreihe “Die Geburstagsbande” wohl vertraut ist.

Recht schnell verstehe ich: Das hier ist viel mehr als nur ein Liebesroman. Genau das liegt der Autorin am Herzen mit ihrem Buch. In uns hineinzuhorchen und zu schauen, ob sich vielleicht Träume und Wünsche aus den jungen Tagen irgendwie versteckt haben und von uns wachgeküsst werden wollen. Sam findet dafür treffende Worte: „Wir sind jetzt Anfang vierzig, Ava. [...] „In uns sinkt langsam das Kümmerhormon Östrogen. Dadurch sprudelt die ganze Wut hoch, die wir jahrelang runterschluckt haben. […] „Wir zweifeln, Ava, wir bekommen Aggressionen, wir denken über uns und unsere Beziehung nach. Plötzlich wird uns klar, dass wir, vor allem du, ein gutes Jahrzehnt damit verbracht haben, uns bloß um andere zu kümmern...“

Aber ist ein Seitensprung die Lösung? Oder steckt noch etwas anderes hinter Avas frisch erwecktem Entdeckerinnengeist? Lesen Sie selbst und erleben Sie warmherzige wie charmante Lesestunden mit dem Roman, den man am liebsten mit einer guten Freundin teilt, ob frau nun in den Vierzigern steckt oder nicht.

Sommer ist meine Lieblingsfarbe

von Claudia Schaumann

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Ein falsches Wort
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sie sollten in der richtigen Verfassung sein, wenn Sie dieses Buch aufschlagen. Denn „Ein falsches Wort“ hat eine enorme Sprengkraft, schwappt wie die vom Sturm aufgewühlte Nordsee durch den Kopf. Das Debüt hat seinerzeit in Norwegen einen Skandal ausgelöst, und wurde gleichzeitig international zum Bestseller. Ihr zweiter Roman „Die Wahrheiten meiner Mutter“ erschien im vergangenen Jahr. Wie gut, dass der Fischer Verlag nun nachgelegt hat. Wer die Autorin bisher verpasst hat, bekommt jetzt die Gelegenheit, diese Lücke zu schließen.

Dass Vigdis Hjorth zu den Meisterinnen der Familiengeschichten zählt, brauche ich ihren erfahrenen Leser:innen nicht erklären. Der Roman wird aus der Sicht von Bergljot erzählt. Sie ist die Schlichterin in einem Streit, der sich entbrannt, nachdem ihre Eltern den beiden jüngeren Töchtern zwei Hütten im Testament vermachten wollen. Der finanzielle Ausgleich an die anderen beiden Kinder kommt nicht annährend an den Wert der Immobilien heran. Die Eltern haben das Erbe aufgesetzt, ohne dass ihr Bruder Bard darüber informiert wurde. Wie kann das sein? Und noch etwas ist geschehen: die Mutter hat erneut eine Überdosis genommen und liegt jetzt im Krankenhaus.

Die Erzählerin nimmt uns mit in ein Familiendrama, das weiter zurückreicht – denn offenbar hatten Bard und Bergljot eine andere Kindheit als Asta und Astrid. Über diese Vergangenheit wurde bisher geschwiegen, Bergljot hat sich aus gutem Grund der Familie entzogen.

Jetzt bricht alles wieder auf. Unruhe kriecht in Bergljots Innenleben. Sie flüchtet sich oft in den Wald, trinkt zu viel, und wird hinabgezogen in den dunklen Teil der Seele und ich gleich mit. Denn Vigdis Hjorths Erzählstil ist absolut soghaft, mitunter radikal und unglaublich verdichtet.

So aufwühlend die Lektüre auch ist, genauso lebensklug ist sie ebenfalls. Vigdis Hjorth schlägt viele nachdenkliche Töne an, an denen ich nicht schnell vorbeilesen konnte. Daher sieht mein Buch wieder aus wie ein Punk – geschmückt voller farbiger Post-its. Sätze wie dieser sind einfach zu großartig, um sie nicht zu markieren: „Wenn man das Glück hat, erfolgreich zu sein, darf man nie vergessen, welche Kompetenzen man im Unglück erworben hat.“

Ein falsches Wort

von Vigdis Hjorth

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i fell in love with hope
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Jeder stirbt irgendwann und alles endet. Manche Enden sind abrupt. Sie schlagen dir ins Gesicht, und es ist zu früh, und es ist ungerecht, aber das ist egal. Die letzte Seite definiert nicht das Buch. Zeit wird enden. Krankheit wird schwären, und Tod wird sterben.“ Das sagt Neo seiner Freundin und Leidensgefährtin Sam. Wer jetzt bei dem Zitat zurückzuckt, der sei gewarnt. Denn „I fell in Love with Hope“ ist genau das: eine Begegnung mit dem Tod und mit Krankheit.

Sam erzählt uns die Geschichte von sich und ihren Freunden, die sie im Krankenhaus getroffen hat und die miteinander verbunden sind. Neo leidet seit Jahren an Anorexie, er schreibt und träumt davon, eines Tages Schriftsteller zu werden, wäre da nicht sein gewalttäiger Vater, der andere Vorstellungen von seinem Sohn hat. Coeur – nur C genannt – ist ein Riese, war ein erfolgreicher Schwimmer, bis ihn sein Herz in die Knie zwingt. Jetzt wartet er auf ein Spenderherz. Sony hat nur noch einen Lungenflügel, ist sehr gefährdet, nur eine Vire kann sie töten. Hikari leidet an Depressionen und verletzt sich selbst. Und Sam? Kann sich unsichtbar machen, sieht und fühlt Dinge, was an eine Inselbegabung erinnert. Aber Sam kann nicht zaubern, denn wenn sie dies könnte, dann würde sie die Angst nicht so oft blockieren, die sie seit dem Tod ihres geliebten Freundes begleitet. Denn Sam fühlt zu Hikari eine innige Verbindung, will sich ihre Gefühle zunächst nicht eingestehen. Neo und C hingegen sind offener miteinander.

Wow! Ja, in dem Buch ist auf Gefühlsebene mächtig viel los. Gehen Sie mal auf TikTok und geben den Buchtitel ein, dann sehen Sie, was das englischsprachige Buch bereits mit tausenden Leserinnen angestellt hat. Und achten Sie auf die vielen Post-its. Denn Lancali hat nicht nur eine schöne und sehr poetische Sprache, sie streut auch viele lebenskluge Gedanken ein.

Was das Buch obendrein auszeichnet, ist die Rebellion der Jugendlichen, die sich nicht mit der Opferrolle zufrieden geben wollen. So haben sie eine Todesliste, was sie noch erleben wollen, was wichtig ist, und sie ziehen öfter mal los – mit der Sauerstoffflasche von Sony – und mit Rollstuhl, nutzen ihren kranken Status aus und klauen wie Elstern. Einfach nur aus Spaß. Und auch, weil sie eins wollen: sich lebendig fühlen.

Obwohl die Figuren alle Jugendliche sind, empfehle ich das Buch aber eher älteren Leser:innen, außer Sie haben John Green wie ich mit großer Begeisterung gelesen, und fühlen sich Themen wie Krankheit und Tod gewachsen. „I fell in Love with Hope“ ist eine tieftraurige und gleichermaßen hoffnungsvolle Geschichte, die uns auch sagen will: Lebt jetzt!

i fell in love with hope

von Lancali

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Das Dingsdibum-Ding
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Alle schlafen. Nur der kleine Bär nicht. Daher macht er sich auf den Weg in die Stadt, um aufregende Dinge zu erleben. Bei seinem Spaziergang macht er eine große Entdeckung: das Dingsdibum-Ding! Das will er sofort haben. Aber für den Transport des schweren Teils ist der kleine Bär natürlich viel zu klein. Also flitzt der kleine Bär zurück in den Wald, um seine Freunde zu holen. Doch die sind alle müde und wollen nur schlafen. Kann er das nicht am nächsten Morgen machen? Nein!

Also lässt er sich etwas einfallen, baut ein Rolledi-Rumperi. Das reicht immer noch nicht. Und seine müden Gesellen wie der Waschbär und der Hase sind zu träge. Also kommt noch ein Hebedi-Hocheri auf das Rolledi-Rumperi. Und nun endlich kann es losgehen zum großen Transport.

Was für ein herrliches Gute-Nacht-Lesebuch! Die Bilder sind niedlich, zum Schmunzeln witzig, zum Liebhaben, Einkuscheln und herzig-gemütlich wie der nachtblaue Farbton. Wenngleich die Geschichte ziemlich aufregend und voller Temperament ist, bin ich mir sicher, dass nach der Lektüre alle selig einschlafen werden und von ihrem eigenen Dingsdibum-Ding träumen werden. Und wer weiß, vielleicht treffen wir im Traumland ja den kleinen Bären und hecken gemeinsam das nächste Abenteuer aus. Ab 4 Jahre.

Das Dingsdibum-Ding

von Kathleen Doherty

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Der ehrliche Finder
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die Geschichte beginnt mit einem Plan: Tristan will diesen seinem Freund Jimmy am nächsten Tag verraten. Jimmy ist nach dem Telefonat aufgeregt. Einerseits will er natürlich wissen, was sein Schulfreund ausgeheckt hat. Andererseits wurde er noch nie von jemandem eingeladen, bei ihm zu übernachten. Denn Jimmy ist ein Einzelgänger. Als Tristan eines Tages in seine Klasse kommt, navigiert ihn die Lehrerin an dessen Tisch.

Tristan ist mit seiner Familie aus dem Kosovo nach Belgien geflüchtet und hat eine bewegte Fluchtgeschichte hinter sich. So nimmt sich Jimmy dem Fremden an, versucht, ihn zu unterstützen, und die beiden freunden sich an. Und noch etwas passiert: Jimmy findet bei Tristans Familie etwas, das er zu Hause nicht hat. Er fühlt sich bei den herzensguten Menschen so wohl, spürt die Wärme, die zu Hause nach der Scheidung seiner Eltern verloren gegangen ist. Doch dann ereilt Tristans Familie eine Nachricht, die Folgen hat – für alle.

Lize Spit hat sich mit ihrem dritten Roman wieder in mein Herz und Gedächtnis eingeschrieben. „Der ehrliche Finder“ ist ein schmales Büchlein, aber derart gewichtig, was darin zu finden ist. Es geht um eine besondere Freundschaft, ums Anderssein, Ausgrenzung, Emigration und Hoffnung.

Dieses Buch hat mich noch lange nach der Lektüre beschäftigt. Die belgische Autorin zeigt erneut, wie meisterhaft sie Spannung aufbauen kann und fegt mich mit einem Finale nieder. Atemlos, berührend, nadelstichgleich ist der Roman, der überdies so gut in unsere Zeit passt. Auch für junge Leser:innen ab 18 Jahre geeignet. Ja, solch ein Buch hätte ich gern in der 12. Klasse gelesen und darüber gesprochen.

Der ehrliche Finder

von Lize Spit

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Himmelwärts
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Thema Tod ist schwierig. Warum ist das so? Dabei ist der Tod auch ein Bestandteil des Lebens. Wir sprechen immer vom Leben und Tod. Aber sollte es nicht von Geburt und Tod heißen? Das Leben und der Tod sind eine Einheit, das eine ist hell, das andere zappenduster. Ein Anfang und ein Ende. Über das eine sprechen wir freimütig, bei dem anderen versagt uns die Stimme.

Wie mutig ist es da, wenn eine Autorin dieses Thema in einem Kinderbuch verarbeitet. Wobei im Falle von „Himmelwärts“ von Karen Köhler gab erst das Theaterstück. „Wibbelnden Kosmonaut:innen“ verdanken wir, dass das Stück nun in Buchform vorliegt, hinreißend von Bea Davies illustriert. Glück ist mit den Mutigen! So hoffe ich, dass Fortuna dieses Buch wie einen Sternenschweif auf seinem Weg begleiten wird, und ich freue mich, Teil in diesem Kosmos zu sein.

Karen Köhler erzählt von einer kosmischen Nacht, die Toni zusammen mit ihrem besten „Nahmensch“ YumYum erleben darf. Toni ist die Ich-Erzählerin und Chronistin ihrer bewegenden Familiengeschichte. Tonis Mutter ist an Krebs verstorben. Ihr Vater und sie sind tieftraurig, leiden an großer „Vermissung“. Glücklicherweise gibt es die schlaue YumYum. Sie hat im Internet eine Bauanleitung für ein kosmisches Radio gefunden. Nun sitzen die beiden Mädchen in dieser Nacht da draußen und wollen Tonis Mutter eine Nachricht in den Himmel schicken. Neben unzähligen Chipstüten knarzt es plötzlich. Und wie durch ein Wunder meldet sich eine Stimme: Zanna, eine Kosmonautin auf der ISS findet ihre Frequenz.

Es ensteht ein kluger, berührend schöner Dialog. Gemeinsam erleben wir alle eine unvergessliche Nacht. Die zeigt, auch hinter jedem Schrecklichen verbirgt sich etwas Helles, so wie zwischen den Seiten allerhand Schönes aufleuchtet. Als YumYum Toni erklärt, dass ihre Mama noch da ist: „Sie kann nicht weg sein. Im Universum geht keine Energie verloren. Ist so. Ist ein Gesetz. In einem abgeschlossenen System ist die Summe aller Energien konstant.“ Tröstlich, bezaubernd und lebensklug ist dieses Buch!

Altersempfehlung ab 10 Jahre.

Himmelwärts

von Karen Köhler

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Joy
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn Sie mal Lust und den Mut auf eine ganz andere Lektüre haben, dann greifen Sie zu „Joy“ von Jonthan Lee. Der Autor des gefeierten und beliebten Buches „Der große Fehler“ hat sich auch dieses Mal für einen außergewöhnlichen Erzählstil entschieden.

Gleich zu Beginn muss ich eine Warnung aussprechen: Der Titel führt in die Irre, denn strahlend ist hier vorrangig nur die Sprache. So steht die titelgebende Figur kurz davor, Partnerin in einer Kanzlei zu werden. Doch an einem Freitag passiert etwas. Ein Unfall, wurde sie vielleicht sogar von ihrem Kollegen in die Tiefe geschubst oder war es ein Selbstmordversuch? Denn Joy ist - anders als ihr Name vorgibt - nicht mehr leuchtend. Sie hadert mit ihrem herausfordernden Leben als Businessfrau. Und auch ihre Ehe ist nicht mehr das, was sie einst war, vor allem ihr Mann Dennis ist... nun ja, erleben Sie ihn selbst.

Und was macht Jonathan Lee? Er präsentiert uns die Menschen, mit denen Joy in Verbindung steht wie ihrem Ehemann, ihrem Kollegen Peter, mit dem sie jahrelang eine Affäre hatte, und noch andere Kontakte aus Joys Leben. Bemerkenswert ist, dass Lee für jede Figur einen eigenen Stil findet, selbst für Joy, deren letzten Arbeitstag wir häppchenweise miterleben.

Jonathan Lees Sprache ist facettenreich und gerade deshalb absolut anziehend: Mal schlägt sie witzige Töne an, manchmal ist sie überbordend und färbt sich im nächsten Kapitel melancholisch, wird nachdenklich.

„Joy“ hat mir viel Frische und oft ein verschmitztes Lächeln in diese trüben, nasskalten Zeiten gebracht. Was für ein packender Pageturner, den man viel zu schnell wegschnabuliert, der aber keineswegs nur an der Oberfläche kratzt, da er psychologisch feine wie eindringlich berührende Momente ausatmet, die das Lesetempo wohltuend drosseln.

Joy

von Jonathan Lee

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Genussvoll. Geschmackvoll. Vegan.
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Wir lesen hier alle unterschiedlich. Doch manchmal jubeln wir gemeinsam über eine literarische Entdeckung. Ein anderes Mal lachen wir über ein hinreißendes Bilderbuch oder wir seufzen wohlig beim Durchblättern eines Kochbuchs wie bei diesem. Carlo Cao hat uns mitten im Bauch getroffen. Sein neues Kochbuch Genussvoll. Geschmackvoll. Vegan. Ist eine Hommage an die Freude des einfachen Kochens. Und eine Einladung, die vegane Küche zu entdecken. Gleichwohl verdeutlicht er, es braucht nicht viel Zeit und benötigt nur wenig Aufwand.

Der Koch schreibt selbst in seinem Buch: „Kochen hat etwas Mediatives. Koche mit Gefühl, wähle die besten Zutaten, nimm dir Zeit und genieße den Prozess. Kochen ist ein Akt der Liebe.“ Und diese Liebe strömt aus den liebevoll und graphisch schön gestalteten Seiten hervor. Allein das wäre schon ein Freudenfest. Doch der Koch bezirzt uns mit einfachen Rezepten für den Alltag oder für besondere Anlässe. Auch schön ist die kleine Warenkunde am Anfang, in dem der Autor sich insbesondere für die gesunden Hülsenfrüchte stark macht. Er zeigt auch, wie man sich ihnen langsam nähern kann.

Gleich zu Beginn tischen wir zum Start in den Tag das Tahini-Porridge mit Nektarinen und Pfefferminze auf. Vor allem das Tahini und die Nektarinen haben eine feinsinnige Beziehung miteinander. Weiterhin gibt der Koch einfache Tipps für Overnights, die wir alle kennen. Was sie aber von der Masse abheben, sind ihre ungewöhnlichen Akzente, die wir durch Muskatnuss, Kokosnuss und Erdnussbutter erreichen. Wie wäre es statt eines Rühreis mal mit Seidentofu? Kurkuma, Tomatenmark sorgen für den würzigen Pfiff. Wenn's mal schnell gehen soll, empfehlen wir den Tahini-Vanille-Hafer-Shake.

Für das Gros bedarf es nicht vieler Zutaten, das erstaunt uns. So einfach, so gut. Carlo Cao holt aus allen das Beste heraus wie beispielsweise der gebackene Fenchel mit Café-de-Paris-Sauce. Raffiniert sind auch die mit Pilzen und Walnüssen gefüllten Auberginen. Oder der Grapefruit-Salat mit Haselnuss-Balsamico-Dressing.

Für alle Schleckermäulchen kredenzen wir die Erdnussriegel mit dunkler Schokolade und Salzflocken. Für die man den Backofen gar nicht anschalten muss, denn die süßen Freunde reifen im Kühlschrank. Oder die Weißweinbirnen mit Frischkäse-Joghurt-Creme und Pekannuss-Crunch.

Das Buch erfreut bereits beim Durchblättern und ermutigt alle, die mit veganen Küche bisher nicht ganz so vertraut sind. Und für all diejenigen, die dem alltäglichen Essen mal etwas Außergewöhnliches entgegensetzen wollen.

Genussvoll. Geschmackvoll. Vegan.

von Carlo Cao

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Heute fange ich an
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Morgen. Morgen wird alles besser. Morgen fange ich an. Morgen werde ich ein ordentlicher Mensch, der alles im Griff hat. Nun, zwischen dem Vorhaben und der Umsetzung liegen manchmal Welten. Kennen wir alle. Der Wunsch nach Veränderung ist da, und doch legen sich immer wieder Stolpersteine in den Weg. Und dann sitzt man abends wieder ratlos vor dem Berg an nicht erledigter Sachen. Nicht schlimm, denn es geht ja vielen so. Und es gibt Bücher, die wie Rettungsanker wirken können so wie Alissa Levys neues Buch.

Ich fühle mich darin sofort aufgehoben, denn Alissa ist eine Schwester im Geiste, wenn ich Sätze lese wie diesen: „Ich habe tausend Gedanken und Ideen, die mir täglich im Kopf herumschwirren.... Selbst wenn ich versuche, mich auf eine Sache zu konzentrieren, tauchen sofort wieder neue Gedanken auf.“ Ha! Wie mit den vielen Gedanken im Kopf umgehen? Wie Ordnung ins Chaos bringen? Erstmal das: „Bevor es einen Plan gibt, muss es Platz für das Chaos geben.“ Welchen, das zeigt die Autorin und Illustratorin auf offenherzige und kreative Art. Kleine Schritte... morgens etwas eher aufstehen. Alles in einer Notiz-App notieren beispielsweise oder einem Buch. Diese Methode nennt sich „Brain-Dumping“ und macht den Kopf herrlich frei. Alissa zeigt Beispiele, wie man so eine Liste erstellen kann. Es geht auch ums Priorisieren.

Aber es gibt noch andere Dinge, die uns ausbremsen. Niederlagen. Wie damit umgehen? Auch hierfür findet sich ein tröstlicher 6-Schritte-Plan. Oder die große zeit- und kraftfressende Entscheidungsfindung. Hier hat die Autorin eine praxisnahe Checkliste und sie plaudert aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz und wirft Suzy Welchs 10-10-10-Methode in den Raum.

„Heute fange ich an“ ist ein hinreißender wie konstruktiber Ratgeber für alle, denen das Chaos oder der innere Schweinehund eine noch zu große Macht haben. Gleichsam ist es ein Buch, das sich mit Themen wie Selbstfürsorge, Achtsamkeit im Alltag beschäftigt.

Behutsam, klug, charmant, clever und nachvollziehbar sind Alissas Tipps, wunderbare Illustrationen bewirken ganz automatisch, dass sich der Berg an Wäsche plötzlich kleiner anfühlt.

Ein wunderbares Buch für junge Menschen wie junggebliebene!

Heute fange ich an

von Alissa Levy

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Die Zeit der Verluste
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Den Auftakt eines neuen Jahres mit einem Verlust zu beginnen, ist nicht gut. Tut nicht gut, doch das Schicksal hat da kein Erbarmen. So erreichte mich am zweiten Tag des Jahres die Nachricht eines Todesfalls. Und ich denke, wie wertvoll ist es doch, dass ich Rettungsanker in meinem Bücherregal habe. Daniel Schreiber hat ihn mir mit seinem Buch „Die Zeit der Verluste“ zugeworfen. Balsam für eine erschrockene Seele. Denn der Schock ist ja immer zuerst da. Man denkt, das kann nicht sein, schaut in den Himmel, und doch, es stimmt, dieser eine Mensch weilt nicht mehr unter uns. Aber vielleicht ist er dort bei dem Vogel auf dem Baum? Wissen wir es wirklich? Mich tröstet der Gedanke sehr, dass es noch weitergehen könnte. Und alles miteinander verbunden ist.

Schmal ist dieses Buch geworden, und doch wieder gewichtig wie seine Vorgänger. Der Autor schreibt offen über den Tod seines Vaters, wie ihn die Nachricht erreicht hat – ausgerechnet, als er eine Lesung hatte. Er blickt zurück, erinnert sich an seinen Vater, die Gespräche zwischen Bahnhof und dem Zuhause. Die Trauer zwickt, immer noch und immer wieder. Er hadert, kämpft mit ihr. Gleichwohl ist er präsent in der Gegenwart, und dieser wohnt ein Zauber inne. Denn während Daniel das Buch schreibt, befindet er sich in Venedig. Er fängt die ganz besondere Stimmung ein, flaniert mit uns durch die Stadt, besucht den Friedhof, während uns herum die letzten Ausläufer des Nebels zu sehen sind.

Wer die anderen Bücher kennt, weiß, dass Daniel Schreiber sich stets aus seinem Leben nach draußen lehnt, andere Stimmen ablichtet und so seinen Werken einen universellen Anstrich verleiht.

Und noch etwas zeigt sich bei der Lektüre: Verlust hat so viele Gesichter. Mal ist es ein Mensch, an anderer Stelle ein geliebter Schal oder der Verlust eines geliebten Zuhauses. Doch in allem reagieren unsere Herzen gleich: Sie weinen. Und wir sollten ihnen den Raum schenken, den sie genau dann brauchen - ob es nun die richtige Zeit ist oder nicht.

Die Zeit der Verluste

von Daniel Schreiber

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Sag mir, was hast du vor mit deinem wilden, kostbaren Leben
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer kennt das nicht? Wenn der Kopf zu voll oder gerade nicht aufnahmefähig ist für Geschichten in Büchern. Wenn man Trost sucht in traurigen, herausfordernden Zeiten. Wenn man jemanden etwas Aufbauendes schreiben will, aber nicht weiß, wie. Dann nehmen Sie diesen besonderen Lyrikband in die Hand. Allein schon der Titel ist reine Poesie: „Sag mir, was hast du vor mit deinem wilden, kostbaren Leben“.

Nur ein Gedicht, und ich verspreche Ihnen, nur ein Gedicht, und es geht Ihnen gleich ein bisschen besser, Sie lächeln, und denken: „Ja, so kann es sein.“ Oder: „So ist es.“ Und ist es nicht auch das, was wir so oft in Büchern suchen?

Mary Oliver hat in der Natur Zuflucht gesucht und Kraft gefunden. Ihre Gedichte sind Momentaufnahmen, manche ganz verwunschen wie die über eine Heuschrecke, die Kuchenkrümel nascht. Oder der Anblick frischgeschlüpfter Küken. Manchmal zerlegt das lyrische-Ich Gedanken, und teilt sie offenherzig mit uns Fremden, die danach zu Vertrauten werden.

Über zwanzig Gedichtbände hat die Poetin verfasst, 1935 in Ohio geboren, verstarb sie 2019. Ihre Gedichte erden, beruhigen, verzaubern, streicheln unsere Seelen, und sie zeigen, was essenziell ist in unserem Leben.

Der Diogenes Verlag hat Mary Oliver jetzt mit dieser schönen Leinenausgabe ein würdiges Denkmal gesetzt. Doris Dörrie zitiert im Vorwort ihre liebsten Gedichte. „Ich sorgte mich“ hat Dörrie sogar auswendig gelernt, damit sie es stets bei sich hat. Hier ein Zitat:

„Am Ende erkannte ich, dass Sorgen nichts bringen.
Und ich gab sie auf. Und nahm meinen alten Körper, ging hinaus in den
Morgen und sang.“

Sag mir, was hast du vor mit deinem wilden, kostbaren Leben

von Mary Oliver, Doris Dörrie

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One Second to Love
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe zuletzt einige schlechte Liebesromane gelesen. Kristina Moninger hat mich aus dem Tief herausgezogen. Woran liegt es? Wohl an der richtigen Mischung. In ihrer auf vier Bände angelegte Reihe „Breaking Waves“ kreist jeder Band um das Leben einer Freundin: Avery, Isabella, Odina, Lee und Josie. Die sehr unterschiedlichen Mädchen lernen sich bei einem Surfkurs kennen und freunden sich an.

Was die Lektüre obendrein spannend macht ist Josies Verschwinden. Josie war eine berühmte Schauspielerin, die vor zehn Jahren von der Bildfläche verschwunden ist. Sie wurde seitdem nicht gefunden. Nun verdichten sich neue Hinweise, als Avery nach ihrem Abschlusskonzert auf Harbour Bridge bleibt – eine Insel vor der Küste South Carolinas. Avery ist ausgebrannt, will wieder zu sich finden. Aber aus ihrer Auszeit wird nichts. Denn nicht nur die Dämonen der Vergangenheit holen sie ein, auch Jake – ihr Bandkollege, mit dem sie mehr verbindet als reine Freundschaft, sucht ihre Nähe. Mehr als ihr lieb ist. Oder doch?

Ich bin durch die Seiten gesurft, habe die Leichtikeit des Sommers auf meiner Haut gespürt und dieses Prickeln, was man aus guten Liebesromanen zieht. Wie auch bei den Romanen von Emily Henry dreht sich nicht alles um die Liebe, es geht genauso um Freundschaften, das was sie zusammenführt und manchmal auch verletzt. Band 2 („Two Lives to Rise“) ist übrigens jüngst erschienen und bei uns vorrätig.

One Second to Love

von Kristina Moninger

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Das dritte Licht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Vor genau einem Jahr hat mich Claire Keegan mit ihrem eindringlichen Roman „Kleine Dinge wie diese“ begeistert. Kurz vor Weihnachten war diese kluge wie mutige Geschichte über einen Kohlehändler nicht mehr lieferbar. Sollte Ihnen das Buch seinerzeit entgangen sein, dann holen Sie die Lektüre bitte unbedingt nach. (Wir haben das Buch vorrätig.) Und legen bei Ihrem Einkauf „Das dritte Licht“ dazu. Auch dieser kleine feine Roman hat mich erneut begeistert.

Es ist vor allem Claire Keegans zarte Stil, wie feiner Sprühregen verteilt er sich, erzählt Großes ganz sanft. Diese Behutsamkeit überträgt der vielfach ausgezeichnete Übersetzer Hans-Christian Oeser kongenial.

In dieser Geschichte begleite ich ein kleines Mädchen, das im Sommer zu einer Pflegefamilie gebracht wird, da ihre Mutter hochschwanger ist. Bei dem kinderlosen Paar erfährt das Mädchen zum ersten Mal wirkliche Aufmerksamkeit und Zuneigung. Dinge, die in ihrer Familie bisher versäumt wurden. Wohl aus Mangel an Zeit und Überforderung. Doch Kinsella und seine Frau haben ein Geheimnis, dass das Mädchen eines Tages aufspürt…

Jeffrey Eugenidis schrieb über dieses Buch: „Herzzerreißend, jedes einzelne Wort steht am richtigen Platz, und ist voller Doppeldeutigkeit.“ Dem kann ich nichts hinzufügen. Außer vielleicht dieses: Lesen und verschenken! Denn wie immer hat der Steidl Verlag hier allerfeinste bibliophile Arbeit geleistet.

Die englische Ausgabe haben wir wieder vorrätig.

Das dritte Licht

von Claire Keegan

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250 Komponistinnen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„250 Komponistinnen“ von Arno Lücker fällt nicht nur allein wegen seines imposanten Umfangs auf. Auch das Innenleben versetzt mich in Staunen: In dem über 600 starken Buch porträtiert der Musikwissenschaftler 250 Komponistinnen und jeweils ein Stück, das man während der Lektüre direkt hören kann. Denn mittels eines QR-Codes werden Sie auf eine Internetseite geführt, wo Sie all die Lieder des Buches mit der Reihenfolge wiederfinden. Einfach großartig!

