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Alle Empfehlungen von Frank Menden

Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

ist der ungeschlagene Vielleser im stories! Team. Seit einiger Zeit bereichert er die Welt des Bookstergram mit seinen Empfehlungen auf Instagram und war damit auch für den Buchblog Award 2018 nominiert. Außerdem kann man ihn dann und wann in der "Lesart" auf Deutschlandradio Kultur hören, wo er Geheimtipps und das Neueste vom Neuesten empfiehlt.
Zudem war er in der Jury für die Wahl des Deutschen Buchpreises 2022!

So, in etwa, ist es geschehen
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

Ein Mann und eine Frau fahren an einem heißen Tag im Mai von Berlin nach Timmendorfer Strand.
Am Ende des Tages wird der Mann tot sein. Ermordet von seiner Beifahrerin.

Die Frau, das ist die afrodeutsche Amita Haller. Sie möchte ihre Mutter zum Gedenktag des Untergangs der Cap Arcona treffen, welchen Amitas Großvater damals überlebte.
Der Mann ist ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat sie mitzunehmen.
Es ist unerträglich heiß, die Fahrt verläuft stockend, Brockhaus redet ohne Unterlass - bis Amita ihn mit einem Schal stranguliert.

„So in etwa ist es geschehen“ , ein mit 139 Seiten schmales Buch, ist ein äußerst vielschichtiger Roman, den man aufgrund seiner zahlreichen Verweise auf schwarze Kultur und die deutsche Erinnerungskultur mehrmals lesen sollte.
Das Feuilleton war sich uneins über diesen Roman und auch ich bin hin und hergerissen. Fakt ist, dass mich das Buch seit der Lektüre beschäftigt, ich viel nachgelesen habe, vieles recherchiert habe und mich mit dem Werk von u.a. Toni Morrison, Audre Lorde und Paul Celan zumindest ansatzweise vertrauter gemacht habe. AutorInnen, denen Sharon Dodua Otoo im Nachwort dankt und deren Einfluss im Text durchscheinen.
Der Roman hat ( nicht nur mich ) mit einigen Fragen zurückgelassen, denn das „Warum“ vieler Dinge wurde mir nicht ganz klar.
Er hat mir aber auch neue Perspektiven eröffnet, neue Denkräume geschaffen und mir ein noch lange nicht abgeschlossenes Leseerlebnis bescher

So, in etwa, ist es geschehen

von Sharon Dodua Otoo

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Die Liebeshungrigen
Frank Menden

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„Man glaubt immer, dass bei einem selbst alles anders ist, aber das täuscht. Man erlebt dieselben Rückschläge wie der Rest der Welt.“

Der ehemalige französische Präsident Dan Lehmann leidet unter dem Verlust seiner Macht, der zunehmenden Bedeutungslosigkeit seitdem er vor einem Jahr aus dem Élysée Palast ausziehen musste. Der Alkohol ist sein bester Freund, mit dem er auch das Scheitern seiner zweiten Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda Müller „verarbeitet“.
Hilda wiederum hat nach einer längeren Durststrecke, in der sie nur als First Lady fungierte, endlich wieder eine vielversprechende Rolle ergattert, pikanterweise in der Verfilmung eines Romans der ersten Frau ihres Noch - Ehemanns.
Regisseur dieses mit Spannung erwarteten Films ist das ehemalige Wunderkind des französischen Kinos, Romain Nizan, der den Erfolg ebenso dringend benötigt wie Hilda - und dem das Projekt von seiner On/Off Geliebten empfohlen wurde, die es ebenfalls auf die Hauptrolle abgesehen hatte…

Dies ist die Ausgangslage in Karine Tuils neuen grandiosen und absolut mitreißenden Roman „Die Liebeshungrigen“ , übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch.
Es geht um Macht in all ihren Facetten, um die Gnadenlosigkeit der Medien, um die Liebe in all ihren Spielarten - und um uns Menschen, die versuchen, den entscheidenden Moment des verheißungsvollen Glücks zu ergattern und nicht in Vergessenheit zu geraten.
Ein Roman, den ich tatsächlich ALLEN LESENDEN nur dringendst empfehlen kann, denn er ist einfach !!!!!!

Die Liebeshungrigen

von Karine Tuil

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Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart
Frank Menden

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Südschleswig. Hier steht das Elternhaus der Erzählerin, hierher kehrt sie zurück weil ihre Mutter im Sterben liegt. Die evangelische Gemeindepastorin hat Krebs im Endstadium. Die Frau, die für alle Mitglieder ihrer Gemeinde ein offenes Ohr hat, mitfühlend, geduldig, fürsorglich.
Und die ihrer Familie, dem dänischen Musiker Ehemann, den drei Kindern, eher kühl und kontrollierend begegnete - so zumindest die Erinnerung der Erzählerin.
Doch ist jetzt im Anblick der letzten Tage der Zeitpunkt für eine Aufarbeitung gekommen? Was kann man der sterbenden Mutter an Wut und Enttäuschung entgegenbringen? Wie geht man um mit dieser sich ständig wechselnden Mischung aus Trauer und Schuldgefühlen, mit dem Gefühl, das ganze Leben nicht wirklich gesehen worden zu sein? Und darf man trotzdem noch unbändig lachen, tanzen, das Leben genießen? Oder muss man es gerade deswegen ?

„Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart“ von Marie-Louise Moller hat einen Ton, der mich von den ersten Sätzen an für das Buch eingenommen hat - trotz des bedrückenden Themas. Der Autorin gelingt das Kunststück gleichzeitig ernst und humorvoll zu sein, erzählt nüchtern und doch poetisch, sieht genau hin, und zeigt uns, dass das Leben keine eindeutigen Antworten liefert, das man es annehmen, aushalten und doch auch gestalten kann.
Ein Debütroman, der mich unglaublich berührt hat durch seine Klarheit - und durch seinen eigenen Ton auch immer wieder zum schmunzeln brachte. Hier liegt alles nebeneinander, wie im Leben selbst.

Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart

von Marie-Louise Monrad Møller

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Nicht
Frank Menden

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„Aber dann stellt sich heraus, der Sack mit Gottesgeschenken, der deinen Namen trägt, ist doch noch nicht vollkommen leer. Noch nicht.“

Für den Übersetzer Eli, einem Mann in den 50er, scheint eine tiefergehende Beziehung zu einer Frau nicht mehr möglich zu sein.
Nach dem Tod seiner Frau hatte er zwar flüchtige Begegnungen, Affären, aber nie ergab sich etwas von längerer Dauer.
Aber, so beschwichtigt er sich selbst, vielleicht ist es auch gut so. Seine beiden Kinder sind beruflich erfolgreich und brauchen keinerlei finanzielle Zuwendungen, seine Arbeit macht ihm Freude.
Doch dann lernt er bei gemeinsamen Freunden Lia kennen, eine Cellistin. Und plötzlich scheint es doch möglich zu sein: eine neue Liebe, ein gemeinsames Leben.
Aber eine kleine Unachtsamkeit entwickelt sich zu einer nicht mehr kontrollierbaren Situation, die alles zum einstürzen bringen kann…

„Nicht“ , übersetzt von Markus Lemke, ist ein mit 187 großzügig gesetzten Seiten schmaler Roman, der es allerdings in sich hat. Je mehr man der Geschichte folgt, je mehr sich Eli in sein eigenes Lügengespinst verstrickt, umso vielschichtiger wird der Roman, der am Ende noch einmal eine Kapriole schlägt.
Eine wahrlich kurzweilige, mitreißende und spannende Lektüre, die wieder einmal zeigt, dass dem Leben die eigenen Pläne herzlich egal sind - oder?

Nicht

von Dror Mishani

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Yesteryear
Frank Menden

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„Manchmal wurde mir fast schlecht, wenn ich darüber nachdachte, wie perfekt mein Leben war und wie gut mir alles gelang.“

Natalie Heller Mills. Die Frau, die alles hat. Eine renovierte Farm, malerisch gelegen. Einen attraktiven Ehemann aus einer guten amerikanischen Familie inclusive eines politisch ambitionierten Schwiegervaters auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur. Und fünf entzückende und sehr photogene Kinder.
Logisch, dass Natalie ein Social Media Star mit mehreren Millionen Followern ist.
Und ebenso logisch, dass dies viele Neider mit sich bringt.
Aber die verstehen eben nicht, wie wunderbar es ist, ein traditionelles Leben zu leben und sich ganz an christlichen Werten zu orientieren.
Eine Tradwife zu sein ist keine Arbeit, es ist eine Bestimmung. Oder ?

„Yesteryear“ übersetzt von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn, ist ein absoluter Pageturner, der sich äußerst gelungen zwischen Gesellschaftssatire und Spannungsroman bewegt. Denn natürlich ist auch in Natalies leben nicht alles Gold was glänzt, sind die Kamerawinkel exakt geplant und die HelferInnen im Hintergrund bleiben weitestgehend unsichtbar.
Was aber wenn aus der Inszenierung Realität wird? Ist das Leben dann immer noch so wunderbar?

Bewusst habe ich möglichst wenig über diesen Roman verraten, DEN Plotpoint nur vage angerissen. Je weniger man weiß, umso spannender ist dieses Buch.
Ich habe es in kürzester Zeit gelesen, viel geschmunzelt - und mich mehr in das Tradwife Phänomen vertieft.
Über die Auflösung wird sicherlich kontrovers diskutiert werden. Für mich war sie im Gesamtkonzept des Romans sehr schlüssig.
Also: lesen, weiterempfehlen, diskutieren.

Yesteryear

von Caro Claire Burke

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Noch fünf Tage
Frank Menden

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Davos, Silvesterabend.
Die Spitzenköchin Lis Castrop bereitet dem Millionär John Harmans, seiner Frau Reeta und den beiden Kindern ein Festmahl zu. Kurze Zeit später sind alle tot: vergiftet. Auch die Köchin hat es erwischt, dank einer schwächeren Dosis des Giftes verbleiben ihr aber noch fünf Tage. Kostbare Zeit, in der sie nicht nur vom Krankenhaus aus die Zukunft ihrer 12jährigen Tochter Cosima regeln muss. Lis muss gleichzeitig die Kriminalpolizei von Ihrer Unschuld überzeugen - und dabei ihren eigenen Mörder suchen…

„Noch fünf Tage“ von Helena Falke ist ein absolut ungewöhnlicher Thriller - und das nicht nur wegen seiner Prämisse. Wie ein Countdown läuft die Handlung ab, mit jeder Seite verliert auch die Protagonistin immer mehr Lebenszeit - und muss doch mit allerletzten Kräften herausfinden, wer das eigentliche Opfer sein sollte, und wer „nur“ ein Kollateralschaden war.
Wer Lust auf einen etwas anderen Thriller hat, der sollte sich dieser konsequent erzählten und immens spannenden ergeben, denn man kann dieses Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen!

Noch fünf Tage

von Helena Falke

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Brandung
Frank Menden

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„Wir möchten Sie im Rahmen einer Angelegenheit sprechen, die Sie betrifft.“

Der Anruf vom Kommissariat in Le Havre erwischt die Erzählerin, eine in Paris lebende Synchronsprecherin, verheiratet und Mutter, als sie gerade nach Hause kommt.
Die Leiche eines nicht identifizierbaren Mannes war gefunden worden, in seiner Tasche ein Kinoticket mit der Nummer der Ich-Erzählerin. Diese macht sich sofort auf den Weg in ihre Heimatstadt, verfolgt von Erinnerungen an die Vergangenheit. An ihre und an die der Stadt - und an einen Mann, ihren Jugendfreund, die erste große Liebe.
Könnte er der Tote sein?

„Brandung“ von Maylis de Kerangal , übersetzt von Andrea Spingler, beginnt wie ein klassischer Kriminalroman - und ist doch etwas völlig anderes.
Denn die Reise nach Le Havre stößt eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Protagonistin an, die sich mehr und mehr als unzuverlässige Erzählerin entpuppt und die uns an ihren Assoziationen über Geschichte, die Bedrohung ihres Berufes durch Künstliche Intelligenz und vielem mehr teilhaben lässt. Dabei gerät der Tote manchmal aus dem Fokus, bleibt aber unterschwellig stets präsent.
Man sollte sich einlassen auf diesen vielschichtigen und anspielungsreichen Roman, der zeigt, wie sehr die Brandung der Erinnerung uns auch Jahrzehnte nach bestimmten Ereignissen und Erfahrungen immer noch einholen kann.
Ein faszinierender Text, der Resonanzräume öffnet.

„Die Vergangenheit war keine fossile Materie, sie entwickelte sich in der Zeit, geschmeidig, plastisch, sie entwickelte sich endlos, sie lud sich auf im Lauf des Lebens, die Vergangenheit blieb lebendig.“

Brandung

von Maylis de Kerangal

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Hammerfrau
Frank Menden

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„Nein, ich war nicht leichtsinnig, sicher nicht. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich bin es leid, mir diese Frage zu stellen. Oder sie gestellt zu bekommen. Aber es war genau diese Frage, die mir viele gestellt haben, ohne sie auszusprechen. Ich habe sie in ihren Blicken gesehen.“

Julia steht kurz vor ihrem Durchbruch als Sopranistin als ein kleiner Gang durch den Park alles verändert. Hier wird sie von einem ihr unbekannten Mann, dem Plattenverkäufer Thomas, mit einem Hammer attackiert, die Folgen werden sie den Rest ihres Lebens begleiten.

Opfer wie Täter berichten abwechselnd wie es zu dieser Tat kam, wie ihr Leben davor verlief, wie danach.

„Hammerfrau“ von Mario Kreszner ist ein aufrüttelnder Roman. Ein Roman, der genau hinsieht, der beide Perspektiven nicht kommentiert und dessen Sympathien doch klar verteilt sind.
Es ist eine Geschichte, wie sie beinah täglich passiert und die uns alle zwingt genauer hinzusehen.
Und uns vor Augen führt, mit welchem Blick Männer Frauen betrachten.
Absolute Leseempfehlung!

Hammerfrau

von Mario Keszner

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Das Haus der Türen
Frank Menden

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1921 besucht der berühmte Schriftsteller William Somerset Maugham einen alten Freund aus London in Penang. Hier in Malaysia lebt der Anwalt Robert Hamlyn zusammen mit seiner Frau Lesley und freut sich, seinen einstigen Mitbewohner, der von seinem Sekretär - und dies ist schnell klar - und Liebhaber begleitet wird, wiederzusehen.
Der Besuch wird für den von seiner Asienreise erschöpften Schriftsteller allerdings weniger erholsam als gedacht.
Schnell erkennt er, dass es mit der Ehe seiner Gastgeber nicht zum besten steht und je mehr er und Lesley sich annähern, umso mehr erfährt er die Hintergründe dieser langsamen Entfremdung.
Da ist neben Roberts Krankheit, ein durch einen Giftgasangriff im Ersten Weltkrieg verursachtes Lungenleiden, auch Lesleys Zusammenarbeit mit einem bekannten chinesischen Revolutionär.
Und da ist ja auch noch der zehn Jahre zurückliegende Skandal um Lesleys Freundin Ethel, die in einem spektakulären Prozess des Mordes beschuldigt wurde….

Als großer Fan der Werke W. Somerset Maughams ( man sollte unbedingt „Der Menschen Hörigkeit lesen ) war der für den Booker Prize nominierte Roman „Das Haus der Türen“ natürlich ein Muss.
Tan Twan Eng hat einen atmosphärischen Roman über Menschen geschrieben, die Gefangene der Konventionen ihrer Zeit sind. Gleichberechtigung der Frau, Homosexualität und politischer Freiheitskampf sind ebenso seine Themen wie die Manipulation von Menschen durch einen Autoren, der alles ihm anvertraute für sein Werk nutzt.
Somerset Maughams vorherrschendes Thema seiner Romane waren die menschlichen Schwächen, die zum scheitern von Beziehungen führen: Selbstsucht, Stolz, Heuchelei, Feigheit und Angst.
Tan Twang Eng greift dies in seinem hervorragend von Michaela Grabinger übersetzten Roman auf und zeigt uns zudem in einem genialen Twist, wie Literatur ihre Magie entfaltet.
Ein sehr zu empfehlender Roman, nach dessen Lektüre man unbedingt Maughams „The Letter“ lesen sollte.

Das Haus der Türen

von Tan Twan Eng

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Hier draußen
Frank Menden

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„Was hier üblich war und schon immer so, das hatte so zu passieren, und wer das nicht abkonnte, gehörte eben nicht dazu.“

Fehrdorf in Schleswig-Holstein. Hier hat alles und jede(r) seinen angestammten Platz. Nur Ingo und Lara fremdeln noch ein wenig mit dem kleinen Dorf. Der Umzug von Hamburg hierher auf den schönen großen Resthof sollte ihnen und ihren Kindern die Möglichkeit für einen Neuanfang geben. Doch zwischen den Vorzeigelandfrauen, den wortkargen Bauern und den beiden letzten Bewohnern einer einstigen Öko-WG ist es schwer einen Platz zu finden, sich einzuordnen in die tradierte Choreografie des Ortes.
Als Ingo eines Abends einen Wildunfall mit einer weißen Hirschkuh hat und sich Dorfjäger Uwe weigert, dem schwer verwundeten Tier alleine den Gnadenschuss zu geben, da denjenigen, der eine weiße Hirschkuh tötet, innerhalb eines Jahres der Tod ereilt, setzt dies eine Kette von Ereignissen in Gang , die unweigerlich zu Veränderungen führt. Und da ist ja auch noch die Prophezeiung….

Es gibt nur eines, was ich nach der Lektüre von „Hier draussen“ bedaure: dass ich diesen wunderbaren Roman nicht früher gelesen habe.

Martina Behm hat einen Dorfroman geschrieben, der nichts beschönigt, der mit Klischees gleichzeitig aufräumt und sie bestätigt, mit viel Empathie und leisem Humor ihr Sujet betrachtet und das fiktive Fehrdorf mit seinen Bewohnern so lebendig werden lässt, dass man es mit allen Sinnen erfasst.
Der vielschichtige Roman bietet eine multiperspektivische Sicht auf vermeintliche und reale Dorfromantik, auf Beziehungen und Traditionen. Nie gerät der Roman in den Ruch eine thesenhafte Versuchsanordnung zu sein, dafür kennt die Autorin ihr Setting und Personal zu gut.
„Hier draussen“ ist ein Roman über das Land, das Leben - und das Landleben. Mit allen Höhen und Tiefen, allen Facetten und Schattierungen, ohne Kitsch, völlig unsentimental, lebensklug und unbedingt lesenswert!
Wie Max Moor korrekt auf dem Umschlag zitiert wird : „Ein richtig gutes Buch“

Hier draußen

von Martina Behm

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Unter Grund
Frank Menden

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Eine junge Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf und stellt sich dort ihrer Vergangenheit - ihrer rechten Vergangenheit.
Die junge Frau ist Franziska, eine Referendarin, das Dorf liegt in der fränkischen Provinz .
Hier ist sie aufgewachsen, der Vater früh verstorben, die Mutter nach dessen Tod überfordert und sich der Esoterik zuwendend, die Großmutter barsch und verschlossen.
Aus einer zufälligen Begegnung erwächst eine Freundschaft, die Franziska mehr und mehr in rechtsradikale Kreise führt…

„Unter Grund“ erzählt authentisch vom allmählichen abdriften in die Rechte Szene, von rechtem Gedankengut, das unterschwellig im Dorf schwelt und dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt, die alle am liebsten vergessen wollen.
Verdrängen und Schweigen, Wegschauen und -hören wenn es unangenehm wird, das scheint die Devise zu sein. Bis Franziska, die sich mittlerweile von ihrer Vergangenheit distanziert hat (sich aber trotzdem nicht traut mit ihrem neuen Umfeld darüber zu reden) wieder auftaucht und alte Wunden aufbrechen.

Für mich ist dieses Debüt ein überzeugender Blick auf ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit, genau beobachtet, in einem eigenen unverwechselbaren Ton geschrieben und ohne erhobenen Zeigefinger.
Ein Roman, der gelesen werden sollte !

Unter Grund

von Annegret Liepold

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Drei Tage im Juni
Frank Menden

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Anne Tyler ist immer eine sichere Bank .
Ihr neuer Roman „Drei Tage im Juni“ , übersetzt von Michaela Grabinger, zeigt erneut ihre Meisterschaft.

Die titelgebenden drei Tage im Juni sind die Tage vor und nach der Hochzeit der gemeinsamen Tochter von Gail und Max, sowie der feierliche Tag selbst .
Gail und Max sind schon lange geschieden, haben einen guten Umgang miteinander gefunden.
So ist es für Gail auch völlig okay, Max bei sich über die Hochzeit unterzubringen.
Nicht ganz so okay ist die Ansage ihrer Chefin ihr den Job als stellvertretende Schuldirektorin wegen mangelnder Sozialkompetenz zu kündigen .
Und erst recht nicht okay ist die Tatsache, dass ihre Tochter Debbie am Tag vor der Hochzeit völlig fertig ist, da sie gerade erfahren hat , dass ihr zukünftiger Mann sie wohl vor gar nicht langer Zeit betrogen hat .
Nicht die besten Voraussetzungen für eine strahlende Hochzeit, zu der auch ein recht missglückter Friseurbesuch nicht gerade optimistisch einstimmt …

208 Seiten hat dieser Roman, und jede Seite ist ein Genuss . Anne Tyler hat mit der 61jährigen Gail eine Protagonistin geschaffen, die einem gerade wegen ihrer oftmals etwas brüsken Art sehr schnell ans Herz wächst und die uns mit all ihren Fehlern und Vorzügen wünschen lässt, dass sich alles in ihrem Leben zurechtrücken wird.
Mich hat dieser mit genauem Blick und voller Empathie erzählte Roman für ein paar Stunden völlig in den Bann gezogen und mich wieder darin bestärkt, dass Anne Tyler eine der großen amerikanischen AutorInnen ist.

Drei Tage im Juni

von Anne Tyler

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Bevor wir uns vergessen
Frank Menden

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„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“
Sören Kierkegaard

Alice und Jules, beide 85 Jahre alt, treffen sich auf einer Bank im Jardin du Luxembourg in Paris .
Hier begann vor sechzig Jahren ihre gemeinsame Geschichte, ihre Liebe, die so groß war und ist, dass sie alle Stürme des Lebens überdauert hat. Doch wie ist ihnen dieses Kunststück gelungen? Und wie schauen sie auf die gemeinsame Zeit zurück, jetzt, da die Erinnerungen schwinden….

„Bevor wir uns vergessen“ ist der neue Roman von Eliette Abecassis, übersetzt von Kirsten Gleinig .
Und wie auch schon „Mit uns wäre es anders gewesen“ ( jetzt übrigens zeitgleich als Taschenbuch erschienen) hat mich auch dieser Roman fasziniert und überzeugt.
Die Autorin erzählt die Geschichte von Alice und Jules rückwärts, kommt dem Ursprung ihrer Geschichte in Schlaglichtern näher und enthüllt uns so das Leben zweier Menschen, die manchmal nur schwer miteinander leben können. Und bei denen doch klar ist, dass sie ohne einander nicht sein können - so wie es die beiden nach ihrer ersten Begegnung wissen.

Man kann diese Erzählweise für einen „Gimmick“ halten, mich hat der Roman gerade deswegen so beeindruckt. Zu erfahren, wo Verhaltensweisen ihren Ursprung haben, wann die gemeinsamen Rituale begannen ( und warum ) und was es mit den wiederkehrenden Redewendungen auf sich hat … Für mich war dieses langsame entblättern ein Genuss.
Und der Brief, der am Anfang der Geschichte von Alice und Jules stand und den wir am Ende der 176 Seiten lesen - so einen Brief würden wir alle wohl gern einmal erhalten….

Bevor wir uns vergessen

von Éliette Abécassis

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Scheidung
Frank Menden

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30 Jahre verheiratet, zwei Töchter , eine schöne Wohnung mit brandneuer schicker Küche - und plötzlich ist alles aus.
Nach einem Streit kehrt Niklas nicht in die Wohnung zurück . Auch am nächsten Tag: keine Nachricht.
Bea weiß sich nicht zu helfen. Ist Niklas vielleicht etwas zugestoßen, warum meldet er sich nicht?
Als er es dann doch macht, stellt er seine Frau vor vollendete Tatsachen: er will dieses Leben nicht mehr, er will die Scheidung.
Für Bea bricht eine Welt zusammen. Was ist in ihren Mann gefahren? Ist all Ihre Vergangenheit, ihre Töchter, das gemeinsame Zuhause, ist das alles nichts mehr wert?

„Scheidung“ von Moa Herngren , übersetzt von Katharina Martl, erzählt realistisch und psychologisch genau die Geschichte einer Trennung - und zwar aus beider Perspektiven.
Das ist spannend und ernüchternd, erhellend und auch ein wenig beängstigend, denn hier erfährt man , wie unterschiedlich zwei Menschen ihr gemeinsames Leben erlebt haben. Und wie sich Kleinigkeiten zu unüberwindlichen Hindernissen entwickeln.

399 Seiten, keine ist zu viel. Man versteht sowohl Bea als auch Niklas, versteht beider Verhalten, ihre Gründe und Sorgen, Wünsche und Träume.
Man ist ganz nah dran, erkennt einiges aus vergangenen Trennungen wieder, ist mit dem Umfeld der beiden hin und hergerissen - und ist am Ende beeindruckt , wie nuanciert die Autorin die vielen Seiten einer Beziehung ans Licht bringt.
Ein hervorragender Roman, nah an den Figuren, nah am Leben. Und trotz aller Bitternis auch ein Mut machendes Buch!

Scheidung

von Moa Herngren

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Die seltenste Frucht
Frank Menden

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Vanille.
Es gibt keinen Geschmack, den ich mehr liebe als den von Vanille. Egal ob Eis, als Sauce, im Kuchen oder Gebäck: der Geschmack und der Duft von Vanille führt bei mir immer sofort zu einem absoluten Wohlfühlen.
Doch wie ist die Vanille überhaupt in unsere Welt gekommen?

Davon erzählt Gaelle Belem in „Die seltenste Frucht“ , übersetzt von Gudrun Honke.
Auf der französisch kolonisierten Ile Bourbon (!) wächst Edmond Albius in 19. Jahrhundert als Sklave auf. Der zwölfjährige Waisenjunge lebt bei Ferreol Beaumont, seinem „Besitzer“, der ein begeisterter Botaniker ist und dem es trotz vieler Versuche nicht gelingen will, der Gewürzvanille eine Frucht abzuringen.
Edmond, der die Begeisterung für Botanik mit Beaumont teilt, forscht selbst, probiert und probiert - und erfindet ein Verfahren zum händischen Bestäuben. Der Grundstein für den Siegeszug der Vanille ist gelegt…

Dies ist jetzt natürlich arg verkürzt dargestellt. Gaelle Belem hat für ihren Roman sorgfältig recherchiert und führt ihre Geschichte über die persönliche Erzählung Edmonds hinaus zu einer Geschichte über Kolonialismus und Rassismus. Denn auch wenn Beaumont immer wieder auf Edmonds bahnbrechenden Beitrag zur Kultivierung der Vanille hinweist, es trägt nicht zu einem besseren Leben für den jungen Mann bei, der nach der Freilassung - wie so viele ehemalige Sklaven - ein armseliges prekäres Leben führt.

Ein sprachlich kraftvoller historischer Roman, der mich seitdem Vanille mit anderen Augen betrachten lässt.

Die seltenste Frucht

von Gaëlle Bélem

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Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter
Frank Menden

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Man möchte ja angesichts der Nachrichtenlage wahlweise schreien oder sich vergraben und dem Eskapismus frönen.
Oder man liest Wolfgang Schorlaus neues Buch, die geniale bitterböse Politsatire „Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter“ .

Es ist ein schmales Buch, ganz auf der Höhe der Zeit, in der die Titelfigur den politischen Aufstieg vom Gas-Manager über einen Ministerposten bis hin zum Bundeskanzler anstrebt - und diesem Ziel bereitwillig alles unterordnet.
En Passant kommt auch die jüngere deutsche Wirtschaftsgeschichte vor, vornehmlich der Beitrag der Gas-Lobby zum Niedergang der einst blühenden Solarenergie. Katharina Reiche anyone?

Wie schon in seinen Dengler Krimis ist Wolfgang Schorlau auch hier ganz nah an der gesellschaftlichen und politischen Realität. Auf den knapp 160 Seiten ist alles auf den Punkt gebracht: die Einflussnahme externer „Player“ auf politische Entscheidungen, das typische „Business-Denglish“ des Polit- und Medienbetriebs, die Dehnung der Wahrheit bis sie wieder ins geschaffene Bild passt und und und…
Ein vortrefflicher Blick auf die aktuelle politische Lage, bei der einem das Lachen oft im Halse steckenbleibt - wie es sich für eine gelungene Satire gehört.

Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter

von Wolfgang Schorlau

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Sommer ohne Plan
Frank Menden

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Zugegeben: ich hatte meine Vorbehalte gegenüber „Sommer ohne Plan“ von Johanna Swanberg , übersetzt von Nina Hoyer.
Die Geschichte von Cassi, die nach einem Burnout ihr schickes Stockholmer Leben aufgibt, sich völlig gehen lässt, spontan ein Haus im Wald kauft und durch eine Verkettung von Umständen von den Dorfbewohnern für einen Selbsthilfe Guru gehalten wird und diese mit höchst obskuren Methoden zu behandeln begibt, klingt doch etwas zu skurril und vermeintlich leichtfüßig.
Aber der Roman ist zwar durchaus komisch , die Protagonistin auch leicht nervend, allerdings erfährt die Geschichte auch viel Tiefe.

Johanna Swanberg bietet Einblicke in das komplizierte Geflecht der Dorfhierarchie, karikiert die einzelnen Bewohner nicht und blättert Cassis Geschichte nach und nach auf.
Das ist sehr unterhaltsam erzählt, einmal musste ich laut lachen und auch an einer Stelle eine Träne fließen lassen ( es gibt eine wirklich schöne und berührende Liebesgeschichte, die glaube ich niemand kalt lässt , aber die ich keinesfalls spoilern will. Nur soviel: sie passt hervorragend zum Pride Month ????).

Für mich war „Sommer ohne Plan“ eine wunderbar kurzweilige intelligente Strandkorblektüre, die zwar einige Klischees bedient, sie aber auch hervorragend gegen den Strich bürstet.
Ein Buch, das man glücklich und mit einem kleinen Lächeln wieder aus der Hand legt.

Sommer ohne Plan

von Johanna Swanberg

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Walküre
Frank Menden

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Man könnte meinen, dass ein Roman über einen Juristen in einer Beratungsstelle für Geflüchtete, der Probleme mit Abgrenzung zu seinem Job hat und deswegen eine längere Auszeit wegen psychischer Überlastung nehmen musste, der noch dazu immer noch an seiner Scheidung knabbert UND seine leicht demente, aber äußerst resolute Oma nach Wien holt und in deren Umzugskartons mit der verschwiegenen NS-Vergangenheit seiner Großeltern konfrontiert wird - nun, dass dieser Roman ein wenig überfrachtet ist. Und dabei habe noch nicht das weitere Dilemma des Protagonisten Benjamin Weiß erwähnt: dem ehemaligen Dolmetscher seiner Beratungsstelle werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, was dessen Aufenthaltsstatus gefährdet. Gleichzeitig kümmert sich Adnan aber hervorragend um die „Walküre“, Bens Oma.

Um es kurz zu machen: bei aller thematischen Vielfalt ist „Walküre“ ein überaus fesselnder Roman, der einen von den ersten Sätzen an mitreißt.
Man merkt, dass der Autor wie sein Protagonist Jurist in der Asylberatung ist, so präzise und eindringlich wie er von Bürokratie und deren Kälte gegenüber den Schicksalen zwischen den Aktendeckeln schreibt.
Dabei differenziert der Roman, bleibt lebensnah, hält unserer Gesellschaft den Spiegel vor und stellt genau die richtigen Fragen über Schuld und Verdrängung, über andauerndes Schweigen und Aufarbeitung, über bewusstes Wegsehen und wie die Politik immer auch die Seele der Betroffenen für immer verändert.

Walküre

von Daniel Zipfel

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Moosland
Frank Menden

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1949 folgen knapp dreihundert Frauen aus Deutschland dem Aufruf des isländischen Bauernverbands. Gegen gute Bezahlung sollen die Frauen mit landwirtschaftlicher Erfahrung auf Bauernhöfen aushelfen - und evtl. auch bleiben, gibt es doch einen deutlichen Männerüberschuss auf der Insel.

Eine der Frauen ist Elsa. Tief traumatisiert durch den Verlust ihrer Familie und ihrer Freundin hat sie das Gefühl, nichts mehr verlieren zu können.
Die Bauernfamilie, bei der sie unterkommt, lebt auf einem abgelegenen Hof. Sie ist Elsa gegenüber freundlich und offen, selbst als sich herausstellt, dass diese keinerlei Erfahrung hat und sogar vor Hühnern Angst hat.
Elsa ist zu verstrickt in sich selbst, sie spricht nicht, lernt auch die neue Sprache nicht. Doch ihre bloße Anwesenheit verändert die Dynamik der Familie - und auch Elsa beginnt sich allmählich wieder auf das Leben einzulassen…

„Moosland“ ist deutlich spröder als das gefällige Cover vermuten lässt - und das ist gut so. Katrin Zispe erzählt auf eine besondere Art vom Ankommen in einem fremden Land, von der Bewältigung bzw. Vernarbung von Trauer, vom finden einer neuen Sprache - und von einer überwältigenden Landschaft und der Kraft der Natur.
Der Roman ist nicht nur hervorragend recherchiert, er überzeugt auch sprachlich, findet passende Worte und Bilder für die Herausforderung der Integration und des Spracherwerbs und für die Herausforderung, mit einer großen Trauer zu leben.
Ein stiller, ruhiger und kraftvoller Roman.

„In der grenzenlosen Weite ist sie orientierungslos. An was sich ihr Auge auch festhalten will, wird vom Nebel verschluckt oder vom gleißenden Licht. Selbst die Zeit.“

Moosland

von Katrin Zipse

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Wir könnten alles sein
Frank Menden

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„Wie dicht kamen sie daran heran, einander Dinge zu sagen, die sie für immer bereuen würden?“

Sie, das sind die Schwestern Nancy und Shelley und ihre Mutter Frieda. Später wird noch Jess dazukommen, Nancys Tochter.
Vier Frauen einer Familie. Vier Frauen, die in permanenter Anziehung und Ablehnung leben. Getrennt voneinander, aber unauslöschlich miteinander verbunden.
Die Töchter eines Uberlebenden, Rudy, der alles zusammengehalten hat. Der seiner Frau versicherte, sie hätten ein schönes Leben.
Und der als er stirbt drei Frauen hinterlässt, die fortan um eine neue Identität kämpfen werden. Die weit gehen werden, um sich zu finden - oder sich zu verlieren.

„Wir könnten alles sein“ heißt Jami Attenbergs neuer Roman in der Übersetzung von Barbara Christ. Der Titel ist ebenso passend wie der des Originals: „A Reason to See You Again“.
Beide sind absolut zutreffend für diesen präzisen Roman über Schwestern, über Mütter und Tochter, über das unverbrüchliche Band einer dysfunktionalen Familie, verbunden durch Traumata und zahlreiche Abgründe - und über die Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft.
Familie hat man, Freunde sucht man sich aus. Doch unseren Wurzeln können wir kaum entkommen, wie Jami Attenberg wieder einmal witzig, sarkastisch, mit einer zuweilen bitteren Melancholie und doch nicht ohne Optimismus und Hoffnung erzählt.
Mir hat dieser Roman ausgesprochen gut gefallen, mochte die vier Frauen und Rudy, hab mit ihnen gelebt und gelitten und bin ihnen gerne von 1971 bis 2007 gefolgt, mal in kleinen, mal in großen Zeitsprüngen. Aber immer ganz nah dran.
Leseempfehlung!

Wir könnten alles sein

von Jami Attenberg

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Mit den Jahren
Frank Menden

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Leipzig.
Drei Menschen in ihren 40ern treffen hier aufeinander.
Jette, Single, in der wohl letzten Videothek der Stadt arbeitend, würde gern einen Roman schreiben, kommt nur irgendwie nicht dazu.
Lukas, freischaffender Künstler, wie Jette aus Hamburg kommend, beginnt eines Abends eine Affäre mit Jette - aus Überdruss, als Ventil für ein nicht gelebtes Leben?
Eva ist Lehrerin, Mutter zweier Kinder , und Lukas Ehefrau. Sie fragt sich immer mehr, ob sie eigentlich das Leben führt, das sie leben möchte .

Eine normale Dreiecksgeschichte möchte man meinen - und ja, auf den ersten Blick scheint es so.
Doch im Laufe des Romans „Mit den Jahren“ entwickelt die Geschichte nicht nur einen klugen Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten in Liebe und Beziehungen ( muss allein sein wirklich ein Problem sein? ) , sondern auch auf die Unterschiede zwischen Ost und West, Körperlichkeit und Selbstakzeptanz.

Mich hat die Autorin mit diesem Buch durch ihren klugen und mit leisem Humor durchsetzten Ton von den ersten Zeilen an überzeugt. Sie schreibt mit leichter Hand über die Anforderungen des Familienlebens, über alternative Lebensentwürfe und die Fragen, die diese Konstellationen aufwerfen - und bringt dadurch viele Aspekte auf den Punkt.
Gutes Buch !

Mit den Jahren

von Janna Steenfatt

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Einstein im Bade
Frank Menden

Frank Menden

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1920 findet im beschaulichen Kurort Bad Nauheim die Versammlung Deutscher Naturforscher statt. Über 2.000 Gäste werden erwartet, darunter auch einige Nobelpreisträger.
Alle Hotels des Ortes sind ausgebucht.
Auch „Der Rastende Kranich“, ein Traditionshaus, das schon deutlich bessere Zeiten erlebt hat.
Direktor Kleeberger steht ganz im Dienste seiner Gäste, Ruhe und Tradition sind für ihn äußerst wichtig.
Doch der erste Satz von Kleebergers Bericht lautet: „Die Ruhe ist gestört worden.“
Was ist in jenen fünf Tagen im September 1920 geschehen ?

„Einstein im Bade“ ist ein Roman, der sich in seinem Verlauf als vielschichtiger entpuppt als der Einstieg vermuten lässt.
Was als heiterer Hotelroman beginnt - Zimmer werden versehentlich doppelt belegt, eine Maus sorgt ebenso für einen Notfall wie sich die Rivalität zwischen zwei renommierten Gästen immer weiter steigert - mit einem Direktor, der in seinem Bemühen es allen recht zu machen immer mehr zu scheitern droht, entwickelt sich zu einem Roman über die Ideologisierung der Wissenschaft und über die Unmöglichkeit sich in einer verändernden und rauer werdenden Welt neutral zu verhalten.
Dabei ist der Roman sprachlich ganz seiner Zeit und seinem Protagonisten verhaftet, was den Lesegenuss vollkommen macht.
Ich habe mich schon lange nicht mehr so glänzend intelligent unterhalten lassen wie von diesem Hotel - und Wissenschaftsroman.
Oder wie der geschätzte Kristof Magnusson auf dem Cover zitiert wird: „Zerstrittene Genies, eigensinnige Gäste und ein Hoteldirektor in Nöten- sensationell.“

Einstein im Bade

von Daniel Mellem

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Trotzdem zuhause
Frank Menden

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Es gibt Bücher, bei denen meine „Rezensionsfähigkeit“ versagt. Bücher, die mich so durchrütteln, mich begeistern, mir die Augen öffnen, mich zu Tränen rühren, vor Wut, vor Erkenntnis, vor miterlebtem Schmerz. Die mich - hoffentlich - klüger machen, empathischer, rücksichtsvoller und ja: zu einem besseren, aufmerksameren Menschen.
Ich neige nicht zu Pathos, habe keine „Adjektivdiarrhoe“ - aber dieses Buch !!!!!!!!!

Ich bedanke mich bei Tupoka Ogette für ihr Memoir „Trotzdem Zuhause“.
Für ihren Mut ihr Leben aufzuschreiben, uns daran teilhaben zu lassen.
Ich hatte intensive Lesestunden und die Lektüre hat viele Prozesse in Gang gesetzt.

Für diese paar Zeilen hab ich jetzt eine knappe Stunde gebraucht. Und mir ist die Unzulänglichkeit meiner Worte sehr bewusst.
Trotzdem schließe ich mit einem sehr abgedroschenen Satz, der aber dennoch so wahr ist.
Lest dieses ungemein wichtige Buch - und redet darüber!

