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Empfehlungen aus Romane Taschenbuch

Mein Mann
Frank Menden

Frank Menden

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Über Maud Venturas Debütroman „Mein Mann“ zu schreiben ist nicht gerade einfach. Denn die volle Kraft dieses preisgekrönten ( in Frankreich 2021 auch dazu das erfolgreichste Debüt des Jahres) entfaltet sich erst nach dem Ende. Und was bitte ist das für ein Ende für diese im Zeitraum einer Woche erzählten Geschichte einer Frau, die ein scheinbar perfektes Leben führt, als Lehrerin und Übersetzerin arbeitet, zwei wohlerzogene Kinder hat und einen Mann , den sie auch nach 15 Jahren noch so liebt wie am ersten Tag?
Warum also stellt sie ihn immer wieder auf die Probe , worin liegt ihre geradezu obsessiv zu nennende Freude an der Manipulation der Gefühle ihres Mannes?

Ich habe diesen von Michaela Messner vortrefflich übersetzten Roman geradezu inhaliert. Zuerst mit zunehmenden Befremden, doch dann immer faszinierter bis zum wirklich grandiosen Ende.

Ich kann nur raten, sich auf diesen sicherlich polarisierenden - und sehr französischen - Roman einzulassen.
Für mich einer der besten und überraschendsten in diesem Herbst!

Mein Mann

von Maud Ventura

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Schwebende Lasten
Frank Menden

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„Der gelungene Strauß ist einfach gehalten, in der Gestaltung wie in der Fertigung. Auf die innere Ordnung ist zu achten. Aber was sie gelernt hatte, vergaß sie im Leben oft genug und mit Absicht.“

Es gibt wenige deutschsprachige Romane, die dieses Jahr so viel positive Kritik erhalten haben wie „Schwebende Lasten“ .
Kein Wunder, denn dieser Roman ist so hervorragend beobachtet wie geschrieben.
Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna ist eine Frau, der im 20. Jahrhundert wenig erspart bleibt.
Sie erlebt zwei Weltkriege, durchlebt alle Irrungen und Wirrungen ihrer Zeit, erlebt viele persönliche Niederlagen und wenig Triumphe, bringt sechs Kinder zur Welt, packt an was anzupacken ist. Sie ist eine normale Frau in einer sehr unnormalen Zeit, durchaus emanzipiert, aber doch ganz ein Produkt ihrer jeweiligen Lebenswelten.
Magdeburg ist ihre Stadt, Blumen bleiben lebenslang ihre Leidenschaft, werden durch eine Begegnung ein kleines Fenster in eine andere, kultiviertere Welt.
Annett Gröschner erzählt dieses Leben detailliert und voller Empathie, sehr real und lebendig und trotz der Härte mit Charme und einer gewissen Portion leiser Heiterkeit.
Sie hat so einen Roman geschaffen, der individuell und exemplarisch ist, und dem man direkt auf der allerersten Seite vollkommen verfällt.
Man ist ja manchmal misstrauisch, wenn allenthalben Lobeslieder gesungen werden.
Braucht man in diesem Falle nicht zu sein.
Sie stimmen !

Schwebende Lasten

von Annett Gröschner

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Die erste halbe Stunde im Paradies
Frank Menden

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„Drei sind eine Party.“
Und was für eine Party ist die kleine, aufeinander eingeschworene Dreierfamilie. Die Mutter Sängerin und Musikerin, immer zu haben für Spontaneität und „verrückte“ Ideen. Und ihre beiden Kinder: die kleine Anne und der große Kai.
Sie sind füreinander da, ohne wenn und aber und Anne bedauert alle, die nicht so einen tollen Bruder haben wie sie.
Die chronische Krankheit der Mutter führt die Familie nach Flensburg, des Klimas wegen. Doch auch das vermag den stetig voranschreitenden körperlichen Verfall der Mutter nicht aufzuhalten. Immer mehr werden Anne und Kai in die Verantwortung genommen, immer mehr leisten sie, halten alles im wahrsten Sinne am laufen. Drei Menschen, die füreinander da sind . Bis….

Was ist passiert, dass aus den Geschwistern, zwischen die kein Blatt Papier passte, zwei einander Fremde wurden? Warum gab es jahrelang keinerlei Kontakt, keine Verbindung mehr? Bis zu diesem Anruf auf dem Teambildungsevent in Hamburg, bei dem die erfolgreiche Pharmareferentin Anne eigentlich nur die nötigen Punkte für den nächsten Karriereschritt sammeln will - und sich stattdessen der Vergangenheit stellen muss.

„Die erste halbe Stunde im Paradies“ ist der zweite Roman von Janiune Adomeit - und er ist vollkommen verdient das NDR Buch des Monats Februar 2025.
Mit leichter Hand erzählt die Autorin von Loyalität, Verantwortung und Überlastung, von Liebe und den Konflikten die aufbrechen, wenn die Fürsorge die eigenen Bedürfnisse vollkommen überlagert.
Wie Janine Adomeit es schafft diese Themen vollkommen ohne Kitsch und Klischees, eindringlich und bewegend, voller Empathie und leisem feinen Humor zu verhandeln, das sollte unbedingt gelesen werden.
Ein tröstliches Buch voller Hoffnung, das ist diese erste halbe Stunde im Paradies!

Die erste halbe Stunde im Paradies

von Janine Adomeit

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Sandwich
Simone Finkenwirth

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Sie suchen noch eine schöne Sommerlektüre? Dann sollten Sie „Sandwich“ von Catherine Newman unbedingt in ihren Koffer werfen, aber bitte behutsam. Denn das Buch ist ganz wunderbar und verdient viel Liebe.