Doch bevor Sie dieses außergewöhnliche Buch öffnen, nehmen Sie bitte den Schutzumschlag ab. Darunter verbergen sich einige der Komponistinnen. Chiara Jacobs hat weitere Frauen in dem Buch illustriert.

Arno Lücker schrieb für das VAN Magazin seine vielbeachtete Artikelserie über musikschaffende Frauen aus aller Welt und allen Jahrhunderten. Er ist vor allem für seinen ganz eigenen Schreibstil beliebt, denn dieser ist alles andere als wissenschaftlich. Voller Lebendigkeit navigiert er uns leichtfüßig durch verschiedene Epochen, erzählt Besonderheiten aus dem Leben der musikschaffenden Frauen. Selten habe ich derart bildreiche Analysen über Musik gelesen. Immer noch staune ich, was man alles aus Musik heraushören kann. Man muss keine Expertise mitbringen, um das Gelesene zu durchdringen. Ganz im Gegenteil: Das Buch stößt an, sich wieder mehr mit klassischer Musik zu beschäftigen.

Was für eine musikalische Entdeckungsreise! Und besondere Würdigung der musikschaffenden Frauen - aus der Anderen Bibliothek, die mit dem Buch nicht nur mich, sondern auch Elke Heidenreich imponiert hat.

„250 Komponistinnen“ ist das ideale Weihnachtsgeschenk für alle Musikfans!

250 Komponistinnen

von Arno Lücker

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Butter
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich hielt »Butter« von Asako Yuzuki noch keine drei Sekunden in den Händen und schon wusste ich ganz genau: Das ist eines von diesen Büchern. Diesen ganz besonderen Büchern, die lange nachhallen.

So unbekannt mir die Autorin war, umso vertrauter war mir der Name der Übersetzerin des japanischen Werkes: Ursula Gräfe. Seit vielen Jahren übersetzt sie die Geschichten von Haruki Murakami ins Deutsche. Yuzuki ist natürlich nicht Murakami, aber durchaus ein Name, der ab sofort in meiner Favoritenliste japanischer Autor:innen ganz oben stehen wird. Obendrein zog mich ein Thema magisch ins Buch hinein: das Essen. Bei uns wird ja leidenschaftlich gern gegessen und frisch gekocht, so dass „Butter“ quasi ein Muss für mich war.

Bevor wir die Rezepte ausprobieren, wollen wir die beiden Hauptpersonen kennenlernen. Hier trifft eine junge Journalistin auf eine Serienmörderin. Was ansonsten Stoff für einen konventionellen Thriller wäre, ist in diesem Buch ganz anders. Schließlich ist »Butter« von Asako Yuzuki ein japanischer Roman. Und da gelten andere Gesetze. Rika will über Manako berichten, doch die Serienmörderin schweigt beharrlich. Erst als Rika sie nach ihrem Lieblingsrezept fragt, taut die eiskalte Mörderin auf. Die Journalistin gerät zunehmend in ihren Bann und entdeckt obendrein die Freude an gutem Essen.

Was für ein spannendes Buch über exquisite Kochkünste! »Butter« glänzt aber auch mit einfachen Rezepten. So zelebriert Asako Yuzuki mit alltagstauglichen Zutaten wie – genau! – Butter und warmem Reis kleine Gaumenfreuden mit wenig Aufwand. Bewundernswert und nachahmungswürdig sind die Rezepte in diesem außergewöhnlichen Buch eigentlich alle. In jedem Fall solltet ihr vor Beginn der Lektüre schauen, ob ihr ausreichend Butter, Mehl, Zucker und Reis vorrätig habt.

»Butter« ist aber nicht nur ein Lobgesang auf die Sinnlichkeit und das Kochen, es ist auch ein Buch über Befreiung und Freundschaft. Man muss nicht unbedingt Japanfan sein, um diesen Roman ins Herz zu schließen – könnte es aber am Ende des Buches durchaus sein.

Butter

von Asako Yuzuki

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Crispy & Crunchy
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Knusper, Knusper Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen? Die Hexe aus dem Märchen Hänsel und Gretel hätte bestimmt ihre wahre Freude mit „Crispy & Crunchy“. Obwohl darin viele herzhafte Gerichte zu finden sind. Aber auch süße Köstlichkeiten wie den Miso Peanut Cookie oder die Soft Ice Cream & Miso Caramel sind hexenmäßig-lecker.

Das ist wirklich mal ein außergewöhnliches japanisches Kochbuch! Was auch die Jury des Deutschen Kochbuchpreises befand. So verlieh sie dem unabhängigen Brandstätter Verlag aus Wien für dieses Buch eine Goldmedaille. Herausragend ist es auch deshalb, da sich zwischen den Rezepten wurde ein Comic eingearbeitet. Darin begleiten den Küchenchef Edi auf seiner Reise durch Japan, wie er knusprige Gerichte aufspürt, denn Yona Schuh hat eine eigene Geschichte eingewoben.

Wenn Sie jetzt denken, eine Friteuse habe ich nicht, das dachte ich auch – kein Problem, es gibt durchaus Rezepte, die man auf andere Weise herstellen kann wie die Ebi Hedgehogs, den Miso Ceasar Salat oder den Crispy Enoki Salat. Ich habe mich immer gefragt, wie die japanischen Köche diese wüzigen Gurken hinbekommen. Das Rezept zu den Smashed Cucumber hält die Antwort parat. Genauso aufregend ist der Seidentofu, dem man in einem Topf erhitzt und später mit Rettich, Ingwer und Frühlingszwiebeln anrichtet, natürlich nicht ohne die Tsuyu-Sauce – die man aus Dashi, Sojasauce, Mirin und Kartoffelstärke herstellt. Einfach und raffiniert sind die Potato Chips. Hierfür benötigen Sie lediglich Süßkartoffeln, violette Kartoffeln, Limetten, Koriander. Der Dipp ist schon etwas raffinierter, aber als Japankoch hat man natürllich Reisessig, Tahina, Sriracha daheim – Sojasauce sowieso und Kimchi Sesam.

Sie sehen schon anhand der Zutaten, dass sich dieses Kochbuch vornehmlich an Freunde der japanischen Küche richtet, denn für die Gerichte sollte man eine Grundausstattung zu Hause haben. Aber Sie brauchen keine Friteuse. Die Mehrzahl lässt sich in einer Pfanne zubereiten.

Crispy & Crunchy

von Mochi

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Das Nachthaus
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Jo Nesbø hat sich auch hierzulande eine Fangemeinde um seine Harry Hole Reihe erschrieben. Doch Vorsicht: Wer hinter seinem neuen Buch einen klassischen Nesbø-Krimi erwartet, wird entweder enttäuscht oder ist genauso begeistert wie ich. Man könnte glatt meinen, Jo Nesbø hätte sich mit Stephen King auf einen Kaffeeplausch getroffen, bei dem ihm sein amerikanischer Kollege ermutigt hat: „Schreib mal was ganz Anderes!“

Und hier ist das erstaunliche Ergebnis. Die Geschichte beginnt schon extrem seltsam: Der junge Ich-Erzähler - Richard - spaziert mit seinem Freund am Fluss entlang. Sie kommen an einer Telefonzelle vorbei. Dort liegt ein Telefonbuch. Richard wählt zufällig den Namen Imu Jonasson, und fordert seinem stotternden Freund Tom auf, die Nummer anzurufen und einen Satz zu sagen. Nach anfänglichem Protest macht Tom das, sagt den Satz fließend, als an der anderen Leitung abgenommen wird. Und dann passiert das wahrlich Unfassbare: Tom wird vom Telefonhörer aufgesogen. Wie ist das möglich?

Tom bleibt verschwunden, die Spuren des Vorfalls sind nicht mehr sichtbar. Da Richard zuletzt mit Tom am Fluss gesehen wurde, ist er der Hauptverdächtige. Er beteuert die Wahrheit seiner Geschichte, aber keiner glaubt ihm - außer seiner Familie und später seine Freundin Karen. Dann passiert noch eine kafkaeske Begebenheit - ebenso fantastisch und ich frage mich: Lese ich hier einen Nesbø oder King?

Die Auflösung ist übrigens unglaublich - plausibel und äußerst raffiniert, der Weg dorthin aufregend und extrem spannend. Wie cool, wenn mich ein Autor derart überraschen kann. Für mich zählt dieser psychologisch feine wie unheimliche Krimi zu meinen Highlights des Jahres!

Das Nachthaus

von Jo Nesbø

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Pure Tiefe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe in diesem Jahr nicht nur herausragende Romane, Erzählungen, Kinderbücher und Krimis gelesen. Auch die Kochbuch-Verlage haben mich im höchsten Maße beglückt. Zum großen Finale begeistert mich der at-Verlag. Dort ist jüngst das neue Kochbuch „Pure Tiefe“ von Andreas Caminada erschienen.

Ich habe schon einige Fisch-Kochbücher in den Händen gehalten, aber dieses sprengt alles, was ich bisher kannte. Einerseits sticht die liebevolle und bibliophile Gestaltung leuchtend hervor wie eine Koralle im Meer. Andererseits bezirzt mich das Innenleben schon beim ersten Durchblättern.

Sehr einfallsreich sind die Gerichte, und durchaus mit einfachen Zutaten zu köcheln. Gleich zu Beginn haben wir beispielsweise Forelle mit Kohlrabi und Pfifferlingen. Wobei Sie hierfür marinierten Kohlrabi brauchen. Noch einfacher ist die Forelle mit Kopfsalat. Dieses Gericht wird durch eine Estragoncreme aufgepeppt. Dafür benötigen Sie lediglich Naturjoghurt, frischen Estragon, Salz und Pfeffer aus der Mühle und 250 Gramm Avocado. Ungewöhnlich, aber ebenso einfach in der Zubereitung ist die Sardine mit geräuchertem Kartoffelpüree. Und wussten Sie, wie gut Forelle mit Rote Beete in einem Sud harmonieren? Aber auch für Kaviarfans finden sich tolle Alternativen zum Gold der Meere. Ebenso einfach: Lachsfilet in der Pfefferkruste.

Zwischen den edel drapierten Gerichten reihen sich wissenswerte Beiträge zu den Gewässern, aus denen die Fische herkommen. Es gibt hochwertige und kunstvolle Fotos, an denen ich länger hängenbleibe wie an neuen Namen. So treffe ich erstmalig auf Rheinlaken - das sind vom Bodensee aufsteigende Seeforellen. Es handelt sich allerdings um Raritäten, auf dem Hamburger Fischmarkt werden Sie diese Wasserbewohner wohl nicht bekommen. Sollten Sie sich mal in der Nähe der Bündner Gewässer befinden, schnellt die Nadel auf der Wahrscheinlichkeitskurve schon eher nach oben. Doch aufgrund des Klimawandels ist die Zahl der Fische rückläufig.

Dieses Kochbuch richtet sich ganz klar an Profis in der Küche. Und natürlich an Fischliebhaber, die schon sämtliche Kochbücher ihr eigen nennen. Andreas Caminada ist ein ausgezeichneter Sternekoch, er hat bereits drei Michelin-Sterne, und im Hotel Schloss Schauenstein in Fürstenau Domleschg (Graubünden) sein eigenes Restaurant. Diese Professionalität merkt man dem Kochbuch an und dennoch lädt es ein, die Gerichte nachzukochen. Und selbst, wenn sie nicht so perfekt aussehen wie auf den Fotos, sind sie ein echtes Erlebnis, von dem ihre Gäste mit Sicherheit noch lange sprechen werden. Sie müssen ja nicht mit der Langustine im Kataifi-Teig beginnen – eine Forelle mit Kopfsalat tut es auch schon.

Pure Tiefe

von Andreas Caminada

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Schaurige Nächte
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Winter ist unverkennbar da. Zeit für Tee, lange und spannende Leseabende. Apropos Spannung, ich habe hier für Sie eine ganz besondere Sammlung britisher, atmosphärischer und unheimlich-schöner literarischer Geschichten entdeckt. Und gebe zu: Mich hat dieses Cover zu allererst angezogen. Doch einmal aufgeschlagen, musste ich meine Mittagspause glatt verlängern, denn jede Geschichte ist nicht nur unheimlich und extrem spannend. Aber nicht auf die laute, sondern auf ganz raffinierte, stille, subtile Gänsehaut-Weise.

Der Sunday Times Bestseller vereint acht preisgekrönte Autorinnen und Autoren wie Natasha Pulley, Kiran Millwood Hargrave und meine geschätzte Jess Kidd. Unseren Figuren passieren unheimliche Dinge wie Morton. Der Mann hat sich zufällig in das schwarzweiße Haus verguckt. Als er erfährt, dass er das Haus mieten kann, schlägt er zu. Doch schon die erste Nacht ist erschaudernd. Wer hat die Schachfiguren bewegt? Und was ist das für ein Knarzen? Auch die Erzählerin in Imogen Hermes Gowars Erzählung „Thwaites Mieter“ macht eine schauerliche Entdeckung. Die junge Mutter hat sich von ihrem Mann getrennt und findet Unterschlupf in einem alten Haus, das ihrem Vater gehört und bei der Ich-Erzählerin und ihrer Schwester in einem zweifelhaften Ruf steht. Nicht ohne Grund, wie ich im Verlauf der Handlung erfahre.

Noch etwas eint alle Geschichten: Diese fantastische Stimmung, die mich an Charles Dickens erinnert. Ein bisschen verwunschen und aus der Zeit gefallen. „Schaurige Nächte“ ist das ideale Geschenk für alle, die es gern spannend zwischen den Zeilen brauchen. Übrigens herausragend aus dem Englischen übertragen von dem bekannten Übersetzer Werner Löcher-Lawrence.

Schaurige Nächte

von Bridget Collins, Imogen Hermes Gowar, Kiran Millwood Hargrave, Andrew Michael Hurley, Jess Kidd

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Kartoffelglück
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

+++ Unser Shop zeigt eine längere Lieferzeit an, aber wir haben das Buch vorrätig! +++

Ehrlich gesagt haben Kartoffeln nicht den aufregendesten Ruf. Man kocht sie als Beigabe. Aber sie können so viel mehr sein! Eine wahre Fundgrube an ungewöhnlichen Gerichten finden sich in dem neuen Kochbuch „Kartoffelglück“ von Ina-Janine Johnsen. Nicht nur das: Wir erfahren auch allerhand Wissenswertes über die gesunde Knolle. Wussten Sie beispielsweise, dass das Gemüse im 16. Jahrhundert aus den Anden in Südamerika zu uns fand? Es dauert eine Weile, bis die Kartoffeln bei uns bekannt und beliebt wurden. Das Gemüse ist glutenfrei, fettarm und eine gute Quelle für Vitamin C, Eisen, Kalium, Ballaststoffe, B-Vitamine und Mineralstoffe.

Das Schöne an diesem Kochbuch ist auch eine Tatsache: Sie brauchen für die meisten Rezepte nicht viele Zutaten, nur kleine Toppits wie Kräuter. Ansonsten genügt meistens Butter (oder Ghee, die gesunde indische Alternative, die ich Ihnen empfehle). Und dann mal los. Wir hätten beispielsweise richtig knusprige Bratkartoffeln, die sie 10 Minuten kochen. Parallel bringen Sie Rosmarin und Knoblauch in einem Liebesakt zusammen, später vermengen Sie die Kartoffeln mit allem, stellen die Vereinigung in den Ofen und haben dann wirklich köstliche Bratkartoffeln. Wenn Sie es mal ein bisschen würziger wollen, bringen Sie Öl, Paprikapulver und Kartoffeln zusammen.

Als große Käseliebhaberin hat mich natürlich das außergewöhliche Kartoffelpürree mit Gruyère und Gouda bereits als Freundin gewonnen. Ein bisschen Italien begegnet Ihnen bei den Ofenkartoffeln mit Ricotta, Pesto und Tomaten. Zum Hineinknien ist das Kartoffelsoufflé. Ziemlich ungewöhnlich sehen die halbierten Hasselback-Kartoffeln aus. Dafür brauchen Sie nur Metallstrohhalmeoder Essstäbchen.

Das Kochbuch unterteilt sich in verschiedenen Zubereitungsarten: aus dem Ofen, als Gratin, gekocht, aus der Pfanne und frittierte. Zudem gibt es raffinierte und einfache Kartoffelsalate für die nahende Silvesterparty. Wie gut sich Kartoffeln als Snack machen, zeigt uns die Kartoffelexpertin mit leichter Hand. Auch Brot lässt sich aus der Knolle zaubern.

Ich staune immer noch über die Vielfalt dieser Beigabe. Ab sofort steht sie bei uns noch mehr im Rampenlicht.

Kartoffelglück

von Ina-Janine Johnsen

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Wenn deine Wärme meine Kälte besiegt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sie brauchen gerade etwas Wärmendes und Charmantes zum Aufmuntern? Dann sind Sie mit dem neuen Buch von Brittainy C. Cherry in bester Gesellschaft. Die amerikanische Autorin ist vor allem bei den jungen Leserinnen sehr beliebt. Und das nicht ohne Grund, denn Cherry vereint Romance, ein bisschen Drama und Leichtigkeit in einem.

Ihr neues Buch ist ein klassischer Enemie-to- Lovers-Roman. Da haben wir zum einen Holly, die vor einem Jahr von ihrem Verlobten bei der Hochzeit im Regen stehen gelassen wurde, als er mit ihrer besten Freundin von dannen gezogen ist. Seitdem versucht Holly über eine Dating-App einen neuen Freund zu finden. Bisher vergeblich. Warum sie erfolglos ist, verrät ihr bald Kai. Die beiden stoßen am Eingang ihres Haus zusammen. Holly ist vertieft in einem Buch und sieht Kai nicht. Es gehen etliche Flaschen von hochwertigen Spiritousen zu Bruch. Wie schrecklich! findet auch Griesgram Kai. Diese Begegnung bleibt nicht ohne Folgen.

So eröffnet Kai in unweiter Nachbarschaft ein neues Lokal, das sich Holly für ihre Dates aussucht. Es sollte ihr „Cheers“ werden. Der Name stammt von einer Serie, in der es eine Eckneipe gibt, wo sich alle treffen. Ausgerechnet bei ihrem Meet Ugly! Was? Nun, das ist das Gegenteil von Meet Cute. Fragen Sie Ihre Tochter oder Sohn, die wissen, was sich dahinter verbirgt.

Kai und Holly – sie finden sich unaustehlich und doch passiert etwas. Nur langsam, aber zunächst bei Kai. Holly ist weiterhin beschäftigt, ihre Dates zu treffen und sie bekommt von Kai, ziemlich gute Tipps. Als Holly bei Matthew schließlich Glück zu haben scheint, wurmt das plötzlich Kai. Und jetzt? Lasse ich Sie hier allein Und lege das Buch dazu.

Tauchen Sie ab in eine erfrischende, berührende und wohltuende Lektüre, die Wärme in kalte Wintertage bringt. Herrliches weihnachtliches Setting inklusive!

Wenn deine Wärme meine Kälte besiegt

von Brittainy Cherry

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Rauhnächte - 12 Tage nur für dich
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

+++ Unser Shop meldet eine längere Lieferzeit, aber wir haben das Buch bei uns im Laden vorrätig! +++

Den Rauhnächten haftet ein esoterischer und von Räucherstäbchen durchzogenen Hauch an. Aber Halt, sie sind viel mehr als das! Das zeigt uns Tanja Köhler in ihrem wunderschönen haptischen Buch „Rauhnächte – 12 Tage nur für dich, Klarheit schaffen, loslassen und Neues wagen“. Denn sie sind auch „eine wundervolle Einladung mit mir selbst“. Denn genau darum geht es in den Nächten ab dem 21. Dezember. Dieser Tag steht für das Loslassen und der Reinigung.

Gut, kurz vor Weihnachten sind wir alle eingespannt, hecheln durch die Tage, eilen durch Geschäfte, laufen über Weihnachtsmärkte. Haben wir dann Zeit für eine innere Einkehr? Weniger. Aber vielleicht ab diesem Jahr mit diesem klugen und inspirierenden Buch? Ich würde es Ihnen von Herzen wünschen!

Die zwölf Nächte beziehen sich auf das kommende Jahr – 12 Monate. Für jeden gibt es eine Bedeutung, ein Ritual, diesem zu begegnen. Und natürlich sollte es bei diesen 12 Tagen nicht bleiben, das wird bei der Lektüre des Buches schnell deutlich. So hat sich die Psychologin angewöhnt, schon während des Jahres, ihre Tage, Wochen und Monate festzuhalten.

In ihrem Buch gibt sie für jeden Part der Rauhnacht-Phasen leicht umsetzbare Ideen. Was Sie sich in jedem Fall jetzt schon mal besorgen sollten: ein schönes Notizbuch. Jede Rauhnacht gleicht zwar im Ablauf der anderen, aber über jede steht ein eigenes Thema. Mit Reflexionsfragen nähern wir uns dem Inneren unseres Geistes und unserer Seele. Am ersten Tag widmen wir uns dem Sortierens, der Reinigung und des Ankommens. Denn: „Klarheit ist der Beginn von allem“.

Hier ist ein Auszug aus den Fragen: „Welche Momente waren besonders schön? Und wofür bist du dankbar?“ Danach folgt: „Was lief in diesem Jahr nicht so gut?“ Zu jedem Tag streut die Autorin wohltuende Rituale ein – wie einen schönen Waldspaziergang oder ein wärmendes Bad.

Ob sich Ihre Welt danach ändert, kann ich Ihnen heute noch nicht beantworten, denn auch ich bin ein Neuling in Sachen Rauhnacht. Fragen Sie mich gern im neuen Jahr. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf den Start. Und sollten Sie ein Faible für Räucherstäbchen haben, gibt es dazu in dem Buch auch eine Anleitung.

Das Buch ist ein wunderbares Geschenk an einem selbst oder einem Herzensmenschen, dem Sie genau das wünschen: Zeit für sich und die Wünsche zum neuen Jahr.

Rauhnächte - 12 Tage nur für dich

von Tanja Köhler

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Reise durch ein fremdes Land
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Werk ist eine berührende, aufwühlende und gleichsam schöne Winterlektüre.
Die Geschichte beginnt drei Tage vor Weihnachten, alles ist eingeschneit und die Welt scheint stillzustehen. Nur Tom und seine Frau Lorna wirbeln umher, sie sind beunruhigt, denn ihr Sohn Luke ist krank und kann zu Weihnachten nicht nach Hause kommen, weil sein Flug gestrichen wurde und obendrein sämtliche spätere Flüge ausgebucht sind.

Aber so schnell geben die Eltern nicht auf. Tom befreit das Auto vom Schnee und will seinen kranken Sohn aus England nach Hause holen. So macht sich der Fotograf von Irland auf den Weg nach England. Und diese Reise wird für Tom keine gewöhnliche, auch für mich nicht, denn ich habe auf dem Beifahrersitz Platz genommen. David Park schafft von Beginn an eine fast intime Nähe zu seinen Figuren, so dass sich Tom sehr schnell wie ein guter Freund anfühlt.

In den vielen einsamen Stunden hinter dem Steuer kommen verdrängte Bilder in dem Vater hoch, und er verliert sich in Gedanken – einzig die Frauenstimme des Navis holt ihn zurück in die Gegenwart. Immer wieder blitzt sein anderer Sohn Daniel auf, manchmal ist er präsent, beide halten Zwiesprache miteinander und ich spüre die Schwere, die auf Toms Herzen lastet wie ein Ziegelstein. Was es mit Daniel auf sich hat, erfahren wir erst im Verlauf der Geschichte.

David Park erzählt die Geschichte unglaublich atmosphärisch, und es wundert mich nicht, dass der irische Autor mehrfach für seine Werke ausgezeichnet wurde. Obwohl es bitterkalt und die Familiengeschichte alles andere als einfach ist, huscht hier und da beim Lesen ein Lächeln über mein Gesicht. Es sind diese ganz besonderen, eher stillen Bücher, die ein vernehmliches und einprägendes Echo erzeugen. Dieses hier ist so eine Rarität. In einem Satz: Großartig erzählte Literatur über eine Familie und ihre Konflikte, über die sich der Schnee wie eine sanfte Decke legt.

Reise durch ein fremdes Land

von David Park

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Kanadischer Winter
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich gebe offen zu: Ich habe mich vom Cover, Titel und Verlag verführen lassen. Kampa steht für mich für feine Krimiliteratur. So dachte ich „Kanadischer Winter“ sei ein toller Winterkrimi. Doch ich wurde getäuscht, denn Giles Blunt packt in seine Story ein zutiefst verstörendes Element, für das man gewappnet sein sollte.

Er nimmt mich mit in den Kopf von Verbrechern mit gewaltigen Phantasien. Menschen, die Freude daran haben, grausaum zu sein. Eric ergötzt sich regelrecht daran, Foltermethoden erregen ihn sogar. Seine ihm treu ergebene Partnerin Edie ist durch eine Flechte im Gesicht entstellt. Wurde schon viel Hähme ausgesetzt. Und entlädt ihre Wut nun an den gemeinsamen Opfern, spürt zum ersten Mal, mächtig zu sein.

Harter Tobak. Die Polizei von Algonquin Bay ahnt nichts davon. Nachdem die Leichen verschiedener Kinder aufgetaucht sind, u.a. zwei lang vermisste, suchen sie einen Serienmörder, der es auf Kinder abgesehen hat. Gleichzeitig wird der ermittelnde Detektiv John Cardinal von seiner neuen Kollegin Lise Delorme verdeckt untersucht. Man vermutet, Cardinal habe bei einer Festnahmeaktion eines Drogenbosses wichtige Infos an diesen weitergegeben. So konnte er entkommen. Daran scheint etwas dran zu sein, denn Cardinal verfügt über mehr Geld als gewöhnlich. Das brauchte er auch dringend. Einerseits für seine kranke Frau, andererseits für seine Tochter, die Kunst studiert.

Sie merken schon, hier ist mächtig viel los, doch nichts wirkt überladen, alles ist präzise und wohlüberlegt platziert. Genau das zeichnet den Krimi für mich aus. Wenngleich ich die Passagen mit Edie und Eric nur überfliegen konnte. John Cardinal ist das Licht in der finsteren Geschichte, ein sehr empathischer und kluger Kopf, der mit Delorme ein gutes Team bildet. „Kanadischer Winter“ ist ein Krimi, der einen nicht kaltlässt. Und der verdientermaßen mit dem „British Crime Writers‘ Association Silver Dagger ausgezeichnet wurde.

Kampa hat erneut den richtigen Riecher gehabt und ab sofort neben Louise Penny eine neue kanadische Krimistimme in der Verlagstasche, denn die Folgebände sind bereits in Vorbereitung. Doch ganz so neu ist die Reihe nicht, es hat die schon einmal in einem anderen Verlag gegeben. Nur für den Fall, dass Ihnen der Inhalt irgendwie bekanntvorkommen sollte.

Falls nicht, wünsche ich Ihnen mit diesem hoch atmosphärischen Buch spannnde Lesestunden! Denn dieses Versprechen wurde tatsächlich eingelöst.

Kanadischer Winter

von Giles Blunt

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Tief im Schatten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Im beliebten Skiort Are wurde eine brutal entstellte Leiche aufgefunden. Es handelt sich um einen Klempner, der früher erfolgreicher Skifahrer war. Nach einer Verletzung musste Johan seine Sportlerkarriere aufgeben. Doch statt frustriert zu sein, blieb ihm sein sonniges Gemüt erhalten. Kaum vorstellbar, dass Johan Feinde haben könnte.

Die Polizistin Hanna und ihr Kollege Daniel haben sich gerade von ihrem ersten gemeinsamen Fall berappelt, müssen erneut in den Ring der Ermittlungsarbeit steigen. Und das machen sie wieder erstklassig. Parallel erzählt Viveca Sten die Geschichte einer jungen Frau. Rebecka wächst in einer strenggläubigen Gemeinde auf, wird mit 19 Jahren mit dem charismatischen Pfarrer Ole vermählt. Dieser isoliert seine Frau. Als Nachwuchs ausbleibt, verändert sich Ole in einen kaltherzigen und gewalttätigen Ehemann. Wie kommt diese Geschichte nun zum Mordfall? Nun, das verrate ich Ihnen natürlich nicht. Ich will ja keine Spannungsverderberin sein. Was ich Ihnen indes verraten darf: Man kann diesen 2. Teil der Polarkrimi-Reihe unabhängig vom 1. Teil ("Kalt und still") lesen. Wobei Sie mit Sicherheit beide verputzen werden, denn ich finde die beiden Bände gleichermaßen beeindruckend gut. Einmal begonnen, kann man die Lektüre nicht mehr weglegen.

Viveca Sten ist nicht nur eine Meisterin der feinen und gut erzählten Spannungsliteratur, sie schafft genauso komplexe Charaktere, die absolut lebensnah und glaubwürdig sind. Auch das Setting lichtet Schwedens Krimiqueen perfekt ab. Während der Schnee bei uns noch auf sich warten lässt, blenden meine Augen von dem aufgelesenen Winterwonderland aus dem Buch.

Beste Winterlektüre! Also Skibrille auf und fertig losgelesen.

Tief im Schatten

von Viveca Sten

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Der Zauber der Welt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Katherine May ist erschöpft. Von der Pandemie, dem Leben, den Herausforderungen. Sie ist unruhig, kann kein Buch lesen, obwohl sich der Bücherstapel vermehrt. Was soll sie tun? Innehalten, schauen, fühlen, selbst wenn es weh tut. Und ich werde eine stumme Begleiterin, folge ihr durch die Seiten. Bin berührt, wie sie versucht mit den Einschränkungen ihrer Krankheit - sie leidet unter Morbus Menière - zurechtzukommen, wird oft wieder zurückgeworfen, weil sie von Schwindelanfällen niedergedrückt wird. Doch Katherine May ist eine Kämpferin, sie sucht sich auch in ihrem neuen Buch Kraftpunkte und Kraftorte. Dabei zeigt sie, welche Dinge ihre Freude und Verzauberung schenken. Manchmal sind es einfach nur Steine, die ihr Halt geben.

