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Empfehlungen aus Romane Taschenbuch

Stromlinien
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich bin die Patin für "Stromlinien" von Rebekka Frank, dessen Cover schon unverschämt gut aussieht. Patin deshalb, weil ich eine der Ersten war, die das Manuskript gelesen haben. Annerose Beurich war ja von Rebekkas Debüt "Das Echo der Gezeiten" bei S. Fischer bereits sehr angetan. Als der Verlag dann mit dem neuen Werk auf uns zukam, war meine Neugier entfacht. Eigentlich wollte ich nur mal reinschauen, aber dann habe ich es an einem Wochenende verschlungen. Und dachte: Wow! Das zweite Buch! So gut! Doch Rebekka Frank ist nicht neu in dem Metier, sie hat bereits als Rebekka Eder erfolgreich historische Bücher geschrieben.

Zur Story: Enna und ihre Zwillingsschwester Jale warten seit siebzehn Jahren darauf, dass ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch am Tag der Entlassung verschwindet Jale plötzlich, und Enna bleibt allein zurück mit einem großen Gepäck an Fragen. Wo ist Jale? Enna begiebt sich auf eine Suche, die sie immer näher an ein Familiengeheimnis heranführt, das ich hier nicht verraten möchte. Erstaunlich ist die Figurenzeichnung der Autorin und der Spannungsbogen, den sie aufbaut. Geschickt webt sie verschiedene Handlungsstränge ein, die zum großen Finale führen. Sie wechselt dabei die Perspektiven, setzt kurze Plots. Stets an unserer Seite die faszinierende Elbmarschen-Landschaft, das Alte Land und sein historischer Background. Ich spüre Rebekkas Liebe zur Natur mit allen Sinnen. Erstaunlich, was die Autorin alles in ihrem Buch vereint. Eine atmosphärische, naturnahe Geschichte mit extrem spannenden Elementen.

Mein Tipp für alle Hamburger und Leser:innen, die spannende Bücher mit Familiengeheimnissen genauso gern verschlingen wie ich!

Stromlinien

von Rebekka Frank

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Verheiratete Frauen
Simone Finkenwirth

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Ein echtes Tabuthema – Fremdgehen. Manche tun es, andere wieder nicht. Ich will es gar nicht. Aber Gabriela sieht das ein bisschen anders. Die Mutter eines kleinen Sohnes fühlt sich zu einem Autor magisch angezogen. Sehr lange schon. Bis sich Pablo und Gabi endlich näherkommen, dauert es. Wenngleich der Roman mit ihrer Romanze beginnt und einer großen Frage.

Denn Gabi will ihr Verhältnis in eine richtige Beziehung umwandeln. Aber soll sie das Wagnis eingehen? „In einem Jahr wirst du aufhören, mich zu begehren, und nichts wird mehr so sein wie jetzt", sagt ihr Geliebter. Die 45jährige kann sich das allerdings nicht vorstellen. Noch nie hat sie so empfunden. Was sagen ihre Freundinnen?

Nun, die haben es auch keineswegs leicht. Silvia ist nicht glücklich in ihrer Ehe, und Cósima hat mit der Enthaltsamkeit ihres Ehemannes zu kämpfen. Sie spürt der Sache nach und macht eine erschütternde Entdeckung.

Was für eine mitreißend erzählte Geschichte! Besonders schön ist, dass sich die Frauen über die Frauenzeitschrift „La Femme" nähergekommen sind. Gabi arbeitet als Journalistin, Silvia ist Fotografin und Cósima Stylistin. Unterschiedliche Vitas, die doch zueinander finden und zeigen: Es geht nichts über eine wahrhaftige und innige Freundschaft! Genau das ist „Verheiratete Frauen": Eine Hommage an unsere Freundinnen und Verbündeten. Keine kennt uns so gut wie unsere Freundin. Doch selbst die kann uns so manche Entscheidung nicht abnehmen. Die müssen wir dann allein treffen.

Was den Roman obendrein lesenswert macht – er zeigt die Herausforderungen der modernen Frau, die ständig einen Spagat zwischen Karriere und Familie machen muss. Der große Wunsch nach Mutterschaft spielt ebenso eine große Rolle, wie das Muttersein selbst, die Liebe zum Kind wie die Selbstzweifel.

So ist "Verheiratete Frauen" viel mehr als nur ein Roman über weibliches Begehren und Freundschaft. Er umarmt dich als Frau auf wirklich wohltuende Weise und flüstert dir zu: Du bist nicht allein. Allein deshalb lohnt sich die Lektüre!

Verheiratete Frauen

von Cristina Campos

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Und dahinter das Meer
Frank Menden

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Es gibt Romane, die wie ein Geschenk für Lesende und Buchhandlungen sind.
Für Lesende, weil sie darin vieles - wenn nicht alles - finden , was ein Buch haben muss, um es tief ins Herz zu schließen.
Und für Buchhandlungen, weil man es unbedenklich beinah der ganzen Kundschaft mit den Worten „ Freuen Sie sich drauf ! Sie werden es genießen“ empfehlen kann.

So ein Buch ist „Und dahinter das Meer“ von Laura Spence-Ash @mareverlag , übersetzt von Claudia Feldmann.
Und als @boersenblatt den Roman auf das Cover setzte, standen da auch meine Worte :

„Wunderbare Lesestunden, intelligente Unterhaltung: was will man mehr !“

Nun, evtl. noch ein paar Worte zum Inhalt .
Die elfjährige Bea wird 1940 von ihren Eltern von London nach Boston geschickt, um dem Bombardement der Deutschen zu entkommen.
Was als Aufbruch in die Fremde beginnt, wird jedoch bald zur eigentlichen Heimat , zur eigentlichen Familie. Aber auch der schönste Traum hat irgendwann ein bitteres Erwachen…

Ich mache ja nie viel Worte um den Inhalt eines Romans und hier müsste ich jetzt sehr ausschweifen.
Aber ich möchte einfach, dass ihr dieses aus acht verschiedenen Perspektiven und über einen Zeitraum von 37 Jahren erzähltes Buch selbst entdeckt .
Und es dann genauso feiert wie Ann Napolitano, Meg Wolitzer und Claire Messud ( da habt ihr auch gleich die entsprechenden Referenzen) und auch die altehrwürdige THE NEW YORK TIMES.
Kann also nichts schiefgehen!
Viel Freude mit diesem Roman.