Ann Patchett liebt den Roman wie Frank Menden und ich. Sie schreibt: „Ich habe ununterbrochen gelacht, außer an den Stellen, die mich zum Weinen gebracht haben.“ Wow, da hat die Autorin-Kollegin wirklich alles zusammengefasst. So ist „Sandwich“ ein Mix aus Komik, Summerfeeling und Wolkenbrüche.

Rachel aka Rocky ist die Stimme, die uns ihre Geschichte erzählt. Sie nimmt uns mit nach Cape Cod, wo sie eine Woche mit ihrer Familie verbringt. Seit zwanzig Jahren pflegen sie diese Tradition. Alle sind da. Natürlich ihr liebevoller Ehemann, die beiden Kinder Willa und Jamie, und dessen Freundin Maya, und Rockys Eltern.

Während Rocky mit den Wirren der Menopause kämpft, fällt ihr die blasse Maya auf, die unerwartet schwanger ist, und das versucht, zu vertuschen. Gleichzeitig wird Rocky von traurigen Erinnerungen heimgesucht und plötzlich ploppt eine Familiengeschichte auf, die sehr schmerzvoll und bewegend für uns alle ist.

Erinnern Sie sich noch an „Sommer von Maine“ von Sullivan J. Courtney? Daran musste ich bei der Lektüre oft denken, denn genauso fühlt sich dieser leichte und doch berührend schöne Roman an. Es ist ein Wechselbad aus Gefühlen, doch wir sinken niemals auf den tiefen Grund der Traurigkeit – das haben wir der ausgewogenen Balance Catherine Newmans zu verdanken. Übersetzt wurde das Buch von Alexandra Baisch.

Sandwich

von Catherine Newman

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Halbinsel
Frank Menden

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„Inzwischen habe ich begriffen, es grenzt an ein Wunder, wenn man geliebte Menschen um sich hat und sie nicht zu früh verliert. Ein noch größeres Wunder ist es, wenn es einem mehrmals im Leben gelingt, jemanden zu finden, der es gut mit einem meint.“

Lange herbeigesehnt, jetzt ist er da: „Halbinsel“, der neue Roman von Kristine Bilkau.
Es ist die Geschichte von Annett, einer Bibliothekarin, die nach dem frühen Tod ihres Mannes die gemeinsame Tochter Linn allein aufzog und sich nach deren Auszug in ihrem Leben eingerichtet hat.
Als Linn auf einer Tagung einen Zusammenbruch erleidet, holt Annett sie zu sich in das Haus im nordfriesischen Wattenmeer.
Aus ein paar Tagen werden Wochen, dann Monate. Linn, die für Annett immer so voller Leben war, voller Ideen und Tatendrang, ist antriebslos, sucht nach einer neuen Ausrichtung ihres Lebens. Für Annett ist dies schwer zu ertragen, aus ihrer Hilflosigkeit heraus brechen Konflikte auf, die beide anders auf das jeweilige Leben blicken lassen.

Kristine Bilkau beherrscht die Kunst Romane zu schreiben, die leise und unauffällig daherkommen, bei denen kein Wort zu viel ist und die vielschichtig sind und eine enorme Tiefe haben.
Die Annäherung von Mutter und Tochter ist gleichzeitig auch eine Annäherung an das Leben, an die Natur, an das zulassen von Veränderung.

Mit der Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse erscheint der Roman mit einer großen Erwartungshaltung und vielen Vorschusslorbeeren. Für mich hat er sie alle eingelöst.

„Wo würde die Einsamkeit lauern? Hinter der Veränderung oder dem Vertrauen?“

Halbinsel

von Kristine Bilkau

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Die Unmöglichkeit des Lebens
Simone Finkenwirth

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Grace lebt zurückgezogen in den Midlands, und spürt zwei Narben in ihrem Herzen: Die pensionierte Mathematiklehrerin hat ihren Sohn viel zu früh verloren, ihr Mann ist vor vier Jahren gestorben. Und jetzt? Unterzieht sie sich gerade einer Venenoperation, als sie entscheidet, nach Ibiza zu fliegen, um sich das vererbte Haus anzuschauen. Ob das eine gute Idee ist?

Finden Sie es heraus! Und erleben Sie an Graces Seite magische Momente. Nicht alles lässt sich erklären, diese Erfahrung macht unsere selbst unsere rational denkende Ich-Erzählerin. Sie trifft auf besondere Menschen, und will das Rätsel lösen, wie Christina ums Leben gekommen ist, denn da tappt man noch im Dunkeln. Also die Polizei, aber nicht Alberto Ribas – ein Taucher, der Grace auf einen nächtlichen Tauchgang mitnimmt. Plötzlich wird es in der finsteren Nacht taghell. Das kommt nicht nur durch das leuchtende Seegras im Mittelmeer. 

Denn „Die Unmöglichkeit des Lebens“ ist Wunderbalsam für die Seele. Man sollte etwas Offenheit für nicht immer ganz erklärbare Dinge mitbringen. Matt Haigs Botschaft hingegen ist klar: Es gibt keine Begrenzungen. Zudem gesellt sich die Gewissheit dazu, dass es nie zu spät ist für einen Neuanfang. Es lohnt sich, offen und neugierig für alles zu sein, so unbehaglich sich vielleicht im ersten Moment manches anfühlen mag. Die Antwort kommt, ganz bestimmt, siehe Grace.