Wie aussichtslos das Leben manchmal scheint, von irgendwo kommt immer ein Licht, wenn man nur seine Sinne schärft. Das ist nur eine Essenz, die ich aus den stillen mitunter medititaven Seiten für mich herausziehe. Und manchmal muss es einfach auch weh tun: „Viel zu oft versuchen wir uns weiszumachen, wir könnten ohne jedes Leiden durchs Leben kommen. Uns wird eingeredet, beständige Zufriedenheit sei das Maß aller Dinge. Dabei ist sie das Gegenteil von Zauber, nämlich Ernüchterung. Feuer stellt unseren Kontakt mit dem Kreislauf des Lebens wieder her, mit den Grenzen des Kontrollierbaren und mit dem gesamten Spekturm menschlicher Gefühle.“

Wie bereits in ihrem Erfolgsbuch „Überwinten“ lässt uns die Autorin an ihrem Leben offenherzig teilhaben, betritt dunkle Zimmer und zeigt, wie man dort wieder Licht hineinlassen kann. So schmiegt sich auch dieses Buch um meine Seele, weil es viele lebenskluge Botschaften, Aha-Momente und Verzauberung bereithält.

Der Zauber der Welt

von Katherine May

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Zauber der Stille
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich lese selten Sachbücher, doch ein Autor steht bei jeder Neuerscheinung auf meiner Must-Read-Liste: Florian Illies. Vielleicht liegt es daran, dass sich seine Sachbücher stets wie gute Romane anfühlen. Sie versprühen stets einen besonderen Charme, haben eine herrliche Frische und Leichtigkeit. Und noch etwas zeichnet seine Werke aus: Man ist den bekannten Persönlichkeiten so nah wie sonst nur einer Freundin. In seinem neuen Buch mit dem wundervollen Titel „Zauber der Stille“ porträtiert er einen der großen Maler: Casper David Friedrich. Zauber gibt es hier übrigens einige - zauberhafte Momente, die einen still werden lassen.

Die Eingangsszene ist schon stark, weil sie derart atmosphärisch herüberkommt: Friedrich segelt mit seiner kürzlich verheirateten Liebsten auf der Ostsee von Rügen nach Stralsund. Ich spüre das Salz des Meeres und die Wärme der Augustsonne. Ich sollte noch mehr von dem Wasser aufnehmen, denn nur wenige Seiten später umfängt uns das Feuer. Jenes Element begleitet den Maler wie sein eigener Schatten. Illies schreibt: „Caspar David Friedrich spielt mit dem Feuer.“ Im übertragenden Sinne. Was sich dahinter verbirgt, eröffnet mir der Autor. Mal sehe ich seine Augen zwinkern, ein anderes Mal höre ich uns beide tief seufzen, so bewegt sind die Passagen aus Friedrichs Leben. Das Feuer lodert auch draußen. Erschrocken lese ich, wie viele seiner Kunstwerke verbrannt sind.

Wie in all seinen anderen Büchern, webt der Autor die Epoche und Persönlichkeiten jener Zeit elegant mit ein. Zahlreiche Anekdoten tauchen auf, die man sich sofort notiert, um sie später vor staunendem Publikum zu erzählen. Überhaupt staune ich oft über das Buch, das mich wie durch eine Zeitschleuse aus dem hiesigen Leben davon trägt. Es ist, als wandele ich durch einen stimmungsvollen und bildgewaltigen Kinofilm. Und noch etwas wird größer: Die Sehnsucht nach all den Bildern des großen Romantikers. Aber bald, ja bald, ab dem 15. Dezember 2023, habe ich die Möglichkeit, Caspar David Friedrichs Kunstwerke zu betrachten, dabei die Geschichten über sie abzurufen. Und seinen 250. Geburtstag auf besondere Weise zu zelebrieren.

Übrigens winkt das Buch mit einem kleinen Bonus. Zwischen den Seiten liegt eine Broschüre bei, in der alle Ausstellungen von Casper David Friedrich aufgeführt sind.

Zauber der Stille

von Florian Illies

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Die letzten Hexen von Blackbird Castle
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie eine Katze vorsichtig durch den Schnee tapst, so nähere ich mich seit geraumer Zeit der fantastischen Literatur, denn wir haben jetzt bei uns direkt neben den englischen Büchern Werke aus der Welt der Fantasy und Science Fiction. Obwohl „Die letzten Hexen von Blackbird Castle“ sich an junge Leser:innen ab 10 Jahre richtet, kann das Buch durchaus von Erwachsenen gelesen werden – und wird von mir sogar eindringlich empfohlen. Vor allem solchen, die wie ich Neueinsteiger:innen in dem Genre sind.

Bachmanns warme, stimmungsvolle Sprache erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Zita. Die Zwölfjährige arbeitet bei der 97-jährigen Mrs. Boliver als Dienstmädchen. Eines Tages überreicht ihr eine Vogelscheuche einen an Sie gerichteten Brief, in dem sie mit ihrem geheimen Familiennamen Brydgeborn angesprochen wird. Ein gewisser Charles Grenouille schreibt ihr, dass sie Alleinerbin des Blackbird Castles ist. Und so macht sich das Mädchen auf den Weg in dieses Schloss. Dort trifft das Mädchen auf die liebevollen Diener Bram und Minnifer und auf die jähzornige Mrs. Cantanker. Zitas Familie gehört zu den letzten Hexen – und somit auch Zita. Aber das Mädchen kennt keine Zaubersprüche, nimmt in ihrem neuen Zuhause aber durchaus Wesen war, die man als bloßer Mensch nicht sehen kann. Wird es Zita gelingen, eine richtige Hexe zu werden? Und kann sie so ihre Familie retten?

Das Buch ist spannend, sprachschön und derart atmosphärisch. Stefan Bachmann ein grandioser Erzähler, der das Genre des fantastischen Erzählens glänzend beherrscht. Aber Vorsicht, das Buch ist tatsächlich so unheimlich wie der Umschlag. Also nichts für zartbesaitete Geister.

Die letzten Hexen von Blackbird Castle

von Stefan Bachmann

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Alles schweigt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mehr als einfach nur ein Krimi. Diese Bezeichnung passt auf Jordan Harpers Krimi „Alles schweigt“. Die deutsche Ausgabe sieht im Vergleich zur Englischen leider sehr blass aus, so dass man das Buch viel zu schnell übersieht. Aber lassen Sie sich nicht von dem Äußeren täuschen. Denn „Alles schweigt“ zählt zu meinen Best-of-Crime Books 2023!

Schon nach den ersten Seiten denke ich an Michael Connelly und als ich auf der amerikanischen Ausgabe („Everybody Knows"), die meine Kollegin Sarah O'Connor mit gleicher Begeisterung verschlang, ein lobendes Zitat von dem Autor entdecke, lächle ich. Denn ich musste bei der Lektüre sofort an die starken Bücher von Michael Connelly denken - wie die Reihe mit seiner taffen Ermittlerin Renée Ballard.

Jordan Harper erzählt eine brutale, düstere und faszinierende Geschichte, die im glanzvollen Hollywood spielt. Mae arbeitet für eine PR-Agentur, die Fehltritte großer und berühmter Köpfe ausbügelt. Als nun ihr Boss sich mit ihr über etwas Wichtiges und streng Geheimes unterhalten will, dieser aber am Tag der Verabredung umgebracht wird, gerät Maes Leben förmlich aus den Fugen. Ihr ehemaliger Freund Chris, der früher als Cop gearbeitet hat, tritt plötzlich wieder auf und beide werden zu einem Undercover Ermittlungsteam.

Sie stoßen bei ihrer Arbeit auf unerhörte, schreckliche Verwicklungen großer Männer. Weitere Menschen sterben und auch sie geraten bald ins Visier dunkler Mächte. Wer wird gewinnen?

Lassen Sie mich hier kurz eine Stelle zitieren: „Wer weiß nicht, dass das eigene Leben auf einem Knochenhaufen aufbaut? Wer trägt nicht das Wissen in sich, dass die Welt mit brutaler Gewalt in Gang gehalten wird? Kindersklaven nähen unsere Kleidung, in der Massentierhaltung werden Lebewesen verwurstet, ganze Kontinente aus Plastikmüll treiben auf dem Ozean. Soll sie das alles entblößen und runterreißen? Sie allein?“ Soll Mae? Macht sie es?

„Alles schweigt“ liegt ausgelesen neben mir und ich brenne immer noch - allen voran für diese beiden mutigen Menschen, die Gerechtigkeit wollen. insbesondere Mae ist eine extrem starke Figur mit Knallersätzen.

Was für ein Buch! Und so verdient ist der 1. Platz in der Krimibestenliste. Dort thront das Werk und ich lächle immer wieder, wenn ich das Buch dort sehe. Wie viel mehr Krimis sein können, beweist uns Jordan Harper auf beeindruckende Weise!

Alles schweigt

von Jordan Harper

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Selbstgemachte Geschenke zum Aufessen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Noch ist Oktober und Weihnachten ein paar Kilometer entfernt. Und doch möchte ich Ihnen dieses besondere Kochbuch als Geschenk (für einen selber oder andere Herzensmenschen) empfehlen. Nicht nur, weil ich ein großer Fan von Kat Menschik bin. Und obendrein eine große Freundin von kulinarischen Feinheiten und selbstgemachten Geschenken. Um Geschenke geht es in diesem Buch, das die bekannte Illustratorin zusammen mit Véronique Witzigmann kreiert hat.

Wenn zwei kreative Frauen zusammenkommen, kann nur Gutes dabei herauskommen. Dieses Buch ist der lebende Beweis dafür. Als sich die beiden Frauen trafen und über ein mögliches gemeinsames Projekt sprachen, muss um sie herum ein Funkenregen zu sehen gewesen sein. Herausgekommen ist ein Buch mit verschiedenen Rezeptideen. Es enthält Gerichte, die man sofort mit dem Liebsten oder mit Freunden vernaschen will wie das Kartoffelpüree mit getrockneten Steinpilzen oder den süßen Lasagne Auflauf. Die Espresso Schokowürfel sind ein besonderes Geschenk an Kaffeefans. Oder die Creme von gebrannten Mandeln – hier bedarf es nur weniger Zutaten. Auch die Baked Beans sind einfach und lecker. Für das Tomatensalz braucht man nur Tomaten und Salz. Es ist das -Tüpfelchen auf Pasta, Risotto und gebratenen Fisch- und Geflügelgerichten. Und was ich in jedem Fall im Winter ausprobieren will: Quiche mit Rotkraut.

Das Buch ist zart und passt perfekt in jede Handtasche. Es sollte also in der kalten Jahreszeit unbedingt immer dabei sein wie eine Packung Taschentücher. Denn das Buch wärmt Bauch und Seele gleichermaßen. Allein schon beim Durchblättern schmunzelt man von ganz allein und erfreut sich an den kleinen Freuden mit großer Wirkung.

Selbstgemachte Geschenke zum Aufessen

von Kat Menschik, Véronique Witzigmann

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Tweed Time
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber mir fällt der Abschied des Sommers immer ein bisschen schwer. Wie schön, dass es Bücher wie „Tweed Time – Vom Duft des Herbstes und der Freude auf den Winter“ von Theresa Baumgärtner gibt. Ein sehr atmosphärisches, kreatives und inspirierendes Kochbuch. Dafür nimmt uns die Autorin mit nach Schottland, wo sie Stoffe und Dekorationsideen eingesammelt hat und uns hier präsentiert. Ich denke hierbei an ihren Holz-Stickrahmen und sie zeigt, was man mit Zwiebeln anstellen kann.

Mindestens genauso schön sind die zahlreichen einfachen wie raffinierten Rezeptideen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Von rustikal über verspielt bis hin zu verführerisch-süß. Mein schnellstes und liebstes Soulfood ist der Milchreis mit Zimtfeigen aus dem Ofen. Oder Rosenkohl-Birnen auf Kartoffel-Sellerie-Stampf.

Wunderschöne Bilder runden die Lesefreude ab. Ein Buch, das Seele und Bauch gleichermaßen wärmt.

Tweed Time

von Theresa Baumgärtner

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Drifter
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich schließe mich den Lobeshymnen von Annerose Beurich und Frank Menden an.

Was zeichnet „Drifter“ nun für mich so aus? Vieles! Da sind der Witz, der Charme sowie der Einfallsreichtum im Plot und der Sprache. Auch die liebenswerten leicht verschrobenen Figuren - vor allem die Freundschaft zwischen Killer und Wenzel hat mich berührt und begeistert, ihre Gespräche, der Umgang miteinander. Und natürlich flattern da noch die anderen suspekten Wesen herum wie Heurtebise, Jez, Vica, ihr Zottelhund, der Rabe. Seltsame Dinge passieren in der Geschichte, skurrile, fantastische - für die es mitunter keine logische Erklärung gibt. Das muss man mögen. Aber ich liebe genau das. Und nicht nur weil ich in der Literatur ein Faible für übersinnliche Elemente habe. Es passt einfach in das Gesamtkonstrukt der Handlung, wirkt fast schon natürlich.

Übrigens habe ich mir lange schon solch ein Buch auf der Longlist - Shortlist des Deutschen Buchpreises gewünscht. Ein Buch, das einfach nur eine Geschichte erzählt. Und das auf ihre einzigartige Weise, die unsere Augen zum Leuchten, den Geist zum Lachen bringt.

Drifter

von Ulrike Sterblich

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Suppen für Syrien
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Jedes Jahr im Herbst nehme ich dieses Kochbuch aus dem Regal und erfreue mich daran. Es ist ein ganz besonderes Buch - und das in vielerlei Hinsicht.

Die ursprüngliche Idee zu dem Projekt entstand in London, als der amerikanische Verleger Michel Moushabek und seine Autorin Barbara Abdeni Massaad über Flüchtlinge sprachen. Die Autorin ist mit ihren Kochbüchern und Fotografien sehr erfolgreich und lebt im Libanon. In der Nähe ihrer Beiruter Wohnung befindet sich ein Flüchtlingslager, das sie mit ihrem Freund besuchte und viele verschiedene Gemüsesorten, Töpfe und Kräuter mitbrachte. Sie kochte mit den Flüchtlingen und machte Fotos von ihnen. So wurde die Idee geboren, gemeinsam mit Freunden ein Suppen-Kochbuch zu gestalten.

Viele Starköche konnten für das Projekt gewonnen werden, das in verschiedenen Ländern erschienen ist. »Eine Suppe ist etwas Elementares. Und sie ist immer von Nutzen, auch wenn die Welt um uns versagt.« sagt der bekannte Koch und Autor Anthony Bourdain. Als Michel Moushabek auf der Frankfurter Buchmesse 2015 Rafik Schami von dem Projekt berichtete, war er sofort von der Idee begeistert. Und fand, dass es so ein Kochbuch auch auf Deutsch geben müsste. Zunächst bekam Rafik Schami einige Absagen, doch der Autor ließ sich nicht entmutigen und erinnerte sich an die weisen Worte seines Vater: »Wirf eine Handvoll Lehm gegen eine weiße Wand, entweder bleibt er hängen oder er hinterlässt Spuren. Wenn du aufgibst, bleibt die Wand mit Sicherheit weiß.« Aber sie blieb nicht weiß, denn der Dumont Buchverlag interessierte sich für das Projekt und beschloss sogar, das Buch neuzugestalten.

Das Kochbuch enthält eine Vielzahl von Rezepten, insgesamt 80 sind es, von bekannten Köchen aus aller Welt zusammengestellt. Mit dem herrlichen Papierduft lese ich mich durch Rafik Schamis persönlichen Worte, die eine zauberhafte Geschichte der Gastfreundschaft aus der arabischen Kultur erzählen. Sie ist ganz oben auf der Liste der arabischen Werte und Tugenden verankert. Bevor ich ins reichhaltige Meer der Suppenküche eintauche, begrüßen mich die vier klassischen Brühen, wie wir sie alle kennen: die Rinder-, Hühner-, Fisch- und Gemüsebrühe.

Ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis führt den Gaumen an die richtige Stelle. Ist mir heute nach Bohnen? Dann werde ich ab Seite 30 fündig. Leckere Tomatensuppen finde ich ab Seite 174. Die Rezepte variieren – von ganz einfach bis zu etwas anspruchsvoller, vegetarisch oder mit Fleisch, deftig oder sommerleicht. Für die Suppen benötigt man meist nur wenige Zutaten wie für die meinige. Da sind nur Butter, Zwiebeln, Süßkartoffeln, Karotten, Cumin, Hühner- oder Gemüsebrühe, Sahne, Salz und frisch gemahlener Pfeffer vonnöten. Die Aufmachung ist schlicht und die Anleitung leicht umzusetzen.

Das Buch ist also vieles in allem: Ein wunderbarer Seelentröster, eine wertvolle Spende und ein praktischer Alltagsfreund.

Suppen für Syrien

von Barbara Abdeni Massaad

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Heile. Dich. Selbst.
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir haben sie alle. Manche sehen sie, andere überdecken sie. Die Rede ist von seelischen Verletzungen. Jeder entscheidet, wie er damit umgeht. Die Psychologin Dr. Nicole LePera hat sich für eine offene Konfrontation entschieden und eines Tages beschlossen, ihnen auf den Grund zu gehen. Die Autorin hat sich dabei in den vergangenen Jahren mit ihrer Plattform „The Holistic Psychologist“ einen Namen gemacht. Allein auf Instagram hat sie eine Fangemeinschaft von über 7,2 Millionen Follower:innen. Nun liegt ihr Buch in deutscher Übersetzung vor.

In dem Buch stellt sie ihr ganzheitliches Selfhealing-Programm vor, das praxisnah ist und einen Anstoß geben kann, den Verletzungen ins Auge zu schauen, an sich zu arbeiten und den Heilungsprozess anzustoßen. Nicole LaPera nähert sich dem Thema in nachvollziehbaren Schritten. Das Buch liest sich einfach, enthält auch persönliche Ausschnitte und macht ebenso deutlich: auch Psychologen sind nur Menschen und kämpfen mit den gleichen Dämonen wie wir alle.

Die Autorin legt den Finger in die Wunde. Gemeinsam betrachten wir das bewusste Selbst, das ja häufiger unter der Schicht des Autopiloten und eines Gedankengewusels verdeckt wird. Sie macht die Zusammenarbeit vom Bewusstsein und Unterbewusstsein sichtbar, zeigt die Konditionierung durch Eltern und Verhaltensweisen, die man sich im Laufe der Jahre selbst angeeignet hat. Im letzten Teil kommen wir dann zum Zuge und können das Wissen anwenden, um zu emotionaler Reife zu gelangen.

Das ist nicht einfach nur ein Ratgeberbuch, das man liest und dann ist alles gut. Das Buch erfodert unsere aktive Mitarbeit – und das täglich. So schreibt sie an einer Stelle: „Heilung ist ein tägliches Geschehen. […] Du bist für deine Heilung selbst verantwortlich und musst an diesem Prozess aktiv mitwirken. Der Grad seiner Mitwirkung steht in direktem Verhältnis zu seiner Chance auf Heilung.“

Die Holistische Psychologie schaut auf alles: den Geist, die Seele und Körper. Und hat das Ziel, den Körper und das Nervensystem ins Gleichgewicht zu bringen. Kein einfacher, aber ein machbarer Weg - und er lohnt sich.

Heile. Dich. Selbst.

von Nicole LePera

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Cosy Kitchen - Deftig vegetarisch
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Herbst ist da! Auch wenn uns der verabschiedene Sommer derzeit noch mal kräftig umarmt, macht sich der Herbst durchaus bemerkbar: Die Tage werden kürzer, morgens ist es länger dunkel und kälter. Und abends braucht man jetzt schon früher das Licht auf dem Fahrrad.

Auch ich bin jetzt öfter zu Hause und probiere neue Kochbücher aus. „Cosy Kitchen“ von Agnes Prus zählt zu einen meiner neuen Entdeckungen. Hier ist der Titel tatsächlich Programm. Das Kochbuch enthält über 60 vegatarische Soulfood Rezepte.

Das Kochbuch unterteilt sich in sechs Bereiche: Eingangs gibt es eine kleine Einführung. Hier stellt die Autorin die Saisonhelden der kalten Jahreszeit vor und zeigt in einem Kalender, wann welches Obst und Gemüse seine Zeit hat.

Auf über 160 Seiten zeigt sie einfache Rezepte und für jeden ist etwas dabei. Ich denke besonders gern an die Brokkoli-Cheddar-Suppe. Aber auch Ofenlieblinge wie die Rosenkohltarte mit Haselnüssen zählt zu meinen Lieblingen. Unlängst habe ich Kartoffel-Zwiebel-Gratin mit Scamorza ausprobiert.

Ein wirklich schönes Kochbuch, das die Seele und den Körper wärmt! Es gibt das gleiche Kochbuch übrigens auch in einer anderen Ausführung mit Fleischgerichten.

Cosy Kitchen - Deftig vegetarisch

von Agnes Prus

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Die wunderbare Florentine Feiertag: Ein Wunsch kommt selten allein
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stellt euch vor, es gäbe da einen Menschen, der eure Wünsche auflesen und erfüllen würde. Nicht möglich? Dann kennt ihr aber Die wunderbare Florentine Feiertag noch nicht. Ich wollte es auch nicht glauben, bis ich Florentine in dem Buch getroffen habe.

Florentine bezieht die Wohnung in der Kastanienallee in Waldstadt. Samuel und Nele begegnen dieser freundlichen Frau auf dem Weg in die Schule. Als sie in den Umzugswagen blicken, finden sie, dass allen Gegenständen etwas Besonderes anhaftet. Da mag was dran sein.

Am nächsten Nachmittag treffen sie Florentine im Hof wieder, dort steht sie vor diesem eigenartigen Teil, das wir ein Plattenspieler aussschaut. Aber es handelt sich um einen Crèpesofen. Florentines Crèpes sind so so lecker. Das gefällt allen – bis auf Familie Heller, die ziemlich laut herumknurren über all das Neue da vor ihrem Wohnungsfenster.

Und wie war das jetzt mit den Wünschen? Richtig! Florentine ist Wunscherfüllerin. Dafür brauchen die Kinder nur ihre Wünsche an den Apfelbaum hängen. Pieps – Florentines Rotkehlchen – meldet jeden Posteingang. Als der 1. Wunsch eintrifft, sind wir alle aufgeregt. Doch es bleibt nicht bei dem einen.

Dieses Buch schmeckt wie warmer Crêpes mit Schokolade. Einfach himmlisch. Doch es ist nicht immer alles fröhlich und schön, so ist das Leben ja auch nicht. Aber Florentine Sonnenschein – Pardon Feiertag – findet fast wie von Zauberhand - alles eine gute Lösung!

Ab 8 Jahre.

Die wunderbare Florentine Feiertag: Ein Wunsch kommt selten allein

von Uli Leistenschneider

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Valérie. Die Meisterdiebin von Paris
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch habe ich meiner Kollegin Katja Schneider zu verdanken. Als ich sie fragte: „Hast du eine Buchempfehlung für mich?“ gab sie mir dieses in die Hand. Sie kennt meine Lesevorlieben einfach so gut. „Valérie – Die Meisterdiebin von Paris“ ist wie für mich geschrieben. Warum und was zu einem Lieblingsbuch macht, verrate ich jetzt.

Es gibt Städte, die strahlen für mich eine ganz besondere Faszination aus. Paris zählt dazu. Zudem finde ich mutige und unerschrockene Mädchen in Büchern immer anziehend. Wenn dann das Cover wie bei diesem derart ansprechend ist, dann ja, dann muss ich es einfach aufschlagen.

Valérie ist eine außergewöhnliche Diebin. Denn sie nimmt das Diebesgut den Dieben wieder weg und steckt sie den Beklauten zurück. Und keiner merkt etwas davon. Das hängt auch damit zusammen, dass Valérie sich beinah unsichtbar durch Paris bewegt. Und noch etwas kann sie: Die Häuser hochklettern. Sie ist sozusagen eine waschechte Superwoman. Valérie lebt versteckt mit ihrem Vater und beiden Mäusen zwischen zwei Luftschächten.

Es darf keiner wissen, dass Valérie existiert. Als nun Valéries Vater eines Nachts einen Kunstraub begeht und dabei das Foto seiner Frau und Valéries Mutter verliert, geraten die beiden in große Gefahr. Jetzt weiß der König der Diebe, dass die beiden in Paris sind.

Wie können sie sich retten? Und das Foto der geliebten Mutter wieder bekommen? Folgt Valérie auf ihrer abenteuerlichen Reise – die übrigens noch Verstärkung bekommt. Denn Matteo ist genauso unscheinbar wie sie und wird nicht nur zu einem Retter in Not, sondern einem Freund.

Eine spannende und zauberhafte Geschichte für alle ab 10 Jahre.

Valérie. Die Meisterdiebin von Paris

von Andrea Schütze

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Japan yahho!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die Autorin Eva Offredo reist mit uns ins Land der aufgehenden Sonne. Dort begegnen wir acht Frauen, die ihrer Berufung gefolgt sind. In dem sind wir uns alle so was von einig: Wir lieben, das, was wir täglich tun. Insofern enthält das Buch eine wunderbare Hommage an die jungen Leser:innen parat. Hört auf euer Herz, macht das zum Beruf, für das ihr brennt! Ob ihr nun Mooskundlerin werdet, Papierdrachenkünstlerin, Soba-Müllerin oder eben Buchhändlerin - es steht euch frei! Gut, für die ersten drei Berufe müsste man wahrscheinlich nach Japan ziehen. Oder ins Buch hier krabbeln. Kommt hinein! Denn hier ist es einfach schön inspirierend, bezaubernd und gleichermaßen lehrreich.

So erfahren wir nicht nur, welche Tätigkeiten zu einer Kintsugi-Restauratorin gehören. Wir lernen Rituale, Traditionen, Lebensmittel, Rezepte des Landes genauso kennen wie die Natur und japanische Wörter. Und wir erfahren vom Genuss des Moments. So gesehen ist das Buch auch eine Achtsamkeitsschule. Die Lektüre hat wahrlich meditative Züge.

Jede der Frauen ist mit einer eigenen Farbe hinterlegt. Die Illustrationen sind großflächig, enthalten mitunter kleine bemerkenswerte Details. Zudem sind sie witzig, charmant, und ziemlich Japanisch. Ich musste zweimal nachschauen, aber bei der Autorin und Zeichnerin handelt es sich tatsächlich um eine Französin. Ursula Gräfe hat jedoch die Übersetzung überprüft. Übrigens richtet sich dieses Buch nicht nur an Kinder ab 8 Jahre, es kann durchaus an große Kinder – vor allem an so begeisterte Japankinder wie ich es bin – verschenkt werden. Denn die Lektüre fühlt sich beinah an wie eine Reise in dieses wundersame Banana Yoshimoto-Haruki Murakami-Land.

Yahho ist ein Gruß, mit dem sich japanische Mädchen grüßen. Also Yahho! ihr Mädels da draußen.

Japan yahho!

von Eva Offredo

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Der letzte Sommer in der Stadt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn Sie wie ich die Filme „La Grande Belezza“ oder „La Dolce Vita“ mehr als einmal gesehen haben, dann empfehlen ich Ihnen "Der letzte Sommer in der Stadt" von Gianfranco Calligarich. Relativ schnell bin ich im pulsierenden und berauschenden Rom, bin umgeben von Künstlern und Lebenskünstlern – mittendrin unser Ich-Erzähler.

Gianfranco Calligarich nimmt uns mit nach Rom, dort stehen wir an der Seite vom jungen Leo Garzarra. Er ist gerade aus Mailand angekommen, lebt vorerst in einem dunklen, klammen Hotelzimmer bis ihm ein befreundetes Pärchen anbietet, deren Wohnung zu übernehmen, solange sie in Mexiko-Stadt leben. Obendrein vertrauen sie Leo ihren alten Alfa Romeo an. Ein Bekannter verschafft ihm einen Job beim „Corriere dello Sport“, dort transkribiert Leo Texte für die Zeitung. Abends kostet er das süße Leben vollends aus, findet aber irgendwann nicht mehr den Absprung. Und auch die Verbindung mit Arianna erweist sich als herausfordernder als gedacht.

Nach dem Erscheinen von „Der letzte Sommer in der Stadt“ im Jahr 1973 wurden nur 17.000 Exemplare verkauft – war eines Tages ganz aus den Buchhandlungen verschwunden. Und das obwohl der Autor mit dem Premio Inedito ausgezeichnet wurde. Doch das Buch lebte weiter, wurde antiquarisch und auf Flohmärkten verkauft, war Teil von Diplomarbeiten, hat Lesezirkel gebildet und avancierte im Laufe der Jahre zu einem Kultbuch. Durch ein Presseecho wurde man wieder auf das Buch aufmerksam und nun ist es wieder da, leuchtet auch bei uns.

„Der letzte Sommer in der Stadt“ ist ein sinnliches wie melancholisches Leseerlebnis. Tief und dunkel wie Rotwein, perlend wie Prosecco. Ein Text voller wunderschöner Bilder, die der Autor mit seiner poetischen Sprache erzeugt, eindringliche Momente von Lebenswahrheiten tauchen genau dann auf, wenn ich nicht mit ihnen rechne. Große Literatur, die bitte nicht wieder in der Versenkung verschwinden möge, sondern unsterblich wird!