Und dahinter das Meer

von Laura Spence-Ash

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Seltsame Sally Diamond
Frank Menden

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Sally Diamond ist 42 Jahre alt und „sozial defizitär“. Diese Aussage trifft sie über sich selbst , auch wenn andere sie evtl. als Autistin bezeichnen würden. Ihr Vater Tom, mit dem sie nach dem Tod der Mutter alleine lebt, mag keine dieser Bezeichnungen. Für ihn ist Sally einfach ein ganz besonderer Mensch, die immer entwaffnend ehrlich ist, mit der Unfähigkeit sich zu verstellen.

Als Tom nach einer längeren Krankheit stirbt, verbrennt Sally die Leiche in der Feuertonne. Sie kann daran nichts Verwerfliches finden. Die Polizei, die auf Umwegen davon Wind bekommt jedoch schon.
Doch nicht nur diese bringt Sallys bislang in geordneten Bahnen verlaufenes Leben durcheinander.
Da sind auch noch die drei Briefe, die Tom ihr hinterlassen hat….

Je weniger man bei der Lektüre von Liz Nugents Roman „Seltsame Sally Diamond“ @steidlverlag über die Handlung weiß, umso besser. Denn auch der dritte Roman der irischen Autorin ist wieder durch und durch gelungen .
Sally ist eine unvergessliche Figur, die - durchaus harte - Handlung schlägt immer wieder gekonnt Haken und man kann das Buch nicht aus der Hand legen, bis man es nach 368 Seiten völlig durchgerüttelt beendet hat.
Der von Kathrin Razum übersetzte Roman sollte Liz Nugent nach den exzellenten Vorgängerromanen „Kleine Grausamkeiten“ und „Auf der Lauer liegen“ endlich auch in Deutschland den ganz großen Durchbruch bringen.
Sie hat ihn mehr als verdient!

Seltsame Sally Diamond

von Liz Nugent

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Bitternis
Frank Menden

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„In der grauen Stunde vor Morgendämmerung, der Stunde zwischen Hund und Wolf, wenn es so still ist, dass ich nur den Herzschlag des Hauses und den Atem des schlafenden Mannes höre, versetze ich mich in die Zeit der Ersten von uns….“

Die Erste, das ist Berta Koch , die Urgroßmutter der Erzählerin Kalina, Großmutter von Violetta und Mutter von Barbara. Vier Frauen einer Familie aus Schlesien, denen das Leben oft auf härteste Art und Weise mitspielt, deren Träume zu groß für die Welt in der sie leben sind, oder aber zu klein. Vier Frauen, denen die wechselvolle Geschichte ihres Herkunftlandes eine ebensolche Lebensgeschichte beschert. Leben, in denen Männer fast komplett abwesend sind, was die Autorin Johanna Bator grossartigerweise „männerförmige Löcher“ nennt.

Die Geschichte der 829 Seiten von Joanna Bators so großen wie mitreißenden und wahrlich großartigen Roman „Bitterniss“ wiederzugeben kann nur scheitern. Man sollte sich hineinstürzen in diese miteinander verwobenen Geschichten der vier Frauen und sich an der hervorragenden Sprache erfreuen ( Übersetzung: Lisa Palmes ).
Es ist eine epische Familiensaga, die langsam zu lesen und zu erfahren ist und deren Lektüre eine äußerst nachhaltige ist. Eine Kritik nannte den Roman ein „Wimmelbild von vier Frauengenerationen“, ein sehr zutreffender Vergleich.
Für mich war die Lektüre durchaus herausfordernd, aber enorm bereichernd. Trotz allem Leid und aller Tristesse gibt es auch viel Humor, viel Mut und Optimismus, dem Leben etwas Glück abzutrotzen und niemals aufzugeben.
Eine emotional fordernde und in vielerlei Hinsicht bereichernde Lektüre.
Joanna Bator ist eine Autorin, die man nicht genug preisen kann - gerade nach diesem epochalen Roman!

Bitternis

von Joanna Bator

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Umlaufbahnen
Katja Schneider

Katja Schneider

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Wir begleiten sechs Astronaut_innen und Kosmonauten, die zusammen auf einer internationalen Raumstation leben und arbeiten. Dabei umkreisen sie täglich viele Male ihren Heimatplaneten, so fern, wunderschön und bedroht. Sie lassen uns an Ihren Gedanken, Wünschen und ihrem Alltag in der Schwebe teilhaben und die Autorin verwebt diese lose mit so wunderschönen Beschreibungen und philosophischen Gedanken, dass man die Erde noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel kennenlernt und glatt darüber nachdenkt, die Strapazen eines Weltallbesuchs auf sich zu nehmen.

„Umlaufbahnen“ wurde jüngst mit dem Booker Prize 2024 ausgezeichnet und das zurecht! Das schmale Werk ist inhaltlich wie sprachlich ein großer Wurf und ich rate Ihnen allen, es zu lesen, auch wenn Sie für Raumfahrten und Mondlandungen normalerweise nur ein müdes Lächeln übrig haben.
 