Die Unmöglichkeit des Lebens

von Matt Haig

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Halbe Leben
Frank Menden

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„Es ist ein stiller Tod.“

So beginnt „Halbe Leben“ , der neue Roman von Susanne Gregor.
Der stille Tod ereilt Klara bei einer Wanderung, sie stürzt eine Böschung hinab. Bei ihr ist nur Paulina.
Paulina, die aus der Slowakei kommt und sich nach dem Schlaganfall von Klaras Mutter Irene um diese kümmert.
So kann Klara weiterhin ihrer Arbeit und Karriere nachgehen, ihr Mann sich seiner Fotografie widmen.
Paulina ist ein wahrer Schatz , versteht sich gut mit allen, kocht sogar immer noch für die Familie mit und Irene blüht richtig auf .
Dafür macht man Paulina gern Geschenke, irgendwie ist sie doch mehr als eine Pflegekraft, sie ist eine Freundin.
Auf Paulinas Söhne passt derweil die Schwiegermutter in der Slowakei auf. Das passt doch für alle gut .
Bis es eben nicht mehr passt. Und Klara bei einem Unfall beim gemeinsamen wandern ums Leben kommt.

„Es liegt kein Motiv vor, man lässt den Tod als Unfall gelten. Niemand zweifelt an dieser Version.“ ( Seite 11 )

Die Geschichte von Klara und Paulina, erzählt wird sie rückblickend von diesem Unfall aus, aus beider Perspektive.
Es ist eine Geschichte der Missverständnisse, der Unfähigkeit, sich in die jeweils fremde Lebenssituation hineinzuversetzen. Auf den ersten Blick ist alles eine Win Win Situation, einen zweiten riskiert man besser nicht.

Susanne Gregor erzählt diese Geschichte völlig unprätentiös und eindringlich - und unparteiisch.
Man versteht beide Frauen, kann beide Sichtweisen verstehen, erkennt die Unvereinbarkeit dieser jeweils fremden Leben. Erkennt, dass zwei halbe Leben noch lange kein ganzes ergeben.
Zwei Frauen, die sich aufreiben, in ihrem Leben und am Leben der anderen.

„Sie weiß bereits, dass es nicht mehr reichen wird, dass sie nicht genug Kraft hat. Dass es nichts mehr zu tun gibt. Dass alles passiert ist.“

Ich wünsche diesem Roman eine große Leserschaft!

Halbe Leben

von Susanne Gregor

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Die zerbrechliche Zeit
Simone Finkenwirth

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Obwohl die Frankfurter Buchmesse längst Geschichte ist, lese ich weiterhin Bücher aus dem Gastland. Denn zu sehr begeistere ich mich sowohl für zurückhaltende als auch für ausgezeichnete: So hat Donatella Di Pietrantonio für „Die zerbrechliche Zeit“ den italienischen Buchpreis, den Premio Strega 2024 erhalten. So verdient!

Die Autorin ist hierzulande keine Unbekannte. So hat sie bereits mit ihrem Roman „Arminuta“ begeisterte Lesestimmen eingefangen. In ihrem neuen Werk nimmt sie uns mit in die Abruzzen. Lucia ist die Ich-Erzählerin. Ihre Tochter Amanda ist fluchtartig aus Mailand zurückgekommen, hat dort alles stehen und liegenlassen, und igelt sich jetzt ein, spricht kaum. Gleichzeitig will Amandas Vater seiner Tochter das Land unter dem Wolfszahn schenken. So schnell wie möglich. Warum er es so eilig hat, erfahren wir bald. Amanda indes zögert, ist dieses Fleckchen Erde doch von einem Fluch überschattet. Denn dort auf dem Campingplatz hat sich vor vielen Jahren ein tragisches Ereignis, das auch Amanda nicht direkt, aber doch mit einschließt...

„Die zerbrechliche Zeit“ ist keine Wohlfühl-Lektüre, aber gleichwohl eine anziehende, betörend schöne, ruhig und atmosphärisch erzählte Familiengeschichte. Durch kurze Kapitel schafft die Italienerin eine fesselnde Spannung, der man einfach nicht entkommt. Melancholisch, berührend und kraftvoll sind die Seiten, aus denen ich leuchtend hervorgekommen bin und mich vor der Preisträgerin verneige.

Die zerbrechliche Zeit

von Donatella Di Pietrantonio

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Zuhause ist das Wetter unzuverlässig
Frank Menden

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„Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken.
Man muss nur gehen: Kein Gefühl ist das fernste.“ ( Rainer Maria Rilke )

Im Sommer soll Schluss sein. Schluss mit allem. Vierzig Tage, so lange währt die festgesetzte Frist der namenlosen Erzählerin.
Vierzig Tage, in denen sie ihr eigenes Leben Revue passieren lässt, aber auch die der Frauen vor ihr .
Es entstehen Muster weiblichen Lebens, Muster voller Erwartungshaltungen und Ansprüchen, die keinen oder kaum Platz lassen für Träume, für Freiräume.
Es sind Leben, die von patriarchalen Strukturen geprägt sind. Doch bleibt am Ende wirklich nur der eigene Tod, um alles Alte hinter sich zu lassen ?

Es ist nicht so einfach „Zuhause ist das Wetter unzuverlässig“ zusammenzufassen.
Die Autorin verknüpft Geschichten mit tagebuchartigen Passagen, es gibt Einschübe zu Literatur, zu Autorinnen.
Was evtl etwas unstrukturiert klingt ist aber ungemein lesbar - und beeindruckend, wie sehr diese Form die Themen verdichtet.
Individualität und das Kollektiv gehen so eine zwingende Verbindung ein in einem durch und durch überzeugenden Text.
Klasse !