Der letzte Sommer in der Stadt

von Gianfranco Calligarich

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Mystische Fauna
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

So zart wie „Mystische Fauna - Von der Liebe der Tiere“ daherkommt, so gewaltig ist das, was darin zu finden ist. Es ist nicht immer mystisch, es wird auch richtig dunkel. Daher empfehle ich Ihnen, sich für diese Lektüre, wirklich Zeit zu nehmen, einen ruhigen Ort zu wählen, an dem Sie sich ganz auf das Erzählte einlassen können. Denn Marica Bodrožićs Bücher sind intensiv, sie öffnen innere Fenster und sind von eindringlichen Wahrheiten durchzogen, denen man mit großer Aufmerksamkeit begegnen möchte. Es ist ein tiefes Schauen und Empfinden auch in die eigene Seele. Gerade in diesem Buch offenbart uns die Ich-Erzählerin ein dunkles Kapitel ihrer Vergangenheit, von der ich – die lange schon eine Lesebegleiterin der Autorin ist - bisher nichts gewusst habe.

Als die Erzählerin auf La Gomera bei Freunden ist, erfährt sie von einer Bekannten, dass diese für einige Zeit nach England muss. Ob sie auf Lucys Haus und vor allem den Hund während ihrer Abwesenheit aufpassen könne? Die Autorin sagt zu. Als die Autorin dort ankommt und dem Hund begegnet, reißt beim Anblick seines Gesichts etwas in ihr auf. Eine Wunde macht sich plötzlich mit voller Wucht bemerkbar. Denn Inselito fehlt ein Auge. Und genau diese Tatsache bricht in Marica die Erinnerung an die Kindheit auf.

Als die Erzählerin bei ihrem Großvater in Dalmatien großgeworden ist, musste sie nicht nur miterleben, wie innig geliebte Tiere getötet wurden, sondern wie der Großvater den Hund Chio so sehr geschlagen hat, dass er ein Auge verloren hat. Das sind bewegende Momente. Doch bevor ich ganz in der Dunkelheit versinke, kommt mir die Autorin entgegen, mit friedvollen und lebensklugen Gedanken: „Wir Menschen tragen viele Ebenen in uns. Das Böse löscht nicht das Gute aus, es verdeckt es manchmal nur nachdrücklich. Inselito will, dass ich im Dazwischen noch etwas anderes erzähle, es in das Bewusstsein trage, in mein eigenes und somit auch in das Bewusstsein der mich umfassenden Zeit – in jene Schicht der Furcht und Angst, die aus dem Zorn und der Wut kommt.“

„Mystische Fauna“ ist nicht nur die persönliche Verarbeitung von Kindheitstrauma. Marica Bodrožić erzählt mit großer Sinnlichkeit vom Zauber der Insel. Und sie zeigt, wie wir mit allem verbunden sind – der Natur, den Tieren und Menschen. Ihre Sprache legt sich wie ein wärmender Schal um meine aufgeregte Seele. Ein kluger, philosophischer und lange nachhallender Text.

Mystische Fauna

von Marica Bodrozic

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Augustblau
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Deborah Levys Bücher eint, dass sich die Figuren oftmals an Wendepunkten ihres Lebens befinden. In „Augustblau“ treffe ich auf eine erfolgreiche blauhaarige Pianistin, die aus dem Rhythmus gekommen ist. Die 34-jährige Ich-Erzählerin wird für ihre Interpretationen von Bach, Mozart, Chopin, Liszt, Ravel, Schumann und Rachmaninoff gefeiert. Doch gerade Rachmaninoffs 2. Klavierkonzert hat sie aus dem Konzept gebracht. „Meine Finger weigerten sich, Rachmaninoff zu spielen.“ Elsa war offenbar nicht ganz bei sich, vermutet ihr Lehrer und Adoptivvater Arthur.

Jetzt reist Elsa durch Europa, gibt Schüler:innen Privatunterricht. In Athen und Paris... - eigentlich ganz schön, wären da nicht gewisse Störfaktoren. Wie die unbekannte Frau, die Elsa ähnlich sieht und in Athen auf einem Flohmarkt zwei mechanische Tanzpferde vor der Nase wegkauft. Den schwarzen Filzhut, den diese Frau erst trägt, später ablegt und vergisst, schnappt sich Elsa. Wer ist diese Frau, die sich auch in Elsas Gedanken einschleicht, mit ihr spricht? Und noch etwas ist da: „Du tauchst ab und läufst vor deiner eigenen Geschichte davon“, flüstert ihr die Unbekannte ins Ohr. Seltsam verloren wirkt die Erzählerin. Arthur ist ihr keine große Stütze, denn auch er brütet etwas aus, sagt teilweise seltsame Sachen am Telefon.

Wer jetzt denkt, die Geschichte sei düster, dem darf ich freudig widersprechen. Gut, der Ton hat melancholische Züge, doch es überwiegt der charmante und witzige Erzählton, der kluge Wahrheiten an die Oberfläche zieht. So hinterlässt das Buch eine belebende wie eindringliche Note. Und wieder einmal zeigt Deborah Levy, dass „Erbauungsliteratur“ durchaus geistreich, leicht verrückt und trotzdem ungemein tröstlich sein kann.

Augustblau

von Deborah Levy

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Die Geburtstagsbande. Die beste Party der Welt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es darf wieder gefeiert werden! Denn die Geburtstagsbande ist zurück. Mit dabei sind natürlich die mutige Lu, Rio mit seiner Hündin Frida und Pelle mit seiner Henne Chickaletta. Mittlerweile sind die drei ja Profis in Sachen Geburtstagsfeiern – deshalb haben sie ihre eigene Agentur gegründet mit einem eigenen Bandenbus, den Lus Opa spendiert hat. Hierbei handelt es sich um das „olle Ding“ ultrarostig, mit dem Lus Opa früher über die Dörfer gefahren ist und seine Ernte verkauft hat.

Wie es sich für Profis gehört, bieten sie nun einen eigenen Partyservice an. Die Idee kam von Lus Opa, der meinte, es sei doch besser, Geburtstagspartys zu organisieren statt sie zu crashen. Als Pelle ein mögliches Geburtstagsfestgesicht auf dem Schulhof entdeckt, geht er direkt dorthin. Amelie sitzt mit ihren Freundinnen zusammen und da stolziert Pelle mit seiner feinen Spürnase hinzu. Amelie verrät der Bande später ganz geheim auf dem Mädchenklo, dass sie in drei Tagen ihre Party schmeißen will und dass sie gerne eine Meerjungfrauenfeier will mit einer Unterwasserwelt aus Fischen und Algen. Während die Jungs verdutzt sind, sagt Lu schneeflockenleicht: „Kriegen wir hin.“ Obwohl Lus Sommersprossen „knallorange“ vor Anstrengung leuchten.

Kriegen sie das hin? Ha, es kommt noch besser und anders als ihr denkt. Und wer bringt Unruhe in den Bandenbus? Immer wieder findet Lu Chaos vor, wenn sie in den Bus zurückkehrt. Ist das möglicherweise Gabriel, der Sohn von einer neuen Mitarbeiterin aus dem Erdbeerladen?

Claudia Schaumanns Sprache ist zitronengelb, herrlich verspielt und so einfallsreich. Apropos Einfälle, davon gibt es hier genauso viele schöne wie Illustrationen von Simona Ceccarelli. Bei all der Freude baut die Autorin mitunter ernste Themen mit ein wie das Gefühl von Ausgrenzung, Angst. Und sie zeigt, wie man sich den Mut zurückholt, wenn er sich aus dem Staub gemacht hat.

Leseempfehlung ab 8 Jahre.

Die Geburtstagsbande. Die beste Party der Welt

von Claudia Schaumann

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Das Flüstern der Feigenbäume
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Jedes Buch von Elif Shafak ist ein Juwel, aber ihre Werke haben einen gemeinsamen Nenner – diese vielfältige Mischung aus Mystischem, feinfühlig Erzähltem und klug reflektierten Beobachtungen über unsere Welt. Dabei betrachtet die Autorin auch die nicht verheilten Wunden der Vergangenheit, wobei sie dafür in diesem Roman eine Allegorie nutzt: den Feigenbaum. Ein Baum, der ihr wie ein Fels zur Seite stand und Dreh- und Angelpunkt ihres Romans ist.

Der Feigenbaum erzählt uns seine Geschichte, die auf Zypern beginnt und im verschneiten England aufgerollt wird. In London steht der Baum im Garten von Ada und ihrem Vater Kostas, der ihn aus Zypern mitgebracht hat. Mag sich die Rolle des Baums zunächst seltsam anfühlen, so ist er bald nicht mehr wegzudenken aus dieser berührenden Geschichte von zwei unmöglichen Lieben.

Einerseits die zwischen Yusuf und Yiorgos und andererseits die zwischen Defne und Kostas. Defne und Kostas dürfen sich nicht lieben, weil Defne Moslemin und Türkin ist, Kostas dagegen Christ und Grieche.

Elif Shafak blickt aber nicht nur zurück, sie zoomt auch in die Gegenwart nach London. Dort stehe ich neben Ada und erlebe zu Beginn des Romans ihren seltsamen Schreikrampf mitten im Schulunterricht. Ada weiß nicht, was mit ihr geschieht. Hat es mit der Trauer zu tun? Oder ist sie gar von einem Dschinn besessen? Eine Vermutung von Adas Tante Meryem.

Meryem besucht zum ersten Mal ihren Schwager Kostas in London. Zu Ada dringt sie zunächst nicht durch, ist ihre Nichte doch enttäuscht, dass sie nicht zur Beerdigung ihrer Mutter gekommen ist. Aber durch Meryem erfährt Ada nach und nach die Geschichte ihrer Eltern. Diese unmögliche Liebe, damals auf Zypern in den 70er Jahren.

Zypern – ist das nicht die beliebte Urlaubsinsel? Ja, aber die Insel ist nicht nur ein Sonnenparadies für Urlauber, sie ist seit 1974 geteilt und seitdem ein politischer Spielball zwischen Griechenland und der Türkei. Diese – im wahrsten Sinne des Wortes – Zerrissenheit macht Elif Shafak mit ihrer ganz eigenen Sprache sichtbar. Poetisch, feinfühlig, warmherzig und mit einer orientalischen Note aus Kardamon verwebt sie das Schicksal einer Familie. Die Autorin erzählt von den vielen Opfern, den Verfolgten, Vermissten und Toten.

Doch es herrscht nicht immer Dunkelheit in der Geschichte, hier und da blinzelt vereinzelt die Sonne hindurch. Auch unsere Ada bekommt diese hoffnungsfrohe Wärme zu spüren.

Das Flüstern der Feigenbäume

von Elif Shafak

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The Comfort Book - Gedanken, die mir Hoffnung machen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Matt Haig ist ein äußerst produktiver Autor, es vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht ein Buch von ihm erscheint. Dabei wechselt er gern das Genre – vom Roman bis zum Kinderbuch ist alles dabei. Das ist vor allem deshalb bewundernswert, weil Haig an einer Depression und Angststörungen leidet. In einigen seiner Bücher hat er diese Leiden auch thematisiert.

In „The Comfort Book“ - das jetzt im Taschenbuch erschienen ist - spricht er ehrlich über seine dunklen Phasen. Und über das, was ihm geholfen hat, welche Songs ihn wieder aufrichten, welches Essen wahres Soulfood ist. So ist dieses Werk eine abwechslungsreiche Sammlung an lebensklugen, tröstlichen Gedanken wie auch an praxisgerechten Tipps. Er reflektiert eigene Beobachtungen und Erfahrungen und bezieht ebenso aufbauendes Geistesgut von großen Denker:innen wie Marc Aurel, Emily Dickinson und James Baldwin mit ein.

Gleich zu Beginn schreibt Matt Haig, man könnte seine Aufzeichnungen ruhig kreuz und quer lesen, ganz genau so, wie das Leben selbst ist. Auf euren Streifzügen durch das Chaos trefft ihr wiederum auf glasklare Aussagen wie diese: „Du bist liebenswert auf die Welt gekommen, und du bleibst es wert, geliebt zu werden. Gehe liebevoll mit dir um.“ Oder: „Es ist okay, die Teetasse mit dem Sprung zu sein. Genau die weiß nämlich eine Geschichte zu erzählen.“ Und: „Eines Tages wird das hier vorüber sein. Und wir werden auf eine Weise dankbar sein für das Leben, das wir zuvor nicht für möglich gehalten hätten.“

Und zum Abschluss ein Satz, den ein buddhistischer Mönch auch nicht besser sagen könnte: „Nichts endet wirklich. Es verändert sich. Wandel ist ewig. Wenn du im Wandel bist, bist du auch ewig.“

The Comfort Book - Gedanken, die mir Hoffnung machen

von Matt Haig

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Blinde Tunnel
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Durch manche Krimis rausche ich hindurch und schlage sie hinterher atemlos zu. Durch andere laufe ich langsamer und spüre nach der Lektüre lange noch ein Echo. So ist es mir bei den Krimis von Christoffer Carlsson ergangen und aktuell mit dem neuen Buch von Tove Alsterdal.

Darin erzählt Schwedens neuer Star der Spannungsliteratur die Geschichte eines Paars, das sich durch den Kauf eines Hauses und alten Weinguts einen Neustart erhofft. Sonja und Daniel haben ihr Haus in Schweden verkauft und sich das Anwesen in Böhmen gekauft. Dort angekommen, werkelt Daniel täglich herum. Eines Tages entdeckt er dabei einen versteckten Tunnel, den er freigeschlagen hat. Dahinter verbergen sich alte Weinflaschen und die mumifizierte Leiche eines Jungen. Wie liegt er schon dort? Was ist die Geschichte dahinter?

Die ortsansässige Polizei ist an der Aufklärung nicht sonderlich interessiert, da es sich offenbar um einen Sudetendeutschen handelt. Doch Sonja reicht das nicht. Sie will mehr erfahren. Eine Juristin aus England, die zum gleichen Zeitpunkt in dem Ort ist, will ihr helfen. Doch dann wird sie eines Morgens erschlagen im Garten von Sonja und Daniel aufgefunden, und Daniel verhaftet...

Tove Alsterdal gräbt tief. Es ist erschreckend, berührend, was sie uns aus der Geschichte dieses Landstrichs hervorzieht. Sie erzählt von Menschen und ihren Schicksalen, vom Leid und Vertreibung. Von der Hoffnung, zurückzukehren, das Alte zurückzubekommen.

Von Beginn an verströmt die Geschichte eine besondere dunkle Stimmung. Sie wird von einer dichten und schönen Sprache getragen. „Blinde Tunnel“ ist nichts für Leser:innen, die schnelle Krimigeschichten wollen. Aber für solche, die mehr erwarten als nur einen Krimi. Es würde mich nicht wundern, wenn wir dieses Buch im Oktober auf der Krimibestenliste wiedersehen. Es bleibt also spannend!

Blinde Tunnel

von Tove Alsterdal

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Die letzten Strahlen eines Sterns
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mit einem Foto fängt alles an: Leni Riefenstahl, Anna May Wong und Marlene Dietrich kommen auf dem Presseball im Jahr 1928 in Berlin zusammen. Der Fotograf Alfred Eisenstaedt hält diesen Moment fest. Danach zeigt mir Amanda Lee Koe einen spannenden wie flirrenden Film voller Geschichten. Sie begleitet nicht nur die drei Künstlerinnen auf ihrem Lebensweg, sondern richtet ihre Kamera auf viele Nebenfiguren und die unruhige Welt um sie herum. Auch große Namen wie Walter Benjamin tauchen auf. Ich begleite ihn auf seiner Flucht, bin ergriffen und ihm so nah.

Was für ein Buch! Ein Tanz durch die Filmgeschichte des vorherigen Jahrhunderts. Und eine Reise durch die Zeitgeschichte. Was verband Leni Riefenstahl mit Adolf Hitler? Wer war Anna May Wong? All das ist derart charmant und gleichwohl einfühlsam erzählt. Prickelnd und melancholisch. Sanft und wild. Ja, ich tanze immer noch und bin gespannt, wer mir als Nächstes auf dem Pfad begegnen wird.

Die letzten Strahlen eines Sterns

von Amanda Lee Koe

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Alva und das Leuchten der Erinnerung
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stellt euch vor, eure Erinnerungen würden verblassen... fast verschwinden. Wäre das nicht schrecklich? So ergeht es Alva auf ihrer Insel. Dort lebt sie allein und empfängt die Erinnerungen der Menschen. Doch eines Tages kommen sie nicht mehr ganz bei ihr an... sie sind unscharf. Das kann nicht sein?! denkt Alva und macht sich auf den Weg zu den Menschen.

In der Stadt angekommen, sieht sie die Menschen in der Eile an sich vorbeieilen oder wie sie in ihre Handys starren. Mutig beginnt sie, einzelne Passanten anzusprechen und Fragen zu stellen: Zuerst fragt Alva eine ältere Dame: „Erinnerst du dich an deinen ersten Kuss auf dem Dachboden deiner Eltern?“ Die Frau bleibt stehen und und sagt zu Alva: „Oh ja, da war ich fünfzehn.“

Die Dame ist nur eine von weiteren, die anfangen sich wieder zu erinnern. Und ihr ahnt es bestimmt, bald fliegen die Erinnerungen wieder auf Alvas Insel und das Mädchen kann sie pflegen...

„Alva und das Leuchten der Erinnerung“ ist ein bezauberndes und poetisch schönes Bilderbuch, das einen auch daran erinnert, vielleicht öfter stehen zu bleiben.

Sollten Ihnen die Illustrationen bekannt vorkommen, dann hängt das sicherlich mit Ihrer Erinnerung zusammen. So hat die hiesige Zeichnerin die ebenso zauberhaften Bücher Die große Wörterfabrik, Im Garten der Pusteblume sowie Der Bär und das Wörterglitzern illustriert. Die Bücher sind ebenfalls bei Mixtvision erschienen.

Ab 4 Jahre.

Alva und das Leuchten der Erinnerung

von Alexandra Helmig

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So kommt das Gute in die Welt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Hier ist der Titel Programm. Alexandra Stewart und Jake Alexander haben ein wichtiges, spannendes wie inspirierendes Buch mit zahlreichen Illustrationen geschaffen. Ein Buch, das Mut macht, Wissen vermittelt und Denkanstöße setzt. Gleich zu Beginn erklären sie, welche Auswirkungen Freundlichkeit auf unseren Körper haben kann. Und was sie bei anderen Menschen bewirkt. Wie in allen anderen Kapiteln setzen sie am Ende Fragen, die zum Nachdenken anregen.

Das Buch enthält eine Sammlung von wichtigen Menschen, die Gutes getan haben. Da ist beispielsweise Harriet Tubman, die 1820 als Sklavin in den USA geboren wurde. 1849 floh die junge Frau in den Norden, wo 1849 die Sklaverei beendet war. Dafür nahm sie die bekannte „Underground Railroad“ - ein illegales System von Geheimwegen und Unterschlupfmöglichkeiten für flüchtende Sklaven. Harriet gelingt die Flucht, doch sie kehrt 13 Mal nach Maryland zurück, um anderen bei der Flucht zu helfen.

Das Buch unterteil sich in verschiedene Abschnitte und zeigt, in welchen Bereichen Freundlichkeit auch geholfen hat – sei es im Krieg, bei Verfolgung, Krankheit, Katastrophen sowie unserem Planeten und den Tieren gegenüber. Im Anhang gibt es ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen und den bedeutenden Menschen, die mit ihrem Mut und Freundlichkeit anderen geholfen haben.

Obwohl das Buch bekannte und berühmte Persönlichkeiten zeigt, hat es noch eine wichtige Botschaft an uns alle. Es braucht nicht viel, um Gutes in die Welt zu tragen. Alexandra Stewart formuliert dies so:

„Jede einzelne Geste der Freundlichkeit, von der großen bis zur kleinen, ist wertvoll. Jede einzelne ist wichtig, weil sie andere dazu inspirieren wird, ebenfalls freundlich zu sein, und damit dazu beiträgt, unsere Welt zu einem liebevolleren Ort zu machen.“

So kommt das Gute in die Welt

von Alexandra Stewart

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Sekunden der Gnade
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dennis Lehane ist zurück! Und er ist wieder extrem gut. Daher überrascht es mich nicht, dass der Großmeister der Spannungsliteratur jüngst in die Krimibestenliste eingestiegen ist.

Die Story ist von Beginn an geladen, der Ton rau, also nichts für feinfühlige Geister. Mary Pat ist eine der Hauptfiguren, Mutter der 17jährigen Jules. Mary Pat hat ihren Sohn an einer Überdosis verloren, nachdem er aus dem Vietnam Krieg zurückgekehrt war. Und jetzt hat sie nur noch ihre Jules. Als die eines Morgens von ihrem nächtlichen Ausflug mit Freunden nicht nach Hause kommt, wird Mary Pat unruhig. Sie befragt in ihrem Viertel - Southie - alle, die sie kennt, mischt an Stellen auf, an denen sie eher ruhig bleiben sollte, und bekommt es dann mit den Bossen der Schattenwelt zu tun. Mary Pat ist verzweifelt, sie hat eine große Wut in sich und lässt all das nach draußen, wird gewalttätig. Während alle sagen, Jules sei nach Florida abgehauen, spürt sie, dass Jules etwas Schlimmes zugestoßen sein muss. Und noch eine Frage drängt sich auf: Hat Jules etwas mit dem Tod des Schwarzen zu tun, der in besagter Nacht umgebracht worden ist? Zeugen haben den Toten mit vier Jugendlichen zuletzt am Bahnhof gesehen...

Nicht nur Mary Pat ist geladen, auch der Stadtteil Southie in Boston ist es. Denn demnächst sollen dunkelhäutige Kinder in die Schulen der Weißen wechseln. Dagegen protestieren die Menschen – diesen Vorfall hat es tatsächlich gegeben. Dennis Lehane ist 1974 mit seinem Vater in den Protestzug in South Boston geraten und konnte diesen einschneidenden Moment bis heute nicht vergessen. Und bis heute ist der Rassismus nicht verschwunden. Das ist genauso erschreckend, wie die Geschichte, die hinter dem Mord des Schwarzen steht.

„Sekunden der Gnade“ lässt einen nicht los. Während der Lektüre nicht und auch danach bin ich bei der Geschichte und den vielen Figuren, die Dennis Lehane wieder grandios zeichnet. Dieses Buch ist spannend, wird mitunter befeuert von knallharten Dialogen, hat aber genauso weiche Stellen, die berühren und voller Weisheit sind: „Einmal blickt er zur Seite, als sie ihn gerade mit einem verstohlenen Lächeln ansieht, und erwägt die Möglichkeit, dass das Gegenteil von Hass nicht Liebe ist. Sondern Hoffnung. Denn Hass braucht Jahre, um sich zu entwickeln, aber Hoffnung kann um die Ecke gefegt kommen, wenn man nicht mal hinsieht.“

„Sekunden der Gnade“ zählt zum Besten, die der Krimimarkt derzeit zu bieten hat. Und ich weiß, warum ich diesen Autor so lange schon lese und bewundere.

Sekunden der Gnade

von Dennis Lehane

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Der Mordclub von Shaftesbury - Eine Tote bleibt selten allein
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe hier einen feinen Leseschatz aus der Abteilung Cosy Crime ! In dem Buch stehen mehr die Menschen im Vordergrund als der Mord, daher erwärmt mich die Lektüre gleich von Beginn an und genau deshalb handelt es sich um einen Kriminalroman, wobei mehr Roman als Krimi enthalten ist.

Penelope St. James zieht aus London in das kleine Städtchen Shaftesbury, um dort eine Zweigstelle der Vermittlungsagentur zu eröffnen. Doch von Beginn an ist der Wurm drin. Es gibt keinen Handyempfang – nur auf dem Friedhof und der Telefonanschluss lässt auch auf sich warten. Und dann fällt Penelope bei ihrem Nachbarn in der Tierarztpraxis um. Doch Sam kümmert sich rührend um Penelope. Und die Begegnung - Sie ahnen es bestimmt - bleibt nicht ohne Folgen.

Als am nächsten Tag der neonhelle Schriftzug der Agentur am ehemaligen Zeitschriftenladen hängt, ist Penelope das Stadtgespräch. Doch durch Penelopes offenherzige Art lernt sie schnell die Menschen des Ortes kennen. Auch hat sie einige Ideen. Wie ein Derwisch fegt die Großstadtpflanze durch Shaftesbury. Als sie schließlich bei ihrer Joggingrunde einen verletzten Hund und eine angefahrene Frau findet, ist die Aufregung an ihrem Höhepunkt angelangt.

Dieses Buch ist eine wahre Freude! Very british und äußerst charmant! So laufe ich grinsend durch die Geschichte mit den vielen unterschiedlichen Menschen und Herausforderungen des Lebens. Sollte Ihnen also mal nach einer Feelgood-Lektüre sein, dann folgen Sie der bemerkenswerten Penelope auf ihren neuen Wegen. Denn zur Partnervermittlung kommt es nicht, dafür klärt die Frau mit Herz andere Fälle und bereichert die Ortschaft.

Dieses Buch eignet sich bestens als Geschenk an jemanden, den Sie nicht ganz so gut kennen. Oder an einen lieben Menschen, der gerade ein bisschen Sonnenschein in seinem Leben gebrauchen kann. Legen Sie am besten noch eine Packung Earl Grey dazu, denn der Tee wird hier so oft getrunken.

Der Mordclub von Shaftesbury - Eine Tote bleibt selten allein

von Emily Winston

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Der Botaniker
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

M.W. Craven vereint in „Der Botaniker“ alles, was einen guten Krimi auszeichnet. Und er ist noch viel mehr - ein genialer Schachzug. Aber beginnen wir von vorn.

Bevor ein Serienmörder seine Opfer vergiftet, schickt er ihnen Gedichte und getrocknete Blumen. Aus diesem Grund verpasst ihn die Polizei den Namen „Botaniker“. Die Polizei verzweifelt, denn trotz Personenschutz der gefährdeten Personen gelingt es dem Mörder, seine Opfer zur Strecke zu bringen.

Der ermittelnde DS Washington Poe spricht sogar von schwarzer Magie. Poe wird gleichzeitig an anderer Stelle gefordert. Denn soeben ist seine Freundin und Kollegin, die ausgezeichnete Pathologin Estelle Doyle festgenommen worden. Sie wird beschuldigt, ihren Vater getötet zu haben. Alle Indizien sprechen für sie als Täterin, doch Estelle sagt, sie sei es nicht gewesen. Poe glaubt seiner Freundin. Aber wie kann er ihre Unschuld beweisen? Denn die Ausgangslage erweist sich als äußerst schwierig.

Ja, man beißt sich bis zum Ende die Zähne aus. Selten habe ich einen Krimi erlebt, der mir erst zum Schluss die Auflösung derart raffiniert präsentiert hat wie M. W. Craven. Ebenso bemerkenswert ist das Team um Washington Poe herum. Da ist seine durchsetzungsfreudige Chefin Stephanie Flynn und die introvertierte, aber geniale Analystin Till Bradshaw. Die Dialoge sind mitunter herrlich witzig. Der britische Humor flitzt tatsächlich durch diese Seiten und verleihen dem Lesefluss das gewisse Extra.

Weniger charmant ist die Auflösung. Doch dafür um so spektakulärer. Da kommen Sie nie darauf! Wetten?

Packender Lesestoff für alle, die Ermittlungsarbeit mögen & ein Faible für verrückte Figuren haben!

Der Botaniker

von M. W. Craven

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Zuhause in unserer Buchhandlung
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir Buchhändlerinnen und Buchhändler haben ein feines Leben: Wir lesen den ganzen Tag, machen nichts anderes. Nun, das wäre schön, aber zu unseren Tätigkeiten zählen noch viele andere Dinge - und die machen genauso viel Freude wie das Lesen. Was wir alles unternehmen, um unsere Buchhandlung stets einladend zu gestalten, das verrät Petra Hartlieb in ihrem wundervollen Kinderbuch „Zuhause in unserer Buchhandlung“. Viel mehr erzählt Toni uns ihre Geschichte oder die ihrer Familie Hartlieb.

Das Mädchen zieht mit ihrer Familie von Hamburg nach Wien, weil ihre Eltern dort eine Buchhandlung gekauft haben. Direkt über dem Laden befindet sich die Wohnung. Hartlieb erzählt sehr kindgerecht und mit ihrem Humor eine Geschichte, die ich schon als Erwachsene gelesen habe. Trotzdem hatte ich wieder meinen Spaß. Auch dank der vielen zauberhaften Illustrationen von Nini Alaska.

„Zuhause in unserer Buchhandlung“ ist ein tolles Vorlesebuch – ab 5 Jahre und eins zum selbst Lesen ab 9 Jahre. Eine große Freude für alle Bücherwürmer, die immer schon mal wissen wollten, was wir Buchhändlerinnen und Buchhändler eigentlich so machen – außer zu lesen.

Zuhause in unserer Buchhandlung

von Petra Hartlieb

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White Bird - Wie ein Vogel (Graphic Novel)
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich finde keine Worte für das, was diese Graphic Novel in mir ausgelöst hat. Und doch möchte ich es versuchen, damit noch mehr dieses beeindruckende Buch lesen. Ein Buch, das ein wichtiges Thema aufgreift. Ein Buch über mutige Menschen und ein Buch gegen das Vergessen.

R.J. Palacio dürfte vielen von ihrem Buch „Wunder“ bekannt sein. In ihrem aktuellen Roman „White Bird – Wie ein Vogel“ erzählt sie die Geschichte von Julians Großmutter. Für ein Schulprojekt soll er über einen Menschen schreiben, den er kennt. Er will über ihre Zeit in Tourteau schreiben. Seine Grandmère überlegt, hatte sie die Vergangenheit lange vor ihrem Enkel verborgen gehalten. Schließlich stimmt sie zu. Plötzlich ändert sich die Erzählperspektive und wir sind an Saras Seite.

