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Alle Empfehlungen von Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

… ist bloggende Buchhändlerin. Seit 2010 betreibt sie den Literaturblog „Klappentexterin und Herr Klappentexter“. Sie liebt japanische Literatur und fühlt sich in poetischen, warmherzig-erzählten Büchern am wohlsten. Doch auch außergewöhnliche Krimis hat sie stets im Visier.

Weird Girls
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

+++ Unser Shop meldet vorbestellbar, aber wir haben das Buch vorrätig. +++

Wie im richtigen Leben ist auch die Literatur heute voll mit Themen übers Kinderkriegen, Muttersein, Gesundheit und Älterwerden. Aber Sex & Drugs & Rock & Roll? Oftmals Fehlanzeige. Dabei sind solche Geschichten spannend und faszinierend wie "Weird Girls" von Grainne O'Hare. Ich habe zuletzt jedenfalls kein Buch gelesen, in dem so viel getrunken und gekokst wurde. Und das von jungen Frauen! Oha!

Maggie, Harley und Roise sind die Hauptfiguren in diesem feurigen Buch, das von meiner geschätzten Anna-Nina Kroll übersetzt wurde. Sie ist die deutsche Stimme von Donal Ryan, ein irischer Lieblingsautor von mir. Und das hier ist irische Literatur, wie ich sie liebe! Dunkel, belebend, quirlig und ganz speziell einprägend.

Die Mädels sind Ende Zwanzig, Anfang Dreißig und bewohnen in Belfast ein Haus. Selbst nach dem Tod ihrer Freundin Lydia bleiben die Freundinnen dort. Sie sind wie Pech und Schwefel und äußerst feierwütig. Gleichwohl hat jede Narben auf ihrer Seele, die mal mehr, mal weniger pochen. Wie Roise, die noch an dem Ende ihrer Beziehung knabbert. Jetzt hat Roise Angst, sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Obendrein hat sie ein weiteres Problem. Meggie bandelt gerade mit der unnahbaren Cate an.
Während Harley in Therapiesitzungen mit der australischen Psychologin ihr Leben aufarbeitet, sich betrinkt, und von ihrem Vermieter aufsammeln lässt. Der gleichzeitig als Dealer fungiert.

Es wird nicht wenig konsumiert. Doch hinter der flirrenden wie partyfrohen Fassade schlummert noch mehr, was ich als aufmerksame Leserin schnell erkenne. Als helles Kontrastmittel arbeiten die Dialoge der Mädels, die mich oft auflachen lassen.

"Weird Girls" hat ordentlich Zunder zwischen den Seiten! Was für eine außergewöhnliche Lektüre über Freundschaft, Zusammenhalt und die große Suche nach dem richtigen Leben!

Weird Girls

von Gráinne O'Hare

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Unter Wasser
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Wasser trägt mich mitten hinein in diese traurig-schöne Geschichte, die auch Claire Messud begeistert hat: "Ein ebenso fesselndes wie herzzreißendes Werk."

Tara Menon verbindet zwei Zeitebenen. Zum einen bin ich in der Gegenwart der Erzählerin, im Oktober 2012 in New York. Hier hat sich der Hurrikan Sandy angekündigt. Die Metropole ist in Aufruhr, nur Marissa bleibt seltsam ruhig. Die Ich-Erzählerin arbeitet für ein Reisemagazin für Superreiche. Sie nutzt Adjektive, die sie auf einem Kaffeebecher notiert hat. Die Chilifrüchte sind in ihrem Leben treue Begleiterinnen. Warum erfahre ich erst später.

Zum anderen begegne ich der ganz jungen Marissa und ihrer besten Freundin Arielle im Jahr 2004. Nach dem Tod ihrer Mutter ist Marissas Vater mit seiner Tochter nach Thailand ausgewandert. Der Vater ist Meeresbiologe und forscht auf einer kleinen Insel zu Mantarochen. Die beiden Mädchen schwimmen und tauchen viel, halten sich fest. Das Wasser schwappt aus dem Buch in meine Augen, und ich zoome mich an diesen faszinierenden Ort. Ich selbst bin leidenschaftliche Schwimmerin, wohl deshalb catcht mich die Autorin. Doch auch die Freundschaft der beiden Mädchen berührt mich bis ins Herzzentrum.

Die Freundschaft wird von der Naturgewalt entzweit. Aber alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, wissen: Es bleibt viel Tröstliches zurück. Selbst im Jahr 2012 ist Arielle bei Marissa: "Ob ich etwas esse, trinke, spazieren gehe oder fernsehe, sie ist immer bei mir. Jetzt hüpft sie an Fremden vorbei durch eine Straße, auf die sie nie ein Fuß gesetzt hat."

Tara Menon hat ein unglaublich schönes berührendes und gleichwohl wissenserweiternde Buch geschrieben. Wussten Sie, dass Rotwangen-Schmuckschildkröten anderen das Futter wegfressen und tödliche Krankheiten übertragen? Und dies: "Zwischen 1989 und 1997 wurden 52 Millionen dieser Schildkröten als Haustiere aus den Vereinigten Staaten ins Ausland exportiert."

Immer noch schwimme ich mit Marissa und Arielle - wir haben dabei Chilischoten zwischen den Zähnen und grinsen dem Schicksal entgegen. Dass es ein mieser Verräter ist, wissen wir natürlich. Was Sie noch nicht wissen, ist die Tiefe und Besonderheit des Buches, das über Narben, die wunderschöne Natur, das Meer und bedingungslose Liebe über den Tod hinaus absolut mitreißend wie feinfühlig erzählt. Ein must-read für alle Tiefseetaucher:innen und Thailand-New-York-Urlauber:innen, die sich wie ich gern von melancholische Klängen bezirzen lassen.

Unter Wasser

von Tara Menon

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Wassermann
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es hätte eine gewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte werden können, aber Wassermann ist viel mehr als das: Eine stille Explosion. Und eine Heldenreise der besonderen Art für alle Lesenden verschiedenen Alters.

Ich folge dem Ich-Erzähler und bin sofort umhüllt von einem melancholischen Schleier. Luk braucht Abstand zu seinem aktuellen Leben in Hamburg. Vor allem die kranke Mutter beschäftigt ihn sehr. So beginnt er nur schweren Herzens sein Auslandssemester in Barcelona, und lässt seinen geliebten besten Freund Kurt ebenso zurück.

Bei der Willkommensveranstaltung trifft er auf die Auswirkungen des katalanischen Konflikts. So würde man in diesem Jahr keine Prüfungsleistungen erwarten aus Solidarität mit den Inhaftierten. Die Unabhängigkeitskämpfe bleiben die ganze Zeit präsent. Auch als Luk seine WG Mitbewohnerin Olive kennenlernt und mit ihr eine Beziehung eingeht. Olive kommt aus Großbritannien und wird den Konflikt digital festhalten, gerät dabei selbst ins Fegefeuer der Justiz.

Statt im heißen Kessel der Unruhen zu bleiben, haut Luk dann doch ab. Mit Kurt zusammen nach Portugal zum Surfen. Der macht es sich aber ganz schön leicht, möchte man meinen, aber hinter Luks Flucht steckt noch mehr... geht tiefer. Eine innere Zerissenheit steht neben einer Unsicherheit, die sich zu einer Sprachlosigkeit setzt, bis sie alle von der Fürsorge gerettet werden.

Der ruhige Erzählstrom taucht mitunter in philosophische Töne, die mich umspülen wie das allseits anwesende Wasser und Bücher, die dem Helden als Rettungsanker dienen. So ist Wassermann eine Roadnovel deren Buchabdruck lange in meinem Herzen zu spüren sein wird. Man darf von dem Debütanten noch Großes erwarten! Ich verneige mich vor dem Autor und seinem Entdecker: Bodo Föhr!

Wassermann

von Lukas Hoffmann

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Mit dem Sturm um die Wette rennen
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Wenn Sie das nächste Mal ans Meer fahren, sollten Sie unbedingt dieses fantastische Buch mitnehmen! Oder als Lektüre für danach, um all die Gefühle aufzuwecken, die man dort an einem stürmischen Tag alle erlebt.

Ich folge einem Geschwisterpaar, das sich an einem verregneten und stürmischen Tag am Meer auf den Weg macht. Wohin eigentlich? Irgendwohin. Zum Meer natürlich! Dieser Spaziergang hat es wahrlich in sich. Es gibt so viel zu sehen und zu beobachten. Die stürmische Gischt! Der blinkende Leuchtturm passt auf alles auf. Während sich die Welt auf der Insel zurückgezogen hat, die Straßen gespenstisch leergefegt sind, und selbst die Eisdiele geschlossen hat, laufen die beiden weiter bis es donnert und finster wird. Nun ist es doch an der Zeit, nach Hause zurückzukehren...

Dunkel sind die Bilder, aber nicht unheimlich. Sie fangen die Stimmung eines solchen unruhigen Tages am Meer perfekt ein. Doch am Ende geht die Sonne auf. Denn wir wissen ja alle: Nach dem Unwetter, Regenschauer, Sturm, folgt Helligkeit und Ruhe.

Ab 4 Jahren.

Mit dem Sturm um die Wette rennen

von Brian Floca

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Frühstücken
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Selten hat Frühstück so viel Spaß gemacht wie mit diesem Bilderbuch, das die Jury beim Deutschlandfunk ebenso begeistert hat - deshalb zählt es zu den 7 schönsten Kinderbüchern im Mai. Voller Poesie und mit einem wirklich besonders feinen Pinselstrich hat Raquel Catalina die Gedichte von Alicia Bululü untermalt.

Schon der Anfang verfängt sich in meinen verschlafenen Augen:

"Ich frühstücke Geschwindigkeit / während ich träume / dass mein Glas Milch / auf mich wartet / in Ruhe, bis zum Mittagessen.

Es geht hektisch zu am Morgen, das kennen wir wohl alle. Auch wenn die Kleinen nicht aus dem Bett wollen "Verklebte Wimpern beim Sonnenaufgang / Noch fünf Minuten... / Wecker sei still!

Da kann man vor Wut auch mal den frischen Saft und das Hörnchen vergessen.

Das ist für mich eins der schönsten Bilderbücher, das ich je erlebt habe. Nicht nur, weil ich eine Poetin bin und mich in den Texten gut aufgehoben fühle. Die Autorin und Illustratorin öffnen vor uns ein facettenreiches Universum - das die Jahreszeiten miteinbindet und viele Gefühle von Violetta. Ich nasche vom Himbeerrot, tanze durch eine musikalische Szene, bis ich auf der nächsten Seite in der Stille versinke.

Ab 4 Jahren!

Frühstücken

von Alicia Bululú

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Die gelben Gummistiefel
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Kürzlich habe ich mir beim Deutschlandfunk ausgezeichnete Bücher vom Juror Benno Hennig von Lange vorstellen lassen. Dieses hier ist eins davon! Und so eine Freude!

Isabel Pin zeigt uns, wie viele Geschichten in Regenstiefeln stecken können. Die Mama der Ich-Erzählerin überreicht sie ihrer Tochter und fügt hinzu: "Sie haben viel erlebt. Traurige Momente, aber auch gute Zeiten. Alles, was Leben so mit sich bringt."

So folgen wir den Gummistiefeln und den vorherigen Trägerinnen und Trägern. Entdeckt wurden die gelben Stiefel von Anna, die große Schwester der Erzählerin. Anna hat die Schuhe so sehr geliebt, dass sie die sogar am ersten Schultag tragen wollte. Und es wurde so, wie sie es sich erhofft hatte. Anna hatte mit ihren Stiefeln einen tollen ersten Tag und konnte neue Freundinnen gewinnen. Als Anna aus den Stiefeln herausgewachsen ist, erbt sie ihre Cousine Josie, die mit ihnen sogar ins Bett gegangen ist.

Was müssen das für wundersame Stiefel sein! Die will ich auch haben! Das ist mal eine tolle Geschichte über Nachhaltigkeit und darüber, wie wir alle verbunden sind. Nachmachen unbedingt erwünscht! Lassen Sie mich bitte unbedingt ihre Gummistiefel-Geschichten wissen!

Ab 4 Jahren.

Die gelben Gummistiefel

von Isabel Pin

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Mit beiden Händen den Himmel stützen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie lesen wir? Und warum lesen wir, was wir lesen? Zu diesen Gedanken hat mich u.a. dieses beeindruckende Debüt geführt. Denn Lilli Tollkien erzählt keine wohltemperierte Geschichte. Dennoch ist sie erstaunlich und brennt sich uns Lesenden ins Mark. Frank Menden nickt mir begeistert zu. Und ich blicke bejahend in Mareike Fallwickls Richtung, die über das Buch sagt: "Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt- und gerade deshalb lesen muss." Ja, bitte unbedingt lesen, egal, wie hart sich die Story anhört.

Lales Kindheit ist schon sehr speziell und alles andere als einfach. Sie wächst in den 80er Jahren in einer Männer-WG in Berlin auf. Lales Mutter ist drogenabhängig, landet immer wieder im Gefängnis. Doch Karlheinz, ein Freund von Lales Vater, bezirzst die Heimleiterin, in dem das zweijährige Mädchen zunächst untergekommen ist. Zusammen mit seiner Freundin Marianne holen sie Lale aus der staatlichen Obhut. Denn Lales Vater sitzt währenddessen auch im Gefängnis, stößt später in die WG dazu.

Und dann wird alles gut? Nein! Die Welt, in der Lale groß wird, ist nichts für kleine Mädchen: Es wird getrunken, geraucht und Drogen konsumiert. Jedes Mal, wenn sich der offizielle Kontrollbesuch des Jugendamts ankündigt, werden sämtliche Spuren der Vernachlässigung und des Konsums beseitigt. Was macht das mit einem kleinen Menschen? Viel! Vor allem Wut staut sich in Lale an, die sie später an ihren Zähnen auslässt. An einer Stelle heißt es: "Wo eben ein sicherer Hafen war, ein Erwachsener, dem ich vertraute, konnte plötzlich ein glitschiger Steg sein. Die Wellen im Wohnzimmer waren Karlheinz' Launen unterworfen und den Wirkungen unterschiedlicher Drogen, unwägbar die Zeichen an der Wasserobefläche, die ich ununterbrochen zu deuten versuchte."

Es sind die Kraft des Mädchens wie die starke Erzählstimme der Autorin, die uns alle mitziehen und in den Himmel der Begeisterung heben! Wir brauchen diese Art von Literatur, die uns mit allen Sinnen erfasst und am Ende sprachlos, aber mit einem Lächeln zurücklässt.

Mit beiden Händen den Himmel stützen

von Lilli Tollkien

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Am Himmel die Flüsse
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch stellt mich vor eine große Herausforderung: In wenigen Zeilen den Inhalt wiederzugeben. Denn Elif Shafaks Roman ist derart weitreichend und voll an Geschichten.

Zunächst trifft mich das Wasser:

"Am Rand der Gewitterwolke hängt ein einzelner Regentropfen - kaum so groß wie eine Bohne und leichter als eine Kichererbse. Eine Weile zittert es bedenklich, das kleine, runde verschreckte Ding, denn es macht Angst, die Erde zu betrachten, die sich dort unten wie eine Lotusblüte öffnet. Dabei ist es wahrlich nicht das erste Mal. Der Tropfen hat die Reise schon oft gemacht - hinauf zum Himmel, hinunter zu festen Boden und wieder hinauf. Doch er fürchtet den Fall immer wieder."

Und dann fällt die erste starke Figur ins Augenlicht: Arthur, König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere, kommt 1840 in ärmlichen Bedingungen in London zur Welt. Er ist arm, dafür reich gesegnet mit Talenten. Genau das wird ihm in der Schule zum Verhängnis. Doch später rettet Arthur genau dies, als er zunächst als Hilfsjunge beim Verlag Bradbury & Evans beginnt. Dort sogar auf Charles Dickens trifft. Seine Neugier führt ihn ins British Museum. Hier verliebt er sich in die Lamassus (assyrische Schutzdämone) und entwickelt für die Tafeln von Ninive geradezu eine Passion.

Dem gegenüber steht Narin im Jahr 2014. Ein neunjähriges Mädchen, das an einer seltenen Krankheit leidet. Narins Familie gehört zu den Eziden. Ihre Großmutter kann Wasserquellen aufspüren, und Menschen heilen. Als sie zu Narins Taufe in den Irak reisen, wird dies ein schrecklicher Wendepunkt im Leben der Familie.

2018 stehe ich an der Seite von Zaleekhah, eine Wasser-Expertin und Wissenschaftlerin, die sich kürzlich von ihrem Mann getrennt hat. Die junge Frau hat seit dem Tod ihrer Eltern eine stete Traurigkeit in sich. Als sie in ein Hausboot zieht und deren Vermieterin kennenlernt, wird das Zaleekhahs Leben verändern.

Wie nun alle Figuren miteinander verbunden sind, das überlasse ich der herausragenden Autorin selbst.

Elif Shafak hat ein unglaubliches Buch geschrieben! Sorgfältig recherchiert, flechtet sie gekonnt menschliche Linien mit ihren Schicksalen ein. Zudem erzählt sie die hochspannende Kulturgeschichte Mesopotamiens und erschüttert uns mit den barbarischen Kriegshandlungen des IS. Schreckliche Szenen, die mich lange beschäftigt haben.

Eine große Fabulierlust durchströmt das Werk. Ich denke an beeindruckende lebenskluge Sätze genauso wie an ihre eleganten Verbindungen vom Punkt zum nächsten Satz. Für mich ist dies eins der großen Werke der Autorin - wenn überhaupt das beste - das es übrigens auch kongenial von Pegah Ferydoni eingesprochen als Hörbuchfassung bei Argon gibt.

Am Himmel die Flüsse

von Elif Shafak

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Ein Ort, der bleibt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sandra Lüpkes hat es wieder getan, und einen erstklassigen, exzellent recherchierten wie mitreißenden Roman geschrieben! Die Autorin reist dieses Mal mit uns nach Istanbul. Dort kreuzen sich drei Lebenslinien - die von Mehpare, Magda und Imke.

Mit Mehpare beginnt die Geschichte, im Jahr 1926. Da muss das Mädchen mit Ansehen, wie sich ihr Traum in Asche verwandelt. Ihre geliebte Mädchenschule brennt und damit auch die Hoffnung des Mädchens auf ein wissensreiches Leben?

Danach beamt uns die Autorin in Imkes Kopf. Die junge Frau sitzt in unserer Gegenwart im Flugzeug und ist auf dem Weg nach Istanbul zu ihrem ersten Job. Sie soll zusammen mit Kai Surrau für die Firma GestAlterna ein denkmalfachliches Gutachten für das Botanische Institut erstellen, das zwischen 1935 und 1937 errichtet worden ist, und sich nun in einem desolaten Zustand befindet. Ist natürlich alles herausfordernd, weil's für Imke der erste Job ist, und ihr Vorgesetzter nicht immer einfach...

In jenem Institut hat seinerzeit der Botaniker Alfred Heilbronn gearbeitet. Der Münsteraner wurde 1933 wegen seiner jüdische Wurzeln diskrediert und - schlimmer noch - von einigen Studierenden beschimpft. Als ihn die Gestapo festnimmt, erhält seine Frau einen Brief. Dieser führt die Familie schließlich nach Istanbul. Und genau dort trifft der Professor auf Mehpare...

Mir war die Rolle der Türkei während des Zweiten Weltkriegs nicht bekannt. Dies hat sich nach diesem Buch nun geändert, das obendrein mein Wissen über Pflanzen erweitert hat. Wussten Sie beispielsweise, dass an sonnigen Standort der Anteil weiblicher Pflanzen auf 46 Prozent sinkt?

"Ein Ort, der bleibt" überzeugt nicht nur durch das, wie alles erzählt ist, sondern Sandra Lüpkes beglückt durch die warmherzigen Figuren, die ich so schnell nicht vergesse. Ein Buch, das bleibt.

Ein Ort, der bleibt

von Sandra Lüpkes

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Evie und die Macht der Tiere
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Matt Haig ist hierzulande vor allem unter den erwachsenen Lesenden bekannt. Lange schon schlummerte dieses Kinderbuch in meinem Regal. Nun habe ich es endlich aufgeschlagen und darf mal wieder sagen: Wer warten kann, der wird belohnt. So ist "Evie und die Macht der Tiere" eine lohnenswerte wie ganz besondere Lektüre für alle ab Neun und junggebliebenen Matt Haig-Fans.

Evie besitzt eine Gabe: Sie kann mit Tieren sprechen. Was cool klingt, wird dem Mädchen und ihrer Familie im Verlauf der Geschichte zum Verhängnis. Denn der Bösewicht Mortimer wird auf Evie aufmerksam. Und das ist überhaupt nicht gut.

Doch beginnen wir von vorn. Evie hört, wie die Schulhäsin Kahlo traurig denkt: "Eine, die einfach vorbeigeht. Ohne einen Gedanken an mich zu verschwenden." Also bleibt Evie stehen und wendet sich in Gedanken an Kahlo. Dabei erfährt sie, dass die Schulleiterin die Häsin aus dem Wald geklaut und hier eingesperrt hat. Evie mit ihrer großen Empathie kann diese Ungerechtigkeit nicht einfach stehen lassen, und lässt Kahlo frei. Zum großen Ärgernis der Schulleiterin. Danach muss Evie ihrem Vater versprechen, ihre Gabe nicht mehr einzusetzen. Was sie brav durchzieht - bis zu dem Tag, an dem sie ihrem Freund Ramesh im Zoo begleitet, und ein Junge ins Löwengehege fällt...

Ich liebe jede Seite in diesem Buch! Das ist einerseits dem Schreibstil des Autors und seiner Heldin zu verdanken. Aber auch die schönen Illustrationen von Emily Gravett bereichern die Seiten auf besondere Weise. Andererseits schätze ich kluge Botschaften wie diese: "Alles hängt mit allem zusammen. Nicht nur eine Großmutter mit ihrer Enkelin. Auch der Mensch mit dem Schimpansen und die Primaten mit den Hunden und Katzen. (...) Jedes Teilstück hängt von den anderen ab und fügt sich in sie ein. Und zusammengehalten wird alles durch eine gewaltige Energie."

Die Kraft, von der Evies Großmutter spricht, nennt sich Dawa. Diese gilt es, zu erkennen, dann kann Evie Großes leisten. Wird es der mutigen Heldin gelingen?

Evie und die Macht der Tiere

von Matt Haig

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Einfach Sunny
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer noch im Winterblues steckt, sollte mit Sunny ein paar Stunden verbringen. Danach ist nichts mehr trüb, eher hell und erquickend. Maren Graf hat mit ihrem Kinderbuch eine erstaunliche wie mitreißende Heldin geschaffen, die gute Laune versprüht. Vor der ich mich zudem verneige, denn Sunny ist blind. Aber das fühlt sich nebensächlich an, denn das Mädchen geht trotzdem ihren Weg und ist leidenschaftliche Sachen-Sucherin.

Gleich zu Beginn stolpert sie über eine Sache. Wobei, nein, Ben, ist doch ein Mensch, der etwas sucht und sehr verzweifelt ist. Bis der Junge aber Klartext spricht, muss Sunny in ihrer Detektivart mehrere Anläufe unternehmen, denn Ben ist stumm wie ein Fisch. Aber Sunny lässt sich natürlich nicht unterkriegen, selbst nicht von den frechen Jungs ihrer neuen Schule.

Auch das ist bemerkenswert. Nicht nur, wie Sunny den Jungs entgegentritt. Nein, die Tatsache, dass sie von ihrer aktuellen Schule auf eine gewöhnliche wechseln will.

Ben blüht am Ende doch auf, verrät seiner neuen Freundin, was sich hinter dem Dings verbirgt und begibt sich mit Sunny auf eine spannende Spurensuche, bei der sie nicht nur andere Menschen treffen, sondern auch einen süßen Dackel namens Frodo.

"Einfach Sunny" ist eine packende Detektivgeschichte, die gleichwohl Mut und Einfallsreichtum ausatmet. Ganz besonders freue ich mich, dass es eine Fortsetzung geben wird und ich Sunny bald schon wieder treffen werde.

Altersempfehlung: Ab 8 Jahren.

Einfach Sunny

von Maren Graf

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Aali muss los
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lesen erweitert nicht nur den eigenen Horizont. Lesen bildet - vor allem durch das Einsaugen von fiktiven Geschichten geschieht die Wissenserweiterung eher spielerisch. So weiß ich erst nach diesem wundervollen und schön gestalteten Kinderbuch, dass ein Aal vier Leben hat.

Genau genommen sind es drei komplexe Verwandlungen, die ein Aal durchmacht. Vor so einer steht Aali, die sympathische Erzählstimme zu Beginn. Sein Kumpel Frank, eine loyale Brasse, fällt auf, dass Aali an dem Morgen so komische Augen hat. Aali indes spürt eine seltsame Unruhe und sagt: "Lass mal schwimmen." Am Ende haben wir - also Aali und ich - einen unglaublichen Weg zurückgelegt. Vom Nord-Ostsee-Kanal durch die Nordsee bis zur Sargassosee. Dabei haben wir allerlei schwimmende Wesen getroffen und Abenteuer erlebt.

Was führt Aali weg von seinem guten Kumpel? Warum schwimmt er so weit? Das löst dieses wissensreiche Kinderbuch auf hinreißende Art und Weise auf. Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich schreiben Hand in Hand, weben neben der Geschichte kleine Infoblöcke zum Aal mit ein. Nele Brönner hat dem Buch den passenden Pinselstrich gegeben. Und der mairisch Verlag hat gezaubert, denn wenn Sie durch die Seiten blättern, leuchten nicht nur ihre Augen so aalimäßig hell, auch die Nase schnuppert. Kann nicht genug bekommen von diesem tollen Papierduft.

So ist dieses Buch eine große Lesefreude für die ganze Familie! Altersempfehlung ab 7 Jahren, aber man kann durchaus schon jüngeren Geschwistern daraus vorlesen.

Ich danke meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor, die mir dieses Buch in meine Hände gelegt und dabei mit leuchtenden Augen gesagt hat: "Das ist so ein großartiges Buch. Du wirst Aali lieben!"

Aali muss los

von Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel

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Forever Beautiful
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Frühjahr ist da. Und mit ihm jede Menge neue Bücher. Nicht nur Romane und Krimis, sondern auch interessante Kochbücher. "Forever Beautiful" von Susanne Korasani ist eins davon. Es ist im Malia Verlag erschienen - dem Verlag von Laura Malina Seiler.

Susanne Korasani ist bekannt geworden durch ihr Buch "Be Your Owen Healer" - in dem sie zeigt, wie es gelingen kann die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Ich trinke seit dem Buch den Löwenzahntee. So hat es mich nicht überrascht, dass der Löwenzahn auch in dem Buch eine besondere Rolle spielt. Sie "ist eine Pflanze, die nichts aufhält. Sie wächst durch Asphalt, trotz dem Wind und Abgasen und trägt in jeder Zelle die Erinnerung an Aufbruch." Die Bitterstoffe sind wichtig für die Entgiftung der Leber. Zudem unterstützen Sesquiterpenlactone, Flavonoide, Inulin und Kalium - die Gallenbildung, aktivieren die Verdauungsenzyme und entlasten die Leber. Die Autorin empfiehlt den Tee, den es im Reformhaus gibt, und die Blätter für Salate, Smoothies und Suppen. Wie gut, dass mein Gemüsehändler auf dem Isemarkt das Kraut verkauft.

Das Buch unterteilt sich in die Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter sowie den Tagesrhythmus: Morgens, mittags und abends. Das Gros der Rezepte enthält nur wenige Zutaten, was ich sehr begrüße, und arbeitet saisonal.

Einfach und gehaltvoll ist beispielsweise die Yoshino-Suppe mit Seidentofu. Hierfür braucht man nur Wasser, Seidentofu, eine kleine Karotte, eine Handvoll Spinat oder Pak Choi, Sesamöl, frischen Ingwer und Frühlingszwiebel. Als Teetrinkerin habe ich mich über die "Grüntee-Kraftbrühe mit Tamari sehr gefreut. Dafür benötigen Sie nur Sencha oder Bancha, einen Schuss Soja-Tamari aus fermentierten Sojabohnen. Auch spannend: die Kuzu-Limo. Oder der Safran Latte. In einem Glossar verrät die Autorin, wo man die Zutaten erhält und worauf man achten sollte.

Was das Buch zudem aufwertet, sind einzelne konkrete Ausführungen zu bestimmten Inhaltsstoffen, ihre Wirkung und Anwendung. So habe ich erfahren, dass Gänseblümchen nicht nur die Regeneration und Ausgleich fördert, sondern ebenso als Umschlag Hautreizungen und leichte Schwellungen genutzt werden kann.

"Forever Beautiful" ist ein ganzheitliches wie nachhaltiges Kochbuch für Geist und Seele! Es zeigt, wie alles miteinander verbunden ist: "Wer Nahrung, Gedanken und Worte auf diese Weise versteht - nicht nur als Kalorienquelle oder Nebensächlichkeit - verändert die Qualität seines gesamten Lebens. Körperlich wie geistig."

Forever Beautiful

von Susanne Abbassian Korasani

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Richtig gutes Essen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Sie suchen das passende Buch für eine Kollegin oder Ihrem Chef? Hier ist es! In Junko Takases Roman „Richtig gutes Essen“ geht es herrlich schräg und sehr unterhaltsam zu. Aber auch nachdenkliche Töne stoßen an die Oberfläche: „Es ist doch total einfach, Leute zu ermutigen, indem man sagt: „Du schaffst das!“ Sich selbst zu ermutigen ist viel schwieriger.“

Das sagt Oshio ihrem Kollegen Nitani. Die beiden verbindet eine platonische Freundschaft. Sie genehmigen sich nach Feierabend gern einen Absacker und werden dem Titel des Romans mehr als gerecht, wenn sie sich leckere Sachen wie Edamame, ein Omlette oder gegrillten Fisch schmecken lassen. Dagegen stellt sich Ashikawa freudig an den Herd und backt Kuchen oder Kekse, die sie auch fürs Team in den Ofen schiebt. Weil sie es gern macht, oder eher, weil sie ein schlechtes Gewissen hat? Denn Ashikawa geht oft früher nach Hause, weil sie Kopfschmerzen hat oder sie sich nicht fühlt. Trotzdem ist gerade sie es, die Natani ermutigt, selbst zu kochen. Sie erklärt ihm, wie einfach das doch eigentlich sei:

„Du könntest dir doch wenigstens eine Misosuppe machen. Du setzt Wasser auf, löst Misopaste, die schon Brühe enthält, darin auf und gibst nur noch Tofu und etwas Grünes dazu.“ Eigentlich total einfach. Aber Nitani sieht es so: „Vielleicht mag ich es eher, anständig zu leben. Weil für mich Sachen wie Essen und Schlafen, die zum Leben notwendig sind, nichts mit Mögen und Nichtmögen zu tun haben.“

Das Essen fungiert als verbindendes und gleichwohl als toxisches Element, das die Autorin zum Ende hin zum Äußersten ausufern lässt. Sie erzählt über eine Bürogemeinschaft, in der alle unterschiedliche Ambitionen verfolgen. Der zielstrebige Natani, seine Geliebte Ashikawa, die ihr Glück im Mehl und im Kochtopf findet, und Oshio, die zwischen den beiden steht. Bitte nicht mit leerem Magen lesen, denn beim Lesen bekommen Sie automatisch Appetit.

In Japan hat sich dieses herrlich lebendige Buch über hundertachtzigtausendmal verkauft und wurde mit dem renommierten Akutagawa-Preis ausgezeichnet. Absolut verdient!

Richtig gutes Essen

von Junko Takase

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Einfach Sunny
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wer noch im Winterblues steckt, sollte mit Sunny ein paar Stunden verbringen. Danach ist nichts mehr trüb, eher hell und erquickend. Maren Graf hat mit ihrem Kinderbuch eine erstaunliche wie mitreißende Heldin geschaffen, die gute Laune versprüht. Vor der ich mich zudem verneige, denn Sunny ist blind. Aber das fühlt sich nebensächlich an, denn das Mädchen geht trotzdem ihren Weg und ist leidenschaftliche Sachen-Sucherin.

Gleich zu Beginn stolpert sie über eine Sache. Wobei, nein, Ben, ist doch ein Mensch, der etwas sucht und sehr verzweifelt ist. Bis der Junge aber Klartext spricht, muss Sunny in ihrer Detektivart mehrere Anläufe unternehmen, denn Ben ist stumm wie ein Fisch. Aber Sunny lässt sich natürlich nicht unterkriegen, selbst nicht von den frechen Jungs ihrer neuen Schule.

Auch das ist bemerkenswert. Nicht nur, wie Sunny den Jungs entgegentritt. Nein, die Tatsache, dass sie von ihrer aktuellen Schule auf eine gewöhnliche wechseln will.

Ben blüht am Ende doch auf, verrät seiner neuen Freundin, was sich hinter dem Dings verbirgt und begibt sich mit Sunny auf eine spannende Spurensuche, bei der sie nicht nur andere Menschen treffen, sondern auch einen süßen Dackel namens Frodo.

"Einfach Sunny" ist eine packende Detektivgeschichte, die gleichwohl Mut und Einfallsreichtum ausatmet. Ganz besonders freue ich mich, dass es eine Fortsetzung geben wird und ich Sunny bald schon wieder treffen werde.

Altersempfehlung: Ab 8 Jahren.

Einfach Sunny

von Maren Graf

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Evie und die Macht der Tiere
Simone Finkenwirth

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Matt Haig ist hierzulande vor allem unter den erwachsenen Lesenden bekannt. Lange schon schlummerte dieses Kinderbuch in meinem Regal. Nun habe ich es endlich aufgeschlagen und darf mal wieder sagen: Wer warten kann, der wird belohnt. So ist "Evie und die Macht der Tiere" eine lohnenswerte wie ganz besondere Lektüre für alle ab Neun und junggebliebenen Matt Haig-Fans.

Evie besitzt eine Gabe: Sie kann mit Tieren sprechen. Was cool klingt, wird dem Mädchen und ihrer Familie im Verlauf der Geschichte zum Verhängnis. Denn der Bösewicht Mortimer wird auf Evie aufmerksam. Und das ist überhaupt nicht gut.

Doch beginnen wir von vorn. Evie hört, wie die Schulhäsin Kahlo traurig denkt: "Eine, die einfach vorbeigeht. Ohne einen Gedanken an mich zu verschwenden." Also bleibt Evie stehen und wendet sich in Gedanken an Kahlo. Dabei erfährt sie, dass die Schulleiterin die Häsin aus dem Wald geklaut und hier eingesperrt hat. Evie mit ihrer großen Empathie kann diese Ungerechtigkeit nicht einfach stehen lassen, und lässt Kahlo frei. Zum großen Ärgernis der Schulleiterin. Danach muss Evie ihrem Vater versprechen, ihre Gabe nicht mehr einzusetzen. Was sie brav durchzieht - bis zu dem Tag, an dem sie ihrem Freund Ramesh im Zoo begleitet, und ein Junge ins Löwengehege fällt...

Ich liebe jede Seite in diesem Buch! Das ist einerseits dem Schreibstil des Autors und seiner Heldin zu verdanken. Aber auch die schönen Illustrationen von Emily Gravett bereichern die Seiten auf besondere Weise. Andererseits schätze ich kluge Botschaften wie diese: "Alles hängt mit allem zusammen. Nicht nur eine Großmutter mit ihrer Enkelin. Auch der Mensch mit dem Schimpansen und die Primaten mit den Hunden und Katzen. (...) Jedes Teilstück hängt von den anderen ab und fügt sich in sie ein. Und zusammengehalten wird alles durch eine gewaltige Energie."

Die Kraft, von der Evies Großmutter spricht, nennt sich Dawa. Diese gilt es, zu erkennen, dann kann Evie Großes leisten. Wird es der mutigen Heldin gelingen?

Evie und die Macht der Tiere

von Matt Haig

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Aali muss los
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lesen erweitert nicht nur den eigenen Horizont. Lesen bildet - vor allem durch das Einsaugen von fiktiven Geschichten geschieht die Wissenserweiterung eher spielerisch. So weiß ich erst nach diesem wundervollen und schön gestalteten Kinderbuch, dass ein Aal vier Leben hat.

Genau genommen sind es drei komplexe Verwandlungen, die ein Aal durchmacht. Vor so einer steht Aali, die sympathische Erzählstimme zu Beginn. Sein Kumpel Frank, eine loyale Brasse, fällt auf, dass Aali an dem Morgen so komische Augen hat. Aali indes spürt eine seltsame Unruhe und sagt: "Lass mal schwimmen." Am Ende haben wir - also Aali und ich - einen unglaublichen Weg zurückgelegt. Vom Nord-Ostsee-Kanal durch die Nordsee bis zur Sargassosee. Dabei haben wir allerlei schwimmende Wesen getroffen und Abenteuer erlebt.

Was führt Aali weg von seinem guten Kumpel? Warum schwimmt er so weit? Das löst dieses wissensreiche Kinderbuch auf hinreißende Art und Weise auf. Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich schreiben Hand in Hand, weben neben der Geschichte kleine Infoblöcke zum Aal mit ein. Nele Brönner hat dem Buch den passenden Pinselstrich gegeben. Und der mairisch Verlag hat gezaubert, denn wenn Sie durch die Seiten blättern, leuchten nicht nur ihre Augen so aalimäßig hell, auch die Nase schnuppert. Kann nicht genug bekommen von diesem tollen Papierduft.

So ist dieses Buch eine große Lesefreude für die ganze Familie! Altersempfehlung ab 7 Jahren, aber man kann durchaus schon jüngeren Geschwistern daraus vorlesen.

Ich danke meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor, die mir dieses Buch in meine Hände gelegt und dabei mit leuchtenden Augen gesagt hat: "Das ist so ein großartiges Buch. Du wirst Aali lieben!"

Aali muss los

von Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel

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Beste Zeiten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lost girl meets life! Wäre ich nochmal süße Achtzehn dann würde ich diesen Roman lieben! Denn ich fühle so sehr mit der Ich-Erzählerin. Daher habe mit meinen 40ern "Beste Zeiten" von Jenny Mustard ebenfalls mit allergrößter Freude gelesen. Die Autorin hatte mich ja bereits mit "Okaye Tage" begeistert.

In ihrem neuen Roman werde ich eine Freundin von der 21jährigen Sickan. Die Ich-Erzählerin ist gerade aus der schwedischen Provinz nach Stockholm gezogen und hat alles vor sich: die Uni, neue Kontakte und das Glück! Als sie ihre Kommilitonin Hanna kennenlernt, findet sie eine Freundin, und das obwohl Hanna aus einem anderem Haushalt stammt. Denn Hanna hat Geld, lebt in der Wohnung der verstorbenen Großmutter in einem guten Viertel. Sickan hingegen wohnt im Studentenheim und muss jede Krone umdrehen.

Sickan ist speziell und ich mag sie gerade deshalb. Sie hatte keine einfache Kindheit und Narben in ihrer Seele wie Abbe. Doch eine Beziehung wird schwierig, weil Abbe in einem Jahr nach Mexiko City will. Sie können dafür einfach gute Freunde sein. Werden es natürlich, und schließlich noch viel mehr.

Jenny Mustard hat einen wahrlich eigenen Sound - extrem cool und sehr nah an ihren Figuren greift sie Themen wie Identität, Freundschaft, LIebe und Abgrenzung auf. Jedes junge Mädchen findet sich in ihren Geschichte wieder, ob sie nun lost ist oder nicht:

"Ich frage mich, ob er recht hat, ob wir jetzt, wo wir erwachsen sind, endlich über die schweren Themen, die wir bisher verheimlicht haben, reden können."

Dem Eichborn-Verlag ist diese Entdeckung ebenfalls zu verdanken, wie ihrer Übersetzerin Lisa Kögeböhn, die wieder erstklassige Arbeit geleistet hat!

Beste Zeiten

von Jenny Mustard

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Sophie L.
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch fällt in die Kategorie: Falsches Cover, richtiges Buch! Ich verstehe den Gedanken des Verlags durchaus. Man wollte dem ersten Buch "Anna O." in der Gestaltung treu bleiben. "Sophie L." wird als Thriller vermarktet. Aber Vorsicht, das könnte Lesende enttäuschen. Eben jene, die eine durchgehend packende Handlung erwarten.

Mich hat das Buch von der ersten Seite begeistert. Das hat vor allem mit dem feinsinnigen Schreibstil des Autors zu tun. Und die Geschichte, die komplex und anziehend ist.

Die Londoner Gedächtnisexpertin Olivia Finn erhält aus Paris einen Anruf von der Polizei. Ihre Großmutter hätte im Hotel Lutetia einen Mord gestanden, und gesagt, sie sei eine andere. Das überrascht und beunruhigt die alleinerziehende Mutter. Folglich fährt sie nach Paris. Als Olivia dort ankommt, wird sie von der Polizei vernommen. Später spricht sie mit ihrer Gran, plötzlich scheint sie wieder klar, als sie bei ihr Zuhause sind. Édouard, ein ehemaliger Geliebter, ist zum Zeitpunkt auch in Paris und eilt Olivia zur Unterstützung. Édouard ist der Sohn von Olivias Therapeuten und treuen Weggefährten, der ihr den Weg in ihren Berufsweg als Psychologin geebnet hat. Louis war auch seinerzeit - vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs - der Herzensmensch ihrer Großmutter. Die wird nach ihrer Freilassung aus Ausschwitz mit anderen in dem Hotel Lutetia für drei Tage untergebracht. In diesen drei Tagen ist etwas passiert, über das alle bis heute schweigen...

Haben Sie mitgezählt? Ich habe hier vier Personen erwähnt, aber das sind längst nicht alle. Wie ein Puzzlemeister setzt Matthew Blake alle Figuren und Handlungsstränge gekonnt ins sein geheimnisvolles Bild. Durch das man sich klar und gespannt bewegt und dann...!

"Sophie L." ist ein raffinierter Thriller, der sich erneut einem spannenden Thema - dem der Erinnerung - widmet. Also ignorieren Sie das Cover und vertrauen auf meine wohlwollende Stimme.

Sophie L.

von Matthew Blake

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Die Farm der Mädchen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Hans Rosenfeldt hat es mir nicht leicht gemacht. Und doch konnte er mich für sich gewinnen. Wie das? Nun, hochwertige Krimiliteratur kann eben nichts erschüttern.

In seinem Krimi-Solo "Die Farm der Mädchen" erzählt er eine komplexe Krimigeschichte. Nichts für Leseratten, die schnelldrehende Plots mögen. Wer hingegen ein bisschen mehr Zeit mitbringt, wird um so mehr belohnt.

Bislang hat der angesehende Drehbuchautor zusammen mit Hjorth die achtbändige Sebastian-Bergman-Reihe verfasst, und wurde auch hierzulande dafür sehr gelobt. Dass er ein Meister seines Fachs ist, beweist er nach seinem Solodebüt "Wolfssommer" erneut.

"Die Farm der Mädchen" beginnt mit der Flucht von zwei schwangeren Frauen. Als die eine im Wald plötzlich ein totes Kind gebärt, versucht ihre Freundin Dardana einen sicheren Ort aufzuspüren. Sie schlüpfen in einer einsamen Waldhütte unter. Doch Natalia verliert am Ende zu viel Blut und stirbt. Dardana lässt ihre tote Freundin zurück und flieht allein vor ihren Verfolgern.

Das tote Baby führt schließlich zur Polizistin Hannah Wester, die nach einer Auszeit wieder in den Dienst tritt. Ihr Mann ist bei einem Einsatz ums Leben gekommen. Was hat es nun mit dem toten Baby auf sich? Und wie ist die Leiche in der Hütte zu erklären? Der Fall ist komplexer und führt auch ins dunkle Reich des Menschenhandels.

Rosenfeldt nutzt für seinen Plot verschiedene Handlungsstränge, behält aber eine klare Linie und erzeugt mit zunehmenden Seitenananzahl mehr an Spannung.

Ein Hochkaräter, über den man lange noch nachdenkt.

Die Farm der Mädchen

von Hans Rosenfeldt

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Statt aus dem Fenster zu schauen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sinnkrise? Kennen wir doch alle! So weiter machen? Oder eine andere Richtung einschlagen? Diese Fragen stellen wir uns nicht nur mit Anfang 20 oder mit 35 Jahren, auch mit Mitte 40 oder sogar mit Ende Sechzig. Daher ist Anna Katharina Scheidemantels grandioses Debüt "Statt aus dem Fenster zu schauen" eine willkommende Einladung für alle Sinnsuchenden.

Den Mumm der Ich-Erzählerin hätte ich allerdings nicht. Aus einer Stagnation bei ihrem Praktikumsplatz heraus surft Sophie ein bisschen bei Kleinanzeigen.de herum und kauft sich mal eben mit ihrem Ersparten ein Haus in der Pampa. In Günderode, hinter Berlin. So lässt unsere Heldin alles in München hinter sich, schnappt sich ihr Rad und einen Rucksack und auf geht's mit der Bahn ins Abenteuer!

Als die Studentin in der ostdeutschen Provinz an ihrem Häuschen ankommt, wird ihr schlecht. Vor ihr offenbart sich mehr eine Bruchbude. Aber hey, was hast du für 3000 Euro erwartet? - will ich ihr zurufen. Ich wäre sofort wieder abgehauen, Sophie nicht. Die bleibt. Ihr dabei zuzuschauen, ist herrlich erfrischend und bereitet mir große Freude! Wie sie in Eigenregie das heruntergekommene Haus putzt, streicht und auf Vordermann bringt, weitet meine Augen. Damit nicht genug. Sophie beginnt, den Garten mit Pflanzensamen auszusäen, um im Sommer eine erste Ernte einzufahren. Sie arbeitet, bis sie vor Erschöpfung auf ihrer Isomatte liegt und die Gedanken schweigen. Denn Sophie hat bisher niemanden von ihrer Aktion erzählt... Wie lange kann das gut gehen?

"Statt aus dem Fenster zu schauen" ist eine besondere Sinnsuche mit existenziellen Fragen. Obendrein entschleunigt es, indem die Autorin unsere Köpfe ins reichhaltige Meer der Natur stupst. Herrlich! Ein mutmachendes Buch für alle, die sich gerade selbst fragen: Und jetzt?

Ich freue mich, dass ich am kommenden Mittwoch, 8. April, um 19.30 Uhr, mit der Autorin bei uns die Buchpremiere ausrichten darf.

Statt aus dem Fenster zu schauen

von Anna Katharina Scheidemantel

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Spielverderberin
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es könnte so leicht sein wie so vieles im Leben. Einfach eine schöne Freundschaftsgeschichte. Doch das wollte Marie Menke mit ihrem Debüt nicht. Und genau das ist gut so!

Lotte, Sophie und Romy sind die drei tragenden Säulen des Romans. Während Lotte und Sophie seit Kindheitstagen befreundet sind, stößt in der Oberstufe Romy aus der Großstadt dazu. Am Anfang der Geschichte treffen sie sich in der alten Heimat, im Süthland. Alle drei sind der Heimat entwachsen, leben in Köln. Doch wie nah sind sie sich immer noch?

Die Ich-Erzählerin, Sophie, will sich mit ihren beiden Freundinnen am Baggersee treffen, angestoßen hatte dies Romy. Als Sophie und Lotte dort ankommen, ist Romy längst da. Nach einigen Gläsern Wein will Romy in den See. Lotte ist das zu riskant, Sophie ebenso. Als sie Romy im See nicht mehr sehen, sagt Lotte: "Romy braucht keine Hilfe." Lotte verschwindet daraufhin mit ihrem Jutebeutel, Sophie bleibt. Bereits hier wird mir klar, dass etwas nicht stimmt. Und das liegt weiter zurück.

Nach und nach nimmt uns die Autorin mit in die vertrackte Freundschaftsgeschichte, die gleichermaßen Fragen wie Unsicherheiten aufwirft. Marie Menke verwebt verschiedene Themen in ihre mitreißend erzählte Geschichte: Anziehung, der Wunsch nach Zugehörigkeit, Abhängigkeit, Ghosting. Und ich denke: Was bin ich dankbar, dass ich so etwas nie erleben musste. Ich bin in einem harmonischen Kreis unterschiedlicher Freundinnen groß geworden, mit denen ich heute noch verbunden bin, und das obwohl sich unsere Leben anders entwickelt haben.

Marie Menke geht indes weiter oder sagen wir besser: Sie stürzt uns in dunkle Täler, was Freundschaften noch sein können. Teuflisch und toxisch.

Ich habe den Roman in einem Atemzug weggelesen, wurde am Ende nochmal aus der Bahn geworfen und ahne: Man darf von der jungen Schriftstellerin noch Großes erwarten.

PS: Bald gibt es mehr zur Autorin, die ich bei der Leipziger Buchmesse gecoffeetalkt habe.

Spielverderberin

von Marie Menke

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Pina fällt aus
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe Vera Zischke verpasst, also "Ava liebt noch". Ihr Debüt hat unzählige Lesende mitgerissen. Deshalb ließ ich den Kelch an mir vorbeiziehen, obwohl ich natürlich neugierig geblieben bin. Nun ist ihr zweiter Roman erschienen und ich weiß: Ich habe etwas verpasst. Aber aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben.

Ich bin so verliebt in "Pina fällt aus" und kann mein Grinsen nicht bei mir behalten. In diesem Roman erzählt die Autorin eine Geschichte über Zusammenhalt, Solidarität, Fürsorge und Liebe in unterschiedlicher Form. Pina ist eine alleinerziehende Mutter. Sie kümmert sich um ihren Sohn Leo, der in seiner eigenen Welt lebt, jeden Morgen vom Bus abgeholt wird. Dann geht es ab in die Werkstatt. An einem Nachmittag, Leo ist längst zurück, will Pina noch Einkäufe erledigen. Auch für die älteste Bewohnerin im Haus. Inge verlässt nach einem Unfall und dem Tod ihres Mannes die Wohnung nicht mehr. Muss sie auch nicht, denn Pina kauft für Inge ein. Doch dieses Mal kehrt sie nicht zurück. Pina ist auf der Straße zusammengebrochen, kommt ins Krankenhaus und Leo bleibt bei Inge. Alle warten. Nur wir Lesende wissen mehr, sind an Pinas Seite im Krankenhaus und dem pflegenden Personal.

Bald ist klar, was passiert ist und dann? Kümmern sich drei schräge Vögel um den mutterlosen Leo. Neben Inge gibt es noch den Einsiedler Wojtek, der eine russische Freundin hat, die ihm besondere Nippes besorgt. Und die revoltierende Zola. Ein 16jähriges Mädchen, das am liebsten nachts zockt und die von ihrem Vater organisierten Jobs in den Boden stampft. Ja, da ist wahrlich so viel Wut in dem Mädchen, aber gleichwohl extrem viel Fürsorge für Leo, dass mein Herz fast explodiert.

Ich habe mich bei der Lektüre an Anna Gavaldas Erfolg "Zusammen ist man weniger allein" gedacht. Aber nicht nur deshalb zählt "Pina fällt aus" zu meinen Lieblingen. So ist das Buch gefüllt mit herrlich abstrusen, liebenswerten, bewegenden Momenten, bei denen ich oft seufzt lache oder innehalte. Vera Zischke hat einen charmanten Erzählstil, die Tiefe dennoch nicht scheut und ihr geradewegs ins Gesicht blickt.

Mehr Hintergründe zum Roman erfahren Sie bald in einem Interview, das ich mit der Autorin auf der Leipziger Buchmesse geführt habe. Es war mir eine große Freude wie diese wunderbare Lektüre, die wir in diesen aufwühlenden Zeiten besonders brauchen!

Pina fällt aus

von Vera Zischke

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Bei aller Liebe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Weniger kratzbüstig, aber nicht minder lesenswert ist der neue Roman von Jane Campbell. Nachdem die 82jährige Autorin mit ihrem Debüt „Kleine Kratzer“ auch hierzulande für Furore gesorgt hat, legt sie nun nach.

Die Autorin bedient sich wieder ihrem wertvollen Wissen über uns Menschen. Denn in ihrem vorherigen Leben war sie als Psychoanalytikerin in Oxford tätig. Apropos: Psychologisch klug und feinfühlig erzählt sie eine Familiengeschichte. Die beginnt damit, dass Agnes viel zu früh ihre Eltern bei einem Autounfall verliert. Ihre Mutter Sophy hat vorher ihrem Bruder Malcom einen Brief übergeben. Er soll Dr. Joseph Bradshaw persönlich ausgehändigt werden. Doch das macht Malcolm nicht. So hütet er bis heute ein Geheimnis, das eng mit seiner Nichte Agnes verknüpft ist. Warum handelt er so? Das ist eine von weiteren Fragen, denen ich mich Seite um Seite nähere.

In abwechselnden Kapiteln erlebe ich dabei die Lebensgeschichten von Dr. Joseph Bradshaw, Malcolm und Agnes. Alle widmen sich der Psychologie in verschiedenen Formen. Ein raffinierter Schachzug wie die Linien, die Campbell zusammenzieht. So baut sie ein Spannungsfeld auf, dem man ebenso wenig entgeht wie ihren klugen Ansichten: „Mit dem Alter kommt die Zerknirschung, Malcom. Da gibt es kein Entrinnen. Es kommt allerdings darauf an, wie du die Geschichte deines Lebens erzählst.“

„Bei aller Liebe“ ist ein packendes wie berührendes Buch über Lebenslügen, Familie, Verletzungen und die Kunst des Verzeihens. Die Geschichte hallt lange noch nach. Da verzichtet man durchaus auf das kratzbürstige Erzählen. Und freut sich viel mehr darüber, dass diese bewundernswerte Frau mit Anfang 80 angefangen hat, zu schreiben. Bitte weiter so und mehr davon!