Trotzdem zuhause

von Tupoka Ogette

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Rückkehr nach Budapest
Frank Menden

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Auf den ersten Blick ist es eine klassische Dreiecksgeschichte: zwei Frauen lieben den gleichen Mann.
Marta, bodenständig, eine gute Zuhörerin, bei der alle ihre Sorgen abladen und darüber zu vergessen scheinen, dass sie auch ein Leben hat .
Teresa, ihre Cousine, ist anders, schillernd und flirrend, das Schicksal scheint immer auf ihrer Seite zu sein.
Konstantin ist der Mann, um den sich beide drehen, ein Künstler, Schriftsteller, der in Opposition steht zur Politik des Landes, in dem er lebt: der DDR.

Nikoletta Kiss erzählt in ihrem Roman „Rückkehr nach Budapest“ jedoch mehr als nur die Geschichte dieser drei Menschen, dieser drei Leben in Ost-Berlin und Ungarn, in der Zeit vor der Wende.
Sie arbeitet mit verschiedenen Zeitebenen, die mit Reflexionen über Sprache und Literatur durchsetzt sind - und sich auch so mit dem unterschiedlich gelebten Sozialismus auseinandersetzt.
Vor allem aber schildert sie anschaulich und genau die Suche einer Frau nach sich selbst. Einer Frau, die sich oft am Rande des Geschehens fühlt und erst spät bemerkt, dass sie das Zentrum der Geschichte ist - und diese die ihrige ist.

Ein politischer Roman, der einen anderen Blick auf den Sozialismus bietet.
Eine Freundschaftsgeschichte, die zugleich auch eine Liebesgeschichte ist.
Eine Geschichte über den falschen Mann im richtigen Leben und umgekehrt.
Vor allem aber ein Roman, den man lesen sollte.

Rückkehr nach Budapest

von Nikoletta Kiss

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Zehn Bilder einer Liebe
Frank Menden

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„Ein Liebesroman der Gegenwart, der nichts beschönigt und gerade deswegen so überzeugt.“

Ich könnte dies jetzt so stehen lassen, denn dieses Zitat schmückt die Rückseite des exzellenten neuen Romans von Hannes Koehler, erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt - und es ist von mir.
Eingerahmt von Zitaten von Julia Wolf und Daniela Dröscher , also in allerbester Gesellschaft.

Aber es geht ja hier um diesen Roman, diese „Zehn Bilder einer Liebe“, die mich sehr begeistert haben.
Hannes Köhler erzählt die Geschichte eines Paares aus beiden Perspektiven. Er erzählt sie ehrlich und ungeschönt und wahrhaftig. Davon, dass Liebe allein selbst bei der großen Liebe nicht ausreicht. Und wie man mit den Fallstricken derselben trotzdem leben und lieben kann - wenn man denn wirklich will.

Zehn Bilder einer Liebe

von Hannes Köhler

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Casino
Frank Menden

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Man könnte glauben, die kleine Stadt Steinheim wäre stolz auf einer ihrer prägendsten Bürger - doch dem ist mitnichten so.
Denn Cumali Karagöz hat sein Vermögen mit Glücksspiel gemacht - 30 Spielotheken nennt er sein eigen.
Man darf spekulieren, was den braven Bürgern mehr ins Auge sticht : der Name oder das Gewerbe.
Oder etwa das fast fertiggestellte neue Casino, ein wahrer Tempel des Glücksspiels, zu dessen Eröffnung gar Mike Tyson eingeladen scheint?
Oder liegt der Argwohn der gutbürgerlichen Gesellschaft in etwas ganz anderem begründet? Einem Ereignis aus der Vergangenheit, das langsam auch Cumas eigene Familie wieder einzuholen droht und alte Gewissheiten in Frage stellt…

„Casino“ ist ein mit 216 Seiten recht kurzer Roman. Knapp und schnörkellos wird aus vier Perspektiven von einer schleichenden Verunsicherung erzählt, von einer Familie, in der sich jedes Mitglied an einem persönlichen Scheidepunkt befindet - und in dem Mike Tyson eine wunderbare Rolle spielt.
Bei der Lektüre kam das Ende für mich etwas abrupt. Jetzt, mit einigen Tagen Abstand, gefällt mir das allerdings immer besser.
Klasse Buch

Casino

von Cihan Acar

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Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
Frank Menden

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Beinahe wäre mir dieser Roman entgangen. Die Ausgangssituation - zwei befreundete Paare mit unterschiedlichen sozialen Status, kinderlos mit bislang unerfüllten Kinderwunsch die einen, die anderen „gesegnet“ mit zwei Kindern und dazu vermögend - schien mir als zu bekannt, als schon zu oft gelesen.
Aber was Dita Zipfel in „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ daraus macht, das ist erfrischend, mitreißend, ehrlich und pointiert.
In einem luxuriösen Bungalow an der Côte d’Azur prallen Lebensentwürfe aufeinander, Konkurrenzdenken macht sich breit - bis aus den beiden Frauen Linn und Eva langsam Komplizinnen werden…

Dieser Roman ist kraftvoll, fantasievoll, skurril und mit hohem Tempo erzählt und in seinem geschickten austarieren von Figuren und Situationen zeigt Dita Zipfel wieviel Spass es bringen kann, über die Abgründe gegenwärtiger Lebensentwürfe zu lesen.
Mein Tipp ( nicht nur ) am Weltfrauentag.

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt

von Dita Zipfel

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Kill for Me
Frank Menden

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Amanda hat nach dem Mord an ihrer Tochter und dem darauffolgenden Selbstmord ihres Mannes alles verloren.Nur der Gedanke ke an Rache hält sie aufrecht. Doch der Mörder ihrer Tochter kann der Tat nicht überführt werden. Amanda verfolgt diesen Mann, plant gar ihn zu töten, doch der wiederum dreht den Spieß um und droht ihr mit einer Klage.
Ein ihr wohlgesonnener Polizist empfiehlt ihr den Besuch einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Verbrechensopfern. Und tatsächlich offenbart ihr diese Gruppe einen Hoffnungsschimmer, wenn auch auf völlig andere Art und Weise als gedacht.
Sie freundet sich mit Wendy an, die eine ähnliche Geschichte wie ihre hat. Und an einem weinseligen Abend schliessen die beiden Frauen einen Pakt: inspiriert von Patricia Highsmith Roman und dem darauf basierenden Hitchcock Film „Der Fremde im Zug“ beschliessen sie ihre geplanten Rachemorde zu tauschen. Amanda soll den Mörder von Wendy Tochter zur Strecke bringen, Wendy den von Amandas Tochter. So können sich beide ein wasserdichtes Alibi verschaffen und können endlich ihren Frieden finden. Doch selbst der scheinbar perfekteste Plan hat seine Tücken…

Steve Cavanaghs Thriller ist ein Pageturner par excellence! Langsam steigert der aus verschiedenen Perspektiven erzählte Roman die Spannung, überrascht mit immer neuen Twists, bis man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Ein wahrlich atemberaubender Thriller, der zwar manchmal etwas dick aufträgt, aber seine Leser effektiv manipuliert und bis zum Ende nicht mehr vom Haken lässt.

Kill for Me

von Steve Cavanagh

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Die glücklichste Familie der Welt
Frank Menden

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„Eine Erzählung beginnt nie einfach irgendwo von selbst, man muss entscheiden, wo man anfangen will.“

„Die glücklichste Familie der Welt“ von Anna Brynhildsen , übersetzt von Franziska Hüther, beginnt mit der Planung eines Wochenendes in Berlin. Mats, seine sechzehnjährige Tochter Evi und ihre 28jährige Cousine Sara wollen die Briefe der verstorbenen Großmutter dem Jüdischen Museum übergeben, das Grab des Großvaters besuchen und den Stolperstein für ihre Familie suchen.
Doch die Reise zu den Spuren der Vergangenheit ist auch durch die Gegenwart ihrer drei Protagonisten belastet: Mats will auf dieser Reise seiner Tochter eine wichtige Mitteilung machen, Evi ist nach ihrer Krankheit vermeintlich immer noch so labil, dass Vater und Cousine sie allzu aufmerksam beobachten, und Sara ist schwanger und weiß nicht wie ihr Leben weitergehen soll.

Anna Brynhildsen durchbricht diese Erzählebene immer wieder mit der Vorgeschichte der Familie Wolff, von ihrem Beginn bis zu deren Vertreibung und teilweisen Auslöschung.

Man muss sich auf diesen Roman einlassen, denn gerade die Gegenwartsebene, die wenigen Tage in Berlin, braucht deutlich länger, um beim lesen zu verfangen als die Rückblicke in die Familiengeschichte. Es lohnt aber dranzubleiben, denn der Autorin ist auch Dank dieser Konstruktion ein bemerkenswerter Roman über Familienbande, Geheimnisse, Lügen und intergenerationale Traumata gelungen.

„Das Neue beginnt damit, dass ein Moment sich an einen anderen fügt.“

Die glücklichste Familie der Welt

von Anna Brynhildsen

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Heimliche Zeilen
Frank Menden

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„Die Lebensphilosophie meiner Eltern lautete immer: Nicht zu hoch zielen. Den Kopf immer schön unten halten. Keine Umstände machen. In ihren Augen war es das schlimmste Verbrechen, wenn sich jemand zu hoch aufschwang.“

Christopher Finders ist 45, nach dem Tod der Eltern hat er nur noch sein Elternhaus, in dem sein recht merkwürdiger Bruder Gerald haust - anders kann man es nicht nennen - seine Ex Frau Carol und sein eigenes kleines Häuschen in Yorkshire. Seinen Job als Finanzbeamter hat er gerade verloren.
Dabei sah es einmal ganz anders aus bei ihm. Sein Traum vom Schriftstellerdasein schien sich erfüllt zu haben, als der berühmte Lektor Owen Goddard ihn förderte, sein Debütroman wurde auch veröffentlicht - doch dann….
War er wirklich zu hoch geflogen? Oder hatte ihm das Leben nur einen seiner Streiche gespielt? Ihm alles versprochen und dann wieder genommen?
Da eröffnet eine unerwartete Begegnung die Chance, dem Leben doch noch einmal eine entscheidende Wendung zu geben…

Claire Chambers „Heimliche Zeilen“ , übersetzt von Wibke Kuhn, hat mich wie schon ihr Roman „Scheue Wesen“ von den ersten Sätzen an in den Bann gezogen. Ich mag ihren ruhigen Stil, die genaue Charakterzeichnung, den leisen Humor. Und die Hoffnung, die dieses Buch über verpasste Chancen und Lieben ausstrahlt.
Einfach ein wunderbar unaufgeregter und trotzdem fesselnder Roman.
Was will man mehr.

Heimliche Zeilen

von Clare Chambers

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Holly
Frank Menden

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„Glücklichsein war nie mein Ziel, das ist doch ein fürchterlicher Zustand, da hat man ja die ganze Zeit Angst, dass es gleich wieder vorbei ist.“

Die angebliche Sichtung eines seltenen Vogels auf einer kleinen Insel vor Finnland steht am Beginn dieser ungewöhnlichen Geschichte.
Die junge Journalistin Eva soll dieser Meldung nachgehen und trifft auf der Insel Holly, eine verwitwete Schauspielerin, die den Blauwangenspint, so der Name des normalerweise in Nordafrika vorkommenden Vogels, gesichtet haben will.

Was sich nun entspinnt ist die Konfrontation zweier Höchst unterschiedlicher Frauen. Ruhig und zurückhaltend trifft auf expressiv und extrovertiert. Doch bald verschwimmen die Grenzen - und als ein ehemaliger Liebhaber Hollys auf der Insel auftaucht, werden die Karten neu gemischt.
Und was hat es eigentlich mit dem gesichteten Vogel auf sich?

„Holly“ von Maisku Myllymäki , übersetzt von Elina Kritzokat, ist ein ungewöhnlicher Roman, der mich immer wieder an Ingmar Bergmans Film „Persona“ erinnert hat - und der doch ganz anders ist.
Raffiniert, spannend, mir der richtigen Dosis Unwägbarkeit, ist der finnischen Autorin ein Buch gelungen, das sicherlich polarisiert.
Mich haben diese beiden Frauen und die Dynamik ihrer Begegnung ungemein fasziniert - bis zum ungewöhnlichen und zwingenden Ende.
Von Maisku Myllymäki würde ich gern mehr lesen!

Holly

von Maisku Myllymäki

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Miss Betony in Gefahr
Frank Menden

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Emma Betony ist kurz davor ihren Ruhestand in einer Sommerresidenz zu verbringen, als sie eine ihrer ehemaligen Schülerinnen um einen Gefallen bittet.
Grace Aram leitet ein kleines Internat, in dem merkwürdige Dinge vor sich gehen. Zu gern macht sich Miss Betony auf den Weg, muss jedoch bald feststellen, dass sich in der Schule wirklich mysteriöse Dinge abspielen. Und während sie noch versucht die komplizierten Beziehungen von Schülerinnen und Lehrerinnen zu durchdringen fällt ihr Verdacht auf einen Mann, der alle Bewohner des Internats in seinen Bann zu ziehen scheint: den „Großen Ambrosio“, ein Wahrsager. Warum nur folgen alle diesem Mann? Und was bezweckt er? Oder ist alles nur ganz harmlos und die Gefahr lauert woanders?

Ich liebe Krimiklassiker! Und von Dorothy Bowers hatte ich zu meinem Leidwesen noch nie gehört, obwohl sie in den 1940ern zu den erfolgreichsten Kriminalschriftstellerinnen Englands gehörte und von Dorothy L. Sayers in den ehrwürdigen „Detection Club“ geladen wurde. „Miss Betony in Gefahr“ bietet beste klassisch englische Krimiunterhaltung: atmosphärisch, intelligent, mit vielen falschen Fährten, einer gelungenen Auflösung und einer heldin, die Miss Marple in nichts nachsteht.

Miss Betony in Gefahr

von Dorothy Bowers

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Die vorletzte Frau
Frank Menden

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Als Katja Oskamp 2019 mit „Marzahn, mon amour“ ein bis heute von vielen gefeiertes Buch veröffentlicht, war sie für viele Lesende eine große Entdeckung.
Für mich war die Schriftstellerin keine Unbekannte mehr, hatte sie mich doch schon 2003 mit ihrem Debüt „Halbschwimmer“ und den nachfolgenden Büchern „Die Staubfängerin“ und „Hellersdorfer Perle“ vollkommen begeistert.

Nun erscheint mit „Die vorletzte Frau“ endlich ein neuer Roman.
Wie bereits der Vorgänger ist auch dieses Buch stark autofiktional ( ihre Tätigkeit als Fußpflegerin und der Erfolg ihres darauf basierenden Buches werden hier auch thematisiert ).
Im Zentrum steht die 19 Jahre dauernde Beziehung zu einem bekannten Schriftsteller, die zu Beginn alles ist, was man sich von einer Liebesbeziehung nur wünschen kann - und die sich dann durch die Krankheit des Mannes mannigfaltig verändert.

Katja Oskamp schreibt entwaffnend ehrlich, nie despektierlich, mit scharfer Beobachtung und ebensolchem Humor. Sie gibt intime Einblicke und bleibt doch diskret ( ihr langjähriger Partner ist mit dem Roman einverstanden), lässt uns teilhaben an ihrem Leben, ihrer Liebe, ihrem Muttersein, den Erfolgen und Misserfolgen - und hat mich aufs Neue beeindruckt, berührt und begeistert.
Einzelheiten zu erzählen würde bedeuten viel vorwegnehmen. Zum Beispiel, warum der Roman diesen Titel trägt und eine Katze auf dem Cover abgebildet ist.
Aber das Vergnügen, dies selbst herauszufinden, selbst in dieses Buch , dieses Leben, einzutauchen, es mit zu leben - dies möchte ich mit keinem Wort zu viel spoilern.
Nur so viel: gönnt euch diesen Roman! Ihr werdet es in keinster Weise bereuen .

Die vorletzte Frau

von Katja Oskamp

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Die Bäume streifen durch Alexandria
Frank Menden

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„Die Abbildungen der Mächtigen konnten wechseln, doch blieb das Artinos, was es immer gewesen war, nämlich ein erstklassiges Lokal.“

Die Haute Volee Alexandrias ist in den 1960er Jahren im „Artinos“ zuhause. Meist trifft sich die Gruppe von Intellektuellen und Freigeistern gegen Mitternacht, diskutiert und kommentiert sowohl die privaten Beziehungen und erotischen Verwicklungen, als auch die sich allmählich abzeichnenden politischen Veränderungen. Denn das von Multikulturalität geprägte Alexandria wird zunehmend geprägt von dem vom Geheimdienst gesäten Misstrauen. Und auch die Gruppe um die Buchhändlerin Chantal, Schokoladenfabrikant Tony und dem schillernden Carlo kann den Zeichen der Zeit bald nichts mehr entgegensetzen. Denn wie kann man in einer beginnenden Diktatur Widerstand leisten, wie in ihr leben, ohne sich und seine Freunde zu verraten?

„Die Bäume streifen durch Alexandria“ von Alaa al-Aswani , übersetzt von Markus Lemke, ist ein fesselndes Porträt einer Gesellschaft, eines Landes im Umbruch. Dabei ist der komplexe Roman dank der hervorragenden Figurenzeichnung, der vielen Perspektiven und kurzen Kapiteln absolut mitreißend zu lesen. Man wähnt sich wie in einer packenden Fernsehserie, ohne dass die Kernaussage verloren geht: die Warnung vor der Vereinheitlichung des Denkens.
Dieser Roman aus dem letzten Herbst sollte noch unbedingt von vielen Menschen gelesen werden, ist er doch leider allzu aktuell.

Die Bäume streifen durch Alexandria

von Alaa al-Aswani

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Das Unwetter
Frank Menden

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Aus der beliebten Reihe „Bücher, die niemand auf dem Schirm hat“ heute: „Das Unwetter“ von Brit Bildoen, übersetzt von Frank Zuber.

Dieser Roman entzieht sich jeglicher kategorischen Einordnung.
Es ist Oktober, das Wetter in Norwegen ist eher unwirtlich. Trotzdem soll in einem kleinen abgeschiedenen exquisiten Hotel in den Bergen die goldene Hochzeit der Eltern gefeiert werden.
Tochter Dorte hat alles geplant und organisiert, obwohl man nun auch wirklich gut Zuhause hätte bleiben können.
Was nun folgt, ist ein klassisches Thriller Setting: eine Gerölllawine macht die Straße ins Tal unpassierbar, die Familie sitzt zusammen mit dem Wirt Ole fest - und dann tauchen plötzlich zwei fremde Männer auf…
Aber es kommt ganz anders als man denkt.

Ich kann mir gut vorstellen, wie man im Verlag gerätselt hat, wie dieses Buch zu platzieren sei.
Die Tagline „Sechs Menschen, drei Tage - und ein Berg voller Lügen“ ist auf jeden Fall viel zu reißerisch für diesen klugen, gut beobachteten, ruhigen und dennoch ungemein spannenden und beklemmenden Roman.
Für mich schreit diese Vorlage geradezu nach einer Verfilmung durch Thomas Vinterberg, so sehr hat es mich in der Atmosphäre und Personenkonstellation an seine Filme erinnert.

Wer Lust auf einen kleinen feinen beunruhigen Roman ohne Effekthascherei hat , der sollte sich diesem „Unwetter“ unbedingt aussetzen.

Das Unwetter

von Brit Bildøen

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Tödliches Angebot
Frank Menden

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Washington D.C.
Nach 18 Monaten und 11 verlorenen Bietergefechten auf dem heiß umkämpften Immobilienmarkt ist Margo Miyake mit den Nerven am Ende. Wann endlich kann sie mit ihrem Mann in das ersehnte Traumhaus ziehen? Wann endlich wird ihr Leben endlich so sein wie sie es verdient hat? Und wann kann sie endlich mit der Familienplanung beginnen ( ihre kleine Zweizimmerwohnung ist gänzlich ungeeignet für ein Kind )?
Da hört sie von einem wunderbaren Haus in der einer heissbegehrten Wohngegend und ist sich sicher: dieses Haus muss es einfach sein.
Eine erste In Augenscheinnahme von der Straße aus ist vielversprechend. So vielversprechend, daß man die aktuellen Bewohner unauffällig beobachten kann. Eigentlich könnte man ja auch einmal unbemerkt einen kurzen Blick ins Haus werfen. Und warum sich nicht „zufällig“ anfreunden?
Doch Margo hat da bereits eine Grenze überschritten. Und schreckt vor nichts zurück, um endlich ihr Traumhaus beziehen zu können. Vor gar nichts!

„Tödliches Angebot“ ist ein wunderbar böser Pageturner mit einer zugegeben leicht erratischen Protagonistin. Aber Marisa Kashino drückt aufs Tempo, schüttelt immer neue Twists aus dem Ärmel, bis man atemlos am Ende dieser vertrackten Geschichte angekommen ist. Margo ist sicherlich keine Sympathieträgerin. Aber wer schon einmal im Leben verzweifelt eine Unterkunft gesucht hat kann nicht umhin sie für ihre Kreativität und Hartnäckigkeit zu bewundern- zumindest ein bisschen.

Tödliches Angebot

von Marisa Kashino

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Hörst du den Schrei?
Frank Menden

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Vor fünfzehn Jahren verschwand die siebenjährige Leah spurlos. In einem reinen Indizienprozess wurde ihr Vater Tobias des Mordes an seiner Tochter für schuldig erklärt, obwohl nie eine Leiche gefunden wurde.
Podcaster Markus Heger nahm sich des Falles an, aber als eine seiner Quellen, die eine aufsehenerregende neue Spur versprach, ihr Aussage wieder zurückzog, ließ er die anvisierte zweite Folge fallen.

Als sich die Journalistin Mathilde Wold aufgrund des Podcasts mit dem Fall befasst, stößt sie auf eine neue Spur. Doch bevor sie mit Markus Heger sprechen kann, verschwindet auch sie.
Heger steigt nun selbst wieder in die Ermittlungen ein und entdeckt bald einige Ungereimtheiten. Warum z.B. hat sich Tobias damals kurz vor seiner Entlassung in seiner Zelle erhängt? Markus hat immer mehr den Verdacht, dass der wahre Täter noch ungestraft weiter in der Öffentlichkeit lebt – und weiter mordet…

Der erste Krimi des Duos Jorn Lier Horst, dessen „Wisting“-Romane ich nachdrücklich empfehlen kann, und Jan-Erik Fjell überzeugt auf ganzer Linie. Geschickt verknüpfen die beiden Autoren True Crime und Crime Podcast und erschaffen eine zwar recht gradlinige, aber dennoch hochspannende Geschichte, die tief in der Vergangenheit und den menschlichen Abgründen höchst Überraschendes zu Tage fördert.
Von dem Podcaster Markus Heger wird hoffentlich noch mehr zu lesen sein…

Hörst du den Schrei?

von Jørn Lier Horst, Jan-Erik Fjell

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Der andere Arthur
Frank Menden

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Arthur Opp, ehemaliger Literaturprofessor, 250kg schwer, hat sein Haus in Brooklyn seit über zehn Jahren nicht mehr verlassen. Seine einzige Freude ist das Essen und das Fernsehprogramm, Kontakte zur Aussenwelt sind schon seit längerer Zeit eingeschlafen.
Da meldet sich eine Stimme aus der Vergangenheit bei ihm. Charlene Turner, eine ehemalige Studentin, bittet Arthur um Hilfe. Ihr Sohn Kel kämpft mit seinem Schulabschluss und dem Leben an sich. Ob Arthur ihm evtl. etwas an die Hand nehmen könnte, ihm Ratschläge geben, neue Perspektiven zeigen könnte…

Es ist dem großen und verdienten Erfolg von „Der Gott des Waldes“ zu verdanken, dass dieser bereits 2012 im Original erschienene Roman nun in einer exzellenten Übersetzung ( Cornelius Hartz ) azf Deutsch vorliegt. Liz Morre erzählt hier eine gänzlich unsentimentale Geschichte über zwei Aussenseiter, über Einsamkeit und Perspektivlosigkeit, Armut, verpasste Chancen – und über einen kleinen Streifen Hoffnung am Horizont.
Nie droht ihr Roman in Pathos oder Kitsch abzudriften, immer bleibt sie nah bei ihren hervorragend gezeichneten Figuren.
Ruhig, unaufgeregt, legt sie Schicht um Schicht der beiden ungleichen Protagonisten frei – und beschert uns einen berührenden, unvergesslichen Roman.

Der andere Arthur

von Liz Moore

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Dämmerung
Frank Menden

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„Sie hatte sich fremde Identitäten ausgeliehen, um sich nicht für eine eigene entscheiden zu müssen. Nun hatte das Leben für sie die Entscheidung getroffen.“

„Dämmerung“ von Kjell Westö , übersetzt von Kristina Maidt - Zinke, stellt zwei Menschen ins Zentrum des „Romans aus Kriegszeiten“, so der Untertitel.
Molly, eine Schauspielerin, die vermehrt mit ihrem Beruf hadert, der ihr in den Wirren der Kriegszeit 1940/41 immer mehr abverlangt.
Und Henry, ein Journalist, den das an der Front erlebte Grauen nicht mehr loslässt und der gegen die Zensur seiner Redaktion kämpft, die seine realistischen Berichte nicht drucken wollen.

Zwei Menschen, die sich kennenlernen, sich verlieben, die der Krieg vor mannigfaltige Herausforderungen stellt, als Individuen, als Paar.
Was, wenn die gemachten Erfahrungen zu traumatisch sind, was, wenn die einsetzende Sprachlosigkeit zu Verletzungen führt, die nicht mehr zu kitten sind?

Kjell Westös preisgekrönter Roman verbindet seine Liebesgeschichte mit der Geschichte Finnlands und der Geschichte der Finnlandschweden.
Es ist ein Buch, das unter die Haut geht , Einblicke in das Theater- und Kulturleben gibt und über die Gräuel des Krieges an der Front und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dazu ist es ein Plädoyer für die Aufgabe des Journalismus in harten und schwierigen Zeiten.
Sehr zu empfehlen!

Dämmerung

von Kjell Westö

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Ehemänner
Frank Menden

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Als Lauren von einem feucht fröhlichen Junggesellinnenabschied nach Hause kommt findet sie einen fremden Mann in ihrer Wohnung .
Der beteuert jedoch ihr Ehemann zu sein - nur ist Lauren Single .
Als der Mann auf den Dachboden geht und kurz darauf ein anderer Mann durch die Luke in der Decke in ihre Wohnung steigt , zweifelt Lauren an ihrem Verstand.
Doch bald versteht sie zwar nicht was da vor sich geht , das Konzept der stetig wechselnden Ehemänner überzeugt sie jedoch .
Wie befreiend , Männer beim kleinsten Misston einfach auszuwechseln.
Allerdings wechseln nicht nur die Männer, auch ihre Lebensumstände sind immer andere, die Wohnung mal mehr oder weniger geschmackvoll möbliert und auch das Verhältnis zu Nachbarn und Freundinnen ist jedes Mal leicht anders…

„Sie mag die neuen Versionen von sich selbst nicht immer, aber sie helfen ihr, die Grenzen ihrer Persönlichkeit zu verstehen.“

„Ehemänner“ , übersetzt von Babette Schröder ist eine Wundertüte von Roman.
Nicht nur ist die Idee absolut zwingend und originell ( ich habe ein paar Mal laut auflachen müssen ), die Autorin versteht es hervorragend , ihrer Geschichte durch immer wieder neue Ideen Wendungen zu verleihen, die ihr immer mehr Tiefe geben.
Für mich war dieser intelligente Unterhaltungsroman eine sehr begeisternde Leseerfahrung, die nicht nur das moderne Datingverhalten kommentiert , sondern auch andere Aspekte unserer Gesellschaft kritisch beleuchtet .
Ein großer Spaß mit Mehrwert !

Ehemänner

von Holly Gramazio

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O Brother
Frank Menden

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2010 begeht Gary Niven im Alter von 42 Jahren Selbstmord. Vor allem sein älterer Bruder John quält sich seitdem mit Schuldgefühlen : hätte er die Tat kommen sehen können, hätte er eingreifen können , hätte hätte hätte…

John Nivens „O Brother“ ist weitaus mehr als nur ein sehr persönliches Memoir.
Der erfolgreiche Schriftsteller spürt der Frage nach, warum zwei Menschen mit der gleichen Herkunft, den gleichen Lebensumständen völlig andere Lebenswege einschlagen.
Warum der eine , John selbst, im Leben reüssiert, erfolgreich wird, während der andere, Gary, von frühester Kindheit an ein Troublemaker ist und auf die schiefe Bahn gerät. Auf einen Weg, aus dem er an seinem Ende keinen Ausweg mehr sieht.

John Niven schont sich und die Seinen in diesen berührenden Lebenserinnerungen nicht. Er schreibt sich die Trauer von der Seele, durchlebt noch einmal alle Höhen und Tiefen der Geschwisterbeziehung, hinterfragt die Erziehung der Eltern und auch seine eigenen Verhaltensmuster.
Immer wieder blitzt der Nivensche schwarze Humor durch, aber vor allem ist dieses ungemein bewegende Buch eine Hommage an den verlorenen Bruder.
Beeindruckend!

O Brother

von John Niven

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Das Mädchen vom Moorhof
Frank Menden

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In dieser rauen und gefühlt politisch immer absurder werdenden Zeit war die Lektüre von Selma Lagerlöfs Novelle „Das Mädchen vom Moorhof“ eine willkommene Ruhepause.

Die Magd Helga erwartet im Schweden der Jahrhundertwende um 1900 ein unehrliches Kind. Der Vater , ein Bauer, streitet die Vaterschaft jedoch ab, auf eine eidesstattliche Erklärung seinerseits verzichtet Helga jedoch, weil ihr das Seelenheil des Mannes mehr wert ist als Gerechtigkeit ihr gegenüber.

Diese Integrität rührt die Menschen in ihrem Umfeld sehr, die Eltern nehmen sie wieder bei sich auf, und in der Gestalt des schmucken Gudmund scheint auch die Zukunft wieder heller zu sein…

Die Sühne von Schuld und die versöhnende und erlösende Kraft der Liebe waren neben einprägsamen Schilderungen der varmländischen Natur die grossen Themen Selma Lagerlöfs.
1909 erhielt sie als erste Frau den Literaturnobelpreis, 1914 wurde sie als erste Frau in die Schwedische Akademie aufgenommen.
Die von Hanna Granz neu übersetzte Novelle mit den wunderbaren Zeichnungen von Ulrike Möltgen bietet eine willkommene Gelegenheit die Autorin ( wieder) zu entdecken.

Das Mädchen vom Moorhof

von Selma Lagerlöf

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Das Internat
Frank Menden

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Die Geschichte der „Sally in the Wood“, eines jungen Mädchens, dass in einem weißen Kleid durch die Wälder von Thorncombe streifen soll ist gerade an Halloween in der gleichnamigen Stadt äusserst beliebt.
Als jedoch am Tag nach Halloween ein junges Mädchen im weißen Kleid, mit schwarzer Vogelmaske und rätselhaften auf die Haut gekritzelten Worten tot im Wald aufgefunden wird, steht Thorncombe Kopf. Vor allem als sich das Opfer als eine der beliebtesten Schülerinnen des ansässigen Privatinternats herausstellt, in das auch die Tochter des ermittelnden Detectives Ben Chase geht – und in der seine Ex-Frau arbeitet.
Je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto undurchsichtiger wird der Fall. Immer neue Hinweise verdichten den Verdacht, dass der oder die TäterIn aus dem Internat kommt. Und das bringt Chases Tochter und Ex-Frau in größte Gefahr…
„Das Internat“ ist nach „Das Wochenende“ der zweite hochkarätige Thriller von Hannah Richell. Mit immer neuen verblüffenden Wendungen schafft sie es, die Spannung bis ganz zum Schluß zu halten.
Ein Pageturner par excellence, nahezu perfekte Thrillerunterhaltung -nach der man ungern nach Einbruch der Dunkelheit einen Waldspaziergang unternehmen möchte…

Das Internat

von Hannah Richell

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Das Lied von Storch und Dromedar
Frank Menden

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Dieser Roman wird mich noch lange begleiten. Und ganz ehrlich : es ist schon fast gemein gegenüber all den Novitäten in diesem Jahr, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass dies hier an Intensität, Spannung und literarischer Qualität noch groß zu übertreffen sein wird.

„Das Lied von Storch und Dromedar“ von Anjet Daanje , übersetzt von Ulrich Faure, ist ein literarisches Mosaik über die Wirkung, die ein Mensch und ein Werk noch über den Tod hinaus haben.

Im Zentrum steht die zu Beginn der 1847 in Yorkshire beginnenden Handlung die Schriftstellerin Eliza May Drayton - die ist da allerdings bereits verstorben. Hinterlassen hat sie den Roman „Haegar Mass“ - von ihren Zeitgenossen kritisiert, von der Nachwelt gefeiert .
Doch wer war diese Frau aus einem kleinen englischen Dorf?
Und warum wird ihr Nachruhm - und auch der ihrer Schwestern - von Jahr zu Jahr größer, der Kult um sie immer bedeutsamer?

Man darf nicht zu viel verraten, man muss sich einfach hineinfallen lassen in diese knapp 1.000 Seiten und sich ganz der Kunst Daanjes hingeben.
Denn dieses lose an der Biografie der Bronte Schwestern orientierte Buch ist einfach unfassbar gut.
Und wer es verpasst hat in diesem Falle WIRKLICH eins DER Leseerlebnisse und - vergnügen der letzten Jahre verpasst!

Das Lied von Storch und Dromedar

von Anjet Daanje

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Meine Freunde
Frank Menden

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London 1984.
Eine Demonstration vor der Botschaft Libyens gegen Machthaber Gaddafi wird zum Wendepunkt im Leben dreier Männer. Aus dem Botschaftsgebäude wird auf die Demonstrierenden geschossen, eine Polizistin stirbt, mehrere Menschen werden verletzt.
Für die teilnehmenden Studenten Khaled und Mustafa wird klar: eine Rückkehr in ihre Heimat wird unmöglich. Fortan ist die Angst ihr ständiger Begleiter. Angst um sich, Angst um die Familien in Libyen.
So ergeht es auch Hosam, einem befreundeten Schriftsteller, der wie sie im Exil lebt. Eine seiner Kurzgeschichten wurde im libyschen Rundfunk vorgelesen, was den vortragenden Journalisten das Leben gekostet hat.

Ein Leben im Exil, Freundschaften auf dem Prüfstand, dazu der stetige politische Wandel sowohl in der alten wie auch der neuen Heimat - all dies stellt die drei Männer vor immer neue Herausforderungen: soll man bleiben oder zurück in die alte Heimat?

Hisham Matars Roman „Meine Freunde“ , ist ein durchaus komplex gestaltetet Roman, der uns auf Khaleds Spaziergängen durch London sowohl von der Vergangenheit als auch der Gegenwart seiner Protagonisten erzählt- und uns dadurch eine Geschichte über die Kraft und die Grenzen von Freundschaft und über den Zusammenhang von Literatur, Heimat und Identität aufzeigt.
Was das Exil bedeutet, was eine Diktatur , die man trotz Flucht nie hinter sich lassen kann, für ein Leben bedeutet : hier erfahren wir es. Hautnah, eindringlich, mit großer literarischer Intensität.
Chapeau!

Meine Freunde

von Hisham Matar

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Schatten der Gondeln
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

John Banville zu lesen ist immer ein Vergnügen.
In seinem neuesten Roman „Schatten der Gondeln“ , übersetzt von Elke Link, führt er uns in das Venedig des anbrechenden 20. Jahrhunderts.
Hierher kommt der Schriftsteller - oder Schreiberling, wir er sich selbst bezeichnet- Evelyn Dolman mit seiner Ehefrau Laura Rensselaer, nachdem sich ihre gemeinsame Hoffnung auf ein großes Erbe zerschlagen haben.
Laura, die Tochter eines Olbarons, zerstritt sich leider kurz vor dessen Tod mit ihrem Vater und wurde enterbt.
Der Aufenthalt in Venedig soll dazu dienen, sich über die weitere Zukunft Gedanken zu machen.
Doch für Evelyn scheint Venedig ein Ort voller Geheimnisse, Mysterien und Intrigen zu sein.
Oder bildet er sich die unheimlichen und unerklärlichen Begebenheiten nur ein?

Dieser Roman liest sich so, als hätten sich Henry James und Patricia Highsmith zusammen getan und davor Nicholas Roegs Klassiker „Don‘t look now - Wenn die Gondeln Trauer tragen“ zur Einstimmung gesehen.
Der Nebel wabert durch die Stadt, der Palazzo erscheint ebenso unheilvoll wie der Gastgeber verschlagen und am immer wieder aufblitzenden Suspense hätte auch Hitchcock seine Freude gehabt.
Vielleicht ist diese Hommage an den guten alten Schauerroman etwas zu glatt geraten, sprachlich unterhält dieser neue Banville aber wieder einmal auf hohem Niveau - und lotet dabei gewohnt gekonnt die dunklen Seiten der menschlichen Seele aus.
Ein Roman, nicht nur für Venedig Liebhaber.

Schatten der Gondeln

von John Banville

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Transit 64
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Januar 1964.
Auf dem Weg zu einem Konzert in Warschau landet Marlene Dietrich auf dem Flughafen in Ostberlin.
Nicht nur die Presse wartet auf sie. In Westberlin warten zwei Männer auf sie, die ein besonderes Anliegen haben: Marlene Dietrich soll bei der Bundespräsidentenwahl als Gegenkandidatin zu Heinrich Lübke antreten.
Bei den beiden Männern mit dieser visionären Idee handelt es sich um Willy Brandt, den Regierenden Bürgermeister von Berlin, und seinen Sprecher Egon Bahr.

Das Personal ist real, der Zwischenstopp Marlene Dietrichs ebenso.
Der Rest könnte sich so zugetragen haben, ist allerdings ein reines Gedankenspiel.
Die Künstlerin Bettina Munk, Politikwissenschaftlerin Karin Wieland und der Soziologe Heinz Bude haben aus dieser Idee eine Mischung aus Roman und Graphic Novel geschaffen, die an alte SchwarzWeiss Filme erinnert.
Darüber hinaus bietet „Transit 64“ Einblicke in die Geschichte Ostberlins und erzählt mit leichter Melancholie von einem Star, der seinen Zenit überschritten hat und gegen das Vergessen werden kämpft. Und von einem Mann, der nach wie vor mit seiner Heimat fremdelt.

Ein wunderschön gestaltetes Buch, spannend, intelligent, fein beobachtet und eine willkommene Abwechslung auf dem deutschsprachigen Buchmarkt.

Transit 64

von Heinz Bude, Bettina Munk, Karin Wieland, BudeMunkWieland

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Die Lungenschwimmprobe
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

1681 steht die 15jährige Anna Voigt wegen Kindsmordes vor Gericht: sie soll ihr neugeborenes Baby ermordet haben. Das Urteil ist klar: die Todesstrafe. Doch Anna beteuert, dass ihr Kind tot zur Welt kam.
Zu ihrem Glück glaubt Annas Vater, ein wohlhabender und einflussreicher Mann, seiner Tochter. Und es findet sich ein Arzt, der durch ein neues Verfahren, die titelgebende „Lungenschwimmprobe“ nachweisen will, dass es sich tatsächlich um eine Totgeburt handelt. Zusammen mit dem aufstrebenden Juristen Christian Thomasius unternehmen die drei Männer alles, um Anna gegen alle Widerstände der Kirche und des Scharfrichters vor dem Tod zu retten. Ein Unterfangen, das scheinbar aussichtslos ist…

Tore Renbergs im Luchterhand Verlag erschienener Roman beruht auf einem wahren Fall in Leipzig. „Die Lungenschwimmprobe“ gilt als Beginn der Rechtsmedizin und so lesen sich die über 700 Seiten auch wie ein hervorragend recherchierter historischer Kriminalroman.
Aber Renberg schafft viel mehr als dies. Sein Roman ist auch ein akribisch recherchierter Appell gegen religiösen Fanatismus und Bigotterie und für kritisches Denken, Meinungs - und Religionsfreiheit.
Ein wahrlich gewichtiger Roman, der auch gelungen den Bogen in die Gegenwart schlägt und hoffentlich unter vielen Weihnachtsbäumen liegen wird.

Die Lungenschwimmprobe

von Tore Renberg

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Neben Fremden
Frank Menden

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„Ich bin nicht unzufrieden, komme halbwegs mit mir zurecht. Mein Leben ist auch ein Leben.“

Eva Schmidts neuer Roman „Neben Fremden“ erzählt von Rosa. Früher war sie Krankenpflegerin, jetzt ist sie in Pension. Mit ihrer Umwelt hat sie wenig Kontakt .
Eine ehemalige Kollegin, die vielleicht nur deshalb so etwas wie eine Freundin ist, Nachbarn , die auf näheren Kontakt keinen sonderlich gesteigerten Wert legen, und eine Mutter, die sie mit zunehmender Hinfälligkeit immer mehr zu vereinnahmen sucht.
Rosa kommt zurecht.
Als der verheiratete Mann mit dem sie ein Verhältnis hatte überraschend stirbt und ihr einen Campingbus hinterlässt, scheint ihr dies als ein etwaiger Wink des Schicksals.
Ein gleichzeitig eintreffender Brief besiegelt ihre Entscheidung, eine Pause von ihrem bisherigen Leben zu nehmen und loszufahren….