Ihr Geschichte beginnt wie ein Märchen. Sara Blum hat eine schöne Kindheit in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Frankreich. Der Vater ist Arzt, ihre Mutter unterrichtet Mathematik an der Uni. Sie selbst sagt, dass sie ein bisschen verwöhnt wurde. Hier sind die Farben der Geschichte wundervoll leuchtend – ein strahlendes Blau, die Sonnenstrahlen sind so hell und fast auf der eigenen Haut zu spüren. Doch es bleibt nicht so unbeschwert. Als im Juni 1940 deutsche Soldaten in Frankreich einmarschieren, ändert sich das Leben von Sara und ihrer Familie, denn sie sind Juden... Eines Tages holen die Nazis jüdische Schüler ab, Sara gelingt es, sich auf dem Dachboden der Schule zu verstecken. Ihr Mitschüler Julian holt sie von dort, weiß er um die Gefahr - denn die Soldaten werden sie da oben aufspüren. So lotst er sie durch den Abwasserkanal zu ihm nach Hause. Und das obwohl er nach einer Krankheit nur mit Gehhilfen laufen kann. Was mit Saras Eltern passiert ist, weiß das Mädchen nicht. Es bleibt nicht die einzige Unsicherheit, die in das behütete Leben des Mädchens einbricht.

„White Bird – Wie ein Vogel“ ist die Geschichte des Widerstands, aber auch über Solidarität und von Hoffnung. Die Autorin erzählt von den vielen Menschen, die zahlreiche Juden vor der Deportation gerettet haben. Gleichwohl ist es die berührende Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft, die sich zwischen Sara und Julien entwickelt. An einer Stelle heißt es: „Die besten Freundschaften sind, in denen es keine Worte braucht.“ Die Bilder sind eindringlich und an vielen Stellen gehen sie unter die Haut. Daher sollte man die jungen Leser:innen mit diesem Buch nicht alleine lassen.

Diese Geschichte gibt es auch in Romanform, aber ich bin dankbar, dass ich diese bebilderte Geschichte auf diese Weise gelesen habe.

Ab 11 Jahre.

White Bird - Wie ein Vogel (Graphic Novel)

von R.J. Palacio

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Toskana - Ein Fest für alle Sinne
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es ist ja nicht so, dass ich noch kein italienisches Kochbuch hätte. Doch kaum habe ich das Buch aufgeschlagen, bin ich darin gefangen wie in einem spannenden Roman. Das hängt natürlich mit der berührenden Einleitung der Autorin zusammen. Die ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen möchte, ist sie doch der Türöffner zu einem ganz besonderen Kochbuch.

Amber ist mit ihrer Schwester Claudia auf einem Gehöft in der Toskana großgeworden. Nachdem das alte heruntergekommene Haus fertig renoviert ist, steht es für viele Gäste offen. Ambers Eltern sind sehr beliebt und wunderbare Gastgeber. Während ihr Vater sich bestens versteht, die Gäste zu unterhalten, hat Ambers Mutter ein Gespür für eine gute Küche. Diese Freude daran hat sich später auf Amber übertragen.

Nach dem Tod ihres Vaters ist die Idee entstanden, auf dem Anwesen Malkurse anzubieten und Essen. Amber hat während des Studiums u.a. beim River Café gekellnert, sich nicht nur beim Service, sondern auch in der Küche raffinierte Tipps und Tricks abgeschaut. Dass Amber keine Freundin von aufwendigen Rezepten ist, sticht mir sofort ins Auge. Mit nur wenigen Zutaten kreiert sie köstliche Essen.

Ich denke hierbei an die Erbsen-Minze-Suppe. Es geht aber auch etwas anspruchsvoller. Amber tischt im Herbst und Winter opulente Menüs auf – auch mit Fleischgerichten. Ebenfalls schön ist ihr Statement: „Beim Kochen gibt es keinen nützlicheren Trick als das wiederholte Probieren in jedem Stadium. So bekommt man die Zutaten in den Griff und lernt, wie sich Aromen entwickeln.“ Und noch etwas sollte nicht fehlen: „Den mit Geduld und reichlich Zeit gekochten Gerichten merkt man an, dass sie mit Liebe und Sorgfalt zubereitet wurden.“

Das Buch enthält aber nicht nur Rezepte – die übrigens sehr raffiniert nach den Jahreszeiten aufgeteilt sind. Es gibt auch Basics, die zur toskanischen oder italienischen Küche dazu gehören. Zum Träumen laden die viele kleinen Berichte über diese malerische Landschaft ein. Und die Kunst. So gesehen hält das Buch sein Versprechen – es ist wahrlich ein Fest für alle Sinne.

Toskana - Ein Fest für alle Sinne

von Amber Guinness

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Der Trost der Schönheit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Manchmal beschleicht mich schon im Sommer ein leichtes Unbehagen, wenn ich an den kommenden Winter denke. Aber in diesem Jahr bin ich völlig entspannt, denn ich weiß schon jetzt, dass mir Gabriele von Arnim mit ihrem neuen Buch "Der Trost der Schönheit" in der kalten Jahreszeit viel Licht und Zuversicht schenken wird. Einigen von Ihnen ist die Autorin sicherlich noch mit ihrem eindringlichen Buch „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand" im Gedächtnis geblieben. Darin haben wir die Journalistin in den herausfordernden Jahren begleitet, als sie ihren schwerkranken Mann pflegte.

In ihrem neuen Werk begegne ich dieser starken und bewundernswerten Frau wieder und bin erneut begeistert. Ihre Sätze sind quicklebendig, bezaubern und berühren mich gleichermaßen. Es vergeht kaum eine Seite, auf der ich nicht anhalte. Der Text steckt voller Tiefe und Lebensklugheit, ist offenherzig und begeistert mit vielen wundervollen Sätzen.

Gabriele von Arnim schreibt über Themen, die uns alle beschäftigen: Darf man an Schönheit denken, wenn in Europa ein Krieg tobt? Welchen Trost kann Schönheit einem Menschen schenken, wenn es ihm gerade nicht gut geht? Wo kann man Schönheit finden? Und was macht es mit einer Frau, wenn sie über zehn Jahre ihren Mann gepflegt hat?

Alles beginnt an ihrem 74. Geburtstag. Genau an diesem Tag mag sie nicht richtig wach werden. Kraftlos liegt sie im Bett, zwinkert sich zu, liegt wie „ein ausgestopftes Schlaftier zwischen den Kissen". Und doch gelingt es ihr, in den Tag zu kommen, durch kleine Gesten, die sie sich selbst geschaffen hat. Aber da ist natürlich noch etwas, dieses eine hässliche Wort: das Alter. Eine alte Frau. Aber ist sie das wirklich? Immer noch ist sie neugierig auf das Leben. Sucht nach dem Besonderen, wie auch nach den Freuden der kleinen Dinge. Da ist sie wie ich.

Ich folge ihrem Gedankenstrom – der manchmal getragen wird von Zitaten, aber auch ihre eigenen Eingebungen sind funkelnde Gedankenjuwelen. Diese hier zum Beispiel:

„Trost heißt nicht, dass alles gut wird.
Trost heißt, am Schmerzfluss Ufer bauen,
Liegeplätze,
an denen man den Kahn anbinden, aussteigen und sich ausruhen kann."

„Der Trost der Schönheit" ist die ganz persönliche Reise einer Frau, die nicht aufgibt, immer noch an das Gute glaubt und stets das Schöne sucht. Das keinesfalls kostspielig sein muss. Ihre Gedanken haben nachdenkliche, kluge und philosophische Nuancen. Sind mitunter aber auch herrlich verspielt und voller Menschlichkeit. Ein Buch wie die Umarmung eines lieben Menschen.

Der Trost der Schönheit

von Gabriele von Arnim

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Shape of Love - Mit jeder meiner Fasern (Love-Trilogie, Band 1)
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Sommer lässt uns derzeit ja regelrecht im Regen stehen. Glücklicherweise gibt es die Bücher, die uns selbst an trüben Tagen ein gutes Gefühl bescheren können wie „Shape of Love – Mit jeder meiner Faser“ von Marina Neumeier. Das Buch ist wohltuendes Soulfood. Daher wundert es mich nicht, dass die Bestsellerautorin Tami Fischer genauso begeistert ist wie ich.

Marina Neumeier schickt uns zusammen mit ihrer Hauptfigur nach Venedig – was für eine traumhafte Kulisse! Cleo hat ein Praktikumsplatz bei einer bekannten Designerin Ornella Russo ergattert. Als die Modedesign-Studentin in Venedig ankommt, wird sie gleich von Sofia herzlich empfangen, sie ist die Enkelin ihrer Vermieterin. Auch die Nonna nimmt Cleo herzlich auf. Einer fehlt noch im Bunde: Alessandro. Sofias Cousin steht eines Nachts plötzlich in Cleos Wohnung, nachdem der defekte Feuermeldung angesprungen ist und für großen Lärm gesorgt hat. Alessandro ist Model, hat sich aber eine Auszeit genommen. Doch ein lang gehütetes Geheimnis, das auf keinen Fall an die Öffentlichkeit geraten darf, führt ihn ins Haus der Designerin. Und Ornella Russo ist eine kaltherzige Frau, das bekommt Cleo ebenfalls zu spüren. Doch nicht nur Ornella Russo verbindet die beiden.

Von Beginn an bin ich in das Buch eingetaucht und wollte darin verweilen, denn die Lektüre ist anziehend. Bella Italia und leckeres Essen. Man hat wirklich das Gefühl, in Venedig zu sein. Obendrein sind die Figuren unglaublich sympathisch. Alessandro ist alles anders als oberflächlich, und Cleo eine bewundernswerte junge Frau, die mutig und zielstrebig ihren Weg geht.

Mit großer Sensibilität und Raffinesse webt Marina Neumeier wichtige Themen wie Bodyshaming, Social Media, Mobbing und Essstörungen in ihre in ihre knisternde Lovestory mit ein. Trotz allem überwiegen aber die guten Gefühle - und das Schmuddelwetter da draußen ist längst vergessen.

Shape of Love - Mit jeder meiner Fasern (Love-Trilogie, Band 1)

von Marina Neumeier

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Stay Here - New England School of Ballet
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Stay here – New England School of Ballet“ ist der zweite Band der beliebten Lyx-Autorin – er kann aber auch unabhängig vom ersten Teil gelesen werden. Denn in jedem Band widmet sich die beliebte New Adult Autorin einer Figur der Ballet-School.

Dieses Mal dreht sich alles um Rayne. Nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Eltern, fällt Rayne in ein tiefes Loch. Ihr einziger Lichtblick ist der Sänger Easton. Ihn hatte das Mädchen entdeckt, nachdem sie seine eigene Interpretation des Songs ihres Vaters gefühlt hundert Mal gehört hat. Ihrem Vater gab sie den Tipp zur Band, doch Easton hat Rayne nie verraten, wer sie wirklich ist. Mit Easton schreibt sie regelmäßig über Instagram Nachrichten.

Als sie nun bei der Ballet School in Boston ankommt, nehmen sie die beiden Mitschülerinnen Zoe und Mae Rayne liebevoll auf. Rayne hat große Probleme, zurückzufinden in das Ballett. Doch so ganz mit dem Herzen ist das Mädchen nicht wirklich dabei. Eigentlich ist sie nur an der Schule, um ihrer Mutter näher zu sein, sie war damals selbst dort Tänzerin. Und um ihrer Großmutter zu entgehen, mit der sie kein wirklich offenes Verhältnis hat.

Als Rayne Easton im Plattenladen aufsucht, in dem er arbeitet, spürt sie etwas. Mehr als ihr eigentlich lieb ist. Denn sie will ihren besten Freund nicht verlieren, aber was soll sie gegen die Gefühle tun? Ihnen nachgeben? Oder doch nicht? Und Easton? Wie soll er sich verhalten? Die Möglichkeit nutzen, die ihm Rayne bietet? Mit ihren guten Kontakten könnte er und seine Band endlich den Durchbruch bekommen, den sie sich schon so lange wünschen. Wenn da nicht die großen Gefühle für seine „Birdy“ wären – so nennt er Rayne liebevoll. Denn das Mädchen ist bei Instagram als „mockingbird“ unterwegs. So kämpfen unsere beiden Hauptfiguren mit ihren Gefühlen und ich bin mittendrin. Die Autorin wechselt die Erzählperspektiven. Mal stecke ich in Eastons Kopf, ein anderes Mal bin ich Rayne sehr nah.

Was für eine wundervolle, berührend schöne Lovestory! Absolute Wohlfühllektüre - trotz des Verlusts, den unsere Rayne verarbeiten muss. Das Setting ist wundervoll – und all die Figuren werden zu eng Vertrauten und ich verstehe, warum Anna Savas bei ihren Leser:innen derart beliebt ist.

Sie finden diesen Roman und weitere New Adult Romane bei uns gleich rechts neben den englischen Büchern. Dort haben wir ab sofort auch Science Fiction und Fantasy Bücher.

Stay Here - New England School of Ballet

von Anna Savas

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Stille finden in einer hektischen Welt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stille ist in unserer heutigen Zeit ein kostbares Gut geworden. Überall lärmt es um einen herum. Und ist es draußen endlich ruhig, brummt es im Kopf weiter - Gedankenblitze des Tages oder die vielen to-do-Listen.
Wie können wir trotz dieser Herausforderungen kleine Inseln der Stille und des Aufatmens finden? Magnus Fridh ist Schwedens führender Achtsamkeitsexperte und verrät uns in seinem Buch seine persönlichen Werkzeuge und Ruhepole.

Fridhs Katze ist die erste, die er nach einem Arbeitstag in Ruhe streichelt. Mit großer Hingabe und Achtsamkeit. Und was mache ich, wenn ich keine Katze habe? Dann ordne ich meine getragene Kleidung in Ruhe, und lasse den Tag abperlen.

Es braucht nicht viel und doch ist es die Königsdisziplin, dass wir uns den einfachen Dingen mit voller Aufmerksamkeit hingeben. Tempo rausnehmen, tief durchatmen. Ob zu Hause, in der Natur oder an der roten Ampel. Es gibt täglich Gelegenheiten, aus dem Strudel des lauten und hektischen Alltags herauszutreten. Wie das funktionieren kann, zeigt uns der schwedische Achtsamkeitsexperte.

"Stille finden in einer hektischen Welt" ist ein entschleunigender Wegweiser, mit dem wir der Stille ein bisschen näher kommen können. Was das Buch ebenso auszeichnet, sind die farblichen Illustrationen. Daher eignet sich diese bereichernde Lektüre auch bestens zum Verschenken.

Stille finden in einer hektischen Welt

von Magnus Fridh

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Die Guten und die Toten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer verbirgt sich hinter Kim Koplin? Der Name der Verfasserin oder des Verfassers von „Die Guten und die Toten“ ist ein Pseudonym eines bekannten Autors oder einer Autorin. Der Erzählstil erinnert mich an Simone Buchholz. Doch Kim Koplin lebt in Berlin und genau dort spielt die Handlung. Also falsche Fährte. Die richtige Richtung war indes mein Blick ins Buch.

In einem abgerockten Berliner Parkhaus spielt ein Großteil der Handlung. Dort arbeitet Saad, während seine Tochter nachts zugedeckt schläft. Am Morgen machen sie sich zusammen auf den Heimweg, damit Saad Leila in die Kita bringen kann. Doch an einem Morgen wird Saad von Männern angegriffen. Die vorbei joggende Polizistin Nihal greift ein, rettet Saad. Danach gehen sie wieder auseinander, doch sie treffen sich wieder. Und werden durch einen Fall miteinander verbunden. Denn Saad muss unentdeckt bleiben, das lässt ihn eines abends im Affekt zwei Morde begehen. Die wiederum stellen eine Verbindung zum Wüstenfuchs – einem saudischen Waffenhändler - und dem Staatssekretär Phillipp Brasch her.

„Die Guten und die Toten“ hat eine Geschwindigkeit, die durch die schnell wechselnde Perspektiven entsteht. Das muss man mögen. Ein bisschen musste ich an die ZDF-Serie „KDD“ denken. Beide eint nicht nur, dass sie in Berlin spielen, sondern außergewöhnlich sind. Das befand auch die Jury der Krimibestenliste. So stand dieser ungewöhnliche Krimi in der Liste.

„Die Guten und die Toten“ ist Krimi-Literatur für alle, die in dem Genre etwas anderes jenseits des Mainstreams suchen.

Sollten Sie herausgefunden haben, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt, dann lassen Sie es mich bitte wissen. Ich brenne darauf!

Die Guten und die Toten

von Kim Koplin

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Kind zu verschenken!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin ja eine große Japanfreundin. Haruki Murakami zählt zu meinen Lieblingsautoren. Als mich nun von seiner Übersetzerin Ursula Gräfe ein von ihr übersetztes Kinderbuch erreichte, musste ich es natürlich aufschlagen.

Und jetzt lache ich immer noch. „Kind zu verschenken!“ ist 1991 erstmals in Japan erschienen. Mit 31 Auflagen gehört es im Land der aufgehenden Sonne zum Kinderbuchklassiker.

Es ist ein bisschen eigen, aber so sind die Japaner ja und deshalb mag ich sie. Ein Mädchen ist beleidigt, weil sich ihre Mutter seit kurzer Zeit nur um ihr Äffchen kümmert. Das Äffchen heißt Daichi und ist die Schwester – eben frisch geboren. Und natürlich dreht sich jetzt vieles – beinah alles – um das Baby. Das verletzt unsere kleine Heldin. Also beschließt sie, sich eine neue Familie zu suchen. Sie packt ihren Rucksack, ihre Mutter denkt, sie geht so raus.

Aber nix da. Unsere Heldin bastelt sich einen Karton, beschriftet ihn mit „Kind zu verschenken!“ und wartet. Wartet. Sie malt sich ihre neue Familie aus, doch sie wird nicht mitgenommen. Stattdessen gesellen sich Tiere dazu, ausgesetzte, vergessene. Und da hocken sie nun gemeinsam, in der Hoffnung, ein neues Zuhause zu finden.

Hiroshi Ito hat seinen Text selbst illustriert – er hat sie ganz im klassischen zurückhaltenden Stil gehalten. Mit wenigen Elementen – und zwei Farben: Rot und Schwarz. Die Bilder sind herrlich witzig, wie auch der Text. Sie nehmen dem eigentlichen Thema die Schwere. Das ideale Buch für Leseeinsteiger:innen.

Kind zu verschenken!

von Hiroshi Ito

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Rhabarber - Raffinierte Rezepte für Süßes und Herzhaftes
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Rhabarber ist der Spargel unter den heimischen Obstsorten. Dachte ich.
Dabei ist Rhabarber gar kein Obst, sondern Gemüse. Botanisch gesehen gehört er zu den Knöterichgewächsen. Wie Søren Staun Petersen in seinem famosen Kochbuch „Rhabarber“ aufklärt.

Aber er wird nunmal zur gleichen Zeit reif wie der Spargel. Und ist mindestens genau so gesund wie der Asparagus: Er enthält Vitamin C, Kalium, Calcium sowie Antioxidantien und ist ballaststoffreich. Noch ein Grund mehr, den langen, rot-grünen Gesellen öfter auf die heimische Speisekarte zu setzen.

Weil wir den Rharbarber meist für Süßspeisen verwenden, haben wir ihn einfach dem Obst zugeordnet. Dass man mit ihm durchaus herzhafte Speisen zubereiten kann, zeigt uns der dänische Autor in seinem vielseitigen Buch, das uns obendrein die Geschichte des Gemüses erklärt.

Bei den Rezepten ist alles dabei – von ganz einfach bis hin zu anspruchsvoll und raffiniert. Vegetarier werden genauso fündig werden wie die Liebhaber von Fisch- und Fleischgerichten oder Chutneys.

Mein absolutes Lieblingsrezept ist der Rhabarber-Crumble. Einerseits, weil wir alle die Zutaten immer vorrätig haben und die Zubereitung kinderleicht ist. Andererseits, weil er mich an meine Berlin-Zeiten und den famosen Crumble von Cynthia Barcomi erinnert.

Das Kochbuch ist eine kulinarische Inspirationsquelle nicht nur für die Geübten in der Küche.

Rhabarber - Raffinierte Rezepte für Süßes und Herzhaftes

von Søren Staun Petersen

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Reine Farbe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Was hat es mit der Kraft unserer Verbindung zu gewissen Menschen und der Schwäche dieser Verbindung zu gewissen anderen auf sich?“ Dies ist eine von vielen weiteren Fragen aus dem erstaunlichen Buch von Sheila Heti. "Reine Farbe" verweigert sich einer linearen Erzählform. Das muss man mögen. Ich mochte es sehr. Mehr noch: Ich bin der Autorin für die Bereicherung genauso dankbar wie meinen beiden Kolleginnen Katja Schneider und Sarah O'Connor, die mich zu diesem außergewöhnlichen Buch geführt haben.

„Reine Farbe“ ist kein klassischer Roman, viel mehr eine Meditation über das Leben, die Liebe, den Tod, und das, was darüber hinaus sein könnte. Metaphysisch, klug, tröstlich lesen sich die Seiten. Die kanadische Autorin erzählt auch davon, wie sich zwei Seelen auf einem Blatt wiederfinden. Klingt irre und ist gleichermaßen bezaubernd. So ergeht es Mira, die ihren Vater verloren hat. Als Mira unter einem Baum sitzt, den Tod des Vaters betrauert, wandert ihr Blick zu einem Blatt und ehe sie sich versieht, ist sie darin gefangen.

Mira ist die gerade Linie in dieser Geschichte. Die junge Frau studiert an der "Amerikanischen Akademie für amerikanische Kritiker" und arbeitet nebenbei in einem Lampenladen. Sie verliebt sich in Annie. Diese ist es, die sich eines Tages unter den Baum setzt - mit einer anderen Frau. Und doch ist es Annie, die Mira zurückholt. Aber wird die Liebe überdauern?

„Reine Farbe“ ist ein zartes wie kraftvolles Buch, das sich dem großen Ganzen zuwendet, doch selbst die kleinsten Teile unseres Universums mit betrachtet.

Heti schreibt über den Klimawandel, die Trauer, Kunst und Götter. Sie betritt mitunter spirituelle Pfade und weitet den Blick. Ehe ich mich versehe, bin ich im Buch gefangen wie Mira auf dem Blatt. Aber anders als Mira möchte ich nicht wieder dort heraustreten.

Reine Farbe

von Sheila Heti

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Die Ewigkeit ist ein guter Ort
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

In meiner Laufbahn habe ich schon einige interessante Worte aufgefangen, doch Gottdemenz war mir völlig neu. Genau daran leidet die Ich-Erzählerin Elke. Die angehende Pastorin arbeitet während des Kölner Karnevals im Seniorenheim. Während die Welt draußen im bunten Konfettiregen versinkt, erfüllt die junge Frau sterbenskranken Menschen ihren letzten Wunsch. Als sie der alten Dame Alma das Gebet »Dein Wille geschehe« aufsagen will, versagen ihr plötzlich die Worte.

Ein Blackout oder Gottdemenz, wie sie es selbst bezeichnet. Sie weiß nicht weiter, und es bleibt nicht bei diesem einen Aussetzer. »Gott hatte den Platz geräumt, den er in meinem Kopf besetzt hatte, und hatte etwas hinterlassen, was mir größere Angst machte als alles andere: Freier Raum.« Was nun?

Sie soll sich eine Auszeit nehmen und nutzt die freigewordene Zeit, um erstmal nach Hause zu fahren. Eigentlich wird sie herbeizitiert, denn Röschen, will Elke sehen. Röschen hat sich früher um Elke und ihren Bruder gekümmert. Jetzt liegt Röschen mit einer gebrochenen Hüfte im Krankenhaus. Danach soll sie – 94jährig – ins Altenheim. Elke macht sich auf den Weg in die norddeutsche Provinz. Aber noch etwas liegt Röschen auf dem Herzen – ihr eigensinniger Graupapagei, den sie nach Gertrude Stein benannt hat. Ins Altenheim darf der nicht, also soll sich Elke um ihn kümmern.

Röschen hat ihre direkte Art nicht abgelegt und fragt Elke, wie es mit der Theologie so läuft. Kurz überlegt sie, ob sie ihr alles sagen soll. Aber Röschen hat als ehemalige Richterin einen „messerscharfen Verstand“ – also antwortet Elke: »Ich kann Gott nicht behalten.« Daraufhin Röschen: »Wie sollst du ihn behalten können«, sagte Röschen, »er gehört dir doch nicht.«

Es sind bisweilen herrliche Dialoge, die diesen außergewöhnlichen Roman ausmachen. Und so dem Ernst der Lage ein wenig an Gewicht nehmen.

Tamar Noort schafft unendlich komische Momente, bei denen mir sofort Bilder im Kopf aufgehen und mich an ähnlich verschrobene Bücher wie „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky denken lässt. Der Autorin gelingt der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit, Trauer und dem Gefühl des Verlorenseins. Und sie beweist viel Humor.

Die Ewigkeit ist ein guter Ort

von Tamar Noort

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Das Fest
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Auf dieses Buch hat mich meine geschätzte Kollegin Sarah aufmerksam gemacht. Sie hat die englische Ausgabe bereits vor einiger Zeit gelesen und es sofort in ihr Herz geschlossen. Als „Das Fest" von Margaret Kennedy jetzt beim Schöffling Verlag auf Deutsch erschien, meinte sie: „Du wirst es lieben!" Wie recht du hast, liebe Sarah!

Erschienen ist das Buch 1950. Jetzt im neuen Gewand und frisch übersetzt, ist es ein echter Gewinn. Und es zeigt wieder einmal, dass gute Bücher ihren Weg finden werden. Der Roman spielt an der Küste Cornwalls. Dort liegt ein Hotel in Laufweite zum Sandstrand. Von Beginn an ist klar, dass es Tote geben wird, denn ein Felssturz zerstört das Hotel. Wer wird das Unglück überleben? Wer nicht? Darum kreist diese spannende Geschichte. Ich folge verschiedenen Menschen eine Woche vor dem Unglück. Den Gästen, den Besitzern, deren Kindern und Mitarbeiterinnen. Es gibt Fehden untereinander, Geheimnisse, Brüche, Sehnsüchte und auch die Liebe fehlt nicht.

All das ist federleicht und mit feinsinniger Hand gezeichnet. Witzig, fesselnd und berührend schön zugleich. Genau die richtige Lektüre für den Strandkorb oder für den Balkon. Ein Buch mit hohem Glücksfaktor!

Das Fest

von Margaret Kennedy

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Gentleman über Bord
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Gentleman über Bord" von Herbert Clyde Lewis zählt zu den besonderen Wundern dieses Bücherjahres. Im hochwertigen Schuber hat der mare Verlag diesen Klassiker neu aufgelegt. Nun in besonders hochwertiger Ausstattung – mit Schuber, in Leinen, einfach herrlich! Nicht nur Frank Menden, Campino und Elke Heidenreich sind verzaubert. Geradezu märchenhaft, wie dieses bisher Seite eher unentdeckte Werk achtzig Jahre nach seiner Entstehung nun quasi in aller Munde ist. Das freut mich gleich doppelt.

In seinem kurzweiligen wie eindringlichen Roman erzählt Herbert Clyde Lewis von einem Geschäftsmann, der sich in einer veritablen Krise befindet. Heute würde man sagen, er ist ausgebrannt. So begibt sich Henry Preston Standish auf eine Reise – per Schiff, der Arabella. Als unser Erzähler an einem frühen Morgen seine Runde über Deck dreht, rutscht er aus und – fällt in den Ozean! Hoppla! Wir sind alle erschrocken. Und jetzt? Rudern wir alle mit den Armen und schauen nicht nur in die Tiefe des Meeres, sondern auch in die eines Mannes, der sein Leben Revue passieren lässt. Erst leicht amüsiert, dann zunehmend verzweifelt um sein Leben kämpfend. Anfangs hofft er noch, dass auf der Arabella sein Überbordgehen bemerkt wird, doch der Frachter verschwindet am Horizont...

Ohne Frage keine fröhliche Lektüre und doch versprüht dieses Buch eine gewisse Leichtigkeit. Wie das, angesichts der Dramatik der Situation? Nun, das ist einfach der Zauber guter Literatur. Die uns aufzeigt, wie nah Komik und Tragik im Leben liegen können. Und genau darin liegt die Faszination und Begeisterung für diesen wiederentdeckten Klassiker!

Gentleman über Bord

von Herbert Clyde Lewis

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Reine Farbe
Simone Finkenwirth

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„Was hat es mit der Kraft unserer Verbindung zu gewissen Menschen und der Schwäche dieser Verbindung zu gewissen anderen auf sich?“ Dies ist eine von vielen weiteren Fragen aus dem erstaunlichen Buch von Sheila Heti. "Reine Farbe" verweigert sich einer linearen Erzählform. Das muss man mögen. Ich mochte es sehr. Mehr noch: Ich bin der Autorin für die Bereicherung genauso dankbar wie meinen beiden Kolleginnen Katja Schneider und Sarah O'Connor, die mich zu diesem außergewöhnlichen Buch geführt haben.

„Reine Farbe“ ist kein klassischer Roman, viel mehr eine Meditation über das Leben, die Liebe, den Tod, und das, was darüber hinaus sein könnte. Metaphysisch, klug, tröstlich lesen sich die Seiten. Die kanadische Autorin erzählt auch davon, wie sich zwei Seelen auf einem Blatt wiederfinden. Klingt irre und ist gleichermaßen bezaubernd. So ergeht es Mira, die ihren Vater verloren hat. Als Mira unter einem Baum sitzt, den Tod des Vaters betrauert, wandert ihr Blick zu einem Blatt und ehe sie sich versieht, ist sie darin gefangen.

Mira ist die gerade Linie in dieser Geschichte. Die junge Frau studiert an der "Amerikanischen Akademie für amerikanische Kritiker" und arbeitet nebenbei in einem Lampenladen. Sie verliebt sich in Annie. Diese ist es, die sich eines Tages unter den Baum setzt - mit einer anderen Frau. Und doch ist es Annie, die Mira zurückholt. Aber wird die Liebe überdauern?

