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So, in etwa, ist es geschehen
Frank Menden

Frank Menden

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Ein Mann und eine Frau fahren an einem heißen Tag im Mai von Berlin nach Timmendorfer Strand.
Am Ende des Tages wird der Mann tot sein. Ermordet von seiner Beifahrerin.

Die Frau, das ist die afrodeutsche Amita Haller. Sie möchte ihre Mutter zum Gedenktag des Untergangs der Cap Arcona treffen, welchen Amitas Großvater damals überlebte.
Der Mann ist ihr Chef Heinz Brockhaus, der ihr angeboten hat sie mitzunehmen.
Es ist unerträglich heiß, die Fahrt verläuft stockend, Brockhaus redet ohne Unterlass - bis Amita ihn mit einem Schal stranguliert.

„So in etwa ist es geschehen“ , ein mit 139 Seiten schmales Buch, ist ein äußerst vielschichtiger Roman, den man aufgrund seiner zahlreichen Verweise auf schwarze Kultur und die deutsche Erinnerungskultur mehrmals lesen sollte.
Das Feuilleton war sich uneins über diesen Roman und auch ich bin hin und hergerissen. Fakt ist, dass mich das Buch seit der Lektüre beschäftigt, ich viel nachgelesen habe, vieles recherchiert habe und mich mit dem Werk von u.a. Toni Morrison, Audre Lorde und Paul Celan zumindest ansatzweise vertrauter gemacht habe. AutorInnen, denen Sharon Dodua Otoo im Nachwort dankt und deren Einfluss im Text durchscheinen.
Der Roman hat ( nicht nur mich ) mit einigen Fragen zurückgelassen, denn das „Warum“ vieler Dinge wurde mir nicht ganz klar.
Er hat mir aber auch neue Perspektiven eröffnet, neue Denkräume geschaffen und mir ein noch lange nicht abgeschlossenes Leseerlebnis bescher

So, in etwa, ist es geschehen

von Sharon Dodua Otoo

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Weird Girls
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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+++ Unser Shop meldet vorbestellbar, aber wir haben das Buch vorrätig. +++

Wie im richtigen Leben ist auch die Literatur heute voll mit Themen übers Kinderkriegen, Muttersein, Gesundheit und Älterwerden. Aber Sex & Drugs & Rock & Roll? Oftmals Fehlanzeige. Dabei sind solche Geschichten spannend und faszinierend wie "Weird Girls" von Grainne O'Hare. Ich habe zuletzt jedenfalls kein Buch gelesen, in dem so viel getrunken und gekokst wurde. Und das von jungen Frauen! Oha!

Maggie, Harley und Roise sind die Hauptfiguren in diesem feurigen Buch, das von meiner geschätzten Anna-Nina Kroll übersetzt wurde. Sie ist die deutsche Stimme von Donal Ryan, ein irischer Lieblingsautor von mir. Und das hier ist irische Literatur, wie ich sie liebe! Dunkel, belebend, quirlig und ganz speziell einprägend.

Die Mädels sind Ende Zwanzig, Anfang Dreißig und bewohnen in Belfast ein Haus. Selbst nach dem Tod ihrer Freundin Lydia bleiben die Freundinnen dort. Sie sind wie Pech und Schwefel und äußerst feierwütig. Gleichwohl hat jede Narben auf ihrer Seele, die mal mehr, mal weniger pochen. Wie Roise, die noch an dem Ende ihrer Beziehung knabbert. Jetzt hat Roise Angst, sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Obendrein hat sie ein weiteres Problem. Meggie bandelt gerade mit der unnahbaren Cate an.
Während Harley in Therapiesitzungen mit der australischen Psychologin ihr Leben aufarbeitet, sich betrinkt, und von ihrem Vermieter aufsammeln lässt. Der gleichzeitig als Dealer fungiert.

Es wird nicht wenig konsumiert. Doch hinter der flirrenden wie partyfrohen Fassade schlummert noch mehr, was ich als aufmerksame Leserin schnell erkenne. Als helles Kontrastmittel arbeiten die Dialoge der Mädels, die mich oft auflachen lassen.

"Weird Girls" hat ordentlich Zunder zwischen den Seiten! Was für eine außergewöhnliche Lektüre über Freundschaft, Zusammenhalt und die große Suche nach dem richtigen Leben!

Weird Girls

von Gráinne O'Hare

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Die Liebeshungrigen
Frank Menden

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„Man glaubt immer, dass bei einem selbst alles anders ist, aber das täuscht. Man erlebt dieselben Rückschläge wie der Rest der Welt.“

Der ehemalige französische Präsident Dan Lehmann leidet unter dem Verlust seiner Macht, der zunehmenden Bedeutungslosigkeit seitdem er vor einem Jahr aus dem Élysée Palast ausziehen musste. Der Alkohol ist sein bester Freund, mit dem er auch das Scheitern seiner zweiten Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda Müller „verarbeitet“.
Hilda wiederum hat nach einer längeren Durststrecke, in der sie nur als First Lady fungierte, endlich wieder eine vielversprechende Rolle ergattert, pikanterweise in der Verfilmung eines Romans der ersten Frau ihres Noch - Ehemanns.
Regisseur dieses mit Spannung erwarteten Films ist das ehemalige Wunderkind des französischen Kinos, Romain Nizan, der den Erfolg ebenso dringend benötigt wie Hilda - und dem das Projekt von seiner On/Off Geliebten empfohlen wurde, die es ebenfalls auf die Hauptrolle abgesehen hatte…

Dies ist die Ausgangslage in Karine Tuils neuen grandiosen und absolut mitreißenden Roman „Die Liebeshungrigen“ , übersetzt von Maja Ueberle-Pfaff und Alexandra Baisch.
Es geht um Macht in all ihren Facetten, um die Gnadenlosigkeit der Medien, um die Liebe in all ihren Spielarten - und um uns Menschen, die versuchen, den entscheidenden Moment des verheißungsvollen Glücks zu ergattern und nicht in Vergessenheit zu geraten.
Ein Roman, den ich tatsächlich ALLEN LESENDEN nur dringendst empfehlen kann, denn er ist einfach !!!!!!

Die Liebeshungrigen

von Karine Tuil

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Unter Wasser
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Das Wasser trägt mich mitten hinein in diese traurig-schöne Geschichte, die auch Claire Messud begeistert hat: "Ein ebenso fesselndes wie herzzreißendes Werk."

Tara Menon verbindet zwei Zeitebenen. Zum einen bin ich in der Gegenwart der Erzählerin, im Oktober 2012 in New York. Hier hat sich der Hurrikan Sandy angekündigt. Die Metropole ist in Aufruhr, nur Marissa bleibt seltsam ruhig. Die Ich-Erzählerin arbeitet für ein Reisemagazin für Superreiche. Sie nutzt Adjektive, die sie auf einem Kaffeebecher notiert hat. Die Chilifrüchte sind in ihrem Leben treue Begleiterinnen. Warum erfahre ich erst später.

Zum anderen begegne ich der ganz jungen Marissa und ihrer besten Freundin Arielle im Jahr 2004. Nach dem Tod ihrer Mutter ist Marissas Vater mit seiner Tochter nach Thailand ausgewandert. Der Vater ist Meeresbiologe und forscht auf einer kleinen Insel zu Mantarochen. Die beiden Mädchen schwimmen und tauchen viel, halten sich fest. Das Wasser schwappt aus dem Buch in meine Augen, und ich zoome mich an diesen faszinierenden Ort. Ich selbst bin leidenschaftliche Schwimmerin, wohl deshalb catcht mich die Autorin. Doch auch die Freundschaft der beiden Mädchen berührt mich bis ins Herzzentrum.

Die Freundschaft wird von der Naturgewalt entzweit. Aber alle, die einen geliebten Menschen verloren haben, wissen: Es bleibt viel Tröstliches zurück. Selbst im Jahr 2012 ist Arielle bei Marissa: "Ob ich etwas esse, trinke, spazieren gehe oder fernsehe, sie ist immer bei mir. Jetzt hüpft sie an Fremden vorbei durch eine Straße, auf die sie nie ein Fuß gesetzt hat."

Tara Menon hat ein unglaublich schönes berührendes und gleichwohl wissenserweiternde Buch geschrieben. Wussten Sie, dass Rotwangen-Schmuckschildkröten anderen das Futter wegfressen und tödliche Krankheiten übertragen? Und dies: "Zwischen 1989 und 1997 wurden 52 Millionen dieser Schildkröten als Haustiere aus den Vereinigten Staaten ins Ausland exportiert."

Immer noch schwimme ich mit Marissa und Arielle - wir haben dabei Chilischoten zwischen den Zähnen und grinsen dem Schicksal entgegen. Dass es ein mieser Verräter ist, wissen wir natürlich. Was Sie noch nicht wissen, ist die Tiefe und Besonderheit des Buches, das über Narben, die wunderschöne Natur, das Meer und bedingungslose Liebe über den Tod hinaus absolut mitreißend wie feinfühlig erzählt. Ein must-read für alle Tiefseetaucher:innen und Thailand-New-York-Urlauber:innen, die sich wie ich gern von melancholische Klängen bezirzen lassen.

Unter Wasser

von Tara Menon

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Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart
Frank Menden

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Südschleswig. Hier steht das Elternhaus der Erzählerin, hierher kehrt sie zurück weil ihre Mutter im Sterben liegt. Die evangelische Gemeindepastorin hat Krebs im Endstadium. Die Frau, die für alle Mitglieder ihrer Gemeinde ein offenes Ohr hat, mitfühlend, geduldig, fürsorglich.
Und die ihrer Familie, dem dänischen Musiker Ehemann, den drei Kindern, eher kühl und kontrollierend begegnete - so zumindest die Erinnerung der Erzählerin.
Doch ist jetzt im Anblick der letzten Tage der Zeitpunkt für eine Aufarbeitung gekommen? Was kann man der sterbenden Mutter an Wut und Enttäuschung entgegenbringen? Wie geht man um mit dieser sich ständig wechselnden Mischung aus Trauer und Schuldgefühlen, mit dem Gefühl, das ganze Leben nicht wirklich gesehen worden zu sein? Und darf man trotzdem noch unbändig lachen, tanzen, das Leben genießen? Oder muss man es gerade deswegen ?

„Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart“ von Marie-Louise Moller hat einen Ton, der mich von den ersten Sätzen an für das Buch eingenommen hat - trotz des bedrückenden Themas. Der Autorin gelingt das Kunststück gleichzeitig ernst und humorvoll zu sein, erzählt nüchtern und doch poetisch, sieht genau hin, und zeigt uns, dass das Leben keine eindeutigen Antworten liefert, das man es annehmen, aushalten und doch auch gestalten kann.
Ein Debütroman, der mich unglaublich berührt hat durch seine Klarheit - und durch seinen eigenen Ton auch immer wieder zum schmunzeln brachte. Hier liegt alles nebeneinander, wie im Leben selbst.

Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart

von Marie-Louise Monrad Møller

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Wassermann
Simone Finkenwirth

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Es hätte eine gewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte werden können, aber Wassermann ist viel mehr als das: Eine stille Explosion. Und eine Heldenreise der besonderen Art für alle Lesenden verschiedenen Alters.

Ich folge dem Ich-Erzähler und bin sofort umhüllt von einem melancholischen Schleier. Luk braucht Abstand zu seinem aktuellen Leben in Hamburg. Vor allem die kranke Mutter beschäftigt ihn sehr. So beginnt er nur schweren Herzens sein Auslandssemester in Barcelona, und lässt seinen geliebten besten Freund Kurt ebenso zurück.

Bei der Willkommensveranstaltung trifft er auf die Auswirkungen des katalanischen Konflikts. So würde man in diesem Jahr keine Prüfungsleistungen erwarten aus Solidarität mit den Inhaftierten. Die Unabhängigkeitskämpfe bleiben die ganze Zeit präsent. Auch als Luk seine WG Mitbewohnerin Olive kennenlernt und mit ihr eine Beziehung eingeht. Olive kommt aus Großbritannien und wird den Konflikt digital festhalten, gerät dabei selbst ins Fegefeuer der Justiz.

Statt im heißen Kessel der Unruhen zu bleiben, haut Luk dann doch ab. Mit Kurt zusammen nach Portugal zum Surfen. Der macht es sich aber ganz schön leicht, möchte man meinen, aber hinter Luks Flucht steckt noch mehr... geht tiefer. Eine innere Zerissenheit steht neben einer Unsicherheit, die sich zu einer Sprachlosigkeit setzt, bis sie alle von der Fürsorge gerettet werden.

Der ruhige Erzählstrom taucht mitunter in philosophische Töne, die mich umspülen wie das allseits anwesende Wasser und Bücher, die dem Helden als Rettungsanker dienen. So ist Wassermann eine Roadnovel deren Buchabdruck lange in meinem Herzen zu spüren sein wird. Man darf von dem Debütanten noch Großes erwarten! Ich verneige mich vor dem Autor und seinem Entdecker: Bodo Föhr!

Wassermann

von Lukas Hoffmann

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Mit dem Sturm um die Wette rennen
Simone Finkenwirth

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Wenn Sie das nächste Mal ans Meer fahren, sollten Sie unbedingt dieses fantastische Buch mitnehmen! Oder als Lektüre für danach, um all die Gefühle aufzuwecken, die man dort an einem stürmischen Tag alle erlebt.

Ich folge einem Geschwisterpaar, das sich an einem verregneten und stürmischen Tag am Meer auf den Weg macht. Wohin eigentlich? Irgendwohin. Zum Meer natürlich! Dieser Spaziergang hat es wahrlich in sich. Es gibt so viel zu sehen und zu beobachten. Die stürmische Gischt! Der blinkende Leuchtturm passt auf alles auf. Während sich die Welt auf der Insel zurückgezogen hat, die Straßen gespenstisch leergefegt sind, und selbst die Eisdiele geschlossen hat, laufen die beiden weiter bis es donnert und finster wird. Nun ist es doch an der Zeit, nach Hause zurückzukehren...

Dunkel sind die Bilder, aber nicht unheimlich. Sie fangen die Stimmung eines solchen unruhigen Tages am Meer perfekt ein. Doch am Ende geht die Sonne auf. Denn wir wissen ja alle: Nach dem Unwetter, Regenschauer, Sturm, folgt Helligkeit und Ruhe.

Ab 4 Jahren.

Mit dem Sturm um die Wette rennen

von Brian Floca

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Frühstücken
Simone Finkenwirth

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Selten hat Frühstück so viel Spaß gemacht wie mit diesem Bilderbuch, das die Jury beim Deutschlandfunk ebenso begeistert hat - deshalb zählt es zu den 7 schönsten Kinderbüchern im Mai. Voller Poesie und mit einem wirklich besonders feinen Pinselstrich hat Raquel Catalina die Gedichte von Alicia Bululü untermalt.

Schon der Anfang verfängt sich in meinen verschlafenen Augen:

"Ich frühstücke Geschwindigkeit / während ich träume / dass mein Glas Milch / auf mich wartet / in Ruhe, bis zum Mittagessen.

Es geht hektisch zu am Morgen, das kennen wir wohl alle. Auch wenn die Kleinen nicht aus dem Bett wollen "Verklebte Wimpern beim Sonnenaufgang / Noch fünf Minuten... / Wecker sei still!

Da kann man vor Wut auch mal den frischen Saft und das Hörnchen vergessen.

Das ist für mich eins der schönsten Bilderbücher, das ich je erlebt habe. Nicht nur, weil ich eine Poetin bin und mich in den Texten gut aufgehoben fühle. Die Autorin und Illustratorin öffnen vor uns ein facettenreiches Universum - das die Jahreszeiten miteinbindet und viele Gefühle von Violetta. Ich nasche vom Himbeerrot, tanze durch eine musikalische Szene, bis ich auf der nächsten Seite in der Stille versinke.

Ab 4 Jahren!

Frühstücken

von Alicia Bululú

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Die gelben Gummistiefel
Simone Finkenwirth

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Kürzlich habe ich mir beim Deutschlandfunk ausgezeichnete Bücher vom Juror Benno Hennig von Lange vorstellen lassen. Dieses hier ist eins davon! Und so eine Freude!

Isabel Pin zeigt uns, wie viele Geschichten in Regenstiefeln stecken können. Die Mama der Ich-Erzählerin überreicht sie ihrer Tochter und fügt hinzu: "Sie haben viel erlebt. Traurige Momente, aber auch gute Zeiten. Alles, was Leben so mit sich bringt."

So folgen wir den Gummistiefeln und den vorherigen Trägerinnen und Trägern. Entdeckt wurden die gelben Stiefel von Anna, die große Schwester der Erzählerin. Anna hat die Schuhe so sehr geliebt, dass sie die sogar am ersten Schultag tragen wollte. Und es wurde so, wie sie es sich erhofft hatte. Anna hatte mit ihren Stiefeln einen tollen ersten Tag und konnte neue Freundinnen gewinnen. Als Anna aus den Stiefeln herausgewachsen ist, erbt sie ihre Cousine Josie, die mit ihnen sogar ins Bett gegangen ist.

Was müssen das für wundersame Stiefel sein! Die will ich auch haben! Das ist mal eine tolle Geschichte über Nachhaltigkeit und darüber, wie wir alle verbunden sind. Nachmachen unbedingt erwünscht! Lassen Sie mich bitte unbedingt ihre Gummistiefel-Geschichten wissen!

Ab 4 Jahren.

Die gelben Gummistiefel

von Isabel Pin

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Mit beiden Händen den Himmel stützen
Simone Finkenwirth

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Wie lesen wir? Und warum lesen wir, was wir lesen? Zu diesen Gedanken hat mich u.a. dieses beeindruckende Debüt geführt. Denn Lilli Tollkien erzählt keine wohltemperierte Geschichte. Dennoch ist sie erstaunlich und brennt sich uns Lesenden ins Mark. Frank Menden nickt mir begeistert zu. Und ich blicke bejahend in Mareike Fallwickls Richtung, die über das Buch sagt: "Lilli Tollkien schreibt mit einer Wucht, die man kaum erträgt- und gerade deshalb lesen muss." Ja, bitte unbedingt lesen, egal, wie hart sich die Story anhört.

Lales Kindheit ist schon sehr speziell und alles andere als einfach. Sie wächst in den 80er Jahren in einer Männer-WG in Berlin auf. Lales Mutter ist drogenabhängig, landet immer wieder im Gefängnis. Doch Karlheinz, ein Freund von Lales Vater, bezirzst die Heimleiterin, in dem das zweijährige Mädchen zunächst untergekommen ist. Zusammen mit seiner Freundin Marianne holen sie Lale aus der staatlichen Obhut. Denn Lales Vater sitzt währenddessen auch im Gefängnis, stößt später in die WG dazu.

Und dann wird alles gut? Nein! Die Welt, in der Lale groß wird, ist nichts für kleine Mädchen: Es wird getrunken, geraucht und Drogen konsumiert. Jedes Mal, wenn sich der offizielle Kontrollbesuch des Jugendamts ankündigt, werden sämtliche Spuren der Vernachlässigung und des Konsums beseitigt. Was macht das mit einem kleinen Menschen? Viel! Vor allem Wut staut sich in Lale an, die sie später an ihren Zähnen auslässt. An einer Stelle heißt es: "Wo eben ein sicherer Hafen war, ein Erwachsener, dem ich vertraute, konnte plötzlich ein glitschiger Steg sein. Die Wellen im Wohnzimmer waren Karlheinz' Launen unterworfen und den Wirkungen unterschiedlicher Drogen, unwägbar die Zeichen an der Wasserobefläche, die ich ununterbrochen zu deuten versuchte."

Es sind die Kraft des Mädchens wie die starke Erzählstimme der Autorin, die uns alle mitziehen und in den Himmel der Begeisterung heben! Wir brauchen diese Art von Literatur, die uns mit allen Sinnen erfasst und am Ende sprachlos, aber mit einem Lächeln zurücklässt.

Mit beiden Händen den Himmel stützen

von Lilli Tollkien

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Nicht
Frank Menden

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„Aber dann stellt sich heraus, der Sack mit Gottesgeschenken, der deinen Namen trägt, ist doch noch nicht vollkommen leer. Noch nicht.“

Für den Übersetzer Eli, einem Mann in den 50er, scheint eine tiefergehende Beziehung zu einer Frau nicht mehr möglich zu sein.
Nach dem Tod seiner Frau hatte er zwar flüchtige Begegnungen, Affären, aber nie ergab sich etwas von längerer Dauer.
Aber, so beschwichtigt er sich selbst, vielleicht ist es auch gut so. Seine beiden Kinder sind beruflich erfolgreich und brauchen keinerlei finanzielle Zuwendungen, seine Arbeit macht ihm Freude.
Doch dann lernt er bei gemeinsamen Freunden Lia kennen, eine Cellistin. Und plötzlich scheint es doch möglich zu sein: eine neue Liebe, ein gemeinsames Leben.
Aber eine kleine Unachtsamkeit entwickelt sich zu einer nicht mehr kontrollierbaren Situation, die alles zum einstürzen bringen kann…

„Nicht“ , übersetzt von Markus Lemke, ist ein mit 187 großzügig gesetzten Seiten schmaler Roman, der es allerdings in sich hat. Je mehr man der Geschichte folgt, je mehr sich Eli in sein eigenes Lügengespinst verstrickt, umso vielschichtiger wird der Roman, der am Ende noch einmal eine Kapriole schlägt.
Eine wahrlich kurzweilige, mitreißende und spannende Lektüre, die wieder einmal zeigt, dass dem Leben die eigenen Pläne herzlich egal sind - oder?

Nicht

von Dror Mishani

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Yesteryear
Frank Menden

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„Manchmal wurde mir fast schlecht, wenn ich darüber nachdachte, wie perfekt mein Leben war und wie gut mir alles gelang.“

Natalie Heller Mills. Die Frau, die alles hat. Eine renovierte Farm, malerisch gelegen. Einen attraktiven Ehemann aus einer guten amerikanischen Familie inclusive eines politisch ambitionierten Schwiegervaters auf dem Weg zur Präsidentschaftskandidatur. Und fünf entzückende und sehr photogene Kinder.
Logisch, dass Natalie ein Social Media Star mit mehreren Millionen Followern ist.
Und ebenso logisch, dass dies viele Neider mit sich bringt.
Aber die verstehen eben nicht, wie wunderbar es ist, ein traditionelles Leben zu leben und sich ganz an christlichen Werten zu orientieren.
Eine Tradwife zu sein ist keine Arbeit, es ist eine Bestimmung. Oder ?

„Yesteryear“ übersetzt von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn, ist ein absoluter Pageturner, der sich äußerst gelungen zwischen Gesellschaftssatire und Spannungsroman bewegt. Denn natürlich ist auch in Natalies leben nicht alles Gold was glänzt, sind die Kamerawinkel exakt geplant und die HelferInnen im Hintergrund bleiben weitestgehend unsichtbar.
Was aber wenn aus der Inszenierung Realität wird? Ist das Leben dann immer noch so wunderbar?

Bewusst habe ich möglichst wenig über diesen Roman verraten, DEN Plotpoint nur vage angerissen. Je weniger man weiß, umso spannender ist dieses Buch.
Ich habe es in kürzester Zeit gelesen, viel geschmunzelt - und mich mehr in das Tradwife Phänomen vertieft.
Über die Auflösung wird sicherlich kontrovers diskutiert werden. Für mich war sie im Gesamtkonzept des Romans sehr schlüssig.
Also: lesen, weiterempfehlen, diskutieren.