Umlaufbahnen

von Samantha Harvey

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Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
Frank Menden

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„Es heißt, diese Reise habe ihren Preis. Einen Preis, der über die Kosten des Tickets hinausgeht.“
Denn eine Reise mit dem Transsibirien-Express durch das Ödland, die geheimnisvolle Wildnis zwischen China und Russland, ist voller Gefahren - und voller Verheißungen.

1899 macht sich der Zug , seine Besatzung nebst Passagieren, auf die zweiwöchige 6.000 Kilometer umfassende Reise.
Obwohl der Zug wie eine Festung gebaut ist, damit nichts den Zug verlassen, aber vor allen Dingen nichts hineingelangen kann, schwingt bei dieser Fahrt etwas Neues mit, endete doch die letzte Reise in einer Katastrophe…

Ich liebe Romane, die sich jeder Kategorie entziehen - und „Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland“ , übersetzt von Claudia Feldmann, ist genau so ein Roman.
Ein Roman, dessen pralle Fabulierkunst von der ersten Seite an zu überzeugen weiß, der geschickt zwischen Abenteuer-, Öko- und Fantasyroman changiert, dazu eine Prise von Agatha Christies „Mord im Orient-Express“.

Sarah Brooks hat ein Buch geschrieben, welches mich in einen wahren Leserausch versetzt hat. Ich fieberte mit den geheimnisvollen Reisenden, war neugierig - und etwas ängstlich - was da im Ödland vor sich geht und war nach 416 Seiten völlig beglückt.
Ich glaube, so eine Geschichte, so eine Abenteuerlust, habe ich zuletzt als Kind gelesen und verspürt.
Ein großer großer Spaß !
Wer der Reise durch das Ödland noch nicht verfallen ist sollte schleunigst zu diesem „Handbuch…“ greifen.
Denn es sind Romane wie diese, die uns zeigen, wie großartig und lebendig und voller Freude an der Fantasie lesen ist .

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland

von Sarah Brooks

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Nach uns das Leben
Frank Menden

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„Mit hinreißender Lakonie erzählt Gudrun Eiden in ihrem Debütroman eine beglückend traurige Geschichte über eine Gruppe von Freunden, die gemeinsam auf ein mit Liebe und Schmerz prallgefülltes Leben zurückblicken.“

Diesem im Klappentext aufgeführten Satz zu „Nach uns das Leben“ kann ich nur zustimmen .
Die Geschichte um die verbliebenen Mitglieder eines Männerchores auf dem Dorf, deren letzter Auftritt mangels Nachwuchs kurz bevorsteht lebt von einer an Dörte Hansen erinnernde Atmosphäre und der bereits oben zitierten Lakonie.

Es ist gerade dieser Ton, der mich die auf 191 Seiten geballt daherkommenden Schicksalsschläge zwar mit einem kurzen „puh, das auch noch“ und einem Augenrollen bei einem bestimmten Ereignis ( das mir dann beinah zu viel war) kommentieren lies - mich aber dennoch nicht vom Haken gelassen hat.
Und ich den Roman mit einem wohligen Gefühl zugeklappt habe.

Diesem Roman eine große Leserschaft zu wünschen ist durchaus egoistisch motiviert, denn von Gudrun Eiden möchte ich unbedingt mehr lesen.
Denn wenn eine Autorin es schafft , mich trotz der oben angeführten Einwände zu überzeugen, nun, das will bei einem radikalen Buchabbrecher was heißen.

Nach uns das Leben

von Gudrun Eiden

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Dorf ohne Franz
Frank Menden

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In den 1960er Jahren wächst Maria in dörflicher Umgebung auf einem Bauernhof auf. Während der ältere Bruder Josef in die Fußstapfen des Vaters tritt und dessen Anerkennung ( und das komplette Erbe ) erhält, wird Nesthäkchen Franz von der Mutter gerade wegen seines anderen Wesens verhätschelt.
Für Maria bleibt nur die typische Rolle der damaligen Zeit und der dörflichen Struktur: die der unbezahlten Magd und Pflegekraft der Großeltern und Eltern.
Ihre Sehnsucht diesem Leben zu entkommen kollidiert mit ihrem Pflichtgefühl, vor allem als Franz eines Tages dem Dorf den Rücken kehrt und in die Welt hinauszieht.
Gefangen in der Abhängigkeit einer Ehe wartet Maria auf den Moment , der ihr ein neues Leben ermöglicht…

Nur 168 Seiten hat „Dorf ohne Franz“ , aber was für 168 Seiten sind dies!
Verena Dolovai hat einen ungemein eindringlichen Roman über die Kehrseite der dörflichen Idylle geschrieben, in einem nüchternen und direkten Stil, der nichts beschönigt , direkt, aber nie drastisch.
Lohnt sich sehr !

Dorf ohne Franz

von Verena Dolovai

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Coast Road
Simone Finkenwirth

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Wie so viele irische Geschichten spielt auch diese in einem kleinen Ort am Meer. Jetzt im Herbst 1994 sind die Menschen in Ardglas aufgeregt: Die Dichterin Colette Crowley ist zurückgekehrt. Wegen einer Liebschaft hatte sie ihren Mann und Kinder zurückgelassen. Ihr Mann verbietet ihr weiterhin den Kontakt zu den Kindern. Die Dichterin bezieht das Cottage von Familie Mullen. Dolores Mullen ist hochschwanger, und ihr Mann ein Lustmolch.

Izzy ist die andere tragende Frauenfigur, und gefangen in einer unglücklichen Ehe. Ihr Mann, ein Lokalpolitiker, will bloß keine Skandale. Die zerbrechliche Izzy, die hin und wieder dunkle Tage hat, trifft während eines Schreibkurses der Dichterin auf diese faszinierende Frau. Als Colette erfährt, dass Izzys Sohn mit ihrem älteren Sohn befreundet ist, entsteht ein Plan...

