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Empfehlungen aus Taschenbuch

Hammerfrau
Frank Menden

Frank Menden

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„Nein, ich war nicht leichtsinnig, sicher nicht. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich bin es leid, mir diese Frage zu stellen. Oder sie gestellt zu bekommen. Aber es war genau diese Frage, die mir viele gestellt haben, ohne sie auszusprechen. Ich habe sie in ihren Blicken gesehen.“

Julia steht kurz vor ihrem Durchbruch als Sopranistin als ein kleiner Gang durch den Park alles verändert. Hier wird sie von einem ihr unbekannten Mann, dem Plattenverkäufer Thomas, mit einem Hammer attackiert, die Folgen werden sie den Rest ihres Lebens begleiten.

Opfer wie Täter berichten abwechselnd wie es zu dieser Tat kam, wie ihr Leben davor verlief, wie danach.

„Hammerfrau“ von Mario Kreszner ist ein aufrüttelnder Roman. Ein Roman, der genau hinsieht, der beide Perspektiven nicht kommentiert und dessen Sympathien doch klar verteilt sind.
Es ist eine Geschichte, wie sie beinah täglich passiert und die uns alle zwingt genauer hinzusehen.
Und uns vor Augen führt, mit welchem Blick Männer Frauen betrachten.
Absolute Leseempfehlung!

Hammerfrau

von Mario Keszner

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Das Haus der Türen
Frank Menden

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1921 besucht der berühmte Schriftsteller William Somerset Maugham einen alten Freund aus London in Penang. Hier in Malaysia lebt der Anwalt Robert Hamlyn zusammen mit seiner Frau Lesley und freut sich, seinen einstigen Mitbewohner, der von seinem Sekretär - und dies ist schnell klar - und Liebhaber begleitet wird, wiederzusehen.
Der Besuch wird für den von seiner Asienreise erschöpften Schriftsteller allerdings weniger erholsam als gedacht.
Schnell erkennt er, dass es mit der Ehe seiner Gastgeber nicht zum besten steht und je mehr er und Lesley sich annähern, umso mehr erfährt er die Hintergründe dieser langsamen Entfremdung.
Da ist neben Roberts Krankheit, ein durch einen Giftgasangriff im Ersten Weltkrieg verursachtes Lungenleiden, auch Lesleys Zusammenarbeit mit einem bekannten chinesischen Revolutionär.
Und da ist ja auch noch der zehn Jahre zurückliegende Skandal um Lesleys Freundin Ethel, die in einem spektakulären Prozess des Mordes beschuldigt wurde….

Als großer Fan der Werke W. Somerset Maughams ( man sollte unbedingt „Der Menschen Hörigkeit lesen ) war der für den Booker Prize nominierte Roman „Das Haus der Türen“ natürlich ein Muss.
Tan Twan Eng hat einen atmosphärischen Roman über Menschen geschrieben, die Gefangene der Konventionen ihrer Zeit sind. Gleichberechtigung der Frau, Homosexualität und politischer Freiheitskampf sind ebenso seine Themen wie die Manipulation von Menschen durch einen Autoren, der alles ihm anvertraute für sein Werk nutzt.
Somerset Maughams vorherrschendes Thema seiner Romane waren die menschlichen Schwächen, die zum scheitern von Beziehungen führen: Selbstsucht, Stolz, Heuchelei, Feigheit und Angst.
Tan Twang Eng greift dies in seinem hervorragend von Michaela Grabinger übersetzten Roman auf und zeigt uns zudem in einem genialen Twist, wie Literatur ihre Magie entfaltet.
Ein sehr zu empfehlender Roman, nach dessen Lektüre man unbedingt Maughams „The Letter“ lesen sollte.

Das Haus der Türen

von Tan Twan Eng

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Hier draußen
Frank Menden

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„Was hier üblich war und schon immer so, das hatte so zu passieren, und wer das nicht abkonnte, gehörte eben nicht dazu.“

Fehrdorf in Schleswig-Holstein. Hier hat alles und jede(r) seinen angestammten Platz. Nur Ingo und Lara fremdeln noch ein wenig mit dem kleinen Dorf. Der Umzug von Hamburg hierher auf den schönen großen Resthof sollte ihnen und ihren Kindern die Möglichkeit für einen Neuanfang geben. Doch zwischen den Vorzeigelandfrauen, den wortkargen Bauern und den beiden letzten Bewohnern einer einstigen Öko-WG ist es schwer einen Platz zu finden, sich einzuordnen in die tradierte Choreografie des Ortes.
Als Ingo eines Abends einen Wildunfall mit einer weißen Hirschkuh hat und sich Dorfjäger Uwe weigert, dem schwer verwundeten Tier alleine den Gnadenschuss zu geben, da denjenigen, der eine weiße Hirschkuh tötet, innerhalb eines Jahres der Tod ereilt, setzt dies eine Kette von Ereignissen in Gang , die unweigerlich zu Veränderungen führt. Und da ist ja auch noch die Prophezeiung….

Es gibt nur eines, was ich nach der Lektüre von „Hier draussen“ bedaure: dass ich diesen wunderbaren Roman nicht früher gelesen habe.

Martina Behm hat einen Dorfroman geschrieben, der nichts beschönigt, der mit Klischees gleichzeitig aufräumt und sie bestätigt, mit viel Empathie und leisem Humor ihr Sujet betrachtet und das fiktive Fehrdorf mit seinen Bewohnern so lebendig werden lässt, dass man es mit allen Sinnen erfasst.
Der vielschichtige Roman bietet eine multiperspektivische Sicht auf vermeintliche und reale Dorfromantik, auf Beziehungen und Traditionen. Nie gerät der Roman in den Ruch eine thesenhafte Versuchsanordnung zu sein, dafür kennt die Autorin ihr Setting und Personal zu gut.
„Hier draussen“ ist ein Roman über das Land, das Leben - und das Landleben. Mit allen Höhen und Tiefen, allen Facetten und Schattierungen, ohne Kitsch, völlig unsentimental, lebensklug und unbedingt lesenswert!
Wie Max Moor korrekt auf dem Umschlag zitiert wird : „Ein richtig gutes Buch“

Hier draußen

von Martina Behm

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Unter Grund
Frank Menden

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Eine junge Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf und stellt sich dort ihrer Vergangenheit - ihrer rechten Vergangenheit.
Die junge Frau ist Franziska, eine Referendarin, das Dorf liegt in der fränkischen Provinz .
Hier ist sie aufgewachsen, der Vater früh verstorben, die Mutter nach dessen Tod überfordert und sich der Esoterik zuwendend, die Großmutter barsch und verschlossen.
Aus einer zufälligen Begegnung erwächst eine Freundschaft, die Franziska mehr und mehr in rechtsradikale Kreise führt…

„Unter Grund“ erzählt authentisch vom allmählichen abdriften in die Rechte Szene, von rechtem Gedankengut, das unterschwellig im Dorf schwelt und dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt, die alle am liebsten vergessen wollen.
Verdrängen und Schweigen, Wegschauen und -hören wenn es unangenehm wird, das scheint die Devise zu sein. Bis Franziska, die sich mittlerweile von ihrer Vergangenheit distanziert hat (sich aber trotzdem nicht traut mit ihrem neuen Umfeld darüber zu reden) wieder auftaucht und alte Wunden aufbrechen.

Für mich ist dieses Debüt ein überzeugender Blick auf ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit, genau beobachtet, in einem eigenen unverwechselbaren Ton geschrieben und ohne erhobenen Zeigefinger.
Ein Roman, der gelesen werden sollte !

Unter Grund

von Annegret Liepold

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Am Himmel die Flüsse
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Dieses Buch stellt mich vor eine große Herausforderung: In wenigen Zeilen den Inhalt wiederzugeben. Denn Elif Shafaks Roman ist derart weitreichend und voll an Geschichten.

Zunächst trifft mich das Wasser:

"Am Rand der Gewitterwolke hängt ein einzelner Regentropfen - kaum so groß wie eine Bohne und leichter als eine Kichererbse. Eine Weile zittert es bedenklich, das kleine, runde verschreckte Ding, denn es macht Angst, die Erde zu betrachten, die sich dort unten wie eine Lotusblüte öffnet. Dabei ist es wahrlich nicht das erste Mal. Der Tropfen hat die Reise schon oft gemacht - hinauf zum Himmel, hinunter zu festen Boden und wieder hinauf. Doch er fürchtet den Fall immer wieder."

Und dann fällt die erste starke Figur ins Augenlicht: Arthur, König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere, kommt 1840 in ärmlichen Bedingungen in London zur Welt. Er ist arm, dafür reich gesegnet mit Talenten. Genau das wird ihm in der Schule zum Verhängnis. Doch später rettet Arthur genau dies, als er zunächst als Hilfsjunge beim Verlag Bradbury & Evans beginnt. Dort sogar auf Charles Dickens trifft. Seine Neugier führt ihn ins British Museum. Hier verliebt er sich in die Lamassus (assyrische Schutzdämone) und entwickelt für die Tafeln von Ninive geradezu eine Passion.

Dem gegenüber steht Narin im Jahr 2014. Ein neunjähriges Mädchen, das an einer seltenen Krankheit leidet. Narins Familie gehört zu den Eziden. Ihre Großmutter kann Wasserquellen aufspüren, und Menschen heilen. Als sie zu Narins Taufe in den Irak reisen, wird dies ein schrecklicher Wendepunkt im Leben der Familie.

2018 stehe ich an der Seite von Zaleekhah, eine Wasser-Expertin und Wissenschaftlerin, die sich kürzlich von ihrem Mann getrennt hat. Die junge Frau hat seit dem Tod ihrer Eltern eine stete Traurigkeit in sich. Als sie in ein Hausboot zieht und deren Vermieterin kennenlernt, wird das Zaleekhahs Leben verändern.

Wie nun alle Figuren miteinander verbunden sind, das überlasse ich der herausragenden Autorin selbst.

Elif Shafak hat ein unglaubliches Buch geschrieben! Sorgfältig recherchiert, flechtet sie gekonnt menschliche Linien mit ihren Schicksalen ein. Zudem erzählt sie die hochspannende Kulturgeschichte Mesopotamiens und erschüttert uns mit den barbarischen Kriegshandlungen des IS. Schreckliche Szenen, die mich lange beschäftigt haben.

Eine große Fabulierlust durchströmt das Werk. Ich denke an beeindruckende lebenskluge Sätze genauso wie an ihre eleganten Verbindungen vom Punkt zum nächsten Satz. Für mich ist dies eins der großen Werke der Autorin - wenn überhaupt das beste - das es übrigens auch kongenial von Pegah Ferydoni eingesprochen als Hörbuchfassung bei Argon gibt.

Am Himmel die Flüsse

von Elif Shafak

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Drei Tage im Juni
Frank Menden

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Anne Tyler ist immer eine sichere Bank .
Ihr neuer Roman „Drei Tage im Juni“ , übersetzt von Michaela Grabinger, zeigt erneut ihre Meisterschaft.

Die titelgebenden drei Tage im Juni sind die Tage vor und nach der Hochzeit der gemeinsamen Tochter von Gail und Max, sowie der feierliche Tag selbst .
Gail und Max sind schon lange geschieden, haben einen guten Umgang miteinander gefunden.
So ist es für Gail auch völlig okay, Max bei sich über die Hochzeit unterzubringen.
Nicht ganz so okay ist die Ansage ihrer Chefin ihr den Job als stellvertretende Schuldirektorin wegen mangelnder Sozialkompetenz zu kündigen .
Und erst recht nicht okay ist die Tatsache, dass ihre Tochter Debbie am Tag vor der Hochzeit völlig fertig ist, da sie gerade erfahren hat , dass ihr zukünftiger Mann sie wohl vor gar nicht langer Zeit betrogen hat .
Nicht die besten Voraussetzungen für eine strahlende Hochzeit, zu der auch ein recht missglückter Friseurbesuch nicht gerade optimistisch einstimmt …

208 Seiten hat dieser Roman, und jede Seite ist ein Genuss . Anne Tyler hat mit der 61jährigen Gail eine Protagonistin geschaffen, die einem gerade wegen ihrer oftmals etwas brüsken Art sehr schnell ans Herz wächst und die uns mit all ihren Fehlern und Vorzügen wünschen lässt, dass sich alles in ihrem Leben zurechtrücken wird.
Mich hat dieser mit genauem Blick und voller Empathie erzählte Roman für ein paar Stunden völlig in den Bann gezogen und mich wieder darin bestärkt, dass Anne Tyler eine der großen amerikanischen AutorInnen ist.

Drei Tage im Juni

von Anne Tyler

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Bevor wir uns vergessen
Frank Menden

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„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“
Sören Kierkegaard

Alice und Jules, beide 85 Jahre alt, treffen sich auf einer Bank im Jardin du Luxembourg in Paris .
Hier begann vor sechzig Jahren ihre gemeinsame Geschichte, ihre Liebe, die so groß war und ist, dass sie alle Stürme des Lebens überdauert hat. Doch wie ist ihnen dieses Kunststück gelungen? Und wie schauen sie auf die gemeinsame Zeit zurück, jetzt, da die Erinnerungen schwinden….

„Bevor wir uns vergessen“ ist der neue Roman von Eliette Abecassis, übersetzt von Kirsten Gleinig .
Und wie auch schon „Mit uns wäre es anders gewesen“ ( jetzt übrigens zeitgleich als Taschenbuch erschienen) hat mich auch dieser Roman fasziniert und überzeugt.
Die Autorin erzählt die Geschichte von Alice und Jules rückwärts, kommt dem Ursprung ihrer Geschichte in Schlaglichtern näher und enthüllt uns so das Leben zweier Menschen, die manchmal nur schwer miteinander leben können. Und bei denen doch klar ist, dass sie ohne einander nicht sein können - so wie es die beiden nach ihrer ersten Begegnung wissen.

Man kann diese Erzählweise für einen „Gimmick“ halten, mich hat der Roman gerade deswegen so beeindruckt. Zu erfahren, wo Verhaltensweisen ihren Ursprung haben, wann die gemeinsamen Rituale begannen ( und warum ) und was es mit den wiederkehrenden Redewendungen auf sich hat … Für mich war dieses langsame entblättern ein Genuss.
Und der Brief, der am Anfang der Geschichte von Alice und Jules stand und den wir am Ende der 176 Seiten lesen - so einen Brief würden wir alle wohl gern einmal erhalten….

Bevor wir uns vergessen

von Éliette Abécassis

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Scheidung
Frank Menden

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30 Jahre verheiratet, zwei Töchter , eine schöne Wohnung mit brandneuer schicker Küche - und plötzlich ist alles aus.
Nach einem Streit kehrt Niklas nicht in die Wohnung zurück . Auch am nächsten Tag: keine Nachricht.
Bea weiß sich nicht zu helfen. Ist Niklas vielleicht etwas zugestoßen, warum meldet er sich nicht?
Als er es dann doch macht, stellt er seine Frau vor vollendete Tatsachen: er will dieses Leben nicht mehr, er will die Scheidung.
Für Bea bricht eine Welt zusammen. Was ist in ihren Mann gefahren? Ist all Ihre Vergangenheit, ihre Töchter, das gemeinsame Zuhause, ist das alles nichts mehr wert?

„Scheidung“ von Moa Herngren , übersetzt von Katharina Martl, erzählt realistisch und psychologisch genau die Geschichte einer Trennung - und zwar aus beider Perspektiven.
Das ist spannend und ernüchternd, erhellend und auch ein wenig beängstigend, denn hier erfährt man , wie unterschiedlich zwei Menschen ihr gemeinsames Leben erlebt haben. Und wie sich Kleinigkeiten zu unüberwindlichen Hindernissen entwickeln.

399 Seiten, keine ist zu viel. Man versteht sowohl Bea als auch Niklas, versteht beider Verhalten, ihre Gründe und Sorgen, Wünsche und Träume.
Man ist ganz nah dran, erkennt einiges aus vergangenen Trennungen wieder, ist mit dem Umfeld der beiden hin und hergerissen - und ist am Ende beeindruckt , wie nuanciert die Autorin die vielen Seiten einer Beziehung ans Licht bringt.
Ein hervorragender Roman, nah an den Figuren, nah am Leben. Und trotz aller Bitternis auch ein Mut machendes Buch!

Scheidung

von Moa Herngren

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Sommer ohne Plan
Frank Menden

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Zugegeben: ich hatte meine Vorbehalte gegenüber „Sommer ohne Plan“ von Johanna Swanberg , übersetzt von Nina Hoyer.
Die Geschichte von Cassi, die nach einem Burnout ihr schickes Stockholmer Leben aufgibt, sich völlig gehen lässt, spontan ein Haus im Wald kauft und durch eine Verkettung von Umständen von den Dorfbewohnern für einen Selbsthilfe Guru gehalten wird und diese mit höchst obskuren Methoden zu behandeln begibt, klingt doch etwas zu skurril und vermeintlich leichtfüßig.
Aber der Roman ist zwar durchaus komisch , die Protagonistin auch leicht nervend, allerdings erfährt die Geschichte auch viel Tiefe.

Johanna Swanberg bietet Einblicke in das komplizierte Geflecht der Dorfhierarchie, karikiert die einzelnen Bewohner nicht und blättert Cassis Geschichte nach und nach auf.
Das ist sehr unterhaltsam erzählt, einmal musste ich laut lachen und auch an einer Stelle eine Träne fließen lassen ( es gibt eine wirklich schöne und berührende Liebesgeschichte, die glaube ich niemand kalt lässt , aber die ich keinesfalls spoilern will. Nur soviel: sie passt hervorragend zum Pride Month ????).

Für mich war „Sommer ohne Plan“ eine wunderbar kurzweilige intelligente Strandkorblektüre, die zwar einige Klischees bedient, sie aber auch hervorragend gegen den Strich bürstet.
Ein Buch, das man glücklich und mit einem kleinen Lächeln wieder aus der Hand legt.

Sommer ohne Plan

von Johanna Swanberg

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Mit den Jahren
Frank Menden

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Leipzig.
Drei Menschen in ihren 40ern treffen hier aufeinander.
Jette, Single, in der wohl letzten Videothek der Stadt arbeitend, würde gern einen Roman schreiben, kommt nur irgendwie nicht dazu.
Lukas, freischaffender Künstler, wie Jette aus Hamburg kommend, beginnt eines Abends eine Affäre mit Jette - aus Überdruss, als Ventil für ein nicht gelebtes Leben?
Eva ist Lehrerin, Mutter zweier Kinder , und Lukas Ehefrau. Sie fragt sich immer mehr, ob sie eigentlich das Leben führt, das sie leben möchte .

Eine normale Dreiecksgeschichte möchte man meinen - und ja, auf den ersten Blick scheint es so.
Doch im Laufe des Romans „Mit den Jahren“ entwickelt die Geschichte nicht nur einen klugen Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten in Liebe und Beziehungen ( muss allein sein wirklich ein Problem sein? ) , sondern auch auf die Unterschiede zwischen Ost und West, Körperlichkeit und Selbstakzeptanz.

Mich hat die Autorin mit diesem Buch durch ihren klugen und mit leisem Humor durchsetzten Ton von den ersten Zeilen an überzeugt. Sie schreibt mit leichter Hand über die Anforderungen des Familienlebens, über alternative Lebensentwürfe und die Fragen, die diese Konstellationen aufwerfen - und bringt dadurch viele Aspekte auf den Punkt.
Gutes Buch !

Mit den Jahren

von Janna Steenfatt

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Rückkehr nach Budapest
Frank Menden

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Auf den ersten Blick ist es eine klassische Dreiecksgeschichte: zwei Frauen lieben den gleichen Mann.
Marta, bodenständig, eine gute Zuhörerin, bei der alle ihre Sorgen abladen und darüber zu vergessen scheinen, dass sie auch ein Leben hat .
Teresa, ihre Cousine, ist anders, schillernd und flirrend, das Schicksal scheint immer auf ihrer Seite zu sein.
Konstantin ist der Mann, um den sich beide drehen, ein Künstler, Schriftsteller, der in Opposition steht zur Politik des Landes, in dem er lebt: der DDR.

Nikoletta Kiss erzählt in ihrem Roman „Rückkehr nach Budapest“ jedoch mehr als nur die Geschichte dieser drei Menschen, dieser drei Leben in Ost-Berlin und Ungarn, in der Zeit vor der Wende.
Sie arbeitet mit verschiedenen Zeitebenen, die mit Reflexionen über Sprache und Literatur durchsetzt sind - und sich auch so mit dem unterschiedlich gelebten Sozialismus auseinandersetzt.
Vor allem aber schildert sie anschaulich und genau die Suche einer Frau nach sich selbst. Einer Frau, die sich oft am Rande des Geschehens fühlt und erst spät bemerkt, dass sie das Zentrum der Geschichte ist - und diese die ihrige ist.

Ein politischer Roman, der einen anderen Blick auf den Sozialismus bietet.
Eine Freundschaftsgeschichte, die zugleich auch eine Liebesgeschichte ist.
Eine Geschichte über den falschen Mann im richtigen Leben und umgekehrt.
Vor allem aber ein Roman, den man lesen sollte.

Rückkehr nach Budapest

von Nikoletta Kiss

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Zehn Bilder einer Liebe
Frank Menden

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„Ein Liebesroman der Gegenwart, der nichts beschönigt und gerade deswegen so überzeugt.“

Ich könnte dies jetzt so stehen lassen, denn dieses Zitat schmückt die Rückseite des exzellenten neuen Romans von Hannes Koehler, erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt - und es ist von mir.
Eingerahmt von Zitaten von Julia Wolf und Daniela Dröscher , also in allerbester Gesellschaft.

Aber es geht ja hier um diesen Roman, diese „Zehn Bilder einer Liebe“, die mich sehr begeistert haben.
Hannes Köhler erzählt die Geschichte eines Paares aus beiden Perspektiven. Er erzählt sie ehrlich und ungeschönt und wahrhaftig. Davon, dass Liebe allein selbst bei der großen Liebe nicht ausreicht. Und wie man mit den Fallstricken derselben trotzdem leben und lieben kann - wenn man denn wirklich will.

Zehn Bilder einer Liebe

von Hannes Köhler

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Bei aller Liebe
Simone Finkenwirth

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Weniger kratzbüstig, aber nicht minder lesenswert ist der neue Roman von Jane Campbell. Nachdem die 82jährige Autorin mit ihrem Debüt „Kleine Kratzer“ auch hierzulande für Furore gesorgt hat, legt sie nun nach.

Die Autorin bedient sich wieder ihrem wertvollen Wissen über uns Menschen. Denn in ihrem vorherigen Leben war sie als Psychoanalytikerin in Oxford tätig. Apropos: Psychologisch klug und feinfühlig erzählt sie eine Familiengeschichte. Die beginnt damit, dass Agnes viel zu früh ihre Eltern bei einem Autounfall verliert. Ihre Mutter Sophy hat vorher ihrem Bruder Malcom einen Brief übergeben. Er soll Dr. Joseph Bradshaw persönlich ausgehändigt werden. Doch das macht Malcolm nicht. So hütet er bis heute ein Geheimnis, das eng mit seiner Nichte Agnes verknüpft ist. Warum handelt er so? Das ist eine von weiteren Fragen, denen ich mich Seite um Seite nähere.

In abwechselnden Kapiteln erlebe ich dabei die Lebensgeschichten von Dr. Joseph Bradshaw, Malcolm und Agnes. Alle widmen sich der Psychologie in verschiedenen Formen. Ein raffinierter Schachzug wie die Linien, die Campbell zusammenzieht. So baut sie ein Spannungsfeld auf, dem man ebenso wenig entgeht wie ihren klugen Ansichten: „Mit dem Alter kommt die Zerknirschung, Malcom. Da gibt es kein Entrinnen. Es kommt allerdings darauf an, wie du die Geschichte deines Lebens erzählst.“

„Bei aller Liebe“ ist ein packendes wie berührendes Buch über Lebenslügen, Familie, Verletzungen und die Kunst des Verzeihens. Die Geschichte hallt lange noch nach. Da verzichtet man durchaus auf das kratzbürstige Erzählen. Und freut sich viel mehr darüber, dass diese bewundernswerte Frau mit Anfang 80 angefangen hat, zu schreiben. Bitte weiter so und mehr davon!

Bei aller Liebe

von Jane Campbell, Bettina Abarbanell

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Der Wald
Simone Finkenwirth

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Viel zu wenig habe ich bisher über diesen Roman vernommen. Warum nur? Denn die Booker-Preisträgerin, die mit ihrem Buch „Die Gestirne“ mit gerade mal 28 Jahre auf dem literarischen Parkett zu einer Berühmtheit wurde, zeigt erneut, dass sie zu den besten Autorinnen unserer Gegenwart gehört.

Eleanor Catton möchte mit ihrem Roman nicht nur unterhalten. Sie will uns auch zum Nachdenken anregen, indem sie zwei gegensätzliche Pole zusammenbringt. Da ist die 24jährige Mira. Die Umweltaktivistin hat eine Guerilla-Gardening-Gruppe ins Leben gerufen. Das „Birnam Wood“-Kollektiv setzt überall dort Pflanzen, wo es keiner merkt.

Als es in einem Naturschutzgebiet zu einem Erdrutsch kommt, sieht sie ihre große Chance gekommen. So bietet das große Grundstück des Unternehmers Owen Darvish viel Raum fürs Gardening. Als Mira dort ankommt, findet sie die Farm verlassen vor, und will bald loslegen, bis ihr der Milliardär Robert Lemoine über den Weg läuft... und der unterbreitet ihr ein lukratives Angebot, das wiederum den Grundsätzen des Kollektivs widerspricht.

Wahnsinn! Was für eine hochspannende Geschichte! Eleanor Cotton hat in ihrem Roman eine Vielzahl an relevanten Themen versehen: Gesellschafts- und Kapitalismuskritik, Umweltschutz, Gemeinschaft - was sie schaffen kann, aber auch spaltet, Freundschaft, Ideale – wie weit würden wir gehen? Spritzige Dialoge befeuern die plotgetriebene Handlung, die mit einem extrem packenden Showdown endet. Stephen King meint: „Grandios. Was für ein Genuss!“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht: Setzen Sie ein Pflänzchen, auch für dieses Buch, von dem ich gern noch mehr lesen und hören möchte. Ob es uns gelingt?

Der Wald

von Eleanor Catton

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Die vorletzte Frau
Frank Menden

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Als Katja Oskamp 2019 mit „Marzahn, mon amour“ ein bis heute von vielen gefeiertes Buch veröffentlicht, war sie für viele Lesende eine große Entdeckung.
Für mich war die Schriftstellerin keine Unbekannte mehr, hatte sie mich doch schon 2003 mit ihrem Debüt „Halbschwimmer“ und den nachfolgenden Büchern „Die Staubfängerin“ und „Hellersdorfer Perle“ vollkommen begeistert.

Nun erscheint mit „Die vorletzte Frau“ endlich ein neuer Roman.
Wie bereits der Vorgänger ist auch dieses Buch stark autofiktional ( ihre Tätigkeit als Fußpflegerin und der Erfolg ihres darauf basierenden Buches werden hier auch thematisiert ).
Im Zentrum steht die 19 Jahre dauernde Beziehung zu einem bekannten Schriftsteller, die zu Beginn alles ist, was man sich von einer Liebesbeziehung nur wünschen kann - und die sich dann durch die Krankheit des Mannes mannigfaltig verändert.

Katja Oskamp schreibt entwaffnend ehrlich, nie despektierlich, mit scharfer Beobachtung und ebensolchem Humor. Sie gibt intime Einblicke und bleibt doch diskret ( ihr langjähriger Partner ist mit dem Roman einverstanden), lässt uns teilhaben an ihrem Leben, ihrer Liebe, ihrem Muttersein, den Erfolgen und Misserfolgen - und hat mich aufs Neue beeindruckt, berührt und begeistert.
Einzelheiten zu erzählen würde bedeuten viel vorwegnehmen. Zum Beispiel, warum der Roman diesen Titel trägt und eine Katze auf dem Cover abgebildet ist.
Aber das Vergnügen, dies selbst herauszufinden, selbst in dieses Buch , dieses Leben, einzutauchen, es mit zu leben - dies möchte ich mit keinem Wort zu viel spoilern.
Nur so viel: gönnt euch diesen Roman! Ihr werdet es in keinster Weise bereuen .

Die vorletzte Frau

von Katja Oskamp

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Das Unwetter
Frank Menden

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Aus der beliebten Reihe „Bücher, die niemand auf dem Schirm hat“ heute: „Das Unwetter“ von Brit Bildoen, übersetzt von Frank Zuber.

Dieser Roman entzieht sich jeglicher kategorischen Einordnung.
Es ist Oktober, das Wetter in Norwegen ist eher unwirtlich. Trotzdem soll in einem kleinen abgeschiedenen exquisiten Hotel in den Bergen die goldene Hochzeit der Eltern gefeiert werden.
Tochter Dorte hat alles geplant und organisiert, obwohl man nun auch wirklich gut Zuhause hätte bleiben können.
Was nun folgt, ist ein klassisches Thriller Setting: eine Gerölllawine macht die Straße ins Tal unpassierbar, die Familie sitzt zusammen mit dem Wirt Ole fest - und dann tauchen plötzlich zwei fremde Männer auf…
Aber es kommt ganz anders als man denkt.

Ich kann mir gut vorstellen, wie man im Verlag gerätselt hat, wie dieses Buch zu platzieren sei.
Die Tagline „Sechs Menschen, drei Tage - und ein Berg voller Lügen“ ist auf jeden Fall viel zu reißerisch für diesen klugen, gut beobachteten, ruhigen und dennoch ungemein spannenden und beklemmenden Roman.
Für mich schreit diese Vorlage geradezu nach einer Verfilmung durch Thomas Vinterberg, so sehr hat es mich in der Atmosphäre und Personenkonstellation an seine Filme erinnert.

Wer Lust auf einen kleinen feinen beunruhigen Roman ohne Effekthascherei hat , der sollte sich diesem „Unwetter“ unbedingt aussetzen.

Das Unwetter

von Brit Bildøen

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Ehemänner
Frank Menden

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Als Lauren von einem feucht fröhlichen Junggesellinnenabschied nach Hause kommt findet sie einen fremden Mann in ihrer Wohnung .
Der beteuert jedoch ihr Ehemann zu sein - nur ist Lauren Single .
Als der Mann auf den Dachboden geht und kurz darauf ein anderer Mann durch die Luke in der Decke in ihre Wohnung steigt , zweifelt Lauren an ihrem Verstand.
Doch bald versteht sie zwar nicht was da vor sich geht , das Konzept der stetig wechselnden Ehemänner überzeugt sie jedoch .
Wie befreiend , Männer beim kleinsten Misston einfach auszuwechseln.
Allerdings wechseln nicht nur die Männer, auch ihre Lebensumstände sind immer andere, die Wohnung mal mehr oder weniger geschmackvoll möbliert und auch das Verhältnis zu Nachbarn und Freundinnen ist jedes Mal leicht anders…

„Sie mag die neuen Versionen von sich selbst nicht immer, aber sie helfen ihr, die Grenzen ihrer Persönlichkeit zu verstehen.“

„Ehemänner“ , übersetzt von Babette Schröder ist eine Wundertüte von Roman.
Nicht nur ist die Idee absolut zwingend und originell ( ich habe ein paar Mal laut auflachen müssen ), die Autorin versteht es hervorragend , ihrer Geschichte durch immer wieder neue Ideen Wendungen zu verleihen, die ihr immer mehr Tiefe geben.
Für mich war dieser intelligente Unterhaltungsroman eine sehr begeisternde Leseerfahrung, die nicht nur das moderne Datingverhalten kommentiert , sondern auch andere Aspekte unserer Gesellschaft kritisch beleuchtet .
Ein großer Spaß mit Mehrwert !

Ehemänner

von Holly Gramazio

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O Brother
Frank Menden

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2010 begeht Gary Niven im Alter von 42 Jahren Selbstmord. Vor allem sein älterer Bruder John quält sich seitdem mit Schuldgefühlen : hätte er die Tat kommen sehen können, hätte er eingreifen können , hätte hätte hätte…

John Nivens „O Brother“ ist weitaus mehr als nur ein sehr persönliches Memoir.
Der erfolgreiche Schriftsteller spürt der Frage nach, warum zwei Menschen mit der gleichen Herkunft, den gleichen Lebensumständen völlig andere Lebenswege einschlagen.
Warum der eine , John selbst, im Leben reüssiert, erfolgreich wird, während der andere, Gary, von frühester Kindheit an ein Troublemaker ist und auf die schiefe Bahn gerät. Auf einen Weg, aus dem er an seinem Ende keinen Ausweg mehr sieht.

John Niven schont sich und die Seinen in diesen berührenden Lebenserinnerungen nicht. Er schreibt sich die Trauer von der Seele, durchlebt noch einmal alle Höhen und Tiefen der Geschwisterbeziehung, hinterfragt die Erziehung der Eltern und auch seine eigenen Verhaltensmuster.
Immer wieder blitzt der Nivensche schwarze Humor durch, aber vor allem ist dieses ungemein bewegende Buch eine Hommage an den verlorenen Bruder.
Beeindruckend!

O Brother

von John Niven

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Das Jahr voller Bücher und Wunder
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Achtung: Dieses Buch ist überhaupt nicht kitschig! Der Goldmann Verlag hat sich wohl gedacht: Wir gestalten das Buch wie "Der verschwundene Buchladen" von Evie Woods und dann läuft das schon. Aber ganz so easy ist es dann doch nicht. Glücklicherweise haben Sie uns: Ihre literarischen Vorkoster!

Libby Page ist für mich keine unbekannte Autorin. Die Engländerin hat mich seinerzeit mit ihrem Roman "Schwimmen mit Rosemary" begeistert. Auch in diesem Roman verbindet sie schwere Themen mit der Leichtigkeit des schönen Zufalls und den richtigen Menschen, die genau in unser Leben treten, wenn wir sie brauchen. In Tillys Fall ist es Alfie. Der Buchhändler ruft die junge Frau im Januar an ihrem Geburtstag zu Hause an und verkündet, er hätte ein Geschenk für sie. Von ihrem Mann Joe, der vor einem halben Jahr verstorben ist. Nur widerwillig macht sich die Lektorin auf den Weg zur Book Lane Buchhandlung. Aber wie gut, dass sie dies getan hat, denn was folgt, sind eine Vielzahl von wunderbaren Momenten, die nicht nur duch das Lesen entstehen, denn Joe hat jedem Buch und eine kleine Challenge dazu gelegt. Und langsam gewinnt unsere traurige Tilly immer mehr Lebenskraft und wieder zu sich selbst. Mehr noch: Sie wächst über sich hinaus.

Und noch etwas ist magisch: Was hat Joe nur für ein Feingespür für Bücher! Dass Alfie seine Finger im Spiel hat, ahne ich schnell. Und doch finde ich diese Tatsache nicht wirklich überraschend. Viel mehr fühle ich mich darin bestätigt, warum ich meinen Beruf so liebe. Weil wir mitunter wahre Wunder vollbringen können!

PS: Sollten Sie überlegen, ein Buchabo zu verschenken, dann verbinden Sie dieses mit diesem wunderbaren Buch. "Schokolade für die Seele" steht auf dem Klappentext. Und das wiederum ist so was von wahr!