Bei aller Liebe

von Jane Campbell, Bettina Abarbanell

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Der Wald
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Viel zu wenig habe ich bisher über diesen Roman vernommen. Warum nur? Denn die Booker-Preisträgerin, die mit ihrem Buch „Die Gestirne“ mit gerade mal 28 Jahre auf dem literarischen Parkett zu einer Berühmtheit wurde, zeigt erneut, dass sie zu den besten Autorinnen unserer Gegenwart gehört.

Eleanor Catton möchte mit ihrem Roman nicht nur unterhalten. Sie will uns auch zum Nachdenken anregen, indem sie zwei gegensätzliche Pole zusammenbringt. Da ist die 24jährige Mira. Die Umweltaktivistin hat eine Guerilla-Gardening-Gruppe ins Leben gerufen. Das „Birnam Wood“-Kollektiv setzt überall dort Pflanzen, wo es keiner merkt.

Als es in einem Naturschutzgebiet zu einem Erdrutsch kommt, sieht sie ihre große Chance gekommen. So bietet das große Grundstück des Unternehmers Owen Darvish viel Raum fürs Gardening. Als Mira dort ankommt, findet sie die Farm verlassen vor, und will bald loslegen, bis ihr der Milliardär Robert Lemoine über den Weg läuft... und der unterbreitet ihr ein lukratives Angebot, das wiederum den Grundsätzen des Kollektivs widerspricht.

Wahnsinn! Was für eine hochspannende Geschichte! Eleanor Cotton hat in ihrem Roman eine Vielzahl an relevanten Themen versehen: Gesellschafts- und Kapitalismuskritik, Umweltschutz, Gemeinschaft - was sie schaffen kann, aber auch spaltet, Freundschaft, Ideale – wie weit würden wir gehen? Spritzige Dialoge befeuern die plotgetriebene Handlung, die mit einem extrem packenden Showdown endet. Stephen King meint: „Grandios. Was für ein Genuss!“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht: Setzen Sie ein Pflänzchen, auch für dieses Buch, von dem ich gern noch mehr lesen und hören möchte. Ob es uns gelingt?

Der Wald

von Eleanor Catton

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Der Kuckucksjunge
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich hatte richtigen Heißhunger! Nicht auf Lakritz, sondern auf einen guten Krimi. Da kam mir Soren Sveistrup gerade recht. Der dänische Erfolgsautor hatte mich seinerzeit mit "Der Kastanienmann" und seiner großartigen TV-Serie "Kommissarin Lund: Das Verbrechen" schier begeistert.

Und jetzt am Ende der Lektüre kann ich freudig verkünden: Auch dieses Mal hat konnte mich der Däne überzeugen. In dem Fall geht es um Stalking Opfer - Frauen und ein Mann. Der Täter schickt ihnen erst zwei Wörter "Hab dich", danach folgen Kurzmitteilungen mit Abzählreimen und sogar noch Fotos, die zeigen, dass der Verbrecher ganz in der Nähe sein muss.

Silje Thomsens ist das erste Opfer. Mehrmals hat sie ihre SIM Karte gewechselt, aber davon zeigt sich der Täter unberührt. Als ihr geschiedener Mann die gemeinsame Tochter zurückbringt, finden sie das Haus leer vor und von Silje fehlt jede Spur, das Handy ist ausgeschaltet.

Die Kommissarin Naia Thulin soll sich zusammen mit ihrem eigensinnigen Kollegen Mark Hess um diesen Fall kümmern. Die beiden verbindet noch mehr als ihre Arbeit. Als eine Leiche gefunden wird, ahnen wir bald schon, wer die Tote sein wird. Und es bleibt nicht die Einzige in diesem atmelos machenden Thriller.

Seltsam ist, dass das Vorgehen an einen Cold Case erinnert. Denn eine 19jährige Schülerin ist auf ähnliche Weise umgebracht worden: Erst gab es diese Kurzmitteilungen und dann folgte der Mord...

Soren Sveistrup ist ein Meister seines Fachs. Er setzt spannende Cliffhanger und hält die Spannung die ganze Zeit über! Man rätselt lange darüber, wer es denn nun sein könnte. Das macht für mich gute Krimiliteratur aus wie eine tolle empathische Figurenzeichnung.

"Der Kuckucksjunge" stillt nicht nur jeden Heißhunger auf spannende Lesestunden. Er macht Lust auf noch mehr Krimis! So folge ich meinem Kollegen Frank Menden, der kürzlich "Kill For Me" von Steve Cavanagh mit Begeisterung verschlungen hat.

Der Kuckucksjunge

von Søren Sveistrup

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Am Ende der Kleinigkeiten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Pures Glück umhüllt mich nach Franziska Hausers neuem Roman wie eine Membran, die mich vor äußeren negativen Einflüssen beschützt. Weltenflucht, nennen es die einen. Weltenerkundung - die anderen. Noch etwas zeigt sich in mir: Eine große Dankbarkeit, wenn es Werken wie diesem gelingt, mich voll und ganz einzusaugen.

Wobei der Anfang nicht einladend ist. Das hat weniger mit der Autorin, dafür mehr mit Irmas gemeinen Mutter zu tun. Garstig, abweisend und spitz wie ein Stachel durchbohrt sie die Harmonie der Buchstaben. Wie kann eine Mutter nur derart verletzend sein?

Irma kann eines Tages nicht mehr und haut ab. Weg vom Land und der Kommune, die ihre Mutter nach der Wende mitgegründet hat, hinein in die pulsierenden Arme der Großstadt. Als die 15jährige vorm Theater strandet, weiß sie noch nicht, dass sie in ihrem neuen Zuhause angekommen ist.

Hier stößt sie auf Menschen, die bald zu Vertrauten werden. Da ist der Regisseur Taron Capla, die erfolgreiche Blanda, den Agenten Enno und mittendrin Irma, die ohne Ausbildung bravourös auftritt. Das gelingt ihr allein dadurch: „Es war so leicht. Ich musste nur meine Mutter spielen.“

Aber natürlich bleibt es nicht einfach, denn dafür ist die Autorin bekannt. So setzt sie Irma Prüfungen aus, und verliert dabei den Ursprung der Geschichte nicht aus den Augen. Immer wieder treffen mich die mütterlichen Stacheln, ich sehe Irma taumeln und frage mich: Wird es ihr gelingen, von den Schatten der Vergangenheit loszukommen?

Für mich zählt dieses Buch zu meinen Highlights in diesem Frühjahr und ich widerspreche der Rezensentin vom Deutschlandfunk. Franziska Hauser hat mich mit ihrer Sprache, die alles andere als schlicht ist, genauso bezirzt wie mit ihrer besonderen Geschichte und bemerkenswerten Heldin. Daher gibt’s zum Indiebookday von mir eine große Leseempfehlung!

Am Ende der Kleinigkeiten

von Franziska Hauser

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Half His Age
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die Geschichte ist nicht neu. Trotzdem lese ich sie mit Neugier, Begeisterung und roten Ohren "Half His Age" von Jennette Mccurdy. Waldo hat ein sehr lebendiges Sexleben: "Ich weiß schon, dass dieses genervte Ächzen nicht gut kommt, wenn man gerade von einem Typen geleckt wird, aber im Moment kann ich mich echt schwer zurückhalten." Oha! Von solchen expliziten Stellen hagelt es hier mehr als mir manchmal lieb ist. Trotzdem lese ich weiter. Je tiefer ich eintauche, um so mehr dringe ich zum Kern vor. Und der ist weniger hot, eher beklemmend und düster.

Waldo lebt mir ihrer Mutter in präkeren Verhältnissen zusammen. Die wiederum hat wechselnde Männerbekanntschaften. Nach jedem Ende versinkt ihre Mutter in eine Depression. So will Waldo nie werden. Und doch wird sie selbst bald in ein solches tiefes Tal fallen. Als sie mit ihrem Lehrer Mr. Korgy eine Affäre beginnt. Mr. Korgy unterrichtet Kreatives Schreiben, erkennt Waldos Talent. Und genauso ihre Neugier, Reife und natürlich findet er sie reizend. Erst versucht der verheiratete Vater der Anziehung zu entgehen, aber hey, am Ende ist er auch nur ein Mann.

Man könnte diese Geschichte als Nabokovs "Lolita" lesen. Doch sie ist natürlich moderner. Heutige Kummerfluchten wie das Internet und damit verbunden der immer verfügbare Konsum, das hat es damals nicht gegeben. Diese unmögliche Lovestory trieft nicht nur vor Sex. Es geht um Klassizismus, und den Wunsch nach einem besseren Leben. Immer, wenn ich denke, es reicht jetzt langsam mit dem Sex, wirft mir die Autorin ziemlich kluge Sätze zu und ich betrachte die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel.

So sehe ich einen verzweifelten Hilferuf! Höre den Wunsch nach einer Rettung heraus - durch einen älteren Mann. Kann das gelingen? Und geht es hier wirklich um den älteren Liebhaber oder viel mehr um das, was Waldo zum ersten Mal führt? Dass Sex mehr ist als reine Befriedigung.

"I'm Glad My Mom Died" war der große Erfolg der Autorin. Auch in ihrem aktuellen Roman treffe ich auf ihre offenherzige, witzige Erzählweise. Mag der Ausgang für manche vorhersehbar sein, ich mochte vieles an dieser sexy, belebenden und mitunter tiefsinnigen Story.

Altersempfehlung ab 18 Jahren!

Half His Age

von Jennette McCurdy

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Zugwind
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wann hat der Zugwind zuletzt in Ihrem Herzen gewütet? Bei mir war's erst vergangene Woche. Aber zum Glück hat mich Iryna Fingerova aufgefangen. Denn ihre Romanheldin aus "Zugwind" ergeht es genauso: "Der Zugwind, der sich in mir breitgemacht hatte, machte keine Anstalten, sich zu beruhigen. Die Fenster und Türen schlugen. Sie weckten die Kinder auf!"

Am 24. Februar 2022 überfällt Mira diese Unruhe. An dem Tag, als Russland in ihr Heimatland einmarschiert. Mira lebt da bereits mit ihrem Mann, ihrer fünfjährigen Tochter und ihren Eltern in Deutschland. Sie arbeitet als Ärztin, erst im Krankenhaus, bald in einer Hausarztpraxis bei Frau Erde und Frau Meer. Anhand der Namen merkt man schon, hier ist eine Poetin am Werk. Als Mira dort beginnt, spricht sich das natürlich in der ukrainischen Gemeinde herum, und bald suchen sie viele Patienten aus der alten Heimat auf. Sie haben unterschiedliche Leiden, die uns die Erzählerin anonymisiert teilt. "Frau A. brach in Tränen aus, kaum, dass sie Platz genommen hatte."

So verschieden die Menschen sind, eint doch alle diese Tatsache: "Mit einem Bein in der Ukraine, mit dem anderen in Deutschland. In zwei Realitäten gleichzeitig." Das strengt auf Dauer an. Iryna Fingerova gibt den entwurzelten Menschen eine Stimme, ohne Pathos oder Schwere. Sicherlich zwickt das Herz, aber es knickt nie ganz in sich zusammen, denn die Autorin kommt rechtzeitig mit ihrer charmanten Leichtigkeit daher und schenkt mir einen Sonnenstrahl, der das Dunkle vertreibt. Übrigens stellt ihre Heldin auf der Verlagsseite des Rowohlt Verlags Rezepte gegen Zugwind-Beschwerden aus:
https://www.rowohlt.de/zugwind

Auch Mira spürt diese Zerrissenheit. Obwohl sie sich mit ihrem Mann ein Leben in Deutschland aufgebaut hat, sehnt sie sich nach Odesa und ihrer Großmutter. Als es ganz schlimm wird, sagt ihr Mann, sie solle endlich fahren. Das macht Mira dann auch, und nimmt mich mit. Zeigt, wie ein normales Leben in einem Kriegsland weiterexistieren kann und muss.

"Zugwind" ist ein kluges, berührend schönes, luftig charmantes und wichtiges Buch über den noch andauernden Krieg in der Ukraine. StaywithUkraine!

Zugwind

von Iryna Fingerova

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Die Sonne und die Mond
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn ein geliebter Mensch von uns geht, tut das sehr weh. Genauso schmerzhaft sind die Wellen der Trauer, die einen immer wieder erfassen. Chris Kraus findet dafür die passenden Worte: "Auch das Vergehen von Menschen heißt nicht, dass sie nicht überdauern. Alles Bedeutende existiert nur in der Erinnerung." Das schreibt jemand, der seinen Lebensmensch verloren hat. "Die Sonne und die Mond" hat ihn durch die schwere Zeit getragen. Ich staune wieder einmal, wie viel Kraft in der Liebe steckt.

Wobei das Gros der Geschichte alles anderes als ruhig ist. Denn hier treffen zwei gegensätzliche Pole aufeinander. Da ist die stille in sich gekehrte Sonne. Eigentlich heißt sie Sonja, aber ihr Vater hat sie immer Sonne genannt. Sonne betreibt in einer ehemaligen Bäckerei ein alternatives Berliner Bestattungsunternehmen. Als Mond ins ruhige Örtchen reinfällt, steht die Welt Kopf. Mond heißt Jana von Mond und erinnert mich an einen bunten Kanarienvogel dessen Schnabel nie stillsteht.

Sonne reagiert ziemlich kratzbürstig und wird von ihrem Angestellten zurechtgewiesen. Was Samuel und ich nicht wissen, ist der Konflikt, den die Freundschaft seinerzeit entzweit hat. Auch Monds aktuelles Problem ist alles andere als einfach: Ihr geliebter Mann ist mit seiner Freundin bei einem Verkehrsunfall in Italien ums Leben gekommen. Said hat in seinem Testament darüber verfügt, dass er mit Ying Shu zusammen beerdigt werden will.

Und jetzt? Sonne will Mond am liebsten rausschmeißen. Mond hingegen fleht, bettelt und wird schließlich von ihrer alten Freundin erstmal mit nach Hause genommen, in die kleine Wohnung, die Sonne mit ihrem Sohn Nicky bewohnt. Eine goldige Frohnatur, die ich sofort ins Herz schließe wie Nicky Jana.

Man merkt dem Autor sein erfahrenes Händchen für Figuren und Plots an. So fühlt sich die Lektüre wie ein wunderschöner Kinofilm an - mit dem Unterschied, dass sich neben schmissigen Dialogen und bizarren Momenten nachdenklich kluge Gedanken wie sanfter Schnee über das bunte Treiben legt.

"Überleben ist kein Wert von Dauer, auch unser Überleben nicht." Das ist einer der Sätze, der sich in mein Gedächtnis gebrannt hat wie die Figuren, die ich nur schwer loslassen möchte. Doch auch das gehört zum Leben dazu: Abschied zu nehmen, voller Dankbarkeit zu sein für die gemeinsame Zeit, reich gesegnet mit vielen Erinnerungen, die einem keiner nehmen kann. Ganz im Gegenteil: Sie sind der Ort, an dem wir immer wieder zu unseren Lieben zurückkehren können, und das zu jeder Sonnen- und Mondzeit!

Die Sonne und die Mond

von Chris Kraus

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The Tainted Cup
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wahnsinn! Irre! Unglaublich! im besten Sinne fantastisch ist dieser großartige Krimi. Er steht aktuell in der Krimibestenliste bei Deutschlandfunk Kultur. Yes! Da gehört er hin!

Kaum ausgepackt, waren meine Kollegin Sarah O'Connor und ich wie vom Blitz getroffen. Wir ahnten, dass „The Tainted Cup“ von Robert Jackson Bennett etwas ganz und gar Außergewöhnliches sein muss. Nicht nur, weil das Buch mit dem „Hugo Award 2025“ ausgezeichnet wurde. Da war noch etwas... kennen Sie doch alle! Diese Magie, die aus manchen Büchern besonders herausströmt. Und jetzt nach der Lektüre lachen Sarah O'Connor und Simone Finkenwirth immer noch. Voller Freude und Staunen über das wundersame schöne Ding aus Papier!

Alles beginnt mit einem Mord. Als unser Held an den Ort des Geschehens gerufen wird, verschlägt es auch ihm die Sprache: Aus dem Körper des toten Mannes ist ein Baum gewachsen. Wie kann das sein? Dinios‘ exentrische Chefin Ana weiß recht schnell, was es damit auf sich hat. Es bleibt nicht bei dem einen Toten. Denn kurze Zeit später geschieht an der Mauer ein Durchbruch vom Levithian ausgelöst. Wer jetzt noch bei uns ist, sollte sich schleunigst diesen unterhaltsamen wie fantastievollen Roman gönnen. Zu finden ist er auf unserer Eingangspyramide. Haben wir natürlich auch auf Englisch.

Übrigens folgt bald Teil 2. Erstmal nur auf Englisch. Aber die deutsche Übersetzung lässt sicherlich nicht lange auf sich warten. Das eingesprochene Hörbuch von Tim Gössler ist genauso beeindruckend. Eine Stimmenvielfalt und wahrer Filmgenuss! Ja, es fühlt sich wie ein extrem guter Filmritt an. Erschienen ist’s bei Hörbuch Hamburg.

Jakob und Karla Schmidt haben diesen Hochkaräter aus dem Englischen übersetzt.

The Tainted Cup

von Robert Jackson Bennett

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Tage des Lichts
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Liebe auf den ersten Blick gibt es nicht nur bei Menschen. Auch zwischen Büchern und den Lesenden. Megan Hunter ist für mich der lebende Beweis dafür! Mit ihrem neuen Roman "Tage des Lichts" hat sie die Tür zu meinem Herzen sofort ganz weit aufgestoßen. Genau dort sitzt sie und ich verrate Ihnen nun warum.

Ivy ist die tragende Figur in dem Roman, der mich von der ersten Seite an bezirzt. Kein Wunder, ist Ivy in eine Künstlerfamilie hineingeboren und ich fühle mich diesen interessanten Menschen seit jeher verbunden. So falle ich federleicht in dieses flirrende Setting. Es ist Ostersonntag im Jahr 1938. In dem atmet die Kunst. Ivys Bruder Angus teilt sich das Atelier mit seiner Mutter. Joseph, Ivys anderer Bruder, singt indes schief. Er ist voller Vorfreude, denn heute soll seine Liebste endlich eintreffen: Frances. Alle sind gespannt. Nun passiert an diesem Tag etwas, das dem Leben und der Geschichte eine andere Wendung gibt. Plötzlich knallt mir eine Faust in den Bauch.

Aber wir bleiben tapfer, Ivy und ich. Gehen unsere Wege, viel mehr Ivy, und ich folge dieser Frau mit den zwei Gesichtern. Einerseits spürt sie die Freiheit und den Wunsch nach einem selbstbestimmten anderem Leben jenseits der Norm, andererseits geht sie doch die Ehe ein, wird Mutter, hat aber tiefschürfende Gedanken und den Wunsch nach einer überirdischen Transformation, denn das helle Licht aus dem Jahr 1938 in dem Fluss geht ihr nicht aus den Kopf. Wie Frances, die eines Tages wieder auftaucht und mehr in Ivy auslöst, als es eigentlich sollte und durfte zu dieser Zeit.

Der Roman wird getragen von einer wärmenden Zärtlichkeit. Elegant, stimmungsvoll und mit einer feinfühligen Hand zeichnet die Autorin ein Frauenleben mit all seinen Facetten. Ein Buch über das Verlangen und der weiblichen Urkraft. Still erzählt, aber mit einer wunderschönen Melodie, die sich um das helle Licht dieses feinen Romans legt wie eine Geliebte um ihren Herzensmenschen. Das ist Liebe!

Tage des Lichts

von Megan Hunter

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Das gelbe Haus
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lange schon hat mich „Das gelbe Haus“ von Mieko Kawakami gezwickt. Seit ihrem Debüt „Brüste und Eier“ zählt die Japanerin zu den geschätzten Autorinnen meines Sehnsuchtlandes. Und das obwohl kein magischer Realismus am Wirken ist. Viel mehr zeigt Kawakami das wahre Leben. Dabei geht sie äußerst feinfühlig und mitreißend vor wie auch in ihrem neuen Roman, der 2025 das Feuilleton des Spiegels mehr als überzeugt, und ihm den 5. Platz des Spiegel Buchpreises verliehen hat.

Im Zentrum steht die vierzigjährige Hana. Als sie auf einen Zeitungsartikel über eine Freundin stößt, erwachen die Erinnerungen an ihre jüngeren Tage mit Kimiko - eine Freundin der Mutter, die sich in den Sommerferien dem Mädchen angenommen hat, nachdem die Mutter einfach verschwunden war.

Hana wächst in prekären Verhältnissen auf. Die Mutter hangelt sich von verschiedenen Jobs zum nächsten, wechselt ihre Partner. Da kommt Kimiko wie gerufen. Die beiden verleben eine wunderbare Sommerzeit. Doch als die Mutter wiederkehrt, bleibt Kimiko verschwunden. Erst als junge Frau trifft Hana diese zufällig wieder. Dieses Mal bleiben sie zusammen. Schöner noch: Sie übernehmen eine Bar und nennen sie „Lemon“. Denn die Farbe Gelb steht für Geld und Wohlstand. Feng-Shui spielt hier eine besondere Rolle.

Die beiden bleiben nicht allein, später gesellen sich noch Momoko und Ran dazu, weitere verlorene Seelen, die ein Haus beziehen. Als alles perfekt scheint, schlägt das Schicksal zu. Bämm!

Dieses Buch zeigt das andere Japan. Kawakami lichtet die eher verborgene Welt ab, die der Benachteiligten. „Geld ist Macht, Armut ist Gewalt“ heißt es an einer Stelle, so wahr, sind die nachfolgenden Worte. Bemerkenswert ist die Wandlung der Figur Hana wie die Geschichte. Also genießen Sie jede warme Seite, denn es könnte die letzte sein, und dies dafür Ihr erstes Highlight 2026 werden.

Das gelbe Haus

von Mieko Kawakami

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Wie man einen Yeti findet
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wollten wir nicht alle schonmal einen Yeti finden? Ob klein oder groß, diese Wesen faszinieren uns alle! Das hat sich auch Matt Hunt gedacht. Und uns einen großen Bilderbuchspaß geschenkt. Darin erzählt er genau das – die Suche nach einem Yeti. Ein kleiner Junge packt seinen Rucksack und macht sich mit seinem Hund auf den Weg, um dieses sagenumwobene Wesen zu finden. Der Junge sieht sich las ausgewiesener Experte, schließlich hat er sich aus der Bücherei ganze siebenundzwanzig Bücher über den Yeti geholt, sie eingehend studiert.

So laufen wir mit dem kleinen Helden während seiner Suche durch den Schnee und erleben wir ein kleines Wunder aus Bildern. Um tatsächlich dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Raffiniert und fantasievoll sind die Illustrationen, auf denen man herrlich viel entdecken kann. Und das Ende ist furios!

Wie man einen Yeti findet

von Matt Hunt

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Winter
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Kochbuch enthält das einfachste Rezept für die fabelhaftesten Brownies und dem besten Pizzateig, der bereits bei der Herstellung glücklich macht. Denn er ist derart geschmeidig. Aber das ist noch nicht alles, was sich in diesem wunderbaren Kochbuch verbirgt. Sarah Hassert liefert uns obendrein tolle Geschichten über Bräuche wie den Barbaratag - ein kirchlicher Festtag zu Ehren der heiligen Barbara von Nikomedien in der heutigen Türkei. Ihr zu Ehren gibt es am 4. Dezember immer einen Mändelchenpudding. Dafür bedarf es nicht viele Zutaten: Milch, eine Vanilleschote, ein paar Tropfen Mandelaroma, Zucker, Eigelb, Zucker, Mandelsplitter und Speisestärke.

Dank Sarah Hassert weiß ich, dass der Kürbis im Backofen am besten aufgehoben ist, bevor man ihn weiterverarbeitet. Wer wie ich gern Angebote shoppt und plötzlich zu viel Gemüse im Kühlschrank hat, dem wirft Sarah einen Rettungsanker zu. Neben leichten Alltagsgerichten finden sich köstliche und feierliche Anregungen wie „Hansas Mess“. Auch schön ist der Spaziergang durch alle Wintermonate – von Oktober bis April.

Die Hamburger Autorin liebt nicht nur gute Literatur, kulinarisch-feine Gaumenfreuden - auch die Kultur des Essens ist ihr eine Herzensangelegenheit. Das spüre ich mit jeder Seite und kann nicht lange an mich halten. Vor allem durch die stilvollen und atmosphärischen Fotos von Jule Kiefer werde ich angeregt, sofort loslegen zu wollen. So fühlt man sich mit diesem Kochbuch gut aufgehoben im grauen nordischen nasskalten Winter.

Winter

von Saint John Studio, John Saint

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Das Jahr voller Bücher und Wunder
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Achtung: Dieses Buch ist überhaupt nicht kitschig! Der Goldmann Verlag hat sich wohl gedacht: Wir gestalten das Buch wie "Der verschwundene Buchladen" von Evie Woods und dann läuft das schon. Aber ganz so easy ist es dann doch nicht. Glücklicherweise haben Sie uns: Ihre literarischen Vorkoster!

Libby Page ist für mich keine unbekannte Autorin. Die Engländerin hat mich seinerzeit mit ihrem Roman "Schwimmen mit Rosemary" begeistert. Auch in diesem Roman verbindet sie schwere Themen mit der Leichtigkeit des schönen Zufalls und den richtigen Menschen, die genau in unser Leben treten, wenn wir sie brauchen. In Tillys Fall ist es Alfie. Der Buchhändler ruft die junge Frau im Januar an ihrem Geburtstag zu Hause an und verkündet, er hätte ein Geschenk für sie. Von ihrem Mann Joe, der vor einem halben Jahr verstorben ist. Nur widerwillig macht sich die Lektorin auf den Weg zur Book Lane Buchhandlung. Aber wie gut, dass sie dies getan hat, denn was folgt, sind eine Vielzahl von wunderbaren Momenten, die nicht nur duch das Lesen entstehen, denn Joe hat jedem Buch und eine kleine Challenge dazu gelegt. Und langsam gewinnt unsere traurige Tilly immer mehr Lebenskraft und wieder zu sich selbst. Mehr noch: Sie wächst über sich hinaus.

Und noch etwas ist magisch: Was hat Joe nur für ein Feingespür für Bücher! Dass Alfie seine Finger im Spiel hat, ahne ich schnell. Und doch finde ich diese Tatsache nicht wirklich überraschend. Viel mehr fühle ich mich darin bestätigt, warum ich meinen Beruf so liebe. Weil wir mitunter wahre Wunder vollbringen können!

PS: Sollten Sie überlegen, ein Buchabo zu verschenken, dann verbinden Sie dieses mit diesem wunderbaren Buch. "Schokolade für die Seele" steht auf dem Klappentext. Und das wiederum ist so was von wahr!

Das Jahr voller Bücher und Wunder

von Libby Page

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Marie des Brebis
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Dieses Buch ist eine Rarität und Hommage an das einfache Glück. Egal, mit wem ich darüber spreche, stets leuchten die Augen wie Sterne. Und das nicht ohne Grund. Marie des Brebis ist eine bemerkenswerte Frau, die mich mit ihrem Durchhaltevermögen an Henning Sußebachs Urgroßmutter Anna erinnert, der er mit seinem ebenfalls grandiosen Buch "Anne oder: Was von einem Leben bleibt" ein Denkmal gesetzt hat. Gleiches hat der Autor Christian Signol vollbracht.

Marie wird von ihrer Mutter ausgesetzt, sie hat ihr Baby in eine Wolldecke gehüllt und zu den Schafen gelegt. Als der Hirte Johannes das Findelkind entdeckt, nimmt er sich diesem an. Das gefällt dem Bauer nicht, der meint, das Kind gehöre ins Waisenhaus. Also packt Johannes seine Sachen und zieht mit Marie über die Causses, das französische Hochland ist ihm wohlvertraut, der eigensinnige Mann, der auch mit dem Mond spricht, ist mir sofort sympathisch. Die beiden landen schließlich auf einem Hof, der von Augustine und Alexis betrieben wird. Die Frau liebt Kinder, konnte aber nie welche bekommen. Und dann wird es für uns alle sehr warm.

Wenngleich das Leben Anfang des vorherigen Jahrhunderts kein leichtes ist, auf dem Land noch weniger. Aber Marie ist ein Mensch, der das kleine einfache Glück sieht, und zu schätzen weiß, wie das warme frische Brot. "Lange habe ich nach dem Grund gesucht, und heute weiß ich, dass wir nur richtig glücklich sind, wenn die Zeit stillsteht. Ganz einfach, weil unser eigentliches Wesen, unsere ewige Seele, wiederum zum Vorschein kommt und uns mit echter Freude erfüllt."

Die Zeit steht bei der Lektüre wirklich still. Vergessen sind die Aufregungen des Alltags und die Unruhe in unserer Welt. Marie des Brebis führt uns genau dorthin, wo wir eins sind mit uns und den Buchstaben, die so viel Schönes erzählen und uns lange lächeln lassen.

Marie des Brebis

von Christian Signol

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Es düst ein Rentier durch den Schnee
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Finn und Frieda sind zurück! Yeah! Das Vorweihnachtszeit und Weihnachtsfest sind gerettet. Im vergangenen Jahr war der 1. Band lange vor Weihnachten nicht mehr lieferbar, deshalb kennen sie diese Reihe vielleicht nicht. Aber 2025 gibt's beide und man kann sie natürlich unabhängig von einander lesen.

Flinn ist ein Rentier vom Weihnachtsmann, der in diesem Jahr am 1. Weihnachtsabend per Express direkt vom Weihnachtsmann an Familie Winterwald verschickt wurde. Flinn hat ein Trauma. Nachdem der Weihnachtsmann bei einem Überflug eine Bruchlandung hingelegt hat, hat Flinn Angst vor der Höhe und der Geschwindigkeit. Na, wie passend, dass die Familie am 2. Weihnachtstag in die Berge reisen will. Über ein Wochenende. Aber es wird noch besser. Der Herr Weihnachtsmann hat gleich eine ganze Woche für alle gebucht. Da kann Frieda nicht nur ihren neuen Superspeed-Poposchneeflitzer einweihen, sondern jetzt mit ihrem geliebten Flinni die Piste unsicher machen...

"Es düst ein Rentier durch den Schnee" und "Es niest ein Rentier durch die Tür" ist ein großer Lesespaß für die ganze Familie! Nicht nur wegen der hinreißenden Illustrationen von Susanne Göhlich. Smilla Blau schreibt frech, aus dem Kopf eines kleinen Mädchens und hat noch etwas gemacht: Flinn einen Sprachfehler verpasst. Schokokuchen spricht Flinn als "Fokokuchen", "Birne läcka" und "Faumbad fpitfe!"

Vorlesespaß ab 5 Jahre.

Es düst ein Rentier durch den Schnee

von Smilla Blau

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Der brennende Garten
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Ich kannte Sri Lanka bisher als beliebtes Reiseziel. Doch der Bürgerkrieg war mir weniger vertraut. Gut, ich war beim Beginn noch sehr klein, lebte in einem Land, das alles andere als frei war. Aber jetzt nach V.V. Ganeshananthans Roman bin ich schlauer. "Der brennende Garten" hat mir wieder gezeigt, warum ich lese. Nicht nur, um abzutauchen. Sondern, weil ich dabei fremde Lebenswelten kennenlernen kann.

Wir begleiten Sashi, eine junge Frau, die mit ihren vier Brüdern und Eltern in Jaffna auf Sri Lanka ein gutes Leben führt, bis der Bürgerkrieg ausbricht. Die Tigers, tamilistische Seperatisten, stehen den regierungsnahen Singhalesen gegenüber. Es gibt Überfälle, zahlreiche unschuldige junge Männer werden von der Regierung festgenommen, ohne, dass sie etwas gemacht haben. Tiger bildet in Indien Krieger aus, rächt sich, und tötet dann selbst.

In diesen Konflikt schlittert unsere Ich-Erzählerin mit ihren Brüdern, die sich teils den Tigern anschließen. Ich erlebe eine junge Frau, die hin- und hergerissen ist. Einerseits will sie Ärztin werden, und beginnt ihr Medizinstudium. Andererseits will sie helfen. Als ein guter Freund K. an sie herantritt, und fragt, ob sie im Tiger-Lazarett Verwundete, auch Zivilisten, verarzten will, braucht sie nicht lange für ihre Antwort. Und doch steht die junge Frau bald zwischen den Fronten. Denn ihr Studium leidet unter diesem Einsatz. Und überhaupt will sie keinen Krieg. Doch es ist nicht alles finster, denn Sashi trifft auf Menschen wie ihre Professorin Anjali Acca, die sie durch ihre Denkweise und Zuwendung auffangen wie gute Bücher. Gelesen wird hier übrigens viel.

V.V. Ganeshananthan schreibt in einem ruhigen Ton eine aufwühlende Geschichte. Manchen Lesenden war einiges zu ausführlich auserzählt, ich habe indes jede Seite verschlungen, und nichts überblättert. Die innere Zerrissenheit der Heldin habe ich mit jedem Atemzug so sehr gefühlt wie den Konflikt, der die Familie bis ans Äußerste führt. Für mich bleibt dieses eindringliche und preisgekrönte Buch noch lange im Herzen. Ja, viel mehr noch: Es ist ein Highlight in diesem Lesejahr, das ich meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor zu verdanken habe. So hat meine Kollegin die Women's Prize for Fiction 2024 bereits im Original gelesen, bevor es Sophie Zeitz ins Deutsche übertragen hat.

Der brennende Garten

von V. V. Ganeshananthan

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Zwei in einem Leben
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es gibt ja aktuell nicht wenige Bücher über die Wechseljahre und die Mitte des Lebens. Aber wie viele Romane erzählen über die Liebe in mittleren Jahren? Ob David Nicholls den gleichen Gedanken bei der Idee seines neuen Romans hatte, weiß ich nicht. Was ich jedoch mit Gewissheit sagen kann: Dieser Autor steht Zeit seines Schriftstellerlebens im Schatten seines großen Welterfolgs „Zwei an einem Tag“. Schade. Denn „Zwei in einem Leben“ ist wiederholt allerbester Lesegenuss!

Im Mittelpunkt steht Marnie, die in London lebt und als freischaffende Lektorin und Korrektorin arbeitet. Marnie war verheiratet, ist Ende 30 und hat sich in ihrem Nest verkrochen. Marnies Freundin Cleo hat schon mehrere Male versucht, sie aus ihrem Igelversteck hervorzulocken. Vergeblich. Doch jetzt steht eine dreitägige Wandertour an und Marnie hat – oh Wunder! - zugesagt. Neues Jahr, neue Vorhaben! So stattet sie sich mit einer Wanderrüstung aus, setzt sich in den Zug. Als Michael die Großstadtpflanze erspäht, fällt ihm sofort auf, dass ihr Rucksack zu groß ist, und die Riemen zu lang sind. Michael ist die andere Figur in dieser Geschichte. Geographielehrer und leidenschaftlicher Wanderer, Anfang 40, frisch getrennt von seiner Frau.

Michael liebt es zu wandern, Marnie hasst es. Und doch öffnet sie sich und trotzt dem Regen. Den beiden zu folgen, ist absolut hinreißend. David Nicholls schreibt gewohnt charmant, unterhaltend, und streut gleichsam interessante Gedanken ein, in denen sich vor allem Singles wiederfinden, aber auch glücklich Vergebene trifft der Brite mitten ins Herz, und das gelingt ihm ohne Kitsch dafür mit Feinsinn und großer Empathie.

„Zwei in einem Leben“ ist so vieles: Eine atmosphärische Wandertour durch England, die Geschichte von zwei einsamen Menschen in den mittleren Jahren und eine Liebesgeschichte. Wirklich? Nun, das sollten Sie selbst herausfinden. Der Roman ist Eskapismus im allerfeinsten Sinne, sehr authentisch und beglückend! Das findet übrigens auch Jojo Moyes und der Independent schreibt: „Nicholls bester Roman“. Dem kann ich wahrlich nichts hinzufügen.

Zwei in einem Leben

von David Nicholls

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Sterben lernen auf Japanisch
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Tod ist ein Bestandteil von Milena Michiko Flasars Büchern. Doch sie differenziert zwischen ihren Geschichten und dem wirklichen Leben. Ende 2024 begibt sich die japanisch-österreichische Autorin nach Japan, um im Urlaub ihre Familie zu besuchen. Das Thema des zerbrechlichen Lebens und des Todes reist mit ihr.

Als geradezu magisch empfinde ich es, dass Milena im Flugzeug eine Kurzgeschichte ("Thailand") von Haruki Murakami liest. Das sagt die Geistheilerin zur Protagonistin: "From now on, little by little, you should prepare yourself to face death. If you devote all your future energy to living, you will not to be able to die will." Während sie diese wahren Worte liest, sieht sie, wie klein und zerbrechlich das Flugzeug ist. Wie das Leben selbst. Nur wollen wir es uns nicht eingestehen. Wir blenden den Tod aus, und sind erschrocken, wenn er eintrifft. Sie vergleicht die Geburt mit dem Tod. Man wird geboren, aber man stirbt aktiv. Nur lernen wir ihn nicht wirklich. Die Lehrpläne haben ihn nicht auf der Agenda. "Aber wir lernen doch sonst so vieles. [...] Vielleicht, weil der Tod etwas Einmaliges ist."

Die Japaner:innen haben eine besondere Beziehung zum fragilen Leben und dem Sterben. Das Land liegt auf dem "Pazifischen Feuerring". Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass es in den nächsten Jahren ein gewaltiges Erdbeben mit über "200.000 Toten geben wird". Von Kindheit an wird allen beigebracht, wie sie sich in solchem Fall verhalten müssen. Es gibt Vorsichtsmaßnahmen, aber auch Rituale und lebenskluge Haikus, an denen wir uns festhalten können, und die für mich die japanische Literatur wie Kultur zu etwas Außergewöhnlichen macht.

Die teilt die Autorin mit uns auf ihrem Weg. "When it comes - just so! When it go - just so" schrieb Musho Josho, ein Zen Mönch im 14. Jahrhundert.

Wir beginnen in Osaka, treffen dort auf jugendliche Ausreißer - die "Guri Shita Kids". 30.000 Obdachlose zählt Japan, zunehmend Jugendliche, die sich für ein Leben auf der Straße entscheiden. Danach reisen wir weiter nach Tsuyama, wo ihre Tante mit elf Katzen lebt. Nur knapp ist sie dem Tod entkommen, dem sogenannten "Kodokushi", den Tod der Alleinstehenden, der Bestandteil ihres Buches "Oben Erden, unten Himmel ist". Gleichwohl denkt sie an den erst kürzlich verstorbenen Vater. Wie es ist, dem Tod vor sich zu sehen, nichts mehr zu Wollen und Können, schildert sie eindringlich, bevor ihr an MS erkrankter Vater seinen letzten Atem ausgehaucht hat.

"Sterben lernen auf Japanisch" ist so vieles in einem. Ein ganz persönlicher Reisebericht durch Japan, der uns in die Riten einführt wie der unperfekten Wabi-Sabi-Ästhetik, die das Hinfallen verdeutlicht. Das Buch blickt dem Tod mutig, würdig und elegant ins Gesicht. Er wird dadurch nicht kleiner, aber wie heilsam Worte sein können, wissen wir alle. Die picken wir mit diesem Essay auf, der beim neugegründeten unabhängigen Verlag "Wasser Publishin" erschienen ist. Sie sehen hier nur die eBook-Variante, aber wir haben das Werk auch klassisch als Buch vorrätig.

Sterben lernen auf Japanisch

von Milena Michiko FlaSar

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Einer reist mit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Heutzutage ist eine Fahrt mit der Deutschen Bahn fast aufregender als ein Trip durch Indien. Stets taucht das Wort Verspätung oder Ausfall auf. Aber verzagen Sie bei der nächsten Zugreise nicht, und haben Sie dieses Buch parat. Dann wird ihr Grummeln verstummen, das Lachen aus ihrem Rachen um so lauter.

Anne Serre ist "eine veritable Entdeckung" - schreibt Meike Feßmann über die mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Autorin. Dem kann ich nur zustimmen. Nachdem mich Anne Serrre mit den filmreifen "Governanten" tief beeindruckt hat, wurde sie für mich zu einer Wiederholungstäterin in Sachen herausragender Literatur. Bereits der Einstieg versetzt meine Glückshormone in Partystimmung. Die Erzählerin plaudert offenherzig: "Ich stehe nicht gern früh auf. Seit nunmehr zehn Jahren bleibe ich so lange liegen, wie ich möchte, gut und gern bis neun, aber vor allem schätze ich einen ruhigen Vormittag ohne jede Störung."

Ungünstigerweise muss die Autorin jetzt früh hoch, da sie eine Einladung zu einem Literaturfestival in Montauban erreicht hat. Die Ich-Erzählerin überlegt abzusagen, geht im Geiste verschiedene Ausreden durch, wie so oft bei Auftritten, aber unsere Heldin tritt die Reise mutig an. Und begegnet am Pariser Bahnhof eine Autorin-Freundin. Wiedersehensfreude einerseits, andererseits wird wohl jetzt wohl nichts mit der Ruhe. Trotzdem bleibt auf der siebenstündigen Fahrt ausreichend Zeit für Beoachtungen und Gedanken, und gerade Letztere haben es mitunter in sich. Sie werden sogar leicht magisch, als die Autorin plötzlich ihren spanischen Lieblingsautor Enrique Vila-Matas entdeckt, und mit ihm anfängt zu plaudern.

Gleichzeitig lässt uns die Autorin an ihrem Leben als Schriftstellerin teilhaben. Sie erzählt von den Anspannungen vor öffentlichen Auftreten, überlegt, wie ihr in Montauban der Zustand konzentriertem Präsens gelingen kann. Dafür müsse sie sich "umdrehen, umstülpen, als wäre man ein Handschuh."
Als ebenso bemerkenswert erweisen sich die Gedanken über Autoren wie Franz Kafka, Thomas Bernhard, Marcel Proust, Robert Walser, und andere. Hat man diese noch nicht gelesen oder lange nicht, nach dem Buch will man es unbedingt oder gern wieder.

"Einer reist mit" ist ein literarischer Glücksgriff - und ich stehe mit der Feststellung nicht allein da. Schauen Sie mal bei Perlentaucher vorbei. Hinreißend sind die Einfälle, erfrischend, charmant und erhellend die Sprache wie die Reflexionen zu so vielem. Das Buch ist eine große Liebeserklärung an die Literatur, ihre Schöpfer:innen, dem Zauber des Unterwegsseins und eine großartige wie fantastische Lektüre.

Übrigens passt das Buch perfekt in die Handtasche. Ist das Magie oder berechnet? Ich weiß es nicht. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann: Dieser Roman ist ein großer Gewinn, herausgegeben von einem unabhängigen Verlag, der in den Ruhestand gegangen ist. Also kaufen Sie dieses Buch, so lange es noch lieferbar ist! Lesen Sie es mit Freude und verschenken Sie es. Man wird es Ihnen danken. Davon ist auszugehen wie die nächste Zugverspätung.

Einer reist mit

von Anne Serre

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Mama & Sam
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Wie kann man nur so dämlich sein? Das ist doch offensichtlich!“ So oder ähnlich heißt es, wenn wir von Love Scammer-Opfern erfahren. Aber wie ist es überhaupt möglich, dass Menschen ihr gesamtes Vermögen an jemanden abtreten, den sie nie persönlich getroffen haben? Davon erzählt Sarah Kuttners neues autofiktionales Buch „Mama & Sam“.

Nach dem Tod der Mutter findet die Ich-Erzählerin heraus, dass ihre Mutter 104.000 Euro an einen Love Scammer abgegeben hat, meist unter enormen Aufwand, dieses aufzuspüren. Mir ist immer noch ganz schlecht, wenn ich daran zurückdenke.

Die Erzählerin bezeichnet sich selbst als Kinderdetektivin und versucht mit der Zeit im Rücken, dieses Unfassbare bis zur Bestattung aufzudecken. Dabei folge ich fassungslos dem Chatverlauf zwischen der Mutter und Sam Heughan, ein berühmter Schauspieler, so gibt er sich aus.
An vielen Stellen denke ich, dass ist doch gelogen! Sieht sie das nicht?! Aber ich stecke nicht in der Haut der Frau, die lange schon einsam ist und in Sam ihre große Liebe findet.

„Mutter & Sam“ hat eine große Brisanz, zeigt das Ausmaß und damit verbunden die fatalen Verbrechen der Herzen. Obendrein enthält Sarahs Buch eine eine wichtige Botschaft: Nicht aufs Recht pochen, sondern mit den Betroffenen mitgehen, so schwer es auch sein mag. Es gibt im Anhang noch Adressen.

„Mama & Sam“ versprüht trotz aller Eindringlichkeit den fluffigen und liebenswerten Charme der Autorin. Zudem ist es ein aufrichtiges Buch über eine angespannte Mutter-Tochter-Beziehung, das Spuren hinterlässt.

Mama & Sam

von Sarah Kuttner

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Wenn die Sonne untergeht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Florian Illies zu lesen, ist wie nach Hause zu kommen. Man weiß, was einen erwartet und es fühlt sich verdammt gut an. Gut, Illies ist noch ein bisschen besser. Wie schon vor zwei Jahren nutzt der Autor das Jubiläum eines bekannten Mannes. Während sich das Thomas Mann Jahr allmählich dem Ende neigt, schenkt uns der S. Fischer Verlag mit seinem Erfolgsautor ein abschließend berauschendes Feuerwerk. Denn so empfinde ich "Wenn die Sonne untergeht - Familie Mann in Sanary".

Wir schreiben das Jahr 1933, in dem die Machtergreifung Hitlers einsetzt. Damit folgt auch eine Fluchtbewegung der Intellektuellen, Künstler:innen sowie den Autor:innen ein, die ahnen, was da passieren könnte und schließlich ja auch eintrifft. Aus einer Reise nach Amsterdam, geht es für Katja und Thomas Mann weiter über die Schweiz und endet schließlich in Frankreich, in Sanary sur Mer. Bis alle Mann-Schäfchen dort angekommen sind, erleben wir eine aufregende Reise, die übrigens genauso spannend ist wie die nachgeschickten und nicht ankommenden Tagebücher von Thomas Mann. Während sich alle mit der Situation anfreunden, hadert der große Meister, bezieht keine Stellung. Immerhin pocht die deutsche Kultur noch im Herzen des Nobelpreisträgers. Aus dem Zauberer wird sozusagen ein Zauderer, der durchzogen wird von einer dunklen Melancholie. Einzig Tolstois "Krieg und Frieden" erschafft ihm eine Atempause aus dem finsteren Tal.

In Sanary treffen die Manns auf weitere Exilanten, die Feuchtwangers, die Zweigs und weitere bekannte Persönlichkeiten. Als Leserin flaniere ich mit leuchtenden Augen durch die luftigen leichten Zeilen des schreibenden Chrononisten, der wieder einmal mehr als nur ein Sachbuch verfasst hat. So empfinde ich das Buch als großen Familienroman. Und wissen Sie, was das Schöne ist? Ich sehe sie alle leibhaftig vor mir. Dank Illies natürlich, aber durch die fantastischen Verfilmung "Die Manns" von Heinrich Breloer, die ich mittlerweile schon etliche Male gesehen habe.

Folgen Sie dem Feuerwerk und vertrauen Sie unserem must-read November. Wir wissen, was gut ist und gut tut.

Wenn die Sonne untergeht

von Florian Illies

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Stories
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe diese spektakuläre Kurzgeschichtensammlung noch gar nicht aufgeschlagen und schon strahlt sie mich an wie eine weiße Wand, die das Sonnenlicht reflektiert. Denn auf dem Umschlag feiern große Namen wie Lauren Groff, Raymond Carver, Bret Easton Ellis und Don DeLillo ihre amerikanische Kollegin. Auch hierzulande überschlugen sich kurz nach Erscheinen die Feuilletons über das Werk der Autorin mit der Sonnenbrille. Da war mein literarischer Jagdinstinkt natürlich sofort entfacht. Als große Freundin von Kurzgeschichten sowieso. Und jetzt? Bin ich verstört und begeistert gleichermaßen.

Wie das? Nun, die Geschichten haben es wahrlich in sich. Williams lichtet das Leben ab, sie erzählt von den kleinen und größeren Dramen unterschiedlicher Menschen - von gewöhnlichen bis hin zu nun ja, außergewöhnlichen. Gleich eingangs erlebe ich die zu Herzen gehende Geschichte eines Predigers - dessen Frau liegt mit einer Bluterkrankung im Krankenhaus. Während sich seine Tochter selbst finden will, hat sie ihren Eltern ihre kleine Tochter anvertraut. So pendelt der Mann zwischen der Angst, seine Frau zu verlieren, und dem Glück, das ihm seine kleine Enkelin beschert.

Oder die Zusammenkunft verschiedener Mütter, deren Kinder im Gefängnis sitzen. Durch Zufall ziehen sie alle in die gleiche Gegend. Sie fühlen sich schuldig, und suchen einen Weg damit zu leben. Ebenso bemerkenswert ist die Geschichte eines Liebespaars. Dwight wusste schon mit 25 Jahren, dass er das Baby eines Tages heiraten wird. Wie? Ja! Und so kommt es. Und noch etwas passiert in „Rost“. Dwight kauft sich und Lucy einen schwarzen Ford Thunderbird, der fast auseinanderfällt, aber Dwight hat die Lösung. Und was für eine! Ob eine Schlange die Veränderung des Lebens bewirken kann? Dieser Frage spürt Williams in „Lu-Lu“ nach.

Das sind mitunter beunruhigende, verstörende und komische wie berührende Geschichten. Sie bleiben auf der Netzhaut haften und hinterlassen ein unterschwelliges Surren im Kopf. „Stories“ ist keine Feelgood-Lektüre. Aber das muss Literatur ja nicht immer sein. Glücklicherweise streut Williams besondere Aufheller in ihre Erzählungen. Wunderschöne Bilder oder Sätze, über die man stolpert, weil man plötzlich lachen muss oder solche, die einen still werden lassen: „Sie dachte, dass jeder Mensch jeden Augenblick kurz vor der Ewigkeit steht und die Wege, diese Welt zu verlassen, zahllos und oft unvorhersehbar sind.“

Die Lobeshymnen sind so wahr wie das Grün auf den Blättern der Bäume. Joy Williams ist wirklich die „strahlende Großmeisterin der Kurzgeschichte“ wie es Lauren Groff treffend formuliert. Eine große und beeindruckende Entdeckung und ein Must Read für alle Fans der kurzen Erzählform.

Stories

von Joy Williams

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Blue Sisters
Simone Finkenwirth

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Endlich ist das neue Buch von Coco Mellors in der deutschen Übersetzung von Lisa Kögeböhn beim Eichborn Verlag erschienen. Ich bin sofort in der Geschichte gefangen. Wie bereits in „Cleopatra und Frankenstein“ zieht mich der mitreißende Erzählstil vollkommen mit.

In ihrem neuen Roman dreht sich alles um die drei Schwestern: Lucky, Bonny und Avery. Genau vor einem Jahr ist ihre Schwester Nicky an einer Überdosis Tabletten gestorben. Als wäre das Datum nicht schon furchtbar genug, will ihre Mutter die New Yorker Wohnung jetzt verkaufen, in der Nicky zuletzt gelebt hat. Und das obwohl Avery die laufenden Kosten trägt. Und jetzt? Noch etwas brummt zwischen den Seiten wie ein nicht enden wollender Kopfschmerz: Die Narben der drei Schwestern, die immer noch pulsieren. Können sie sich gemeinsam retten?

Mellors holt alles hervor, was wehtut: Trauer, Sucht, ungesunde Fluchtaktionen, schwierige Eltern und Verletzungen, die nicht einfach heilen wollen. Doch sie können es, das zeigt uns die Autorin mit ihrem unverwechselbaren Stil aus Leichtigkeit und Tiefe. Ein lautes wie stilles Buch, das man am Ende mit einem glücklichen Seufzer zuschlägt.“

Blue Sisters

von Coco Mellors

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Haus zur Sonne
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Das große Deutsche Buchpreis Finale längst Geschichte, doch die nominierten Bücher atmen weiter. Das ist gut und notwendig. So möchte ich Ihnen meinen Favoriten präsentieren: "Haus zur Sonne" von Thomas Melle. Das Buch hat mich tief beeindruckt, auch dank der grandionsen Hörbuchfassung, die von Jens Harzer brillant vorgetragen wurde. Nicht nur deshalb möchte ich es vorstellen. Sondern stellvertretend für die Menschen, die diese dunklen Phasen kennen. Es ist wichtig, dass seelische Krankheiten in unserer Gesellschaft gesehen und anerkannt werden. Wie viele scheuen sich noch davor, zuzugeben, dass sie an einer Depression leiden. Jeder hat mal schlechte Tage, sagen manche. Aber diese Krankheit geht tiefer. Schlimmer noch ist eine bipolare Störung.

Von der unser Ich-Erzähler betroffen ist. Er hat sich viel aufgebaut und wieder zerstört. Jetzt will er nicht mehr, und hat die Zusage für das "Haus zur Sonne" erhalten. Ein Ort, an dem Menschen, die sich für den Freitod entschieden haben, ihre letzten Wochen verbringen. Plötzlich ist unser Held nicht mehr isoliert, sondern eins mit den anderen: "Wirklich seltsam und unheimlich, in diesem Haus voller Zeit mit Menschen ohne Zukunft zu leben! Ich war nur einer von ihnen, und mein Schicksal war nicht wichtig."