Zuhause ist das Wetter unzuverlässig

von Carolin Würfel

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Furye
Simone Finkenwirth

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Ich hatte dieses Buch noch nicht geöffnet, wusste da aber schon, dass wir Freundinnen werden würden. Nicht nur, da mein Kollege Frank Menden „Furye“ mit Begeisterung gelesen hatte. Es waren die Vibes, die ich vernahm. Nennen Sie es Magie oder einfach den siebten Sinn einer Buchhändlerin.

Wissbierig folge ich der Ich-Erzählerin, eine erfolgreiche Musikmanagerin mit einem Kinderwunsch. Als sie einen Anruf aus der alten Heimat erreicht, streicht sie die Segel und fährt in ihren Heimatort, den sie vor zwanzig Jahren verlassen hat. Zur Empörung ihres Künstlers, den sie betreut. Wie könne sie es wagen! Doch die Frau bleibt so was von cool, dass ich grinsen muss.

Parallel wechselt Kat Eryn Rubik in Alecs Vergangenheit. Dort erlebe ich sie mit ihren Freundinnen Meg und Tess im aufblühenden Frühling der Jugend mit allen Fallstricken und Verführungen sowie die Macht der Weiblichkeit, die sie auslotet.

Das Buch hat einen ganz eigenen Sound, der sich wie ein Ohrwurm festsetzt. Die Autorin webt allerhand Themen in die Geschichte, die ihr damit eine besondere Tiefe verleihen. So ist "Furye" viel mehr als nur ein flirrender Summer Read. Ein Schwergewicht mit der Leichtigkeit einer Fliege, deren Abdruck man lange noch auf der Lese-DNA spürt. 
 

Furye

von Kat Eryn Rubik

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Die Villa der Architektin
Frank Menden

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Lesen bildet!
Wissen wir natürlich alle, aber im Falle von „Die Villa der Architektin“ von Melania G. Mazzucco , übersetzt von Karin Fleischanderl, ist dies auf jeden Fall so.
Denn ohne diesen Roman wüsste ich bis heute nicht, wer Plautilla Bricci war.

Geboren 1616, wird sie die erste Architektin Roms. Gefördert vom Vater und später von Abt Elpidio Benedetti, schafft sie es Mitglied der Kunstakademie San Luca zu werden - darf allerdings als Frau nicht an Aktstudien teilnehmen.
Ihr Hauptwerk wird die wie ein Schiff gebaute Villa „Il Vascello“, in deren Grundfesten ihr Name gegen alle Widerstände eingraviert wurde ( und die 1849 komplett zerstört wurde ).
Doch mit dem Erfolg kommen die Neider, aus Gönnern werden Feinde und selbst engste Verwandte betrügen Plautilla um die Früchte ihrer Arbeit…

Was für ein Leben ! Und was für ein Roman. Die Strega Preisträgerin Melania G. Mazzucco erzählt geradezu filmisch von dieser beeindruckenden Frau und der Zeit, in der sie lebt. Intensive Recherchen gingen dem Schreibprozess voraus und es bleibt zu hoffen, dass dieser so unterhaltsame wie lehrreiche Roman dazu beiträgt, dass Plautilla Bricci die Anerkennung und Hochachtung erhält, die ihr zustehen.

Das Buch enthält eine Karte, in der die Schauplätze und Standorte der Werke Briccis verzeichnet sind, sowie die Abbildungen eines Gemälde, inclusive Detailaufnahmen.
Also, auf nach Rom und diesen sehr lesenswerten Roman als Vorbereitung lesen

Die Villa der Architektin

von Melania G. Mazzucco

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Stromlinien
Simone Finkenwirth

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Ich bin die Patin für "Stromlinien" von Rebekka Frank, dessen Cover schon unverschämt gut aussieht. Patin deshalb, weil ich eine der Ersten war, die das Manuskript gelesen haben. Annerose Beurich war ja von Rebekkas Debüt "Das Echo der Gezeiten" bei S. Fischer bereits sehr angetan. Als der Verlag dann mit dem neuen Werk auf uns zukam, war meine Neugier entfacht. Eigentlich wollte ich nur mal reinschauen, aber dann habe ich es an einem Wochenende verschlungen. Und dachte: Wow! Das zweite Buch! So gut! Doch Rebekka Frank ist nicht neu in dem Metier, sie hat bereits als Rebekka Eder erfolgreich historische Bücher geschrieben.

Zur Story: Enna und ihre Zwillingsschwester Jale warten seit siebzehn Jahren darauf, dass ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch am Tag der Entlassung verschwindet Jale plötzlich, und Enna bleibt allein zurück mit einem großen Gepäck an Fragen. Wo ist Jale? Enna begiebt sich auf eine Suche, die sie immer näher an ein Familiengeheimnis heranführt, das ich hier nicht verraten möchte. Erstaunlich ist die Figurenzeichnung der Autorin und der Spannungsbogen, den sie aufbaut. Geschickt webt sie verschiedene Handlungsstränge ein, die zum großen Finale führen. Sie wechselt dabei die Perspektiven, setzt kurze Plots. Stets an unserer Seite die faszinierende Elbmarschen-Landschaft, das Alte Land und sein historischer Background. Ich spüre Rebekkas Liebe zur Natur mit allen Sinnen. Erstaunlich, was die Autorin alles in ihrem Buch vereint. Eine atmosphärische, naturnahe Geschichte mit extrem spannenden Elementen.

Mein Tipp für alle Hamburger und Leser:innen, die spannende Bücher mit Familiengeheimnissen genauso gern verschlingen wie ich!