Spät in diesem Jahr kam dieser Roman zu mir, aber genau zur richtigen Zeit, passt er doch hervorragend zur Stimmung in diesen herbstlich winterlichen Monaten.
Eva Schmidt erzählt nüchtern und präzise, beiläufig streut sie Sätze ein, die gerade deswegen eine ungemeine Wucht entfalten.
Ein stiller Roman, mit 192 Seiten recht kurz, aber mit einer enormen Wirkung . Hier sitzt jeder Satz, jedes Wort ist genau überlegt.
Beeindruckend, berührend, unvergesslich.

„Wenn du erst einmal anfängst rückwärts zu denken geht’s dem Ende zu.“

Neben Fremden

von Eva Schmidt

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Eine vorbildliche Tochter
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Die Investigativjournalistin Camila Jones hat sich auf eine kleine Halbinsel in North Carolina zurückgezogen. Hier möchte sie Abstand von ihrem bisherigen Leben gewinnen und überlegen, wie es in Zukunft weitergehen soll. Alle Anfragen ihres alten Arbeitgebers werden abgeblockt, die FaceTime Gespräche mit ihrem Sohn sind ihr einziger Kontakt zur Aussenwelt.
Eines Tages steht der Leiter der lokalen Tageszeitung vor ihrer Tür und bittet sie um ihre Hilfe.
Vor einigen Monaten ist die 14jährige Sophie in der nächstgelegenen Kleinstadt auf dem Festland verschwunden, die Polizei ging von Selbstmord aus. Doch seitdem haben sich andere Hinweise ergeben, es scheint deutlich mehr hinter dem Verschwinden zu stecken als es die zuständigen Behörden zugeben wollen.
Camilas Interesse ist geweckt. Schnell verschafft sie sich einen Überblick und hegt schon bald einen ungeheuren Verdacht: könnte Sophie noch leben?

Fernando Axats „Eine vorbildliche Tochter“ ist ein sogenannter Slow Burner. Doch sobald Setting und Charaktere etabliert sind nimmt der Thriller vermehrt Tempo auf und überrascht mit immer neuen, verblüffenden Wendungen.
Ein absoluter Pageturner, bei dem sie die ein oder andere durchwachte Nacht einkalkulieren müssen.
Hervorragend!

Eine vorbildliche Tochter

von Federico Axat

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Die Unbußfertigen
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

„Sie haben einer App Ihre dunkelsten Geheimnisse verraten, Sie haben Dokumente und Fotos hochgeladen, ohne die allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen?“

Na, fühlt sich jemand ertappt?
Dann „Herzlich Willkommen“ zu Elina Penners neuen Roman „Die Unbussfertigen“ .

Zehn Influencer haben auf der zur Zeit wichtigsten und somit mächtigsten App der Welt den begehrten „Rank 10“ erreicht. Ihre Belohnung: ein exclusives Wochenende in einem abgelegen Herrenhaus im Nirgendwo.
Doch schnell wird klar: der Gewinn entpuppt sich als Bestrafung. Eine anonyme Stimme wirft den versammelten Netzpersönlichkeiten ihre moralischen Verfehlungen vor, Verbrechen, die das „normale“ Strafrecht nicht ahndet.
Hier aber herrschen andere Regeln, dass wird spätestens nach dem Verschwinden des ersten Influencers klar…

Dieser Roman besitzt ein unglaubliches Tempo und absolut brillante, pointierte Dialoge. Diese Mischung aus Gesellschaftssatire, Dystopie und Thriller ( die Parallelen zu Agatha Christie’s „ And then there were none“ werden im Text direkt angesprochen) macht ungemein Spaß, verursacht aber auch durch ihre Nähe zur Realität eine gewisse Verstörung.
Unserer frauenverachtenden Gesellschaft wird hier der Spiegel vorgehalten, es geht um Einsamkeit, Generationskonflikte, Migration, Abhängigkeit und exzessiver Selbstdarstellung.
Das sind viele Themen, die aber durch die geschickte Auswahl der Charaktere gut verkörpert und verdeutlicht werden.
Nur im letzten Drittel gab es dann für meinen Geschmack zwei Wendungen zu viel, die den Impact dieses Romans für mich etwas geschmälert haben.
Dennoch kann ich ihn allen Fans von rasanter intelligenter Gesellschaftskritik empfehlen: ein mitreißendes Leseerlebnis mit Widerhaken.

Die Unbußfertigen

von Elina Penner

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Wir dachten, wir könnten fliegen
Frank Menden

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„Literatur lässt uns die Welt, in der wir leben, mit anderen Augen sehen: Wer liest, kann an zwei Orten gleichzeitig sein. Wer liest, kann mühelos durch alle Zeiten reisen. Und wo sonst, wenn nicht in der Literatur, ist es uns gegeben, Tote wiederauferstehen zu lassen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die bloße Beschreibung einer Art nicht ausreicht, um sie von den Toten zu erwecken. Für diesen Zauber brauchen wir die Literatur.“

So Matthias Jügler im Vorwort von „Wir dachten, wir könnten fliegen“ , in dem 19 AutorInnen je eine ausgestorbene Tier- oder Pflanzenart auf unterschiedlichste Weise porträtieren bzw. ihr ein Denkmal setzen - wunderbar illustriert von Barbara Dziadosz.
Herausgekommen ist ein ganz wunderbarer Band voller unterschiedlicher Erzählungen, voller Humor und Wehmut, sehr berührend und ungemein verdienstvoll, führt er uns doch durch das Beschreiben des Vergangenen vor Augen, was wir unbedingt bewahren müssen.

Die 19 Erzählungen sind so verschieden wie ihre AutorInnen, darunter Daniele Droescher, , Caroline Wahl , T.C. Boyle, Kim de L'Horizon , John Burnside, Alex Capus, Julia Schoch,Clemens J. Setz und Antje Ravik Strubel.

Eine Anthologie, die Augen ( und in Kim de L'Horizons Beitrag auch Ohren ) öffnet, und die ein durch und durch famose Geschenk ist: für sich selbst und alle um einen herum!

Wir dachten, wir könnten fliegen

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Unsere Abende
Frank Menden

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„Einen berühmten Menschen zu kennen, macht einen vielleicht zum Teil seiner Geschichte, und man möchte, dass diejenigen, die diese Geschichte erzählen, deren Kern erkennen und sie richtig wiedergeben.“

In „Unsere Abende“ erzählt Alan Hollinghurst die Geschichte von Dave Win. Seinen burmesischen Vater hat er nie gekannt, seine Mutter verdient ihr Geld als Schneiderin.
Dank eines Stipendiums der wohlhabenden Familie Hollows kann er eine gute Schule besuchen, wenn er auch von deren fast gleichaltrigen Sohn Giles auf fieseste Weise malträtiert wird.
Dave wird Schauspieler, schlägt sich in London und auf Tourneen durch, während Giles eine steile Karriere in der Politik macht.
Doch auch das Leben von Daves Mutter Avril nimmt nach dessen Auszug eine ganz andere Wendung …

Ich bin ein großer Fan von Alan Hollinghurst, „Die Schwimmbadbibliothek“ und „Die Schönheitslinie“ ( Booker Prize 2004 ) gehören zu meinen prägendsten Leseerlebnissen.
Sein neuer Roman , hervorragend übersetzt von Joachim Bartholomae, zeigt wieder einmal seine literarische Meisterschaft.
Hollinghurst versteht es wie kein anderer wichtige Themen in einer ruhigen, unaufdringlichen Art und Weise zu erzählen, die diese umso eindringlicher machen.
Er vermeidet Klischees und Übertreibungen, und spickt seinen Roman mit Anspielungen, die die englische ( Klassen-) Gesellschaft genau porträtieren und entlarven.

Die „SZ“ hält „Unsere Abende“ für Alan Hollinghursts besten Roman, die „Literary Review“ nennt ihn einen packenden Bildungsroman.
Ich war 616 Seiten lang gefesselt von Daves Geschichte, von seinem nie einfachen Leben als schwuler halbburmesischer Mann, von seinen Kämpfen, Niederlagen und Siegen.
Ein Roman über Klasse und Kunst, Liebe und Gewalt , über Sehnsucht und Ankommen, wie gemacht für Leseabende im Herbst.

Unsere Abende

von Alan Hollinghurst

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'Kluge Frauen bezahlen ihre Kleider selbst'
Frank Menden

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Zum ersten Mal hörte ich den Namen Elsa Schiaparelli im Zusammenhang mit ihrer Enkelin Marisa Berenson, Top Model der 1960er und 1970er und Schauspielerin ( „Cabaret“, „Barry Lyndon“ ) .
Ab diesem Zeitpunkt jedoch beschäftigte mich die italienische Modedesignerin immer mehr, wurden ihre Entwürfe immer präsenter, kleidete sie doch auch viele große Stars des von mir verehrten Old Hollywood ein ( Dietrich , Crawford, Garbo, Hepburn).

Michaela Karl hat nun auf ihre unvergleichliche Art und Weise eine wunderbare Biografie über die bedeutende Designerin geschrieben, die anders als ihre große Rivalin Coco Chanel ein wenig in Vergessenheit geraten ist.
Sie schildert in ihrem aus vielen Biografien bekannten atmosphärischen, lockeren Stil dieses außergewöhnliche Frauenleben des 20. Jahrhunderts.
Dabei besticht wie immer bei Michaela Karl die gründlich recherchierte Quellenlage, die die zahllosen erhellenden Anekdoten hervorgebracht haben, die „Kluge Frauen bezahlen ihre Kleider selbst“ r zu einem so mitreißenden Buch machen.
Nicht nur ein „Must have“ für Modefans, sondern auch eine geschickte Verknüpfung von Mode und Gesellschaftspolitik von den 1930ern bis in die Gegenwart und eine Hommage an Kreativität, Mut und Individualität.

'Kluge Frauen bezahlen ihre Kleider selbst'

von Michaela Karl

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Manche Schuld vergeht nie
Frank Menden

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Natürlich ist es auch bei Genreliteratur immer schwierig etwas zu entdecken, was überrascht , mitreißt, neue Impulse setzt.
Aber wenn, dann muss ich das Buch in einem Rutsch weglesen, egal wann am nächsten Tag der Wecker klingelt.

So ein Kriminalroman ist „Manche Schuld vergeht nie“ von Elly Griffiths.
Protagonistin Ali Dawson, eine Kriminalbeamtin, arbeitet unter strengster Geheimhaltung, nur wenige Menschen sind mit ihren Missionen vertraut: einstündige Reisen in die Vergangenheit, um dort bislang ungeklärte Mordfälle zu untersuchen.
Der neueste Auftrag erweist sich als besonders kniffelig, denn zum einen wird Ali persönlich von einem Mitglied der britischen Regierung für die Mission angefordert. Zum anderen wird sie zum ersten Mal für die Menschen der Vergangenheit sichtbar sein, für die Menschen im London des 19. Jahrhundert.
Als Ali zum verabredeten Zeitpunkt nicht zurückgeholt werden kann, ergeben sich sowohl in der Vergangenheit als auch der Gegenwart Situationen, die sich jeglicher Kontrolle zu entziehen scheinen….

Es gab bei der Lektüre dieses intelligent konstruierten Romans zwei PlotPoints, die ich so genial fand, dass ich einfach dran bleiben MUSSTE.
Natürlich werde ich sie hier nicht spoilern, aber für alle, die ungewöhnliche, spannende, intelligente Krimis mit hervorragend gezeichneten Figuren lieben, tja, für die führt kein Weg an diesem brillanten Krimi vorbei.
Großes Kino!

Manche Schuld vergeht nie

von Elly Griffiths

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Dreihundert Männer
Frank Menden

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Kann man die Geschichte der deutschen Wirtschaft mitreißend, klug, pointiert und mit einer Prise Humor erzählen?
Oh ja, man kann, wie Konstantin Richter in „Dreihundert Männer - Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ beweist.

Auf 543 Seiten erzählt Richter von den Männern und Firmen, die die deutsche Wirtschaft und damit auch unser aller Leben wesentlich prägten und zum Teil bestimmten.
Dabei entsteht ein Zeitporträt, das nie trocken daherkommt.
Richter verwebt die Porträts der Unternehmen und ihrer Führungspersönlichkeiten mit fundierten und teilweise amüsanten Anekdoten, ohne jedoch das große Ganze aus dem Blick zu lassen.
Dabei spannt er den Bogen von 1870 bis in die 1990er Jahre und wirft auch einen Blick in Gegenwart und Zukunft der Bundesrepublik.
Diese Verbindung von historischen und politischen Zusammenhängen bietet neben einem hohen Erkenntnisgewinn auch äußerst spannende, intelligente Unterhaltung.
Ein absolutes MustRead für alle, denen „normale“ Wirtschaftsbücher zu trocken sind .
Und für mich neben Henning Sussebachs „Anna“ das Sachbuch des Jahres!

Dreihundert Männer

von Konstantin Richter

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Seidenstraße
Frank Menden

Frank Menden

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In Hamburg werden die Proteste gegen ein geplantes Handelsabkommen mit China immer lauter, vor den Toren der Hamburger Transportgesellschaft wird demonstriert. Als in der Innenstadt eine chinesische Unternehmensberaterin ermordet wird, ist dies für die Boulevardpresse und die sozialen Medien ein gefundenes Fressen: war Jessica wang vielleicht eine chinesische Spionin?
Fast gleichzeitig kommt in Berlin ein Bundestagsabgeordneter unter mysteriösen Umständen zu Tode. Könnte es eine Verbindung zwischen den beiden Todesfällen geben?

Der ehemalige BND Agent Max Österreich, seines Zeichens Sicherheitschef des Hamburger Hafens und die Journalistin Laura Schneider machen sich erst unabhängig voneinander, dann aber gemeinsam, auf die Suche nach Motiven und Zusammenhängen. Dabei kommen sie einer Verschwörung auf die Spur, die globale Auswirkungen zu haben scheint - und sie immer mehr ins Fadenkreuz von Polizei, Politik und Geheimdiensten geraten lässt…

Robert Lackner legt mit „Seidenstrasse“ einen temporeichen intelligenten und kenntnisreichen Polit- und Wirtschaftsthriller vor. Das Thema ist brandaktuell, und durch die Vermischung von Fakten und Fiktion erhält der Thriller noch mehr Brisanz.
Ein hervorragend recherchierter, actionreichen Roman, der gekonnt die vielen Handlungsfäden zusammenführt und der an atemloser Spannung kaum zu überbieten ist.

Seidenstraße

von Robert Lackner

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Mit Liebe und Safran
Frank Menden

Frank Menden

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Dieses Buch ist ein Seelenwärmer!

Am Anfang steht etwas Safran, per Post verschickt an Imogen Fortier, eine knapp 60jährige Kolumnistin, die zurückgezogen auf Cameo Island in der Nähe von Seattle mit ihrem Mann Francis wohnt.
Die Absenderin der ungewöhnlichen Gewürzsendung ( ein passendes Rezept wurde beigelegt ) ist die 27jährige Joan Bergstrom aus Los Angeles, ein Fan von Imogens Kolumne, die gerade versucht als Journalistin Fuß zu fassen.
Zwischen den beiden Frauen entsteht eine immer inniger und offener werdende Freundschaft, die beider Leben nicht nur kulinarisch bereichern und verändern wird…

„Mit Liebe und Safran“ von Kim Fay , übersetzt von Manfred Allie, ist ein wunderschöner, herzerwärmender Briefroman, der die Freundschaft und Solidarität von Frauen feiert, der uns zeigt, wie kochen Grenzen überwinden kann, und uns lehrt, sich der Welt gegenüber zu öffnen.
Nebenbei zeigt es die politischen und gesellschaftlichen Strömungen der 1960er auf und hinterlässt uns mit einer großen Portion Zuversicht und Hoffnung - und jeder Menge kulinarischer Anregungen.

Mit Liebe und Safran

von Kim Fay

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Familiensache
Frank Menden

Frank Menden

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„Fünfeinhalb Stunden nachdem man ihm gesagt hatte, dass er bald sterben würde, fuhr Heron zu seinem Lieblingssupermarkt.“

Mit diesem Satz beginnt Claire Lynchs Debütroman „Familiensache“. Es ist Juli 2022 und Heron wird wie jeden Donnerstag seinen Wocheneinkauf tätigen und abends seine Tochter Maggie anrufen. Er wird ihr nichts von seiner Krankheit erzählen, wie er ihr auch nie etwas davon erzählt hat, warum ihre Mutter sie vor vierzig Jahren verlassen hat.
Warum sie sich für ein anderes Leben entschieden hat , entscheiden musste.
Weil die Gesellschaft und die Gesetze es so vorschrieben und ihr Heron auch keine Hilfe war.
Unbequeme Wahrheiten lassen sich lange unterdrücken, aber nie ganz aus der Welt schaffen. Und so offenbart sich Maggie in diesem Juli die wahre Geschichte ihrer Eltern, ihrer Mutter….

Mich hat der Roman durch seine nüchterne, klare Sprache ( Übersetzung: Bernhard Robben ) überzeugt. Gerade weil die überaus dramatische und von Tatsachen inspirierte Handlung so unaufgeregt erzählt wird, und die Figuren so psychologisch fein ausgelotet werden, hat mich die Geschichte von Heron, Dawn, Maggie und Hazel so mitgenommen.
Es ist ein leiser Roman, ein eindringlicher Roman, über antiquierte Moralvorstellungen, über Bigotterie und Hilflosigkeit, über die Liebe und die Ehe , und darüber, dass auch wenn alle nur das Beste wollen, dies nicht unbedingt dabei herauskommt.

„Familiensache“ ist ein Roman über die verschiedenen Möglichkeiten von Familie und einer Gesellschaft, die diese verhindern will.
Eine klare Leseempfehlung!

Familiensache

von Claire Lynch

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Der Morgen gehört uns
Frank Menden

Frank Menden

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Ettore lebt mit seinen Eltern in einem kleinen Ort nahe Mailand. Seine einzige Vertraute ist seine Großmutter Elsa. Doch im dem Sommer, in dem Ettore 18 wird, verändert sich sein Leben. Er wechselt die Schule und lernt dort Giulio kennen, der ihn mit seinem Charisma in den Bann zieht . So wie dieser gut aussehende junge Mann möchte er sein, so selbstbewusst, so lässig. Und tatsächlich sucht Giulio auch seine Nähe, sie werden Freunde - und Ettore auch bald Mitglied der Federazione, einer Jugendorganisation, in der Giulio eine große Rolle spielt. Und die durch und durch faschistisch ist.

Was treibt junge Leute nach rechts, was macht den Faschismus für sie so interessant und wählbar? Davide Coppo versucht in seinem Roman „Der Morgen gehört uns“ , übersetzt von Jan Schönherr, am Beispiel von Ettore zu zeigen, wie so etwas passieren kann. Der unter die Haut gehende Roman bietet weder einfache Antworten noch Lösungen - und gerade dies macht ihn so überzeugend. Aus der Sicht des älteren und politisch geläuterten Ettore wird diese Geschichte erzählt, die erkennbar macht, dass Sexualität und Gewalt wichtige Bestandteile auf dem Weg nach rechts sind, wie auch der Wunsch sich der „linken Antiglobalisierungsfolklore“ - so Ettore - entgegenzustellen, einfach um nicht dem vermeintlichen Mainstream hinterherzurennen.

Man lernt durch Davide Coppos Roman viel über Postfaschismus und seine Versprechungen und Verlockungen, seine Gefahren und Mechanismen. Über deren jugendliche Anhänger und wie sehr er auch in den intellektuellen Bereich eingedrungen ist, durch Wort, Bild und Musik. Ein Roman der lehrt, noch genauer hinzusehen.

Der Morgen gehört uns

von Davide Coppo

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Das Game
Frank Menden

Frank Menden

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Es ist ein bescheidenes Leben, welches Anna mit ihrem 13jährigen Sohn Leo führt.
Aus einem alten Kastenwagen heraus verkauft sie Brathähnchen, Leo geht Wellenreiten, man schlägt sich so durch.
Doch dann summieren sich die Schicksalsschläge und Anna steht plötzlich vor dem Nichts.
Da kommt die Rettung in Gestalt der Reality Show „Das Game“, bei der man 50.000 Euro gewinnen kann - wenn man als letztes die Hand vom zusätzlich zu gewinnenden Auto nimmt.
Das „Spiel“ soll am französischen Nationalfeiertag enden, dem 14. Juli.

Schnell steigen Anna und Leo zu Helden auf, die Medien feiern sie, die Fans werden immer zahlreicher, selbst die Präsidentin fiebert mit Anna.
Doch ist „Das Game“ wirklich eine Chance oder nur ein Zirkus? Und sind 50.000 Euro wichtiger als die eigene Menschenwürde?

Joseph Incardonas „Das Game“ , übersetzt von Lydia Deweritsch, ist ein entlarvender Roman über zynische Macht- und Gesellschaftsstrukturen, in einer klaren, lakonischen Sprache erzählt und genau deshalb so wirkkräftig.

Wer „Squid Game“ mochte, ist bei diesem Roman goldrichtig, ebenso Fans von französischen Gesellschafts - und Sozialdramen.
Ein Buch , das definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient!

Das Game

von Joseph Incardona

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Der Beweis meiner Unschuld
Frank Menden

Frank Menden

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Jonathan Coe schreibt hervorragende politische Romane, die zugleich äußerst unterhaltsam sind .
Sein neuester, „Der Beweis meiner Unschuld“ , übersetzt von Cathrine Hornung, ist da keine Ausnahme.

Auf den ersten Blick ein Kriminalroman ( die FAZ bezeichnet ihn gar als „idealen Krimi für das postfaktische Zeitalter“) bietet der Roman jedoch deutlich mehr .

Aber kurz zur Handlung: der Journalist Christopher will bei einem Kongress in einem alten englischen Herrenhaus, eine rechtsextreme Organisation entlarven - und kurze Zeit später muss die herbeigerufene herrlich schrullige an Margaret Rutherfords Miss Marple erinnernde Kommissarin einen Mord aufklären. Oder sind es gar zwei ?

Die junge Literaturwissenschaftlerin Phyl, wieder bei den Eltern wohnend und von ihrem Job in einem Sushi Schnellrestaurant am Flughafen genervt, geht diesen Fall anders an.
Im Stil eines Cosy Crime Krimis beschreibt sie den Fall, im Stil von „Dark Academy“ kommt sie einem verschollenen Manuskript auf die Spur, welches eine signifikante Bedeutung im verhandelten Fall innehat . Und zu guter letzt verhandelt der dritte Teil die Vor- und Nachteile von Fiktion und Autofiktion.

Verwirrt? Müsst ihr nicht sein. Jonathan verbindet beste Unterhaltung mit einer spannenden und überaus aktuellen Geschichte, die hervorragend recherchiert ist und die trotz aller literarischen Verspieltheit ihre Aussagen sehr ernst nimmt .

„Wütende Männer. Ich weiß nicht, worüber sie so wütend sind, denn eigentlich setzen sie doch immer ihren Kopf durch, oder? Und doch sind wir ein Leben lang von wütenden Männern umgeben.“

Der Beweis meiner Unschuld

von Jonathan Coe

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Bad Men
Frank Menden

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Saffy Huntley-Oliver ist ein ehemaliges Model mit einem abgeschlossenen Kunstgeschichtsstudium, sitzt im Vorstand dreier Wohltätigkeitsorganisationen, ist Vegetarierin und – Serienkillerin. Letzteres ist für sie jedoch überhaupt kein Gegensatz zu ihrem „normalen“ Leben, schließlich bringt sie ausschließlich Männer um, die es verdient haben. Und davon gibt es ja leider Gottes mehr als genug auf der Welt.
Das einzige, was Saffy tatsächlich etwas peinlich ist: sie hat sich verliebt. Und zwar nicht in irgendjemanden, oh Nein!
Ihr Auserwählter ist der berühmte Podcaster Jonathan Desroisiers, der sich um die Aufklärung von Morden verdient macht.
Während Saffy sich also auf ihren nächsten „gesellschaftlichen Auftrag“, ergo ihren nächsten Mord vorbereitet, muß sie sich auch noch Gedanken darum machen, wie sie Jonathan für sich gewinnen kann.
Aber wenn Saffy eins kann, dann ist es Männer aufzuspüren….

Was für ein Spaß! Diese exquisite Mischung aus Krimi und sehr schräger RomCom überzeugt durch eine wunderbar gezeichnete Hauptfigur und jeder Menge Spannung.
Ein etwas anderer Krimigenuss!

Bad Men

von Julie Cohen

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Pretty Perfect
Frank Menden

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Eigentlich sollte es der Ort für ein romantisches Wochenende sein, ein Ort, um die Ehe von Ellery und Luke Wainwright wieder in die „richtigen“ Bahnen zu lenken. Doch nun ist die Ehe nur noch Geschichte, Luke hat eine neue Freundin und Ellery ist am Boden zerstört.
Nur durch das gute Zureden ihrer besten Freundin macht sie sich doch auf den Weg in das luxuriöse und abgelegene Luxusressort. Dass dort zu allem Überfluß auch noch eine Hochzeit ansteht droht das fass an Emotionen für Ellery zum überlaufen zu bringen. Gottseidank lernt sie doch schnell sympathische Menschen kennen. Als es so scheint als könne es nun doch ein halbwegs schönes Wochenende werden, findet Ellery beim morgendlichen schwimmen eine Leiche – den Bräutigam am Vortag überraschend abgebrochenen Hochzeit.
Zu allem Unglück macht ein verheerendes Unwetter das Ressort unpassierbar. Niemand kann rein, niemand kommt raus. Und dann geschieht ein weiterer Mord…

Wer seine Freude an der Anthologieserie „White Lotus“ hatte kommt hier voll auf seine Kosten. Ellery und ihre neugewonnen Freunde sind sympathische Hobbydetektive, die raffiniert und mit Charme an die Aufklärung der Verbrechen herangehen – und das ein oder andere Geheimnis der anderen Gäste aufdecken.
Perfekt für einen kuscheligen Herbstnachmittag auf der Couch.

Pretty Perfect

von Ally Condie

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Hotel Love
Frank Menden

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„Er schiebt liebenswert, lebensfroh, leidenschaftlich und treu nach rechts, schiebt feministisch und politisch aktiv nach links, zu ihrem eigenen Schutz. Er wählt die Interessengebiete Kuscheln, Restaurantbesuche, romantische Netflix-Serien, Crosstrainer und All-Inclusive-Urlaube aus.“

Willkommen im Hotel Love. Hier können Männer ihre ideale Frau zusammenstellen, d.h. ihren persönlichen FemBot herstellen lassen: optisch und charakterlich ganz auf ihre Bedürfnisse abgestimmt.
Denn seit die Männerpartei an der Macht ist, stehen die Bedürfnisse der Männer ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Frauenrechte? Wurden abgeschafft, schließlich haben Männer ein Anrecht auf Frauen, die ihnen völlig ergeben sind.
Deswegen gibt es das „Hotel Love“. Es bietet den Express Service, Heirat nach wenigen Tagen inclusive.

Roman, seines Zeichens Reality Star, checkt im Hotel ein, mit dem Ziel, das perfektionierte Abbild seiner großen Liebe Julia nachzubilden und zu heiraten. Der Optimierungsprozess läuft jedoch nicht ganz rund, Roman hat immer wieder Änderungswünsche. Aber auch bei schwierigen Fällen lässt das „Hotel Love“ nicht locker, bis alle zufrieden sind…

„Toni und Moni“ ist eines meiner allerliebsten Bücher . Verständlich, dass ich dem neuen Roman von Petra Piuk entgegengefiebert habe. Und „Hotel Love“ hat mich nicht enttäuscht.

Gewohnt bitterböse und entlarvend, ganz auf der Höhe der Zeit , knallig und subtil, mit einem ungeheuren Sog und einer Struktur, die zwischen „Black Mirror“, Reality-Soap incl. Werbeeinblendungen und überdrehtem Liebesroman changiert.

Dieser Roman ist so beeindruckend wie sein Cover. Die Geschichte von Roman & Julia & Julia 2.0 ist beste Satire mit Widerhaken, bei dem einem das Lachen im Halse steckenbleibt und das seine Ideen konsequent zum Ende führt.

Ein absolutes Highlight!

Hotel Love

von Petra Piuk

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Working Class Girl
Frank Menden

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„Als ich sieben war, wanderte mein Vater zum ersten Mal hinter Gitter. Alles Schlimme ereignete sich in jener Zeit. Meine Mutter war heroinsüchtig, sich selbst überlassen und musste zusehen, wie sie in einem Drecksloch und erbärmlichster Armut sich selbst und fünf Kinder durchbrachte.“

Schonungslos, ehrlich , direkt, aufrüttelnd, schwer zu ertragen, unvergesslich.
„Working Class Girl“ von Katriona O'Sullivan , übersetzt von Sylvia Spatz, erzählt vom Alltag in einer der ärmsten Vororte von Coventry. Es erzählt von Hunger , Vernachlässigung durch suchtkranke Eltern, von Drogenmissbrauch vor Kindern und von sexueller Gewalt. Es erzählt davon, wie Katriona sich erst in der Schule von ihrer Lehrerin wirklich wahrgenommen fühlt. Es erzählt davon, warum Kinder trotz schwerer Vernachlässigung unbedingt loyal zu ihren Eltern halten, wie sehr dieses Gefühl von „wir gegen die“ verinnerlicht wurde. Es erzählt von Vorurteilen und Stereotypen.
Es erzählt auch , wie Katriona O‘Sullivan es durch finanzielle Förderung schaffte zu studieren, in Psychologie zu promovieren - und wie sehr das Stigma der vorzeigbaren „Guten Armen“an ihr klebte.

Dieses Memoir zu lesen ist schwierig, weil es zum einen stellenweise kaum zu ertragen ist, und es uns zum anderen mit eigenen Vorurteilen konfrontiert.
Dabei bleibt O‘Sullivan immer differenziert, was man ihr angesichts ihrer Erlebnisse nicht hoch genug anrechnen kann.

Ein überaus wichtiges, hartes Buch, welches man einigen Politikern in die Hand drücken sollte.

Working Class Girl

von Katriona O'Sullivan

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The Bitter Side of Sweet
Frank Menden

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Ein Leben ohne Schokolade? Für mich keine Option. Auch wenn Schokolade immer teurer wird, manche Firmen absurd hohe Preise aufrufen.
Doch den wahren Preis zahlen nicht wir Verbraucher, den zahlen die ArbeiterInnen auf den Kakao-Plantagen.

So wie die Brüder Amadou, 15 Jahre, und Seydou, gerade einmal acht Jahre alt.
Sie haben auf einer ivorischen Kakao-Plantage angeheuert, weil ihre Großeltern, malische Bauern, sie nicht mehr ernähren können.
Eine Saison wollen sie bleiben und dann mit dem erarbeiteten Geld nach Mali zurückkehren.
Doch die Brüder müssen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten, erfüllen sie ihr Soll nicht setzt es Peitschenhiebe und ihnen wird die Nahrung verweigert. Sie versuchen zu fliehen, werden erwischt, härter bestraft - und kapitulieren.
Als eines Tages mit der 13jährigen Khadija zum ersten Mal ein Mädchen auf die Plantage kommt, hat das für die Brüder einschneidende Folgen. Die aus einer wohlhabenden Familie stammende Khadija wurde entführt, weil ihre Mutter eine Reportage über die Missstände auf den Plantagen veröffentlichen wollte.
Und sie plant schon bald ihre Flucht, zusammen mit Amadou und Seydou….

„The Bitter Side of Sweet“ von Tara Sullivan , übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina ist ein Jugendroman, der es in sich hat und den man auch als Erwachsener mit Gewinn liest.
Der brutale Alltag wird nahezu nüchtern und sehr direkt erzählt, hier wird nichts beschönigt. Mit großem Einfühlungsvermögen schildert die Autorin die Gefühle ihrer jungen Protagonisten, man bangt und hofft mit ihnen - und weiß doch, dass ihre Kindheit unwiderruflich vorbei sein wird.

Im Nachwort erfährt man, dass laut einer amerikanischen Studie 2025 1,56 Millionen Kinder Zwangsarbeit im Kakao-Anbau verrichten.
Man sollte diese Zahl beim nächsten Schokoladenkauf unbedingt vor Augen haben - und ein paar Euro mehr in Fairtrade Produkte investieren.

The Bitter Side of Sweet

von Tara Sullivan

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Ein höheres Ziel
Frank Menden

Frank Menden

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Vier Freunde der Stockholmer Society feiern einen standesgemäßen Junggesellenabschied an der Cote dÀzur. Doch als die für einen feuchtfröhlichen Abend ausgesuchte Bar von bewaffneten Männern überfallen wird, beginnt für Amir Yasin ein Alptraum.
Der aus dem Irak stammende Amir wollte an der Bar eine Runde Getränke ordern, als er mitten in die beginnende Schiesserie gerät und unter einem der Opfer begraben wird. Die herbeieilende Polizei stuft den Angriff als Terrorakt ein und nimmt Amir trotz aller Proteste seinerseits als Tatverdächtigen mit - schliesslich passt er aufgrund seiner Herkunft exakt ins Täterschema des ehrgeizigen Ermittlungsrichters.
Was folgt ist ein Martyrium ohnegleichen: Amir landet in einem der berüchtigten Gefängnisse Frankreichs, völlig isoliert, ohne nennenswerte juristische Unterstützung oder gar einem Dolmetscher.
Die schwedische Justiz und seine Familie und Freunde sind machtlos. Als sich jedoch die schwedische Staatsanwältin Esther Edh und ihre Chefin Fabia Moretti den Fall genauer ansehen scheint es etwas Hoffnung für Amir zu geben…

Zur falschen Zeit am falschen Ort -und schon ist man den Mühlen des ( ausgehebelten ) Gesetzes vollkommen ausgeliefert. So könnte man das Schicksal Amirs beschreiben. Malin Thunberg Schunkes überaus fesselnder und erhellender Kriminalroman „Ein höheres Ziel“ verdeutlicht, wie Ehrgeiz auf Seiten der Ermittlungsbehörden zu fatalen Fehleinschätzungen führen kann. Die studierte Rechtswissenschaftlerin bleibt bei aller Spannung immer faktentreu und fächert sowohl das europäische Rechtssystem als auch die Emotionen aller Beteiligten auf beiden Seiten genau auf.
Herausgekommen ist ein ungewöhnlicher und Justizkrimi, der auf der Höhe der Zeit ist - und einen mitunter schaudern lässt.
Ein erhellendes Nachwort der Autorin erklärt noch einmal die wichtigsten Fakten des Buches.
Ein Jahres-Krimihighlight!

Ein höheres Ziel

von Malin Thunberg Schunke

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Die Rheinreise
Frank Menden

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Sommer 1851. Charlotte Morrison macht mit ihrem Bruder Reverend James Morrison und dessen Frau Marion und Tochter Ellie eine Dampfschifffahrt von Koblenz nach Köln .
Für Charlotte, die als Gouvernante, Gesellschafterin und Zofe in Personalunion von ihrer Familie in Anspruch genommen wird, wird diese Reise vor allem eine Reise zu sich selbst werden.
Nicht nur wegen des kürzlich geerbten kleinen Vermögens könnte sie die familiären Fesseln abstreifen. Auch die Begegnung mit einem Mitreisenden, der sie an ihre einstige große Liebe erinnert ( die der Familie nicht standesgemäß genug war ), wühlt Charlotte auf. Langsam aber stetig wächst Widerstand in Charlotte heran…

Ann Schlees „Die Rheinreise“ , übersetzt von Werner Löcher-Lawrence , ist eine willkommene Wiederentdeckung.
Schon vor über 40 Jahren erschienenen erlebt der Roman nun seine überfällige Renaissance.

Dabei verwebt der Roman geschickt die Selbstermächtigung der Mitte 50jährigen Charlotte aus dem viktorianischen England subtil mit der politischen Lage in Deutschland, in der Misstrauen und Zensur herrschen..

Mich hat dieser wunderbar geschriebene und übersetzte Roman durch seine klare Sprache überzeugt, durch die präzise Charakterisierung seiner Figuren - und durch die überaus zeitgenössische Botschaft.
Dieser moderne Klassiker - ein Kritiker nannte ihn sehr treffend „eine Kreuzung aus Heine und Henry James“ - ist übrigens mit einem sehr klugen Nachwort von Lauren Groff versehen.
Die Lektüre lohnt also in mehrfacher Hinsicht.

Die Rheinreise

von Ann Schlee

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Alle unsere Leben
Frank Menden

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„Bald würde das Jahr 1980 beginnen.(…) Aber vorerst war dies ihr Zuhause. Alles, was sie nur irgend brauchen könnte, war in diesem Zimmer. Die kommenden paar Tage konnte sie alles andere wegschieben.“

Milly ist 18 als sie von Irland nach London kommt, auf der Suche nach Arbeit und einer Bleibe. Im Pub von Mrs Oaks findet sie beides, bald ist dies ihr Zuhause, ihre Zuflucht. Aus Kolleginnen und Arbeitgeberin werden Freunde, aus dem Zimmer über dem Pub ein Heim. Und dann ist da noch der junge Boxer Pip, Ire wie sie, nur etwas älter, charismatisch, attraktiv.
Doch die sich anbahnende Liebesgeschichte ist fast so schnell vorbei wie sie begonnen hat…

Über einen Zeitraum von fast vierzig Jahren begleiten wir Milly und Pip durch ein sich stetig wandelndes London. Sie leben ihr Leben, treffen Entscheidungen, driften in verschiedene Richtungen. Aber immer wieder kreuzen sich ihre Wege, ist da eine Verbundenheit zu spüren, die evtl. einen Weg aus der Einsamkeit bietet…

Christine Dwyer Hickeys neuer Roman „Alle unsere Leben“ , übersetzt von Kathrin Razum, hat mir bei der Lektüre das Herz gebrochen und stückweise wieder zusammengesetzt. Milly und Pip sind eindringliche Charaktere, die jeder für sich mit den Dämonen der Vergangenheit kämpfen, die sich immer wieder erneut dem Leben stellen, ihren manchmal holprigen Weg gehen, die man ab und zu schütteln möchte und die mir nach 556 Seiten sehr ans Herz gewachsen sind .

Dieser Roman, der an Claire Keegan und Douglas Stuart erinnert, ist so viel mehr als „nur“ eine Liebesgeschichte. Es ist ein Roman über Fremdheit und Einsamkeit, über Sehnsucht und Freundschaft, über Klasse und Herkunft und über das Unvermögen Glück zu erkennen, wenn es einem begegnet.
Ein Buch wie der langsam beginnende Herbst, voller Melancholie und Schönheit. Und mit einem unvergesslichen Ende!

Alle unsere Leben

von Christine Dwyer Hickey

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Maifliegenzeit
Frank Menden

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„Daniel hat angerufen.“
Drei Worte, die ein Erdbeben auslösen. Denn Daniel ist offiziell seit 40 Jahren tot, gestorben bei seiner Geburt.

Mit diesem Paukenschlag beginnt „Maifliegenzeit“ von Matthias Jügler.

Den Anruf hat Anne entgegengenommen, seit zehn Jahren die Lebensgefährtin des mittlerweile pensionierten Lehrer Hans.
Der hatte ihr beim kennenlernen von seiner Ehe mit Katrin erzählt, von dem größten Unglück was Eltern passieren kann, welches schließlich auch die Ehe nicht überlebte: der Tod des Kindes kurz nach der Geburt.
Katrin hatte nie daran geglaubt, hatte darauf bestanden, dass der Sohn noch leben müsse. Warum sonst hätte man ihn nicht sehen dürfen? Und er hätte doch kräftig geschrieen?

Kurz vor ihrem Tod bittet Katrin Hans noch einmal um ein Treffen und appelliert an ihn: sollte sich je eine Chance ergeben, dann solle er sie nutzen und Licht ins Dunkel der Geburt bringen.
Die Wende 1989 scheint diese Chance zu sein, doch nach vielversprechenden Ansätzen verläuft sich die Angelegenheit.
Und wieder zieht sich Hans zurück in seinen geliebten Angelsport.
Bis der Anruf kommt…

Nur 156 Seiten hat dieser ruhig erzählte Roman, der sich mit einem dunklen Kapitel der DDR beschäftigt, welches auch schon in der Serie „Weißensee“ aufgegriffen wurde - und seitdem eine große Kontroverse ausgelöst hat.