Diese Institution ermöglicht seinen Klienten u.a. Reisen in Situationen, die sie gern wollen. Mal ein berühmter Star werden oder ein anderes Leben führen. Doch manchmal hakt selbst dieses System. Das sorgt für Unruhe, ebenfalls bei unserem Erzähler, der - je länger er dort ist - mehr bei sich ankommt, bis eines Tages ein Gedanke auftaucht...

"Haus zur Sonne" blickt in die dunklen Täler der Seele. Das erfordert eine Offenheit und gefestigte Stimmung. Trotz der Finsternis leuchtet der Roman durch äußerst lebenskluge, offenherzige Betrachtungen. Zudem ist er stilistisch fein justiert, zeigt das Innenleben eines bipolaren Menschen und fungiert als Sprachrohr für diejenigen, die nicht schlecht drauf, sondern ernsthaft erkrankt sind. Davor verneige ich mich. Ich wünsche dem Buch weitere mutige Lesende, und den Erkrankten alles erdenklich Gute!

Haus zur Sonne

von Thomas Melle

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Der Hase im Mond
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich hatte das große Glück, Milena Michiko Flašar persönlich zu interviewen. Den Coffeetalk finden Sie auf unserer Startseite. Lange schon bewundere ich ihr literarisches Schreiben. "Ich nannte ihn Krawatte" habe ich seinerzeit mit so vielen anderen gefeiert. Das Debüt verkaufte sich über 100.000 Mal und war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Danach folgten zwei weitere lesenswerte Romane "Herr Kato spielt Familie" und "Oben Erde, unten Himmel". Und jetzt "Der Hase im Mond".

Hier ist etwas anders. Zum einen hat sich die japanisch-österreichische Autorin für Erzählungen erschienen. Zum anderen blitzen sie durch eine von mir geschätzte japanische Zutat in meinen Augäpfeln hervor: magischer Realismus. Jede Geschichte hat es wahrlich in sich. Sie kommen ruhig daher, und plötzlich reißt etwas auf und ich schlage die Hände über die Augen. Kann nicht sein!? Oder doch?

Ich denke an die erste Geschichte "Die Füchsin". Ein angesehender Autor trifft auf seinem Heimweg auf eine weinende Frau. Der bescheidene kleine Fukuda kommt gerade angetrunken von einer Verlagsparty, als er das traurige Etwas aufsammelt und mit sich nach Hause nimmt. "Zum Weinen", schreibt die Autorin, "braucht es ein Dach über dem Kopf." Tut das gut? Oh ja!

Zwischen den beiden passiert natürlich mehr. Dann ereignen sich seltsame Dinge... die ich hier nicht ausführen möchte. Ebenso bemerkenswert ist die Erzählung über den ruhigen Kalligraphie-Meister, der stets auf Achtsamkeit, gutes Essen und Zen bedacht ist. Doch dann eines Abends macht ein Schüler von ihm eine unglaubliche Entdeckung und stürzt ihn in eine Krise.

Unwirklich ist "Hawaiian Dreams". Hier begegnen wir einem Ehepaar, das kurz vor der Trennung steht. Akiko und Nubo haben sich auseinandergelebt, schlafen sogar in getrennten Betten. Aber als Nobu auf dem Balkon durch sein Fernrohr in dem gegenüberliegenden Haus das Spiegelbild seiner Frau entdeckt, gerät das Leben der beiden aus den Fugen. Wer ist diese Frau? Akiko selbst?

Für mich ist "Der Hase im Mond" ein Buch der Wandlungen und das in vielfältiger Form. Absolut fantastisch und beeindruckend schön!

Der Hase im Mond

von Milena Michiko Flašar

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Lázár
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es ist wirklich unglaublich, was Nelio Biedermann in seinem zweiten Roman erzählt und vor allem wie. In einer derart schönen, klugen, bildreichen wie rhythmischen Sprache. Das Feuilleton spricht vom neuen Wunderkind am Literaturhimmel. Da ist verdammt viel dran. Auch der Buchhandel jubelt. Ich kenne niemanden, die oder der bei diesen fünf Buchstaben keine leuchtende Augen hat und glücklich grinst. Selbst mein Kollege Frank Menden und ich sind uns hier so was von einig. Daher ist es kein Wunder, dass "Lázár" auf der Shortlist für den Preis Lieblingsbuch der Unabhängigen steht.

Mit 16 Jahren begann der Autor während der Corona Epidemie mit dem Schreiben. 2023 erschien sein Debüt "Anton will bleiben". Es war gewissermaßen die Ouvertüre zu seinem Kunstwerk "Lázár", das wahrlich formvollendet die Geschichte der wohlhabenden ungarischen Familie Lázár über drei Generationen hinweg erzählt. Sie setzt ein, als Lajos, "das durchsichtige Kind mit den wasserblauen Augen" das Licht der Welt erblickt. Die Lázárs residieren in einem Waldschloss, abgeschottet von der Welt. Doch die bricht bald bei ihnen ein und auseinander wie das Ende des Habsburgerreichs, der sich breitmachende Nationalsozialismus, der Stalinismus, Krieg, Enteignung, Flucht. Und dazwischen jede Menge Liebe, mystische Momente, Natur, Alkohol, Kunst, Verluste und Hoffnung auf ein helles Ende.

Dieser Roman berauscht alle Sinne! Wenn Sie jetzt nur noch ein Buch lesen können, dann bitte diesen fulminanten, berührenden, packenden und wunderschönen Roman. Der zu Herzen geht, sich an große Namen der schreibenden Zunft anlehnt, sie zitiert und uns im nächsten Moment vollkommen atemlos macht. Weil wir nicht glauben können, was wir lesen oder hören. Das Hörbuch hat Max von Pufendorf kongenial eingesprochen. Es ist beim Argon Verlag erschienen und verspricht allerfeinsten Hochgenuss!

Lázár

von Nelio Biedermann

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Nacht über Soho
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin dem Dunklen und Verbotenen nicht gänzlich abgeneigt. Sieht man mir nicht an. Ist auch gut so und gewissermaßen mein Deckmantel. Aber ich sauge Geschichten über Figuren auf, die nicht immer ganz konform sind. Daher rührt wohl meine Begeisterung für die meisterhafte Serie "The Sopranos". An die musste ich bei "Nacht über Soho" von Kate Atkinson denken, deren Buch sehr lange in der Krimibestenliste thronte. Was mich erfreut und gleichermaßen erstaunt hat.

Denn dies ist kein Krimi oder sagen wir kein gewöhnlicher. Kate Atkinson hat sich von Kate Meyrick inspirieren lassen. Die Dark Lady war viele Jahre lang die Herrscherin über die Clublandschaft von Soho. Kate hatte wie Atkinsons Hauptfigur Nellie Coker eine reiche Kinderschar. Durch einen Zufall gerät die alleinerziehende Nellie an Diebesgut und beginnt damit ihr Imperium geschickt aufzubauen. Nun einige Jahre später ist sie aus dem Gefängnis entlassen worden. Ihre vier Kinder haben während iher Abwesenheit die Clubs am Laufen gehalten. Aber nicht alle sind einfach oder sagen wir businesslike.

Seit geraumer Zeit tauchen tote junge Frauen auf. Der Inspektor John Frobisher saust von einem Leichenhaus zum nächsten und hat gleichwohl Nellie im Visier. Als er auf die Bibliothekarin Gwendolen trifft, sieht er in ihr die perfekte Ermittlerin, die sich undercover in den Clubs umhören soll. Als die junge Frau in einer ihrer Nächte bei einer Schießerei in einem der Clubs jemanden rettet, wird Nellie auf sie aufmerksam...

Das Figurenkabinett ist vielseitig und von Atkinson empathisch gezeichnet. Wir haben neben den Cokers und dem Ermittler zudem korrupte Beamte und zwei Mädchen aus York, die in London ihr Glück als Tänzerinnen finden wollen.

"Nacht über Soho" ist ein Slowburner im allerfeinsten Sinne. Atkinson entführt uns ins London der 20er Jahre. Es funkelt, vibriert und ist verboten gut! Als absolut anziehend empfinde ich jede Seite. Und das Gros der Figuren wächst mir sehr ans Herz, selbst der schreibende Ramsay Coker. Oder sein Bruder Niven, der Gwendolen umschwärmt wie eine Motte das Licht. Ein must-read für alle Sopranos, Clubmenschen und Fans verbotener Früchte!

Nacht über Soho

von Kate Atkinson

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Marnie Mitternacht. Das Geheimnis der Mondmagie (Band 1)
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe ein Faible für eigensinnig-schön illustrierte Kinderbücher. Und ich bin eine Mondanbeterin. Als mir "Marnie Mitternacht" mit der Magie des Schneiderbuch Verlags in die Hände fiel, habe ich gegrinst und mache es immer noch. Denn die Lektüre ist herrlich!

Aber von vorn. Hier begleite ich die junge Motte Marnie auf ihrer Reise. Gemeinsam mit ihrer Familie, inklusive dem noch nicht geschlüpften kleinen Bruder, der als Larve auftritt, fährt sie zur Minitier-Akademie. Hier soll das Mottenmädchen alles lernen, was für so ein Insekt wichtig ist. Zudem hofft sie, auf ihr großes Idol zu treffen: Lunora Flügelherz. Sie hat an der Akademie alles über Mond gelernt und gilt als eine der führenden Mondologinnen. Als Marnie an der Schule noch gar nicht richtig angekommen ist, spürt sie einen Widerstand. Keiner will etwas über den Mond sagen. Und es wird auch nichts darüber gelehrt. Hat der grimmige Lehrer Herrn Atlas etwas mit Lunoras Verschwinden zu tun?

Zusammen mit ihren neuen Freunden, dem Bienenjungen Flavio Flairissimo und der Ameisenprinzessin Stella, geht sie dem ganzen auf den Grund und erlebt vielerlei abenteuerliche Dinge, die - so viel darf ich schon mal verraten - natürlich auch zum Mond führen werden.

Großer Lesespaß für alle ab 8 Jahren, auch für Lesemuffel wegen der großen Schrift und den vielen zauberhaften, frechen wie fantastischen Illustrationen.

Dies ist übrigens der 1.Band. Der 2. Band erscheint schon bald Ende Oktober.

Marnie Mitternacht. Das Geheimnis der Mondmagie (Band 1)

von Laura Ellen Anderson

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Alice und die Geister von nebenan
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Halloween kommt uns in großen Schritten näher. Passend dazu habe ich die perfekte Geschichte: "Alice und die Geister von nebenan". Wobei die Geister in diesem Falle überhaupt nicht böse sind, auch wenn wir uns alle im ersten Moment erschrecken. Allen voran die titelgebende Heldin dieses hinreißenden Buches.

Alice ist soeben mit ihren Eltern in ein abgewracktes Haus gezogen. Ihr Vater und Alice lieben es, Häuser zu reparieren, während ihre Mutter an der Uni erstaunliche Vorlesungen abhält. Nun ist es so, dass die Uni die Handwerkskunst der Familie nutzt, und sie stets in andere reparaturwürdige Häuser versetzt.

Doch dieses Mal machen sie alles anders. Nix wird neu in Stand gesetzt, denn die Familie will endlich heimisch werden und sie haben die geldgierigen Machenschaften der Uni durchschaut. Diese verkauft nämlich nach der fabelhaften Instandsetzung die Häuser.

Wie passend, dass es ein ebenso abbruchreifes Haus nebenan gibt, in das die neugierige Alice natürlich hineinschaut. Und nicht nur das, sie fängt an Stellen zu reparieren. Als sie das Herzstück - eine Kachel neu befestigt, atmet das Haus Geister aus: Ivy, Mugwort und Danny. Wobei sie das Wort Geister gegen Seelen eintauschen.
Mugwort erklärt, dass es verschiedene Arten von ihnen geben würde. Sie zählten zu den Überfälligen, weil sie vor ihrem Tod noch eine unvollendete Herzensangelegenheit haben, die sie zu Lebzeiten nicht mehr beenden konnten. Ob Alice ihnen zur ewigen Ruhe helfen kann?

Das ist eine fantastische wie liebenswerte Geistergeschichte für alle ab zehn Jahren! Mit tollen Figuren und packenden Elementen! Wirklich gruselig wird es nie, wobei am Ende schon, als Alice noch die Bekanntschaft mit der Furie vom Dachboden macht.

Alice und die Geister von nebenan

von Jacqueline Davies

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Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Rückenprobleme? Kennen wir doch alle. Bei dem einen sind es kleine Zwicker, die vor allem pieksen, wenn man Stress hat. Andere haben täglich damit zu kämpfen und sind mitunter in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Sie fühlen sich machtlos und haben es nicht leicht. Mein Mitgefühl ist bei all den Schmerzpatienten. Gleichwohl präsentiere ich Ihnen eine erste mögliche Erleichterung: "Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache" von der Diplom-Psychologin Catrin Marnitz und ihrer Co-Autorin Tina Epking. Catrin Marnitz ist leitende Psychologin am renommierten Hamburger Rückenzentrum "Am Michel". Die Psychologin hat 2010 die Weiterbildung im Bereich der Speziellen Schmerztherapie abgeschlossen. Sie ist eine Fachfrau auf ihrem Gebiet und kann ihr Wissen praxisnah vermitteln.

"Schmerz ist auch immer das Ergebnis einer Lerngeschichte" schreibt Marnitz an einer Stelle. Manche sind geprägt durch überängstliche Eltern, die ihre Kinder dafür mehr als gewöhnlich sensibiliseren, so dass sich das Thema fester im Gehirn verankert als es sollte. Dies zu erkennen, könnte ein erster möglicher Schritt in einen Lebensabschnitt mit weniger Schmerzen sein. Aber nicht nur. Natürlich spielen auch andere Faktoren eine bedeutende Rolle: Bandschreibenvorfälle, Sport- oder Arbeitsunfälle, starke emotionale Belastungen. Und natürlich unser Leben: "Wir wollen alle mehr, mehr, mehr." Fühlen Sie sich ertappt? Keine Bange, ich auch. Unser Leben ist einfach schnell geworden, die Anforderungen sind hoch, die Ablenkungen wie das Internet enorm.

Wie nun mit dem Schmerz umzugehen ist, davon erzählt die Psychologin absolut lebensnah und nachvollziehbar. So betrachtet sie den Schmerz als ganzheitlich. "Bei der Aufrechterhaltung einer Erkrankung oder einer Schmerzsymptomatik spielen immer verschiedene Faktoren eine Rolle. Wir sprechen deswegen auch von einem multifaktoriellen Geschehen. Deshalb sollte man sich alles angucken: die medizinische, die psychologische und die soziale Ebene." Sie löst den Begriff chronisch auf, wandelt ihn in die Chronifizierung und ermutigt uns, Schritt für Schritt für uns selbst zu sorgen. Denn darin liegt der Schlüssel: In einem selbstwirksamen Umgang mit Stress und dem Schmerz, dem man sich nicht vollkommen ausliefern muss.

Das ist ein ganzheitlicher und nachhaltiger Ratgeber, der uns sehr viel Input und Werkzeuge an die Hand gibt. Doch beim Lesen allein sollte es nicht bleiben. Wie auch in ihrem Alltag im Hamburger Rückenzentrum appeliert die Diplom-Psychologin an alle:
"Ärmel hoch und mitmachen."

Das werde ich kommenden Mittwoch, dem 8.10., um 19.30 Uhr, wenn wir die Autorin und Tina Epking bei uns zu Gast haben werden.

Wir haben noch freie Plätze. Melden Sie sich unter anmeldungen@stories-hamburg.de für die Veranstaltung an und bringen Sie gern zahlreiche Fragen mit.

Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache

von Catrin Marnitz, Tina Epking

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Onigiri
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Yuko Kuhn erzählt im sanften Ton einer Zen-Meisterin eine deutsch-japanische Familiengeschichte. Nach dem Tod ihrer Großmutter will Aki in die Heimat ihrer Mutter reisen. Diese ist an Demenz erkrankt. Trotzdem geht die junge Frau das Wagnis ein. Die Reise nach Japan wird für alle Beteiligten in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere. Wer einen demenzkranken Menschen kennt, weiß, was passieren kann, diesen aus gewohnten Bahnen zu ziehen. Aber Akis japanische Familie ist so gütig und aufmerksam, dass sich die Anspannung der Reise recht bald legt.

In wechselnden Zeitzonen reflektiert Aki die Familiengeschichte. Ihre Mutter Keiko ist nach Deutschland gegangen, um so den traditionellen Hochzeitsriten zu entkommen und sich ein eigenes Leben aufzubauen. Aber das dies nicht einfach war, kann man sich gut vorstellen. Die Musik war stets eine Konstantante, sie trägt ihre Mutter: "Meine langjährige Gesangserfahrung ist, ohne, dass es mir bewusst war, eine Kraftquelle hier für mich in Deutschland geworden."

Sie verliebt sich in der neuen Heimat des Öfteren, wird jedoch nie zurückgeliebt, bis sie auf Karl trifft. Die beiden heiraten, bekommen zwei Kinder: Aki und Kento. Dies ist jetzt kein Happy End, denn das Leben bleibt für Keiko angespannt. Eine vollkommen andere Welt eröffnet sich für Aki und Kento bei den recht eigenwilligen wie wohlhabenden Großeltern väterlicher Seite.

Irgendwann fängt Akis Mutter an, sich zurückziehen. Sie legt öfter die Hände über ihre Augen, um vieles auszublenden. Ist die Demenz womöglich eine selbst gewählte Flucht?

Das Buch geht zu Herzen, ohne kitschig zu sein und einen herunterzuziehen. Das ist dem Feingespür der Autorin zu verdanken, die liebevoll erzählt, wie Aki, den Spagat versucht, als junge Mutter und fürsorgliche Tochter für alle da zu sein. Yuko Kuhn streut charmante und mitunter verrückt-schöne Momente ein, die mich häufig schmunzeln lassen. Große Empfehlung nicht nur für Japan-Fans!

Onigiri

von Yuko Kuhn

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Was wäre, wenn ...
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieser Leseschatz ist mir sofort in die Augen gesprungen, von dort übers Blut direkt mitten ins Herz. Und ich spürte: Das muss ein ganz besonderes Bilderbuch sein.

Sabine Bohlmann ist u.a. durch ihre Kinderbüchern "Frau Honig" und "Das Flusskind" bekannt und beliebt geworden. Stella Dreis hat dem philosophischen Buch die passenden weichen und verträumt-schönen Bilder geschenkt.

Im Kern dreht sich alles um eine Frage: Was wäre, wenn... alle freundlich zueinander wären, heißt es gleich auf den ersten beiden Seiten. Zu sehen ist ein älterer Herr, der vor einer Schnecke seinen Hut zieht. Und das rothaarige Mädchen mit ihrer schwarzen Katze, die zwei kleinen Kätzchen beim Milchschlecken zusehen. Auf der nächsten Seite steht: Was, wenn jeder einfach lächeln würde...

Am Ende gibt es natürlich die Auflösung - getragen von einer großen Menschlichkeit und Herzenswärme. Das Buch feiert die kleinen wichtigen Dinge des Lebens. Und zelebriert sie auf hinreißend schöne Weise, das einem wahrlich warm wird und man lange lächelt.

Das Bilderbuch richtet sich an alle nachdenklichen ruhigen Kinder ab 5 Jahre. Und es ist ein wunderbares Geschenk für einen erwachsenen Menschen, der gerade Zuspruch braucht oder dem die Sanftmut abhanden gekommen ist.

Was wäre, wenn ...

von Sabine Bohlmann

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Jakob und Jelena
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die großen Sommerferien sind vorbei selbst bei Jelena und Jakob, den titelgebenden Figuren in Tamara Bachs neuen Roman. Vieles ist anders und nicht wirklich einfach.

Jelenas beste Freundin ist auf eine andere Schule gewechselt, die Lotte ziemlich unter Stress setzt. War sie bisher ein Einserschreiberin gibt es jetzt Vieren und sogar eine Fünf. Auf dem Gymnasium weht ein anderer Wind.

Jelena hat es ebenso nicht einfach. Sie trägt den neuen roten großen Parka und bekommt von der fiesen Franzi gleich einen neuen Spitznamen verpasst: Radieschen. Und der neue Mitschüler Jakob wird Flummi gerufen. Alles nicht schön, doch Augen zu und durch. Auf dem Schulweg im Bus und in der Pause vergräbt sich Jakob am liebsten in Büchern. Die Bibliothek ist sein liebster Ort. Dort ist er viel lieber als beim Schwimmkurs, den er eigentlich belegen sollte. Eine Gemeinschaftsarbeit soll nun die neuen Schülerinnen und Schüler zusammenbringen. Jelena und Jakob bilden ein Team. Obgleich sie nicht viel gemeinsam haben, finden sie doch zueinander. Und Jakob findet in Samson einen weiteren neuen Weggefährten, der wie er genauso gern liest.

Tamara Bach schreibt aus abwechselnden Perspektiven. Mal sind wir bei Jelena und ihrer alleinerziehenden Mutter, die einem Spagat versucht, zwischen dem Muttersein und Job. Wenn ihre Mama nicht da ist, kümmern sich entweder Felix oder die Rambke um das Mädchen. Jakob hat indes einen sehr fürsorglichen Vater, dem das Wohl seines Sohnes sehr am Herzen liegt. Aber er kann halt nicht überall helfen.

"Jakob und Jelena" ist ein realitätsnahes Kinderbuch für alle Zehnjährigen! Sehr kindgerecht, einfühlsam erzählt die Autorin von den Stürmen des Lebens, lässt sie laufen und selbst nach Lösungen suchen. Und am Ende wird alles gut. Ebenfalls bemerkenswert sind die Illustrationen von der mir sehr geschätzten Illustratorin Barbara Yelin, die mich beispielsweise im vergangenen Jahr mit ihrer berührenden Graphic Novel über Emmie Arbel begeistert hat.

Jakob und Jelena

von Tamara Bach

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Atmosphere
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

I've landed again. Wow, that was an exciting reading trip to America and outer space! Now it's time to take a deep breath! And find the words to describe this great book.

Taylor Jenkins Reid is no longer an unknown planet in this country. And yet this book has shown me once again what an outstanding author the American is. Like many other novels, “The Seven Men of Evelyn Hugo” is a global bestseller. But “Atmosphere,” as its promising cover suggests, is extremely cool, absolutely gripping, and a stand-alone.

When Joan learns from her sister that NASA wants to train women to be astronauts again, the astronomer and physicist pricks up her ears. There had been a project before, but it was scrapped. Now, however, the women are returning. And Joan becomes one of them. Together with Lydia, Donna, and Vanessa. Group 9 includes others, including Griff. The training brings the people together. Warmth flows through my veins, but my breath catches when I suddenly experience a space mission in which complications arise – four years later in the book. Vanessa is the only one who is not injured in an explosion. Now every second counts! Joan is sitting on Earth in mission control—the center that is in contact with the space shuttle crew, coordinating everything and being pushed to its limits.

Taylor Jenkins Reid switches between the present and the path that led to it. I follow Joan's journey, which is remarkable. Not only in how she cares for her little niece Frances. Because there is also Vanessa, who triggers something in her that she had never experienced before. And then it happens. But love between two women at NASA in the 1980s is allowed to exist, of course...

Jenkins Reid proceeds very sensitively, without falling into kitsch. The relationships between the characters are so realistic that I feel like I have real friends by my side. Equally remarkable are Reid's thoughts on the universe and the stuff we are made of. As she so beautifully writes: “When you look up at the night sky, you see parts of what once was and what you may one day be.”

“Atmosphere” is so many things in one: a love story, a family history, a shimmering flight to the stars, a call to follow your dreams and your heart, and to fight for what you love and what is important to you, without compromise.

Atmosphere

von Taylor Jenkins Reid

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Atmosphere
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin wieder gelandet. Wow, das war ein aufregender Leseausflug nach Amerika und ins Weltall! Jetzt erstmal tief durchatmen! Und Worte finden für dieses großartige Buch.

Taylor Jenkins Reid ist ja selbst hierzulande kein unbekannter Planet mehr. Und doch hat mir dieses Buch erneut gezeigt, was für eine herausragende Autorin die Amerikanerin ist. "Die sieben Männer der Evelyn Hugo" ist wie viele andere Romane ein Weltbestseller. Aber "Atmosphere" ist wie sein verheißungsvolles Cover verspricht, extrem cool, absolut packend und ein Stand Alone.

Als Joan von ihrer Schwester erfährt, dass die NASA wieder Frauen zu Astronautinnen ausbilden wollen, wird die Astronomin und Physikerin hellhörig. Es hatte schon mal ein Projekt gegeben, dass dann aber wieder eingestampft wurde. Doch jetzt kehren die Frauen zurück. Und Joan wird eine von ihnen. Zusammen mit Lydia, Donna und Vanessa. Zur Gruppe 9 gehören noch weitere u.a. auch Griff an. Die Ausbildung schweißt die Menschen zusammen. Wärme durchzieht meine Adern, doch mein Atem stockt je, als ich plötzlich - im Buch sind's vier Jahre später - eine Weltraum-Mission erlebe, in der es zu Komplikationen kommt. Vanessa ist die Einzige, die bei einer Explosion nicht zu schaden kommt. Jetzt zählt jede Sekunde! Joan sitzt auf der Erde in der Missionskontrolle - das Zentrum, das Kontakt mit der Space Shuttle Crew hat, koordiniert alles und wird selbst an ihre Grenzen geführt.

Taylor Jenkins Reid wechselt zwischen der Gegenwart und dem Weg dorthin. Ich verfolge Joans Weg, der beachtlich ist. Nicht nur, wie sie sich um ihre kleine Nichte Frances kümmert. Denn da ist ja noch Vanessa, die etwas bei ihr auslöst, was sie bis dahin noch nicht kannte. Und dann passiert es. Aber die Liebe zwischen zwei Frauen in den 80er Jahren bei der NASA darf natürlich bestehen...

Jenkins Reid geht sehr feinfühlig vor, ohne ins Kitschige zu verfallen. Die Beziehungen untereinander sind derart realitätsnah, dass ich das Gefühl habe, echte Freundinnen an meiner Seite zu haben. Ebenso bemerkenswert sind Reids Gedanken zum Universum und der Stoff, aus dem wir sind. Denn wie schreibt sie so schön: "Wenn man in den Nachthimmel schaut, sieht man Teile dessen, was einmal war und was man vielleicht eines Tages sein wird."

"Atmosphere" ist so vieles in einem: Eine Lovestory, eine Familiengeschichte, ein flirrender Flug zu den Sternen, ein Aufruf seinen Träumen und dem Herzen zu folgen, und dafür zu kämpfen, was einem lieb und wichtig ist, ohne Kompromisse.

Atmosphere

von Taylor Jenkins Reid

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James
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir sind auf der Flucht. Der Mississippi zischt wie eine Schlange. Ich spitze meine Ohren, und versuche die verdrehten Wörter zu verstehen. Jim spricht ganz komisch mit Huckleberry Finn, als hätte er einen Knoten in der Zunge. Was ist passiert? Vor allem: Was machen wir hier?

Jim ist ein Sklave. Als er erfährt, dass er an einen Mann in New Orleans verkauft werden soll, haut er ab. Denn er will nicht von seiner Tochter und Frau getrennt werden. Wenn Jim verschwunden ist, kann man ihn auch nicht verkaufen. So sein Plan. Dummerweise gelangt Huck Finn auf seine versteckte Insel. Er ist mit Schweineblut besudelt, weil er Mrs Watson glauben lassen will, dass er tot ist, und hat in ihrem Haus Blut verteilt. Was das nach sich zieht, können Sie sich bestimmt denken…

Und doch übersteigt die Vorstellung die tatsächliche Lektüre bei Weitem. Außergewöhnlich ist sie und voller Einfallsreichtum in der Handlung und sprachlich, derart packend wie mitreißend erzählt, berührend und nachdenklich stimmend. Ein Buch mit lauten gewaltigen Szenen und ebenso stillen Momenten. Ja, ein Wechselbad von Temperaturen, auch von Gefühlen. Wut, Angst, Hoffnung, Liebe… alle da!

Bewundernswert, wie Percival Everett Mark Twains Abenteuergeschichte ein anderes Gesicht verleiht, sie uns neu erzählt. Und Twains Nebenfigur in seinem Roman zur Hauptfigur macht, dabei Themen hineinwebt, die selbst heute noch aktuell sind.

Obwohl ich längst angekommen bin nach dieser Reise, so bin ich immer noch bei dem mutigen Helden Jim. Oder viel mehr sitzt er in meinem Herzen. „James“ von Percival Everett zählt für mich zu den herausragendsten Werken des Jahres! Sie da draußen, was immer Sie über „James“ vernommen habt, stimmt. (Ich kenne nur Gutes.) So begeben Sie sich auf eine unvergessliche Abenteuerreise! Und vergessen Sie Ihre Schwimmkleidung nicht.

Ich danke von Herzen meiner Kollegin Sarah O'Connor, die mich erst auf diese ungewöhnliche Lektüre aufmerksam gemacht hat!

Wir haben das Buch auch in englischer Sprache vorrätig – Strange Flowers. Don't forget: Imagine a world where it’s Friday every day! For 30 days in a row! stories! – card holders (and applicants) can now live this dream: you will get a 20 % discount on English books - every day throughout June! (valid also for online purchases, to be collected in the shop!)

James

von Percival Everett

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Das Lied des Propheten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Möchte man in unseren unruhigen Zeiten aufwühlende Bücher lesen? Eher weniger. „Das Lied des Propheten" ein wichtiges Buch, das man trotzdem aufschlagen sollte. Was der Booker Preisträger erzählt, ist äußerst beklemmend, und vor allem, wie er die Geschichte darstellt: Dunkel, beunruhigend, fesselnd, bewegend und spannend bis zur letzten Seite. Literatur darf ablenken, aber sie sollte genauso zum Diskurs und Austausch anstoßen. Apropos Anstoß: Ich habe das Buch meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor zu verdanken. Sie hat das Original lange Zeit vor mir gelesen und sich schon seit vergangenem Winter dafür stark gemacht.

"Das Lied des Propheten" ist eine Dystopie, weit weg und doch sehr nah an uns dran. Hätten wir vor einem Jahr gedacht, dass die Rechtspopulisten hierzulande und in der EU derart erstarken würden?

Paul Lynch erzählt in seinem Roman von einer radikalen Regierung, die das Land reformieren will. Alle Andersdenkenden werden verhaftet, mundtot gemacht. Eilishs Mann Larry, der in der Lehrer-Gewerkschaft engagiert ist, kehrt am Abend einer Demo nicht zurück. Was mit ihm passiert ist, erfährt sie nicht. Diese Ungewissheit zermalmt sie genauso wie das Virus, das um sie greift. In ihrer Firma übernehmen regierungsnahe Menschen die Leitung und entlassen immer mehr Menschen. Eilishs älterer Sohn Mark rebelliert. Nachdem Eilish ihn bei einer Freundin untergebracht hat, verschwindet er eines Tages, schließt sich einer Untergrundorganisation an. Die einzige Verbindung ist ein Prepaid-Handy, doch das bleibt eines Tages stumm. Mark ist nicht zu erreichen. Plötzlich wird alles knapp, selbst das Wasser. Eilishs Schwester drängt sie, auszureisen. Aber was, wenn Mark wieder zurückkommt? Und Larry? Und was ist mit Simon - Eilishs Vater? Soll sie ihn zurücklassen?

Ich lese mich mit angehaltenem Atem durch diese Geschichte, die nur schwer auszuhalten ist. Vom ersten Satz an schafft der irische Autor eine beklemmende Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Atemlos sind die dichten Sätze, denen ich genauso hinterher laufe wie Eilish - eine Löwin, die versucht zwischen Ohnmacht, Hilflosigkeit, weiterzuleben, für ihre Familie da zu sein. Denn Eilish hat noch drei weitere Kinder, für die sie da sein will und muss. Stets an ihrer Seite: die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird.

"Das Lied des Propheten" erschüttert einen bis ins Mark. Und trotzdem sollte man das Buch lesen. Was Literatur alles bewegen kann, zeigt der Booker Preisträger auf erschreckende Weise.

Das Lied des Propheten

von Paul Lynch

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Annas Lied
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich liebe jede Seite dieses Romans. Erst jetzt habe ich "Annas Lied" von Benjamin Koppel für mich entdeckt. Frisch ist das Buch als Taschenbuch erschienen und so besonders! Der Saxophonist erzählt darin die Geschichte seiner langverschollenden Schwester des Großvaters. Hannah. Sie war das einzige Mädchen in der Koppelman Familie.

Eine große Bürde liegt auf dem Mädchen, nachdem ihre vier Brüder sich in nicht-jüdische Mädchen verliebt hatten und somit dem Ruf der Mutter nach einer würdigen und gesitteten Heirat mit Jüdinnen entgangen sind. Großes Familiendrama! Diese Szenen von der Mutter sind zum Schmunzeln schön und dramatisch berührend.

Die Familie ist musikalisch veranlagt. Jeder spielt ein Instrument, bei Hannah ist es das Klavier. Sie träumt von einer Karriere als Pianistin, aber den Wunsch zu verwirklichen, scheint ein schwieriges Unterfangen. Selbst nachdem Hannah am Kopenhagener Konservatorium angenommen wurde. Mutter Bruche hat für ihre Tochter ein anderes Leben vorgesehen. Sie soll den Pariser Francoise heiraten. Als Hannah durch ihre beste Freundin Elisabeth den revolutionären Aksel kennenlernt, keimt Hoffnung eines Ausbruchs auf...

Ich folge Hannahs Weg wie dem Leben der Familie mit klopfendem Herzen und bin berührt, höchst beglückt über die vielen Seiten, die mir der Autor beschert. Er schreibt in alter jüdischer Erzähltradition mit diesem gewissen Verve, den wir an jüdischen Geschichten so lieben. Wir bewegen uns zwischen den politischen Entwicklungen der späten 30er Jahre, schlittern hinein in den 2. Weltkrieg, erleben Angst und Flucht. Dabei stellt sich in mir eine Stille an, die nur die Musik durchbrechen kann.

Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung, denn im Oktober erscheint "Großmutters Geheimnis" - dafür hat der Autor den wichtigsten dänischen Literaturpreis "Die goldene Lorbeere" erhalten.

Annas Lied

von Benjamin Koppel

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Sein Name ist Donner
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich gebe offen zu: Zuerst war da dieses hinreißende Cover. Danach folgte eine hymnische Besprechung bei Deutschlandradio Kultur. Als ich schließlich Tommy Orange auf dem Buchrücken las, wusste ich: Das vielfach ausgezeichnete Werk muss ich lesen! Was Tommy Orange schreibt? "Es steckt so viel rohe und schöne Kraft in diesem Buch." So wahr!

Das Buch beginnt auf bizarre Weise: Der Ich-Erzähler will Drogen kaufen, findet sein Geld nicht mehr. Doch der Dealer will Kohle, und lässt den jungen Mann leer ausgehen. Dieser läuft zurück und hört plötzlich im Wald ein Stöhnen. Als David dem nachgeht, entdeckt er seinen Freund, der mit seinen langen Haaren festgefroren ist. Als David das Haar vom Eis mit seinem Messer befreien will, sagt Fellis: "Geh zu mir nach Hause und hol kochendes Wasser." Geht natürlich nicht im Winter. Also schneidet er das Haar ab. Doch sie müssen es verbrennen, damit die Geister nicht auf Fellis Nacken auftauchen. Willkommen in der Welt der Native Americans!

Dieses Buch ist in Amerika als Sammlung von Short Stories erschienen. Bei uns als Roman, was ich nur begrüßen kann. Obwohl es zwischen den Kapiteln kurze Breaks gibt, erschließt sich das Erzählte als fundierte Geschichte. Wir erleben den kleinen David, der mit seiner Mutter und hohem Fieber ins Reservat auf eine Insel flüchtet. Dort angekommen, findet der Junge ein Glas mit Zähnen und Haaren. Sofort wird Frick gerufen, der Medizinmann. Der räuchert das Haus mit Salbei aus, David und seine Mutter gleich mit. Danach bleibt Frick. Irgendwann taucht Davids ältere Schwester Paige auf.

In verschiedenen Episoden bin ich beim kleinen David, ein anderes Mal beim Herwanwachsenden, der mit einer labilen Mutter groß wird, und später zu Drogen greift, sich keine stabile Zukunft aufbaut. An einer Stelle sagt er über seine Mutter: "Sie ist indigen, und sie hat ein Trauma. Ich vielleicht auch - ich bin nämlich derjenige, der alles hautnah mitbekommen hat - , aber sie denkt, sie sei schlimmer betroffen."

Der Ton ist unbeschwert, ironisch, doch dunkle zu Herzen gehende Nuancen bleiben nicht aus. Sollen sie auch nicht. Dafür haben wir andere Bücher. Dieses hier bleibt bei mir. Dank auch der famosen Übersetzung von Thomas Überhoff!

Sein Name ist Donner

von Morgan Talty

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Himmel ohne Ende
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mit 15 Jahren hätte ich mir so ein Buch gewünscht. Julia Engelmann erzählt Charlies Geschichte auf behutsame wie sensible und schöne Weise. Die 15jährige ist eine junge Melancholikerin, ihre Oma bezeichnet sie als Philosophin. Zu viele Gedanken, zu viele unguten Gefühle jagen Charlie Tränen in die Augen und kennen keine Grenzen, selbst nicht vor dem Klassenzimmer. Das führt zu Häme unter ihren Schulfreund:innen. Sogar Charlies beste Freundin Kati findet das Verhalten seltsam und wendet sich ab.

Charlie muss sich in der neuen Rolle der Einzelgängerin zurechtfinden. Dass sie auch noch unglücklich verliebt ist, macht die Gefühlslage nicht leichter. Glücklicherweise taucht nach den Sommerferien Charlies Sonne auf: Kornelius. Weil der blonde Junge, Charlies Schulfreund Schmitti an Pommes erinnert, bekommt das neue Klassenmitglied den Namen verpasst. Pommes setzt sich neben Charlie. Und die beiden werden sehr schnell ein Herz und eine Seele.

„Himmel ohne Ende“ ist für mich die melancholischste Coming-of-Age-Geschichte ever. Aber sie hat mich erstaunlicherweise gar nicht heruntergezogen. Eher berührt und auf zarte Weise beglück. Charlie stellt die richtigen Fragen, hat interessante Einsichten wie aufbauende Sätze, und zeigt, wie stark und hell eine gute Freundschaft sein kann, und noch viel mehr: Sie kann Grenzen durchschreiten, einen wieder aufrichten und manchmal sogar fliegen lassen.

„Himmel ohne Ende“ ist so gesehen viel mehr als die Geschichte vom Erwachsenwerden. Eine wärmende Decke für eine aufgewühlte Seele, egal ob mit 15 oder 45 Jahren.

Himmel ohne Ende

von Julia Engelmann

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Gym
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Verena Keßler hat mich mit "Gym" aus einem Lesetief gezogen, das ich gar nicht hatte. Aber hätte ich eins, dann wäre dieses grandiose Buch die beste Medizin zum Aufbau von Lesemasse.

Apropos. Um Muskelaufbau geht es hier. Aber im zweiten Step. Im ersten stehe ich neben der Ich-Erzählerin und denke: Ich müsste sie dringend mit Marisa aus "Geht so" von Beatriz Serrano verkuppeln. Zwei völlig andere Geschichten, aber die beiden Frauen könnten gut miteinander. Denn auch unsere Heldin des Romans ist eine Lügnerin. So hat sie im Vorstellungsgespräch im Fitnessstudio MEGA GYM angegeben, eine junge Mutter zu sein. Warum sie das gemacht hat? Ist sie gewieft? Am Ende des Romans erahne ich den Grund. Nach dem Finale muss ich mich übrigens erstmal sammeln. Denn die Autorin hat mir da ganz schön zugesetzt.

Zwischendurch habe ich viel gegrinst, spürte meinen Puls wie auf einer Autobahn rasen. Doch zurück zum Anfang. Unsere namenlose Frau beginnt am Tresen des MEGA GYM an Millis Seite, hält den Schein der Mutter clever aufrecht. Irgendwann hat sie neben Milli eine Art Offenbarung und danach wendet sich das Blatt. Fortan beginnt die Erzählerin mit einem straffen Fitnessprogramm, besorgt sich figurbetonte Kleidung. Als sie eines Tages auf die Profi-Bodybuilderin trifft, gibt's einen weiteren Kick.

Was hat die junge Frau ins Fitness-Studio gebracht? Sie hatte ein Vorleben als erfolgreiche Businessfrau. Bis es zu einem Bruch kam. Und noch etwas ist passiert. Genau diesen Trumpf zieht Verena Keßler hervor, und zwingt mich zu Boden.

Die Autorin ist bekannt für ihre eindringlichen Bücher. Keins gleicht dem anderen. Aber alle sind Garanten für High-End-Reading-Feelings! Auch dieses hinterlässt Spuren in meinem Geist. Ich brodele, weiß nach dem Ende nicht, wohin mit mir und schreie: Verdammt, wie gut bist du bitteschön?!

Rasant, bewegend, witzig und mit einem extrem coolen Rhythmus erzählt die Autorin die Geschichte einer gefallenen Frau und einer Obsession, die mich umhaut. Danke, liebe Verena! Weiter so!

Gym

von Verena Keßler

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Sorry, aber ich bleibe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der italienische Autor und Buchhändler wurde mit seinem ersten Kinderbuch mit dem renommierten Literaturpreis Strega Regazze e Strega Regazzi ausgezeichnet. Auch sein Jugendroman "Sorry, aber ich bleibe" ist in meinen Augen preiswürdig und wichtig. Hier erzählt Alessandro Barbaglia die Geschichte von Zeno mit dem Kopf ins Klo gesteckt und dabei gefilmt wurde. Das Video ging viral. Danach hagelte es im Schulchat nur so von hämischen Nachrichten. Bis auf eine. Und die kam von Luna.

Luna wendet sich direkt an Zeno. Der ist überhaupt nicht begeistert und will einfach nur seine Ruhe. Doch "Luna Nervensäge niemals antworten" - so speichert er die unbekannte Nummer ab, bleibt hartnäckig. Sie schreibt: "Ich bin nicht wie all die anderen. Nur damit du's weißt." Zeno reagiert ziemlich drastisch: "Geht's eigentlich noch? Dich find ich fast noch schlimmer als die anderen." Harte Worte, aber Luna lässt nicht locker. Und irgendwie entsteht zwischen den beiden eine Verbindung, liebenswert, offenherzig, frech und am Ende ist es so berührend. Denn auch Luna hat ihre Geschichte.

Im digitalen Zeitalter sind solche Bücher wichtig, weil sie uns für das Thema sensibilisieren. Zudem zeigt uns Alessandro Barbaglia, was Mobbing bei den Opfern bewirken kann. Trotz der Schwere erzählt der Autor mit jugendlicher Lässigkeit.

So ist der Roman cool und authentisch in Whats-APP-Chat-Form geschrieben, punktet obendrein mit klugen Aussagen wie dieser: "Weil es keine richtigen Menschen gibt, denn wir alle sind ein bisschen falsch. Deswegen muss man den richtigen Falschen suchen. Wie wir."

Ab 12 Jahren.

Sorry, aber ich bleibe

von Alessandro Barbaglia

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Plötzlich Mama!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der alte Dachs ist ein Griesgram und wird daher von den Waldtieren gemieden. Als seine Essensvorräte nun aus, muss er Nachschub besorgen. Also macht sich der alte Dachs auf den Weg in den Wald. Als er im hohen Gras ein Ei entdeckt, nimmt er dies mit. Er überlegt, welche Köstlichkeiten er damit anstellen kann: Rührei, gekochtes Ei oder Eierkuchen? Als der alte Dachs jedoch nach seinem langsamen und langen Gang zu Haus ankommt, entdeckt er ein Loch.

Dieses wird schließlich immer größer, bis dort ein kleiner gelber Kopf herausschaut und laut ruft: "Mama! Mama!" "Ich und Mama? Nie und nimmer!" Was soll er mit einem Küken? Enttäuscht bringt er es zuück an den Teich. Läuft hungrig zurück und wird vom Küken verfolgt. Sie ahnen sicherlich schon, worauf die Geschichte hinausläuft.

Unser alter Griesgram wird Mutter, eine glückliche dazu. Und später sogar siebenfache "Großmutter".

Eine wundervolle Geschichte über Versöhnung, Liebe und die kleinen Wunder des Lebens. Rebekka Stelbrinks Scherenschnitt-artige farbenfrohe Bilder haben mich vollends begeistert.

Plötzlich Mama!

von Rebekka Stelbrink

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Eingeladen!
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

"Eingeladen" ist das perfekte Mitbringsel zu einer Kindergeburtstagsparty! Denn genau darum geht es in dieser wunderschönen illustrierten Geschichte.

Bis wir beim Geburtstagskind ankommen, folgen wir der Postbotin Paulina, die allen Gästen einen Brief überreicht. Wir beginnen beim Marienkäfer Marie, die den Brief liest und sofort ein Kleeblatt abzupft. Dann gehen wir mit Paulina und Marie zur Feldgrille Ferdinand. Bis wir beim sechsten Briefempfänger - dem Igel Isidor -angekommen sind, konnten wir alle Baus der Tiere voller Neugier betrachten.

Natürlich wissen wir noch nicht, was in den Briefen steht. Genau das macht Ganze ja so spannend. Maja P. Kastelic lässt ihre Geschichte auch durch die hinreißenden Bilder leuchten, in denen sich viele kleine Details entdecken lassen.

Dieses Buch hat mich absolut berührt und verzaubert. Für alle ab 3 Jahren.

Eingeladen!

von Maja Kastelic

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Großer Bär und Kleiner Bär machen einen Ausflug
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die Tuschebilder von Amy Hest haben mich ebenso entzückt wie die Geschichte.

Kleiner und großer Bär wollen angeln. Aber bevor sie losziehen, müssen sie sich erstmal anziehen. Und die Angelruten einpacken. "Jetzt ist es so weit - der Ausflug kann beginnen." Aber Halt: "Noch nicht ganz." Denn natürlich müssen noch Muffins mit. Okay. Also backen die beiden ihr Proviant. Jetzt aber los. "Noch nicht ganz". Es fehlt noch ein Buch voller Geschichten. Gut, auch das kommt noch ins Wägelchen. Doch nun kann es losgehen.

Werden sie am Ende Fische angeln?

Den beiden zu folgen, rührt mein Herz. Diese ruhig erzählte und unglaublich stimmungsvolle Geschichte ist durchaus auch das ideale Geschenk für Angler, ob kleine (ab 3) oder große.

Großer Bär und Kleiner Bär machen einen Ausflug

von Amy Hest

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Selma, du machst das falsch!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich gebe es zu: Ich hatte bisher große Angst vor Spinnen. Doch nach diesem Buch sehe ich diese seltsamen Tiere mit anderen Augen. Denn wer weiß, ob sich unter ihnen nicht auch eine Selma befindet? Und die gilt es zu beschützen.

Selma ist anders als ihre Artsgenossen. Statt gewöhnliche Netze zu spinnen, schafft sie wahre Kunstwerke. Eins sieht aus wie der Regen, ein anderes spiegelt die Schönheit des Nachthimmels. Die anderen Spinnen rufen immer: "Selma, das machst du falsch!" Aber unserer kleinen Spinne ist das egal.

Eines Tages will sie ihr Netz möglichst nah am Himmel spinnen, und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise, die sie tatsächlich hoch hinausführt.

Drollig und fantasievoll ist dieses charmante wie witzige Kinderbuch für alle ab 3!

Selma, du machst das falsch!

von Tini Malina

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Die Sache mit Rachel
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Endlich ist unser Herzensbuch erschienen! Frank Menden und Simone Finkenwirth sind selten einer Meinung, doch manchmal erfreuen sie sich gemeinsam an einem #nichtimmereinigaberimmereins-Buch. Dieses hier ist solch ein Werk. Und hey! ganz ehrlich: Wenn sich zwei verschiedene Menschen so einig sind, dann solltet ihr hellhörig werden! Dolly Alderton findet das übrigens auch. Also, dass dieses Buch ein Knaller und brillant ist. Und sicherlich auch, dass sich die beiden nicht täuschen können.

Weil wir unser Glück gern teilen, haben wir ein besonderes Geschenk: Die ersten vier Käufer:innen von „Die Sache mit Rachel“ erhalten beim Kauf einen blauen oder pinken Stoffbeutel. Reservierungen sind möglich, aber sollte vor euch jemand kommen, geben wir den Beutel mit. Gleiche Chance für alle.

Was macht dieses Buch nun derart außergewöhnlich? Vieles! Rachel und James natürlich! Aber auch all die Verwicklungen und Fallstricke, die sie zum Stürzen bringen - und das in einer schwierigen Zeit, denn die Geschichte spielt 2010/2011 während der Rezession in Irland. Das Lebensgefühl von jungen Heranwachsenden, denen noch alles offen steht, und an das wir uns alle gern zurückerinnern. Obendrein ist da ein fein ausbalancierte Mix aus Übermut, Melancholie, Witz, Tiefsinn.

Caroline O'Donoghue schreibt klug und scharfsinnig wie feinfühlig über die großen Themen des Lebens. Es gibt berührende wie herzerwärmende und übersprudelnde Momente, die wir mit jeder Faser gespürt haben. Am Ende erfüllt uns das Gefühl, das nur wenige gute Bücher bei uns hinterlassen. Darin waren wir uns so was von einig!

Die Sache mit Rachel

von Caroline O'Donoghue

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Der Sommer zu Hause
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Sommer zeigt sich jetzt in seiner vollen Blüte. Passend dazu möchte ich Ihnen noch ein Buch kredenzen, das in diese Jahreszeit so gut passt, aber natürlich auch im Herbst und Winter gelesen werden kann. Der Berlin Verlag hat sich mit dem deutschen Titel keinen Gefallen getan, und somit die Halbwertzeit des Buches etwas gedrosselt. Das englische Original heißt "Tom Lake", übrigens vom Guardian und der Washington Post gefeiert. Und das zu Recht!

Lara ist die Ich-Erzählstimme. Die 57jährige ist die Mutter von drei erwachsenen Töchtern, die beim ersten Lockdown zur Kirschernte nach Hause gekommen sind. Die Eltern betreiben im nördlichen Michigan eine Obstfarm. Emily will das Gut nach ihrem Studium der Agrarwissenschaften übernehmen, Maisie möchte als Tierärztin arbeiten und Nell in die Fußstapfen der Mutter treten: Sie will Schauspielerin werden.

Genau das war Lara in jungen Jahren. Eher zufällig ist sie in diesen Job hineingestolpert. Es mag neben ihrem Talent wohl auch diese Leichtigkeit sein, die aus dem Provinzmädchen eine gefragte Schauspielerin gemacht hat. Ein Mädchen, das an der Seite eines bekannten Schauspielers gestanden hat. Aber wie kam das alles? Und was hat es mit Peter Duke auf sich? Warum hat sich die Mutter der Schauspielerei abgewandt und wurde stattdessen eine Farmerin? Diesen Fragen beugt sich Lara, während ihr Kirschen zwischen den Fingern hängen.

So mäandern wir zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. All das fließt ganz harmonisch wie in einem Atemzug ineinander. Wir bleiben dabei besonders in jenem Sommer am Tom Lake hängen, wo Lara die Emily aus Unsere kleine Stadt in einem Sommertheater gespielt hat. Dort traf sie auf Duke, Sebastian, und ihre Freundin Pallas. Was für eine tolle Kulisse! Was für herrliche Szenen!

Und was für ein wundervolles Buch! Atmosphärisch dicht, herzerwärmend und herrlich ruhig geschrieben. Das Buch zeigt, dass selbst leise Töne laut sein können. „Der Sommer zu Hause“ ist ein Reigen aus schönen Sätzen, in die ich mich seufzend geschmiegt habe. Obendrein ist's ein friedvoller wie sommerlich flirrender Slow-Burner zum Gernhaben und Nicht-wieder-Loslassen-wollen.

Eine literarische Meditation über die Liebe in jeglicher Form, übers Erwachsenwerden, Träume, Sehnsüchte, Schauspielerei und die Familie. Das perfekte Geschenk für die beste Freundin, die liebe Kollegin, die Liebste, die Tochter, Tante, Nichte, Cousine oder Mutter für laue Sommernächte - sofern es zwischen den Zeilen auch mal ruhiger zugehen darf.

Der Sommer zu Hause

von Ann Patchett

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Porträt auf grüner Wandfarbe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Elisabeth Sandmann publiziert In ihrem gleichnamigen Verlag seit über 20 Jahren Bücher über herausragende Frauen. War es da nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst schriftstellerisch tätig wird? Vielleicht. Mit Sicherheit weiß ich, dass die Verlagsbuchhändlerin mit „Porträt auf grüner Wandfarbe“ für mich einen der schönsten Frauen- und Familienromane des Jahres geschrieben hat. Ein Buch, das nicht nur optisch eine Augenweide ist, auch das Innenleben leuchtet. Und ganz ehrlich? Ich weiß nicht, wie ich Ihnen in wenigen Worten die Fülle die Geschichten in kurzen Zeilen wiedergeben soll.

Am besten beginne ich von vorn. Die Londonerin Übersetzerin Gwen bekommt von ihrer betagten Tante Lily einen Anruf. Wir schreiben das Jahr 1989. Die Mauer ist gefallen. Lily will mit Gwen nach Pommern reisen - zu den Familienwurzeln, jetzt, wo das wieder möglich ist. Gwen fühlt sich überrumpelt, eigentlich wollte sie mit ihrer besten Freundin Laura nach Italien. Und nun das. Gwen besinnt sich, fragt Laura. Diese willigt ein. Zusammen reisen Gwen, Laura und Lily mit ihrer Freundin Lotte von Berlin an die polnische Ostsee.