Das Jahr voller Bücher und Wunder

von Libby Page

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Die Lungenschwimmprobe
Frank Menden

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1681 steht die 15jährige Anna Voigt wegen Kindsmordes vor Gericht: sie soll ihr neugeborenes Baby ermordet haben. Das Urteil ist klar: die Todesstrafe. Doch Anna beteuert, dass ihr Kind tot zur Welt kam.
Zu ihrem Glück glaubt Annas Vater, ein wohlhabender und einflussreicher Mann, seiner Tochter. Und es findet sich ein Arzt, der durch ein neues Verfahren, die titelgebende „Lungenschwimmprobe“ nachweisen will, dass es sich tatsächlich um eine Totgeburt handelt. Zusammen mit dem aufstrebenden Juristen Christian Thomasius unternehmen die drei Männer alles, um Anna gegen alle Widerstände der Kirche und des Scharfrichters vor dem Tod zu retten. Ein Unterfangen, das scheinbar aussichtslos ist…

Tore Renbergs im Luchterhand Verlag erschienener Roman beruht auf einem wahren Fall in Leipzig. „Die Lungenschwimmprobe“ gilt als Beginn der Rechtsmedizin und so lesen sich die über 700 Seiten auch wie ein hervorragend recherchierter historischer Kriminalroman.
Aber Renberg schafft viel mehr als dies. Sein Roman ist auch ein akribisch recherchierter Appell gegen religiösen Fanatismus und Bigotterie und für kritisches Denken, Meinungs - und Religionsfreiheit.
Ein wahrlich gewichtiger Roman, der auch gelungen den Bogen in die Gegenwart schlägt und hoffentlich unter vielen Weihnachtsbäumen liegen wird.

Die Lungenschwimmprobe

von Tore Renberg

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Marie des Brebis
Simone Finkenwirth

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Dieses Buch ist eine Rarität und Hommage an das einfache Glück. Egal, mit wem ich darüber spreche, stets leuchten die Augen wie Sterne. Und das nicht ohne Grund. Marie des Brebis ist eine bemerkenswerte Frau, die mich mit ihrem Durchhaltevermögen an Henning Sußebachs Urgroßmutter Anna erinnert, der er mit seinem ebenfalls grandiosen Buch "Anne oder: Was von einem Leben bleibt" ein Denkmal gesetzt hat. Gleiches hat der Autor Christian Signol vollbracht.

Marie wird von ihrer Mutter ausgesetzt, sie hat ihr Baby in eine Wolldecke gehüllt und zu den Schafen gelegt. Als der Hirte Johannes das Findelkind entdeckt, nimmt er sich diesem an. Das gefällt dem Bauer nicht, der meint, das Kind gehöre ins Waisenhaus. Also packt Johannes seine Sachen und zieht mit Marie über die Causses, das französische Hochland ist ihm wohlvertraut, der eigensinnige Mann, der auch mit dem Mond spricht, ist mir sofort sympathisch. Die beiden landen schließlich auf einem Hof, der von Augustine und Alexis betrieben wird. Die Frau liebt Kinder, konnte aber nie welche bekommen. Und dann wird es für uns alle sehr warm.

Wenngleich das Leben Anfang des vorherigen Jahrhunderts kein leichtes ist, auf dem Land noch weniger. Aber Marie ist ein Mensch, der das kleine einfache Glück sieht, und zu schätzen weiß, wie das warme frische Brot. "Lange habe ich nach dem Grund gesucht, und heute weiß ich, dass wir nur richtig glücklich sind, wenn die Zeit stillsteht. Ganz einfach, weil unser eigentliches Wesen, unsere ewige Seele, wiederum zum Vorschein kommt und uns mit echter Freude erfüllt."

Die Zeit steht bei der Lektüre wirklich still. Vergessen sind die Aufregungen des Alltags und die Unruhe in unserer Welt. Marie des Brebis führt uns genau dorthin, wo wir eins sind mit uns und den Buchstaben, die so viel Schönes erzählen und uns lange lächeln lassen.

Marie des Brebis

von Christian Signol

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Caledonian Road
Sarah O'Connor

Sarah O'Connor

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Campbell Flynn, 52 Jahre, hat es geschafft: er ist ein anerkannter Kunsthistoriker, hat sich einen Platz in Londons High Society ergattert, seine Frau ist die Tochter einer Gräfin, sein bester Freund ein Industrieller und sein Schwager ein einflussreicher Politiker. Seine Stadtvilla steht auf der „richtigen“ Seite der Caledonian Road. Seine 2 Kinder lassen vielleicht etwas zu wünschen übrig, besonders der Sohn, ein Reichtum anklagender Umweltaktivist. Es könnte eine richtig schöne „Bottom Up“ Story sein, stammt Campell doch aus ärmlichen Verhältnissen. Aber nein. Andrew O’Hagan schreibt die Geschichte eines (tiefen) Falls, geboren aus Eitelkeit und Hybris. Sein Antiheld verfängt sich in einem Geflecht aus Intrigen, Skandalen und Verbrechen, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Polyfon erzählt, bietet dieses Buch 784 Seiten bester, zerebraler Unterhaltung – ein Meisterwerk!

Caledonian Road

von Andrew O'Hagan

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Zwei in einem Leben
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Es gibt ja aktuell nicht wenige Bücher über die Wechseljahre und die Mitte des Lebens. Aber wie viele Romane erzählen über die Liebe in mittleren Jahren? Ob David Nicholls den gleichen Gedanken bei der Idee seines neuen Romans hatte, weiß ich nicht. Was ich jedoch mit Gewissheit sagen kann: Dieser Autor steht Zeit seines Schriftstellerlebens im Schatten seines großen Welterfolgs „Zwei an einem Tag“. Schade. Denn „Zwei in einem Leben“ ist wiederholt allerbester Lesegenuss!

Im Mittelpunkt steht Marnie, die in London lebt und als freischaffende Lektorin und Korrektorin arbeitet. Marnie war verheiratet, ist Ende 30 und hat sich in ihrem Nest verkrochen. Marnies Freundin Cleo hat schon mehrere Male versucht, sie aus ihrem Igelversteck hervorzulocken. Vergeblich. Doch jetzt steht eine dreitägige Wandertour an und Marnie hat – oh Wunder! - zugesagt. Neues Jahr, neue Vorhaben! So stattet sie sich mit einer Wanderrüstung aus, setzt sich in den Zug. Als Michael die Großstadtpflanze erspäht, fällt ihm sofort auf, dass ihr Rucksack zu groß ist, und die Riemen zu lang sind. Michael ist die andere Figur in dieser Geschichte. Geographielehrer und leidenschaftlicher Wanderer, Anfang 40, frisch getrennt von seiner Frau.

Michael liebt es zu wandern, Marnie hasst es. Und doch öffnet sie sich und trotzt dem Regen. Den beiden zu folgen, ist absolut hinreißend. David Nicholls schreibt gewohnt charmant, unterhaltend, und streut gleichsam interessante Gedanken ein, in denen sich vor allem Singles wiederfinden, aber auch glücklich Vergebene trifft der Brite mitten ins Herz, und das gelingt ihm ohne Kitsch dafür mit Feinsinn und großer Empathie.

„Zwei in einem Leben“ ist so vieles: Eine atmosphärische Wandertour durch England, die Geschichte von zwei einsamen Menschen in den mittleren Jahren und eine Liebesgeschichte. Wirklich? Nun, das sollten Sie selbst herausfinden. Der Roman ist Eskapismus im allerfeinsten Sinne, sehr authentisch und beglückend! Das findet übrigens auch Jojo Moyes und der Independent schreibt: „Nicholls bester Roman“. Dem kann ich wahrlich nichts hinzufügen.

Zwei in einem Leben

von David Nicholls

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Stories
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich habe diese spektakuläre Kurzgeschichtensammlung noch gar nicht aufgeschlagen und schon strahlt sie mich an wie eine weiße Wand, die das Sonnenlicht reflektiert. Denn auf dem Umschlag feiern große Namen wie Lauren Groff, Raymond Carver, Bret Easton Ellis und Don DeLillo ihre amerikanische Kollegin. Auch hierzulande überschlugen sich kurz nach Erscheinen die Feuilletons über das Werk der Autorin mit der Sonnenbrille. Da war mein literarischer Jagdinstinkt natürlich sofort entfacht. Als große Freundin von Kurzgeschichten sowieso. Und jetzt? Bin ich verstört und begeistert gleichermaßen.

Wie das? Nun, die Geschichten haben es wahrlich in sich. Williams lichtet das Leben ab, sie erzählt von den kleinen und größeren Dramen unterschiedlicher Menschen - von gewöhnlichen bis hin zu nun ja, außergewöhnlichen. Gleich eingangs erlebe ich die zu Herzen gehende Geschichte eines Predigers - dessen Frau liegt mit einer Bluterkrankung im Krankenhaus. Während sich seine Tochter selbst finden will, hat sie ihren Eltern ihre kleine Tochter anvertraut. So pendelt der Mann zwischen der Angst, seine Frau zu verlieren, und dem Glück, das ihm seine kleine Enkelin beschert.

Oder die Zusammenkunft verschiedener Mütter, deren Kinder im Gefängnis sitzen. Durch Zufall ziehen sie alle in die gleiche Gegend. Sie fühlen sich schuldig, und suchen einen Weg damit zu leben. Ebenso bemerkenswert ist die Geschichte eines Liebespaars. Dwight wusste schon mit 25 Jahren, dass er das Baby eines Tages heiraten wird. Wie? Ja! Und so kommt es. Und noch etwas passiert in „Rost“. Dwight kauft sich und Lucy einen schwarzen Ford Thunderbird, der fast auseinanderfällt, aber Dwight hat die Lösung. Und was für eine! Ob eine Schlange die Veränderung des Lebens bewirken kann? Dieser Frage spürt Williams in „Lu-Lu“ nach.

Das sind mitunter beunruhigende, verstörende und komische wie berührende Geschichten. Sie bleiben auf der Netzhaut haften und hinterlassen ein unterschwelliges Surren im Kopf. „Stories“ ist keine Feelgood-Lektüre. Aber das muss Literatur ja nicht immer sein. Glücklicherweise streut Williams besondere Aufheller in ihre Erzählungen. Wunderschöne Bilder oder Sätze, über die man stolpert, weil man plötzlich lachen muss oder solche, die einen still werden lassen: „Sie dachte, dass jeder Mensch jeden Augenblick kurz vor der Ewigkeit steht und die Wege, diese Welt zu verlassen, zahllos und oft unvorhersehbar sind.“

Die Lobeshymnen sind so wahr wie das Grün auf den Blättern der Bäume. Joy Williams ist wirklich die „strahlende Großmeisterin der Kurzgeschichte“ wie es Lauren Groff treffend formuliert. Eine große und beeindruckende Entdeckung und ein Must Read für alle Fans der kurzen Erzählform.

Stories

von Joy Williams

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Blue Sisters
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Endlich ist das neue Buch von Coco Mellors in der deutschen Übersetzung von Lisa Kögeböhn beim Eichborn Verlag erschienen. Ich bin sofort in der Geschichte gefangen. Wie bereits in „Cleopatra und Frankenstein“ zieht mich der mitreißende Erzählstil vollkommen mit.

In ihrem neuen Roman dreht sich alles um die drei Schwestern: Lucky, Bonny und Avery. Genau vor einem Jahr ist ihre Schwester Nicky an einer Überdosis Tabletten gestorben. Als wäre das Datum nicht schon furchtbar genug, will ihre Mutter die New Yorker Wohnung jetzt verkaufen, in der Nicky zuletzt gelebt hat. Und das obwohl Avery die laufenden Kosten trägt. Und jetzt? Noch etwas brummt zwischen den Seiten wie ein nicht enden wollender Kopfschmerz: Die Narben der drei Schwestern, die immer noch pulsieren. Können sie sich gemeinsam retten?

Mellors holt alles hervor, was wehtut: Trauer, Sucht, ungesunde Fluchtaktionen, schwierige Eltern und Verletzungen, die nicht einfach heilen wollen. Doch sie können es, das zeigt uns die Autorin mit ihrem unverwechselbaren Stil aus Leichtigkeit und Tiefe. Ein lautes wie stilles Buch, das man am Ende mit einem glücklichen Seufzer zuschlägt.“

Blue Sisters

von Coco Mellors

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Der Morgen gehört uns
Frank Menden

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Ettore lebt mit seinen Eltern in einem kleinen Ort nahe Mailand. Seine einzige Vertraute ist seine Großmutter Elsa. Doch im dem Sommer, in dem Ettore 18 wird, verändert sich sein Leben. Er wechselt die Schule und lernt dort Giulio kennen, der ihn mit seinem Charisma in den Bann zieht . So wie dieser gut aussehende junge Mann möchte er sein, so selbstbewusst, so lässig. Und tatsächlich sucht Giulio auch seine Nähe, sie werden Freunde - und Ettore auch bald Mitglied der Federazione, einer Jugendorganisation, in der Giulio eine große Rolle spielt. Und die durch und durch faschistisch ist.

Was treibt junge Leute nach rechts, was macht den Faschismus für sie so interessant und wählbar? Davide Coppo versucht in seinem Roman „Der Morgen gehört uns“ , übersetzt von Jan Schönherr, am Beispiel von Ettore zu zeigen, wie so etwas passieren kann. Der unter die Haut gehende Roman bietet weder einfache Antworten noch Lösungen - und gerade dies macht ihn so überzeugend. Aus der Sicht des älteren und politisch geläuterten Ettore wird diese Geschichte erzählt, die erkennbar macht, dass Sexualität und Gewalt wichtige Bestandteile auf dem Weg nach rechts sind, wie auch der Wunsch sich der „linken Antiglobalisierungsfolklore“ - so Ettore - entgegenzustellen, einfach um nicht dem vermeintlichen Mainstream hinterherzurennen.

Man lernt durch Davide Coppos Roman viel über Postfaschismus und seine Versprechungen und Verlockungen, seine Gefahren und Mechanismen. Über deren jugendliche Anhänger und wie sehr er auch in den intellektuellen Bereich eingedrungen ist, durch Wort, Bild und Musik. Ein Roman der lehrt, noch genauer hinzusehen.

Der Morgen gehört uns

von Davide Coppo

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Maifliegenzeit
Frank Menden

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„Daniel hat angerufen.“
Drei Worte, die ein Erdbeben auslösen. Denn Daniel ist offiziell seit 40 Jahren tot, gestorben bei seiner Geburt.

Mit diesem Paukenschlag beginnt „Maifliegenzeit“ von Matthias Jügler.

Den Anruf hat Anne entgegengenommen, seit zehn Jahren die Lebensgefährtin des mittlerweile pensionierten Lehrer Hans.
Der hatte ihr beim kennenlernen von seiner Ehe mit Katrin erzählt, von dem größten Unglück was Eltern passieren kann, welches schließlich auch die Ehe nicht überlebte: der Tod des Kindes kurz nach der Geburt.
Katrin hatte nie daran geglaubt, hatte darauf bestanden, dass der Sohn noch leben müsse. Warum sonst hätte man ihn nicht sehen dürfen? Und er hätte doch kräftig geschrieen?

Kurz vor ihrem Tod bittet Katrin Hans noch einmal um ein Treffen und appelliert an ihn: sollte sich je eine Chance ergeben, dann solle er sie nutzen und Licht ins Dunkel der Geburt bringen.
Die Wende 1989 scheint diese Chance zu sein, doch nach vielversprechenden Ansätzen verläuft sich die Angelegenheit.
Und wieder zieht sich Hans zurück in seinen geliebten Angelsport.
Bis der Anruf kommt…

Nur 156 Seiten hat dieser ruhig erzählte Roman, der sich mit einem dunklen Kapitel der DDR beschäftigt, welches auch schon in der Serie „Weißensee“ aufgegriffen wurde - und seitdem eine große Kontroverse ausgelöst hat.

Jügler verschränkt verschiedene Zeitebenen, mischt das Schweigen und die Schuldgefühle mit Allegorien zum Angeln und enthüllt mehr und mehr, wie schwer sich eine einmal verinnerlichte Wahrheit trotz Fakten revidieren lässt.
Ein ungemein berührender Roman, der gerade durch den verdichteten, ruhigen Ton enorm eindrücklich ist.

Maifliegenzeit

von Matthias Jügler

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Tiere, vor denen man Angst haben muss
Frank Menden

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Von Lübeck ins nördliche Mecklenburg, von einer komfortablen Wohnung auf einen maroden Hof. Für Madeleine und ihre Familie hat sich einiges verändert, nicht nur der Standort. Vater und Brüder haben sie verlassen, sie lebt nur noch mit ihrer Schwester Ronja und ihrer Mutter auf dem Hof. Dieser ist eine von der Mutter initiierte Auffangstation für Haus- und Wildtiere geworden – und die Tiere verdrängen fast die menschlichen Bewohner. Dau zieht es an allen Ecken und Madeleine friert fast die ganze Zeit über – und das nicht nur körperlich, denn die Mutter zieht augenscheinlich die Tiere und die Sorge um deren Schicksal ihrer Familie vor. Das ist viel Verantwortung für die Schwestern, die früh schon erwachsen sein müssen und nur zusammen Momente der Geborgenheit erleben….

Eindringlich, berührend und mit einem zwingenden, unvergesslichen Ende -das ist Alina Herbings zweiter beeindruckender Roman.
Ein Roman, den man nicht aus der Hand legen kann und der so schmal wie kraftvoll ist. Ein Buch, das man gelesen haben sollte!

Tiere, vor denen man Angst haben muss

von Alina Herbing

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Bevor es geschah
Frank Menden

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Das jährliche Barbecue steht an - und so machen sich alle vier Haynes Geschwister nebst PartnerInnen und Kindern auf den Weg zu ihrem Elternhaus, wo Matriarchin Elisabeth seit dem Tod des Vaters mit kühler Eleganz und Strenge waltet.
Die Stimmung ist angespannt, denn jedes Familienmitglied hat etwas zu verbergen. Ein Geheimnis, das schon lange in ihnen gärt und tunlichst nicht an die Öffentlichkeit geraten soll. Und erst recht nicht innerhalb der Familie.
Doch sind wirklich alle Geheimnisse so geheim?
Während die Anspannung bei allen Beteiligten steigt und alle mit sich und dem belauern der anderen beschäftigt sind, geraten andere Dinge aus dem Focus. Und das hat Folgen…

Zugegebenermaßen ist dies kein neuer Plot . Aber Celine Spierer erzählt ihn in ihrem Roman „Bevor es geschah“ , übersetzt von Sina de Malafosse, so einnehmend, dass man diesen geradezu filmischen Pageturner nicht aus der Hand legen mag . Wie hier eine Familie seziert wird, in der wirklich alle in der ein oder anderen Weise „eine Leiche im Keller haben“ ist höchst vergnüglich zu lesen - und lässt einen mit Freude dem nächsten Familientreffen entgegenblicken.
Denn so wie bei den Haynes wird es sicherlich nicht sein - oder ?

Bevor es geschah

von Céline Spierer

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Service
Frank Menden

Frank Menden

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Daniel, Sternekoch und Besitzer eines angesagten Restaurants, steht vor Gericht. Sein Restaurant musste schließen, sein Leben droht aus den Fugen zu geraten, er steht kurz davor, alles zu verlieren.

Daniels Frau Julie fühlt sich mit der Situation überfordert, muss sich mit Paparazzi auseinandersetzen, versucht ihre Kinder zu schützen und ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihrem Mann beizustehen und der Angst, dass die Anschuldigungen wahr sind. Mehr und mehr fragt sie sich, ob sie wirklich weiß, wer der Mann ist, mit dem sie ihr Leben teilt.

Hannah, eine ehemalige Kollegin von Daniel, soll im Prozess wegen sexueller Übergriffe aussagen, fühlt sich aber nicht in der Lage dazu. Jahrelang hat sie die Vergangenheit verdrängt, doch dann bringen Ereignisse alles wieder an die Oberfläche

Sarah Gilmartin erzählt in „Service“ ( Übersetzung: Anna-Christin Kramer ) abwechselnd aus diesen drei Perspektiven .
Aus den verschiedenen Versionen und Erinnerungen setzt die Autorin gekonnt ein Puzzle zusammen – und fordert den Leser dabei heraus, sich selbst eine Meinung zu bilden und diese immer wieder zu hinterfragen.
Leicht und eindringlich, atmosphärisch und scharf beobachtet, erzählt Gilmartin vom Alltag in der Sternegastronomie, von den Lügen, mit denen wir uns selbst zu täuschen versuchen, und von dem Mut, der nötig ist, um sich der Wahrheit zu stellen.
Herausgekommen ist ein Roman, der durchrüttelt und uns einmal mehr dazu auffordert genau hinzusehen und den Mut zu haben, Missständen und Fehlverhalten Einhalt zu gebieten. Und zwar jederzeit und überall.
Ein gelungener Roman, den man nicht oft genug empfehlen kann.

Service

von Sarah Gilmartin

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James
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wir sind auf der Flucht. Der Mississippi zischt wie eine Schlange. Ich spitze meine Ohren, und versuche die verdrehten Wörter zu verstehen. Jim spricht ganz komisch mit Huckleberry Finn, als hätte er einen Knoten in der Zunge. Was ist passiert? Vor allem: Was machen wir hier?

Jim ist ein Sklave. Als er erfährt, dass er an einen Mann in New Orleans verkauft werden soll, haut er ab. Denn er will nicht von seiner Tochter und Frau getrennt werden. Wenn Jim verschwunden ist, kann man ihn auch nicht verkaufen. So sein Plan. Dummerweise gelangt Huck Finn auf seine versteckte Insel. Er ist mit Schweineblut besudelt, weil er Mrs Watson glauben lassen will, dass er tot ist, und hat in ihrem Haus Blut verteilt. Was das nach sich zieht, können Sie sich bestimmt denken…

Und doch übersteigt die Vorstellung die tatsächliche Lektüre bei Weitem. Außergewöhnlich ist sie und voller Einfallsreichtum in der Handlung und sprachlich, derart packend wie mitreißend erzählt, berührend und nachdenklich stimmend. Ein Buch mit lauten gewaltigen Szenen und ebenso stillen Momenten. Ja, ein Wechselbad von Temperaturen, auch von Gefühlen. Wut, Angst, Hoffnung, Liebe… alle da!

Bewundernswert, wie Percival Everett Mark Twains Abenteuergeschichte ein anderes Gesicht verleiht, sie uns neu erzählt. Und Twains Nebenfigur in seinem Roman zur Hauptfigur macht, dabei Themen hineinwebt, die selbst heute noch aktuell sind.

Obwohl ich längst angekommen bin nach dieser Reise, so bin ich immer noch bei dem mutigen Helden Jim. Oder viel mehr sitzt er in meinem Herzen. „James“ von Percival Everett zählt für mich zu den herausragendsten Werken des Jahres! Sie da draußen, was immer Sie über „James“ vernommen habt, stimmt. (Ich kenne nur Gutes.) So begeben Sie sich auf eine unvergessliche Abenteuerreise! Und vergessen Sie Ihre Schwimmkleidung nicht.

Ich danke von Herzen meiner Kollegin Sarah O'Connor, die mich erst auf diese ungewöhnliche Lektüre aufmerksam gemacht hat!

Wir haben das Buch auch in englischer Sprache vorrätig – Strange Flowers. Don't forget: Imagine a world where it’s Friday every day! For 30 days in a row! stories! – card holders (and applicants) can now live this dream: you will get a 20 % discount on English books - every day throughout June! (valid also for online purchases, to be collected in the shop!)

James

von Percival Everett

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Das Lied des Propheten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Möchte man in unseren unruhigen Zeiten aufwühlende Bücher lesen? Eher weniger. „Das Lied des Propheten" ein wichtiges Buch, das man trotzdem aufschlagen sollte. Was der Booker Preisträger erzählt, ist äußerst beklemmend, und vor allem, wie er die Geschichte darstellt: Dunkel, beunruhigend, fesselnd, bewegend und spannend bis zur letzten Seite. Literatur darf ablenken, aber sie sollte genauso zum Diskurs und Austausch anstoßen. Apropos Anstoß: Ich habe das Buch meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor zu verdanken. Sie hat das Original lange Zeit vor mir gelesen und sich schon seit vergangenem Winter dafür stark gemacht.

"Das Lied des Propheten" ist eine Dystopie, weit weg und doch sehr nah an uns dran. Hätten wir vor einem Jahr gedacht, dass die Rechtspopulisten hierzulande und in der EU derart erstarken würden?

Paul Lynch erzählt in seinem Roman von einer radikalen Regierung, die das Land reformieren will. Alle Andersdenkenden werden verhaftet, mundtot gemacht. Eilishs Mann Larry, der in der Lehrer-Gewerkschaft engagiert ist, kehrt am Abend einer Demo nicht zurück. Was mit ihm passiert ist, erfährt sie nicht. Diese Ungewissheit zermalmt sie genauso wie das Virus, das um sie greift. In ihrer Firma übernehmen regierungsnahe Menschen die Leitung und entlassen immer mehr Menschen. Eilishs älterer Sohn Mark rebelliert. Nachdem Eilish ihn bei einer Freundin untergebracht hat, verschwindet er eines Tages, schließt sich einer Untergrundorganisation an. Die einzige Verbindung ist ein Prepaid-Handy, doch das bleibt eines Tages stumm. Mark ist nicht zu erreichen. Plötzlich wird alles knapp, selbst das Wasser. Eilishs Schwester drängt sie, auszureisen. Aber was, wenn Mark wieder zurückkommt? Und Larry? Und was ist mit Simon - Eilishs Vater? Soll sie ihn zurücklassen?

Ich lese mich mit angehaltenem Atem durch diese Geschichte, die nur schwer auszuhalten ist. Vom ersten Satz an schafft der irische Autor eine beklemmende Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Atemlos sind die dichten Sätze, denen ich genauso hinterher laufe wie Eilish - eine Löwin, die versucht zwischen Ohnmacht, Hilflosigkeit, weiterzuleben, für ihre Familie da zu sein. Denn Eilish hat noch drei weitere Kinder, für die sie da sein will und muss. Stets an ihrer Seite: die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird.

"Das Lied des Propheten" erschüttert einen bis ins Mark. Und trotzdem sollte man das Buch lesen. Was Literatur alles bewegen kann, zeigt der Booker Preisträger auf erschreckende Weise.

Das Lied des Propheten

von Paul Lynch

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Annas Lied
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich liebe jede Seite dieses Romans. Erst jetzt habe ich "Annas Lied" von Benjamin Koppel für mich entdeckt. Frisch ist das Buch als Taschenbuch erschienen und so besonders! Der Saxophonist erzählt darin die Geschichte seiner langverschollenden Schwester des Großvaters. Hannah. Sie war das einzige Mädchen in der Koppelman Familie.

Eine große Bürde liegt auf dem Mädchen, nachdem ihre vier Brüder sich in nicht-jüdische Mädchen verliebt hatten und somit dem Ruf der Mutter nach einer würdigen und gesitteten Heirat mit Jüdinnen entgangen sind. Großes Familiendrama! Diese Szenen von der Mutter sind zum Schmunzeln schön und dramatisch berührend.

Die Familie ist musikalisch veranlagt. Jeder spielt ein Instrument, bei Hannah ist es das Klavier. Sie träumt von einer Karriere als Pianistin, aber den Wunsch zu verwirklichen, scheint ein schwieriges Unterfangen. Selbst nachdem Hannah am Kopenhagener Konservatorium angenommen wurde. Mutter Bruche hat für ihre Tochter ein anderes Leben vorgesehen. Sie soll den Pariser Francoise heiraten. Als Hannah durch ihre beste Freundin Elisabeth den revolutionären Aksel kennenlernt, keimt Hoffnung eines Ausbruchs auf...

Ich folge Hannahs Weg wie dem Leben der Familie mit klopfendem Herzen und bin berührt, höchst beglückt über die vielen Seiten, die mir der Autor beschert. Er schreibt in alter jüdischer Erzähltradition mit diesem gewissen Verve, den wir an jüdischen Geschichten so lieben. Wir bewegen uns zwischen den politischen Entwicklungen der späten 30er Jahre, schlittern hinein in den 2. Weltkrieg, erleben Angst und Flucht. Dabei stellt sich in mir eine Stille an, die nur die Musik durchbrechen kann.

Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung, denn im Oktober erscheint "Großmutters Geheimnis" - dafür hat der Autor den wichtigsten dänischen Literaturpreis "Die goldene Lorbeere" erhalten.

Annas Lied

von Benjamin Koppel

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Scheue Wesen
Frank Menden

Frank Menden

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Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Die Anfang 30jährige ist in eine langjährige Affäre mit einem der leitenden Ärzte der Klinik verstrickt, der zudem verheiratet ist. Als man eines Tages einen verwahrlosten jungen Mann auffindet, der offenbar seit Jahrzehnten das Haus seiner alten Tanten nicht verlassen hat, und dessen Existenz den Nachbarn völlig unbekannt war, wirkt dies wie eine Initialzündung auf Helen.
William Tapping, so der Name des Mannes, entpuppt sich in der Klinik als begabter Künstler, der positiv auf Helens Zuwendung reagiert. Diese beginnt sich mehr und mehr für seine Geschichte zu interessieren, stellt Nachforschungen an - und bringt Dinge ans Licht , die auch ihr Leben verändern werden…

„Scheue Wesen“ von Clare Chambers übersetzt von Wibke Kuhn, ist einer dieser Roman , bei dem einfach alles stimmt.
Die Verknüpfung von Helens allmählicher Emanzipation mit dem Schicksal eines stark traumatisierten Mannes und den neuen Entwicklungen in der psychiatrischen Pflege der 1960er ist überaus stringent gelungen.
Mit Empathie und genauer psychologischer Finesse zeichnet die Autorin ihre Figuren , der Plot entwickelt gerade in der durch Rückblenden erzählten Geschichte Williams einen geradezu krimihaften Sog, so dass einem der umfangreiche Roman wesentlich kürzer vorkommt.

Wieder einmal hat Julia Eisele gezeigt, warum ihr kleiner feiner Verlag sich einer so großen Beliebtheit bei Leserinnen und dem Buchhandel erfreut: weil sie Romane wie diesen findet, die beglückend, berührend und mitreißend sind und auf beste Art und Weise intelligent unterhalten.

Scheue Wesen

von Clare Chambers

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Die Sache mit Rachel
Simone Finkenwirth

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Endlich ist unser Herzensbuch erschienen! Frank Menden und Simone Finkenwirth sind selten einer Meinung, doch manchmal erfreuen sie sich gemeinsam an einem #nichtimmereinigaberimmereins-Buch. Dieses hier ist solch ein Werk. Und hey! ganz ehrlich: Wenn sich zwei verschiedene Menschen so einig sind, dann solltet ihr hellhörig werden! Dolly Alderton findet das übrigens auch. Also, dass dieses Buch ein Knaller und brillant ist. Und sicherlich auch, dass sich die beiden nicht täuschen können.

Weil wir unser Glück gern teilen, haben wir ein besonderes Geschenk: Die ersten vier Käufer:innen von „Die Sache mit Rachel“ erhalten beim Kauf einen blauen oder pinken Stoffbeutel. Reservierungen sind möglich, aber sollte vor euch jemand kommen, geben wir den Beutel mit. Gleiche Chance für alle.

Was macht dieses Buch nun derart außergewöhnlich? Vieles! Rachel und James natürlich! Aber auch all die Verwicklungen und Fallstricke, die sie zum Stürzen bringen - und das in einer schwierigen Zeit, denn die Geschichte spielt 2010/2011 während der Rezession in Irland. Das Lebensgefühl von jungen Heranwachsenden, denen noch alles offen steht, und an das wir uns alle gern zurückerinnern. Obendrein ist da ein fein ausbalancierte Mix aus Übermut, Melancholie, Witz, Tiefsinn.

Caroline O'Donoghue schreibt klug und scharfsinnig wie feinfühlig über die großen Themen des Lebens. Es gibt berührende wie herzerwärmende und übersprudelnde Momente, die wir mit jeder Faser gespürt haben. Am Ende erfüllt uns das Gefühl, das nur wenige gute Bücher bei uns hinterlassen. Darin waren wir uns so was von einig!

Die Sache mit Rachel

von Caroline O'Donoghue

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Trophäe
Frank Menden

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Hunter ist ein reicher, amerikanischer Grosswildjäger, der darauf versessen ist , endlich die „Big Five“ zu vollenden.
Dafür bietet er viel Geld. Doch als sein Traum platzt, weil Wilderer das ihm zugedachte Nashorn vor ihm erwischen, überrascht ihn sein Freund Van Heeren mit der Aussicht auf eine noch größere Trophäe….

Lange habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich über „Trophäe“ schreiben könnte, wie diesem außergewöhnlichen Leseerlebnis mit Worten beizukommen wäre.
Nun, ich weiß es immer noch nicht.
Die Wirkung dieses Romans besteht weniger in der Überraschung ( für mich war das Ende von Beginn an absehbar), als in der Intensität, in der die Geschichte erzählt wird. In den nahezu philosophisch Betrachtungen über die Jagd und die Ausbeutung eines Kontinents, über den Mangel ( und die Bereitschaft) an Verständnis für andere Kulturen . Und in den ethischen Fragen, die hier erörtert werden und keine einfachen Antworten liefern.
Ein außergewöhnlicher Roman , in dem das „wie“ mir viele Gedankenräume öffnete - und der definitiv nichts für Zartbesaitete ist.
Man muss die Geschichte in all ihrer plastischen Darstellung aushalten können. Vor allem aber muss man die Bilder, die sich von alleine einstellen, aushalten.
Wenn man sich dazu entschließt wird man mit einem außergewöhnlichen Leseerlebnis belohnt, das man wohl nie vergessen wird.

Trophäe

von Gaea Schoeters

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Wir werden jung sein
Frank Menden

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Was wäre, wenn man nicht mehr altern würde ? Wenn man immer jung sein könnte bzw. sich wieder verjüngen könnte? Und dies ganz einfach ginge, nur die Einnahme eines Medikaments wäre nötig? Würde man es nehmen?
Im ersten Schritt könnten viele von uns dies sicherlich bejahen.
Aber was wären die Folgen ?
Überbevölkerung , kollabierende Renten- und Sozialsysteme, einfrieren des Status Quo und weniger Innovationswillen da man ja jetzt nahezu unsterblich ist …

Diesen Fragen geht Maxim Leo in seinem neuen Roman „Wir werden jung sein“ nach.
Anhand von vier Menschen unterschiedlichen Alters , die als Folge einer neuen Therapie gegen Herzprobleme langsam jünger und fitter werden, beleuchtet er dieses Gedankenexperiment auf vielfältige Art und Weise .
Herausgekommen ist ein mitreißender und überaus kurzweilig zu lesender Roman , der gerade im letzten Drittel vermehrt zum nachdenken anregt und die eingangs erwähnten wichtigen Fragen aufwirft.
Das hätte für meinen Geschmack gerne noch mehr in die Tiefe gehen können, ist aber auch so ein gelungener Beitrag zu einer Diskussion, die uns alle immer wieder beschäftigt ( Stichwort „Jugendkult“ ) und an der die Wissenschaft schon lange intensiv forscht und arbeitet.
Sehr zu empfehlen

Wir werden jung sein

von Maxim Leo

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In den Augen meiner Mutter
Frank Menden

Frank Menden

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Durch einen Zufall stößt die hochschwangere Georgie im Internet auf ein Bild ihrer Mutter . Offensichtlich hat die Frau , die vor 20 Jahren von heute auf morgen ohne jeglichen Grund ihre Familie verließ, in den schottischen Highlands ein verirrtes Mädchen in einer Höhle gefunden.

Spontan macht sich Georgie zusammen mit ihrem Bruder Dan auf die Suche nach dieser Frau - und auf Antworten zu lange unausgesprochenen Familiengeheimnissen….

„In den Augen meiner Mutter“ von Jo Leevers ist ein flüssig und mitreißend erzählter Roman, der auf mehreren Zeitebenen von familiären Verstrickungen und Geheimnissen erzählt, von trügerischen Erinnerungen und nie ausgesprochenen Dingen, von Schuld und Lügen und Verdrängung - und von Liebe.
Es ist der Autorin hoch anzurechnen, dass die Geschichte den Kitsch stets vermeidet. Die Übersetzung von Marie Hochsieder trägt dazu bei, dass mich dieser Roman im diesjährigen Weihnachtsgeschäft wunderbar unterhalten hat.

Wer gute Unterhaltung mit dem richtigen Maß an Tiefgang sucht ist hier genau richtig.