Was zunächst sehr weich beginnt, entwickelt sich mit jeder Seite zu einem Sog mit beklemmenden Ausmaß. Zeitweise wusste ich gar nicht, wohin mit meinen Gefühlen. Alan Murrin hat sich beeindruckend in seine weibliche Figuren hineingefühlt, ihnen eine authentische Stimme verliehen. Es sind keine Sympathieträgerinnen, aber Kämpferinnen. So widersetzt sich jede auf ihre Art der Ungerechtigkeit und Unterdrückung. 

"Coast Road" ist kein Buch zum Liebhaben, aber es entfacht ein inneres Feuer, ist packend geschrieben und birgt jede Menge Gesprächsbedarf. Daher eignet es sich auch bestens für Lesekreise.

Coast Road

von Alan Murrin

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Das Schweigen meiner Freundin
Simone Finkenwirth

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Erinnern Sie sich noch an Elena Ferrantes Freundinnen-Epos? Mochten Sie es genauso wie ich? Dann sollten Sie unbedingt in dieses Buch hineinschauen. Denn es könnte sehr gut möglich sein, dass Sie es auch wie ins Herz schließen werden.

Ich bin sofort gefangen in dem atmosphärischen Roman, der durch die dichte Schreibweise eine Sogwirkung verströmt. Giulia erzählt uns ihre Geschichte und die ist betörend. Sie öffnet ein Dreieck. Zunächst ist es eine Gerade. Als Cristi in Giulias Dorf ankommt, soll sich die Ich-Erzählerin um dieses aparte, schöne wie schweigsame Mädchen kümmern. Zunächst ist Giulia distanziert, doch bald wird das Band zwischen den beiden enger, bis eines Tages Mattia auftaucht... Cristi sucht fortan auch Mattias Nähe. Das behagt ihrer Freundin so gar nicht. Da ist es also: Das Dreieck.

Obwohl wir uns in dem kleinen Kosmos bewegen, hält mich die Autorin auf den über 500 Seiten starken Roman fest. Ich begleite Giulia über 23 Jahre, erlebe, wie ein Mädchen erwachsen wird, und die besondere Beziehung zu Cristi pflegt, die alles andere als einfach ist. Wir gehen durch Höhen und Tiefen, und in unseren Herzen glüht das Dreieck.

Lila und Elenas Geschichte aus Ferrantes Epos unterscheidet sich von dieser hier, doch im Kern sind sie sich sehr ähnlich. Wie ist es, wenn man einen Menschen gefunden hat, mit dem man sich auf besondere Weise verbunden fühlt, und den man einfach nicht vergessen kann? Davon erzählt auch Giulia Baldelli. Ob es eine Eigenart der Italiener:innen ist, dieses lebensbedeutende Thema derart authentisch und eindringlich schriftstellerisch abzulichten? Ich weiß es nicht. Verraten Sie es mir gern bei Ihrem nächsten Besuch.

Das Schweigen meiner Freundin

von Giulia Baldelli

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Wald im Haus
Simone Finkenwirth

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Wow! Was für ein Buch! Keine leichte Lektüre, trotzdem absolut lesenswert! Obendrein erweist es sich als idealer Einstieg für das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Wobei mir einige Fans der tschechischen Autorin noch ein anderes Werk nahegelegt haben: 

"Hana".

Mit "Wald im Haus" sollte man nicht alleine sein. Daher bin ich so dankbar, dass ich dieses Werk in meinem Buchclub gelesen und mich austauschen konnte. Das Leben der Ich-Erzählerin ist borstig. Das Mädchen lebt zusammen mit der Mutter und dem Vater bei den Großeltern. 

Ihr Spitzname ist ziemlich abwertend: Trutschel. Das Mädchen erfährt wenig Liebe und Zuneigung. Wie hält sie das nur alles aus? Mit ihrer Freundin Monika. Das ist die imaginäre Freundin, der sich das Mädchen anvertraut. Nur bei ihr findet sie Halt.

Die Großmutter ist hartherzig, der Großvater entflieht dem Zorn seiner Frau, und die Mutter wendet sich dem Alkohol zu. Einzig der Vater erlaubt sich die Frage: "Wie könnt ihr nur so leben?" Er solle sich nicht einmischen, faucht die Großvater garstig zurück. Bald muss er ausziehen, als das Mädchen eine Lügengeschichte erzählt. Ja, überhaupt die Lügen bilden das Fundament ihres Daseins: "Ich wuchs mit Lügen vor meinen Augen auf, alle Erwachsenen um mich herum logen und verbargen die Wahrheit, um der Welt ihr ungeschminktes ihr ungeschminktes Gesicht nicht zu zeigen, und so lernte ich, dasselbe zu tun, ich gewöhnte mich an Lügen und betrachtete sie als normalen Teil des Lebens."

Diese Lügen rauben mir den Atem wie die Auflösung und der Wald, und was er mit unserer einsamen Heldin anstellt.

"Wald im Haus" rüttelt an den inneren Fenstern. Es zieht, die Haut kräuselt sich, das Herz, weiß nicht, wohin mit sich. Nur weg! schreit es, und doch entkommen wir dem Sog der düsteren Geschichte nicht. Viel mehr saugt sie uns trichterförmig ein - bis wir am Ende ziemlich zerzaust sind und ja... was eigentlich? Staunen und denken: "Bitte mehr von der Autorin!" Nichts Leichteres als das, ruft es aus dem unabhängigen Wieser Verlag. Im Herbst erscheint ein neues Buch. Bis dahin können wir noch die anderen Werke entdecken, und den Wieser Verlag erkunden!