Vorher passieren ungeplante Dinge, denn Gwen taucht in die Tiefen ihrer Familiengeschichte ein. Und die ist bunt, bewegend, aufregend. Und obendrein derart mitreißend erzählt. Kunst kommt darin vor, aber auch lang verschwiegene Geheimnisse, nicht ganz verheilte Wunden. Gwen liest alte Briefe und Aufzeichnungen und entdeckt dabei Ellas Geschichte, sie ist eine der tragenden Frauen, die mich die ganze Zeit wie eine Freundin begleitet. Und dann ist da noch ein verborgenes Geheimnis, das niemand ansprechen will, aber ein wichtiges Mosaiksteinchen ist, das vieles erklären könnte - wie den Tod von Gwens Mutter.

Keine Seite ist zu viel in diesem Familien- und Frauenepos, das uns auch quer durch Europa führt, und die politischen Verflechtungen genauso klug einwebt wie den Wunsch der Frauen nach Unabhängigkeit. So treffe ich auf taffe Frauen, die ihrer Zeit voraus sind und mich durch ihre eigene selbst bestimmte Art tief beeindrucken.

Elisabeth Sandmann weiß, was gut erzählte Romane auszeichnet, die aus der Masse hervorblitzen. Nicht nur mit einer wundervollen Covergestaltung. Sie berührt mich an vielen Stellen, lässt mich nach charmanten Dialogen gleichwohl schmunzeln. Und am Ende fehlen mir die Figuren. Auch das zeichnet gute Romane aus, wenn ihr Innenleben in unseres übergeht.

Sollten Sie gern Hörbücher hören, dann möchte ich Ihnen die Hörbuchfassung ans Herz legen, denn dieser bin ich mit großer Begeisterung gefolgt. Elisabeth Günther spricht die Geschichte kongenial und schafft ein hochklassiges Erlebnis, sie gibt jeder Figur eine eigene Stimme! Doch selbst in Buchform ist dieser Roman einprägend und eine absolute Empfehlung! Nicht nur für Fans von Alena Schröder.

Porträt auf grüner Wandfarbe

von Elisabeth Sandmann

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The Safekeep
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

I am caught in the spider's web. That's how I felt at first in “In Their House.” Quite uncomfortable, because Isabel is an unpleasant woman. She lives alone and secluded in the family home after her mother's death. Only her brothers, Hendrik and Louis, and an admirer draw her outside. During a meal with her brothers, she meets Louis' new girlfriend: Eva.

Shortly afterwards, Louis turns up at Isabel's with Eva. He has taken on an important job at short notice and is reluctant to leave his girlfriend alone in his shared flat with his roommate. After a brief interlude, Eva is allowed to stay with Isabel.

Can this work out? The two are like cats and dogs. What else is bothering Isabel: things keep disappearing. Here a spoon, there a bowl, a knife. She suspects her housekeeper Neelke and watches her with eagle eyes. But Eva is also a monster to her. Then something happens that turns both their lives upside down. Mine too. The spider has me firmly in its clutches.

In the end, I took both women into my heart, breathless and completely thrilled by what the Dutch author has cleverly woven into the story.

The author was shortlisted for the 2024 Booker Prize with her debut—so well deserved. I am particularly pleased that it was published by Gutkind Verlag. They fit together as well as our two characters. What do you mean? Yes, you missed something. You'll find the answer between the pages.

The Safekeep

von Yael van der Wouden

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Wir sehen uns wieder am Meer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mit ihrem Roman "Als Großmutter im Regen tanzte" eroberte die norwegische Erfolgsautorin auch hierzulande die Herzen vieler Leserinnen und Leser im Sturm. Danach folgte "Und Großvater atmete mit den Wellen" und jetzt ganz neu: "Wir sehen uns wieder am Meer".

Für gewöhnlich beuge ich mich ja vornehmlich über eher unbekannte Stimmen in der Literatur. Die anderen gehen ja auch so. Hin und wieder piekst mich dann aber doch die Neugier und ich frage mich: "Was ist eigentlich dran an dieser Begeisterungswelle?" So lese ich gerade antizyklisch: Ich habe mit dem 3. Band begonnen und möchte die anderen beiden auch noch lesen. Die Bände bauen nicht aufeinander auf, jeder steht für sich. Einzig die Figuren kreuzen unsere Leselinien.

In "Wir sehen wieder uns am Meer" stehen wir an der Seite von Birgit. Eine junge Krankenschwester, die im Jahr 1944 die Besetzung deutscher Soldaten in Norwegen miterlebt. Birgit spricht Russisch, die Sprache hat sie durch ihren Klavierlehrer erworben. Als ihr geliebter Iwan plötzlich verstirbt, entscheidet sich die junge Frau für einen Neuanfang und tritt eine Stelle im Bodoer Krankenhaus an.

Im Küstenort beschäftigt eine Fischerfabrik Zwangsarbeiter:innen aus Osteuropa. Nadia ist eine von ihnen. Als die junge Frau einen entzündeten Blinddarm hat, kreuzen sich die Wege der beiden Frauen. Eine Verbindung, die bleiben wird, trotz der Fallstricke und Gefahren. Und das ist nicht nur die eine Gefahr, in die sich Birgit mit ihrer Zimmergenossin und ihrem Klinikarzt begibt.

Trude Teige schickt uns von Norwegen bis nach Moskau und begeistert mich vor allem durch die große menschliche Note und ihre mutigen Heldinnen. Sie verknüpft Lebensschicksale mit dem Weltgeschehen. Und baut einen unglaublichen Spannungsbogen auf, dem man nicht entkommt. Also, der Hype ist so was von berechtigt.

Wir sehen uns wieder am Meer

von Trude Teige

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Furye
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich hatte dieses Buch noch nicht geöffnet, wusste da aber schon, dass wir Freundinnen werden würden. Nicht nur, da mein Kollege Frank Menden „Furye“ mit Begeisterung gelesen hatte. Es waren die Vibes, die ich vernahm. Nennen Sie es Magie oder einfach den siebten Sinn einer Buchhändlerin.

Wissbierig folge ich der Ich-Erzählerin, eine erfolgreiche Musikmanagerin mit einem Kinderwunsch. Als sie einen Anruf aus der alten Heimat erreicht, streicht sie die Segel und fährt in ihren Heimatort, den sie vor zwanzig Jahren verlassen hat. Zur Empörung ihres Künstlers, den sie betreut. Wie könne sie es wagen! Doch die Frau bleibt so was von cool, dass ich grinsen muss.

Parallel wechselt Kat Eryn Rubik in Alecs Vergangenheit. Dort erlebe ich sie mit ihren Freundinnen Meg und Tess im aufblühenden Frühling der Jugend mit allen Fallstricken und Verführungen sowie die Macht der Weiblichkeit, die sie auslotet.

Das Buch hat einen ganz eigenen Sound, der sich wie ein Ohrwurm festsetzt. Die Autorin webt allerhand Themen in die Geschichte, die ihr damit eine besondere Tiefe verleihen. So ist "Furye" viel mehr als nur ein flirrender Summer Read. Ein Schwergewicht mit der Leichtigkeit einer Fliege, deren Abdruck man lange noch auf der Lese-DNA spürt.

Furye

von Kat Eryn Rubik

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Na und?
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dieses Buch habe ich einer Kundin zu verdanken. Als diese in unserer Kinderbuchabteilung daraus ihren Kindern vorlas, dachte ich: "Das ist ja interessant und wichtig."

Bosse ist ein giftgrünes Krokodil, das stellvertrtend für gemeine Kinder steht. Jeden Tag macht sich Bosse über ein Tier im Kindergarten lustig. Alle knicken ein, bis das Leopardenmächen Pauline Teil des Tier-Kindergarten wird. "Hey", ruft Bosse. "Deine Flecken sehen komisch aus. Pfui, bäh!"

Alle bleiben still und verfolgen das Gespräch. Doch Pauline bleibt forsch und antwortet: "Na, und?" Auch am nächsten Tag macht sie so weiter und steckt die anderen mit dem Mutausbruch an.

Ein wichtiges wie hinreißend schön illustriertes Buch über Ausgrenzung, Mobbing und Courage! Für alle großen wie kleinen Kinder ab 3 Jahren.

Na und?

von Sonia Coudert

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Reality
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer fühlt sich nicht manchmal verloren in dieser lauten und hektischen Welt? Sollte es Ihnen mal so ergehen, dann haben Sie für solche Momente Jasmin Ramadan im Regal zu stehen. Allein schon die Aufmachung von „Reality“ weckt das müde Herz. Und der charmante wie kluge Text sowieso.

Ums Herz geht’s hier übrigens. Vornehmlich um die Liebe. Die sucht die Ich-Erzählerin Lilith Innocenta West, kurz Lit genannt. Allerdings nicht aus einer romantischen Laune heraus, sondern als Auftrag. Vorher hat unsere Ich-Erzählerin mit ihrer ungeduldigen Vermieterin Viktoria zu kämpfen. Lit ist mit ihren Zahlungen im Rückstand. Es wäre so einfach, das Geld aufzutreiben. Die Künstlerin könnte ihre bekannte Mutter anrufen. Wanda ist Psychologin, die einen erfolgreichen Podcast hat. Auch Lits Vater könnte helfen. Aber nein! Stattdessen trifft sie sich mit ihrer Affäre Junius, der sie mit einem Galeristen bekanntmachen will. Bei einem sündhaft teuren Abendessen, läuft alles aus dem Ruder. Lit flüchtet zum Bahnhof, setzt sich in den nächsten Zug und landet schließlich auf einer Insel. Dort kümmert sie sich um die menschenscheue Frau Auve. Dafür kann sie umsonst in einer kleinen Villa wohnen. Als die Dame verstirbt, winkt ein großes Erbe, das sie nur bekommt, wenn sie die Liebe findet. Das eröffnet ihr ein gewisser Plü.

Eben dieses fremde Gefühl, was Lit bisher nicht gefunden hat. Alle Spuren führen zurück in ihr kindliches Wesen. Mit 11 Jahren ist offenbar etwas Traumatisches passiert. Lits Eltern waren mit ihr auf der Loveparade und haben sie dort verloren.

Dieses Buch ist ein irrer Ritt! Nichts für Leser:innen geradliniger Romane. Wer die Bücher von Tamar Noort oder Mariana Leky schätzt, sollte sich diese außerordentliche Hamburger Autorin mal genauer anschauen. Mein Kollege Frank Menden schwört auf ihren Roman "Auf Wiedersehen". Mit einem Auszug daraus wurde sie 2020 zum Ingeborg Bachmann Preis eingeladen. Und auch Fatih Akin ist Fan. Er hat ihr Debüt "Soul Kitchen" kongenial verfilmt. Genau den beiden Männern habe ich diese literarische Entdeckung übrigens erst zu verdanken.

Reality

von Jasmin Ramadan

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Seascraper
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

It doesn't take Benjamin Wood long to get me hooked. I bite into the book immediately. It's more my eyes that get stuck in it. The further I immerse myself in the story, the warmer I feel, even though it's cold the whole time. This is due to the two main characters: Edgar and Thomas.

At first, I see Thomas at work. The 20-year-old is a crab fisherman and carries on his grandfather's legacy. Every day he takes his horse and cart into the mudflats, collecting crabs at low tide. There used to be more men, now he is the only one. It's wet, mostly dripping or fog hanging over the landscape. It was precisely this setting that led the American director Edgar Acheson to Thomas' mother. The two of them are waiting for Thomas at home after work.

There, Edgar tells him that he is offering him a job: He could give him a hand with the filming. Edgar wants to film a well-known novel that Thomas, a frequent reader, has never heard of. Thomas becomes increasingly fond of the man and 100 pounds is a lot of money. After all, it is the 1960s. Thomas only gets two pounds and four shillings for his daily catch from his customer.

So they become business partners and relatively fast friends. Their conversations are sometimes profound, spiced with charm and a pleasant warmth of heart. For the first time, Thomas looks beyond his small world in Longferry and senses what could be possible. He confides his big secret to Edgar: Thomas has been playing the guitar for a long time. He should go out and show everyone. But Thomas, in his modesty, refuses. Then Edgar suddenly disappears into the fog and strange things pull the rug from under our feet...

Wow, what a read! It lives from wonderful atmospheric descriptions of nature as well as from the lovable characters and the unexpected twists that quietly creep into the story and blew me away in the end. “The Crab Fisherman” is a book with a quiet power that creates a lingering echo and won over the Booker Prize jury. That's why the title is currently on the longlist.

Seascraper

von Benjamin Wood

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Der Krabbenfischer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Benjamin Wood braucht nicht lange, um mich an die Angel zu bekommen. Ich beiße sofort ins Buch. Viel mehr sind es meine Augen, die darin hängenbleiben. Je weiter ich in die Geschichte eintauche, um so wärmer wird mir, obwohl es die ganze Zeit kalt ist. Das liegt an den beiden Hauptfiguren: Edgar und Thomas.

Zunächst erlebe ich Thomas bei seiner Arbeit. Der 20jährige ist Krabbenfischer und führt das Erbe seines Großvaters fort. Täglich fährt er mit seinem Pferd und dem Karren ins Watt, sammelt bei Ebbe Krabben ein. Früher waren es mehr Männer, jetzt ist er der Einzige. Es ist nass, meistens tröpfelt es oder Nebel hängt über der Landschaft. Genau dieses Setting hat den amerikanischen Regisseur Edgar Acheson zu Thomas' Mutter geführt. Die beiden erwarten Thomas nach seiner Arbeit zu Hause.

Dort eröffnet ihm Edgar, dass er ihm einen Job anbietet: Er könne ihm bei den Dreharbeiten zur Hand gehen. Edgar will einen bekannten Roman verfilmen, von dem der Vielleser Thomas bisher nichts gehört hat. Thomas wird der Mann zunehmend symphatischer und 100 Pfund sind 'ne Stange Geld. Immerhin befinden wir uns in den 60er Jahren. Thomas bekommt für seinen täglichen Fang bei seinem Abnehmer lediglich zwei Pfund und vier Schilling.

Also werden sie Geschäftspartner und relativ schnell Freunde. Es sind mitunter tiefsinnige Gespräche gewürzt mit Charme und einer wohltuenden Herzenswärme. Thomas schaut zum ersten Mal über seine kleine Welt in Longferry hinaus, ahnt, was alles möglich sein könnte. So vertraut er Edgar sein großes Geheimnis an: Sehr lange schon spielt Thomas Gitarre. Er solle damit rausgehen und es allen zeigen. Aber Thomas in seiner Bescheidenheit wiegelt ab. Dann ist Edgar plötzlich im Nebel verschwunden und seltsame Dinge ziehen uns den Boden unter den Füßen weg...

Wow, was für eine Lektüre! Sie lebt von wunderschönen atmosphärischen Naturbeschreibungen wie von den liebenswerten Figuren und den unerwarteten Wendungen, die leise ins Geschehen schleichen und mich am Ende umgehaut haben. "Der Krabbenfischer" ist ein Buch, das mit einer stillen Wucht ein nachklingendes Echo erzeugt, und die Booker Prize Jury überzeugt hat. Daher steht der Titel aktuell auf der Longlist.

Der Krabbenfischer

von Benjamin Wood

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Die Insel der Schlasocks
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich liebe fantastische Kinderbücher. Als mich "Die Insel der Schlasocks" von Nils Mohl und Michael Roher angrinste, wusste ich schon vor der ersten Zeile: Wir werden dicke Freunde! Jasper lebt mit seiner Schwester allein, das Geld ist knapp. Bis Bonnie ihren Bestseller geschrieben hat, arbeitet sie nachts in einem Kaufhaus. Jasper weiß, dass sie bald aus dem Haus ziehen müssen, und er in ein Internat kommen wird.

Am ersten Ferientag beobachtet Jasper, wie sein Ferienfreund sich weigert aus dem elterlichen Auto auszusteigen. Honz soll wieder bei seinem Opa, Eiche, die Ferien verbringen. Eiche ist ein seltsamer liebenswerter Kerl. Der bei sich im Gartenpool ein seltsames Gerät versteckt: die Drohnatella. Eine Art Drohne mit Flügeln. Bevor Jasper kneift, wagt er den Schritt. Die Drohne ist von Eiche so programmiert, dass sie direkt ins Meer der Langeweile steuert. Und ehe sich Jasper versieht, fliegt er huuui looos! Und landet auf einer Insel, die vom Meer umgeben ist.

Und dort trifft er auf wahrlich seltsame Lebewesen. "Zottelig, klobig und verranzt. Kräftige, behaarte Arme und Beine, behaarte Körper, um die Bäuche herum breit wie Fässer, die Köpfe verwachsen. Ein krummes Horn links, ein krummes Horn rechts oberhalb der flachen Stirn. Unterschiedlich groß sind die Ungetüme. Mal mit eher lockigem, mal mit richtig stacheligen, mal mit eher glattem Fell. Und das Fell wiederum ist bei einigen einfarbig oder sogar gestreift,"

Erstmal müssen diese Schlasocks und Schnarnas entscheiden, was sie mit diesem neuen Wesen anstellen? Apropos anstellen, das ist auch so ein Wort. Denn diese felligen Wesen machen überhaupt nichts. War bisher doch ganz nett. Aber jetzt soll sich das ändern?

Das Buch macht so viel Spaß! Nicht nur wegen Zebrazzo, Schäff Laso, Tetete, Lobsta, Pank, Fluffi, Drops, Nana, Fidi, Pidi und der herrlich schiefen Dialoge bzw. Wörter. Kaum haben sich alle aneinander gewöhnt, purzelt auch noch Honz auf die Insel und sorgt für Aufregung. Und dann passiert das Unfassbare. Honz verwandelt sich in ein seltsames Wesen... aber warum bleibt Jasper wie er ist. Dafür gibt es eine plausible Erklärung, die zu einer großen anderen Kette von Ereignissen führt.

Die Auflösung ist überraschend und lässt mich lange grinsen. Ja, überhaupt das Grinsen bekomme ich nicht mehr aus meinem Gesicht. Wie die fantastischen Illustrationen von Michael Roher.

Leseempfehlung ab 10 Jahren.

Die Insel der Schlasocks

von Nils Mohl

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Frida und die Blaubeersuppe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Manchmal läuft es im Leben nicht so wie gewünscht. Diese bittere Pille muss auch Lina schlucken. Ihre Mutter eröffnet ihr, dass sie ihre Urlaubspläne geändert haben, da der Vater kurzfristig beruflich nach Japan muss. "Ständig ist das so! Immer müssen wir uns nach Papas oder deiner blöden Arbeit richten." Lina ist sauer, zumal es jetzt nicht nach Spanien geht, sondern nach Schweden. Was Lina zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, das wird ein richtig toller Sommer in Schweden.

Dort angekommen im schönen Schwedenhaus, das wirklich aussieht wie Ikea, macht Lina eines Nachmittags eine interessante Bekanntschaft. Viel mehr ist es ihr Hund Oscar, der ausbüxt und sie dorthin führt. Lina ruft Oscar, ist verzweifelt und hört sie ihn hinter einem Gebüsch, bleibt vor einem Bach stehen, und wagt dann doch den Schritt auf die wackelige Brücke. Und die führt mitten hinein in einen wunderschönen Garten, der sogar Lina den Atem raubt. Ihr grinst ein Mädchen mit total wilden Haaren entgegen. Eine halbt Pipi Langstrumpf, die irgendwie seltsam spricht. Sie wollte gerade ihre Wilden Hühner anknabbern und spricht von Drückerich. Was? Warum Frida so seltsam spricht, erfahre ich später. Und noch viel mehr. Himmel, das ist alles aufregend und herrlich erfrischend.

Frida rettet ihre neue Freundin auch vor der frechen Bande Jonne, Benny und Tilla. Und sie kommt in den Genuss von sehr leckeren Gerichten, die Fridas Oma kocht und backt. Jetzt wird es nur schwierig die Ausflüge der Eltern wirklich zu genießen.

Die beiden unterschiedlichen Mädchen sind bald unzertrennlich und erleben einen fantastischen Sommer, den wir alle so schnell nicht vergessen werden.

Für alle Leser:innen ab 8 Jahren.

Frida und die Blaubeersuppe

von Alva Bengt

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Das Sommerfest
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Kurz - wirklich nur ganz kurz wollte ich zwischen den Jahren in dieses Buch reinlesen. Das mache ich zu der Zeit immer. Ich begutachte die Neuerscheinungen des Frühlings. Doch dann wurde es länger. Und wissen Sie was? Genau das fand ich großartig! Wenn ich einen Leseschatz Monate vor Erscheinen entdecke, fühlt sich das stets wie ein Feuerwerk an. Genauso empfand ich den neuen Roman von Adrienne Brodeur „Das Sommerfest“. Wem der Name bekannt vorkommt, liegt richtig. Denn die Autorin hatte mit ihrem Debüt „Wild Game“ etliche begeisterte Leser:innen. Nun legt sie nach. Und ich vermute: Ich bleibe nicht die einzige Jubelstimme. Der englische Titel „Little Monsters“ trifft für mich den Inhalt mehr. Aber Monster gehen im deutschsprachigen Raum offenbar nicht ganz so leicht, daher wohl diese Verlagsentscheidung.

Es ist so ein Buch, das man einmal aufgeschlagen, nicht mehr an die Seite legen möchte. Brodeur erzählt von einer interessanten Familie. Adam ist das Familienoberhaupt. Sein siebzigster Geburtstag nähert sich und der soll groß gefeiert werden. Warum bis dahin alte Dinge nicht ablegen? Wie die Tabletten, die Adam seit Jahren nimmt, um seine bipolare Störung in Schach zu halten. Während Adam dieses Experiment wagt, staucheln seine beiden erwachsenen Kinder. Abby ist schwanger von ihrem langjährigen Geliebten. Gleichzeitig wächst das Interesse an ihrer Kunst. Abbys Bruder hingegen ist getrieben vom Erfolg, verdrängt die Rufe seiner verletzten Seele, doch Monster lassen sich schwer besänftigen. Und wer ist diese fremde Frau? Steph taucht plötzlich auf und hat ein Geheimnis in der Tasche.

Atemlos bin ich durch die Seiten gepeitscht – bis zum furiosen filmreifen Finale. Überhaupt ist das ganze Setting – Cape Cod – wie zahlreiche Szenen absolut filmreif. So verwundert es mich nicht, dass auch Miranda Cowley Heller - die Autorin von „Der Papierpalast“ - ihrer Kollegin ein begeistertes Zitat gewidmet hat. Denn ich sah einige Parallelen, obwohl der Kern der Geschichte ein anderer ist. Aber wir Buchhändler:innen denken ja gern in sogenannten Referenztiteln: "Mochten Sie das Buch, dann werden Sie dieses ebenso lieben."

„Das Sommerfest“ ist eine bewegende Familiengeschichte, ein flirrender Kosmos aus verschiedenen Figuren. Ein Roman, der mitunter zu Herzen geht, aber niemals ins Kitschige kippt. Alles ist perfekt ausbalanciert.

Das Sommerfest

von Adrienne Brodeur

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Der Sommer der unmöglichen Dinge
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Waschbären, die die Hausherrschaft übernehmen. Eine Großmutter, die mit einem Geist spricht und deren Herz schwächelt. Eine zehnjährige Kaffeeschlürferin und eine sechsjährige Bankräuberin. Wenn ich Sie jetzt noch an meiner Seite habe, dann sollten Sie mir folgen, und sich wie ihrem Sprößling dieses ungewöhnliche Sommerbuch gönnen.

Während Kate DiCamillo absolutes Neuland für mich ist, schwärmt Annerose Beurich: "Wie toll! Die Autorin ist fantastisch!" Dass wir beide auch die Kinderbücher von Eva Ibbotson feiern, ist kein reiner Zufall, sondern die Magie der Bücherwelt.

Kate DiCamillo erzählt in ihrem Sommerbuch einfach die Geschichte einer ungewöhnlichen Familie. Einfach ist gut, ha - denn einfach ist hier nichts und gerade das hat mich begeistert. Das verunsichert mich einerseits ein bisschen, weil ich selbst keine Mutter bin und weiß, wie Zehnjährige das Buch aufnehmen werden. Andererseits bin ich mir sicher, dass es dort draußen junge Leser:innen gibt, die genau solche abstrusen Geschichten lieben.

Ferris ist die zehnjährige Romandheldin. Stets an ihrer Seite - ihr Klavier spielender Freund Billy Jackson wie der zottelige Hund Boomer. Dieser Sommer stellt sie vor einigen Herausforderungen. Ihnen zu folgen, ist hinreißend, berührend, komisch, witzig und einfallsreich. Wie der Erzählton. Raffiniert baut die Autorin Wörter und deren Bedeutung mit ein: „Donquichottisch bedeutete weltfremd und närrisch so wie jemand, der seinen Job aufgab, um dir Geschichte der Welt zu malen.“ So ist Ferris' Onkel, der gerade im Keller der Familie wohnt, da sich seine Frau deshalb von ihm getrennt hat. Die wiederum verpasst Ferris eine Dauerwelle.

Wir lesen uns durch aufwühlende Momente. Doch überall grinst der Schelm und reichlich Fantasie um die Ecke. Ich reibe mir oft verwundert und höchst verzaubert meine Augen. Das ist ein Kinderbuch, das ich mir als Zehnjährige gewünscht hätte.

Der Sommer der unmöglichen Dinge

von Kate DiCamillo

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Die Stadt und ihre ungewisse Mauer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der neue Roman von Haruki Murakami erfreut sich ja derzeit großer Beliebtheit und führt die Spiegel Bestsellerliste an. Für mich ist das eine ganz besondere Freude, denn ich bin seit vielen Jahren eine große Bewunderin des japanischen Autors, der in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden ist. Was ist nun dran an diesem Hype? Lohnt sich die Lektüre?

Allen Murakami-Fans kann ich das neue Buch uneingeschränkt empfehlen, denn bereits nach den ersten Seiten treffen wir auf eine vertraute Murakami-Szene: Die Freundin des Erzählers berichtet von der anderen Stadt. Dort lebe ihr wahres Ich. Hier im Jetzt sei nur ihr Schatten. Ein wandernder Schatten sozusagen. Für uns eingefleischte Murakami-Fans liest sich das ganz normal, so als würde der Nachrichtensprecher das Wetter für morgen ankündigen.

Für Neulinge könnte das allerdings befremdlich erscheinen. Ja, man braucht eine bestimmte Offenheit, um in diesen Murakami anzukommen. Aber es lohnt sich.

Denn Murakami nimmt uns nicht nur mit in verschiedene Ebenen und zeigt, wie kraftvoll die Fantasie sein kann, er schreibt genauso über all die Themen, die uns Menschen gleichermaßen beschäftigen: Das Leben als solches, über die Wirklichkeit, die Ängste, die Einsamkeit und die große Liebe, für die man bereit ist, alles zu geben. So folge ich seinem verliebten Helden, bleibe ganz oft an großen Sätzen hängen wie vor etlichen Szenen, reibe mir ungläubig die Augen. Und denke: Wie unglaublich ist das bitte nur?!

Murakami seziert alles bis ins Kleinste, er eröffnet uns ein Mikrokosmos und es wird nie langweilig. So ist er mitunter sehr philosophisch, poetisch, weise und natürlich rätselhaft. Aber auch melancholisch. Kaum ein Autor versteht es, derart schön über das dunkle Gefühl zu schreiben, dass man sich gleich weniger traurig fühlt. Nicht zu vergessen, das vielseitige, feine Figurenkabinett, das er mit großer Liebe ausgearbeitet hat. Übrigens ist die Grundidee des Romans vor vielen Jahren entstanden 1980, damals erschien eine Kurzgeschichte. Da er von der Geschichte nicht überzeugt war, wollte er sie nicht in Buchform veröffentlichen. Aber ganz losgelassen hat sie ihn nie. Und während des Lockdowns fing er wieder an, an ihr zu arbeiten, zwei Jahre lang. Und das ist das Ergebnis!

Wer je bezweifelt hat, ob Murakami den Literatur-Nobelpreis verdient hat, der findet in „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ eine Antwort. Denn hier zeigt sich große Erzählkunst, die tief beeindruckt und nicht ohne Grund eine große feste Fangemeinde hervorgehoben hat. Diese trifft sich aktuell auf Instagram bei reading_haruki_murakami. Kommen Sie gern vorbei und sprechen mit uns. Oder natürlich auch bei uns im Laden. Ich freue mich auf den Austausch!

Allen Hörbuch-Freunden empfehle ich auch das von David Nathan eingesprochene Hörbuch! Großes Kopfkino!

Ich verneige mich vor allen: dem Autor, seiner Übersetzerin Ursula Gräfe und dem Vorleser. Und Ja, der Hype ist so was von berechtigt!

Die Stadt und ihre ungewisse Mauer

von Haruki Murakami

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Das Ausmaß von Liebe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Eine geschätzte Stammkundin hat mir den Italiener wärmstens empfohlen. Erschienen ist „Das Ausmaß von Liebe" bei der Edition Converso, die 2021 mit dem Verlagspreis prämiert wurde. Nicht nur haptisch ist das Buch eine Augenweide, auch das seidenweiche Papier und der Satz sind einfach fantastico! Wer ist die Edition CONVERSO?

„Die Edition CONVERSO will – wie bereits im Namen anklingt – die Kehrseite der Dinge ans Licht holen; spannt dazu Literaturen aus allen Regionen rings um Mittelmeer, Adria und von den Küsten Kleinasiens ein: Widerstand und Aufklärung. Aufbrechen stereotypisch, rassistisch geprägter Denkmuster." So steht es auf der liebevollen gestalteten Verlagsseite. Wer Italien liebt, sollte sich das Programm unbedingt anschauen wie den ausgezeichneten Autor. 2024 hat Fabio Stassi für „Die Seele aller Zufälle" den Hermann-Kesten-Preis des deutschen PEN erhalten.

Vince Corso ist der Ich-Erzähler dieses charmant erzählten Detektivromans. Er arbeitet als Bibliotherapeut und Detektiv in Rom. Unser Held will seine Liebste in Neapel besuchen und landet im falschen Zug. Dieser fährt nach Mailand. Sein Reisegenosse sagt, dass alles seine Richtigkeit hat, während er auf das Buch seines Gegenüber deutet. „Vielleicht wissen Sie es noch nicht, doch es könnte der Moment gekommen sein, diese Reise zu machen." Am Ende landet Vince in Nizza. Ich könnte ihn dafür umarmen, dass er tapfer seinen neuen Weg einschlägt.

Dieses Buch ist einfach grandios schön und Vince ein unglaublich sympathischer Held, die Sprache eine Wonne an Lesesfreude und die Kulisse traumhaft. Alle Sinne sind geschärft und seufzen. Man kann die Bände unabhängig voneinander lesen, das hat mir die Verlegerin Marion Lustig bestätigt. Annette Kopetzki hat das Buch ins Deutsche übertragen. Un grande ringraziamento a tutti!

Das Ausmaß von Liebe

von Fabio Stassi

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Lichtungen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie zarte Regentropfen berühren mich Iris Wolffs Sätze. Ich spüre, „Lichtungen“ ist kein Buch, das man mal eben in der Bahn liest. Dafür ist es zu gehaltvoll, wertvoll. Jeder Satz möchte mit voller Aufmerksamkeit betrachtet werden. Und noch etwas passiert während des Lesens: „Lichtungen“ entschleunigt mich auf bezaubernde Weise. Liegt es an der besonderen Beziehung der Hauptfiguren, Lev und Kato? Oder an der feinsinnigen, zarten wie poetischen Sprache? Oder dem ungewöhnlichen Erzählstil? So beginnt die Autorin mit dem Ende.

Im Mittelpunkt stehen Kato und Lev, die sich als Schulkinder kennenlernen, als Lev erkrankt. Das Band zwischen ihnen bleibt die Jahre bestehen, und wir begleiten die beiden auf ihren verschiedenen Stationen des Lebens, lernen die unterschiedliche Charaktere kennen. Während Kato als Straßenzeichnerin durch die Welt reist, bleibt Lev im Ort der Kindheit. Erst als Kato Lev eine selbstgemalte Karte mit der Frage schickt: „Wann kommst du?“ wagt Lev den Aufbruch... - genau der steht nun am Anfang des Buches, und wir bewegen uns langsam zurück.

Wie bereits in „Die Unschärfe der Welt“ reist Iris Wolff mit uns an den Ort ihrer Kindheit – nach Siebenbürgen. Die Autorin wurde in Rumänien geboren, verbrachte dort die ersten acht Jahre des Lebens. Es scheint, als gäbe es eine unsichtbare Schnur, die sie immer wieder dorthin zurückführt. Ich bin ihr - wie mein Kollege Frank Menden ebenfalls - auch dieses Mal mit Staunen und Bewunderung gefolgt. Wie viel Themen sie in diesem schmalen wie gehaltvollen Buch eingearbeitet hat, ist derart kunstvoll, dass sich das Feuilleton und die Leserschaft alle einig sind: Dieses hier ist ein umwerfend schönes wie beeindruckendes Buch, das zeigt: Wir brauchen nicht immer auf alles Antworten, manchmal ist das Schweben auch ein schöner Zustand. Kato und Lev werden es ihnen bestätigen.

Lichtungen

von Iris Wolff

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Die Gouvernanten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Die Governanten“ von Anne Serre wurde unlängst von der SWR-Lesenswert-Redaktion so wohlwollend besprochen, dass ich sofort ins Buch einsteigen wollte. Gleich zu Beginn habe ich ein Déjà vu: Ich fühle mich an Nabokovs „Ada oder Das Verlangen“ von Vladimir Nabokov erinnert. Da ist diese fantastische leicht märchenhafte Atmosphäre, die ich bis heute nicht vergessen kann. Sonderbar ist hier einiges und wie Sie wissen, mag ich auch solche Bücher.

Im Zentrum des Romans bewegen sich drei Governanten, die eingestellt wurden, um die Kinder zu erziehen. Doch diese Arbeit ist nur reine Nebensache. Der Dienstherr Monsieur Austeur hat die drei Frauen auch angestellt, weil er Unordnung in seinem Leben braucht. Und so stolzieren Éléonore, Inés und Laura in die abgeschiedene Villa – das Gepäck besteht nicht nur aus Koffern, sondern auch aus Erinnerungen, Bäumen, Häusern... alle drängen sie ins Haus, denn mit dem Dienstantritt geben die Frauen alles Bisherige aus ihrem Leben ab.

Wie jetzt? werden Sie sich jetzt vielleicht fragen, das geht doch nicht. Hier schon. Die Geschichte hat surrealistische Elemente, für die man offen sein sollte. Angekommen, mischen die Governanten mächtig auf, ziehen dahergelaufene unbekannte Männer am Tor in den Garten und fallen über sie her wie Spinnen über ihre Beute. Obendrein wird jede Handlung von einem Herrn von gegenüber – dem alten Greis - mit seinem Fernrohr beobachtet.

Wer erzählt uns jetzt die Geschichte? Der Spanner? Monsieur Austeur? Seine Frau? Man weiß es nicht. Ich muss es auch nicht, denn ich bin mit etwas anderem beschäftigt: Hinter fast jedem Satz mache ich eine sinnliche oder skurrile Entdeckung, über die ich schmunzele oder mir verwundert die Augen reibe. Ich lasse mich komplett in die Szenerie fallen, höre ein Seufzen, ein Rascheln und andere Geräusche.

Nach der Lektüre kehre ich mit roten Wangen und glühenden Augen in die Gegenwart zurück, denke wieder einmal: Wie großartig ist die Welt der Literatur!? Was kann sie auf wenigen Seiten für Filme erzeugen?! Dass dieser Roman in Hollywood gerade verfilmt wird, verwundert mich daher überhaupt nicht. Nabokov hätte das sicherlich auch gefallen.

Die Gouvernanten

von Anne Serre

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Paradise Garden
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Für mich steht „Paradise Garden“ im Schatten eines anderes Debüts, das ich mir auf der diesjährigen Longlist gewünscht hätte: „Gewässer im Ziplock“ von Dana Vowinckel. Und wer weiß, hätte ich jenes Debüt nicht vor Elena Fischers Erstling gelesen, wäre meine Meinung enthusiastischer. Dennoch hat mich „Paradise Garden" beim Lesen durchaus beglückt, deshalb ziehe es hier noch einmal hervor.

„Paradise Garden“ erzählt mit leichter Feder von einer schweren Geschichte. Die 14jährige Billie wächst mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einer Hochhaussiedlung auf. Geld ist knapp. Die Mutter hat zwei Jobs, tagsüber putzt sie, abends arbeitet sie in einer Bar. Als die beiden bei einem Gewinnspiel Geld gewinnen, steht fest: Sie gehen auf Reisen. Doch dazu kommt es dann doch nicht, da sich am Tag der Abreise Billies Großmutter meldet. Sie ist krank und reist von Ungarn nach Deutschland, da hier die ärztliche Versorgung besser ist. Als sich die Mutter und Großmutter streiten, passiert etwas Schlimmes, das unserer jungen Heldin den Boden unter den Füßen wegzieht...

Einmal begonnen, fliege ich durch die Seiten. Elena Fischer hat mit Bilie eine wunderbare Erzählstimme geschaffen. Sie hat Chuzpe, ist cool und mutig – alle Figuren wachsen einen ans Herz, das ist der Zauber dieses Buches.

„Paradise Garden“ ist ein Buch über Verlust, Sehnsucht, Fragen und eine Suche. Eine mitreißend erzählte Coming-of-Age Geschichte, die man jungen Leser:innen ab 14 Jahren in die Hand drücken kann. Denn ich hätte so ein Buch als Jugendliche mit großer Freude verschlungen.

Paradise Garden

von Elena Fischer

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Sofra
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Woran denken Sie bei türkischer Küche als Erstes? Also ich an Bulgur und Döner. Doch weit gefehlt. Dank Yelda Yilmaz weiß ich nicht, was sich wirklich hinter der türkischen Küche verbirgt. In ihrem neuen Kochbuch "Sofra" präsentiert sie vegetarische und vegane Gerichte - und das in vielseitiger Form.

Die türkische Küche ist von vielen Einflüssen geprägt. Die Ursprünge reichen zurück bis zu den nomadischen Stämmen der asiatischen Steppe, auch die Araber und Perser im Mittelalter haben ihr Knowhow mit einfließen lassen wie die Inder. Dann sind da noch die geographischen Voraussetzungen, die eine Vielfalt aus Obst, Gemüse, Gewürze, Getreide und Früchte bietet.

Gleich zu Beginn feiert die Autorin die Kunst der Einfachheit, und erzählt, wie schon ihre Mutter und Großmutter mit wenigen saisonalen Zutaten wahre Festmahle gezaubert haben. Bevor wir loskochen, zeigt sie zudem die türkische Vorratskammer. Welche Gewürze, Nüsse, Öle und Beilagen nicht fehlen dürfen. Für mich übrigens ist die Melasse, dickflüssiger Sirup aus den Kernen von Trauben, mein Aha-Erlebnis. Zusammen mit dem selbstgebackenen Fladenbrot erleben Sie eine Geschmacksfreude.

Passend zur sommerlichen Jahreszeit möchte ich Ihnen gern Yeldas Seftali Salatasi - Pfirsich-Gurken-Salat mit Dill kredenzen. Wenn es ein bisschen würziger sein darf, dann probieren Sie mal die Döner-Tacos aus, dessen Füllung aus 400 g Kräuterseitlingen oder Austernpilze besteht. Für die Schlemmerkatzen von süßen Speisen, warten zum Abschluss noch einige Backtipps wie mit Walnuss gefüllte Plätzchen.

Wie schon mit ihrem Kochbuch "Hitzefrei" hat mich die Autorin inspiriert und wieder einmal gezeigt, wie gut und lecker, einfache wie raffinierte Küche sein kann.

"Sofra" bedeutet übersetzt gedeckter Tisch. Genau das eint die Rezepte, sie laden ein, mit Freunden und Familie zusammen die leckeren Gerichte zu vernaschen. Am Ende gibt es sogar noch Menüvorschläge.

Sofra

von Yelda Yilmaz

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Unbedingt lesen, wenn ...
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer kennt das nicht? Situationen, die uns herausfordern und Momente, in denen wir uns eine Hand wünschen, die uns die richtige Richtung weist und wieder aufrichtet. Wenngleich Bücher keine Therapie ersetzen, können sie uns trotzdem auffangen wie ein Erste-Hilfe-Notfall-Kit dienen.

Dr. Julie Smith hat bereits mit „Aufstehen oder liegen bleiben?“ zahlreiche Leser•innen für sich gewinnen können. Auch „Unbedingt lesen, wenn…“ lohnt sich. Die Psychologin greift verschiedene Turbulenzen des Lebens auf wie zu viel Grübelei, lähmende Angst, Trauer, Vergleiche, geringes Selbstwertgefühl oder wenn du immer wieder Ja sagst, obwohl du eigentlich Nein sagen willst. Wenn es dir schwer fällt, im Hilfe zu bitten.

Jedes Thema beginnt mit einem Brief an die Lesenden. Im zweiten Step folgt ein Toolkit mit praktischen Lösungen und den richtigen Fragen für persönliche Reflektionen. Smith erklärt dabei auch die Abläufe in unserem Körper und Nervenbahnen, und zeigt, wie eng alles miteinander verknüpft ist. Was schon kleine Veränderungen bewirken können.

„Unbedingt lesen, wenn…“ ist ein wohltuendes, aufbauendes wie kluges Trostpflaster.

Unbedingt lesen, wenn ...

von Julie Smith

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Der alte Apfelgarten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sharon Gosling kann es einfach. Wie groß der Anteil ihres Mannes bei ihrer schreibenden Tätigkeit ist, weiß ich nicht. Er besitzt einen Buchladen. Doch eins ist gewiss: Sharon Goslings Romane beglücken mich immer wieder.

Ich habe mir "Der alte Apfelgarten" von Anja Kalischke-Bäuerle vorlesen lassen (das macht sie wundervoll). Dieses Mal nimmt uns die Engländerin mit an die Steilküste Schottlands. Kürzlich ist Bern Crowdie verstorben, Bettes und Ninas Vater. Nina lebt mit ihrem Sohn Barnaby auf dem familiären Bauernhof, und hat ihren liebenswerten Nachbarn Cam als wichtigen wie besonderen Freund an der Seite. Bette hat sich indes eine Kariere als Anwältin in London aufgebaut und steht kurz davor, Partnerin einer großen Kanzlei zu werden.

Doch die Beerdigung und Testamentsvollstreckung führt Bette in ihre alte Heimat, die sie vor Jahren verlassen hat. Nur für ein Wochenende will sie hier sein. Aber dann kommt alles anders. Denn das Testament stellt die beiden Schwestern vor neuen großen Herausforderungen: Der Hof ist verschuldet. Bette weiß, sie kann jetzt nicht zurück. Und bleibt bei ihrer Schwester, die ihr bisher mehr Zorn als Liebe entgegengebracht hat.

Nina kümmert sich weiterhin um den Hofbetrieb, Bette sichtet alle Unterlagen, sucht nach Lösungen und der Rauch zwischen den beiden nimmt ab. Als Bette das Grundstück von einer Immobilienmaklerin schätzen lassen will, entdeckt sie einen verborgenen Apfelgarten mit Bienen-Alkoven. Warum wussten die Schwestern bisher nichts davon? Als Cam einen fachkundigen Mann kommen lässt, um eine ungewöhnliche Apfelbaumsorte einorden zu können, trifft Bette auf denjenigen, der der Grund ihrer Flucht gewesen ist.

Nein, das Buch ist nicht gefühlig, eher herzenswarm. Es lebt durch die kleinen feinen Verflechtungen aller Akteurinnen, ist berührend wie mitreißend. Sharon Gosling erzählt leichtfüßig über schwere Themen wie ungleiche Schwesternschaft, und bezieht dabei die betörend schöne wilde Natur mit ein.

Der alte Apfelgarten

von Sharon Gosling

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Riot Girl
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Den zweiten Monat in Folge steht Susanne Kaiser mit ihrem Krimi-Debüt "Riot Girl" in der Krimibestenliste. So was stimmt mich besonders neugierig. Daher habe ich das Buch aufgeschlagen.

Bevor wir in die Geschichte eintauchen, sollten Sie wissen, dass die Autorin bereits ein Sachbuch unter dem Titel "Backlash" veröffentlicht hat. Darin geht es um die neue Gewalt gegen Frauen. Ich erwähne dies deshalb, weil das Thema in dem Krimi eine zentrale Rolle spielt.

Die LKA-Forensikerin Obalski wird als verdeckte Ermittlerin beim Jugendamt in München eingesetzt. Sie soll Verbindungen und Infos zu einer neuen radikalen weiblichen Vereinigung "Influenzas" herausfiltern. Über Social Media planen die Mädchen Aktionen, einmal geht sogar ein Beben durch München.

Gleich zu Beginn wird die Ermittlerin mit einem verletzten Mädchen konfrontiert. Maja hat an den Handgelenken Verletzungen, die beim genaueren Hinsehen auf ein Symbol hindeuten. Handelt es sich um ein Runenzeichen? Als Obalski später Maja zu Hause aufsucht, macht sie erschreckende Entdeckungen.

Der Krimi ist rasant, nimmt natürlich im Verlauf an Spannung zu und wartet mit einem packenden Finale auf. Atemlos folge ich der sympathischen Ermittlerin. Man merkt der Autorin ihre Expertise an. So beschäftigt sich die Journalistin seit 20 Jahren mit den Machtverhältnissen zwischen Männern und Frauen in muslimischen und westlichen Gesellschaften. Sie schreibt und spricht u.a. für Die Zeit, Der Spiegel, Deutschlandfunk Kultur. Und teilt ihr Wissen auch bei arte, WDR und Pro7.

Ein zeitgemäßer Kriminalroman, der erneut verdeutlicht, welchen Einfluss die sozialen Netzwerke wie TikTok heutzutage haben können. Und wie sich Wut und Verzweiflung junger Frauen entladen kann. Viel schlimmer ist allerdings die Tatsache, was wirklich hinter der Aktion der Mädchen steht. Das lässt mich einerseits fassungslos zurück. Andererseits bin ich der Autorin dankbar, dass sie dieses Thema in ihrem literarischen Krimi aufdeckt.

Riot Girl

von Susanne Kaiser

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Der Schlaf der Anderen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Tamar Noort konnte mich vor drei Jahren mit ihrem Debüt "Die Ewigkeit ist ein guter Ort" als großen Fan für sich gewinnen. Mit ihrem neuen Roman hat mir die Autorin ein Herzensbuch geschenkt. Das Annerose Beurich genauso begeistert hat wie den NDR. Dieser hat "Der Schlaf der Anderen" zum Buch des Monats Juni gekürt. Das ist so schön und natürlich mehr als verdient!

Tamar Noort hat mich mit ihrem Debüt auch deshalb beeindruckt, weil sie ein Händchen für eigensinnige und doch liebenswerte Menschen hat. Sina und Janis führen das fort. Sina ist Lehrerin, Mutter zweier Kinder und hat ein ernstes Problem: Sie kann nicht mehr schlafen. Ihr neuer Hausarzt will ihr aber kein Schlafmittel verschreiben, sondern schickt sie ins Schlaflabor an. Diagnose: Verdacht auf Schlafapnoe.

Im Schlaflabor überwacht Janis seit Jahren die Patienten. Als sie Sina begegnet, duzt sie die neue Patientin sofort, spürt eine innige Verbundenheit. Weil beide am gleichen Tag Geburtstag haben? Nein, es ist etwas anderes, wie sich später herausstellt.

Sina braucht etwas Zeit, aber dann gelingt es ihr tatsächlich, in die warmen Arme des Schlafs zu sinken. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für eine SMS ihres Ehemannes. Janis sieht das auf ihrem Bildschirm und will verhindern, dass Sina aufwacht. Sie eilt in ihr Zimmer und erreicht genau das Gegenteil, indem sie Sina unabsichtlich anstößt.

Danach gewinnt der Roman an Geschwindigkeit, unerwartete und bisweilen urkomische Szenen spielen sich in abwechselnden Erzählperspektiven ab. Aus Patientin und Betreuerin werden Ausbrecherinnen, die die Nacht zum Tag machen. Eine Nacht, die alles ändert. Den beiden zu folgen, ist komisch und rührend zugleich.

„Der Schlaf der Anderen“ macht in vielerlei Hinsicht Schluss. Schluss mit den scheinbar richtigen und sicheren Lebensläufen. Schluss mit den Schubladen eines vermeintlich geordneten Lebens. Das Buch stimmt nachdenklich und brilliert mit unglaublich tollen, berührenden und skurrilen Szenen.

Der Sound wechselt zwischen Melancholie und Witz. Man seufzt, schweigt und lacht mit. Das Buch richtet sich an Lesende von guten Romanen und vor allem an alle, die sich im sogenannten richtigen Leben manchmal an der falschen Stelle fühlen. Und natürlich an alle, denen Schlaflosigkeit nicht fremd ist. Ich verspreche euch: Nach diesem Buch fühlen Sie sich in einer schlaflosen Nacht weniger allein.

Der Schlaf der Anderen

von Tamar Noort

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Demon Copperhead
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wann hatte ich zuletzt mit einer literarischen Figur eine so enge Beziehung gehabt wie mit Demon Copperhead? Ich weiß es nicht. In jedem Fall spüre ich jetzt nach der Lektüre eine, sagen wir, literarische Melancholie. Abschied nehmen von einem Protagonisten, der mir ans Herz gewachsen ist. Gleichzeitig empfinde ich große Dankbarkeit für diese Begegnung. Für mich ist dieser Roman ein Meilenstein auf der Straße der vielen Neuerscheinungen.

Barbara Kingsolver war mir bis zu diesem Buch, ihrem ersten internationalen Bestseller, kaum bekannt. Dabei hat die amerikanische Autorin bereits sechzehn Bücher geschrieben, sechs wurden ins Deutsche übersetzt, die allerdings bei verschiedenen Verlagen erschienen sind. Für „Demon Copperhead“ hat sie den Pulitzer Preis und den Women’s Prize for Fiction erhalten – mehr als verdient!

Die Story beginnt Mitte der Neunziger Jahre mit der Geburt ihres Romanhelden. Demons Start ins Leben ist alles andere als leicht, seine Mutter ist ein Junkie, sein Vater tot. Die Mutter lebt in einem Trailer in den Wäldern Virginias – der Welt von Tabakbauern und Hillbillys. Als rothaariger Melungeon ist Demon eher ein Außenseiter, hat jedoch stets Menschen an seiner Seite, die ihn auffangen. So wie sein bester Freund Maggot, dessen Pflegeeltern sich Demon annehmen, später folgen noch Angus, Ms Annie, June, Emmie und Tommy. Wir verfolgen nicht nur Demons dramatische Lebensgeschichte, Barbara Kingsolver webt die verheerende Opioidkrise, die Amerika seit Mitte der Neunziger Jahre heimsucht, mit ein, sind nah dran an den Menschen, die damit leben und mitunter daran zerbrechen.

Barbara Kingsolver hat den sogenannten Hillbillys mit ihrem Werk ein Denkmal gesetzt. Sie hat mich mitgenommen in die dunkelsten Momente eines Menschenlebens und dabei stets am Horizont einen Hauch Hoffnung scheinen lassen, der alles trägt. Der dir sagt: Nie aufgeben, kämpfen lohnt sich! Und vielleicht wird am Ende doch noch alles gut. Wird es das? Das möchte ich nicht verraten, denn das Werk verdient noch viele weitere Leser:innen. Doch eine Gewissheit haben wir: Menschen wie Demon, vermeintliche Verlierer, können zu Gewinnern werden, wenn sie den Ungerechtigkeiten dieser Welt nur die Stirn bieten.

Demon Copperhead

von Barbara Kingsolver

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Die Rettung
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stürmisch, dunkel, unheimlich, anarchisch und unglaublich anziehend ist der neue Roman von Charlotte McConaghy. „Die Rettung“ hat mich förmlich mitgerissen. Immer noch stehe ich auf Shearwater Island und kann nicht fassen, was ich da aufgelesen habe.

Die Insel liegt mitten im Südpolarmeer, ist „fünfzehnhundert Kilometer entfernt vom nächsten Land.“ Dort leben Dominic und seine drei Kinder: Raff, Fen und der jüngste Spross Orly. Sie sind die Hüter der wichtigsten Samen der Welt, die sie bewahren und retten müssen. Bevor die Insel vom Wasser überschwemmt wird. In wenigen Wochen sollen sie abgeholt werden. Doch jetzt spült das Meer ein lebendiges Wesen an den Strand. Die mit dem Wasser verbundene und ausgezeichnete Schwimmerin Fen fischt das menschliche Treibgut an. Und welch Wunder: Der Mensch lebt noch! Wie ist das möglich? Wunder gibt es immer wieder.

Rowan heißt die Überlebende, die nicht zufällig an diesem Ort. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, denn das würde den Spannungsbogen zersprengen.

Weshalb ich Charlotte McConaghy derart schätze, ist einerseits ihr erzählerisches Talent. Mitreißend und spannend waren auch ihre vorangegenen Werke: „Zugvögel“ und „Wo die Wölfe wohnen“. Andererseits ist sie Botschafterin der Natur- und Tierwelt. Kaum eine versteht es, auf die wichtigen wie existenziellen Themen wie Klimawandel, Artenschutz anzugehen, fundierte Sätze über den Zustand der Welt darzulegen. Trauma und psychische Erkrankungen begleiten ihre Werke wie das Rauschen des Meeres, das Rascheln der Blätter und die Stimmen der Tiere.

„Die Rettung“ gräbt sich erneut tief in die Seelen der Lesenden, indem sie obendren über den Tod, Verlust, die allumfassende Liebe, Familie, Elternschaft und die Hoffnung schreibt. Ob am Ende alles gut wird?