In den Augen meiner Mutter

von Jo Leevers

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Der Sommer zu Hause
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Der Sommer zeigt sich jetzt in seiner vollen Blüte. Passend dazu möchte ich Ihnen noch ein Buch kredenzen, das in diese Jahreszeit so gut passt, aber natürlich auch im Herbst und Winter gelesen werden kann. Der Berlin Verlag hat sich mit dem deutschen Titel keinen Gefallen getan, und somit die Halbwertzeit des Buches etwas gedrosselt. Das englische Original heißt "Tom Lake", übrigens vom Guardian und der Washington Post gefeiert. Und das zu Recht!

Lara ist die Ich-Erzählstimme. Die 57jährige ist die Mutter von drei erwachsenen Töchtern, die beim ersten Lockdown zur Kirschernte nach Hause gekommen sind. Die Eltern betreiben im nördlichen Michigan eine Obstfarm. Emily will das Gut nach ihrem Studium der Agrarwissenschaften übernehmen, Maisie möchte als Tierärztin arbeiten und Nell in die Fußstapfen der Mutter treten: Sie will Schauspielerin werden.

Genau das war Lara in jungen Jahren. Eher zufällig ist sie in diesen Job hineingestolpert. Es mag neben ihrem Talent wohl auch diese Leichtigkeit sein, die aus dem Provinzmädchen eine gefragte Schauspielerin gemacht hat. Ein Mädchen, das an der Seite eines bekannten Schauspielers gestanden hat. Aber wie kam das alles? Und was hat es mit Peter Duke auf sich? Warum hat sich die Mutter der Schauspielerei abgewandt und wurde stattdessen eine Farmerin? Diesen Fragen beugt sich Lara, während ihr Kirschen zwischen den Fingern hängen.

So mäandern wir zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. All das fließt ganz harmonisch wie in einem Atemzug ineinander. Wir bleiben dabei besonders in jenem Sommer am Tom Lake hängen, wo Lara die Emily aus Unsere kleine Stadt in einem Sommertheater gespielt hat. Dort traf sie auf Duke, Sebastian, und ihre Freundin Pallas. Was für eine tolle Kulisse! Was für herrliche Szenen!

Und was für ein wundervolles Buch! Atmosphärisch dicht, herzerwärmend und herrlich ruhig geschrieben. Das Buch zeigt, dass selbst leise Töne laut sein können. „Der Sommer zu Hause“ ist ein Reigen aus schönen Sätzen, in die ich mich seufzend geschmiegt habe. Obendrein ist's ein friedvoller wie sommerlich flirrender Slow-Burner zum Gernhaben und Nicht-wieder-Loslassen-wollen.

Eine literarische Meditation über die Liebe in jeglicher Form, übers Erwachsenwerden, Träume, Sehnsüchte, Schauspielerei und die Familie. Das perfekte Geschenk für die beste Freundin, die liebe Kollegin, die Liebste, die Tochter, Tante, Nichte, Cousine oder Mutter für laue Sommernächte - sofern es zwischen den Zeilen auch mal ruhiger zugehen darf.

Der Sommer zu Hause

von Ann Patchett

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Porträt auf grüner Wandfarbe
Simone Finkenwirth

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Elisabeth Sandmann publiziert In ihrem gleichnamigen Verlag seit über 20 Jahren Bücher über herausragende Frauen. War es da nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst schriftstellerisch tätig wird? Vielleicht. Mit Sicherheit weiß ich, dass die Verlagsbuchhändlerin mit „Porträt auf grüner Wandfarbe“ für mich einen der schönsten Frauen- und Familienromane des Jahres geschrieben hat. Ein Buch, das nicht nur optisch eine Augenweide ist, auch das Innenleben leuchtet. Und ganz ehrlich? Ich weiß nicht, wie ich Ihnen in wenigen Worten die Fülle die Geschichten in kurzen Zeilen wiedergeben soll.

Am besten beginne ich von vorn. Die Londonerin Übersetzerin Gwen bekommt von ihrer betagten Tante Lily einen Anruf. Wir schreiben das Jahr 1989. Die Mauer ist gefallen. Lily will mit Gwen nach Pommern reisen - zu den Familienwurzeln, jetzt, wo das wieder möglich ist. Gwen fühlt sich überrumpelt, eigentlich wollte sie mit ihrer besten Freundin Laura nach Italien. Und nun das. Gwen besinnt sich, fragt Laura. Diese willigt ein. Zusammen reisen Gwen, Laura und Lily mit ihrer Freundin Lotte von Berlin an die polnische Ostsee.

Vorher passieren ungeplante Dinge, denn Gwen taucht in die Tiefen ihrer Familiengeschichte ein. Und die ist bunt, bewegend, aufregend. Und obendrein derart mitreißend erzählt. Kunst kommt darin vor, aber auch lang verschwiegene Geheimnisse, nicht ganz verheilte Wunden. Gwen liest alte Briefe und Aufzeichnungen und entdeckt dabei Ellas Geschichte, sie ist eine der tragenden Frauen, die mich die ganze Zeit wie eine Freundin begleitet. Und dann ist da noch ein verborgenes Geheimnis, das niemand ansprechen will, aber ein wichtiges Mosaiksteinchen ist, das vieles erklären könnte - wie den Tod von Gwens Mutter.

Keine Seite ist zu viel in diesem Familien- und Frauenepos, das uns auch quer durch Europa führt, und die politischen Verflechtungen genauso klug einwebt wie den Wunsch der Frauen nach Unabhängigkeit. So treffe ich auf taffe Frauen, die ihrer Zeit voraus sind und mich durch ihre eigene selbst bestimmte Art tief beeindrucken.

Elisabeth Sandmann weiß, was gut erzählte Romane auszeichnet, die aus der Masse hervorblitzen. Nicht nur mit einer wundervollen Covergestaltung. Sie berührt mich an vielen Stellen, lässt mich nach charmanten Dialogen gleichwohl schmunzeln. Und am Ende fehlen mir die Figuren. Auch das zeichnet gute Romane aus, wenn ihr Innenleben in unseres übergeht.

Sollten Sie gern Hörbücher hören, dann möchte ich Ihnen die Hörbuchfassung ans Herz legen, denn dieser bin ich mit großer Begeisterung gefolgt. Elisabeth Günther spricht die Geschichte kongenial und schafft ein hochklassiges Erlebnis, sie gibt jeder Figur eine eigene Stimme! Doch selbst in Buchform ist dieser Roman einprägend und eine absolute Empfehlung! Nicht nur für Fans von Alena Schröder.

Porträt auf grüner Wandfarbe

von Elisabeth Sandmann

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Licht zwischen den Bäumen (Steidl Pocket)
Frank Menden

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„An dem Abend, als wir Ellen am Straßenrand zurückließen, fuhren wir die 252 in nördlicher Richtung entlang….“

Mit diesen Worten beginnt „Licht zwischen den Bäumen“, der Debütroman von Una Mannion, übersetzt von Tanja Handels.
Der Ton ist gesetzt, dies ist keine heitere Familiengeschichte, keine der üblichen Coming of Age Erzählungen.

Ellen ist 12, sieht aufgrund ihrer schmächtigen Statur jedoch deutlich jünger aus. Die alleinerziehende Mutter Faye ist überfordert vom Leben , überfordert vom ihren fünf Kindern . Und so wirft sie kurzerhand ihre Tochter aus dem Auto , als diese sie fortwährend um die Teilnahme an einer Kunstakademie bittet.
Die Dämmerung hat bereits eingesetzt , das kleine Mädchen bleibt alleine zurück .
Eine Entscheidung, ein Augenblick , der alles verändern wird, der die 14jährige Erzählerin Libby schlagartig erwachsen werden lässt und auch ihre vier Geschwister nachhaltig prägen wird.
Denn obwohl Ellen an diesem Abend wieder den Weg nachhause findet, wird fortan nichts mehr sein wie es war …..

Das klingt jetzt ein wenig nach Kolportage und schlechtem Cliffhanger, doch lasst euch bitte nicht täuschen : dieses Buch ist ein Juwel.
Voller Andeutungen, mit geschickt eingestreuten Krimielementem, erzählt Una Mannion von fünf Geschwistern, die auf ihre Art dem Schicksal trotzen, eine Gemeinschaft, die wahre Not kennt und aus Unkenntnis der Welt der Erwachsenen gegenüber fatale Entscheidungen trifft .
Ein ungemein atmosphärischer Roman , der sich einer Genrefestlegung entzieht, ungemein berührend , spannend und durch und durch bemerkenswert.

Licht zwischen den Bäumen (Steidl Pocket)

von Una Mannion

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Der Lärm des Lebens
Frank Menden

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Schreibende SchauspielerInnen gibt es einige. Nicht alle vermögen auch auf dem Papier zu überzeugen. Einige reüssieren - und andere leider nicht .
Jörg Hartmann, bekannt u.a. aus „Weißensee“ und dem Dortmunder „Tatort“, überzeugt mit „Der Lärm des Lebens“ auf ganzer Linie.

Sein mit großer Offenheit geschriebener Text schildert sowohl das Berufliche wie auch das Private.
Man erfährt viel Wesentliches über den Schauspielberuf ( und natürlich auch pointiert geschriebene Anekdoten ), über aktuelle identitätspolitische Diskurse in diesem Metier.
Man erfährt aber auch viel über das Leben abseits von Bühne und Filmset.
Über die gehörlosen Großeltern, die den Nazis entkamen. Über die Eltern, die Demenzerkrankung und den Tod des Vaters. Über die Partnerschaft und das Leben mit drei Kindern.
Und über den Ruhrpott im allgemeinen und Dortmund-Herdecke im besonderen.

Dies alles ergibt ein sehr rundes Buch, ein Buch über den titelgebenden Lärm des Lebens mit all seinen Aspekten. Es ist ein eher leises Buch , grundsympathisch, uneitel und offen.
Ich habe dieses Buch mit großem Gewinn gelesen, denn der Kreislauf des Lebens , die Frage über Herkunft und Heimat, die beschäftigen uns alle immer wieder.
Jörg Hartmann geht ihnen auf besondere Art und Weise nach.
Sollte man lesen!

Der Lärm des Lebens

von Jörg Hartmann

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Das Sommerfest
Simone Finkenwirth

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Kurz - wirklich nur ganz kurz wollte ich zwischen den Jahren in dieses Buch reinlesen. Das mache ich zu der Zeit immer. Ich begutachte die Neuerscheinungen des Frühlings. Doch dann wurde es länger. Und wissen Sie was? Genau das fand ich großartig! Wenn ich einen Leseschatz Monate vor Erscheinen entdecke, fühlt sich das stets wie ein Feuerwerk an. Genauso empfand ich den neuen Roman von Adrienne Brodeur „Das Sommerfest“. Wem der Name bekannt vorkommt, liegt richtig. Denn die Autorin hatte mit ihrem Debüt „Wild Game“ etliche begeisterte Leser:innen. Nun legt sie nach. Und ich vermute: Ich bleibe nicht die einzige Jubelstimme. Der englische Titel „Little Monsters“ trifft für mich den Inhalt mehr. Aber Monster gehen im deutschsprachigen Raum offenbar nicht ganz so leicht, daher wohl diese Verlagsentscheidung.

Es ist so ein Buch, das man einmal aufgeschlagen, nicht mehr an die Seite legen möchte. Brodeur erzählt von einer interessanten Familie. Adam ist das Familienoberhaupt. Sein siebzigster Geburtstag nähert sich und der soll groß gefeiert werden. Warum bis dahin alte Dinge nicht ablegen? Wie die Tabletten, die Adam seit Jahren nimmt, um seine bipolare Störung in Schach zu halten. Während Adam dieses Experiment wagt, staucheln seine beiden erwachsenen Kinder. Abby ist schwanger von ihrem langjährigen Geliebten. Gleichzeitig wächst das Interesse an ihrer Kunst. Abbys Bruder hingegen ist getrieben vom Erfolg, verdrängt die Rufe seiner verletzten Seele, doch Monster lassen sich schwer besänftigen. Und wer ist diese fremde Frau? Steph taucht plötzlich auf und hat ein Geheimnis in der Tasche.

Atemlos bin ich durch die Seiten gepeitscht – bis zum furiosen filmreifen Finale. Überhaupt ist das ganze Setting – Cape Cod – wie zahlreiche Szenen absolut filmreif. So verwundert es mich nicht, dass auch Miranda Cowley Heller - die Autorin von „Der Papierpalast“ - ihrer Kollegin ein begeistertes Zitat gewidmet hat. Denn ich sah einige Parallelen, obwohl der Kern der Geschichte ein anderer ist. Aber wir Buchhändler:innen denken ja gern in sogenannten Referenztiteln: "Mochten Sie das Buch, dann werden Sie dieses ebenso lieben."

„Das Sommerfest“ ist eine bewegende Familiengeschichte, ein flirrender Kosmos aus verschiedenen Figuren. Ein Roman, der mitunter zu Herzen geht, aber niemals ins Kitschige kippt. Alles ist perfekt ausbalanciert.

Das Sommerfest

von Adrienne Brodeur

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Die Stadt und ihre ungewisse Mauer
Simone Finkenwirth

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Der neue Roman von Haruki Murakami erfreut sich ja derzeit großer Beliebtheit und führt die Spiegel Bestsellerliste an. Für mich ist das eine ganz besondere Freude, denn ich bin seit vielen Jahren eine große Bewunderin des japanischen Autors, der in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden ist. Was ist nun dran an diesem Hype? Lohnt sich die Lektüre?

Allen Murakami-Fans kann ich das neue Buch uneingeschränkt empfehlen, denn bereits nach den ersten Seiten treffen wir auf eine vertraute Murakami-Szene: Die Freundin des Erzählers berichtet von der anderen Stadt. Dort lebe ihr wahres Ich. Hier im Jetzt sei nur ihr Schatten. Ein wandernder Schatten sozusagen. Für uns eingefleischte Murakami-Fans liest sich das ganz normal, so als würde der Nachrichtensprecher das Wetter für morgen ankündigen.

Für Neulinge könnte das allerdings befremdlich erscheinen. Ja, man braucht eine bestimmte Offenheit, um in diesen Murakami anzukommen. Aber es lohnt sich.

Denn Murakami nimmt uns nicht nur mit in verschiedene Ebenen und zeigt, wie kraftvoll die Fantasie sein kann, er schreibt genauso über all die Themen, die uns Menschen gleichermaßen beschäftigen: Das Leben als solches, über die Wirklichkeit, die Ängste, die Einsamkeit und die große Liebe, für die man bereit ist, alles zu geben. So folge ich seinem verliebten Helden, bleibe ganz oft an großen Sätzen hängen wie vor etlichen Szenen, reibe mir ungläubig die Augen. Und denke: Wie unglaublich ist das bitte nur?!

Murakami seziert alles bis ins Kleinste, er eröffnet uns ein Mikrokosmos und es wird nie langweilig. So ist er mitunter sehr philosophisch, poetisch, weise und natürlich rätselhaft. Aber auch melancholisch. Kaum ein Autor versteht es, derart schön über das dunkle Gefühl zu schreiben, dass man sich gleich weniger traurig fühlt. Nicht zu vergessen, das vielseitige, feine Figurenkabinett, das er mit großer Liebe ausgearbeitet hat. Übrigens ist die Grundidee des Romans vor vielen Jahren entstanden 1980, damals erschien eine Kurzgeschichte. Da er von der Geschichte nicht überzeugt war, wollte er sie nicht in Buchform veröffentlichen. Aber ganz losgelassen hat sie ihn nie. Und während des Lockdowns fing er wieder an, an ihr zu arbeiten, zwei Jahre lang. Und das ist das Ergebnis!

Wer je bezweifelt hat, ob Murakami den Literatur-Nobelpreis verdient hat, der findet in „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ eine Antwort. Denn hier zeigt sich große Erzählkunst, die tief beeindruckt und nicht ohne Grund eine große feste Fangemeinde hervorgehoben hat. Diese trifft sich aktuell auf Instagram bei reading_haruki_murakami. Kommen Sie gern vorbei und sprechen mit uns. Oder natürlich auch bei uns im Laden. Ich freue mich auf den Austausch!

Allen Hörbuch-Freunden empfehle ich auch das von David Nathan eingesprochene Hörbuch! Großes Kopfkino!

Ich verneige mich vor allen: dem Autor, seiner Übersetzerin Ursula Gräfe und dem Vorleser. Und Ja, der Hype ist so was von berechtigt!

Die Stadt und ihre ungewisse Mauer

von Haruki Murakami

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Lichtungen
Simone Finkenwirth

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Wie zarte Regentropfen berühren mich Iris Wolffs Sätze. Ich spüre, „Lichtungen“ ist kein Buch, das man mal eben in der Bahn liest. Dafür ist es zu gehaltvoll, wertvoll. Jeder Satz möchte mit voller Aufmerksamkeit betrachtet werden. Und noch etwas passiert während des Lesens: „Lichtungen“ entschleunigt mich auf bezaubernde Weise. Liegt es an der besonderen Beziehung der Hauptfiguren, Lev und Kato? Oder an der feinsinnigen, zarten wie poetischen Sprache? Oder dem ungewöhnlichen Erzählstil? So beginnt die Autorin mit dem Ende.

Im Mittelpunkt stehen Kato und Lev, die sich als Schulkinder kennenlernen, als Lev erkrankt. Das Band zwischen ihnen bleibt die Jahre bestehen, und wir begleiten die beiden auf ihren verschiedenen Stationen des Lebens, lernen die unterschiedliche Charaktere kennen. Während Kato als Straßenzeichnerin durch die Welt reist, bleibt Lev im Ort der Kindheit. Erst als Kato Lev eine selbstgemalte Karte mit der Frage schickt: „Wann kommst du?“ wagt Lev den Aufbruch... - genau der steht nun am Anfang des Buches, und wir bewegen uns langsam zurück.

Wie bereits in „Die Unschärfe der Welt“ reist Iris Wolff mit uns an den Ort ihrer Kindheit – nach Siebenbürgen. Die Autorin wurde in Rumänien geboren, verbrachte dort die ersten acht Jahre des Lebens. Es scheint, als gäbe es eine unsichtbare Schnur, die sie immer wieder dorthin zurückführt. Ich bin ihr - wie mein Kollege Frank Menden ebenfalls - auch dieses Mal mit Staunen und Bewunderung gefolgt. Wie viel Themen sie in diesem schmalen wie gehaltvollen Buch eingearbeitet hat, ist derart kunstvoll, dass sich das Feuilleton und die Leserschaft alle einig sind: Dieses hier ist ein umwerfend schönes wie beeindruckendes Buch, das zeigt: Wir brauchen nicht immer auf alles Antworten, manchmal ist das Schweben auch ein schöner Zustand. Kato und Lev werden es ihnen bestätigen.

Lichtungen

von Iris Wolff

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Die Gouvernanten
Simone Finkenwirth

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„Die Governanten“ von Anne Serre wurde unlängst von der SWR-Lesenswert-Redaktion so wohlwollend besprochen, dass ich sofort ins Buch einsteigen wollte. Gleich zu Beginn habe ich ein Déjà vu: Ich fühle mich an Nabokovs „Ada oder Das Verlangen“ von Vladimir Nabokov erinnert. Da ist diese fantastische leicht märchenhafte Atmosphäre, die ich bis heute nicht vergessen kann. Sonderbar ist hier einiges und wie Sie wissen, mag ich auch solche Bücher.

Im Zentrum des Romans bewegen sich drei Governanten, die eingestellt wurden, um die Kinder zu erziehen. Doch diese Arbeit ist nur reine Nebensache. Der Dienstherr Monsieur Austeur hat die drei Frauen auch angestellt, weil er Unordnung in seinem Leben braucht. Und so stolzieren Éléonore, Inés und Laura in die abgeschiedene Villa – das Gepäck besteht nicht nur aus Koffern, sondern auch aus Erinnerungen, Bäumen, Häusern... alle drängen sie ins Haus, denn mit dem Dienstantritt geben die Frauen alles Bisherige aus ihrem Leben ab.

Wie jetzt? werden Sie sich jetzt vielleicht fragen, das geht doch nicht. Hier schon. Die Geschichte hat surrealistische Elemente, für die man offen sein sollte. Angekommen, mischen die Governanten mächtig auf, ziehen dahergelaufene unbekannte Männer am Tor in den Garten und fallen über sie her wie Spinnen über ihre Beute. Obendrein wird jede Handlung von einem Herrn von gegenüber – dem alten Greis - mit seinem Fernrohr beobachtet.

Wer erzählt uns jetzt die Geschichte? Der Spanner? Monsieur Austeur? Seine Frau? Man weiß es nicht. Ich muss es auch nicht, denn ich bin mit etwas anderem beschäftigt: Hinter fast jedem Satz mache ich eine sinnliche oder skurrile Entdeckung, über die ich schmunzele oder mir verwundert die Augen reibe. Ich lasse mich komplett in die Szenerie fallen, höre ein Seufzen, ein Rascheln und andere Geräusche.

Nach der Lektüre kehre ich mit roten Wangen und glühenden Augen in die Gegenwart zurück, denke wieder einmal: Wie großartig ist die Welt der Literatur!? Was kann sie auf wenigen Seiten für Filme erzeugen?! Dass dieser Roman in Hollywood gerade verfilmt wird, verwundert mich daher überhaupt nicht. Nabokov hätte das sicherlich auch gefallen.

Die Gouvernanten

von Anne Serre

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Auf Wiedersehen
Frank Menden

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Jasmins Ramadans erster Roman seit sieben Jahren handelt von einer Gruppe Mitt-und Endvierzigern in Hamburg. Wie eine Art moderner Reigen erzählt sie von einer ehemaligen Freundesgruppe, die aufgrund des Verschwindens von Hendrik, dem unsympathischsten Mitglied der Ex-Clique, wieder zusammenfindet.

Der Roman bietet neben wunderbaren Hamburg Motiven und Momenten eine etwas überzeichnete, aber ungemein unterhaltsame und spitzfindige Analyse des Lebens dieser Altersgruppe und ihrer Befindlichkeiten. Vom Überdruss in Partnerschaften, Luxusproblemen und Entfremdung unter ehemals besten Freunden, von Unsicherheiten, neuen und alten Lieben.
Das bietet Suchtpotential wie eine Miniserie, vor allem weil Jasmin Ramadan lustvoll mit jedweden Klischees spielt.
Vor allem Hamburger*innen sollten sich diesen mitreissenden und sehr viel Spaß machenden Roman nicht entgehen lassen!

Auf Wiedersehen

von Jasmin Ramadan

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Das Jahr ohne Sommer
Frank Menden

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In ihrem neuen Roman erzählt Constanze Neumann von einem Mädchen zwischen zwei Welten, der DDR und der BRD.
Als die namenlose Protagonistin etwa sechs Jahre alt ist planen die Eltern die Flucht in den Westen . An der Grenze werden sie jedoch zusammen mit ihrer kleinen Tochter durch einen Verrat gefasst und ins Gefängnis gesteckt .
Das Mädchen kommt zur Großmutter bis sie den von der BRD freigekauften Eltern in den Westen folgen kann .
In Aachen finden sie ein neues Heim, ein Zuhause wird es lange nicht werden….

Nach „Wellenflug“, in dem Constanze Neumann über die Herkunft ihrer Familie erzählte, ist „Das Jahr ohne Sommer“ ihr zweiter Roman. Ebenso autobiografisch, erzählt sie hier ihre eigene Kindheit und Jugend .
In kurzen, dichten Sätzen erzählt sie frei von Pathos und fern jeglicher Sentimentalität vom Alltag in der DDR und den Schwierigkeiten sich in der neuen westlichen Welt zurechtzufinden.
Eltern wie Tochter stehen vor schweren Herausforderungen und durchleben die Schwierigkeiten sich ein neues Leben aufzubauen, sich einzugliedern und doch fremd zu bleiben . Dabei kämpft die Mutter zusätzlich noch mit den psychischen Folgen ihrer zweijährigen Haftzeit.
Dies alles schildert die Autorin sehr offen, mit einem ungeheuren Gespür für Feinheiten und Nuancen . Es ist eine mir bis dato nie so deutlich klargewordene Zwischenwelt, die hier in all ihrer Deutlichkeit und Komplexität dargestellt wird.

„Es war nun so, wie es hatte sein sollen, wie wir es uns immer gewünscht hatten, und doch war alles ganz anders und fremd und verwirrend, und so würde es lange bleiben.“

Diesen Roman sollte man sich nicht entgehen lassen!

Das Jahr ohne Sommer

von Constanze Neumann

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Paradise Garden
Simone Finkenwirth

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Für mich steht „Paradise Garden“ im Schatten eines anderes Debüts, das ich mir auf der diesjährigen Longlist gewünscht hätte: „Gewässer im Ziplock“ von Dana Vowinckel. Und wer weiß, hätte ich jenes Debüt nicht vor Elena Fischers Erstling gelesen, wäre meine Meinung enthusiastischer. Dennoch hat mich „Paradise Garden" beim Lesen durchaus beglückt, deshalb ziehe es hier noch einmal hervor.

„Paradise Garden“ erzählt mit leichter Feder von einer schweren Geschichte. Die 14jährige Billie wächst mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einer Hochhaussiedlung auf. Geld ist knapp. Die Mutter hat zwei Jobs, tagsüber putzt sie, abends arbeitet sie in einer Bar. Als die beiden bei einem Gewinnspiel Geld gewinnen, steht fest: Sie gehen auf Reisen. Doch dazu kommt es dann doch nicht, da sich am Tag der Abreise Billies Großmutter meldet. Sie ist krank und reist von Ungarn nach Deutschland, da hier die ärztliche Versorgung besser ist. Als sich die Mutter und Großmutter streiten, passiert etwas Schlimmes, das unserer jungen Heldin den Boden unter den Füßen wegzieht...

Einmal begonnen, fliege ich durch die Seiten. Elena Fischer hat mit Bilie eine wunderbare Erzählstimme geschaffen. Sie hat Chuzpe, ist cool und mutig – alle Figuren wachsen einen ans Herz, das ist der Zauber dieses Buches.

„Paradise Garden“ ist ein Buch über Verlust, Sehnsucht, Fragen und eine Suche. Eine mitreißend erzählte Coming-of-Age Geschichte, die man jungen Leser:innen ab 14 Jahren in die Hand drücken kann. Denn ich hätte so ein Buch als Jugendliche mit großer Freude verschlungen.

Paradise Garden

von Elena Fischer

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Der alte Apfelgarten
Simone Finkenwirth

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Sharon Gosling kann es einfach. Wie groß der Anteil ihres Mannes bei ihrer schreibenden Tätigkeit ist, weiß ich nicht. Er besitzt einen Buchladen. Doch eins ist gewiss: Sharon Goslings Romane beglücken mich immer wieder.

Ich habe mir "Der alte Apfelgarten" von Anja Kalischke-Bäuerle vorlesen lassen (das macht sie wundervoll). Dieses Mal nimmt uns die Engländerin mit an die Steilküste Schottlands. Kürzlich ist Bern Crowdie verstorben, Bettes und Ninas Vater. Nina lebt mit ihrem Sohn Barnaby auf dem familiären Bauernhof, und hat ihren liebenswerten Nachbarn Cam als wichtigen wie besonderen Freund an der Seite. Bette hat sich indes eine Kariere als Anwältin in London aufgebaut und steht kurz davor, Partnerin einer großen Kanzlei zu werden.

Doch die Beerdigung und Testamentsvollstreckung führt Bette in ihre alte Heimat, die sie vor Jahren verlassen hat. Nur für ein Wochenende will sie hier sein. Aber dann kommt alles anders. Denn das Testament stellt die beiden Schwestern vor neuen großen Herausforderungen: Der Hof ist verschuldet. Bette weiß, sie kann jetzt nicht zurück. Und bleibt bei ihrer Schwester, die ihr bisher mehr Zorn als Liebe entgegengebracht hat.

Nina kümmert sich weiterhin um den Hofbetrieb, Bette sichtet alle Unterlagen, sucht nach Lösungen und der Rauch zwischen den beiden nimmt ab. Als Bette das Grundstück von einer Immobilienmaklerin schätzen lassen will, entdeckt sie einen verborgenen Apfelgarten mit Bienen-Alkoven. Warum wussten die Schwestern bisher nichts davon? Als Cam einen fachkundigen Mann kommen lässt, um eine ungewöhnliche Apfelbaumsorte einorden zu können, trifft Bette auf denjenigen, der der Grund ihrer Flucht gewesen ist.

Nein, das Buch ist nicht gefühlig, eher herzenswarm. Es lebt durch die kleinen feinen Verflechtungen aller Akteurinnen, ist berührend wie mitreißend. Sharon Gosling erzählt leichtfüßig über schwere Themen wie ungleiche Schwesternschaft, und bezieht dabei die betörend schöne wilde Natur mit ein.

Der alte Apfelgarten

von Sharon Gosling

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Schneeflocken wie Feuer
Frank Menden

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Die fast 80jährige Dora fährt zu einem Klassentreffen. Ein Anlass , um aus der heutigen Sicht auf die 17jährige Dora und ihre Jugend in den 1960ern der BRD zurückzublicken.
Auf das Leben mit der von chronischen Schmerzen geplagten Mutter, die ihre als Kind in der NS-Zeit aufgesogenen Ansichten immer wieder in ihre Erziehung einfließen lässt.
An den Vater, der psychisch und physisch Gewalt ausübte.
An die 13 Jahre jüngere Schwester, die sie abgöttisch liebt.
Und an eine Zeit, in der die Selbstbestimmung der Frau fast unmöglich war. Dora lehnt sich auf , rebelliert in dieser engen und spiessigen Welt und setzt ihr sexuelles Erwachen und das Bewusstsein über ihre körperlichen Reize zielgerichtet ein.

„Schneeflocken wie Feuer“ von Elif Conrad ist eine schonungslose Chronik eines Frauenlebens in der damaligen Zeit. Die Ich-Erzählerin reflektiert aus der Sicht der älteren Frau ihr Leben als Jugendliche, sieht die Verbindungen aus Politik und Gesellschaft. Dabei bewegt sie sich fließend durch die verschiedenen Zeitebenen und hat mich auch dank dieser Struktur und der präzisen und manchmal lakonischen Sprache gefesselt. Dieses so ehrliche wie kluge Buch über die Befreiung der Frauen von gesellschaftlichen Zwängen, über selbstbestimmten Sex und Körpergefühl, über Liebe und die Suche nach einem Platz im Leben gehört für mich zu den großen Entdeckungen dieses Frühjahrs.
Wer Annie Ernaux schätzt sollte sich dieses kühne und unkonventionelle Buch nicht entgehen lassen!

Schneeflocken wie Feuer

von Elfi Conrad

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Hallo, du Schöne
Frank Menden

Frank Menden

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William Waters Start ins Leben ist kein leichter: kurz nach seiner Geburt stirbt seine ältere Schwester unerwartet an einer überstanden geglaubten Lungenentzündung. Die Eltern verfallen in eine Art Schockstarre, leben ihr Leben zwar weiter, können William aber weder Zuneigung noch Zuwendung geben. Einzig die Liebe am Basketball hält ihn im wahrsten Sinne aufrecht..
Als er am College Julia Padavano kennenlernt scheint sich alles zum Guten zu wenden. Die attraktive Frau verliebt sich in ihn, die Heirat ist beschlossene Sache, wie auch Julia alles andere genauestens plant. Das Wichtigste für William ist jedoch die Geborgenheit, die er durch Julia, ihre drei Schwestern und seine zukünftigen Schwiegereltern erfährt.
Und dann, eines Tages, kommt alles ganz anders und wird das Leben aller Beteiligten für immer verändern…

Barack Obama zählt diesen Roman zu seinen Lieblingsbüchern, die „New York Times Book Review“ war ebenfalls des Lobes voll. Ich verstehe dies sehr gt, ikst dies doch ein Roman, der einen von den ersten Zeilen an gefangen nimmt, der ProtagonistInnen hat, die man sich als Freunde und Bekannte wünscht und deren Leben zuzuschauen einen bei aller Tragik glücklich macht. Aber das größte Kompliment ist wohl, dass man dieses Roman auch nach 520 Seiten nicht beenden möchte.
Und wenn der Titel gegen Ende von einer Figur ausgesprochen wird bleibt kein Auge trocken.

Hallo, du Schöne

von Ann Napolitano

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Demon Copperhead
Simone Finkenwirth

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Wann hatte ich zuletzt mit einer literarischen Figur eine so enge Beziehung gehabt wie mit Demon Copperhead? Ich weiß es nicht. In jedem Fall spüre ich jetzt nach der Lektüre eine, sagen wir, literarische Melancholie. Abschied nehmen von einem Protagonisten, der mir ans Herz gewachsen ist. Gleichzeitig empfinde ich große Dankbarkeit für diese Begegnung. Für mich ist dieser Roman ein Meilenstein auf der Straße der vielen Neuerscheinungen.

Barbara Kingsolver war mir bis zu diesem Buch, ihrem ersten internationalen Bestseller, kaum bekannt. Dabei hat die amerikanische Autorin bereits sechzehn Bücher geschrieben, sechs wurden ins Deutsche übersetzt, die allerdings bei verschiedenen Verlagen erschienen sind. Für „Demon Copperhead“ hat sie den Pulitzer Preis und den Women’s Prize for Fiction erhalten – mehr als verdient!

Die Story beginnt Mitte der Neunziger Jahre mit der Geburt ihres Romanhelden. Demons Start ins Leben ist alles andere als leicht, seine Mutter ist ein Junkie, sein Vater tot. Die Mutter lebt in einem Trailer in den Wäldern Virginias – der Welt von Tabakbauern und Hillbillys. Als rothaariger Melungeon ist Demon eher ein Außenseiter, hat jedoch stets Menschen an seiner Seite, die ihn auffangen. So wie sein bester Freund Maggot, dessen Pflegeeltern sich Demon annehmen, später folgen noch Angus, Ms Annie, June, Emmie und Tommy. Wir verfolgen nicht nur Demons dramatische Lebensgeschichte, Barbara Kingsolver webt die verheerende Opioidkrise, die Amerika seit Mitte der Neunziger Jahre heimsucht, mit ein, sind nah dran an den Menschen, die damit leben und mitunter daran zerbrechen.

Barbara Kingsolver hat den sogenannten Hillbillys mit ihrem Werk ein Denkmal gesetzt. Sie hat mich mitgenommen in die dunkelsten Momente eines Menschenlebens und dabei stets am Horizont einen Hauch Hoffnung scheinen lassen, der alles trägt. Der dir sagt: Nie aufgeben, kämpfen lohnt sich! Und vielleicht wird am Ende doch noch alles gut. Wird es das? Das möchte ich nicht verraten, denn das Werk verdient noch viele weitere Leser:innen. Doch eine Gewissheit haben wir: Menschen wie Demon, vermeintliche Verlierer, können zu Gewinnern werden, wenn sie den Ungerechtigkeiten dieser Welt nur die Stirn bieten.

Demon Copperhead

von Barbara Kingsolver

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Einer fehlt
Frank Menden

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In den Büchern von Tommie Bayer geht es immer wieder um Freundschaft, Liebe und Kunst. Diesmal sind die Protagonisten drei Herren um die 70, und es ist kein Wunder, dass es sich um einen Filmkomponisten, einen Maler und einen Verleger handelt, wobei der Maler nach dem Tod seiner Frau spurlos verschwunden ist. Aus Angst, dass er sich etwas antun könnte, machen sich seine beiden Freunde auf die Suche nach ihm. Die Spur führt im komfortablen Jaguar nach Italien. Ein Roadmovie also, in dem traumhafte Kulissen, gutes Essen und geistreiche Gespräche eine gelungene Mischung bilden.

Immer wieder gibt es Rückblenden. Wie haben sich die Freunde kennengelernt? Wie haben sie sich entwickelt? Und welche Rolle spielte eine ganz bestimmte Frau im Leben der drei? Und was bedeutet überhaupt Freundschaft?