Wald im Haus

von Alena Mornštajnová, Alena Morntajnová

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Frau im Mond
Frank Menden

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Die Zwillingsschwestern Lilit und Lina el Shami sind nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihrem Großvater in Montreal aufgewachsenen. Eine alte Postkarte von ihrer ihnen unbekannten Großmutter Anoush bringt sie auf die Spur ihrer Familie – und auf lang vergessene Geschehnisse in ihrer früheren Heimat: dem Libanon. 
Was hatte Anoush mit der ominösen „Lebanese Rocket Society“ zu tun? Was bedeutet die Widmung an ihren Großvater auf der Postkarte? Und was hat es mit der „Frau im Mond“ auf sich?
Lilit beschließt diesen Fragen im Libanon auf den Grund zu gehen. Während sie das Land neu erlebt und den Aufruhr der libanesischen Gesellschaft zu spüren bekommt, findet sie immer mehr Antworten – und stößt auf eine faszinierende Geschichte. Doch der 04. August 2020 ist nicht mehr fern….

Pierre Jarawan hat einen prallen, meisterhaft konstruierten Roman geschrieben, der auf faszinierende Art und Weise eine spannende Familiengeschichte mit den Themen Wissenschaft, Politik, Film und Kunst verbindet. Herausgekommen ist ein fulminanter Roman, der berührt, inspiriert und noch lange nach der letzten Seite nachhallt.
Ganz großes Kino!

Frau im Mond

von Pierre Jarawan

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Die Spielerin
Frank Menden

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A. wird in den 1990er Jahren von der niedersächsischen Provinz nach Zürich geholt. Die junge Frau gilt als ehrgeizig und talentiert, Eigenschaften, die in der Welt der Hochfinanz von Vorteil sind.
Doch die erhoffte Karriere als Investmentbankerin stagniert, die Männer machen die Geschäfte unter sich aus, ignorieren ihre Ihnen unscheinbar daherkommende Kollegin.
Ein Fehler, wie sich herausstellen wird…

„Die Spielerin“ ist der neue Roman von Isabelle Lehn - und ein wahres böses Vergnügen.
Die von einer wahren Geschichte inspirierte Story über eine unscheinbare Frau, die sich die Regeln der Männer zu eigen macht und sie in ihrem eigenen Spiel schlägt, erzählt Isabelle Lehn in einem ganz eigenen, leicht unterkühlten und kargen Stil, der hervorragend zu ihrer Protagonistin passt - und der ihr die Aura des Geheimnisvollen lässt.

Es kann einem bei der Lektüre Angst und Bange werden ob der geschilderten Zustände in den obersten Etagen der Hochfinanz. Und doch kann man sich einer gewissen Faszination nicht entziehen und wünscht der durchaus ambivalenten A. nur das Beste.

Ein fulminanter Roman, mitreißend und wie aus einem Guss, hochvergnüglich und leicht beängstigend - und wie die sehr geschätzte Daniela Dröscher sagt: „Ein flirrendes Stück investigativer Literatur.“

Unbedingt lesen und sich an dieser Geschichte und der unverwechselbaren Sprache erfreuen!

Die Spielerin

von Isabelle Lehn

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Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wer kennt das nicht? Da ist man zu einer Feier eingeladen, möchte gern etwas mitbringen – im besten Falle ein gutes Buch, das einen tollen Eindruck hinterlässt. Aber man weiß nicht welches. Ich hätte da etwas total Unverfängliches, das Ihnen und den Empfängern eine große Tüte Lachsalven bescheren wird. Die erfolgreiche Podcasterin (DRINNIES) Giulia Becker hat mir mit ihrer neuen Textsammlung erheiternde, wie wärmende Stunden beschert. Ich muss jetzt seltsamerweise grinsen, wenn ich auf das Buch schaue. 

Was macht sie? Ganz einfach: Sie wedelt mit ihrem raffinierten Wörter-Zauberstab, reflektiert den Wahnsinn des Alltags, fantasiert ein bisschen weiter. Wie gleich eingangs, als sie darüber nachdenkt, wie es wäre, unsterblich zu sein. Wie reich sie damit werden würde, wenn sie jeden Tag nur einen Cent zurücklegen würde. Da wäre man nach hundert Millionen Jahre Millionärin. Auch interessant, finde ich ihre Analyse über Schlafanzug-Träger:innen. Für Zwischendurch gibt’s auch kleine Umfragen, bei denen man sein Kreuz setzen kann. Ebenso herrlich sind die Ruhezonen, die sie in Geschäften sucht. Und – oh Schreck – im Media Markt eingeschlossen wird.

Dieses Buch kommt zur richtigen Zeit! Nicht nur in Hinblick auf Weihnachten. Sie pustet den Schrecken des Weltgeschehens weg. Für mich ist das Buch schon jetzt ein All-Time-Favorite für Zeiten, in denen ich nicht weiß, wie ich da gerade durch den Alltag stolpern soll, und für Menschen, die ich mag, aber noch nicht gut kenne. Danach werden wir mit Sicherheit Freunde.

Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes

von Giulia Becker

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Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben
Frank Menden

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Lange schon schleiche ich um eine Rezension von „Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben“ herum.
Warum? Nun, es ist gar nicht so einfach diesen Roman „zu pitchen“.

Klar, ich könnte über die aufkeimende und nicht unkomplizierte Liebesgeschichte von Nina ( 50, geschieden, zweifache Mutter, in einem nicht sooo sehr geliebten Job arbeitend ) und David ( 30, Inhaber eines hippen Sandwichladens, die er selbst kreiert ) schreiben. Über den Altersunterschied, die damit zusammenhängende Unsicherheit vor allem - aber nicht nur - durch das soziale Umfeld.

Oder über die Missstände in der Produktionsfirma, in der Nina und ihre beste Freundin Zeynep arbeiten, über die sexuellen Übergriffe bei den Dreharbeiten zu einer sehr beliebten Krimireihe.