„Reine Farbe“ ist ein zartes wie kraftvolles Buch, das sich dem großen Ganzen zuwendet, doch selbst die kleinsten Teile unseres Universums mit betrachtet.

Heti schreibt über den Klimawandel, die Trauer, Kunst und Götter. Sie betritt mitunter spirituelle Pfade und weitet den Blick. Ehe ich mich versehe, bin ich im Buch gefangen wie Mira auf dem Blatt. Aber anders als Mira möchte ich nicht wieder dort heraustreten.

Reine Farbe

von Sheila Heti

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Die Ewigkeit ist ein guter Ort
Simone Finkenwirth

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In meiner Laufbahn habe ich schon einige interessante Worte aufgefangen, doch Gottdemenz war mir völlig neu. Genau daran leidet die Ich-Erzählerin Elke. Die angehende Pastorin arbeitet während des Kölner Karnevals im Seniorenheim. Während die Welt draußen im bunten Konfettiregen versinkt, erfüllt die junge Frau sterbenskranken Menschen ihren letzten Wunsch. Als sie der alten Dame Alma das Gebet »Dein Wille geschehe« aufsagen will, versagen ihr plötzlich die Worte.

Ein Blackout oder Gottdemenz, wie sie es selbst bezeichnet. Sie weiß nicht weiter, und es bleibt nicht bei diesem einen Aussetzer. »Gott hatte den Platz geräumt, den er in meinem Kopf besetzt hatte, und hatte etwas hinterlassen, was mir größere Angst machte als alles andere: Freier Raum.« Was nun?

Sie soll sich eine Auszeit nehmen und nutzt die freigewordene Zeit, um erstmal nach Hause zu fahren. Eigentlich wird sie herbeizitiert, denn Röschen, will Elke sehen. Röschen hat sich früher um Elke und ihren Bruder gekümmert. Jetzt liegt Röschen mit einer gebrochenen Hüfte im Krankenhaus. Danach soll sie – 94jährig – ins Altenheim. Elke macht sich auf den Weg in die norddeutsche Provinz. Aber noch etwas liegt Röschen auf dem Herzen – ihr eigensinniger Graupapagei, den sie nach Gertrude Stein benannt hat. Ins Altenheim darf der nicht, also soll sich Elke um ihn kümmern.

Röschen hat ihre direkte Art nicht abgelegt und fragt Elke, wie es mit der Theologie so läuft. Kurz überlegt sie, ob sie ihr alles sagen soll. Aber Röschen hat als ehemalige Richterin einen „messerscharfen Verstand“ – also antwortet Elke: »Ich kann Gott nicht behalten.« Daraufhin Röschen: »Wie sollst du ihn behalten können«, sagte Röschen, »er gehört dir doch nicht.«

Es sind bisweilen herrliche Dialoge, die diesen außergewöhnlichen Roman ausmachen. Und so dem Ernst der Lage ein wenig an Gewicht nehmen.

Tamar Noort schafft unendlich komische Momente, bei denen mir sofort Bilder im Kopf aufgehen und mich an ähnlich verschrobene Bücher wie „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky denken lässt. Der Autorin gelingt der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit, Trauer und dem Gefühl des Verlorenseins. Und sie beweist viel Humor.

Die Ewigkeit ist ein guter Ort

von Tamar Noort

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Das Fest
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Auf dieses Buch hat mich meine geschätzte Kollegin Sarah aufmerksam gemacht. Sie hat die englische Ausgabe bereits vor einiger Zeit gelesen und es sofort in ihr Herz geschlossen. Als „Das Fest" von Margaret Kennedy jetzt beim Schöffling Verlag auf Deutsch erschien, meinte sie: „Du wirst es lieben!" Wie recht du hast, liebe Sarah!

Erschienen ist das Buch 1950. Jetzt im neuen Gewand und frisch übersetzt, ist es ein echter Gewinn. Und es zeigt wieder einmal, dass gute Bücher ihren Weg finden werden. Der Roman spielt an der Küste Cornwalls. Dort liegt ein Hotel in Laufweite zum Sandstrand. Von Beginn an ist klar, dass es Tote geben wird, denn ein Felssturz zerstört das Hotel. Wer wird das Unglück überleben? Wer nicht? Darum kreist diese spannende Geschichte. Ich folge verschiedenen Menschen eine Woche vor dem Unglück. Den Gästen, den Besitzern, deren Kindern und Mitarbeiterinnen. Es gibt Fehden untereinander, Geheimnisse, Brüche, Sehnsüchte und auch die Liebe fehlt nicht.

All das ist federleicht und mit feinsinniger Hand gezeichnet. Witzig, fesselnd und berührend schön zugleich. Genau die richtige Lektüre für den Strandkorb oder für den Balkon. Ein Buch mit hohem Glücksfaktor!

Das Fest

von Margaret Kennedy

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Gentleman über Bord
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Gentleman über Bord" von Herbert Clyde Lewis zählt zu den besonderen Wundern dieses Bücherjahres. Im hochwertigen Schuber hat der mare Verlag diesen Klassiker neu aufgelegt. Nun in besonders hochwertiger Ausstattung – mit Schuber, in Leinen, einfach herrlich! Nicht nur Frank Menden, Campino und Elke Heidenreich sind verzaubert. Geradezu märchenhaft, wie dieses bisher Seite eher unentdeckte Werk achtzig Jahre nach seiner Entstehung nun quasi in aller Munde ist. Das freut mich gleich doppelt.

In seinem kurzweiligen wie eindringlichen Roman erzählt Herbert Clyde Lewis von einem Geschäftsmann, der sich in einer veritablen Krise befindet. Heute würde man sagen, er ist ausgebrannt. So begibt sich Henry Preston Standish auf eine Reise – per Schiff, der Arabella. Als unser Erzähler an einem frühen Morgen seine Runde über Deck dreht, rutscht er aus und – fällt in den Ozean! Hoppla! Wir sind alle erschrocken. Und jetzt? Rudern wir alle mit den Armen und schauen nicht nur in die Tiefe des Meeres, sondern auch in die eines Mannes, der sein Leben Revue passieren lässt. Erst leicht amüsiert, dann zunehmend verzweifelt um sein Leben kämpfend. Anfangs hofft er noch, dass auf der Arabella sein Überbordgehen bemerkt wird, doch der Frachter verschwindet am Horizont...

Ohne Frage keine fröhliche Lektüre und doch versprüht dieses Buch eine gewisse Leichtigkeit. Wie das, angesichts der Dramatik der Situation? Nun, das ist einfach der Zauber guter Literatur. Die uns aufzeigt, wie nah Komik und Tragik im Leben liegen können. Und genau darin liegt die Faszination und Begeisterung für diesen wiederentdeckten Klassiker!

Gentleman über Bord

von Herbert Clyde Lewis

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Gentleman über Bord
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

„Gentleman über Bord" von Herbert Clyde Lewis zählt zu den besonderen Wundern dieses Bücherjahres. Im hochwertigen Schuber hat der mare Verlag diesen Klassiker neu aufgelegt. Nun in besonders hochwertiger Ausstattung – mit Schuber, in Leinen, einfach herrlich! Nicht nur Frank Menden, Campino und Elke Heidenreich sind verzaubert. Geradezu märchenhaft, wie dieses bisher Seite eher unentdeckte Werk achtzig Jahre nach seiner Entstehung nun quasi in aller Munde ist. Das freut mich gleich doppelt.

In seinem kurzweiligen wie eindringlichen Roman erzählt Herbert Clyde Lewis von einem Geschäftsmann, der sich in einer veritablen Krise befindet. Heute würde man sagen, er ist ausgebrannt. So begibt sich Henry Preston Standish auf eine Reise – per Schiff, der Arabella. Als unser Erzähler an einem frühen Morgen seine Runde über Deck dreht, rutscht er aus und – fällt in den Ozean! Hoppla! Wir sind alle erschrocken. Und jetzt? Rudern wir alle mit den Armen und schauen nicht nur in die Tiefe des Meeres, sondern auch in die eines Mannes, der sein Leben Revue passieren lässt. Erst leicht amüsiert, dann zunehmend verzweifelt um sein Leben kämpfend. Anfangs hofft er noch, dass auf der Arabella sein Überbordgehen bemerkt wird, doch der Frachter verschwindet am Horizont...

Ohne Frage keine fröhliche Lektüre und doch versprüht dieses Buch eine gewisse Leichtigkeit. Wie das, angesichts der Dramatik der Situation? Nun, das ist einfach der Zauber guter Literatur. Die uns aufzeigt, wie nah Komik und Tragik im Leben liegen können. Und genau darin liegt die Faszination und Begeisterung für diesen wiederentdeckten Klassiker!

Gentleman über Bord

von Herbert Clyde Lewis

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Das Fest
Simone Finkenwirth

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Auf dieses Buch hat mich meine geschätzte Kollegin Sarah aufmerksam gemacht. Sie hat die englische Ausgabe bereits vor einiger Zeit gelesen und es sofort in ihr Herz geschlossen. Als „Das Fest" von Margaret Kennedy jetzt beim Schöffling Verlag auf Deutsch erschien, meinte sie: „Du wirst es lieben!" Wie recht du hast, liebe Sarah!

Erschienen ist das Buch 1950. Jetzt im neuen Gewand und frisch übersetzt, ist es ein echter Gewinn. Und es zeigt wieder einmal, dass gute Bücher ihren Weg finden werden. Der Roman spielt an der Küste Cornwalls. Dort liegt ein Hotel in Laufweite zum Sandstrand. Von Beginn an ist klar, dass es Tote geben wird, denn ein Felssturz zerstört das Hotel. Wer wird das Unglück überleben? Wer nicht? Darum kreist diese spannende Geschichte. Ich folge verschiedenen Menschen eine Woche vor dem Unglück. Den Gästen, den Besitzern, deren Kindern und Mitarbeiterinnen. Es gibt Fehden untereinander, Geheimnisse, Brüche, Sehnsüchte und auch die Liebe fehlt nicht.

All das ist federleicht und mit feinsinniger Hand gezeichnet. Witzig, fesselnd und berührend schön zugleich. Genau die richtige Lektüre für den Strandkorb oder für den Balkon. Ein Buch mit hohem Glücksfaktor!

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Reine Farbe
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

„Was hat es mit der Kraft unserer Verbindung zu gewissen Menschen und der Schwäche dieser Verbindung zu gewissen anderen auf sich?“ Dies ist eine von vielen weiteren Fragen aus dem erstaunlichen Buch von Sheila Heti. "Reine Farbe" verweigert sich einer linearen Erzählform. Das muss man mögen. Ich mochte es sehr. Mehr noch: Ich bin der Autorin für die Bereicherung genauso dankbar wie meinen beiden Kolleginnen Katja Schneider und Sarah O'Connor, die mich zu diesem außergewöhnlichen Buch geführt haben.

„Reine Farbe“ ist kein klassischer Roman, viel mehr eine Meditation über das Leben, die Liebe, den Tod, und das, was darüber hinaus sein könnte. Metaphysisch, klug, tröstlich lesen sich die Seiten. Die kanadische Autorin erzählt auch davon, wie sich zwei Seelen auf einem Blatt wiederfinden. Klingt irre und ist gleichermaßen bezaubernd. So ergeht es Mira, die ihren Vater verloren hat. Als Mira unter einem Baum sitzt, den Tod des Vaters betrauert, wandert ihr Blick zu einem Blatt und ehe sie sich versieht, ist sie darin gefangen.

Mira ist die gerade Linie in dieser Geschichte. Die junge Frau studiert an der "Amerikanischen Akademie für amerikanische Kritiker" und arbeitet nebenbei in einem Lampenladen. Sie verliebt sich in Annie. Diese ist es, die sich eines Tages unter den Baum setzt - mit einer anderen Frau. Und doch ist es Annie, die Mira zurückholt. Aber wird die Liebe überdauern?

„Reine Farbe“ ist ein zartes wie kraftvolles Buch, das sich dem großen Ganzen zuwendet, doch selbst die kleinsten Teile unseres Universums mit betrachtet.

Heti schreibt über den Klimawandel, die Trauer, Kunst und Götter. Sie betritt mitunter spirituelle Pfade und weitet den Blick. Ehe ich mich versehe, bin ich im Buch gefangen wie Mira auf dem Blatt. Aber anders als Mira möchte ich nicht wieder dort heraustreten.

Reine Farbe

von Sheila Heti

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Die Ewigkeit ist ein guter Ort
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

In meiner Laufbahn habe ich schon einige interessante Worte aufgefangen, doch Gottdemenz war mir völlig neu. Genau daran leidet die Ich-Erzählerin Elke. Die angehende Pastorin arbeitet während des Kölner Karnevals im Seniorenheim. Während die Welt draußen im bunten Konfettiregen versinkt, erfüllt die junge Frau sterbenskranken Menschen ihren letzten Wunsch. Als sie der alten Dame Alma das Gebet »Dein Wille geschehe« aufsagen will, versagen ihr plötzlich die Worte.

Ein Blackout oder Gottdemenz, wie sie es selbst bezeichnet. Sie weiß nicht weiter, und es bleibt nicht bei diesem einen Aussetzer. »Gott hatte den Platz geräumt, den er in meinem Kopf besetzt hatte, und hatte etwas hinterlassen, was mir größere Angst machte als alles andere: Freier Raum.« Was nun?

Sie soll sich eine Auszeit nehmen und nutzt die freigewordene Zeit, um erstmal nach Hause zu fahren. Eigentlich wird sie herbeizitiert, denn Röschen, will Elke sehen. Röschen hat sich früher um Elke und ihren Bruder gekümmert. Jetzt liegt Röschen mit einer gebrochenen Hüfte im Krankenhaus. Danach soll sie – 94jährig – ins Altenheim. Elke macht sich auf den Weg in die norddeutsche Provinz. Aber noch etwas liegt Röschen auf dem Herzen – ihr eigensinniger Graupapagei, den sie nach Gertrude Stein benannt hat. Ins Altenheim darf der nicht, also soll sich Elke um ihn kümmern.

Röschen hat ihre direkte Art nicht abgelegt und fragt Elke, wie es mit der Theologie so läuft. Kurz überlegt sie, ob sie ihr alles sagen soll. Aber Röschen hat als ehemalige Richterin einen „messerscharfen Verstand“ – also antwortet Elke: »Ich kann Gott nicht behalten.« Daraufhin Röschen: »Wie sollst du ihn behalten können«, sagte Röschen, »er gehört dir doch nicht.«

Es sind bisweilen herrliche Dialoge, die diesen außergewöhnlichen Roman ausmachen. Und so dem Ernst der Lage ein wenig an Gewicht nehmen.

Tamar Noort schafft unendlich komische Momente, bei denen mir sofort Bilder im Kopf aufgehen und mich an ähnlich verschrobene Bücher wie „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky denken lässt. Der Autorin gelingt der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit, Trauer und dem Gefühl des Verlorenseins. Und sie beweist viel Humor.

Die Ewigkeit ist ein guter Ort

von Tamar Noort

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Abgrund
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Clementine kommt über den Selbstmord ihrer Schwester nicht hinweg. Sie ist in der besagten Nacht nicht ans Telefon gegangen, hat nicht auf Poppys Kurzmitteilungen reagiert. Seitdem quält sie die Frage: Was wäre gewesen wenn?

Die Molekularbiologin ist seit dem Tod nicht wieder zurück nach Boston gegangen, sondern lebt in London. Sie arbeitet ehrenamtlich bei einer Telefonseelsorge. Eines Nachts erreicht Clementine ein Anruf. Der Mann behauptet seine Schwester hätte nicht Suizid begangen, sondern wurde umgebracht. Doch keiner glaubt ihm. Schlimmer noch: Man stempelt ihn als Verrückten ab. Er sei sogar schon in der Psychiatrie gewesen. Ich werde da sofort hellhörig, denn der Prolog der Geschichte verrät, dass Poppy gestoßen wurde.

Clementine kommt nun der Gedanke. Was, wenn Poppy auch nicht selbst gesprungen ist? Clementine sammelt Beweise. Aber sie stößt wie Daniel auf Widerstände. Doch bald schon machen sie eine schreckliche Entdeckung.

Der Thriller beginnt viel mehr wie ein Roman. Doch er gewinnt mit jeder Seite an Geschwindigkeit. Bald schon konnte ich ihn nicht mehr zuklappen. Zu fassungslos war ich, zu neugierig und zu aufgepeitscht mein Inneres.

Lucy Goacher hat einen packenden wie berührenden Thriller geschrieben, der an manchen Stellen unter die Haut geht. Atemlos machend und für alle, die es wie ich in dem Genre raffiniert und psychologisch mögen.

Abgrund

von Lucy Goacher

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Elle(s). Band 1
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich habe unserer französischen Praktikantin Louna diesen Comic zu verdanken. Jetzt nach dem Lesen der Lektüre schicke ich ein Merci Richtung Frankreich. "Elle(s)" von Aveline und Kid Toussaint ist ein großartiger Comic mit einem ungewöhnlichen, aber sehr wichtigen Thema. Elle ist neu an der Schule und auf dem ersten Blick ein ganz normales Mädchen. Wobei sie mir auch gleich positiv auffällt mit ihren roten Haaren. Elle findet sehr schnell Anschluss an der Schule.

Doch das Blatt wendet sich bald, denn Elle fängt an, sich in bestimmten Situationen anders zu verhalten. Sie wird aggressiv oder weist andere ab. Was hat das Mädchen nur? Im Verlauf der Geschichte wird klar: Elle hat mehrere Persönlichkeiten. Zusammen mit ihrer Freundin Maelys führt sie alle verschiedenen Elles zusammen. Eine bunte Palette zeigt sich da. Das ist sehr interessant.

Genauso spannend ist Elles Vergangenheit, denn sie spürt, dass ihre Eltern nicht ihre leiblichen Eltern sein können. Mit ihren Freunden beginnt sie eine Recherche. Doch die Auflösung gibt's nicht, denn Elle(s) ist der Auftakt einer Reihe.

Der Comic ist total cool gezeichnet und obendrein sehr farbenfroh illustriert. "Elle(s)" ist auch eine wunderbare Geschichte über Freundschaft. Ab 12 Jahre.

Elle(s). Band 1

von Kid Toussaint, Desirée Schneider

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Mann vom Meer
Simone Finkenwirth

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Wenn ich an Thomas Mann denke, sehe ich den Autor vor mir, wie er in seinem Strandkorb sitzt, stilvoll, verträumt und sehnsuchtsvoll. Das Bild habe ich aus der unvergleichlichen Dokumentation „Die Manns" von Heinrich Breloer. Und jetzt sehe ich ihn mal ganz anders, der Lektüre von Volker Weidermanns Buch „Mann vom Meer – Thomas Mann und die Liebe seines Lebens". Darin erzählt Weidermann von der Anziehungskraft, die das Meer auf Thomas Mann Zeit seines Lebens ausübte. Aber er zeigt auch einen Menschen, der bereits in frühen Jahren zerrissen war: „Ich stehe zwischen zwei Welten, bin in keiner daheim und habe es infolge dessen ein wenig schwer." Diese Worte legt Mann seinem Tonio Kröger in den Mund – und doch sind es seine.

Volker Weidermann porträtiert nicht nur Thomas Mann, gleich zu Beginn begegne ich seiner Mutter Julia, die einen Teil ihrer Kindheit in Brasilien verbracht hat und auch in ihrer Brust schlug das Herz für das Meer. Ich treffe Heinrich Mann und sehe die Rivalität der beiden Brüder. Ich erlebe einen jungen Tommy (wie seine Frau ihn stets nannte), der mir bislang verborgen geblieben war. Seine Leidenschaft fürs Schlafen, Träumen und für Puppenhäuser.

Was Weidermanns Buch für mich auszeichnet, ist seine Nähe zu den Personen wie auch seine lebensnahe, unterhaltende wie einfühlsame und elegante Erzählweise. So spaziere ich durch sein Buch wie über einen Strand – mit einem Lächeln und der aufflackernden Sehnsucht, demnächst unbedingt ein Buch von Thomas Mann zu lesen.

Mann vom Meer

von Volker Weidermann

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Panda-Pand
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Saša Stanišić hatte immer schon ein großes Herz für Pandas. Er war so vernarrt in diese Tiere, dass er als Junge nur schwarze oder weiße Klamotten tragen wollte und sich sogar mit Filzstift schwarze Augenringe ins Gesicht gemalt hat. Das Letztere sei nur ein Gerücht seiner Familie, schreibt er im Nachwort. Ob das stimmt, bleibt ein Geheimnis. Offen hingegen ist dieses irrwitzige Kinderbuch, in dem es um musizierende Pandas geht.

Durch Zufall entdeckt Nicht-Peter, dass man mit Bambus Musik machen kann. Nicht-Peter heißt so, weil Pandas Pandas nicht Peter heißen, aber dieser hier heißt zu Beginn Peter. Jedenfalls entdeckt unser Panda mit den verschiedenen Ohren dieses Wunder. Fortan spielt Nicht-Peter überall auf seiner Pflöte, ist glückselig. Und „auf einem seiner Pflötenpfade so sehr in die Musik verbambust, dass er in den finsteren Teil des Waldes geriet.“ Und damit ist's vorbei mit der Einsiedlerei – der Panda ist am liebsten für sich allein. Denn dort im Wald trifft Nicht-Peter auf Nicht-Gerhard. Der will sich mit Nicht-Peter raufen, aber Nicht-Peter hat nur seine Pflöterei im Kopf. Nicht-Gerhard lässt sich daraufhin was vorpflöten und ist schwer begeistert. Daraufhin meint er sogar: Das müssen sie den anderen zeigen! Ehe sich Nicht-Peter versieht, schnappt sich Nicht-Gerhard die Bambuspflöte und eilt davon, Nicht-Peter hinterher. Und dann?

Treffen sie auf Nicht-Olivia und es passieren herrliche, verrückte zum Kugeln lustige Sachen.

„PandaPand“ ist ein wundersames, schräges und witziges Buch – zum Selberlesen oder Vorlesen ab 5 Jahre - mit interaktiven Charakter. So stellt der Autor seine jungen Leser:innen Fragen wie „An was denkst Du, wenn Du an was Schönes denkst?" Für großen Lesespaß sorgt natürlich seine Sprache, sehr kindgerecht und äußerst fantasievoll - so gibt es einige herrliche Wortschöpfungen wie Pflöte.

Günther Jakobs muss hier auch noch unbedingt hervorgehoben werden. Er hat der Geschichte wunderbare Illustrationen geschenkt. Ein tolles Gesamtkunstwerk ist das geworden und ich wünsche allen viel Spaß mit diesem herrlichen Buch!

Panda-Pand

von Saša Stanišic

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Drei Sommer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Cover von „Drei Sommer“ verführt schon mal zum Lesen. Der Roman von Margarita Liberaki ist bereits 1946 in Griechenland erschienen und wurde ein großer Erfolg. Nun liegt das Buch erstmals auf Deutsch vor. Und es ist ein wahrer Glücksfall! Ein wenig erinnert mich die Geschichte an Elena Ferrante, denn auch hier steht das jugendliche Erwachen der Liebe und das Flair des Südens im Mittelpunkt. Die Schwestern Maria, Katerina und Infanta sind drei sehr unterschiedliche Charaktere und wachsen in einem herrschaftlichen Landhaus nahe Athen auf.

Es gibt eine Haushälterin, eine Tante, der Vater wohnt nicht mehr zu Hause, sondern in der Stadt, da sich die Eltern getrennt haben. Trotzdem ist das Leben friedvoll und von einer sommerlichen Leichtigkeit durchzogen – bis die Mädchen anfangen, sich für Jungs zu interessieren. Dabei haben sie völlig unterschiedliche Vorstellungen: Während Maria sofort an Hochzeit denkt, möchte Katerina ihre Freiheit niemals aufgeben, ist hin- und hergerissen.

Feinsinnig und klug erzählt Liberaki aus dem Leben junger Frauen. Eine flirrend-sommerliche Atmosphäre steigt aus den Seiten empor und umschmeichelt betörend den Geist. Eine echte Entdeckung ist dieser Roman, der wie ein sommerlicher Cocktail perlt.

Drei Sommer

von Margarita Liberaki

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Dreamland Billionaires - The Fine Print
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Schon vor Erscheinen der deutschen Ausgabe wurde dieses Buch auf TikTok gefeiert. Ich weiß jetzt auch warum: Denn darin knistert es gewaltig, es ist spicy und ungemein witzig. Denn die Dialoge zwischen Rowan und Zahra sind bissig und gerade deshalb anziehend.

Die beiden lernen sich an Rowans ersten Arbeitstag kennen. Zusammen mit seinen beiden Brüdern soll er das Freizeitpark-Imperium „Dreamland“ vom kürzlich verstorbenen Großvater weiterführen – sofern sie die von ihm festgelegten Aufgaben erfolgreich absolvieren. Sollte es ihnen nicht gelingen, dann erbt der Vater alles, und genau das wollen die Brüder verhindern. Rowan soll die Magie ins Unternehmen zurückholen, dabei die Schwachpunkte herausfinden und einen „Erneuerungsplan“ erstellen.

Nun betritt der neue Chef die Versammlung, wird aber gleich von einer Mitarbeiterin gestört, die zu spät kommt und obendrein ganz schön frech ist. Es handelt sich um Zahra. Und da ist sofort etwas, was wir alle wahrnehmen. Es knistert gewaltig und dieses Knistern zieht sich fort. Von Zahra geht es etwas aus, das selbst aus den Bücherseiten nach draußen steigt. Das ist nicht nur ihre quirlige Art. Bald schon beeindruckt sie ihren neuen Chef mit ihrer Kreativität und dann sind da diese Spannungen, die beide umgibt, sobald sie gemeinsam in einem Raum sind. Oh la la!

Dieses Buch hat etwas Märchenhaftes. An einigen Stellen sollte man den Verstand einfach ausknipsen. Am besten stellen Sie ihn vor die Tür. Danach erleben Sie prickelnden wie witzigen Spaß und auch extrem heiße Szenen. Aber keine Bange – beim nächsten Wortgefecht mit Zahra und Rowen weht ihnen wieder frischer Wind um die Nase, und sie können lachend aufatmen.

Dreamland Billionaires - The Fine Print

von Lauren Asher

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The Unhoneymooners - Sie können sich nicht ausstehen und fliegen gemeinsam in die Flitterwochen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Was Sie hier nicht sehen, ist der hinreißende wunderschöne Buchschnitt. Er hat mich sofort um den Finger gewickelt. Wird mich der Inhalt ebenso bezaubern? Dieser Frage musste ich natürlich nachgehen, so habe ich mich in diesen TikTok-Liebling hineinfallen lassen. Und ich bin erst wieder grinsend herausgekommen, nachdem mir Olive ihre Geschichte zu Ende erzählt hat. Denn das Buch versprüht auch von innen heraus eine Anziehung!

Olive ist die Ich-Erzählerin dieser Enemies-to-Lovers-Romance-Story. Olives Zwillingsschwester Ami hat die Ausstattung ihrer Hochzeit gewonnen. Angefangen vom Brautkleid über die Festlichkeit bis hin zu den Flitterwochen auf Hawaii. Allerdings haben sich beim Büfett Viren ausgebreitet und die ganze Gesellschaft niedergestreckt – bis auf Olive und Ethan. Ethan ist Dans Bruder und nun Olives Schwager. Da das Hochzeitspaar die Reise nicht antreten und sie nicht verschieben kann, reisen nun Ethan und Olive. Die Katze und der Hund – denn beide können sich nicht ausstehen. Das kann ja was werden.

Und das wird was, liebe Leserinnen und Leser. Mehr darf ich nicht verraten, außer, dass dies eine unglaublich erfrischende, herzerwärmende und berührende Geschichte ist, deren Verpackung hält, was sie verspricht. Allerbeste, fröhliche Sommerlektüre und eine wunderbare RomCom!

Sie finden das Buch in unserem TikTok-Buchregal - direkt neben den englischen Büchern.

The Unhoneymooners - Sie können sich nicht ausstehen und fliegen gemeinsam in die Flitterwochen

von Christina Lauren

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Mr. Chas und Lisa Sue treffen die Pandas
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch ist durch und durch außergewöhnlich. Allein schon die Form – die sich von einem gewöhnlichen Kinderbuch unterscheidet. Es hat die Größe einer Tafel Schokolade, man kann es daher im Buchladen zwischen den anderen großen Büchern leicht übersehen, deshalb hebe ich es hier noch einmal lobend hervor.

Den großen Leserinnen und Lesern ist Fran Lebowitz ja bekannt. Bevor sie Kolumnistin bei Andy Warhols legendären Magazin „Interviews“ wurde, hat sie als Taxifahrerin und Putzfrau gearbeitet. Später schrieb Fran Lebowitz für „Vanity Fair“ und „Mademoiselle“. Gefeiert wurde die Autorin für ihren Kolumnenband „New York und der Rest der Welt“. Martin Scorseses hat das Leben der Künstlerin in seiner Netflixserie „Pretend It's a City weltbekannt gemacht. Und nun also das Kinderbuch – Familienbuch.

„Mr. Chas und Lisa Sue treffen die Pandas“ ist eine irrwitzige fantastische Geschichte. Mr. Chas heißt eigentlich Charles und ist wie Lisa Sue sieben Jahre alt. Seine Freundin Sue und er leben im gleichen Haus und sind beste Freunde. Als der Ich-Erzähler – Mr. Chas – mit seiner Freundin in ihrer Wohnung Süßigkeiten suchen, entdecken sie eine geheime Tür, die eigentlich nicht geheim ist. Denn sie ist nicht versteckt. Die beiden schlüpfen durch und finden sich plötzlich in einem langen Flur wieder. Dort treffen sie bald auf zwei Pandas: Pandämonium und der Panda, der nicht dem Massengeschmack huldigen will. Herrliche Namen, oder?