Yesteryear

von Caro Claire Burke

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Noch fünf Tage
Frank Menden

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Davos, Silvesterabend.
Die Spitzenköchin Lis Castrop bereitet dem Millionär John Harmans, seiner Frau Reeta und den beiden Kindern ein Festmahl zu. Kurze Zeit später sind alle tot: vergiftet. Auch die Köchin hat es erwischt, dank einer schwächeren Dosis des Giftes verbleiben ihr aber noch fünf Tage. Kostbare Zeit, in der sie nicht nur vom Krankenhaus aus die Zukunft ihrer 12jährigen Tochter Cosima regeln muss. Lis muss gleichzeitig die Kriminalpolizei von Ihrer Unschuld überzeugen - und dabei ihren eigenen Mörder suchen…

„Noch fünf Tage“ von Helena Falke ist ein absolut ungewöhnlicher Thriller - und das nicht nur wegen seiner Prämisse. Wie ein Countdown läuft die Handlung ab, mit jeder Seite verliert auch die Protagonistin immer mehr Lebenszeit - und muss doch mit allerletzten Kräften herausfinden, wer das eigentliche Opfer sein sollte, und wer „nur“ ein Kollateralschaden war.
Wer Lust auf einen etwas anderen Thriller hat, der sollte sich dieser konsequent erzählten und immens spannenden ergeben, denn man kann dieses Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen!

Noch fünf Tage

von Helena Falke

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Brandung
Frank Menden

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„Wir möchten Sie im Rahmen einer Angelegenheit sprechen, die Sie betrifft.“

Der Anruf vom Kommissariat in Le Havre erwischt die Erzählerin, eine in Paris lebende Synchronsprecherin, verheiratet und Mutter, als sie gerade nach Hause kommt.
Die Leiche eines nicht identifizierbaren Mannes war gefunden worden, in seiner Tasche ein Kinoticket mit der Nummer der Ich-Erzählerin. Diese macht sich sofort auf den Weg in ihre Heimatstadt, verfolgt von Erinnerungen an die Vergangenheit. An ihre und an die der Stadt - und an einen Mann, ihren Jugendfreund, die erste große Liebe.
Könnte er der Tote sein?

„Brandung“ von Maylis de Kerangal , übersetzt von Andrea Spingler, beginnt wie ein klassischer Kriminalroman - und ist doch etwas völlig anderes.
Denn die Reise nach Le Havre stößt eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Protagonistin an, die sich mehr und mehr als unzuverlässige Erzählerin entpuppt und die uns an ihren Assoziationen über Geschichte, die Bedrohung ihres Berufes durch Künstliche Intelligenz und vielem mehr teilhaben lässt. Dabei gerät der Tote manchmal aus dem Fokus, bleibt aber unterschwellig stets präsent.
Man sollte sich einlassen auf diesen vielschichtigen und anspielungsreichen Roman, der zeigt, wie sehr die Brandung der Erinnerung uns auch Jahrzehnte nach bestimmten Ereignissen und Erfahrungen immer noch einholen kann.
Ein faszinierender Text, der Resonanzräume öffnet.

„Die Vergangenheit war keine fossile Materie, sie entwickelte sich in der Zeit, geschmeidig, plastisch, sie entwickelte sich endlos, sie lud sich auf im Lauf des Lebens, die Vergangenheit blieb lebendig.“

Brandung

von Maylis de Kerangal

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Hammerfrau
Frank Menden

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„Nein, ich war nicht leichtsinnig, sicher nicht. Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich bin es leid, mir diese Frage zu stellen. Oder sie gestellt zu bekommen. Aber es war genau diese Frage, die mir viele gestellt haben, ohne sie auszusprechen. Ich habe sie in ihren Blicken gesehen.“

Julia steht kurz vor ihrem Durchbruch als Sopranistin als ein kleiner Gang durch den Park alles verändert. Hier wird sie von einem ihr unbekannten Mann, dem Plattenverkäufer Thomas, mit einem Hammer attackiert, die Folgen werden sie den Rest ihres Lebens begleiten.

Opfer wie Täter berichten abwechselnd wie es zu dieser Tat kam, wie ihr Leben davor verlief, wie danach.

„Hammerfrau“ von Mario Kreszner ist ein aufrüttelnder Roman. Ein Roman, der genau hinsieht, der beide Perspektiven nicht kommentiert und dessen Sympathien doch klar verteilt sind.
Es ist eine Geschichte, wie sie beinah täglich passiert und die uns alle zwingt genauer hinzusehen.
Und uns vor Augen führt, mit welchem Blick Männer Frauen betrachten.
Absolute Leseempfehlung!

Hammerfrau

von Mario Keszner

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Das Haus der Türen
Frank Menden

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1921 besucht der berühmte Schriftsteller William Somerset Maugham einen alten Freund aus London in Penang. Hier in Malaysia lebt der Anwalt Robert Hamlyn zusammen mit seiner Frau Lesley und freut sich, seinen einstigen Mitbewohner, der von seinem Sekretär - und dies ist schnell klar - und Liebhaber begleitet wird, wiederzusehen.
Der Besuch wird für den von seiner Asienreise erschöpften Schriftsteller allerdings weniger erholsam als gedacht.
Schnell erkennt er, dass es mit der Ehe seiner Gastgeber nicht zum besten steht und je mehr er und Lesley sich annähern, umso mehr erfährt er die Hintergründe dieser langsamen Entfremdung.
Da ist neben Roberts Krankheit, ein durch einen Giftgasangriff im Ersten Weltkrieg verursachtes Lungenleiden, auch Lesleys Zusammenarbeit mit einem bekannten chinesischen Revolutionär.
Und da ist ja auch noch der zehn Jahre zurückliegende Skandal um Lesleys Freundin Ethel, die in einem spektakulären Prozess des Mordes beschuldigt wurde….

Als großer Fan der Werke W. Somerset Maughams ( man sollte unbedingt „Der Menschen Hörigkeit lesen ) war der für den Booker Prize nominierte Roman „Das Haus der Türen“ natürlich ein Muss.
Tan Twan Eng hat einen atmosphärischen Roman über Menschen geschrieben, die Gefangene der Konventionen ihrer Zeit sind. Gleichberechtigung der Frau, Homosexualität und politischer Freiheitskampf sind ebenso seine Themen wie die Manipulation von Menschen durch einen Autoren, der alles ihm anvertraute für sein Werk nutzt.
Somerset Maughams vorherrschendes Thema seiner Romane waren die menschlichen Schwächen, die zum scheitern von Beziehungen führen: Selbstsucht, Stolz, Heuchelei, Feigheit und Angst.
Tan Twang Eng greift dies in seinem hervorragend von Michaela Grabinger übersetzten Roman auf und zeigt uns zudem in einem genialen Twist, wie Literatur ihre Magie entfaltet.
Ein sehr zu empfehlender Roman, nach dessen Lektüre man unbedingt Maughams „The Letter“ lesen sollte.

Das Haus der Türen

von Tan Twan Eng

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Hier draußen
Frank Menden

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„Was hier üblich war und schon immer so, das hatte so zu passieren, und wer das nicht abkonnte, gehörte eben nicht dazu.“

Fehrdorf in Schleswig-Holstein. Hier hat alles und jede(r) seinen angestammten Platz. Nur Ingo und Lara fremdeln noch ein wenig mit dem kleinen Dorf. Der Umzug von Hamburg hierher auf den schönen großen Resthof sollte ihnen und ihren Kindern die Möglichkeit für einen Neuanfang geben. Doch zwischen den Vorzeigelandfrauen, den wortkargen Bauern und den beiden letzten Bewohnern einer einstigen Öko-WG ist es schwer einen Platz zu finden, sich einzuordnen in die tradierte Choreografie des Ortes.
Als Ingo eines Abends einen Wildunfall mit einer weißen Hirschkuh hat und sich Dorfjäger Uwe weigert, dem schwer verwundeten Tier alleine den Gnadenschuss zu geben, da denjenigen, der eine weiße Hirschkuh tötet, innerhalb eines Jahres der Tod ereilt, setzt dies eine Kette von Ereignissen in Gang , die unweigerlich zu Veränderungen führt. Und da ist ja auch noch die Prophezeiung….

Es gibt nur eines, was ich nach der Lektüre von „Hier draussen“ bedaure: dass ich diesen wunderbaren Roman nicht früher gelesen habe.

Martina Behm hat einen Dorfroman geschrieben, der nichts beschönigt, der mit Klischees gleichzeitig aufräumt und sie bestätigt, mit viel Empathie und leisem Humor ihr Sujet betrachtet und das fiktive Fehrdorf mit seinen Bewohnern so lebendig werden lässt, dass man es mit allen Sinnen erfasst.
Der vielschichtige Roman bietet eine multiperspektivische Sicht auf vermeintliche und reale Dorfromantik, auf Beziehungen und Traditionen. Nie gerät der Roman in den Ruch eine thesenhafte Versuchsanordnung zu sein, dafür kennt die Autorin ihr Setting und Personal zu gut.
„Hier draussen“ ist ein Roman über das Land, das Leben - und das Landleben. Mit allen Höhen und Tiefen, allen Facetten und Schattierungen, ohne Kitsch, völlig unsentimental, lebensklug und unbedingt lesenswert!
Wie Max Moor korrekt auf dem Umschlag zitiert wird : „Ein richtig gutes Buch“

Hier draußen

von Martina Behm

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Unter Grund
Frank Menden

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Eine junge Frau kehrt zurück in ihr Heimatdorf und stellt sich dort ihrer Vergangenheit - ihrer rechten Vergangenheit.
Die junge Frau ist Franziska, eine Referendarin, das Dorf liegt in der fränkischen Provinz .
Hier ist sie aufgewachsen, der Vater früh verstorben, die Mutter nach dessen Tod überfordert und sich der Esoterik zuwendend, die Großmutter barsch und verschlossen.
Aus einer zufälligen Begegnung erwächst eine Freundschaft, die Franziska mehr und mehr in rechtsradikale Kreise führt…

„Unter Grund“ erzählt authentisch vom allmählichen abdriften in die Rechte Szene, von rechtem Gedankengut, das unterschwellig im Dorf schwelt und dessen Ursprung in der Vergangenheit liegt, die alle am liebsten vergessen wollen.
Verdrängen und Schweigen, Wegschauen und -hören wenn es unangenehm wird, das scheint die Devise zu sein. Bis Franziska, die sich mittlerweile von ihrer Vergangenheit distanziert hat (sich aber trotzdem nicht traut mit ihrem neuen Umfeld darüber zu reden) wieder auftaucht und alte Wunden aufbrechen.

Für mich ist dieses Debüt ein überzeugender Blick auf ein großes gesellschaftliches Problem unserer Zeit, genau beobachtet, in einem eigenen unverwechselbaren Ton geschrieben und ohne erhobenen Zeigefinger.
Ein Roman, der gelesen werden sollte !

Unter Grund

von Annegret Liepold

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Am Himmel die Flüsse
Simone Finkenwirth

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Dieses Buch stellt mich vor eine große Herausforderung: In wenigen Zeilen den Inhalt wiederzugeben. Denn Elif Shafaks Roman ist derart weitreichend und voll an Geschichten.

Zunächst trifft mich das Wasser:

"Am Rand der Gewitterwolke hängt ein einzelner Regentropfen - kaum so groß wie eine Bohne und leichter als eine Kichererbse. Eine Weile zittert es bedenklich, das kleine, runde verschreckte Ding, denn es macht Angst, die Erde zu betrachten, die sich dort unten wie eine Lotusblüte öffnet. Dabei ist es wahrlich nicht das erste Mal. Der Tropfen hat die Reise schon oft gemacht - hinauf zum Himmel, hinunter zu festen Boden und wieder hinauf. Doch er fürchtet den Fall immer wieder."

Und dann fällt die erste starke Figur ins Augenlicht: Arthur, König der Abwasserkanäle und Elendsquartiere, kommt 1840 in ärmlichen Bedingungen in London zur Welt. Er ist arm, dafür reich gesegnet mit Talenten. Genau das wird ihm in der Schule zum Verhängnis. Doch später rettet Arthur genau dies, als er zunächst als Hilfsjunge beim Verlag Bradbury & Evans beginnt. Dort sogar auf Charles Dickens trifft. Seine Neugier führt ihn ins British Museum. Hier verliebt er sich in die Lamassus (assyrische Schutzdämone) und entwickelt für die Tafeln von Ninive geradezu eine Passion.

Dem gegenüber steht Narin im Jahr 2014. Ein neunjähriges Mädchen, das an einer seltenen Krankheit leidet. Narins Familie gehört zu den Eziden. Ihre Großmutter kann Wasserquellen aufspüren, und Menschen heilen. Als sie zu Narins Taufe in den Irak reisen, wird dies ein schrecklicher Wendepunkt im Leben der Familie.

2018 stehe ich an der Seite von Zaleekhah, eine Wasser-Expertin und Wissenschaftlerin, die sich kürzlich von ihrem Mann getrennt hat. Die junge Frau hat seit dem Tod ihrer Eltern eine stete Traurigkeit in sich. Als sie in ein Hausboot zieht und deren Vermieterin kennenlernt, wird das Zaleekhahs Leben verändern.

Wie nun alle Figuren miteinander verbunden sind, das überlasse ich der herausragenden Autorin selbst.

Elif Shafak hat ein unglaubliches Buch geschrieben! Sorgfältig recherchiert, flechtet sie gekonnt menschliche Linien mit ihren Schicksalen ein. Zudem erzählt sie die hochspannende Kulturgeschichte Mesopotamiens und erschüttert uns mit den barbarischen Kriegshandlungen des IS. Schreckliche Szenen, die mich lange beschäftigt haben.

Eine große Fabulierlust durchströmt das Werk. Ich denke an beeindruckende lebenskluge Sätze genauso wie an ihre eleganten Verbindungen vom Punkt zum nächsten Satz. Für mich ist dies eins der großen Werke der Autorin - wenn überhaupt das beste - das es übrigens auch kongenial von Pegah Ferydoni eingesprochen als Hörbuchfassung bei Argon gibt.

Am Himmel die Flüsse

von Elif Shafak

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Drei Tage im Juni
Frank Menden

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Anne Tyler ist immer eine sichere Bank .
Ihr neuer Roman „Drei Tage im Juni“ , übersetzt von Michaela Grabinger, zeigt erneut ihre Meisterschaft.

Die titelgebenden drei Tage im Juni sind die Tage vor und nach der Hochzeit der gemeinsamen Tochter von Gail und Max, sowie der feierliche Tag selbst .
Gail und Max sind schon lange geschieden, haben einen guten Umgang miteinander gefunden.
So ist es für Gail auch völlig okay, Max bei sich über die Hochzeit unterzubringen.
Nicht ganz so okay ist die Ansage ihrer Chefin ihr den Job als stellvertretende Schuldirektorin wegen mangelnder Sozialkompetenz zu kündigen .
Und erst recht nicht okay ist die Tatsache, dass ihre Tochter Debbie am Tag vor der Hochzeit völlig fertig ist, da sie gerade erfahren hat , dass ihr zukünftiger Mann sie wohl vor gar nicht langer Zeit betrogen hat .
Nicht die besten Voraussetzungen für eine strahlende Hochzeit, zu der auch ein recht missglückter Friseurbesuch nicht gerade optimistisch einstimmt …

208 Seiten hat dieser Roman, und jede Seite ist ein Genuss . Anne Tyler hat mit der 61jährigen Gail eine Protagonistin geschaffen, die einem gerade wegen ihrer oftmals etwas brüsken Art sehr schnell ans Herz wächst und die uns mit all ihren Fehlern und Vorzügen wünschen lässt, dass sich alles in ihrem Leben zurechtrücken wird.
Mich hat dieser mit genauem Blick und voller Empathie erzählte Roman für ein paar Stunden völlig in den Bann gezogen und mich wieder darin bestärkt, dass Anne Tyler eine der großen amerikanischen AutorInnen ist.

Drei Tage im Juni

von Anne Tyler

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Bevor wir uns vergessen
Frank Menden

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„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“
Sören Kierkegaard

Alice und Jules, beide 85 Jahre alt, treffen sich auf einer Bank im Jardin du Luxembourg in Paris .
Hier begann vor sechzig Jahren ihre gemeinsame Geschichte, ihre Liebe, die so groß war und ist, dass sie alle Stürme des Lebens überdauert hat. Doch wie ist ihnen dieses Kunststück gelungen? Und wie schauen sie auf die gemeinsame Zeit zurück, jetzt, da die Erinnerungen schwinden….

„Bevor wir uns vergessen“ ist der neue Roman von Eliette Abecassis, übersetzt von Kirsten Gleinig .
Und wie auch schon „Mit uns wäre es anders gewesen“ ( jetzt übrigens zeitgleich als Taschenbuch erschienen) hat mich auch dieser Roman fasziniert und überzeugt.
Die Autorin erzählt die Geschichte von Alice und Jules rückwärts, kommt dem Ursprung ihrer Geschichte in Schlaglichtern näher und enthüllt uns so das Leben zweier Menschen, die manchmal nur schwer miteinander leben können. Und bei denen doch klar ist, dass sie ohne einander nicht sein können - so wie es die beiden nach ihrer ersten Begegnung wissen.

Man kann diese Erzählweise für einen „Gimmick“ halten, mich hat der Roman gerade deswegen so beeindruckt. Zu erfahren, wo Verhaltensweisen ihren Ursprung haben, wann die gemeinsamen Rituale begannen ( und warum ) und was es mit den wiederkehrenden Redewendungen auf sich hat … Für mich war dieses langsame entblättern ein Genuss.
Und der Brief, der am Anfang der Geschichte von Alice und Jules stand und den wir am Ende der 176 Seiten lesen - so einen Brief würden wir alle wohl gern einmal erhalten….

Bevor wir uns vergessen

von Éliette Abécassis

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Scheidung
Frank Menden

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30 Jahre verheiratet, zwei Töchter , eine schöne Wohnung mit brandneuer schicker Küche - und plötzlich ist alles aus.
Nach einem Streit kehrt Niklas nicht in die Wohnung zurück . Auch am nächsten Tag: keine Nachricht.
Bea weiß sich nicht zu helfen. Ist Niklas vielleicht etwas zugestoßen, warum meldet er sich nicht?
Als er es dann doch macht, stellt er seine Frau vor vollendete Tatsachen: er will dieses Leben nicht mehr, er will die Scheidung.
Für Bea bricht eine Welt zusammen. Was ist in ihren Mann gefahren? Ist all Ihre Vergangenheit, ihre Töchter, das gemeinsame Zuhause, ist das alles nichts mehr wert?

„Scheidung“ von Moa Herngren , übersetzt von Katharina Martl, erzählt realistisch und psychologisch genau die Geschichte einer Trennung - und zwar aus beider Perspektiven.
Das ist spannend und ernüchternd, erhellend und auch ein wenig beängstigend, denn hier erfährt man , wie unterschiedlich zwei Menschen ihr gemeinsames Leben erlebt haben. Und wie sich Kleinigkeiten zu unüberwindlichen Hindernissen entwickeln.

399 Seiten, keine ist zu viel. Man versteht sowohl Bea als auch Niklas, versteht beider Verhalten, ihre Gründe und Sorgen, Wünsche und Träume.
Man ist ganz nah dran, erkennt einiges aus vergangenen Trennungen wieder, ist mit dem Umfeld der beiden hin und hergerissen - und ist am Ende beeindruckt , wie nuanciert die Autorin die vielen Seiten einer Beziehung ans Licht bringt.
Ein hervorragender Roman, nah an den Figuren, nah am Leben. Und trotz aller Bitternis auch ein Mut machendes Buch!

Scheidung

von Moa Herngren

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Die seltenste Frucht
Frank Menden

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Vanille.
Es gibt keinen Geschmack, den ich mehr liebe als den von Vanille. Egal ob Eis, als Sauce, im Kuchen oder Gebäck: der Geschmack und der Duft von Vanille führt bei mir immer sofort zu einem absoluten Wohlfühlen.
Doch wie ist die Vanille überhaupt in unsere Welt gekommen?

Davon erzählt Gaelle Belem in „Die seltenste Frucht“ , übersetzt von Gudrun Honke.
Auf der französisch kolonisierten Ile Bourbon (!) wächst Edmond Albius in 19. Jahrhundert als Sklave auf. Der zwölfjährige Waisenjunge lebt bei Ferreol Beaumont, seinem „Besitzer“, der ein begeisterter Botaniker ist und dem es trotz vieler Versuche nicht gelingen will, der Gewürzvanille eine Frucht abzuringen.
Edmond, der die Begeisterung für Botanik mit Beaumont teilt, forscht selbst, probiert und probiert - und erfindet ein Verfahren zum händischen Bestäuben. Der Grundstein für den Siegeszug der Vanille ist gelegt…

Dies ist jetzt natürlich arg verkürzt dargestellt. Gaelle Belem hat für ihren Roman sorgfältig recherchiert und führt ihre Geschichte über die persönliche Erzählung Edmonds hinaus zu einer Geschichte über Kolonialismus und Rassismus. Denn auch wenn Beaumont immer wieder auf Edmonds bahnbrechenden Beitrag zur Kultivierung der Vanille hinweist, es trägt nicht zu einem besseren Leben für den jungen Mann bei, der nach der Freilassung - wie so viele ehemalige Sklaven - ein armseliges prekäres Leben führt.

Ein sprachlich kraftvoller historischer Roman, der mich seitdem Vanille mit anderen Augen betrachten lässt.

Die seltenste Frucht

von Gaëlle Bélem

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Ein Ort, der bleibt
Simone Finkenwirth

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Sandra Lüpkes hat es wieder getan, und einen erstklassigen, exzellent recherchierten wie mitreißenden Roman geschrieben! Die Autorin reist dieses Mal mit uns nach Istanbul. Dort kreuzen sich drei Lebenslinien - die von Mehpare, Magda und Imke.

Mit Mehpare beginnt die Geschichte, im Jahr 1926. Da muss das Mädchen mit Ansehen, wie sich ihr Traum in Asche verwandelt. Ihre geliebte Mädchenschule brennt und damit auch die Hoffnung des Mädchens auf ein wissensreiches Leben?

Danach beamt uns die Autorin in Imkes Kopf. Die junge Frau sitzt in unserer Gegenwart im Flugzeug und ist auf dem Weg nach Istanbul zu ihrem ersten Job. Sie soll zusammen mit Kai Surrau für die Firma GestAlterna ein denkmalfachliches Gutachten für das Botanische Institut erstellen, das zwischen 1935 und 1937 errichtet worden ist, und sich nun in einem desolaten Zustand befindet. Ist natürlich alles herausfordernd, weil's für Imke der erste Job ist, und ihr Vorgesetzter nicht immer einfach...

In jenem Institut hat seinerzeit der Botaniker Alfred Heilbronn gearbeitet. Der Münsteraner wurde 1933 wegen seiner jüdische Wurzeln diskrediert und - schlimmer noch - von einigen Studierenden beschimpft. Als ihn die Gestapo festnimmt, erhält seine Frau einen Brief. Dieser führt die Familie schließlich nach Istanbul. Und genau dort trifft der Professor auf Mehpare...

Mir war die Rolle der Türkei während des Zweiten Weltkriegs nicht bekannt. Dies hat sich nach diesem Buch nun geändert, das obendrein mein Wissen über Pflanzen erweitert hat. Wussten Sie beispielsweise, dass an sonnigen Standort der Anteil weiblicher Pflanzen auf 46 Prozent sinkt?

