Auf den ersten Blick ist Andrea, Ende Dreißig, abgebrochenes Kunststudium, guter Job in der Werbebranche, kleine Wohnung in Brooklyn mit Blick aufs Empire State Building, diverse Freunde, diverse Liebschaften, kompliziertes Verhältnis zur Mutter, eine Protagonistin, wie man sie in New York Romanen zuhauf antrifft. Doch Jami Attenbergs „Nicht mein Ding“ , übersetzt von Barbara Christ, ist eben nicht der xte Roman mit dieser fast schon archetypischen Protagonistin. Andrea erkennt das Defizitäre in ihrem Leben nicht, weil sie von außen darauf aufmerksam gemacht wird, sondern weil sie es tatsächlich selbst so empfindet. Die Affären sieht sie selbst als Bruchstücke, einer Beförderung versucht sie aus dem Weg zu gehen, weil sie sich zwar irgendwie weiterentwickeln will, aber eben nicht so. Als ihr Bruder, ein leidlich erfolgreicher Musiker, aufs Land zieht , um sich dort mit seiner Frau der schwer behinderten Tochter zu widmen, bringt Andrea es bei einem Besuch kaum über sich das kleine Mädchen auf den Arm zu nehmen, geschweige denn ihren Namen zu nennen. Andrea hält manche Situationen nicht aus, andere meistert sie bravourös, sie ist scharfsinnig und dann wieder fehlt ihr die Weitsicht, sie verweigert sich den Dingen nicht aus Trotz : es ist einfach nicht ihrs. Man begleitet Andrea durch ihr Leben , welches Jami Attenberg nicht chronologisch erzählt, taucht damit immer tiefer in ihr Seelenleben ein, wird zu ihrer Verbündeten / ihrem Verbündeten. Es ist Jami Attenberg hoch anzurechnen, dass sie ein Ende wählt, welches tröstend und konsequent ist, gegen den Strich und ganz Andrea entspricht. Ich habe sie sehr ins Herz geschlossen, sie hat mich berührt, beeindruckt, beschwingt, bereichert, mich ein bisschen traurig und ebenso fröhlich gemacht. Ach Andrea, wie schön, Dich kennengelernt zu haben, vergessen werde ich Dich nie!
Nicht mein Ding
von Jami Attenberg
Zum Buch im Shop