Jügler verschränkt verschiedene Zeitebenen, mischt das Schweigen und die Schuldgefühle mit Allegorien zum Angeln und enthüllt mehr und mehr, wie schwer sich eine einmal verinnerlichte Wahrheit trotz Fakten revidieren lässt.
Ein ungemein berührender Roman, der gerade durch den verdichteten, ruhigen Ton enorm eindrücklich ist.

Maifliegenzeit

von Matthias Jügler

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Karen W.
Frank Menden

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„Was war das bloß für eine Zeit und ein Land um mich rum? Immer blieb ich für oder gegen was verwickelt, und immer traf jede Wahl die ungewählte Kehrseite mit. Gab‘s denn nie ein vollkommenes rundes Ja? Nicht mal in der Liebe?“

Eines Nachts beschließt die 29jährige Karen Waldau ihren Mann, mit dem sie mehr nebeneinander als zusammen gelebt hat,zu verlassen. Sie nimmt mit Tochter Bettina den ersten Zug von Leipzig nach Osthausen, dem kleinen Dorf in Thüringen, in dem sie aufgewachsen ist. Vor zwölf Jahren hat sie die ländliche Enge verlassen, jetzt sucht sie hier , ja was? Einen Neuanfang, Selbstbestimmung? Das wirkliche Leben ?

„Karen W“ von Gerti Tetzner erzählt eine auf den ersten Blick einfache Geschichte - und doch ist sie komplizierter als es der erste Blick erscheinen lässt. Kritisches Denken, die Suche nach der eigenen Identität und weibliche Selbstbestimmung sind in diesem Land nicht vorgesehen.
1974 erschien der Roman zum ersten Mal, und es ist ein großes Glück, das er nun wieder aufgelegt wurde.
Zum einen, weil der Text absolut zeitlos ist und auch heute noch aktuelle Fragen erörtert.
Und zum anderen, weil wir Gerti Tetzner entdecken können, eine studierte Juristin, die durch Christa Wolf zum Schreiben ermutigt wurde, die am Leipziger Literaturinstitut exmatrikuliert wurde, weil sie den Einmarsch russischer Truppen in Prag nicht gutheißen konnte.

Dieser unbedingt zu empfehlende Roman enthält ein Interview mit der Autorin. Danach möchte man unbedingt mehr von ihr lesen. Hoffentlich bald.

Karen W.

von Gerti Tetzner

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Death Valley
Frank Menden

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„Ohne es mir einzugestehen, wollte ich eine echte Katharsis, die ganze Welt sollte ein großes, wahres Drama sein, das nur dazu diente, mich aus meinem Leben zu befreien und mir ein neues zu schenken.“

Man möchte dem Protagonisten von Steven Uhlys neuen Roman „Death Valley“ , einem gewissen Steven Uhly, zurufen „be careful what you wish for“… Doch da ist man schon mittendrin.
Mittendrin in dieser Geschichte um einen Mann, der die Asche seiner im Death Valley zu Tode gekommenen Mutter in einen Krater am besagten Ort verstreuen soll. Und der dies zusammen mit Hans machen soll, dem Sohn des dort gleichzeitig zu Tode gekommenen Lebensgefährten seiner Mutter.

Wie hier Lebenswelten aufeinander prallen, die von Steven und Hans, aber auch die von Steven und den Menschen, denen er in Trumps Amerika begegnet, was eine zufällige Begegnung im Flugzeug auslösen kann und was dies mit Goldbarren und einem Haus in der Eifel zu tun hat - nun, das sollte man unbedingt selbst lesen!

Denn dieser Roman ist „ein wilder Roadtrip, grell und zärtlich, intim und larger than life, politisch, mit einem tollen Ende, voller Humor und Melancholie.“
So mein „Blurb“ auf dem Cover dieses mitreißenden Buches über Wahrheit und Lüge, über allzu schnell gefällte Urteile, vollgepackt mit unvergesslichen Szenen.

Ein absoluter Hochgenuss, erfrischend und klug, ein bisschen verrückt und doch sehr real - ich habe jede Zeile genossen.
Ein Instant Lieblingsbuch !

Death Valley

von Steven Uhly

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Tiere, vor denen man Angst haben muss
Frank Menden

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Von Lübeck ins nördliche Mecklenburg, von einer komfortablen Wohnung auf einen maroden Hof. Für Madeleine und ihre Familie hat sich einiges verändert, nicht nur der Standort. Vater und Brüder haben sie verlassen, sie lebt nur noch mit ihrer Schwester Ronja und ihrer Mutter auf dem Hof. Dieser ist eine von der Mutter initiierte Auffangstation für Haus- und Wildtiere geworden – und die Tiere verdrängen fast die menschlichen Bewohner. Dau zieht es an allen Ecken und Madeleine friert fast die ganze Zeit über – und das nicht nur körperlich, denn die Mutter zieht augenscheinlich die Tiere und die Sorge um deren Schicksal ihrer Familie vor. Das ist viel Verantwortung für die Schwestern, die früh schon erwachsen sein müssen und nur zusammen Momente der Geborgenheit erleben….

Eindringlich, berührend und mit einem zwingenden, unvergesslichen Ende -das ist Alina Herbings zweiter beeindruckender Roman.
Ein Roman, den man nicht aus der Hand legen kann und der so schmal wie kraftvoll ist. Ein Buch, das man gelesen haben sollte!

Tiere, vor denen man Angst haben muss

von Alina Herbing

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Die Verschwörung der Idioten
Frank Menden

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Es gibt Bücher, die gehören zum festen „Empfehlungsstamm“ eines jeden im Buchhandel arbeitenden Menschen. Bücher, die immer da sein müssen, auf die man immer zurückgreift.

Bei mir gehört „Die Verschwörung der Idioten“ von John Kennedy Toole dazu, seit einigen Jahren neu übersetzt von Alex Capus.

Es ist ein wunderbar schräger, absurder, hochkomischer Roman voller skurriler Charaktere. Im Zentrum steht Ignatius J. Reilly, der seine Tage auf der Couch seiner Mutter verbringt, sich mit Süßigkeiten vollstopft und das Fernsehprogramm kommentiert.
Gewisse Umstände führen dazu, dass er diese allzu bequeme Position verlassen muss und wieder Teil der ( Arbeits- ) Welt wird. Wie er zu seinem eigenen Hot Dog Stand kommt, was seine aberwitzigen politischen Ambitionen bedeuten und welch bizarren Menschen er auf seinem Weg begegnet, gehört für mich zu den abstrusesten, lustigsten, absurdesten, satirischsten und klügsten Romanen überhaupt.

Toole schrieb diesen Roman 1963, sechs Jahre später nahm er sich das Leben. Erst elf Jahre nach seinem Tod wurde das Buch verlegt und er erhielt 1981 posthum den Pulitzerpreis.

Ein wahrer Klassiker, dessen Humor sicherlich nicht für jeden ist . Aber wenn, dann gibt man diesen Roman nie wieder her!

Die Verschwörung der Idioten

von John Kennedy Toole, John K. Toole

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Bevor es geschah
Frank Menden

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Das jährliche Barbecue steht an - und so machen sich alle vier Haynes Geschwister nebst PartnerInnen und Kindern auf den Weg zu ihrem Elternhaus, wo Matriarchin Elisabeth seit dem Tod des Vaters mit kühler Eleganz und Strenge waltet.
Die Stimmung ist angespannt, denn jedes Familienmitglied hat etwas zu verbergen. Ein Geheimnis, das schon lange in ihnen gärt und tunlichst nicht an die Öffentlichkeit geraten soll. Und erst recht nicht innerhalb der Familie.
Doch sind wirklich alle Geheimnisse so geheim?
Während die Anspannung bei allen Beteiligten steigt und alle mit sich und dem belauern der anderen beschäftigt sind, geraten andere Dinge aus dem Focus. Und das hat Folgen…

Zugegebenermaßen ist dies kein neuer Plot . Aber Celine Spierer erzählt ihn in ihrem Roman „Bevor es geschah“ , übersetzt von Sina de Malafosse, so einnehmend, dass man diesen geradezu filmischen Pageturner nicht aus der Hand legen mag . Wie hier eine Familie seziert wird, in der wirklich alle in der ein oder anderen Weise „eine Leiche im Keller haben“ ist höchst vergnüglich zu lesen - und lässt einen mit Freude dem nächsten Familientreffen entgegenblicken.
Denn so wie bei den Haynes wird es sicherlich nicht sein - oder ?

Bevor es geschah

von Céline Spierer

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Service
Frank Menden

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Daniel, Sternekoch und Besitzer eines angesagten Restaurants, steht vor Gericht. Sein Restaurant musste schließen, sein Leben droht aus den Fugen zu geraten, er steht kurz davor, alles zu verlieren.

Daniels Frau Julie fühlt sich mit der Situation überfordert, muss sich mit Paparazzi auseinandersetzen, versucht ihre Kinder zu schützen und ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihrem Mann beizustehen und der Angst, dass die Anschuldigungen wahr sind. Mehr und mehr fragt sie sich, ob sie wirklich weiß, wer der Mann ist, mit dem sie ihr Leben teilt.

Hannah, eine ehemalige Kollegin von Daniel, soll im Prozess wegen sexueller Übergriffe aussagen, fühlt sich aber nicht in der Lage dazu. Jahrelang hat sie die Vergangenheit verdrängt, doch dann bringen Ereignisse alles wieder an die Oberfläche

Sarah Gilmartin erzählt in „Service“ ( Übersetzung: Anna-Christin Kramer ) abwechselnd aus diesen drei Perspektiven .
Aus den verschiedenen Versionen und Erinnerungen setzt die Autorin gekonnt ein Puzzle zusammen – und fordert den Leser dabei heraus, sich selbst eine Meinung zu bilden und diese immer wieder zu hinterfragen.
Leicht und eindringlich, atmosphärisch und scharf beobachtet, erzählt Gilmartin vom Alltag in der Sternegastronomie, von den Lügen, mit denen wir uns selbst zu täuschen versuchen, und von dem Mut, der nötig ist, um sich der Wahrheit zu stellen.
Herausgekommen ist ein Roman, der durchrüttelt und uns einmal mehr dazu auffordert genau hinzusehen und den Mut zu haben, Missständen und Fehlverhalten Einhalt zu gebieten. Und zwar jederzeit und überall.
Ein gelungener Roman, den man nicht oft genug empfehlen kann.

Service

von Sarah Gilmartin

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Jacaranda
Frank Menden

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Für den in Versailles aufwachsenden Milan ist Ruanda nur ein weit entferntes Land in Afrika - obwohl seine Mutter von dort kommt. Doch die scheint all ihre Verbindungen in ihre Heimat gekappt zu haben, ist völlig assimiliert.
Der Krieg in Ruanda bleibt für Milan bloßes Hintergrundrauschen aus dem Fernseher.
Dies ändert sich jedoch, als eines Tages Claude auftaucht, der ihm als Cousin vorgestellt wird, und dessen lange Narbe auf dem Schädel und das nächtliche Wimmern im Schlaf auf unvorstellbare erlebte Gewalt hinweisen.

Die Begegnung mit Claude, mit einem Teil der Vergangenheit seiner Mutter, ist der Beginn von Milans Interesse für Ruanda, er wird Jahre später dort hinreisen, auf den Spuren seiner Mutter, seiner Familie…

„Jacaranda“ , übersetzt von Andrea Alvermann und Brigitte Große, ist ein Roman, der schon im Titel auf die Verästelungen zwischen verschiedenen Generationen hinweist.
Milan durchlebt während der Erkundung seiner Wurzeln eine Identitätskrise, die Landesgeschichte und die damit verbundenen Kriegstraumata werden ihn nachhaltig verändern - und auch uns, die wir dieses schonungslose und stellenweise schwer auszuhaltende Buch lesen.
Dabei ist es Gael Faye hoch anzurechnen, dass er die geschilderte Gewalt nie zum Selbstzweck benutzt, sondern immer beide Seiten sieht, die Chancen auf eine friedliche Zukunft nur gemeinsam erreicht werden können.
Ausgezeichnet mit dem Prix Renaudot, wünsche ich diesem schnörkellosen, beeindruckenden Roman eine große Leserschaft.

Jacaranda

von Gaël Faye

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Girls
Frank Menden

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„Girls“ ist eines dieser Werke der modernen Kunstgeschichte, das nahezu jeder kennt.
Und nahezu jeder hat eine Meinung zu der exzentrischen und berüchtigten Künstlerin Ingrid Olssen, die auf diesem Selbstporträt zusammen mit ihren Töchtern Matilda und Nora zu sehen ist.
Doch was steckt hinter diesem Bild, wie lebte es sich mit einer Mutter, die der Welt mit ihren Eskapaden stetig neue Schlagzeilen lieferte?

Zwei Jahre nach Ingrid Olssens Tod nimmt ein Biograf Kontakt zu Matilda auf. Er möchte ein Buch über die Künstlerin schreiben, ehrlich und aus der Sicht derer, die sie wirklich kannten.
Matilda muss sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, mit dem komplizierten Verhältnis zu ihrer Schwester, die in ihren Selbstzweifeln und künstlerischen Ambitionen gefangen scheint, ihrer Tante, die das Werk entgegen dem ausdrücklichen Wunsch Ingrids ausstellen will - und mit ihrer eigenen Tochter Beanie, der sie eine andere Jugend wünscht als die, die selbst durchlebt hat.
Ein Roadtrip durch Amerika, der den letzten Wunsch Ingrids - ihre Asche soll in einem Canyon verstreut werden - erfüllen soll, wird zu einer Chance für beide Schwestern. Eine Chance der Annäherung und der Aussöhnung mit der Vergangenheit….

„Girls“ ,übersetzt von Judith Schwaab, ist ein facettenreicher Roman über die Komplexität von Familien, über die Auswirkungen der Kindheit auf das Leben als Erwachsene, über Kunst, Ruhm und Selbstzerstörung.
Dabei ist dieser Roman bei aller Melancholie und Tragik auch stellenweise voller Humor und bittersüßer unvergesslicher Szenen.
Die Erzählstruktur erinnert an „Daisy Jones & The Six“, wechseln sich hier Interviewpassagen und Auszüge aus der Biografie über Ingrid Olssen mit Matildas Erzählperspektive ab.
Dies verdeutlicht zum einen die Widersprüche in den Biografien aller Beteiligten, ihre verschiedene Sichtweise und Deutungsversuche. Zum anderen wird dieser Roman dadurch unglaublich lebendig und abwechslungsreich.
Leseempfehlung!

Girls

von Kirsty Capes

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Der Engel von Rom
Frank Menden

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„Ich begegnete dem Engel von Rom im Jahr meiner Neuerfindung, 1993.“

So beginnt der wunderbare Kurzroman „Der Engel von Rom“ .
Hauptfigur ist Jack Riegel, ein unerfahrener Student aus Nebraska, der ein Stipendium für einen Studienaufenthalt im Vatikan erhält und in der Heiligen Stadt die Orientierung zu verlieren droht, als ihm der titelgebende Engel erscheint - ganz aus Fleisch und Blut.
Was durch diese Begegnung ausgelöst wird, welche Weichen diese Begegnung stellt, nun, das sollte selbst gelesen werden.
Als Entscheidungshilfe seien noch der frühe John Irving, die Filmbranche und natürlich Rom genannt.
Denn: „Immer wieder krempelt Rom das Leben von Menschen um, indem die Stadt sich für jede Generation neu erfindet. Genau wie wir, nehme ich an, wenn wir nur den Mut dazu finden und Menschen haben, die uns an die Hand nehmen.“

Ein wirklich hinreißender kleiner Roman von einem Romancier, der hierzulande aufs Neue zu entdecken ist.
Sehr zu empfehlen!

Der Engel von Rom

von Jess Walter

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Die Schwestern
Frank Menden

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Nach der Lektüre von „Die Schwestern“ von Jonas Hassen Khemiri bin ich in eine veritable Lesekrise gestürzt, so überwältigend ist dieser Roman, so unfassbar gut, so brillant von Ursel Allenstein übersetzt, so mitreißend, so komplex und faszinierend.

Die titelgebenden Schwestern sind Ina, Evelyn und Anastasia. Sie wachsen bei ihrer tunesischen alleinerziehenden Mutter auf, und schnell sind sie wie sie Anlass für wilde Gerüchte und Spekulationen in der schwedischen Drakenbergsiedlung. Hier lebt auch Jonas, wie die Schwestern tunesischer Herkunft, der fasziniert ist von den Mikkola-Schwestern, immer wieder ihre Nähe sucht, und aus dessen Perspektive wir das Geschehen über dreißig Jahre lang verfolgen - in Schweden, den USA, in Tunesien, Stockholm, New York, Tunis und Berlin .
Die Lebensgeschichte dieser vier Menschen ist unwiederbringlich miteinander verflochten, sie durchleben die grossen weltumspannenden Geschehnisse ihrer Zeit, erleben Krisen und Triumphe - und sind sich immer ihres Fluches bewusst : dass man verliert, was man liebt.

Ich bin sehr widerwillig nach 736 Seiten ( die sich angefühlt haben wie höchstens 200 ) aus diesem prallen, immer rasanter werdenden Roman wieder aufgetaucht.
Seit über zwei Wochen ringe ich um die richtigen Worte , seit über zwei Wochen kam keins der nach diesem fulminanten Leseerlebnis begonnenen Bücher auch nur annähernd an diesen bittersüßen, an Cliffhangern reichen, spannenden, lebensnahen, furiosen Roman heran ( dessen einziges Manko das für mich leider null ansprechende Cover ist ).

Die SZ spricht von einem „postmodernen Meisterwerk“, Deutschlandfunk Kultur nennt den Roman „ein berauschendes Leseerlebnis“, die NZZ schreibt „ große Literatur“.
Und ich kann nur sagen: Wer sich diesen Roman entgegen lässt, ist selbst Schuld.

Die Schwestern

von Jonas Hassen Khemiri

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Scheue Wesen
Frank Menden

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Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Die Anfang 30jährige ist in eine langjährige Affäre mit einem der leitenden Ärzte der Klinik verstrickt, der zudem verheiratet ist. Als man eines Tages einen verwahrlosten jungen Mann auffindet, der offenbar seit Jahrzehnten das Haus seiner alten Tanten nicht verlassen hat, und dessen Existenz den Nachbarn völlig unbekannt war, wirkt dies wie eine Initialzündung auf Helen.
William Tapping, so der Name des Mannes, entpuppt sich in der Klinik als begabter Künstler, der positiv auf Helens Zuwendung reagiert. Diese beginnt sich mehr und mehr für seine Geschichte zu interessieren, stellt Nachforschungen an - und bringt Dinge ans Licht , die auch ihr Leben verändern werden…

„Scheue Wesen“ von Clare Chambers übersetzt von Wibke Kuhn, ist einer dieser Roman , bei dem einfach alles stimmt.
Die Verknüpfung von Helens allmählicher Emanzipation mit dem Schicksal eines stark traumatisierten Mannes und den neuen Entwicklungen in der psychiatrischen Pflege der 1960er ist überaus stringent gelungen.
Mit Empathie und genauer psychologischer Finesse zeichnet die Autorin ihre Figuren , der Plot entwickelt gerade in der durch Rückblenden erzählten Geschichte Williams einen geradezu krimihaften Sog, so dass einem der umfangreiche Roman wesentlich kürzer vorkommt.

Wieder einmal hat Julia Eisele gezeigt, warum ihr kleiner feiner Verlag sich einer so großen Beliebtheit bei Leserinnen und dem Buchhandel erfreut: weil sie Romane wie diesen findet, die beglückend, berührend und mitreißend sind und auf beste Art und Weise intelligent unterhalten.

Scheue Wesen

von Clare Chambers

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Trophäe
Frank Menden

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Hunter ist ein reicher, amerikanischer Grosswildjäger, der darauf versessen ist , endlich die „Big Five“ zu vollenden.
Dafür bietet er viel Geld. Doch als sein Traum platzt, weil Wilderer das ihm zugedachte Nashorn vor ihm erwischen, überrascht ihn sein Freund Van Heeren mit der Aussicht auf eine noch größere Trophäe….

Lange habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich über „Trophäe“ schreiben könnte, wie diesem außergewöhnlichen Leseerlebnis mit Worten beizukommen wäre.
Nun, ich weiß es immer noch nicht.
Die Wirkung dieses Romans besteht weniger in der Überraschung ( für mich war das Ende von Beginn an absehbar), als in der Intensität, in der die Geschichte erzählt wird. In den nahezu philosophisch Betrachtungen über die Jagd und die Ausbeutung eines Kontinents, über den Mangel ( und die Bereitschaft) an Verständnis für andere Kulturen . Und in den ethischen Fragen, die hier erörtert werden und keine einfachen Antworten liefern.
Ein außergewöhnlicher Roman , in dem das „wie“ mir viele Gedankenräume öffnete - und der definitiv nichts für Zartbesaitete ist.
Man muss die Geschichte in all ihrer plastischen Darstellung aushalten können. Vor allem aber muss man die Bilder, die sich von alleine einstellen, aushalten.
Wenn man sich dazu entschließt wird man mit einem außergewöhnlichen Leseerlebnis belohnt, das man wohl nie vergessen wird.

Trophäe

von Gaea Schoeters

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Wir werden jung sein
Frank Menden

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Was wäre, wenn man nicht mehr altern würde ? Wenn man immer jung sein könnte bzw. sich wieder verjüngen könnte? Und dies ganz einfach ginge, nur die Einnahme eines Medikaments wäre nötig? Würde man es nehmen?
Im ersten Schritt könnten viele von uns dies sicherlich bejahen.
Aber was wären die Folgen ?
Überbevölkerung , kollabierende Renten- und Sozialsysteme, einfrieren des Status Quo und weniger Innovationswillen da man ja jetzt nahezu unsterblich ist …

Diesen Fragen geht Maxim Leo in seinem neuen Roman „Wir werden jung sein“ nach.
Anhand von vier Menschen unterschiedlichen Alters , die als Folge einer neuen Therapie gegen Herzprobleme langsam jünger und fitter werden, beleuchtet er dieses Gedankenexperiment auf vielfältige Art und Weise .
Herausgekommen ist ein mitreißender und überaus kurzweilig zu lesender Roman , der gerade im letzten Drittel vermehrt zum nachdenken anregt und die eingangs erwähnten wichtigen Fragen aufwirft.
Das hätte für meinen Geschmack gerne noch mehr in die Tiefe gehen können, ist aber auch so ein gelungener Beitrag zu einer Diskussion, die uns alle immer wieder beschäftigt ( Stichwort „Jugendkult“ ) und an der die Wissenschaft schon lange intensiv forscht und arbeitet.
Sehr zu empfehlen

Wir werden jung sein

von Maxim Leo

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In den Augen meiner Mutter
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

Durch einen Zufall stößt die hochschwangere Georgie im Internet auf ein Bild ihrer Mutter . Offensichtlich hat die Frau , die vor 20 Jahren von heute auf morgen ohne jeglichen Grund ihre Familie verließ, in den schottischen Highlands ein verirrtes Mädchen in einer Höhle gefunden.

Spontan macht sich Georgie zusammen mit ihrem Bruder Dan auf die Suche nach dieser Frau - und auf Antworten zu lange unausgesprochenen Familiengeheimnissen….

„In den Augen meiner Mutter“ von Jo Leevers ist ein flüssig und mitreißend erzählter Roman, der auf mehreren Zeitebenen von familiären Verstrickungen und Geheimnissen erzählt, von trügerischen Erinnerungen und nie ausgesprochenen Dingen, von Schuld und Lügen und Verdrängung - und von Liebe.
Es ist der Autorin hoch anzurechnen, dass die Geschichte den Kitsch stets vermeidet. Die Übersetzung von Marie Hochsieder trägt dazu bei, dass mich dieser Roman im diesjährigen Weihnachtsgeschäft wunderbar unterhalten hat.

Wer gute Unterhaltung mit dem richtigen Maß an Tiefgang sucht ist hier genau richtig.

In den Augen meiner Mutter

von Jo Leevers

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Licht zwischen den Bäumen (Steidl Pocket)
Frank Menden

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„An dem Abend, als wir Ellen am Straßenrand zurückließen, fuhren wir die 252 in nördlicher Richtung entlang….“

Mit diesen Worten beginnt „Licht zwischen den Bäumen“, der Debütroman von Una Mannion, übersetzt von Tanja Handels.
Der Ton ist gesetzt, dies ist keine heitere Familiengeschichte, keine der üblichen Coming of Age Erzählungen.

Ellen ist 12, sieht aufgrund ihrer schmächtigen Statur jedoch deutlich jünger aus. Die alleinerziehende Mutter Faye ist überfordert vom Leben , überfordert vom ihren fünf Kindern . Und so wirft sie kurzerhand ihre Tochter aus dem Auto , als diese sie fortwährend um die Teilnahme an einer Kunstakademie bittet.
Die Dämmerung hat bereits eingesetzt , das kleine Mädchen bleibt alleine zurück .
Eine Entscheidung, ein Augenblick , der alles verändern wird, der die 14jährige Erzählerin Libby schlagartig erwachsen werden lässt und auch ihre vier Geschwister nachhaltig prägen wird.
Denn obwohl Ellen an diesem Abend wieder den Weg nachhause findet, wird fortan nichts mehr sein wie es war …..

Das klingt jetzt ein wenig nach Kolportage und schlechtem Cliffhanger, doch lasst euch bitte nicht täuschen : dieses Buch ist ein Juwel.
Voller Andeutungen, mit geschickt eingestreuten Krimielementem, erzählt Una Mannion von fünf Geschwistern, die auf ihre Art dem Schicksal trotzen, eine Gemeinschaft, die wahre Not kennt und aus Unkenntnis der Welt der Erwachsenen gegenüber fatale Entscheidungen trifft .
Ein ungemein atmosphärischer Roman , der sich einer Genrefestlegung entzieht, ungemein berührend , spannend und durch und durch bemerkenswert.

Licht zwischen den Bäumen (Steidl Pocket)

von Una Mannion

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Das Geschenk
Frank Menden

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„Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet ihr einfach mal selbst versuchen, mit Megafauna zurechtzukommen. Deshalb habe ich mich entschlossen, Deutschland 20.000 Elefanten zu schenken.“

Plötzlich sind sie da, die Elefanten aus Botswana, als Reaktion auf einen politischen Schachzug, der Deutschland gut aussehen lässt, Botswanas Probleme jedoch gewaltig vergrößern.
Da ist das Geschenk des afrikanischen Präsidenten eine gelungene Retourkutsche.
Was Gaea Schoeters in „Das Geschenk“ daraus macht, ist eine intelligente Satire auf den Politikbetrieb. Bissig und überraschend zeigt sie unser aller Doppelmoral, unser ambivalentes Verhältnis zu Umwelt und Integration.
Dabei sind die Elefanten in Berlin - und ganz Deutschland ( bis auf die sich zurückhaltenden Bayern) nicht nur eine Metapher, geht es doch auch um Artenschutz und die Frage: was ist wichtiger , Mensch oder Tier / Natur ?
Wer muss sich wem unterordnen? Wie weit geht unsere Verantwortung der Natur gegenüber?
Wie weit reicht unsere Bevormundung anderer Staaten? Was macht den Unterschied aus zwischen dem verwalten von Prinzipien und dem leben dergleichen?

Für mich ist dieser Roman, übersetzt von Lisa Mensing, nach dem außerordentlichen Vorgänger „Trophäe“, deutlich zugänglicher, aber genauso einprägsam.
Er trifft genau den Ton zwischen Unterhaltung und Ernsthaftigkeit und erzählt eindringlich von Populismus und Macht um der Macht willen.
Bei aller Absurdität der Ausgangssituation ist „Das Geschenk“ ein ebensolches: 138 pointierte Seiten, bei denen einem das Lachen durchaus im Hals stecken bleiben kann.

Ich bin gespannt womit uns Gaea Schoeters demnächst überraschen wird.

Das Geschenk

von Gaea Schoeters

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Der Lärm des Lebens
Frank Menden

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Schreibende SchauspielerInnen gibt es einige. Nicht alle vermögen auch auf dem Papier zu überzeugen. Einige reüssieren - und andere leider nicht .
Jörg Hartmann, bekannt u.a. aus „Weißensee“ und dem Dortmunder „Tatort“, überzeugt mit „Der Lärm des Lebens“ auf ganzer Linie.

Sein mit großer Offenheit geschriebener Text schildert sowohl das Berufliche wie auch das Private.
Man erfährt viel Wesentliches über den Schauspielberuf ( und natürlich auch pointiert geschriebene Anekdoten ), über aktuelle identitätspolitische Diskurse in diesem Metier.
Man erfährt aber auch viel über das Leben abseits von Bühne und Filmset.
Über die gehörlosen Großeltern, die den Nazis entkamen. Über die Eltern, die Demenzerkrankung und den Tod des Vaters. Über die Partnerschaft und das Leben mit drei Kindern.
Und über den Ruhrpott im allgemeinen und Dortmund-Herdecke im besonderen.

Dies alles ergibt ein sehr rundes Buch, ein Buch über den titelgebenden Lärm des Lebens mit all seinen Aspekten. Es ist ein eher leises Buch , grundsympathisch, uneitel und offen.
Ich habe dieses Buch mit großem Gewinn gelesen, denn der Kreislauf des Lebens , die Frage über Herkunft und Heimat, die beschäftigen uns alle immer wieder.
Jörg Hartmann geht ihnen auf besondere Art und Weise nach.
Sollte man lesen!

Der Lärm des Lebens

von Jörg Hartmann

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Polyphon Pervers
Frank Menden

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„Irgendwas müsse man ja machen, hat die Sabin gesagt. Irgendwas müsse man machen, sonst gehe man kaputt. Und wenn man schon was mache, dann könne mans auch gleich gut machen, oder, wenn möglich sogar mega gut. Wenn man schon was mache, dann könne man auch gleich nach den Sternen greifen, hat Sabin gemeint.“

Eine Unitheatergruppe in Luzern, ein Kiffer, ein eher uninspirierter Regisseur und eine umso engagiertere Managerin.
Mit diesen Ingredienzen beginnt „Polyphon Pervers“ von Bela Rothenbühler , ein irrwitziger, hochkomischer Roman.
Wie diese zusammengewürfelte Truppe die bürgerliche Kulturszene der Schweiz kapert und aufmischt , das muss man einfach gelesen haben. Denn wie man gut, gar hervorragend leben kann indem man Kultur vortäuscht, um so wiederum Subventionen und Fördergelder abgreifen zu können, das hat das titelgebende Kollektiv hervorragend raus .
Aber natürlich kann so etwas nicht ewig weitergehen , erst recht nicht in der Corona Pandemie. Aber was dann passiert ….

Der Schweizer Literaturpreis wurde diesem Schelmen- und Hochstaplerroman völlig verdient verliehen. Jetzt wurde er aus dem ursprünglichen Schweizerdeutsch ins Hochdeutsche von Uwe Dethier übersetzt.
Ich habe mich köstlich amüsiert mit diesem intelligenten Heimatroman aus einer völlig schrägen Szenerie.
Wer Wolf Haas und Thomas Bernhard mag sollte unbedingt einen Blick in diesen Roman werfen - um sich dann gleich festzulesen.

„Das sei mega vage, da könne man nächtelang drüber streiten, was das überhaupt bedeute: Kunst. Und so Wörter, wo die Philosoph:innen schon seit paar Tausend Jahren drüber streiten, was sie eigentlich bedeuten, die solle man am besten gar nicht in den Mund nehmen, hat die Sabin gesagt.“

Polyphon Pervers

von Béla Rothenbühler, Voland & Quist

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Anna oder: Was von einem Leben bleibt
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„…eine Frau namens Anna Raesfeld, geborene Kalthoff, verwitwete Vogelheim, die eine wie keine war und eine wie viele.“

Der Journalist Henning Sussebach schreibt in „Anna oder : Was von einem Leben bleibt“ die Geschichte seiner Urgroßmutter auf .
Eingebettet in den historischen Hintergrund , sowohl global als auch lokal, fächert er Annas Leben auf. Das Leben einer Frau , die er nicht persönlich kannte, von der nur einige Fotos blieben, ein Poesiealbum, Postkarten, ein Kaffeeservice und ein Verlobungsring.
Anna war eine Frau , die den Konventionen ihrer Zeit trotzte, die ein unübliches Leben in einem Dorf im Sauerland führte, die sich nahm was ihr ihrer Meinung nach zustand, in der Liebe, im Leben .
Vieles bleibt Vermutung und ist doch schlüssig. Dabei vermeidet der Autor allzu plakatives, schafft Raum für Zwischentöne und Nuancen.
Berührend, beeindruckend und überaus fesselnd ist diese Lebensgeschichte, die wieder einmal verdeutlicht wie sehr das private auch immer politisch ist.

In einer sich immer schneller lebenden Welt ist dieses Buch ein Aufruf, zurückzuschauen, sich die Kämpfe und Errungenschaften der vorherigen Generationen bewusst zu machen und sie so vor dem Vergessen, dem sozialen Tod zu bewahren.
Ein Buch das bewegt, zum nachdenken anregt und uns auf eine so unaufdringliche wie intelligente Art lehrt, wie wichtig das Leben unserer Ahnen nicht nur für uns persönlich ist, sondern wie sehr die Vergangenheit unser aller Gegenwart prägt.

Eines DER Sachbücher in diesem Jahr!

Anna oder: Was von einem Leben bleibt

von Henning Sußebach

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Durch das Raue zu den Sternen
Frank Menden

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„Eines Tages werde ich zu den überragenden Persönlichkeiten der Musikgeschichte zählen. Das wissen die nicht, aber irgendwie wissen sie es doch.“

Wer da so von sich überzeugt ist, das ist Arkadia Fink, 13 Jahre, graublaue Augen, von den meisten Leuten in ihrem kleinen bayerischen Dorf Moll genannt.
Molls Mutter ist vor acht Monaten, drei Wochen und sechs Tagen kurz weggegangen. Mit einer geradezu überbordenden Fantasie und ungebündelter Energie kämpft Moll gegen die Leerstelle in ihrem Leben an, ordnet ihre Gefühle einem großen Ziel unter: sie wird in einem weltberühmten Knabenchor singen und auf der Bühne stehen. Und dann, und das weiß Moll mit absoluter Gewissheit, dann wird ihre Mutter wiederkommen.
Nur ist Moll eben ein Mädchen. Und Mädchen singen nicht in einem Knabenchor. Doch Moll stemmt sich mit atemberaubender Vehemenz gegen dies in ihren Augen eher unerheblichen Problems…

„Durch das Raue zu den Sternen“ besticht zum einen durch seine unvergessliche, in wahrsten Sinne eigenartige und merkwürdige Protagonistin und durch seinen unverwechselbaren Ton, der ebenso eigen ist wie Moll und so voller Musik wie sie. Kraftvoll, poetisch, mit einem wunderbaren Humor und eindrucksvollen Bildern führt uns Kloeble durch Molls Welt, an deren Seite ihre beste Freundin Bernhardina steht, eine ehemalige Musiklehrerin, die jetzt in einer Seniorenresidenz lebt, nicht mehr gut hört, aber dafür umso besser zuhören kann, und ihr Vater, ein Schreiner, der nicht mehr schreinert, obwohl seine Hände für Holz gemacht sind.
Moll auf ihrem Weg gegen alle Widerstände und Regeln der Gesellschaft zu begleiten ist ein besonderes Leseerlebnis. Und auch wenn einem Moll durchaus mitunter auf die Nerven geht , bleibt man doch gern bei ihr, tief beeindruckt und berührt, mit einem leisen Lächeln. Denn : „Man kann nur richtig laut sein, wenn man das Leise versteht.“

Durch das Raue zu den Sternen

von Christopher Kloeble

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Auf Wiedersehen
Frank Menden

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Jasmins Ramadans erster Roman seit sieben Jahren handelt von einer Gruppe Mitt-und Endvierzigern in Hamburg. Wie eine Art moderner Reigen erzählt sie von einer ehemaligen Freundesgruppe, die aufgrund des Verschwindens von Hendrik, dem unsympathischsten Mitglied der Ex-Clique, wieder zusammenfindet.

Der Roman bietet neben wunderbaren Hamburg Motiven und Momenten eine etwas überzeichnete, aber ungemein unterhaltsame und spitzfindige Analyse des Lebens dieser Altersgruppe und ihrer Befindlichkeiten. Vom Überdruss in Partnerschaften, Luxusproblemen und Entfremdung unter ehemals besten Freunden, von Unsicherheiten, neuen und alten Lieben.
Das bietet Suchtpotential wie eine Miniserie, vor allem weil Jasmin Ramadan lustvoll mit jedweden Klischees spielt.
Vor allem Hamburger*innen sollten sich diesen mitreissenden und sehr viel Spaß machenden Roman nicht entgehen lassen!

Auf Wiedersehen

von Jasmin Ramadan

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Schwebende Lasten
Frank Menden

Frank Menden

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„Der gelungene Strauß ist einfach gehalten, in der Gestaltung wie in der Fertigung. Auf die innere Ordnung ist zu achten. Aber was sie gelernt hatte, vergaß sie im Leben oft genug und mit Absicht.“

Es gibt wenige deutschsprachige Romane, die dieses Jahr so viel positive Kritik erhalten haben wie „Schwebende Lasten“ .
Kein Wunder, denn dieser Roman ist so hervorragend beobachtet wie geschrieben.
Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna ist eine Frau, der im 20. Jahrhundert wenig erspart bleibt.
Sie erlebt zwei Weltkriege, durchlebt alle Irrungen und Wirrungen ihrer Zeit, erlebt viele persönliche Niederlagen und wenig Triumphe, bringt sechs Kinder zur Welt, packt an was anzupacken ist. Sie ist eine normale Frau in einer sehr unnormalen Zeit, durchaus emanzipiert, aber doch ganz ein Produkt ihrer jeweiligen Lebenswelten.
Magdeburg ist ihre Stadt, Blumen bleiben lebenslang ihre Leidenschaft, werden durch eine Begegnung ein kleines Fenster in eine andere, kultiviertere Welt.
Annett Gröschner erzählt dieses Leben detailliert und voller Empathie, sehr real und lebendig und trotz der Härte mit Charme und einer gewissen Portion leiser Heiterkeit.
Sie hat so einen Roman geschaffen, der individuell und exemplarisch ist, und dem man direkt auf der allerersten Seite vollkommen verfällt.
Man ist ja manchmal misstrauisch, wenn allenthalben Lobeslieder gesungen werden.
Braucht man in diesem Falle nicht zu sein.
Sie stimmen !

Schwebende Lasten

von Annett Gröschner

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Gesellschaftsspiel
Frank Menden

Frank Menden

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Dass ein Milliardär eine Stadt als Kulisse für eine mehrtägige private Feier quasi mietet haben wir gerade erleben können.
Was aber wäre, wenn ein Tech-Milliardär per App der Demokratie, dem demokratischen Leben ein Update verpassen würde. Und dies in Deutschland, in Weimar genauer gesagt. Wäre das nicht eine Chance für unsere sich immer mehr auseinander dividierende Gesellschaft? Eine kleine Revolution, die uns alle fern von parteipolitischen Schachzügen wieder enger zusammenbringt, echte Diskussionen und ein wahres Miteinander ermöglicht?
Oder wäre dies eher das Ende als ein wirklicher Neustart ?

Dies ist die Ausgangssituation in „Gesellschaftsspiel“ .
Im Mittelpunkt des Romans stehen die entfremdeten Schwestern Isabelle und Annika, die am Sterbebett ihrer Mutter zusammen mit deren Schwester Dagmar aufeinandertreffen.
Während sie mit dem privaten Schicksalsschlag fertig werden müssen und ihre Beziehungen untereinander aufarbeiten, schreitet die öffentliche Debatte immer weiter fort - mit einschneidenden Folgen für die drei Frauen.

Für mich ist dieser Roman ein sehr intelligentes Gedankenspiel, das zum nachdenken anregt und über den man sich nach der Lektüre austauschen muss.
Und der seit meiner Lektüre vor einigen Wochen immer noch sehr in mir arbeitet .
Ich bin äußerst gespannt, wie dieses „Gesellschaftsspiel“ aufgenommen werden wird, welche Diskussionen er auslösen wird.
Kalt lässt dieser Roman bestimmt niemanden.