"Ein Ort, der bleibt" überzeugt nicht nur durch das, wie alles erzählt ist, sondern Sandra Lüpkes beglückt durch die warmherzigen Figuren, die ich so schnell nicht vergesse. Ein Buch, das bleibt.

Ein Ort, der bleibt

von Sandra Lüpkes

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Evie und die Macht der Tiere
Simone Finkenwirth

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Matt Haig ist hierzulande vor allem unter den erwachsenen Lesenden bekannt. Lange schon schlummerte dieses Kinderbuch in meinem Regal. Nun habe ich es endlich aufgeschlagen und darf mal wieder sagen: Wer warten kann, der wird belohnt. So ist "Evie und die Macht der Tiere" eine lohnenswerte wie ganz besondere Lektüre für alle ab Neun und junggebliebenen Matt Haig-Fans.

Evie besitzt eine Gabe: Sie kann mit Tieren sprechen. Was cool klingt, wird dem Mädchen und ihrer Familie im Verlauf der Geschichte zum Verhängnis. Denn der Bösewicht Mortimer wird auf Evie aufmerksam. Und das ist überhaupt nicht gut.

Doch beginnen wir von vorn. Evie hört, wie die Schulhäsin Kahlo traurig denkt: "Eine, die einfach vorbeigeht. Ohne einen Gedanken an mich zu verschwenden." Also bleibt Evie stehen und wendet sich in Gedanken an Kahlo. Dabei erfährt sie, dass die Schulleiterin die Häsin aus dem Wald geklaut und hier eingesperrt hat. Evie mit ihrer großen Empathie kann diese Ungerechtigkeit nicht einfach stehen lassen, und lässt Kahlo frei. Zum großen Ärgernis der Schulleiterin. Danach muss Evie ihrem Vater versprechen, ihre Gabe nicht mehr einzusetzen. Was sie brav durchzieht - bis zu dem Tag, an dem sie ihrem Freund Ramesh im Zoo begleitet, und ein Junge ins Löwengehege fällt...

Ich liebe jede Seite in diesem Buch! Das ist einerseits dem Schreibstil des Autors und seiner Heldin zu verdanken. Aber auch die schönen Illustrationen von Emily Gravett bereichern die Seiten auf besondere Weise. Andererseits schätze ich kluge Botschaften wie diese: "Alles hängt mit allem zusammen. Nicht nur eine Großmutter mit ihrer Enkelin. Auch der Mensch mit dem Schimpansen und die Primaten mit den Hunden und Katzen. (...) Jedes Teilstück hängt von den anderen ab und fügt sich in sie ein. Und zusammengehalten wird alles durch eine gewaltige Energie."

Die Kraft, von der Evies Großmutter spricht, nennt sich Dawa. Diese gilt es, zu erkennen, dann kann Evie Großes leisten. Wird es der mutigen Heldin gelingen?

Evie und die Macht der Tiere

von Matt Haig

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Einfach Sunny
Simone Finkenwirth

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Wer noch im Winterblues steckt, sollte mit Sunny ein paar Stunden verbringen. Danach ist nichts mehr trüb, eher hell und erquickend. Maren Graf hat mit ihrem Kinderbuch eine erstaunliche wie mitreißende Heldin geschaffen, die gute Laune versprüht. Vor der ich mich zudem verneige, denn Sunny ist blind. Aber das fühlt sich nebensächlich an, denn das Mädchen geht trotzdem ihren Weg und ist leidenschaftliche Sachen-Sucherin.

Gleich zu Beginn stolpert sie über eine Sache. Wobei, nein, Ben, ist doch ein Mensch, der etwas sucht und sehr verzweifelt ist. Bis der Junge aber Klartext spricht, muss Sunny in ihrer Detektivart mehrere Anläufe unternehmen, denn Ben ist stumm wie ein Fisch. Aber Sunny lässt sich natürlich nicht unterkriegen, selbst nicht von den frechen Jungs ihrer neuen Schule.

Auch das ist bemerkenswert. Nicht nur, wie Sunny den Jungs entgegentritt. Nein, die Tatsache, dass sie von ihrer aktuellen Schule auf eine gewöhnliche wechseln will.

Ben blüht am Ende doch auf, verrät seiner neuen Freundin, was sich hinter dem Dings verbirgt und begibt sich mit Sunny auf eine spannende Spurensuche, bei der sie nicht nur andere Menschen treffen, sondern auch einen süßen Dackel namens Frodo.

"Einfach Sunny" ist eine packende Detektivgeschichte, die gleichwohl Mut und Einfallsreichtum ausatmet. Ganz besonders freue ich mich, dass es eine Fortsetzung geben wird und ich Sunny bald schon wieder treffen werde.

Altersempfehlung: Ab 8 Jahren.

Einfach Sunny

von Maren Graf

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Aali muss los
Simone Finkenwirth

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Lesen erweitert nicht nur den eigenen Horizont. Lesen bildet - vor allem durch das Einsaugen von fiktiven Geschichten geschieht die Wissenserweiterung eher spielerisch. So weiß ich erst nach diesem wundervollen und schön gestalteten Kinderbuch, dass ein Aal vier Leben hat.

Genau genommen sind es drei komplexe Verwandlungen, die ein Aal durchmacht. Vor so einer steht Aali, die sympathische Erzählstimme zu Beginn. Sein Kumpel Frank, eine loyale Brasse, fällt auf, dass Aali an dem Morgen so komische Augen hat. Aali indes spürt eine seltsame Unruhe und sagt: "Lass mal schwimmen." Am Ende haben wir - also Aali und ich - einen unglaublichen Weg zurückgelegt. Vom Nord-Ostsee-Kanal durch die Nordsee bis zur Sargassosee. Dabei haben wir allerlei schwimmende Wesen getroffen und Abenteuer erlebt.

Was führt Aali weg von seinem guten Kumpel? Warum schwimmt er so weit? Das löst dieses wissensreiche Kinderbuch auf hinreißende Art und Weise auf. Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich schreiben Hand in Hand, weben neben der Geschichte kleine Infoblöcke zum Aal mit ein. Nele Brönner hat dem Buch den passenden Pinselstrich gegeben. Und der mairisch Verlag hat gezaubert, denn wenn Sie durch die Seiten blättern, leuchten nicht nur ihre Augen so aalimäßig hell, auch die Nase schnuppert. Kann nicht genug bekommen von diesem tollen Papierduft.

So ist dieses Buch eine große Lesefreude für die ganze Familie! Altersempfehlung ab 7 Jahren, aber man kann durchaus schon jüngeren Geschwistern daraus vorlesen.

Ich danke meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor, die mir dieses Buch in meine Hände gelegt und dabei mit leuchtenden Augen gesagt hat: "Das ist so ein großartiges Buch. Du wirst Aali lieben!"

Aali muss los

von Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel

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Forever Beautiful
Simone Finkenwirth

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Das Frühjahr ist da. Und mit ihm jede Menge neue Bücher. Nicht nur Romane und Krimis, sondern auch interessante Kochbücher. "Forever Beautiful" von Susanne Korasani ist eins davon. Es ist im Malia Verlag erschienen - dem Verlag von Laura Malina Seiler.

Susanne Korasani ist bekannt geworden durch ihr Buch "Be Your Owen Healer" - in dem sie zeigt, wie es gelingen kann die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Ich trinke seit dem Buch den Löwenzahntee. So hat es mich nicht überrascht, dass der Löwenzahn auch in dem Buch eine besondere Rolle spielt. Sie "ist eine Pflanze, die nichts aufhält. Sie wächst durch Asphalt, trotz dem Wind und Abgasen und trägt in jeder Zelle die Erinnerung an Aufbruch." Die Bitterstoffe sind wichtig für die Entgiftung der Leber. Zudem unterstützen Sesquiterpenlactone, Flavonoide, Inulin und Kalium - die Gallenbildung, aktivieren die Verdauungsenzyme und entlasten die Leber. Die Autorin empfiehlt den Tee, den es im Reformhaus gibt, und die Blätter für Salate, Smoothies und Suppen. Wie gut, dass mein Gemüsehändler auf dem Isemarkt das Kraut verkauft.

Das Buch unterteilt sich in die Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter sowie den Tagesrhythmus: Morgens, mittags und abends. Das Gros der Rezepte enthält nur wenige Zutaten, was ich sehr begrüße, und arbeitet saisonal.

Einfach und gehaltvoll ist beispielsweise die Yoshino-Suppe mit Seidentofu. Hierfür braucht man nur Wasser, Seidentofu, eine kleine Karotte, eine Handvoll Spinat oder Pak Choi, Sesamöl, frischen Ingwer und Frühlingszwiebel. Als Teetrinkerin habe ich mich über die "Grüntee-Kraftbrühe mit Tamari sehr gefreut. Dafür benötigen Sie nur Sencha oder Bancha, einen Schuss Soja-Tamari aus fermentierten Sojabohnen. Auch spannend: die Kuzu-Limo. Oder der Safran Latte. In einem Glossar verrät die Autorin, wo man die Zutaten erhält und worauf man achten sollte.

Was das Buch zudem aufwertet, sind einzelne konkrete Ausführungen zu bestimmten Inhaltsstoffen, ihre Wirkung und Anwendung. So habe ich erfahren, dass Gänseblümchen nicht nur die Regeneration und Ausgleich fördert, sondern ebenso als Umschlag Hautreizungen und leichte Schwellungen genutzt werden kann.

"Forever Beautiful" ist ein ganzheitliches wie nachhaltiges Kochbuch für Geist und Seele! Es zeigt, wie alles miteinander verbunden ist: "Wer Nahrung, Gedanken und Worte auf diese Weise versteht - nicht nur als Kalorienquelle oder Nebensächlichkeit - verändert die Qualität seines gesamten Lebens. Körperlich wie geistig."

Forever Beautiful

von Susanne Abbassian Korasani

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Richtig gutes Essen
Simone Finkenwirth

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Sie suchen das passende Buch für eine Kollegin oder Ihrem Chef? Hier ist es! In Junko Takases Roman „Richtig gutes Essen“ geht es herrlich schräg und sehr unterhaltsam zu. Aber auch nachdenkliche Töne stoßen an die Oberfläche: „Es ist doch total einfach, Leute zu ermutigen, indem man sagt: „Du schaffst das!“ Sich selbst zu ermutigen ist viel schwieriger.“

Das sagt Oshio ihrem Kollegen Nitani. Die beiden verbindet eine platonische Freundschaft. Sie genehmigen sich nach Feierabend gern einen Absacker und werden dem Titel des Romans mehr als gerecht, wenn sie sich leckere Sachen wie Edamame, ein Omlette oder gegrillten Fisch schmecken lassen. Dagegen stellt sich Ashikawa freudig an den Herd und backt Kuchen oder Kekse, die sie auch fürs Team in den Ofen schiebt. Weil sie es gern macht, oder eher, weil sie ein schlechtes Gewissen hat? Denn Ashikawa geht oft früher nach Hause, weil sie Kopfschmerzen hat oder sie sich nicht fühlt. Trotzdem ist gerade sie es, die Natani ermutigt, selbst zu kochen. Sie erklärt ihm, wie einfach das doch eigentlich sei:

„Du könntest dir doch wenigstens eine Misosuppe machen. Du setzt Wasser auf, löst Misopaste, die schon Brühe enthält, darin auf und gibst nur noch Tofu und etwas Grünes dazu.“ Eigentlich total einfach. Aber Nitani sieht es so: „Vielleicht mag ich es eher, anständig zu leben. Weil für mich Sachen wie Essen und Schlafen, die zum Leben notwendig sind, nichts mit Mögen und Nichtmögen zu tun haben.“

Das Essen fungiert als verbindendes und gleichwohl als toxisches Element, das die Autorin zum Ende hin zum Äußersten ausufern lässt. Sie erzählt über eine Bürogemeinschaft, in der alle unterschiedliche Ambitionen verfolgen. Der zielstrebige Natani, seine Geliebte Ashikawa, die ihr Glück im Mehl und im Kochtopf findet, und Oshio, die zwischen den beiden steht. Bitte nicht mit leerem Magen lesen, denn beim Lesen bekommen Sie automatisch Appetit.

In Japan hat sich dieses herrlich lebendige Buch über hundertachtzigtausendmal verkauft und wurde mit dem renommierten Akutagawa-Preis ausgezeichnet. Absolut verdient!

Richtig gutes Essen

von Junko Takase

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Einfach Sunny
Simone Finkenwirth

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Wer noch im Winterblues steckt, sollte mit Sunny ein paar Stunden verbringen. Danach ist nichts mehr trüb, eher hell und erquickend. Maren Graf hat mit ihrem Kinderbuch eine erstaunliche wie mitreißende Heldin geschaffen, die gute Laune versprüht. Vor der ich mich zudem verneige, denn Sunny ist blind. Aber das fühlt sich nebensächlich an, denn das Mädchen geht trotzdem ihren Weg und ist leidenschaftliche Sachen-Sucherin.

Gleich zu Beginn stolpert sie über eine Sache. Wobei, nein, Ben, ist doch ein Mensch, der etwas sucht und sehr verzweifelt ist. Bis der Junge aber Klartext spricht, muss Sunny in ihrer Detektivart mehrere Anläufe unternehmen, denn Ben ist stumm wie ein Fisch. Aber Sunny lässt sich natürlich nicht unterkriegen, selbst nicht von den frechen Jungs ihrer neuen Schule.

Auch das ist bemerkenswert. Nicht nur, wie Sunny den Jungs entgegentritt. Nein, die Tatsache, dass sie von ihrer aktuellen Schule auf eine gewöhnliche wechseln will.

Ben blüht am Ende doch auf, verrät seiner neuen Freundin, was sich hinter dem Dings verbirgt und begibt sich mit Sunny auf eine spannende Spurensuche, bei der sie nicht nur andere Menschen treffen, sondern auch einen süßen Dackel namens Frodo.

"Einfach Sunny" ist eine packende Detektivgeschichte, die gleichwohl Mut und Einfallsreichtum ausatmet. Ganz besonders freue ich mich, dass es eine Fortsetzung geben wird und ich Sunny bald schon wieder treffen werde.

Altersempfehlung: Ab 8 Jahren.

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Evie und die Macht der Tiere
Simone Finkenwirth

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Matt Haig ist hierzulande vor allem unter den erwachsenen Lesenden bekannt. Lange schon schlummerte dieses Kinderbuch in meinem Regal. Nun habe ich es endlich aufgeschlagen und darf mal wieder sagen: Wer warten kann, der wird belohnt. So ist "Evie und die Macht der Tiere" eine lohnenswerte wie ganz besondere Lektüre für alle ab Neun und junggebliebenen Matt Haig-Fans.

Evie besitzt eine Gabe: Sie kann mit Tieren sprechen. Was cool klingt, wird dem Mädchen und ihrer Familie im Verlauf der Geschichte zum Verhängnis. Denn der Bösewicht Mortimer wird auf Evie aufmerksam. Und das ist überhaupt nicht gut.

Doch beginnen wir von vorn. Evie hört, wie die Schulhäsin Kahlo traurig denkt: "Eine, die einfach vorbeigeht. Ohne einen Gedanken an mich zu verschwenden." Also bleibt Evie stehen und wendet sich in Gedanken an Kahlo. Dabei erfährt sie, dass die Schulleiterin die Häsin aus dem Wald geklaut und hier eingesperrt hat. Evie mit ihrer großen Empathie kann diese Ungerechtigkeit nicht einfach stehen lassen, und lässt Kahlo frei. Zum großen Ärgernis der Schulleiterin. Danach muss Evie ihrem Vater versprechen, ihre Gabe nicht mehr einzusetzen. Was sie brav durchzieht - bis zu dem Tag, an dem sie ihrem Freund Ramesh im Zoo begleitet, und ein Junge ins Löwengehege fällt...

Ich liebe jede Seite in diesem Buch! Das ist einerseits dem Schreibstil des Autors und seiner Heldin zu verdanken. Aber auch die schönen Illustrationen von Emily Gravett bereichern die Seiten auf besondere Weise. Andererseits schätze ich kluge Botschaften wie diese: "Alles hängt mit allem zusammen. Nicht nur eine Großmutter mit ihrer Enkelin. Auch der Mensch mit dem Schimpansen und die Primaten mit den Hunden und Katzen. (...) Jedes Teilstück hängt von den anderen ab und fügt sich in sie ein. Und zusammengehalten wird alles durch eine gewaltige Energie."

Die Kraft, von der Evies Großmutter spricht, nennt sich Dawa. Diese gilt es, zu erkennen, dann kann Evie Großes leisten. Wird es der mutigen Heldin gelingen?

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Aali muss los
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Lesen erweitert nicht nur den eigenen Horizont. Lesen bildet - vor allem durch das Einsaugen von fiktiven Geschichten geschieht die Wissenserweiterung eher spielerisch. So weiß ich erst nach diesem wundervollen und schön gestalteten Kinderbuch, dass ein Aal vier Leben hat.

Genau genommen sind es drei komplexe Verwandlungen, die ein Aal durchmacht. Vor so einer steht Aali, die sympathische Erzählstimme zu Beginn. Sein Kumpel Frank, eine loyale Brasse, fällt auf, dass Aali an dem Morgen so komische Augen hat. Aali indes spürt eine seltsame Unruhe und sagt: "Lass mal schwimmen." Am Ende haben wir - also Aali und ich - einen unglaublichen Weg zurückgelegt. Vom Nord-Ostsee-Kanal durch die Nordsee bis zur Sargassosee. Dabei haben wir allerlei schwimmende Wesen getroffen und Abenteuer erlebt.

Was führt Aali weg von seinem guten Kumpel? Warum schwimmt er so weit? Das löst dieses wissensreiche Kinderbuch auf hinreißende Art und Weise auf. Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich schreiben Hand in Hand, weben neben der Geschichte kleine Infoblöcke zum Aal mit ein. Nele Brönner hat dem Buch den passenden Pinselstrich gegeben. Und der mairisch Verlag hat gezaubert, denn wenn Sie durch die Seiten blättern, leuchten nicht nur ihre Augen so aalimäßig hell, auch die Nase schnuppert. Kann nicht genug bekommen von diesem tollen Papierduft.

So ist dieses Buch eine große Lesefreude für die ganze Familie! Altersempfehlung ab 7 Jahren, aber man kann durchaus schon jüngeren Geschwistern daraus vorlesen.

Ich danke meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor, die mir dieses Buch in meine Hände gelegt und dabei mit leuchtenden Augen gesagt hat: "Das ist so ein großartiges Buch. Du wirst Aali lieben!"

Aali muss los

von Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel

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Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter
Frank Menden

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Man möchte ja angesichts der Nachrichtenlage wahlweise schreien oder sich vergraben und dem Eskapismus frönen.
Oder man liest Wolfgang Schorlaus neues Buch, die geniale bitterböse Politsatire „Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter“ .

Es ist ein schmales Buch, ganz auf der Höhe der Zeit, in der die Titelfigur den politischen Aufstieg vom Gas-Manager über einen Ministerposten bis hin zum Bundeskanzler anstrebt - und diesem Ziel bereitwillig alles unterordnet.
En Passant kommt auch die jüngere deutsche Wirtschaftsgeschichte vor, vornehmlich der Beitrag der Gas-Lobby zum Niedergang der einst blühenden Solarenergie. Katharina Reiche anyone?

Wie schon in seinen Dengler Krimis ist Wolfgang Schorlau auch hier ganz nah an der gesellschaftlichen und politischen Realität. Auf den knapp 160 Seiten ist alles auf den Punkt gebracht: die Einflussnahme externer „Player“ auf politische Entscheidungen, das typische „Business-Denglish“ des Polit- und Medienbetriebs, die Dehnung der Wahrheit bis sie wieder ins geschaffene Bild passt und und und…
Ein vortrefflicher Blick auf die aktuelle politische Lage, bei der einem das Lachen oft im Halse steckenbleibt - wie es sich für eine gelungene Satire gehört.

Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter

von Wolfgang Schorlau

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Beste Zeiten
Simone Finkenwirth

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Lost girl meets life! Wäre ich nochmal süße Achtzehn dann würde ich diesen Roman lieben! Denn ich fühle so sehr mit der Ich-Erzählerin. Daher habe mit meinen 40ern "Beste Zeiten" von Jenny Mustard ebenfalls mit allergrößter Freude gelesen. Die Autorin hatte mich ja bereits mit "Okaye Tage" begeistert.

In ihrem neuen Roman werde ich eine Freundin von der 21jährigen Sickan. Die Ich-Erzählerin ist gerade aus der schwedischen Provinz nach Stockholm gezogen und hat alles vor sich: die Uni, neue Kontakte und das Glück! Als sie ihre Kommilitonin Hanna kennenlernt, findet sie eine Freundin, und das obwohl Hanna aus einem anderem Haushalt stammt. Denn Hanna hat Geld, lebt in der Wohnung der verstorbenen Großmutter in einem guten Viertel. Sickan hingegen wohnt im Studentenheim und muss jede Krone umdrehen.

Sickan ist speziell und ich mag sie gerade deshalb. Sie hatte keine einfache Kindheit und Narben in ihrer Seele wie Abbe. Doch eine Beziehung wird schwierig, weil Abbe in einem Jahr nach Mexiko City will. Sie können dafür einfach gute Freunde sein. Werden es natürlich, und schließlich noch viel mehr.

Jenny Mustard hat einen wahrlich eigenen Sound - extrem cool und sehr nah an ihren Figuren greift sie Themen wie Identität, Freundschaft, LIebe und Abgrenzung auf. Jedes junge Mädchen findet sich in ihren Geschichte wieder, ob sie nun lost ist oder nicht:

"Ich frage mich, ob er recht hat, ob wir jetzt, wo wir erwachsen sind, endlich über die schweren Themen, die wir bisher verheimlicht haben, reden können."

Dem Eichborn-Verlag ist diese Entdeckung ebenfalls zu verdanken, wie ihrer Übersetzerin Lisa Kögeböhn, die wieder erstklassige Arbeit geleistet hat!

Beste Zeiten

von Jenny Mustard

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Sommer ohne Plan
Frank Menden

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Zugegeben: ich hatte meine Vorbehalte gegenüber „Sommer ohne Plan“ von Johanna Swanberg , übersetzt von Nina Hoyer.
Die Geschichte von Cassi, die nach einem Burnout ihr schickes Stockholmer Leben aufgibt, sich völlig gehen lässt, spontan ein Haus im Wald kauft und durch eine Verkettung von Umständen von den Dorfbewohnern für einen Selbsthilfe Guru gehalten wird und diese mit höchst obskuren Methoden zu behandeln begibt, klingt doch etwas zu skurril und vermeintlich leichtfüßig.
Aber der Roman ist zwar durchaus komisch , die Protagonistin auch leicht nervend, allerdings erfährt die Geschichte auch viel Tiefe.

Johanna Swanberg bietet Einblicke in das komplizierte Geflecht der Dorfhierarchie, karikiert die einzelnen Bewohner nicht und blättert Cassis Geschichte nach und nach auf.
Das ist sehr unterhaltsam erzählt, einmal musste ich laut lachen und auch an einer Stelle eine Träne fließen lassen ( es gibt eine wirklich schöne und berührende Liebesgeschichte, die glaube ich niemand kalt lässt , aber die ich keinesfalls spoilern will. Nur soviel: sie passt hervorragend zum Pride Month ????).

Für mich war „Sommer ohne Plan“ eine wunderbar kurzweilige intelligente Strandkorblektüre, die zwar einige Klischees bedient, sie aber auch hervorragend gegen den Strich bürstet.
Ein Buch, das man glücklich und mit einem kleinen Lächeln wieder aus der Hand legt.