Wieder einmal ist es Thommie Bayer gelungen einen leichten Roman mit Tiefe zu schreiben. Ein wunderbares Buch für den Lesehunger zwischendurch - und das perfekte Geschenk für alte Freunde.

Einer fehlt

von Thommie Bayer

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Yellowface
Frank Menden

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Juniper Hayward ist eine leidlich erfolgreiche Autorin, ihre Bekannte Athena Lius dagegen ein richtiger Str der Literaturszene. Als die beiden Athenas Netflix Deal feiern und leicht alkoholisiert in Atenas Wohnung ein Pancake-Wettessen veranstalten, verschluckt sich diese so doll, dass sie erstickt.
Juniper ist völlig geschockt, geniesst aber gleichzeitig die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Und da ist ja auch noch das Manuskript, dass sie von Athenas Schreibtisch mitgenommen hat: der Entwurf ihres neues Romans.
Junier beginnt diesen zu überabeiten, schickt die neue Fssung an ihren Agenten - und alle sind begeistert. Das Buch wird ein Risenerfolg, alle feiern Juniper als den neuen Star am Literaturhimmel, bis....

Dieser Roman ist eine so beißende wie unterhaltsame Satire auf den modernen Literaturbetrieb und zugleich ein willkommener Diskussionsanlass um identitätstheoretische Diskurse.
Vor allem aber sollte man sich diesen profunden und mitreissenden Lesespaß auf keinen Fall entgehen lassen!

Yellowface

von Rebecca F. Kuang, R. F. Kuang

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Die Frau im lila Rock
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Sie geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf: Die Frau im lila Rock. Eine komische Person. Aber noch seltsamer ist ihre Beobachterin: Die Frau mit der gelben Strickjacke. Sie erzählt uns diese Geschichte. Sehr akribisch dokumentiert sie beinah jede Regung dieser fremden Person von der Parkbank. Sie weiß, wann die Frau im lila Rock arbeitet und wann nicht. Als sie im gleichen Hotel beginnt wie ihre Beobachterin, sind wir ihr ganz nah. Schmunzeln oft über die naiven Reaktionen der Frau im lila Rock.

Doch wer glaubt, sie hätte alles im Überblick, täuscht sich. Denn unsere Ich-Erzählerin spinnt ein Netz, in dem man sich sehr schnell verfängt und hängenbleibt. Und am Ende gibt es einen Aufschrei. So ist es mir ergangen. Denn ich wusste nach dem Buch nicht, wohin mit meinen Gedanken und wie ist doch gleich die (Auf)-Lösung?

Natsuko Imamura hat mit ihrem schmalen, aber gehaltvollen Band nicht nur mich, sondern auch Leila Slimani, Hiromi Kawakami und Paula Hawkins begeistert. Es ist ein Buch über eine eigenartige Obsession und Observation.

„Die Frau im lila Rock“ ist durch und durch Japanisch. Suspekt , nah am Leben dran und irgendwie nicht von dieser Welt. Man steht Kopf, der gleichwohl von einer frischen Brise durchgeschüttelt ist, und sich nach der Lektüre erst einmal neu sortieren muss. Allerbestes Lesefutter für alle Japanfans und Lesekreise. Denn wie viel man über die 127 Seiten sprechen kann, weiß ich nun. Und es ist noch nicht zu Ende.

Die Frau im lila Rock

von Natsuko Imamura

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Simone
Frank Menden

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„Einen Tag vor ihrem Tod rief Simone mich noch einmal an. Das weiß ich genau, denn ich hatte keine Zeit.“

Mit diesen Sätzen beginnt „Simone“ von Anja Reich.
Es ist die Geschichte einer Spurensuche, einer Suche nach den Gründen, warum sich Simone, die bewunderte Freundin seit Teenagerzeiten, mit 27 das Leben nimmt.
Es ist gleichzeitig auch eine Geschichte der DDR und über die Umbruchjahre nach der Wende, die für manche einen Neuanfang bedeutete, für andere hingegen einen kompletten Bruch, der schwer - wenn überhaupt - zu kitten war.

In Gesprächen mit den Eltern, dem Bruder und alten FreundInnen Simones geht die Journalistin Anja Reich der Frage nach, wie es so weit kommen konnte, dass diese junge Frau, die in der DDR quasi ein High Society Girl war und für die die Wende keinen sichtbaren Bruch bedeutete, keinen Sinn mehr in ihrem Leben sah.

Mich hat dieses Buch sehr aufgewühlt, sicherlich weil auch ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich ein Bekannter das Leben genommen hat. Die Frage nach dem „Warum“ treibt einen ebenso um wie das „Hätte ich etwas bemerken müssen, etwas tun können.“
Anja Reichs Buch weist über diese Fragen hinaus. Sie stellt einen biografischen, gesellschaftlichen und soziologischen Zusammenhang her, setzt sich mit psychologischen Krankheiten auseinander ( sie erfährt im Laufe ihrer Recherche, dass Simone an Depressionen litt) und fügt alle Puzzleteile zu einem komplexen Ganzen zusammen, das uns Simone nahebringt.
Den psychischen Kraftakt der Autorin beim Schreiben dieses Buches kann man immer wieder zwischen den Zeilen lesen und ich habe große Hochachtung vor ihrer Leistung.

Ein ungemein bewegendes und erschütterndes Buch!

Simone

von Anja Reich

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Windstärke 17
Simone Finkenwirth

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Der zweite Roman ist immer ein Wagnis. Für die Schreibenden, den Verlag und die Leserschaft. So habe auch ich dem neuen Roman von der gefeierten Bestsellerautorin mit großer Erwartung entgegengefiebert.

Dieses Mal steht Tildas kleine Schwester im Mittelpunkt. Ida befindet sich am Tiefpunkt ihres jungen Daseins. Nachdem sich ihre Mutter an einem Wochenende der Abwesenheit mit einer Überdosis das Leben genommen hat, spürt Ida eine schwere Last der Schuld auf ihren zarten Schultern. Doch statt die Hilfe von ihrer Schwester anzunehmen, macht sie einfach dicht, verschließt sich, tobt in einem Vakuum aus Gefühlen und Gedanken. Sie knallt uns ihre Wut entgegen. Die ist es auch, die mir den Einstieg nicht leicht gemacht hat. Es stürmte gewaltig. Trotzdem hält mich Caroline Wahl mit ihrem unvergleichlichen Sound fest, für auch die auch Benedict Wells bewundernde Worte gefunden hat.

Während ich ganz zersaust neben Tilda stehe, gesellen sich plötzlich Marianne und Kurt zu mir. Zwei Sonnen, die nicht nur mir gut tun. Diese beiden Menschen nehmen sich der wütenden jungen Frau auf Rügen an. Genau dorthin flüchtet sich Ida. Im Wasser fühlt sie sich Zuhause, hier taucht sie ein, fordert das Meer heraus: „Das Meer, das so krass wunderschön und gewaltig ist, zeigt mir, dass ich mit meinen Nichtigkeiten ganz klein und egal bin.“ Findet Ida auf Rügen, das, was sie sucht und braucht? Und was ist mit Leif, der plötzlich auftaucht, ein Star-DJ, der von der Bühne getreten ist, und auch durche tiefe Wasser schwimmt...

„Windstärke 17“ kann man als Fortsetzung lesen, aber genauso unabhängig. Doch begeisterte Leser:innen von „22 Bahnen“ werden sich in dem Roman zu Hause fühlen, und noch etwas feststellen: Dieser Roman mag im Grundton dem Debüt ähneln, aber er überragt seinen Vorgänger, und macht deutlich: Hier entwickelt sich eine vielversprechende Autorin, von der wir zukünftig noch mehr lesen wollen.

Windstärke 17

von Caroline Wahl

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Very Bad Company
Frank Menden

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Das Start-Up „Aurora“ lässt es an seinem exclusiven Wochenende für die Führungskräfte richtig krachen: ein Luxushotel in Miami Beach, Spabesuche, Jet-Ski Ausflüge, das Essen ist exquisit. Hier bleiben keine Wünsche offen.
Doch hinter der glattpolierten Fassade brodelt es. Was bedeutet die Einstellung von Caitlin, einer enorm erfolgreichen Eventmanagerin, für ein Unternehmen, dass keine Events ausrichtet? Welche große Ankündigung will Chef John Schiller machen? Was treibt Personalchefin Olive wirklich um ? Und ist Johns persönliche Assistentin Madison ihm wirklich so ergeben wie es scheint?
Als dann eine Angestellte spurlos verschwindet und diverse Geheimnisse an die Oberfläche kommen ist klar: in dieser Firma kann man keiner Person vertrauen…

Nach „Bad Summer People“ hat Emma Rosenblum nun mit „Very Bad Company“ ( ein wunderbares Wortspiel ) nachgelegt. Man kann sich dem Sog dieser Geschichte nicht entziehen, sie bietet Glamour, Klatsch und Spannung und ist wie der Vorgänger unputdownable.

Ein wunderbarer kurzweiliger Spaß für die sonnigen Frühlingstage.

Very Bad Company

von Emma Rosenblum

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Sieben Tage einer Ehe
Frank Menden

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Jess und Malcolm sind eines dieser Paare, die seit Ewigkeiten zusammen sind, sich immer noch lieben, deren Lebenswege aber in verschiedene Richtungen driften.
Die erfolgreiche Juristin Jess wollte immer ein Kind, doch zahlreiche aufwändige und kostspielige Behandlungen bleiben erfolglos.
Malcom hat sich den Traum einer eigenen Bar erfüllt, doch diese wirft nicht genug Gewinn ab. Zudem trägt die Arbeitszeit wenig dazu bei, die sich in einer gefährlichen Schräglage befindenden Ehe zu konsolidieren.
Als ein Schneesturm über die kleine kanadische Ortschaft hinwegfegt und die Strom- und Wasserversorgung kappt, werden Jess und Malcolm gezwungen unabhängig voneinander eine Inventur ihrer Ehe vorzunehmen und ihre Gefühle zu überdenken…

„Sieben Tage einer Ehe“ ist bereits mein dritter Roman von Mary Beth Keane , wie die Vorgänger im Eisele Verlag erschienen.
Den von Heike Reissig übersetzten Roman zeichnet die Ruhe aus, mit der die Geschichte erzählt wird. Die Autorin konzentriert sich aufs Wesentliche und verzichtet auf konstruierte Dramen und exzessive Gefühlsduseleien.
Und gerade dies macht dieses Buch so eindringlich, lässt einen viele (Alltags-) Situationen gut nachempfinden, viele Dialoge kommen einem bekannt vor.
Letztendlich geht es um Fragen, die wir uns alle stellen: Was will ich wirklich? Wie soll es weitergehen?
Für mich ein ruhiger, nachdenklich stimmender und berührender Roman der zeigt, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit ist.

Sieben Tage einer Ehe

von Mary Beth Keane

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Ruhm für eine Nacht
Simone Finkenwirth

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Ein Buch so aufregend wie ein Trip! Ich hatte noch keinen, aber so stelle ich ihn mir in etwa vor. Ein bisschen jedenfalls. Nicht nur diese aufgeladene Stimmung hat mich trichterförmig ins Buch hineingesogen. Auch alte Erinnerungen wurden plötzlich putzmunter: Sofort war ich wieder in Berlin - dieser wilden Metropople, so ungestüm wie eine Leopardin in Netzstrumpfhosen. Ich denke an die Zeit zurück, als wir alle versuchten, ins Cookies zu gelangen. Oder die langen Abende in der Volksbühne, an denen unsere Popos ganz heiß wurden von den vielen Stunden der Castorf-Inszenierungen. Während unsere Augen glänzten, unsere Köpfe glühten, derart berauscht waren wir vom Rauch, dem Schauspiel und seinen Akteur:innen. Solch einen Abend erlebe ich in dem Buch wieder. Die Autorin hat an der Volksbühne gearbeitet. So kann nur jemand über dieses Theater schreiben, der es liebt wie wir, denke ich und grinse.

Calla Henkel hat mit "Ruhm für eine Nacht" eine der irrsten Berliner Geschichten geschrieben. Ein wundersames und äußerst erfrischendes Gegenstück zum nasskalten Winter. Aber Vorsicht, die Lektüre ist nicht für jedermann geeignet, sie ist ebenso verstörend. Ein Faible für Kunst und Schräges solltet ihr schon mitbringen. Und wenn ihr es habt, dann werdet ihr an Zoes und Haileys Fersen festkleben wie Kaugummis an den Absätzen ihrer Pumps.

Die beiden New Yorker Kunststudentinnen sind für ein Auslandssemester nach Berlin gekommen. Zoe erzählt uns die Geschichte aus ihrer Perspektive. Zoe ist die Zögerliche, Hailey hingegen hält die Zepter in den Händen. So springt sie auf eine Wohnungsanzeige an und beide Mädels dürfen die Wohnung von Beatrice anmieten. Die Autorin hat ein Arbeitsstipendium in Österreich ergattert und wird sich dahin zurückziehen.

Doch es kommt anders. Wir stehen Kopf und ich denke, wie großartig Literatur doch sein kann. Kunstvoll, schräg und so mitreißend, dass selbst der graue Himmel über mir Funken versprüht. Was für ein Trip!

Ruhm für eine Nacht

von Calla Henkel

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Mittsommertage
Frank Menden

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Berlin, Sommer 2022.
Die Ethikprofessorin Ruth Lambert steht im Zenit ihrer Karriere: die Berufung in den Deutschen Ethikrat steht kurz bevor.
Auch für ihren Mann Ben könnte es nicht besser laufen: der Architekt gewinnt eine wichtige Ausschreibung. Und Bens Tochter Jenny, für die Ruth Freundin, Vorbild und Inspiration in Personalunion ist, scheint mit ihrem Studium in Leipzig angekommen zu sein.
Zusammen mit der abflauenden Corona Pandemie scheinen sich alle Dinge wunderbar zu fügen.
Doch dann wird Ruth bei ihrer morgendlichen Joggingrunde von einem Hund gebissen, und so wie die anfangs harmlose Wunde sich als äußerst hartnäckig erweist , häufen sich die erst kleinen, dann immer gewichtiger werdenden Irritationen in Ruths geordneten und gutsituierten Leben. Und dann holt sie ihre Vergangenheit ein…

Ulrich Woelk schildert in seinem neuen Roman „Mittsommertage“ eindringlich, wie innerhalb einer kurzen Woche ein vermeintlich perfektes Leben ins Wanken gerät.
Die Kunst dieses klugen und genau beobachteten Romans besteht darin, dass er trotz der Vielzahl der Themen ( Klimaschutz, sexuelle Befreiung, KI - um nur einige zu nennen) nie überfrachtet wirkt, sondern genau am Puls der Zeit .
Nach „Der Sommer meiner Mutter“ ( Longlist Deutscher Buchpreis) und „Für ein Leben“ ( Alfred Döblin Preis) wieder ein rundum überzeugender Roman!

Mittsommertage

von Ulrich Woelk

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Am Meer
Simone Finkenwirth

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Eine Literaturfreundin meinte kürzlich zu mir: „Elizabeth Strout zu lesen, fühlt sich an, als würde man nach Hause kommen.“ Wie wahr! Genauso empfinde ich die Bücher der Amerikanerin. Jüngst ist „Am Meer“ erschienen und ich habe das Buch viel zu schnell gelesen, und es hat mich gewärmt. Obwohl die Umstände, die Corona-Pandemie setzt ein, eher ungemütlich sind, spüre ich schnell dieses hyggelige umarmende Strout-Feeling.

Die Ich-Erzählerin Lucy wird von ihrem Ex-Mann William, mit dem sie noch ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, aus New York nach Maine bugsiert. Lucy versteht die Aufregung nicht, folgt aber seinem Drängen und fährt mit ihm an die Ostküste. Dort beziehen sie ein Haus, es ist klirrend kalt, immer grau. Wir schreiben den Februar 2020 und bis April wird es dort wohl so bleiben, also absolutes schlechte Laune-Wetter. Und was macht unsere knurrende Heldin?

Sie fügt sich diesem neuen Lebensabzweig... ihr dabei zu folgen, tut gut, nicht zuletzt durch ihre klugen Gedanken, die mich hier und da anhalten lassen. Die Gespräche mit William und Lucy sind genauso wärmend wie die zwischen den Menschen, die die beiden umkreisen. Obwohl natürlich nicht alles nur schön ist, denn so ist das Leben ja auch nicht. Unsere Gegenwart lichtet sie voller glasklarer Wahrheiten ab, und das ist weniger erfreulich. Dennoch vermute ich: In dem Buch findet sich jede oder jeder auf die eine oder andere Art wieder als wollte die Autorin sagen: „Du bist nicht allein!“

Das zeichnet die Literatur von Elizabeth Strout für mich aus: Dieses zutiefst Menschliche, das uns mit ihren Figuren verbindet und sie zu Weggefährten macht. Man kann dieses Buch – wie alle ihre Bücher – unabhängig von einander lesen. Vor allem dann, wenn einem gerade besonders kalt ist oder die Nase tropft. Denn auch das ist Elizabeth Strout: beste Medizin für Körper und Seele.

Am Meer

von Elizabeth Strout

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Leuchtfeuer
Simone Finkenwirth

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„Das Glück sucht Gesellschaft, und das Unglück – das will nur in Ruhe gelassen werden.“ So wahr, so gut. Apropos gut genauso liest sich „Leuchtfeuer“ von Dani Shapeiro. Für mich zählt dieser Roman zu meinen Highlights des Frühjahrs. Nicht ohne Grund war dieses Buch ein gefeierter Bestseller in den USA. Es wurde mehrfach ausgezeichnet und von verschiedenen Medien zum besten Buch des Jahres ernannt. Welch Glück übrigens, dass hanserblau das Übersetzerpaar Ulrike Wasel und Klaus Timmermann für die Übersetzung gewinnen konnte. Die beiden haben u.a. schon „Der Gesang der Flusskrebse“ übersetzt. Und wer jetzt wie ich bei dem Buchtitel lächelt, darf gern weiterlesen. Aber auch alle anderen. Denn die Lektüre lohnt sich.

Und das obwohl die Erzählperspektive ungewöhnlich ist. Glücklicherweise wurde Dani Shapiro von ihrer Kollegin Jennifer Egan ermutigt, diese beizubehalten. So bewegen wir uns wie Planeten durch verschiedene Zeiten, sind in verschiedenen Köpfen. Ausgangspunkt ist eine nächtliche Autofahrt drei junger Teenager: Misty und das Geschwisterpaar Sarah und Theo rauschen im August 1985 durch die Nacht. In einem Moment der Unachtsamkeit kommt es zu einem schweren Unfall, bei dem Misty stirbt. Sarah legt schützend den Arm um ihren Bruder und sagt: Ich bin gefahren. Obwohl dem nicht so war. Und dann? Cut!

Jetzt sind wir bei Benjamin – Theos und Sarahs Vater, der den Nachbarsjungen Waldo an einem Abend im Jahr 2010 beobachtet. Die beiden stehen im Austausch. Warum und wie, das erfahren wir erst später, wie all die Verflechtungen der beiden Familien. Und wir lernen Waldo noch näher kennen, seine Eltern, schauen auf die erwachsenen Kinder Theo und Sarah, erleben eine sehr eindringliche Szene mit ihrer Mutter...
Die Kapitel haben eine enorme Sogkraft. Und wenngleich sie oft wechseln, verliert man nie den Pfaden oder die Verbindungen zu allen Figuren.

„Leuchtfeuer“ ist eine berührende, spannungsgeladene Geschichte über die Familienbande wie über die Narben der Kindheit. Ein Buch sehr dicht erzählt, und es wundert mich nicht, dass dieses Buch als Serie verfilmt werden soll. Trotz der wechselnden Perspektiven und Zeitsprünge verliert man nie den Überblick oder Anschluss. Jeder findet sich in der einen oder anderen Figur wieder, da die Autorin wirklich alles anspricht: Frausein, Außenseiter, Muttersein, Sucht, Beziehungen, Älterwerden und Altsein, Verbundenheit, Geschwisternbande, Familie. Und über den Genuss von gutem Essen. Ein universelles Buch also. Und ein Buch mit einem Summen, das erst verstummt, wenn man das Buch ausgelesen hat. Doch selbst dann vibriert es noch.

Leuchtfeuer

von Dani Shapiro

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Der Traum vom Fliegen
Simone Finkenwirth

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Eigentlich dachte ich, ich sei satt von Coming-of-Age-Romanen. Denn ich habe 2023 so einige gelesen. Doch da fiel mir „Der Traum vom Fliegen“ von Milena Moser in die Hände. Ich wollte nur kurz hineinlesen, doch ehe ich mich versah, klebten meine Augen in den Seiten und wollten von dort nicht mehr weg.

Sofia ist die Romanheldin und sie wächst mir sofort ans Herz. Ein schlaues Mädchen mit Superkräften. Sofia hatte immer schon den großen Traum, ins Weltall zu fliegen. So belegte sie in der Mittelstufe zusätzliche Kurse in Mathematik und Physik, und bekam ein Stipendium an dem renommierten Institute of Technology in Boston. Sie war eine der Jahrgangsbesten. Doch dann kam der Lockdown, brachte alles durcheinander. Zudem setze ihr die andere Sache mehr zu. Und sie beschloss zuzunehmen, um dem anderen Ding zu entkommen. Nun soll Sofia in einer Privatklinik wieder zu sich kommen, und bestenfalls ihr Übergewicht minimieren.

In der Klinik passieren ungeahnte Dinge, das Allerschönste aber ist: Sofia bekommt Freunde und trifft auf Seelengefährten. Besonders in Zach und Carmel findet sie einen warmen Kreis. Alle drei verfügen über Superkräfte. Zach, ein ehemaliger Manager aus der High-Techbranche kann Gedanken lesen, Carmel – Mutter von zwei Kindern und Lottogewinnerin - kann sich unsichtbar machen, allerdings nicht auf Befehl, es passiert einfach so bei allen dreien. Klingt schräg. Ist es auch, aber nur ein bisschen, denn das Verrückte fühlt sich hier irgendwie normal an. Sofias Superkraft ist das Fliegen. Da sie nachts auch schlimme Sachen gesehen hat, ist sie schließlich daran zerbrochen und hat zugenommen. Natürlich haben alle mit den gewöhnlichen Problemen des Lebens zu kämpfen. Die Klinik erdet alle und ist ein Heim, in dem sie länger sind wie Sofias immer sprudelnde Zimmergenossin, die an einer Essstörung leidet.

Was für eine Geschichte, die mich mitunter an Nick Hornbys A Long Way Down hat denken lassen. Denn hier kommt eine liebenswerte Schicksalsgemeinschaft zusammen, die mich berührt und gleichermaßen amüsiert. Milena Moser erzählt in ihrer schnörkellosen Sprache mit ganz viel Einfühlungsvermögen über Menschen und deren Brüche, die wir alle kennen und vor denen selbst eine Therapeutin wie Skye nicht gefeit ist.

Man muss nicht unbedingt an Superkräfte glauben, um das Buch zu lieben. Sie kommen bei der Lektüre von ganz allein. Unterm Strich ist dies ein All-Age-Roman für junge und ältere Leser:innen. Vielleicht fühlte ich mich deshalb darin so pudelwohl. Große Empfehlung und volle Punktzahl für mein letztes Jahreshighlight 2023!

Der Traum vom Fliegen

von Milena Moser

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Wellness
Frank Menden

Frank Menden

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Chicago 1993. Unter ungewöhnlichen Umständen werden aus den Nachbarn Jack und Elizabeth ein Jahr. Trotz der Unterschiede zwischen dem jungen Fotografen mit ländlichen Wurzeln und der Psycholgiestudentin aus gutem Hause verleben sie in der vibrierenden Kunstszene Chicagos ein aufregende Zeit.
Doch zwanzig Jahre und ein Kind später ist die Liebe merkwürdig schal geworden. Routine hat sich breit gemacht, die anfangs so aufregenden charakterlichen Unterschiede sind jetzt eher Quell für kleine und große Streitigkeiten. Der Kauf einer Wohnung wird zum Katalysator ihrer Ehe und sie erkennen, dass sie sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen müssen, um als Individuum UND als Paar eine Chance auf den Erhalt ihrer (Selbst-) Liebe zu haben.

Nathan Hills zweiter Roman ist ein perfekt geschriebener amerikanischer Gesellschaftsroman. Es geht um Geschichten, die man sich so lange erzählt, bis man sie für wahr hält - obwohl sie es vielleicht gar nicht sind. Dabei offenbart er viele Wahrheiten über familiäre Strukturen, über Liebe, Nähe und Intimität und gibt wie nebenbei Einblicke in die Kunstszene und die Absurdität der Selbstoptimierung. Ein trotz des Umfangs von 736 Seiten äusserst kurzweiliger und hochintelligenter Roman, der auf dem Weg ist ein moderner Klassiker zu werden.

Wellness

von Nathan Hill

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Maman
Simone Finkenwirth

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Wenn es ein Buch gibt, das meine Lesevorlieben am besten charakterisiert, dann ist es „Maman“ von Sylvie Schenk. Bereits vor sieben Jahren habe ich mir nach ihrem Debüt „Schnell, dein Leben“ einen Platz in der Longlist gewünscht. Damals hat es nicht geklappt. Daher war meine Freude in diesem Jahr riesig, als ich den Namen der Autorin in der Liste entdeckt habe.

„Maman“ ist eine Spurensuche. Die Erzählerin spürt dem Leben ihrer Mutter nach. Voller Poesie, Klarheit und Zärtlichkeit folge ich der Autorin, bin berührt, bewegt und begeistert.

Die Mutter ist das Kind einer Frau, die nach einem kurzen Intermezzo mit einem Mann schwanger wird. Die junge Frau verstirbt nach der Geburt der Tochter. Renée – so heißt Maman – kommt erst in die Obhut einer armen Bauernfamilie. Verwahrlost dort jedoch und wird zwei Jahre später von dem wohlhabenden Ehepaar Legendre adoptiert. Vor allem Marguerite Legendre kümmert sich liebevoll um die neue Adoptivtochter. In der Privatschule wird Renée anfangs kritisch beäugt, später gehänselt. Renée findet nie richtig Anschluss.

Es ist eine besondere und eindringliche Erzählung. Einerseits gelingt dies Sylvie Schenk durch die Sprache, andererseits durch die Form des Erzählens. So zoomt sich die Autorin in die damalige Zeit ihrer Mutter direkt hinein, dass wir die kleine Renée direkt vor uns sehen, förmlich ihren Atem spüren.

Beeindruckend, nachhallend und formschön ist dieser autobiographisch gefärbte Roman, dem ich einen Platz in der Shortlist wünsche!

Maman

von Sylvie Schenk

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Kleine Kratzer
Simone Finkenwirth

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Vorhang auf für Jane Campbell. Ich verneige mich vor dieser Frau – die 80 Jahre alt ist und nicht nur Christine Westermann und Elke Heidenreich mit ihrem Debüt begeistert hat. Aufgespürt hat sie der neu gegründete Kjona Verlag, den wir auch schon bei uns zu Besuch hatten. Genau, das ist der kleine feine unabhängige Verlag mit dem goldenen Klima-Fußabdruck.

Was macht „Kleine Kratzer“ nun derart lesenswert? Keine Geschichte ist wie die andere. Und noch etwas schillert aus dem Band hervor: Die Heldinnen sind alle über 70. Ihnen verschafft die Autorin Verhör. Gleich die erste Erzählung beginnt mit einem Paukenschlag, es ist eine bittersüße Rachegeschichte. Im Mittelpunkt steht eine Ich-Erzählerin, die ihre Mitmenschen feinsinnig versteht und ein bisschen überheblich, frech über die schreibt. Ihre Nachbarn haben einen Hund – keinen tiefenentspannten und friedvollen wie unseren Bobby – nein, Brutus, ein bissiger Hund mit einer offenbar schwierigen Kindheit. Das Ehepaar Leo und Mattie haben ihn aus Rumänien mitgebracht. Leo wollte keinen kleinen Dackel, nein, es sollte was Größeres sein. Leo ist - Sie ahnen es sicherlich – ein furchtbarer Menschen, ein selbstgerechter und furchtbarer, seine Frau Mattie klein, dumm, ihrem manipulativen Leo treu ergeben. Als die beiden nun wegfahren, wissen sie nicht wohin mit ihrem Brutus, die Erzählerin erweist sich als Retterin, als sie sagt, sie würde ihn zu sich nehmen. Aber nicht ohne Hintergedanken. Die Auflösung – o la la - die ist bittersüß.

Jane Campbell schlägt aber auch andere Töne an – nachdenkliche, melancholische. Berührend ist beispielsweise die Begegnung einer Pflegerin und ihrer Patientin in der Geschichte „Susan und Miffy“. Jane Campbell schenkt in ihren 13 Geschichten den alten, zerbrechlichen, betagten Damen eine Stimme, setzt sie in unerhörte, freche, humorvolle, selbstbewusste und mitunter überraschende Plots, so dass ich manchmal gar nicht weiß, wohin mit mir und keine Furcht mehr davor habe, alt zu werden.

Kleine Kratzer

von Jane Campbell

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Überall ist Wasser
Simone Finkenwirth

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„Überall ist Wasser" von Inger Bråtveit ist ein tiefes Eintauchen ins Wasser und in die Seelenlandschaft einer schreibenden Frau. Alle Leser:innen von Rachel Cusk sollten jetzt aufhorchen, denn ich spüre sofort Parallelen zu ihrer Outline-Trilogie.

Dass mein Exemplar aussieht wie ein Punk liegt an den allerhand klugen Gedanken und Zitaten von großen Namen wie Marguerite Duras, Herta Müller, Tove Jansson, Jeanette Winterson und anderen bekannten Frauen, die die Norwegerin kunstvoll einarbeitet. Voller Faszination und mit leuchtenden Augen folge ich der Ich-Erzählerin, die gefangen ist. Einerseits als sich sorgende Ehefrau mit einem kranken Mann, einer kleinen Tochter und zwei Stiefsöhnen. Andererseits als Künstlerin und schreibende Frau, bei der die Inspiration nicht immer so fließt, wie sie´s sollte. Rettende Anker sind die Natur, das Wasser und die Kraft der Literatur.

An einer Stelle fragt sie rätselhaft: „Ist der Sommer, wie das Leben, nur ein kurzer Lichtstrahl auf dem Weg hinab ins Meer?" Wissen wir das? Nein, aber ich begebe mich mit der Erzählerin hinein ins kühle Nass. Wir sind eins in dem Element, in dem die Sorgen von allein schmaler werden und sich ein neuer, heller Raum öffnet.

Inger Bråtveit schreibt über eigene Krisen, wenn sich Wörter nicht mehr so einfach finden lassen, oder sie ihre Rolle als Mutter sucht, die sich manchmal fremd anfühlt, beängstigend und gleichwohl erfüllend ist. Einmal wagt sie es, schwimmt einfach hinaus, und lässt ihre Tochter zurück. Die sie hinterher dafür bestraft. Das schmerzt. Aber auch das ist das Leben. Nicht alles ist schön als Mutter, davon berichtet die Autorin sehr offenherzig und berührend schön.

„Ich denke, das Schwimmen dem Schreiben und dem Lesen ähnelt. Du musst zulassen, dass das Wasser ein Teil von dir wird und du ein Teil von ihm." So ein wahrer Satz. Dass man sich manchmal in unbekannte Gewässer begeben muss, um daran zu wachsen, zeigt sie auf beeindruckende Weise. Es heißt Abschiednehmen von geliebten Menschen. Auch davon erzählt die Autorin sehr feinsinnig.

Also, liebe Schwimmfreunde, Sinnsucher des Lebens, Freunde des Schreibens und des Lesens, folgt dieser interessanten und jungen Stimme aus Norwegen. Das Dagbladet schreibt: "Bråtveit ist eine sensible und scharfe Betrachterin, Denkerin und Schriftstellerin!" Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen außer dies: Nach der Lektüre seid ihr reich erfüllt – eine Meditation für Geist und Seele!

Überall ist Wasser

von Inger Bråtveit

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Ein Geist in der Kehle
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Doirerann Ni Ghriofa erzählt in ihrem beeindruckenden Debüt von einer Frau. Diese Frau ist sie selbst. Denn das Buch ist autofiktional. Die Mutter arbeitet sich mit to-do-Listen durch ihren Alltag. Sie stillt, kümmert sich um ihre Kinder, spendet ihre Muttermilch an unbekannte Säuglinge, die keine Muttermilch bekommen können, sie studiert Angebote, wo sie am günstigsten einkaufen kann. Und dann erinnert sich die Autorin eines Tages an die Dichterin, mit der sie als Schülerin erstmals in Berührung gekommen ist.

Eibhlin Dubh Ni Chonaill hat es tatsächlich gegeben. Die Lyrikerin wurde dafür bekannt, dass sie im 18. Jahrhundert das längste Klagelied - "Caoineadh Airt Uí Laoghaire" - verfasst hat. Nachdem sie ihren Geliebten tot aufgefunden und dessen Blut getrunken hat.

Die junge Mutter entsinnt sich nun dieses Gedichts. Und findet darin – ja so etwas – wie einen hellen Stern, der sie durch die dunklen Tage geleitet. „Ich richte mir mein Leben so ein, dass ich immer, wenn ich mal sitze, gleichzeitig blasse Silben aus Milch von mir gebe und selbst dunkle Nahrung aus Tinte trinke.“

Sie will die Zeilen selbst neu übersetzen und mehr über die Lyrikerin erfahren. Plötzlich ist sie wie von einem Fieber erfasst und taucht immer, wenn sie einen offenen Raum dafür findet, darin ein, übersetzt Wort für Wort, Vers für Vers. Und sie recherchiert den Ursprung, die Geschichte dieser Frau.

Die irische Autorin ist Lyrikerin und das spüre ich sofort. In ihrem Text sind kurze Sätze mit einer Kraft, die mich festhalten.
Beschreibungen, die meinem Geist mit einem inneren Feuer anzünden. Und es finden sich Lebenswahrheiten, derart schön und klug formuliert.

Dies ist ein Buch übers Muttersein und die damit verbundenen Aufgaben.
Aber nicht nur. Denn ich bin keine Mutter und fühlte mich trotzdem darin so gut aufgehoben und elektrisiert.

Denn „Ein Geist in der Kehle“ ist ein Buch übers Frausein. Über die Macht von Lyrik und den kurzen wie prägenden Momentaufnahmen in unserem Leben. Zudem Autorin erzählt eine hochspannende Geschichte einer Frau, die mit ihrem Klagelied zum nationalen irischen Mythos wurde.

Ein außergewöhnliches Debüt aus Irland, von dem Sie in den nächsten Wochen sicherlich noch mehr hören werden.

Ein Geist in der Kehle

von Doireann Ní Ghríofa

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Der Sohn des Friseurs
Frank Menden

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Wie schon sein Vater und Großvater vor ihm ist Simon Friseur. Er wohnt über dem in dritter Generation geführten Laden , führt ein ruhiges Leben - seine Mutter nennt es langweilig.
An der Wand in seinem Schlafzimmer hängen Plakate von Schwimmern, den Idolen seiner Jugend. Ab und an nimmt der Anfang 40jährige einen Mann mit zu sich nach Hause, aber alles in allem bleibt er für sich .
Zwei Begebenheiten bringen Simons in ruhigen Bahnen verlaufendes Leben in Bewegung.
Da ist zum einen ein Stammkunde, ein Schriftsteller, der sich für das Schicksal von Simons Vater zu interessieren beginnt. Diesen hat Simon nie kennengelernt, ist er doch noch vor seiner Geburt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen - und weder Mutter noch Großvater sprechen über ihn.
Und da ist zum anderen Igor, ein junger attraktiver Mann, den er mit seiner Mutter im Schwimmbad zusammen mit anderen geistig beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen betreut und zu dem er sich zu seiner Überraschung und Scham hingezogen fühlt…

Gerbrand Bakkers neuer Roman „Der Sohn des Friseurs“ , übersetzt von Andreas Ecke, ist ein ruhiger Roman , der mit jeder Seite einen größeren Sog entfacht und durch immer neue Wendungen zu überraschen weiß.
Dabei weckt er beim lesen durchaus ambivalente und unbehagliche Gefühle, vieles bleibt angedeutet .
Leicht zu lesen ist dieser Roman, der trotz der Behandlung von existenziellen Fragen auch immer wieder Momente leiser Komik zulässt.
Simons Bedürfnis nach echter Nähe, nach Antworten und sein unbestimmtes sehnen haben mich sehr berührt, auf eine leise, unaufgeregte Art und Weise.
Ein sehr besonderer Roman !