Stromlinien

von Rebekka Frank

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Verheiratete Frauen
Simone Finkenwirth

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Ein echtes Tabuthema – Fremdgehen. Manche tun es, andere wieder nicht. Ich will es gar nicht. Aber Gabriela sieht das ein bisschen anders. Die Mutter eines kleinen Sohnes fühlt sich zu einem Autor magisch angezogen. Sehr lange schon. Bis sich Pablo und Gabi endlich näherkommen, dauert es. Wenngleich der Roman mit ihrer Romanze beginnt und einer großen Frage.

Denn Gabi will ihr Verhältnis in eine richtige Beziehung umwandeln. Aber soll sie das Wagnis eingehen? „In einem Jahr wirst du aufhören, mich zu begehren, und nichts wird mehr so sein wie jetzt", sagt ihr Geliebter. Die 45jährige kann sich das allerdings nicht vorstellen. Noch nie hat sie so empfunden. Was sagen ihre Freundinnen?

Nun, die haben es auch keineswegs leicht. Silvia ist nicht glücklich in ihrer Ehe, und Cósima hat mit der Enthaltsamkeit ihres Ehemannes zu kämpfen. Sie spürt der Sache nach und macht eine erschütternde Entdeckung.

Was für eine mitreißend erzählte Geschichte! Besonders schön ist, dass sich die Frauen über die Frauenzeitschrift „La Femme" nähergekommen sind. Gabi arbeitet als Journalistin, Silvia ist Fotografin und Cósima Stylistin. Unterschiedliche Vitas, die doch zueinander finden und zeigen: Es geht nichts über eine wahrhaftige und innige Freundschaft! Genau das ist „Verheiratete Frauen": Eine Hommage an unsere Freundinnen und Verbündeten. Keine kennt uns so gut wie unsere Freundin. Doch selbst die kann uns so manche Entscheidung nicht abnehmen. Die müssen wir dann allein treffen.

Was den Roman obendrein lesenswert macht – er zeigt die Herausforderungen der modernen Frau, die ständig einen Spagat zwischen Karriere und Familie machen muss. Der große Wunsch nach Mutterschaft spielt ebenso eine große Rolle, wie das Muttersein selbst, die Liebe zum Kind wie die Selbstzweifel.

So ist "Verheiratete Frauen" viel mehr als nur ein Roman über weibliches Begehren und Freundschaft. Er umarmt dich als Frau auf wirklich wohltuende Weise und flüstert dir zu: Du bist nicht allein. Allein deshalb lohnt sich die Lektüre!

Verheiratete Frauen

von Cristina Campos

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Und dahinter das Meer
Frank Menden

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Es gibt Romane, die wie ein Geschenk für Lesende und Buchhandlungen sind.
Für Lesende, weil sie darin vieles - wenn nicht alles - finden , was ein Buch haben muss, um es tief ins Herz zu schließen.
Und für Buchhandlungen, weil man es unbedenklich beinah der ganzen Kundschaft mit den Worten „ Freuen Sie sich drauf ! Sie werden es genießen“ empfehlen kann.

So ein Buch ist „Und dahinter das Meer“ von Laura Spence-Ash @mareverlag , übersetzt von Claudia Feldmann.
Und als @boersenblatt den Roman auf das Cover setzte, standen da auch meine Worte :

„Wunderbare Lesestunden, intelligente Unterhaltung: was will man mehr !“

Nun, evtl. noch ein paar Worte zum Inhalt .
Die elfjährige Bea wird 1940 von ihren Eltern von London nach Boston geschickt, um dem Bombardement der Deutschen zu entkommen.
Was als Aufbruch in die Fremde beginnt, wird jedoch bald zur eigentlichen Heimat , zur eigentlichen Familie. Aber auch der schönste Traum hat irgendwann ein bitteres Erwachen…

Ich mache ja nie viel Worte um den Inhalt eines Romans und hier müsste ich jetzt sehr ausschweifen.
Aber ich möchte einfach, dass ihr dieses aus acht verschiedenen Perspektiven und über einen Zeitraum von 37 Jahren erzähltes Buch selbst entdeckt .
Und es dann genauso feiert wie Ann Napolitano, Meg Wolitzer und Claire Messud ( da habt ihr auch gleich die entsprechenden Referenzen) und auch die altehrwürdige THE NEW YORK TIMES.
Kann also nichts schiefgehen!
Viel Freude mit diesem Roman.

Und dahinter das Meer

von Laura Spence-Ash

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Seltsame Sally Diamond
Frank Menden

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Sally Diamond ist 42 Jahre alt und „sozial defizitär“. Diese Aussage trifft sie über sich selbst , auch wenn andere sie evtl. als Autistin bezeichnen würden. Ihr Vater Tom, mit dem sie nach dem Tod der Mutter alleine lebt, mag keine dieser Bezeichnungen. Für ihn ist Sally einfach ein ganz besonderer Mensch, die immer entwaffnend ehrlich ist, mit der Unfähigkeit sich zu verstellen.

Als Tom nach einer längeren Krankheit stirbt, verbrennt Sally die Leiche in der Feuertonne. Sie kann daran nichts Verwerfliches finden. Die Polizei, die auf Umwegen davon Wind bekommt jedoch schon.
Doch nicht nur diese bringt Sallys bislang in geordneten Bahnen verlaufenes Leben durcheinander.
Da sind auch noch die drei Briefe, die Tom ihr hinterlassen hat….