Sommer ohne Plan

von Johanna Swanberg

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Walküre
Frank Menden

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Man könnte meinen, dass ein Roman über einen Juristen in einer Beratungsstelle für Geflüchtete, der Probleme mit Abgrenzung zu seinem Job hat und deswegen eine längere Auszeit wegen psychischer Überlastung nehmen musste, der noch dazu immer noch an seiner Scheidung knabbert UND seine leicht demente, aber äußerst resolute Oma nach Wien holt und in deren Umzugskartons mit der verschwiegenen NS-Vergangenheit seiner Großeltern konfrontiert wird - nun, dass dieser Roman ein wenig überfrachtet ist. Und dabei habe noch nicht das weitere Dilemma des Protagonisten Benjamin Weiß erwähnt: dem ehemaligen Dolmetscher seiner Beratungsstelle werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, was dessen Aufenthaltsstatus gefährdet. Gleichzeitig kümmert sich Adnan aber hervorragend um die „Walküre“, Bens Oma.

Um es kurz zu machen: bei aller thematischen Vielfalt ist „Walküre“ ein überaus fesselnder Roman, der einen von den ersten Sätzen an mitreißt.
Man merkt, dass der Autor wie sein Protagonist Jurist in der Asylberatung ist, so präzise und eindringlich wie er von Bürokratie und deren Kälte gegenüber den Schicksalen zwischen den Aktendeckeln schreibt.
Dabei differenziert der Roman, bleibt lebensnah, hält unserer Gesellschaft den Spiegel vor und stellt genau die richtigen Fragen über Schuld und Verdrängung, über andauerndes Schweigen und Aufarbeitung, über bewusstes Wegsehen und wie die Politik immer auch die Seele der Betroffenen für immer verändert.

Walküre

von Daniel Zipfel

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Sophie L.
Simone Finkenwirth

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Dieses Buch fällt in die Kategorie: Falsches Cover, richtiges Buch! Ich verstehe den Gedanken des Verlags durchaus. Man wollte dem ersten Buch "Anna O." in der Gestaltung treu bleiben. "Sophie L." wird als Thriller vermarktet. Aber Vorsicht, das könnte Lesende enttäuschen. Eben jene, die eine durchgehend packende Handlung erwarten.

Mich hat das Buch von der ersten Seite begeistert. Das hat vor allem mit dem feinsinnigen Schreibstil des Autors zu tun. Und die Geschichte, die komplex und anziehend ist.

Die Londoner Gedächtnisexpertin Olivia Finn erhält aus Paris einen Anruf von der Polizei. Ihre Großmutter hätte im Hotel Lutetia einen Mord gestanden, und gesagt, sie sei eine andere. Das überrascht und beunruhigt die alleinerziehende Mutter. Folglich fährt sie nach Paris. Als Olivia dort ankommt, wird sie von der Polizei vernommen. Später spricht sie mit ihrer Gran, plötzlich scheint sie wieder klar, als sie bei ihr Zuhause sind. Édouard, ein ehemaliger Geliebter, ist zum Zeitpunkt auch in Paris und eilt Olivia zur Unterstützung. Édouard ist der Sohn von Olivias Therapeuten und treuen Weggefährten, der ihr den Weg in ihren Berufsweg als Psychologin geebnet hat. Louis war auch seinerzeit - vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs - der Herzensmensch ihrer Großmutter. Die wird nach ihrer Freilassung aus Ausschwitz mit anderen in dem Hotel Lutetia für drei Tage untergebracht. In diesen drei Tagen ist etwas passiert, über das alle bis heute schweigen...

Haben Sie mitgezählt? Ich habe hier vier Personen erwähnt, aber das sind längst nicht alle. Wie ein Puzzlemeister setzt Matthew Blake alle Figuren und Handlungsstränge gekonnt ins sein geheimnisvolles Bild. Durch das man sich klar und gespannt bewegt und dann...!

"Sophie L." ist ein raffinierter Thriller, der sich erneut einem spannenden Thema - dem der Erinnerung - widmet. Also ignorieren Sie das Cover und vertrauen auf meine wohlwollende Stimme.

Sophie L.

von Matthew Blake

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Die Farm der Mädchen
Simone Finkenwirth

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Hans Rosenfeldt hat es mir nicht leicht gemacht. Und doch konnte er mich für sich gewinnen. Wie das? Nun, hochwertige Krimiliteratur kann eben nichts erschüttern.

In seinem Krimi-Solo "Die Farm der Mädchen" erzählt er eine komplexe Krimigeschichte. Nichts für Leseratten, die schnelldrehende Plots mögen. Wer hingegen ein bisschen mehr Zeit mitbringt, wird um so mehr belohnt.

Bislang hat der angesehende Drehbuchautor zusammen mit Hjorth die achtbändige Sebastian-Bergman-Reihe verfasst, und wurde auch hierzulande dafür sehr gelobt. Dass er ein Meister seines Fachs ist, beweist er nach seinem Solodebüt "Wolfssommer" erneut.

"Die Farm der Mädchen" beginnt mit der Flucht von zwei schwangeren Frauen. Als die eine im Wald plötzlich ein totes Kind gebärt, versucht ihre Freundin Dardana einen sicheren Ort aufzuspüren. Sie schlüpfen in einer einsamen Waldhütte unter. Doch Natalia verliert am Ende zu viel Blut und stirbt. Dardana lässt ihre tote Freundin zurück und flieht allein vor ihren Verfolgern.

Das tote Baby führt schließlich zur Polizistin Hannah Wester, die nach einer Auszeit wieder in den Dienst tritt. Ihr Mann ist bei einem Einsatz ums Leben gekommen. Was hat es nun mit dem toten Baby auf sich? Und wie ist die Leiche in der Hütte zu erklären? Der Fall ist komplexer und führt auch ins dunkle Reich des Menschenhandels.

Rosenfeldt nutzt für seinen Plot verschiedene Handlungsstränge, behält aber eine klare Linie und erzeugt mit zunehmenden Seitenananzahl mehr an Spannung.

Ein Hochkaräter, über den man lange noch nachdenkt.

Die Farm der Mädchen

von Hans Rosenfeldt

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Statt aus dem Fenster zu schauen
Simone Finkenwirth

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Sinnkrise? Kennen wir doch alle! So weiter machen? Oder eine andere Richtung einschlagen? Diese Fragen stellen wir uns nicht nur mit Anfang 20 oder mit 35 Jahren, auch mit Mitte 40 oder sogar mit Ende Sechzig. Daher ist Anna Katharina Scheidemantels grandioses Debüt "Statt aus dem Fenster zu schauen" eine willkommende Einladung für alle Sinnsuchenden.

Den Mumm der Ich-Erzählerin hätte ich allerdings nicht. Aus einer Stagnation bei ihrem Praktikumsplatz heraus surft Sophie ein bisschen bei Kleinanzeigen.de herum und kauft sich mal eben mit ihrem Ersparten ein Haus in der Pampa. In Günderode, hinter Berlin. So lässt unsere Heldin alles in München hinter sich, schnappt sich ihr Rad und einen Rucksack und auf geht's mit der Bahn ins Abenteuer!

Als die Studentin in der ostdeutschen Provinz an ihrem Häuschen ankommt, wird ihr schlecht. Vor ihr offenbart sich mehr eine Bruchbude. Aber hey, was hast du für 3000 Euro erwartet? - will ich ihr zurufen. Ich wäre sofort wieder abgehauen, Sophie nicht. Die bleibt. Ihr dabei zuzuschauen, ist herrlich erfrischend und bereitet mir große Freude! Wie sie in Eigenregie das heruntergekommene Haus putzt, streicht und auf Vordermann bringt, weitet meine Augen. Damit nicht genug. Sophie beginnt, den Garten mit Pflanzensamen auszusäen, um im Sommer eine erste Ernte einzufahren. Sie arbeitet, bis sie vor Erschöpfung auf ihrer Isomatte liegt und die Gedanken schweigen. Denn Sophie hat bisher niemanden von ihrer Aktion erzählt... Wie lange kann das gut gehen?

"Statt aus dem Fenster zu schauen" ist eine besondere Sinnsuche mit existenziellen Fragen. Obendrein entschleunigt es, indem die Autorin unsere Köpfe ins reichhaltige Meer der Natur stupst. Herrlich! Ein mutmachendes Buch für alle, die sich gerade selbst fragen: Und jetzt?

Ich freue mich, dass ich am kommenden Mittwoch, 8. April, um 19.30 Uhr, mit der Autorin bei uns die Buchpremiere ausrichten darf.

Statt aus dem Fenster zu schauen

von Anna Katharina Scheidemantel

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Moosland
Frank Menden

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1949 folgen knapp dreihundert Frauen aus Deutschland dem Aufruf des isländischen Bauernverbands. Gegen gute Bezahlung sollen die Frauen mit landwirtschaftlicher Erfahrung auf Bauernhöfen aushelfen - und evtl. auch bleiben, gibt es doch einen deutlichen Männerüberschuss auf der Insel.

Eine der Frauen ist Elsa. Tief traumatisiert durch den Verlust ihrer Familie und ihrer Freundin hat sie das Gefühl, nichts mehr verlieren zu können.
Die Bauernfamilie, bei der sie unterkommt, lebt auf einem abgelegenen Hof. Sie ist Elsa gegenüber freundlich und offen, selbst als sich herausstellt, dass diese keinerlei Erfahrung hat und sogar vor Hühnern Angst hat.
Elsa ist zu verstrickt in sich selbst, sie spricht nicht, lernt auch die neue Sprache nicht. Doch ihre bloße Anwesenheit verändert die Dynamik der Familie - und auch Elsa beginnt sich allmählich wieder auf das Leben einzulassen…

„Moosland“ ist deutlich spröder als das gefällige Cover vermuten lässt - und das ist gut so. Katrin Zispe erzählt auf eine besondere Art vom Ankommen in einem fremden Land, von der Bewältigung bzw. Vernarbung von Trauer, vom finden einer neuen Sprache - und von einer überwältigenden Landschaft und der Kraft der Natur.
Der Roman ist nicht nur hervorragend recherchiert, er überzeugt auch sprachlich, findet passende Worte und Bilder für die Herausforderung der Integration und des Spracherwerbs und für die Herausforderung, mit einer großen Trauer zu leben.
Ein stiller, ruhiger und kraftvoller Roman.

„In der grenzenlosen Weite ist sie orientierungslos. An was sich ihr Auge auch festhalten will, wird vom Nebel verschluckt oder vom gleißenden Licht. Selbst die Zeit.“

Moosland

von Katrin Zipse

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Wir könnten alles sein
Frank Menden

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„Wie dicht kamen sie daran heran, einander Dinge zu sagen, die sie für immer bereuen würden?“

Sie, das sind die Schwestern Nancy und Shelley und ihre Mutter Frieda. Später wird noch Jess dazukommen, Nancys Tochter.
Vier Frauen einer Familie. Vier Frauen, die in permanenter Anziehung und Ablehnung leben. Getrennt voneinander, aber unauslöschlich miteinander verbunden.
Die Töchter eines Uberlebenden, Rudy, der alles zusammengehalten hat. Der seiner Frau versicherte, sie hätten ein schönes Leben.
Und der als er stirbt drei Frauen hinterlässt, die fortan um eine neue Identität kämpfen werden. Die weit gehen werden, um sich zu finden - oder sich zu verlieren.

„Wir könnten alles sein“ heißt Jami Attenbergs neuer Roman in der Übersetzung von Barbara Christ. Der Titel ist ebenso passend wie der des Originals: „A Reason to See You Again“.
Beide sind absolut zutreffend für diesen präzisen Roman über Schwestern, über Mütter und Tochter, über das unverbrüchliche Band einer dysfunktionalen Familie, verbunden durch Traumata und zahlreiche Abgründe - und über die Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft.
Familie hat man, Freunde sucht man sich aus. Doch unseren Wurzeln können wir kaum entkommen, wie Jami Attenberg wieder einmal witzig, sarkastisch, mit einer zuweilen bitteren Melancholie und doch nicht ohne Optimismus und Hoffnung erzählt.
Mir hat dieser Roman ausgesprochen gut gefallen, mochte die vier Frauen und Rudy, hab mit ihnen gelebt und gelitten und bin ihnen gerne von 1971 bis 2007 gefolgt, mal in kleinen, mal in großen Zeitsprüngen. Aber immer ganz nah dran.
Leseempfehlung!

Wir könnten alles sein

von Jami Attenberg

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Spielverderberin
Simone Finkenwirth

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Es könnte so leicht sein wie so vieles im Leben. Einfach eine schöne Freundschaftsgeschichte. Doch das wollte Marie Menke mit ihrem Debüt nicht. Und genau das ist gut so!

Lotte, Sophie und Romy sind die drei tragenden Säulen des Romans. Während Lotte und Sophie seit Kindheitstagen befreundet sind, stößt in der Oberstufe Romy aus der Großstadt dazu. Am Anfang der Geschichte treffen sie sich in der alten Heimat, im Süthland. Alle drei sind der Heimat entwachsen, leben in Köln. Doch wie nah sind sie sich immer noch?

Die Ich-Erzählerin, Sophie, will sich mit ihren beiden Freundinnen am Baggersee treffen, angestoßen hatte dies Romy. Als Sophie und Lotte dort ankommen, ist Romy längst da. Nach einigen Gläsern Wein will Romy in den See. Lotte ist das zu riskant, Sophie ebenso. Als sie Romy im See nicht mehr sehen, sagt Lotte: "Romy braucht keine Hilfe." Lotte verschwindet daraufhin mit ihrem Jutebeutel, Sophie bleibt. Bereits hier wird mir klar, dass etwas nicht stimmt. Und das liegt weiter zurück.

Nach und nach nimmt uns die Autorin mit in die vertrackte Freundschaftsgeschichte, die gleichermaßen Fragen wie Unsicherheiten aufwirft. Marie Menke verwebt verschiedene Themen in ihre mitreißend erzählte Geschichte: Anziehung, der Wunsch nach Zugehörigkeit, Abhängigkeit, Ghosting. Und ich denke: Was bin ich dankbar, dass ich so etwas nie erleben musste. Ich bin in einem harmonischen Kreis unterschiedlicher Freundinnen groß geworden, mit denen ich heute noch verbunden bin, und das obwohl sich unsere Leben anders entwickelt haben.

Marie Menke geht indes weiter oder sagen wir besser: Sie stürzt uns in dunkle Täler, was Freundschaften noch sein können. Teuflisch und toxisch.

Ich habe den Roman in einem Atemzug weggelesen, wurde am Ende nochmal aus der Bahn geworfen und ahne: Man darf von der jungen Schriftstellerin noch Großes erwarten.

PS: Bald gibt es mehr zur Autorin, die ich bei der Leipziger Buchmesse gecoffeetalkt habe.

Spielverderberin

von Marie Menke

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Pina fällt aus
Simone Finkenwirth

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Ich habe Vera Zischke verpasst, also "Ava liebt noch". Ihr Debüt hat unzählige Lesende mitgerissen. Deshalb ließ ich den Kelch an mir vorbeiziehen, obwohl ich natürlich neugierig geblieben bin. Nun ist ihr zweiter Roman erschienen und ich weiß: Ich habe etwas verpasst. Aber aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben.

Ich bin so verliebt in "Pina fällt aus" und kann mein Grinsen nicht bei mir behalten. In diesem Roman erzählt die Autorin eine Geschichte über Zusammenhalt, Solidarität, Fürsorge und Liebe in unterschiedlicher Form. Pina ist eine alleinerziehende Mutter. Sie kümmert sich um ihren Sohn Leo, der in seiner eigenen Welt lebt, jeden Morgen vom Bus abgeholt wird. Dann geht es ab in die Werkstatt. An einem Nachmittag, Leo ist längst zurück, will Pina noch Einkäufe erledigen. Auch für die älteste Bewohnerin im Haus. Inge verlässt nach einem Unfall und dem Tod ihres Mannes die Wohnung nicht mehr. Muss sie auch nicht, denn Pina kauft für Inge ein. Doch dieses Mal kehrt sie nicht zurück. Pina ist auf der Straße zusammengebrochen, kommt ins Krankenhaus und Leo bleibt bei Inge. Alle warten. Nur wir Lesende wissen mehr, sind an Pinas Seite im Krankenhaus und dem pflegenden Personal.

Bald ist klar, was passiert ist und dann? Kümmern sich drei schräge Vögel um den mutterlosen Leo. Neben Inge gibt es noch den Einsiedler Wojtek, der eine russische Freundin hat, die ihm besondere Nippes besorgt. Und die revoltierende Zola. Ein 16jähriges Mädchen, das am liebsten nachts zockt und die von ihrem Vater organisierten Jobs in den Boden stampft. Ja, da ist wahrlich so viel Wut in dem Mädchen, aber gleichwohl extrem viel Fürsorge für Leo, dass mein Herz fast explodiert.

Ich habe mich bei der Lektüre an Anna Gavaldas Erfolg "Zusammen ist man weniger allein" gedacht. Aber nicht nur deshalb zählt "Pina fällt aus" zu meinen Lieblingen. So ist das Buch gefüllt mit herrlich abstrusen, liebenswerten, bewegenden Momenten, bei denen ich oft seufzt lache oder innehalte. Vera Zischke hat einen charmanten Erzählstil, die Tiefe dennoch nicht scheut und ihr geradewegs ins Gesicht blickt.

Mehr Hintergründe zum Roman erfahren Sie bald in einem Interview, das ich mit der Autorin auf der Leipziger Buchmesse geführt habe. Es war mir eine große Freude wie diese wunderbare Lektüre, die wir in diesen aufwühlenden Zeiten besonders brauchen!

Pina fällt aus

von Vera Zischke

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Mit den Jahren
Frank Menden

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Leipzig.
Drei Menschen in ihren 40ern treffen hier aufeinander.
Jette, Single, in der wohl letzten Videothek der Stadt arbeitend, würde gern einen Roman schreiben, kommt nur irgendwie nicht dazu.
Lukas, freischaffender Künstler, wie Jette aus Hamburg kommend, beginnt eines Abends eine Affäre mit Jette - aus Überdruss, als Ventil für ein nicht gelebtes Leben?
Eva ist Lehrerin, Mutter zweier Kinder , und Lukas Ehefrau. Sie fragt sich immer mehr, ob sie eigentlich das Leben führt, das sie leben möchte .

Eine normale Dreiecksgeschichte möchte man meinen - und ja, auf den ersten Blick scheint es so.
Doch im Laufe des Romans „Mit den Jahren“ entwickelt die Geschichte nicht nur einen klugen Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten in Liebe und Beziehungen ( muss allein sein wirklich ein Problem sein? ) , sondern auch auf die Unterschiede zwischen Ost und West, Körperlichkeit und Selbstakzeptanz.

Mich hat die Autorin mit diesem Buch durch ihren klugen und mit leisem Humor durchsetzten Ton von den ersten Zeilen an überzeugt. Sie schreibt mit leichter Hand über die Anforderungen des Familienlebens, über alternative Lebensentwürfe und die Fragen, die diese Konstellationen aufwerfen - und bringt dadurch viele Aspekte auf den Punkt.
Gutes Buch !

Mit den Jahren

von Janna Steenfatt

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Einstein im Bade
Frank Menden

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1920 findet im beschaulichen Kurort Bad Nauheim die Versammlung Deutscher Naturforscher statt. Über 2.000 Gäste werden erwartet, darunter auch einige Nobelpreisträger.
Alle Hotels des Ortes sind ausgebucht.
Auch „Der Rastende Kranich“, ein Traditionshaus, das schon deutlich bessere Zeiten erlebt hat.
Direktor Kleeberger steht ganz im Dienste seiner Gäste, Ruhe und Tradition sind für ihn äußerst wichtig.
Doch der erste Satz von Kleebergers Bericht lautet: „Die Ruhe ist gestört worden.“
Was ist in jenen fünf Tagen im September 1920 geschehen ?

„Einstein im Bade“ ist ein Roman, der sich in seinem Verlauf als vielschichtiger entpuppt als der Einstieg vermuten lässt.
Was als heiterer Hotelroman beginnt - Zimmer werden versehentlich doppelt belegt, eine Maus sorgt ebenso für einen Notfall wie sich die Rivalität zwischen zwei renommierten Gästen immer weiter steigert - mit einem Direktor, der in seinem Bemühen es allen recht zu machen immer mehr zu scheitern droht, entwickelt sich zu einem Roman über die Ideologisierung der Wissenschaft und über die Unmöglichkeit sich in einer verändernden und rauer werdenden Welt neutral zu verhalten.
Dabei ist der Roman sprachlich ganz seiner Zeit und seinem Protagonisten verhaftet, was den Lesegenuss vollkommen macht.
Ich habe mich schon lange nicht mehr so glänzend intelligent unterhalten lassen wie von diesem Hotel - und Wissenschaftsroman.
Oder wie der geschätzte Kristof Magnusson auf dem Cover zitiert wird: „Zerstrittene Genies, eigensinnige Gäste und ein Hoteldirektor in Nöten- sensationell.“

Einstein im Bade

von Daniel Mellem

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Trotzdem zuhause
Frank Menden

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Es gibt Bücher, bei denen meine „Rezensionsfähigkeit“ versagt. Bücher, die mich so durchrütteln, mich begeistern, mir die Augen öffnen, mich zu Tränen rühren, vor Wut, vor Erkenntnis, vor miterlebtem Schmerz. Die mich - hoffentlich - klüger machen, empathischer, rücksichtsvoller und ja: zu einem besseren, aufmerksameren Menschen.
Ich neige nicht zu Pathos, habe keine „Adjektivdiarrhoe“ - aber dieses Buch !!!!!!!!!

Ich bedanke mich bei Tupoka Ogette für ihr Memoir „Trotzdem Zuhause“.
Für ihren Mut ihr Leben aufzuschreiben, uns daran teilhaben zu lassen.
Ich hatte intensive Lesestunden und die Lektüre hat viele Prozesse in Gang gesetzt.

Für diese paar Zeilen hab ich jetzt eine knappe Stunde gebraucht. Und mir ist die Unzulänglichkeit meiner Worte sehr bewusst.
Trotzdem schließe ich mit einem sehr abgedroschenen Satz, der aber dennoch so wahr ist.
Lest dieses ungemein wichtige Buch - und redet darüber!

Trotzdem zuhause

von Tupoka Ogette

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Rückkehr nach Budapest
Frank Menden

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Auf den ersten Blick ist es eine klassische Dreiecksgeschichte: zwei Frauen lieben den gleichen Mann.
Marta, bodenständig, eine gute Zuhörerin, bei der alle ihre Sorgen abladen und darüber zu vergessen scheinen, dass sie auch ein Leben hat .
Teresa, ihre Cousine, ist anders, schillernd und flirrend, das Schicksal scheint immer auf ihrer Seite zu sein.
Konstantin ist der Mann, um den sich beide drehen, ein Künstler, Schriftsteller, der in Opposition steht zur Politik des Landes, in dem er lebt: der DDR.

Nikoletta Kiss erzählt in ihrem Roman „Rückkehr nach Budapest“ jedoch mehr als nur die Geschichte dieser drei Menschen, dieser drei Leben in Ost-Berlin und Ungarn, in der Zeit vor der Wende.
Sie arbeitet mit verschiedenen Zeitebenen, die mit Reflexionen über Sprache und Literatur durchsetzt sind - und sich auch so mit dem unterschiedlich gelebten Sozialismus auseinandersetzt.
Vor allem aber schildert sie anschaulich und genau die Suche einer Frau nach sich selbst. Einer Frau, die sich oft am Rande des Geschehens fühlt und erst spät bemerkt, dass sie das Zentrum der Geschichte ist - und diese die ihrige ist.