Nachdem die vier den ersten Schock des Entdeckens verdaut haben, erfahren die beiden Kinder, was die beiden Pandas wollen: Sie wollen als Hunde verkleidet nach Paris reisen. Aber wie dorthin kommen? Ohne Geld? Lisa Sue und Mr. Chas entwerfen einen Plan...

Ralf König hat dem Buch passende Illustrationen verpasst. Bilder und Text gehen Hand in Hand. Wäre ich nochmal Kind, dann wäre das Buch mein Lieblingsbuch, das ich immer mit mir herumtragen würde. Es steckt voller frecher Sätze, kluger Gedanken, toller Ideen und jeder Menge Mut. Ein Buch, das fröhlich macht und Lust aufs Lesen!

Leseempfehlung ab 6 Jahre.

Mr. Chas und Lisa Sue treffen die Pandas

von Fran Lebowitz

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Die Affäre
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe der Übersetzerin Ursel Allenstein die Entdeckung dieser bemerkenswerten norwegischen Autorin zu verdanken. Als ich im vergangenen Jahr „Die Psychologin“ von Helene Flood in den Händen hielt, entdeckte ich den Namen der Übersetzerin. Und dachte mir: Das ist meins! Denn ich habe bisher einige Bücher gelesen, die Ursel Allenstein übersetzt hat und aus ihnen wurden Herzensbücher. Auch beim Thriller wurde ich nicht enttäuscht. Als jetzt „Die Affäre“ erschienen ist, konnte ich natürlich nicht widerstehen.

Wieder erlebe ich eine Ich-Erzählerin. Sie lebt mit ihrer Familie in einem besonderen Haus. Man kennt sich, die Nachbarin ist die stellvertretende Rektorin der Tochter. Doch seit geraumer Zeit erschüttern brutale Katzenmorde das scheinbare Idyll. Wer steckt dahinter? Dabei bleibt es nicht. Es kommt noch dramatischer.

Als Rikke an einem Samstag früher von der Theaterprobe ihrer älteren Tochter nach Hause kommt, will sie ihren Nachbarn Jørgen besuchen, doch dieser reagiert nicht auf ihre SMS. Seltsamerweise brennt Licht in seiner Wohnung, die über ihrer liegt. Doch Jørgen öffnet die Tür nicht. Die Neugier führt sie kurz in die Wohnung, dort nimmt Rikke etwas Seltsames wahr. Erschrocken schleicht die Frau wieder raus, wird von einem Nachbarn fast ertappt. Am nächsten Tag stehen blinkende Polizeiautos vor der Tür des Hauses. Im Haus wurde eine männliche Leiche gefunden, bald ist klar, dass es sich um Jørgen handelt.

Rikke ist schockiert, traurig und stark verunsichert. Denn sie hatte eine Affäre mit dem Toten. Und jetzt? Ausharren? Handeln? Ihrem Mann beichten? Und alles aufs Spiel setzen?

Die Autorin arbeitet im wirklichen Leben als Psychologin. Das spürt man. Floods Bücher leben vor allem von subtiler Spannung und Andeutungen, sie taucht in die tiefen Abgründe der menschlichen Seele.

„Die Affäre“ ist mehr ein Spannungs- und Beziehungsroman als ein Thriller. Wer es wie ich nicht immer schnell und peitschend zwischen den Buchseiten haben muss, der wird mit der Lektüre überaus spannende und psychologisch interessante Lesestunden erleben. Ein Buch, das einen auch aus einer Leseflaute hinausheben kann und sich genauso gut im Gepäck für den nächsten Norwegen-Urlaub macht.

Die Affäre

von Helene Flood

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Meine Familie und andere Tiere
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es lohnt sich doch immer, einen Klassiker im Reisegepäck zu haben. Bevor ich in den Urlaub gestartet bin, hat mir meine Kollegin Tina Seelandt diesen modernen Klassiker in die Hand gedrückt. Jetzt ist mein Urlaub um, aber in mir summt es immer noch. Wie summen? Jawohl! Denn Gerald Durrell teilt im Buch seine große Liebe zur Tier- und Pflanzenwelt. Und das vor der wundervollen Kulisse der griechischen Insel Korfu.

Gerade mal zehn Jahre alt war der Ich-Erzähler und Autor, als er mit seiner Familie dem grauen und tristen England entflohen ist. Ein Freund hat ihnen zu Korfu geraten. Und so macht sich die Familie auf den Weg. Zur Familie gehören die verwitwete Mutter, die 18jährige Margo, der 23jährige Larry, der 19jährige Leslie und besagter Erzähler. Jeder hat seine ganz eigene liebenswerten Macken und Leidenschaften. Die Mutter ist passionierte Köchin, Larry liest und schreibt für sein Leben gern, Margo ist eine junge Dame, die all das macht, was junge Damen in dem Alter eben interessiert damals im Jahr 1935 wie heute, Leslie ist ein Freund von Waffen (weniger erfreulich, aber der Autor hat es charmant und friedlich umgesetzt) sowie unser Erzähler – der Tier- und Pflanzenfreund. In seinem wirklichen Leben leitete der 1925 im indischen Jamshedpur geborene Autor internationale Expeditionen zur Erforschung seltener Arten und wurde zu einem weltweit bekannten Tierschützer.

Auf Korfu angekommen, macht die Familie bald die Bekanntschaft mit Spiro – einen Einheimischen, den alle auf der Insel kennen und vor denen sie Respekt haben. Spiro feilscht für die Familie und findet für diese bald ein eigenes Haus. Es kommen neue Menschen hinzu, Tiere natürlich auch. Denn unser Erzähler schleppt sie alle an. Durrell zeigt mir mit voller Liebe vertraute und neue Tiere, die Falltürspinne beispielsweise ist eine neue Entdeckung für mich.

Die Lektüre ist ein Hochgenuss! Einerseits ist sie derart geistreich, erfrischend geschrieben. Es gibt unzählige erheiternde Momente, herrliche Dialoge und wahrlich filmreife Szenen. Dieses Buch als Film wäre ein Freudenfest! Obendrein leuchtet die Liebe zur Natur in allen Facetten und ich erlebe sie mit allen Sinnen, da der Autor jedes kleine Tierchen mit großer Hingabe beschreibt. So flirrt, summt und flattert es eigentlich die ganze Zeit. Auch die Kulisse ist ein Traum: Korfu! Die Olivenhaine, das glitzernde Meer!

Und wer schnüffelt da an meinem Bein? Ach, Roger. Den Familienhund habe ich fast vergessen. Er ist mehr Mensch als Hund, so klingen die Beschreibungen mit dem Hund aus der Sicht des Jungen. Einfach goldig – wie der ganze Text.

Tauchen Sie ein in dieses beglückende Buch, ob nun auf dem heimischen Balkon oder auf Korfu, Sie werden ihre wahre Freude erleben und am Ende sicherlich auch dieses Summen im Ohr haben.

Meine Familie und andere Tiere

von Gerald Durrell

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Der Papierpalast
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Alles beginnt mit einem sommerlichen Katertag. Elle erwacht sehr früh in ihrem Sommerquartier in Back Woods und spürt noch den Alkohol der letzten Nacht in ihrem Kopf, wo obendrein seltsame Erinnerungen aufsteigen. Die Ich-Erzählerin macht sich auf dem Weg zum nahen See und schwimmt ihre erste Runde. Sie lässt dabei den letzten Abend Revue passieren und spricht es geradewegs aus: »Gestern Abend habe ich mit ihm gefickt, endlich.« Ziemlich anzügliche Worte, die für mich so gar nicht in den Erzählfluss passen und sich zunächst wie ein Holzsplitter anfühlen. Aber vielleicht sind sie so etwas wie ein Befreiungsschlag – von einer Frau in den mittleren Jahren, die ihr Leben hinterfragt.

Mit „Er“ ist übrigens Jonas gemeint, Elles langjähriger und bester Freund. Zusammen mit seiner Frau Gina verbringt der attraktive Mann am gleichen Ort den Urlaub wie Elle mit ihrer Familie. Beide sind hier lange schon verwurzelt: Elle und Jonas, Jonas und Elle, so ging das viele Jahre lang – bis zu einem einschneidenden Ereignis. Was die beiden verbindet, entrollt Miranda Cowley Heller im Verlauf der Geschichte und nutzt dabei raffiniert zwei Erzählebenen.

Einerseits begleiten wir Elle von Mitte der Sechziger an, als sie noch ein kleines Kind in New York war. Andererseits sehen wir sie als reife Frau im Hier und Jetzt und vor allem nach der besagten Sommernacht, die alte Sehnsüchte und Narben aufreißt. Die Mutter von drei Kindern denkt plötzlich über ihr bisheriges Leben nach und verliert dabei ihr Gleichgewicht. Schlimmer noch wiegt die Vergangenheit, die belastet ist von einer dysfunktionalen Familie, Missbrauch, dem Schweigen darüber, und dem Tod eines geliebten Menschen.

So gesehen ist »Der Papierpalast« alles anderes als eine seichte sommerliche Seifenoper. Wäre da nicht dieses gewisse Etwas, diese mitreißende Leichtigkeit, die selbst schweren Themen den Schrecken nimmt. Das gelingt der Autorin vor allem durch ihren ganz eigenen Witz und einer Situationskomik, wie ich sie aus „The Sopranos“ oder „Six Feet Under“ kenne. So entstehen vor meinem inneren Auge herrliche, nahezu filmreife Szenen. Sollte es den Roman irgendwann als Serie geben, ich wäre nicht überrascht. Ganz im Gegenteil: Ich wäre höchst erfreut.

Der Papierpalast

von Miranda Cowley Heller

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Lighthouse Bookshop
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stellen Sie sich einen alten Leuchtturm vor, in dem sich ein Antiquariat mit Büchern befindet. Klingt das traumhaft? Aber es muss kein Traum bleiben, denn Sharon Gosling nimmt sie mit ihrem neuen Buch „Lighthose Bookshop“ dort mit hinein. Also Buch auf und herzlich willkommen in der wunderbaren Welt von Sharon Gosling! Die Autorin hat mich bereits vor einem Jahr mit „Fishergirl's Luck“ begeistert. Goslings Mann besitzt selbst einen Buchladen und die Autorin weiß, welche Zutaten man braucht, um Leser:innen zu beglücken.

In einem kleinen Dorf in Schottland arbeitet Rachel in einem Buchladen im Leuchtturm. Hier hat sich eine kleine Gemeinschaft zusammengefunden, die Rachel mit ihren Büchern, aber auch mit Kaffee und Kuchen beglückt. Eines Tages fallen zwei neue Gesichter in diese Idylle ein: Gilly – ein Mädchen, das nichts über sich preisgeben will, und der Journalist Toby, der an seinen Memoiren arbeiten will. Als plötzlich der Besitzer des Leuchtturms verstirbt, gerät alles ins Wanken. Denn der Leuchtturm soll verkauft werden und dann findet Rachel noch ein lang verborgenes Geheimnis.

Das Buch lebt vor allem durch seine Menschen, die mir sofort ans Herz wachsen. Da ist die grummelnde Künstlerin Edie, die mich zunächst an einen spitzen Dorn erinnert. Doch hinter ihrem harten Kern verbirgt sich mehr. Was ist mit Rachel? Welches Geheimnis verbirgt sie vor Toby und den anderen? Und Gilly? Warum will sich das Mädchen von niemandem helfen lassen?

Sie haben alle ihre Päckchen zu tragen und nähern sich in kleinen Schritten an. Das liest sich herzerwärmend und ist überhaupt nicht kitschig. Sharon Gosling legt in ihre Sprache viel Esprit und luftigen Charme. „Lighthouse Bookshop“ erzählt von Freundschaft, Solidarität, Liebe und das, was Menschen zusammenführt. Traumhaft schön!

Lighthouse Bookshop

von Sharon Gosling

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Gratisessen für Millionäre
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Im Leben gab es so vieles, was man sich nicht leisten konnte, dennoch musste man sich zumindest die Hoffnung bewahren und von Zeit zu Zeit den Ort des Begehrens besuchen.“ Das könnte Caseys Lebensmotto sein. Sie ist die tragende Figur in Min Jin Lees Roman „Gratisessen für Millionäre“.

Die Koreanerin hat ihren Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an einer Eliteuniversität absolviert, doch einen Job hat sie noch keinen. So ist Casey wieder zu Hause eingezogen. Als Casey eines Abends ihre Stimme gegen den Vater erhebt, eskaliert die angespannte Familiensituation. Der Vater flippt aus, schlägt Casey. Sie flüchtet daraufhin zu ihrem Freund Jay. In seiner Wohnung angekommen, überrascht sie Jay bei einem Liebesspiel mit zwei Frauen. Casey macht also kehrt und sucht Unterschlupf im Hotel. Doch wie lange wird ihr Geld reichen? Anstatt es zu hüten, gibt sie es am nächsten Tag komplett für Klamotten aus. Casey hat ein Faible für schöne Kleidung. Aber hilft ihr das jetzt wirklich weiter?

Min Jin Lees Einstieg ist extrem spannungsgeladen. Danach ist es weniger laut, aber die Spannung reißt nicht ab. Atemlos folge ich der 22jährigen Frau, die versucht, in der teuren Stadt zu überleben, dabei ihren Platz in der Gesellschaft und der Businesswelt zu finden. Ich erlebe eine Frau, die zerrissen ist zwischen den traditionellen Ansichten ihrer Herkunft, ihren eigenen Wünschen und dem Wohlstand um sie herum. Das Leben ist hart, so sollte auch die Arbeitswelt sein, das haben ihr die Eltern vorgelebt. Warum sollte sie nach Selbstverwirklichung streben? Warum eigentlich nicht?

„Gratisessen für Millionäre“ ist ein universeller Großstadtroman mit vielen Kontrasten, Herausforderungen und einer großen Themenpalette, die die Autorin galant einwebt, ohne dass die Geschichte überladen wirkt. Absolut mitreißend erzählt, unterhaltend wie bewegend. Obwohl kein lang anhaltendes Echo zurückbleiben wird, werde ich mich dennoch lächelnd an diese eine Woche purer Lesefreude zurückerinnern. Manchmal reicht auch das, um einfach glücklich zu sein.

Gratisessen für Millionäre

von Min Jin Lee

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Komm mit, Angst
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wie wäre es, wenn die Angst ihr Schreckensgesicht verlieren würde und eine Art Wegbegleiterin wäre? Davon erzählt dieses Bilderbuch. Laura Malina Seiler - selbst Mutter von zwei Kindern - ist eine der bekannten Gesichter der modernen Spiritualität. In ihrem Podcast "happy, holy & confident" beschäftigt sie sich mit den Themen des Lebens.

Warum schreibe ich Ihnen das? Nun, um zu zeigen, dass sie ein Stück davon in Malinas Bilderbuch wiederfinden. Behutsam, achtsam und klug spürt die Autorin diesem schrecklichen Gefühl nach. Was es mit uns allen macht. Doch ein anderer friedvoller Umgang ist durchaus möglich.

Die Autorin stellt ihren jungen Leser:innen kindgerechte Fragen: "Wie sieht deine Angst aus?" "Was braucht deine Angst?" Nicht wegschauen, sondern die Angst betrachten und mit ihr ins Gespräch gehen. Die Illustrationen von Lea Androic schmiegen sich liebevoll in Malinas Text - sie sind weich und wunderschön fantasievoll.

Ein Mut machendes und aufbauendes Buch, das ich mir als Kind gewünscht hätte.

Ab 4 Jahren.

Komm mit, Angst

von Laura Malina Seiler

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Sprich mit mir
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Bella Italia! Wenn ich an Italien denke, sehe ich Espresso, aromatische Tomaten vor mir. Wein ebenso und natürlich Elena Ferrante! Eine weitere italienische Autorin blitzt jetzt bei mir auch auf: Lidia Ravera. Merken Sie sich bitte diesen Namen. Und ich verspreche Ihnen, Sie werden keine Minute bereuen, die Sie mit der Ich-Erzählerin verbringen.

Trotz ihrer gelassenen Art hat Giovanna Feuer in sich - wie der schlummernde Vesuv. Giovanna ist ist klug und sie trägt ein Geheimnis in ihrem Herzen. Seit nunmehr 20 Jahren lebt sie deshalb zurückgezogen in ihrer Wohnung am Stadtrand von Rom, direkt am Tiber. Doch eines Tages wird ihre Stille von neuen Nachbarn zerstört. Maria und Michele ziehen mit ihren Kindern Malvina und Malcolm in die Nachbarswohnung ein. Maria und Michele fassen bald Vertrauen in ihre ältere Nachbarin, die Maria "Silbermähne" nennt. Was die beiden nicht wissen, beide Schlafzimmer sind durch eine Rigipswand getrennt und Giovanna versteht die abendliche Gespräche der beiden, schreibt sie auf und wird zur Chronistin ihrer Beziehung.

Giovanna öffnet sich Malvina, es rührt sie (und mich), sie kümmert sich mit großer Liebe um die Kleine, wenn ihre Eltern nicht da sind. Das Verhältnis zu Malcom, der eine andere Mutter hat, ist zunächst etwas unterkühlt, doch bald schon verbindet die beiden ein Band. Malcom ist ein umweltbewusster Junge, den wir wohl alle kennen. Das Leben aller hätte so weiterlaufen können, wenn da nicht Marias gutaussehender und charmanter Vater Pietro aufgetaucht wäre.

Was für ein einnehmender und großartiger Roman! Er ist literarisch ausgefeilt, spannungsgeladen und von tiefer Menschlichkeit durchzogen.

Lidia Ravera legt ihrer Heldin zahlreiche kluge Beobachtungen und Gedanken in den Kopf, die ich wie Löschpapier aufgesogen habe. Sie spannt einen breiten Bogen von dem revolutionären Italien der 68er bis zur Gegenwart. Beeindruckend und unvergesslich!

Sprich mit mir

von Lidia Ravera

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Wolf
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die Sommerferien winken schon am Horizont und ich winke zurück mit der passenden Lektüre – ob zur Einstimmung oder für den Urlaub: „Wolf“ von Saša Stanišić. Das Buch habe ich eigentlich nur aufgeschlagen, da ich ein großes Herz für Wölfe habe. Und natürlich wegen des Autors. Zwei gute Voraussetzungen. Und soll ich euch verraten, dass meine Rechnung aufging? Aber lasst mich von vorn beginnen.

Da eröffnet Kemis Mutter ihm, dass sie ihn für ein Ferienlager angemeldet hat. Draußen in der Natur, denn das Camp befindet sich mitten im Wald. Unser Ich-Erzähler hat da so überhaupt keine Lust drauf. Aber das ist allemal besser als die Ferienbetreuung in der Schule. Und so begibt sich Kemi auf die Reise und – sie wird ganz anders als erwartet. Ein kleines Lehrstück des Lebens würde ich jetzt als Erwachsene sagen: Bleibt offen für alles.

Kemi erlebt in dem Lager natürlich einige Überraschungen und Herausforderungen. Wie der Zufall es will, muss sich unser Held sein Zimmer mit Jörg teilen. Jörg ist ein bisschen wie Kemi, beide sind anders als die anderen. Verstehen sie sich vielleicht deshalb so gut? Sie werden Verbündete. Sie brauchen sich auch, da eine Gruppe von Jungs sich gegen Jörg verschworen hat. Abends, wenn Kemi wachliegt und überlegt, wie er Jörg helfen kann, taucht plötzlich ein Wolf auf. Ist er wirklich da? Oder bildet sich unser Held das Wildtier nur ein?

Was für mich ein bisschen gewöhnungsbedürftig war, ist die Sprache. Aber ihr werdet euch in Saša Sprache wohlfühlen. Und die Illustrationen sind mitunter echte Hingucker. Sie kommen von Regina Kehn.

„Wolf“ ist ein packendes, aber auch aufrüttelndes Leseabenteuer, denn der Autor webt in seine Geschichte Mobbing mit ein. Wenn jemand von anderen ständig geärgert wird, das kennt ihr sicher auch. Und es ist ein tolles Buch über Freundschaft und Zusammenhalt.

Ab 10 Jahren.

Wolf

von Saša Stanišic

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Ich bin Joy
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sieht dieses Buch nicht fröhlich aus? Das gehört sich auch für die Heldin dieser Geschichte, denn Joy ist eine große Optimistin. Die Elfjährige sieht selbst hinter fetten Regenwolken die Sonne und noch mehr spürt sie auf: Alltagsmagie!

Gerade ist Joy mit ihrer Familie im Haus des Großvaters in England angekommen. Dieses Mal bleiben sie mindestens ein Jahr, weil ihr Großvater einen Unfall hatte. Für Joy und ihre ältere Schwester bedeutet dies, dass sie zum ersten Mal auf eine richtige Schule müssen. Denn bislang sind sie mit ihren Eltern rund um den Globus gereist.

Während sich Claude schnell eingewöhnt, hat unsere Joy leichte Probleme. Doch eine alte Eiche auf dem Schulhof wird ihre neue Freundin und Benny, der eines Tages dahinter hervortritt.

Jenny Valentine erzählt klug, witzig und ganz aus der Sicht einer Elfjährigen. Joy löst die Herausforderungen des Alltags auf ihre ganz eigene Weise. Sie hat wahrlich Chuzpe! Joy zu folgen, bereitet großen Spaß - ja, die Seiten versprühen gute Laune - auch die Illustrationen von Calire Lefevre passen perfekt zur Geschichte.

"Ich bin Joy" ist Band 1. "Alles Liebe von Joy" heißt die Fortsetzung, die jüngst erschienen ist.

Für alle Leser:innen ab 10 Jahren.

Ich bin Joy

von Jenny Valentine

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Der andere Ort
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Rachel Cusk zählt zu den stärksten weiblichen Stimmen unserer Zeit. Und es lohnt sich wirklich, ihr Werk zu entdecken. Viele ihrer Bücher kreisen um das Thema Mutterschaft, aber man muss nicht unbedingt Mutter sein, um sich mit ihren Romanen anzufreunden. Auch politisch hat sie ihre eigene Meinung und lebt mittlerweile aus Protest gegen den Brexit nicht mehr in England.

In ihrem soeben frisch erschienenen Taschenbuch „Der andere Ort“ bietet sie uns ein Kammerspiel der besonderen Art: Drei Paare kommen im englischen Marschland zusammen. Die Ich-Erzählerin, ihr Mann Tony, die gemeinsame Tochter und deren Freund sowie der Maler L mit seiner Geliebten. Das Ehepaar lädt sich gern und regelmäßig Autoren wie auch andere Kunstschaffende in ihr Cottage ein. In diesem Fall ist der Anlass die langjährige Faszination für den Maler L. Seit sie in Paris seine Bilder gesehen hat, kann die Ich-Erzählerin nicht aufhören, an diesen unbekannten Mann zu denken. Seine Kunstwerke sind so etwas wie eine Offenbarung für die Frau. Aber zunächst ist es kein leichtes Unterfangen, diesen Mann überhaupt zu erwischen: Mal sagt der Künstler zu, dann wieder ab, dann wieder zu. Schließlich kündigt er sein Erscheinen an. Doch L kommt nicht allein, sondern wird von der jungen und attraktiven Brett begleitet. Damit nicht genug – der Maler weigert sich hartnäckig, die Gastgeberin zu porträtieren und entzieht sich ihr geradezu.

„Der andere Ort“ versprüht Funken der Reibung, ist unglaublich unterhaltsam, mitunter sehr böse und bis an die Schmerzgrenze schonungslos. Ein Wechselbad der Gefühle. Und Rachel Cusk überrascht in der Geschichte mit verschiedenen Perspektiven des Erzählens.

Rachel Cusk ist in jedem Fall eine Entdeckung wert, wie sie klug, lebensnah und beeindruckend ehrlich von inneren Dämonen und Lebenslügen erzählt.

Der andere Ort

von Rachel Cusk

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Wo die Wölfe sind
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wölfe hatten es noch nie leicht, seitdem es den Menschen gibt. Die Tiere wurden regelrecht verteufelt, sind immer noch bei vielen Menschen verhasst wie gefürchtet. Obwohl hinreichend bekannt ist, dass man die scheuen Tiere nicht fürchten muss. Von bestimmten Medien werden sie sogar als Monster bezeichnet. Dass sie Wildtiere und nicht zähmbar sind, steht außer Frage. Dass sie für den Wald und Naturschutz ein wichtiger Grundstein sind, ist vielen nicht bekannt. Um so wichtiger sind Bücher wie „Wo die Wölfe sind“ von Charlotte McConaghy.

Hier geht es um ein Projekt in Schottland, wo die Natur vom Rotwild stark geschädigt wurde. Nun sollen mit Sendern ausgestatteten Wölfe angesiedelt werden, um das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen. Sollte sich herausstellen, dass die Wölfe Schafe reißen, dürfen sie allerdings geschossen werden. Als die Ich-Erzählerin Inti eines Nachts einen toten Farmer entdeckt, der auf den ersten Blick von einem Wolf so übel zugerichtet wurde, vergräbt sie ihn kurzerhand. Aber war es wirklich ein Wolf? Oder doch eher ein Mensch? Denn der tote Stuart Burns war bekannt dafür, dass er seine Frau schlägt. Inti wusste das und wollte der Frau beistehen. Am Abend zuvor hat Duncan, der Geliebte der Wissenschaftlerin, einen Streit zwischen Inti und Stuart mitbekommen. Als Inti in seinem Bett aufwacht, ist Duncan nicht mehr da…

Nach und nach entrollt die Autorin nicht nur die Bedeutung der Wölfe für eine gesunde Natur und die Auswirkungen des Klimawandels, sie erzählt auch die berührende Geschichte von Intis Zwillingsschwester Aggie, die nicht mehr spricht. Warum sie schweigt, erfahren wir erst im Verlauf der Geschichte.

Faszinierend ist diese Story in jedem Fall. Besonders die Hauptfigur Inti, eine furchtlose junge Frau, die eine große Wut in sich trägt und die seltene Fähigkeit besitzt, Gefühle von anderen nachzuempfinden.

Charlotte McConaghy hat einen wichtigen und spannenden Roman geschrieben, der nicht nur starke Figuren bietet, sondern starke Aussagen über den Klimawandel und diese besonderen Tiere. Und verdeutlicht, wie alles zusammenhängt.

Wo die Wölfe sind

von Charlotte McConaghy

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Happy Place
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Emily Henry hat mich für über die TikTok-Community erreicht. Das ist diese Welt, in der sich die jungen Menschen heute digital so gern aufhalten. Dort entwickeln sich Bücher zu BookTok-Bestsellern. Emily Henry hat mich bereits mit ihrem Buch „Kein Sommer ohne dich“ begeistert. Insofern war ihr neuester deutschsprachiger Roman „Happy Place – Urlaub mit dem Ex“ ein Must Read für mich.

Harriet ist die Ich-Erzählerin und ich bin sofort wieder gefangen im charmanten Henry-Ton. Er sprüht vor Lebendigkeit, ist witzig, aber niemals flach. Die junge Ärztin Harriet reist zur Hochzeit ihrer beste Freundin – an den Ort, den sie so lange schon gemeinsam für Sommerurlaube mit ihren Freundinnen und deren Freunde teilen. Das Sommerhaus ihrer Freundin Sabrina in Maine.

Als sie plötzlich ihrem Ex-Verlobten Wyn gegenübersteht, kommen große graue Wolken auf, denn die beiden haben es noch niemanden gesagt und müssen vorerst so tun als ob. Denn sie haben sich getrennt. Immerhin galten Har und Wyn als das perfekte Paar. Wollen sie die flirrende aufgedrehte Stimmung jetzt mit dieser Neuigkeit verderben? Wie lebt es sich als getrenntes Paar in einem Schlafzimmer? Was sollen noch diese Gefühle?

Ja, Emily Henry ist eine Frau der Gefühle, aber nicht der kitschigen, sondern mehr der frechen. Ihre Romane sprudeln wie frisch entkorkter Prosecco. Sie sind mitreißend erzählt und machen einfach Spaß! Es dreht sich hier nicht alles um das schönste Gefühl. Emily Henry schreibt genauso mitreißend und beglückend über Freundschaften. Was sie verbindet und zusammenhält.

Wenn Sie nach einer leichten Lektüre für den Urlaub suchen oder das Phänomen „BookTok“ lesend erkunden wollen, dann springen Sie in diese RomCom. Und ich verspreche Ihnen: Sie werden Ihre wahre Freude erleben, viel lachen, seufzen und die Sonne Maines auf ihrem Kopf spüren. Was kann es Schöneres geben? Eben!

Sollten Sie auf den BookTok-Geschmack gekommen sein, dann sagen Sie mir Bescheid, ich hätte da noch weitere Tipps für Sie oder Ihrem Lesenachwuchs, im Laden und bald auch hier.

Happy Place

von Emily Henry

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Die Telefonzelle am Ende der Welt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Was schenkt man jemanden, der einen geliebten Menschen verloren hat? Die richtige Antwort kenne ich nicht, aber ich habe einen Roman, der sich auf behutsame und lebenskluge Weise mit dem Thema der Trauerbewältigung beschäftigt.

Laura Imai Messina erzählt in ihrem Roman „Die Telefonzelle am Ende der Welt" von einer kleinen Schicksalsgemeinschaft, die zusammenfindet. Die Radiomoderatorin Yui hat 2011 beim Tsunami ihre Mutter und Tochter verloren. Durch eine Sendung über Trauer erfährt sie von einer Telefonzelle, die auf einem Hügel mitten im Garten - im Bell Gardia - steht, sieben Autostunden von Tokio entfernt. Das Telefon ist nicht am Strom angeschlossen, die Menschen kommen trotzdem dorthin und nehmen Kontakt mit ihren verstorbenen Angehörigen auf, sprechen in den Hörer, und sind so ihren Lieben nah. Diese Telefonzelle gibt es übrigens tatsächlich und hat die Autorin mit Sicherheit zu ihrem Roman inspiriert.