Je weniger man bei der Lektüre von Liz Nugents Roman „Seltsame Sally Diamond“ @steidlverlag über die Handlung weiß, umso besser. Denn auch der dritte Roman der irischen Autorin ist wieder durch und durch gelungen .
Sally ist eine unvergessliche Figur, die - durchaus harte - Handlung schlägt immer wieder gekonnt Haken und man kann das Buch nicht aus der Hand legen, bis man es nach 368 Seiten völlig durchgerüttelt beendet hat.
Der von Kathrin Razum übersetzte Roman sollte Liz Nugent nach den exzellenten Vorgängerromanen „Kleine Grausamkeiten“ und „Auf der Lauer liegen“ endlich auch in Deutschland den ganz großen Durchbruch bringen.
Sie hat ihn mehr als verdient!

Seltsame Sally Diamond

von Liz Nugent

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Bitternis
Frank Menden

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„In der grauen Stunde vor Morgendämmerung, der Stunde zwischen Hund und Wolf, wenn es so still ist, dass ich nur den Herzschlag des Hauses und den Atem des schlafenden Mannes höre, versetze ich mich in die Zeit der Ersten von uns….“

Die Erste, das ist Berta Koch , die Urgroßmutter der Erzählerin Kalina, Großmutter von Violetta und Mutter von Barbara. Vier Frauen einer Familie aus Schlesien, denen das Leben oft auf härteste Art und Weise mitspielt, deren Träume zu groß für die Welt in der sie leben sind, oder aber zu klein. Vier Frauen, denen die wechselvolle Geschichte ihres Herkunftlandes eine ebensolche Lebensgeschichte beschert. Leben, in denen Männer fast komplett abwesend sind, was die Autorin Johanna Bator grossartigerweise „männerförmige Löcher“ nennt.

Die Geschichte der 829 Seiten von Joanna Bators so großen wie mitreißenden und wahrlich großartigen Roman „Bitterniss“ wiederzugeben kann nur scheitern. Man sollte sich hineinstürzen in diese miteinander verwobenen Geschichten der vier Frauen und sich an der hervorragenden Sprache erfreuen ( Übersetzung: Lisa Palmes ).
Es ist eine epische Familiensaga, die langsam zu lesen und zu erfahren ist und deren Lektüre eine äußerst nachhaltige ist. Eine Kritik nannte den Roman ein „Wimmelbild von vier Frauengenerationen“, ein sehr zutreffender Vergleich.
Für mich war die Lektüre durchaus herausfordernd, aber enorm bereichernd. Trotz allem Leid und aller Tristesse gibt es auch viel Humor, viel Mut und Optimismus, dem Leben etwas Glück abzutrotzen und niemals aufzugeben.
Eine emotional fordernde und in vielerlei Hinsicht bereichernde Lektüre.
Joanna Bator ist eine Autorin, die man nicht genug preisen kann - gerade nach diesem epochalen Roman!

Bitternis

von Joanna Bator

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Umlaufbahnen
Katja Schneider

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Wir begleiten sechs Astronaut_innen und Kosmonauten, die zusammen auf einer internationalen Raumstation leben und arbeiten. Dabei umkreisen sie täglich viele Male ihren Heimatplaneten, so fern, wunderschön und bedroht. Sie lassen uns an Ihren Gedanken, Wünschen und ihrem Alltag in der Schwebe teilhaben und die Autorin verwebt diese lose mit so wunderschönen Beschreibungen und philosophischen Gedanken, dass man die Erde noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel kennenlernt und glatt darüber nachdenkt, die Strapazen eines Weltallbesuchs auf sich zu nehmen.

„Umlaufbahnen“ wurde jüngst mit dem Booker Prize 2024 ausgezeichnet und das zurecht! Das schmale Werk ist inhaltlich wie sprachlich ein großer Wurf und ich rate Ihnen allen, es zu lesen, auch wenn Sie für Raumfahrten und Mondlandungen normalerweise nur ein müdes Lächeln übrig haben.
 

Umlaufbahnen

von Samantha Harvey

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Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland
Frank Menden

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„Es heißt, diese Reise habe ihren Preis. Einen Preis, der über die Kosten des Tickets hinausgeht.“
Denn eine Reise mit dem Transsibirien-Express durch das Ödland, die geheimnisvolle Wildnis zwischen China und Russland, ist voller Gefahren - und voller Verheißungen.

1899 macht sich der Zug , seine Besatzung nebst Passagieren, auf die zweiwöchige 6.000 Kilometer umfassende Reise.
Obwohl der Zug wie eine Festung gebaut ist, damit nichts den Zug verlassen, aber vor allen Dingen nichts hineingelangen kann, schwingt bei dieser Fahrt etwas Neues mit, endete doch die letzte Reise in einer Katastrophe…

Ich liebe Romane, die sich jeder Kategorie entziehen - und „Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland“ , übersetzt von Claudia Feldmann, ist genau so ein Roman.
Ein Roman, dessen pralle Fabulierkunst von der ersten Seite an zu überzeugen weiß, der geschickt zwischen Abenteuer-, Öko- und Fantasyroman changiert, dazu eine Prise von Agatha Christies „Mord im Orient-Express“.

Sarah Brooks hat ein Buch geschrieben, welches mich in einen wahren Leserausch versetzt hat. Ich fieberte mit den geheimnisvollen Reisenden, war neugierig - und etwas ängstlich - was da im Ödland vor sich geht und war nach 416 Seiten völlig beglückt.
Ich glaube, so eine Geschichte, so eine Abenteuerlust, habe ich zuletzt als Kind gelesen und verspürt.
Ein großer großer Spaß !
Wer der Reise durch das Ödland noch nicht verfallen ist sollte schleunigst zu diesem „Handbuch…“ greifen.
Denn es sind Romane wie diese, die uns zeigen, wie großartig und lebendig und voller Freude an der Fantasie lesen ist .