Ein politischer Roman, der einen anderen Blick auf den Sozialismus bietet.
Eine Freundschaftsgeschichte, die zugleich auch eine Liebesgeschichte ist.
Eine Geschichte über den falschen Mann im richtigen Leben und umgekehrt.
Vor allem aber ein Roman, den man lesen sollte.

Rückkehr nach Budapest

von Nikoletta Kiss

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Zehn Bilder einer Liebe
Frank Menden

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„Ein Liebesroman der Gegenwart, der nichts beschönigt und gerade deswegen so überzeugt.“

Ich könnte dies jetzt so stehen lassen, denn dieses Zitat schmückt die Rückseite des exzellenten neuen Romans von Hannes Koehler, erschienen in der Frankfurter Verlagsanstalt - und es ist von mir.
Eingerahmt von Zitaten von Julia Wolf und Daniela Dröscher , also in allerbester Gesellschaft.

Aber es geht ja hier um diesen Roman, diese „Zehn Bilder einer Liebe“, die mich sehr begeistert haben.
Hannes Köhler erzählt die Geschichte eines Paares aus beiden Perspektiven. Er erzählt sie ehrlich und ungeschönt und wahrhaftig. Davon, dass Liebe allein selbst bei der großen Liebe nicht ausreicht. Und wie man mit den Fallstricken derselben trotzdem leben und lieben kann - wenn man denn wirklich will.

Zehn Bilder einer Liebe

von Hannes Köhler

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Bei aller Liebe
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Weniger kratzbüstig, aber nicht minder lesenswert ist der neue Roman von Jane Campbell. Nachdem die 82jährige Autorin mit ihrem Debüt „Kleine Kratzer“ auch hierzulande für Furore gesorgt hat, legt sie nun nach.

Die Autorin bedient sich wieder ihrem wertvollen Wissen über uns Menschen. Denn in ihrem vorherigen Leben war sie als Psychoanalytikerin in Oxford tätig. Apropos: Psychologisch klug und feinfühlig erzählt sie eine Familiengeschichte. Die beginnt damit, dass Agnes viel zu früh ihre Eltern bei einem Autounfall verliert. Ihre Mutter Sophy hat vorher ihrem Bruder Malcom einen Brief übergeben. Er soll Dr. Joseph Bradshaw persönlich ausgehändigt werden. Doch das macht Malcolm nicht. So hütet er bis heute ein Geheimnis, das eng mit seiner Nichte Agnes verknüpft ist. Warum handelt er so? Das ist eine von weiteren Fragen, denen ich mich Seite um Seite nähere.

In abwechselnden Kapiteln erlebe ich dabei die Lebensgeschichten von Dr. Joseph Bradshaw, Malcolm und Agnes. Alle widmen sich der Psychologie in verschiedenen Formen. Ein raffinierter Schachzug wie die Linien, die Campbell zusammenzieht. So baut sie ein Spannungsfeld auf, dem man ebenso wenig entgeht wie ihren klugen Ansichten: „Mit dem Alter kommt die Zerknirschung, Malcom. Da gibt es kein Entrinnen. Es kommt allerdings darauf an, wie du die Geschichte deines Lebens erzählst.“

„Bei aller Liebe“ ist ein packendes wie berührendes Buch über Lebenslügen, Familie, Verletzungen und die Kunst des Verzeihens. Die Geschichte hallt lange noch nach. Da verzichtet man durchaus auf das kratzbürstige Erzählen. Und freut sich viel mehr darüber, dass diese bewundernswerte Frau mit Anfang 80 angefangen hat, zu schreiben. Bitte weiter so und mehr davon!

Bei aller Liebe

von Jane Campbell, Bettina Abarbanell

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Der Wald
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Viel zu wenig habe ich bisher über diesen Roman vernommen. Warum nur? Denn die Booker-Preisträgerin, die mit ihrem Buch „Die Gestirne“ mit gerade mal 28 Jahre auf dem literarischen Parkett zu einer Berühmtheit wurde, zeigt erneut, dass sie zu den besten Autorinnen unserer Gegenwart gehört.

Eleanor Catton möchte mit ihrem Roman nicht nur unterhalten. Sie will uns auch zum Nachdenken anregen, indem sie zwei gegensätzliche Pole zusammenbringt. Da ist die 24jährige Mira. Die Umweltaktivistin hat eine Guerilla-Gardening-Gruppe ins Leben gerufen. Das „Birnam Wood“-Kollektiv setzt überall dort Pflanzen, wo es keiner merkt.

Als es in einem Naturschutzgebiet zu einem Erdrutsch kommt, sieht sie ihre große Chance gekommen. So bietet das große Grundstück des Unternehmers Owen Darvish viel Raum fürs Gardening. Als Mira dort ankommt, findet sie die Farm verlassen vor, und will bald loslegen, bis ihr der Milliardär Robert Lemoine über den Weg läuft... und der unterbreitet ihr ein lukratives Angebot, das wiederum den Grundsätzen des Kollektivs widerspricht.

Wahnsinn! Was für eine hochspannende Geschichte! Eleanor Cotton hat in ihrem Roman eine Vielzahl an relevanten Themen versehen: Gesellschafts- und Kapitalismuskritik, Umweltschutz, Gemeinschaft - was sie schaffen kann, aber auch spaltet, Freundschaft, Ideale – wie weit würden wir gehen? Spritzige Dialoge befeuern die plotgetriebene Handlung, die mit einem extrem packenden Showdown endet. Stephen King meint: „Grandios. Was für ein Genuss!“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer vielleicht: Setzen Sie ein Pflänzchen, auch für dieses Buch, von dem ich gern noch mehr lesen und hören möchte. Ob es uns gelingt?

Der Wald

von Eleanor Catton

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Der Kuckucksjunge
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich hatte richtigen Heißhunger! Nicht auf Lakritz, sondern auf einen guten Krimi. Da kam mir Soren Sveistrup gerade recht. Der dänische Erfolgsautor hatte mich seinerzeit mit "Der Kastanienmann" und seiner großartigen TV-Serie "Kommissarin Lund: Das Verbrechen" schier begeistert.

Und jetzt am Ende der Lektüre kann ich freudig verkünden: Auch dieses Mal hat konnte mich der Däne überzeugen. In dem Fall geht es um Stalking Opfer - Frauen und ein Mann. Der Täter schickt ihnen erst zwei Wörter "Hab dich", danach folgen Kurzmitteilungen mit Abzählreimen und sogar noch Fotos, die zeigen, dass der Verbrecher ganz in der Nähe sein muss.

Silje Thomsens ist das erste Opfer. Mehrmals hat sie ihre SIM Karte gewechselt, aber davon zeigt sich der Täter unberührt. Als ihr geschiedener Mann die gemeinsame Tochter zurückbringt, finden sie das Haus leer vor und von Silje fehlt jede Spur, das Handy ist ausgeschaltet.

Die Kommissarin Naia Thulin soll sich zusammen mit ihrem eigensinnigen Kollegen Mark Hess um diesen Fall kümmern. Die beiden verbindet noch mehr als ihre Arbeit. Als eine Leiche gefunden wird, ahnen wir bald schon, wer die Tote sein wird. Und es bleibt nicht die Einzige in diesem atmelos machenden Thriller.

Seltsam ist, dass das Vorgehen an einen Cold Case erinnert. Denn eine 19jährige Schülerin ist auf ähnliche Weise umgebracht worden: Erst gab es diese Kurzmitteilungen und dann folgte der Mord...

Soren Sveistrup ist ein Meister seines Fachs. Er setzt spannende Cliffhanger und hält die Spannung die ganze Zeit über! Man rätselt lange darüber, wer es denn nun sein könnte. Das macht für mich gute Krimiliteratur aus wie eine tolle empathische Figurenzeichnung.

"Der Kuckucksjunge" stillt nicht nur jeden Heißhunger auf spannende Lesestunden. Er macht Lust auf noch mehr Krimis! So folge ich meinem Kollegen Frank Menden, der kürzlich "Kill For Me" von Steve Cavanagh mit Begeisterung verschlungen hat.

Der Kuckucksjunge

von Søren Sveistrup

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Casino
Frank Menden

Frank Menden

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Man könnte glauben, die kleine Stadt Steinheim wäre stolz auf einer ihrer prägendsten Bürger - doch dem ist mitnichten so.
Denn Cumali Karagöz hat sein Vermögen mit Glücksspiel gemacht - 30 Spielotheken nennt er sein eigen.
Man darf spekulieren, was den braven Bürgern mehr ins Auge sticht : der Name oder das Gewerbe.
Oder etwa das fast fertiggestellte neue Casino, ein wahrer Tempel des Glücksspiels, zu dessen Eröffnung gar Mike Tyson eingeladen scheint?
Oder liegt der Argwohn der gutbürgerlichen Gesellschaft in etwas ganz anderem begründet? Einem Ereignis aus der Vergangenheit, das langsam auch Cumas eigene Familie wieder einzuholen droht und alte Gewissheiten in Frage stellt…

„Casino“ ist ein mit 216 Seiten recht kurzer Roman. Knapp und schnörkellos wird aus vier Perspektiven von einer schleichenden Verunsicherung erzählt, von einer Familie, in der sich jedes Mitglied an einem persönlichen Scheidepunkt befindet - und in dem Mike Tyson eine wunderbare Rolle spielt.
Bei der Lektüre kam das Ende für mich etwas abrupt. Jetzt, mit einigen Tagen Abstand, gefällt mir das allerdings immer besser.
Klasse Buch

Casino

von Cihan Acar

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Am Ende der Kleinigkeiten
Simone Finkenwirth

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Pures Glück umhüllt mich nach Franziska Hausers neuem Roman wie eine Membran, die mich vor äußeren negativen Einflüssen beschützt. Weltenflucht, nennen es die einen. Weltenerkundung - die anderen. Noch etwas zeigt sich in mir: Eine große Dankbarkeit, wenn es Werken wie diesem gelingt, mich voll und ganz einzusaugen.

Wobei der Anfang nicht einladend ist. Das hat weniger mit der Autorin, dafür mehr mit Irmas gemeinen Mutter zu tun. Garstig, abweisend und spitz wie ein Stachel durchbohrt sie die Harmonie der Buchstaben. Wie kann eine Mutter nur derart verletzend sein?

Irma kann eines Tages nicht mehr und haut ab. Weg vom Land und der Kommune, die ihre Mutter nach der Wende mitgegründet hat, hinein in die pulsierenden Arme der Großstadt. Als die 15jährige vorm Theater strandet, weiß sie noch nicht, dass sie in ihrem neuen Zuhause angekommen ist.

Hier stößt sie auf Menschen, die bald zu Vertrauten werden. Da ist der Regisseur Taron Capla, die erfolgreiche Blanda, den Agenten Enno und mittendrin Irma, die ohne Ausbildung bravourös auftritt. Das gelingt ihr allein dadurch: „Es war so leicht. Ich musste nur meine Mutter spielen.“

Aber natürlich bleibt es nicht einfach, denn dafür ist die Autorin bekannt. So setzt sie Irma Prüfungen aus, und verliert dabei den Ursprung der Geschichte nicht aus den Augen. Immer wieder treffen mich die mütterlichen Stacheln, ich sehe Irma taumeln und frage mich: Wird es ihr gelingen, von den Schatten der Vergangenheit loszukommen?

Für mich zählt dieses Buch zu meinen Highlights in diesem Frühjahr und ich widerspreche der Rezensentin vom Deutschlandfunk. Franziska Hauser hat mich mit ihrer Sprache, die alles andere als schlicht ist, genauso bezirzt wie mit ihrer besonderen Geschichte und bemerkenswerten Heldin. Daher gibt’s zum Indiebookday von mir eine große Leseempfehlung!

Am Ende der Kleinigkeiten

von Franziska Hauser

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Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
Frank Menden

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Beinahe wäre mir dieser Roman entgangen. Die Ausgangssituation - zwei befreundete Paare mit unterschiedlichen sozialen Status, kinderlos mit bislang unerfüllten Kinderwunsch die einen, die anderen „gesegnet“ mit zwei Kindern und dazu vermögend - schien mir als zu bekannt, als schon zu oft gelesen.
Aber was Dita Zipfel in „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ daraus macht, das ist erfrischend, mitreißend, ehrlich und pointiert.
In einem luxuriösen Bungalow an der Côte d’Azur prallen Lebensentwürfe aufeinander, Konkurrenzdenken macht sich breit - bis aus den beiden Frauen Linn und Eva langsam Komplizinnen werden…

Dieser Roman ist kraftvoll, fantasievoll, skurril und mit hohem Tempo erzählt und in seinem geschickten austarieren von Figuren und Situationen zeigt Dita Zipfel wieviel Spass es bringen kann, über die Abgründe gegenwärtiger Lebensentwürfe zu lesen.
Mein Tipp ( nicht nur ) am Weltfrauentag.

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt

von Dita Zipfel

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Kill for Me
Frank Menden

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Amanda hat nach dem Mord an ihrer Tochter und dem darauffolgenden Selbstmord ihres Mannes alles verloren.Nur der Gedanke ke an Rache hält sie aufrecht. Doch der Mörder ihrer Tochter kann der Tat nicht überführt werden. Amanda verfolgt diesen Mann, plant gar ihn zu töten, doch der wiederum dreht den Spieß um und droht ihr mit einer Klage.
Ein ihr wohlgesonnener Polizist empfiehlt ihr den Besuch einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Verbrechensopfern. Und tatsächlich offenbart ihr diese Gruppe einen Hoffnungsschimmer, wenn auch auf völlig andere Art und Weise als gedacht.
Sie freundet sich mit Wendy an, die eine ähnliche Geschichte wie ihre hat. Und an einem weinseligen Abend schliessen die beiden Frauen einen Pakt: inspiriert von Patricia Highsmith Roman und dem darauf basierenden Hitchcock Film „Der Fremde im Zug“ beschliessen sie ihre geplanten Rachemorde zu tauschen. Amanda soll den Mörder von Wendy Tochter zur Strecke bringen, Wendy den von Amandas Tochter. So können sich beide ein wasserdichtes Alibi verschaffen und können endlich ihren Frieden finden. Doch selbst der scheinbar perfekteste Plan hat seine Tücken…

Steve Cavanaghs Thriller ist ein Pageturner par excellence! Langsam steigert der aus verschiedenen Perspektiven erzählte Roman die Spannung, überrascht mit immer neuen Twists, bis man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Ein wahrlich atemberaubender Thriller, der zwar manchmal etwas dick aufträgt, aber seine Leser effektiv manipuliert und bis zum Ende nicht mehr vom Haken lässt.

Kill for Me

von Steve Cavanagh

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Die glücklichste Familie der Welt
Frank Menden

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„Eine Erzählung beginnt nie einfach irgendwo von selbst, man muss entscheiden, wo man anfangen will.“

„Die glücklichste Familie der Welt“ von Anna Brynhildsen , übersetzt von Franziska Hüther, beginnt mit der Planung eines Wochenendes in Berlin. Mats, seine sechzehnjährige Tochter Evi und ihre 28jährige Cousine Sara wollen die Briefe der verstorbenen Großmutter dem Jüdischen Museum übergeben, das Grab des Großvaters besuchen und den Stolperstein für ihre Familie suchen.
Doch die Reise zu den Spuren der Vergangenheit ist auch durch die Gegenwart ihrer drei Protagonisten belastet: Mats will auf dieser Reise seiner Tochter eine wichtige Mitteilung machen, Evi ist nach ihrer Krankheit vermeintlich immer noch so labil, dass Vater und Cousine sie allzu aufmerksam beobachten, und Sara ist schwanger und weiß nicht wie ihr Leben weitergehen soll.

Anna Brynhildsen durchbricht diese Erzählebene immer wieder mit der Vorgeschichte der Familie Wolff, von ihrem Beginn bis zu deren Vertreibung und teilweisen Auslöschung.

Man muss sich auf diesen Roman einlassen, denn gerade die Gegenwartsebene, die wenigen Tage in Berlin, braucht deutlich länger, um beim lesen zu verfangen als die Rückblicke in die Familiengeschichte. Es lohnt aber dranzubleiben, denn der Autorin ist auch Dank dieser Konstruktion ein bemerkenswerter Roman über Familienbande, Geheimnisse, Lügen und intergenerationale Traumata gelungen.

„Das Neue beginnt damit, dass ein Moment sich an einen anderen fügt.“

Die glücklichste Familie der Welt

von Anna Brynhildsen

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Half His Age
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Die Geschichte ist nicht neu. Trotzdem lese ich sie mit Neugier, Begeisterung und roten Ohren "Half His Age" von Jennette Mccurdy. Waldo hat ein sehr lebendiges Sexleben: "Ich weiß schon, dass dieses genervte Ächzen nicht gut kommt, wenn man gerade von einem Typen geleckt wird, aber im Moment kann ich mich echt schwer zurückhalten." Oha! Von solchen expliziten Stellen hagelt es hier mehr als mir manchmal lieb ist. Trotzdem lese ich weiter. Je tiefer ich eintauche, um so mehr dringe ich zum Kern vor. Und der ist weniger hot, eher beklemmend und düster.

Waldo lebt mir ihrer Mutter in präkeren Verhältnissen zusammen. Die wiederum hat wechselnde Männerbekanntschaften. Nach jedem Ende versinkt ihre Mutter in eine Depression. So will Waldo nie werden. Und doch wird sie selbst bald in ein solches tiefes Tal fallen. Als sie mit ihrem Lehrer Mr. Korgy eine Affäre beginnt. Mr. Korgy unterrichtet Kreatives Schreiben, erkennt Waldos Talent. Und genauso ihre Neugier, Reife und natürlich findet er sie reizend. Erst versucht der verheiratete Vater der Anziehung zu entgehen, aber hey, am Ende ist er auch nur ein Mann.

Man könnte diese Geschichte als Nabokovs "Lolita" lesen. Doch sie ist natürlich moderner. Heutige Kummerfluchten wie das Internet und damit verbunden der immer verfügbare Konsum, das hat es damals nicht gegeben. Diese unmögliche Lovestory trieft nicht nur vor Sex. Es geht um Klassizismus, und den Wunsch nach einem besseren Leben. Immer, wenn ich denke, es reicht jetzt langsam mit dem Sex, wirft mir die Autorin ziemlich kluge Sätze zu und ich betrachte die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel.

So sehe ich einen verzweifelten Hilferuf! Höre den Wunsch nach einer Rettung heraus - durch einen älteren Mann. Kann das gelingen? Und geht es hier wirklich um den älteren Liebhaber oder viel mehr um das, was Waldo zum ersten Mal führt? Dass Sex mehr ist als reine Befriedigung.

"I'm Glad My Mom Died" war der große Erfolg der Autorin. Auch in ihrem aktuellen Roman treffe ich auf ihre offenherzige, witzige Erzählweise. Mag der Ausgang für manche vorhersehbar sein, ich mochte vieles an dieser sexy, belebenden und mitunter tiefsinnigen Story.

Altersempfehlung ab 18 Jahren!

Half His Age

von Jennette McCurdy

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Heimliche Zeilen
Frank Menden

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„Die Lebensphilosophie meiner Eltern lautete immer: Nicht zu hoch zielen. Den Kopf immer schön unten halten. Keine Umstände machen. In ihren Augen war es das schlimmste Verbrechen, wenn sich jemand zu hoch aufschwang.“

Christopher Finders ist 45, nach dem Tod der Eltern hat er nur noch sein Elternhaus, in dem sein recht merkwürdiger Bruder Gerald haust - anders kann man es nicht nennen - seine Ex Frau Carol und sein eigenes kleines Häuschen in Yorkshire. Seinen Job als Finanzbeamter hat er gerade verloren.
Dabei sah es einmal ganz anders aus bei ihm. Sein Traum vom Schriftstellerdasein schien sich erfüllt zu haben, als der berühmte Lektor Owen Goddard ihn förderte, sein Debütroman wurde auch veröffentlicht - doch dann….
War er wirklich zu hoch geflogen? Oder hatte ihm das Leben nur einen seiner Streiche gespielt? Ihm alles versprochen und dann wieder genommen?
Da eröffnet eine unerwartete Begegnung die Chance, dem Leben doch noch einmal eine entscheidende Wendung zu geben…

Claire Chambers „Heimliche Zeilen“ , übersetzt von Wibke Kuhn, hat mich wie schon ihr Roman „Scheue Wesen“ von den ersten Sätzen an in den Bann gezogen. Ich mag ihren ruhigen Stil, die genaue Charakterzeichnung, den leisen Humor. Und die Hoffnung, die dieses Buch über verpasste Chancen und Lieben ausstrahlt.
Einfach ein wunderbar unaufgeregter und trotzdem fesselnder Roman.
Was will man mehr.

Heimliche Zeilen

von Clare Chambers

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Zugwind
Simone Finkenwirth

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Wann hat der Zugwind zuletzt in Ihrem Herzen gewütet? Bei mir war's erst vergangene Woche. Aber zum Glück hat mich Iryna Fingerova aufgefangen. Denn ihre Romanheldin aus "Zugwind" ergeht es genauso: "Der Zugwind, der sich in mir breitgemacht hatte, machte keine Anstalten, sich zu beruhigen. Die Fenster und Türen schlugen. Sie weckten die Kinder auf!"

Am 24. Februar 2022 überfällt Mira diese Unruhe. An dem Tag, als Russland in ihr Heimatland einmarschiert. Mira lebt da bereits mit ihrem Mann, ihrer fünfjährigen Tochter und ihren Eltern in Deutschland. Sie arbeitet als Ärztin, erst im Krankenhaus, bald in einer Hausarztpraxis bei Frau Erde und Frau Meer. Anhand der Namen merkt man schon, hier ist eine Poetin am Werk. Als Mira dort beginnt, spricht sich das natürlich in der ukrainischen Gemeinde herum, und bald suchen sie viele Patienten aus der alten Heimat auf. Sie haben unterschiedliche Leiden, die uns die Erzählerin anonymisiert teilt. "Frau A. brach in Tränen aus, kaum, dass sie Platz genommen hatte."

So verschieden die Menschen sind, eint doch alle diese Tatsache: "Mit einem Bein in der Ukraine, mit dem anderen in Deutschland. In zwei Realitäten gleichzeitig." Das strengt auf Dauer an. Iryna Fingerova gibt den entwurzelten Menschen eine Stimme, ohne Pathos oder Schwere. Sicherlich zwickt das Herz, aber es knickt nie ganz in sich zusammen, denn die Autorin kommt rechtzeitig mit ihrer charmanten Leichtigkeit daher und schenkt mir einen Sonnenstrahl, der das Dunkle vertreibt. Übrigens stellt ihre Heldin auf der Verlagsseite des Rowohlt Verlags Rezepte gegen Zugwind-Beschwerden aus:
https://www.rowohlt.de/zugwind

Auch Mira spürt diese Zerrissenheit. Obwohl sie sich mit ihrem Mann ein Leben in Deutschland aufgebaut hat, sehnt sie sich nach Odesa und ihrer Großmutter. Als es ganz schlimm wird, sagt ihr Mann, sie solle endlich fahren. Das macht Mira dann auch, und nimmt mich mit. Zeigt, wie ein normales Leben in einem Kriegsland weiterexistieren kann und muss.