Die Rettung

von Charlotte McConaghy

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Die Chance unseres Lebens
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Alles richtig gemacht, lieber Fischer Verlag! Genau einem Jahr nach dem wundervollen Debüt „Helle Sommer“ gibt’s zum nahenden Sommer von Sophie Astrabie das zweite Buch, das perfekt in die Urlaubstasche passt. Wie schon in ihrem Erstling konnte mich die Französin erneut von der ersten Zeile an für sich gewinnen.

„Man muss an das Glück glauben. Nur so kann es existieren.“ Das sagt Sara ihrem guten Freund Stanislas. Wahre und gute Worte von einer unsteten Frau. Die beiden haben sich in der Schule kennengelernt und ein inneres Band geknüpft. Das aber je unterbrochen wurde. Und jetzt viele Jahre später schreibt Sara Stanislas, nachdem sie eine Todesanzeige von seinem Namensvetter in der Zeitung gesehen hat. „Ich hoffe, ich höre von dir“, schreibt sie. Dieser Satz versetzt Stanislas in Aufruhr, raubt ihm den Schlaf.

Er antwortet. Natürlich. Was dann passiert, ist aufregend schön. Nicht glatt und weder kongruent. Doch Stanislas kann nicht anders, als Sara zu folgen. Was seinem guten Freund Laurent so gar nicht gefällt. Er hat für den 39jährigen eine andere Frau entdeckt.

Ich weiß nicht, wie sie das machen, die Franzosen. Aber es gelingt ihnen stets mit einem ganz eigenen Ton flirrende Liebesgeschichten zu erzählen, ohne kitschig zu werden.

An Sophie Austrabie liebe ich besonders die rotzige Melancholie. Wenn es die so überhaupt gibt, aber die Umschreibung fiel mir nach der Lektüre ein. Astrabies Ton
ist witzig, würzig und absolut miteißend. Doch bei aller Überheblichkeit baut die Autorin nachdenkliche Gedanken ein. Obendrein ist sie eine Meisterin von spannenden Plots, quirligen Dialogen und abstrusen Momenten. C'est très bien!

Die Chance unseres Lebens

von Sophie Astrabie

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Fast & Tasty
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Bis zu diesem Kochbuch war mir Achim Oecal nicht vertraut. Obwohl der Autor des Kochbuchs im Instagram-Universum über 1,9 Millionen Follwer:innen hat. Oha! Das ist eine Zahl, bei der mir sofort heiß wird. Wie bei seinen einfachen und leckeren Gerichten.

Dass Achim ein großer Feigen-Fan ist, wird mir schon bei seinen Vorspeisen klar. Und ich frage mich: Warum ist mir diese Kombination nicht schon früher eingefallen? Ich denke hier an den gebackenen Feta mit Feigen. Sie brauchen neben Feta und Feigen nur noch 20g geröstete Pinienkerne, Honig und Thymian. Oder die Feigenrosen. Zusammen mit Walnusskernen, einer Kugel Burrata, Honig und sechs Schreiben Serranoschinken erleben Sie eine Geschmacksxeplosion auf der Zunge.

Auch die kalte-Avocado-Gurken-Suppe hat es mir angetan. So easy und lecker. Daran schließt sich gleich noch der warme Süßkartoffel-Salat an. Apropos Süßkartoffel, da hat Achim noch ein schnelles und raffiniertes Gericht parat: Gefüllte Süßkartoffeln, für die man nur Feta; Paprika, 2 Eier, Olivenöl und eine Frühlungsziebel braucht.

Sie sehen, Achim Oecal löst sein Titel-Versprechen ein. Wie schnell und raffiniert man kochen kann, zeigt der Koch auf einfache Art. Weiter hinten gibt es noch reichhaltigere Rezepte, die in ihrer Zubereitung nicht kompliziert sind, aber tiefergehender, allerdings nur ein bisschen. Dieses Kochbuch ist eine schnelle und tolle Inspirationshilfe für die alltägliche Küche!

Fast & Tasty

von Achim Oecal

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Der Kaiser der Freude
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wie soll ich Ihnen in wenigen Worten dieses unglaublich reichhaltige und beeindruckende Buch nur schmackhaft machen? Maike Albath hat für ihre wohwollende Besprechung im Deutschlandfunk 19 Minuten in Anspruch genommen. Okay, I'll try it shorter.

Vielen von Ihnen ist Ocean Vuong sicherlich mit seinem beliebten Debüt „Auf Erden sind wir kurz grandios“ vertraut. Ganze fünf Jahre mussten alle Vuong-Fans nun warten. Aber hier trifft der Spruch voll zu: „Wer warten kann, der wird belohnt.“ Für mich zählt „Der Kaiser der Freude“ schon jetzt zu meinen Jahreshighlights.

Warum? Nun, ich bin eine Freundin von bildstark erzählten Geschichten und habe ein großes Herz für alle Menschen, auch für die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren sind, kämpfen und täglich ihre Tapferkeit unter Beweis stellen müssen. Davon gibt es hier einige wie Hai, er ist die Hauptfigur. Der 19jährige hat seinen College-Abschluss in New York versemmelt. Er hat sich durch die exzessive Einnahme von Tabletten, und einen sehr guten Freund verloren. Nun weiß er nicht mehr weiter. Will sich in den Fluss stürzen, der sich durch das freudlose Städtchen East Gladness, in New England, bewegt. Doch kurz vor seinem Sprung flattern ihm Kleider ins Blickfeld. Die kommen von Grazina. Eine alte Dame aus Litauen, die wohl ahnt, was der Knabe vorhat. Sie nimmt ihn kurzerhand bei sich auf, bis es ihm wieder besser geht. Doch als Erstes soll er erstmal auf Brötchen treten, das helfe in Krisen. Und reichlich Möhren knabbern: „Karotten sind Wurzeln. Und Wurzeln verhindern, dass man trübsinnig wird.“ So besagt es eine Tradition aus Litauen. Möhren gedeihen in der dunklen Erde, doch trotzdem sind sie voller Farbe und Licht.

Sie einigen sich darauf, dass sich Hai um Grazina kümmert, denn die Dame lebt allein in einem verfallenen Haus, hat Demenz und immer wieder kleine Aussetzer. Wie Hai diesen begegnet, rührt mein Herz.
Als das Geld ausgeht, sucht sich Hai einen Job, und strandet im HomeMarket, einem Schnellimbiss, in dem auch sein Cousin Sony arbeitet. Die Chefin ist eine große Erscheinung und außerdem Wrestlerin. Dort findet Hai eine zweite Wahlfamilie, alle haben ihre Päckchen zu tragen, sind liebenswert. Was Voung aus diesem Schnellimbiss macht, ist umwerfend. Und ein Statement, ein Denkmal.

Ocean Vuong wollte viel in seinem zweiten Roman. Er hat nicht nur Operah Winfrey berührt, er hat mich ebenso tief getroffen und gefüllt wie eine Weihnachtsgans. „Der Kaiser der Freude“ atmet und lebt durch so vieles: Skurrile Momente, Lebensklugheit, Solidarität, formschöne Sätze, tröstliche Gedanken, eine starke Gemeinschaft und eine große Menschlichkeit. Sie leuchtet. Und ist das tragende Element. Das immer noch bei mir ist wie dieses umwerfend famose Buch, das ich einfach noch nicht loslassen will.

Der Kaiser der Freude

von Ocean Vuong

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Die Frau im lila Rock
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sie geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf: Die Frau im lila Rock. Eine komische Person. Aber noch seltsamer ist ihre Beobachterin: Die Frau mit der gelben Strickjacke. Sie erzählt uns diese Geschichte. Sehr akribisch dokumentiert sie beinah jede Regung dieser fremden Person von der Parkbank. Sie weiß, wann die Frau im lila Rock arbeitet und wann nicht. Als sie im gleichen Hotel beginnt wie ihre Beobachterin, sind wir ihr ganz nah. Schmunzeln oft über die naiven Reaktionen der Frau im lila Rock.

Doch wer glaubt, sie hätte alles im Überblick, täuscht sich. Denn unsere Ich-Erzählerin spinnt ein Netz, in dem man sich sehr schnell verfängt und hängenbleibt. Und am Ende gibt es einen Aufschrei. So ist es mir ergangen. Denn ich wusste nach dem Buch nicht, wohin mit meinen Gedanken und wie ist doch gleich die (Auf)-Lösung?

Natsuko Imamura hat mit ihrem schmalen, aber gehaltvollen Band nicht nur mich, sondern auch Leila Slimani, Hiromi Kawakami und Paula Hawkins begeistert. Es ist ein Buch über eine eigenartige Obsession und Observation.

„Die Frau im lila Rock“ ist durch und durch Japanisch. Suspekt , nah am Leben dran und irgendwie nicht von dieser Welt. Man steht Kopf, der gleichwohl von einer frischen Brise durchgeschüttelt ist, und sich nach der Lektüre erst einmal neu sortieren muss. Allerbestes Lesefutter für alle Japanfans und Lesekreise. Denn wie viel man über die 127 Seiten sprechen kann, weiß ich nun. Und es ist noch nicht zu Ende.

Die Frau im lila Rock

von Natsuko Imamura

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Great Big Beautiful Life
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Emily Henry beschert uns jedes Jahr zum Sommer einen neuen Roman. Ihre Bücher sind so sicher wie das Amen in der Kirche. Jeder Roman ist eine erfrischende Lesefreude. Doch dieses Mal ist etwas anders. Halt, nicht zurückschrecken, denn das Anders finde ich gut. Und dass ihre Schriftstellerkollegin Taylor Jenkins Reid ihrem neuen Roman mit einem wohlwollenden Zitat schmückt, dürfte alle Plagiatsvorwürfe abprallen lassen.

Denn in der Mitte treffen sich die beiden. Wie in Reids Roman „Die sieben Männer der Emily Hugo“ steht eine glamouröse Frau im Zentrum der Geschichte. Bei Reid war es Evelyn Hugo, bei Henry ist es Margaret Ives, die Tochter einer skandalumwitterten wohlhabenden Familie. Margaret möchte ihre Geschichte in einem Buch erzählen. Und sucht nur noch die Richtige oder den Richtigen, die/der das aufschreibt.

Nun stehen sich der Pulitzer-Preis-Gewinner Hayden Anderson und die Ich-Erzählerin Alice Scott gegenüber. Zwei gegensätzliche Menschen. Alice ist ein Sonnenschein und ein optimistischer Zeitgeist. Hayden recht grummelig. Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Das hat sich offenbar auch unsere Autorin gedacht. Während Alice frei von der Leber heraus über Margaret sprechen möchte, blockt Hayden alles ab. Was er jedoch schwer verdecken kann, sind seine Gefühle, doch er bleibt hart „Ich werde mich mit niemanden einlassen, dem ich den Traumjob wegenehmen werde.“ Oha, das hat gesessen!

Die beiden konkurrieren um ihre Beute. Denn Margaret wird sich einen Monat lang mit den beiden treffen und dann entscheiden, wem sie ihre Zusage für das Buchprojekt geben wird.

Emily Henry ist beliebt und bekannt für ihre fluffigen, charmanten Romane, in denen die Liebe stets im Mittelpunkt steht wie Freundschaftsgeschichten. In diesem Buch hat sie eine neue Weggabelung eingeschlagen. Der Ton zwischen den beiden Akteuren ist natürlich ganz im Emily Henry Stil äußerst übermütig, charmant und zum Schmunzeln. Doch Margarets Geschichte verströmt ernste, andere Nuancen. Und ich spüre, die Autorin will mehr als nur locker leicht sein. Ein Wagnis. Was sie aber für mich eingelöst hat.

Great Big Beautiful Life

von Emily Henry

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Und ich werde dich nie wieder Papa nennen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Caroline Darian ist die Tochter von Gisèle Pelicot, die über acht Jahre lang von ihrem Mann betäubt und von anderen Männern missbraucht wurde, ohne, dass sie davon wusste. Viele haben den Prozess sicherlich beobachtet. Doch ganz nah am Geschehen waren nur wenige. Das holt Caroline Darian mit ihrem wichtigen Buch nach. Caroline ist die Tochter von Gisèle Pelicot.

Wie konnte das passieren? Durch „chemische Unterwerfung“ - „Medikamente wie Schlafmittel, Antiallergika oder Hustenmittel, die eigentlich heilen sollen“ kommen zum Einsatz, und betäuben die Opfer. Werden ins Essen oder Getränke gefüllt. Dann fallen sie in einer Art komatösen Schlaf und bekommen nichts mit.

Dominique Pelicot hat verschiedene Männer zu sich nach Hause geholt, die seine betäubte Frau vergewaltigen, was er aufgenommen hat. Junge Familienväter waren dabei wie 70jährige. Er selbst hat dies auch bei anderen Frauen gemacht. Wie kann man nur?

Was macht das mit den Angehörigen? Und vor allem mit dem Opfer? „Leider hängt die Versorgung noch sehr von der Willensstärke der Opfer ab und ist zu wenigen von ihnen zugänglich.“ Gisèle Pelicot hat das Glück, drei erwachsene Kinder zu haben, die sich ihrer annehmen.

Als Caroline von sich auch eine Aufnahme sieht, weiß sie: Sie selbst ist ein Opfer geworden, durchlebt ein Trauma. Panikattacken überfallen sie, rauben ihre jede Kraft, aber sie bleibt stark, denn sie will kämpfen.

Das Buch macht fassungslos, aber es ist so wichtig! Neben den persönlichen Einblicken in ihr Innerstes zeigt die Autorin auf, was diese Gewalttat mit Betroffenen macht und ist ein Weckruf: „Seien Sie auf der Hut, wenn Ihr Gedächtnis Sie regelmäßig im Stich lässt. Suchen Sie lieber einen Arzt auf und unterziehen Sie sich einer toxilogischen Analyse.“

Und ich werde dich nie wieder Papa nennen

von Caroline Darian

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Das Echo der Sommer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Elin Anna Labba ist eine schwedisch-sámische Journalistin und Autorin. Bereits ausgezeichnet mit dem wichtigsten schwedischen Buchpreis sowie den renommierten Norrlands-Literaturpreis für ihr Sachbuch über die Zwangsumsiedlung der Samen.

Rávdná ist eine von drei samischen Frauen, die Elina Anna Labba in ihre Familiengeschichte eingewoben hat. Sie lebt mit ihrer Schwester Ánne und ihrer Tochter Ingá im Wechsel der Jahreszeiten zwischen dem sogenannten Sommer- und Winterland.

Als die Frauen in ihr Sommerland zurückkehren, ist alles überflutet. Der Grund ist der Staudamm, der ein neues Zeitalter der Energieversorgung einläuten soll, aber ausgerechnet den Lebensraum der Samen entscheidend einschränken würde. So kollidieren zwei Welten: Die Samen wollen weiterhin ihr traditionelles Leben am See führen, Fische fangen und in ihren Häusern bleiben. All das sollen sie opfern, um den Weg freizumachen für eine sogenannte neue, ökologische Produktion von Wasserkraft.

Die Geschichte erstreckt sich über 30 Jahre, ich begleite die kleine Ingá, die zur erwachsenen Frau wird. Erlebe Ànnes Krankheit, eine von tiefer Trauer getragenen Frau, die sich immer mehr zurückzieht, bald nicht mehr zu sehen ist, bis sie ganz verschwindet. In den Armen des Sees. Überhaupt der See! Eigentlich der vierte Protagonist, spricht er doch zu uns und ist das bindende Glied zwischen den Kapiteln.

Und er bleibt in meinem Gedächtnis. Wie ein Echo. Und all die mutigen und tapferen Menschen, die für ihre Selbstbestimmung kämpfen. Für die Verbundenheit von Mensch und Natur. Ohne die es bald keine Sommer mehr geben wird.

Das Echo der Sommer

von Elin Anna Labba

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Windstärke 17
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der zweite Roman ist immer ein Wagnis. Für die Schreibenden, den Verlag und die Leserschaft. So habe auch ich dem neuen Roman von der gefeierten Bestsellerautorin mit großer Erwartung entgegengefiebert.

Dieses Mal steht Tildas kleine Schwester im Mittelpunkt. Ida befindet sich am Tiefpunkt ihres jungen Daseins. Nachdem sich ihre Mutter an einem Wochenende der Abwesenheit mit einer Überdosis das Leben genommen hat, spürt Ida eine schwere Last der Schuld auf ihren zarten Schultern. Doch statt die Hilfe von ihrer Schwester anzunehmen, macht sie einfach dicht, verschließt sich, tobt in einem Vakuum aus Gefühlen und Gedanken. Sie knallt uns ihre Wut entgegen. Die ist es auch, die mir den Einstieg nicht leicht gemacht hat. Es stürmte gewaltig. Trotzdem hält mich Caroline Wahl mit ihrem unvergleichlichen Sound fest, für auch die auch Benedict Wells bewundernde Worte gefunden hat.

Während ich ganz zersaust neben Tilda stehe, gesellen sich plötzlich Marianne und Kurt zu mir. Zwei Sonnen, die nicht nur mir gut tun. Diese beiden Menschen nehmen sich der wütenden jungen Frau auf Rügen an. Genau dorthin flüchtet sich Ida. Im Wasser fühlt sie sich Zuhause, hier taucht sie ein, fordert das Meer heraus: „Das Meer, das so krass wunderschön und gewaltig ist, zeigt mir, dass ich mit meinen Nichtigkeiten ganz klein und egal bin.“ Findet Ida auf Rügen, das, was sie sucht und braucht? Und was ist mit Leif, der plötzlich auftaucht, ein Star-DJ, der von der Bühne getreten ist, und auch durche tiefe Wasser schwimmt...

„Windstärke 17“ kann man als Fortsetzung lesen, aber genauso unabhängig. Doch begeisterte Leser:innen von „22 Bahnen“ werden sich in dem Roman zu Hause fühlen, und noch etwas feststellen: Dieser Roman mag im Grundton dem Debüt ähneln, aber er überragt seinen Vorgänger, und macht deutlich: Hier entwickelt sich eine vielversprechende Autorin, von der wir zukünftig noch mehr lesen wollen.

Windstärke 17

von Caroline Wahl

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Somebody told me
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Bücher über die Wechseljahre gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die besten herauszupicken, sehe ich als meinen Auftrag. „Somebody told me“ von Susanne Liedtke und Dr. med. Christina Enzmann zählt zu solchen herausragenden Titeln.

Im Vorwort klären die beiden Autorinnen ihr Anliegen und Wissen auf. Während sich Christina Enzmann mit der funktionellen Medizin in diesem Bereich beschäftigt hat, fokussiert Susanne Liedtke die Ernährung. Entstanden ist ein Wechselspiel aus beiden Bereichen mit wirklich fundiertem Wissen und nachvollziehbaren Life-Hacks.

So laufe ich seitdem jeden Morgen einmal stramm um den Block und nehme fix die Treppen bis in meine 4. Etage. Und bei meinem Joggingrunden habe ich kurze Sprints integriert. Warum? Es geht um den Blutzucker. Den im Griff zu haben, sei eines der wichtigsten Grundziele. Die „All-out-Bursts“ haben einen bedeutenden Effekt: Damit wird der Insulinspiegel reguliert. „Das hilft, den restlichen Zucker in deinem Blutkreislauf zu verbrennen...“ Der wiederum dafür verantwortlich ist, dass die Fettverbrennung läuft.

Allein dafür hat sich die Lektüre für mich gelohnt. Aber sie ist natürlich noch reichhaltiger. So erläutern die beiden Autorinnen, welche Lebensmittel man möglichst vermeiden sollte und welche uns Frauen in den Wechseljahren gut tun. Und worauf man bei der Ernährung achten sollte. Ich bin in dem Bereich schon gut aufgestellt, und fühle mich bestätigt. Dennoch finde ich das Body-Reset-Ernährungsprogramm aus dem Buch sehr inspirierend.

Auch der Hormonhaushalt spielt eine bedeutende Rolle wie Vorsorgetipps ärztliche Konsultationen beim Hausarzt oder der Internistin und der Frauenärztin.

„Somebody told me“ ist daher ein ganzheitlicher und wichtiger Beitrag für alle Frauen ab 40! Das hat mir übrigens auch eine versierte Kundin, die in dem Bereich tätig ist, bestätigt.

Somebody told me

von Susanne Liedtke, Christina Enzmann

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Good Girl
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lügen als Fundament der Freiheit. Geht das? Und wenn ja, wie lange kann man darauf laufen, ohne einzubrechen? Diese Frage ploppt bei der Lektüre von „Good Girl“ von Aria Aber immer wieder in meinem Kopf auf. Ich kann sie nicht zähmen ebenso wenig wie ihre Heldin Nila.

Aria Aber steht mit ihrem Buch auf der Shortlist des Women’s Prize for Fiction 2025. Und ich freue mich so sehr über die Nominierung! Fatma Aydemir, Raven Leilani und Garth Greenwell sind begeistert von diesem außergewöhnlichen Buch, bei dem ständig mein Puls pocht.

Das hat natürlich mit Nila und ihrem Leben zu tun. Sie ist die Tochter von afghanischen Einwanderern, was sie jedoch vertuscht. Nilas Mutter ist verstorben. Sie lebt immer noch zu Hause bei ihrem Vater und ihrer Großmutter in einem Plattenbau, den sie Marlowe verschweigt. In einer ihrer nächtlichen Fluchtaktionen ins Berliner Nachtleben trifft sie auf den Autor.

Sie nehmen zusammen nicht wenige Drogen und haben Sex. Aber die beiden führen mitunter tiefsinnige Gespräche, an denen ich länger hängenbleibe. Dabei offenbart Nila ihrem Geliebten ihre große Sehnsucht: Sie möchte Fotografin werden wie die Künstlerin Nan Goldin. Als Marlowe ihr eine Kamera schenkt, fängt sie an. Parallel erzählt Aria Aber aus dem Leben der Familie, zeigt die Zwänge und Vorstellungen auf, denen die junge Frau entkommen will. Wird es ihr am Ende gelingen?

Was für ein Ritt! Nila ist alles andere als brav. Und gut? Nun lest selbst! Das Buch versprüht einen ganz eigenen Sound und man spürt, dass hier eine Lyrikerin am Werk ist. So wurde Aria Aber für ihren Lyrikband „Hard Damage“ mit dem Prairie Schooner Prize ausgezeichnet.

„Good Girl“ ist eins der pulsierendsten Bücher der letzten Zeit! Doch sie hat es mir nicht immer leicht gemacht. Am Ende siegt allerdings dann doch die Begeisterung. Wild, einnehmend, unberechenbar und mitunter sehr weise wie menschlich ist diese funkelnde Lektüre. Ein Buch, das dem Schrecken mutig ins Gesicht schaut und standhält. Komme, was da wolle!

Good Girl

von Aria Aber

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All dies könnte anders sein
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wer kennt das nicht? Wenn einem das Leben in den Bauch boxt? Ist uns allen bestens vertraut. Egal, welches Alter. So fühlt sich „All dies könnte anders sein“ von Sarah Thankam Mathews wie die Umarmung einer Seelengefährtin an. Obwohl die Erzählerin ein paar Jahre jünger ist als ich. Darauf erstmal ein Glas Rharbarberschorle!

Die Ich-Erzählerin ist das Kind von indischen Einwanderern, die es nach einem Studium geschafft hat, in Milwaukee als Changemangement-Beraterin einen gutbezahlten Job bei einer Agentur zu ergattern. Endlich kann Sneha ihren Eltern Geld in ihrer Heimat zukommen lassen und Freunde einladen. Und doch gibt es die Fallstricke des Lebens, in denen sich unsere sympathische Romanheldin verheddert. Ihr zu folgen, berührt und trotzdem falle ich nie in ein Tal der Tränen. Denn die Autorin hält geschickt die Waage zwischen Drama und Humor.

Mit Augenzwinkern und einem wohligen Gefühl folge ich dieser sympathischen Frau, die auf der Suche nach einer erfüllenden Beziehung ist. Auf ihrem Weg knüpft sie neue Kontakte, die in keiner Lovestory endet, dafür ereignen sich andere schöne Dinge.

Noch etwas passiert:: Unsere Romanheldin erfährt eine große Solidarität: „Was ich in den darauffolgenden Jahren schwer zu erklären fand, war die Tatsache, wie sehr die Menschen, die ich in Milwaukee kennenlernte, füreinander da waren, selbst für Fremde.“ Unvergesslich: Die Schlüsselverlust-Sache, bei der Sneha eine große Unterstützung bekommt. Ich sehe sie alle noch vor mir, wie sie versuchen, Sneha in ihre Wohnung zu helfen.

Sarah Thankam Mathews stand mit ihrem Buch auf der Shortlist der National Book Awards 2022. So verdient! „All dies könnte anders sein“ belebt, verführt, trifft einen Nerv und beglückt daher im allerfeinsten Sinne. Lauren Groff hat über ihre Kollegin so treffende wie wertschätzende Worte gefunden: „Sarah Thankam Mathews“ ist eine geniale Autorin, und jeder ihrer Sätze hat sowohl Biss als auch Herz.“ Mehr kann ich dem nicht hinzufügen: Außer: Lesen und dem Bauchtritten ins Gesicht lachen. Vergesst nie, wie stark ihr seid!

All dies könnte anders sein

von Sarah Thankam Mathews

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Verheiratete Frauen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ein echtes Tabuthema – Fremdgehen. Manche tun es, andere wieder nicht. Ich will es gar nicht. Aber Gabriela sieht das ein bisschen anders. Die Mutter eines kleinen Sohnes fühlt sich zu einem Autor magisch angezogen. Sehr lange schon. Bis sich Pablo und Gabi endlich näherkommen, dauert es. Wenngleich der Roman mit ihrer Romanze beginnt und einer großen Frage.

Denn Gabi will ihr Verhältnis in eine richtige Beziehung umwandeln. Aber soll sie das Wagnis eingehen? „In einem Jahr wirst du aufhören, mich zu begehren, und nichts wird mehr so sein wie jetzt", sagt ihr Geliebter. Die 45jährige kann sich das allerdings nicht vorstellen. Noch nie hat sie so empfunden. Was sagen ihre Freundinnen?

Nun, die haben es auch keineswegs leicht. Silvia ist nicht glücklich in ihrer Ehe, und Cósima hat mit der Enthaltsamkeit ihres Ehemannes zu kämpfen. Sie spürt der Sache nach und macht eine erschütternde Entdeckung.

Was für eine mitreißend erzählte Geschichte! Besonders schön ist, dass sich die Frauen über die Frauenzeitschrift „La Femme" nähergekommen sind. Gabi arbeitet als Journalistin, Silvia ist Fotografin und Cósima Stylistin. Unterschiedliche Vitas, die doch zueinander finden und zeigen: Es geht nichts über eine wahrhaftige und innige Freundschaft! Genau das ist „Verheiratete Frauen": Eine Hommage an unsere Freundinnen und Verbündeten. Keine kennt uns so gut wie unsere Freundin. Doch selbst die kann uns so manche Entscheidung nicht abnehmen. Die müssen wir dann allein treffen.

Was den Roman obendrein lesenswert macht – er zeigt die Herausforderungen der modernen Frau, die ständig einen Spagat zwischen Karriere und Familie machen muss. Der große Wunsch nach Mutterschaft spielt ebenso eine große Rolle, wie das Muttersein selbst, die Liebe zum Kind wie die Selbstzweifel.

So ist "Verheiratete Frauen" viel mehr als nur ein Roman über weibliches Begehren und Freundschaft. Er umarmt dich als Frau auf wirklich wohltuende Weise und flüstert dir zu: Du bist nicht allein. Allein deshalb lohnt sich die Lektüre!

Verheiratete Frauen

von Cristina Campos

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Die Zeit-Agenten 1. Das Propeller-Dilemma
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Während die Erwachsenen mit unserem Mai „must read“- Titel „Das Ministerium der Zeit“ von Kaliane Bradley die Zeit durchbrechen, können die jüngeren Bücherwürmer mit „Die Zeit Agenten“ von S. J. King ebenfalls durch die Zeit reisen.

Jasmin ist Teil der Zeit Agenten. Gerade, als sie mit ihren Eltern durch das Museum der Flugfahrt schlendert, selbst in einem Simulator fliegt, fragt sie sich: „Wie es wohl gewesen war, als erster Mensch auf der Welt einen solchen Flug zu vollbringen?“ Kaum hat sie den Gedanken zu Ende gedacht, da meldet sich ihre Agentenuhr und beamt sie zu ihrem geheimen Club. Denn der böse Mora hat wieder für Ärger gesorgt. Genau dann wird die Zeit Agenten Crew zusammengesammelt.

Solange alle Agenten aus ihrer wirklichen Welt verschwinden, bleibt dort die Zeit stehen. So bekommen Jasmins Eltern ihr Verschwinden nicht mit. Eine bunte Truppe aus aller Welt ist diese Agentenschar. Der flinke Vogel Tempo ist derjenige, der seine Aufträge verteilt. Die Wahl fällt dieses Mal auf Jasmin und Min-Juns. Flugs landen die beiden im Jahr 1903 auf dem Flugplatz der Gebrüder Wright, die am ersten Flugzeug tüfteln. Als der Propeller verschwunden ist, wissen Jasmin und Min-Juns, wer dahinter stecken muss: Mora!

Das ist eine abenteuerliche wie lebendig erzählte Geschichte für alle ab 7 Jahre! Tolle Illustrationen versetzen dem Ganzen einen charmanten wie hinreißenden Anstrich. Große Schrift sorgt für ein federleichtes Leseerlebnis, daher ist die Lektüre auch für Lesemuffel geeignet. Dies ist der 1. Band der Reihe. Der zweite führt zu den ersten Olympischen Spielen.

Kleiner Bonustrack an allen Bänden: Spielerisch werden in allen Bänden leichtfüßig dargestellt.

Die Zeit-Agenten 1. Das Propeller-Dilemma

von S. J. King

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Jenseits aller Zeit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Krimis gibt es wie Sand am Meer. Meine Passion ist es, daraus die Perlen zu fischen. Ich lese die skandinavischen genauso gern wie die englischen, aber auch Noirs, klassische Detektivgeschichten und literarische feine Titel, die ich regelmäßig aus der Krimibestenliste von Deutschlandradiokultur empfange wie „Jenseits aller Zeit“ von Sebastian Barry.

Hier stehe ich neben Tom Kettle. Der pensionierte Kriminalbeamte hat sich nach vierzig Jahren zur Ruhe gesetzt und lebt in einer kleinen Wohnung, die Teil eines großen viktorianischen Hauses ist, das im beschaulichen Küstendorf Killeney steht. Am liebsten sitzt Tom in seinem Korbsessel, hier ist er „der Hüter der Zeit", der aufs Wasser blickt und übers Leben sinniert. Von dort muss er sich jetzt erheben, als es unerwartet an der Tür klingelt. Wer stört ihn da in seiner Ruhe?

Zwei Polizeibeamte, und sie haben etwas auf dem Herzen. Es dauert, bis sie mit der Sprache herausrücken, erstmal Smalltalk über dies und das. Sie bitten ihn schließlich, sie bei einem ungeklärten Mordfall zu unterstützen, der dreißig Jahre zurückliegt. Tom hält inne und überlegt, ob er diesen Schritt zurück in eine Vergangenheit gehen soll, die er ad acta gelegt hat. Denn dieser Fall ist eine sehr persönliche Angelegenheit.

Was Sebastian Barry hier Seite um Seite brillant spinnt, ist fein komponiert und gleichwohl harter Tobak. So wandelt sich die zunächst stille in eine tragische Geschichte, geht es doch um Kindermissbrauch in der katholischen Kirche. Viel Wut ist im Spiel, und eine Rache, die Erlösung schaffen soll.

„Jenseits aller Zeit" enthält alles, was ich an Barry so schätze: Seine eigensinnigen Figuren, die Liebe zur irischen Natur und das Feingespür, unterschiedlichste Nuancen des Lebens literarisch kunstvoll abzulichten, sodass sich das Buch ganz tief in deine Seele einbrennt.

Brillant, eindringlich und unbedingt empfehlenswert, auch für Lesekreise. Aber ich will ehrlich sein: Freunde von Mainstream-Krimis könnten enttäuscht sein. Alle anderen haben die Chance, einen der besten Kriminalromane seit langer Zeit zu lesen. Sozusagen einen Krimi jenseits aller gewöhnlichen Krimis.

Jenseits aller Zeit

von Sebastian Barry

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Das Schwarz an den Händen meines Vaters
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lena Schätte erzählt Mottes Geschichte, und die fühlt sich an wie ein Faustschlag in den Bauch. So zeigt die Autorin sehr authentisch, wie es ist, in einer dysfunktionalen Familie großzuwerden. Der Vater ist ein Spieler und Alkoholiker.

„Als ich noch Kind bin, denke ich oft, ich habe zwei Väter. Den einen nüchternen, der schnell rennen kann. […] Und dann gibt es noch den anderen Vater. Der sich darüber legt und ihn verschwinden lässt.“

Der Vater arbeitet in einer Fabrik, wird wegen seines unsteten Zustands versetzt und verliert später seinen Job. Auch die Mutter erkrankt, wird depressiv. An einer Stelle heißt es: „Wir denken nicht nach in dieser Familie, über die Reihenfolge der Dinge oder darüber, wer wen aufhebt.“ Diese Aussage ist so exemplarisch für den Kern der Geschichte. Zeigt sie das Verantwortungsgefühl der Kinder wie die bedingungslose Liebe. Das geht wahrlich unter die Haut.

Lena Schätte holt ihre Ich-Erzählerin ganz nah an uns Lesende heran, und das in einem dichten wie klaren Erzählton, der seinesgleichen sucht. Ich folge der jungen Frau, die später selbst im gefährlichen Sumpf des Alkohols fällt, sich verliert und gleichwohl ihren Platz finden will. Wir bewegen uns zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, zwischen dem Kind und der jungen Frau. Als der Vater erkrankt, bleibt das nicht ohne Folgen auch für unsere Ich-Erzählerin.

Die Autorin hat als Krankenschwester in der Psychiatrie gearbeitet, und ist in einem Arbeitermilieu groß geworden. All das strömt hier glasklar hinein, entlädt sich in einer unaufgeregten Form, denn die Autorin wollte keine klassische Täter-Opfer-Kategorien einnehmen. Das hat sie mir in einem Interview auf der Leipziger Buchmesse erzählt, das Sie auf meinem Instagram-Kanal "Klappentexterin" jetzt sehen können. Ebenso bemerkenswert ist, dass die 1993 geborene Autorin sehr lange an ihrem Wunsch des Schreibens festgehalten hat und schließlich am renommierten Literaturinstitut Leipzig weiterentwickeln konnte. Der Roman sei schon seit 15 Jahren in ihr gewesen, geschrieben hat sie diesen im Café eines Baumarktes.

Das Buch ist ein Leichtgewicht, und doch sind die 187 Seiten unglaublich füllend und hinterlassen einen bleibenden Abdruck bei allen Lesenden. Der Roman hat das Feuilleton und Blogger:innen gleichermaßen beeindruckt. Und wenn das der Fall ist, soll das viel heißen. Denn wie oft sind sich beide Formen der Literaturkritik schon einig? Eben!

Das Schwarz an den Händen meines Vaters

von Lena Schätte

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Ruhm für eine Nacht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ein Buch so aufregend wie ein Trip! Ich hatte noch keinen, aber so stelle ich ihn mir in etwa vor. Ein bisschen jedenfalls. Nicht nur diese aufgeladene Stimmung hat mich trichterförmig ins Buch hineingesogen. Auch alte Erinnerungen wurden plötzlich putzmunter: Sofort war ich wieder in Berlin - dieser wilden Metropople, so ungestüm wie eine Leopardin in Netzstrumpfhosen. Ich denke an die Zeit zurück, als wir alle versuchten, ins Cookies zu gelangen. Oder die langen Abende in der Volksbühne, an denen unsere Popos ganz heiß wurden von den vielen Stunden der Castorf-Inszenierungen. Während unsere Augen glänzten, unsere Köpfe glühten, derart berauscht waren wir vom Rauch, dem Schauspiel und seinen Akteur:innen. Solch einen Abend erlebe ich in dem Buch wieder. Die Autorin hat an der Volksbühne gearbeitet. So kann nur jemand über dieses Theater schreiben, der es liebt wie wir, denke ich und grinse.

Calla Henkel hat mit "Ruhm für eine Nacht" eine der irrsten Berliner Geschichten geschrieben. Ein wundersames und äußerst erfrischendes Gegenstück zum nasskalten Winter. Aber Vorsicht, die Lektüre ist nicht für jedermann geeignet, sie ist ebenso verstörend. Ein Faible für Kunst und Schräges solltet ihr schon mitbringen. Und wenn ihr es habt, dann werdet ihr an Zoes und Haileys Fersen festkleben wie Kaugummis an den Absätzen ihrer Pumps.

Die beiden New Yorker Kunststudentinnen sind für ein Auslandssemester nach Berlin gekommen. Zoe erzählt uns die Geschichte aus ihrer Perspektive. Zoe ist die Zögerliche, Hailey hingegen hält die Zepter in den Händen. So springt sie auf eine Wohnungsanzeige an und beide Mädels dürfen die Wohnung von Beatrice anmieten. Die Autorin hat ein Arbeitsstipendium in Österreich ergattert und wird sich dahin zurückziehen.

Doch es kommt anders. Wir stehen Kopf und ich denke, wie großartig Literatur doch sein kann. Kunstvoll, schräg und so mitreißend, dass selbst der graue Himmel über mir Funken versprüht. Was für ein Trip!

Ruhm für eine Nacht

von Calla Henkel

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Radikale Freundlichkeit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir alle wollen freundlich sein, und sind es. Doch kennen Sie nicht auch die Momente, wenn Sie ein unhöflicher Mensch derart aus der Fassung bringt? Oder wenn Sie von Ihrer eigenen Eile getrieben unachtsam hantieren und dann passiert es. Wie können wir mit solchen Herausforderungen umgehen, und die Freundlichkeit trotzdem bei uns tragen?

Nora Blum liefert in ihrem Buch „Radikale Freundlichkeit“ Antworten auf diese Fragen. Die studierte Psychologin lässt uns verstehen, warum uns unhöfliche Menschen so triggern. Und geht noch weiter, in dem sie die unsensiblen Handlungen durchleuchtet. Warum agiert jemand so unwirsch? Was hat das wirklich mit uns zu tun? Welche Reaktion wäre angemessen? Und wie kann sie gelingen?

Weiterhin verdeutlicht die Gründerin von Selfapy anhand von wissenschaftlichen Studien, wie positiv sich Freundlichkeit auf unsere Gesundheit auswirkt. Schnell umsetzbare Tipps lassen mich staunen und lächeln. Ebenso erhellend sind ihre eigenen Geschichten zum Thema, in denen ich mich mitunter sogar wiedererkenne.

Das Buch ist in verschiedene Kapitel eingeteilt und bezieht jeden Lebensbereich mit ein. Die Psychologin schreibt, wie wichtig es ist, auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören, auch mal Nein zu sagen. Oder nach einer groben Kontakftaufnahme, zunächst dreimal TIEF durchzuatmen.

So erweist sich „Radikale Freundlichkeit“ als ein lebensnaher und nachhaltiger Ratgeber mit wertvollen Impulsen wie Anstößen zur Selbstreflexion.

Radikale Freundlichkeit

von Nora Blum

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Beeren pflücken
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Bereits vor Erscheinen der deutschen Ausgabe ging ein Leuchten aus unserer englischen Abteilung aus. Denn meine geschätzte Kollegin Sarah O'Connor hat „The Berry Pickers“ längst mit großer Begeisterung gelesen. Nun liegt die von Brigitte Jakobeit übersetzte Fassung auf unserer Eingangspyramide, strahlt allen entgegen und ich mit.

Die Autorin ist eine Native American und zählt zum Stamm der Mi'kmaq, ein indigenes Volk, das im östlichen Nordamerika angesiedelt ist wie die Familie, um die es hier geht. Sie hilft zur Saison auf einer Farm aus und pflückt Beeren. Alle packen mit an: Die Eltern und ihre vier Kinder. Eines Tages verschwindet die Jüngste, Ruthie. Alle suchen nach dem fünfjährigen Mädchen, doch Ruthie wird nicht gefunden. Der ältere Bruder Joe zerbricht an diesem Verlust, fühlt die Schuld auf seiner Schulter. Die Wut nagt an ihm wie ein Geschwür und treibt ihn zu schrecklichen Handlungen, vor denen wir alle zurückschrecken.

An einer Stelle heißt es: „Manche Wunden sind nicht zu heilen. Manche Wunden schließen sich nie, desto einfacher wurde es zu lächeln.“ Das sind nur zwei von zahlreichen bemerkenswerten Sätzen, an denen ich anhalte und innehalte.

Was mit Ruthie passiert ist, davon erzählt Amanda Peters auf wirklich berührende Weise. Wir Lesende wissen mehr als alle zusammen, bleiben dennoch still, neugierig und hören unsere eigenen Herzen ganz laut klopfen. Denn diese Geschichte, die in den 1960er Jahren beginnt, geht einem unglaublich nah.

„Beeren pflücken“ ist ein vielschichtiger Roman über Ethnie, Familienbande, Traumata und Wunden - manche bleiben, andere dürfen heilen. Und lassen etwas Neues entstehen.

Ich liebe jede Faser des Romans, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Und ich hoffe, Sie finden die leuchtenden Beeren, die meine Kollegin und ich aufgepickt haben.

Bevor ich schließe, möchte ich noch erwähnen, dass wir die Übersetzerin am 13. Juni zusammen mit dem Übersetzer Cornelius Hartz bei uns zu Gast haben werden. Sie können sich schon jetzt unter anmeldungen@stories-hamburg.de einen Platz sichern.

Beeren pflücken

von Amanda Peters

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Am Meer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Eine Literaturfreundin meinte kürzlich zu mir: „Elizabeth Strout zu lesen, fühlt sich an, als würde man nach Hause kommen.“ Wie wahr! Genauso empfinde ich die Bücher der Amerikanerin. Jüngst ist „Am Meer“ erschienen und ich habe das Buch viel zu schnell gelesen, und es hat mich gewärmt. Obwohl die Umstände, die Corona-Pandemie setzt ein, eher ungemütlich sind, spüre ich schnell dieses hyggelige umarmende Strout-Feeling.

Die Ich-Erzählerin Lucy wird von ihrem Ex-Mann William, mit dem sie noch ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, aus New York nach Maine bugsiert. Lucy versteht die Aufregung nicht, folgt aber seinem Drängen und fährt mit ihm an die Ostküste. Dort beziehen sie ein Haus, es ist klirrend kalt, immer grau. Wir schreiben den Februar 2020 und bis April wird es dort wohl so bleiben, also absolutes schlechte Laune-Wetter. Und was macht unsere knurrende Heldin?

Sie fügt sich diesem neuen Lebensabzweig... ihr dabei zu folgen, tut gut, nicht zuletzt durch ihre klugen Gedanken, die mich hier und da anhalten lassen. Die Gespräche mit William und Lucy sind genauso wärmend wie die zwischen den Menschen, die die beiden umkreisen. Obwohl natürlich nicht alles nur schön ist, denn so ist das Leben ja auch nicht. Unsere Gegenwart lichtet sie voller glasklarer Wahrheiten ab, und das ist weniger erfreulich. Dennoch vermute ich: In dem Buch findet sich jede oder jeder auf die eine oder andere Art wieder als wollte die Autorin sagen: „Du bist nicht allein!“

Das zeichnet die Literatur von Elizabeth Strout für mich aus: Dieses zutiefst Menschliche, das uns mit ihren Figuren verbindet und sie zu Weggefährten macht. Man kann dieses Buch – wie alle ihre Bücher – unabhängig von einander lesen. Vor allem dann, wenn einem gerade besonders kalt ist oder die Nase tropft. Denn auch das ist Elizabeth Strout: beste Medizin für Körper und Seele.

Am Meer

von Elizabeth Strout

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Leuchtfeuer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Das Glück sucht Gesellschaft, und das Unglück – das will nur in Ruhe gelassen werden.“ So wahr, so gut. Apropos gut genauso liest sich „Leuchtfeuer“ von Dani Shapeiro. Für mich zählt dieser Roman zu meinen Highlights des Frühjahrs. Nicht ohne Grund war dieses Buch ein gefeierter Bestseller in den USA. Es wurde mehrfach ausgezeichnet und von verschiedenen Medien zum besten Buch des Jahres ernannt. Welch Glück übrigens, dass hanserblau das Übersetzerpaar Ulrike Wasel und Klaus Timmermann für die Übersetzung gewinnen konnte. Die beiden haben u.a. schon „Der Gesang der Flusskrebse“ übersetzt. Und wer jetzt wie ich bei dem Buchtitel lächelt, darf gern weiterlesen. Aber auch alle anderen. Denn die Lektüre lohnt sich.

Und das obwohl die Erzählperspektive ungewöhnlich ist. Glücklicherweise wurde Dani Shapiro von ihrer Kollegin Jennifer Egan ermutigt, diese beizubehalten. So bewegen wir uns wie Planeten durch verschiedene Zeiten, sind in verschiedenen Köpfen. Ausgangspunkt ist eine nächtliche Autofahrt drei junger Teenager: Misty und das Geschwisterpaar Sarah und Theo rauschen im August 1985 durch die Nacht. In einem Moment der Unachtsamkeit kommt es zu einem schweren Unfall, bei dem Misty stirbt. Sarah legt schützend den Arm um ihren Bruder und sagt: Ich bin gefahren. Obwohl dem nicht so war. Und dann? Cut!

Jetzt sind wir bei Benjamin – Theos und Sarahs Vater, der den Nachbarsjungen Waldo an einem Abend im Jahr 2010 beobachtet. Die beiden stehen im Austausch. Warum und wie, das erfahren wir erst später, wie all die Verflechtungen der beiden Familien. Und wir lernen Waldo noch näher kennen, seine Eltern, schauen auf die erwachsenen Kinder Theo und Sarah, erleben eine sehr eindringliche Szene mit ihrer Mutter...
Die Kapitel haben eine enorme Sogkraft. Und wenngleich sie oft wechseln, verliert man nie den Pfaden oder die Verbindungen zu allen Figuren.

„Leuchtfeuer“ ist eine berührende, spannungsgeladene Geschichte über die Familienbande wie über die Narben der Kindheit. Ein Buch sehr dicht erzählt, und es wundert mich nicht, dass dieses Buch als Serie verfilmt werden soll. Trotz der wechselnden Perspektiven und Zeitsprünge verliert man nie den Überblick oder Anschluss. Jeder findet sich in der einen oder anderen Figur wieder, da die Autorin wirklich alles anspricht: Frausein, Außenseiter, Muttersein, Sucht, Beziehungen, Älterwerden und Altsein, Verbundenheit, Geschwisternbande, Familie. Und über den Genuss von gutem Essen. Ein universelles Buch also. Und ein Buch mit einem Summen, das erst verstummt, wenn man das Buch ausgelesen hat. Doch selbst dann vibriert es noch.

Leuchtfeuer

von Dani Shapiro

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Der Traum vom Fliegen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Eigentlich dachte ich, ich sei satt von Coming-of-Age-Romanen. Denn ich habe 2023 so einige gelesen. Doch da fiel mir „Der Traum vom Fliegen“ von Milena Moser in die Hände. Ich wollte nur kurz hineinlesen, doch ehe ich mich versah, klebten meine Augen in den Seiten und wollten von dort nicht mehr weg.

Sofia ist die Romanheldin und sie wächst mir sofort ans Herz. Ein schlaues Mädchen mit Superkräften. Sofia hatte immer schon den großen Traum, ins Weltall zu fliegen. So belegte sie in der Mittelstufe zusätzliche Kurse in Mathematik und Physik, und bekam ein Stipendium an dem renommierten Institute of Technology in Boston. Sie war eine der Jahrgangsbesten. Doch dann kam der Lockdown, brachte alles durcheinander. Zudem setze ihr die andere Sache mehr zu. Und sie beschloss zuzunehmen, um dem anderen Ding zu entkommen. Nun soll Sofia in einer Privatklinik wieder zu sich kommen, und bestenfalls ihr Übergewicht minimieren.

In der Klinik passieren ungeahnte Dinge, das Allerschönste aber ist: Sofia bekommt Freunde und trifft auf Seelengefährten. Besonders in Zach und Carmel findet sie einen warmen Kreis. Alle drei verfügen über Superkräfte. Zach, ein ehemaliger Manager aus der High-Techbranche kann Gedanken lesen, Carmel – Mutter von zwei Kindern und Lottogewinnerin - kann sich unsichtbar machen, allerdings nicht auf Befehl, es passiert einfach so bei allen dreien. Klingt schräg. Ist es auch, aber nur ein bisschen, denn das Verrückte fühlt sich hier irgendwie normal an. Sofias Superkraft ist das Fliegen. Da sie nachts auch schlimme Sachen gesehen hat, ist sie schließlich daran zerbrochen und hat zugenommen. Natürlich haben alle mit den gewöhnlichen Problemen des Lebens zu kämpfen. Die Klinik erdet alle und ist ein Heim, in dem sie länger sind wie Sofias immer sprudelnde Zimmergenossin, die an einer Essstörung leidet.

Was für eine Geschichte, die mich mitunter an Nick Hornbys A Long Way Down hat denken lassen. Denn hier kommt eine liebenswerte Schicksalsgemeinschaft zusammen, die mich berührt und gleichermaßen amüsiert. Milena Moser erzählt in ihrer schnörkellosen Sprache mit ganz viel Einfühlungsvermögen über Menschen und deren Brüche, die wir alle kennen und vor denen selbst eine Therapeutin wie Skye nicht gefeit ist.

Man muss nicht unbedingt an Superkräfte glauben, um das Buch zu lieben. Sie kommen bei der Lektüre von ganz allein. Unterm Strich ist dies ein All-Age-Roman für junge und ältere Leser:innen. Vielleicht fühlte ich mich deshalb darin so pudelwohl. Große Empfehlung und volle Punktzahl für mein letztes Jahreshighlight 2023!

Der Traum vom Fliegen

von Milena Moser

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Stromlinien
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bin die Patin für "Stromlinien" von Rebekka Frank, dessen Cover schon unverschämt gut aussieht. Patin deshalb, weil ich eine der Ersten war, die das Manuskript gelesen haben. Annerose Beurich war ja von Rebekkas Debüt "Das Echo der Gezeiten" bei S. Fischer bereits sehr angetan. Als der Verlag dann mit dem neuen Werk auf uns zukam, war meine Neugier entfacht. Eigentlich wollte ich nur mal reinschauen, aber dann habe ich es an einem Wochenende verschlungen. Und dachte: Wow! Das zweite Buch! So gut! Doch Rebekka Frank ist nicht neu in dem Metier, sie hat bereits als Rebekka Eder erfolgreich historische Bücher geschrieben.

Zur Story: Enna und ihre Zwillingsschwester Jale warten seit siebzehn Jahren darauf, dass ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch am Tag der Entlassung verschwindet Jale plötzlich, und Enna bleibt allein zurück mit einem großen Gepäck an Fragen. Wo ist Jale? Enna begiebt sich auf eine Suche, die sie immer näher an ein Familiengeheimnis heranführt, das ich hier nicht verraten möchte. Erstaunlich ist die Figurenzeichnung der Autorin und der Spannungsbogen, den sie aufbaut. Geschickt webt sie verschiedene Handlungsstränge ein, die zum großen Finale führen. Sie wechselt dabei die Perspektiven, setzt kurze Plots. Stets an unserer Seite die faszinierende Elbmarschen-Landschaft, das Alte Land und sein historischer Background. Ich spüre Rebekkas Liebe zur Natur mit allen Sinnen. Erstaunlich, was die Autorin alles in ihrem Buch vereint. Eine atmosphärische, naturnahe Geschichte mit extrem spannenden Elementen.

Mein Tipp für alle Hamburger und Leser:innen, die spannende Bücher mit Familiengeheimnissen genauso gern verschlingen wie ich!

Stromlinien

von Rebekka Frank

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Der letzte Mord am Ende der Welt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stuart Turton ist der Meister der Locked-Room-Mystery. Schon seine beiden Romane „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ und „Der Tod und das dunkle Meer“ hat hierzulande für begeisterte Leserstimmen gesorgt. Auch sein neues Buch „Der Mord am Ende der Welt“ ist ein packendes, raffiniertes, unheimliches und unvergessliches Lesevergnügen. Diejenigen, die wie ich „Prophet“ von Sin Blaché und Helen Macdonald gelesen haben, werden hier auf ihre Kosten kommen.

Dieses Mal nimmt uns Turton mit auf eine Insel, auf der noch einige hundert Menschen leben, die letzten ihrer Art. Eine Handvoll Wissenschaftler sorgen fürs Überleben. „Jeder Einzelne von euch muss gepflegt und gewartet werden, damit ich meine Arbeit erledigen kann. Gelegentlich müsst ihr versetzt werden.“ Das sagt Abi – die Ich-Stimme, die sich hin und wieder ins Geschehen einmischt und sogar in die Köpfe der Menschen eindringt. Jede Person erreicht nur das 60. Lebensjahr. Stirbt einer, kommt Nachschub. Woher und wie, erfährt man erst im Laufe der faszinierenden Geschichte.

Um diese Insel herum ist eine Nebelwand, die alles abtötet, was sich darin verfängt. Als nun eine der Wissenschaftlerinnen stirbt, droht die Ausrottung aller Lebewesen auf der Insel. Es bleiben nur 107 Stunden, um den Mörder zu finden. Oder das angeknackste System – denn das ist die Insel – am Laufen zu halten.