Oder über Lena, Ninas Schwester, die verzweifelt versucht , bei den vermeintlich richtigen Leuten anzukommen und dabei sich selbst mehr und mehr aufgibt .

Oder über das schwieriger Verhältnis der beiden Schwestern . Oder beider schwieriges Verhältnis zu ihrer Mutter Karin.

Ich könnte aber auch einfach schreiben, dass die Drehbuchautorin und Regisseurin Anika Decker einen Roman geschrieben hat, der trotz der vielen Themen nie überfrachtet ist. Der Witz mit Tiefgang verbindet, der berührt und absolut mitreißend ist und bitte unbedingt verfilmt werden sollte ( natürlich von Frau Decker selbst!)

Aber ich sag es einfach so: ein verdammt guter Roman mit einem genialen Titel!

Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben

von Anika Decker

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Hammerfrau
Frank Menden

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„Nein, ich war nicht leichtsinnig, sicher nicht. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich bin es leid, mir diese Frage zu stellen. Oder sie gestellt zu bekommen. Aber es war genau diese Frage, die mir viele gestellt haben, ohne sie auszusprechen. Ich habe sie in ihren Blicken gesehen.“

Julia steht kurz vor ihrem Durchbruch als Sopranistin als ein kleiner Gang durch den Park alles verändert. Hier wird sie von einem ihr unbekannten Mann, dem Plattenverkäufer Thomas, mit einem Hammer attackiert, die Folgen werden sie den Rest ihres Lebens begleiten.

Opfer wie Täter berichten abwechselnd wie es zu dieser Tat kam, wie ihr Leben davor verlief, wie danach.

„Hammerfrau“ von Mario Kreszner ist ein aufrüttelnder Roman. Ein Roman, der genau hinsieht, der beide Perspektiven nicht kommentiert und dessen Sympathien doch klar verteilt sind.
Es ist eine Geschichte, wie sie beinah täglich passiert und die uns alle zwingt genauer hinzusehen.
Und uns vor Augen führt, mit welchem Blick Männer Frauen betrachten.
Absolute Leseempfehlung!

Hammerfrau

von Mario Keszner

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Das Haus der Türen
Frank Menden

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1921 besucht der berühmte Schriftsteller William Somerset Maugham einen alten Freund aus London in Penang. Hier in Malaysia lebt der Anwalt Robert Hamlyn zusammen mit seiner Frau Lesley und freut sich, seinen einstigen Mitbewohner, der von seinem Sekretär - und dies ist schnell klar - und Liebhaber begleitet wird, wiederzusehen.
Der Besuch wird für den von seiner Asienreise erschöpften Schriftsteller allerdings weniger erholsam als gedacht.
Schnell erkennt er, dass es mit der Ehe seiner Gastgeber nicht zum besten steht und je mehr er und Lesley sich annähern, umso mehr erfährt er die Hintergründe dieser langsamen Entfremdung.
Da ist neben Roberts Krankheit, ein durch einen Giftgasangriff im Ersten Weltkrieg verursachtes Lungenleiden, auch Lesleys Zusammenarbeit mit einem bekannten chinesischen Revolutionär.
Und da ist ja auch noch der zehn Jahre zurückliegende Skandal um Lesleys Freundin Ethel, die in einem spektakulären Prozess des Mordes beschuldigt wurde….

Als großer Fan der Werke W. Somerset Maughams ( man sollte unbedingt „Der Menschen Hörigkeit lesen ) war der für den Booker Prize nominierte Roman „Das Haus der Türen“ natürlich ein Muss.
Tan Twan Eng hat einen atmosphärischen Roman über Menschen geschrieben, die Gefangene der Konventionen ihrer Zeit sind. Gleichberechtigung der Frau, Homosexualität und politischer Freiheitskampf sind ebenso seine Themen wie die Manipulation von Menschen durch einen Autoren, der alles ihm anvertraute für sein Werk nutzt.
Somerset Maughams vorherrschendes Thema seiner Romane waren die menschlichen Schwächen, die zum scheitern von Beziehungen führen: Selbstsucht, Stolz, Heuchelei, Feigheit und Angst.
Tan Twang Eng greift dies in seinem hervorragend von Michaela Grabinger übersetzten Roman auf und zeigt uns zudem in einem genialen Twist, wie Literatur ihre Magie entfaltet.
Ein sehr zu empfehlender Roman, nach dessen Lektüre man unbedingt Maughams „The Letter“ lesen sollte.

Das Haus der Türen

von Tan Twan Eng

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Hier draußen
Frank Menden

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„Was hier üblich war und schon immer so, das hatte so zu passieren, und wer das nicht abkonnte, gehörte eben nicht dazu.“

Fehrdorf in Schleswig-Holstein. Hier hat alles und jede(r) seinen angestammten Platz. Nur Ingo und Lara fremdeln noch ein wenig mit dem kleinen Dorf. Der Umzug von Hamburg hierher auf den schönen großen Resthof sollte ihnen und ihren Kindern die Möglichkeit für einen Neuanfang geben. Doch zwischen den Vorzeigelandfrauen, den wortkargen Bauern und den beiden letzten Bewohnern einer einstigen Öko-WG ist es schwer einen Platz zu finden, sich einzuordnen in die tradierte Choreografie des Ortes.
Als Ingo eines Abends einen Wildunfall mit einer weißen Hirschkuh hat und sich Dorfjäger Uwe weigert, dem schwer verwundeten Tier alleine den Gnadenschuss zu geben, da denjenigen, der eine weiße Hirschkuh tötet, innerhalb eines Jahres der Tod ereilt, setzt dies eine Kette von Ereignissen in Gang , die unweigerlich zu Veränderungen führt. Und da ist ja auch noch die Prophezeiung….

Es gibt nur eines, was ich nach der Lektüre von „Hier draussen“ bedaure: dass ich diesen wunderbaren Roman nicht früher gelesen habe.