"Zugwind" ist ein kluges, berührend schönes, luftig charmantes und wichtiges Buch über den noch andauernden Krieg in der Ukraine. StaywithUkraine!

Zugwind

von Iryna Fingerova

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Holly
Frank Menden

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„Glücklichsein war nie mein Ziel, das ist doch ein fürchterlicher Zustand, da hat man ja die ganze Zeit Angst, dass es gleich wieder vorbei ist.“

Die angebliche Sichtung eines seltenen Vogels auf einer kleinen Insel vor Finnland steht am Beginn dieser ungewöhnlichen Geschichte.
Die junge Journalistin Eva soll dieser Meldung nachgehen und trifft auf der Insel Holly, eine verwitwete Schauspielerin, die den Blauwangenspint, so der Name des normalerweise in Nordafrika vorkommenden Vogels, gesichtet haben will.

Was sich nun entspinnt ist die Konfrontation zweier Höchst unterschiedlicher Frauen. Ruhig und zurückhaltend trifft auf expressiv und extrovertiert. Doch bald verschwimmen die Grenzen - und als ein ehemaliger Liebhaber Hollys auf der Insel auftaucht, werden die Karten neu gemischt.
Und was hat es eigentlich mit dem gesichteten Vogel auf sich?

„Holly“ von Maisku Myllymäki , übersetzt von Elina Kritzokat, ist ein ungewöhnlicher Roman, der mich immer wieder an Ingmar Bergmans Film „Persona“ erinnert hat - und der doch ganz anders ist.
Raffiniert, spannend, mir der richtigen Dosis Unwägbarkeit, ist der finnischen Autorin ein Buch gelungen, das sicherlich polarisiert.
Mich haben diese beiden Frauen und die Dynamik ihrer Begegnung ungemein fasziniert - bis zum ungewöhnlichen und zwingenden Ende.
Von Maisku Myllymäki würde ich gern mehr lesen!

Holly

von Maisku Myllymäki

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Miss Betony in Gefahr
Frank Menden

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Emma Betony ist kurz davor ihren Ruhestand in einer Sommerresidenz zu verbringen, als sie eine ihrer ehemaligen Schülerinnen um einen Gefallen bittet.
Grace Aram leitet ein kleines Internat, in dem merkwürdige Dinge vor sich gehen. Zu gern macht sich Miss Betony auf den Weg, muss jedoch bald feststellen, dass sich in der Schule wirklich mysteriöse Dinge abspielen. Und während sie noch versucht die komplizierten Beziehungen von Schülerinnen und Lehrerinnen zu durchdringen fällt ihr Verdacht auf einen Mann, der alle Bewohner des Internats in seinen Bann zu ziehen scheint: den „Großen Ambrosio“, ein Wahrsager. Warum nur folgen alle diesem Mann? Und was bezweckt er? Oder ist alles nur ganz harmlos und die Gefahr lauert woanders?

Ich liebe Krimiklassiker! Und von Dorothy Bowers hatte ich zu meinem Leidwesen noch nie gehört, obwohl sie in den 1940ern zu den erfolgreichsten Kriminalschriftstellerinnen Englands gehörte und von Dorothy L. Sayers in den ehrwürdigen „Detection Club“ geladen wurde. „Miss Betony in Gefahr“ bietet beste klassisch englische Krimiunterhaltung: atmosphärisch, intelligent, mit vielen falschen Fährten, einer gelungenen Auflösung und einer heldin, die Miss Marple in nichts nachsteht.

Miss Betony in Gefahr

von Dorothy Bowers

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Die vorletzte Frau
Frank Menden

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Als Katja Oskamp 2019 mit „Marzahn, mon amour“ ein bis heute von vielen gefeiertes Buch veröffentlicht, war sie für viele Lesende eine große Entdeckung.
Für mich war die Schriftstellerin keine Unbekannte mehr, hatte sie mich doch schon 2003 mit ihrem Debüt „Halbschwimmer“ und den nachfolgenden Büchern „Die Staubfängerin“ und „Hellersdorfer Perle“ vollkommen begeistert.

Nun erscheint mit „Die vorletzte Frau“ endlich ein neuer Roman.
Wie bereits der Vorgänger ist auch dieses Buch stark autofiktional ( ihre Tätigkeit als Fußpflegerin und der Erfolg ihres darauf basierenden Buches werden hier auch thematisiert ).
Im Zentrum steht die 19 Jahre dauernde Beziehung zu einem bekannten Schriftsteller, die zu Beginn alles ist, was man sich von einer Liebesbeziehung nur wünschen kann - und die sich dann durch die Krankheit des Mannes mannigfaltig verändert.

Katja Oskamp schreibt entwaffnend ehrlich, nie despektierlich, mit scharfer Beobachtung und ebensolchem Humor. Sie gibt intime Einblicke und bleibt doch diskret ( ihr langjähriger Partner ist mit dem Roman einverstanden), lässt uns teilhaben an ihrem Leben, ihrer Liebe, ihrem Muttersein, den Erfolgen und Misserfolgen - und hat mich aufs Neue beeindruckt, berührt und begeistert.
Einzelheiten zu erzählen würde bedeuten viel vorwegnehmen. Zum Beispiel, warum der Roman diesen Titel trägt und eine Katze auf dem Cover abgebildet ist.
Aber das Vergnügen, dies selbst herauszufinden, selbst in dieses Buch , dieses Leben, einzutauchen, es mit zu leben - dies möchte ich mit keinem Wort zu viel spoilern.
Nur so viel: gönnt euch diesen Roman! Ihr werdet es in keinster Weise bereuen .

Die vorletzte Frau

von Katja Oskamp

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Die Bäume streifen durch Alexandria
Frank Menden

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„Die Abbildungen der Mächtigen konnten wechseln, doch blieb das Artinos, was es immer gewesen war, nämlich ein erstklassiges Lokal.“

Die Haute Volee Alexandrias ist in den 1960er Jahren im „Artinos“ zuhause. Meist trifft sich die Gruppe von Intellektuellen und Freigeistern gegen Mitternacht, diskutiert und kommentiert sowohl die privaten Beziehungen und erotischen Verwicklungen, als auch die sich allmählich abzeichnenden politischen Veränderungen. Denn das von Multikulturalität geprägte Alexandria wird zunehmend geprägt von dem vom Geheimdienst gesäten Misstrauen. Und auch die Gruppe um die Buchhändlerin Chantal, Schokoladenfabrikant Tony und dem schillernden Carlo kann den Zeichen der Zeit bald nichts mehr entgegensetzen. Denn wie kann man in einer beginnenden Diktatur Widerstand leisten, wie in ihr leben, ohne sich und seine Freunde zu verraten?

„Die Bäume streifen durch Alexandria“ von Alaa al-Aswani , übersetzt von Markus Lemke, ist ein fesselndes Porträt einer Gesellschaft, eines Landes im Umbruch. Dabei ist der komplexe Roman dank der hervorragenden Figurenzeichnung, der vielen Perspektiven und kurzen Kapiteln absolut mitreißend zu lesen. Man wähnt sich wie in einer packenden Fernsehserie, ohne dass die Kernaussage verloren geht: die Warnung vor der Vereinheitlichung des Denkens.
Dieser Roman aus dem letzten Herbst sollte noch unbedingt von vielen Menschen gelesen werden, ist er doch leider allzu aktuell.

Die Bäume streifen durch Alexandria

von Alaa al-Aswani

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Die Sonne und die Mond
Simone Finkenwirth

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Wenn ein geliebter Mensch von uns geht, tut das sehr weh. Genauso schmerzhaft sind die Wellen der Trauer, die einen immer wieder erfassen. Chris Kraus findet dafür die passenden Worte: "Auch das Vergehen von Menschen heißt nicht, dass sie nicht überdauern. Alles Bedeutende existiert nur in der Erinnerung." Das schreibt jemand, der seinen Lebensmensch verloren hat. "Die Sonne und die Mond" hat ihn durch die schwere Zeit getragen. Ich staune wieder einmal, wie viel Kraft in der Liebe steckt.

Wobei das Gros der Geschichte alles anderes als ruhig ist. Denn hier treffen zwei gegensätzliche Pole aufeinander. Da ist die stille in sich gekehrte Sonne. Eigentlich heißt sie Sonja, aber ihr Vater hat sie immer Sonne genannt. Sonne betreibt in einer ehemaligen Bäckerei ein alternatives Berliner Bestattungsunternehmen. Als Mond ins ruhige Örtchen reinfällt, steht die Welt Kopf. Mond heißt Jana von Mond und erinnert mich an einen bunten Kanarienvogel dessen Schnabel nie stillsteht.

Sonne reagiert ziemlich kratzbürstig und wird von ihrem Angestellten zurechtgewiesen. Was Samuel und ich nicht wissen, ist der Konflikt, den die Freundschaft seinerzeit entzweit hat. Auch Monds aktuelles Problem ist alles andere als einfach: Ihr geliebter Mann ist mit seiner Freundin bei einem Verkehrsunfall in Italien ums Leben gekommen. Said hat in seinem Testament darüber verfügt, dass er mit Ying Shu zusammen beerdigt werden will.

Und jetzt? Sonne will Mond am liebsten rausschmeißen. Mond hingegen fleht, bettelt und wird schließlich von ihrer alten Freundin erstmal mit nach Hause genommen, in die kleine Wohnung, die Sonne mit ihrem Sohn Nicky bewohnt. Eine goldige Frohnatur, die ich sofort ins Herz schließe wie Nicky Jana.

Man merkt dem Autor sein erfahrenes Händchen für Figuren und Plots an. So fühlt sich die Lektüre wie ein wunderschöner Kinofilm an - mit dem Unterschied, dass sich neben schmissigen Dialogen und bizarren Momenten nachdenklich kluge Gedanken wie sanfter Schnee über das bunte Treiben legt.

"Überleben ist kein Wert von Dauer, auch unser Überleben nicht." Das ist einer der Sätze, der sich in mein Gedächtnis gebrannt hat wie die Figuren, die ich nur schwer loslassen möchte. Doch auch das gehört zum Leben dazu: Abschied zu nehmen, voller Dankbarkeit zu sein für die gemeinsame Zeit, reich gesegnet mit vielen Erinnerungen, die einem keiner nehmen kann. Ganz im Gegenteil: Sie sind der Ort, an dem wir immer wieder zu unseren Lieben zurückkehren können, und das zu jeder Sonnen- und Mondzeit!

Die Sonne und die Mond

von Chris Kraus

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Das Unwetter
Frank Menden

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Aus der beliebten Reihe „Bücher, die niemand auf dem Schirm hat“ heute: „Das Unwetter“ von Brit Bildoen, übersetzt von Frank Zuber.

Dieser Roman entzieht sich jeglicher kategorischen Einordnung.
Es ist Oktober, das Wetter in Norwegen ist eher unwirtlich. Trotzdem soll in einem kleinen abgeschiedenen exquisiten Hotel in den Bergen die goldene Hochzeit der Eltern gefeiert werden.
Tochter Dorte hat alles geplant und organisiert, obwohl man nun auch wirklich gut Zuhause hätte bleiben können.
Was nun folgt, ist ein klassisches Thriller Setting: eine Gerölllawine macht die Straße ins Tal unpassierbar, die Familie sitzt zusammen mit dem Wirt Ole fest - und dann tauchen plötzlich zwei fremde Männer auf…
Aber es kommt ganz anders als man denkt.

Ich kann mir gut vorstellen, wie man im Verlag gerätselt hat, wie dieses Buch zu platzieren sei.
Die Tagline „Sechs Menschen, drei Tage - und ein Berg voller Lügen“ ist auf jeden Fall viel zu reißerisch für diesen klugen, gut beobachteten, ruhigen und dennoch ungemein spannenden und beklemmenden Roman.
Für mich schreit diese Vorlage geradezu nach einer Verfilmung durch Thomas Vinterberg, so sehr hat es mich in der Atmosphäre und Personenkonstellation an seine Filme erinnert.

Wer Lust auf einen kleinen feinen beunruhigen Roman ohne Effekthascherei hat , der sollte sich diesem „Unwetter“ unbedingt aussetzen.

Das Unwetter

von Brit Bildøen

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The Tainted Cup
Simone Finkenwirth

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Wahnsinn! Irre! Unglaublich! im besten Sinne fantastisch ist dieser großartige Krimi. Er steht aktuell in der Krimibestenliste bei Deutschlandfunk Kultur. Yes! Da gehört er hin!

Kaum ausgepackt, waren meine Kollegin Sarah O'Connor und ich wie vom Blitz getroffen. Wir ahnten, dass „The Tainted Cup“ von Robert Jackson Bennett etwas ganz und gar Außergewöhnliches sein muss. Nicht nur, weil das Buch mit dem „Hugo Award 2025“ ausgezeichnet wurde. Da war noch etwas... kennen Sie doch alle! Diese Magie, die aus manchen Büchern besonders herausströmt. Und jetzt nach der Lektüre lachen Sarah O'Connor und Simone Finkenwirth immer noch. Voller Freude und Staunen über das wundersame schöne Ding aus Papier!

Alles beginnt mit einem Mord. Als unser Held an den Ort des Geschehens gerufen wird, verschlägt es auch ihm die Sprache: Aus dem Körper des toten Mannes ist ein Baum gewachsen. Wie kann das sein? Dinios‘ exentrische Chefin Ana weiß recht schnell, was es damit auf sich hat. Es bleibt nicht bei dem einen Toten. Denn kurze Zeit später geschieht an der Mauer ein Durchbruch vom Levithian ausgelöst. Wer jetzt noch bei uns ist, sollte sich schleunigst diesen unterhaltsamen wie fantastievollen Roman gönnen. Zu finden ist er auf unserer Eingangspyramide. Haben wir natürlich auch auf Englisch.

Übrigens folgt bald Teil 2. Erstmal nur auf Englisch. Aber die deutsche Übersetzung lässt sicherlich nicht lange auf sich warten. Das eingesprochene Hörbuch von Tim Gössler ist genauso beeindruckend. Eine Stimmenvielfalt und wahrer Filmgenuss! Ja, es fühlt sich wie ein extrem guter Filmritt an. Erschienen ist’s bei Hörbuch Hamburg.

Jakob und Karla Schmidt haben diesen Hochkaräter aus dem Englischen übersetzt.

The Tainted Cup

von Robert Jackson Bennett

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Tödliches Angebot
Frank Menden

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Washington D.C.
Nach 18 Monaten und 11 verlorenen Bietergefechten auf dem heiß umkämpften Immobilienmarkt ist Margo Miyake mit den Nerven am Ende. Wann endlich kann sie mit ihrem Mann in das ersehnte Traumhaus ziehen? Wann endlich wird ihr Leben endlich so sein wie sie es verdient hat? Und wann kann sie endlich mit der Familienplanung beginnen ( ihre kleine Zweizimmerwohnung ist gänzlich ungeeignet für ein Kind )?
Da hört sie von einem wunderbaren Haus in der einer heissbegehrten Wohngegend und ist sich sicher: dieses Haus muss es einfach sein.
Eine erste In Augenscheinnahme von der Straße aus ist vielversprechend. So vielversprechend, daß man die aktuellen Bewohner unauffällig beobachten kann. Eigentlich könnte man ja auch einmal unbemerkt einen kurzen Blick ins Haus werfen. Und warum sich nicht „zufällig“ anfreunden?
Doch Margo hat da bereits eine Grenze überschritten. Und schreckt vor nichts zurück, um endlich ihr Traumhaus beziehen zu können. Vor gar nichts!

„Tödliches Angebot“ ist ein wunderbar böser Pageturner mit einer zugegeben leicht erratischen Protagonistin. Aber Marisa Kashino drückt aufs Tempo, schüttelt immer neue Twists aus dem Ärmel, bis man atemlos am Ende dieser vertrackten Geschichte angekommen ist. Margo ist sicherlich keine Sympathieträgerin. Aber wer schon einmal im Leben verzweifelt eine Unterkunft gesucht hat kann nicht umhin sie für ihre Kreativität und Hartnäckigkeit zu bewundern- zumindest ein bisschen.

Tödliches Angebot

von Marisa Kashino

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Hörst du den Schrei?
Frank Menden

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Vor fünfzehn Jahren verschwand die siebenjährige Leah spurlos. In einem reinen Indizienprozess wurde ihr Vater Tobias des Mordes an seiner Tochter für schuldig erklärt, obwohl nie eine Leiche gefunden wurde.
Podcaster Markus Heger nahm sich des Falles an, aber als eine seiner Quellen, die eine aufsehenerregende neue Spur versprach, ihr Aussage wieder zurückzog, ließ er die anvisierte zweite Folge fallen.

Als sich die Journalistin Mathilde Wold aufgrund des Podcasts mit dem Fall befasst, stößt sie auf eine neue Spur. Doch bevor sie mit Markus Heger sprechen kann, verschwindet auch sie.
Heger steigt nun selbst wieder in die Ermittlungen ein und entdeckt bald einige Ungereimtheiten. Warum z.B. hat sich Tobias damals kurz vor seiner Entlassung in seiner Zelle erhängt? Markus hat immer mehr den Verdacht, dass der wahre Täter noch ungestraft weiter in der Öffentlichkeit lebt – und weiter mordet…

Der erste Krimi des Duos Jorn Lier Horst, dessen „Wisting“-Romane ich nachdrücklich empfehlen kann, und Jan-Erik Fjell überzeugt auf ganzer Linie. Geschickt verknüpfen die beiden Autoren True Crime und Crime Podcast und erschaffen eine zwar recht gradlinige, aber dennoch hochspannende Geschichte, die tief in der Vergangenheit und den menschlichen Abgründen höchst Überraschendes zu Tage fördert.
Von dem Podcaster Markus Heger wird hoffentlich noch mehr zu lesen sein…

Hörst du den Schrei?

von Jørn Lier Horst, Jan-Erik Fjell

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Der andere Arthur
Frank Menden

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Arthur Opp, ehemaliger Literaturprofessor, 250kg schwer, hat sein Haus in Brooklyn seit über zehn Jahren nicht mehr verlassen. Seine einzige Freude ist das Essen und das Fernsehprogramm, Kontakte zur Aussenwelt sind schon seit längerer Zeit eingeschlafen.
Da meldet sich eine Stimme aus der Vergangenheit bei ihm. Charlene Turner, eine ehemalige Studentin, bittet Arthur um Hilfe. Ihr Sohn Kel kämpft mit seinem Schulabschluss und dem Leben an sich. Ob Arthur ihm evtl. etwas an die Hand nehmen könnte, ihm Ratschläge geben, neue Perspektiven zeigen könnte…

Es ist dem großen und verdienten Erfolg von „Der Gott des Waldes“ zu verdanken, dass dieser bereits 2012 im Original erschienene Roman nun in einer exzellenten Übersetzung ( Cornelius Hartz ) azf Deutsch vorliegt. Liz Morre erzählt hier eine gänzlich unsentimentale Geschichte über zwei Aussenseiter, über Einsamkeit und Perspektivlosigkeit, Armut, verpasste Chancen – und über einen kleinen Streifen Hoffnung am Horizont.
Nie droht ihr Roman in Pathos oder Kitsch abzudriften, immer bleibt sie nah bei ihren hervorragend gezeichneten Figuren.
Ruhig, unaufgeregt, legt sie Schicht um Schicht der beiden ungleichen Protagonisten frei – und beschert uns einen berührenden, unvergesslichen Roman.

Der andere Arthur

von Liz Moore

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Dämmerung
Frank Menden

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„Sie hatte sich fremde Identitäten ausgeliehen, um sich nicht für eine eigene entscheiden zu müssen. Nun hatte das Leben für sie die Entscheidung getroffen.“

„Dämmerung“ von Kjell Westö , übersetzt von Kristina Maidt - Zinke, stellt zwei Menschen ins Zentrum des „Romans aus Kriegszeiten“, so der Untertitel.
Molly, eine Schauspielerin, die vermehrt mit ihrem Beruf hadert, der ihr in den Wirren der Kriegszeit 1940/41 immer mehr abverlangt.
Und Henry, ein Journalist, den das an der Front erlebte Grauen nicht mehr loslässt und der gegen die Zensur seiner Redaktion kämpft, die seine realistischen Berichte nicht drucken wollen.

Zwei Menschen, die sich kennenlernen, sich verlieben, die der Krieg vor mannigfaltige Herausforderungen stellt, als Individuen, als Paar.
Was, wenn die gemachten Erfahrungen zu traumatisch sind, was, wenn die einsetzende Sprachlosigkeit zu Verletzungen führt, die nicht mehr zu kitten sind?

Kjell Westös preisgekrönter Roman verbindet seine Liebesgeschichte mit der Geschichte Finnlands und der Geschichte der Finnlandschweden.
Es ist ein Buch, das unter die Haut geht , Einblicke in das Theater- und Kulturleben gibt und über die Gräuel des Krieges an der Front und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Dazu ist es ein Plädoyer für die Aufgabe des Journalismus in harten und schwierigen Zeiten.
Sehr zu empfehlen!

Dämmerung

von Kjell Westö

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Tage des Lichts
Simone Finkenwirth

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Liebe auf den ersten Blick gibt es nicht nur bei Menschen. Auch zwischen Büchern und den Lesenden. Megan Hunter ist für mich der lebende Beweis dafür! Mit ihrem neuen Roman "Tage des Lichts" hat sie die Tür zu meinem Herzen sofort ganz weit aufgestoßen. Genau dort sitzt sie und ich verrate Ihnen nun warum.

Ivy ist die tragende Figur in dem Roman, der mich von der ersten Seite an bezirzt. Kein Wunder, ist Ivy in eine Künstlerfamilie hineingeboren und ich fühle mich diesen interessanten Menschen seit jeher verbunden. So falle ich federleicht in dieses flirrende Setting. Es ist Ostersonntag im Jahr 1938. In dem atmet die Kunst. Ivys Bruder Angus teilt sich das Atelier mit seiner Mutter. Joseph, Ivys anderer Bruder, singt indes schief. Er ist voller Vorfreude, denn heute soll seine Liebste endlich eintreffen: Frances. Alle sind gespannt. Nun passiert an diesem Tag etwas, das dem Leben und der Geschichte eine andere Wendung gibt. Plötzlich knallt mir eine Faust in den Bauch.

Aber wir bleiben tapfer, Ivy und ich. Gehen unsere Wege, viel mehr Ivy, und ich folge dieser Frau mit den zwei Gesichtern. Einerseits spürt sie die Freiheit und den Wunsch nach einem selbstbestimmten anderem Leben jenseits der Norm, andererseits geht sie doch die Ehe ein, wird Mutter, hat aber tiefschürfende Gedanken und den Wunsch nach einer überirdischen Transformation, denn das helle Licht aus dem Jahr 1938 in dem Fluss geht ihr nicht aus den Kopf. Wie Frances, die eines Tages wieder auftaucht und mehr in Ivy auslöst, als es eigentlich sollte und durfte zu dieser Zeit.

Der Roman wird getragen von einer wärmenden Zärtlichkeit. Elegant, stimmungsvoll und mit einer feinfühligen Hand zeichnet die Autorin ein Frauenleben mit all seinen Facetten. Ein Buch über das Verlangen und der weiblichen Urkraft. Still erzählt, aber mit einer wunderschönen Melodie, die sich um das helle Licht dieses feinen Romans legt wie eine Geliebte um ihren Herzensmenschen. Das ist Liebe!