Atemlos folge ich den wichtigen Retterinnen wie Emory, ihrer Tochter Clara und Thea, eine der Wissenschaftlerinnen. Bei ihrer Spurensuche macht Emory erstaunliche Entdeckungen, die ihr bisheriges Weltbild ins Wanken bringt.

Wow! Was für ein Wahnsinnsbuch! Da es sich zwischen Science Fiction und Krimi bewegt, habe ich das Buch in unsere Fantasy-Abteilung gestellt. Denn gewöhnliche Krimifans könnten fremdeln. Alle anderen werden begeistert sein und sich in einen Rausch lesen. Sprachlich wie vom Plot her ist das Buch allererste Sahne. Besonders berührt hat mich am Ende noch das Nachwort des Autoren, das sich an uns Lesende richtet.

Der letzte Mord am Ende der Welt

von Stuart Turton

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Maman
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn es ein Buch gibt, das meine Lesevorlieben am besten charakterisiert, dann ist es „Maman“ von Sylvie Schenk. Bereits vor sieben Jahren habe ich mir nach ihrem Debüt „Schnell, dein Leben“ einen Platz in der Longlist gewünscht. Damals hat es nicht geklappt. Daher war meine Freude in diesem Jahr riesig, als ich den Namen der Autorin in der Liste entdeckt habe.

„Maman“ ist eine Spurensuche. Die Erzählerin spürt dem Leben ihrer Mutter nach. Voller Poesie, Klarheit und Zärtlichkeit folge ich der Autorin, bin berührt, bewegt und begeistert.

Die Mutter ist das Kind einer Frau, die nach einem kurzen Intermezzo mit einem Mann schwanger wird. Die junge Frau verstirbt nach der Geburt der Tochter. Renée – so heißt Maman – kommt erst in die Obhut einer armen Bauernfamilie. Verwahrlost dort jedoch und wird zwei Jahre später von dem wohlhabenden Ehepaar Legendre adoptiert. Vor allem Marguerite Legendre kümmert sich liebevoll um die neue Adoptivtochter. In der Privatschule wird Renée anfangs kritisch beäugt, später gehänselt. Renée findet nie richtig Anschluss.

Es ist eine besondere und eindringliche Erzählung. Einerseits gelingt dies Sylvie Schenk durch die Sprache, andererseits durch die Form des Erzählens. So zoomt sich die Autorin in die damalige Zeit ihrer Mutter direkt hinein, dass wir die kleine Renée direkt vor uns sehen, förmlich ihren Atem spüren.

Beeindruckend, nachhallend und formschön ist dieser autobiographisch gefärbte Roman, dem ich einen Platz in der Shortlist wünsche!

Maman

von Sylvie Schenk

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Kleine Kratzer
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Vorhang auf für Jane Campbell. Ich verneige mich vor dieser Frau – die 80 Jahre alt ist und nicht nur Christine Westermann und Elke Heidenreich mit ihrem Debüt begeistert hat. Aufgespürt hat sie der neu gegründete Kjona Verlag, den wir auch schon bei uns zu Besuch hatten. Genau, das ist der kleine feine unabhängige Verlag mit dem goldenen Klima-Fußabdruck.

Was macht „Kleine Kratzer“ nun derart lesenswert? Keine Geschichte ist wie die andere. Und noch etwas schillert aus dem Band hervor: Die Heldinnen sind alle über 70. Ihnen verschafft die Autorin Verhör. Gleich die erste Erzählung beginnt mit einem Paukenschlag, es ist eine bittersüße Rachegeschichte. Im Mittelpunkt steht eine Ich-Erzählerin, die ihre Mitmenschen feinsinnig versteht und ein bisschen überheblich, frech über die schreibt. Ihre Nachbarn haben einen Hund – keinen tiefenentspannten und friedvollen wie unseren Bobby – nein, Brutus, ein bissiger Hund mit einer offenbar schwierigen Kindheit. Das Ehepaar Leo und Mattie haben ihn aus Rumänien mitgebracht. Leo wollte keinen kleinen Dackel, nein, es sollte was Größeres sein. Leo ist - Sie ahnen es sicherlich – ein furchtbarer Menschen, ein selbstgerechter und furchtbarer, seine Frau Mattie klein, dumm, ihrem manipulativen Leo treu ergeben. Als die beiden nun wegfahren, wissen sie nicht wohin mit ihrem Brutus, die Erzählerin erweist sich als Retterin, als sie sagt, sie würde ihn zu sich nehmen. Aber nicht ohne Hintergedanken. Die Auflösung – o la la - die ist bittersüß.

Jane Campbell schlägt aber auch andere Töne an – nachdenkliche, melancholische. Berührend ist beispielsweise die Begegnung einer Pflegerin und ihrer Patientin in der Geschichte „Susan und Miffy“. Jane Campbell schenkt in ihren 13 Geschichten den alten, zerbrechlichen, betagten Damen eine Stimme, setzt sie in unerhörte, freche, humorvolle, selbstbewusste und mitunter überraschende Plots, so dass ich manchmal gar nicht weiß, wohin mit mir und keine Furcht mehr davor habe, alt zu werden.

Kleine Kratzer

von Jane Campbell

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Überall ist Wasser
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Überall ist Wasser" von Inger Bråtveit ist ein tiefes Eintauchen ins Wasser und in die Seelenlandschaft einer schreibenden Frau. Alle Leser:innen von Rachel Cusk sollten jetzt aufhorchen, denn ich spüre sofort Parallelen zu ihrer Outline-Trilogie.

Dass mein Exemplar aussieht wie ein Punk liegt an den allerhand klugen Gedanken und Zitaten von großen Namen wie Marguerite Duras, Herta Müller, Tove Jansson, Jeanette Winterson und anderen bekannten Frauen, die die Norwegerin kunstvoll einarbeitet. Voller Faszination und mit leuchtenden Augen folge ich der Ich-Erzählerin, die gefangen ist. Einerseits als sich sorgende Ehefrau mit einem kranken Mann, einer kleinen Tochter und zwei Stiefsöhnen. Andererseits als Künstlerin und schreibende Frau, bei der die Inspiration nicht immer so fließt, wie sie´s sollte. Rettende Anker sind die Natur, das Wasser und die Kraft der Literatur.

An einer Stelle fragt sie rätselhaft: „Ist der Sommer, wie das Leben, nur ein kurzer Lichtstrahl auf dem Weg hinab ins Meer?" Wissen wir das? Nein, aber ich begebe mich mit der Erzählerin hinein ins kühle Nass. Wir sind eins in dem Element, in dem die Sorgen von allein schmaler werden und sich ein neuer, heller Raum öffnet.

Inger Bråtveit schreibt über eigene Krisen, wenn sich Wörter nicht mehr so einfach finden lassen, oder sie ihre Rolle als Mutter sucht, die sich manchmal fremd anfühlt, beängstigend und gleichwohl erfüllend ist. Einmal wagt sie es, schwimmt einfach hinaus, und lässt ihre Tochter zurück. Die sie hinterher dafür bestraft. Das schmerzt. Aber auch das ist das Leben. Nicht alles ist schön als Mutter, davon berichtet die Autorin sehr offenherzig und berührend schön.

„Ich denke, das Schwimmen dem Schreiben und dem Lesen ähnelt. Du musst zulassen, dass das Wasser ein Teil von dir wird und du ein Teil von ihm." So ein wahrer Satz. Dass man sich manchmal in unbekannte Gewässer begeben muss, um daran zu wachsen, zeigt sie auf beeindruckende Weise. Es heißt Abschiednehmen von geliebten Menschen. Auch davon erzählt die Autorin sehr feinsinnig.

Also, liebe Schwimmfreunde, Sinnsucher des Lebens, Freunde des Schreibens und des Lesens, folgt dieser interessanten und jungen Stimme aus Norwegen. Das Dagbladet schreibt: "Bråtveit ist eine sensible und scharfe Betrachterin, Denkerin und Schriftstellerin!" Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen außer dies: Nach der Lektüre seid ihr reich erfüllt – eine Meditation für Geist und Seele!

Überall ist Wasser

von Inger Bråtveit

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Frühlingsnacht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Pünktlich zum Buchmesse-Schwerpunkt hat Sebastian Guggolz einen norwegischen Klassiker zum ersten Mal auf Deutsch herausgebracht: „Frühlingsnacht" von Tarjei Vesaas, erneut kongenial übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Vesaas hat zeitgenössische Schriftsteller wie Tomas Espedal und Karl Ove-Knausgard inspiriert wie begeistert.

Mit seiner klaren wie atmosphärischen Sprache zieht mich der Autor atemlos in seine Geschichte. Sissel und ihr jüngerer Bruder Hallstein sind die Hauptfiguren. Hallstein erinnert mich an Mattis aus Vessas´ ebenfalls lesenswerten Roman „Die Vögel". Ist er doch ein recht seltsamer Junge mit großer Fantasie und eigentümlichen Gedanken. So sucht er Gudrun auf, eine Freundin, die er in einem leerstehenden Haus entdeckt hat und mit der er spricht. Aber es gibt sie nicht wirklich, sie ist lediglich eine imaginäre Bewohnerin seiner ganz eigenen Fanatsiewelt. Aber vor ihm liegt eine freie, wunderbare Zeit ohne Eltern.

Seine Schwester nutzt diese, um mit ihrem Verehrer Tore anzubandeln, was Hallstein neugierig beobachtet. Als sich die beiden Geschwister auf einen ruhigen Abend vorbereiten, klopft es plötzlich an der Tür. Wer kann das sein? Tore? Nein, eine ganze Familie, die sofort hektisch auf die beiden einredet. Das Auto sei kaputt, und bei der hochschwangeren Grete haben die Wehen eingesetzt. Eine Hebamme muss her! Sofort!

So radelt Hallstein mit Gretes Mann Karl in den Ort, um eine Hebamme zu besorgen. Fahren vorbei am kaputten Auto der Familie, in der noch Kristine sitzt, die nicht mehr laufen kann und auch nicht spricht, außer mit Hallstein. Sie ist zudem mit Karls Vater liiert. Und dann ist da noch Gudrun, ja, Gudrun, leibhaftig und aus Fleisch und Blut. Hallstein verliebt sich augenblicklich.

Waren die vorherigen Werke vor allem von Innenansichten geprägt, öffnet der Autor hier eine Wundertüte aus Dialogen und Aktionen, gleich einem mitreißenden Theaterstück. Obgleich viel gesprochen wird, erweist sich Vesaas als Meister der Auslassung. Einiges hängt in der Schwebe wie Tautropfen an Blumen. So schafft er eine ganz besondere, geradezu zauberhafte Stimmung. Und er beweist erneut auf beeindruckend schöne Weise, dass er ein Freund von eigentümlichen Figuren und Geschichten ist.

Tarjei Vesaas ist einer der großen literarischen Stimmen aus Norwegen, die es lohnt, entdeckt zu werden. Findet übrigens auch Siri Hustvedt, die den Autor sehr schätzt. Dem möchte ich an diesem Vorfrühlingstag nicht widersprechen.

Frühlingsnacht

von Tarjei Vesaas

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Haltlos
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sarah Nisi ist für ihre raffinierten psychologisch feinen Thriller bekannt und beliebt. Diesem Ruf wird sie auch in ihrem neuen Buch „Haltlos“ gerecht. Eine atemlos machende Lektüre, durch die man förmlich hindurch rauscht.

Emily ist eine der Hauptfiguren. Sie ist gerade dabei, die Wohnung ihrer Freundin Liv auszuräumen. Liv wurde kürzlich auf die Londoner U-Bahngleise geschubst und starb. Emily war Zeugin der Tat, kann sich aber an nichts mehr erinnern. Seitdem plagen sie Albträumen und auch der seltsame Nachbar von Livs Wohnung Shakes verhält sich seltsam. Während die Polizei den Vorfall als Selbstmord einstuft, kann Emily nicht daran glauben und beginnt eigenständiig zu recherchieren...

Sarah Nisi hält den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht. Das gelingt durch sehr kurze Kapitel und Perspektivwechsel verschiedener Figuren. So erleben wir nicht nur Emilys und Shakes Sicht, sondern auch noch die einer dritten Person. Und noch etwas hat mich eingenommen: Eine düstere Atmosphäre, die an verregnete Tage erinnert.

Ein unblutiger und flotter Thriller mit einem schönen Setting: So spielt die Handlung in London.

Haltlos

von Sarah Nisi

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No Hard Feelings
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn dich das Leben gerade an mehreren Stellen zwickt, dann lies dieses Buch! Es enthält zwar keine Gebrauchsanweisung für das perfekte Leben, aber Genevieve Novak zu lesen, tut einfach gut, und sie ist eine Schwester im Geiste. So steht ihre Romanheldin Penny vor Herausforderungen und verliert nicht selten das innere Gleichgewicht.

Da ist ihre toxische Chefin, und Pennys Job im Allgemeinen macht sie nicht glücklich. Ebenso anstrengend ist die On-Off-Beziehung mit Max. Und als Pennys Freundin Bec verkündet, dass sie demnächst heiraten wird, ist Penny eher zum Schreien als zum Feiern zumute.

Penny weiß: Es muss sich etwas ändern. Sie will etwas ändern. Wird es ihr gelingen?

Dieses Buch passt wieder einmal perfekt in die pola-DNA. Das ist der Verlag, der seinen jungen Leser:innen einen Mehrwert geben will. Raffiniert hat die Autorin herausfordernde Themen wie toxische Beziehungen, Perfektionismus, Bodyshaming eingewoben. Der Witz und liebenswerte, mitfühlende Menschen ziehen nicht nur unsere Ich-Erzählerin aus den tiefen Tälern.

„No Hard Feelings“ ist alles andere als hart. Eher weich, sonnig, witzig und spritzig!

No Hard Feelings

von Genevieve Novak

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Ein Geist in der Kehle
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Doirerann Ni Ghriofa erzählt in ihrem beeindruckenden Debüt von einer Frau. Diese Frau ist sie selbst. Denn das Buch ist autofiktional. Die Mutter arbeitet sich mit to-do-Listen durch ihren Alltag. Sie stillt, kümmert sich um ihre Kinder, spendet ihre Muttermilch an unbekannte Säuglinge, die keine Muttermilch bekommen können, sie studiert Angebote, wo sie am günstigsten einkaufen kann. Und dann erinnert sich die Autorin eines Tages an die Dichterin, mit der sie als Schülerin erstmals in Berührung gekommen ist.

Eibhlin Dubh Ni Chonaill hat es tatsächlich gegeben. Die Lyrikerin wurde dafür bekannt, dass sie im 18. Jahrhundert das längste Klagelied - "Caoineadh Airt Uí Laoghaire" - verfasst hat. Nachdem sie ihren Geliebten tot aufgefunden und dessen Blut getrunken hat.

Die junge Mutter entsinnt sich nun dieses Gedichts. Und findet darin – ja so etwas – wie einen hellen Stern, der sie durch die dunklen Tage geleitet. „Ich richte mir mein Leben so ein, dass ich immer, wenn ich mal sitze, gleichzeitig blasse Silben aus Milch von mir gebe und selbst dunkle Nahrung aus Tinte trinke.“

Sie will die Zeilen selbst neu übersetzen und mehr über die Lyrikerin erfahren. Plötzlich ist sie wie von einem Fieber erfasst und taucht immer, wenn sie einen offenen Raum dafür findet, darin ein, übersetzt Wort für Wort, Vers für Vers. Und sie recherchiert den Ursprung, die Geschichte dieser Frau.

Die irische Autorin ist Lyrikerin und das spüre ich sofort. In ihrem Text sind kurze Sätze mit einer Kraft, die mich festhalten.
Beschreibungen, die meinem Geist mit einem inneren Feuer anzünden. Und es finden sich Lebenswahrheiten, derart schön und klug formuliert.

Dies ist ein Buch übers Muttersein und die damit verbundenen Aufgaben.
Aber nicht nur. Denn ich bin keine Mutter und fühlte mich trotzdem darin so gut aufgehoben und elektrisiert.

Denn „Ein Geist in der Kehle“ ist ein Buch übers Frausein. Über die Macht von Lyrik und den kurzen wie prägenden Momentaufnahmen in unserem Leben. Zudem Autorin erzählt eine hochspannende Geschichte einer Frau, die mit ihrem Klagelied zum nationalen irischen Mythos wurde.

Ein außergewöhnliches Debüt aus Irland, von dem Sie in den nächsten Wochen sicherlich noch mehr hören werden.

Ein Geist in der Kehle

von Doireann Ní Ghríofa

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Dienstmädchen für ein Jahr
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Begeistern Sie auch die Bücher von Irmgard Keun? Dann könnte „Dienstmädchen für ein Jahr" von Sigrid Boo etwas für Sie sein. Dieser norwegische Klassiker ist jüngst frisch in der besonderen Reihe „rororo"-Entdeckungen erschienen. Sigrid Boo hat zwischen 1922 und 1942 zehn Romane veröffentlicht, die uns hoffentlich Buch für Buch erfreuen werden. Denn die Autorin ist eine wunderbare Wiederentdeckung.

„Dienstmädchen für ein Jahr" hat mich von der ersten Seite an verzückt. Boos Schreibe verströmt eine belebende Frische, die die letzte Wintermüdigkeit charmant vertreibt. Ich verneige mich vor Gabriele Haefs, die diesen Ton perfekt ins Deutsche übertragen hat.

Helga ist die Ich-Erzählerin. Das Mädchen aus gutem Hause wollte eigentlich nach Frankreich, aber ihr Vater eröffnet ihr, dass es um die finanzielle Situation der Familie nicht gut bestellt ist und sie das Vorhaben verschieben müsse. Helga dazu: „... aber ich wäre doch, ehrlich gesagt, nie auf die Idee gekommen, dass ausgerechnet ich mich jemals mit einer Wirtschaftskrise befassen müsste."

Die junge jährige Frau hatte eine ausgezeichnete Abiturarbeit zur „Wirtschaftskrise nach dem Krieg" geschrieben. Und jetzt? Trifft sie sich erstmal mit Freunden und aus einer Laune heraus entsteht eine Wette, entspinnt sich aus einer Diskussion über das moderne Mädchen. „Ja, was könnt ihr denn eigentlich?" fragt ein junger Ingenieur an diesem Abend. Und Helga ruft: „Wir können alles!" Dann wagt sie es und begibt sich für einen Diamantenring in den Kampfring.

Helga arbeitet zunächst bei einer Familie, wo die Mutter am liebsten im Bett liegt und der Vater dem mit Glücksspiel verfallen ist. Und die fünf Kinder? Haben das Nachsehen. Glücklicherweise nicht mit Helga. Doch die nimmt bald Reißaus und beginnt neu bei einer besser gestellten Adresse. Dort bedient sie die Menschen, an deren Stelle sie sonst sitzt, und erfährt eine warmherzige und freundschaftliche Arbeitsatmosphäre.

Wir alle fragen uns ja gerade: Was lesen in derart schwierigen Zeiten? „Dienstmädchen für ein Jahr" ist meine Antwort. Geistreich, unterhaltsam und klug schreibt die Autorin über Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt, Identität und den Klassenunterschied – gewichtige Themen, die bis heute nicht an Aktualität verloren haben.

Dienstmädchen für ein Jahr

von Sigrid Boo

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Das Eis-Schloss
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

»Das Eis-Schloss« erinnert mich an einen Eiskristall, denn Tarjei Vesaas erzählt in einer eisklaren Sprache von einem zarten Glück, das viel zu schnell zerbricht. Dieser moderne Klassiker der norwegischen Literatur erschien erstmals 1963. Und wieder einmal haben wir es dem Verleger Sebastian Guggolz zu verdanken, dass das Werk bei uns in einer neuen Übersetzung erscheint. »Das Eis-Schloss« erhielt seinerzeit den Preis des Nordischen Rats, den wichtigsten Literaturpreis Skandinaviens. Völlig zu recht, strahlt das Buch doch durch seine eindringlich, elegante Sprache, die den Leser mitsamt der Geschichte magisch anzieht: »Vier Augen voller Funkeln und Strahlen unter den Wimpern. Der ganze Spiegel davon erfüllt. Ich weiß nicht: Funkeln und Strahlen, Funkeln von dir zu mir, von mir zu dir, und von mir allein zu dir – in den Spiegel hinein und zurück, und keine Antwort darauf, was das jetzt ist, keine Auflösung.«

Sofort sehe ich die Protagonisten Unn und Siss an einem Winterabend vor mir. Sie sind zum ersten Mal unter sich, neugierig, zurückhaltend, und doch fragend. Denn die Freude zwischen ihnen ist zerbrechlich. In Unns Seele lauert ein lang gehütetes Geheimnis, das aus den Tiefen ihres Ichs heraus will. Es braucht viel Überwindung, denn das Mädchen hat noch nie jemandem davon erzählt. Siss soll es nun erfahren, aber sie ergreift die Flucht und will nur noch weg, nach Hause. Tarjei Vesaas erzählt von einer besonderen Freundschaft zwischen zwei elfjährigen Mädchen, einer Freundschaft, die eher einem rohen Diamanten gleicht. Sie kann nicht zu dem werden, was man den beiden Mädchen wünscht, denn das Schicksal hat was dagegen: Der kalte Atem des Winters bringt eines der Mädchenherzen zum Stillstand.

Was geschehen ist? Nur soviel: Der Autor spricht über den Verlust in seiner ganz eigenen Sprache, die einfach nur einzigartig ist. Taucht ein in dieses faszinierende, winterliche Buch, das mich berührt und mit seinen stimmungsvollen Naturbeobachtungen regelrecht begeistert hat. Und durch seine tiefe Menschlichkeit, wie ein warmes Mäntelchen um das trauende Mädchen legt.

Das Eis-Schloss

von Tarjei Vesaas

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Vermissen auf Japanisch
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Nur wenige Atemzüge und ich bin im Buch angekommen. Yukiko Tominaga verströmt eine umarmende Wärme, die mich sofort wie ein Kokon umhüllt.

Kyoko ist die Ich-Erzählerin in „Vermissen auf Japanisch“. Ihre familiären Wurzeln liegen in Japan, aber in Amerika hat sie eine liebevolle Wahlfamilie gefunden. Vor allem ihre Schwiegermutter Bubbe ist ihr eine besondere Seelentrösterin. Gemeinsam trauern sie um Kyokos verstorbenen Mann Levi. Ich folge der Erzählerin, die Mutter eines Sohnes ist. Als Levi stirbt, ist Alex vier Jahre alt. Wie mit der Lücke leben?

Davon erzählt die Autorin mit einer Sanftheit, die mich derart berührt. Um sie herum sind liebenswerte Figuren wie Bubbe und ihre Mitbewohnerin Mi Cha. Die Südkoreanerin ist mit ihrer Familie in Kyokos Haus eingezogen, weil der Witwe das Geld fehlt. Sie sagt ihrer Freundin aber auch wahre Dinge wie: „Lauf nicht vor der Liebe davon, Kyoko. Lauf nicht vor ihr davon. Und selbst wenn die ganze Welt gegen dich wäre, du selbst eingeschlossen, ich bin es nicht.“

Ich folge der Romanheldin mit Ruhe und Besonnenheit. Die Geschichte fühlt sich so typisch Japanisch an. Für mich ist sie eine Meditation für die Augen und den Geist. Es sind kleine Puzzleteile, Rückblenden und gegenwärtige Momente, die Yukiko Tominaga elegant aneinandersetzt. Wer geradlinig erzählte und schnelle Plots bevorzugt, könnte enttäuscht werden. Fans von japanischer werden bei der Lektüre Sterne in ihren Augen haben.

„Vermissen auf Japanisch“ ist ein Buch übers Abschiednehmen, Trauer – und der tapfere Weg von dort weg in ein neues Kapitel mit mehr Leichtigkeit und wohltuender Hoffnung.

Vermissen auf Japanisch

von Yukiko Tominaga

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Cleopatra und Frankenstein
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Schon vor Erscheinen der deutschen Ausgabe von „Cleopatra und Frankenstein“ gab es einen Hype um das Debüt von Coco Mellors. Manchmal meide ich derartige laute Rufe in der Bücherwelt. Ein anderes Mal lasse ich mich in so eine Welle hineinfallen. Wenn meine Neugier - wie in diesem Fall - zu stark ist. Was ist dran an dieser gefeierten Autorin?

Der Roman ploppt wie der Korken einer übermütigen Proseccoflasche auf. Der Einstieg ist charmant, witzig und lässt mich sofort an Bücher von Sally Rooney denken. Coco Mellors nimmt mich mit in eine meiner Traumstädte: New York. Dort treffen sich in einer Silvesternacht Cleo und Frank. Schon der Anfang macht deutlich: Das ist ein Buch der Dialoge, schneidend scharf. Die beiden verlieben sich, obwohl sie einige Jahre trennt, Frank ist Mitte 40, Cleo 25. Er aufsteigender Werbemann mit einer eigenen Agentur, sie eine Künstlerin, die bangt, ihr Visum zu verlieren und zurück nach England muss. Kurzerhand heiraten die beiden. Recht schnell, aber aus Liebe. Und dann? Wird alles schön wie im Märchen?

Der Roman durchlebt eine erstaunliche Entwicklung. Am Anfang scheint alles auf Glanz, Party, Unterhaltung und Oberflächlichkeit aus zu sein. Doch ab der Mitte kippt die Tonlage durch eine Ich-Erzählerin, die sich in die Geschichte mit ihrer eigenen Stimme einfügt. Und nicht nur das sorgt für einen Richtungswechsel. Denn die verschiedenen Figuren fangen an zu wanken. Dunkle Dämonen übernehmen das Ruder, nicht verarbeitete Traumata bahnen sich den Weg nach draußen, treiben Cleo zu einer fassungslosen, verzweifelten Aktion.

Dies ist keine seichte Lektüre, die nur perlt und unterhält. Das ist ein Buch, das sich Löcher gräbt, berührt und mich am Ende atemlos beglückt zurücklässt. Und ja, der Hype ist so was von berechtigt. Sally Rooney hat eine ernstzunehmende Kontrahentin hinzubekommen.

Cleopatra und Frankenstein

von Coco Mellors

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Sommerwasser
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Regentropfen überall! Auf der Brille, zwischen den Wimpern, auf der Jeans und den Lippen. Auch in den Schuhen? Nein, da glücklicherweise nicht. Dafür im Buch. Wer beim Titel „Sommerwasser“ an den Sommer denkt, hat nur bedingt Recht. Denn in Sarah Moss' Roman ist es nass und kalt. Der Sommer in diesem schottischen Landstrich hat verregnete Züge und erinnert mehr an den Herbst.

Beim genaueren Blick ins Buch erlebe ich eine weitere Jahreszeit: den Winter. Den sogenannten inneren Winter, durch den die verschiedenen Figuren stolpern. Sarah Moss fährt ein vielstimmiges Figurenkabinett auf. Und obwohl sich die Menschen nicht kennen, sind sie miteinander verbunden: Sie wohnen alle in einer Anlage mit zügigen Ferienhäusern. Die Autorin zoomt sich in die Köpfe der Figuren. Da ist Justine, die sich in den Regen traut und joggt: „Wasser auf bettwarmer Haut, und warum genau macht sie das noch mal?“ Die Antwort findet sich zwischen den Seiten. Dort treffe ich später auch auf Claire. Eine einstige erfolgreiche Businessfrau, die ihr zweites Kind bekommen hat. Als Claires Mann ihr anbietet, mit den Kindern für eine Stunde rauszugehen, sagt sie nicht nein. Doch was macht sie in dieser Zeit?

Der Roman teilt sich wie Regen in kleine einzelne Geschichten, die in meine Augen tröpfeln. Oft stehen weibliche Figuren im Mittelpunkt. Frauen, die große Fragen aufwerfen. Wer sind sie heute? Wer damals? Wer wollen sie sein? Der Regen schubst sie in ihre inneren Räume, und ich folge ihnen, manchmal lache ich auf, zu komisch sind die Gedanken und Situationen, ein anderes Mal werde ich still, bin berührt, seufze tief.

Sarah Moss' Ton bewegt sich zwischen nachdenklich melancholisch bis hin zu witzig, komisch. In allem steckt so viel Wahrheit und Tiefe. Doch die Lektüre zieht mich nie herunter, viel mehr erfrischt sie mich wie freche Regentropfen, die überallhin tanzen - ob ich nun will oder nicht.

Sommerwasser

von Sarah Moss

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Die Halbwertszeit von Glück
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dass die Hamburger Autorin keine Debütantin ist, merke ich sofort. Louise Pelt hat bereits unter einem anderen Namen Bücher geschrieben. In diesem Roman verknüpft sie drei Frauenporträts, die alle miteinander verbunden sind. Vor allem durch ihre Neugier und noch etwas anderem, das ich nicht verraten darf.

Mylènes Leben verläuft in geordneten Bahnen. Die Pariserin ist erfolgreiche Unternehmerin und wird demnächst ihren berühmten Freund heiraten. Doch als sie ein Erbschein erreicht, gerät Mylènes Leben aus den Bahnen.

Viele Jahre vorher – im Jahr 1987 – führt Johanna in der DDR ein einsames gewähltes Leben. Im Wald bewohnt sie eine Hütte, bewirtschaftet sich mehr oder weniger selbst. Warum sie das macht, erfahre ich im Verlauf der Geschichte. Als Johanna im Wald ein verletztes Mädchen vorfindet, das die Dorfbewohner suchen, nimmt sie sich diesem an. Das Mädchen wollte über die Grenze in den Westen zu ihrem Liebsten nach Frankreich, denn es ist schwanger. Was macht Johanna jetzt? Helfen oder melden?

In Los Angeles träumt Holly im Jahr 2003 davon, Drehbuchautorin zu werden. Als ihre Mitbewohnerin, die Schauspielerin ist, ihr Manuskript an eine bekannte Regisseurin weiterleitet, meldet diese sich bei ihr. Sie treffen sich, doch dann passiert ein Unglück, das Holly den Boden unter den Füßen wegzieht, und der Traum verliert an Kraft, weil andere Dinge Hollys Kopf und Herz vollends einnehmen.

Dieses Buch lebt vor allem von den Menschen und ihren Geschichten. Es geht um Verlust, Familiengeheimnisse, Liebe, Solidarität und das vergängliche Glück. Neben den starken Frauen webt Louise Pelt weitere Figuren feinfühlig und gekonnt ein, auf die unsere Heldinnen treffen. Sie sind das Öl in ihren stockenden Motoren. All das liest sich federleicht, ohne oberflächlich zu sein. Wenngleich sich auf dem ersten Blick drei Geschichten eigenständig ihren Raum schaffen, muss ich widersprechen – denn da ist noch viel mehr. Aber lesen Sie selbst!

Die Halbwertszeit von Glück

von Louise Pelt

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Für Polina
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Roman lebt vor allem durch seine besonderen und liebenswerten Figuren. Fritzi ist die Erste. Das Mädchen reist vor ihrem Abitur ins sonnenreiche Land der Genüsse. Dort hat sie ein kurzes Intermezzo mit einem Geschäftsmann. Leider nicht ohne Folgen: Fritzi wird schwanger. Ihr großes Ziel nach München zu gehen, um Jura zu studieren, rückt erstmal in weite Ferne.

Im Krankenhaus lernt Fritzi Günes kennen, die zeitgleich mit ihr gebärt. Ein Mädchen, das den Namen Polina trägt. Ein untypischer Name für ein türkisches Mädchen. Aber Günes verehrt Dostojewski, und Polina ist eine Figur aus einem ihrer liebsten Romane des Russen. Die beiden Frauen bleiben auch nach der Entbindung in Kontakt, folglich auch ihre Kinder. Wann aus dieser Freundschaft mehr geworden ist, mag niemand so genau sagen. Aber es leuchtet, brennt zwischen Polina und Hannes und sorgt für mehr Unruhe, als allen lieb ist.

Fritzi zieht aber zunächst mit Hannes in eine alte Villa nach Kananohe, ein Naturschutzgebiet bei Hannover, umgeben von einer Moorlandschaft. Dort treffen sie auf den 60jährigen Heinrich Hildebrand. Als junger Mann hat Heinrich am Wiener Konservatorium Klavier studiert, und so findet sich in der Villa auch ein Klavier. Das Instrument wird für Hannes noch eine bedeutende Rolle spielen.

Der Roman besticht nicht nur mit seiner einzigartigen Familien- und Liebesgeschichte. Takis Würger gelingt es quasi spielend, dass ich mich als Leserin wieder sehr zur klassischen Musik hingezogen fühle. Mit ihr zu fühlen, Taste für Taste, Ton für Ton.

Takis Würger öffnet wahrlich eine große Palette an leichten wie schwerwiegenden Themen, verarbeitet sie mit leichter Hand, baut unerwartete Wendungen ein, und ist voller Empathie für das bunte Figurenensemble. Allen zu folgen, bereitet mir derartig große Freude, dass ich am liebsten selbst ein Stück komponieren möchte. Zahlreiche Momente lassen mich lächeln, filmische Szenen gehen vor meinem inneren Auge auf. Und ich denke: Das ist die Art von Geschichten, die wir gerade brauchen. Warm, berührend, charmant und voller sensibler Herzlichkeit. Ein Buch wie eine sehnsuchtsvolle Klaviersonate, die lange nachklingt.

Für Polina

von Takis Würger

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Hilda Hasenherz. Das Abenteuer im Fuchswald
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich habe ein großes Herz für Tiere. Für Wölfe, Raben, Füchse, Ferkel, Mäuse und natürlich für Hasen. Insofern war „Hilda Hasenherz“ Pflichtlektüre für mich.

Hilda ist eine Buddelhäsin. Täglich gräbt sie mit ihren Artgenossen nach Möhren, die der Baron von Ratezahn mit der Spinne Ottilie einfordert. Sie lebt und arbeitet in den Tiefen der Erde, hat noch nie die Sonne oder den Mond gesehen. Überhaupt den Mond, den gibt es nicht, sagt der Baron. Statt der Möhren bekommen die Hasen nur Heu zu essen.

Wir alle wissen ja, was Möhren für Hasen bedeuten. Doch unsere Heldin bleibt tapfer und ist extrem neugierig. Großmutter Graupfote sagt: Du hast immer Fragen im Kopf. Wenn man dir eine beantwortet, hüpfen drei neue hinein und wuseln darin herum wie Hasenbabys, die das erste Mal den Bau verlassen.“ Gesagt, getan!

Denn unsere kleine Heldenhäsin buddelt sich eines Tages tatsächlich frei und landet fast in den Armen von Prinz Lämpchen. Der Hasenprinz sozusagen. Prinz Lämpchen reicht ihr Möhren, erklärt ihr die Sonne und den Mond, und ermuntert sie, den Fuchs zu finden. Sam Grau. Denn vor dem hat selbst der unverschämte Baron von Ratezahn Angst. Denn eins ist klar, Baron von Ratezahn muss besiegt werden.

Was Hilda auf ihrer Reise alles passiert, wem sie begegnet, ist hinreißend wie spannend. Da haben wir beispielsweise Igromir, den Igel oder Eicho, das Eichhörnchen. Werden sie Sam Grau finden? Eins darf ich in jedem Fall schon verraten: Unsere Buddelhäsin wird eine Abenteuer- und Heldenhäsin. Und es gibt einen packenden Showdown am Ende!

Verena Körtling hat der Geschichte zauberhafte Illustrationen geschenkt! Ein wunderbares Buch über Mut, Gemeinschaft und Neugier für Leser:innen ab 8 Jahre und zum Vorlesen ab 5 Jahre.

Hilda Hasenherz. Das Abenteuer im Fuchswald

von Tobias Goldfarb

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Dunkle Momente
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wir urteilen täglich, meistens unbewusst. Es sind vor allem unsere Vorstellungen und Prägungen, die uns dabei lenken. Nur wer gibt schon gern zu, dass er sich getäuscht hat in seiner Meinung? Elisa Hoven macht dies auf zutiefst menschliche Weise. Allein dafür möchte ich das Buch allen in die Hand drücken. Die Autorin ist Professorin für Strafrecht und Richterin im Sächsischen Verfassungsgerichtshof. Aber nicht nur deshalb ist die Lektüre lesenswert.

Elisa Hoven hat bereits Bücher geschrieben. Mein Kollege Frank Menden schwört sehr auf „Strafsachen“, das sie zusammen mit Thomas Weigend geschrieben hat. Während dieses ein Sachbuch ist, handelt es sich bei „Dunkle Momente“ um einen Roman. Allerdings ist es keiner mit einer stringenten Handlung, sondern eine Sammlung aus verschiedenen Geschichten um die Hauptfigur herum.

Neun Fälle sind es insgesamt und es ist wirklich alles dabei, was wir schon mal irgendwo gehört und gelesen haben. Oder es sind vollkommen neue Fälle und Einsichten. Manches scheint eingangs als ausweglos, entwickelt sich im Verlauf der Recherche als plausibel.

Wie die Geschichte des Kannibalen. Frank Schanzer wird angeklagt, einen Mann umgebracht zu haben. Und mehr noch: Körperteile gegessen zu haben. Dass Tobias Rennler diesen Tod aus freien Willen wollte, weil er in sich das Bedürfnis gespürt hat, scheint uns allen suspekt, aber: „Sexuelle Phantasien sind unsere intimsten Gedanken...“ Was sie herausfindet und belegt, ist bemerkenswert.

Die Geschichten gehen wirklich sehr nah, aber sie sind wichtig und alle eint: Eine tiefe Menschlichkeit seitens der Verteidigerin, die stets nach dem Warum sucht.

Einige denken jetzt vielleicht: Moment, das kenne ich doch von Ferdinand von Schirach. Stimmt! Doch beide haben ihren eigenen Ton. Dieses Buch empfinde ich anders. Vor allem durch die offenherzigen Einsichten und Denkimpulse. Vor allem Laien wie ich werden mit Staunen und Entsetzen durch das teilweise verzwickten Justizsystem geführt.

Was ebenfalls bemerkenswert ist, sind Hovens Töne für die Nebenfiguren: „Dabei geben sich die Anstaltsleiter meist große Mühe, das Leben der Inhaftierten erträglich zu machen. Viele, die dort arbeiten, haben Sozialpädagogik studiert, sie sind das Gegenteil dessen, was man aus amerikanischen Filmen kennt. […] Und es ist ein Kampf, denn die wenigsten Politiker wollen mehr Geld für Straftäter ausgeben, damit gewinnt man keine Wähler.“

Das sitzt. Und noch etwas passiert bei der Lektüre und dem fabelhaften Hörbuch - eingesprochen von der Schauspielerin Nina Kunzendorf: Einige Aussagen halten mich an, lassen mich länger über die Fälle nachdenken sowie über Elisa Hovens Worte: „So vieles erklärt sich aus der Kindheit des Menschen.“ Da haben wir sie: Unsere Prägungen.

Wenn ich also das nächste Mal urteile, werde ich mit Sicherheit länger innehalten. Denn jede, jeder hat seine Geschichte, handelt nicht ohne Grund.

Dunkle Momente

von Elisa Hoven

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Wildhof
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Darf ich vorstellen? Mein 2. Herzensbuch des Jahres, das ich bereits mit so vielen Buchhändler-Kolleg:innen teile. Obwohl ich nach dem ersten Blick auf dem Klappentext dachte: „Die Handlung ist nicht neu.“ Doch wie viele Geschichten hat es so noch nie gegeben? Zählt nicht, wie die Schreibenden ihre Ideen zu Papier bringen? Und Eva Strasser macht dies derart einschlagend gut.

Die fast 30jährige Lina kehrt nach Hause zurück. Kürzlich sind ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall verstorben. Nun will sie diese beerdigen und das Haus verkaufen. Nicht ohne Grund ist sie seinerzeit nach der Schule ausgebüxt. In die Anonymität. Doch die Schatten der Vergangenheit und ihre Wut sind ihr geblieben. Ihr Temperament führt sie im Job zu einer Handlung mit gerichtlichen Folgen. Nur auf Bewährung, aber die Strafe ist da. Ploppt im Hintergrund auf wie die zahlreichen Nachrichten der Firma. Denn Lina ist gefragt in ihrem Business als App-Entwicklerin. So öffnet Lina öffnet diese und knurrt dabei, wie so oft.

Nun ist sie in Wildhof. Da passieren mitunter seltsame Dinge: Die Kuckucksuhr geht plötzlich wieder, der platte Spielball der Kindheit liegt frisch auf dem Rasen. Ein Lachen huscht durch die Luft, immer wieder sieht sie ihren geliebten längst verstorbenen Hund. Wesentlich realistischer und wärmend sind die Begegnungen mit alten Freunden die ihr zur Seite stehen wie damals als ihre Zwillingsschwester verschwunden ist. Wenn Lina mal wieder vollkommen außer sich ist, bleibt sie allein, und rettet sich in den Wald.

Was für eine einzigartige Schreibe! Voller Sinnlichkeit, Poesie, Witz und Tiefe, temporeich, überraschend erzählt Eva Strasser ihre Geschichte. Die sehr grün ist, denn sie geht oft mit uns raus, taucht in die raschelnde Natur, lässt die Lungen beim Lesen ganz automatisch weiten. Dass die Autorin studierte Philosophin ist und Drehbücher verfasst, spürt man mit jedem Satz. So sause ich lächelnd durch die Seiten und am Ende ist einiges anders als erst vermutet.

Wildhof

von Eva Strasser

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Diese miesen Riesen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es war einmal ein Ritter, der suchte einen Riesen und fand sich plötzlich selbst in einer Geschichte wieder. Diesem Buch. Das tatsächlich mehr von den Bildern getragen wird, und dem wunderbaren Schalk. Während unser Ritter den Riesen sucht, haben wir ihn bald schon gefunden und lachen uns ins Fäustchen. Aber was ist das? Will der Riese unseren Ritter etwa fressen? Glücklicherweise kommt ihm das Fräulein zur Hilfe.

Susannah Llloyd und Paddy Donnelly drehen einfach mal das Märchen um, und machen eine Frau zur Retterin. Großflächige farbenfrohe Bilder laden zum Verweilen und Entdecken ein. Auf jeder Seite erwarten einen verspielte und versteckte Elemente - hinreißend, charmant und fantastisch!

Hat man den Riesen erstmal erspäht, ist die Freude gleich doppelt GROSS.

Bilderbuchspaß für alle ab 4 Jahre!

Diese miesen Riesen

von Susannah Lloyd

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Fuchs & Ferkel - Tücken mit Mücken | "Fuchs & Ferkel" Band 3
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Fuchs & Ferkel sind zurück! Auch der 3. Band („Tücken mit Mücken“) dieser Reihe hat mir großen Spaß bereitet. Ich habe erneut schallend gelacht. Ein Kunde meinte zu mir: „Der Autor versteht es, die Fantasie der Kinder perfekt abzulichten.“ Wohl wahr!

Dieses Mal stehen aber keine Süßigkeiten im Vordergrund, sondern lästige Mücken. Unser Ferkel mit dem „geringelten Ringelschwanz“ wird von einer gestochen.

Oh, wie lästig das ist! Vor allem juckt der Mückenstich, die Ferkel-Arme sind zu kurz, um an die Stelle heranzukommen. So eilt unser kleiner Held in den Fuchsbau und reißt seinen Freund vom Kreuzworträtsel weg.

Da fällt dem Fuchs ein, warum Elefanten nicht von Mücken gestochen werden: Wegen ihrer stinkenden Pupse. Ha, das ist also die Lösung und so entwickeln die beiden eine stinkende Paste, die Mücken zwar abschreckt, aber dafür den Rettich-Hai anzieht. Wie? Ihr kennt den Rettich-Hai nicht? Dann wird es aber Zeit, dieses Buch aufzuschlagen...

Allerbeste & herrliche Vorleselektüre für alle ab 5 Jahre!

Fuchs & Ferkel - Tücken mit Mücken | "Fuchs & Ferkel" Band 3

von Bjørn F. Rørvik

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Coast Road
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wie so viele irische Geschichten spielt auch diese in einem kleinen Ort am Meer. Jetzt im Herbst 1994 sind die Menschen in Ardglas aufgeregt: Die Dichterin Colette Crowley ist zurückgekehrt. Wegen einer Liebschaft hatte sie ihren Mann und Kinder zurückgelassen. Ihr Mann verbietet ihr weiterhin den Kontakt zu den Kindern. Die Dichterin bezieht das Cottage von Familie Mullen. Dolores Mullen ist hochschwanger, und ihr Mann ein Lustmolch.

Izzy ist die andere tragende Frauenfigur, und gefangen in einer unglücklichen Ehe. Ihr Mann, ein Lokalpolitiker, will bloß keine Skandale. Die zerbrechliche Izzy, die hin und wieder dunkle Tage hat, trifft während eines Schreibkurses der Dichterin auf diese faszinierende Frau. Als Colette erfährt, dass Izzys Sohn mit ihrem älteren Sohn befreundet ist, entsteht ein Plan...

Was zunächst sehr weich beginnt, entwickelt sich mit jeder Seite zu einem Sog mit beklemmenden Ausmaß. Zeitweise wusste ich gar nicht, wohin mit meinen Gefühlen. Alan Murrin hat sich beeindruckend in seine weibliche Figuren hineingefühlt, ihnen eine authentische Stimme verliehen. Es sind keine Sympathieträgerinnen, aber Kämpferinnen. So widersetzt sich jede auf ihre Art der Ungerechtigkeit und Unterdrückung.

"Coast Road" ist kein Buch zum Liebhaben, aber es entfacht ein inneres Feuer, ist packend geschrieben und birgt jede Menge Gesprächsbedarf. Daher eignet es sich auch bestens für Lesekreise.

Coast Road

von Alan Murrin

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Die Kolonie
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Audrey Magee erzählt auf höchst erfrischende wie poetische Weise die Geschichte einer kleinen Inselgemeinschaft. Alles beginnt mit einem Inselbesucher, dem Londoner Maler Mr. Lloyd. Allein schon die Überfahrt entzückt mich.

Auf der Insel wird er bereits von zwei Frauen erwartet: Bean Uí Néill – Großmutter des Bootsmannes James, der Irisch und Englisch spricht, und auch seine Mutter Mairéad ist zur Stelle. Mr. Lloyd möchte nur schnell ins angemietete Cottage und dann – bitteschön – seine Ruhe haben. Die er dringend braucht, um aus seiner Schaffens- und Ehekrise herauszukommen.

Doch daraus wird leider nichts, schon am nächsten Tag trifft Masson, kurz JP genannt, ein. Ein französischer Linguist, der die irische Sprache erforscht und bewahren möchte. JP will Stimmen um sich haben und ist zu Lloyds Ärgernis sein Nachbar. Als der Maler weiter draußen einen heruntergekommenen Schuppen entdeckt, nistet er sich dort ein. Endlich Ruhe!

Aber nein, James besucht ihn immer wieder. Er ist unglaublich neugierig, fühlt sich von der Kunst des Malers angezogen. Und fängt bald selbst an, den Pinsel zu schwingen. Kann das gut gehen?

Ich bin den vielen Stimmen gefolgt, und erfahre auch den Grund der gewalttätigen Auseinandersetzungen, die Irland lange in Unruhe versetzt haben.Der schwelende Konflikt wirkt selbst in diese scheinbar friedliche Gemeinschaft hinein. Das macht die Autorin auf drastische Art, denn sie setzt jedem neuen Kapitel einen Bericht über grausame Attentate an verschiedenen Menschen voran.

Audrey Magee lässt mit großer Empathie ihr vielschichtiges Figurenensemble über die kleinen Dinge des Lebens laufen, ohne den Blick aufs Große zu vergessen. Einzigartig sind die kleinen poetischen Einschübe, die Versen eines Gedichts sehr nahekommen.

„Die Kolonie“ ist ein Juwel, das lange noch in meinem Herzen funkeln wird. Ein Buch über die Kunst, die Sprache und das, was Menschen eint oder entzweit. Mit einem unglaublichen Finale!

Die Kolonie

von Audrey Magee

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Less Stress In Your 30s
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

+++ Unser Online Shop meldet nicht lieferbar. Stimmt. Aber wir haben das Buch im Laden ausreichend vorrätig. Eine kurze eMail an info@stories-hamburg.de reicht uns und wir reservieren Ihnen gern ein Exemplar. +++

Das Buch kommt für mich zu spät. Eigentlich. Denn ich habe die 30 bereits überschritten. Mit allem, was dazu gehört. Fühle mich aber nicht selten wie 30. So habe ich das Buch mit großem Gewinn gelesen.

Die Hamburgerin ist Expertin im Stressmanagement. Im Oktober und November bietet sie regelmäßig Retreats für alle Altersgruppen an. Zudem schreibt Sue Fengler wöchentlich eine Kolumne „Life at 30“, hat einen eigenen Blog und ist auf Instagram unterwegs. Ihre Fangemeinde ist groß, sie hat fast über 21.000 Follower:innen.

Die 30 ist vor allem für uns Frauen eine entscheidende Zahl. Sue spricht in ihrem Buch über die Rushhour des Lebens. Entscheidungen müssen getroffen werden. Karriere? Mit Kind? Oder ohne? Wo will ich mal hin? Und dann sind da noch die vielen Verpflichtungen und eigenen Ansprüche ans Leben. Obendrein blinkt das Handy die ganze Zeit. Vom übervollen eMail-Postfach ganz zu verschweigen. Wie soll man sich da bitteschön sortieren? Wie ruhig bleiben? Kraft sammeln?

Es kann gelingen. Mit Selbstfürsorge und dem Fokus auf einen selbst. „Less Stress in your 30s“ kann dabei unterstützend wirken. Sue hat das Buch so geschrieben, dass man es eben mal so wegsnacken kann. Man muss es nicht chronologisch lesen. Wichtige Gedanken sind farblich hinterlegt, und jedes Kapitel hat am Ende wirkungsvolle Impulse und Fragen, denen man Raum geben kann und auch sollte.

Die Autorin unterteilt ihr Buch in Themenblöcke:
Mit dem (Zeit-)Druck und all den Erwartungen umgehen.
Wie soll das alles unter einen Hut passen?
Wann wurde es schwierig, die besten Freund:innen zu sehen?
Zeit für dich, wenn du denkst, du hast gar keine?

Offenherzig arbeitet Sue eigene Erfahrungen und Reflexionen mit ein wie die von anderen Frauen. Was das Buch so universell für mich macht, sind Themen, die altersübergreifend sind. So geht es um die eigenen Bedürfnisse, Energie, People Pleasing und die Frage: Was will ich eigentlich wirklich? Was tut mir gut? Was raubt Energie?

So ist „Less Stress in your 30s“ ein nachhaltiger Leitfaden für alle, die der Rushhour des Lebens etwas entgegensetzen wollen. Und löst sein Versprechen ein: Wenn du dir mehr Leichtigkeit und Energie wünschst, lies dieses Buch.

Less Stress In Your 30s

von Sue Fengler

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Ein Hund kam in die Küche
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sepp Mall hat mir mit seinem für den Deutschen Buchpreis 2023 nominierten Buch „Ein Hund kam in die Küche“ vor Augen geführt, weshalb ich die Literaturwelt so liebe. Sie entführt mich nicht nur in fremde Welten, sondern zeigt mir historische Begebenheiten auf, von denen ich nichts oder wenig wusste. Wie die sogenannte „Option“, die der Autor in seinem Buch aufgreift. Die Südtiroler mussten sich während des 2. Weltkrieges entscheiden, ob sie zukünftig der italienischen Seite angehören wollen oder ob sie ins Deutsche Reich auswandern wollen. Genau diese zweite Möglichkeit nutzt Ludis Familie.

Der elfjährige Junge ist die Erzählstimme des Romans. Als die Familie in Innsbruck ankommt, erfährt Ludi, dass sein Bruder in ein Heim muss. Weil es ihm dort besser gehen und er lernen wird, besser zu reden und zu laufen. Hanno ist geistig und körperlich nicht so entwickelt wie es für sein Alter üblich ist.

Bei diesem Teil der Geschichte möchte ich dem Jungen zurufen, dass das nicht stimmt, denn die Menschen in dem Heim haben ihre eigenen Pläne, verfolgen eine Ideologie - die wir alle kennen, doch er kann mich nicht hören. Und muss sich weiter seinem neuen Leben stellen, ohne Hanno. Und auch ohne Vater, der bald voller Stolz in den Krieg zieht. In einem Land, das Ludi an einer Stelle Niemandsland nennt. Denn wirklich an kommt unser Held nie. Er wird zerrissen vor Heimweh und von der Sehnsucht nach seinem geliebten Bruder.

Sepp Mall überzeugt mit seiner bilddichten Sprache, dem Feingespür für seine Hauptfigur. „Ein Hund kam in die Küche“ erzählt von dem Gefühl der Heimatlosigkeit, des Verlorenseins und über eine innige Brüderliebe. Gleichwohl blicke ich in die bewegende Vergangenheit dieser sehr beliebten Urlaubsregion. Da es sich auch um eine junge Hauptfigur handelt, kann das Buch durchaus von Jugendlichen gelesen werden. Diese Lektüre eignet sich bestens als Buchvorstellung für die Schule. Ist es doch ein Buch, über das man sprechen möchte.

Dieser berührende Roman steht wohlverdient auf der Longlist. Wie gut und wichtig ist doch diese Liste, die mitunter hierzulande unbekannte Autorinnen und Autoren mit ihren ganz eigenen literarischen Stimmen in den Fokus rückt, Menschen neugierig macht. In diesem Sinne folgen Sie Ihrer Neugier!

Ein Hund kam in die Küche

von Sepp Mall

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Dalee
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dennis Gastmann ist ein hervorragender Vorleser. Ich habe „Dalee“ wie ein Schwamm förmlich aufgesogen. Auch auf dem Papier ist „Dalee“ eine wahre Lesewonne, ein Abenteuerroman und eine Hommage an die großen wie sensiblen Dickhäuter!