Der Sohn des Friseurs

von Gerbrand Bakker

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Cleopatra und Frankenstein
Simone Finkenwirth

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Schon vor Erscheinen der deutschen Ausgabe von „Cleopatra und Frankenstein“ gab es einen Hype um das Debüt von Coco Mellors. Manchmal meide ich derartige laute Rufe in der Bücherwelt. Ein anderes Mal lasse ich mich in so eine Welle hineinfallen. Wenn meine Neugier - wie in diesem Fall - zu stark ist. Was ist dran an dieser gefeierten Autorin?

Der Roman ploppt wie der Korken einer übermütigen Proseccoflasche auf. Der Einstieg ist charmant, witzig und lässt mich sofort an Bücher von Sally Rooney denken. Coco Mellors nimmt mich mit in eine meiner Traumstädte: New York. Dort treffen sich in einer Silvesternacht Cleo und Frank. Schon der Anfang macht deutlich: Das ist ein Buch der Dialoge, schneidend scharf. Die beiden verlieben sich, obwohl sie einige Jahre trennt, Frank ist Mitte 40, Cleo 25. Er aufsteigender Werbemann mit einer eigenen Agentur, sie eine Künstlerin, die bangt, ihr Visum zu verlieren und zurück nach England muss. Kurzerhand heiraten die beiden. Recht schnell, aber aus Liebe. Und dann? Wird alles schön wie im Märchen?

Der Roman durchlebt eine erstaunliche Entwicklung. Am Anfang scheint alles auf Glanz, Party, Unterhaltung und Oberflächlichkeit aus zu sein. Doch ab der Mitte kippt die Tonlage durch eine Ich-Erzählerin, die sich in die Geschichte mit ihrer eigenen Stimme einfügt. Und nicht nur das sorgt für einen Richtungswechsel. Denn die verschiedenen Figuren fangen an zu wanken. Dunkle Dämonen übernehmen das Ruder, nicht verarbeitete Traumata bahnen sich den Weg nach draußen, treiben Cleo zu einer fassungslosen, verzweifelten Aktion.

Dies ist keine seichte Lektüre, die nur perlt und unterhält. Das ist ein Buch, das sich Löcher gräbt, berührt und mich am Ende atemlos beglückt zurücklässt. Und ja, der Hype ist so was von berechtigt. Sally Rooney hat eine ernstzunehmende Kontrahentin hinzubekommen.

Cleopatra und Frankenstein

von Coco Mellors

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Sommerwasser
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Regentropfen überall! Auf der Brille, zwischen den Wimpern, auf der Jeans und den Lippen. Auch in den Schuhen? Nein, da glücklicherweise nicht. Dafür im Buch. Wer beim Titel „Sommerwasser“ an den Sommer denkt, hat nur bedingt Recht. Denn in Sarah Moss' Roman ist es nass und kalt. Der Sommer in diesem schottischen Landstrich hat verregnete Züge und erinnert mehr an den Herbst.

Beim genaueren Blick ins Buch erlebe ich eine weitere Jahreszeit: den Winter. Den sogenannten inneren Winter, durch den die verschiedenen Figuren stolpern. Sarah Moss fährt ein vielstimmiges Figurenkabinett auf. Und obwohl sich die Menschen nicht kennen, sind sie miteinander verbunden: Sie wohnen alle in einer Anlage mit zügigen Ferienhäusern. Die Autorin zoomt sich in die Köpfe der Figuren. Da ist Justine, die sich in den Regen traut und joggt: „Wasser auf bettwarmer Haut, und warum genau macht sie das noch mal?“ Die Antwort findet sich zwischen den Seiten. Dort treffe ich später auch auf Claire. Eine einstige erfolgreiche Businessfrau, die ihr zweites Kind bekommen hat. Als Claires Mann ihr anbietet, mit den Kindern für eine Stunde rauszugehen, sagt sie nicht nein. Doch was macht sie in dieser Zeit?

Der Roman teilt sich wie Regen in kleine einzelne Geschichten, die in meine Augen tröpfeln. Oft stehen weibliche Figuren im Mittelpunkt. Frauen, die große Fragen aufwerfen. Wer sind sie heute? Wer damals? Wer wollen sie sein? Der Regen schubst sie in ihre inneren Räume, und ich folge ihnen, manchmal lache ich auf, zu komisch sind die Gedanken und Situationen, ein anderes Mal werde ich still, bin berührt, seufze tief.

Sarah Moss' Ton bewegt sich zwischen nachdenklich melancholisch bis hin zu witzig, komisch. In allem steckt so viel Wahrheit und Tiefe. Doch die Lektüre zieht mich nie herunter, viel mehr erfrischt sie mich wie freche Regentropfen, die überallhin tanzen - ob ich nun will oder nicht.

Sommerwasser

von Sarah Moss

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Die Halbwertszeit von Glück
Simone Finkenwirth

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Dass die Hamburger Autorin keine Debütantin ist, merke ich sofort. Louise Pelt hat bereits unter einem anderen Namen Bücher geschrieben. In diesem Roman verknüpft sie drei Frauenporträts, die alle miteinander verbunden sind. Vor allem durch ihre Neugier und noch etwas anderem, das ich nicht verraten darf.

Mylènes Leben verläuft in geordneten Bahnen. Die Pariserin ist erfolgreiche Unternehmerin und wird demnächst ihren berühmten Freund heiraten. Doch als sie ein Erbschein erreicht, gerät Mylènes Leben aus den Bahnen.

Viele Jahre vorher – im Jahr 1987 – führt Johanna in der DDR ein einsames gewähltes Leben. Im Wald bewohnt sie eine Hütte, bewirtschaftet sich mehr oder weniger selbst. Warum sie das macht, erfahre ich im Verlauf der Geschichte. Als Johanna im Wald ein verletztes Mädchen vorfindet, das die Dorfbewohner suchen, nimmt sie sich diesem an. Das Mädchen wollte über die Grenze in den Westen zu ihrem Liebsten nach Frankreich, denn es ist schwanger. Was macht Johanna jetzt? Helfen oder melden?

In Los Angeles träumt Holly im Jahr 2003 davon, Drehbuchautorin zu werden. Als ihre Mitbewohnerin, die Schauspielerin ist, ihr Manuskript an eine bekannte Regisseurin weiterleitet, meldet diese sich bei ihr. Sie treffen sich, doch dann passiert ein Unglück, das Holly den Boden unter den Füßen wegzieht, und der Traum verliert an Kraft, weil andere Dinge Hollys Kopf und Herz vollends einnehmen.

Dieses Buch lebt vor allem von den Menschen und ihren Geschichten. Es geht um Verlust, Familiengeheimnisse, Liebe, Solidarität und das vergängliche Glück. Neben den starken Frauen webt Louise Pelt weitere Figuren feinfühlig und gekonnt ein, auf die unsere Heldinnen treffen. Sie sind das Öl in ihren stockenden Motoren. All das liest sich federleicht, ohne oberflächlich zu sein. Wenngleich sich auf dem ersten Blick drei Geschichten eigenständig ihren Raum schaffen, muss ich widersprechen – denn da ist noch viel mehr. Aber lesen Sie selbst!

Die Halbwertszeit von Glück

von Louise Pelt

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Schönwald
Frank Menden

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Anlässlich der Eröffnung eines queren Buchhandlung in Berlin kommt die ganze Familie Schönwald zusammen. Vater Harry, seines Zeichens Staatsanwalt, seine Frau Ruth, die für die Kinder ihr Vorhaben Professorin für Literatur zuwenden aufgab, und die drei Kinder Chris, Karolin und Benni. Doch Proteste vor Karolins Buchhandlung, die die Gründung durch Nazigeld aufs schärfste verurteilen, zwingen die Schönwalds dazu, sich verdrängten Wahrheiten zu stellen, reinen Tisch zu machen.
Sei es Chris, der längst nicht mehr der erfolgreiche New Yorker Literaturprofessor ist, sondern nun in Trumps MAGA Bewegung eine wichtige Rolle spielt. Oder Karolin, die Probleme hat ihren Platz im Leben und in in der Liebe zu finden. Und Benni, der jüngste der Geschwister, der mit der millionenschweren Erbin Emilia und zwei Kindern in einem Fertighaus in Brandenburg lebt und dem der Spagat zwischen seiner eigenen Kleinfamilie und seiner Ursprungsfamilie immer unmöglicher wird…

Philipp Oehmkes Debütroman erzählt eine deutsche Familiengeschichte am Puls der Zeit. Multiperspektivisch erzählt erhalten wir Einblick in das Innenleben aller Familienmitglieder und streifen dabei relevante gesellschaftliche Themen aus Literatur, Musik und Politik. Dabei ist der Roman bei aller Ernsthaftigkeit in politischen und philosphischen Zeitfragen hervorragend zu lesen und wird von ironischen Einschüben durchbrochen.

Ein intelligenter Gesellschaftsroman auf der Höhe der Zeit, der sicherlich für Diskussionen sorgen wird.

Schönwald

von Philipp Oehmke

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Brandsätze
Frank Menden

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Im März 1991 wird die junge Schwarze Ava Matthews wegen eines vermeintlichen Diebstahls von einer koreanischen Supermarktbesitzerin erschossen. Fast 30 Jahre später wird auf Yvonne Park, die damalige Täterin, geschossen. Durch diese Tat erfährt Grace Park die Wahrheit über ihre Mutter, über deren Verbrechen vor ihrer Geburt. Grace beginnt Fragen zu stellen, sie sucht den Kontakt zu Ava Matthews Familie - und muss einige bittere Wahrheiten lernen...

„Brandsätze“ von Steph Cha , übersetzt von Karen Witthuhn, ist ein wütendes Buch , ein wichtiges Buch, das auf einem wahren Fall beruht. Die immer wieder durchscheinende Wut überträgt sich auf den Leser , überlagert aber nicht die Ausgewogenheit , mit der Steph Cha ihre Geschichte aus der Perspektive beider Familien erzählt. Mit ungeheuerer Eindringlichkeit beschreibt sie die Langzeitwirkung von Gewalt und den Schaden , der durch Schweigen entsteht. Sie beschreibt den vielfältigen Rassismus in einer Gesellschaft, in der ein Funke ausreicht, um eine Explosion zu entfachen. Ich wünsche diesem bislang noch sträflich unbeachteten Roman viele Leser*innen!!!

Brandsätze

von Steph Cha

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Wegen Wersai
Frank Menden

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Katharina ist 12 und lebt Mitte der 1960er Jahre in der Schweiz . Der Vater verdient das Geld, der Bruder ist im Internat, und da die Mutter an Multipler Sklerose erkrankt ist, ist Katharina die meiste Zeit bei „Tantelotte“, ihrer Pflegemutter. Tantelotte ist nach dem Krieg von Gelsenkirchen in die Schweiz gegangen, ihr Herz schlägt immer noch für Schalke, weniger jedoch für Katharina, dir sich dafür mit unterdrücktem, aber inbrünstigem Hass bedankt.
Nach außen ist das Leben idyllisch. Man macht Ausflüge mit dem Auto, in die Berge zum Beispiel und selbstredend kauft man nicht bei der Migros ein, das hat man nicht nötig. So wenig, wie man die Italiener mag, die zum arbeiten in die Schweiz gekommen sind.

Katharina ist aufgeweckt und wehrt sich gegen Lügen und Repressalien, auch wenn die wesentlichen Dinge sich ihr oft nicht völlig erschließen. Aber dass z.B. ihr Vater abends in Tantelottes Zimmer geht ist natürlich okay, er muss ja schauen, ob die Arme auch gut schläft .
Oder wenn ihr Bruder ihr aus dem Internat schreibt, dass er nach einer Keilerei mit Mitschülern von einem seiner geistigen Lehrer sehr sorgsam mit Salbe eingerieben wird, auch unter der Unterwäsche, dann ist das ja sehr fürsorglich….

Lakonisch ist der Ton, das biedere Milieu und die Zeit werden auf äußerst plastische Art deutlich und immer wieder wechselt die Geschichte die Tonalität von komisch zu tragisch und wieder zurück.
„Wegen Wersai“ von Dagmar Schifferli, bereits 2018 erschienen und seit Ende 2024 als Taschenbuch erhältlich, erzählt auf tiefsinnige und doch leichte Art und Weise von einer Schweizer Vergangenheit, die bis in die Gegenwart reicht - und auch für Deutschland relevant ist.
Ein ausgesprochen kurzweiliger Roman, der trotz seines auf den ersten Blick leichten Tons voller Widerhaken ist - und gerade deshalb so überzeugt.
Eine klare Leseempfehlung!

Wegen Wersai

von Dagmar Schifferli

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Vatermal
Frank Menden

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„…das Einzige, was du tun kannst, ist aufstehen und das Leben suchen, solange du noch kannst.“

Arda liegt im Krankenhaus, Organversagen. An seinem Krankenbett wechseln sich Mutter Ümran und seine Schwester Aylin ab. Der Vater hat die Familie schon vor langer Zeit verlassen.

Dies ist die Ausgangssituation in „Vatermal“ ,

Mehrere Tage ist es her, dass ich die Lektüre beendet habe und seit dieser Zeit ringe ich mit Worten. Denn wenn ein Buch so einschlägt wie dieses , sich meiner Gefühls- und Gedankenwelt so vielfältig bemächtigt, dann ist sämtliche Eloquenz verschwunden.
Dabei würde ich euch gern mehr erzählen über diese vier Menschen , über untrennbare familiäre Bindungen , die fortbestehen auch wenn einzelne Glieder dieser Kette die Trennung selbst herbeiführen. Über das Leben einer Frau, die früh entwurzelt wurde, die ihre wahre Liebe nie gelebt hat , die bei ihren Kindern versucht hat an ihr begangene Fehler nicht zu wiederholen.
Über eine Tochter und Schwester , die früh erkennt, dass ihre Rettung im weggehen besteht .
Über die Verletzungen eines Vaters .
Und über einen jungen Mann, der sich einen Platz außerhalb des ihm von der Gesellschaft zugewiesenen Status erkämpft .

So aber bleibt nur eine dringende Leseempfehlung

Vatermal

von Necati Öziri

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Ein Hund kam in die Küche
Simone Finkenwirth

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Sepp Mall hat mir mit seinem für den Deutschen Buchpreis 2023 nominierten Buch „Ein Hund kam in die Küche“ vor Augen geführt, weshalb ich die Literaturwelt so liebe. Sie entführt mich nicht nur in fremde Welten, sondern zeigt mir historische Begebenheiten auf, von denen ich nichts oder wenig wusste. Wie die sogenannte „Option“, die der Autor in seinem Buch aufgreift. Die Südtiroler mussten sich während des 2. Weltkrieges entscheiden, ob sie zukünftig der italienischen Seite angehören wollen oder ob sie ins Deutsche Reich auswandern wollen. Genau diese zweite Möglichkeit nutzt Ludis Familie.

Der elfjährige Junge ist die Erzählstimme des Romans. Als die Familie in Innsbruck ankommt, erfährt Ludi, dass sein Bruder in ein Heim muss. Weil es ihm dort besser gehen und er lernen wird, besser zu reden und zu laufen. Hanno ist geistig und körperlich nicht so entwickelt wie es für sein Alter üblich ist.

Bei diesem Teil der Geschichte möchte ich dem Jungen zurufen, dass das nicht stimmt, denn die Menschen in dem Heim haben ihre eigenen Pläne, verfolgen eine Ideologie - die wir alle kennen, doch er kann mich nicht hören. Und muss sich weiter seinem neuen Leben stellen, ohne Hanno. Und auch ohne Vater, der bald voller Stolz in den Krieg zieht. In einem Land, das Ludi an einer Stelle Niemandsland nennt. Denn wirklich an kommt unser Held nie. Er wird zerrissen vor Heimweh und von der Sehnsucht nach seinem geliebten Bruder.

Sepp Mall überzeugt mit seiner bilddichten Sprache, dem Feingespür für seine Hauptfigur. „Ein Hund kam in die Küche“ erzählt von dem Gefühl der Heimatlosigkeit, des Verlorenseins und über eine innige Brüderliebe. Gleichwohl blicke ich in die bewegende Vergangenheit dieser sehr beliebten Urlaubsregion. Da es sich auch um eine junge Hauptfigur handelt, kann das Buch durchaus von Jugendlichen gelesen werden. Diese Lektüre eignet sich bestens als Buchvorstellung für die Schule. Ist es doch ein Buch, über das man sprechen möchte.

Dieser berührende Roman steht wohlverdient auf der Longlist. Wie gut und wichtig ist doch diese Liste, die mitunter hierzulande unbekannte Autorinnen und Autoren mit ihren ganz eigenen literarischen Stimmen in den Fokus rückt, Menschen neugierig macht. In diesem Sinne folgen Sie Ihrer Neugier!

Ein Hund kam in die Küche

von Sepp Mall

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Drifter
Frank Menden

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„Das erste Mal sah ich sie in der S-Bahn“.

Wenzel, der Erzähler, ist mit seinem besten und längsten Freund ( seit Kindertagen) unterwegs zum Pferderennen, um dort Killers Beförderung zu zelebrieren.
Auf dem Weg dorthin fällt ihm eine Frau in einem goldenen Kleid auf, zu ihren Füßen ein ungemein zotteliger und großer Hund . Und in ihren Händen ein offensichtlich neuer Roman von Drifter, einem nahezu kultisch verehrten Schriftsteller, der auch Wenzel begeistert.

So beginnt „Drifter“ , und schon zwei Seiten später war ich völlig gefangen von diesem Roman , der so cool ( aber nie kühl) und anders ist und der so wunderbar und im wahrsten Wortsinn „ver-rückt“ ist .
Und da wusste ich noch nichts vom Blitzeinschlag, von den wunderlichen Videos, dem Buch, das es irgendwie gibt und dann doch nicht , von der ominösen Karaoke Party und den merkwürdigen Begleitern der Frau im goldenen Kleid und deren Verhalten, welches ….

Dieser Roman wird polarisieren, das war mir schnell klar. Denn diese Geschichte ist irrwitzig und skurril und weird im besten Sinne, voller Charme und Empathie , wunderbar anders und zum niederknien gut .

„Drifter“ hat mich blendend unterhalten, mich schmunzeln lassen und mich durch seinen Ideenreichtum und gewisse Absurdität wunderbar erfreut .

Karen Duve hat es vortrefflich auf den Punkt gebracht: „Das reinste Vergnügen.“

Drifter

von Ulrike Sterblich

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Bogners Abgang
Frank Menden

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Ein nächtlicher Autounfall mit Fahrerflucht in Innsbruck, der angefahrene Fußgänger erliegt später seinen Verletzungen.
Die Fahrerin: die junge Studentin Nicole Pammer,auf dem Weg zu ihren Eltern, die mindestens ein alkoholisches Getränk zu viel hatte.
Das Opfer: der bekannte Journalist und Kritiker Kurt Niederer.
Alles scheint eindeutig. Doch warum fühlt sich der Künstler Andreas Bogner schuldig am Tod des Kritikers?
Hans Platzgumers neuer Roman „Bogners Abgang“ @hanserliteratur , entfaltet auf 140 Seiten ein packendes Szenario über Schuld und Verantwortung. Entfernt erinnert dies an den großen Friedrich Dürrenmatt, bei dessen Geschichten ebenfalls die schlimmstmögliche Wendung eintrifft.
Dies ist kein Krimi, sondern eine intelligente Auseinandersetzung mit dem „hätte ich doch nur“, das wir alle kennen. Ein Buch über Mutterliebe, gekränkte Eitelkeit, fehlende Anerkennung, Missverständnisse, Profilierungssucht und die Erkenntnis, dass mit ein bisschen Nachdenken viel hätte verhindert werden können.
Aktuell, mitreißend und zum nachdenken anregend!

Bogners Abgang

von Hans Platzgumer

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Dalee
Simone Finkenwirth

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Dennis Gastmann ist ein hervorragender Vorleser. Ich habe „Dalee“ wie ein Schwamm förmlich aufgesogen. Auch auf dem Papier ist „Dalee“ eine wahre Lesewonne, ein Abenteuerroman und eine Hommage an die großen wie sensiblen Dickhäuter!

Der Ich-Erzähler dieser Geschichte setzt mit seiner Familie und den Elefanten von Kalkutta auf die Andamaneninseln mit einem Schiff über, um dort bei der Forstwirtschaft aktiv zu werden. Was für eine Reise! Wussten Sie, dass Elefanten auch seekrank werden können? Und ist Ihnen bekannt, dass Elefanten nur zwei Stunden schlafen und dafür ausgiebig gähnen? Gastmann zeigt noch andere bestaunenswerte Eigenarten dieser Tiere auf. Doch nicht nur die Erkenntnisse verwandelt den Roman in ein außergewöhnliches Erlebnis. Hierin steckt viel Liebe, findet sich genauso berührend Schönes - all dies ist sinnlich und voller Hingabe erzählt.

Die Begeisterung für dieses Buch knüpft an meine Faszination für Indien und Elefanten. Doch selbst ohne diese Vorlieben hätte ich die Lektüre ins Herz geschlossen wie seinen jungen Ich-Erzähler Bellini. Dennis Gastmann ist so nah an Bellini und den Elefanten, als wäre er selbst Teil dieser Gemeinschaft gewesen. Vielleicht resultiert dies aus seiner Zeit als Auslandsreporter? Nun, es bleibt sein gut gehütetes Geheimnis.

Dafür ist Gastmanns Buch offen für jede Reisefreudige, jeden Abenteurer, Indienliebhaber und jede Tierfreundin bestens geeignet. Eine Reise, die sich wahrlich lohnt – ob selbst gelesen oder vorgetragen! Die Hörbuchfassungen können Sie übrigens bei uns im Shop bestellen – entweder als Hörbuch oder mp3-Download.

Dalee

von Dennis Gastmann

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Der verschwundene Buchladen
Simone Finkenwirth

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Es existieren schon zahlreiche Bücher über Buchhandlungen. Wohl auch deshalb, da sie auf uns eine magische Ausstrahlung ausüben. Nicht ohne Grund arbeite ich ja in einer. Trotz der Fülle empfehle ich „Der verschwundene Buchladen“ von Evie Woods, weil es wirklich großartig ist.

Die Autorin ist Irin. Wenngleich das Cover gar nicht typisch Irisch anmutet und einen leichten kitschigen Charakter verströmt, so kann ich Ihnen mit Gewissheit sagen: Hier steckt mehr drin als sein Aussehen auf dem ersten Blick scheint.

Evie Woods verbindet das Leben von drei Menschen. Opaline flüchtet 1921 vor ihrer Familie, denn ihr Bruder will sie mit einem Mann verheiraten. Es gebe nur zwei Optionen als Frau: Entweder sie heiratet oder sie findet irgendwo ein Anstellung.“ Daraufhin büxt unsere Heldin in einer Nacht- und Nebelaktion mit der Erstausgabe von „David Copperfield“ aus. Mit dem Geld bezahlt sie die Überfahrt nach Frankreich. Über magische Fügungen landet sie in der bekannten Buchhandlung „Shakespeare & Company“ und lernt von Sylvia Beach wichtiges Handwerkzeug, das sie später nutzen wird.

In der Gegenwart flüchtet Martha vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Durch Glück findet sie bei der wohlhabenden Mrs Browden eine Anstellung als Dienstmädchen. Ihre Herrin legt ihr immer Bücher ins Zimmer und Martha, die bislang nicht gelesen hat, fängt an. Und noch etwas ist seltsam: In ihrem Gemach passieren mitunter seltsame Dinge. Eins ist die Begegnung mit einem Mann an ihrem Fenster Henry ist auf der Suche nach einem verschollenen Manuskript und dem Buchladen, den es genau dort bei ihr mal gegeben haben soll. Und noch etwas ist seltsam und nicht von dieser Welt: Immer wieder hat Martha Eingebungen von Texten und lässt sich diese auf dem Rücken tätowieren... Wer oder was ist das?

Ich freue mich jetzt schon, wenn Sie am Ende angekommen sind! Zum einen hatten Sie wohlige Lesestunden. Zum anderen dürften ihre Augen leuchten, denn Evie Woods hat eine unglaubliche Auflösung! Hatte ich schon erwähnt, dass die Bronté Schwestern auch eine tragende Rolle spielen?

Apropos Magie. Können wir davon nie genug bekommen? Vor allem in so seltsamen dunklen Zeiten wie diesen? Eben! Also Buch aufschlagen, und magisch glücklich sein!

Der verschwundene Buchladen

von Evie Woods

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Oben Erde, unten Himmel
Simone Finkenwirth

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Sie kennen das sicher: Manche Autorinnen und Autoren begleiten uns wie langjährige Freunde. So ergeht es mir mit Milena Michiko Flašar. Ihr Debüt "Ich nannte ihn Krawatte" hatte mich seinerzeit begeistert. Danach folgte „Herr Kato spielt Familie". Daher war die Freude groß, als mich „Oben Himmel, unten Erde" erreichte.

Obwohl Milena Michiko Flašar halb Österreicherin ist, finde ich in ihren Büchern das literarische Japan: Diese schnörkellose Erzählweise, das Sonderbare, die Eleganz. Das Leichte, das auch Schweres erzählt - mit poetischen Pinselstrichen versehen. Milena Michiko Flašars Stil versprüht zudem eine feine Prise Humor.

In ihrem aktuellen Roman folge ich der Ich-Erzählerin, die am liebsten alleine ist. Die introvertierte Suzu wird Teil einer speziellen Putztruppe, die Wohnungen reinigt, in denen Leichen lange unentdeckt gelegen haben - die sogenannten Kodokushi-Fälle. Suzu fügt sich mit großem Ernst in ihre neue Aufgabe ein und es passiert noch etwas: Sie findet Anschluss, neue Weggefährten. Denn ihr einziger Geselle, ihr Hamster Punsuke, hält sich seit einiger Zeit eher bedeckt. Es ist berührend schön mitzuerleben, wie die junge Frau nach und nach aufblüht, als würde eine Eisschicht in der Frühlingssonne schmelzen.

Die Autorin hat eine besondere Schicksalsgemeinschaft zusammengeführt, die man unweigerlich ins Herz schließt. Gleichwohl erzählt sie über existentielle Themen, die uns Europäer ebenfalls betreffen: Es geht um die Einsamkeit der Dinge und der Menschen, den Tod, den verborgenen Tod (wenn einsame Menschen lange tot in ihrer Wohnung liegen), aber auch um Gemeinschaft und was sie aus eigensinnigen Menschen machen kann.

Ein zurückhaltendes, lebenskluges Buch mit besonderen Zwischentönen, die denen einer Klangschale sehr ähneln.

Oben Erde, unten Himmel

von Milena Michiko Flasar

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Gittersee
Frank Menden

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Dieser Romanhat mich bei der Lektüre vor einigen Monaten ( laut Verlag habe ich wohl die erste Rückmeldung abgegeben) zutiefst beeindruckt und begeistert. Das liegt vor allem an der Protagonistin Karin. Die 16jährige, die es allen recht machen will, behilflich sein will. Die mit ihrer Freundin Marie stundenlang vor dem Fernseher sitzt und die nicht ahnt , dass das „große Abenteuer“, auf das ihr Freund Paul sie mitnehmen will ( sie kann ihn nicht begleiten, weil sie wieder einmal ihre Schwester hütet ) dessen Flucht in den Westen bedeutet.
Und plötzlich ist das Leben anders. Die bislang eher im Hintergrund dräuende Politik manifestiert sich in Gestalt des attraktiven Stasi-Mitarbeiters Wickwalz, der Karin anwirbt - und so eine fatale Kettenreaktion auslöst.

Karin dabei zu begleiten wie sie mehr und mehr ihre jugendliche Unschuld verliert, zwischen die Fronten gerät und Stellung beziehen muss - dieser Erkenntnisprozess wird aufs eindringlichste beschrieben.
Überhaupt ist die sprachliche Gestaltung dieses Romans ein weiterer großer Pluspunkt. Vieles bleibt im Schwebezustand, wird nicht eindeutig benannt, man muss Leerstellen füllen und gerade diese Verknappung erhöht die enorme Wucht der Geschichte, deren Ende für mich unvergesslich bleiben wird.

Ein absolutes Highlight und eine neue Stimme , von der wir hoffentlich noch viel lesen werden !

Gittersee

von Charlotte Gneuß

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Die spürst du nicht
Frank Menden

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Es beginnt idyllisch. Zwei befreundete österreichische Familien verbringen ihren Urlaub gemeinsam in einer Villa und er Toskana. Die Binders und die Strobl-Marineks kennen sich schon seit Fahrend dieses Mal ist noch eine Freundin der 14jährigen Sophie Luise mit dabei. Aayana, die mit ihrer Familie aus Somalia geflüchtet ist. Ein Unglück beendet den Urlaub abrupt, die Familien kehren nach Österreich zurück. Doch an das Leben „davor“ lässt sich nicht so leicht anknüpfen, was vor allem Elisa Strobl-Marinek zu spüren bekommt , die als Politikerin in der Öffentlichkeit steht und für einen Ministerposten im Gespräch ist. Während sie versucht Schadensbegrenzung zu betreiben merkt sie nicht ,wie sich ihre Tochter mehr und mehr in sich zurückzieht und im Internet in Kontakt mit einem jungen Mann kommt….
Daniel Glattauers neuer Roman ist ein abwechslungsreiches , pointiertes Gesellschaftsporträt, das vielschichtig und berührend die Menschen zunehmend in den Mittelpunkt rückt, über die wir in den Zeitungen lesen, denen wir aber nie begegnen.
Ein nachdenklich stimmendes Buch, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die spürst du nicht

von Daniel Glattauer

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Blue Skies
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Stellen Sie sich vor, Sie haben Lust auf einen Drink. Doch statt in die Bar gehen Sie in die Zoohandlung nebenan und kaufen sich einen Tigerpython. Würden Sie nie tun? Nun, dann empfehle ich die Lektüre von T. C . Boyles neuem Roman „Blue Skies". Denn darin machen eigentlich ganz normale Menschen ziemlich verrückte Dinge.

Cat ist auf der Suche nach einer Bar, doch auf dem Weg dahin bleibt sie vor einem Schaufenster stehen und wird magisch hineingezogen. Cat stellt sich vor, eine Schlange wie einen Schmuck zu tragen. „Es wäre ein Statement, so viel war sicher." So kauft sich Cat nach einem längeren und ziemlich schrägen Beratungsgespräch diese Schlange, steckt sie in einen Beutel und genehmigt sich danach endlich den Drink, den sie schon längst haben wollte. Da sitzt sie dann mit ihrer Schlange an der Theke. Verrücktes Bild – und es bleibt nicht das einzige in „Blue Skies".

Cats Mutter beispielsweise hat beschlossen, Insekten zu essen. Um ihren Sohn – einem Entomologen – einen Gefallen zu tun und auf diese Weise ihren CO2-Fußabdruck zu minimieren. Also bestellt sich Ottilie einen Grillenbrutautomat, mit dem sie Grillen züchten und selbst Eiweiß selbst herstellen kann. Die Gerichte, die sie ihren Gästen vorsetzt, sind außergewöhnlich, und, nun ja, setzen schon ein gewisses Maß an Unerschrockenheit voraus. Cooper, ihr Sohn, ist als Mann einer Zeckenforscherin vieles gewohnt. Was den beiden bald zum Verhängnis werden wird.

Es geht in Boyles neuem Roman nicht nur um Menschen, Insekten und Schlangen. Der amerikanische Autor nimmt sich den Klimawandel vor und lässt seine Figuren regelrecht in ein Drama größeren Ausmaßes gleiten, in das er innere Konflikte schlangenartig mit einwebt. Dabei spielt der amerikanische Autor Kontraste gekonnt aus. Während Cats Familie in Kalifornien unter andauernder Trockenheit und Hitze leidet, hört es bei Cat in Florida nicht mehr auf zu regnen, schlimmer noch, das Wasser umspült die Pfähle des Hauses, das direkt am Meer steht.

„Blue Skies" ist unterhaltsam, witzig, und auf angenehme Weise verrückt. Gleichwohl berührt mich Boyle, dieser große Menschenkenner, mit seinem feinfühligen Blick auf seine Akteur:innen und einem vielfältigen Figurenkabinett. Unerwartete Wendungen ziehen in seinem düsteren wie fantastischen Roman erhebliche Verwerfungen nach sich. Dabei beweist der Autor erneut, was für ein fabelhafter Chronist unserer Zeit und leidenschaftlicher Erzähler er ist.

Sollten Sie nach der Lektüre von „Blue Skies" Lust auf einen Drink verspüren, sollten Sie sich vergewissern, dass keine Zoohandlung in der Nähe ist. Denn der Spontankauf eines Python ist nicht ausgeschlossen. Oder warum muss ich für mein neues Haustier immer genügend Mäuse bereithalten?

Blue Skies

von T. C. Boyle, Tom Coraghessan Boyle

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Am Tag des Weltuntergangs verschlang der Wolf die Sonne
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Mein Herz tobt noch immer wild durcheinander als wäre es eine Raubkatze, die man in einem viel zu kleinen Käfig eingeschlossen hat. Mich hat dieses Debüt vollkommen mitgerissen und selbst jetzt blinzelt es mir immer noch zu. Sina Scherzant erzählt in ihrem umwerfenden Buch die Geschichte zweier Schwestern, die es wahrlich nicht leicht haben. Ihre Eltern haben sich getrennt, die Mutter ist mit der Ich-Erzählerin und der jüngeren Tochter Nadine nach Dortmund gezogen. Neues Leben, neue Schule und Freundinnen. Katharina kümmert sich liebevoll um ihre Schwester. Wer jetzt kurz an „22 Bahnen“ von Caroline Wahl denkt, dem sage ich: Ja, stimmt, es gibt Parallelen, aber die beiden Bücher stehen für sich allein. Und dieses hier hat mich noch mehr begeistert.

Woran mag das liegen? An Angelica? Sie ist die Mutter von einer von Katharinas neuen Freundinnen, bei der sie oft abhängen. Lica ist so anders als Kathas Mutter, die mit der Erziehung oft überfordert ist. Lica ist dem Mädchen zugewandt. Sie ist die erste Person, die dem 15jährigen Mädchen sagt, dass es nicht für alle verantwortlich ist, auf sich hören sollte und es nicht immer allen recht machen muss. Denn die Erzählerin sieht sich selbst als "Lebenshandwerkerin" und schreitet überall ein, stopft Löcher, bügelt unebene Stellen aus, die der Alltag hinterlässt.

Lica sagt Katha auch, was man als Frau nie vergessen sollte, was wichtig ist. Lica ist eine Sonne, die nicht nur Kathas Innenleben zum Leuchten bringt - auch meins. Doch dann passiert eines Tages etwas, das das Leben unserer Heldin komplett aus der Bahn wirft. Wir verlieren alle das Gleichgewicht, doch Sina Scherzant fängt uns mit ihrer Sprache auf, die derart vibriert und sich wie ein Rettungsschirm um alles spannt. Sie trifft für jede Regung den richtigen Ton. Mal ist er rau, motzig, dann wieder zärtlich, klug, laut, leise, cool. Jodie Albon setzt die Sprache im eingesprochenen Hörbuch perfekt um.