Gesellschaftsspiel

von Dora Zwickau

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Das Geheimnis des roten Hauses
Frank Menden

Frank Menden

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Sommerfrische auf dem Land. Mark Ablett, Mäzen der schönen Künste und seines Zeichens Schriftsteller, wenn auch ein recht schlechter, hat wie üblich in seine Residenz geladen. Unüblich ist jedoch, dass sein Bruder Robert zu Besuch kommen möchte. Ein Bruder, von dem noch nie jemand gehört hat und der wahrscheinlich nicht ohne Grund seit fünfzehn Jahren in Australien lebt.
Unter den Gästen befindet sich auch Anthony Gillingham, der hier einen Freund besuchen möchte. Bei seiner Ankunft wird er Zeuge eines dramatischen Vorfalls: nach einem Streit zwischen den Brüdern fällt in Marks Studio ein Schuss. Als man die Tür endlich öffnen kann findet man Robert mit durchschossenen Schädel, von Mark fehlt jede Spur.
Für den herbeigerufenen Inspektor Birch ist der Verdächtige schnell klar: es muss der flüchtige Mark sein. Doch Anthony Gillingham hat berechtigte Zweifel und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln…

Wie bedauerlich, dass „Das Geheimnis der roten Hauses“ der einzige Kriminalroman des „Winnie the Pooh“ Schöpfers A.A. Milne ist. Dieser in bester britischer Kriminalliteratur stehende Roman bietet alles, was das Hertz begehrt: ein englischer Landsitz, die feine Gesellschaft, ein verschlossenes Zimmer, mysteriöse Gäste, hervorragend entwickelte Charaktere und eine verwickelte, intelligente Handlung, die bis zum Schluß hervorragend unterhält.
Ein zu Recht wieder aufgelegter Klassiker.

Das Geheimnis des roten Hauses

von A. A. Milne

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Das Jahr ohne Sommer
Frank Menden

Frank Menden

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In ihrem neuen Roman erzählt Constanze Neumann von einem Mädchen zwischen zwei Welten, der DDR und der BRD.
Als die namenlose Protagonistin etwa sechs Jahre alt ist planen die Eltern die Flucht in den Westen . An der Grenze werden sie jedoch zusammen mit ihrer kleinen Tochter durch einen Verrat gefasst und ins Gefängnis gesteckt .
Das Mädchen kommt zur Großmutter bis sie den von der BRD freigekauften Eltern in den Westen folgen kann .
In Aachen finden sie ein neues Heim, ein Zuhause wird es lange nicht werden….

Nach „Wellenflug“, in dem Constanze Neumann über die Herkunft ihrer Familie erzählte, ist „Das Jahr ohne Sommer“ ihr zweiter Roman. Ebenso autobiografisch, erzählt sie hier ihre eigene Kindheit und Jugend .
In kurzen, dichten Sätzen erzählt sie frei von Pathos und fern jeglicher Sentimentalität vom Alltag in der DDR und den Schwierigkeiten sich in der neuen westlichen Welt zurechtzufinden.
Eltern wie Tochter stehen vor schweren Herausforderungen und durchleben die Schwierigkeiten sich ein neues Leben aufzubauen, sich einzugliedern und doch fremd zu bleiben . Dabei kämpft die Mutter zusätzlich noch mit den psychischen Folgen ihrer zweijährigen Haftzeit.
Dies alles schildert die Autorin sehr offen, mit einem ungeheuren Gespür für Feinheiten und Nuancen . Es ist eine mir bis dato nie so deutlich klargewordene Zwischenwelt, die hier in all ihrer Deutlichkeit und Komplexität dargestellt wird.

„Es war nun so, wie es hatte sein sollen, wie wir es uns immer gewünscht hatten, und doch war alles ganz anders und fremd und verwirrend, und so würde es lange bleiben.“

Diesen Roman sollte man sich nicht entgehen lassen!

Das Jahr ohne Sommer

von Constanze Neumann

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Herzgrube
Frank Menden

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„Das Dorf, das sie jetzt links liegen lassen, schläft noch, keiner sieht die Wanderung der müden Leiber. (…) Und unter ihren Füßen, eine Meile tief, Geschichte. Die darauf wartet, dass man sie in Stücke hackt und herauszieht.“

Das Dorf heißt Barnsley und liegt in England. Der Bergbau ist Vergangenheit, hat den Ort geprägt, seine Bewohner.
Alex hat Jahrzehnte in den Minen verbracht, in der Dunkelheit. Das Licht, das nun sein Leben prägt, bringt lange Verdrängtes an den Tag.
Sein Sohn Simon arbeitet tagsüber in einem Callcenter und abends als Dragqueen , bedient nebenbei einen „Only Fans“- Account.
Während sein Vater von den Geistern der Vergangenheit eingeholt wird, steht Simon sein bislang größter Auftritt bevor, der sein Durchbruch sein könnte…

„Herzgrube“, das Romandebüt des Lyrikers Andrew McMillan , übersetzt von Robin Detje, ist ein Roman über Klassenbewusstsein und Homosexualität, über Sichtbarkeit und Herkunft .
McMillan erzählt nicht nur die Identitätssuche seiner Protagonisten, er erzählt auch von der Arbeit in den Bergwerken, davon, wie prägend die Arbeit für die Menschen, die Region ist.
Wie lebt es sich als queerer Mensch in einer Umgebung, in der dies unmöglich scheint? Wie einsam kann man in einer Gemeinschaft sein?

Ein sprachlich wie inhaltlich äußerst beeindruckender Roman, vielschichtig und ungemein berührend.
Bitte mehr davon.

Herzgrube

von Andrew McMillan

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Hard Girls
Frank Menden

Frank Menden

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Ich mag Bücher, die sich jeglicher Kategorisierung entziehen. Die überraschen und ausgetretene Genrepfade verlassen.

„Hard Girls“ von J. Robert Lennon , übersetzt von Stefan Lux trägt das Etikett „Thriller“ auf dem Cover. Und ja, die Geschichte der beiden Schwestern Jane und Lila, die sich nach jahrelanger ( und sich in Rückblicken erklärender ) Funkstille auf die gemeinsame Suche nach ihrer ebenfalls vor Jahren verschwundenen Mutter machen, hat viele Zutaten eines Thrillers .
Gleichzeitig ist dies jedoch auch ein Familienroman, ein Roman über Schwestern, über das Verhältnis von Muttern und Töchtern, ein Spionageroman, ein Buch über unglückliche Beziehungen und auch eine „Road Novel“.

Vor allem aber ist dieser Roman ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, ein Buch voller Twists, unglaublich spannend, mit lakonischem Humor gewürzt und mit zwei Protagonistinnen, die spröde sind und uns doch wunderbar unterhalten, die uns an Herz wachsen und unvergesslich sind.

Wer also Lust hat auf eine fesselnde, spannende, dramatische Geschichte voller familiärer Verwicklungen hat, der sollte zu diesem Buch greifen und sich mit Jane und Lila auf eine Reise begeben, die so überraschend wie erfrischend die Genres vermischt.

Hard Girls

von J. Robert Lennon

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Der Name an der Wand
Frank Menden

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Südfrankreich. Der Schriftsteller Herve Le Tellier möchte ein Haus kaufen. Im kleinen Dorf La Paillette wird er schließlich fündig: die ehemalige Keramikwerkstatt soll sein neues Zuhause werden. Beim abhängen einer Keramiktafel sieht Le Tellier, dass ein Name in den Rohputz geritzt wurde: André Chaix. Wer war dieser Mann?
Es ist das Frühjahr 2020, die Pandemie hat die Welt fest im Griff - und Herve Le Tellier beginnt zu recherchieren. Sehr bald kennt er die nackten Fakten: im August 1944 wird André Chaix als Mitglied der Résistance von deutschen Soldaten in einem Gefecht ermordet. Er ist nur 20 Jahre, zwei Monate und 30 Tage alt geworden…
Doch Le Tellier will mehr wissen: wer war dieser junge Mann, wie hat er gelebt, wen hat er geliebt, was trieb ihn um ?

„Der Name an der Wand“, das neue Buch des Prix Goncourt Preisträgers Herve Le Tellier , übersetzt von Romy und JürgenRitte, ist kein Roman, aber die Spurensuche des Schriftstellers liest sich ebenso fesselnd.
Es ist die Erforschung der Vergangenheit, einer Epoche, „in der Großherzigkeit und Mut mit Egoismus und Niedertracht eng beieinanderlagen wie nur selten.“
Immer wieder durchbricht Le Tellier diese Reise in die Vergangenheit mit Assoziationen und führt uns LeserInnen so auch ins Hier und Jetzt.
Indem er uns von André Chaix erzählt, erzählt er auch vom Phänomen Mut in dunklen Zeiten, davon, wie man Hass und Faschismus begegnen kann ( und soll ).

„Man diskutiert solche Ideen nicht, man bekämpft sie. Weil die Demokratie ein Gespräch unter zivilisierten Menschen ist, endet die Toleranz beim nicht Tolerablen. Wer auch immer den Hass auf andere sät, verdient nicht die Gastfreundschaft einer Diskussion“.

Ein ungemein berührendes und wichtiges Buch!

Der Name an der Wand

von Hervé Le Tellier

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Schneeflocken wie Feuer
Frank Menden

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Die fast 80jährige Dora fährt zu einem Klassentreffen. Ein Anlass , um aus der heutigen Sicht auf die 17jährige Dora und ihre Jugend in den 1960ern der BRD zurückzublicken.
Auf das Leben mit der von chronischen Schmerzen geplagten Mutter, die ihre als Kind in der NS-Zeit aufgesogenen Ansichten immer wieder in ihre Erziehung einfließen lässt.
An den Vater, der psychisch und physisch Gewalt ausübte.
An die 13 Jahre jüngere Schwester, die sie abgöttisch liebt.
Und an eine Zeit, in der die Selbstbestimmung der Frau fast unmöglich war. Dora lehnt sich auf , rebelliert in dieser engen und spiessigen Welt und setzt ihr sexuelles Erwachen und das Bewusstsein über ihre körperlichen Reize zielgerichtet ein.

„Schneeflocken wie Feuer“ von Elif Conrad ist eine schonungslose Chronik eines Frauenlebens in der damaligen Zeit. Die Ich-Erzählerin reflektiert aus der Sicht der älteren Frau ihr Leben als Jugendliche, sieht die Verbindungen aus Politik und Gesellschaft. Dabei bewegt sie sich fließend durch die verschiedenen Zeitebenen und hat mich auch dank dieser Struktur und der präzisen und manchmal lakonischen Sprache gefesselt. Dieses so ehrliche wie kluge Buch über die Befreiung der Frauen von gesellschaftlichen Zwängen, über selbstbestimmten Sex und Körpergefühl, über Liebe und die Suche nach einem Platz im Leben gehört für mich zu den großen Entdeckungen dieses Frühjahrs.
Wer Annie Ernaux schätzt sollte sich dieses kühne und unkonventionelle Buch nicht entgehen lassen!

Schneeflocken wie Feuer

von Elfi Conrad

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Hallo, du Schöne
Frank Menden

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William Waters Start ins Leben ist kein leichter: kurz nach seiner Geburt stirbt seine ältere Schwester unerwartet an einer überstanden geglaubten Lungenentzündung. Die Eltern verfallen in eine Art Schockstarre, leben ihr Leben zwar weiter, können William aber weder Zuneigung noch Zuwendung geben. Einzig die Liebe am Basketball hält ihn im wahrsten Sinne aufrecht..
Als er am College Julia Padavano kennenlernt scheint sich alles zum Guten zu wenden. Die attraktive Frau verliebt sich in ihn, die Heirat ist beschlossene Sache, wie auch Julia alles andere genauestens plant. Das Wichtigste für William ist jedoch die Geborgenheit, die er durch Julia, ihre drei Schwestern und seine zukünftigen Schwiegereltern erfährt.
Und dann, eines Tages, kommt alles ganz anders und wird das Leben aller Beteiligten für immer verändern…

Barack Obama zählt diesen Roman zu seinen Lieblingsbüchern, die „New York Times Book Review“ war ebenfalls des Lobes voll. Ich verstehe dies sehr gt, ikst dies doch ein Roman, der einen von den ersten Zeilen an gefangen nimmt, der ProtagonistInnen hat, die man sich als Freunde und Bekannte wünscht und deren Leben zuzuschauen einen bei aller Tragik glücklich macht. Aber das größte Kompliment ist wohl, dass man dieses Roman auch nach 520 Seiten nicht beenden möchte.
Und wenn der Titel gegen Ende von einer Figur ausgesprochen wird bleibt kein Auge trocken.

Hallo, du Schöne

von Ann Napolitano

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Ungebetene Gäste
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

Es beginnt alltäglich. Eine junge Mutter bietet dem in ihrer Wohnung arbeitenden Handwerker einen Kaffee und Kekse an, ihr einjähriger Sohn wuselt um sie herum.
Naomi versucht ihr Unbehagen gegenüber dem freundlichen und dem kleinen Uri sehr zugewandten Mann zu überspielen - und dann ist es passiert : in einem unbeobachteten Augenblick hat Uri den Hammer des arabischen Arbeiters vom Balkon gestoßen, ein sich auf der Straße befindender Jugendlicher wird von ihm erschlagen.
Schnell kochen die Emotionen hoch, von einem Attentat ist die Rede.
Naomi löst das Missverständnis nicht sofort auf, stellt sich dann aber doch der Polizei.
Aber die Schuldgefühle wird sie auch nach einem etwas überstürzten Umzug nach Lagos nicht los, wie auch die Familien der anderen Beteiligten nicht zur Ruhe kommen…

Ayelet Gunder-Goshen verhandelt in ihren Romanen mit psychologischen Geschick Fragen der Moral. So auch ihr neuer Roman „Ungebetene Gäste“ , übersetzt von Ruth Achlama.
Eindringlich schildert sie, wie sich eine Gemengelage aus Schuld, Mitgefühl, unausgesprochenen Geheimnissen und bewusstes Wegsehen vor den Konsequenzen des eigenen Handelns zu immer neuen Konflikten führen.
Mich hat dieses Buch einmal begonnen nicht mehr losgelassen. Spannend wie ein Krimi, von einer mitreißenden Stringenz, zeigt Ayelet Gunder-Goshen wie sehr Lügen, und seien sie auch noch so gut gemeint, unser Leben prägen und zu zerstören im Stande sind. Und das selbst in bester Absicht ausgeführte Handlungen oftmals verheerende Folgen haben können, niemand moralisch überlegen ist.
Beeindruckend und nachdenklich stimmend.

Ungebetene Gäste

von Ayelet Gundar-Goshen

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Einer fehlt
Frank Menden

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In den Büchern von Tommie Bayer geht es immer wieder um Freundschaft, Liebe und Kunst. Diesmal sind die Protagonisten drei Herren um die 70, und es ist kein Wunder, dass es sich um einen Filmkomponisten, einen Maler und einen Verleger handelt, wobei der Maler nach dem Tod seiner Frau spurlos verschwunden ist. Aus Angst, dass er sich etwas antun könnte, machen sich seine beiden Freunde auf die Suche nach ihm. Die Spur führt im komfortablen Jaguar nach Italien. Ein Roadmovie also, in dem traumhafte Kulissen, gutes Essen und geistreiche Gespräche eine gelungene Mischung bilden.

Immer wieder gibt es Rückblenden. Wie haben sich die Freunde kennengelernt? Wie haben sie sich entwickelt? Und welche Rolle spielte eine ganz bestimmte Frau im Leben der drei? Und was bedeutet überhaupt Freundschaft?

Wieder einmal ist es Thommie Bayer gelungen einen leichten Roman mit Tiefe zu schreiben. Ein wunderbares Buch für den Lesehunger zwischendurch - und das perfekte Geschenk für alte Freunde.

Einer fehlt

von Thommie Bayer

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Auf der Kippe
Frank Menden

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Wie betrachten wir unser Leben angesichts einer großen Katastrophe?

Annie hatte sich ihr Leben anders vorgestellt. Eine große Dramatikerin wollte sie werden, Pulitzerpreis inklusive. Doch nach dem ersten vielversprechenden Stück passierte … nichts. Das Geld wurde knapp, Kompromisse wurden gemacht, die Jahre zogen vorbei, die Notizbücher blieben leer. Ehemann Dom wartet seit Ewigkeiten auf den Durchbruch als Schauspieler, hangelt sich von Vorsprechen zu Vorsprechen.
Nicht die besten Vorraussetzungen, um auch noch ein Kind in die Welt zu setzen .

Aber nun steht Annie schwanger bei IKEA in Portland. Es ist heiß, die Verkäuferin nur mäßig gewillt zu helfen und das gewünschte Babybett scheint ausverkauft zu sein.
Da beginnt die Erde zu beben : das seit Jahrzehnten befürchtete große Erdbeben verwüstet die Westküste der USA.
Wie durch ein Wunder überlebt Annie - und kennt nur ein Ziel: sie muss ihren Mann finden.
Während sie durch das zerstörte Portland irrt, Fremden hilft und Hilfe erfährt, lässt sie ihr Leben Revue passieren - und versucht im Angesicht des Schreckens für ihr Kind zu überleben….

„Auf der Kippe“ von Emma Pattee hat mich überrascht. Überrascht wegen der vielen Themen, die sehr ernsthaft, aber auch mit unerschrockenen Witz aufbereitet werden.
Vor allem aber hat mich Annie von den ersten Sätzen an „gehabt“: eine Protagonistin, der ich gerne durch das äußerliche und innere Chaos gefolgt bin, deren Cheerleader ich während der 249 Seiten geworden bin und die ich nur ungern habe gehen lassen.
Ein nicht nur durch das Setting ungewöhnlicher Debütroman der Journalistin Emma Pattee.
Es wird hoffentlich nicht ihr letzter sein.

Auf der Kippe

von Emma Pattee

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Ámbar
Frank Menden

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Mit 12 lernte Ambar von ihrem Vater Kugeln zu entfernen und Wunden zu nähen. Ein Jahr später brachte er ihr das Schießen bei und wie man ein Auto kurzschließt.
Für die mittlerweile 15jährige Ambar ist es also normal, mit ihrem kostbarsten Besitz, einer Schrotflinte, ihren Vater zu begleiten – Victor Mondragon ist schließlich ein gefährlicher und gesuchter Gangster.
Doch das von Gewalt, gefälschten Pässen, Scheinidentitäten und immer neuen Unterkünften geprägte Leben hat zwar durchaus seinen Reiz, aber was, wenn sie ihrem geliebten Vater doch nicht so voll vertrauen kann wie immer gedacht?

Mit einer ungewöhnlichen Protagonistin wartet dieser hochgelobte argentinische Thriller auf. Und nicht nur dies ist ungewöhnlich an dieser explosiven und absolut kurzweiligen Mischung aus Road-Novel, Coming-of-age Geschichte und rasantem Thriller. Wie Nicolas Ferraro durch die Augen Ambars die ( argentinische ) Machokultur entlarvt und wie sich seine zwar noch durchaus kindliche aber äußerst gewiefte Heldin in ihr behauptet, das muss man einfach gelesen haben. So einen Thriller, so eine Heldin hat man schon lange nicht mehr erlebt, wenn überhaupt. Rasant, knackig, explosiv!

Ámbar

von Nicolás Ferraro

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Yellowface
Frank Menden

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Juniper Hayward ist eine leidlich erfolgreiche Autorin, ihre Bekannte Athena Lius dagegen ein richtiger Str der Literaturszene. Als die beiden Athenas Netflix Deal feiern und leicht alkoholisiert in Atenas Wohnung ein Pancake-Wettessen veranstalten, verschluckt sich diese so doll, dass sie erstickt.
Juniper ist völlig geschockt, geniesst aber gleichzeitig die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Und da ist ja auch noch das Manuskript, dass sie von Athenas Schreibtisch mitgenommen hat: der Entwurf ihres neues Romans.
Junier beginnt diesen zu überabeiten, schickt die neue Fssung an ihren Agenten - und alle sind begeistert. Das Buch wird ein Risenerfolg, alle feiern Juniper als den neuen Star am Literaturhimmel, bis....

Dieser Roman ist eine so beißende wie unterhaltsame Satire auf den modernen Literaturbetrieb und zugleich ein willkommener Diskussionsanlass um identitätstheoretische Diskurse.
Vor allem aber sollte man sich diesen profunden und mitreissenden Lesespaß auf keinen Fall entgehen lassen!

Yellowface

von Rebecca F. Kuang, R. F. Kuang

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Drei Sommer lang Paris
Frank Menden

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Ich wollte so viel, am liebsten alles auf einmal.“

Im Sommer 1989 wird der Ausreiseantrag der 21jährigen Ulrike bewilligt. Ihr Weg aus der DDR führt sie nach Paris, zu Mutter und Stiefvater. Ohne Französischkenntnisse stürzt sie sich in die Stadt, die sie bislang nur aus Büchern und von Bildern her kannte. Bewaffnet mit ihrer Kamera und einer jugendlichen Unbedarftheit schafft Ulrike sich eigene Bilder der Metropole, erschließt sich die Sprache und, erst zaghaft, dann immer bestimmter, ein Leben in Paris.
Doch während sie sich von ihrer Herkunft, ihrem alten Leben emanzipiert, bricht ihre alte Heimat zusammen. Wer ist man, wenn man kein Land mehr hat, in das man zurückkehren kann? Erkennt man Geschichte während sie passiert? Und ist ein Sehnsuchtsort der richtige Platz für ein neues Leben?

2021 erschien „Kassbergen“ von Patricia Holland Moritz, ebenfalls im Aufbau Verlag, und hat mich sehr begeistert. Jetzt erzählt die Autorin Ulrikes Geschichte weiter, und auch „Drei Sommer lang Paris“ habe ich wieder mit großer Freude gelesen ( man kann die Romane auch gut unabhängig voneinander lesen ).
Zwar ist dieser Roman konventioneller erzählt, aber die Autorin schafft auch hier eine neue Perspektive, einen neuen Blick auf die DDR zu werfen und eine Vielzahl von Themen aufzubereiten.
Vor allem aber schafft sie es hervorragend das Zeitgefühl der damaligen Zeit zu vermitteln. Und Patricia Holland Moritz gelingt das Kunststück, die schon vielfach beschriebene Stadt Paris neu erlebbar zu machen, sie mit ihrer Protagonistin neu zu entdecken.

Ein wunderbarer Paris Roman, eine mitreißende Entwicklungsgeschichte, ein erfrischender Sommerroman und ein Buch über die DDR.
Liebe Patricia Holland Moritz: ich würde Ulrike auch in einem dritten Roman folgen.

Drei Sommer lang Paris

von Patricia Holland Moritz

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Zuhause ist das Wetter unzuverlässig
Frank Menden

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„Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken.
Man muss nur gehen: Kein Gefühl ist das fernste.“ ( Rainer Maria Rilke )

Im Sommer soll Schluss sein. Schluss mit allem. Vierzig Tage, so lange währt die festgesetzte Frist der namenlosen Erzählerin.
Vierzig Tage, in denen sie ihr eigenes Leben Revue passieren lässt, aber auch die der Frauen vor ihr .
Es entstehen Muster weiblichen Lebens, Muster voller Erwartungshaltungen und Ansprüchen, die keinen oder kaum Platz lassen für Träume, für Freiräume.
Es sind Leben, die von patriarchalen Strukturen geprägt sind. Doch bleibt am Ende wirklich nur der eigene Tod, um alles Alte hinter sich zu lassen ?

Es ist nicht so einfach „Zuhause ist das Wetter unzuverlässig“ zusammenzufassen.
Die Autorin verknüpft Geschichten mit tagebuchartigen Passagen, es gibt Einschübe zu Literatur, zu Autorinnen.
Was evtl etwas unstrukturiert klingt ist aber ungemein lesbar - und beeindruckend, wie sehr diese Form die Themen verdichtet.
Individualität und das Kollektiv gehen so eine zwingende Verbindung ein in einem durch und durch überzeugenden Text.
Klasse !

Zuhause ist das Wetter unzuverlässig

von Carolin Würfel

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Simone
Frank Menden

Frank Menden

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„Einen Tag vor ihrem Tod rief Simone mich noch einmal an. Das weiß ich genau, denn ich hatte keine Zeit.“

Mit diesen Sätzen beginnt „Simone“ von Anja Reich.
Es ist die Geschichte einer Spurensuche, einer Suche nach den Gründen, warum sich Simone, die bewunderte Freundin seit Teenagerzeiten, mit 27 das Leben nimmt.
Es ist gleichzeitig auch eine Geschichte der DDR und über die Umbruchjahre nach der Wende, die für manche einen Neuanfang bedeutete, für andere hingegen einen kompletten Bruch, der schwer - wenn überhaupt - zu kitten war.

In Gesprächen mit den Eltern, dem Bruder und alten FreundInnen Simones geht die Journalistin Anja Reich der Frage nach, wie es so weit kommen konnte, dass diese junge Frau, die in der DDR quasi ein High Society Girl war und für die die Wende keinen sichtbaren Bruch bedeutete, keinen Sinn mehr in ihrem Leben sah.

Mich hat dieses Buch sehr aufgewühlt, sicherlich weil auch ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich ein Bekannter das Leben genommen hat. Die Frage nach dem „Warum“ treibt einen ebenso um wie das „Hätte ich etwas bemerken müssen, etwas tun können.“
Anja Reichs Buch weist über diese Fragen hinaus. Sie stellt einen biografischen, gesellschaftlichen und soziologischen Zusammenhang her, setzt sich mit psychologischen Krankheiten auseinander ( sie erfährt im Laufe ihrer Recherche, dass Simone an Depressionen litt) und fügt alle Puzzleteile zu einem komplexen Ganzen zusammen, das uns Simone nahebringt.
Den psychischen Kraftakt der Autorin beim Schreiben dieses Buches kann man immer wieder zwischen den Zeilen lesen und ich habe große Hochachtung vor ihrer Leistung.

Ein ungemein bewegendes und erschütterndes Buch!

Simone

von Anja Reich

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Very Bad Company
Frank Menden

Frank Menden

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Das Start-Up „Aurora“ lässt es an seinem exclusiven Wochenende für die Führungskräfte richtig krachen: ein Luxushotel in Miami Beach, Spabesuche, Jet-Ski Ausflüge, das Essen ist exquisit. Hier bleiben keine Wünsche offen.
Doch hinter der glattpolierten Fassade brodelt es. Was bedeutet die Einstellung von Caitlin, einer enorm erfolgreichen Eventmanagerin, für ein Unternehmen, dass keine Events ausrichtet? Welche große Ankündigung will Chef John Schiller machen? Was treibt Personalchefin Olive wirklich um ? Und ist Johns persönliche Assistentin Madison ihm wirklich so ergeben wie es scheint?
Als dann eine Angestellte spurlos verschwindet und diverse Geheimnisse an die Oberfläche kommen ist klar: in dieser Firma kann man keiner Person vertrauen…

Nach „Bad Summer People“ hat Emma Rosenblum nun mit „Very Bad Company“ ( ein wunderbares Wortspiel ) nachgelegt. Man kann sich dem Sog dieser Geschichte nicht entziehen, sie bietet Glamour, Klatsch und Spannung und ist wie der Vorgänger unputdownable.

Ein wunderbarer kurzweiliger Spaß für die sonnigen Frühlingstage.

Very Bad Company

von Emma Rosenblum

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Der Duft des Wals
Frank Menden

Frank Menden

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Dieser Roman kam genau zur richtigen Zeit. Ich suchte etwas kurzweiliges, mit Witz, aber nicht zu cheesy - et voila: „Der Duft des Wals“ von Paul Ruban , erschienen i Aufbau Verlag, übersetzt von Jennifer Dummer.

Schauplatz: ein All-Inclusive Luxus Ressort in Mexiko.
Hier wollen Hugo und Judith zum letzten Mal versuchen, ihre Ehe zu kitten - während Tochter Ava alles zeichnet was ihr vor die Augen kommt.
Stewardess Celeste möchte endlich einen Geist aus ihrer Vergangenheit loswerden ( und damit auch die nicht enden wollende Selbstgeisselung ).
Zimmermädchen Belen leidet an Narcolepsie, währenddessen Waldemar nicht nur ihre Liebe sondern auch seinen Posten als Chefportier zurückgewinnen will.
Ob es bei all diesen Bemühungen hilfreich ist, dass am Strand des Hotels ein toter Wal strandet, explodiert und einen bestialischen Gestank verbreitet?

Dies ist ein 220 Seiten andauerndes Vergnügen. Gut beobachtet, pointiert geschrieben ( Paul Ruban ist auch Drehbuchautor ) und herrlich unterhaltsam, voller Situstionskomik und Skurrilitäten - und auch ein wenig Stoff zum nachdenken.

Wer beim lesen gerne schmunzelt oder leise lacht sollte diesen Duft des Wals schleunigst inhalieren.

Der Duft des Wals

von Paul Ruban

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Wie Zugvögel
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Yellowknife, eine kleine, heruntergekommene Stadt im hohen Norden Kanadas, ist der Schauplatz von „Wie Zugvögel“ von Elizabeth Hay, übersetzt von Anke Carolin Burger.
Hier treffen 1975 die unterschiedlichsten Menschen in einem lokalen Radiosender aufeinander.
Da ist zum Beispiel Harry, der ehemalige Radiostar, der nach einem missglückten Versuch im Fernsehen zu reüssieren, wieder zurückgekehrt ist .
Dido, deren Stimme wie gemacht ist für das Radio, der alles zuzufallen scheint und die schwer greifbar ist, vor allem für sich selbst .
Gwen, die über 5.000 Meilen gefahren ist um hier ihren Traum vom Leben als Hörspielproduzentin zu verwirklichen - und an der Realität ihres Unvermögens als Sprecherin zu scheitern droht.
Sie und ihre KollegInnen versuchen sich am Leben, an der Liebe, an der Flucht vor der Einsamkeit, mal mit mehr und oft mit wenig Erfolg.

Der geplante Bau einer Gaspipeline durch das Gebiet der indigenen Bevölkerung sorgt für zusätzliche Dynamik , wie auch die geplante Expedition auf den Spuren John Hornbys, der vor 50 Jahren auf genau dieser Tour mit seinen Begleitern zu Tode kam…

2010 ist dieser Roman unter dem Titel „Nachtradio“ schon einmal erschienen, leider ohne Erfolg, trotz durchgehend positiver Kritiken.
Ich wünsche diesem Buch beim zweiten Versuch eine wesentlich größere Resonanz.
Denn dieser ruhige und überaus eindringliche Roman über Einsamkeit und das Ringen mit dem Leben und der Natur ist einfach zu gut, um nicht gelesen zu werden und Elizabeth Hay eine Stimme, die entdeckt werden muss!

Wie Zugvögel

von Elizabeth Hay

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Sieben Tage einer Ehe
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Jess und Malcolm sind eines dieser Paare, die seit Ewigkeiten zusammen sind, sich immer noch lieben, deren Lebenswege aber in verschiedene Richtungen driften.
Die erfolgreiche Juristin Jess wollte immer ein Kind, doch zahlreiche aufwändige und kostspielige Behandlungen bleiben erfolglos.
Malcom hat sich den Traum einer eigenen Bar erfüllt, doch diese wirft nicht genug Gewinn ab. Zudem trägt die Arbeitszeit wenig dazu bei, die sich in einer gefährlichen Schräglage befindenden Ehe zu konsolidieren.
Als ein Schneesturm über die kleine kanadische Ortschaft hinwegfegt und die Strom- und Wasserversorgung kappt, werden Jess und Malcolm gezwungen unabhängig voneinander eine Inventur ihrer Ehe vorzunehmen und ihre Gefühle zu überdenken…

„Sieben Tage einer Ehe“ ist bereits mein dritter Roman von Mary Beth Keane , wie die Vorgänger im Eisele Verlag erschienen.
Den von Heike Reissig übersetzten Roman zeichnet die Ruhe aus, mit der die Geschichte erzählt wird. Die Autorin konzentriert sich aufs Wesentliche und verzichtet auf konstruierte Dramen und exzessive Gefühlsduseleien.
Und gerade dies macht dieses Buch so eindringlich, lässt einen viele (Alltags-) Situationen gut nachempfinden, viele Dialoge kommen einem bekannt vor.
Letztendlich geht es um Fragen, die wir uns alle stellen: Was will ich wirklich? Wie soll es weitergehen?
Für mich ein ruhiger, nachdenklich stimmender und berührender Roman der zeigt, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit ist.

Sieben Tage einer Ehe

von Mary Beth Keane

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Nachtglimmen
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

„Ich schreibe eine Geschichte der Welt.“.
Dies sagt die todkranke ehemalige Kriegsreporterin und Historikerin Claudia Hampton.
Viel Zeit wird ihr nicht bleiben, um all das Erlebte niederzuschreiben. Von der Kindheit kurz nach dem Ersten Weltkrieg, der ständigen Rivalität mit ihrem Bruder Gordon. Oder von ihrer schwierigen Beziehung zu ihrer Tochter Lisa, ihrer großen Liebe Tom.
Von den zahlreichen politischen Ränkespielen, bei denen sie mal mehr oder weniger beteiligt war.

Claudia Hampton ist keine einfache Protagonistin. Sie ist selbstbezogen und durchaus bösartig, trotzdem kommt man nicht umhin ihrem Leben gebannt zu folgen, während sie durch das 20. Jahrhundert jagt. Dabei ist sie voller spröder Energie, immer stilsicher und hat dabei für alle ( und sich selbst) immer eine Prise verächtlichen Humor übrig.

1987 gewann Dame Penelope Lively für „Nachtglimmen“ den Booker Prize. Jetzt liegt der früher auch unter seinem Originaltitel „Moon Tiger“ in Deutschland erhältliche Romanim Doerlemann Verlag in einer Neuübersetzung von Ulrike Müller und einem Vorwort von Elif Shafak vor.
Es ist ein zeitloser Roman, der viele Themen verhandelt, politisch ist, literarisch ambitioniert und dabei doch immer gut lesbar ist.
Der Roman zeigt auf anschauliche und eindrucksvolle Art und Weise, dass „Wenn alles aus dem Gleis ist, dann wird man unangenehm darauf gestoßen, dass Geschichte wahr ist und dass man selbst leider ein Teil von ihr ist.“
Ein geradezu prophetischer Satz aus einem zeitlosen Roman von großer Aktualität!

Nachtglimmen

von Penelope Lively

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Mittsommertage
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

Berlin, Sommer 2022.
Die Ethikprofessorin Ruth Lambert steht im Zenit ihrer Karriere: die Berufung in den Deutschen Ethikrat steht kurz bevor.
Auch für ihren Mann Ben könnte es nicht besser laufen: der Architekt gewinnt eine wichtige Ausschreibung. Und Bens Tochter Jenny, für die Ruth Freundin, Vorbild und Inspiration in Personalunion ist, scheint mit ihrem Studium in Leipzig angekommen zu sein.
Zusammen mit der abflauenden Corona Pandemie scheinen sich alle Dinge wunderbar zu fügen.
Doch dann wird Ruth bei ihrer morgendlichen Joggingrunde von einem Hund gebissen, und so wie die anfangs harmlose Wunde sich als äußerst hartnäckig erweist , häufen sich die erst kleinen, dann immer gewichtiger werdenden Irritationen in Ruths geordneten und gutsituierten Leben. Und dann holt sie ihre Vergangenheit ein…

Ulrich Woelk schildert in seinem neuen Roman „Mittsommertage“ eindringlich, wie innerhalb einer kurzen Woche ein vermeintlich perfektes Leben ins Wanken gerät.
Die Kunst dieses klugen und genau beobachteten Romans besteht darin, dass er trotz der Vielzahl der Themen ( Klimaschutz, sexuelle Befreiung, KI - um nur einige zu nennen) nie überfrachtet wirkt, sondern genau am Puls der Zeit .
Nach „Der Sommer meiner Mutter“ ( Longlist Deutscher Buchpreis) und „Für ein Leben“ ( Alfred Döblin Preis) wieder ein rundum überzeugender Roman!

Mittsommertage

von Ulrich Woelk

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Frau im Mond
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Die Zwillingsschwestern Lilit und Lina el Shami sind nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihrem Großvater in Montreal aufgewachsenen. Eine alte Postkarte von ihrer ihnen unbekannten Großmutter Anoush bringt sie auf die Spur ihrer Familie – und auf lang vergessene Geschehnisse in ihrer früheren Heimat: dem Libanon.
Was hatte Anoush mit der ominösen „Lebanese Rocket Society“ zu tun? Was bedeutet die Widmung an ihren Großvater auf der Postkarte? Und was hat es mit der „Frau im Mond“ auf sich?
Lilit beschließt diesen Fragen im Libanon auf den Grund zu gehen. Während sie das Land neu erlebt und den Aufruhr der libanesischen Gesellschaft zu spüren bekommt, findet sie immer mehr Antworten – und stößt auf eine faszinierende Geschichte. Doch der 04. August 2020 ist nicht mehr fern….

Pierre Jarawan hat einen prallen, meisterhaft konstruierten Roman geschrieben, der auf faszinierende Art und Weise eine spannende Familiengeschichte mit den Themen Wissenschaft, Politik, Film und Kunst verbindet. Herausgekommen ist ein fulminanter Roman, der berührt, inspiriert und noch lange nach der letzten Seite nachhallt.
Ganz großes Kino!

Frau im Mond

von Pierre Jarawan

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Wellness
Frank Menden

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Chicago 1993. Unter ungewöhnlichen Umständen werden aus den Nachbarn Jack und Elizabeth ein Jahr. Trotz der Unterschiede zwischen dem jungen Fotografen mit ländlichen Wurzeln und der Psycholgiestudentin aus gutem Hause verleben sie in der vibrierenden Kunstszene Chicagos ein aufregende Zeit.
Doch zwanzig Jahre und ein Kind später ist die Liebe merkwürdig schal geworden. Routine hat sich breit gemacht, die anfangs so aufregenden charakterlichen Unterschiede sind jetzt eher Quell für kleine und große Streitigkeiten. Der Kauf einer Wohnung wird zum Katalysator ihrer Ehe und sie erkennen, dass sie sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen müssen, um als Individuum UND als Paar eine Chance auf den Erhalt ihrer (Selbst-) Liebe zu haben.

Nathan Hills zweiter Roman ist ein perfekt geschriebener amerikanischer Gesellschaftsroman. Es geht um Geschichten, die man sich so lange erzählt, bis man sie für wahr hält - obwohl sie es vielleicht gar nicht sind. Dabei offenbart er viele Wahrheiten über familiäre Strukturen, über Liebe, Nähe und Intimität und gibt wie nebenbei Einblicke in die Kunstszene und die Absurdität der Selbstoptimierung. Ein trotz des Umfangs von 736 Seiten äusserst kurzweiliger und hochintelligenter Roman, der auf dem Weg ist ein moderner Klassiker zu werden.

Wellness

von Nathan Hill

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Letzte zärtliche Augenblicke
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Ein Highlight aus dem diesjährigen Gastland der Leipziger Buchmesse ist Kjersti Anfinnsens Roman „Letzte zärtliche Augenblicke“.

Der Titel mag einen leicht verkitschten Blick auf die letzten Lebensjahre suggerieren, doch sehr schnell wird bei der Lektüre klar, dass dies mitnichten so ist.
Dafür ist die Protagonistin viel zu eigen, zu sarkastisch - und zu ehrlich.
Denn die einst enorm erfolgreiche norwegische Herzchirurgin Brigitte Solheim weiß um ihre sozialen Defizite, ihre Unfähigkeit Freundschaften zu pflegen, dauerhafte Liebesbeziehungen einzugehen. Sie ist allein, auf die Hilfe und Freundlichkeit von Fremden angewiesen.
Sie räsoniert über ihr Leben, die schwierige Kindheit, das Verhältnis zu ihrer Schwester, über den Betrug ihres Kollegen, der die Lorbeeren für die von ihr entwickelte revolutionäre OP-Technik eingestrichen hat.
Und doch schleicht sich etwas Hoffnung in ihr Leben, und zwar in Gestalt des Architekten Javier, mit dem sie erst chattet, sich dann trifft , Wein trinkt , Sex hat, sich streitet und versöhnt. Doch im hohen Alter ist das Ende nah.

Kjersti Anfinnsen erzählt konsequent aus Brigittes Perspektive und das ist ein großer Pluspunkt dieses ungewöhnlichen Romans. Der Ton ist nüchtern, auch wenn sich ab und an Selbstmitleid in den sarkastischen Betrachtungen findet. Brigitte ist keine Sympathieträgerin, eine Frau, die trotz ihres Geldes und der damit einhergehenden Privilegien weiß, dass diese ihr auch nur bedingt helfen. Denn gegen Einsamkeit und Ängste kommt kein Geld der Welt an.
Und trotzdem gibt es immer wieder unerwartete Lichtblicke, wie der Roman überhaupt ein Licht wirft auf Dinge, die in der Literatur gern verschwiegen werden -und die doch zu jedem Leben gehören.