Martina Behm hat einen Dorfroman geschrieben, der nichts beschönigt, der mit Klischees gleichzeitig aufräumt und sie bestätigt, mit viel Empathie und leisem Humor ihr Sujet betrachtet und das fiktive Fehrdorf mit seinen Bewohnern so lebendig werden lässt, dass man es mit allen Sinnen erfasst.
Der vielschichtige Roman bietet eine multiperspektivische Sicht auf vermeintliche und reale Dorfromantik, auf Beziehungen und Traditionen. Nie gerät der Roman in den Ruch eine thesenhafte Versuchsanordnung zu sein, dafür kennt die Autorin ihr Setting und Personal zu gut.
„Hier draussen“ ist ein Roman über das Land, das Leben - und das Landleben. Mit allen Höhen und Tiefen, allen Facetten und Schattierungen, ohne Kitsch, völlig unsentimental, lebensklug und unbedingt lesenswert!
Wie Max Moor korrekt auf dem Umschlag zitiert wird : „Ein richtig gutes Buch“

Hier draußen

von Martina Behm

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Unter Grund
Frank Menden

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Eine junge Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf und stellt sich dort ihrer Vergangenheit - ihrer rechten Vergangenheit.
Die junge Frau ist Franziska, eine Referendarin, das Dorf liegt in der fränkischen Provinz .
Hier ist sie aufgewachsen, der Vater früh verstorben, die Mutter nach dessen Tod überfordert und sich der Esoterik zuwendend, die Großmutter barsch und verschlossen.
Aus einer zufälligen Begegnung erwächst eine Freundschaft, die Franziska mehr und mehr in rechtsradikale Kreise führt…

„Unter Grund“ erzählt authentisch vom allmählichen abdriften in die Rechte Szene, von rechtem Gedankengut, das unterschwellig im Dorf schwelt und dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt, die alle am liebsten vergessen wollen.
Verdrängen und Schweigen, Wegschauen und -hören wenn es unangenehm wird, das scheint die Devise zu sein. Bis Franziska, die sich mittlerweile von ihrer Vergangenheit distanziert hat (sich aber trotzdem nicht traut mit ihrem neuen Umfeld darüber zu reden) wieder auftaucht und alte Wunden aufbrechen.

Für mich ist dieses Debüt ein überzeugender Blick auf ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit, genau beobachtet, in einem eigenen unverwechselbaren Ton geschrieben und ohne erhobenen Zeigefinger.
Ein Roman, der gelesen werden sollte !

Unter Grund

von Annegret Liepold

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Am Himmel die Flüsse
Simone Finkenwirth

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Dieses Buch stellt mich vor eine große Herausforderung: In wenigen Zeilen den Inhalt wiederzugeben. Denn Elif Shafaks Roman ist derart weitreichend und voll an Geschichten.

Zunächst trifft mich das Wasser:

"Am Rand der Gewitterwolke hängt ein einzelner Regentropfen - kaum so groß wie eine Bohne und leichter als eine Kichererbse. Eine Weile zittert es bedenklich, das kleine, runde verschreckte Ding, denn es macht Angst, die Erde zu betrachten, die sich dort unten wie eine Lotusblüte öffnet. Dabei ist es wahrlich nicht das erste Mal. Der Tropfen hat die Reise schon oft gemacht - hinauf zum Himmel, hinunter zu festen Boden und wieder hinauf. Doch er fürchtet den Fall immer wieder."

Und dann fällt die erste starke Figur ins Augenlicht: Arthur, König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere, kommt 1840 in ärmlichen Bedingungen in London zur Welt. Er ist arm, dafür reich gesegnet mit Talenten. Genau das wird ihm in der Schule zum Verhängnis. Doch später rettet Arthur genau dies, als er zunächst als Hilfsjunge beim Verlag Bradbury & Evans beginnt. Dort sogar auf Charles Dickens trifft. Seine Neugier führt ihn ins British Museum. Hier verliebt er sich in die Lamassus (assyrische Schutzdämone) und entwickelt für die Tafeln von Ninive geradezu eine Passion.

Dem gegenüber steht Narin im Jahr 2014. Ein neunjähriges Mädchen, das an einer seltenen Krankheit leidet. Narins Familie gehört zu den Eziden. Ihre Großmutter kann Wasserquellen aufspüren, und Menschen heilen. Als sie zu Narins Taufe in den Irak reisen, wird dies ein schrecklicher Wendepunkt im Leben der Familie.

2018 stehe ich an der Seite von Zaleekhah, eine Wasser-Expertin und Wissenschaftlerin, die sich kürzlich von ihrem Mann getrennt hat. Die junge Frau hat seit dem Tod ihrer Eltern eine stete Traurigkeit in sich. Als sie in ein Hausboot zieht und deren Vermieterin kennenlernt, wird das Zaleekhahs Leben verändern.

Wie nun alle Figuren miteinander verbunden sind, das überlasse ich der herausragenden Autorin selbst.

Elif Shafak hat ein unglaubliches Buch geschrieben! Sorgfältig recherchiert, flechtet sie gekonnt menschliche Linien mit ihren Schicksalen ein. Zudem erzählt sie die hochspannende Kulturgeschichte Mesopotamiens und erschüttert uns mit den barbarischen Kriegshandlungen des IS. Schreckliche Szenen, die mich lange beschäftigt haben.

Eine große Fabulierlust durchströmt das Werk. Ich denke an beeindruckende lebenskluge Sätze genauso wie an ihre eleganten Verbindungen vom Punkt zum nächsten Satz. Für mich ist dies eins der großen Werke der Autorin - wenn überhaupt das beste - das es übrigens auch kongenial von Pegah Ferydoni eingesprochen als Hörbuchfassung bei Argon gibt.