Ein beeindruckendes Debüt über Schwesternschaft, weibliche Selbstermächtigung, Verlust, Trauer, Frausein und das wilde Leben mit seinen vielen Fallstricken. Ein Buch wie ein Faustschlag und eine Umarmung in einem. Das macht es so einzigartig und unvergesslich! Erschienen ist dieses Buch übrigens im neu gegründeten parkxullstein-Verlag.

Am Tag des Weltuntergangs verschlang der Wolf die Sonne

von Sina Scherzant

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MANIAC
Frank Menden

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Benjamin Labatuts Roman „Maniac“ ist eine literarische Annäherung an KI.
Der bei Suhrkamp erschiene und von Thomas Bromot übersetzte Roman beginnt mit einem Blick auf den österreichischen Physiker Paul Ehrenfest, der die „Quantenphysik als Dämon“ bezeichnete und sich 1933 schwer depressiv das Leben nahm.
Eine Identifikationsfigur für alle, denen KI hauptsächlich Unbehagen bereitet - um es vorsichtig auszudrücken.

Der Roman wechselt nun zu John von Neumann, einem heute fast vergessenen Genie. Aus verschiedenen Blickwinkeln lässt Labatut Mitarbeiter und Familienmitglieder über den Pionier der Künstlichen Intelligenz berichten, über die Entwicklung des ersten Hochleistungscomputers MANIAC - und auch über von Neumanns Beteiligung an der Entwicklung der Atombombe.
Labatut verschafft uns Einblick in die Welt dieses exzentrischen Geistes, in diesen von seiner Forschung besessenen Mannes, der alle Grenzen des Denkbaren zu sprengen imstande ist.

Das letzte Drittel behandelt den Zweikampf des weltbesten Go-Spielers gegen die KI AlphaGo - bei der die Maschine klar gewinnt ….

Ich habe nichts mit Naturwissenschaften am Hut. Im Gegenteil. Mit Physik und Mathematik konnte ( und kann ) man mich jagen und mein technisches Unvermögen ist geradezu peinlich.
Und dennoch hat mich dieser Roman schlichtweg umgehauen.
Durch die sprachliche Brillanz auf der einen Seite und durch Benjamin Labatuts geschickten Aufbau des Buches , welches mich jeden Schritt des Entwicklungsprozesses miterleben und mitfiebern ließ.
Und mich am Ende ohne jegliche Kenntnisse des Go-Spiels der Partien zwischen Lee Sedol und AlphaGo in völlig atemlose Spannung versetzte.

Für mich ein absolutes Highlight in diesem Jahr , hochliterarisch und mitreißend. Und für alle KI Interessierten ein Muss. Und für alle an herausragender Literatur interessierten Menschen .
Ein Buch wie ein Paukenschlag!

MANIAC

von Benjamín Labatut

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Mein kleiner Orangenbaum
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Sesé ist der Ich-Erzähler. Er ist sechs, eigentlich fünf, aber das verschweigt er lieber. Sesé ist ein kluges, aufgewecktes Kerlchen, das bereits lesen kann. Und ich garantiere: Sie werden ihn sofort ins Herz schließen. Und Sie werden ihm verzeihen, dass er sich hin und wieder Streiche ausheckt, bei denen man die Hände über den Kopf zusammenschlägt und ruft: „Ach Sesé, was machst du nur?“

Diesen Bengel nicht zu lieben, ist schier unmöglich. Als Sesés Familie umziehen muss, weil der Vater lange schon arbeitslos ist, entdeckt unser Held im Garten des neuen Hauses einen kleinen Orangenbaum. Er wird sein neuer Freund, und nennt ihn Knirps und an guten Tagen heißt der Baum Bébé. Die beiden unterhalten sich über große und kleine Themen. Falls Sie jetzt denken, das ist mir aber zu fantastisch, dem sage ich: Nein! Sie brauchen nur ein bisschen Fantasie, und davon hat unser Romanheld allerhand. Die geht automatisch in Sie über.

Sesé durch seinen Alltag zu folgen, ist berührend und absolut erfrischend. Als er eines Tages noch einen neuen Freund findet, der erst sein Feind war, platzen unsere Herzen vor Freude, Dankbarkeit, und Staunen: Kann das sein? Oh ja, und wie!

„Mein kleiner Orangenbaum“ bringt ganz viel Licht in diese triste Jahreszeit. Es lässt uns ganz oft lächeln, wärmt auf bezaubernde Weise und verwandelt den Nieselregen in Sonnenfontänen! Das ideale Geschenk für jeden, dem gerade vielleicht das Lächeln abhanden gekommen ist. Oder einfach für Sie, und Ihre junge Seele, die niemals altert.

Mein kleiner Orangenbaum

von José Mauro de Vasconcelos

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One Second to Love
Simone Finkenwirth

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Ich habe zuletzt einige schlechte Liebesromane gelesen. Kristina Moninger hat mich aus dem Tief herausgezogen. Woran liegt es? Wohl an der richtigen Mischung. In ihrer auf vier Bände angelegte Reihe „Breaking Waves“ kreist jeder Band um das Leben einer Freundin: Avery, Isabella, Odina, Lee und Josie. Die sehr unterschiedlichen Mädchen lernen sich bei einem Surfkurs kennen und freunden sich an.

Was die Lektüre obendrein spannend macht ist Josies Verschwinden. Josie war eine berühmte Schauspielerin, die vor zehn Jahren von der Bildfläche verschwunden ist. Sie wurde seitdem nicht gefunden. Nun verdichten sich neue Hinweise, als Avery nach ihrem Abschlusskonzert auf Harbour Bridge bleibt – eine Insel vor der Küste South Carolinas. Avery ist ausgebrannt, will wieder zu sich finden. Aber aus ihrer Auszeit wird nichts. Denn nicht nur die Dämonen der Vergangenheit holen sie ein, auch Jake – ihr Bandkollege, mit dem sie mehr verbindet als reine Freundschaft, sucht ihre Nähe. Mehr als ihr lieb ist. Oder doch?

Ich bin durch die Seiten gesurft, habe die Leichtikeit des Sommers auf meiner Haut gespürt und dieses Prickeln, was man aus guten Liebesromanen zieht. Wie auch bei den Romanen von Emily Henry dreht sich nicht alles um die Liebe, es geht genauso um Freundschaften, das was sie zusammenführt und manchmal auch verletzt. Band 2 („Two Lives to Rise“) ist übrigens jüngst erschienen und bei uns vorrätig.

One Second to Love

von Kristina Moninger

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Hot Mess
Simone Finkenwirth

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Ich bin sofort angekommen in diesem vielstimmig erzählten Roman. Und das obwohl ich älter bin als die Figuren. Aber Claires Gedanken sind mir nicht unbekannt, und ganz ehrlich? Es tut so gut, sie aufzulesen!

Lexi ist die andere Protagonistin. Sie betreibt mit ihrer besten und temperamentvollen Freundin Amanda einen erfolgreichen Podcast. Gemeinsam mit ihrem Freund, der gleichzeitig als Manager für ihr Unternehmen fungiert, sucht sie jetzt eine Wohnung. Sind natürlich alle viel zu teuer in Dublin. Doch ein großer Werbedeal naht. Dann passiert etwas, was Lexis Leben vollkommen auf den Kopf stellt.

Joanne ist die Dritte im Bunde: Sie wird ungeplant Mutter. Das ändert nicht nur die Beziehung mit ihrem langjährigen Freund. Auch sie selbst und ihr Umfeld durchlaufen eine Metamorphose. Ihre Freundinnen wollen so weitermachen wie bisher: Party, Alkohol und feiern.

Die irische Autorin verbindet die drei Leben derart fließend miteinander, erzählt über Freundschaften, Beziehungen, Lebensentwürfe und Gedanken-Dämonen. Noch etwas eint die Frauen: Scheinbar sichere Beziehungen bekommen Risse und stellen sie vor großen Herausforderungen. Absolut packend, sehr berührend und nah am Leben!

„Hot Mess“ passt daher wie angegossen zum neuen pola-Verlag, der genau das will: Themen von jungen Leserinnen ab Ende 20 eine Stimme geben, die mehr von ihren Büchern erwarten als nur Glitzer.

Hot Mess

von Sophie White

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Die Möglichkeit von Glück
Frank Menden

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In „Die Möglichkeit von Glück“ erzählt Anne Rabe , wie prägend die Lebenserfahrungen der Eltern und Großeltern sich auf deren Kinder und Enkelkinder auswirken.

Die Ich-Erzählerin Stine wird drei Jahre vor dem Mauerfall geboren. Sie wächst in einem wiedervereinigten Deutschland auf , in dem beide Teile, Westen wie Osten, die Deutungshoheit und das richtige Leben für sich beanspruchen.
Stine hat sich von ihrer in einer Kleinstadt an der Ostsee lebenden Familie distanziert, allein mit ihrem jüngeren Bruder Tim hat sie Kontakt. Ihren beiden Kindern will sie eine andere Mutter sein als es ihre Mutter Monika war. Eine Frau , die mit Strenge und Disziplin erzog - und mit Schlägen.

Der Tod ihres Großvaters Paul ist der Auslöser, sich mehr mit der Familiengeschichte auseinanderzusetzen, und die Lücken in dessen Lebenslauf zu schließen…

Anne Rabes Roman hat mich gleich „gehabt“. Von den ersten Sätzen an hat mich diese komplexe und durchaus exemplarische Familiengeschichte nicht mehr losgelassen. Eine Geschichte über Geheimnisse, über das Wegsehen, Leugnen, Schönreden . Über den Ursprung von Gewalt und Rassismus.
Es ist der erste Roman Anne Rabes, man erkennt jedoch im collagenhaften Aufbau und im Wechsel von erzählerischen und eher sachlichfaktischen Passagen die Essayistin und Drehbuchautorin.
Das mag manchen Leser*innen den Zugang etwas erschweren, sollte aber nicht abschrecken.
Im Gegenteil: für mich hat gerade diese Struktur das Buch noch eindringlicher gemacht, mich noch mehr in diese facettenreiche Geschichte hineingezogen. Und immer noch nicht losgelassen.
Tut euch einen großen Gefallen und lest dieses Buch !

Die Möglichkeit von Glück

von Anne Rabe

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Es war einmal in Brooklyn
Frank Menden

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Brooklyn, Sommer 1977.
Eine Hitzwelle hat die Stadt fest im Griff, genau wie der Serienmöder Son of Sam.
Doch Juliette und ihren bester Freund und Nachbar David beschäftigen ganz andere Dinge. Juliette wird bald nach Yale gehen während der an Krebs erkrankte David nicht weiß, ob er überhaupt eine Zukunft haben wird.
Als der Pizzabote Rico in Juliettes Leben tritt, verändert sich die Freundschaft der beiden unzertrennlichen 17jährigen.
Und dann fällt der Strom in der ganzen Stadt aus....
Syd Atlas hat einen vielschichtigen Roman über das Erwachsenwerden und Erwachsensein geschrieben. Mit großem Einfühlungsvermögen schildert sie das Leben der drei Protagonist*innen und ihrer Familien, erzählt von Träumen, Sehnsüchten und großen Enttäuschungen - und über lebensprägende Freundschaften.
Ein Buch voller Kraft, Gefühl, Humor und Melancholie.
Wie das Leben selbst!

Es war einmal in Brooklyn

von Syd Atlas

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Das Fest
Sarah O'Connor

Sarah O'Connor

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Sommer 1947. Das an den Klippen Cornwalls malerisch gelegene Hotel Pendizack wird durch einen Felssturz verschüttet, und alle, die sich im Haus befanden, liegen unter den Trümmern begraben. Nur diejenigen, die sich zum Zeitpunkt des Unglücks zu einem Fest am Strand versammelt haben, sind verschont geblieben. Kann das Zufall sein?
Eine Woche zuvor ist das heruntergekommene Herrenhaus, das die verarmten Pendizacks zum Hotel umfunktioniert haben, um die Ausbildung ihrer Söhne zu finanzieren, noch fast ohne Gäste. Nach und nach treffen Urlauber ein, unterschiedlichste Menschen, die sich ein einziges Badezimmer teilen müssen: die fünfköpfige Familie Gifford mit ihren besonderen Ansprüchen, die kapriziöse Schriftstellerin Anne Lechene und ihr Chauffeur, der furchteinflößende Geistliche Mr Wraxton mit seiner Tochter Evangeline. Ein jeder von ihnen, wie auch die Pendizacks, das lebenskluge Dienstmädchen Nancibel und die anderen Bediensteten, schlägt sich mit geheimen Sorgen herum und hat etwas zu verbergen. Vor der herrlichen Kulisse des offenen Meers bahnen sich Freundschaften, Romanzen, Fehden, Feindschaften an. Alles gipfelt in der Feier am Strand - und in der Frage, wer daran teilgenommen hat, um wie durch ein Wunder der Tragödie zu entgehen.

Das Fest

von Margaret Kennedy

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Die weite Wildnis
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Lauren Groff zählt zu den großartigsten Autorinnen unserer Gegenwart. So war das neue Werk der Autorin für mich ein Must-Read. Und wieder hat mich Lauren Groff begeistert. Schon nach den ersten Sätzen hat sie mich mit ihrer Sprache regelrecht umgarnt. Sie ist das helle Kontrastmittel zur düsteren Geschichte, die sie uns erzählt.

Wir sind auf der Flucht, das Mädchen und ich. Es ist kalt, wir sind hungrig und spüren die Angst wie eine Bärentatze auf unseren Schultern. Als wir nach vielen Tagen tatsächlich einen Bär entdecken, sind wir derart fasziniert, dass dem Mädchen ein Gedanke aus dem Kopf purzelt, den ich auffange: „Wenn sie gefressen würde, ginge irgendetwas von ihr selbst in den Körper der Bärenmutter über und flösse durch die Milch in die Körper ihrer Jungen, und die Jungen würden zu großen Bären heranwachsen und eines Tages selbst Junge bekommen, und irgendein kleiner Teil dessen, was sie gewesen war, würde irgendwo im Blut, im Fleisch und im Fett von ihnen weiterleben.“ Ist das irre? Das ist nur ein Ausschnitt aus weiteren Gedanken und unglaublichen Szenen, die das Buch für uns bereit hält.

Das Mädchen kommt ursprünglich aus England, bevor es mit ihrer Herrin, deren Familie und anderen Menschen Anfang des 17. Jahrhunderts nach Amerika übergesiedelt ist. Doch das Leben wird geprägt von einem brutalen Patriarchat und großer Hungersnot, dieser entflieht sie. Mit nur wenigen Dingen an sich pirscht sie durch die Natur, versucht zu überleben. Erlebt Hunger, Kälte, wird krank, flieht weiter mit Schmerzen und Fieber und ich folge ihr atemlos. Bin beeindruckt von der Furchtlosigkeit und dem Durchhaltevermögen, ein Rücken, der sich nicht brechen lässt. Der Einfallsreichtum, um an Nahrung zu kommen, ist schier grenzenlos. Wo nimmt dieses 17jährige Mädchen nur all die Kraft her?

Während des Lesens denke ich an „Matrix“ - dem letzten Roman der Autorin - und wünsche mir, unsere Romanheldin würde in dem Kloster Unterschlupf finden.

„Die weite Wildnis“ ist erschütternd und schön zugleich. Die Lektüre schickt mich an die Grenzen, und man sollte schon in der richtigen Stimmung sein, wenn man das Buch aufschlägt. Trotz aller Düsternis schimmert es für mich aus dem Meer der Neuerscheinungen hervor. Ein Buch, über das ich sprechen möchte und das sich perfekt für einen Lesekreis eignet. Wenn Sie es dort lesen, lassen Sie es mich bitte unbedingt wissen.

Die weite Wildnis

von Lauren Groff

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Die Postkarte
Frank Menden

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„Im Januar 2003 fand Anne Berests Mutter Lelia unter der Post mit den Neujahrswünschen eine sehr verstörende Ansichtskarte: auf der Vorderseite eine Ansicht der Pariser Oper, auf der Rückseite, außer der Adresse, nichts als die Vornamen ihrer vier in Auschwitz ermordeten nächsten Angehörigen.“

Man kann sich dem autofiktionalen Buch „Die Postkarte“ , übersetzt von Amelie Thoma und Michaela Messner, nach dieser Ausgangslage nicht mehr entziehen.
Gebannt und erschüttert folgt man der Familiengeschichte der Rabinovitch und begibt sich mit der Autorin auf eine Spurensuche , die die Opfer dem Vergessen entreißt und eine Brücke in die heutige Zeit schlägt. Eine Zeit , in der Antisemitismus wieder allgegenwärtig ist und unverhohlen geäußert wird.

Mich hat das Buch noch immer nicht losgelassen, ich denke an Ephraim, Emma, Noemie, Jacques und die vielen Abermillionen Ermordeten.
Und wenn sich am Schluss das Rätsel der Postkarte löst , dann legt man dieses Buch weg und weiß: vergessen wird man es nie mehr!

Zu große Emotionaliät verhindert in diesem Fall eine differenzierte Auseinandersetzung, eine genauere Rezension.
Aber wenn ein Buch so viele Wellen schlägt, so lange nachhallt, dann spricht das für sich .
Was für eine Geschichte!

Die Postkarte

von Anne Berest

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Gewässer im Ziplock
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Dana Vowinckel hat mich mit ihrem erstaunlichen Debüt „Gewässer im Ziplock“ in Atem gehalten und bis zur letzten Seite begeistert.

Mit ihrer 15jährigen Hauptfigur Margarita habe ich den Sommer des Lebens erlebt. Zunächst ist das Mädchen bei ihren Großeltern in Chicago. Doch Margarita fühlt sich dort nicht wohl. Das spürt auch ihr Vater in Berlin, mit dem sie im engen Kontakt steht. Als ihre Mutter einen Fellowship an der Hebrew University in Israel erhält, entsteht die Idee, das Mädchen dorthin zu schicken. Erst weigert sie sich und schließlich fliegt sie doch zu ihrer Mutter, die sie und ihren Vater vor dreizehn Jahren verlassen hat. Wird das gut gehen?

Was für eine aufwühlende und mitreißend erzählte Geschichte! Dana Vowinckel eröffnet ein weites Panaroma jüdischer Menschen in der Gegenwart. Da ist Margaritas Vater Avi, der als Kanton arbeitet und in frühen Jahren nach Deutschland kam, um dem Wehrdienst zu entkommen. Oder Margaritas Großeltern, die nach Amerika ausgewandert sind. Die junge Frau bewegt sich zwischen verschiedenen Welten, sucht sich selbst, verzweifelt oft. Ähnlich wechselhaft verhält sich die Autorin, denn sie tauscht die Erzähl-Perspektiven.

Werden sich Mutter und Tochter annähern? Es kommt zu einem furiosen Finale. So ist mein Kopf immer noch zerzaust, aber ich bin glücklich und beeindruckt davon, was diese junge Autorin erzählerisch umgesetzt hat.

Übrigens bin ich nicht die einzige überzeugte Leserin. Auch Julia Franck und Daniela Dröscher waren nach der Lektüre ebenfalls beeindruckt.

Gewässer im Ziplock

von Dana Vowinckel

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Babel
Frank Menden

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Nebula Award !
British Book Award !
Begeisterung überall !
Wenn man mich fragt : völlig verdient!
Die Geschichte von Robin Swift, der von einem reichen Gönner aus dem chinesischen Kanton nach England gebracht wird, sich dort einem rigiden Bildungsprogramm unterordnet, welches ihn bis nach Oxford bringt , wo er dann… ( ab hier wird nichts mehr verraten ) besticht sprachlich wie inhaltlich.

R.F. Kuang ist ein phantasievoller historischer Roman gelungen, der mit seiner Fülle von Themen ( Rassismus, Kolonialismus , Misogynie )sehr gegenwärtig ist . Die Macht des Wortes und die Fragen der Übersetzung stehen im Zentrum von „Babel“ ( Übersetzung: Heide Franck und Alexandra Jordan ), das einen über 700 Seiten lang vollkommen mitreißt und erst nach einem furiosen letzten Drittel wieder aus seiner Welt entlässt.
Einer Welt, die in sich so stimmig ist und sprachlich so überzeugt, dass kleinere Längen im Mittelteil nicht weiter ins Gewicht fallen.
Für mich ist dies ein Roman, in dem man völlig versinkt, der informativ und intelligent ist, und der seine Geschichte mit stringenter Konsequenz erzählt.

Babel

von Rebecca F. Kuang, R. F. Kuang

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Dinner mit den Schnabels
Frank Menden

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Für Simon Larsen läuft es in letzter Zeit nicht so gut. Pandemiebedingt hat er seinen Job verloren, er musste mit seiner Frau Tansy und den beiden Kindern von seinem Haus in eine kleine Wohnung ziehen. Eigentlich möchte Simon nur noch auf dem Sofa liegen und alles an sich abprallen lassen. Nur leider hat er da die Rechnung ohne die Familie seiner Frau und vor allem seine Schwiegermutter Gloria gemacht. Die schanzt dem arbeitslosen Architekten einen ganz besondern Auftrag zu. Er soll den garten eines befreundeten Nachbarn neu gestalten -damit dort eine Trauerfeier für seinen vor der Pandemie verstorbenen Schwiegervater stattfinden kann. Soweit so gut. Als aber nebst seiner omnipräsenten Schwägerin Kylie und dem unfehlbaren Schwager Nick auch noch die bis dato unbekannte Halbschwester der drei Schnabel-Geschwister auftaucht und Tansy die Scheidung einreicht stellt das nicht nur Simons Leben vor völlig neue Herausforderungen…

Toni Jordan hat mit diesem Roman ein Glanzstück geschaffen. Voller Empathie, mit viel Humor und einer genau dosierten Portion Gefühlsseligkeit wähnt man sich in einem Hollywood-FeelGood-Movie das nie enden soll. Wer Lust auf herzerwärmende Unterhaltung hat greife unbedingt zu diesem Buch und trifft die wunderbar chaotischen und charismatischen Schnabels. Und verlässt sie bestimmt sehr ungern am Ende der 379 Seiten.

Dinner mit den Schnabels

von Toni Jordan

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Trennungsroman
Frank Menden

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"Als sie einander acht Jahre kannten ( und man darf sagen: sie kannten sich gut), kam ihnen ihre Liebe plötzlich abhanden.Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut“

So wie in den ersten Zeilen von Erich Kästners Gedicht "Sachliche Romanze“ ergeht es auch Eva und Thomas .
Nach acht Jahren Beziehung ist plötzlich die Luft raus, die Vertrautheit weg, das Gefühl füreinander als Paar.
Dabei sollte die Beziehung doch nach Evas zweijährigen Paris Aufenthalt in eine neue Phase übergehen : Kinder , evtl Heirat .
Aber der lang herbeigesehnte Moment der Wiedervereinigung führt zu Krampf, zu Unsicherheiten, zu "will ich das eigentlich noch?“. Und wenn nein, was will ich dann?
Zwei Menschen Anfang 30, ein gutes Leben in Berlin lebend. Aber nicht gut genug . Oder gar zu gut?

Es ist keine neue Geschichte, die die Schauspielerin und Drehbuchautorin Anna Brüggemann in ihrem Debütroman erzählt.
Aber sie erzählt sie gekonnt, mit einer klaren Sprache und zeigt uns, welche Ansprüche wir heute an eine Beziehung haben, wie sehr wir alles hinterfragen , jeden Gesichtsausdruck deuten , jede Klangfarbe analysieren.
Wie ein Countdown ist dieser realistische Roman aufgebaut und er erzählt auch die Zeit nach der Trennung . Dabei werden beide Perspektiven geschildert, die Autorin ergreift keine Partei.
Und obwohl es kein Happy End gibt - was bei diesem Titel von Anfang an klar ist - ist man am Schluss doch versöhnt. Man wünscht Eva und Thomas Glück auf ihren weiteren Wegen und lässt sie schweren Herzens wie verflossene Geliebte gehen.
Eine uneingeschränkte Leseempfehlung!!!

Trennungsroman

von Anna Brüggemann

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Echtzeitalter
Frank Menden

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Vor vier Jahren stand Tonio Schachinger mit seinem Roman „Nicht wie ihr“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.
Mit seinem zweiten Roman „ Echtzeitalter“ hat er ihn endlich gewonnen!!
Durch acht Schulklassen an einem Eliteinternat in Wien begleiten wir den Protagonisten Till, der mit seinen Mitschülern und deren vorbestimmten Lebenswegen in Jura und BWL nichts anfangen kann.
Sein Klassenvorstand Dolinar herrscht über die Klasse , deren Alltag von Strafen, Demütigungen und Angst geprägt ist.
Doch für Till öffnet sich im Computerspiel „Age of Empires II“ eine Gegenwelt, die seine Rettung ist. Er wird zu einem der weltweit besten Spieler, der jüngste in den Top Ten.
Und dann tritt auch die Liebe in Gestalt der toughen und außergewöhnlichen Feli in seine Welt….

Tonio Schachingers Roman ist ein klassischer, pointenreicher und stilistisch hervorragend erzählter Coming-of-age - und Internatsroman, der uns die Mechanismen autoritärer Strukturen aufzeigt - und wie man sie überwinden kann. Schachinger spielt humorvoll mit den Gegensätzen der analogen und digitalen Welt und erzählt dabei wie nebenbei vom Bewahren der eigenen Individualität in einem geschützten Raum.
Die Abgründe der österreichischen Gesellschaft, den Wahnsinn hinter den großbürgerlichen Fassaden der Wiener Palais, schildert Tonio Schachinger so genau wie amüsant und wenn man dieses Buch nach 368 Seiten aus der Hand legt hat man einen der besten Romane in diesem Jahr gelesen.
Grandios!

Echtzeitalter

von Tonio Schachinger

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Vom Ende der Nacht
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wollen Sie mal wieder eine richtig schöne Liebesgeschichte lesen? Dann greifen Sie zu diesem Buch! Nicht nur Chris Whitaker und Carley Fortune hat diese Geschichte mitten ins Herz getroffen - mich ebenfalls.

Rosie und Will lernen sich bei einem Lagerfeuer kennen. Will ist sofort von diesem Mädchen verzaubert. Als er später ihrem Gesang lauscht, ist er Rosies Sound sofort erlegen. Und dann beginnt die Liebesgeschichte, die es verdammt schwer hat, sich zu entfalten. Nicht nur, weil die beiden grundverschieden sind. Immer kommt ihnen das Leben dazwischen. Und gerade deshalb liest sie sich derart anziehend.

Ich begleite die beiden ein halbes Leben lang – als Jugendliche bis in ihre 40er Jahre hinein. Claire Daverley hat ihren eigenen Sound, eine berührende Atmosphäre, die mich vollends einnimmt. Ebenso bemerkenswert ist ihre starke Figurenzeichnung.

Claire Daverley bewegt sich aber nicht nur im Kreis der Liebe, sie schreibt zugleich von den Erwartungen ans Leben - den eigenen und von anderen auferlegten.

Eine wundervolle, schmerzlich-schöne und hoffnungsvolle Geschichte mit süßen, aber auch bitteren Noten – die die Autorin perfekt ausbalanciert.

"Vom Ende der Nacht" empfehle ich auch den jungen BookTok-Leser:innen.

Vom Ende der Nacht

von Claire Daverley

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Mr. Loverman
Frank Menden

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Kann man im Alter sein Leben noch einmal komplett neu ausrichten und gestalten?

Vor dieser Frage steht Barrington Jedidah Walker. Seit fast fünfzig jahren lebt er mit seiner Frau Carmel, wie er aus Antigua stammend, ein beschauliches Leben in Hackney, ein schönes Haus und zwei erwachsene Kinder eingeschlossen.
Aber Barrington lebt ein Doppelleben: seit seiner Jugend liebt er seinen Freund Morris. Und der liebt ihn. jetzt möchte Morris endlich mit barrington zusammenziehen, die Liebe öffentlich machen. Doch Barrington zögert noch vor diesem Schritt.
Carmel wiederum hegt schon seit langem den Verdacht, dass ihr Mann sie betrügt - das wahre Ausmaß dieses betruges ahnt sie jedoch nicht...

Bernardine Evaristo erzählt diese komplexe Geschichte über Lebenslügen und überaltete Konventionen, über Herkunft und Fremdheit, über Geheimnisse, Lügen , Liebe und Leid, mit scharfem Blick und pontiertem Humor. dabei zeichnet sie ein bestechendes Bild des modernen Londons und den Kampf von Weltanschauungen, bei der alle Seiten so gnadenlos wie fair beschrieben werden.

Ein wahrlich anrührender und stilistisch herausragender Roman, der ohne erhobenen Zeigefinger auskommt, der intelligent unterhält und zur Selbstreflexion einlädt!
Große Leseempfehlung!

Mr. Loverman

von Bernardine Evaristo

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Frau Komachi empfiehlt ein Buch
Frank Menden

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Sayuri Komachi arbeitet in einer kleinen Gemeindebibliothek in Tokio. Für alle Kund*innen hat sie die perfekte Lektüreempfehlung, denn mit ihrer großen Empathie erkennt sie die unterschiedlichen Bedürfnisse genau. Und so ist es kein Wunder, dass ihre Kund*innen nach der Lektüre der empfohlenen Bücher plötzlich kit ganz anderen Augen auf ihr Leben und ihre Umwelt schauen…

Dieses Buch ist ein kleiner Schatz. Eine Ode an die Literatur und ihre Vermittler*innen, an die Kraft der Wörter zwischen zwei Buchdeckeln -und darauf, dass Umwege die Ortskenntnis erhöhen: wirtlich und sinnbildlich.

Ein wunderbares Buch zum verschenken!

Frau Komachi empfiehlt ein Buch

von Michiko Aoyama

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Vom Himmel die Sterne
Frank Menden

Frank Menden

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Es gibt Bücher, in die will ich nur mal kurz reinlesen, um mir einen Eindruck zu verschaffen.
So auch bei Jeanette Walls neuen Roman „Vom Himmel die Sterne“ . Der Plan ging allerdings nicht auf , denn ich habe den Roman erst nach 443 Seiten zuklappen können - da war er nämlich leider zu Ende .

Jeanette Walls hat mich einfach mitgerissen, und das liegt an ihrer Protagonistin Sallie, die Anfang des 20. Jahrhunderts im ländlichen Virginia als Tochter eines der mächtigsten Männer des Staates, der nur „Duke“ genannt wird, aufwächst.
Durch eine Verkettung von Umständen wird sie in seine Fußstapfen treten, eine Frau in einer Männerwelt, die durch die Prohibition, Schmuggel, Lynchjustiz und Bigotterie geprägt ist .
Dies alles schildert Jeanette Walls in einer sehr bildhaften und wie eingangs erwähnt mitreißenden Prosa, dass man den Roman nicht aus der Hand legen kann und sich wie in einer hervorragend gemachten Miniserie wähnt .
Ulrike Wasel und Klaus Timmermann haben den Roman übersetzt ( Triggerwarnung : das N-Wort kommt an einer Stelle historisch bedingt vor ) und er hat mir wieder einmal gezeigt , dass gut erzählte packende Geschichten die beste Ablenkung in schwierigen Zeiten sind .
Wer mal wieder Lust auf einen Pageturner hat und in die Zeit der Prohibition reisen möchte und dazu eine bemerkenswerte Protagonistin kennenlernen - der greife zu diesem höchst unterhaltsamen und intelligent gebauten Roman.

Vom Himmel die Sterne

von Jeannette Walls

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Mon Chéri und unsere demolierten Seelen
Simone Finkenwirth

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Wenn wir die Tage mehr über österreichische Literatur sprechen, dann darf Verena Roßbacher natürlich nicht fehlen. Die Autorin wurde mit ihrem Roman „Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“ im vergangenen Jahr den Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. Das überrascht mich keineswegs. Enthält ihr Werk allerlei Zutaten, die aus dem Lesen ein unvergleichlich und eindrucksvolles Erlebnis formen.

Diese mitreißende Frische, der elegante Spagat zwischen dem Ernst des Lebens und dem rettenden Schalk, diesem zu begegnen. Obendrein ist da der große Einfallsreichtum in Sprache und Szenen. Man läuft – nein, falsch, man tanzt - regelrecht durch die Lektüre, spürt den Gegenwind des Schicksals im Gesicht und gleichzeitig lache ich Tränen, weil die Autorin urkomische Dinge vor uns ausbreitet. Dieses Buch macht so viel Spaß, obwohl es durchaus von düsteren Begebenheiten erzählt.

Aber aus Charlys Mund klingen sie nie ganz so finster. Die Ich-Erzählerin hat Humor – wohl eher Galgenhumor, denn ihr Leben sieht nicht gerade rosig aus: Sie hat keine Freunde, ist Dauersingle, hat ein kaputtes Fahrrad, das sie stets an ihrer Seite hat wie einen Hund. Die 43-Jährige arbeitet als Marketingfrau bei einer Berliner veganen Foodcompany, ernährt sich von deren Müsliriegeln. Und dann hat sie noch Herrn Schabowski an ihrer Seite.

Zunächst nur als Dienstleister, später entwickelt er sich zu einem treuen Weggefährten. Charly leidet an Postphobie, sie kann Briefe nicht allein öffnen. Das erledigt Herr Schabowski für sie. Als Charly nun von ihrer esoterischen Schwester eine Familienaufstellung geschenkt bekommt, gerät Charlys Leben und das von Herrn Schabowski aus dem Gleichgewicht...

Am Ende schlägt man dieses großartige Buch staunend, juchzend zu und hat wieder einmal mehr den Beweis, dass unsere europäischen Nachbarn verdammt gute Literatur verfassen.

Mon Chéri und unsere demolierten Seelen

von Verena Roßbacher

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Hot Mess
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich bin sofort angekommen in diesem vielstimmig erzählten Roman. Und das obwohl ich älter bin als die Figuren. Aber Claires Gedanken sind mir nicht unbekannt, und ganz ehrlich? Es tut so gut, sie aufzulesen!

Lexi ist die andere Protagonistin. Sie betreibt mit ihrer besten und temperamentvollen Freundin Amanda einen erfolgreichen Podcast. Gemeinsam mit ihrem Freund, der gleichzeitig als Manager für ihr Unternehmen fungiert, sucht sie jetzt eine Wohnung. Sind natürlich alle viel zu teuer in Dublin. Doch ein großer Werbedeal naht. Dann passiert etwas, was Lexis Leben vollkommen auf den Kopf stellt.

Joanne ist die Dritte im Bunde: Sie wird ungeplant Mutter. Das ändert nicht nur die Beziehung mit ihrem langjährigen Freund. Auch sie selbst und ihr Umfeld durchlaufen eine Metamorphose. Ihre Freundinnen wollen so weitermachen wie bisher: Party, Alkohol und feiern.

Die irische Autorin verbindet die drei Leben derart fließend miteinander, erzählt über Freundschaften, Beziehungen, Lebensentwürfe und Gedanken-Dämonen. Noch etwas eint die Frauen: Scheinbar sichere Beziehungen bekommen Risse und stellen sie vor großen Herausforderungen. Absolut packend, sehr berührend und nah am Leben!

„Hot Mess“ passt daher wie angegossen zum neuen pola-Verlag, der genau das will: Themen von jungen Leserinnen ab Ende 20 eine Stimme geben, die mehr von ihren Büchern erwarten als nur Glitzer.