Handbuch für den vorsichtigen Reisenden durch das Ödland

von Sarah Brooks

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Nach uns das Leben
Frank Menden

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„Mit hinreißender Lakonie erzählt Gudrun Eiden in ihrem Debütroman eine beglückend traurige Geschichte über eine Gruppe von Freunden, die gemeinsam auf ein mit Liebe und Schmerz prallgefülltes Leben zurückblicken.“

Diesem im Klappentext aufgeführten Satz zu „Nach uns das Leben“ kann ich nur zustimmen .
Die Geschichte um die verbliebenen Mitglieder eines Männerchores auf dem Dorf, deren letzter Auftritt mangels Nachwuchs kurz bevorsteht lebt von einer an Dörte Hansen erinnernde Atmosphäre und der bereits oben zitierten Lakonie.

Es ist gerade dieser Ton, der mich die auf 191 Seiten geballt daherkommenden Schicksalsschläge zwar mit einem kurzen „puh, das auch noch“ und einem Augenrollen bei einem bestimmten Ereignis ( das mir dann beinah zu viel war) kommentieren lies - mich aber dennoch nicht vom Haken gelassen hat.
Und ich den Roman mit einem wohligen Gefühl zugeklappt habe.

Diesem Roman eine große Leserschaft zu wünschen ist durchaus egoistisch motiviert, denn von Gudrun Eiden möchte ich unbedingt mehr lesen.
Denn wenn eine Autorin es schafft , mich trotz der oben angeführten Einwände zu überzeugen, nun, das will bei einem radikalen Buchabbrecher was heißen.

Nach uns das Leben

von Gudrun Eiden

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Dorf ohne Franz
Frank Menden

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In den 1960er Jahren wächst Maria in dörflicher Umgebung auf einem Bauernhof auf. Während der ältere Bruder Josef in die Fußstapfen des Vaters tritt und dessen Anerkennung ( und das komplette Erbe ) erhält, wird Nesthäkchen Franz von der Mutter gerade wegen seines anderen Wesens verhätschelt.
Für Maria bleibt nur die typische Rolle der damaligen Zeit und der dörflichen Struktur: die der unbezahlten Magd und Pflegekraft der Großeltern und Eltern.
Ihre Sehnsucht diesem Leben zu entkommen kollidiert mit ihrem Pflichtgefühl, vor allem als Franz eines Tages dem Dorf den Rücken kehrt und in die Welt hinauszieht.
Gefangen in der Abhängigkeit einer Ehe wartet Maria auf den Moment , der ihr ein neues Leben ermöglicht…

Nur 168 Seiten hat „Dorf ohne Franz“ , aber was für 168 Seiten sind dies!
Verena Dolovai hat einen ungemein eindringlichen Roman über die Kehrseite der dörflichen Idylle geschrieben, in einem nüchternen und direkten Stil, der nichts beschönigt , direkt, aber nie drastisch.
Lohnt sich sehr !

Dorf ohne Franz

von Verena Dolovai

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Coast Road
Simone Finkenwirth

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Wie so viele irische Geschichten spielt auch diese in einem kleinen Ort am Meer. Jetzt im Herbst 1994 sind die Menschen in Ardglas aufgeregt: Die Dichterin Colette Crowley ist zurückgekehrt. Wegen einer Liebschaft hatte sie ihren Mann und Kinder zurückgelassen. Ihr Mann verbietet ihr weiterhin den Kontakt zu den Kindern. Die Dichterin bezieht das Cottage von Familie Mullen. Dolores Mullen ist hochschwanger, und ihr Mann ein Lustmolch.

Izzy ist die andere tragende Frauenfigur, und gefangen in einer unglücklichen Ehe. Ihr Mann, ein Lokalpolitiker, will bloß keine Skandale. Die zerbrechliche Izzy, die hin und wieder dunkle Tage hat, trifft während eines Schreibkurses der Dichterin auf diese faszinierende Frau. Als Colette erfährt, dass Izzys Sohn mit ihrem älteren Sohn befreundet ist, entsteht ein Plan...

Was zunächst sehr weich beginnt, entwickelt sich mit jeder Seite zu einem Sog mit beklemmenden Ausmaß. Zeitweise wusste ich gar nicht, wohin mit meinen Gefühlen. Alan Murrin hat sich beeindruckend in seine weibliche Figuren hineingefühlt, ihnen eine authentische Stimme verliehen. Es sind keine Sympathieträgerinnen, aber Kämpferinnen. So widersetzt sich jede auf ihre Art der Ungerechtigkeit und Unterdrückung. 

"Coast Road" ist kein Buch zum Liebhaben, aber es entfacht ein inneres Feuer, ist packend geschrieben und birgt jede Menge Gesprächsbedarf. Daher eignet es sich auch bestens für Lesekreise.

Coast Road

von Alan Murrin

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Das Schweigen meiner Freundin
Simone Finkenwirth

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Erinnern Sie sich noch an Elena Ferrantes Freundinnen-Epos? Mochten Sie es genauso wie ich? Dann sollten Sie unbedingt in dieses Buch hineinschauen. Denn es könnte sehr gut möglich sein, dass Sie es auch wie ins Herz schließen werden.