Als Yui sich zum ersten Mal auf den Weg macht, trifft sie in dem Garten einen umherirrenden Mann und beiden wird sofort klar, dass sie Gleiches vorhaben. Auch Takeshi hat einen Verlust erlitten, seine Frau ist an Krebs gestorben. Seitdem spricht seine kleine Tochter Hana nicht mehr. Hier an diesem Ort hofft er - ja, auf was? Trost zu finden. Und den findet er - nicht nur in Yui. Während Takeshi ins Telefon spricht, wahrt Yui erst einmal Abstand beobachtet. Nach dem Gespräch gehen sie gemeinsam ins Haus des Hüters dieses Ortes - zu Suzuki-san... auch hier entwickelt sich im Laufe der Zeit eine berührende Beziehung.

Es sind leise Töne, die aus dem wundervollen Buch emporsteigen. Sanftmütig, poetisch, mitunter bezaubernd, indem die Autorin kleine besondere Beobachtungen vor die Kapitel stellt. Und es finden sich in den Seiten Sätze, in denen sich jede Trauende, jeder Trauender wiedererkennen kann: „Wer eine große Trauer durchlebt, fragt sich an einem gewissen Punkt, was schwieriger ist: das Erlernen oder das Verlernen."

Ein zartes, sehr tröstliches wie hoffnungsfrohes Buch, das deutlich macht, wie alles miteinander verbunden ist - das Leben, der Tod, die Liebe.

Die Telefonzelle am Ende der Welt

von Laura Imai Messina

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Hexenkram: Grüna
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Grüna ist eine ungewöhnliche junge Hexe. Eine Hexe, die eigentlich keine Hexe sein will. Einerseits will die Elfjährige nicht wie ihre Mutter werden. Andererseits sind Jungs viel interessanter. Und was kann man schon mit Hexerei bewirken?

Diese Einstellung gefällt Grünas Mutter überhaupt nicht. So wendet sich Ursula verzweifelt an ihre Mutter. In einem Telefonat beschließen die beiden, dass Grüna zukünftig jeden Mittwoch bei ihrer Großmutter in die Welt der Hexerei eingeführt werden soll.

Diese Nachmittage werden außergewöhnlich, Auch da Grüna Soufi zu Gast hat und einen neuen Freund dazu gewinnt. Und dann ist die Welt der Hexerei spannender als Grüna zunächst angenommen hat.

Was für ein herrlicher Comic! Schon mit „Nowhere Girl“ hat mich Magali le Huche begeistert. Ich liebe ihre Zeichnungen, sie sind filigran und versprühen einen besonderen Charme. Ich grinse oft während der Lektüre – wegen der herrlichen Dialoge aus der Feder von Marie Desplechin, die perfekt zu den witzigen Bildern passen, sie gehen Hand in Hand.

Ein Comic für alle Mädchen und Jungen ab 8 Jahren, die es gern skurril mögen und nicht immer Bibi Blocksberg lesen wollen.

Übrigens kommt Magli le Huche zum diesjährigen Harbourfront Literaturfestival.

Hexenkram: Grüna

von Marie Desplechin

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Birdie und ich
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Dieses Buch habe ich von der Leipziger Buchmesse mitgebracht. Und es ist ein großer Gewinn! Ich war schon vorher neugierig auf das Buch, denn es ist für den diesjährigen Kinder- und Jugendbuchpreis nominiert. Ich lese ja derzeit viele Kandidatinnen und Kandidaten mit großer Freude. Daher finden Sie unter meinen Mai-Lieblingen einige Nominierungstitel.

J.M.M. Nuanez erzählt eine außergewöhnliche Geschichte über Birdie und seine große Schwester Jack. Jack ist die Stimme des Buches, die mich sofort zur Freundin hat. Sie kümmert sich liebevoll um ihren jüngeren Bruder Birdie. Der hat es nicht leicht, denn Birdie ist genderfluid. Er kleidet sich am liebsten weiblich und bekommt dafür viel Häme in der Schule.

Als wäre das nicht schon herausfordernd genug, suchen die beiden Geschwister ihren neuen Platz in der Welt. Denn ihre Mutter ist gestorben. Und nachdem sie zunächst bei ihrem Onkel Carl gelebt haben, müssen sie nun zu ihrem Onkel Patrick. Dieser kann zwar besser kochen, scheint auch fester im Leben zu stehen, aber Onkel Patrick hat kein Händchen für Kinder. Wie Jack versucht, sich und ihren Bruder durch das neue Leben zu manövrieren, liest sich derart berührend. Und beglückt mich im hohen Maße. Trotz der nicht immer leichten Themen.

"Birdie und ich" ist eine wunderbare Coming-of-Age-Geschichte, die ich nicht mehr aus der Hand legen konnte. Wegen Jack und Birdie, aber auch wegen dem eindringlichen und poetischen Erzählstil. Gleichwohl ist es ein Buch über Verlust und wie man damit leben kann und muss. Sehr menschlich erzählt die Autorin über die kleinen und großen Fehler, die wir alle machen.

"Birdie und ich" ist ein absolutes Herzensbuch. So freute ich mich ganz besonders, als mir ein Kunde kürzlich berichtete, wie begeistert sein Sohn von diesem Buch ist. Sie sehen, diese Lektüre kennt keine Grenzen. Und steht so verdient auf der Liste. Viel Glück Birdie!


Ab 11 Jahren.

Birdie und ich

von J. M. M. Nuanez

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Boris, Babette und lauter Skelette
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Manchmal werde ich nach Büchern für Mädchen und Jungen gefragt, die das Lesen für sich noch nicht ganz entdeckt haben. "Boris, Babette und lauter Skelette" von Tanja Esch ist exakt solch ein Buch, das ich Ihnen in solchem Falle in die Hand drücken würde.

Genau genommen handelt es sich um einen Comic, der herrlich witzig, und einfallsreich ist. So verwundert es mich nicht, dass dieses Buch die Jury des Kinder- und Jugendbuchpreises ebenso beeindruckt hat. Das Buch steht aktuell auf der Nominierungsliste.

Darin geht es um Boris, der von seiner Nachbarin Lynette den Auftrag bekommt auf ihr Tier aufzupassen. Denn Lynette geht für ein Jahr nach nach England. Allerdings darf Boris keine Haustiere halten, seine Eltern dürfen davon also nichts mitbekommen. Das ist noch nicht alles, denn Babette ist ein außergewöhnliches Tier. Es ist halb Bär, spricht mit einem sch-Akzent und nicht ganz einwandfrei. Sie ahnen es schon, ja, Babette zuzuhören, ist äußerst erheiternd. Und noch eine Sache will ich nicht unerwähnt lassen: Babette braucht es immer "gruschelig". Daher die Skelette auf dem Buchcover.

Boris dabei zu beobachten, wie er versucht, seine neue Mitbewohnerin zu verstecken und es ihr gruselig einzurichten ist ein genauso großer Spaß, wie Babette dabei zuzuschauen, was sie alles anstellt.

Eine spannende, herzerwärmende und humorvolle Geschichte, in der es durchaus auch um ernste Themen wie Ausgrenzung und Selbstfindung geht - das wird auf spielerische Art mit farbenfrohen und klaren Illustrationen vermittelt. Sehr temporeiche Strips, denen man quasi im Laufschritt grinsend folgt.

Ab 8 Jahren.

Boris, Babette und lauter Skelette

von Tanja Esch

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Willodeen - Das Mädchen und der Wald der verschwundenen Tiere
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich habe ein Herz für außergewöhnliche, eigensinnige Figuren. Ob in den Romanen bei den Großen oder im Kinder- und Jugendbuchbereich. Unsere Welt ist vielfältig, jeder Mensch auf seine Art einzigartig – und ganz besonders sind sie, wenn sie aus der Reihe tanzen.

Willodeen ist so eine Figur, die mich sofort zur Freundin hat. Das Mädchen hat bei einem Feuer ihre Familie verloren, jetzt lebt sie bei Mae und Birdie. Willodeens Summbärchen Duuzu hat den Brand knapp überlebt, allerdings kann er nicht mehr fliegen. Und so trägt Willodeen das kleine Wesen immer bei sich.

Willodeen ist auch besonders, da sie schon immer ein Herz für schaurige, stinkende Kreaturen hatte. So begeistert sie sich für die Kreischer. Wenn man diese Tiere ärgert, verströmen sie einen bestialischen Geruch. Eben diese Tiere verschwinden – das beunruhigt unsere kleine Heldin. Das kann und will sie nicht hinnehmen...

Das Buch mag zwar fantastische Elemente haben, doch wenn man genau hinsieht entdeckt man, dass die Autorin unsere Welt ablichtet. In der immer mehr Tiere ihren Raum verlieren und manchen vorm Aussterben bedroht sind.

„Willodeen“ ist ein stilles Buch, feinfühlig erzählt Katherine Applegate die Geschichte eines besonderen Mädchens, das auch große Fragen stellt: „Warum ist alles so kompliziert?“ Zudem zeigt die Autorin, wie alles zusammenhängt. Wir Menschen, die Natur, unser Atmen und die Tiere.

Ab 10 Jahren.

Willodeen - Das Mädchen und der Wald der verschwundenen Tiere

von Katherine Applegate

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Schuhu, da ist die Eule
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch habe ich von der Leipziger Buchmesse mitgebracht. Sie finden es jetzt bei uns, weil ich mich darin verliebt habe.

Es ist ein außergewöhnliches Entdecker-Aufklappbuch. Nur anders als gewohnt finden die kleinen Leser:innen darin keine Pappe zum Aufklappen, sondern Filz. Die Illustrationen sind kunstvoll und absolut hinreißend. Sie erinnern mich ein bisschen an Eric Carle - dem Schöpfer der "Raupe Nimmersatt". Ein besonderes Highlight sind kleine goldig hervorschimmernde Nuancen, mit denen das Buch einen leuchtenden Effekt hat.

Auch schön: Die Kleinen können einige Tierstimmen nachmachen. „Quiek, quiek, da ist die Maus!" Und noch etwas können sie: Suchen. „Entdeckst du einen krabbelnden Käfer?“ Filzvorhang auf und DA ist er. So süß! Da werde selbst ich wieder zum Kind.

Für mich ist dies eins der schönsten Pappbilderbücher. In Natura sieht das Buch noch viel viel schöner aus als hier abgebildet. Also kommen Sie am besten in die Buchhandlung und lassen sich verzaubern.

Ab 1 Jahr.

Schuhu, da ist die Eule

von Camilla Reid

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Fünf Winter
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Zugegeben die Vorschusslorbeeren für diesen Krimi waren hoch. "Fünf Winter" stand seit Erscheinen lange in der Krimibestenliste. Dennis Lehane und Stephen King zeigten sich ebenso begeistert von diesem Werk. Obendrein wurde das Buch mit dem Edgar Award 2022 und dem Barry Award für den besten Thriller des Jahres ausgezeichnet.

James Kestrel hatte mich aber schon nach den ersten Sätzen. Dieses Buch hat eine eigene Atmosphäre, die ich nur schwer beschreiben kann. Lassen Sie uns zunächst auf die Fakten blicken. Da sitze ich in Honolulu neben Detective Joe McGrady in der Bar. Joe betrachtet seinen Whiskey, als ihn ein Anruf erreicht. Ein Landarbeiter hat in seinem Geräteschuppen einen toten Mann vorgefunden - aufgehängt an einem Fleischerhaken. Wenig später entdeckt McGrady am gleichen Tatort eine weitere Leiche: Eine Frau wurde ebenso auf bestialische Weise zugerichtet. Offenbar gehörten die beiden zusammen. Fast wird McGrady von einem der Täter erschossen. Als kurze Zeit später im Polizeirevier die Nachricht eingeht, dass auf Wake Island ein Marine auf ähnliche Art ermordet wurde, wird McGrady losgeschickt. Und dann erleben wir alle unser Abenteuer.

Dieser Krimi ist außergewöhnlich und einfach grandios! Schon jetzt zählt dieser Krimi zu meinem Highlights des Jahres. Was ihn auch so besonders macht, sind die verschiedenen Handlungsorte. Die Geschichte beginnt in Honolulu, geht nach Wake Island, weiter nach Hongkong und später nach Japan. James Kestrel platziert seinen Krimi in den Pazifikraum Zeit des 2. Weltkrieges, startet im November 1941. Wir erleben den Angriff auf Pearl Harbor mit - nur versetzt, da Joe McGrady zum Zeitpunkt im Gefängnis festhängt. Später hält er sich in Japan versteckt in einem Haus auf, lernt Japanisch und verliebt sich...

"Fünf Winter" ist ein fesselnder wie komplexer Thriller mit einer sympathischen Hauptfigur. Kestrel webt geschickt die Geschichte des Krieges mit ein. Dieses Buch ist wie Kopfkino! Spannend, berührend und atmosphärisch.

Sie ahnen es sicherlich schon: Ja, ich singe jetzt mit Stephen King und Dennis Lehane gemeinsam das Loblied auf diesen unvergesslichen Krimi-Epos!

Fünf Winter

von James Kestrel

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Die Sekretärinnen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ob Irmgard Keun den Roman „Die Sekretärinnen“ von Elin Wägner gelesen hat? Auszuschließen ist es nicht, denn Wägner hat von 1882 bis 1949 gelebt und war nicht nur schriftstellerlisch äußerst aktiv. Die schwedische Journalistin hat sich seinerzeit für das Frauenwahlrecht stark gemacht und gehört zu den Gründerinnen von Save the Children. Das hätte der Keun ebenso gefallen wie auch die Literatur der schwedischen Autorin. Als große Keun-Freundin war ich jedenfalls sofort begeistert.

In „Die Sekretärinnen“ folge ich der Ich-Erzählerin Elisabeth, die mit Anfang zwanzig nach Stockholm in eine Frauen-WG gezogen ist. Obwohl Elisabeth zu ihrer wohlhabenden Verwandtschaft hätte ziehen können, entscheidet sie sich für ein selbstbestimmtes Leben in der Großstadt. Dazu gehört auch ein unbeliebter Job – als Sekretärin.

Zusammen mit ihren drei Mitbewohnerinnen versucht sie irgendwie durchzukommen. Das Arbeitsleben ist hart, vor allem zu einer Zeit, in der man als Frau eigentlich nicht arbeiten, sondern heiraten und Kinder kriegen sollte. Aber Eva, Emmy, Elisabeth und Baby sind Kämpfernaturen. Und sie schätzen durchaus die kleinen Freuden des Lebens: Den Duft von frischaufgebrühtem Kaffee, die arbeitsfreien Sonntage, das Lachen und Scherzen untereinander.

Der Roman ist ziemlich aufgedreht, es sprudelt förmlich vor mitreißender Lebensenergie. Er ist mit viel Witz und doch auch großem Ernst geschrieben, denn die Journalistin berichtet über sexuelle Belästigung, Armut und nachdenklich stimmende Themen, die uns Frauen bis in die Gegenwart beschäftigen. Wägner hält jedoch die Balance, die Lektüre ist nie erdrückend, aber stets berührend. Und obendrein ungemein kraftvoll.

Die Sekretärinnen

von Elin Wägner

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Die Diplomatin
Simone Finkenwirth

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In schlechten Momenten muss man den besten Wein trinken." Schreibt Lucy Fricke. Wie recht sie doch hat! Mehr noch: Sie hat mit „Die Diplomatin" einen furiosen Roman geschrieben. Und sticht damit abermals aus dem Meer der zeitgenössischen Autorinnen unseres Landes hervor.

Dass die Berliner Autorin zu einer der besten Stimmen unserer Zeit gehört, hat sie bereits mit anderen Werken bewiesen. „Töchter" dürfte vielen noch gut im Gedächtnis sein. Mit ihrem neuen Roman ist ihr erneut ein großer Wurf gelungen. Und lädt uns ein in den Kopf einer deutschen Diplomatin. Friederike - kurz Fred - wird in Uruguay eingesetzt, wo, kaum ist sie angekommen, etwas Furchtbares passiert: Tamara, die Tochter einer mächtigen, wohlhabenden Verlegerfrau wird entführt und schließlich tot aufgefunden. Da Fred die Situation zunächst falsch einschätzt, wird sie wenig später in die Türkei versetzt. Und dort an ihre eigenen Grenzen geführt. Ein Journalist wird beschuldigt und von der türkischen Polizei verfolgt. Fred muss sich entscheiden: Zu wem steht sie wirklich? Zur Diplomatie oder der Menschlichkeit?

Was für ein Roman! Er macht atemlos und begeistert mich vor allem durch den unterschwelligen, fein komponierten schwarzen Humor. Ohne dabei den kritischen Blick auf die heutige Türkei aus dem Fokus zu verlieren. Ein Land, das Menschenrechte und das Recht auf Pressefreiheit mit Füßen tritt. Und trotzdem zur EU gehören möchte.

Zudem ist „Die Diplomatin" ein Werk voller glasklarer Wahrheiten wie jener: „Die Kraft zum Weitermachen steckte in der Illusion, dass die Dinge besser wurden. Wenn schon nicht die Welt, dann vielleicht das eigene Leben, aber vor allem das des eigenen Kindes. Ohne diese Illusion würden wir aufgeben, nur mit der Wahrheit und mit nichts als der Wahrheit wären wir verloren." In diesem Sinne: Ein Glas Wein auf die Wahrheit!

Die Diplomatin

von Lucy Fricke

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Der Markisenmann
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Jüngst ist "Der Markisenmann" von Jan Weiler als Taschenbuch erschienen. Große Wiedersehensfreude meinerseits! Dort erleben wir mit der 15jährigen Kim einen ungewöhnlichen Sommer. Nachdem das Mädchen ihren Bruder stark verletzt hat, wird sie zu ihrem leiblichen Vater strafversetzt. Während die Familie nach Miami fliegt, darf Kim ihre Ferien am Rhein-Herne-Kanal verbringen. Ihren Vater Ronald Papen hat sie bis dahin noch nie kennengelernt. Als Kim jetzt auf ihn trifft, zerfällt das schillernde Vater-Märchenbild. Denn er ist so ganz anders.

Ronald Papen arbeitet als selbständiger Markisenverkäufer, lebt in einer „verrosteten Westernstadt“ - in einer alten Lagerhalle, die umgeben ist von Schrottplätzen und einem Recyclinghof. Obendrein ist er ein recht eigensinniger Mensch mit seltsamen Gewohnheiten, die auch mich zum Schmunzeln bringen. Ronald Papen bleibt in diesem Sommer nicht der einzige neue Mensch in Kims Leben.

Dieses Buch macht so unglaublich viel Spaß. Jan Weiler erweist sich als Meister feinster Situationskomik und Stilist bester Unterhaltung. Dabei wechselt sein Ton von tieftraurig über komisch bis herzenswarm. Also von Schauer über Dauerregen bis hin zum strahlenden Sonnenschein ist alles dabei.

Ein wirklich mitreißender und vielseitiger Roman, der jede Flaute in eine Laune verwandelt. Versprochen!

Der Markisenmann

von Jan Weiler

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Fuchs & Ferkel - Torte auf Rezept | "Fuchs & Ferkel" Band 1
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe immer noch Lachtränen in den Augen. „Fuchs & Ferkel – Torte auf Rezept“ ist ein unglaublich witziges und charmantes in Szene gesetztes Vorlesebuch. Obwohl der Anfang nicht witzig ist, denn Ferkel ist krank. Es hustet und macht immer „Öh, öh“.

Daraufhin zückt der Arzt, Herr Fuchs, seinen Krankheitsdetektor, der aussieht wie eine Fahrradluftpumpe. Der Detektor schlägt aus. „Auweia! Das ist aber eine schlimme Krankheit!“ sagt er. Irgendwas stimmt nicht mit dem Urk des Ferkels. Dem was? Dem Urk. Das will das Ferkel nun gar nicht und büxt aus. Der Fuchs mit der Zange hinterher, fängt das Ferkel ein, entscheidet sich dann aber doch nicht für diese OP und verschreibt ihm Staubidaub-Pulver. Das sieht so komisch aus und das Ferkel will das auf gar keinen Fall und überhaupt: „Bekommt man nicht eigentlich etwas Gutes, wenn man krank ist?“ fragt der Patient. „Was Gutes?“ fragt der Fuchs. Na, Limonade und Schokoküsse. Kriegt man so was nicht auch auf Rezept?

So, und hier nimmt der Lesespaß an Fahrt zu, ja, es gibt kein Halten mehr. Wie der Fuchs und das Ferkel versuchen, an die Limonade und die Schokoküsse zu kommen, ist einfach umwerfend komisch.

Große Fabulierkunst, herrliche Illustrationen! Das dialogstarke Vorlesebuch hat jüngst auch die Jury des Kinderbuchpreises überzeugt und es für den diesjährigen Kinderbuchpreis nominiert. So verdient!

Fuchs & Ferkel - Torte auf Rezept | "Fuchs & Ferkel" Band 1

von Bjørn F. Rørvik

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Die kleine Rittereule
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das eher dunkel gezeichnete Innenleben ist so ganz anders als ich es für gewöhnlich von Bilderbüchern kenne. Gerade deshalb hat es mich angezogen, aber nicht nur. Denn da ist ja noch die kleine mutige Rittereule.

Kaum, dass sie auf der Welt ist, will sie nur eins: Ritter werden. Wie die kleine Eule zu den großen Rittern blickt, rührt mein Herz gleich zu Beginn. Jeden Tag träumt sie davon, Ritter zu werden. Als eines Tages Ritter aus der Burg verschwinden, und neue gesucht werden, sieht die kleine Eule ihre große Chance und bewirbt sich bei der Ritterschule. Und sie wird sogar genommen. Aber als kleine Eule ist einiges anders... das Schwert ist viel zu schwer, das Schild erdrückt das kleine Wesen unter seinem Gewicht - ach, das ist alles anstrengender als gedacht, macht furchtbar müde und so schläft die Eule tagsüber ein. Doch unsere kleine Eule ist tapfer, bleibt dabei und dann kommt eines Nachts ihre große Chance, sich zu behaupten...

„Die kleine Rittereule“ sitzt noch immer auf meiner Schulter, während ich ihnen diesen Text schreibe. Aber nicht nur, weil sie so herzerwärmend ist. Sie ist auch ein Symbol für Heldentum und Mut - und macht wieder einmal deutlich, wie unwichtig die Größe dabei ist.

Was für ein aufregendes, humorvolles und ganz besonderes Bilderbuch mit einer schönen Botschaft für kleine und große Leser:innen. Ab 4 Jahren.

Die kleine Rittereule

von Christopher Denise

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OTTO fährt los - Ein Sommer in Schweden
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Vorfreude ist ja bekanntermaßen die schönste. Noch schöner wird sie bei so wundervollen Kinderbüchern wie „Otto fährt los – Ein Sommer in Schweden“.

Stefanie Reich und Madlen Ottenschläger sind die beiden Schöpferinnen dieses tollen Bilderbuchs. Als sich die beiden über ihren geplanten Urlaub unterhielten, stellten sie fest, dass beide mit ihren Familien nach Schweden wollen. So ist die Idee zu diesem Buch entstanden. Otto ist ein Campingbus, der mit Juli, Gusti, Mama und Papa nach Schweden fahren wird. Aber Otto ist nicht irgendein Bus, auch Otto hat Gefühle und Regungen, die er teilt und ja, er spricht sogar!

„Otto fährt los – Ein Sommer in Schweden“ ist eine fabelhafte Vorbereitung auf die nahenden Sommerferien. Die Illustrationen sind einfach fantasievoll und zuckersüß, die Beschreibungen wecken alle Sinne. Es gibt auf den Bildern kleine feine Details zu entdecken und die Kinder können Fragen beantworten.

Ein tolles Bilderbuch zum Träumen – nicht nur für VW Bulli, Camping- und Schweden-Fans. Ab 4 Jahren.

OTTO fährt los - Ein Sommer in Schweden

von Madlen Ottenschläger

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Soul Food
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Vertrauen Sie – in erster Linie sich selbst, aber auch der Welt da draußen. Die Magie da draußen ist für Sie da.“ Diesen gutgemeinten Rat bekommt die 17jährige Emoni an einem Ort, von dem sie nie geglaubt hätte, ihn zu erreichen. Emoni hat Superlräfte, nur sie weiß es noch nicht.

Das Mädchen meistert in ihren jungen Jahren so viel. Sie ist Mutter einer kleinen Tochter, geht zur Highschool, arbeitet nebenbei in einem Burgerladen. Das letzte Schuljahr hat begonnen, und Emoni muss sich entscheiden, was sie will. Nach der Schule eine Ausbildung machen, und schnell Geld verdienen, damit sie Babygirl gut durchbringen kann. Oder doch ans College? Und dann taucht auch noch der neue Schüler Malachi auf. Durchatmen kann Emoni in der Küche. Das ist ihr Lebenselixier. Sie kocht nicht nur gern, sondern hat ein Gespür für Gewürze und verzaubert mit ihren Gerichten die Menschen.

„Soul Food“ ist eine wohltuende wie bereichernde Lektüre. Wir begleiten die junge Puerto Ricanerin auf ihrem Weg. Stets an ihrer Seite sind ihre wunderbare Großmutter und beste Freundin Angelica. Und später Malachi.

Ein großartiges Buch übers Erwachsenwerden, über Träume, gutes Essen, Freundschaft, Liebe – mit einer tollen Botschaft: Alles wird sich fügen. Vertraut euch und euren Träumen!

Ab 14 Jahre.

Soul Food

von Elizabeth Acevedo

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Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Romeo und Julia 2.0! Diese Überschrift fiel mir ein, nachdem ich "Hoodie Rosen" gelesen habe. Ob Isaac Blum diesen Klassiker im Hinterkopf hatte, weiß ich nicht. Doch bei einem bin ich mir sicher: Dieses Jugendbuch zählt schon jetzt zu meinen Jahreshighlight! Es ist vielschichtig, hoch interessant und berührt mein Herz, jetzt immer noch wird mir ganz warm, wenn ich an "Hoodie Rosen" denke.

Nun, Hoodie macht es einem auch nicht schwer, ihn nicht zu mögen. Dieser eigensinnige, sympathische Junge mit Sinn für Ironie und Chuzpe hat mich gleich von Beginn an auf seiner Seite. Im Halacha Unterricht entdeckt Hoodie plötzlich draußen ein Mädchen, das in Weiß gekleidet ist. Und tanzt. Das Weiße hat für ihn was Magisches, denn an diesem Tag ist Tu B'AV. Diesen jüdischen Feiertag verbindet Hoodie mit tanzenden Frauen in weißen Kleidern.

Ob es nun Zufall ist oder nicht, jedenfalls lernt der orthodoxe jüdische Junge das Mädchen später kennen. Nur ist Anna-Marie kein jüdischer Name.
Verflixt! Denn eine Goi darf Hoodie weder sprechen noch treffen. Und was macht er? Beides. Tja, und das zieht ein Rattenschwanz an Schwierigkeiten nach sich.

Was für ein grandioses Buch! Isaac Blum erzählt witzig, mitreißend und voller Empathie für seinen Helden. Er bringt den jungen Leser:innen die Welt der orthodoxen Juden nahe und arbeitet jede Menge lebenskluge Sätze mit ein. Obendrein zeigt Blum, wie es sich anfühlt, wenn ein Junge aus seiner Welt ausbrechen will, und sich entscheiden muss. Welcher Weg ist der Richtige? Zudem thematisiert Blum den Antisemitismus, Diskriminierung und es geht um das schönste aller Gefühle. Was für ein Mix! Beeindruckend und unvergesslich!

Ab 14 Jahre.

Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen

von Isaac Blum

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Skaterherz
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

"Skaterherz" klingt cool! Und das ist die Lektüre auch - aber sie ist noch mehr als das. Brenda Heijnis erzählt über eine ungewöhnliche Freundschaft, die Raum und Zeit durchbrechen. Denn im normalen Leben würde es sie kaum geben. Nicht nur, dass Elias und Boyd grundverschieden sind, doch noch eine Sache ist ungewöhnlich: der eine lebt und der andere ist verstorben. Aber schrecken Sie jetzt bitte nicht zurück, bleiben Sie bei mir und überlegen am Ende, ob das Buch etwas für Ihr Schützling ist.

Elias liegt schon sehr lange im Krankenhaus, denn sein Herz ist so schwach. Der Junge wartet auf ein neues Herz. Boyd ist ein aufgekratzter Junge, der für sein Leben gern skatet. Bei seinem letzten Turn passiert leider etwas Unerwartetes: Er stürzt von einer Brücke und stirbt. Boyds Herz ist es, das Elias jetzt bekommen soll. Nach der Herztransplantation steht Boyd plötzlich in Elias' Zimmer. Die beiden sehen sich, sprechen miteinander, doch das Wundersame: Nur Elias kann Boyd sehen.

Elias ist ängstlich, Boyd immer noch der Wilde. Er motiviert seinen neuen Freund, mehr aus sich herauszugehen, langsam zu trainieren. Denn Boyd will endlich aus dem Krankenhaus, doch ohne Elias geht das nicht.

Die Dialoge der beiden sind herrlich. Sie sprühen vor Witz, stimmen hier und da aber auch nachdenklich. So hinterlässt die Lektüre feine Nadelstriche. Die niederländische Autorin wechselt dabei die Erzählperspektiven, wir sind abwechselnd bei Elias und Boyd, erfahren auf diese Weise ihre Gedanken, Gefühle und Sichtweisen.

Brenda Heijnis hat sich mit Leichtigkeit gleich zwei schweren Themen
gewidmet: der Organspende und dem Tod. Und das ist für mich große Erzählkunst!

Ab 12 Jahre.

Skaterherz

von Brenda Heijnis

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