Hot Mess

von Sophie White

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Der späte Ruhm der Mrs. Quinn
Frank Menden

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Nach meiner letzten Lektüre brauchte ich ein starkes Kontrastprogramm: ein Roman, der mich mehr zum mitfühlen als zum nachdenken bringt.
Et voilà, „Der späte Ruhm der Mrs. Quinn“ war da genau richtig .
Die Geschichte der 77jährigen Jennifer „Jenny“ Quinn, seit mehreren Jahrzehnten glücklich mit Bernard verheiratet, beschließt eines Tages , sich bei einer großen Backshow im Fernsehen zu bewerben. Backen war schon immer ihre Leidenschaft und ihr Lebensretter, brachte sie durch die Krisen ihres Lebens und die alten Familienrezepte gaben ihr Halt in unruhigen Zeiten.
Aber jetzt hat Jenny das Gefühl noch einmal etwas Neues machen zu müssen, etwas zu wagen im Leben, sich einen Traum zu erfüllen…

Man muss kein Genie sein um zu ahnen, dass Jenny sich bravourös für die Show qualifizieren wird und dort zum Liebling avisiert. Und auch ihr jahrzehntelang gut gehütetes „dunkles Geheimnis“ ist schnell ausgemacht.
Allerdings hat mich die Vorhersehbarkeit vieler Aspekte dieser Geschichte überhaupt nicht gestört, denn Olivia Ford hat den Bogen raus. Geschult durch ihre langjährige Tätigkeit im Unterhaltungsfernsehen überträgt sie dessen Mittel äußerst wirkungsvoll auf ihren Debütroman, der einen schon bald wohltuend umhüllt wie der Geruch einer Backstube.
Ich habe mich prächtig unterhalten, ein paar Tränchen der Rührung vergossen und mich sehr in Jenny und Bernard verliebt.
Okay, vielleicht sogar noch mehr in Jennys wunderbare Backkreationen, die dafür sorgen, dass man während der Lektüre unweigerlich zunimmt, denn man kann schwerlich von diesen leckeren Dingen lesen ohne etwas halbwegs Adäquates neben sich zu wissen.
Wer also Lust hat auf beste , schamlose Unterhaltung, die die Klaviatur der Klischees perfekt bespielt, dem ist dieser Wohlfühlroman hiermit wärmstens empfohlen.
( übersetzt von Sonja Rebernik-Heidegger)

Der späte Ruhm der Mrs. Quinn

von Olivia Ford

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Wir hätten uns alles gesagt
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Bei Judith Hermann ist es ein Satz. Der alles ins Rollen bringt. Den Beginn einer Erzählung oder Geschichte formt. Bei mir ist es ein Bild, das vor mir erscheint. Taucht es nicht auf, dann lasse ich es bleiben, kann nicht über das Buch schreiben. Das passiert mir selbst bei Büchern, die mich begeistern. Anfangs war ich irritiert, suchte nach Erklärungen. Mittlerweile akzeptiere ich diese Leerstellen. Wir müssen nicht ständig alles hinterfragen. Es ist, was es ist, das wusste schon Erich Fried. Und ich weiß: Der nächste Wortstrom wird kommen - so wie andere Bücher in mein Leben treten werden.

Jetzt sitze ich mit Judith Hermann in dem kleinen Haus am Meer, beobachte ihre Wahlfamilie, wie sie zusammenkommt. Sie ahnt dabei allerdings nicht, dass wir lange schon verbunden sind.

Ich erinnere mich noch sehr gut an „Sommerhaus, später“, und das obwohl über 21 Jahre vergangen sind. Ihr Debüt hat mich geprägt und lange noch beschäftigt. Wie sehr ich dieses Buch vermisse, wird mir erst jetzt bei der Lektüre von „Wir hätten uns alles gesagt“ richtig bewusst. Verrückt, aber auch magisch-schön.

In ihrem neuen Buch begegne ich der Autorin auf einer anderen Ebene: Sie öffnet ihre inneren Fenster. Neugierig folge ich ihren Beobachtungen, Gefühlen, Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend. Sie lässt mich an in ihrem Leben als Mutter, Tochter, Freundin und Schreibende teilhaben.

Es hat sicherlich viel Mut und Vertrauen erfordert, sich uns offenherzig zu zeigen. So gesehen ist dieses Buch ein Geschenk an ihre langjährigen Leser:innen.

„Wir hätten uns alles gesagt“ ist eine zutiefst menschliche wie literarisch schöne Lektüre über Freundschaft, Familie, Beziehungen, das Leben und natürlich über das Schreiben.

Wir hätten uns alles gesagt

von Judith Hermann

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Hemingways Kind
Simone Finkenwirth

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Sarah O'Connor und ich teilen viele gemeinsame Bücher so auch dieses erstaunliche Debüt, über das man bisher nicht allzu viel gelesen oder gehört hat. Und das obwohl es eindrucksvoll ist und in unseren Leserinnenherzen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Russell Franklins Sprache ist unglaublich atmosphärisch, und so sitzen wir gleich im Jahre 1940 neben Patrick und Gregory in Kuba an einem Fluss. Die Brüder verschnaufen, rauchen die gestohlenen Silk Cuts ihrer Mutter und trinken eine Coke dazu. Zwei Jungs, die sich mögen und gegenseitig necken. Allerdings wird diese Innigkeit im Laufe der Jahre nicht nur einmal auf eine harte Probe gestellt.

Denn so federleicht wie der Einstieg hinüberweht, bleibt es nicht. Russell Franklin schickt uns mitunter durch einen finsteren Wald aus großen Bäumen, vor dem wir oft innehalten müssen. Einer dieser Äste im Lebensbaum von Gregory zeigt sich in Form seiner manisch-depressiven Seite, die ihn sein Leben lang begleitet und schlimme Folgen haben wird. Die andere ist die, wenn er den dringenden Wunsch verspürt, sich als Frau zu kleiden. Gleich eingangs gibt es eine beglückenden wie bewegende Szene, als der junge Gregory Martha Gellhorns Kleider anzieht und von seinem Vater ertappt wird. Ausgerechnet Hemingways Lieblingssohn. Greg war anders als sein Bruder mit allen Talenten ausgestattet.

Was für ein facettenreiches Werk, in dem es eine unsichtbare Balance gibt, die das Schwere immer wieder auffängt. Das Krokodil hat sein hungriges Maul weit aufgesperrt, doch es erwischt uns nicht. Noch etwas schafft der englische Autor: Er bewegt sich galant zwischen verschiedenen Zeitebenen und Orten. Mal sind wir auf Kuba, dann in New York oder Montana, plötzlich in Key West oder gar in Tansania. Alles fließt, mal haben wir 1938, dann sind wir auf einmal im Jahr 1985.

Besonders zeitgemäß ist natürlich der Aspekt, wie sich anfühlt, im falschen Körper zu stecken. Dazu noch der ewige Drahtseilakt eines manisch-depressiven Menschen, der stets versucht, auf viel zu dünnem Eis zu laufen und dies oft nur mit Rauschmitteln aushält. Obwohl sich in den vergangenen Jahren viel getan hat, ist die Diskriminierung von Menschen, die aus der sogenannten Norm fallen, weiterhin sichtbar und spürbar.

So gesehen hat uns Russell Franklin nicht nur eine bewegende Biografie aus Hemingways Kosmos geschenkt. Er legt ein Augenmerk auf all die Menschen, die täglich kämpfen. Um ihr Dasein, als das, was sie sind. Oder mit den dunklen Dämonen, die sie einschränken. Und er hat Gloria Hemingway ein Denkmal gesetzt. Greg nannte sich am Ende Gloria und starb mit 69 Jahren in einem Frauengefängnis eines natürlichen Todes. Möge sie mit ihrer Familie im Himmel Frieden geschlossen haben.

Dieses Buch eignet sich auch für junge Leser:innen ab 18 Jahre. Möge es noch viele erreichen und genauso begeistern wie uns. Die englische F assung ( The Broken Places ) haben wir auch bei den englischen Büchern vorrätig.

Hemingways Kind

von Russell Franklin

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Pineapple Street
Frank Menden

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Ob „Pineapple Street“ von Jenny Jackson wirklich der Roman ist , den Jane Austen geschrieben hätte, wenn sie im 21. Jahrhundert in Brooklyn Heights gelebt hätte wie der Verlag so vollmundig sagt , das sei einmal dahingestellt.

Aber dass mich dieser Roman hervorragend unterhalten hat , das kann ich mit tiefster Überzeugung sagen.

Sasha hat in uralten Geldadel eingeheiratet und darf in deren Stadtvilla wohnen. Ein etwas zweifelhaftes Vergnügen, denn das Haus ist vollgestopft mit Möbeln und Erinnerungsstücken und jeglicher Versuch Sashas etwas zu verändern, wird von ihrer Schwiegermutter charmant aber resolut vereitelt .
Zusätzlich neiden Sashas Schwägerinnen Darley, in deren Mann Malcolm Sasha zumindest einen Leidensgenossen hat, und Georgiana ihr das Haus und nennen sie hinter ihrem Rücken eine Goldgräberin.

Doch als sei dies nicht genug Konfliktmaterial bietet das Leben dieser drei recht unterschiedlichen Frauen noch jede Menge Drama . Sei es Georgians Affäre mit einem verheirateten Kollegen oder Darleys Bemühungen, die plötzliche Entlassung Malcolm’s vor allen geheim zu halten, oder Sashas zunehmendes Gefühl in der Familie Stockton nur geduldet zu sein….

Der von Barbara Schaden übersetzte Roman bietet beste Unterhaltung aus der New Yorker Society und liest sich ausgesprochen flüssig weg.
Mich hat dieser sehr gut beobachtete Roman über die Macht des Geldes , Klassismus und die Irrungen und Wirrungen von Familie und Liebe durch einen Sonntagnachmittag getragen und dabei prächtig und kurzweilig unterhalten.
Was will man mehr ?

Pineapple Street

von Jenny Jackson

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First Class
Frank Menden

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Stellen Sie sich vor, Sie treffen am Flughafen unversehens auf einen alten Bekannten aus Studientagen. Sie sind beide für den gleichen Flug gebucht, dessen Abflug sich aber leider auf unbestimmte Zeit verspätet. Sie werden von ihrem alten Kommilitonen in die First Class Lounge eingeladen und beginnen zu plaudern…
Genau dies passiert dem namenlosen Erzähler, als er unvermittelt vor einem Transatlantikflug Jeff wiedertrifft, mit dem er an der Uni im gleichen Filmkurs war. Nach kurzem Smalltalk beginnt Jeff eine Geschichte zu erzählen, die ihm offenkundig unter den Nägeln brennt. Und die sich mit zunehmender Verweildauer in der Lounge mehr und mehr zu einer atemlosen Geschichte entwickelt, an deren Ende….

Aber lesen Sie selbst wie gekonnt Antoine Wilson in seinem neuen Roman uns Leser:innen in den Sog seiner Geschichte reißt. Manche Wendung mag zwar vorhersehbar sein, man kann sich aber dieser mitreißenden Geschichte nicht entziehen – und wird am Ende mit einer sehr gelungenen Pointe noch zusätzlich belohnt.

Ein wunderbarer Pageturner, der an manchen Stellen an Patricia Highsmith erinnert.

First Class

von Antoine Wilson

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Die Bücherjägerin
Simone Finkenwirth

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Manchmal braucht man das: Ein Buch, das einfach nur schön ist und wärmend wie eine Kuscheldecke, unter die man wohlig kriecht. Als ich zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse von „Die Bücherjägerin“ gehört habe, wurde auch die Bücherjägerin in mir putzmunter. Und jetzt nach der Lektüre von Elisabeth Beers Roman fühlt sich mein Jagdinstinkt nach besonderen Büchern wiederholt bestätigt.

Elisabeth Beer liebt Bücher so wie ihre Ich-Erzählerin. Sarah ist Antiquitätenhändlerin und Restauratorin und ein bisschen eigen. Anders als der Rest der Welt. Genau deshalb erobert sie mein Herz recht schnell.

Die junge Frau steht gerade vor einem Scherbenhaufen. Ihre geliebte Tante Amalia ist verstorben, hat ihr eine alte Villa mit einem wilden Garten, jede Menge Bücher und auch Schulden hinterlassen. Um diese zu minimieren, hat Sarah eine Auktion organisiert. Dort taucht plötzlich der junge britische Bibliothekar Benjamin auf. Sarahs verstorbene Tante hat Benjamins Bibliothek vor ihrem Ableben ein hoch spannendes Angebot unterbreitet. Sie wüsste etwas über den Verbleib des fehlenden Segments des mittelalterlichen Originals der Tabula Peutingeriana. Sie könne den Verkauf an die Bibliothek vermitteln.

Es handelt sich hierbei um die letzte Version einer berühmten römischen Straßenkarte. Bei ihrer Recherche stoßen die beiden auf einen schriftlichen Hinweis ihrer Tante. Ein gewisser Jean, der in Frankreich auf einem Weingut lebt, hat offenbar wichtige Infos. Da Jean aber weder Internet noch ein Telefon besitzt, müssen die beiden anderweitig Kontakt zu Amalias Freund aufnehmen. So machen sie sich gemeinsam mit den beiden Schildkröten Bonny und Clyde auf den Weg.

Der Roadtrip hält für uns alle einige Überraschungen parat. Es gibt mitunter herrliche Szenen und ebenso zahlreiche Momente, in denen ich schmunzele. Eine witzige und warmherzig erzählte Geschichte und eine wundervolle Hommage an die Welt der Bücher und Karten!

Die Bücherjägerin

von Elisabeth Beer

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Eva
Simone Finkenwirth

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Wie wollen wir leben? Was bringt die Zukunft? Fragen, die wir uns alle stellen. Oder auch: Wollen wir wirklich Kinder? In dieser Welt? Muss man sich dafür rechtfertigen, wenn man sich ein Leben ohne Kinder vorstellen kann? Und was ist, wenn man sich Kinder wünscht, aber keine bekommen kann? Diesen und mehr Fragen spürt Verena Keßler in ihrem neuen Buch „Eva" eindrucksvoll nach. Ich habe mich in jeder Frau wiedergefunden, obwohl ich keine von ihnen bin. Und das ist für mich wahre Erzählkunst.

Die Geschichte beginnt mit Sina und einem Interview. In ihrem Gespräch mit der Lehrerin Eva geht es um den Klimawandel und ein Essay: „Verhütet rettet Leben". Eva sagt Dinge wie: „Es kann kein unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten geben, das ist eine einfache Rechnung." Gar keine Kinder mehr? „Ich sage, keine Kinder zu bekommen, erspart Leid." Das ist natürlich Dynamit für viele aktuelle Debatten. Aber es kommt noch explosiver, denn Eva hat einen Hund. Keine Kinder, aber einen Hund? Da geht´s im Internet erst richtig los.

Das ist nicht der einzige Vulkan, der in dem schmalen und doch gewichtigen Buch ausbricht. Ich folge Sina, die vergeblich versucht, schwanger zu werden. Ich beobachte Eva in ihrem Leben nach diesem Ereignis. Und was ist mit Sinas Schwester? Sie hat drei Kinder, scheint glücklich zu sein, aber stimmt das wirklich? Obwohl alle Frauen eigene Kapitel haben, ist da ein Band, das sie verbindet.

Verena Keßler bewegt sich durch die Geschichten ihrer Figuren wie eine Chronistin, erhebt niemals den Zeigefinger, sondern lässt alle machen. Leben und leben lassen. Ich lausche ihnen, bin bewegt und oft amüsiert. Die Autorin hat ein taktvolles Händchen und darüber hinaus ein Gespür für Situationskomik und lebensnahe Dialoge.

Am Ende der Lektüre hält Verena Keßler für uns keineswegs die allumfassende Antwort parat. Dafür viele Stimmen, die immer noch zu mir sprechen, während ich das Buch zuschlage und denke: Am Ende müssen wir uns selbst entscheiden. Aber bis es soweit ist, hilft dieses schlaue Buch enorm.

Eva

von Verena Keßler

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Liebewesen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ganz ehrlich? Ich hätte „Liebewesen“ von Caroline Schmitt nicht gelesen.
Denn das Cover hat mich abgeschreckt, auch fühlte sich die Geschichte auf dem Klappentext zu schwer an. Doch wie so oft im Leben, lohnt sich es durchaus, ein zweites Mal hinzuschauen und seine Türen zu öffnen. Nun gehört „Liebewesen" zu einem meiner Lieblingstitel der frisch begonnenen Frühjahrssaison.

Von Beginn hat mich Caroline Schmitt wie ein Trichter in ihre Geschichte förmlich hineingesogen. Lios Freundin Mariam ist nach einem Liebeskummerjahr glücklich mit Elias. Und sie möchte, dass es Lio auch so ergeht. Daher scrollt sie sich durch eine Dating-App und sucht für Lio den geeigneten Kandidaten. Mariam wird fündig. Sie daten Max. Und das erste Date verspricht außergewöhnlich zu werden: Lio und Max werden sich in der Badewanne treffen. Das klingt herrlich verrückt. Und das ist exakt der Drive, der mich an diesem anziehenden Debüt wie eine wärmende Hand festgehalten hat.

Sehr erfrischend, frech, aber auch berührend erzählt Caroline Schmitt über zwei Menschen, die sich finden. Ihre Herzen öffnen sich, doch sie haben es nicht immer leicht. Denn Max und Lio haben in ihrer Seele noch dunkle Zimmer, die sie am liebsten nicht mehr betreten wollen. Und doch gibt es diese Momente im Leben, in denen es finster und kalt wird… und sie sich plötzlich darin wiederfinden.

Wer jetzt bei dem Wort Trauma und Depression zurückzuckt, sollte sich nicht abschrecken lassen. Denn die Lektüre ist trotz der beklemmenden Themen keineswegs erdrückend. Caroline Schmitt gelingt es, durch ihren scharfsinnigen Erzählton, eine Leichtigkeit beizubehalten. Das liest sich ungemein belebend und tut jetzt in dieser kalten Jahreszeit besonders gut.

Liebewesen

von Caroline Schmitt

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Mein Leben in deinem
Simone Finkenwirth

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Schuhe nehmen bei uns Frauen ja immer eine gesonderte Stellung ein. Ob Jojo Moyes daran gedacht hat, als sie ihren neuen Roman begonnen hat? In "Mein Leben in deinem" sind rote Christian Louboutins dafür verantwortlich, dass das Leben verschiedener Frauen durcheinandergerät.
Wie spitze Pfeile jagen sie durch die Seiten.

Eigentlich sind es zwei Sporttaschen, die in der Hektik vertauscht werden. Sam greift sich Nishas. Als sie das Versehen feststellt, ist es zu spät, denn die Zeit drängt. Die Vertriebsmanagerin hat an dem Morgen wichtige Geschäftstermine. Und so schlüpft Sam in die ungewohnten spitzen und knallroten Christian Louboutins. Anfangs stöckelt Sam, als sei sie leicht betrunken, doch je länger sie die neuen Schuhe an den Füßen trägt, um so gefestigter wird ihre Balance und noch etwas ändert
sich: ihre Haltung. Sie strahlt Selbstbewusstsein aus.

Indes im Sportstudio stellt Nisha fest, dass ihre Tasche weg ist und sie stattdessen eine schwarze Tasche mit billigen Klamotten vor sich hat. Im Bademantel und in Flipflops macht sich die wohlhabende Nisha auf den Weg zum Hotel. Dort angekommen, erlebt sie die nächste Überraschung: Sie kommt nicht mehr ins Penthouse und ihr Mann hat sämtliche Karten gesperrt. Vollkommen mittellos steht Nisha plötzlich da und weiß nicht mehr weiter. Doch heißt es nicht? Es gibt für alles eine Lösung.

Ich gebe zu, der Anfang des Romans war ein bisschen holprig, Sams Geschäftstermine waren mir zu ausführlich. Doch danach setzt ein geschmeidiger und absolut mitreißender Lesefluss ein. Jojo Moyes würdigt in ihrem neuen Buch alle Frauen. Unseren Zusammenhalt, Mut und unsere Tapferkeit. Gerade im letzten Drittel holt sie mit geradezu filmreifen Szenen zum packenden Finale aus.

"Mein Leben in deinem" ist eine geballte Ladung an Frauenpower. Ein Buch über Solidarität, die Herausforderungen des Lebens, das Fallen, das Aushalten und wieder Aufstehen. Berührend, wärmend, hoffnungsvoll und trotz aller Dramatik sehr unterhaltsam.

Und ich garantiere Ihnen: Nach dieser Lektüre sehen Sie die roten spitzen Absatzschuhe mit anderen Augen.

Mein Leben in deinem

von Jojo Moyes

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Bad Summer People
Frank Menden

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Perfect summer read!

I'll say it straight away: if you liked the series "Big Little Lies" and are a fan of Taylor Jenkins Reid, you won't be able to avoid this novel.

The setting of the story: Fire Iceland.
The protagonists: rich New Yorkers - "old money" of course - who spend their summer here.
The plot: intrigues, jealousies, affairs - and there is also a corpse ...

I picked up "Bad Summer People" on a whim. I wanted to read in, see if that might be something for the store.
A few hours later I had searched through the book - and had a lot of fun doing it.
Emma Rosenblum has worked at "New York Magazine", at "Glamour" and was editor-in-chief of "Elle". Her novel, translated by Carolin Müller, is a perfect blend of these three publications.
Could books be cocktails, this would be a particularly seductive one: sweet, light, with a little bitterness and depth in the finish - and of which one urgently needs to more than just a glass.
If you are planning a (beach) holiday, you should definitely leave room for this book in your suitcase.

Bad Summer People

von Emma Rosenblum

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Die Liebe an miesen Tagen
Simone Finkenwirth

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Wie der Titel schon verrät, geht es in dem Buch um die Liebe. Aber keine Bange, es wird nicht kitschig-süß. Eher fruchtig-herb.

Die Liebe flattert unangemeldet ins Leben zweier Menschen, die sie eigentlich nicht wollen. Clara hat eben ihren Job verloren und wird immer wieder von ihrem Vater angerufen, weil ihre Mutter ausgebüxt ist. Claras Mutter leidet an Demenz. Zudem lebt Clara seit dem Tod ihres Mannes lieber allein. Elias ist gegen die Liebe, sie bringe immer alles durcheinander. Als er sich mit seiner Geliebten ein zum Verkauf stehendes Haus einfach mal so anschaut, trifft er auf Clara. Und dann? Grinse ich erstmal, denn die ersten Gespräche der beiden sind herrlich übermütig und äußerst belebend.

Dann gehen sie wieder auseinander, um einige Tage später wieder aufeinanderzutreffen. Und dieses Mal bleiben sie länger beisammen. Kann das Zufall sein? Schicksal? Egal! Sie stürzen sich in das Abenteuer, werden parallel vom Leben eingeholt und ihre Liebe wird auf die harte Probe gestellt...

Das ist ein Buch für richtig miese Tage, aber auch für unerwartet gute! Was für eine mitreißende und herzerwärmende Geschichte. Nicht nur Clara und Elias werden gefühlt zu guten Freunden, die anderen liebenswert ausgearbeiteten Figuren um die beiden Liebenden herum kommen einem ebenfalls sehr nah. So schließt man alle ins Herz und vergisst das kalte graue Nieselwetter. Liebe tut eben immer gut.

Die Liebe an miesen Tagen

von Ewald Arenz

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Spiegel unseres Schmerzes
Frank Menden

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Für die Lehrerin Louise Belmont ist es im April 1940 ein ganz normaler Arbeitstag in ihrem Wochenendjob als Kellnerin im Bistro von Monsieur Jules. Bis ihr ein Stammgast ein überraschendes Angebot macht: für eine Summe ihrer Wahl möchte der alte Doktor sie einmal nackt sehen, nur ansehen, nicht anfassen. Louise ist empört, doch nach langem überlegen willigt sie für eine in ihren Augen völlig überzogene Summe ein. Louise begibt sich in sein Hotelzimmer, zieht sich aus - und der Doktor erschiesst sich. Für die junge Lehrerin wird dieses schockierende Erlebnis ihr bisheriges Leben in ungeahnten Ausmaßen vollständig umkrempeln - wie auch die gleichzeitige Kriegsoffensive der Deutschen über die Ardennen alles verändert....
Pierre Lemaitres neuer Roman „Spiegel unseres Schmerzes“ übersetzt von Tobias Scheffel, ist wie schon seine vorangegangenen Romane beste Unterhaltungsliteratur. Wie Lemaitre das Schicksal verschiedener Menschen miteinander verknüpft - neben Louise ist der Hochstapler Desire meine Lieblingsfigur - der genaue und feinfühlige Blick auf deren Lebensumstände und die mitreißend komponierte verstrickte Handlung ; all dies wird zu einem furiosen Abenteuerroman im Geiste Dumas. Ein Buch, dass ich nicht aus der Hand legen konnte, so spannend und abwechslungsreich erzählt Lemaitre, der bei allen Schrecken nie die Menschlichkeit und einen leisen Humor vermissen lässt. Klasse!

Spiegel unseres Schmerzes

von Pierre Lemaitre

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Die Harpyie
Frank Menden

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Glücklich.
So würden andere Lucy Stevenson beschreiben . Eine glückliche Ehe , zwei Söhne, ein schönes Zuhause am Rande einer prosperierenden Kleinstadt . Während ihr Mann Jake täglich an der Universität lehrt arbeitet Lucy daheim und kümmert sich um die Söhne.
Da erhält sie eine Nachricht , die ihre Idylle nachhaltig verändern wird: ihr Mann hat eine Affäre. Jake leugnet nicht - und Lucy schlägt einen folgenschweren Pakt vor: sie darf ihren Mann genau so oft verletzen, wie er sie betrogen hat ....

Megan Hunters Roman „Die Harpyie“ , übersetzt von Ebba D. Drolshagen ist einer der außergewöhnlichsten Romane in diesem Frühjahr! Dabei geht es nicht nur um Rache und Vergeltung für einen Verrat . Die ganze Kleinstadt , der ganze Freundes- und Bekanntenkreis steht unter Beobachtung, Oberflächlich- und Scheinheiligkeit werden entlarvt. Vor allem steht aber Lucys Wandel von der liebenden Hausfrau zu einer unabhängigen Frau und rücksichtslosen Rächerin im Mittelpunkt, psychologisch versiert und beklemmend intensiv beschrieben . Megan Hunter hat eine Figur geschaffen , die sich von ihren gesellschaftlichen Fesseln befreit und Grenzen überschreitet.
Ein sehr intensiver, fesselnder , außergewöhnlicher Roman !!!

Die Harpyie

von Megan Hunter

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Mit uns wäre es anders gewesen
Frank Menden

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„An jenem Tag hatte sie nicht nur eine Verabredung verpasst, sie hatte ihr Leben verpasst.“

Hand aufs Herz wer nicht schon einmal gedacht hätte „was wäre gewesen, wenn ich ….“
Wenn man sich anders entschieden hätte, für einen anderen Menschen , einen anderen Job, eine andere Stadt ?

Amelie und Vincent studieren an der Sorbonne, als sie sich kennenlernen. Sie trinken einen Kaffee zusammen, daraus wird ein gemeinsames Bier, der Nachmittag wird unmerklich zum Abend, zur Nacht. Die beiden reden und reden, der magische Funken ist da. Und doch wird Amelie am nächsten Tag zu spät zur Verabredung kommen, Vincent hat nach einer Stunde des Wartens aufgegeben.

Immer wieder werden sie sich in den nächsten Jahrzehnten über den Weg laufen, sich nie vergessen - und trotzdem scheint nie der richtige Zeitpunkt zu kommen….

142 Seiten. So wenig Umfang - und so unendlich viel Leben steckt in „Mit uns wäre es anders gewesen“ von Eliette Abecassis, übersetzt von Julia Schoch .
Ein Roman über die Sehnsucht, über vergessene und begrabene Träume , über Mut und verpasste Gelegenheiten.
Ein großer kleiner Roman über Illusion und Wirklichkeit.

Mit uns wäre es anders gewesen

von Éliette Abécassis

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Die Tochter
Frank Menden

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„Die Tochter“ von Kim Hye-Jin , übersetzt von Ki-Hyang Lee ist ein Roman, über den ich seit der Lektüre viel nachgedacht habe .

Betrachtet man die Ausgangssituation scheint klar zu sein , worauf der Roman hinausläuft: die Titelfigur muss aus finanziellen Gründen zusammen mit ihrer Lebensgefährtin ins Haus ihrer Mutter ziehen. Diese steht der Freundin und überhaupt dem Leben ihrer Tochter ablehnend gegenüber.
Sie ist traditionsbewusst, hat die vorherrschenden Konventionen der Gesellschaft verinnerlicht und versteht ihr eigenes Kind nicht .

Doch sehr schnell wird bei der Lektüre klar , dass es hier nicht nur um diesen Konflikt geht.
Denn obwohl die Tochter die Titelfigur ist bleibt der Roman ganz bei der Erzählerin, der Mutter.
Diese arbeitet als Pflegerin im Altenheim, betreut dort eine demente Frau, die, obwohl sie ihr Leben in den Dienst der Gemeinschaft gestellt hat, nun völlig allein ihrem Ende entgegen vegetiert.
Eine Erfahrung, die die Erzählerin mehr und mehr an den Zuständen im Heim zweifeln lässt . Zusammen mit der Lebenssituation der Tochter, die vor der Universität gegen die unrechtmäßige Entlassung ihrer homosexuellen Kolleg*innen protestiert, ergibt dies für die namenlose Protagonistin einen sich langsam öffnenden neuen Blick auf das Leben, die Gesellschaft, ihre Tochter - und auf sich .

Kim Hye-Jins Roman ist durchaus unbequem, es gibt keine Figur, die mir durch und durch sympathisch war - und gerade das war für mich , neben der betont nüchternen Sprache, die Stärke des Buches. Die Tochter möchte von ihrer Mutter verstanden werden , doch umgekehrt versteht sie ebenso wenig vom Leben ihrer Mutter , deren Problemen und Ängsten . Wer Verständnis einfordert muss auch bereit sein dieses entgegenzubringen.

Ich habe mich sehr gefreut , dass dieser Roman meine Erwartungshaltung unterlaufen hat - mit einem sehr bewegenden, geradezu weisen Ende.

Die Tochter

von Kim Hye-jin

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Hundert Millionen Jahre und ein Tag
Frank Menden

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Sommer 1954.
Der Paläontologe Stan dümpelt an der Universität in Paris vor sich hin. Seit er als Kind ein Fossil entdeckte hat er sich ganz seinem Beruf und der Forschung verschrieben. Doch anstatt weltbewegende Funde zu machen , längst Verschollenes zu entdecken und sich mit seinen Kollegen intellektuell auszutauschen ist er ernüchtert vom Alltag am Institut und den Umgang unter den Angestellten.

Da erreicht ihn das Gerücht, dass in einer Höhle unter einem Gletscher in den französischen Seealpen ein Drachenskelett liegen soll. Stan vermutet, dass es sich wohl eher um die Überreste eines Dinosauriers handeln könnte - und ist vollkommen elektrisiert. Endlich ist das eingetreten, wovon er schon immer geträumt hat: er wird eine große, bedeutende Entdeckung machen.
Mit drei Begleitern begibt er sich in die raue Bergwelt…

Letztes Jahr gewann Jean-Baptiste Andrea den Prix Goncourt. Ein Grund für mich , diesen älteren Roman von ihm zu lesen.
„Hundert Millionen Jahre und ein Tag“ @btb_verlag , übersetzt von Thomas Brovot, ist die Geschichte einer Obsession, einer Reise in die Vergangenheit eines Mannes, die Schicht um Schicht ein Leben enthüllt, welches geprägt ist von einem unnahbaren Vater und vom frühen Verlust der Mutter, von Träumen und Hoffnungen und nie gelebten Sehnsüchten.

Für mich war dieser Roman eine große Überraschung, denn das Sujet interessiert mich auf den ersten Blick nicht . Wie der Autor allerdings diese Geschichte über Freundschaft und den Glauben an sich selbst erzählt, das ist meisterhaft.
Ein Roman wie aus einem Guss, still und eindringlich und unvergesslich.

Hundert Millionen Jahre und ein Tag

von Jean-Baptiste Andrea

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Der Letzte seiner Art
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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„Sie waren wie zwei Verrückte, die sich von der Gesellschaft abgesondert hatten, zwei Zauberwesen aus den Zeiten von Merlin, die zurückgezogen in einem Wald lebten, den niemand betrat.“ Außer wir, denn wir begleiten diese beiden liebenswerten Wesen und erleben eine außergewöhnliche Freundschaftsgeschichte, die Michel Houellebecq begeistert hat.

Als der Zoologe Gus im Jahr 1835 nach Island reist, um die Fauna zu erforschen, erlebt er zwei einschneidende Erlebnisse. Zum einen beobachtet der Zoologe, wie Matrosen über Riesenalke herfallen, ihre Eier zertreten, sie töten, um das Fleisch später zu essen. Zum anderen treibt auf dem Rückweg ein Riesenalk neben seiner Schaluppe. Gus zieht das Tier an Bord.

Er nimmt Prosp – so tauft er den Riesenalk später - für Forschungszwecke mit. Doch Prosp ist bald viel mehr als nur ein Objekt. Er wird sein Freund. Das zu lesen, berührt im höchsten Maße. Denn Sibylle Grimbert lässt das Unaussprechliche zu Wort kommen. Wie sie das macht, kann man nur erleben, wenn man das Buch vor sich hat. Sie fühlt sie sich ins Tier, dass man fast meinen könnte, seinen Herzschlag zu hören.

Grimbert erzählt von besonderen Tierarten, die vor dem Aussterben bedroht sind. Sie stellt dabei unserem Zoologen mitunter vor große Fragen. Soll Gus seinen Freund zurück zu den Artgenossen bringen? Oder seine Art retten, in dem er ihn bei sich behält? Und was denkt Prosp? Fühlt er? Versteht er ihn?

Zutiefst beeindruckend, nachwirkend, bezaubernd und ganz besonders ist dieser Roman, der auf der Shortlist für den Prix Renaudot und den Prix Femina stand, und mit dem Goncourt des Animaux ausgezeichnet wurde. Der Eisele Verlag hat diese Geschichte in eine haptisch schöne in Leinen gebundene Ausgabe gesteckt. Da bin ich gleich doppelt hingerissen.

Ich habe in diesem Jahr schon einige großartige Bücher gelesen, dieses hier zählt mit zu meinen Highlights 2023!

Der Letzte seiner Art

von Sibylle Grimbert

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Schmales Land
Frank Menden

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1950 kommt der deutsche Waisenjunge zu einer Familie nach Cape Cod. Hier am Meer soll er die Schrecken des Krieges vergessen. Doch das ist leicht gesagt wenn man allein in einem fremden Land ist und die Erinnerungen einfach nicht verblassen wollen.
Da lernt Michael eines Tages eine etwas exzentrische Frau kennen. Mrs Aitsch hat mit ihren eigenen Dämonen und Problemen zu kämpfen, steht ihr Leben doch ganz im Schatten ihres Mannes, dem berühmten Maler Edward Hopper…

Christine Dwyer Hickeys preisgekrönter Roman ist ein Geschenk! Nicht nur erzählt sie mit literarischer Kraft eine außergewöhnliche Ehe – und Künstler*innengeschichte, sondern sie erzählt auch mit an den Pinselstrich Hoppers erinnernden Ton von Freundschaft und Traumata, von Sehnsucht und Trauer.
Ein wahres Meisterwerk und ein must read!

Schmales Land

von Christine Dwyer Hickey

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Acht Tage im Sommer
Simone Finkenwirth

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„Acht Tage im Sommer“ ist eine herrliche Sommerlektüre: Maritimes Setting, Herzklopfen, Aufregung und Charme in einem. Doch Halt: So wie im Sommer nicht immer nur die Sonne scheint, gibt es auch hier Regentage – stürmische Momente der Aufruhr und großer Unsicherheiten wie aufwühlende Auseinandersetzungen.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Zwillingsschwestern Amy und Jo. Letztere will ihren Freund auf dem Sommersitz der Familie heiraten. Und das recht schnell, denn Jo und Dave sind erst seit sechs Monaten zusammen. Mit Fire Island verbinden die Schwestern wundervolle Kindheitserinnerungen. Doch bevor es zum großen Tag kommt, erleben wir eine Woche mit Höhen und Tiefen. Amy ist Jos Trauzeugin. Doch die ist nur halb mit dem Kopf anwesend, denn irgendetwas ist zwischen Amy und ihrem Mann Ben vorgefallen. Als dann auch noch eine alte Bekanntschaft aus Amys College-Tagen aufkreuzt, kommen mehr Wellen auf, als Amy lieb ist. Wird Amy gar Schiffbruch erleiden? Und was ist mit Jo – war die Entscheidung der kurzfristigen Hochzeit richtig?