Am Himmel die Flüsse

von Elif Shafak

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Drei Tage im Juni
Frank Menden

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Anne Tyler ist immer eine sichere Bank .
Ihr neuer Roman „Drei Tage im Juni“ , übersetzt von Michaela Grabinger, zeigt erneut ihre Meisterschaft.

Die titelgebenden drei Tage im Juni sind die Tage vor und nach der Hochzeit der gemeinsamen Tochter von Gail und Max, sowie der feierliche Tag selbst .
Gail und Max sind schon lange geschieden, haben einen guten Umgang miteinander gefunden.
So ist es für Gail auch völlig okay, Max bei sich über die Hochzeit unterzubringen.
Nicht ganz so okay ist die Ansage ihrer Chefin ihr den Job als stellvertretende Schuldirektorin wegen mangelnder Sozialkompetenz zu kündigen .
Und erst recht nicht okay ist die Tatsache, dass ihre Tochter Debbie am Tag vor der Hochzeit völlig fertig ist, da sie gerade erfahren hat , dass ihr zukünftiger Mann sie wohl vor gar nicht langer Zeit betrogen hat .
Nicht die besten Voraussetzungen für eine strahlende Hochzeit, zu der auch ein recht missglückter Friseurbesuch nicht gerade optimistisch einstimmt …

208 Seiten hat dieser Roman, und jede Seite ist ein Genuss . Anne Tyler hat mit der 61jährigen Gail eine Protagonistin geschaffen, die einem gerade wegen ihrer oftmals etwas brüsken Art sehr schnell ans Herz wächst und die uns mit all ihren Fehlern und Vorzügen wünschen lässt, dass sich alles in ihrem Leben zurechtrücken wird.
Mich hat dieser mit genauem Blick und voller Empathie erzählte Roman für ein paar Stunden völlig in den Bann gezogen und mich wieder darin bestärkt, dass Anne Tyler eine der großen amerikanischen AutorInnen ist.

Drei Tage im Juni

von Anne Tyler

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Bevor wir uns vergessen
Frank Menden

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„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“
Sören Kierkegaard

Alice und Jules, beide 85 Jahre alt, treffen sich auf einer Bank im Jardin du Luxembourg in Paris .
Hier begann vor sechzig Jahren ihre gemeinsame Geschichte, ihre Liebe, die so groß war und ist, dass sie alle Stürme des Lebens überdauert hat. Doch wie ist ihnen dieses Kunststück gelungen? Und wie schauen sie auf die gemeinsame Zeit zurück, jetzt, da die Erinnerungen schwinden….

„Bevor wir uns vergessen“ ist der neue Roman von Eliette Abecassis, übersetzt von Kirsten Gleinig .
Und wie auch schon „Mit uns wäre es anders gewesen“ ( jetzt übrigens zeitgleich als Taschenbuch erschienen) hat mich auch dieser Roman fasziniert und überzeugt.
Die Autorin erzählt die Geschichte von Alice und Jules rückwärts, kommt dem Ursprung ihrer Geschichte in Schlaglichtern näher und enthüllt uns so das Leben zweier Menschen, die manchmal nur schwer miteinander leben können. Und bei denen doch klar ist, dass sie ohne einander nicht sein können - so wie es die beiden nach ihrer ersten Begegnung wissen.

Man kann diese Erzählweise für einen „Gimmick“ halten, mich hat der Roman gerade deswegen so beeindruckt. Zu erfahren, wo Verhaltensweisen ihren Ursprung haben, wann die gemeinsamen Rituale begannen ( und warum ) und was es mit den wiederkehrenden Redewendungen auf sich hat … Für mich war dieses langsame entblättern ein Genuss.
Und der Brief, der am Anfang der Geschichte von Alice und Jules stand und den wir am Ende der 176 Seiten lesen - so einen Brief würden wir alle wohl gern einmal erhalten….

Bevor wir uns vergessen

von Éliette Abécassis

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Scheidung
Frank Menden

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30 Jahre verheiratet, zwei Töchter , eine schöne Wohnung mit brandneuer schicker Küche - und plötzlich ist alles aus.
Nach einem Streit kehrt Niklas nicht in die Wohnung zurück . Auch am nächsten Tag: keine Nachricht.
Bea weiß sich nicht zu helfen. Ist Niklas vielleicht etwas zugestoßen, warum meldet er sich nicht?
Als er es dann doch macht, stellt er seine Frau vor vollendete Tatsachen: er will dieses Leben nicht mehr, er will die Scheidung.
Für Bea bricht eine Welt zusammen. Was ist in ihren Mann gefahren? Ist all Ihre Vergangenheit, ihre Töchter, das gemeinsame Zuhause, ist das alles nichts mehr wert?

„Scheidung“ von Moa Herngren , übersetzt von Katharina Martl, erzählt realistisch und psychologisch genau die Geschichte einer Trennung - und zwar aus beider Perspektiven.
Das ist spannend und ernüchternd, erhellend und auch ein wenig beängstigend, denn hier erfährt man , wie unterschiedlich zwei Menschen ihr gemeinsames Leben erlebt haben. Und wie sich Kleinigkeiten zu unüberwindlichen Hindernissen entwickeln.

399 Seiten, keine ist zu viel. Man versteht sowohl Bea als auch Niklas, versteht beider Verhalten, ihre Gründe und Sorgen, Wünsche und Träume.
Man ist ganz nah dran, erkennt einiges aus vergangenen Trennungen wieder, ist mit dem Umfeld der beiden hin und hergerissen - und ist am Ende beeindruckt , wie nuanciert die Autorin die vielen Seiten einer Beziehung ans Licht bringt.
Ein hervorragender Roman, nah an den Figuren, nah am Leben. Und trotz aller Bitternis auch ein Mut machendes Buch!

Scheidung

von Moa Herngren

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