„Man sagt, das Leben verlaufe zyklisch, doch der Vergleich hinkt. Irgendwas fehlt. Jedes Mal, wenn ich in den Spiegel schaue, fehlt etwas. (…) Ich weiß genau, was da fehlt: Mir fehlt eine Zukunft.“

Letzte zärtliche Augenblicke

von Kjersti Anfinnsen

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Echokammer
Frank Menden

Frank Menden

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Norwegen, kurz vor der Parlamentswahl.
Die Anti-Terror Ermittler Liselott Benjamin und Martin Tong versuchen fieberhaft einer Gruppe von nationalen Extremisten auf die Spur zu kommen, die mit einem Anschlag auf die norwegische Zivilgesellschaft drohen.
Gleichzeitig wird der Wahlkampf mit immer härteren Bandagen geführt, niemand scheint mehr den Überblick zu haben, ob wirklich die Akteure die Schlagzeilen diktieren oder ob sie selbst manipuliert werden.
Fakt ist nur: es soll Chaos herrschen.
Während die politische Situation immer undurchsichtiger wird scheinen Benjamin und Tong endlich vor einem Durchbruch zu stehen. Doch werden sie es in der knappen Zeit noch schaffen das Ruder rumzureissen?

Ingar Johnsruds Thriller „Echokammer“ wirkt wie eine Mischung aus „Borgen“ und den Thrillern von Jo Nesbo. Temporeich, intensiv und fesselnd, am Puls der Zeit und meisterhaft komponierte preisgekrönte Thriller, der einen erst nach 448 Seiten wieder zu Atem kommen lässt. Ein raffinierter und hochgradig glaubwürdiger Thriller mit Suchtcharakter

Echokammer

von Ingar Johnsrud

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Halbinsel
Frank Menden

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„Inzwischen habe ich begriffen, es grenzt an ein Wunder, wenn man geliebte Menschen um sich hat und sie nicht zu früh verliert. Ein noch größeres Wunder ist es, wenn es einem mehrmals im Leben gelingt, jemanden zu finden, der es gut mit einem meint.“

Lange herbeigesehnt, jetzt ist er da: „Halbinsel“, der neue Roman von Kristine Bilkau.
Es ist die Geschichte von Annett, einer Bibliothekarin, die nach dem frühen Tod ihres Mannes die gemeinsame Tochter Linn allein aufzog und sich nach deren Auszug in ihrem Leben eingerichtet hat.
Als Linn auf einer Tagung einen Zusammenbruch erleidet, holt Annett sie zu sich in das Haus im nordfriesischen Wattenmeer.
Aus ein paar Tagen werden Wochen, dann Monate. Linn, die für Annett immer so voller Leben war, voller Ideen und Tatendrang, ist antriebslos, sucht nach einer neuen Ausrichtung ihres Lebens. Für Annett ist dies schwer zu ertragen, aus ihrer Hilflosigkeit heraus brechen Konflikte auf, die beide anders auf das jeweilige Leben blicken lassen.

Kristine Bilkau beherrscht die Kunst Romane zu schreiben, die leise und unauffällig daherkommen, bei denen kein Wort zu viel ist und die vielschichtig sind und eine enorme Tiefe haben.
Die Annäherung von Mutter und Tochter ist gleichzeitig auch eine Annäherung an das Leben, an die Natur, an das zulassen von Veränderung.

Mit der Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse erscheint der Roman mit einer großen Erwartungshaltung und vielen Vorschusslorbeeren. Für mich hat er sie alle eingelöst.

„Wo würde die Einsamkeit lauern? Hinter der Veränderung oder dem Vertrauen?“

Halbinsel

von Kristine Bilkau

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Das Schattenjahr
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Eine echte Entdeckung!

Der Autor Jeffrey Ford war mir bis dato nirgendwo begegnet. Umso erfreulicher ihn jetzt entdeckt zu haben .
Schon 2008 ist „Das Schattenjahr“ im Original erschienen , jetzt ist er im Wandler Verlag ( von dem ich auch noch nie etwas gehört habe ) in der Übersetzung von Eva Bauche-Eppers erschienen.

Wir sind in den USA, in den 1960ern. Hier lebt der Ich-Erzähler zusammen mit seinen Geschwistern Mary und Jim, dem überarbeiten Vater und der dem Alkohol gern zusprechenden Mutter in einer Kleinstadt, die Großeltern leben gleich nebenan.
Das Leben ist leidlich spannend und ereignislos, das Warten auf den Eiswagen und die Aussicht auf den Gewinn des legendären Super Eisbechers sind die Highlights des Sommers.
Das ändert sich, als bei den Nachbarn ein Spanner durch das Badezimmerfenster schaut - und kurz darauf ein Junge verschwindet.
Für die Geschwister ein klarer Fall: sie werden den Verschwundenen finden. Doch Detektiv zu spielen war noch nie ungefährlich….

Dies ist ein ungemein fesselnder Roman, voller wunderbarer Ideen, atmosphärisch gelungen und changierend zwischen Stephen King und Jack Kerouac, wie die FAZ sehr richtig feststellt.
Jeffrey Ford hat insgesamt fünf Romane und diverse Kurzgeschichten geschrieben, die sich einer festen Genrebezeichnung entziehen - und wahrscheinlich deshalb so faszinieren.

Ich kann diesen Roman allen ans Herz legen, die sich vor allem mal wieder in einer etwas anderen Geschichte verlieren wollen.

Das Schattenjahr

von Jeffrey Ford

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Ich dachte, bis dahin bin ich tot
Frank Menden

Frank Menden

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Silke Maier-Witt war in den späten 1970ern, dem „Deutschen Herbst“, eine der meistgesuchten Terroristinnen der BRD. Was bringt jemand aus dem bürgerlichen Milieu dazu, sich einer terrotristischen Vereinigung anzuschliessen und ein Leben im Untergrund zu führen? Und wie kann man damit leben?
Silke Maier-Witts Autobiographie ist keine Rechtfertigung ihrer Taten, es ist eine wahrhaftige Selbstbefragung und - erforschung. Sie schildert ihr Leben in Etappen, ihre Kindheit, die Jugend, die zunehmende Politisierung, die Zeit in der RAF, der Ausstieg und das Leben in der DDR, die Entdeckung und Verhaftung, den Prozess und ihr heutiges Leben im Kosovo und ihre Arbeit als Friedensstifterin .

Dieses Buch ist sicherlich nicht exemplarisch, es ist aber ein weiterer Schritt, die Strukturen mitsamt der psychologischen Mechanismen innerhalb der RAF zu verstehen.
Silke Maier-Witt vermittelt glaubhaft ihre Suche nach ihren Beweggründen. „Dass ich eines Tages Verantwortung übernehmen müsste, kam mir nie in den Sinn, ich dachte, bis dahin bin ich tot.“ Sagt sie anbei er Stelle dieses Buches.
Ein beeindruckendes Zeitdokument, dass durchaus ambivalente Gefühle hervorruft, aber absolut lesenswert ist!

Ich dachte, bis dahin bin ich tot

von Silke Maier-Witt

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Schmerz
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Im Thingvellir Nationalpark auf Island verschwindet ein Teenager. Da alle Beamten bei einer großangelegte Razzia benötigt werden fällt der Fall zwei Aussenseitern zu: Dora, die nach einer Hirnverletzung an den Schreibtisch verpennt wurde und Rado, der Aufgrund familiärer Verstrickungen im Kollegium misstrauisch beäugt wird.
Doch was wie ein leichter Vermisstenfall aussieht entpuppt sich mehr und mehr zu einem undurchsichtigen Dickicht, der das ungleiche Duo auf ständig neue Fährten führt - und mit einer absoluten Überraschung endet!

Als Island Fan MUSSTE ich diesen neuen Island Thriller einfach lesen - und ich wurde nicht enttäuscht. Nerven mich sonst die zumeist ausufernden Macken der Ermittler, wurden sie hier kongenial eingesetzt. Auch die Geschichte entwickelt sich völlig anders als anfangs geglaubt. Durch die Mischung aus Ermittlung und Backstory von Dora und Rado gewinnt der Roman an Fahrt und wird zunehmend eindringlicher.
Ein hervorragender skandinavischer Thriller auf der Höhe der Zeit, mit einem wirklich überraschenden fulminanten Ende. Im Herbst geht es weiter, und ich verspreche Ihnen: nach der Lektüre werden sie diesem ebenso entgegenfiebern wie ich.

Schmerz

von Jón Atli Jónasson

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Der Sohn des Friseurs
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Wie schon sein Vater und Großvater vor ihm ist Simon Friseur. Er wohnt über dem in dritter Generation geführten Laden , führt ein ruhiges Leben - seine Mutter nennt es langweilig.
An der Wand in seinem Schlafzimmer hängen Plakate von Schwimmern, den Idolen seiner Jugend. Ab und an nimmt der Anfang 40jährige einen Mann mit zu sich nach Hause, aber alles in allem bleibt er für sich .
Zwei Begebenheiten bringen Simons in ruhigen Bahnen verlaufendes Leben in Bewegung.
Da ist zum einen ein Stammkunde, ein Schriftsteller, der sich für das Schicksal von Simons Vater zu interessieren beginnt. Diesen hat Simon nie kennengelernt, ist er doch noch vor seiner Geburt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen - und weder Mutter noch Großvater sprechen über ihn.
Und da ist zum anderen Igor, ein junger attraktiver Mann, den er mit seiner Mutter im Schwimmbad zusammen mit anderen geistig beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen betreut und zu dem er sich zu seiner Überraschung und Scham hingezogen fühlt…

Gerbrand Bakkers neuer Roman „Der Sohn des Friseurs“ , übersetzt von Andreas Ecke, ist ein ruhiger Roman , der mit jeder Seite einen größeren Sog entfacht und durch immer neue Wendungen zu überraschen weiß.
Dabei weckt er beim lesen durchaus ambivalente und unbehagliche Gefühle, vieles bleibt angedeutet .
Leicht zu lesen ist dieser Roman, der trotz der Behandlung von existenziellen Fragen auch immer wieder Momente leiser Komik zulässt.
Simons Bedürfnis nach echter Nähe, nach Antworten und sein unbestimmtes sehnen haben mich sehr berührt, auf eine leise, unaufgeregte Art und Weise.
Ein sehr besonderer Roman !

Der Sohn des Friseurs

von Gerbrand Bakker

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Der Junge, der Rache schwor
Frank Menden

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Kajsa Coren ist eine erfolgreiche Journalistin. Ihre Arbeit fürs Fernsehen ist zeitintensiv, voller Deadlines und hält sie wie ihre beiden Kinder ständig auf Trapp. Ihr Ehemann, der als Profiler für die Kriminalpolizei arbeitet, ist da nur bedingt eine Hilfe.
Als Kajsa mitten in der Recherche zu Missbrauchsfällen in staatlichen Kinderheimen recherchiert, wird unweit von Ihrem Haus ein älteres Ehepaar ermordet. Obwohl sie ihrem Ehemann versprochen hat nicht mehr zu aktuellen Kriminalfällen zu recherchieren kann Kajsa nicht anders – vor allem, als sie mehrere mysteriöse Anrufe zu bestätigen scheinen was sie schon bald ahnte: es gibt einen Zusammenhang zwischen ihrer Fernsehrecherche und dem Doppelmord an ihren Nachbarn. Doch wie sehr Kajsa in ein Wespennest gestochen hat wird ihr erst klar, als es fast zu spät ist….

Trude Teige ist hierzulande durch ihren Bestseller „Als Großmutter im Regen tanzte“ bekannt geworden. Ich persönlich finde ihre Reihe um die Journalistin Kajsa Coren, deren erster Band jetzt wieder neu aufgelegt wurde, noch viel besser. Trude Teige verbindet hier historische Begebenheiten mit einem sozialkritischen und spannenden Plot. Kombiniert mit einer so sympathischen Hauptfigur wie Kajsa kommt dabei packende Krimikost heraus, die keine Wünsche offen lässt!

Der Junge, der Rache schwor

von Trude Teige

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Eine Zeit, zu leben
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Hedda ist Hedda“!
Nur eine der Schlagzeilen, die der großen Premiere auf Norwegens bedeutendster Bühne entgegenfiebern.
Hedda - das ist Hedda Christine Foss, eine der berühmtesten Schauspielerinnen des Landes. Das Stück : „Hedda Gabler“ von Hendrik Ibsen.

Doch nicht alle sind ausschließlich der doppelten Hedda wegen bei der Premiere anwesend .
Da ist zum Beispiel der junge Mann, der seine ( Vielleicht) Freundin nicht enttäuschen will, ist sie doch wesentlich weltgewandter als er.
Oder die bekannte Influencerin „Stalking Stine“, die wie der dem jungen Colin Firth verblüffend ähnlich sehende britische Diplomat ganz eigene Interessen verfolgt .
Die Anwesenheit des gefürchtetsten Theaterkritikers Norwegens ist selbstverständlich, aber was macht der preisgekrönte Autor im Saal , in dem die Ministerpräsidentin ganz prominent in der Mitte der ersten Reihe sitzt?
Vor allem aber: warum ist die Pistole, die im Stück zum Einsatz kommen soll, mit scharfer Munition geladen?

Ich verehre Jan Kjaerstad schon sehr lange, jeden Roman habe ich mit Spannung erwartet und wurde selten enttäuscht.
„Eine Zeit, zu leben“, wie immer im Septime Verlag erschienen, ist wie für mich gemacht : eine Gesellschaftsstudie, multiperspektivisch erzählt, nah am Puls der Zeit. Ein Roman über das Theater, das auf der Bühne und das des Lebens, über die Macht der Aufmerksamkeit und die Sucht nach eben dieser, über Sinn und Unsinn von Begegnungen, über Liebe und Hass, Trauer und Freude , und und und ….
Und natürlich auch über Hedda Gabler.

Ein lebenspraller Roman ist dies, den man auch Dank der Übersetzung von Bernhard Strobel nicht mehr aus der Hand legen kann.
Wer Jan Kjaerstad noch nicht für sich entdeckt hat sollte dies schleunigst ändern. Und wer bereits ein Fan ist wird auch an seinem neuesten Werk großen Gefallen finden.
Was für ein intelligent komponiertes, überraschendes und stilsicheres Lesevergnügen!

Eine Zeit, zu leben

von Jan Kjaerstad

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Die erste halbe Stunde im Paradies
Frank Menden

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„Drei sind eine Party.“
Und was für eine Party ist die kleine, aufeinander eingeschworene Dreierfamilie. Die Mutter Sängerin und Musikerin, immer zu haben für Spontaneität und „verrückte“ Ideen. Und ihre beiden Kinder: die kleine Anne und der große Kai.
Sie sind füreinander da, ohne wenn und aber und Anne bedauert alle, die nicht so einen tollen Bruder haben wie sie.
Die chronische Krankheit der Mutter führt die Familie nach Flensburg, des Klimas wegen. Doch auch das vermag den stetig voranschreitenden körperlichen Verfall der Mutter nicht aufzuhalten. Immer mehr werden Anne und Kai in die Verantwortung genommen, immer mehr leisten sie, halten alles im wahrsten Sinne am laufen. Drei Menschen, die füreinander da sind . Bis….

Was ist passiert, dass aus den Geschwistern, zwischen die kein Blatt Papier passte, zwei einander Fremde wurden? Warum gab es jahrelang keinerlei Kontakt, keine Verbindung mehr? Bis zu diesem Anruf auf dem Teambildungsevent in Hamburg, bei dem die erfolgreiche Pharmareferentin Anne eigentlich nur die nötigen Punkte für den nächsten Karriereschritt sammeln will - und sich stattdessen der Vergangenheit stellen muss.

„Die erste halbe Stunde im Paradies“ ist der zweite Roman von Janiune Adomeit - und er ist vollkommen verdient das NDR Buch des Monats Februar 2025.
Mit leichter Hand erzählt die Autorin von Loyalität, Verantwortung und Überlastung, von Liebe und den Konflikten die aufbrechen, wenn die Fürsorge die eigenen Bedürfnisse vollkommen überlagert.
Wie Janine Adomeit es schafft diese Themen vollkommen ohne Kitsch und Klischees, eindringlich und bewegend, voller Empathie und leisem feinen Humor zu verhandeln, das sollte unbedingt gelesen werden.
Ein tröstliches Buch voller Hoffnung, das ist diese erste halbe Stunde im Paradies!

Die erste halbe Stunde im Paradies

von Janine Adomeit

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Schönwald
Frank Menden

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Anlässlich der Eröffnung eines queren Buchhandlung in Berlin kommt die ganze Familie Schönwald zusammen. Vater Harry, seines Zeichens Staatsanwalt, seine Frau Ruth, die für die Kinder ihr Vorhaben Professorin für Literatur zuwenden aufgab, und die drei Kinder Chris, Karolin und Benni. Doch Proteste vor Karolins Buchhandlung, die die Gründung durch Nazigeld aufs schärfste verurteilen, zwingen die Schönwalds dazu, sich verdrängten Wahrheiten zu stellen, reinen Tisch zu machen.
Sei es Chris, der längst nicht mehr der erfolgreiche New Yorker Literaturprofessor ist, sondern nun in Trumps MAGA Bewegung eine wichtige Rolle spielt. Oder Karolin, die Probleme hat ihren Platz im Leben und in in der Liebe zu finden. Und Benni, der jüngste der Geschwister, der mit der millionenschweren Erbin Emilia und zwei Kindern in einem Fertighaus in Brandenburg lebt und dem der Spagat zwischen seiner eigenen Kleinfamilie und seiner Ursprungsfamilie immer unmöglicher wird…

Philipp Oehmkes Debütroman erzählt eine deutsche Familiengeschichte am Puls der Zeit. Multiperspektivisch erzählt erhalten wir Einblick in das Innenleben aller Familienmitglieder und streifen dabei relevante gesellschaftliche Themen aus Literatur, Musik und Politik. Dabei ist der Roman bei aller Ernsthaftigkeit in politischen und philosphischen Zeitfragen hervorragend zu lesen und wird von ironischen Einschüben durchbrochen.

Ein intelligenter Gesellschaftsroman auf der Höhe der Zeit, der sicherlich für Diskussionen sorgen wird.

Schönwald

von Philipp Oehmke

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Der Polarkreis
Frank Menden

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„Der Polarkreis“. So nannte sich der Buchclub der fünf Freundinnen, entstanden aus einem Schulprojekt in der nordschwedischen Kleinstadt. Erst wöchentlich, dann einmal im Monat trafen sich die Mädchen, diskutierten lebhaft über ihre Lektüre, führten gewissenhaft Protokoll. Doch mit zunehmenden Alter lebten sie sich auseinander, es kam zu Streitereien - und dann verschwand eine von ihnen spurlos… Vierzig Jahre später gibt der marode Brückenpfeiler die Überreste einer weiblichen Leiche preis. Recht schnell ist klar, dass es sich die Leiche der damals verschwundenen Sofia handelt. Als die vier verbliebenen Mitglieder des Polarkreises wieder aufeinandertreffen wird klar, dass es einige düstere Geheimnisse zwischen ihnen gibt. War gar eine von ihnen Schuld an Sofias Tod?….

Liza Marklund erzählt die packende Geschichte aus den unterschiedlichen Perspektiven des „Polarkreises“. Wie eine Zwiebel schält sich das Geheimnis heraus und enthüllt dabei die Dynamiken nicht nur innerhalb der Freundinnengruppe sondern der ganzen Kleinstadt. Das ist packend und mitreißend und wartet mit einigen intelligenten Twists aus. Ein wunderbar unblutiger aber dennoch hochspannender skandinavischer Krimi, der, obwohl in sich abgeschlossen, zwei Fortsetzungen haben wird.

Der Polarkreis

von Liza Marklund

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Brandsätze
Frank Menden

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Im März 1991 wird die junge Schwarze Ava Matthews wegen eines vermeintlichen Diebstahls von einer koreanischen Supermarktbesitzerin erschossen. Fast 30 Jahre später wird auf Yvonne Park, die damalige Täterin, geschossen. Durch diese Tat erfährt Grace Park die Wahrheit über ihre Mutter, über deren Verbrechen vor ihrer Geburt. Grace beginnt Fragen zu stellen, sie sucht den Kontakt zu Ava Matthews Familie - und muss einige bittere Wahrheiten lernen...

„Brandsätze“ von Steph Cha , übersetzt von Karen Witthuhn, ist ein wütendes Buch , ein wichtiges Buch, das auf einem wahren Fall beruht. Die immer wieder durchscheinende Wut überträgt sich auf den Leser , überlagert aber nicht die Ausgewogenheit , mit der Steph Cha ihre Geschichte aus der Perspektive beider Familien erzählt. Mit ungeheuerer Eindringlichkeit beschreibt sie die Langzeitwirkung von Gewalt und den Schaden , der durch Schweigen entsteht. Sie beschreibt den vielfältigen Rassismus in einer Gesellschaft, in der ein Funke ausreicht, um eine Explosion zu entfachen. Ich wünsche diesem bislang noch sträflich unbeachteten Roman viele Leser*innen!!!

Brandsätze

von Steph Cha

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Getäuscht
Frank Menden

Frank Menden

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Nikolai Freudenstein wurde 1894 in St. Petersburg geboren, emigrierte 1921 nach Europa und ließ sich zwei Jahre später in Paris nieder.
Hier schrieb er unter den Pseudonym Juri Felsen, beeinflusst von Virginia Woolf, James Joyce und Marcel Proust.
Er versuchte nach der deutschen Besatzung in die Schweiz zu fliehen, wurde jedoch gefasst und 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Mit „Getäuscht“ liegt nun zum ersten Mal eines seiner Werke auf Deutsch vor, in der großartigen Übersetzung von Rosemarie Tietze, die auch ein Vorwort zu diesem Roman geschrieben hat.

„Getäuscht“ handelt von einem jungen Mann, der sich in eine schöne junge Frau verliebt, die jedoch nicht das gleiche Interesse für ihn aufbringt wie er für sie.
Das „Was“ ist in diesem Roman dem „Wie“ untergeordnet. Denn wie der Erzähler über seine Gefühle schreibt , wie gekonnt er Lücken lässt und so mit uns Lesenden spielt, mit unserer Sicht auf ihn: macht er sich etwas vor oder ist es wirklich so wie er schreibt ? Wird er getäuscht oder wir? - das macht den großen Reiz dieses Romans aus, der mit seinen langen, sehr langen, Sätzen und vielen Adjektiven durchaus herausfordernd ist .

Wer sich darauf einlässt wird belohnt mit einer Lektüre, die erstaunlich gegenwärtig ist in der Darstellung einer fragilen Männlichkeit.
Unbedingt auch das kluges Nachwort von Dana Vowinckel lesen!

Getäuscht

von Juri Felsen

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Die Durchtriebenen
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Schon vor Jahren hat Alana den Kontakt zu ihrer überaus wohlhabenden Familie abgebrochen. Obwohl die Mitarbeiterin eines Frauenhauses finanzielle Zuwendungen gut gebrauchen könnte, ist doch ihre Tochter von einer chronischen Krankheit befallen.
Als sich plötzlich ihre Brüder bei ihr melden ahnt Alana nichts Gutes. Und tatsächlich: ihr wird ein delikates Angebot unterbreitet.
Ihr Vater Ed Shropshire wird nach einem Schlaganfall von seiner jungen Krankenschwester Kelly liebevoll betreut. So liebevoll, dass jetzt bald die Hochzeitsglocken klingeln sollen. Alanas Brüder sehen ihre Felle davonschwimmen und bitten ihre Schwester zu intervenieren. Sie soll Kelly ein Millionenangebot machen, sollte sie auf die Hochzeit verzichten. Dies würde sich auch für Alana finanziell lohnen.
Nach einer kurzen Bedenkzeit macht sich Alana auf den Weg zur Privatinsel der Shropshires – und stößt in ein Wespennest, denn alle verfolgen höchst eigene Interessen und niemand lässt sich in die Karten sehen….

„Die Durchtriebenen“ ist ein grandioser, abgründiger Spaß. Die Drehbuchautorin Elyse Friedman entwickelt ein Szenario, welches man gebannt bis zum Ende folgt. Reichtum, Glamour, Intrigen, raffinierte Plottwists : dieser Thriller bietet alles, was LeserInnen von „Bad Summer People“ und Fans von „Big little lies“ lieben.
Ein herrlich unkorrekter, tödlicher Spaß!

Die Durchtriebenen

von Elyse Friedman

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Jones
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Wenn einen etwas sehr berührt, geradezu erschüttert, dann fällt es ungemein schwerer Worte zu finden, die die hervorgerufenen Gefühle auch nur annähernd adäquat beschreiben können.

„Jones“ , übersetzt von Brigitte Walitzek, ist ein Buch, das mich dermaßen begeistert, berührt und durchgerüttelt hat, das es mir schwer fällt darüber zu schreiben.
Über die Geschwister Abi und Eli, die nur sich haben, weil ihre Eltern nur „Elterneinheiten“ sind, und nicht fürsorglich oder liebevoll oder wenigstens funktional. Über ihre Versuche, Wege aus dieser Misere, die sich Leben nennt, herauszufinden. Weg von all den schrecklichen Dingen, die ihnen widerfahren, die irgendwie überstanden werden. Und über die Liebe zwischen den beiden, die allumfassend ist und doch nicht genug ist.

Es ist dies kein einfaches Buch, die erkennbare Autofiktionalität unterstreicht dies noch. Und doch kann man nicht lassen von diesem Buch, von dieser Sprache, die derb und einfühlsam, humorvoll und schockierend, berührend und ja, auch das, unterhaltsam ist .
Und dann dieses Ende!

Wer Referenzen benötigt: „Shuggie Bain“ und „Demon Copperhead“ werden gern genannt.
Für mich thront „Jones“ jedoch weit über ihnen.

WAS FÜR EIN BUCH!

Jones

von Neil Smith

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Wegen Wersai
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Katharina ist 12 und lebt Mitte der 1960er Jahre in der Schweiz . Der Vater verdient das Geld, der Bruder ist im Internat, und da die Mutter an Multipler Sklerose erkrankt ist, ist Katharina die meiste Zeit bei „Tantelotte“, ihrer Pflegemutter. Tantelotte ist nach dem Krieg von Gelsenkirchen in die Schweiz gegangen, ihr Herz schlägt immer noch für Schalke, weniger jedoch für Katharina, dir sich dafür mit unterdrücktem, aber inbrünstigem Hass bedankt.
Nach außen ist das Leben idyllisch. Man macht Ausflüge mit dem Auto, in die Berge zum Beispiel und selbstredend kauft man nicht bei der Migros ein, das hat man nicht nötig. So wenig, wie man die Italiener mag, die zum arbeiten in die Schweiz gekommen sind.

Katharina ist aufgeweckt und wehrt sich gegen Lügen und Repressalien, auch wenn die wesentlichen Dinge sich ihr oft nicht völlig erschließen. Aber dass z.B. ihr Vater abends in Tantelottes Zimmer geht ist natürlich okay, er muss ja schauen, ob die Arme auch gut schläft .
Oder wenn ihr Bruder ihr aus dem Internat schreibt, dass er nach einer Keilerei mit Mitschülern von einem seiner geistigen Lehrer sehr sorgsam mit Salbe eingerieben wird, auch unter der Unterwäsche, dann ist das ja sehr fürsorglich….

Lakonisch ist der Ton, das biedere Milieu und die Zeit werden auf äußerst plastische Art deutlich und immer wieder wechselt die Geschichte die Tonalität von komisch zu tragisch und wieder zurück.
„Wegen Wersai“ von Dagmar Schifferli, bereits 2018 erschienen und seit Ende 2024 als Taschenbuch erhältlich, erzählt auf tiefsinnige und doch leichte Art und Weise von einer Schweizer Vergangenheit, die bis in die Gegenwart reicht - und auch für Deutschland relevant ist.
Ein ausgesprochen kurzweiliger Roman, der trotz seines auf den ersten Blick leichten Tons voller Widerhaken ist - und gerade deshalb so überzeugt.
Eine klare Leseempfehlung!

Wegen Wersai

von Dagmar Schifferli

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Vatermal
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„…das Einzige, was du tun kannst, ist aufstehen und das Leben suchen, solange du noch kannst.“

Arda liegt im Krankenhaus, Organversagen. An seinem Krankenbett wechseln sich Mutter Ümran und seine Schwester Aylin ab. Der Vater hat die Familie schon vor langer Zeit verlassen.

Dies ist die Ausgangssituation in „Vatermal“ ,

Mehrere Tage ist es her, dass ich die Lektüre beendet habe und seit dieser Zeit ringe ich mit Worten. Denn wenn ein Buch so einschlägt wie dieses , sich meiner Gefühls- und Gedankenwelt so vielfältig bemächtigt, dann ist sämtliche Eloquenz verschwunden.
Dabei würde ich euch gern mehr erzählen über diese vier Menschen , über untrennbare familiäre Bindungen , die fortbestehen auch wenn einzelne Glieder dieser Kette die Trennung selbst herbeiführen. Über das Leben einer Frau, die früh entwurzelt wurde, die ihre wahre Liebe nie gelebt hat , die bei ihren Kindern versucht hat an ihr begangene Fehler nicht zu wiederholen.
Über eine Tochter und Schwester , die früh erkennt, dass ihre Rettung im weggehen besteht .
Über die Verletzungen eines Vaters .
Und über einen jungen Mann, der sich einen Platz außerhalb des ihm von der Gesellschaft zugewiesenen Status erkämpft .

So aber bleibt nur eine dringende Leseempfehlung

Vatermal

von Necati Öziri

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Drifter
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

„Das erste Mal sah ich sie in der S-Bahn“.

Wenzel, der Erzähler, ist mit seinem besten und längsten Freund ( seit Kindertagen) unterwegs zum Pferderennen, um dort Killers Beförderung zu zelebrieren.
Auf dem Weg dorthin fällt ihm eine Frau in einem goldenen Kleid auf, zu ihren Füßen ein ungemein zotteliger und großer Hund . Und in ihren Händen ein offensichtlich neuer Roman von Drifter, einem nahezu kultisch verehrten Schriftsteller, der auch Wenzel begeistert.

So beginnt „Drifter“ , und schon zwei Seiten später war ich völlig gefangen von diesem Roman , der so cool ( aber nie kühl) und anders ist und der so wunderbar und im wahrsten Wortsinn „ver-rückt“ ist .
Und da wusste ich noch nichts vom Blitzeinschlag, von den wunderlichen Videos, dem Buch, das es irgendwie gibt und dann doch nicht , von der ominösen Karaoke Party und den merkwürdigen Begleitern der Frau im goldenen Kleid und deren Verhalten, welches ….

Dieser Roman wird polarisieren, das war mir schnell klar. Denn diese Geschichte ist irrwitzig und skurril und weird im besten Sinne, voller Charme und Empathie , wunderbar anders und zum niederknien gut .

„Drifter“ hat mich blendend unterhalten, mich schmunzeln lassen und mich durch seinen Ideenreichtum und gewisse Absurdität wunderbar erfreut .

Karen Duve hat es vortrefflich auf den Punkt gebracht: „Das reinste Vergnügen.“

Drifter

von Ulrike Sterblich

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Halbe Leben
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

„Es ist ein stiller Tod.“

So beginnt „Halbe Leben“ , der neue Roman von Susanne Gregor.
Der stille Tod ereilt Klara bei einer Wanderung, sie stürzt eine Böschung hinab. Bei ihr ist nur Paulina.
Paulina, die aus der Slowakei kommt und sich nach dem Schlaganfall von Klaras Mutter Irene um diese kümmert.
So kann Klara weiterhin ihrer Arbeit und Karriere nachgehen, ihr Mann sich seiner Fotografie widmen.
Paulina ist ein wahrer Schatz , versteht sich gut mit allen, kocht sogar immer noch für die Familie mit und Irene blüht richtig auf .
Dafür macht man Paulina gern Geschenke, irgendwie ist sie doch mehr als eine Pflegekraft, sie ist eine Freundin.
Auf Paulinas Söhne passt derweil die Schwiegermutter in der Slowakei auf. Das passt doch für alle gut .
Bis es eben nicht mehr passt. Und Klara bei einem Unfall beim gemeinsamen wandern ums Leben kommt.

„Es liegt kein Motiv vor, man lässt den Tod als Unfall gelten. Niemand zweifelt an dieser Version.“ ( Seite 11 )

Die Geschichte von Klara und Paulina, erzählt wird sie rückblickend von diesem Unfall aus, aus beider Perspektive.
Es ist eine Geschichte der Missverständnisse, der Unfähigkeit, sich in die jeweils fremde Lebenssituation hineinzuversetzen. Auf den ersten Blick ist alles eine Win Win Situation, einen zweiten riskiert man besser nicht.

Susanne Gregor erzählt diese Geschichte völlig unprätentiös und eindringlich - und unparteiisch.
Man versteht beide Frauen, kann beide Sichtweisen verstehen, erkennt die Unvereinbarkeit dieser jeweils fremden Leben. Erkennt, dass zwei halbe Leben noch lange kein ganzes ergeben.
Zwei Frauen, die sich aufreiben, in ihrem Leben und am Leben der anderen.

„Sie weiß bereits, dass es nicht mehr reichen wird, dass sie nicht genug Kraft hat. Dass es nichts mehr zu tun gibt. Dass alles passiert ist.“

Ich wünsche diesem Roman eine große Leserschaft!

Halbe Leben

von Susanne Gregor

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Bogners Abgang
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

Ein nächtlicher Autounfall mit Fahrerflucht in Innsbruck, der angefahrene Fußgänger erliegt später seinen Verletzungen.
Die Fahrerin: die junge Studentin Nicole Pammer,auf dem Weg zu ihren Eltern, die mindestens ein alkoholisches Getränk zu viel hatte.
Das Opfer: der bekannte Journalist und Kritiker Kurt Niederer.
Alles scheint eindeutig. Doch warum fühlt sich der Künstler Andreas Bogner schuldig am Tod des Kritikers?
Hans Platzgumers neuer Roman „Bogners Abgang“ @hanserliteratur , entfaltet auf 140 Seiten ein packendes Szenario über Schuld und Verantwortung. Entfernt erinnert dies an den großen Friedrich Dürrenmatt, bei dessen Geschichten ebenfalls die schlimmstmögliche Wendung eintrifft.
Dies ist kein Krimi, sondern eine intelligente Auseinandersetzung mit dem „hätte ich doch nur“, das wir alle kennen. Ein Buch über Mutterliebe, gekränkte Eitelkeit, fehlende Anerkennung, Missverständnisse, Profilierungssucht und die Erkenntnis, dass mit ein bisschen Nachdenken viel hätte verhindert werden können.
Aktuell, mitreißend und zum nachdenken anregend!

Bogners Abgang

von Hans Platzgumer

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Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Lange schon schleiche ich um eine Rezension von „Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben“ herum.
Warum? Nun, es ist gar nicht so einfach diesen Roman „zu pitchen“.

Klar, ich könnte über die aufkeimende und nicht unkomplizierte Liebesgeschichte von Nina ( 50, geschieden, zweifache Mutter, in einem nicht sooo sehr geliebten Job arbeitend ) und David ( 30, Inhaber eines hippen Sandwichladens, die er selbst kreiert ) schreiben. Über den Altersunterschied, die damit zusammenhängende Unsicherheit vor allem - aber nicht nur - durch das soziale Umfeld.

Oder über die Missstände in der Produktionsfirma, in der Nina und ihre beste Freundin Zeynep arbeiten, über die sexuellen Übergriffe bei den Dreharbeiten zu einer sehr beliebten Krimireihe.

Oder über Lena, Ninas Schwester, die verzweifelt versucht , bei den vermeintlich richtigen Leuten anzukommen und dabei sich selbst mehr und mehr aufgibt .

Oder über das schwieriger Verhältnis der beiden Schwestern . Oder beider schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Karin.

Ich könnte aber auch einfach schreiben, dass die Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker einen Roman geschrieben hat, der trotz der vielen Themen nie überfrachtet ist. Der Witz mit Tiefgang verbindet, der berührt und absolut mitreißend ist und bitte unbedingt verfilmt werden sollte ( natürlich von Frau Decker selbst!)

Aber ich sag es einfach so: ein verdammt guter Roman mit einem genialen Titel!

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben

von Anika Decker

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Der Premierminister
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Nach einem Bombenattentat auf Downing Street No 10 befindet sich der britische Premierminister Marcus Valentine mit fünf Vertrauten, darunter seine hochschwangere Ehefrau und der gemeinsame kleine Sohn, in einem unterirdischen Bunkersystem und wartet darauf, endlich wieder ans Tageslicht zu dürfen. Doch dann fällt der Strom aus- und als das Licht wieder angeht ist Valentine tot….

Der ehemalige BBC Journalist und langjährige Direktor für Politik und Komunikation in Downing Street 10 Craig Oliver weiß genau wovon er schreibt. Sein Thrillerdebüt zeigt den sich nach außen charmant und volksnah gebenden Premierminister als Mann mit zwei Gesichtern. Hinter verschlossenen Türen ist er manipulativ, arrogant und ignorant – und eiskalt. Aus der Sicht seines ehrgeizigen Stabschefs, seiner Frau, des Kindermädchens und seines Militärberaters erzählt, fächert sich vor den Augen der Leser das Bild eines Mannes auf, der für den eigenen Erfolg über Leichen geht.
Wer spannende Miniserien a la Harlan Coben liest sollte unbedingt zu diesem packenden Thriller greifen. Nervenkitzel garantiert!

Der Premierminister

von Craig Oliver

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Das Wochenende
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Wenn sechs Freunde, die sich seit dem Studium etwas auseinandergelebt haben, über ein Wochenende zusammenkommen – nun, dann sind gewisse Konflikte vorprogrammiert. Wenn es noch dazu vor einiger Zeit bei einer weiteren gemeinsamen Feier zu einem Eklat gekommen ist und jetzt auch die Kinder mit dabei sind, dann ist es sehr verständlich, dass einige der Beteiligten wenig Lust auf das Wochenende auf einem noch nicht offfiziell eingeweihten luxuriösen Campingplatz mitten im Nirgendwo haben.
Aber dass es dann einen Toten gibt, damit hat dann wohl doch niemand gerechnet. Oder?....

„Das Wochenende“ von Hannah Richell spielt geschickt mit unserer Erwartungshaltung. Ihr Thriller ist perfekt aufgebaut, und durch den Wechsel aus Rückblenden VOR dem Ereignis und den Befragungen DANACH erhöht sie die Spannung bis zum Schluß. Das ist so mitreißend erzählt, dass man dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen mag – und sich den nächsten gemeinsamen Urlaub mit alten Freunden evtl. noch einmal gut überlegt.
Für alle Fans von „Der Ausflug“ von Ulf Kvensler.

Das Wochenende

von Hannah Richell

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Das verfallene Herrenhaus
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Als Rosalie Vanderpoel den englischen Adeligen Sir Nigel Anstruthers heiratet, ahnt die amerikanische Erbin nicht, dass diese Ehe ihr Leben völlig verändern wird - und nicht nur weil sie New York als Wohnort mit dem englischen Anwesen Stornham Court eintauscht….

Nachdem ihre Familie zehn Jahre lang nichts mehr von ihr gehört hat, macht sich Rosalies jüngere Schwester Bettina auf den Weg nach England um zu erfahren, was mit ihrer Schwester passiert ist.
Sie findet Rosalie und ihren Sohn in einem psychisch wie physisch desolaten Zustand, der sich in dem heruntergekommenen Anwesen widerzuspiegeln scheint. Der resoluten Bettina gelingt es jedoch nicht nur, ihre Schwester und Neffen Ughtred neue Kraft zu geben, sie schafft es auch , die Herzen der Dorfbewohner zu gewinnen und gemeinsam schaffen sie es Stornham Court in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.
Doch als Sir Nigel nach längerer Abwesenheit zurückkehrt und Landsitz und Familie verändert vorfindet, offenbart er auch Bettina gegenüber sein wahres Gesicht….

Frances Hodgson Burnett ist vor allem als Kinderbuchautorin bekannt ( Der geheime Garten & Der kleine Lord ). Doch bevor sie diese auch heute noch beliebten Klassiker veröffentlichte, war sie als Autorin „erwachsener“ Romane erfolgreich.
„Das verfallene Herrenhaus“, das nun zum ersten Mal in der Übersetzung von Gerlinde Völker und mit einem informativen Nachwort Angelika Zirker in Deutschland erschienen ist, behandelt auf erstaunlich moderne Art und Weise das Thema „Gaslighting“ anhand der zu seiner Entstehungszeit ( 1900 ) sehr populären Eheschließungen von amerikanischen Erbinnen mit englischen ( verarmten) Adeligen ( der Originaltitel „The Shuttle“ spielt darauf an ).

Ich habe diesen manchmal sprachlich wunderbar altmodischen Roman trotz seines beträchtlichen Umfangs ( 807 Seiten ) ausgesprochen gern gelesen. Ich fühlte mich wie in einem Hybrid aus Jane Austen und Daphne DuMaurier mit einer Prise Bronte Schwestern. Und Kenner des „ geheimen Gartens“ werden an einer Stelle des Romans erkennen, wo die Geschichte ihren Ursprung hat.