Der Ich-Erzähler dieser Geschichte setzt mit seiner Familie und den Elefanten von Kalkutta auf die Andamaneninseln mit einem Schiff über, um dort bei der Forstwirtschaft aktiv zu werden. Was für eine Reise! Wussten Sie, dass Elefanten auch seekrank werden können? Und ist Ihnen bekannt, dass Elefanten nur zwei Stunden schlafen und dafür ausgiebig gähnen? Gastmann zeigt noch andere bestaunenswerte Eigenarten dieser Tiere auf. Doch nicht nur die Erkenntnisse verwandelt den Roman in ein außergewöhnliches Erlebnis. Hierin steckt viel Liebe, findet sich genauso berührend Schönes - all dies ist sinnlich und voller Hingabe erzählt.

Die Begeisterung für dieses Buch knüpft an meine Faszination für Indien und Elefanten. Doch selbst ohne diese Vorlieben hätte ich die Lektüre ins Herz geschlossen wie seinen jungen Ich-Erzähler Bellini. Dennis Gastmann ist so nah an Bellini und den Elefanten, als wäre er selbst Teil dieser Gemeinschaft gewesen. Vielleicht resultiert dies aus seiner Zeit als Auslandsreporter? Nun, es bleibt sein gut gehütetes Geheimnis.

Dafür ist Gastmanns Buch offen für jede Reisefreudige, jeden Abenteurer, Indienliebhaber und jede Tierfreundin bestens geeignet. Eine Reise, die sich wahrlich lohnt – ob selbst gelesen oder vorgetragen! Die Hörbuchfassungen können Sie übrigens bei uns im Shop bestellen – entweder als Hörbuch oder mp3-Download.

Dalee

von Dennis Gastmann

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Der verschwundene Buchladen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es existieren schon zahlreiche Bücher über Buchhandlungen. Wohl auch deshalb, da sie auf uns eine magische Ausstrahlung ausüben. Nicht ohne Grund arbeite ich ja in einer. Trotz der Fülle empfehle ich „Der verschwundene Buchladen“ von Evie Woods, weil es wirklich großartig ist.

Die Autorin ist Irin. Wenngleich das Cover gar nicht typisch Irisch anmutet und einen leichten kitschigen Charakter verströmt, so kann ich Ihnen mit Gewissheit sagen: Hier steckt mehr drin als sein Aussehen auf dem ersten Blick scheint.

Evie Woods verbindet das Leben von drei Menschen. Opaline flüchtet 1921 vor ihrer Familie, denn ihr Bruder will sie mit einem Mann verheiraten. Es gebe nur zwei Optionen als Frau: Entweder sie heiratet oder sie findet irgendwo ein Anstellung.“ Daraufhin büxt unsere Heldin in einer Nacht- und Nebelaktion mit der Erstausgabe von „David Copperfield“ aus. Mit dem Geld bezahlt sie die Überfahrt nach Frankreich. Über magische Fügungen landet sie in der bekannten Buchhandlung „Shakespeare & Company“ und lernt von Sylvia Beach wichtiges Handwerkzeug, das sie später nutzen wird.

In der Gegenwart flüchtet Martha vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Durch Glück findet sie bei der wohlhabenden Mrs Browden eine Anstellung als Dienstmädchen. Ihre Herrin legt ihr immer Bücher ins Zimmer und Martha, die bislang nicht gelesen hat, fängt an. Und noch etwas ist seltsam: In ihrem Gemach passieren mitunter seltsame Dinge. Eins ist die Begegnung mit einem Mann an ihrem Fenster Henry ist auf der Suche nach einem verschollenen Manuskript und dem Buchladen, den es genau dort bei ihr mal gegeben haben soll. Und noch etwas ist seltsam und nicht von dieser Welt: Immer wieder hat Martha Eingebungen von Texten und lässt sich diese auf dem Rücken tätowieren... Wer oder was ist das?

Ich freue mich jetzt schon, wenn Sie am Ende angekommen sind! Zum einen hatten Sie wohlige Lesestunden. Zum anderen dürften ihre Augen leuchten, denn Evie Woods hat eine unglaubliche Auflösung! Hatte ich schon erwähnt, dass die Bronté Schwestern auch eine tragende Rolle spielen?

Apropos Magie. Können wir davon nie genug bekommen? Vor allem in so seltsamen dunklen Zeiten wie diesen? Eben! Also Buch aufschlagen, und magisch glücklich sein!

Der verschwundene Buchladen

von Evie Woods

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Only Margo
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Du fängst an, ein neues Buch zu lesen, und hast ein wenig Herzklopfen. Der Beginn eines Romans ist wie ein erstes Date. Du denkst: Hoffentlich ziehen die ersten Zeilen mich sofort in ihren Bann, und ich versinke in der Geschichte wie in einem wohligen Bad…“

Mit diesen ersten Worten hatte mich Rufi Thorpe sofort auf ihrer Seite. Die Anziehung blieb, Margo und ich wurden zu Verbündeten. Die 19-Jährige ist die Stimme in „Only Margo“. Die Studentin hat eine Affäre mit ihrem Collegeprofessor. Als sie von ihm schwanger wird, zieht er sich feige zurück. Was soll sie nun machen? Das Kind behalten oder abtreiben? Margo entscheidet sich fürs Leben, ohne sich den Konsequenzen wirklich bewusst zu sein. Wer kümmert sich im Bodhi, während sie arbeitet? Ihre Chefin Tessa hat wenig Geduld und entlässt die junge Frau recht schnell. Und jetzt? Wie soll Margo ihren Lebensunterhalt bestreiten? Als ihr die Plattform OnlyFans begegnet, denkt sie: Warum nicht? Ihre Brüste sind prall und bei den Männern sicher sehr begehrt.

Als Mark – Bodhis Vater - von Margos Einnahmequelle erfährt, gerät Margos Leben buchstäblich ins Wanken. Auch nachdem sie entdeckt hat, dass ihr Vater wieder schwach geworden ist. Margos Vater war ein erfolgreicher Wrestler, er ist bei ihr eingezogen. Jinx unterstützt seine Tochter im Haushalt, mit Ratschlägen, betreut Bodhi, wann immer Margo verhindert ist. Als es gerade gut läuft, macht Margo bei Jinx eines Morgens eine schlimme Entdeckung...

„Only Margo“ ist viel mehr als eine Coming-of-Age-Geschichte. Rufi Thorpe macht deutlich, wie schwierig es ist, als alleinerziehende Frauen Geld zu verdienen. Sie zeigt gleichsam, welche Kräfte in uns Frauen stecken. Margo ist eine Superwoman, ihr Kampfgeist absolut ansteckend.

Das Buch hat Witz, Tempo und genauso berührende wie filmreife Szenen. So überrascht es mich nicht, dass es den Roman als Miniserie mit Nicole Kidman und Michele Pfeiffer geben wird. Einzig die Länge im Mittelteil und das Ende waren für mich to much. Aber hey! das verzeihe ich der Autorin. Denn wer ist schon perfekt?

Only Margo

von Rufi Thorpe

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Bright Young Women
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Auf den letzten Metern dieses lesefreudigen Jahres hat mir der Eichborn-Verlag noch ein Highlight beschert: Das expressiv-bunte Cover von Jessica Knolls „Bright Young Women" hat mich sofort neugierig gemacht. Als ich dann noch sah, dass eine Buchhändler-Kollegin, Jasmin Humburg von Lüders, die Übersetzerin dieses Werkes ist, wusste ich sofort – unbedingt lesen! Hat mich Jasmin doch bereits mit ihrer Übersetzung von R. F. Kuangs „Yellowface" begeistert.

Die Story beginnt mit einem Brief und diesen Zeilen: „Du erinnerst Dich vielleicht nicht an mich, aber ich habe Dich nie vergessen." Pamela hat den Verfasser und die Ereignisse von damals natürlich nicht vergessen. Wie könnte sie?! Als Studentin wurde sie Zeugin eines schrecklichen Verbrechens. In der Nacht zum 15. Januar 1978 bricht ein Mann in ein Verbindungshaus auf dem Campus der Florida State University ein, misshandelt und tötet Studentinnen. Pamela sieht den Mann für Sekunden, glaubt sogar, den Exfreund ihrer ermordeten Freundin zu erkennen. Was ihr später zum Verhängnis wird. Denn Roger war nicht der Täter, sondern ein Serienmörder. Das erfährt sie von Tina Gannon, deren Freundin Ruth vier Jahre zuvor von diesem Mann umgebracht wurde. Und der Schuldige ist noch auf freiem Fuß.

Wow – was für ein Höllentrip! Raffiniert konstruiert, absolut packend und scharfsinnig liest sich dieses Buch über mutige Frauen, die die Wahrheit ans Licht bringen wollen. Wer intelligent gemachte Krimis bevorzugt, sollte sich diesen psychologisch ausgefeilten Thriller auf keinen Fall entgehen lassen. Gelb. Pink. Suspense pur!

Bright Young Women

von Jessica Knoll

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Going Zero
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich warne vor diesem Buch! Sie sollten ein größeres Zeitfenster haben. Denn Sie werden „Going Zero“ in einem Rutsch durchlesen wollen. Anthony McCarten jagt uns durch die Seiten. Der neuseeländische Autor erzählt von einem hochspannenden Gedankenexperiment. Was gar nicht mal so fern von unserer Realität ist. Gerade deshalb hat mich die Lektüre fasziniert und gleichermaßen gefesselt.

In einem letzten Betatest sollen zehn ausgewählte Menschen innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufgefunden werden. Wer den Test besteht, bekommt am Ende drei Millionen Dollar. Nach dem Startschuss haben die Kandidatinnen und Kandidaten zwei Stunden Zeit, abzutauchen. Das Silicon-Valley-Wunderkind Cy Baxter und die CIA haben ein Überwachungsprojekt entwickelt, das sie an diesen Versuchspersonen ausprobieren wollen. Die Bibliothekarin Kaitlyn Day ist eine der Kandidatinnen - eher unauffällig - sie scheint eine leichte Beute zu sein, doch ist sie das wirklich?

Was für ein Pageturner! Er liest sich nicht nur absolut spannend, er piekst uns obendrein, indem uns der Autor den Spiegel vors Gesicht hält. So ist uns allen bekannt, wie die großen Internetplattformen unsere Daten absaugen. Trotzdem entziehen wir sie uns ihnen nicht. Und ist wirklich immer alles zu unserer Sicherheit?

Mich hat Kaitlyn Day beeindruckt. Mit ihrer Cleverness, ihrem Durchhaltevermögen und großem Einfallsreichtum. Auch den anderen Teilnehmer:innen zu folgen, war äußerst interessant und mitunter sehr unterhaltsam wie interessant.

Sollten Sie sich gerade in einem Lesetief befinden oder eine richtig packende unblutige Lektüre suchen, dann greifen Sie zu „Going Zero“. Ein furioses wie temporeiches Buch, das man durchaus auch jüngeren Leser:innen ab 18 Jahren in die Hand drücken kann.

Going Zero

von Anthony McCarten

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Oben Erde, unten Himmel
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sie kennen das sicher: Manche Autorinnen und Autoren begleiten uns wie langjährige Freunde. So ergeht es mir mit Milena Michiko Flašar. Ihr Debüt "Ich nannte ihn Krawatte" hatte mich seinerzeit begeistert. Danach folgte „Herr Kato spielt Familie". Daher war die Freude groß, als mich „Oben Himmel, unten Erde" erreichte.

Obwohl Milena Michiko Flašar halb Österreicherin ist, finde ich in ihren Büchern das literarische Japan: Diese schnörkellose Erzählweise, das Sonderbare, die Eleganz. Das Leichte, das auch Schweres erzählt - mit poetischen Pinselstrichen versehen. Milena Michiko Flašars Stil versprüht zudem eine feine Prise Humor.

In ihrem aktuellen Roman folge ich der Ich-Erzählerin, die am liebsten alleine ist. Die introvertierte Suzu wird Teil einer speziellen Putztruppe, die Wohnungen reinigt, in denen Leichen lange unentdeckt gelegen haben - die sogenannten Kodokushi-Fälle. Suzu fügt sich mit großem Ernst in ihre neue Aufgabe ein und es passiert noch etwas: Sie findet Anschluss, neue Weggefährten. Denn ihr einziger Geselle, ihr Hamster Punsuke, hält sich seit einiger Zeit eher bedeckt. Es ist berührend schön mitzuerleben, wie die junge Frau nach und nach aufblüht, als würde eine Eisschicht in der Frühlingssonne schmelzen.

Die Autorin hat eine besondere Schicksalsgemeinschaft zusammengeführt, die man unweigerlich ins Herz schließt. Gleichwohl erzählt sie über existentielle Themen, die uns Europäer ebenfalls betreffen: Es geht um die Einsamkeit der Dinge und der Menschen, den Tod, den verborgenen Tod (wenn einsame Menschen lange tot in ihrer Wohnung liegen), aber auch um Gemeinschaft und was sie aus eigensinnigen Menschen machen kann.

Ein zurückhaltendes, lebenskluges Buch mit besonderen Zwischentönen, die denen einer Klangschale sehr ähneln.

Oben Erde, unten Himmel

von Milena Michiko Flasar

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Okaye Tage
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sam und Luc sind die Hauptfiguren in dieser mitreißend erzählten Lovestory. Sam ist für einige Wochen in London, dort arbeitet die Stockholmerin in einer Agentur. Auf einer Party trifft Sam auf Luc. Relativ schnell kommen sich beide näher, sehr nah sogar.

Luc ist ein durchtrainierter junger angehender Ingenieur mit einem eigenen feinen Kleidungsstil, der die Welt mit cleveren Instruktionen zu einem besseren Ort machen will. Doch aktuell arbeitet er in einem minimalistischen Klamottenladen. Als nun Sam in sein Leben schwebt, geraten seine Routinen durcheinander. Doch die beiden können nicht anders als beisammen zu sein. Sam: „Mit Luc bin ich so sehr ich selbst, dass es mir vorkommt, als würden wir uns schon ewig kennen...“ Und Luc über seine Liebste: „Trotz ihrer schroffen Art ist sie erstaunlich aufmerksam und tiefgründig.“

Außerdem wissen die beiden, dass ihre Lovestory hat ein Verfallsdatum hat, denn Sam geht nach ihrem Praktikum zurück nach Stockholm. Und danach ist wirklich alles vorbei?

Jenny Mustard hat einen zeitgemäßen Liebesroman von Endzwanzigern geschrieben – jenseits von Kitsch, dafür hat er Tiefgang und ist witzig. Durch die wechselnden Erzählperspektiven schaut man in beide Köpfe und Herzen. Geschickt webt die Autorin nicht nur ihren feinen britischen Humor ein. Raffiniert und lebensnah platziert sie die Themen junger Menschen. Es geht nicht nur um die Liebe und Sex, sondern auch um Selbstverwirklichung, Sehnsüchte und berufliche Ziele.

Selten habe ich so einen umwerfend charmanten Liebesroman gelesen. Extrem cool ist er obendrein auch!

Okaye Tage

von Jenny Mustard

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Und ich -
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Maria-Christina Piwowarski war lange Zeit die Leitung in einem der angesagtesten Buchläden Berlins. Im vergangenen Jahr hat sie sich entschieden, ihre führende Buchhändlerinnen-Tätigkeit aufzugeben, um das zu machen, was ihr noch mehr Freude bereitet: Mit den Schreibenden zusammenzuarbeiten. So moderiert die Berlinerin sehr lange schon zahlreiche Lesungen sowie Online Talks bei Instagram. Im Laufe der Jahre haben sich durch ihre Arbeit als engagierte, herzliche wie mitreißende Literaturvermittlerin viele Verbindungen ergeben. Ein Ergebnis ihrer zahlreichen Kontakte vereint sie nun in Und ich - .

„Ich möchte erfundene Geschichten, Essayartiges und Memoirhaftes, ich möchte Gedichte, Lustiges, und Trauriges, ich möchte die ganze Wildheit der lauten Wendenund stillen Zäsuren in einem Buch", schreibt Maria-Christina Piwowarski in ihrem Vorwort. Diese finden Sie in diesen wunderbaren und reichhaltigen Seiten, keine Geschichte gleicht der vorangegangen. Und doch eint alle eine wichtige Sache: der Wendepunkt.

Gabriele von Arnim. Zsuzsa Bánk, Mareike Fallwickl, Jarka Kubsova, Isabel Bogdan, Marica Bodrozic zählen zu den insgesamt 20 Beitragenden. Ihre Texte sind genauso vielfältig wie die Literatur sich uns täglich präsentiert. Sie berühren, stimmen nachdenklich, lassen einen lächeln und staunen über die Kraft, die uns alle innewohnt wie der Zauber des Anfangs natürlich. Der nicht immer leicht ist, aber machbar, Schritt für Schritt, Zeile um Zeile, Satz für Satz.

Jarka Kubsova öffnet uns die Stelle, über die so lange geschwiegen hat. Zsuzsa Bánk erzählt von der Angst einer Frau, die ihrem gewalttätigen Mann entkommen will. Marica Bodrozic nimmt uns mit in einem Körper, der von einer schweren Krankheit gezeichnet ist.

Sollten Sie gerade vor großen Herausforderungen oder gar einem Wendepunkt stehen, dann gönnen Sie sich diese wundervolle Anthologie! Atmen Sie den Mut der schreibenden Frauen mit allen Sinnen ein! Und dann gehen Sie los. Für Ihr Glück, das Ihnen zusteht. Ich wünsche Ihnen nur das Beste!

Und ich -

von Marica Bodrozic, Mareike Fallwickl, Judith Poznan, Christine Koschmieder, Stefanie Jaksch

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Velvet Winter
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Hast du schon in dieses wunderschöne Kochbuch geschaut?“ fragt mich meine liebe Kollegin Sarah O'Connor. Nein, noch nicht. Ich habe es blind eingekauft, weil der Brandstätter Verlag und Theresa Baumgärtner immer Garanten für einzigartige und besondere Kochbücher sind. Nun aber. Endlich! Und ich bin wieder absolut hingerissen.

Dieses Mal nimmt uns die bekannte Kochbuch-Autorin mit in die verzauberte englische Landschaft. Nach Oxford, Cotswolds – der Inbegriff der englischen Countryside. Mit jeder Seite staune ich mehr – über die stimmungsvollen Bilder, feinen Texte und einfachen Rezepte. Ich habe das Gros tatsächlich in der heimischen Küche vorrätig: Hefe, Dinkelmehl, Weinsteinbackpulver, Schokolade, Butter und Eier. Mehr braucht es nicht, um die Köstlichkeiten herzustellen. Besonders angetan hat es mir der Orange Cake. So einfach, und derart himmlisch lecker!

Das Kochbuch ist das ideale Geschenk für alle Naschkatzen. Enthält es allerhand liebliche Rezepte, zu Shortbread beispielsweise und das in vielerlei Hinsicht - sowie über andere verführerische Backwaren. Die Breakfast Buns haben es mir sehr angetan. Absolut hinreißend und besonders sind die Cookies „Painswick“, zu denen es im Buch Vorlagen gibt. Apropos Basteln. Natürlich widmet sich die Autorin wieder einem Thema. Dieses Mal steht Samt im Vordergrund. Im hinteren Teil hält sie Anleitungen parat - für Schleifen, festliche Rosetten, goldene Tannenbäume, eine Orangen-Girlande, Christbaumkugeln und andere raffinierte wie zauberhafte weihnachtliche Deko-Elemente.

„Velvet Winter“ ist ein wunderschönes und atmosphärisches Kochbuch zum Abtauchen, Wärmen, Träumen und Inspirieren lassen! Selbst Nicht-Naschkatzen kommen auf ihre Kosten: So finden sich hier raffinierte und aromatisch-feine würzige Leckerlies wie der festliche Maronenbraten, Bohnen-Stew mit Wintergemüse. Salmon Wellington und Skrei (Winterkabeljau) mit geröstetem Fenchel.

Velvet Winter

von Theresa Baumgärtner

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Peanut Jones und die Stadt der Bilder
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Peanut Jones und die Stadt der Bilder ist das coolste, schönste und wunderbarste Kinderbuch für 10-Jährige, das ich seit Langem gelesen habe! Einige von Ihnen kennen Rob Biddulph sicherlich. Er ist ein preisgekrönter britischer Illustrator. Dieses Zeichentalent hat er nun in seine Reihe um Peanut Jones einfließen lassen. Was für ein Gewinn!

Denn in dem Buch dreht sich viel um Kunst und Kreativität. Peanut Jones ist die Hauptfigur. Das Mädchen ist traurig, denn ihr geliebter Vater hat seine Familie verlassen. Obendrein ist Peanut von ihrer Kunstschule auf eine naturwissenschaftliche Schule gewechselt. Dort wird der Chemie begeisterte Rockwell Riley ihr Lernpartner.

Eines Abends entdeckt unsere Heldin unter der Kiste, in dem sich die liebevoll gemalten Post-its ihres Vaters verbergen, einen seltsam aussehenden Bleistift. Peanut malt mit ihm eine Blume, die in einer Vase steht. Als die Blume am nächsten Morgen verwelkt ist, fangen nicht nur Peanuts Augen an, zu leuchten.

Sie ahnen es sicherlich schon, und liegen goldrichtig: Dieser Bleistift ist magisch! So sehr, dass er Peanut zusammen mit ihrem Lernpartner und ihrer kleinen Schwester nach Chroma führt. Wie sie dort hingelangen, und welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen, verrate ich natürlich nicht.

Rob Biddulph hat eine packende, hinreißende wie fantastische und humorvoll-erzählte Abenteuergeschichte erschaffen. Es gibt immer wieder neue Wendungen und natürlich allerhand tolle Bilder. Großartig! Absolute Leseempfehlung - auch für erwachsene Kunstfreund:innen, die etwas Wärmendes zwischen den Augen brauchen.

Peanut Jones und die Stadt der Bilder

von Rob Biddulph

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Die Unmöglichkeit des Lebens
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Grace lebt zurückgezogen in den Midlands, und spürt zwei Narben in ihrem Herzen: Die pensionierte Mathematiklehrerin hat ihren Sohn viel zu früh verloren, ihr Mann ist vor vier Jahren gestorben. Und jetzt? Unterzieht sie sich gerade einer Venenoperation, als sie entscheidet, nach Ibiza zu fliegen, um sich das vererbte Haus anzuschauen. Ob das eine gute Idee ist?

Finden Sie es heraus! Und erleben Sie an Graces Seite magische Momente. Nicht alles lässt sich erklären, diese Erfahrung macht unsere selbst unsere rational denkende Ich-Erzählerin. Sie trifft auf besondere Menschen, und will das Rätsel lösen, wie Christina ums Leben gekommen ist, denn da tappt man noch im Dunkeln. Also die Polizei, aber nicht Alberto Ribas – ein Taucher, der Grace auf einen nächtlichen Tauchgang mitnimmt. Plötzlich wird es in der finsteren Nacht taghell. Das kommt nicht nur durch das leuchtende Seegras im Mittelmeer.

Denn „Die Unmöglichkeit des Lebens“ ist Wunderbalsam für die Seele. Man sollte etwas Offenheit für nicht immer ganz erklärbare Dinge mitbringen. Matt Haigs Botschaft hingegen ist klar: Es gibt keine Begrenzungen. Zudem gesellt sich die Gewissheit dazu, dass es nie zu spät ist für einen Neuanfang. Es lohnt sich, offen und neugierig für alles zu sein, so unbehaglich sich vielleicht im ersten Moment manches anfühlen mag. Die Antwort kommt, ganz bestimmt, siehe Grace.

Die Unmöglichkeit des Lebens

von Matt Haig

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Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes
Simone Finkenwirth

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Mitarbeiterin bei stories!

Wer kennt das nicht? Da ist man zu einer Feier eingeladen, möchte gern etwas mitbringen – im besten Falle ein gutes Buch, das einen tollen Eindruck hinterlässt. Aber man weiß nicht welches. Ich hätte da etwas total Unverfängliches, das Ihnen und den Empfängern eine große Tüte Lachsalven bescheren wird. Die erfolgreiche Podcasterin (DRINNIES) Giulia Becker hat mir mit ihrer neuen Textsammlung erheiternde, wie wärmende Stunden beschert. Ich muss jetzt seltsamerweise grinsen, wenn ich auf das Buch schaue.

Was macht sie? Ganz einfach: Sie wedelt mit ihrem raffinierten Wörter-Zauberstab, reflektiert den Wahnsinn des Alltags, fantasiert ein bisschen weiter. Wie gleich eingangs, als sie darüber nachdenkt, wie es wäre, unsterblich zu sein. Wie reich sie damit werden würde, wenn sie jeden Tag nur einen Cent zurücklegen würde. Da wäre man nach hundert Millionen Jahre Millionärin. Auch interessant, finde ich ihre Analyse über Schlafanzug-Träger:innen. Für Zwischendurch gibt’s auch kleine Umfragen, bei denen man sein Kreuz setzen kann. Ebenso herrlich sind die Ruhezonen, die sie in Geschäften sucht. Und – oh Schreck – im Media Markt eingeschlossen wird.

Dieses Buch kommt zur richtigen Zeit! Nicht nur in Hinblick auf Weihnachten. Sie pustet den Schrecken des Weltgeschehens weg. Für mich ist das Buch schon jetzt ein All-Time-Favorite für Zeiten, in denen ich nicht weiß, wie ich da gerade durch den Alltag stolpern soll, und für Menschen, die ich mag, aber noch nicht gut kenne. Danach werden wir mit Sicherheit Freunde.

Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes

von Giulia Becker

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Winterfest
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der Winter ist bei vielen wie die Schwiegermutter: Sehr unbeliebt. Er ist kalt, dunkel, und nicht selten schauen wir in mürrische Gesichter. Doch Rettung naht: Mit diesem wunderschönen wie gehaltvollen Kochbuch.

Rachel de Thample begeistert mich gleich mit einem Versprechen: „Dieses Buch ist eine freundliche Einladung an Sie, sich auf die essenzielle Verlangsamung des Winters einzulassen." Ich und langsam? Nun ja. Aber für gutes Essen halte ich Wirbelwind und nimmersatte Raupe gerne an.

Wie ganzheitlich das Kochbuch konzipiert ist, erfahre ich bereits auf den ersten Seiten. Die Autorin präsentiert Rezepte, Kräuter und Gewürze, die bei nahezu jedem Zipperlein helfen. Da mein Fokus und meine Konzentration in den nächsten Wochen besonders gefordert werden, esse ich nun also vermehrt Brokkoli, Chiasamen, Süßkartoffeln und würze alles mit Muskatnuss, knabbere viele Walnusskerne und genieße Sellerie Tacos mit Kimchi und geräucherte Makrele. Ebenso Weizengras, Kurkuma, Kefir und dunkelgrünes Blattgemüse für eine schöne Haut.

Bevor ich mich das Weihnachtsgeschäft vollends beansprucht, genieße ich mein Tahini-Birnen-Porridge. Für Zwischendurch mixe ich mir einen grünen Smoothie. Mittags genieße ich meine Blumenkohl-Lasagne. Und am Abend empfängt mich mein Mann mit einem Karotten-Miso-Mac. Gut, über Letzteres ist noch zu reden, sagt Herr Klappentexter. (150)

„Wir Menschen machen zwar keinen Winterschlaf, unser Körper sehnt sich jedoch nach mehr Ruhe, wenn die Tage kürzer werden." Auch dafür hält die Autorin raffinierte wie wohltuende Gerichte parat. Dieses Buch ist eine Wohltat auf allen Ebenen und es versöhnt uns mit dem Winter. Wie wichtig und essenziell gute Ernährung sein kann, zeigt uns dieses feine Kochbuch, das obendrein noch mit wunderschönen Bildern Appetit macht.

Winterfest

von Rachel de Thample

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Mein Jahr voller Selfcare
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mindfullness und Selfcare sind schwer in Mode und für viele Menschen aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sei es auch nur der Wunsch, endlich richtig zu atmen oder Dies und Jenes zu zelebrieren.

Klar, ist oft nicht einfach. Haben wir doch selten Zeit, hetzen von einem Termin zum nächsten. Immer die Selbst To-Do-Liste im Nacken. Aber haltet für einen Moment inne! Für mich und dieses wunderschöne Buch!

Gleich zu Beginn eine wohltuende Einleitung: „Umarme die Jahreszeiten, lass dich von Ritualen stärken und schaffe das ganze Jahr über positive spirituelle Gewohnheiten."

Für jeden Monat gibt es Übungen und Impulse, um eine Verbindung zum inneren Ich aufzunehmen oder einfach durchzuatmen und alle Listen dieser Welt mal zum Schweigen zu bringen. Da helfen schon leichte Yoga-Übungen wie die Berghaltung, der Baum, der Krieger und die Göttinnenpose.

Oder ganz simpel Dankbarkeit und Sätze wie „Ich sehe die Wunder in meinem Leben. Ich bin beschenkt."

Dankbarkeit ist so ein wertvolles und kraftvolles Tool, dem wir viel zu wenig Beachtung schenken. Im Buddhismus gibt es zwei wichtige Worte: Danke und Ja.

Keine großen Dinge, nehmt nur das Geschenk an, morgens aufzuwachen. Oder das Lächeln eines fremden Menschen. Und sagt öfter zu euch selbst, wie zu anderen statt „nein" lieber „ja". Hilft Wunder!

Wenn wir hier von kleinen Dingen sprechen, dann auch von der Kraft des Atmens. Wie du atmest entscheidet tatsächlich oft darüber, ob du dich gut oder schlecht fühlst. Und: „Es lebe die Kraft der Imagination!" Es ist bewiesen, dass die Fantasie wie die Wirklichkeit wirken kann.

„Mein Jahr voller Selfcare" ist ein wohltuendes, inspirierendes und erdendes Buch für alle, die gerne mal im Alltag abtauchen und hineintauchen wollen in die Tiefen der Seele, um bei sich anzukommen oder einfach nur Kraft zu schöpfen. Und wer sich um sein eigenes Wohlbefinden kümmert, tut dies automatisch auch bei anderen Menschen.

Mein Jahr voller Selfcare

von Leaping Hare Press

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Blue Skies
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Stellen Sie sich vor, Sie haben Lust auf einen Drink. Doch statt in die Bar gehen Sie in die Zoohandlung nebenan und kaufen sich einen Tigerpython. Würden Sie nie tun? Nun, dann empfehle ich die Lektüre von T. C . Boyles neuem Roman „Blue Skies". Denn darin machen eigentlich ganz normale Menschen ziemlich verrückte Dinge.

Cat ist auf der Suche nach einer Bar, doch auf dem Weg dahin bleibt sie vor einem Schaufenster stehen und wird magisch hineingezogen. Cat stellt sich vor, eine Schlange wie einen Schmuck zu tragen. „Es wäre ein Statement, so viel war sicher." So kauft sich Cat nach einem längeren und ziemlich schrägen Beratungsgespräch diese Schlange, steckt sie in einen Beutel und genehmigt sich danach endlich den Drink, den sie schon längst haben wollte. Da sitzt sie dann mit ihrer Schlange an der Theke. Verrücktes Bild – und es bleibt nicht das einzige in „Blue Skies".

Cats Mutter beispielsweise hat beschlossen, Insekten zu essen. Um ihren Sohn – einem Entomologen – einen Gefallen zu tun und auf diese Weise ihren CO2-Fußabdruck zu minimieren. Also bestellt sich Ottilie einen Grillenbrutautomat, mit dem sie Grillen züchten und selbst Eiweiß selbst herstellen kann. Die Gerichte, die sie ihren Gästen vorsetzt, sind außergewöhnlich, und, nun ja, setzen schon ein gewisses Maß an Unerschrockenheit voraus. Cooper, ihr Sohn, ist als Mann einer Zeckenforscherin vieles gewohnt. Was den beiden bald zum Verhängnis werden wird.

Es geht in Boyles neuem Roman nicht nur um Menschen, Insekten und Schlangen. Der amerikanische Autor nimmt sich den Klimawandel vor und lässt seine Figuren regelrecht in ein Drama größeren Ausmaßes gleiten, in das er innere Konflikte schlangenartig mit einwebt. Dabei spielt der amerikanische Autor Kontraste gekonnt aus. Während Cats Familie in Kalifornien unter andauernder Trockenheit und Hitze leidet, hört es bei Cat in Florida nicht mehr auf zu regnen, schlimmer noch, das Wasser umspült die Pfähle des Hauses, das direkt am Meer steht.

„Blue Skies" ist unterhaltsam, witzig, und auf angenehme Weise verrückt. Gleichwohl berührt mich Boyle, dieser große Menschenkenner, mit seinem feinfühligen Blick auf seine Akteur:innen und einem vielfältigen Figurenkabinett. Unerwartete Wendungen ziehen in seinem düsteren wie fantastischen Roman erhebliche Verwerfungen nach sich. Dabei beweist der Autor erneut, was für ein fabelhafter Chronist unserer Zeit und leidenschaftlicher Erzähler er ist.

Sollten Sie nach der Lektüre von „Blue Skies" Lust auf einen Drink verspüren, sollten Sie sich vergewissern, dass keine Zoohandlung in der Nähe ist. Denn der Spontankauf eines Python ist nicht ausgeschlossen. Oder warum muss ich für mein neues Haustier immer genügend Mäuse bereithalten?

Blue Skies

von T. C. Boyle, Tom Coraghessan Boyle

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Am Tag des Weltuntergangs verschlang der Wolf die Sonne
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Mein Herz tobt noch immer wild durcheinander als wäre es eine Raubkatze, die man in einem viel zu kleinen Käfig eingeschlossen hat. Mich hat dieses Debüt vollkommen mitgerissen und selbst jetzt blinzelt es mir immer noch zu. Sina Scherzant erzählt in ihrem umwerfenden Buch die Geschichte zweier Schwestern, die es wahrlich nicht leicht haben. Ihre Eltern haben sich getrennt, die Mutter ist mit der Ich-Erzählerin und der jüngeren Tochter Nadine nach Dortmund gezogen. Neues Leben, neue Schule und Freundinnen. Katharina kümmert sich liebevoll um ihre Schwester. Wer jetzt kurz an „22 Bahnen“ von Caroline Wahl denkt, dem sage ich: Ja, stimmt, es gibt Parallelen, aber die beiden Bücher stehen für sich allein. Und dieses hier hat mich noch mehr begeistert.

Woran mag das liegen? An Angelica? Sie ist die Mutter von einer von Katharinas neuen Freundinnen, bei der sie oft abhängen. Lica ist so anders als Kathas Mutter, die mit der Erziehung oft überfordert ist. Lica ist dem Mädchen zugewandt. Sie ist die erste Person, die dem 15jährigen Mädchen sagt, dass es nicht für alle verantwortlich ist, auf sich hören sollte und es nicht immer allen recht machen muss. Denn die Erzählerin sieht sich selbst als "Lebenshandwerkerin" und schreitet überall ein, stopft Löcher, bügelt unebene Stellen aus, die der Alltag hinterlässt.

Lica sagt Katha auch, was man als Frau nie vergessen sollte, was wichtig ist. Lica ist eine Sonne, die nicht nur Kathas Innenleben zum Leuchten bringt - auch meins. Doch dann passiert eines Tages etwas, das das Leben unserer Heldin komplett aus der Bahn wirft. Wir verlieren alle das Gleichgewicht, doch Sina Scherzant fängt uns mit ihrer Sprache auf, die derart vibriert und sich wie ein Rettungsschirm um alles spannt. Sie trifft für jede Regung den richtigen Ton. Mal ist er rau, motzig, dann wieder zärtlich, klug, laut, leise, cool. Jodie Albon setzt die Sprache im eingesprochenen Hörbuch perfekt um.

Ein beeindruckendes Debüt über Schwesternschaft, weibliche Selbstermächtigung, Verlust, Trauer, Frausein und das wilde Leben mit seinen vielen Fallstricken. Ein Buch wie ein Faustschlag und eine Umarmung in einem. Das macht es so einzigartig und unvergesslich! Erschienen ist dieses Buch übrigens im neu gegründeten parkxullstein-Verlag.

Am Tag des Weltuntergangs verschlang der Wolf die Sonne

von Sina Scherzant

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Die zerbrechliche Zeit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Obwohl die Frankfurter Buchmesse längst Geschichte ist, lese ich weiterhin Bücher aus dem Gastland. Denn zu sehr begeistere ich mich sowohl für zurückhaltende als auch für ausgezeichnete: So hat Donatella Di Pietrantonio für „Die zerbrechliche Zeit“ den italienischen Buchpreis, den Premio Strega 2024 erhalten. So verdient!

Die Autorin ist hierzulande keine Unbekannte. So hat sie bereits mit ihrem Roman „Arminuta“ begeisterte Lesestimmen eingefangen. In ihrem neuen Werk nimmt sie uns mit in die Abruzzen. Lucia ist die Ich-Erzählerin. Ihre Tochter Amanda ist fluchtartig aus Mailand zurückgekommen, hat dort alles stehen und liegenlassen, und igelt sich jetzt ein, spricht kaum. Gleichzeitig will Amandas Vater seiner Tochter das Land unter dem Wolfszahn schenken. So schnell wie möglich. Warum er es so eilig hat, erfahren wir bald. Amanda indes zögert, ist dieses Fleckchen Erde doch von einem Fluch überschattet. Denn dort auf dem Campingplatz hat sich vor vielen Jahren ein tragisches Ereignis, das auch Amanda nicht direkt, aber doch mit einschließt...

„Die zerbrechliche Zeit“ ist keine Wohlfühl-Lektüre, aber gleichwohl eine anziehende, betörend schöne, ruhig und atmosphärisch erzählte Familiengeschichte. Durch kurze Kapitel schafft die Italienerin eine fesselnde Spannung, der man einfach nicht entkommt. Melancholisch, berührend und kraftvoll sind die Seiten, aus denen ich leuchtend hervorgekommen bin und mich vor der Preisträgerin verneige.

Die zerbrechliche Zeit

von Donatella Di Pietrantonio

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Die Straße in die Stadt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Für gewöhnlich liebe ich Romane und Erzählungen mit Figuren, die mein Herz berühren. Die Erzählerin in Natalia Ginzburgs Debüt Die Straße in die Stadt – das 1942 erschien – erfüllt all das überhaupt nicht. Und trotzdem bleibt mein Herz bei dieser Geschichte hängen, da sie derart eigensinnig, versponnen und in vielerlei Hinsicht besonders ist.

Delia ist 16 Jahre, und sie will aus der Enge des kinderreichen Haushalts. Der Vater ist jähzornig, die Mutter überfordert. Und so flüchtet das Mädchen öfter in die Stadt zu ihrer Schwester Azalea, die scheint es geschafft zu haben. Sie ist mit einem älteren Mann verheiratet, der überhaupt kein Problem mit ihrem Lebensstil hat. Der da lautet: Schlafen, Nichtstun. Das will Delia auch. So nähert sie sich dem Sohn des Doktors an, verliert in einem kurzen Intermezzo nicht nur ihre Unschuld. Sondern das Kindsein. Denn Delia wird schwanger. Was jetzt?

In Nini findet sie eine Art Seelengefährten. Der junge Mann lebt zunächst bei ihnen zu Hause. Doch im Verlauf der Geschichte zieht er aus, arbeitet in der Fabrik und versucht, Delia mit Gesprächen und Verbindungen zu retten. Doch unsere Antiheldin macht alles kaputt. Und ich schüttele nicht selten meinen Kopf. Eigensinniges Ding, eigensinniges Buch und gerade deshalb unvergesslich und einprägsam.

Die Straße in die Stadt

von Natalia Ginzburg

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Die Kichererbsen der Señora Dolores
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wussten Sie, dass es ab Mitte des 19. Jahrhunderts friesische Gemeinden in Kalifornien und später in New York gegeben hat? Ich nicht. Und das als ehemalige Nordseekrabbe. Erfahren habe ich das in Stevan Pauls wundervollen neuen Erzählungsband.

Moment! Stevan Paul ist das nicht der bekannte Kochbuch-Autor? Exakt! Dass durch den Wahl-Hamburger auch eine schriftstellerische Ader fließt, hat er bereits vor einigen Jahren unter Beweis stellen können. „Monsieur, der Hummer und ich“, „Schlaraffenland“ und „Der große Glander“ zählen zu seinen literarischen Werken. Jetzt ist bei seinem literarischen Hamburger mairisch-Verlag „Die Kichererbsen der Senora Dolores“ erschienen.

Er wollte mit seinem Buch den Menschen etwas Gutes tun. Und das gelingt ihm im allerfeinsten Sinne. Jede Geschichte ist besonders, und macht Appetit. Sie sollten die Lektüre also nicht mit leeren Magen lesen – höchstens als Vorspeise genießen.

Der Autor reist mit uns um die Welt, erzählt berührende wie hinreißende Momente von Menschen, denen gutes Essen genauso viel bedeutet wie mir. Da ist eingangs die Titel gebende Erzählung. Dort erwacht eine ältere Senora unter dem Orangenbaum. Sie weiß nicht, wie sie dahin gekommen ist. Aber bei einer Sache ist sie sich so was von sicher: Was Sherry bei einem Eintopf bewirken kann. Oder der einfache Postbote, der sich einen großen Traum erfüllt: nach Japan zu reisen. Ertappt fühle ich mich bei „Herzensangelegenheiten“. Dort steht die Buchhändlerin Neka im Mittelpunkt, die ihren Kund:innen nicht nur Ottolenghi in die Hand drücken will... Ob mich der Autor beobachtet hat?

Das bleibt sein süßes Geheimnis. Offen hingegen ist er mit den Rezepten seiner Geschichten. So findet sich nach jeder Erzählung das passende Rezept. Dieses Buch hat großes Glückspotenzial und löst sein Versprechen ein: Nach jeder Geschichte fühlt man sich herrlich beschwingt und ja, voller Tatendrang, etwas Leckeres zu kochen.

Die Kichererbsen der Señora Dolores

von Stevan Paul

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Mein kleiner Orangenbaum
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sesé ist der Ich-Erzähler. Er ist sechs, eigentlich fünf, aber das verschweigt er lieber. Sesé ist ein kluges, aufgewecktes Kerlchen, das bereits lesen kann. Und ich garantiere: Sie werden ihn sofort ins Herz schließen. Und Sie werden ihm verzeihen, dass er sich hin und wieder Streiche ausheckt, bei denen man die Hände über den Kopf zusammenschlägt und ruft: „Ach Sesé, was machst du nur?“

Diesen Bengel nicht zu lieben, ist schier unmöglich. Als Sesés Familie umziehen muss, weil der Vater lange schon arbeitslos ist, entdeckt unser Held im Garten des neuen Hauses einen kleinen Orangenbaum. Er wird sein neuer Freund, und nennt ihn Knirps und an guten Tagen heißt der Baum Bébé. Die beiden unterhalten sich über große und kleine Themen. Falls Sie jetzt denken, das ist mir aber zu fantastisch, dem sage ich: Nein! Sie brauchen nur ein bisschen Fantasie, und davon hat unser Romanheld allerhand. Die geht automatisch in Sie über.

Sesé durch seinen Alltag zu folgen, ist berührend und absolut erfrischend. Als er eines Tages noch einen neuen Freund findet, der erst sein Feind war, platzen unsere Herzen vor Freude, Dankbarkeit, und Staunen: Kann das sein? Oh ja, und wie!

„Mein kleiner Orangenbaum“ bringt ganz viel Licht in diese triste Jahreszeit. Es lässt uns ganz oft lächeln, wärmt auf bezaubernde Weise und verwandelt den Nieselregen in Sonnenfontänen! Das ideale Geschenk für jeden, dem gerade vielleicht das Lächeln abhanden gekommen ist. Oder einfach für Sie, und Ihre junge Seele, die niemals altert.

Mein kleiner Orangenbaum

von José Mauro de Vasconcelos

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One Second to Love
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich habe zuletzt einige schlechte Liebesromane gelesen. Kristina Moninger hat mich aus dem Tief herausgezogen. Woran liegt es? Wohl an der richtigen Mischung. In ihrer auf vier Bände angelegte Reihe „Breaking Waves“ kreist jeder Band um das Leben einer Freundin: Avery, Isabella, Odina, Lee und Josie. Die sehr unterschiedlichen Mädchen lernen sich bei einem Surfkurs kennen und freunden sich an.

Was die Lektüre obendrein spannend macht ist Josies Verschwinden. Josie war eine berühmte Schauspielerin, die vor zehn Jahren von der Bildfläche verschwunden ist. Sie wurde seitdem nicht gefunden. Nun verdichten sich neue Hinweise, als Avery nach ihrem Abschlusskonzert auf Harbour Bridge bleibt – eine Insel vor der Küste South Carolinas. Avery ist ausgebrannt, will wieder zu sich finden. Aber aus ihrer Auszeit wird nichts. Denn nicht nur die Dämonen der Vergangenheit holen sie ein, auch Jake – ihr Bandkollege, mit dem sie mehr verbindet als reine Freundschaft, sucht ihre Nähe. Mehr als ihr lieb ist. Oder doch?

Ich bin durch die Seiten gesurft, habe die Leichtikeit des Sommers auf meiner Haut gespürt und dieses Prickeln, was man aus guten Liebesromanen zieht. Wie auch bei den Romanen von Emily Henry dreht sich nicht alles um die Liebe, es geht genauso um Freundschaften, das was sie zusammenführt und manchmal auch verletzt. Band 2 („Two Lives to Rise“) ist übrigens jüngst erschienen und bei uns vorrätig.

One Second to Love

von Kristina Moninger

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Brown Girls
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Brown Girls brown Girls brown Girls, die sich aus Kellertüren schleichen und in Autos steigen, die mit laufendem Motor an der Straßenecke auf sie warten.“

Wäre ich nochmal richtig jung, wie gern hätte ich da „Brown Girls“ in meiner Hosentasche. Es ist die Art von Literatur, die ich jungen Heranwachsenden aus tiefstem Herzen wünsche. Einerseits bedient sich Daphne Palasi Andreades eines außergewöhnlichen Sounds. So habe ich die ganze Zeit das Gefühl, einen Rapsong zu hören, derart melodisch lesen sich ihre Sätze. Andererseits schreibt die New Yorkerin über die Themen unserer Gegenwart: Erwachsenwerden, Rassismus, Klassismus, Zusammenhalt, Abenteuerlust, Träume und Freundschaft. Bei allem Übermut, den die Mädels verströmen, sind sie natürlich Menschen mit feinfühligen Sensoren, die schon früh spüren: „Aber unsere Wut siegt nicht über das Gefühl der Erniedrigung und Angst, das wir nie loswerden, egal, wie sehr wir uns bemühen.“

Und das machen sie wirklich. Mit unerschütterlichem Eifer lernen sie zielstrebig, damit sie an den angesagten High Schools New York angenommen werden. Denn sie wollen hinaus - hoch hinaus. Ihnen dabei zu folgen ist eine unglaubliche Freude. Wenngleich sie immer wieder spüren, wo sie herkommen, und dass sie nicht weiß sind. Wie anders es sich anfühlt, wenn alle um sie herum genauso dunkel sind, erfahren sie viele Jahre später als erwachsene Frauen, als sie in die Heimatländer ihrer Familien reisen.

„Brown Girls“ verscheucht den Herbstblues, beschwingt und küsst die junge Seite in mir wach. Dem Zauber und der Power der Brown Girls nicht zu entgehen, ist schier unmöglich.

Brown Girls

von Daphne Palasi Andreades

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Das Comeback
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

pola. fühl ich. aber so was von! Gerade eben habe ich das zweite Buch aus dem neuen Verlag gelesen, bin wieder absolut geflasht und das obwohl ich die Zielgruppe verfehle. Doch mein 30jähriges Ich lebt natürlich immer noch in mir. Es hätte solche Bücher seinerzeit geliebt, und blüht jetzt doppelt auf. Wieder sehen wir: Altersgrenzen gibt es nur auf dem Papier.

Mögen sich die pola-Bücher inhaltlich unterscheiden, verbindet sie doch alle eins: Sie sind unglaublich packend, berührend, lebensnah und hinterlassen Fußabdrücke in meinem Herzen. Klar, sie nehmen viel Raum ein, doch den gebe ich ihnen gern.

Ella Berman schenkt in „Das Comeback“ einer jungen Schauspielerin ihre Stimme. Einen Tag vor ihrem GOLDEN GLOBE-Auftritt kappt Grace Turner alle Verbindungen zur Filmbranche und flüchtet nach Hause. Was ist passiert?

Atemlos folge ich Grace, nähere mich dieser verletzten Seele, die zwischen ihrer Vergangenheit und der Gegenwart changiert. Mal ist sie derart unbedacht, dass ich die Hände über den Kopf zusammenschlage und denke: Wie kannst du nur?! Aber hey, Grace hatte bis jetzt kein Handy und kennt die Tücken der neuen modernen Welt nicht. Ich beobachte aber nicht nur die lebensferne junge Frau, die bisher für alles jemanden hatte, der sich um sie kümmert hat. Ella Berman streut genauso Gedanken ein, die wir alle kennen. So sagt Grace‘ Mann: „Du weißt schon, dass sich jeder so fühlt? Dass es wirklich schwer ist, sich der Liebe anderer würdig zu fühlen, weil wir alle wissen, wie beschissen und egoistisch und verkorkst wir im Inneren sind. Aber wir arbeiten trotzdem dran.“ Strike!

Das Comeback

von Ella Berman

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Hot Mess
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich bin sofort angekommen in diesem vielstimmig erzählten Roman. Und das obwohl ich älter bin als die Figuren. Aber Claires Gedanken sind mir nicht unbekannt, und ganz ehrlich? Es tut so gut, sie aufzulesen!

Lexi ist die andere Protagonistin. Sie betreibt mit ihrer besten und temperamentvollen Freundin Amanda einen erfolgreichen Podcast. Gemeinsam mit ihrem Freund, der gleichzeitig als Manager für ihr Unternehmen fungiert, sucht sie jetzt eine Wohnung. Sind natürlich alle viel zu teuer in Dublin. Doch ein großer Werbedeal naht. Dann passiert etwas, was Lexis Leben vollkommen auf den Kopf stellt.

Joanne ist die Dritte im Bunde: Sie wird ungeplant Mutter. Das ändert nicht nur die Beziehung mit ihrem langjährigen Freund. Auch sie selbst und ihr Umfeld durchlaufen eine Metamorphose. Ihre Freundinnen wollen so weitermachen wie bisher: Party, Alkohol und feiern.

Die irische Autorin verbindet die drei Leben derart fließend miteinander, erzählt über Freundschaften, Beziehungen, Lebensentwürfe und Gedanken-Dämonen. Noch etwas eint die Frauen: Scheinbar sichere Beziehungen bekommen Risse und stellen sie vor großen Herausforderungen. Absolut packend, sehr berührend und nah am Leben!

„Hot Mess“ passt daher wie angegossen zum neuen pola-Verlag, der genau das will: Themen von jungen Leserinnen ab Ende 20 eine Stimme geben, die mehr von ihren Büchern erwarten als nur Glitzer.

Hot Mess

von Sophie White

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Rein in die Fluten!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

»Rein in die Fluten!« von David Prudhomme und Pascal Rabaté nimmt mich mit ans Meer. So authentisch, dass man nach der Lektüre das Gefühl hat, gerade dort gewesen zu sein. Der Geruch von Sonnenmilch umkreist mich genauso wie das Geschrei der Möwen und der vielen sonnenhungrigen Menschen. Immer noch kichere ich in mich hinein – dank des heiteren, erfrischenden Ausflugs zwischen zwei Buchdeckeln.

So beobachte ich fremde Menschen und ihre vertrauten Eigenarten. Wie Ameisen flitzen sie über die Bildfläche. Nur dass sie keine Ameisen sind, sondern den Homo sapiens in vielerlei Formen und Gesten zeigen. Da ist der dickbäuchige Herr, der mit seinem überdrehten Hund Zorro spazieren geht. Seine Arme sind rot und man sieht genau, wo das T-Shirt anfing und aufhörte. Als er einen anderen Mann trifft, der ihm in seinem Körperumfang ähnelt, strafft er plötzlich die Schultern, zieht seine Wampe ein, stolziert wie ein aufgeplusterter Hahn davon. Zorro macht es ihm nach, wird aber gleich von einer jungen Frau im Wasser abgelenkt. Prompt tauchen Garnelensammler auf. Und die wiederum… So fließen die Geschichten dem heranrauschenden Meer ähnelnd in einem fort, spülen mich von einer Sequenz zur nächsten.

Sie wechseln in Sekundenschnelle und gehen wie Zahnräder ineinander über. Oft ist es ein Mensch, der zum anderen führt und den Staffelstab für eine weitere, kleine Geschichte übergibt. Dieser Übergang ist ein äußerst raffiniertes Element, das die beiden Macher perfekt und mit einer spielerischen Leichtigkeit einsetzen. Genauso entzücken die kleinen Details, die sich in den Illustrationen wiederfinden und über die ich häufig lachen muss. Bild ist nicht gleich Bild. Jedes Bild ist viel mehr ein Abenteuerspielplatz, an dem ich länger hängenbleibe, weil mir stets winzige, großartige Nebensächlichkeiten auffallen.

Ja, hier steckt vielerlei Situationskomik drin, fantastisch pointiert, mit kräftigen Farben und klaren Formen versehen. Einerseits tauchen überraschende Momente auf, andererseits fühlt man sich ertappt, weil man dieses oder jenes genau so schon mal erlebt oder beobachtet hat. Während ich den Rentnern in ihren mitgebrachten Stühlen, den krebsroten Sonnenanbetern und den anderen Strandgästen zuschaue, verstummt der Regen vorm heimischen Wohnzimmerfenster von ganz allein. So kann es mir schnurzpiepegal sein, wenn der Sommer mal auf Herbstmodus wechselt. Wenn’s mir zu kalt wird, krabbele ich eben wieder ins Buch. In diesem Sinne – rein ins sommerliche Vergnügen!