Ich bin sofort gefangen in dem atmosphärischen Roman, der durch die dichte Schreibweise eine Sogwirkung verströmt. Giulia erzählt uns ihre Geschichte und die ist betörend. Sie öffnet ein Dreieck. Zunächst ist es eine Gerade. Als Cristi in Giulias Dorf ankommt, soll sich die Ich-Erzählerin um dieses aparte, schöne wie schweigsame Mädchen kümmern. Zunächst ist Giulia distanziert, doch bald wird das Band zwischen den beiden enger, bis eines Tages Mattia auftaucht... Cristi sucht fortan auch Mattias Nähe. Das behagt ihrer Freundin so gar nicht. Da ist es also: Das Dreieck.

Obwohl wir uns in dem kleinen Kosmos bewegen, hält mich die Autorin auf den über 500 Seiten starken Roman fest. Ich begleite Giulia über 23 Jahre, erlebe, wie ein Mädchen erwachsen wird, und die besondere Beziehung zu Cristi pflegt, die alles andere als einfach ist. Wir gehen durch Höhen und Tiefen, und in unseren Herzen glüht das Dreieck.

Lila und Elenas Geschichte aus Ferrantes Epos unterscheidet sich von dieser hier, doch im Kern sind sie sich sehr ähnlich. Wie ist es, wenn man einen Menschen gefunden hat, mit dem man sich auf besondere Weise verbunden fühlt, und den man einfach nicht vergessen kann? Davon erzählt auch Giulia Baldelli. Ob es eine Eigenart der Italiener:innen ist, dieses lebensbedeutende Thema derart authentisch und eindringlich schriftstellerisch abzulichten? Ich weiß es nicht. Verraten Sie es mir gern bei Ihrem nächsten Besuch.

Das Schweigen meiner Freundin

von Giulia Baldelli

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Wald im Haus
Simone Finkenwirth

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Wow! Was für ein Buch! Keine leichte Lektüre, trotzdem absolut lesenswert! Obendrein erweist es sich als idealer Einstieg für das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse. Wobei mir einige Fans der tschechischen Autorin noch ein anderes Werk nahegelegt haben: 

"Hana".

Mit "Wald im Haus" sollte man nicht alleine sein. Daher bin ich so dankbar, dass ich dieses Werk in meinem Buchclub gelesen und mich austauschen konnte. Das Leben der Ich-Erzählerin ist borstig. Das Mädchen lebt zusammen mit der Mutter und dem Vater bei den Großeltern. 

Ihr Spitzname ist ziemlich abwertend: Trutschel. Das Mädchen erfährt wenig Liebe und Zuneigung. Wie hält sie das nur alles aus? Mit ihrer Freundin Monika. Das ist die imaginäre Freundin, der sich das Mädchen anvertraut. Nur bei ihr findet sie Halt.

Die Großmutter ist hartherzig, der Großvater entflieht dem Zorn seiner Frau, und die Mutter wendet sich dem Alkohol zu. Einzig der Vater erlaubt sich die Frage: "Wie könnt ihr nur so leben?" Er solle sich nicht einmischen, faucht die Großvater garstig zurück. Bald muss er ausziehen, als das Mädchen eine Lügengeschichte erzählt. Ja, überhaupt die Lügen bilden das Fundament ihres Daseins: "Ich wuchs mit Lügen vor meinen Augen auf, alle Erwachsenen um mich herum logen und verbargen die Wahrheit, um der Welt ihr ungeschminktes ihr ungeschminktes Gesicht nicht zu zeigen, und so lernte ich, dasselbe zu tun, ich gewöhnte mich an Lügen und betrachtete sie als normalen Teil des Lebens."

Diese Lügen rauben mir den Atem wie die Auflösung und der Wald, und was er mit unserer einsamen Heldin anstellt.

"Wald im Haus" rüttelt an den inneren Fenstern. Es zieht, die Haut kräuselt sich, das Herz, weiß nicht, wohin mit sich. Nur weg! schreit es, und doch entkommen wir dem Sog der düsteren Geschichte nicht. Viel mehr saugt sie uns trichterförmig ein - bis wir am Ende ziemlich zerzaust sind und ja... was eigentlich? Staunen und denken: "Bitte mehr von der Autorin!" Nichts Leichteres als das, ruft es aus dem unabhängigen Wieser Verlag. Im Herbst erscheint ein neues Buch. Bis dahin können wir noch die anderen Werke entdecken, und den Wieser Verlag erkunden!

Wald im Haus

von Alena Mornštajnová, Alena Morntajnová

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Frau im Mond
Frank Menden

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Die Zwillingsschwestern Lilit und Lina el Shami sind nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihrem Großvater in Montreal aufgewachsenen. Eine alte Postkarte von ihrer ihnen unbekannten Großmutter Anoush bringt sie auf die Spur ihrer Familie – und auf lang vergessene Geschehnisse in ihrer früheren Heimat: dem Libanon. 
Was hatte Anoush mit der ominösen „Lebanese Rocket Society“ zu tun? Was bedeutet die Widmung an ihren Großvater auf der Postkarte? Und was hat es mit der „Frau im Mond“ auf sich?
Lilit beschließt diesen Fragen im Libanon auf den Grund zu gehen. Während sie das Land neu erlebt und den Aufruhr der libanesischen Gesellschaft zu spüren bekommt, findet sie immer mehr Antworten – und stößt auf eine faszinierende Geschichte. Doch der 04. August 2020 ist nicht mehr fern….

Pierre Jarawan hat einen prallen, meisterhaft konstruierten Roman geschrieben, der auf faszinierende Art und Weise eine spannende Familiengeschichte mit den Themen Wissenschaft, Politik, Film und Kunst verbindet. Herausgekommen ist ein fulminanter Roman, der berührt, inspiriert und noch lange nach der letzten Seite nachhallt.
Ganz großes Kino!

Frau im Mond

von Pierre Jarawan

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