Das verfallene Herrenhaus

von Frances Hodgson Burnett

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Im Schnee
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Ich habe eine große Schwäche für Romane, die auf den ersten Blick ruhig und einfach wirken - und die bei genauer Lektüre die Schichten hinter der Geschichte durchschimmern lassen.

„Im Schnee“ ist so ein Roman .
Er erzählt die Geschichte eines alten Mannes, Max, dessen bester Freund Schorsch gestorben ist, und der zusammen mit dem ganzen Dorf eine Nacht lang Totenwache hält. Man erzählt sich Geschichten über den Toten und über das Dorf, man singt zusammen, lacht auch, erinnert sich…

Es ist ein Dorf, in dem Traditionen gelebt und bewahrt werden, in dem man zusammenhält - und in dem vieles ungesagt bleibt, auch wenn es durchaus zur Kenntnis genommen wird.
Und das mit der Gewissheit lebt, das es bald für die nächste Generation nur noch eine nostalgisch verbrämte Erinnerung sein wird….

Dieser Roman erzählt „ von der Schönheit und der Härte des einfachen Lebens, von der Gnade der Freundschaft und dem Moment des Verlusts“, wie der Verlag anmerkt.
Er erzählt darüber hinaus aber auch, dass Nähe oft auch Enge erzeugt, das Akzeptanz und Ignoranz nah beieinander liegen, dass selbst der Schnee nicht alle Geschehnisse gnädig verdeckt - und dass niemand weiß, was wirklich in einem anderen Menschen vorgeht .

Ein Roman, der erfrischend klar und unsentimental ist - und mich gerade deswegen sehr berührt hat.
Ich wünsche ihm viele LeserInnen.

Im Schnee

von Tommie Goerz

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Was du kriegen kannst
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Die Jury des Literaturpreises der Jürgen Ponto Stiftung hat immer ein gutes Händchen .
So auch in diesem Jahr mit Clemens Böckmanns Roman „Was du kriegen kannst“ .
Ein Roman, für den Elke Schlinsog bei Deutschlandfunk Kultur den zutreffenden Begriff „Rechercheroman“ verwendet.
Erzählt wird die Geschichte der Uta Krahl, einer Möbelverkäuferin im Zwickau der 1970er Jahre, die ins Visier der Stasi gerät und von diesem Ministerium gezielt auf Männer, gerne auch aus dem Westen, angesetzt wird.
Aufgefallen ist Uta, weil sie der Tristesse des DDR-Alltags etwas Freude abgewinnen will, Farbe ins Grau bringen will. Sie geht gerne aus, raucht und trinkt mit Genuss, und ist in den Augen der sie beobachtenden Männer „ sehr raffiniert und intelligent und mannstoll ( welch furchtbares Wort ! ).
Prostitution war ja offiziell in der DDR verboten - es sei denn sie wird quasi vom Staat befohlen. Wie im Fall von Uta Krahl.
Was das mit einem Menschen macht, das zeigt Clemens Böckmann anhand der Berichte Utas, ihrer heutigen Sicht auf ihre Tätigkeit und Auszügen aus den Stasi Akten - und seiner eigenen Sicht auf das Leben Utas.
Durch diese wechselhafte Art des erzählens wirkt der Text zwar mitunter etwas sperrig, man wird aber mit einem ungewöhnlichen und sehr bereichernden Leseerlebnis belohnt.

Dieser Lebensroman ist erschütternd und berührend zugleich und geht der Frage nach, ob Uta Klahr Opfer oder/ und Täterin war.

Eine große Leseempfehlung!

Was du kriegen kannst

von Clemens Böckmann

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Sag mir, was ich bin
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

2004 verschwindet Deena Garvey spurlos. Sie erscheint nicht bei der Arbeit , holt ihre vierjährige Tochter Ruby nicht bei ihrem Ex Lucas ab, meldet sich nicht bei ihrer Familie.
Für Deenas Schwester Nessa ist klar: Lucas hat ihrer Schwester etwas angetan.
Doch die Polizei hat keine Beweise , trotz einer Anzeige wegen häuslicher Gewalt. Und dass Dreena an Depresssionen leidet und schon einen Suizidversuch hinter sich hat trägt auch nicht gerade dazu bei, dass sich die Polizei bei der Suche übermäßig ins Zeug legt .

Als Lucas mit seiner Tochter nach Vermont in die ländliche Abgeschiedenheit der Inseln im Lake Champlain zieht , bricht für Nessa eine Welt zusammen.
Ruby indessen liebt die Natur und die Unterweisungen ihres Vaters . An ihre Kindheit in Philadelphia hat sie keinerlei Erinnerungen.
Doch je älter sie wird, um so merkwürdiger findet sie das Verhalten ihres Vaters. Warum darf sie das Internet nicht nutzen? Was sollen all die Kameras auf ihrem Grundstück? Und warum darf sie die regelmäßig an sie adressierten großen gelben Briefe nie lesen? Warum versteckt Lucas sie vor ihr?
Rubys Weltbild gerät zunehmend ins Wanken und all ihre vermeintliche Sicherheit löst sich zunehmend auf….

Una Mannion hat mich schon mit „Licht zwischen den Bäumen“ begeistert. Ihr neuer Roman „Sag mir, was ich bin“, übersetzt von Tanja Handels und wie der Vorgänger hat dies noch untermauert.
Die Autorin entwickelt ihre Geschichte langsam und geduldig, setzt jedoch direkt am Anfang Akzente, die uns Lesenden bis zum Ende nicht mehr vom Haken lassen.
Meisterhaft strukturiert sie ihre Geschichte um Manipulation und Verlust, über Traumata und Hoffnung und zieht zum Ende hin das Tempo merklich an.
Für mich ist diese Autorin eine grandiose Erzählerin, die unbedingt noch von einer breiteren Öffentlichkeit entdeckt werden muss!
Wie Sie Familiengeschichte(n), psychologisch nuancierte Charaktere und Elemente der Krimininalliteratur verknüpft ( und hier noch eine gehörige Portion „Gesang der Flusskrebse“ hinzufügt) sollte man unbedingt gelesen haben.

Sag mir, was ich bin

von Una Mannion

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Fluchtnovelle
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!


Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst .
Wie diese hier .
1965 lernen sich in Erfurt eine Studentin ( 21 ) aus der DDR und ein Student ( 23 ) aus der Schweiz kennen - und lieben. Ein gemeinsames Leben, das ist beiden schnell klar, wollen sie fortan führen, allerdings nicht in der DDR.
Doch wie soll die Ausreise der jungen Frau gelingen?
Bald reift ein so ausgeklügelter wie waghalsiger Plan heran…

Aberwitzig. So könnte man die Geschichte nennen, die Thomas Strässle in „Fluchtnovelle“ erzählt. Wenn man nicht wüsste, dass sie wahr ist , denn der Autor ist der Sohn der beiden Studenten.
Die Geschichte seiner Eltern ist eine große Liebesgeschichte, die gleichzeitig auch eine Fluchtgeschichte und Geschichte über das Rechts - ( oder Unrechts-) System der DDR erzählt - und das in einer Vermengung aus Erzähltem, Recherche und sprödem Amtsdeutsch.
„Eine Fluchtgeschichte, wie man sie noch nie gelesen hat“ titelt der Verlag auf der Rückseite.
Und da diese Geschichte nur 117 Seiten hat muss ich dies dabei belassen .
Nur soviel: der Verlag hat absolut recht!

Fluchtnovelle

von Thomas Strässle

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Kleine Fliegen der Gewissheit
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Der Bloomsbury Kreis hat mich immer schon fasziniert, allen voran natürlich ihr berühmtestes Mitglied Virginia Woolf.
Nun ist im Aviva Verlag erstmals auf Deutsch „Kleine Fliegen der Gewissheit“ erschienen, der wohl wichtigste Text von Molly McCarthy, einer entfernten Cousine Virginia Woolfs.

1924 erschien der autofiktionale Text, in dem die Autorin mit einer gehörigen Portion britischen Humors auf ihre viktorianische Kindheit zurückblickt. Das geschieht eher schlaglichtartig, ist aber überaus erhellend und unterhaltsam, so auch der frühe Berufswunsch Mollys, die nach der Lektüre des „Jahrbuch der englischen Frauen“ ( ja, so etwas gab es tatsächlich) unbedingt Hygiene - Inspektorin werden wollte, was ihre Mutter mit einem Lachanfall quittierte, nur um ihr dann klarzumachen, dass dies keinesfalls geschehen werde, schließlich würde sie „stets eine englische Dame bleiben“.

Die Erinnerungen sind ganz ihrer Zeit verhaftet , und so überrascht es auch nicht , dass der Tod Königin Viktorias auch das Ende von Molly McCarthys Kindheit bedeutet .

Tobias Schwartz hat diesen schmalen Band hervorragend übersetzt und mit einem hervorragenden einordnenden Vorwort sowie zahlreichen Anmerkungen im Anhang versehen.
Eine wunderbare Entdeckung, nicht nur für Bloomsbury Fans!

Kleine Fliegen der Gewissheit

von Molly MacCarthy

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Die Villa der Architektin
Frank Menden

Frank Menden

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Lesen bildet!
Wissen wir natürlich alle, aber im Falle von „Die Villa der Architektin“ von Melania G. Mazzucco , übersetzt von Karin Fleischanderl, ist dies auf jeden Fall so.
Denn ohne diesen Roman wüsste ich bis heute nicht, wer Plautilla Bricci war.

Geboren 1616, wird sie die erste Architektin Roms. Gefördert vom Vater und später von Abt Elpidio Benedetti, schafft sie es Mitglied der Kunstakademie San Luca zu werden - darf allerdings als Frau nicht an Aktstudien teilnehmen.
Ihr Hauptwerk wird die wie ein Schiff gebaute Villa „Il Vascello“, in deren Grundfesten ihr Name gegen alle Widerstände eingraviert wurde ( und die 1849 komplett zerstört wurde ).
Doch mit dem Erfolg kommen die Neider, aus Gönnern werden Feinde und selbst engste Verwandte betrügen Plautilla um die Früchte ihrer Arbeit…

Was für ein Leben ! Und was für ein Roman. Die Strega Preisträgerin Melania G. Mazzucco erzählt geradezu filmisch von dieser beeindruckenden Frau und der Zeit, in der sie lebt. Intensive Recherchen gingen dem Schreibprozess voraus und es bleibt zu hoffen, dass dieser so unterhaltsame wie lehrreiche Roman dazu beiträgt, dass Plautilla Bricci die Anerkennung und Hochachtung erhält, die ihr zustehen.

Das Buch enthält eine Karte, in der die Schauplätze und Standorte der Werke Briccis verzeichnet sind, sowie die Abbildungen eines Gemälde, inclusive Detailaufnahmen.
Also, auf nach Rom und diesen sehr lesenswerten Roman als Vorbereitung lesen

Die Villa der Architektin

von Melania G. Mazzucco

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Die englische Scheidung
Frank Menden

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„Alec und ich werden getrennte Wege gehen. Wir lassen uns scheiden.“

Diese zwei Sätze, an ihre Mutter gerichtet, lösen ein Erdbeben aus. Dabei ist es für Betsy eine sehr erwachsene und vernünftige Lösung für das Dilemma ihrer Ehe: man passt einfach nicht zusammen, wäre mit anderen Partnern sicherlich glücklicher.
Doch es sind eben nicht nur die beiden Eheleute betroffen. Flugs machen sich die jeweiligen Schwiegermütter auf den Weg, Betsys und Alecs drei Kinder würden auch gern gehört werden. Tja , und natürlich haben die Freunde der beiden auch noch ein ( oder zwei oder drei ) Wörtchen mitzureden.
Und schon kippt die vernünftige Lösung um in eine kleine gesellschaftliche Katastrophe mit jeder Menge Drama…

1936 erschien Margaret Kennedys Roman „Die englische Scheidung“ zum ersten Mal ( der Originaltitel „Together Apart“ ist wesentlich zutreffender). Nach dem Erfolg von Kennedys „Das Fest“ erscheint nun ein weiterer Roman der fast vergessenen Autorin , übersetzt von Petra Post und Andrea von Struve - und er hat mich sehr begeistert.
Das liegt an Margaret Kennedys Geschick, Dinge zu analysieren ohne zu werten. Und natürlich vor allem an ihrer Gabe, süffisant zu erzählen, mit einer leichten, amüsanten Boshaftigkeit, lebensnah und klug - und sehr modern.
Wie aus einer harmonisch gedachten Scheidung ein wahrhafter Rosenkrieg entstehen kann und wie alles zerbricht und das Leben trotzdem - oder gerade deshalb - in völlig richtige, wenn auch komplett andere, Bahnen gelenkt werden kann - dies erzählt Margaret Kennedy äußerst klarsichtig, mit Witz , satirischer Schärfe und stillen Weisheiten.
Ein Hochgenuss!

„Im Lärm des Lebens nimmt man die sanften Töne nur selten wahr. (…) Sie brechen sich wie Wellen an einem fernen Strand ; dennoch sind sie es, die den größten Widerhall in der menschlichen Seele finden.“

Die englische Scheidung

von Margaret Kennedy

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Gittersee
Frank Menden

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Dieser Romanhat mich bei der Lektüre vor einigen Monaten ( laut Verlag habe ich wohl die erste Rückmeldung abgegeben) zutiefst beeindruckt und begeistert. Das liegt vor allem an der Protagonistin Karin. Die 16jährige, die es allen recht machen will, behilflich sein will. Die mit ihrer Freundin Marie stundenlang vor dem Fernseher sitzt und die nicht ahnt , dass das „große Abenteuer“, auf das ihr Freund Paul sie mitnehmen will ( sie kann ihn nicht begleiten, weil sie wieder einmal ihre Schwester hütet ) dessen Flucht in den Westen bedeutet.
Und plötzlich ist das Leben anders. Die bislang eher im Hintergrund dräuende Politik manifestiert sich in Gestalt des attraktiven Stasi-Mitarbeiters Wickwalz, der Karin anwirbt - und so eine fatale Kettenreaktion auslöst.

Karin dabei zu begleiten wie sie mehr und mehr ihre jugendliche Unschuld verliert, zwischen die Fronten gerät und Stellung beziehen muss - dieser Erkenntnisprozess wird aufs eindringlichste beschrieben.
Überhaupt ist die sprachliche Gestaltung dieses Romans ein weiterer großer Pluspunkt. Vieles bleibt im Schwebezustand, wird nicht eindeutig benannt, man muss Leerstellen füllen und gerade diese Verknappung erhöht die enorme Wucht der Geschichte, deren Ende für mich unvergesslich bleiben wird.

Ein absolutes Highlight und eine neue Stimme , von der wir hoffentlich noch viel lesen werden !

Gittersee

von Charlotte Gneuß

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Tokio Express
Frank Menden

Frank Menden

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Ja, ich habe tatsächlich hauptsächlich des Covers wegen zu diesem Buch gegriffen.
Und natürlich auch, weil ich japanische Literatur und Kriminalromane sehr mag.

„Tokio Express“ ist ein japanischer klassiker, sein mir bis dato völlig unbekannter Autor Seicho Matsumoto war ungeheuer produktiv: sage und schreibe über 450 Bücher hat der von 1909 - 1992 lebende Autor geschrieben.

In diesem wunderbar konstruierten Roman geht es um den vermeintlichen Doppelselbstmordes eines Paares, der dem ermittelnden Inspektor jedoch verdächtig vorkommt.
Schnell hat er einen Verdächtigen, doch dieser hat ein scheinbar wasserdichtes Alibi.
Wie der Täter letztendlich doch noch überführt wird - das sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Nur so viel: der Titel ist hier quasi Programm und Lösung ( im übertragenen Sinn ) in einem.

Ich hatte sehr viel Spaß mit diesem Krimiklassiker von 1958, den man gut mit den Werken Georges Simenons und Agatha Christies vergleichen kann.
Genauso intelligent und vertrackt, bietet er viel Material zum mitraten ( es empfiehlt sich, Papier und Bleistift bereit zu halten).
Das perfekte Buch für alle Bahnreisenden, egal ob Fan oder Hater. Denn dieser Roman zeigt, dass die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn evtl. Leben rettet….

Tokio Express

von Seich Matsumoto

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Die spürst du nicht
Frank Menden

Frank Menden

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Es beginnt idyllisch. Zwei befreundete österreichische Familien verbringen ihren Urlaub gemeinsam in einer Villa und er Toskana. Die Binders und die Strobl-Marineks kennen sich schon seit Fahrend dieses Mal ist noch eine Freundin der 14jährigen Sophie Luise mit dabei. Aayana, die mit ihrer Familie aus Somalia geflüchtet ist. Ein Unglück beendet den Urlaub abrupt, die Familien kehren nach Österreich zurück. Doch an das Leben „davor“ lässt sich nicht so leicht anknüpfen, was vor allem Elisa Strobl-Marinek zu spüren bekommt , die als Politikerin in der Öffentlichkeit steht und für einen Ministerposten im Gespräch ist. Während sie versucht Schadensbegrenzung zu betreiben merkt sie nicht ,wie sich ihre Tochter mehr und mehr in sich zurückzieht und im Internet in Kontakt mit einem jungen Mann kommt….
Daniel Glattauers neuer Roman ist ein abwechslungsreiches , pointiertes Gesellschaftsporträt, das vielschichtig und berührend die Menschen zunehmend in den Mittelpunkt rückt, über die wir in den Zeitungen lesen, denen wir aber nie begegnen.
Ein nachdenklich stimmendes Buch, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die spürst du nicht

von Daniel Glattauer

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MANIAC
Frank Menden

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Benjamin Labatuts Roman „Maniac“ ist eine literarische Annäherung an KI.
Der bei Suhrkamp erschiene und von Thomas Bromot übersetzte Roman beginnt mit einem Blick auf den österreichischen Physiker Paul Ehrenfest, der die „Quantenphysik als Dämon“ bezeichnete und sich 1933 schwer depressiv das Leben nahm.
Eine Identifikationsfigur für alle, denen KI hauptsächlich Unbehagen bereitet - um es vorsichtig auszudrücken.

Der Roman wechselt nun zu John von Neumann, einem heute fast vergessenen Genie. Aus verschiedenen Blickwinkeln lässt Labatut Mitarbeiter und Familienmitglieder über den Pionier der Künstlichen Intelligenz berichten, über die Entwicklung des ersten Hochleistungscomputers MANIAC - und auch über von Neumanns Beteiligung an der Entwicklung der Atombombe.
Labatut verschafft uns Einblick in die Welt dieses exzentrischen Geistes, in diesen von seiner Forschung besessenen Mannes, der alle Grenzen des Denkbaren zu sprengen imstande ist.

Das letzte Drittel behandelt den Zweikampf des weltbesten Go-Spielers gegen die KI AlphaGo - bei der die Maschine klar gewinnt ….

Ich habe nichts mit Naturwissenschaften am Hut. Im Gegenteil. Mit Physik und Mathematik konnte ( und kann ) man mich jagen und mein technisches Unvermögen ist geradezu peinlich.
Und dennoch hat mich dieser Roman schlichtweg umgehauen.
Durch die sprachliche Brillanz auf der einen Seite und durch Benjamin Labatuts geschickten Aufbau des Buches , welches mich jeden Schritt des Entwicklungsprozesses miterleben und mitfiebern ließ.
Und mich am Ende ohne jegliche Kenntnisse des Go-Spiels der Partien zwischen Lee Sedol und AlphaGo in völlig atemlose Spannung versetzte.

Für mich ein absolutes Highlight in diesem Jahr , hochliterarisch und mitreißend. Und für alle KI Interessierten ein Muss. Und für alle an herausragender Literatur interessierten Menschen .
Ein Buch wie ein Paukenschlag!

MANIAC

von Benjamín Labatut

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Du kennst sie
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

Sophie Braam ist Barkeeperin - und eine sehr gute dazu. Sie kann mit allen Gästen umgehen, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und ist energisch wenn erforderlich. Als ein Stammgast, den sie am Neujahrsmorgen notgedrungen nach Hause fahren muss, in ihrem Auto zudringlich wird, kommt es zu einer Übersprungshandlung - und der Mann ist tot.
Die junge schwarze Polizistin Nora Martin wird mit dem Fall betraut und befragt dabei auch Sophie, schliesslich war der Tote kurz vor seinem Tod in der Bar gesehen worden. Die beiden unterschiedlichen Frauen freunden sich langsam an, auch wenn Sophies leicht erratisches Verhalten Nora ab und an irritiert. Doch sie hat wenig Zeit darüber nachzudenken, denn es werden weitere Männer ermordet. Und auch Noras Mann gerät zwischen die Fronten der beiden ungleichen Frauen…

Mit „Du kennst sie“ ist Meagan Jennett ein wahrlich ungewöhnlicher Thriller gelungen. Auch wenn von Anfang an die Täterin feststeht, fesselt dieses spannende und überraschende Katz- und - Maus - Spiel bis zur letzten Seite. Kein Wunder, dass gerade weibliche Thrillerautorinnen dieses Buch in den höchsten Tönen loben. Denn dies ist nicht nur ein äusserst subversiver Kriminalroman, sondern auch das faszinierende Doppelporträt zweier ungleicher Frauen, die unter anderen Umständen beste Freundinnen hätten werden können.
Ein echtes Highlight in diesem Genre!

Du kennst sie

von Meagan Jennett

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Patience geht vorüber
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Und wieder eine Autorin, die mir völlig unbekannt war und dank des AvivA Verlages wieder zu entdecken ist. Dabei ist das Nachwort Eckhard Grubers über das Leben Margaret Goldsmiths fast interessanter als der Roman „Patience geht vorüber“ - aber nur fast!
Denn der schildert aus der Sicht einer jungen selbstbewussten Frau die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die Novemberrevolution, die Inflation 1923 und führt bin Anfang der 1930er ( Der Roman erschien 1931 zum ersten Mal).
Für mich ist der etwas unterkühlte aber genaue Ton der Pluspunkt dieses Zeitporträts, auch wenn es gerade dieser Ton ist, der den Einstieg etwas erschwert. Aber je weiter man liest, desto interessanter wird Patience, ihre Liebe zu Gretel, die aus Mitleid geschlossene Ehe mit einem Adeligen, ihre Arbeit als Journalistin und das komplexe Verhältnis zu ihrer Mutter. Patience steht zwischen den Geschlechtern , zwischen den Klassen und zwischen zwei Ländern, ist deutsch und englisch zugleich, ist offen und schmerzhaft ehrlich. Ihren Betrachtungen wohnt etwas leicht schnippisches inne, und ich muss sagen : mehr als einmal habe ich ihr im Geiste applaudiert.
Ein zum Teil höchst aktueller Roman ( in Fragen der Sexualmoral zum Beispiel), der hoffentlich noch viele begeistern wird.
Und ich hoffe , dass bald eine Biografie über Margaret Goldsmith erscheinen wird, deren Leben unglaublich spannend war!

Patience geht vorüber

von Margaret Goldsmith

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Die Möglichkeit von Glück
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

In „Die Möglichkeit von Glück“ erzählt Anne Rabe , wie prägend die Lebenserfahrungen der Eltern und Großeltern sich auf deren Kinder und Enkelkinder auswirken.

Die Ich-Erzählerin Stine wird drei Jahre vor dem Mauerfall geboren. Sie wächst in einem wiedervereinigten Deutschland auf , in dem beide Teile, Westen wie Osten, die Deutungshoheit und das richtige Leben für sich beanspruchen.
Stine hat sich von ihrer in einer Kleinstadt an der Ostsee lebenden Familie distanziert, allein mit ihrem jüngeren Bruder Tim hat sie Kontakt. Ihren beiden Kindern will sie eine andere Mutter sein als es ihre Mutter Monika war. Eine Frau , die mit Strenge und Disziplin erzog - und mit Schlägen.

Der Tod ihres Großvaters Paul ist der Auslöser, sich mehr mit der Familiengeschichte auseinanderzusetzen, und die Lücken in dessen Lebenslauf zu schließen…

Anne Rabes Roman hat mich gleich „gehabt“. Von den ersten Sätzen an hat mich diese komplexe und durchaus exemplarische Familiengeschichte nicht mehr losgelassen. Eine Geschichte über Geheimnisse, über das Wegsehen, Leugnen, Schönreden . Über den Ursprung von Gewalt und Rassismus.
Es ist der erste Roman Anne Rabes, man erkennt jedoch im collagenhaften Aufbau und im Wechsel von erzählerischen und eher sachlichfaktischen Passagen die Essayistin und Drehbuchautorin.
Das mag manchen Leser*innen den Zugang etwas erschweren, sollte aber nicht abschrecken.
Im Gegenteil: für mich hat gerade diese Struktur das Buch noch eindringlicher gemacht, mich noch mehr in diese facettenreiche Geschichte hineingezogen. Und immer noch nicht losgelassen.
Tut euch einen großen Gefallen und lest dieses Buch !

Die Möglichkeit von Glück

von Anne Rabe

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Junge aus West-Berlin
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Eine bittersüße Liebesgeschichte.
Marc ist von Karlsruhe nach West-Berlin gezogen. Doch es ist der Osten der geteilten Stadt, der es ihm angetan hat, in dem er auflebt, in dem er zu der Person wird, die er sein will.
Das Studium ist schnell geschmissen, der Brotjob bei einer Firma, die Klappstühle vermietet, meist für Konzerte, lässt ihn das nötige Geld verdienen und führt ihn zumindest in die Nähe dessen, was er im Osten vorgibt zu sein: der erfolgreiche Typ aus der Musikszene.

Nele lebt in Ost-Berlin. Nicht nur aufgrund ihrer roten Haare denkt sie lange nicht zu ihrer Familie zu gehören, einer Familie, die eben nicht rothaarig ist und dazu optimistisch in die Welt schaut , wo Nele eher existenziell denkt.
Die Begegnung mit Marc ist der Auftakt zu einer großen Liebe, das merken beide schnell.
Aber die Zeiten stehen auf Veränderung, und was für viele eine Befreiung ist kann für andere das Ende eines Traums bedeuten….

Maxim Leo erzählt diese kurze und berührende Geschichte konzentriert und stringent. illustriert sie kongenial in verschiedenen Schattierungen von Grau, „die Farbigkeit Ostberlins“ wie sie im Nachwort schreibt, mit ein paar Tupfern in Rosa - und einem ebensolchen Farbschnitt.
Es ist Band 18 der Reihe der Lieblingsbücher , und man kann nur hoffen, dass die wunderbare Kat Menschik uns weiterhin solche wunderbaren Bücher beschert - wie auch Maxim Leo.
Geschichte in einer Geschichte erzählt, die ans Erwachsenwerden erinnert und wie es mal war in Berlin, im Westen wie im Osten. Ich bin froh es erlebt zu haben.

Junge aus West-Berlin

von Maxim Leo, Kat Menschik

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Es war einmal in Brooklyn
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Brooklyn, Sommer 1977.
Eine Hitzwelle hat die Stadt fest im Griff, genau wie der Serienmöder Son of Sam.
Doch Juliette und ihren bester Freund und Nachbar David beschäftigen ganz andere Dinge. Juliette wird bald nach Yale gehen während der an Krebs erkrankte David nicht weiß, ob er überhaupt eine Zukunft haben wird.
Als der Pizzabote Rico in Juliettes Leben tritt, verändert sich die Freundschaft der beiden unzertrennlichen 17jährigen.
Und dann fällt der Strom in der ganzen Stadt aus....
Syd Atlas hat einen vielschichtigen Roman über das Erwachsenwerden und Erwachsensein geschrieben. Mit großem Einfühlungsvermögen schildert sie das Leben der drei Protagonist*innen und ihrer Familien, erzählt von Träumen, Sehnsüchten und großen Enttäuschungen - und über lebensprägende Freundschaften.
Ein Buch voller Kraft, Gefühl, Humor und Melancholie.
Wie das Leben selbst!

Es war einmal in Brooklyn

von Syd Atlas

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Draußen die Welt
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Mary Perrault bewirtschaftet mit ihrem Mann einen kleinen Hof in South Enzian, in der Nähe der Pazifikküste und San Francisco. Sie haben vier Kinder, die 15jährige Melanie und drei jüngere Söhne. Das Leben ist beschaulich, auch wenn ein Vorfall zu Beginn zeigt, dass jede Idylle von jetzt auf gleich zerstört werden kann: Marys Jugendfreundin Agnes kommt bei einem Autounfall ums Leben, Mary hätte eigentlich auch in dem Auto sitzen sollen. Das Zufällige daran beuunruhigt Mary, die sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Sie ist der Fels in der Brandung für ihre Familie, Freunde und Nachbarn, hat für jeden ein offenes Ohr, Gäste sind immer willkommen.
Die Finanzkrise von 1929 macht jedoch auch vor dem kleinen Ort und dessen Bewohnern nicht halt. Allmählich wird das Geld knapper, Existenzen drohen vernichtet zu werden. Dazu verändern Neuerungen wie Automobile oder Luftschiffe die Möglichkeiten der Fortbewegung, bergen aber auch Gefahren. Mary versucht ihr humanistisches Weltbild und ihre Werte trotz aller Unwägbarkeiten aufrecht zu erhalten und gleichzeitig mit der Zeit zu gehen. Vor allem ihrer Tochter , die nach einem anderen Leben als Model in San Francisco strebt, ist sie eine moralische Instanz… Es ist eine große Freude die lange in Vergessenheit geratene Schriftstellerin Janet Lewis wieder zu entdecken. Nur vier Romane hat sie geschrieben, dieser ist ihr bester. Lewis schreibt klar und präzise, gefühlvoll, aber nie sentimental. Ihre Landschaftsbeschreibungen korrespondieren mit den Handlungen und Entwicklungen der Personen, man taucht völlig ein in diese Welt. Zeitlos und entschleunigend ist ihr Stil, der so beiläufig die Dinge auf den Punkt bringt, dass man bei der Lektüre schon nach wenigen Seiten weiß: dies ist ein großer Klassiker, ein Buch, das bleibt.

Draußen die Welt

von Janet Lewis

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Gentleman über Bord
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Mit diesem Buchtipp renne ich wahrscheinlich offene Türen ein, aber sei es drum. Denn diese Wiederentdeckung ist wirklich so herausragend wie alle sagen !
1937 veröffentlicht, interessierte sich niemand für diesen kleinen, feinen Roman über den Börsenbroker Henry Preston Standish, der durch einen höchst banalen Unfall (ja, er rutscht wirklich slapstickmässig auf einer Bananenschale aus )von Bord eines Schiffes fällt - und nun auf offener See treibt während sich dieses unaufhaltsam entfernt .
Ein Minimalplot, den Herbert Clyde Lewis jedoch meisterhaft zu Papier gebracht hat, schwarzhumorig, tragikomisch und lakonisch.
Sowohl die Gedanken Henrys, der sich seiner prekären Lage immer bewusster wird, als auch die der Schiffscrew und der übrigen Passagiere, die das Verschwinden Henrys allmählich bemerken und aus den verschiedensten Gründen zum Teil verdrängen, schildert Lewis pointiert und unterhaltsam und bietet Einblicke in die Mentalität der amerikanischen Mittelschicht zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wie verhält man sich in einer offensichtlich aussichtslosen Situation? Woraus bezieht man Hoffnung? Wie resümiert man das eigene Leben?

Wer „Gentleman über Bord“ in der gelungenen Übersetzung von Klaus Bonn und einem wunderbaren Nachwort von Jochen Schimmang noch nicht gelesen hat, sollte dies augenblicklich nachholen. Denn dieses Buch ist ein Schatz - und der Mare Verlag würdigt ihn gebührend in einer wunderschönen Ausgabe!

Gentleman über Bord

von Herbert Clyde Lewis

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Das Erbe
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Dieser Kurzroman von Vita Sackville-West war genau die richtige Lektüre am zweiten Advent.
1922 erschien die Geschichte über den sehr durchschnittlichen Mr Chase, einem Mann von mittelmäßigen Aussehen mit einem ebensolchen Job und Behausung - man mag es kaum Wohnung nennen - der aus heiterem Himmel eine Villa samt Ländereien und über 50 Pfauen erbt und der im Prozess des Verkaufes den Wert des Ideellen über den des Monetären erkennt.
Das klingt wenig spektakulär und erfreut in erster Linie durch die wunderbare Sprache ( Übersetzung: Irmela Erckenbrecht) und den ironisch distanzierten Ton.
Darüber hinaus schildert diese Neuausgabe den Übergang von der alten Aristokratie hin zur modernen kapitalistischen Gesellschaft wunderbar treffsicher und very British.

Das Erbe

von Vita Sackville-West

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Mühlstein
Frank Menden

Frank Menden

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London in den Swinging Sixties.
Rosamund Stacey ist mittendrin und doch nicht ganz dabei . Die junge Cambridge Absolventin kennt zwar jede Menge Leute und ist durchaus beliebt, allerdings nicht so freigeistig was die allseits gelebte sexuelle Freiheit angeht. So trifft sie sich beispielsweise mit zwei Männern gleichzeitig, um bloß nicht mit einem von ihm intim werden zu müssen.
Als sie dann doch ihre Jungfräulichkeit verliert geschieht dies eher zufällig - und stellt sich als recht banales Ereignis heraus.
Die daraus resultierende Schwangerschaft, die Rosamund eher halbherzig selbst via Gin und einem heißen Bad beenden will, wird von zufällig vorbeikommenden Freunden vereitelt, die sich den Gin schmecken und darüber das Bad kalt werden lassen.
Der Anruf bei einem ihr empfohlenen Arzt scheitert daran, dass der Anschluss besetzt ist.
Man sieht: die Zielstrebigkeit und Klarheit, die Rosamund auszeichnet überträgt sich nicht auf ihre persönliche private Situation.
Sie beschließt, das Kind zu bekommen ohne dem Vater von ihrer Schwangerschaft in Kenntnis zu setzen . Die Geburt ihrer Tochter Octavia verändert sie, offenbart eine ganz neue Seite ihrer Persönlichkeit…

Diese stark gekürzte Zusammenfassung der Rahmenhandlung von Dame Margaret Drabbles feministischen Klassiker „Mühlstein“ , übersetzt von Irmela Erckenbrecht und mit einem sehr interessanten und scharfsinnigen Nachwort von Verena Rossbacher versehen, kann nicht wiedergeben welch ungewöhnlich und stellenweise hochkomischer Roman hier seine wohlverdiente Renaissance erlebt.
Rosamund ist eine ungewöhnliche Heldin, unbeholfen und klar zugleich, unabhängig und doch bedürftig, modern, pragmatisch und auf charmante Art unzulänglich.

Ich habe sie gern bei ihren mal gut mal weniger gut geglückten Versuchen such durchs Leben zu manövrieren begleitet , ihren Charme und ihre Chuzpe bewundert.
Eine sehr willkommene Wiederentdeckung !

Mühlstein

von Margaret Drabble

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Unten auf der Piazza ist niemand
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Bis zum Erscheinen von „Unten auf der Piazza ist niemand“ , übersetzt von Anna Leube, hatte ich noch nie etwas von Dolores Prato gehört - und war dementsprechend neugierig auf dieses opulente, 976 Seiten starke Werk, welches „Le Monde“ als Meisterwerk feiert.

Dolores Prato war 80 Jahre alt, als sie dieses Buch schrieb, diesen autobiografischen „Erinnerungsreigen“ wie ihn die „SZ“ nennt.
In ihm erzählt die Schriftstellerin vom Aufwachsen als uneheliches Kind bei Verwandten ihrer Mutter in der Kleinstadt Treia, und von ihrer Ausbildung als Lehrerin, die später zu Jobs in Rom , Mailand und der Toskana führte.

Was den Text vor allem auszeichnet ist die Genauigkeit - man könnte auch sagen Detailversessenheit - mit der Dolores Prato auf ihr Leben zurückschaut. Das hat bei aller Faszination manchmal etwas durchaus ermüdendes ( das fand wohl auch Natalia Ginzburg, die das Buch 1980 in einer stark gekürzten und inhaltlich anders geordneten Fassung erstmals herausbrachte).
Aber es ist gerade diese Fülle in jeglicher Hinsicht, die dieses Buch zu einem Leseerlebnis machen, die die Lebenswelt dieser Beobachtenden so nachvollziehbar machen.
Ein Buch, das man eher in Etappen liest , das einem aber eine wunderbare Leseerfahrung beschert.
Und welches Esther Kinsky mit einem Nachwort ehrt.
Eine Entdeckung!

Unten auf der Piazza ist niemand

von Dolores Prato

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Die Postkarte
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

„Im Januar 2003 fand Anne Berests Mutter Lelia unter der Post mit den Neujahrswünschen eine sehr verstörende Ansichtskarte: auf der Vorderseite eine Ansicht der Pariser Oper, auf der Rückseite, außer der Adresse, nichts als die Vornamen ihrer vier in Auschwitz ermordeten nächsten Angehörigen.“

Man kann sich dem autofiktionalen Buch „Die Postkarte“ , übersetzt von Amelie Thoma und Michaela Messner, nach dieser Ausgangslage nicht mehr entziehen.
Gebannt und erschüttert folgt man der Familiengeschichte der Rabinovitch und begibt sich mit der Autorin auf eine Spurensuche , die die Opfer dem Vergessen entreißt und eine Brücke in die heutige Zeit schlägt. Eine Zeit , in der Antisemitismus wieder allgegenwärtig ist und unverhohlen geäußert wird.

Mich hat das Buch noch immer nicht losgelassen, ich denke an Ephraim, Emma, Noemie, Jacques und die vielen Abermillionen Ermordeten.
Und wenn sich am Schluss das Rätsel der Postkarte löst , dann legt man dieses Buch weg und weiß: vergessen wird man es nie mehr!

Zu große Emotionaliät verhindert in diesem Fall eine differenzierte Auseinandersetzung, eine genauere Rezension.
Aber wenn ein Buch so viele Wellen schlägt, so lange nachhallt, dann spricht das für sich .
Was für eine Geschichte!

Die Postkarte

von Anne Berest

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Das elfte Manuskript
Frank Menden

Frank Menden

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Endlich wieder ein neuer Hanne Wilhelmsen Krimi!
Die im Dienst angeschossene und seitdem im Rollstuhl sitzende ehemalige Kommissarin hat einen Kriminalroman geschrieben, den die gerade ihren Job als Lektorin angetretene Ebba Braut für äußerst vielversprechend befindet.
Ebba soll jedoch vor allem das neue Manuskript der internationalen Bestsellerautorin Kate Howe betreuen - doch dieses ist wie vom Erdbeben verschwunden.
Gleichzeitig untersucht der Osloer Kommissar Henrik Holme einen mysteriösen Mordfall: eine Frau wurde mit einem komplett zertrümmerten Gesicht im Kofferraum eines Autos gefunden.

Das ist die Ausgangslage in Anne Holts neuen Kriminalroman „Das elfte Manuskript“ , übersetzt von Gabriele Haefs.
Geschickt verbindet die Autorin ihre Handlungselemente und ProtagonistInnen und schickt uns LeserInnen auf eine so spannende wie vertrackte Spurensuche, in der alles miteinander zusammenhängt.
Dabei bildet das Norwegen während des ersten Lockdowns den gelungen Hintergrund für dieses intelligente Puzzle, bei dem nach und nach die erst völlig unvereinbar scheinenden Teile zu einem verblüffenden Ganzen zusammenfinden.
Anne Holt nimmt sich Zeit für ihre ProtagonistInnen, ohne dass dies auf Kosten der Spannung geht . Besonders die Einblicke in die Verlagswelt und natürlich Hanne Wilhelmsens leicht irritierende und unkonventionelle Art und Weise der Ermittlung und Kommunikation haben mir höchst vergnügliche und spannende Lesestunden beschert.
Ein Roman für alle Fans guter skandinavischer Kriminalliteratur, der ein hervorragendes Geschenk für Weihnachten ist - und uns dieser Tage wunderbar ablenkt .

Das elfte Manuskript

von Anne Holt

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Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
Frank Menden

Frank Menden

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„Es heißt, diese Reise habe ihren Preis. Einen Preis, der über die Kosten des Tickets hinausgeht.“
Denn eine Reise mit dem Transsibirien-Express durch das Ödland, die geheimnisvolle Wildnis zwischen China und Russland, ist voller Gefahren - und voller Verheißungen.

1899 macht sich der Zug , seine Besatzung nebst Passagieren, auf die zweiwöchige 6.000 Kilometer umfassende Reise.
Obwohl der Zug wie eine Festung gebaut ist, damit nichts den Zug verlassen, aber vor allen Dingen nichts hineingelangen kann, schwingt bei dieser Fahrt etwas Neues mit, endete doch die letzte Reise in einer Katastrophe…

Ich liebe Romane, die sich jeder Kategorie entziehen - und „Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland“ , übersetzt von Claudia Feldmann, ist genau so ein Roman.
Ein Roman, dessen pralle Fabulierkunst von der ersten Seite an zu überzeugen weiß, der geschickt zwischen Abenteuer-, Öko- und Fantasyroman changiert, dazu eine Prise von Agatha Christies „Mord im Orient-Express“.