Rein in die Fluten!

von David Prudhomme, Pascal Rabaté

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Der unendliche Wald
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich gebe offen zu: Ich habe ein großes Herz für Füchse und Wölfe. Daher hatte mich der unabhängige kunstanstifter Verlag sofort, als ich diese wundervolle Neuerscheinung entdeckt habe. Das Cover allein ist eine wahre Augenfreude. Doch einmal aufgeschlagen, geht die Freude weiter.

Julia Schlosser erzählt vom Fuchs, der eines Nachts früher aufwacht. Der Wald weckt ihn mit seinem Geruch und irgendwas ist anders als sonst. So macht sich der Fuchs auf den Weg durch den Wald. Und ich folge ihm. Diese Reise ist eine ganz besondere, sinnliche und bezaubernde. Als der Fuchs später auf Spuren von Wölfen stößt, ist bei mir – Sie ahnen es sicher – die Entzückung groß!

Was genau ist „Der unendliche Wald“ nun eigentlich? Ein Kinderbuch? Vielleicht. Aber ich denke mehr an die großen Kinder. Die sich immer noch gern in illustrierte Bücher verlieben. Was Sie hier nicht riechen und in Gänze genießen können, ist das Papier, sind die großen, einnehmenden verspielten und kunstvollen Bilder. Also kommen Sie am besten zu uns in den Laden und bestaunen dieses Kunstwerk von Buch! Übrigens ist es auch ein tolles Geschenkbuch, daher finden Sie das Buch bei "Zeitlos und schön".

Der unendliche Wald

von Julia Schlosser

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Die Rache der Bücher
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Das Buch wirkt äußerlich eher unscheinbar, aber man sollte sich ja bekanntermaßen nie vom Äußeren beeinflussen lassen. Das trifft auf Menschen genauso zu wie auf Bücher. Der schottische Comiczeichner Tom Gauld hat mich bereits zu Beginn des Jahres mit dem hinreißenden Bilderbuch Der kleine Holzroboter und die Baumstumpfprinzessin nachhaltig beeindruckt, erschienen im Moritz Verlag.

„Die Rache der Bücher“ vereint verschiedene Strips, die Tom Gauld für die englische Zeitung „Guardian“ illustriert hat. Einmal aufgeschlagen, konnte ich nicht aufhören, darin zu blättern. Schallend gelacht habe ich über die verschiedenen Strips, die sich Schreibenden wie Lesenden mit einem Augenzwinkern zuwenden. Wir erkennen uns da alle wieder.

Ich mag den klugen Witz und die Verrücktheit, die uns alle miteinander verbindet. So gesehen ist „Die Rache der Bücher“ eine Hommage an uns Bücherwürmer. Und das ideale Geschenk für alle buchaffinen Menschen.

Die Rache der Bücher

von Tom Gauld

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Emmie Arbel
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

+++ Unser Shop zeigt eine längere Lieferzeit an, aber wir haben das Buch vorrätig! +++

Welche Farbe hat für Sie die Erinnerung? Blau? Orange? Tiefrot? Bei Emmie Arbel ist sie schwarz. Die Comiczeichnerin Barbara Yelin hat uns diese Antwort mitgebracht. Sie hat der Holocaust-Überlebenden noch mehr Fragen gestellt und ihr Leben in einer berührenden und sehr eindrucksvollen Graphic Novel „Emmie Arbel – Die Farbe der Erinnerung“ porträtiert.

Drei Jahre haben die beiden Frauen an dem Buch zusammen gearbeitet. Obgleich es für Barbara Yelin noch nicht fertig ist, wie sie im Nachwort schreibt, muss es zu Ende gebracht werden, für beide. Denn dieses Projekt war ein Akt der Anstrengung. Genau das spüre ich. Und noch etwas: Die Kraft einer Heldin, die versucht hat, zu überleben und mit den vielen Narben weiterzuatmen. Und eine aufmerksame Zuhörerin, die all das mit ihrem Zeichenstift einfängt.

Emmie ist viereinhalb, als sie mit ihren Brüdern und ihrer Mutter ins KZ deportiert wird. Ihr älterer Bruder trennt man von Emmie, ihrem Bruder Rudi und der Mutter. Die drei kamen später nach Ravensbrück. Der Vater wurde vorher bereits abgeholt, wann genau, daran erinnert sich Emmie nicht mehr.

Das Buch hat viele bewegende Szenen, ich denke an die, als das nackte Mädchen versucht, dem Abrasieren der Haare zu entkommen, wird eingefangen und brutal geschlagen. Emmie erlebt hautnah mit, wie ihre Mutter entkräftet stirbt, weil diese das Essen ihren Kindern gegeben hat. Aber Emmie und ihre Brüder haben überlebt. Sie kamen danach zu einer Pflegefamilie. Das Mädchen erkrankte an Tuberkulose und wurde von ihrem Pflegevater sexuell missbraucht.

Wie hält ein Mensch all das aus? Durch Schweigen und Verdrängen, das zeigt sich in den Erzählungen, die Barbara Yelin behutsam eingefangen hat. Doch irgendwann hat sich Emmie ihrer Vergangenheit gestellt, sich therapeutische Hilfe gesucht und später Vorträge gehalten, denn sie sagt: „So lange noch welche von uns leben – jedes Jahr ein bisschen weniger – müssen wir das tun. Denn es wird Geschichte sein in einigen Jahren. Es ist schwer. Aber ich tu's.“

Und sie hat sich Barbara Yelin geöffnet. Das Buch geht sehr nah, sehr dunkel ist der Farbton, den die Chronistin gewählt hat. Manche Bilder sind verschwommen, andere wiederum klar, dass man jede Regung in Emmies Gesicht sieht und mitfühlt. Hin und wieder leuchtet es in der ergreifenden Geschichte, nicht zuletzt durch die Überlebenskünstlerin, die trotz allem die Strahlkraft einer Sonnenblume hat.

Barbara Yelin ist mir bereits seit „Irmina“ als besondere Chronistin von herausragenden Menschen vertraut. Ihr Stil ist unverkennbar und doch stets eine neue Entdeckung. Dieses Mal hat sie sich mit in die Szenerie gezeichnet und damit noch mehr Nähe erzeugt.

Welche Farbe die Erinnerung für mich hat? Orange, aber jetzt mit einem dicken schwarzen Strich.

Emmie Arbel

von Barbara Yelin, Emmie Arbel

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Honigkuchen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ein neuer Murakami kommt! Notieren Sie sich bitte den 12. Januar 2024. An dem Freitag im neuen Jahr wird der japanische Erfolgsautor 75 Jahre alt, und genau dann erscheint „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“. Wir freuen uns schon sehr darauf!

Bis dahin können Sie sich – wie wir - die Wartezeit mit dieser feinen wie bibliophilen und von Kat Menschik illustrierten Ausgabe versüßen. Und ganz ehrlich? Ich weiß nicht, was schöner ist. Die Geschichte oder die Bilder. So wie Ursula Gräfe die deutsche Stimme des Japaners ist, so ist Kat Menschik die Tapete von Murakamis Fantasie.

„Honigkuchen“ beginnt wie ein Märchen. Darin geht es um einen Bären, der eines Tages so viel Honig findet, dass er ihn nicht allein aufschlemmen kann. Was macht er also? Genau, er geht in die Stadt und verkauft ihn. Er hat einen Eimer und füllt ihn dort hinein. Moment? Das funktioniert? Das fragt auch die kleine Sara. Das Mädchen ist die Zuhörerin dieser Geschichte, die ihr Junpei mitten in der Nacht erzählt. Das Mädchen wacht seit letzter Zeit öfter auf, weil der Erdbebenmann versucht, Sara in einen Kasten zu stecken. Das träumt Sara und wacht voller Angst auf. Ihre Mutter Sayoko berichtet ihrem guten Freund – dem Märchenerzähler – von diesen immer wiederkehrenden Schrecken. Ihm gelingt es, das Mädchen zur Ruhe zu bringen. Wohl auch, weil er ein Meister des Erzählens ist. Er selbst ist Autor und schreibt Erzählungen – und er liebt Sayoko, sehr lange schon, nur hatte er nie den Mut oder wollte es sich nie ganz eingestehen... und er wollte das Band nicht zerschneiden, das Sayoko und Takatsuki verbindet.

Die drei haben sich an der Uni kennengelernt, sind erst befreundet, bis Sayoko und Takatsuki zusammenkommen. Das stürzt Junpei in eine Krise, aber er sagt es den beiden nicht. Als nun die Ehe zwischen den Liebenden auseinandergeht, scheint die Möglichkeit für Junpei da zu sein, und was macht er? Öffnen Sie das Buch, darin finden Sie die Antwort.

„Honigkuchen“ ist eine zarte Hymne auf die Freundschaft, und die Liebe – nicht nur die zwischen Menschen, sondern die für einen Autor. Immer noch liegt das schmale Bändchen neben mir und stets schaue ich hinein. Lese die Sätze auf und träume mich in die Bilder hinein, spüre den Glanz zwischen den Augen, die Kat Menschik und Haruki Murakami in mir hervorrufen.

Honigkuchen

von Haruki Murakami

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Das Haus verlassen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Erst kürzlich hatte ich erwähnt, dass Haruki Murakami fremde Menschen verbindet. Heute habe ich ein Paradebeispiel dafür: „Das Haus verlassen“ von Kat Menschik und Jacqueline Kornmüller würde es ohne den japanischen Autor überhaupt nicht geben. Jacqueline Kornmüller ist Wiener Regisseurin. Sie fragte Kat Menschik, ob sie einen Teil ihrer Bilder aus dem illustrierten Band „Die unheimliche Bibliothek“ von Haruki Murakami für das Theaterstück verwenden dürfe, denn sie plane eine Inszenierung dieser Geschichte. Und wenn ich Ihnen jetzt noch verrate, dass ich nach der Lektüre von „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ „Die unheimliche Bibliothek“ erneut zur Hand genommen habe, staunen wir doch alle gemeinsam über die Magie der Bücher.

„Das Haus verlassen“ ist eine hinreißend, humorvolle Geschichte über eine Frau, die sich von ihrem Haus trennen möchte. Es gibt verschiedene Interessenten, die zur Besichtigung kommen: Und sie alle haben herrliche wie ungewöhnliche Namen: wie die Hausbesitzerfamilie, der Blutdiamantenhändler, die Stillen, die Desinteressierten, Familie Salz... um nur einige zu nennen. Zu allen Besuchern regt sich übrigens auch das Haus selbst, und dieses ist sehr ehrlich und feinfühlig. Wir merken bald schnell, das ist gar nicht mal so einfach, einen Nachfolger zu finden.

Kat Menschik hat diesem bunten Treiben mit ihrem eigenen verwunschenen Pinselstrich die perfekten Bilder geschenkt. Sollten Sie also in diesen Tagen aus meinen Augen dieses Leuchten und Blitzen sehen, dann seien Sie gewiss: Es kommt aus diesem kleinen feinen wunderbaren Buch. Das sich herzallerliebst als Geschenk eignet, ob für einen selbst, weil man gerade etwas Erhellendes braucht, oder für jemanden, dem man eine besondere Freude bereiten möchte.

Das Haus verlassen

von Kat Menschik, Jacqueline Kornmüller

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Allzumenschliches
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Die Trennung ihres Freundes hat Catherine Meurisse das Leben gerettet. Das war der Grund, weshalb die Zeichnerin am 7. Januar 2015 zu spät dran war, und somit dem Attentat bei Charlie Hebdo entkommen ist. Mit gerade mal 25 Jahren war sie die jüngste Illustratorin bei dem Pariser Satire Magazin.

Seit ihrem Debüt „Die Leichtigkeit“, in dem sie die Folgen des Attentats verarbeitet hat, verfolge ich die Illustratorin mit Bewunderung. Daher habe ich mit großer Freude ihr neues Buch „Allzumenschliches“ aufgeschlagen, und war natürlich erneut begeistert.

Darin finde ich Meurisses einzigartigen Pinselstrich, der stets mit ihrem unvergleichlichen Humor versehen ist. In diesem Buch begegnet sie den verschiedenen Philosophen, und nimmt sie mitunter auf die Schippe. So heult sie mit Thomes Hobbes zusammen mit den Wölfen. Oder erlebt die Geburtswehen - als Frau Cioran. Großartig, wie sie Aristoteles in die moderne Welt überträgt: „Bleiben Sie yourself, hashtaggen Sie Ihr Ich from scratch.“ Genauso erfreut mich ihr Interview mit Sokrates. Wie erhellend es sein kann, wenn eine moderne Frau den großen Denkern entgegentritt, zeigt Meurisse auf allerschönste und höchst erfrischende Weise. Wir begegnen aber auch weibliche Denkerinnen wie Simone de Beauvoir und Hannah Arendt.

Witzig, klug und natürlich erhellend ist diese Graphic Novel - nicht nur für Fans der Philosophie! Sondern für alle, die mal eine Auszeit vom Ernst des Lebens nehmen wollen, und sich nach Leichtigkeit sehnen.

Allzumenschliches

von Catherine Meurisse

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Der verwunschene Fels
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Am 7. Dezember 2023 jährte sich der Geburtstag von Willa Cather zum 150. Mal. Genau der richtige Anlass, um diese nach wie vor unterschätzte Autorin zu würdigen. "Die Andere Bibliothek" hat zu diesem Jubiläum einen wundervollen, auch haptisch feinen Band mit ihren Meistererzählungen veröffentlicht. Zusätzlich veredelt mit einem kenntnisreichen Nachwort der Übersetzerin Agnes Krup.

Was macht Willa Cather heute noch lesenswert? Nun, sie erzählt eigentlich von ganz gewöhnlichen Menschen, nähert sich ihrem Leben jedoch mit dem allergrößten Einfühlungsvermögen und bleibt ihren Figuren gegenüber stets sehr empathisch. Und sie erzählt klug wie präzise. Cather unterscheidet nie zwischen Mann und Frau, bleibt immer neutral.

In der ersten und titelgebenden Erzählung „Der verwunschene Fels“ denke ich zunächst an eine Frau und bin dann verwundert, dass mir ein Mann die Geschichte erzählt. Oder täusche ich mich? In jedem Fall sind die Gefühle echt, die die Erzählungen in mir hervorrufen. Erschrocken, berührt und erstaunt lese ich mich durch die Seiten. Sie erzählen von Aufbruch, Veränderungen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Von innerer Aufruhr und Verwunderung. Cathers Stimme ist eindringlich und bisweilen bezaubernd.

Willa Cather hat oft aus der Sicht von Männern geschrieben. Dabei war sie Frauen zugeneigt. Louise Pound war ihre erste große Liebe, und es existiert von den beiden ein herzensschönes Bild. Dann lebte sie fast vierzig Jahre mit der Redakteurin und Werbetexterin Edith Lewis zusammen. Wenngleich sie nie offen über ihre Homosexualität sprach, hat Cather diese in ihren Geschichten oft eingeflochten. Nachzulesen im ausführlichen Nachwort von Agnes Krup. Für mich bereichert die Übersetzerin, die selbst Romane schreibt, das Bild von Willa Cather um viele feine Nuancen.

Es lohnt sich also, das vielfältige Werk von Willa Cather zu entdecken, das so viel auslöst, wenn man es liest. Diesmal sage ich wirklich: Eine Entdeckung fürs Leben.

Der verwunschene Fels

von Willa Cather

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Die weite Wildnis
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Lauren Groff zählt zu den großartigsten Autorinnen unserer Gegenwart. So war das neue Werk der Autorin für mich ein Must-Read. Und wieder hat mich Lauren Groff begeistert. Schon nach den ersten Sätzen hat sie mich mit ihrer Sprache regelrecht umgarnt. Sie ist das helle Kontrastmittel zur düsteren Geschichte, die sie uns erzählt.

Wir sind auf der Flucht, das Mädchen und ich. Es ist kalt, wir sind hungrig und spüren die Angst wie eine Bärentatze auf unseren Schultern. Als wir nach vielen Tagen tatsächlich einen Bär entdecken, sind wir derart fasziniert, dass dem Mädchen ein Gedanke aus dem Kopf purzelt, den ich auffange: „Wenn sie gefressen würde, ginge irgendetwas von ihr selbst in den Körper der Bärenmutter über und flösse durch die Milch in die Körper ihrer Jungen, und die Jungen würden zu großen Bären heranwachsen und eines Tages selbst Junge bekommen, und irgendein kleiner Teil dessen, was sie gewesen war, würde irgendwo im Blut, im Fleisch und im Fett von ihnen weiterleben.“ Ist das irre? Das ist nur ein Ausschnitt aus weiteren Gedanken und unglaublichen Szenen, die das Buch für uns bereit hält.

Das Mädchen kommt ursprünglich aus England, bevor es mit ihrer Herrin, deren Familie und anderen Menschen Anfang des 17. Jahrhunderts nach Amerika übergesiedelt ist. Doch das Leben wird geprägt von einem brutalen Patriarchat und großer Hungersnot, dieser entflieht sie. Mit nur wenigen Dingen an sich pirscht sie durch die Natur, versucht zu überleben. Erlebt Hunger, Kälte, wird krank, flieht weiter mit Schmerzen und Fieber und ich folge ihr atemlos. Bin beeindruckt von der Furchtlosigkeit und dem Durchhaltevermögen, ein Rücken, der sich nicht brechen lässt. Der Einfallsreichtum, um an Nahrung zu kommen, ist schier grenzenlos. Wo nimmt dieses 17jährige Mädchen nur all die Kraft her?

Während des Lesens denke ich an „Matrix“ - dem letzten Roman der Autorin - und wünsche mir, unsere Romanheldin würde in dem Kloster Unterschlupf finden.

„Die weite Wildnis“ ist erschütternd und schön zugleich. Die Lektüre schickt mich an die Grenzen, und man sollte schon in der richtigen Stimmung sein, wenn man das Buch aufschlägt. Trotz aller Düsternis schimmert es für mich aus dem Meer der Neuerscheinungen hervor. Ein Buch, über das ich sprechen möchte und das sich perfekt für einen Lesekreis eignet. Wenn Sie es dort lesen, lassen Sie es mich bitte unbedingt wissen.

Die weite Wildnis

von Lauren Groff

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Truboy
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wenn sich jemand mit Truman Capotes Leben und Werk auskennt, dann die studierte Verhaltensbiologin und Journalistin Anuschka Roshani, schließlich hat sie beim Kein & Aber Verlag sein Gesamtwerk herausgegeben. Wir kennen uns nicht persönlich, und doch habe ich bereits nach den ersten Seiten das Gefühl, eine Schwester im Geiste gefunden zu haben.

Legendär die große Suche nach dem verschollenen Manuskript „Erhörte Gebete“. Und sie führt die Autorin nach Amerika. Dort spricht sie mit Vertrauten und Weggefährt:innen, nur noch eine Handvoll sind am Leben. So wird diese Reise für alle Beteiligten unvergesslich – für Roshani selbst, aber auch für uns Leser. Nie war mir Truman Capote derart nah wie in Roshanis mitreißend erzählten und brillant recherchierten Buch. Sie trifft sich mit Kate Harrington, der Tochter von Capotes Lebensgefährten, die über ihn sagt.

„Er war der reizendste, lustigste Mann, den ich jemals getroffen habe! Wenn er seinen Charme anknipste, lagen ihm alle zwischen acht und achtzig Jahren zu Füßen.“


Wer jemals den kongenialen Film „Capote“ mit dem ebenfalls genialen Philip Seymour Hoffman gesehen hat, weiß, wovon ich spreche.

Wir begegnen weiteren Truman-Kennern: einem bekannten Lektor, seinem letzten Interviewer, seinem besten Freund, seinem Tanzpartner. Die Gespräche entzücken mich genauso wie der witzige und kluge Schreibstil der Autorin. Truman Capote hätte diese Schreibe mit Sicherheit gefallen.

„Truboy“ ist ein biographisches Roadmovie, die Annäherung an einen großen Namen und eine Liebeserklärung an einen unsterblichen Autor. Obendrein offenbart die Lektüre einen Reigen an wunderschönen Zitaten, Anekdoten, tiefen wie menschlichen Einblicken, die mich in ein Wechselbad aus Herzklopfen, Leichtigkeit, Rührung und Melancholie tauchen.

Auch Capotes Suchtaffinität, seine Depressionen und das Trauma eines verlassenen Kindes finden hier Raum. So hat ihn seine Mutter sehr früh bekommen und zu seiner Großmutter gegeben. Dort lernte er auch Sook kennen. Die Frau kümmerte sich liebevoll um den verloren Jungen, der als „altes Kind auf die Welt“ kam. Der kleine frühreife Junge mit der hohen Stimme. Bis zu seinem Tod hat er Sooks handgenähtes Lebkuchenmännchen aus Filz und eine gehäkelte Patchwork-Babydecke aufbewahrt. Keine Reise hat er ohne diese Decke unternommen. Wird Ihnen warm ums Herz?

Meins ist nach diesem Buch noch mehr von diesem faszinierenden Autor eingenommen.

Truboy

von Anuschka Roshani

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Die Geburtstagsbande. Jeder Tag ist Feiertag!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der vierte Band der Geburtstagsbande ist erschienen! Auch wenn wir alle gerade erst im Herbst angekommen, macht es überhaupt nichts, dass „Jeder Tag ist ein Feiertag“ um die Weihnachtszeit spielt.

Dieses Mal steht die Bande vor mehreren Herausforderungen. Einerseits sollen die Schüler dieses langweilige Weihnachtskrippenspiel einstudieren, die Klassenweihnachtsfeier organisieren und dann ist da noch ihr Mitschüler Nikki. Der bei vielen Ausflügen selten dabei ist, seltsame Hosen trägt und bald Geburtstag hat. Als die Bande Nikkis Geschichte näher kennenlernen, ist klar:
Sie helfen Nikki und organisieren eine tolle Geburtstagsparty!

Claudia Schaumann und ihre Illustratorin Simona Ceccarelli haben wieder ein wunderbares, erfrischendes wie zutiefst berührend schönes und hinreißend-charmantes Kinderbuch kreiert! Ein Buch, das gute Laune macht, aber auch Themen wie Kindesarmut behutsam behandelt.

Die Geburtstagsbande. Jeder Tag ist Feiertag!

von Claudia Schaumann

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Gewässer im Ziplock
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Dana Vowinckel hat mich mit ihrem erstaunlichen Debüt „Gewässer im Ziplock“ in Atem gehalten und bis zur letzten Seite begeistert.

Mit ihrer 15jährigen Hauptfigur Margarita habe ich den Sommer des Lebens erlebt. Zunächst ist das Mädchen bei ihren Großeltern in Chicago. Doch Margarita fühlt sich dort nicht wohl. Das spürt auch ihr Vater in Berlin, mit dem sie im engen Kontakt steht. Als ihre Mutter einen Fellowship an der Hebrew University in Israel erhält, entsteht die Idee, das Mädchen dorthin zu schicken. Erst weigert sie sich und schließlich fliegt sie doch zu ihrer Mutter, die sie und ihren Vater vor dreizehn Jahren verlassen hat. Wird das gut gehen?

Was für eine aufwühlende und mitreißend erzählte Geschichte! Dana Vowinckel eröffnet ein weites Panaroma jüdischer Menschen in der Gegenwart. Da ist Margaritas Vater Avi, der als Kanton arbeitet und in frühen Jahren nach Deutschland kam, um dem Wehrdienst zu entkommen. Oder Margaritas Großeltern, die nach Amerika ausgewandert sind. Die junge Frau bewegt sich zwischen verschiedenen Welten, sucht sich selbst, verzweifelt oft. Ähnlich wechselhaft verhält sich die Autorin, denn sie tauscht die Erzähl-Perspektiven.

Werden sich Mutter und Tochter annähern? Es kommt zu einem furiosen Finale. So ist mein Kopf immer noch zerzaust, aber ich bin glücklich und beeindruckt davon, was diese junge Autorin erzählerisch umgesetzt hat.

Übrigens bin ich nicht die einzige überzeugte Leserin. Auch Julia Franck und Daniela Dröscher waren nach der Lektüre ebenfalls beeindruckt.

Gewässer im Ziplock

von Dana Vowinckel

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Wellengang
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Als sich der graue Herbsthimmel in meiner Seele spiegelt, greife ich zu „Wellengang“ von Anne Griffin. Das Buch hatte ich mich für genau solche Momente aufgehoben. Als ich sah, dass Anne Griffin von der grünen Insel kommt, weitete sich meine irische Seele und wurde wärmend umarmt. Ja, es funkt sofort zwischen uns und ich lese das Buch an einem Tag durch.

Rosie steht vorm Scherbenhaufen ihres Lebens. Die Ehe mit Hugh zerbröselt zunehmend, da Rosie den Schmerz über den Verlust ihrer Tochter bis heute nicht überwunden hat. Immer noch lebt die Hoffnung in ihrem Herzen, dass Saoirse doch wieder auftaucht. Ihre damalige 17jährigen Tochter ist verschwunden und wurde bislang nicht gefunden. Als nun Rosies Vater sie darum bittet, für eine Zeit lang erneut als Skipperin das Steuer der Familienfähre zu übernehmen, sagt sie schließlich zu. Und reist auf die Insel ihrer Kindheit. Dort trifft sie auf alte bekannte Menschen und sie findet in Iggy einen neuen Freund, mit dem sie morgens immer schwimmen geht und seinen hochwertigen Kaffee genießt. Doch es gibt auch alte Fehden, die aufflammen, wie die zwischen Rosie und Liam. Als dann Rosie erfahren muss, dass die familiäre Fähre in Gefahr schwebt, wird es für uns alle extrem aufregend, die Flut setzt ein und wir versuchen in den Wellen zu schwimmen, und nicht unterzugehen.

„Wellengang“ lebt von Rosie und den Menschen um sie herum, aber auch von der Kraft des Meeres und der Natur, in die ich komplett versinke. Plötzlich bricht der Himmel in meiner Seele auf, die Sonne geht in mir auf. Bald schon lächeln wir und strecken dem grauen Herbsthimmel über uns die Zunge raus.

"Wellengang" ist ein berührendes Buch über großen Schmerz, aber auch darüber, mit ihm zu gehen und mit ihm Frieden zu schließen. Tröstlich, lebensklug und hoffnungsvoll!

Wir haben jetzt übrigens das englische Original vorrätig.

Wellengang

von Anne Griffin

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Feel to Heal
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Es ist ein großes Versprechen, das Chris Gust uns Lesern unterbreitet. Relativ schnell zeigt sich jedoch: Die Frau kennt sich aus mit den Irrungen und Wirrungen der menschlichen Gefühlswelt. Sie selbst hat lange unter Angst- und Panikattacken gelitten, und ist heute als Coach tätig. Auf ihrem Reichweiten starken Instagram-Account „let.s.talk.mental“ teilt sie regelmäßig Gedanken zu Gefühlen, Hochsensibilität, und setzt Impulse. Zudem ist Gust als Vorsitzende des ehrenamtlichen Telefondienst „Mutruf – einander Halt geben e.V.“ aktiv.

Was zeichnet nun dieses Buch aus? Einerseits nimmt uns die Autorin auch dorthin, wo es lange Zeit für sie schmerzlich und dunkel war. Offenherzig, mitreißend und mit einer wohltuenden Dosis Menschlichkeit schreibt sie über ihre Angstphasen. Andererseits gibt sie uns Werkzeuge an die Hand, mit denen wir arbeiten und versuchen können, den Knäuel an festgefahrenen blockierenden Verhaltensweisen und negativen Emotionen zu betrachten. Und perspektivisch einen besseren Umgang mit ihnen zu konditionieren.

Das wiederum setzt zuallererst eine ehrliche Bestandsaufnahme voraus. Chris Gust stellt Fragen, die ans Eingemachte gehen, und für die man sich Zeit nehmen und ein Notizbuch an die Seite legen sollte – wie übrigens für die komplette Lektüre. So dienen reflektierende Fragen zu Tages- und Wochenrückschauen, um am Ball zu bleiben.

Wenn Sie einfach nur ein Buch zum Lesen suchen, liegen Sie hier nur halb richtig. Denn wir alle wissen ja, eine wirkliche Veränderung kann nur durch kontinuierliche Verbesserungsprozesse einsetzen. Insofern verärgert mich der Bestseller, der mit seinen Essays ein neues Leben verspricht.

„Feel to Heal“ schaut dorthin, wo es weh tut, nimmt uns aber gleichsam liebevoll an die Hand und zeigt: Wandlung ist möglich. Nicht im Großen, sondern Schritt für Schritt. Statt die Lippen zusammenzukneifen, einfach mal lächeln oder sich aufrecht hinstellen, und sich fragen: Welche Werte sind mir wichtig? Lebe ich nach ihnen? Haben Sie sich schon mal zugehört? Sprechen Sie gut zu sich? Oder ist ihr Monk die ganze Zeit am Motzen?

Ja, dann sollten Sie tatsächlich in dieses Buch schauen. Zu finden ist es auf unserer Eingangspyramide. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gern an mich.

Feel to Heal

von Chris Gust

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Bis in alle Endlichkeit
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Der mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnete Krimi „Fünf Winter“ hat mich schier begeistert. Insofern war das neue Werk von James Kestrel ein must-read für mich. Und was soll ich sagen? Der Autor hat mich erneut stark beeindruckt!

„Bis in alle Endlichkeit“ beginnt damit, dass der Privatdetektiv Lee Crowe eines Morgens zufällig die Leiche einer jungen Frau findet. Sie liegt vor einem Hochhaus auf einem Rolls-Royce. Er fotografiert die noch warme Frau und verkauft daraufhin seine Aufnahmen an die Presse. Für die Polizei steht schnell fest: Die Tote hat Selbstmord begangen. Doch ihre Mutter Olivia Gravesend glaubt nicht an diese Vision und wendet sich an Jim Gardner. Der Strafverteidiger kennt einen der besten Ermittler und kontaktiert Lee Crowe, der eben noch mit einem anderen Fall seines Kollegen zugange ist. Dennoch nimmt Crowe den Auftrag an, nutzt seine alten Verbindungen zur Justiz und Forensik und weiß recht schnell: Claire Gravesend ist keines natürlichen Todes gestorben. Was Lee im Zuge seiner Ermittlung aufdeckt, ist unglaublich! Man ahnt es nicht, und ist dann gleich doppelt fassungslos.

Würde Raymond Chandler noch leben, dann würde er sich nach diesem Buch die Hände reiben. Denn dieser Noir reiht sich in die hohe Krimikunst. So verwundert es mich nicht, dass der Hochkaräter in der aktuellen Krimibestenliste zu finden ist. Ein raffinierter, kluger und absolut packender wie plausibler Pageturner, den man nicht mehr weglegen kann und der wieder einmal zeigt, was gute Krimi-Literatur bewirken kann. „Bis in alle Endlichkeit“ ist übrigens zugänglicher als „Fünf Winter“ und eine große Leseempfehlung an alle, die wie ich ein Herz für besondere Detektive haben.

Bis in alle Endlichkeit

von James Kestrel

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Brown Girls
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Brown Girls brown Girls brown Girls, die sich aus Kellertüren schleichen und in Autos steigen, die mit laufendem Motor an der Straßenecke auf sie warten.“

Wäre ich nochmal richtig jung, wie gern hätte ich da „Brown Girls“ in meiner Hosentasche. Es ist die Art von Literatur, die ich jungen Heranwachsenden aus tiefstem Herzen wünsche. Einerseits bedient sich Daphne Palasi Andreades eines außergewöhnlichen Sounds. So habe ich die ganze Zeit das Gefühl, einen Rapsong zu hören, derart melodisch lesen sich ihre Sätze. Andererseits schreibt die New Yorkerin über die Themen unserer Gegenwart: Erwachsenwerden, Rassismus, Klassismus, Zusammenhalt, Abenteuerlust, Träume und Freundschaft. Bei allem Übermut, den die Mädels verströmen, sind sie natürlich Menschen mit feinfühligen Sensoren, die schon früh spüren: „Aber unsere Wut siegt nicht über das Gefühl der Erniedrigung und Angst, das wir nie loswerden, egal, wie sehr wir uns bemühen.“

Und das machen sie wirklich. Mit unerschütterlichem Eifer lernen sie zielstrebig, damit sie an den angesagten High Schools New York angenommen werden. Denn sie wollen hinaus - hoch hinaus. Ihnen dabei zu folgen ist eine unglaubliche Freude. Wenngleich sie immer wieder spüren, wo sie herkommen, und dass sie nicht weiß sind. Wie anders es sich anfühlt, wenn alle um sie herum genauso dunkel sind, erfahren sie viele Jahre später als erwachsene Frauen, als sie in die Heimatländer ihrer Familien reisen.

„Brown Girls“ verscheucht den Herbstblues, beschwingt und küsst die junge Seite in mir wach. Dem Zauber und der Power der Brown Girls nicht zu entgehen, ist schier unmöglich.

Brown Girls

von Daphne Palasi Andreades

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Feel-Good Productivity
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Ich bewundere meinen Mann. Kontinuierlich absolviert er seine Sportübungen. An guten wie an schlechten Tagen. Ich hingegen lasse sie öfter ausfallen. Entweder habe ich keine Lust. (Außerdem war ich doch gestern erst Joggen!) Oder mein Handy blinkt, Insta ruft. Ist doch eh viel cooler als schnöde Dehnungsübungen auf der Yogamatte.

Wieso mein Mann durchhält? „Ich will meinem Körper etwas Gutes tun.“ Ha, da ist es! Das klassische Warum, von dem alle Coachs dieser Welt sprechen. Ali Abdaal serviert mir diesen Baustein ebenfalls aus der Durchhalte-DNA. Und dieses Mal schnappe ich zu.

In der Fülle von Ratgebern gibt es allerhand Werke, die schnell verpuffen. Sie sind nicht nachhaltig genug. „Feel Good Productivity“ ragt nicht nur farblich hervor, es kann tatsächlich was, viel sogar. Dass der Autor studierter Arzt und Psychologe ist, kommt dem Werk obendrein positiv zugute. So enthält es die Essenz seiner Online Beiträge, die Ali Abdaal hier wie bei YouTube teilt.

Ali Abdaal geht allen Zeit- wie Energie raubenden Themen auf den Grund und liefert uns leicht umsetzbare Tools, mit denen wir genügsam gegen steuern können, ohne ins Schwitzen zu geraten, sondern erleichtert lächeln.

Einer meiner Lieblinge ist dieser: Einfach Loslegen. Ich habe keine Lust, die Bücher wegzuräumen? 5 Minuten Platz schaffen, geht immer. Zudem erklärt er, wie wichtig richtige Pausen sind, egal, wie stürmisch es gerade ist. „Im Leben geht es nicht darum, rund um die Uhr konzentriert zu bleiben. Es geht darum Raum für kleine Momente des Glücks und der Freude zu schaffen.“ Diese Einsicht hat er übrigens von dem großartigen Thich Nhat Hanh aufgelesen und verinnerlicht.

Das Buch richtet sich an alle, die sich zu oft ausgelaugt fühlen, es allen immer Recht machen wollen, und Dinge im Leben verändern wollen, aber im Alltagsstress zurückfallen. Für Berufseinsteiger:innen, Student:innen und Führungskräfte. Eigentlich für alle! Ich finde ja, dieses Buch sollte in jedem Unternehmen vorrätig sein!

Feel-Good Productivity

von Ali Abdaal

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Vom Ende der Nacht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Wollen Sie mal wieder eine richtig schöne Liebesgeschichte lesen? Dann greifen Sie zu diesem Buch! Nicht nur Chris Whitaker und Carley Fortune hat diese Geschichte mitten ins Herz getroffen - mich ebenfalls.

Rosie und Will lernen sich bei einem Lagerfeuer kennen. Will ist sofort von diesem Mädchen verzaubert. Als er später ihrem Gesang lauscht, ist er Rosies Sound sofort erlegen. Und dann beginnt die Liebesgeschichte, die es verdammt schwer hat, sich zu entfalten. Nicht nur, weil die beiden grundverschieden sind. Immer kommt ihnen das Leben dazwischen. Und gerade deshalb liest sie sich derart anziehend.

Ich begleite die beiden ein halbes Leben lang – als Jugendliche bis in ihre 40er Jahre hinein. Claire Daverley hat ihren eigenen Sound, eine berührende Atmosphäre, die mich vollends einnimmt. Ebenso bemerkenswert ist ihre starke Figurenzeichnung.

Claire Daverley bewegt sich aber nicht nur im Kreis der Liebe, sie schreibt zugleich von den Erwartungen ans Leben - den eigenen und von anderen auferlegten.

Eine wundervolle, schmerzlich-schöne und hoffnungsvolle Geschichte mit süßen, aber auch bitteren Noten – die die Autorin perfekt ausbalanciert.

"Vom Ende der Nacht" empfehle ich auch den jungen BookTok-Leser:innen.

Vom Ende der Nacht

von Claire Daverley

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Mon Chéri und unsere demolierten Seelen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wenn wir die Tage mehr über österreichische Literatur sprechen, dann darf Verena Roßbacher natürlich nicht fehlen. Die Autorin wurde mit ihrem Roman „Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“ im vergangenen Jahr den Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. Das überrascht mich keineswegs. Enthält ihr Werk allerlei Zutaten, die aus dem Lesen ein unvergleichlich und eindrucksvolles Erlebnis formen.

Diese mitreißende Frische, der elegante Spagat zwischen dem Ernst des Lebens und dem rettenden Schalk, diesem zu begegnen. Obendrein ist da der große Einfallsreichtum in Sprache und Szenen. Man läuft – nein, falsch, man tanzt - regelrecht durch die Lektüre, spürt den Gegenwind des Schicksals im Gesicht und gleichzeitig lache ich Tränen, weil die Autorin urkomische Dinge vor uns ausbreitet. Dieses Buch macht so viel Spaß, obwohl es durchaus von düsteren Begebenheiten erzählt.

Aber aus Charlys Mund klingen sie nie ganz so finster. Die Ich-Erzählerin hat Humor – wohl eher Galgenhumor, denn ihr Leben sieht nicht gerade rosig aus: Sie hat keine Freunde, ist Dauersingle, hat ein kaputtes Fahrrad, das sie stets an ihrer Seite hat wie einen Hund. Die 43-Jährige arbeitet als Marketingfrau bei einer Berliner veganen Foodcompany, ernährt sich von deren Müsliriegeln. Und dann hat sie noch Herrn Schabowski an ihrer Seite.

Zunächst nur als Dienstleister, später entwickelt er sich zu einem treuen Weggefährten. Charly leidet an Postphobie, sie kann Briefe nicht allein öffnen. Das erledigt Herr Schabowski für sie. Als Charly nun von ihrer esoterischen Schwester eine Familienaufstellung geschenkt bekommt, gerät Charlys Leben und das von Herrn Schabowski aus dem Gleichgewicht...

Am Ende schlägt man dieses großartige Buch staunend, juchzend zu und hat wieder einmal mehr den Beweis, dass unsere europäischen Nachbarn verdammt gute Literatur verfassen.

Mon Chéri und unsere demolierten Seelen

von Verena Roßbacher

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Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

„Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut“ ist nicht nur eine spannende Geschichte, sondern auch ein wichtiges Buch. So behandeln die beiden Autoren den Kapitalismus – sie durchleuchten jeden Winkel und erklären den jungen Leser:innen, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Wer wirklich davon profitiert und wer das Nachsehen hat.

Das Autorenduo hat die Handlung lange Zeit vor uns angesiedelt. Rosa und Karl leben mit ihren Eltern ein bescheidenes, aber gutes Leben. Bis eines Tages ihre Insel Feudalia mit der Capitalia fusioniert. Fortan darf keiner mehr kostenlos Holz aus dem Wald aufsammeln. Man muss dafür bezahlen. Die Eltern werden von den Höfen in die Stadt vertrieben, weil es dort in neuen Fabriken Arbeit gibt, mit der sie nun alles bezahlen müssen. Doch in den Städten gibt es keine neue Wohnungen, und so müssen sie sich ihre mit anderen teilen.

Rosa und Karls Eltern arbeiten für einen Hungerlohn. Warum werden andere immer reicher? Wie kann das sein? Der alte Fischer Karl erklärt: „Die Unternehmen stehen im Wettbewerb zueinander, eigentlich so wie auf dem Marktplatz beim Reifenschlagen. Wer möglichst viel Geld aus seinen Arbeitern herauspressen kann, der gewinnt. Wer weniger Arbeit aus ihnen zieht, verliert.“

Können Rosa und Karl ihre Eltern mit dem mutigen und klugen Fischer Karl retten? Und was hat es mit dem Traum auf sich, den Karl eingangs hatte?

Ich gebe zu, dieses Buch hat mich wirklich beeindruckt und überrascht. Ich hatte zunächst eine fantastische Abenteuergeschichte erwartet, und am Ende gab es diese lehrreiche Lektüre, die obendrein von Mut und Zusammenhalt berichtet. Besser kann man den jungen Leser:innen den Kapitalismus nicht erklären. Doch die Geschichte hat einige düstere Elemente, das möchte ich nicht verschweigen. Denn wenn Ungerechtigkeit und Ausbeutung zusammentreffen, bleibt wenig Raum für Sonnenschein. Daher eignet sich das Buch auch bestens als Schullektüre. Eine Geschichte, über die man sprechen muss und sicherlich möchte.

Ab 10 Jahre.

Die kleinen Holzdiebe und das Rätsel des Juggernaut

von Ole Nymoen, Wolfgang M. Schmitt

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Der längste Schlaf
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Schlaflose Nächte? Kennen viele von uns. Und damit verbunden dieses unhagliche Gefühl, wenn alles schläft, aber man selbst allein in der Stille der Nacht hockt. Auch die Ich-Erzählerin in Melanie Raabes neuen Roman kennt das zu gut. Interessanterweise ist die junge Frau Schlafforscherin. Doch die Schlaflosigkeit hat bei Mara eine andere Ursache.

Eines Tages erreicht Mara in London die Nachricht, dass sie ein altes Herrenhaus in Deutschland geerbt hat. Von einem ihr bis dahin fremden Mann. Klingt seltsam. Ist es auch. Und doch begibt sich die Wahl-Londonerin auf den Weg in diesen kleinen Ort. Als sie in Limmerfeldt ankommt, ist sie sofort hingerissen von diesem besonderen Haus. Weniger bezaubernd ist hingegen die erste Nacht, so passieren seltsame Dinge...

Melanie Raabe vereint ihr Talent, das sie als Krimiautorin bekanntgemacht hat, mit dem des Romanerzählens auf allerbeste Art.
„Der längste Schlaf“ ist eine spannende Lektüre mit übersinnlichen Einschlag, die man erst aus der Hand legen kann, wenn der ganze Spuk vorbei ist. Matt Haig und Murakami-Leser:innen sollten jetzt bitte hellhörig werden.

Der längste Schlaf

von Melanie Raabe

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Feechen Meier - So ein Durcheinander!
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Eines Abend bekommt Simon ganz besonderen Besuch! Feechen Meier purzelt von draußen in sein Zimmer. Auweia, das ist bestimmt die Aufräumfee, von der seine Mutter immer gesprochen hat. Simon sieht jetzt erst das Chaos in seinem Zimmer, und natürlich die Fee, die ganz winzig ist wie ein angespitzter Bleistift. Die Fee entdeckt die müffelnden Socken, die aus Simons Kleiderhaufen herausragen. Irgendwo muss es doch einen freien Platz für Feechen Meier geben. Die übrigens in einer anderen Mission unterwegs ist.

Was für ein witziges und feenhaftes Bilderbuch! Für alle Aufräummuffel ab 4 und solche, die verzauberte Geschichten lieben.

Feechen Meier - So ein Durcheinander!

von Anke Girod

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Das seltsame blaue Ding
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Plötzlich liegt es da! Dieses seltsame blaue Ding. Der Dachs ist der 1. Waldbewohner, der es entdeckt. Er findet darin so komische schwarze Muster. Bemerkenswert, das gehört in seine Sammlung. Als es bei Familie Dachs nun Nachwuchs gibt, muss das Ding weichen und er stellt es nach draußen in einen Karton, aus dem sich die anderen Waldbewohner bedienen können, und dann erlebt das seltsame blaue Ding eine kleine wundersame Reise – bis es zu seinem Besitzer zurückfindet.

Wir wissen natürlich, was das blaue Ding ist. Und doch ist es einfach nur zauberhaft den Waldtieren zu folgen. Judith Loske hat eine fantastische Geschichte geschaffen, die uns auch mit ihren verspielten und niedlichen Bildern schmunzeln lässt. Für alle ab 4 und für alle Buchliebhaber:innen!

Das seltsame blaue Ding

von Judith Loske

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Hot Mess
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich bin sofort angekommen in diesem vielstimmig erzählten Roman. Und das obwohl ich älter bin als die Figuren. Aber Claires Gedanken sind mir nicht unbekannt, und ganz ehrlich? Es tut so gut, sie aufzulesen!

Lexi ist die andere Protagonistin. Sie betreibt mit ihrer besten und temperamentvollen Freundin Amanda einen erfolgreichen Podcast. Gemeinsam mit ihrem Freund, der gleichzeitig als Manager für ihr Unternehmen fungiert, sucht sie jetzt eine Wohnung. Sind natürlich alle viel zu teuer in Dublin. Doch ein großer Werbedeal naht. Dann passiert etwas, was Lexis Leben vollkommen auf den Kopf stellt.

Joanne ist die Dritte im Bunde: Sie wird ungeplant Mutter. Das ändert nicht nur die Beziehung mit ihrem langjährigen Freund. Auch sie selbst und ihr Umfeld durchlaufen eine Metamorphose. Ihre Freundinnen wollen so weitermachen wie bisher: Party, Alkohol und feiern.

Die irische Autorin verbindet die drei Leben derart fließend miteinander, erzählt über Freundschaften, Beziehungen, Lebensentwürfe und Gedanken-Dämonen. Noch etwas eint die Frauen: Scheinbar sichere Beziehungen bekommen Risse und stellen sie vor großen Herausforderungen. Absolut packend, sehr berührend und nah am Leben!

„Hot Mess“ passt daher wie angegossen zum neuen pola-Verlag, der genau das will: Themen von jungen Leserinnen ab Ende 20 eine Stimme geben, die mehr von ihren Büchern erwarten als nur Glitzer.

Hot Mess

von Sophie White

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Herr Kafka und die verlorene Puppe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich dachte, ich wüsste schon fast alles über Franz Kafka. Aber diese bezaubernde Geschichte ist mir neu. Larissa Theule erzählt in dem wunderschönen von Rebecca Green illustrierten Bilderbuch eine kleine Begebenheit aus dem Leben des großen Autors.

Als Kafka im Herbst 1923 mit seiner Liebsten Dora Diamant durch einen Berliner Park spaziert, treffen die beiden ein weinendes Mädchen. Es erzählt, das seine geliebte Puppe verloren gegangen sei. Die empfindsame Seele Kafkas nimmt sich diesem Mädchen auf besondere Weise an. So sagt er, dass die Puppe nur verreist, und er der Postbote sei. Am nächsten Tag bringt er ihr einen Brief.

Es bleibt nicht nur bei einem. Die Puppe schreibt spannende Geschichte berichtet, wo sie überall gewesen ist: in England bei Peter Hase, in Barcelona trifft sie den Künstler Gaudí. Und dann soll es noch in die Antarktis gehen, von wo aus Supsi ihrer Irma nicht mehr schreiben wird. Das ist gewissermaßen ihr Abschiedsbrief.

„Herr Kafka und die verlorene Puppe“ ist daher nicht nur ein Bilderbuch für alle ab 5. Auch für die großen Kafka Bewunder:innen. Es gibt noch ein Nachwort der Autorin über die wahre Geschichte und ein paar Informationen zum Autor. Ich bin mir übrigens sehr sicher, dass Herr Kafka die Illustrationen sehr gemocht hätte wie die liebevoll erzählte Geschichte.

Herr Kafka und die verlorene Puppe

von Larissa Theule

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Wir hätten uns alles gesagt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Bei Judith Hermann ist es ein Satz. Der alles ins Rollen bringt. Den Beginn einer Erzählung oder Geschichte formt. Bei mir ist es ein Bild, das vor mir erscheint. Taucht es nicht auf, dann lasse ich es bleiben, kann nicht über das Buch schreiben. Das passiert mir selbst bei Büchern, die mich begeistern. Anfangs war ich irritiert, suchte nach Erklärungen. Mittlerweile akzeptiere ich diese Leerstellen. Wir müssen nicht ständig alles hinterfragen. Es ist, was es ist, das wusste schon Erich Fried. Und ich weiß: Der nächste Wortstrom wird kommen - so wie andere Bücher in mein Leben treten werden.

Jetzt sitze ich mit Judith Hermann in dem kleinen Haus am Meer, beobachte ihre Wahlfamilie, wie sie zusammenkommt. Sie ahnt dabei allerdings nicht, dass wir lange schon verbunden sind.

Ich erinnere mich noch sehr gut an „Sommerhaus, später“, und das obwohl über 21 Jahre vergangen sind. Ihr Debüt hat mich geprägt und lange noch beschäftigt. Wie sehr ich dieses Buch vermisse, wird mir erst jetzt bei der Lektüre von „Wir hätten uns alles gesagt“ richtig bewusst. Verrückt, aber auch magisch-schön.

In ihrem neuen Buch begegne ich der Autorin auf einer anderen Ebene: Sie öffnet ihre inneren Fenster. Neugierig folge ich ihren Beobachtungen, Gefühlen, Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend. Sie lässt mich an in ihrem Leben als Mutter, Tochter, Freundin und Schreibende teilhaben.

Es hat sicherlich viel Mut und Vertrauen erfordert, sich uns offenherzig zu zeigen. So gesehen ist dieses Buch ein Geschenk an ihre langjährigen Leser:innen.

„Wir hätten uns alles gesagt“ ist eine zutiefst menschliche wie literarisch schöne Lektüre über Freundschaft, Familie, Beziehungen, das Leben und natürlich über das Schreiben.

Wir hätten uns alles gesagt

von Judith Hermann

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Hemingways Kind
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

Sarah O'Connor und ich teilen viele gemeinsame Bücher so auch dieses erstaunliche Debüt, über das man bisher nicht allzu viel gelesen oder gehört hat. Und das obwohl es eindrucksvoll ist und in unseren Leserinnenherzen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Russell Franklins Sprache ist unglaublich atmosphärisch, und so sitzen wir gleich im Jahre 1940 neben Patrick und Gregory in Kuba an einem Fluss. Die Brüder verschnaufen, rauchen die gestohlenen Silk Cuts ihrer Mutter und trinken eine Coke dazu. Zwei Jungs, die sich mögen und gegenseitig necken. Allerdings wird diese Innigkeit im Laufe der Jahre nicht nur einmal auf eine harte Probe gestellt.

Denn so federleicht wie der Einstieg hinüberweht, bleibt es nicht. Russell Franklin schickt uns mitunter durch einen finsteren Wald aus großen Bäumen, vor dem wir oft innehalten müssen. Einer dieser Äste im Lebensbaum von Gregory zeigt sich in Form seiner manisch-depressiven Seite, die ihn sein Leben lang begleitet und schlimme Folgen haben wird. Die andere ist die, wenn er den dringenden Wunsch verspürt, sich als Frau zu kleiden. Gleich eingangs gibt es eine beglückenden wie bewegende Szene, als der junge Gregory Martha Gellhorns Kleider anzieht und von seinem Vater ertappt wird. Ausgerechnet Hemingways Lieblingssohn. Greg war anders als sein Bruder mit allen Talenten ausgestattet.

Was für ein facettenreiches Werk, in dem es eine unsichtbare Balance gibt, die das Schwere immer wieder auffängt. Das Krokodil hat sein hungriges Maul weit aufgesperrt, doch es erwischt uns nicht. Noch etwas schafft der englische Autor: Er bewegt sich galant zwischen verschiedenen Zeitebenen und Orten. Mal sind wir auf Kuba, dann in New York oder Montana, plötzlich in Key West oder gar in Tansania. Alles fließt, mal haben wir 1938, dann sind wir auf einmal im Jahr 1985.

Besonders zeitgemäß ist natürlich der Aspekt, wie sich anfühlt, im falschen Körper zu stecken. Dazu noch der ewige Drahtseilakt eines manisch-depressiven Menschen, der stets versucht, auf viel zu dünnem Eis zu laufen und dies oft nur mit Rauschmitteln aushält. Obwohl sich in den vergangenen Jahren viel getan hat, ist die Diskriminierung von Menschen, die aus der sogenannten Norm fallen, weiterhin sichtbar und spürbar.

So gesehen hat uns Russell Franklin nicht nur eine bewegende Biografie aus Hemingways Kosmos geschenkt. Er legt ein Augenmerk auf all die Menschen, die täglich kämpfen. Um ihr Dasein, als das, was sie sind. Oder mit den dunklen Dämonen, die sie einschränken. Und er hat Gloria Hemingway ein Denkmal gesetzt. Greg nannte sich am Ende Gloria und starb mit 69 Jahren in einem Frauengefängnis eines natürlichen Todes. Möge sie mit ihrer Familie im Himmel Frieden geschlossen haben.

Dieses Buch eignet sich auch für junge Leser:innen ab 18 Jahre. Möge es noch viele erreichen und genauso begeistern wie uns. Die englische F assung ( The Broken Places ) haben wir auch bei den englischen Büchern vorrätig.

Hemingways Kind

von Russell Franklin

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