Tage des Lichts

von Megan Hunter

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Ehemänner
Frank Menden

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Als Lauren von einem feucht fröhlichen Junggesellinnenabschied nach Hause kommt findet sie einen fremden Mann in ihrer Wohnung .
Der beteuert jedoch ihr Ehemann zu sein - nur ist Lauren Single .
Als der Mann auf den Dachboden geht und kurz darauf ein anderer Mann durch die Luke in der Decke in ihre Wohnung steigt , zweifelt Lauren an ihrem Verstand.
Doch bald versteht sie zwar nicht was da vor sich geht , das Konzept der stetig wechselnden Ehemänner überzeugt sie jedoch .
Wie befreiend , Männer beim kleinsten Misston einfach auszuwechseln.
Allerdings wechseln nicht nur die Männer, auch ihre Lebensumstände sind immer andere, die Wohnung mal mehr oder weniger geschmackvoll möbliert und auch das Verhältnis zu Nachbarn und Freundinnen ist jedes Mal leicht anders…

„Sie mag die neuen Versionen von sich selbst nicht immer, aber sie helfen ihr, die Grenzen ihrer Persönlichkeit zu verstehen.“

„Ehemänner“ , übersetzt von Babette Schröder ist eine Wundertüte von Roman.
Nicht nur ist die Idee absolut zwingend und originell ( ich habe ein paar Mal laut auflachen müssen ), die Autorin versteht es hervorragend , ihrer Geschichte durch immer wieder neue Ideen Wendungen zu verleihen, die ihr immer mehr Tiefe geben.
Für mich war dieser intelligente Unterhaltungsroman eine sehr begeisternde Leseerfahrung, die nicht nur das moderne Datingverhalten kommentiert , sondern auch andere Aspekte unserer Gesellschaft kritisch beleuchtet .
Ein großer Spaß mit Mehrwert !

Ehemänner

von Holly Gramazio

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O Brother
Frank Menden

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2010 begeht Gary Niven im Alter von 42 Jahren Selbstmord. Vor allem sein älterer Bruder John quält sich seitdem mit Schuldgefühlen : hätte er die Tat kommen sehen können, hätte er eingreifen können , hätte hätte hätte…

John Nivens „O Brother“ ist weitaus mehr als nur ein sehr persönliches Memoir.
Der erfolgreiche Schriftsteller spürt der Frage nach, warum zwei Menschen mit der gleichen Herkunft, den gleichen Lebensumständen völlig andere Lebenswege einschlagen.
Warum der eine , John selbst, im Leben reüssiert, erfolgreich wird, während der andere, Gary, von frühester Kindheit an ein Troublemaker ist und auf die schiefe Bahn gerät. Auf einen Weg, aus dem er an seinem Ende keinen Ausweg mehr sieht.

John Niven schont sich und die Seinen in diesen berührenden Lebenserinnerungen nicht. Er schreibt sich die Trauer von der Seele, durchlebt noch einmal alle Höhen und Tiefen der Geschwisterbeziehung, hinterfragt die Erziehung der Eltern und auch seine eigenen Verhaltensmuster.
Immer wieder blitzt der Nivensche schwarze Humor durch, aber vor allem ist dieses ungemein bewegende Buch eine Hommage an den verlorenen Bruder.
Beeindruckend!

O Brother

von John Niven

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Das Mädchen vom Moorhof
Frank Menden

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In dieser rauen und gefühlt politisch immer absurder werdenden Zeit war die Lektüre von Selma Lagerlöfs Novelle „Das Mädchen vom Moorhof“ eine willkommene Ruhepause.

Die Magd Helga erwartet im Schweden der Jahrhundertwende um 1900 ein unehrliches Kind. Der Vater , ein Bauer, streitet die Vaterschaft jedoch ab, auf eine eidesstattliche Erklärung seinerseits verzichtet Helga jedoch, weil ihr das Seelenheil des Mannes mehr wert ist als Gerechtigkeit ihr gegenüber.

Diese Integrität rührt die Menschen in ihrem Umfeld sehr, die Eltern nehmen sie wieder bei sich auf, und in der Gestalt des schmucken Gudmund scheint auch die Zukunft wieder heller zu sein…

Die Sühne von Schuld und die versöhnende und erlösende Kraft der Liebe waren neben einprägsamen Schilderungen der varmländischen Natur die grossen Themen Selma Lagerlöfs.
1909 erhielt sie als erste Frau den Literaturnobelpreis, 1914 wurde sie als erste Frau in die Schwedische Akademie aufgenommen.
Die von Hanna Granz neu übersetzte Novelle mit den wunderbaren Zeichnungen von Ulrike Möltgen bietet eine willkommene Gelegenheit die Autorin ( wieder) zu entdecken.

Das Mädchen vom Moorhof

von Selma Lagerlöf

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Das Internat
Frank Menden

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Die Geschichte der „Sally in the Wood“, eines jungen Mädchens, dass in einem weißen Kleid durch die Wälder von Thorncombe streifen soll ist gerade an Halloween in der gleichnamigen Stadt äusserst beliebt.
Als jedoch am Tag nach Halloween ein junges Mädchen im weißen Kleid, mit schwarzer Vogelmaske und rätselhaften auf die Haut gekritzelten Worten tot im Wald aufgefunden wird, steht Thorncombe Kopf. Vor allem als sich das Opfer als eine der beliebtesten Schülerinnen des ansässigen Privatinternats herausstellt, in das auch die Tochter des ermittelnden Detectives Ben Chase geht – und in der seine Ex-Frau arbeitet.
Je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto undurchsichtiger wird der Fall. Immer neue Hinweise verdichten den Verdacht, dass der oder die TäterIn aus dem Internat kommt. Und das bringt Chases Tochter und Ex-Frau in größte Gefahr…
„Das Internat“ ist nach „Das Wochenende“ der zweite hochkarätige Thriller von Hannah Richell. Mit immer neuen verblüffenden Wendungen schafft sie es, die Spannung bis ganz zum Schluß zu halten.
Ein Pageturner par excellence, nahezu perfekte Thrillerunterhaltung -nach der man ungern nach Einbruch der Dunkelheit einen Waldspaziergang unternehmen möchte…

Das Internat

von Hannah Richell

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Das Lied von Storch und Dromedar
Frank Menden

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Dieser Roman wird mich noch lange begleiten. Und ganz ehrlich : es ist schon fast gemein gegenüber all den Novitäten in diesem Jahr, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass dies hier an Intensität, Spannung und literarischer Qualität noch groß zu übertreffen sein wird.

„Das Lied von Storch und Dromedar“ von Anjet Daanje , übersetzt von Ulrich Faure, ist ein literarisches Mosaik über die Wirkung, die ein Mensch und ein Werk noch über den Tod hinaus haben.

Im Zentrum steht die zu Beginn der 1847 in Yorkshire beginnenden Handlung die Schriftstellerin Eliza May Drayton - die ist da allerdings bereits verstorben. Hinterlassen hat sie den Roman „Haegar Mass“ - von ihren Zeitgenossen kritisiert, von der Nachwelt gefeiert .
Doch wer war diese Frau aus einem kleinen englischen Dorf?
Und warum wird ihr Nachruhm - und auch der ihrer Schwestern - von Jahr zu Jahr größer, der Kult um sie immer bedeutsamer?

Man darf nicht zu viel verraten, man muss sich einfach hineinfallen lassen in diese knapp 1.000 Seiten und sich ganz der Kunst Daanjes hingeben.
Denn dieses lose an der Biografie der Bronte Schwestern orientierte Buch ist einfach unfassbar gut.
Und wer es verpasst hat in diesem Falle WIRKLICH eins DER Leseerlebnisse und - vergnügen der letzten Jahre verpasst!

Das Lied von Storch und Dromedar

von Anjet Daanje

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Das gelbe Haus
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Lange schon hat mich „Das gelbe Haus“ von Mieko Kawakami gezwickt. Seit ihrem Debüt „Brüste und Eier“ zählt die Japanerin zu den geschätzten Autorinnen meines Sehnsuchtlandes. Und das obwohl kein magischer Realismus am Wirken ist. Viel mehr zeigt Kawakami das wahre Leben. Dabei geht sie äußerst feinfühlig und mitreißend vor wie auch in ihrem neuen Roman, der 2025 das Feuilleton des Spiegels mehr als überzeugt, und ihm den 5. Platz des Spiegel Buchpreises verliehen hat.

Im Zentrum steht die vierzigjährige Hana. Als sie auf einen Zeitungsartikel über eine Freundin stößt, erwachen die Erinnerungen an ihre jüngeren Tage mit Kimiko - eine Freundin der Mutter, die sich in den Sommerferien dem Mädchen angenommen hat, nachdem die Mutter einfach verschwunden war.

Hana wächst in prekären Verhältnissen auf. Die Mutter hangelt sich von verschiedenen Jobs zum nächsten, wechselt ihre Partner. Da kommt Kimiko wie gerufen. Die beiden verleben eine wunderbare Sommerzeit. Doch als die Mutter wiederkehrt, bleibt Kimiko verschwunden. Erst als junge Frau trifft Hana diese zufällig wieder. Dieses Mal bleiben sie zusammen. Schöner noch: Sie übernehmen eine Bar und nennen sie „Lemon“. Denn die Farbe Gelb steht für Geld und Wohlstand. Feng-Shui spielt hier eine besondere Rolle.

Die beiden bleiben nicht allein, später gesellen sich noch Momoko und Ran dazu, weitere verlorene Seelen, die ein Haus beziehen. Als alles perfekt scheint, schlägt das Schicksal zu. Bämm!

Dieses Buch zeigt das andere Japan. Kawakami lichtet die eher verborgene Welt ab, die der Benachteiligten. „Geld ist Macht, Armut ist Gewalt“ heißt es an einer Stelle, so wahr, sind die nachfolgenden Worte. Bemerkenswert ist die Wandlung der Figur Hana wie die Geschichte. Also genießen Sie jede warme Seite, denn es könnte die letzte sein, und dies dafür Ihr erstes Highlight 2026 werden.

Das gelbe Haus

von Mieko Kawakami

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Wie man einen Yeti findet
Simone Finkenwirth

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Wollten wir nicht alle schonmal einen Yeti finden? Ob klein oder groß, diese Wesen faszinieren uns alle! Das hat sich auch Matt Hunt gedacht. Und uns einen großen Bilderbuchspaß geschenkt. Darin erzählt er genau das – die Suche nach einem Yeti. Ein kleiner Junge packt seinen Rucksack und macht sich mit seinem Hund auf den Weg, um dieses sagenumwobene Wesen zu finden. Der Junge sieht sich las ausgewiesener Experte, schließlich hat er sich aus der Bücherei ganze siebenundzwanzig Bücher über den Yeti geholt, sie eingehend studiert.

So laufen wir mit dem kleinen Helden während seiner Suche durch den Schnee und erleben wir ein kleines Wunder aus Bildern. Um tatsächlich dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Raffiniert und fantasievoll sind die Illustrationen, auf denen man herrlich viel entdecken kann. Und das Ende ist furios!

Wie man einen Yeti findet

von Matt Hunt

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Meine Freunde
Frank Menden

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London 1984.
Eine Demonstration vor der Botschaft Libyens gegen Machthaber Gaddafi wird zum Wendepunkt im Leben dreier Männer. Aus dem Botschaftsgebäude wird auf die Demonstrierenden geschossen, eine Polizistin stirbt, mehrere Menschen werden verletzt.
Für die teilnehmenden Studenten Khaled und Mustafa wird klar: eine Rückkehr in ihre Heimat wird unmöglich. Fortan ist die Angst ihr ständiger Begleiter. Angst um sich, Angst um die Familien in Libyen.
So ergeht es auch Hosam, einem befreundeten Schriftsteller, der wie sie im Exil lebt. Eine seiner Kurzgeschichten wurde im libyschen Rundfunk vorgelesen, was den vortragenden Journalisten das Leben gekostet hat.

Ein Leben im Exil, Freundschaften auf dem Prüfstand, dazu der stetige politische Wandel sowohl in der alten wie auch der neuen Heimat - all dies stellt die drei Männer vor immer neue Herausforderungen: soll man bleiben oder zurück in die alte Heimat?

Hisham Matars Roman „Meine Freunde“ , ist ein durchaus komplex gestaltetet Roman, der uns auf Khaleds Spaziergängen durch London sowohl von der Vergangenheit als auch der Gegenwart seiner Protagonisten erzählt- und uns dadurch eine Geschichte über die Kraft und die Grenzen von Freundschaft und über den Zusammenhang von Literatur, Heimat und Identität aufzeigt.
Was das Exil bedeutet, was eine Diktatur , die man trotz Flucht nie hinter sich lassen kann, für ein Leben bedeutet : hier erfahren wir es. Hautnah, eindringlich, mit großer literarischer Intensität.
Chapeau!

Meine Freunde

von Hisham Matar

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Schatten der Gondeln
Frank Menden

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John Banville zu lesen ist immer ein Vergnügen.
In seinem neuesten Roman „Schatten der Gondeln“ , übersetzt von Elke Link, führt er uns in das Venedig des anbrechenden 20. Jahrhunderts.
Hierher kommt der Schriftsteller - oder Schreiberling, wir er sich selbst bezeichnet- Evelyn Dolman mit seiner Ehefrau Laura Rensselaer, nachdem sich ihre gemeinsame Hoffnung auf ein großes Erbe zerschlagen haben.
Laura, die Tochter eines Olbarons, zerstritt sich leider kurz vor dessen Tod mit ihrem Vater und wurde enterbt.
Der Aufenthalt in Venedig soll dazu dienen, sich über die weitere Zukunft Gedanken zu machen.
Doch für Evelyn scheint Venedig ein Ort voller Geheimnisse, Mysterien und Intrigen zu sein.
Oder bildet er sich die unheimlichen und unerklärlichen Begebenheiten nur ein?

Dieser Roman liest sich so, als hätten sich Henry James und Patricia Highsmith zusammen getan und davor Nicholas Roegs Klassiker „Don‘t look now - Wenn die Gondeln Trauer tragen“ zur Einstimmung gesehen.
Der Nebel wabert durch die Stadt, der Palazzo erscheint ebenso unheilvoll wie der Gastgeber verschlagen und am immer wieder aufblitzenden Suspense hätte auch Hitchcock seine Freude gehabt.
Vielleicht ist diese Hommage an den guten alten Schauerroman etwas zu glatt geraten, sprachlich unterhält dieser neue Banville aber wieder einmal auf hohem Niveau - und lotet dabei gewohnt gekonnt die dunklen Seiten der menschlichen Seele aus.
Ein Roman, nicht nur für Venedig Liebhaber.

Schatten der Gondeln

von John Banville

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Winter
Simone Finkenwirth

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Dieses Kochbuch enthält das einfachste Rezept für die fabelhaftesten Brownies und dem besten Pizzateig, der bereits bei der Herstellung glücklich macht. Denn er ist derart geschmeidig. Aber das ist noch nicht alles, was sich in diesem wunderbaren Kochbuch verbirgt. Sarah Hassert liefert uns obendrein tolle Geschichten über Bräuche wie den Barbaratag - ein kirchlicher Festtag zu Ehren der heiligen Barbara von Nikomedien in der heutigen Türkei. Ihr zu Ehren gibt es am 4. Dezember immer einen Mändelchenpudding. Dafür bedarf es nicht viele Zutaten: Milch, eine Vanilleschote, ein paar Tropfen Mandelaroma, Zucker, Eigelb, Zucker, Mandelsplitter und Speisestärke.

Dank Sarah Hassert weiß ich, dass der Kürbis im Backofen am besten aufgehoben ist, bevor man ihn weiterverarbeitet. Wer wie ich gern Angebote shoppt und plötzlich zu viel Gemüse im Kühlschrank hat, dem wirft Sarah einen Rettungsanker zu. Neben leichten Alltagsgerichten finden sich köstliche und feierliche Anregungen wie „Hansas Mess“. Auch schön ist der Spaziergang durch alle Wintermonate – von Oktober bis April.

Die Hamburger Autorin liebt nicht nur gute Literatur, kulinarisch-feine Gaumenfreuden - auch die Kultur des Essens ist ihr eine Herzensangelegenheit. Das spüre ich mit jeder Seite und kann nicht lange an mich halten. Vor allem durch die stilvollen und atmosphärischen Fotos von Jule Kiefer werde ich angeregt, sofort loslegen zu wollen. So fühlt man sich mit diesem Kochbuch gut aufgehoben im grauen nordischen nasskalten Winter.

Winter

von Saint John Studio, John Saint

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Transit 64
Frank Menden

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Januar 1964.
Auf dem Weg zu einem Konzert in Warschau landet Marlene Dietrich auf dem Flughafen in Ostberlin.
Nicht nur die Presse wartet auf sie. In Westberlin warten zwei Männer auf sie, die ein besonderes Anliegen haben: Marlene Dietrich soll bei der Bundespräsidentenwahl als Gegenkandidatin zu Heinrich Lübke antreten.
Bei den beiden Männern mit dieser visionären Idee handelt es sich um Willy Brandt, den Regierenden Bürgermeister von Berlin, und seinen Sprecher Egon Bahr.

Das Personal ist real, der Zwischenstopp Marlene Dietrichs ebenso.
Der Rest könnte sich so zugetragen haben, ist allerdings ein reines Gedankenspiel.
Die Künstlerin Bettina Munk, Politikwissenschaftlerin Karin Wieland und der Soziologe Heinz Bude haben aus dieser Idee eine Mischung aus Roman und Graphic Novel geschaffen, die an alte SchwarzWeiss Filme erinnert.
Darüber hinaus bietet „Transit 64“ Einblicke in die Geschichte Ostberlins und erzählt mit leichter Melancholie von einem Star, der seinen Zenit überschritten hat und gegen das Vergessen werden kämpft. Und von einem Mann, der nach wie vor mit seiner Heimat fremdelt.

Ein wunderschön gestaltetes Buch, spannend, intelligent, fein beobachtet und eine willkommene Abwechslung auf dem deutschsprachigen Buchmarkt.

Transit 64

von Heinz Bude, Bettina Munk, Karin Wieland, BudeMunkWieland

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Das Jahr voller Bücher und Wunder
Simone Finkenwirth

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Achtung: Dieses Buch ist überhaupt nicht kitschig! Der Goldmann Verlag hat sich wohl gedacht: Wir gestalten das Buch wie "Der verschwundene Buchladen" von Evie Woods und dann läuft das schon. Aber ganz so easy ist es dann doch nicht. Glücklicherweise haben Sie uns: Ihre literarischen Vorkoster!

Libby Page ist für mich keine unbekannte Autorin. Die Engländerin hat mich seinerzeit mit ihrem Roman "Schwimmen mit Rosemary" begeistert. Auch in diesem Roman verbindet sie schwere Themen mit der Leichtigkeit des schönen Zufalls und den richtigen Menschen, die genau in unser Leben treten, wenn wir sie brauchen. In Tillys Fall ist es Alfie. Der Buchhändler ruft die junge Frau im Januar an ihrem Geburtstag zu Hause an und verkündet, er hätte ein Geschenk für sie. Von ihrem Mann Joe, der vor einem halben Jahr verstorben ist. Nur widerwillig macht sich die Lektorin auf den Weg zur Book Lane Buchhandlung. Aber wie gut, dass sie dies getan hat, denn was folgt, sind eine Vielzahl von wunderbaren Momenten, die nicht nur duch das Lesen entstehen, denn Joe hat jedem Buch und eine kleine Challenge dazu gelegt. Und langsam gewinnt unsere traurige Tilly immer mehr Lebenskraft und wieder zu sich selbst. Mehr noch: Sie wächst über sich hinaus.

Und noch etwas ist magisch: Was hat Joe nur für ein Feingespür für Bücher! Dass Alfie seine Finger im Spiel hat, ahne ich schnell. Und doch finde ich diese Tatsache nicht wirklich überraschend. Viel mehr fühle ich mich darin bestätigt, warum ich meinen Beruf so liebe. Weil wir mitunter wahre Wunder vollbringen können!

PS: Sollten Sie überlegen, ein Buchabo zu verschenken, dann verbinden Sie dieses mit diesem wunderbaren Buch. "Schokolade für die Seele" steht auf dem Klappentext. Und das wiederum ist so was von wahr!

Das Jahr voller Bücher und Wunder

von Libby Page

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Die Lungenschwimmprobe
Frank Menden

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1681 steht die 15jährige Anna Voigt wegen Kindsmordes vor Gericht: sie soll ihr neugeborenes Baby ermordet haben. Das Urteil ist klar: die Todesstrafe. Doch Anna beteuert, dass ihr Kind tot zur Welt kam.
Zu ihrem Glück glaubt Annas Vater, ein wohlhabender und einflussreicher Mann, seiner Tochter. Und es findet sich ein Arzt, der durch ein neues Verfahren, die titelgebende „Lungenschwimmprobe“ nachweisen will, dass es sich tatsächlich um eine Totgeburt handelt. Zusammen mit dem aufstrebenden Juristen Christian Thomasius unternehmen die drei Männer alles, um Anna gegen alle Widerstände der Kirche und des Scharfrichters vor dem Tod zu retten. Ein Unterfangen, das scheinbar aussichtslos ist…

Tore Renbergs im Luchterhand Verlag erschienener Roman beruht auf einem wahren Fall in Leipzig. „Die Lungenschwimmprobe“ gilt als Beginn der Rechtsmedizin und so lesen sich die über 700 Seiten auch wie ein hervorragend recherchierter historischer Kriminalroman.
Aber Renberg schafft viel mehr als dies. Sein Roman ist auch ein akribisch recherchierter Appell gegen religiösen Fanatismus und Bigotterie und für kritisches Denken, Meinungs - und Religionsfreiheit.
Ein wahrlich gewichtiger Roman, der auch gelungen den Bogen in die Gegenwart schlägt und hoffentlich unter vielen Weihnachtsbäumen liegen wird.

Die Lungenschwimmprobe

von Tore Renberg

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Neben Fremden
Frank Menden

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„Ich bin nicht unzufrieden, komme halbwegs mit mir zurecht. Mein Leben ist auch ein Leben.“

Eva Schmidts neuer Roman „Neben Fremden“ erzählt von Rosa. Früher war sie Krankenpflegerin, jetzt ist sie in Pension. Mit ihrer Umwelt hat sie wenig Kontakt .
Eine ehemalige Kollegin, die vielleicht nur deshalb so etwas wie eine Freundin ist, Nachbarn , die auf näheren Kontakt keinen sonderlich gesteigerten Wert legen, und eine Mutter, die sie mit zunehmender Hinfälligkeit immer mehr zu vereinnahmen sucht.
Rosa kommt zurecht.
Als der verheiratete Mann mit dem sie ein Verhältnis hatte überraschend stirbt und ihr einen Campingbus hinterlässt, scheint ihr dies als ein etwaiger Wink des Schicksals.
Ein gleichzeitig eintreffender Brief besiegelt ihre Entscheidung, eine Pause von ihrem bisherigen Leben zu nehmen und loszufahren….

Spät in diesem Jahr kam dieser Roman zu mir, aber genau zur richtigen Zeit, passt er doch hervorragend zur Stimmung in diesen herbstlich winterlichen Monaten.
Eva Schmidt erzählt nüchtern und präzise, beiläufig streut sie Sätze ein, die gerade deswegen eine ungemeine Wucht entfalten.
Ein stiller Roman, mit 192 Seiten recht kurz, aber mit einer enormen Wirkung . Hier sitzt jeder Satz, jedes Wort ist genau überlegt.
Beeindruckend, berührend, unvergesslich.