Unerwartete Wendungen geben der Lektüre einen spannenden Drive. Das Leben ist ja auch nicht immer eitel Sonnenschein. Doch trotz einiger Wolkenbrüche überwiegt eine Leichtigkeit, die Becky Chalsen mit ihrer mitreißenden Sprache gekonnt und authentisch einwebt.

So ist „Acht Tage im Sommer“ eine aufregende wie wunderschöne Geschichte zum Abtauchen und Wohlfühlen! Ein Buch für alle Leser:innen von Carley Fortune.

Acht Tage im Sommer

von Becky Chalsen

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Nur der Sommer zwischen uns
Simone Finkenwirth

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»Nur der Sommer zwischen uns« ist eine Einladung, lesend abzutauchen. Die Autorin Dodie Smith schafft es von der ersten Seite an, eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Cassandra will sich im Schnellschreiben üben, und so fängt die 17-jährige an, Tagebuch zu führen. Sie lebt mit Vater, Stiefmutter und ihren beiden Geschwistern in einer typisch englischen Burg. Aber die Familie ist bitterarm. Früher erhielt der Vater noch Tantiemen aus seinen Buchverkäufen, die werden jedoch immer weniger, denn der Schriftsteller leidet an einer Schreibblockade. Und dann kreuzen nach dem Tod des Burgbesitzers plötzlich die Erben auf: Amerikanische Gentlemen, die einiges durcheinanderbringen.

Was für eine Geschichte, denn nichts bleibt, wie es war! Dabei verströmt der Roman eine geheimnisvolle, fast märchenhafte und romantische Stimmung. Gleichzeitig fasziniert er mit exzentrischen Charakteren wie der Stiefmutter, die gern nackt durch die Landschaft spaziert. Es verwundert daher nicht, dass selbst J.K. Rowling und Julian Barnes dem Zauber des Buches erlegen sind.

Wieder ist dem Kampa Verlag ein Glücksgriff in Sachen Wiederbelebung eines Klassikers gelungen, denn Dodie Smith hat diesen Roman bereits 1948 veröffentlicht. Und ist einigen sicher als Schöpferin von »Hundertundein Dalmatiner« bekannt. Aber »Nur der Sommer zwischen uns« ist wirklich eine Einladung, dies es lohnt, sie anzunehmen.

Nur der Sommer zwischen uns

von Dodie Smith

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Das Ende von gestern ist der Anfang von morgen
Simone Finkenwirth

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Kathinka Engel war bisher bekannt und beliebt bei den jungen Leserinnen, die tolle Liebesromane lieben. New Adult nennt sich diese Zielgruppe im Fachjargon des Buchhandels. Auffällig sind die wunderschönen Farbschnitte. Gefeiert und geteilt werden diese Romane auf TikTok – wo sich eigene BookTok-Bestseller entwickelt haben. Mit diesem Roman nun möchte sie auch die älteren Leserinnen erreichen. Und das hat sie, mich auf jeden Fall.

Schon Cover und Titel sind vielversprechend. Hier stimmt wahrlich alles – Kompliment an die Autorin und den Lübbe Verlag. Sollten Sie demnächst eine Reise nach London planen, dann stecken Sie dieses Buch bitte mit ins Reisegepäck! Denn dort spielt die zweigeteilte Geschichte.

In der Gegenwart spricht Gilly. Die Online Redakteurin ist erleichtert, als sie endlich eine neue Wohnung in London gefunden hat, und bei ihrem Exfreund ausziehen kann. Doch das Glück in dem alten viktorianischen Haus bleibt nicht lange, denn es soll verkauft und luxussaniert werden. Oh no, bitte nicht schon wieder suchen. Da hat Gilly eine Idee, die sie zusammen mit einem der Bewohner – dem Kamermann Owen – umsetzt.

Parallel webt Engel die Liebesgeschichte von Pippa und Oz aus dem Jahr 1974 mit ein. Zwei gegensätzliche Menschen, die sich kennenlernen und verlieben. Pippa kommt aus einer gut situierten Familie, Oz ist Sänger in einer Punkband. Kann das gut gehen? Und was haben die beiden Geschichten miteinander zu tun?

Kathinka Engel erzählt herzenswarm, ohne kitschig zu sein. Sehr lebensnah und berührend wickelt sie mich in ihre anziehende Geschichte ein. Die Figuren sind authentisch, werden schnell zu Vertrauten. „Das Ende von gestern ist der Anfang von morgen“ enthält die richtige Dosis, um glückliche Stunden zu erleben. Und man muss nicht unbedingt ein London-Fan sein.

Das Ende von gestern ist der Anfang von morgen

von Kathinka Engel

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The Soulmate Equation - Sie glaubt an die Macht der Zahlen, bis er ihr Ergebnis ist
Simone Finkenwirth

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Was stellen Singles nicht alles an, um den richtigen Partner oder die richtige Partnerin zu finden. Neuerdings gibt’s sogar eine Dating-Agentur, bei der man anhand von seiner DNA den passenden Match finden kann: *GeneticAlly.

Je nach Anzahl der Übereinstimmungen nennt sich das dann Base Match, Silver Match, Gold Match, Platin Match oder Diamond Match. Letztere ist die höchste Punktzahl, die unsere Romanheldin in Christina Laurens Roman „the soulmate equation“ bekommt. Ihre DNA-Kompatibilität stimmt zu 98 Prozent mit dem Gründer der neuen Partnervermittlung überein. Ausgerechnet mit dem grummeligen „Americano“. Den kennt Jess aus dem Café, in dem sie oft mit ihrer Freundin Fizzy sitzt. Der Geschäftsmann bestellt jeden Morgen einen Americano, daher der Name. Und jetzt? Soll sie dem Angebot der Firma nachgehen? Diese will im Mai auf den Markt, befindet sich jetzt im Januar noch in der Testphase, und will sich diesem besonderen Match mit großer Aufmerksamkeit widmen.

Jess ist alleinerziehende Mutter, freischaffende Unternehmerin, die nur eins will: Eine gute Mutter für ihre entzückende siebenjährige Tochter sein, und Geld verdienen. An Männer denkt sie weniger. Wann auch? Und was soll der ganze Zirkus überhaupt? Jess' Freundin Fizzy ist hingegen hartnäckig. Fizzy ist nicht nur auf der Suche nach Mr Right, sondern auch Autorin von Liebesromanen. Daher schenkt sie ihrer Freundin einen Speicheltest für die Dating Agentur. Und den macht Jess eines abends nach einem schrecklichen Tag aus der Laune heraus und dann Bämm!

Christina Lauren ist ein Autorinnen-Duo, das mich bereits vor einem Jahr mit „Unhoneymooners“ vollkommen begeistert hat. Dieser Roman steht diesem in keinem nach. Dass Ali Hazelwood und Emily Henry ebenfalls Fangirls dieser Enemies to Lovers-Story sind, überrascht mich keineswegs. Die Lektüre versprüht den Esprit der beiden Kolleginnen, ist charmant und mitreißend bis zur letzten Seite.

*Diese App gibt's natürlich nicht wirklich, aber wer weiß, vielleicht irgendwann. Und dann sind Sie nach dieser Lektüre schon bestens vorbereitet.

The Soulmate Equation - Sie glaubt an die Macht der Zahlen, bis er ihr Ergebnis ist

von Christina Lauren

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Bad Summer People
Frank Menden

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Perfekte Sommerlektüre!

Ich sage es geradeaus : wer die Serie „Big Little Lies“ mochte und Fan von Taylor Jenkins Reid ist, wird an diesem Roman nicht vorbeikommen.

Schauplatz der Geschichte: Fire Island.
Die ProtagonistInnen: reiche New YorkerInnen- „altes Geld“ versteht sich - die hier ihren Sommer verbringen.
Die Handlung: Intrigen, Eifersüchteleien, Affären - und eine Leiche gibt es auch …

„Bad Summer People“ habe ich aus einer Laune heraus in die Hand genommen. Reinlesen wollte ich , sehen, ob das evtl etwas für den Laden wäre.
Ein paar Stunden später hatte ich das Buch durchgesuchtet - und hatte jede Menge Spaß dabei.
Emma Rosenblum hat beim „New York Magazine“ gearbeitet, bei der „Glamour“ und war Chefredakteurin der „Elle“. Ihr Roman, übersetzt von Carolin Müller, ist eine perfekte Mischung aus diesen drei Publikationen.
Könnten Bücher Cocktails sein, dies wäre ein besonders verführerischer: süß, leicht, mit ein wenig Bitternis und Tiefe im Abgang - und von dem man dringend mehr als nur ein Glas benötigt.
Wer einen ( Strand-) Urlaub plant, der sollte unbedingt im Koffer Platz für dieses Buch lassen.
Wie gesagt : THE PERFECT SUMMERREAD

Bad Summer People

von Emma Rosenblum

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Mr. Wilder und ich
Frank Menden

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„Mr. Wilder & ich“ sind der berühmte Regisseur und Drehbuchautor Billy Wilder und die Komponistin Calista Frangopoulou.
Aus einer eher zufälligen Begegnung in einem Restaurant in Los Angeles entsteht ein überraschendes Arbeitsverhältnis: Calista wird die Dolmetscherin am Set der griechischen Insel Lefkada, wo Teile von Wilders neuen Film „Fedora” gedreht werden…

Als fast schon fanatischer Kinoliebhaber bin ich immer skeptisch, wenn reale Filmemacher / Filmstars als Charaktere in Romanen auftauchen. Oft stimmen die Fakten nicht , wird alles der Fiktion untergeordnet und ich frage mich dann immer, warum nicht gleich fiktive Charaktere erdacht wurden.

Bei diesem Roman ( es ist KEINE Liebesgeschichte) von Jonathan Coe , übersetzt von Cathrine Hornung, gibt es diesbezüglich nichts zu beanstanden. Die Fakten stimmen, allen realen Figuren wird Respekt entgegengebracht ( mit Abstrichen auch Al Pacino). Wer Gossip erwartet wird also enttäuscht sein.
Wer aber Billy Wilder Fan ist oder sich für ihn interessiert, für den/ die ist dieser Roman ein Gewinn! Coe schreibt warmherzig, mit feiner Ironie und Witz, mit Charme und einer gewissen bitteren Süße, die auch Billy Wilders beste Filme auszeichnen. „Fedora“ gehört leider nicht dazu, auch wenn er durchaus interessant ist, wenn auch eher aus filmhistorischer Sicht.
Man muss aber weder den Film kennen noch sonderlich vertraut mit Billy Wilders Werk sein, um diesen Roman genießen zu können.

Mr. Wilder und ich

von Jonathan Coe

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Gidget. Mein Sommer in Malibu
Simone Finkenwirth

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„Vielleicht bin ich alles in allem einfach nur eine Frau, deren große Liebe ein Surfboard ist. So einfach ist das.“ Und so schön! Das Leben kann leicht und einfach sein. Manchmal braucht es nur ein Buch für diesen Zustand der Leichtigkeit. Wie „Gidget“ von Frederick Kohner, aus dem ich zitiert habe. Frederick Kohner war mit Stefan Zweig und Anna Seghers befreundet, schrieb Drehbücher. Er ist mit seiner Familie nach Amerika emigriert, sein Bruder führte eine Agentur, die Größen wie Greta Garbo, Marlene Dietrich und Billy Wilder unter Vertrag hatte.

Innerhalb von sechs Wochen hat Kohner die Geschichte seiner Tochter aufgeschrieben. Volker Weidermann hat sie wiederentdeckt und der S. Fischer Verlag neu herausgebracht.

Gidget und ich haben sofort eine Verbindung zueinander. Sie ist eine Schwester im Geiste, denn Franzie – so heißt sie eigentlich – liebt es wie ich, zu schwimmen. Als sich Franzie mit ihren Eltern am 4. Juli 1956 in Malibu aufhält, passiert etwas: Mit Flossen an den Füßen verliert sie Zeit und Raum - und plötzlich ist die Flut zurück. Sie versucht, zurückzuschwimmen, wird aber immer wieder von den Wellen überschwemmt. Das Mädchen schreit und da entdeckt sie eine Gruppe von Jungs auf ihren Surfbrettern – sie sind ihre Rettung. Und noch viel mehr. Denn das Mädchen wird von den Jungs aufgenommen. Sie verpassen ihr den Namen Gidget - zusammengesetzt aus girl und midget, Zwerg) Franzie ist nur 1,50 groß, aber voller Energie und Mut. Sie ist gerissen und findet Wege, um die Liebe zum Surfen auszuleben.

Himmel – was für ein Buch! Unglaublich erfrischend, frech und mitreißend erzählt der Autor aus der Sicht seiner Tochter, derart authentisch. So habe ich nie das Gefühl, dass die Geschichte aus seiner Feder stammt. Viel mehr ist es Gidget, die mich an diesem Sommer ihres Lebens teilhaben lässt. Ein Mädchen mit Verve, das mich mitreißt wie die perfekte Welle. So einfach ist das manchmal.

Gidget. Mein Sommer in Malibu

von Frederick Kohner

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MAAME
Simone Finkenwirth

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Bonnie Garmus und Celeste Ng sind begeistert. Und ich bin es auch. Obwohl wir alle keine 25 Jahre mehr sind. Denn so jung ist Maame in Jessica Georges Roman, der sofort nach Erscheinen in der New York Times Bestsellerliste stand.

Maame heißt eigentlich Madeleine, doch in ihrer Muttersprache Twi bedeutet Maame Frau. So hat sie ihre Mutter immer schon genannt. Denn Maddie stand bereits sehr früh auf eigenen Beinen und hat sich um ihren kranken Dad gekümmert. Dieser leidet seit acht Jahren an Parkinson. Maddies Mutter ist seit ihrer Kindheit oft abwesend in Ghana, dort kümmet sie sich um das familiäre Hostel. Maddies älterer Bruder James existiert ebenfalls, doch er hat sich zeitlich mit ihrer Mum aus dem Staub gemacht. So betreut Maddie mit einen Pfleger den kranken Vater. Nur wo bleibt sie bei all dem?

Als ihre Mutter jetzt nach London zurückkehrt, ergreift Maddie die Chance, zieht in eine WG und sucht ihren Platz. Das erweist sich nicht immer als einfach, vor allem als schwarzes Mädchen: „Sie können sich gar nicht vorstellen (oder vielleicht doch?), wie das ist. Sich ständig fragen zu müssen, ob man die kleinen Bemerkungen hier und dort vielleicht doch zu ernst nimmt, ist ganz schön anstrengend.“

Maddie auf ihrem Weg zu begleiten, ist ein mitreißendes wie berührendes Abenteuer. Die junge Frau verliert ihren Job im Theater, gerade als sie ihr WG-Zimmer bezieht. Aber Maddie ist eine Überlebenskünstlerin und lässt sich nicht unterkriegen. Plötzlich taucht Sam auf, sehr charmant, doch wie geht das überhaupt - mit einem Mann zusammenzusein? Maddie fragt oft Google oder ihre lieben Freundinnen Nia und Shu. Obendrein erstellt sie eine to-do-Liste, wie wie sie in ihrem neuen Leben sein will.

Obgleich die Lektüre mitunter dunkle Punkte hat, ist sie erhellend und ein wahre Wohltat für die Seele. Man verliebt sich unweigerlich in Maddie wie in die Sprache, die Jessica George für ihre einzigartige Heldin findet. Riesengroße Empfehlung für alle jungen Leser:innen ab 18 und Junggebliebenen!

MAAME

von Jessica George

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Über die See
Simone Finkenwirth

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Stellen Sie sich folgende Szene vor: Mitten auf See fährt ein Frachter alle Maschinen herunter, damit die Belegschaft ins Meer springen und dort schwimmen kann. Das passiert tatsächlich! In "Über die See" von Mariette Navarro. Die Kapitänin bleibt als einzige an Bord, läuft durch die Kabinen der Matrosen, und versucht so, das Innenleben ihrer Mannschaft zu erkunden. In einer Kajüte duscht sie sogar. Draußen schwimmen derweil die Männer und sind berauscht von all dem.

Wie Mariette Navarro diesen Schwimmgang beschreibt, ist einfach unglaublich. Liest sich anziehend, packend. "Beim Eintauchen fragen sie sich, ob sie wohl alle das Gleiche empfinden, ob der Ozean es auch übernimmt, ihre Gedanken miteinander zu verknüpfen, während die Körper sich in ihm tummeln, ob er ihre Eindrücke leitet wie Blitze." Es ist ein philosophisches Eintauchen in die Weite des Meeres und in die der Menschen. Ich bin vollkommen elektrisiert, blinzele aber genauso fasziniert zur Kapitänin nach oben an Deck.

Und danach? Ist nichts mehr, wie es war. Ein Mann ist zu viel an Bord. Zudem entdeckt die Kapitänin den Grund für das anhaltende Brummen an Bord: Im Maschinenraum befindet sich ein großes klopfendes Herz, das mit zunehmender Geschwindigkeit schneller schlägt. Wie verrückt ist das denn?! Und das ist längst noch nicht alles in diesem schmalen und gleichsam gewaltigen Buch, das schauerhafte, mystische Elemente verbirgt. Neben der unheimlichen Ungewissheit leuchtet dieser Text geradezu vor poetischer und sinnlicher Schönheit.

Daher wundert es mich nicht, dass unsere französischen Nachbarn dieses Buch (das mit dem Prix Léonora Miano ausgezeichnet wurde) gefeiert haben. Ich stimme mit ein in den Lobgesang.

Über die See

von Mariette Navarro

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Familienglück
Simone Finkenwirth

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Ich bin nicht Polly, und habe keine zwei Kinder. Aber ich kenne die Momente im Leben, in denen sich plötzlich etwas in einem verschiebt, und manches anders ist. Genauso ergeht es der Romanheldin Polly in Laurie Colwins Roman „Familienglück“. Ich bin ihr vom Anfang bis zum Ende mit einem Grinsen gefolgt, weil ich trotz einiger schwerer Themen derart viel Leichtigkeit und Charme zwischen den Zeilen wiedergefunden habe, dass ich gar nicht anders konnte als zu grinsen. Wie eine Verliebte. Im Grunde genommen bin ich es ja auch, denn ich habe mich in dieses Buch verliebt. Und in Polly.

Polly macht es mir nicht schwer, sie nicht ins Herz zu schließen. Sie ist ein Sonnenschein, den man gern um sich hat. War schon immer so, bis die Affäre mit dem Maler Lincoln sie anstößt, ihre Rolle als Mutter, Tochter und Ehefrau aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Das klingt dann so: „ Ich bin aus etwas herausgewachsen – aus was, weiß ich nicht so genau. Mir fehlen die Worte. Ich weiß überhaupt nichts mehr.“ Folglich ist sie überspannt, wird vergesslich, und fühlt sich nicht gut. Wie soll es nur weitergehen? Bringt Lincolns Abwesenheit Klarheit in Pollys entrückte Leben? Ihr Geliebter hat eine Einladung nach Paris erhalten, und reist dorthin. Am liebsten wäre er mit seiner Polly dorhin gefahren, aber diese sträubt sich...

„Familienglück“ ist ein Ehebruchroman, der schon ein paar Tage älter ist. Dennoch haftet ihm keine Patina an. Ganz im Gegenteil, die Lektüre versprüht die Frische, die keine Jahreszahl kennt. Das Buch ist bereits 1982 unter dem Titel „Family Happiness“ erschienen. Magda Birkmann und Niole Seifert haben es entdeckt und für den deutschsprachigen Raum nun zugänglich gemacht. So ist „Familienglück“ bei „rororo Entdeckungen“ erschienen. Die beiden Bücherfrauen spüren für diese Reihe Titel vergessener Autorinnen aus dem 20. Jahrhundert auf. Magda Birkmann ist Buchhändlerin, Literaturvermittlerin, aktuell in der Jury beim Deutschen Buchpreis tätig. Nicole Seifert arbeitet als Übersetzerin, Literaturkritikerin und Autorin.

Familienglück

von Laurie Colwin

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Familienglück
Frank Menden

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Kann das Leben noch schöner sein? Eine wunderbare Wohnung in der Park Avenue, ein erfolgreicher Anwalt als Ehemann, zwei wunderbar süße Kinder, ein interessanter, abwechslungsreicher Job…
Polly scheint das perfekte Leben zu haben. Doch bei näherer Betrachtung machen sich kleine Risse in der Fassade bemerkbar: der Ehemann ist meistens abwesend, die Mutter überkritisch. Polly fühlt sich mehr und mehr gefangen, beengt.
Da kommt die Affäre mit Lincoln gerade richtig, denn diese Liaison lässt sie merken dass sie evtl erst mit ihm das wahre Leben entdeckt hat. Oder ?

Was für eine wunderbare (Wieder-) Entdeckung ist Louise Colwins Roman „Familienglück“! Wie ein Film von Nora Ephron läuft dieser Roman ab, mit genau so viel scharfem und genauen Witz betrachtet die Autorin ihre Protagonistin und hinterfragt dabei geschickt althergebrachte Rollenideale und Familiengefüge. Ein wahrlich weiser Roman, der zwar leicht altmodisch ist, aber dennoch vollkommen zeitlos in der „Darstellung menschlicher Schwächen, Beziehungen und Lebensweisen“, wie Nicole Seifert in ihrem hervorragenden und wertschätzenden Nachwort sagt.

Sollten Sie lesen!

Familienglück

von Laurie Colwin

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In blaukalter Tiefe
Simone Finkenwirth

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“In blaukalter Tiefe” von Kristina Hauff hält mich von der ersten Seite an in Atem. Nicht nur, weil ich mich dem Wasser auf besondere Weise verbunden fühle. Denn die Autorin versteht es meisterhaft, eine Spannung aufzubauen, die niemals reißt.

Caroline und ihr Mann begeben sich auf einen Segeltörn in die schwedischen Schären. Doch sie sind nicht allein: Der rätselhafte Skipper Eric koordiniert die Tour und dann kommen noch Andreas' jüngerer Firmenkollege Daniel mit seiner Freundin mit an Bord. Es sei nicht zu viel verraten, wenn ich sage: Hier treffen verschiedene Welten aufeinander. Kann das gut gehen? Auf so engem Raum? Als schließlich noch ein Sturm ausbricht, verlieren wir alle die Kontrolle...

Wir Buchhändler:innen denken ja gern in Vergleichen – sehen Sie es uns nach. So musste ich oft an Yasmina Reza denken, während ich das Buch las. Diese zwischenmenschlichen Reibungen, die aus den Tiefen der menschlichen Seele nach oben schießen und irgendwann fontänenartig ausbrechen, ließen mich mitunter an die französische Autorin denken.

Kristina Hauff ist keine zweite Yasmina Reza, denn sie ist Kristina Hauff – doch diese Autorin weiß, wie man Spannung aufbaut und aufrechterhält. Sie selbst ist leidenschaftliche Seglerin, daher fühlt sich dieser Segeltörn sehr authentisch an.

Und sie kennt uns Menschen ziemlich gut. Hauff sieht, was uns zusammenhält und teilt. Ihr Roman knistert und er ist ungemein atmosphärisch. Während ich atemlos Seite um Seite umblättere, spüre ich den Wind in den Haaren und schmecke das Salz des Meeres auf den Lippen. Dieser literarische Segeltörn bleibt unvergessen.

In blaukalter Tiefe

von Kristina Hauff

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Seemann vom Siebener
Frank Menden

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Arno Franks „So, und jetzt kommst du“ hat mich seinerzeit sehr begeistert. Deswegen war ich sehr skeptisch, ob „Seemann vom Siebener“ mich wieder begeistern kann .
Tja, da hab ich mir ganz umsonst Gedanken gemacht, denn dieser sehr gelungene Roman , , hat mich mit seinem Figurenensemble, die alle an einem Tag in einem Freibad in der Provinz aufeinandertreffen von den ersten Sätzen an überzeugt.
Sei es Bademeister Kiontke, ein ehemaliger LKW Fahrer, der laut seiner Freunde und Bekannten dringend eine Therapie benötigt. Oder Kassiererin Renate, die früher in der Sparkasse am Schalter saß, bis…Da ist der Starfotograf Lennart, der zur Beerdigung seines Jugendfreundes zurückgekommen ist und dessen Witwe Joe im Schwimmbad trifft . Joe, die eben lieber dort ist als zur Beerdigung des eigenen Mannes geht …

Arno Frank überzeugt mit präziser Charakterzeichnung und treffsicherer Atmosphäre, die den Handlungsschauplatz kongenial ins Zentrum rückt, Verheißung und eine gewisse provinzielle Ödnis zugleich .
Ein Sommerroman, der auf mehreren Ebenen funktioniert, der ein Geheimnis in sich trägt und vieles nur leise antippt und Bilder im Kopf entstehen lässt.
Und dessen Figuren mir bei jedem Besuch im Freibad wieder begegnen . Wunderbar . Berührend , stimmig, gut !
Der nächste Roman darf gern schneller kommen .

Seemann vom Siebener

von Arno Frank

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Zierfische in Händen von Idioten
Frank Menden

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Sommer 96: Tobis Eltern fahren in den Urlaub. Vierzehn Tage, in denen Tobi zum ersten Mal mit Lisa schlafen, seinen Führerschein machen und sich um Papas Seepferdchen kümmern will. Nichts davon wird klappen. Lisa macht Schluss, sein bester Freund Georg nervt und Tobis unkontrollierbarer Kumpel Scholzen zieht bei ihm ein. Als Georg eine Nachricht von seiner totgeglaubten Mutter aus London erhält, kapern die vier kurzerhand das Fahrschulauto. Ohne Geld, ohne Plan, aber mit den Seepferdchen im Kofferraum
.
Das ist in groben Zügen die Ausgangslage in Manuel Butts hinreissend komischen Roman „Zierfische in Händen von Idioten“. Und so aberwitzig wie der Titel klingt ist auch das Buch. Butt schickt seine Protagonistinnen auf einen abenteuerlichen Roadtrip, den ein sattes 1990er Feeling umgibt, passender Soundtrack inklusive.
Dabei versteht es Manuel Butt sowohl perfekte Pointen zu setzen ( er schreibt u.a. für Bastian Pastewka ) als auch die Handlung mit jeder Menge Energie und wunderbaren Einfällen voranzutreiben.

Ein wahrlich perfektes Vergnügen!

Zierfische in Händen von Idioten

von Manuel Butt

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A Place to Love
Simone Finkenwirth

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Lilly Lucas ist bei den den jungen Leserinnen äußerst beliebt. Ihre Bücher sind Bestseller. Was genau zeichnet ihr Oevre aus? Nun, ich bin gerade erst dabei, Lucas' Werke zu erforschen, aber schon jetzt habe ich eine Ahnung davon, warum sie so gern gelesen wird.

„A Place to Love“ ist der Auftakt ihrer „Cherry Hill“ Reihe, die in Colorado spielt. Schon der Einstieg schmiegt sich wie ein kuscheliger Schal wärmend um meine Seele. Lilly Lucas hat ihren ganz eigenen Wohlfühlfaktor, dem man sehr schnell erliegt. Was sie auch auszeichnet: Sie schreibt nicht nur über das schönste Gefühl, sondern ist ganz nah am Leben.

Die 25jährige Ich-Erzählerin leitet nach dem Tod ihres Vaters vor drei Jahren die Obstfarm mit Pfirsichbäumen. Juniper – von allen June genannt - hat die Federführung, aber die ganze Familie ist mit involviert. Was Junes Arbeit auch auszeichnet: Ihre Farm wird biodynamische bewirtschaftet, und steht damit allein da. So muss sich June im Farmverband gegen alte Strukturen durchsetzen, und das macht sie auf ihre Art. Aber June ist nicht immer so fokussiert. Denn als eines Tages ihr Mann auftaucht, der für die Scheidung in einem wirtschaftlichen Punkt ihr Okay braucht, bringt Junes zielstrebige Dasein mächtig ins Wanken. Die Familie ist entrüstet, denn sie wusste bis dato nicht, dass June verheiratet ist. Obendrein ist Henry nicht nur gut aussehend, sondern auch sehr charmant und wird sofort von allen ins Herz geschlossen. Und jetzt? Taumeln wir gemeinsam...

Lily Lucas schreibt mitreißend und warmherzig, jenseits von Kitsch. Ich freue mich auf ihre anderen Bücher, und der Auftakt einer neuen Reihe winkt schon am Horizont: „This could be love“ - in dieser Reihe führt sie uns nach Hawaii. Das Buch erscheint Anfang Juli – bis dahin haben wir also noch Zeit die Cherry Hill-Reihe und „Green Valley Love“ lesend, seufzend und lächelnd zu erkunden.

A Place to Love

von Lilly Lucas

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Das Mondscheincafé
Simone Finkenwirth

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Wussten Sie eigentlich, welchen Einfluss die zwölf Horoskop-Häuser auf Ihr Leben haben? Beziehungsweise, die Planeten und Sternzeichen, die sich mit Ihrem Geburtstag darin wiederfinden. Wenn der Widder in Ihrem 1. Haus der Persönlichkeit sitzt, könnte er verantwortlich für Ihr ungeduldiges Wesen sein. Sollte Merkur in Ihrem 2. Haus (Besitz) stehen, streben Sie nach Informationen. Wie? Alles Humbug? Sollten Sie das jetzt denken, dann brechen Sie das Lesen an dieser Stelle einfach ab. Alle anderen mögen mir bitte folgen, denn genau darum geht es in dem japanischen Bestseller.

Tuxedo-Kater und Singapura sind zwei sprechende Katzen, die unsere Figuren durch den Kosmos des Horoskops führen. Diese fantastischen Wesen finden sich in dem Mondschein Café, das die vier Menschen in der Geschichte zufällig oder durch magischen Zufall betreten. Da ist die Drehbuchautorin, die seit geraumer Zeit wenig Erfolg hat. Woran das liegen könnte, erklären die bedienenden Katzen im Café, das nur bei Vollmond erscheint. Oder die Fernsehregisseurin Akari befindet sich ebenfalls an einem Wendepunkt wie die Schauspielerin Satsuki.

Was für eine herzwärmende und bereichernde Lektüre! Mai Mochizuki streut sternschnuppenartig weise Gedanken in die Lektüre, und reflektiert gleichwohl die Unruhe unserer Welt. So ist „Das Mondscheincafé“ Ratgeber und Fiktion in einem und ähnelt Toshikazu Kawaguchis Buch „Bevor der Kaffee kalt wird“. Das perfekte Geschenk für Leser:innen, die wie ich dem magischen Realismus aus Murakamis Büchern zugetan sind. Oder wollen Sie jemanden etwas Gutes tun, ein bisschen Seelenbalsam reichen, aber nicht unbedingt mit einem Ratgeber ins Haus fallen? Dann wäre dieses hier eine charmante Variante. Doch nicht an reine rationale Menschen, die könnten damit fremdeln.

Man kann sich übrigens das eigene Geburtstagshoroskop erstellen lassen. Das habe ich nach der Lektüre natürlich sofort getan und hatte erhellende wie bestätigende Erkenntnisse, die sich für mich nicht wie Humbug anfühlen, sondern absolut plausibel sind. Denn wir wissen ja, in jeder Geschichte steckt ein Fünkchen Wahrheit – so auch in dieser hier. Große Empfehlung!

Das Mondscheincafé

von Mai Mochizuki

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Das Fenster zur Welt
Simone Finkenwirth

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Kann man sich ein zweites Mal in ein Buch verlieben? Und ob! Ist es dann noch genauso schön? Aber hallo?! Nachdem ich Anfang des Jahres „Das Fenster zur Welt“ von Sarah Winman gelesen habe, wusste ich sofort: Das ist ein Herzensbuch! Nur habe ich zwischen Januar und Mai andere Bücher gelesen, und plötzlich war da nur noch das Gefühl. Jetzt habe ich das 2. Buch der Autorin von „Lichte Tage“ erneut durchgeblättert und meine Augen erinnern an Sterne.

Ulysses, Cressy, Alys, der wortgewandte Papagei Claude und all die anderen Figuren in diesem charmant und herzenswarmen erzählten Roman krabbeln zum wiederholten Male in mein Herz, und ich grinse. Die Autorin hat eine große Zuneigung zu ihren Figuren, weshalb dieses Werk üppiger geworden ist, aber das sehe ich ihr nach.

Die fabulierfreudige Winman erzählt von dem Soldaten Ulysses, der während des Krieges in Italien stationiert ist. Dort lernt er die Kunsthistorikerin Evelyn Skinner kennen. Sie weitet Ulysses Blick, sagt so feine Dinge wie: „Und als Ausgleich für unser Leiden haben wir die Schönheit; denn Schönheit gefällt uns, oder? Etwas Schönes zu sehen, muntert uns auf. Es macht etwas mit uns auf molekularer Ebene, es bereichert uns, wir fühlen uns lebendig.“ Evelyn ist obendrein das Verbindungsstück zwischen Ulysses und Florenz. Denn nachdem Ulysses zurück nach London gekehrt ist, hat er noch diese Sehnsucht, die ihm erst bewusst wird, als ihn ein Erbschein aus Florenz erreicht. Er ist nicht von Evelyn, sondern von Arturo. Diesem Mann hatte er das Leben gerettet. So reist er mit dem Kind seiner Frau Peg, die mittlerweile andere Bekanntschaften hatte, und dem betagten Cress nebst Claude nach Italien.

Und da angekommen, erleben wir alle aufregend schöne Dinge. Was mich an diesem Buch besonders begeistert, sind die herrlichen Dialoge und die wundersamen wie liebenswerten Figuren. Da weitet sich das Herz seufzend gern ein zweites Mal.

Das Fenster zur Welt

von Sarah Winman

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Die Hungrige
Simone Finkenwirth

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„Die Hungrige“ von Claire Kohda ist kein Remake von „Biss zum Morgengrauen“, aber die japanisch-englische Musikerin hat die Erinnerung daran bei mir wachgeküsst. Denn Claire Kohda erzählt eine Vampirgeschichte, die ebenso vibriert und mich mit ihrem mitreißenden Erzählstil sofort festhält.

Ihre Romanheldin ist halb Mensch, halb Vampir, und steht vor einem Umbruch: Lydia hat ihre Mutter in ein Heim gebracht, da sie offenbar an Alzheimer leidet. Das kann aber eigentlich nicht sein, Lyds Mutter ist ein Vampir. Was führt also zum Gedächtnisverlust?

Parallel wagt Lyd in London einen Neuanfang. Sie bezieht ein Haus mit verschiedenen Ateliers für Künstler:innen. Dass sie dort leben wird, erzählt sie niemandem, nicht mal Ben. Dieser hat ihr den Raum gezeigt. Sofort spürt Lyd eine enorme Anziehung. Wie gern würde Lyd sein Blut trinken, doch sie kann sich zügeln. Ungünstigerweise kann sich unsere Vampirfrau nicht mal eben Schweineblut bestellen, wie sie es mit ihrer Mutter in dem kleinen Ort bisher problemlos konnte. Und jetzt?

Als sie in der OTA-Galerie ihr Praktikum beginnt, ist Lyd schnell ernüchtert. Denn sie ist wie die anderen Praktikanten ein „Mädchen für alles“. Und noch eine Sache beunruhigt Lyd: die seltsamen Blicke des Chefs. So steht die junge Frau vor vielen Herausforderungen. Sie fühlt sich fremd unter den Menschen, und hat ständig Hunger. Wie kann sie diesen nur stillen und mit den menschlichen Gefühlen umgehen?

„Die Hungrige“ ist ein großartiger moderner und feministischer Vampirroman für alle ab 18 Jahre. Lyd kommt mir sehr nahe - genau das macht diese Lektüre derart lesenswert. Und mal ehrlich: Sind wir nicht alle hungrig? Nicht auf Blut, aber auf gute Bücher.

Die Hungrige

von Claire Kohda

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