Sarah Brooks hat ein Buch geschrieben, welches mich in einen wahren Leserausch versetzt hat. Ich fieberte mit den geheimnisvollen Reisenden, war neugierig - und etwas ängstlich - was da im Ödland vor sich geht und war nach 416 Seiten völlig beglückt.
Ich glaube, so eine Geschichte, so eine Abenteuerlust, habe ich zuletzt als Kind gelesen und verspürt.
Ein großer großer Spaß !
Wer der Reise durch das Ödland noch nicht verfallen ist sollte schleunigst zu diesem „Handbuch…“ greifen.
Denn es sind Romane wie diese, die uns zeigen, wie großartig und lebendig und voller Freude an der Fantasie lesen ist .

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland

von Sarah Brooks

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Im Unterholz
Frank Menden

Frank Menden

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Duch eine Trennung und die Einstellung der Zeitung ihres früheren Arbeitgeber ist die 56jährige ehemalige Journalistin Vera etwas aus der Bahn geraten.
Sie arbeitet als Schulbegleiterin, ihre Wohnung in einem ehemaligen Bahnhofsgebäude ist nach wie vor nur rudimentär ausgestatte, die meisten Sachen noch in Umzugskisten verstaut.
Als jedoch eine weibliche Leiche unter einem Hochsitz gefunden wird und ihr ehemaliger Chef sie um ein paar Hintergrundberichte zu diesem Fall bittet, weckt dies Veras Spürsinn.
Erst widerwillig, doch dann immer zielstrebiger begibt sie sich auf eigene Faust an die Aufklärung des Verbrechens – und stößt auf eine wahre Tragödie…

Einen ruhigen und tiefgründigen Kriminalroman legt Sara Strömberg mit „Im Unterholz“ vor. 2021 wurde dies von der Schwedischen Krimiakademie mit dem Preis für das beste Debüt ausgezeichnet. Völlig verdient, denn Sara Strömberg hat nicht nur eine Protagonistin erschaffen, mit der man unbedingt noch weitere Fälle erleben will, sondern vermag auch durch präzise Charakterzeichnung und eine langsam aber stetig ansteigende Spannungskurve zu überzeugen.

Im Unterholz

von Sara Strömberg

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Babel
Frank Menden

Frank Menden

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Nebula Award !
British Book Award !
Begeisterung überall !
Wenn man mich fragt : völlig verdient!
Die Geschichte von Robin Swift, der von einem reichen Gönner aus dem chinesischen Kanton nach England gebracht wird, sich dort einem rigiden Bildungsprogramm unterordnet, welches ihn bis nach Oxford bringt , wo er dann… ( ab hier wird nichts mehr verraten ) besticht sprachlich wie inhaltlich.

R.F. Kuang ist ein phantasievoller historischer Roman gelungen, der mit seiner Fülle von Themen ( Rassismus, Kolonialismus , Misogynie )sehr gegenwärtig ist . Die Macht des Wortes und die Fragen der Übersetzung stehen im Zentrum von „Babel“ ( Übersetzung: Heide Franck und Alexandra Jordan ), das einen über 700 Seiten lang vollkommen mitreißt und erst nach einem furiosen letzten Drittel wieder aus seiner Welt entlässt.
Einer Welt, die in sich so stimmig ist und sprachlich so überzeugt, dass kleinere Längen im Mittelteil nicht weiter ins Gewicht fallen.
Für mich ist dies ein Roman, in dem man völlig versinkt, der informativ und intelligent ist, und der seine Geschichte mit stringenter Konsequenz erzählt.

Babel

von Rebecca F. Kuang, R. F. Kuang

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Dinner mit den Schnabels
Frank Menden

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Für Simon Larsen läuft es in letzter Zeit nicht so gut. Pandemiebedingt hat er seinen Job verloren, er musste mit seiner Frau Tansy und den beiden Kindern von seinem Haus in eine kleine Wohnung ziehen. Eigentlich möchte Simon nur noch auf dem Sofa liegen und alles an sich abprallen lassen. Nur leider hat er da die Rechnung ohne die Familie seiner Frau und vor allem seine Schwiegermutter Gloria gemacht. Die schanzt dem arbeitslosen Architekten einen ganz besondern Auftrag zu. Er soll den garten eines befreundeten Nachbarn neu gestalten -damit dort eine Trauerfeier für seinen vor der Pandemie verstorbenen Schwiegervater stattfinden kann. Soweit so gut. Als aber nebst seiner omnipräsenten Schwägerin Kylie und dem unfehlbaren Schwager Nick auch noch die bis dato unbekannte Halbschwester der drei Schnabel-Geschwister auftaucht und Tansy die Scheidung einreicht stellt das nicht nur Simons Leben vor völlig neue Herausforderungen…

Toni Jordan hat mit diesem Roman ein Glanzstück geschaffen. Voller Empathie, mit viel Humor und einer genau dosierten Portion Gefühlsseligkeit wähnt man sich in einem Hollywood-FeelGood-Movie das nie enden soll. Wer Lust auf herzerwärmende Unterhaltung hat greife unbedingt zu diesem Buch und trifft die wunderbar chaotischen und charismatischen Schnabels. Und verlässt sie bestimmt sehr ungern am Ende der 379 Seiten.

Dinner mit den Schnabels

von Toni Jordan

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Mein Mann
Frank Menden

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Über Maud Venturas Debütroman „Mein Mann“ zu schreiben ist nicht gerade einfach. Denn die volle Kraft dieses preisgekrönten ( in Frankreich 2021 auch dazu das erfolgreichste Debüt des Jahres) entfaltet sich erst nach dem Ende. Und was bitte ist das für ein Ende für diese im Zeitraum einer Woche erzählten Geschichte einer Frau, die ein scheinbar perfektes Leben führt, als Lehrerin und Übersetzerin arbeitet, zwei wohlerzogene Kinder hat und einen Mann , den sie auch nach 15 Jahren noch so liebt wie am ersten Tag?
Warum also stellt sie ihn immer wieder auf die Probe , worin liegt ihre geradezu obsessiv zu nennende Freude an der Manipulation der Gefühle ihres Mannes?

Ich habe diesen von Michaela Messner vortrefflich übersetzten Roman geradezu inhaliert. Zuerst mit zunehmenden Befremden, doch dann immer faszinierter bis zum wirklich grandiosen Ende.

Ich kann nur raten, sich auf diesen sicherlich polarisierenden - und sehr französischen - Roman einzulassen.
Für mich einer der besten und überraschendsten in diesem Herbst!

Mein Mann

von Maud Ventura

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Trennungsroman
Frank Menden

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"Als sie einander acht Jahre kannten ( und man darf sagen: sie kannten sich gut), kam ihnen ihre Liebe plötzlich abhanden.Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut“

So wie in den ersten Zeilen von Erich Kästners Gedicht "Sachliche Romanze“ ergeht es auch Eva und Thomas .
Nach acht Jahren Beziehung ist plötzlich die Luft raus, die Vertrautheit weg, das Gefühl füreinander als Paar.
Dabei sollte die Beziehung doch nach Evas zweijährigen Paris Aufenthalt in eine neue Phase übergehen : Kinder , evtl Heirat .
Aber der lang herbeigesehnte Moment der Wiedervereinigung führt zu Krampf, zu Unsicherheiten, zu "will ich das eigentlich noch?“. Und wenn nein, was will ich dann?
Zwei Menschen Anfang 30, ein gutes Leben in Berlin lebend. Aber nicht gut genug . Oder gar zu gut?

Es ist keine neue Geschichte, die die Schauspielerin und Drehbuchautorin Anna Brüggemann in ihrem Debütroman erzählt.
Aber sie erzählt sie gekonnt, mit einer klaren Sprache und zeigt uns, welche Ansprüche wir heute an eine Beziehung haben, wie sehr wir alles hinterfragen , jeden Gesichtsausdruck deuten , jede Klangfarbe analysieren.
Wie ein Countdown ist dieser realistische Roman aufgebaut und er erzählt auch die Zeit nach der Trennung . Dabei werden beide Perspektiven geschildert, die Autorin ergreift keine Partei.
Und obwohl es kein Happy End gibt - was bei diesem Titel von Anfang an klar ist - ist man am Schluss doch versöhnt. Man wünscht Eva und Thomas Glück auf ihren weiteren Wegen und lässt sie schweren Herzens wie verflossene Geliebte gehen.
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung!!!

Trennungsroman

von Anna Brüggemann

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Die Spielerin
Frank Menden

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A. wird in den 1990er Jahren von der niedersächsischen Provinz nach Zürich geholt. Die junge Frau gilt als ehrgeizig und talentiert, Eigenschaften, die in der Welt der Hochfinanz von Vorteil sind.
Doch die erhoffte Karriere als Investmentbankerin stagniert, die Männer machen die Geschäfte unter sich aus, ignorieren ihre Ihnen unscheinbar daherkommende Kollegin.
Ein Fehler, wie sich herausstellen wird…

„Die Spielerin“ ist der neue Roman von Isabelle Lehn - und ein wahres böses Vergnügen.
Die von einer wahren Geschichte inspirierte Story über eine unscheinbare Frau, die sich die Regeln der Männer zu eigen macht und sie in ihrem eigenen Spiel schlägt, erzählt Isabelle Lehn in einem ganz eigenen, leicht unterkühlten und kargen Stil, der hervorragend zu ihrer Protagonistin passt - und der ihr die Aura des Geheimnisvollen lässt.

Es kann einem bei der Lektüre Angst und Bange werden ob der geschilderten Zustände in den obersten Etagen der Hochfinanz. Und doch kann man sich einer gewissen Faszination nicht entziehen und wünscht der durchaus ambivalenten A. nur das Beste.

Ein fulminanter Roman, mitreißend und wie aus einem Guss, hochvergnüglich und leicht beängstigend - und wie die sehr geschätzte Daniela Dröscher sagt: „Ein flirrendes Stück investigativer Literatur.“

Unbedingt lesen und sich an dieser Geschichte und der unverwechselbaren Sprache erfreuen!

Die Spielerin

von Isabelle Lehn

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Echtzeitalter
Frank Menden

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Vor vier Jahren stand Tonio Schachinger mit seinem Roman „Nicht wie ihr“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.
Mit seinem zweiten Roman „ Echtzeitalter“ hat er ihn endlich gewonnen!!
Durch acht Schulklassen an einem Eliteinternat in Wien begleiten wir den Protagonisten Till, der mit seinen Mitschülern und deren vorbestimmten Lebenswegen in Jura und BWL nichts anfangen kann.
Sein Klassenvorstand Dolinar herrscht über die Klasse , deren Alltag von Strafen, Demütigungen und Angst geprägt ist.
Doch für Till öffnet sich im Computerspiel „Age of Empires II“ eine Gegenwelt, die seine Rettung ist. Er wird zu einem der weltweit besten Spieler, der jüngste in den Top Ten.
Und dann tritt auch die Liebe in Gestalt der toughen und außergewöhnlichen Feli in seine Welt….

Tonio Schachingers Roman ist ein klassischer, pointenreicher und stilistisch hervorragend erzählter Coming-of-age - und Internatsroman, der uns die Mechanismen autoritärer Strukturen aufzeigt - und wie man sie überwinden kann. Schachinger spielt humorvoll mit den Gegensätzen der analogen und digitalen Welt und erzählt dabei wie nebenbei vom Bewahren der eigenen Individualität in einem geschützten Raum.
Die Abgründe der österreichischen Gesellschaft, den Wahnsinn hinter den großbürgerlichen Fassaden der Wiener Palais, schildert Tonio Schachinger so genau wie amüsant und wenn man dieses Buch nach 368 Seiten aus der Hand legt hat man einen der besten Romane in diesem Jahr gelesen.
Grandios!

Echtzeitalter

von Tonio Schachinger

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Da waren Tage
Frank Menden

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Aras Familie ist nach dem Verschwinden des in der politischen Opposition aktiven Vaters aus Syrien nach Deutschland geflohen.
Mittlerweile ist er gut integriert, studiert Jura, hat eine Freundin.
Doch als am 15.03.2011 die Revolution in Syrien beginnt, ändert sich sein Leben nachhaltig.
Aras beginnt Demonstration zu organisieren, er sucht jede neue Information über die Situation im seinem Heimatland, verkörpert in politischen Talkshows das Klischee des gut integrierten Geflüchteten und kämpft gegen den Sumpf der Bürokratie in Sachen Familiennachzug.
Dies alles führt dank der immer präsenter werdenden Erinnerungen an das syrische Schreckensregime zu immer größer werdenden Angstzuständen….

Luna Ali hat mit „Da waren Tage“ ein auch sprachlich beeindruckendes Debüt vorgelegt. Sie zeigt auf eindrückliche Art und Weise, was Flucht und Gewalt bei Menschen anrichten kann, auch wenn sie sich mittlerweile in einem anderen, einem sicheren Land befinden.
Das Leben zwischen zwei Kulturen bildet Luna Ali auch sprachlich dicht und experimentell ab , jedes Kapitel beginnt zudem an einem weiteren Jahrestag der Revolution und strukturiert so diesen eindringlichen Roman, mit dem die Autorin viel gewagt und viel gewonnen hat !

Da waren Tage

von Luna Ali

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Mr. Loverman
Frank Menden

Frank Menden

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Kann man im Alter sein Leben noch einmal komplett neu ausrichten und gestalten?

Vor dieser Frage steht Barrington Jedidah Walker. Seit fast fünfzig jahren lebt er mit seiner Frau Carmel, wie er aus Antigua stammend, ein beschauliches Leben in Hackney, ein schönes Haus und zwei erwachsene Kinder eingeschlossen.
Aber Barrington lebt ein Doppelleben: seit seiner Jugend liebt er seinen Freund Morris. Und der liebt ihn. jetzt möchte Morris endlich mit barrington zusammenziehen, die Liebe öffentlich machen. Doch Barrington zögert noch vor diesem Schritt.
Carmel wiederum hegt schon seit langem den Verdacht, dass ihr Mann sie betrügt - das wahre Ausmaß dieses betruges ahnt sie jedoch nicht...

Bernardine Evaristo erzählt diese komplexe Geschichte über Lebenslügen und überaltete Konventionen, über Herkunft und Fremdheit, über Geheimnisse, Lügen , Liebe und Leid, mit scharfem Blick und pontiertem Humor. dabei zeichnet sie ein bestechendes Bild des modernen Londons und den Kampf von Weltanschauungen, bei der alle Seiten so gnadenlos wie fair beschrieben werden.

Ein wahrlich anrührender und stilistisch herausragender Roman, der ohne erhobenen Zeigefinger auskommt, der intelligent unterhält und zur Selbstreflexion einlädt!
Große Leseempfehlung!

Mr. Loverman

von Bernardine Evaristo

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Frau Komachi empfiehlt ein Buch
Frank Menden

Frank Menden

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Sayuri Komachi arbeitet in einer kleinen Gemeindebibliothek in Tokio. Für alle Kund*innen hat sie die perfekte Lektüreempfehlung, denn mit ihrer großen Empathie erkennt sie die unterschiedlichen Bedürfnisse genau. Und so ist es kein Wunder, dass ihre Kund*innen nach der Lektüre der empfohlenen Bücher plötzlich kit ganz anderen Augen auf ihr Leben und ihre Umwelt schauen…

Dieses Buch ist ein kleiner Schatz. Eine Ode an die Literatur und ihre Vermittler*innen, an die Kraft der Wörter zwischen zwei Buchdeckeln -und darauf, dass Umwege die Ortskenntnis erhöhen: wirtlich und sinnbildlich.

Ein wunderbares Buch zum verschenken!

Frau Komachi empfiehlt ein Buch

von Michiko Aoyama

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Vom Himmel die Sterne
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Es gibt Bücher, in die will ich nur mal kurz reinlesen, um mir einen Eindruck zu verschaffen.
So auch bei Jeanette Walls neuen Roman „Vom Himmel die Sterne“ . Der Plan ging allerdings nicht auf , denn ich habe den Roman erst nach 443 Seiten zuklappen können - da war er nämlich leider zu Ende .

Jeanette Walls hat mich einfach mitgerissen, und das liegt an ihrer Protagonistin Sallie, die Anfang des 20. Jahrhunderts im ländlichen Virginia als Tochter eines der mächtigsten Männer des Staates, der nur „Duke“ genannt wird, aufwächst.
Durch eine Verkettung von Umständen wird sie in seine Fußstapfen treten, eine Frau in einer Männerwelt, die durch die Prohibition, Schmuggel, Lynchjustiz und Bigotterie geprägt ist .
Dies alles schildert Jeanette Walls in einer sehr bildhaften und wie eingangs erwähnt mitreißenden Prosa, dass man den Roman nicht aus der Hand legen kann und sich wie in einer hervorragend gemachten Miniserie wähnt .
Ulrike Wasel und Klaus Timmermann haben den Roman übersetzt ( Triggerwarnung : das N-Wort kommt an einer Stelle historisch bedingt vor ) und er hat mir wieder einmal gezeigt , dass gut erzählte packende Geschichten die beste Ablenkung in schwierigen Zeiten sind .
Wer mal wieder Lust auf einen Pageturner hat und in die Zeit der Prohibition reisen möchte und dazu eine bemerkenswerte Protagonistin kennenlernen - der greife zu diesem höchst unterhaltsamen und intelligent gebauten Roman.

Vom Himmel die Sterne

von Jeannette Walls

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Das brennende Gewissen
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Ich bin ja ein großer Fan der Hardy Engel Kriminalromane von Christof Weigold.. Zum einen, weil sie hervorragend geschrieben und recherchiert sind, zum anderen, weil sie mein Faible für das alte Hollywood so glänzend bedienen.

Nun betritt mit dem Fallanalytiker Felix Petry eine neue von Christof Weigold erschaffene Ermittlerfigur das Parkett und verkürzt die Wartezeit auf den neuen Hardy Engel Roman.

„Das brennende Gewissen“ beginnt mit dem Mord an der 75jährigen Buchhändlerin Erika Mrosko. In ihrer Schwabinger Wohnung, dem Schauplatz des Verbrechens, findet man einen an Felix Petry adressierten Briefumschlag, vom Inhalt fehlt jedoch jede Spur .
Ein Rätsel für die Mordkommission unter der Leitung von Alina Schmidt und für Felix Petry, der die Getötete nicht kannte.
Was wollte sie ihm mitteilen? Und wer wollte dies unter allen Umständen verhindern?
Die Ermittlungen führen Petry und Schmidt schon bald in eine legendäre Münchner Kommune - und zu einem bis heute ungeklärten Verbrechen: dem Brandanschlag auf ein jüdisches Seniorenheim im Jahr 1970, bei dem sieben Menschen ums Leben kamen…

Christof Weigold kann es einfach! Wie auch in seinen Romanen zuvor stellt er ein bis heute ungeklärtes reales Verbrechen ins Zentrum - in diesem Fall ein auch heute noch politisch brisantes.
Gekonnt verwebt er Fakten und Fiktion, schafft eindrucksvolle Charaktere und hält die Handlung trotz 374 Seiten straff und spannend.
Bleibt zu hoffen , dass Felix Petry nach diesem gelungenen Einstand weiter ermitteln darf!

Das brennende Gewissen

von Christof Weigold

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Der späte Ruhm der Mrs. Quinn
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Nach meiner letzten Lektüre brauchte ich ein starkes Kontrastprogramm: ein Roman, der mich mehr zum mitfühlen als zum nachdenken bringt.
Et voilà, „Der späte Ruhm der Mrs. Quinn“ war da genau richtig .
Die Geschichte der 77jährigen Jennifer „Jenny“ Quinn, seit mehreren Jahrzehnten glücklich mit Bernard verheiratet, beschließt eines Tages , sich bei einer großen Backshow im Fernsehen zu bewerben. Backen war schon immer ihre Leidenschaft und ihr Lebensretter, brachte sie durch die Krisen ihres Lebens und die alten Familienrezepte gaben ihr Halt in unruhigen Zeiten.
Aber jetzt hat Jenny das Gefühl noch einmal etwas Neues machen zu müssen, etwas zu wagen im Leben, sich einen Traum zu erfüllen…

Man muss kein Genie sein um zu ahnen, dass Jenny sich bravourös für die Show qualifizieren wird und dort zum Liebling avisiert. Und auch ihr jahrzehntelang gut gehütetes „dunkles Geheimnis“ ist schnell ausgemacht.
Allerdings hat mich die Vorhersehbarkeit vieler Aspekte dieser Geschichte überhaupt nicht gestört, denn Olivia Ford hat den Bogen raus. Geschult durch ihre langjährige Tätigkeit im Unterhaltungsfernsehen überträgt sie dessen Mittel äußerst wirkungsvoll auf ihren Debütroman, der einen schon bald wohltuend umhüllt wie der Geruch einer Backstube.
Ich habe mich prächtig unterhalten, ein paar Tränchen der Rührung vergossen und mich sehr in Jenny und Bernard verliebt.
Okay, vielleicht sogar noch mehr in Jennys wunderbare Backkreationen, die dafür sorgen, dass man während der Lektüre unweigerlich zunimmt, denn man kann schwerlich von diesen leckeren Dingen lesen ohne etwas halbwegs Adäquates neben sich zu wissen.
Wer also Lust hat auf beste , schamlose Unterhaltung, die die Klaviatur der Klischees perfekt bespielt, dem ist dieser Wohlfühlroman hiermit wärmstens empfohlen.
( übersetzt von Sonja Rebernik-Heidegger)

Der späte Ruhm der Mrs. Quinn

von Olivia Ford

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Die Kunst des Tötens
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

Als der Kunstsammler Sten Hammer auf seinem Landsitz nördlich von Stockholm ermordet wird, ist die Kunstszene Schwedens in Aufruhr. Wer kann dem so berühmten wie berüchtigten Baron nach dem Leben getrachtet haben – und dazu die Chuzpe besessen, ihn mit einem Gewehr aus der eigenen Sammlung zu erschlagen?

Ermittlerin Karin Klinga, gerade erst aus der Hauptstadt in die Provinz versetzt, muss sich erst einmal in die mondänen und auf ihre Geheimnisse bedachten Kunstszene „einarbeiten“. Da trifft es sich gut, dass sie mit Majja Skog eine unvermutete Verbündete findet. Die junge Frau soll nämlich auf dem Herrensitz Hammars eine Schätzung von dessen Sammlung vornehmen.
Was Karin jedoch nicht weiß: Majja hat noch einen ganz anderen Punkt auf ihrer Agenda…

In bester Charlotte Link Manier hat Helene Gullberg einen äusserst unterhaltsamen Spannungsroman geschrieben, der sowohl KennerInnen des Schwedenkrimis, als auch Fans von Romanen über düstere Familiengeheimnisse erfreuen wird. Und natürlich ist dies auch ein wunderbares Lesevergnügen für alle kunstaffinen Menschen.

Ein wunderbarer, spannender Herbstschmöker!

Die Kunst des Tötens

von Hélène Gullberg

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Pineapple Street
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

Ob „Pineapple Street“ von Jenny Jackson wirklich der Roman ist , den Jane Austen geschrieben hätte, wenn sie im 21. Jahrhundert in Brooklyn Heights gelebt hätte wie der Verlag so vollmundig sagt , das sei einmal dahingestellt.

Aber dass mich dieser Roman hervorragend unterhalten hat , das kann ich mit tiefster Überzeugung sagen.

Sasha hat in uralten Geldadel eingeheiratet und darf in deren Stadtvilla wohnen. Ein etwas zweifelhaftes Vergnügen, denn das Haus ist vollgestopft mit Möbeln und Erinnerungsstücken und jeglicher Versuch Sashas etwas zu verändern, wird von ihrer Schwiegermutter charmant aber resolut vereitelt .
Zusätzlich neiden Sashas Schwägerinnen Darley, in deren Mann Malcolm Sasha zumindest einen Leidensgenossen hat, und Georgiana ihr das Haus und nennen sie hinter ihrem Rücken eine Goldgräberin.

Doch als sei dies nicht genug Konfliktmaterial bietet das Leben dieser drei recht unterschiedlichen Frauen noch jede Menge Drama . Sei es Georgians Affäre mit einem verheirateten Kollegen oder Darleys Bemühungen, die plötzliche Entlassung Malcolm’s vor allen geheim zu halten, oder Sashas zunehmendes Gefühl in der Familie Stockton nur geduldet zu sein….

Der von Barbara Schaden übersetzte Roman bietet beste Unterhaltung aus der New Yorker Society und liest sich ausgesprochen flüssig weg.
Mich hat dieser sehr gut beobachtete Roman über die Macht des Geldes , Klassismus und die Irrungen und Wirrungen von Familie und Liebe durch einen Sonntagnachmittag getragen und dabei prächtig und kurzweilig unterhalten.
Was will man mehr ?

Pineapple Street

von Jenny Jackson

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Fremde am Pier
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

„Wir wollen, dass der Fremde einer von uns ist, jemand, den wir verstehen können.“

Als Tash Aw inmitten seiner KommilitonInnen an seiner Universität in England beim Lunch sitzt, wird ihm klar, dass er anders als die meisten von ihnen nicht einfach so seinen Stammbaum aufzeichnen könnte.
Denn seine Familiengeschichte ist eine weitverzweigte Geschichte von Immigration und Kämpfen, über das, was man auf einer weiten Reise im ein anderes Land zu lernen vermag - und was man dabei verlieren kann, evtl. für immer ….

Die ungemein berührende, literarische Spurensuche „Fremde am Pier“ von Tash Aw hat nur knapp 120 großzügig gesetzte Seiten. Und wie Chimamanda Ngozi Adiche hat so recht wenn sie sagt : „So weise. So gut gemacht. Nur leider viel zu kurz.“

Pociao und Roberto de Hollando haben diesen Text übersetzt.
Ich kann dieses Porträt einer Familie , welches auch zugleich ein ungemein schärfender Blick auf Asien ist, nur wärmstens empfehlen.
Oder Deborah Levy sprechen lassen, die auf dem Umschlag folgendermaßen zitiert wird: „Wenn wir Glück haben, finden wir Texte, die uns mit ihrer Lebendigkeit, ihrer Schönheit und ihrer Bedeutung in den Bann ziehen. Fremde am Pier ist so ein Text.“

Leseempfehlung!

Fremde am Pier

von Tash Aw

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First Class
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Stellen Sie sich vor, Sie treffen am Flughafen unversehens auf einen alten Bekannten aus Studientagen. Sie sind beide für den gleichen Flug gebucht, dessen Abflug sich aber leider auf unbestimmte Zeit verspätet. Sie werden von ihrem alten Kommilitonen in die First Class Lounge eingeladen und beginnen zu plaudern…
Genau dies passiert dem namenlosen Erzähler, als er unvermittelt vor einem Transatlantikflug Jeff wiedertrifft, mit dem er an der Uni im gleichen Filmkurs war. Nach kurzem Smalltalk beginnt Jeff eine Geschichte zu erzählen, die ihm offenkundig unter den Nägeln brennt. Und die sich mit zunehmender Verweildauer in der Lounge mehr und mehr zu einer atemlosen Geschichte entwickelt, an deren Ende….

Aber lesen Sie selbst wie gekonnt Antoine Wilson in seinem neuen Roman uns Leser:innen in den Sog seiner Geschichte reißt. Manche Wendung mag zwar vorhersehbar sein, man kann sich aber dieser mitreißenden Geschichte nicht entziehen – und wird am Ende mit einer sehr gelungenen Pointe noch zusätzlich belohnt.

Ein wunderbarer Pageturner, der an manchen Stellen an Patricia Highsmith erinnert.

First Class

von Antoine Wilson

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The Latecomer
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

The Oppenheimers are a Jewish-American success story. You live in a big house in Brooklyn, and of course you spend the summer on Martha's Vineyard.
Salo runs the long-established and enormously successful family business, the investment company Württemberg Holding, while his wife Johanna takes care of all the family's concerns.
Both leave his sphere of life to the other, a fact that seems right to Salo, who is marked early by tragedy, especially because his wife lets him live out his passion for art and collecting, including specially rented storage rooms for the accumulated pictures and objects.

However, the offspring made possible by a lengthy fertility treatment and longed for by Johanna turns out to be a special challenge: the triplets Harrison, Sally and Lewyn go their own ways from childhood - and avoid each other as much as possible.
For Johanna, who is concerned about family cohesion, this is a catastrophe - but the true catastrophic events will present the family with completely different challenges....

The Latecomer" by Jean Hanff Korelitz, translated by Sabine Lehmann, is an immensely refreshing and rousing novel, which is not by chance reminiscent of the great Edith Wharton. In equal parts "old-fashioned and modern, satirical and wise" ( according to the New York Times ), the author tells in her bulging family and social history of social and political upheavals, of the appropriation of art and literature, rivalries and conflicts and so on...
This novel has 492 pages, which completely captivated me and made me forget everything around me.
The Oppenheimers are not easy protagonists, not always likeable - but also immensely fascinating.

If you like literary novels spanning great American generations and fates, this book is the right choice!

The Latecomer

von Jean Hanff Korelitz

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Die Nachzüglerin
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Die Oppenheimers, das ist eine jüdische amerikanische Erfolgsgeschichte. Man lebt in einem großen Haus in Brooklyn, den Sommer verbringt man selbstverständlich auf Martha‘s Vineyard.
Salo führt das alteingesessene und enorm erfolgreiche Familiengeschäft, die Investment Firma Wurttemberg Holding, während seine Frau Johanna sich um alle Belange der Familie kümmert.
Beide überlassen dem anderen seinen Lebensbereich, eine Tatsache, die gerade dem durch eine Tragödie früh gezeichneten Salo richtig erscheint , vor allem auch , weil seine Frau ihn seine Kunst- und Sammlerleidenschaft ausleben lässt, inklusive extra angemieteten Lagerräumen für die angehäuften Bilder und Objekte.

Der durch eine langwierige Fruchtbarkeitsbehandlung ermöglichte und von Johanna ersehnte Nachwuchs entpuppt sich jedoch als besondere Herausforderung: die Drillinge Harrison, Sally und Lewyn gehen von Kindheit an ihre eigenen Wege - und sich möglichst aus dem Weg.
Für die auf familiären Zusammenhalt bedachte Johanna eine Katastrophe - doch die wahren katastrophalen Ereignisse werden die Familie vor ganz andere Herausforderungen stellen….

„Die Nachzüglerin“ von Jean Hanff Korelitz , übersetzt von Sabine Lehmann, ist ein ungemein erfrischender und mitreißender Roman, der nicht von ungefähr an die große Edith Wharton erinnert. Zu gleichen Teilen „altmodisch und modern, satirisch und weise“ ( so die New York Times ) erzählt die Autorin in ihrer prallen Familien - und Gesellschaftsgeschichte von sozialen und politischen Umbrüchen, von der Aneignung von Kunst und Literatur, Rivalitäten und Konflikten und und und…
492 Seiten hat dieser Roman, der mich völlig in den Bann gezogen hat und mich alles um mich herum hat vergessen lassen.
Die Oppenheimers sind keine einfachen ProtagonistInnen, nicht immer sympathisch - aber eben auch ungemein faszinierend.

Wer große amerikanische Generationen und Schicksale umspannende literarische Romane mag, liegt mit diesem Buch goldrichtig!

Die Nachzüglerin

von Jean Hanff Korelitz

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Yoko
Frank Menden

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Achtung : harter Stoff - aber sehr gut!

Yoko ist eine ehemalige Metzgerin, die mittlerweile in einer eigenen Manufaktur Glückskekse herstellt und vertreibt .
Als sie bei einer Lieferung einem von zwei Männern gequälten Hund beistehen will, beginnt für Yoko ein Alptraum, denn die Männer gehören zu einer mächtigen Organisation.
Doch Yoko weiß sich zu wehren - und wie!

Nach der „Totenfrau“ Blum und Rita aus „Der Fund“ beschert uns Bernhard Aichner mit der Titelheldin seines neuen Thrillers „Yoko“ eine neue unvergessliche Heldin .
Meisterhaft arrangiert, ungemein spannend und voller überraschender Wendungen läuft diese Rachegeschichte präzise wie ein Uhrwerk ab. Das ist wie anfangs erwähnt nichts für Zartbesaitete, aber wer sich auf diesen Thriller einlässt wird mit einer so ungewöhnlichen wie perfekt erzählten Geschichte belohnt, die man kaum wird vergessen können.
Richtig klasse !

Yoko

von Bernhard Aichner

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Solito
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

El Salvador. This is where Javier Zamora grows up with his grandparents. He has hardly any memories of his parents, who fled the civil war: his father left when he was barely one year old, his mother fled, when he had just turned five.
Javier is nine years old when his parents, who are still making an illegal living, want to bring him to the USA with the help of smugglers - an adventure for the boy, who is looking forward to two exciting weeks ( that's how long the journey is supposed to last ), to reunite with his parents in the land of big dreams and Big Macs.

What Javier experiences on this ultimately seven-week odyssey he tells in his recently published memoirs "Solito", translated by Ulrike Wasel and Klaus Timmermann.
It is a very truthful and touching book that Zamora wrote with therapeutic support, so painful and formative was his escape in 1999.

An escape in trucks and boats, on foot through a desert, as the only child among strange adults, always living in fear of discovery, in a world of its own laws, of manifold dangers, but also of surprising help and friendliness in the midst of loneliness.

This book is an important book, at any time, but especially now, because it lets you look at the fates of migration in a different and new way.
It is precisely the distinctly literary language of the poet Javier Zamora that allows you to experience the boy's escape with all your senses, in a clever mixture of adult insight and childlike naivety.

A book that should be compulsory reading in these increasingly lacking empathy times.

Solito

von Javier Zamora

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Der Tote aus Zimmer 12
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Die ehemalige Lektorin Susan Ryeland führ mit ihrem Lebensgefährten Mehl schlecht als recht ein Hotel auf Kreta, als sie das wohlhabende britische Ehepaar Treherne , selbst Hotelbesitzer in England,mit einer lukrativen Aufgabe betreut. Für 10.000 Pfund soll sie das Verschwinden ihrer Tochter Cecily aufklären. Die sei nach der Lektüre eines von Susans ehemaligen Starautoren Atticus Pünds Krimis plötzlich überzeugt gewesen zu wissen, wer vor ein paar Jahren auf ihrer Hochzeit einen Gast des hauseigenen Hotels getötet hat. Und kurz darauf sei sie spurlos verschwunden.
Mit dem betreffenden Roman im Gepäck reist Susan zurück nach England und beginnt im Hotel der Trehernes zu recherchieren - und sticht dabei in ein Wespennest. Bald muss auch Susan um ihre Leben bangen, denn sie erkennt vermehrt die Zusammenhänge zwischen dem Roman und der begangenen Tat….
Anthony Horowitz Kriminalromane sind immer ein großes Vergnügen. „Der Tote aus Zimmer 12" bietet wie auch schon der unabhängig zu lesende Vorgänger „Die Morde von Pye Hall“ zwei Bücher in einem: den vertrackten und intelligenten Fall UND den Roman, in dem die Lösung versteckt ist.
Ein großes unblutiges Vergnügen, wie gemacht für alle Freunde des britischen mit zahlreichen falschen Fährten versehenden Whodunits.
Ein geradezu famoser Spaß !

Der Tote aus Zimmer 12

von Anthony Horowitz

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Solito
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

El Salvador. Hier wächst Javier Zamora bei seinen Großeltern auf. An seine vor dem Bürgerkrieg geflohenen Eltern hat er kaum Erinnerungen: der Vater ging, als er knapp ein Jahr alt war, die Mutter floh, da war er gerade fünf geworden.
Javier ist neun Jahre alt, als seine sich immer noch illegal durchschlagenden Eltern ihn mit Hilfe von Schleusern zu sich in die USA holen wollen - ein Abenteuer für den Jungen, der sich auf zwei spannende Wochen freut ( so lange soll die Reise dauern ), auf das Wiedersehen mit seinen Eltern in dem Land der großen Träume und der Big Macs.

Was Javier auf dieser letztendlich siebenwöchigen Odyssee erlebt erzählt er in seinen gerade erschienen Erinnerungen „Solito“ , übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann.
Es ist ein sehr wahrhaftiges und berührendes Buch, das Zamora mit therapeutischer Unterstützung geschrieben hat, so schmerzvoll und prägend war seine Flucht 1999.
Eine Flucht in Lastwagen und Booten, zu Fuß durch eine Wüste, als einziges Kind unter fremden Erwachsenen, immer in der Angst vor Entdeckung lebend, in einer Welt der eigenen Gesetze , der mannigfaltigen Gefahren, aber auch der überraschenden Hilfe und Freundlichkeit inmitten der Einsamkeit.

Dieses Buch ist ein wichtiges Buch , zu jeder Zeit , aber gerade jetzt , denn es lässt einen noch einmal anders und neu auf Migrationsschicksale blicken.
Gerade die ausgesprochen literarische Sprache des Lyrikers Javier Zamora lässt einen die Flucht des Jungen geradezu mit allen Sinnen erleben, in einer klugen Mischung aus erwachsener Erkenntniss und kindlicher Naivität.

Ein Buch , dass Pflichtlektüre in diesen zunehmend Empathie vermissenden Zeiten sein sollte.

Solito

von Javier Zamora

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Hello Beautiful
Frank Menden

Frank Menden

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William Waters' start in life is not easy: shortly after his birth, his older sister dies unexpectedly of pneumonia, which he thought he had survived. The parents fall into a kind of shock, continue to live their lives, but can give William neither affection nor affection. Only the love of basketball keeps him going in the truest sense of the word.
When he meets Julia Padavano at college, everything seems to be taking a turn for the better. The attractive woman falls in love with him, the marriage is a done deal, as Julia plans everything else in detail. The most important thing for William, however, is the security he experiences from Julia, her three sisters and his future in-laws.
And then, one day, everything turns out very differently and will change the lives of everyone involved forever...

Barack Obama counts this novel among his favorite books, the "New York Times Book Review" was also full of praise. I understand this very much, as this is a novel that captivates you from the very first lines, that has protagonists that you want as friends and acquaintances and whose lives make you happy despite all the tragedy. But the biggest compliment is probably that you don't want to finish this novel even after 520 pages.
And when the title is pronounced by a character towards the end, not a dry eye remains.

Hello Beautiful

von Ann Napolitano

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Bad Summer People
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Perfect summer read!

I'll say it straight away: if you liked the series "Big Little Lies" and are a fan of Taylor Jenkins Reid, you won't be able to avoid this novel.

The setting of the story: Fire Iceland.
The protagonists: rich New Yorkers - "old money" of course - who spend their summer here.
The plot: intrigues, jealousies, affairs - and there is also a corpse ...

I picked up "Bad Summer People" on a whim. I wanted to read in, see if that might be something for the store.
A few hours later I had searched through the book - and had a lot of fun doing it.
Emma Rosenblum has worked at "New York Magazine", at "Glamour" and was editor-in-chief of "Elle". Her novel, translated by Carolin Müller, is a perfect blend of these three publications.
Could books be cocktails, this would be a particularly seductive one: sweet, light, with a little bitterness and depth in the finish - and of which one urgently needs to more than just a glass.
If you are planning a (beach) holiday, you should definitely leave room for this book in your suitcase.

Bad Summer People

von Emma Rosenblum

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Lost Places
Frank Menden

Frank Menden

Mitarbeiter bei stories!

Sie kennen sich noch aus der Schule: Staatsanwältin Camilla Lopez, KriminalhauptkommissarDeniz Müller und der Journalist Alexander Rahn. Durch einen Tipp von Alex kommen sie einer perfiden Mordserie auf die Spur, die auch im Zusammenhang mit einem toten Obdachlosen im Wald und der im Internet stetig wachsenden Faszination für „Lost Places“ stehen.
Doch nicht nur vergessene Orte scheinen den Mörder zu interessieren…

Der vielfach preisgekrönte Krimiautor Norbert Horst ( Deutscher Krimipreis, Friedrich-Glauser-Preis ) legt mit „Lost Places“ den Auftakt zu einer neuen Reihe vor – und der hat es in sich. Ruhig aber stringent entfaltet Horst seine Geschichte, die ein äußerst sympathisches Ermittlerteam einführt, von denen man noch viel lesen möchte. Der intelligente Fall ist nah am Puls der Zeit und stellt ein enorm wichtiges Thema ins Zentrum der Handlung: die zunehmende Vereinsamung der Gesellschaft.
Ein Buch, das unter die Haut geht.

Lost Places

von Norbert Horst

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