„Wenn du erst einmal anfängst rückwärts zu denken geht’s dem Ende zu.“

Neben Fremden

von Eva Schmidt

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Eine vorbildliche Tochter
Frank Menden

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Die Investigativjournalistin Camila Jones hat sich auf eine kleine Halbinsel in North Carolina zurückgezogen. Hier möchte sie Abstand von ihrem bisherigen Leben gewinnen und überlegen, wie es in Zukunft weitergehen soll. Alle Anfragen ihres alten Arbeitgebers werden abgeblockt, die FaceTime Gespräche mit ihrem Sohn sind ihr einziger Kontakt zur Aussenwelt.
Eines Tages steht der Leiter der lokalen Tageszeitung vor ihrer Tür und bittet sie um ihre Hilfe.
Vor einigen Monaten ist die 14jährige Sophie in der nächstgelegenen Kleinstadt auf dem Festland verschwunden, die Polizei ging von Selbstmord aus. Doch seitdem haben sich andere Hinweise ergeben, es scheint deutlich mehr hinter dem Verschwinden zu stecken als es die zuständigen Behörden zugeben wollen.
Camilas Interesse ist geweckt. Schnell verschafft sie sich einen Überblick und hegt schon bald einen ungeheuren Verdacht: könnte Sophie noch leben?

Fernando Axats „Eine vorbildliche Tochter“ ist ein sogenannter Slow Burner. Doch sobald Setting und Charaktere etabliert sind nimmt der Thriller vermehrt Tempo auf und überrascht mit immer neuen, verblüffenden Wendungen.
Ein absoluter Pageturner, bei dem sie die ein oder andere durchwachte Nacht einkalkulieren müssen.
Hervorragend!

Eine vorbildliche Tochter

von Federico Axat

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Die Unbußfertigen
Frank Menden

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„Sie haben einer App Ihre dunkelsten Geheimnisse verraten, Sie haben Dokumente und Fotos hochgeladen, ohne die allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen?“

Na, fühlt sich jemand ertappt?
Dann „Herzlich Willkommen“ zu Elina Penners neuen Roman „Die Unbussfertigen“ .

Zehn Influencer haben auf der zur Zeit wichtigsten und somit mächtigsten App der Welt den begehrten „Rank 10“ erreicht. Ihre Belohnung: ein exclusives Wochenende in einem abgelegen Herrenhaus im Nirgendwo.
Doch schnell wird klar: der Gewinn entpuppt sich als Bestrafung. Eine anonyme Stimme wirft den versammelten Netzpersönlichkeiten ihre moralischen Verfehlungen vor, Verbrechen, die das „normale“ Strafrecht nicht ahndet.
Hier aber herrschen andere Regeln, dass wird spätestens nach dem Verschwinden des ersten Influencers klar…

Dieser Roman besitzt ein unglaubliches Tempo und absolut brillante, pointierte Dialoge. Diese Mischung aus Gesellschaftssatire, Dystopie und Thriller ( die Parallelen zu Agatha Christie’s „ And then there were none“ werden im Text direkt angesprochen) macht ungemein Spaß, verursacht aber auch durch ihre Nähe zur Realität eine gewisse Verstörung.
Unserer frauenverachtenden Gesellschaft wird hier der Spiegel vorgehalten, es geht um Einsamkeit, Generationskonflikte, Migration, Abhängigkeit und exzessiver Selbstdarstellung.
Das sind viele Themen, die aber durch die geschickte Auswahl der Charaktere gut verkörpert und verdeutlicht werden.
Nur im letzten Drittel gab es dann für meinen Geschmack zwei Wendungen zu viel, die den Impact dieses Romans für mich etwas geschmälert haben.
Dennoch kann ich ihn allen Fans von rasanter intelligenter Gesellschaftskritik empfehlen: ein mitreißendes Leseerlebnis mit Widerhaken.

Die Unbußfertigen

von Elina Penner

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Marie des Brebis
Simone Finkenwirth

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Dieses Buch ist eine Rarität und Hommage an das einfache Glück. Egal, mit wem ich darüber spreche, stets leuchten die Augen wie Sterne. Und das nicht ohne Grund. Marie des Brebis ist eine bemerkenswerte Frau, die mich mit ihrem Durchhaltevermögen an Henning Sußebachs Urgroßmutter Anna erinnert, der er mit seinem ebenfalls grandiosen Buch "Anne oder: Was von einem Leben bleibt" ein Denkmal gesetzt hat. Gleiches hat der Autor Christian Signol vollbracht.

Marie wird von ihrer Mutter ausgesetzt, sie hat ihr Baby in eine Wolldecke gehüllt und zu den Schafen gelegt. Als der Hirte Johannes das Findelkind entdeckt, nimmt er sich diesem an. Das gefällt dem Bauer nicht, der meint, das Kind gehöre ins Waisenhaus. Also packt Johannes seine Sachen und zieht mit Marie über die Causses, das französische Hochland ist ihm wohlvertraut, der eigensinnige Mann, der auch mit dem Mond spricht, ist mir sofort sympathisch. Die beiden landen schließlich auf einem Hof, der von Augustine und Alexis betrieben wird. Die Frau liebt Kinder, konnte aber nie welche bekommen. Und dann wird es für uns alle sehr warm.

Wenngleich das Leben Anfang des vorherigen Jahrhunderts kein leichtes ist, auf dem Land noch weniger. Aber Marie ist ein Mensch, der das kleine einfache Glück sieht, und zu schätzen weiß, wie das warme frische Brot. "Lange habe ich nach dem Grund gesucht, und heute weiß ich, dass wir nur richtig glücklich sind, wenn die Zeit stillsteht. Ganz einfach, weil unser eigentliches Wesen, unsere ewige Seele, wiederum zum Vorschein kommt und uns mit echter Freude erfüllt."

Die Zeit steht bei der Lektüre wirklich still. Vergessen sind die Aufregungen des Alltags und die Unruhe in unserer Welt. Marie des Brebis führt uns genau dorthin, wo wir eins sind mit uns und den Buchstaben, die so viel Schönes erzählen und uns lange lächeln lassen.

Marie des Brebis

von Christian Signol

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Es düst ein Rentier durch den Schnee
Simone Finkenwirth

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Finn und Frieda sind zurück! Yeah! Das Vorweihnachtszeit und Weihnachtsfest sind gerettet. Im vergangenen Jahr war der 1. Band lange vor Weihnachten nicht mehr lieferbar, deshalb kennen sie diese Reihe vielleicht nicht. Aber 2025 gibt's beide und man kann sie natürlich unabhängig von einander lesen.

Flinn ist ein Rentier vom Weihnachtsmann, der in diesem Jahr am 1. Weihnachtsabend per Express direkt vom Weihnachtsmann an Familie Winterwald verschickt wurde. Flinn hat ein Trauma. Nachdem der Weihnachtsmann bei einem Überflug eine Bruchlandung hingelegt hat, hat Flinn Angst vor der Höhe und der Geschwindigkeit. Na, wie passend, dass die Familie am 2. Weihnachtstag in die Berge reisen will. Über ein Wochenende. Aber es wird noch besser. Der Herr Weihnachtsmann hat gleich eine ganze Woche für alle gebucht. Da kann Frieda nicht nur ihren neuen Superspeed-Poposchneeflitzer einweihen, sondern jetzt mit ihrem geliebten Flinni die Piste unsicher machen...

"Es düst ein Rentier durch den Schnee" und "Es niest ein Rentier durch die Tür" ist ein großer Lesespaß für die ganze Familie! Nicht nur wegen der hinreißenden Illustrationen von Susanne Göhlich. Smilla Blau schreibt frech, aus dem Kopf eines kleinen Mädchens und hat noch etwas gemacht: Flinn einen Sprachfehler verpasst. Schokokuchen spricht Flinn als "Fokokuchen", "Birne läcka" und "Faumbad fpitfe!"

Vorlesespaß ab 5 Jahre.

Es düst ein Rentier durch den Schnee

von Smilla Blau

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Der brennende Garten
Simone Finkenwirth

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Ich kannte Sri Lanka bisher als beliebtes Reiseziel. Doch der Bürgerkrieg war mir weniger vertraut. Gut, ich war beim Beginn noch sehr klein, lebte in einem Land, das alles andere als frei war. Aber jetzt nach V.V. Ganeshananthans Roman bin ich schlauer. "Der brennende Garten" hat mir wieder gezeigt, warum ich lese. Nicht nur, um abzutauchen. Sondern, weil ich dabei fremde Lebenswelten kennenlernen kann.

Wir begleiten Sashi, eine junge Frau, die mit ihren vier Brüdern und Eltern in Jaffna auf Sri Lanka ein gutes Leben führt, bis der Bürgerkrieg ausbricht. Die Tigers, tamilistische Seperatisten, stehen den regierungsnahen Singhalesen gegenüber. Es gibt Überfälle, zahlreiche unschuldige junge Männer werden von der Regierung festgenommen, ohne, dass sie etwas gemacht haben. Tiger bildet in Indien Krieger aus, rächt sich, und tötet dann selbst.

In diesen Konflikt schlittert unsere Ich-Erzählerin mit ihren Brüdern, die sich teils den Tigern anschließen. Ich erlebe eine junge Frau, die hin- und hergerissen ist. Einerseits will sie Ärztin werden, und beginnt ihr Medizinstudium. Andererseits will sie helfen. Als ein guter Freund K. an sie herantritt, und fragt, ob sie im Tiger-Lazarett Verwundete, auch Zivilisten, verarzten will, braucht sie nicht lange für ihre Antwort. Und doch steht die junge Frau bald zwischen den Fronten. Denn ihr Studium leidet unter diesem Einsatz. Und überhaupt will sie keinen Krieg. Doch es ist nicht alles finster, denn Sashi trifft auf Menschen wie ihre Professorin Anjali Acca, die sie durch ihre Denkweise und Zuwendung auffangen wie gute Bücher. Gelesen wird hier übrigens viel.

V.V. Ganeshananthan schreibt in einem ruhigen Ton eine aufwühlende Geschichte. Manchen Lesenden war einiges zu ausführlich auserzählt, ich habe indes jede Seite verschlungen, und nichts überblättert. Die innere Zerrissenheit der Heldin habe ich mit jedem Atemzug so sehr gefühlt wie den Konflikt, der die Familie bis ans Äußerste führt. Für mich bleibt dieses eindringliche und preisgekrönte Buch noch lange im Herzen. Ja, viel mehr noch: Es ist ein Highlight in diesem Lesejahr, das ich meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor zu verdanken habe. So hat meine Kollegin die Women's Prize for Fiction 2024 bereits im Original gelesen, bevor es Sophie Zeitz ins Deutsche übertragen hat.

Der brennende Garten

von V. V. Ganeshananthan

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Wir dachten, wir könnten fliegen
Frank Menden

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„Literatur lässt uns die Welt, in der wir leben, mit anderen Augen sehen: Wer liest, kann an zwei Orten gleichzeitig sein. Wer liest, kann mühelos durch alle Zeiten reisen. Und wo sonst, wenn nicht in der Literatur, ist es uns gegeben, Tote wiederauferstehen zu lassen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass die bloße Beschreibung einer Art nicht ausreicht, um sie von den Toten zu erwecken. Für diesen Zauber brauchen wir die Literatur.“

So Matthias Jügler im Vorwort von „Wir dachten, wir könnten fliegen“ , in dem 19 AutorInnen je eine ausgestorbene Tier- oder Pflanzenart auf unterschiedlichste Weise porträtieren bzw. ihr ein Denkmal setzen - wunderbar illustriert von Barbara Dziadosz.
Herausgekommen ist ein ganz wunderbarer Band voller unterschiedlicher Erzählungen, voller Humor und Wehmut, sehr berührend und ungemein verdienstvoll, führt er uns doch durch das Beschreiben des Vergangenen vor Augen, was wir unbedingt bewahren müssen.

Die 19 Erzählungen sind so verschieden wie ihre AutorInnen, darunter Daniele Droescher, , Caroline Wahl , T.C. Boyle, Kim de L'Horizon , John Burnside, Alex Capus, Julia Schoch,Clemens J. Setz und Antje Ravik Strubel.

Eine Anthologie, die Augen ( und in Kim de L'Horizons Beitrag auch Ohren ) öffnet, und die ein durch und durch famose Geschenk ist: für sich selbst und alle um einen herum!

Wir dachten, wir könnten fliegen

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Caledonian Road
Sarah O'Connor

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Campbell Flynn, 52 Jahre, hat es geschafft: er ist ein anerkannter Kunsthistoriker, hat sich einen Platz in Londons High Society ergattert, seine Frau ist die Tochter einer Gräfin, sein bester Freund ein Industrieller und sein Schwager ein einflussreicher Politiker. Seine Stadtvilla steht auf der „richtigen“ Seite der Caledonian Road. Seine 2 Kinder lassen vielleicht etwas zu wünschen übrig, besonders der Sohn, ein Reichtum anklagender Umweltaktivist. Es könnte eine richtig schöne „Bottom Up“ Story sein, stammt Campell doch aus ärmlichen Verhältnissen. Aber nein. Andrew O’Hagan schreibt die Geschichte eines (tiefen) Falls, geboren aus Eitelkeit und Hybris. Sein Antiheld verfängt sich in einem Geflecht aus Intrigen, Skandalen und Verbrechen, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Polyfon erzählt, bietet dieses Buch 784 Seiten bester, zerebraler Unterhaltung – ein Meisterwerk!

Caledonian Road

von Andrew O'Hagan

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Unsere Abende
Frank Menden

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„Einen berühmten Menschen zu kennen, macht einen vielleicht zum Teil seiner Geschichte, und man möchte, dass diejenigen, die diese Geschichte erzählen, deren Kern erkennen und sie richtig wiedergeben.“

In „Unsere Abende“ erzählt Alan Hollinghurst die Geschichte von Dave Win. Seinen burmesischen Vater hat er nie gekannt, seine Mutter verdient ihr Geld als Schneiderin.
Dank eines Stipendiums der wohlhabenden Familie Hollows kann er eine gute Schule besuchen, wenn er auch von deren fast gleichaltrigen Sohn Giles auf fieseste Weise malträtiert wird.
Dave wird Schauspieler, schlägt sich in London und auf Tourneen durch, während Giles eine steile Karriere in der Politik macht.
Doch auch das Leben von Daves Mutter Avril nimmt nach dessen Auszug eine ganz andere Wendung …

Ich bin ein großer Fan von Alan Hollinghurst, „Die Schwimmbadbibliothek“ und „Die Schönheitslinie“ ( Booker Prize 2004 ) gehören zu meinen prägendsten Leseerlebnissen.
Sein neuer Roman , hervorragend übersetzt von Joachim Bartholomae, zeigt wieder einmal seine literarische Meisterschaft.
Hollinghurst versteht es wie kein anderer wichtige Themen in einer ruhigen, unaufdringlichen Art und Weise zu erzählen, die diese umso eindringlicher machen.
Er vermeidet Klischees und Übertreibungen, und spickt seinen Roman mit Anspielungen, die die englische ( Klassen-) Gesellschaft genau porträtieren und entlarven.

Die „SZ“ hält „Unsere Abende“ für Alan Hollinghursts besten Roman, die „Literary Review“ nennt ihn einen packenden Bildungsroman.
Ich war 616 Seiten lang gefesselt von Daves Geschichte, von seinem nie einfachen Leben als schwuler halbburmesischer Mann, von seinen Kämpfen, Niederlagen und Siegen.
Ein Roman über Klasse und Kunst, Liebe und Gewalt , über Sehnsucht und Ankommen, wie gemacht für Leseabende im Herbst.

Unsere Abende

von Alan Hollinghurst

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Zwei in einem Leben
Simone Finkenwirth

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Es gibt ja aktuell nicht wenige Bücher über die Wechseljahre und die Mitte des Lebens. Aber wie viele Romane erzählen über die Liebe in mittleren Jahren? Ob David Nicholls den gleichen Gedanken bei der Idee seines neuen Romans hatte, weiß ich nicht. Was ich jedoch mit Gewissheit sagen kann: Dieser Autor steht Zeit seines Schriftstellerlebens im Schatten seines großen Welterfolgs „Zwei an einem Tag“. Schade. Denn „Zwei in einem Leben“ ist wiederholt allerbester Lesegenuss!

Im Mittelpunkt steht Marnie, die in London lebt und als freischaffende Lektorin und Korrektorin arbeitet. Marnie war verheiratet, ist Ende 30 und hat sich in ihrem Nest verkrochen. Marnies Freundin Cleo hat schon mehrere Male versucht, sie aus ihrem Igelversteck hervorzulocken. Vergeblich. Doch jetzt steht eine dreitägige Wandertour an und Marnie hat – oh Wunder! - zugesagt. Neues Jahr, neue Vorhaben! So stattet sie sich mit einer Wanderrüstung aus, setzt sich in den Zug. Als Michael die Großstadtpflanze erspäht, fällt ihm sofort auf, dass ihr Rucksack zu groß ist, und die Riemen zu lang sind. Michael ist die andere Figur in dieser Geschichte. Geographielehrer und leidenschaftlicher Wanderer, Anfang 40, frisch getrennt von seiner Frau.

Michael liebt es zu wandern, Marnie hasst es. Und doch öffnet sie sich und trotzt dem Regen. Den beiden zu folgen, ist absolut hinreißend. David Nicholls schreibt gewohnt charmant, unterhaltend, und streut gleichsam interessante Gedanken ein, in denen sich vor allem Singles wiederfinden, aber auch glücklich Vergebene trifft der Brite mitten ins Herz, und das gelingt ihm ohne Kitsch dafür mit Feinsinn und großer Empathie.

„Zwei in einem Leben“ ist so vieles: Eine atmosphärische Wandertour durch England, die Geschichte von zwei einsamen Menschen in den mittleren Jahren und eine Liebesgeschichte. Wirklich? Nun, das sollten Sie selbst herausfinden. Der Roman ist Eskapismus im allerfeinsten Sinne, sehr authentisch und beglückend! Das findet übrigens auch Jojo Moyes und der Independent schreibt: „Nicholls bester Roman“. Dem kann ich wahrlich nichts hinzufügen.

Zwei in einem Leben

von David Nicholls

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Am Wasser das Haus
Sarah O'Connor

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Sind Sie Geschichtsinteressiert? Oder darf es Kunst sein? Mögen Sie besondere, in besonders schöner Sprache geschriebene, Geschichten? Suchen Sie ein Literaturgeschenk für jemanden der bereits bestens ausgestattet ist? Oder mal etwas Anderes, sich Genreschubladen Entziehendes? „Am Wasser das Haus“ von Magdalena Saiger Ihr ihr Buch. Es beginnt im Jahr 1908, als der Maler Max Liebermann eine Villa am Wannsee nebst Garten entwirft. Zweieinhalb Jahrzehnte dient es der Familie als Refugium, als Sommerresidenz. Nach gewaltsamer Vertreibung wird es in den 1940ern als Reichspost genutzt; im ehemaligen Malersaal wird operiert; in den 70ern zieht ein Unterwasserclub ein. Leerstand. Wir verweilen nie lange bei den Menschen, ziehen weiter, sind Gäste und dürfen beobachten. Eine Villa, die bleibt, als Hauptprotagonistin. Die Autorin malt Bilder mit Worten: kunstvoll, wunderschön, wehmütig, herzzerreißend, auch mal augenzwinkernd.

Ein veritables Meisterinnenwerk!

Am Wasser das Haus

von Magdalena Saiger

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'Kluge Frauen bezahlen ihre Kleider selbst'
Frank Menden

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Zum ersten Mal hörte ich den Namen Elsa Schiaparelli im Zusammenhang mit ihrer Enkelin Marisa Berenson, Top Model der 1960er und 1970er und Schauspielerin ( „Cabaret“, „Barry Lyndon“ ) .
Ab diesem Zeitpunkt jedoch beschäftigte mich die italienische Modedesignerin immer mehr, wurden ihre Entwürfe immer präsenter, kleidete sie doch auch viele große Stars des von mir verehrten Old Hollywood ein ( Dietrich , Crawford, Garbo, Hepburn).

Michaela Karl hat nun auf ihre unvergleichliche Art und Weise eine wunderbare Biografie über die bedeutende Designerin geschrieben, die anders als ihre große Rivalin Coco Chanel ein wenig in Vergessenheit geraten ist.
Sie schildert in ihrem aus vielen Biografien bekannten atmosphärischen, lockeren Stil dieses außergewöhnliche Frauenleben des 20. Jahrhunderts.
Dabei besticht wie immer bei Michaela Karl die gründlich recherchierte Quellenlage, die die zahllosen erhellenden Anekdoten hervorgebracht haben, die „Kluge Frauen bezahlen ihre Kleider selbst“ r zu einem so mitreißenden Buch machen.
Nicht nur ein „Must have“ für Modefans, sondern auch eine geschickte Verknüpfung von Mode und Gesellschaftspolitik von den 1930ern bis in die Gegenwart und eine Hommage an Kreativität, Mut und Individualität.

'Kluge Frauen bezahlen ihre Kleider selbst'

von Michaela Karl

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Manche Schuld vergeht nie
Frank Menden

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Natürlich ist es auch bei Genreliteratur immer schwierig etwas zu entdecken, was überrascht , mitreißt, neue Impulse setzt.
Aber wenn, dann muss ich das Buch in einem Rutsch weglesen, egal wann am nächsten Tag der Wecker klingelt.

So ein Kriminalroman ist „Manche Schuld vergeht nie“ von Elly Griffiths.
Protagonistin Ali Dawson, eine Kriminalbeamtin, arbeitet unter strengster Geheimhaltung, nur wenige Menschen sind mit ihren Missionen vertraut: einstündige Reisen in die Vergangenheit, um dort bislang ungeklärte Mordfälle zu untersuchen.
Der neueste Auftrag erweist sich als besonders kniffelig, denn zum einen wird Ali persönlich von einem Mitglied der britischen Regierung für die Mission angefordert. Zum anderen wird sie zum ersten Mal für die Menschen der Vergangenheit sichtbar sein, für die Menschen im London des 19. Jahrhundert.
Als Ali zum verabredeten Zeitpunkt nicht zurückgeholt werden kann, ergeben sich sowohl in der Vergangenheit als auch der Gegenwart Situationen, die sich jeglicher Kontrolle zu entziehen scheinen….

Es gab bei der Lektüre dieses intelligent konstruierten Romans zwei PlotPoints, die ich so genial fand, dass ich einfach dran bleiben MUSSTE.
Natürlich werde ich sie hier nicht spoilern, aber für alle, die ungewöhnliche, spannende, intelligente Krimis mit hervorragend gezeichneten Figuren lieben, tja, für die führt kein Weg an diesem brillanten Krimi vorbei.
Großes Kino!

Manche Schuld vergeht nie

von Elly Griffiths

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Sterben lernen auf Japanisch
Simone Finkenwirth

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Der Tod ist ein Bestandteil von Milena Michiko Flasars Büchern. Doch sie differenziert zwischen ihren Geschichten und dem wirklichen Leben. Ende 2024 begibt sich die japanisch-österreichische Autorin nach Japan, um im Urlaub ihre Familie zu besuchen. Das Thema des zerbrechlichen Lebens und des Todes reist mit ihr.

Als geradezu magisch empfinde ich es, dass Milena im Flugzeug eine Kurzgeschichte ("Thailand") von Haruki Murakami liest. Das sagt die Geistheilerin zur Protagonistin: "From now on, little by little, you should prepare yourself to face death. If you devote all your future energy to living, you will not to be able to die will." Während sie diese wahren Worte liest, sieht sie, wie klein und zerbrechlich das Flugzeug ist. Wie das Leben selbst. Nur wollen wir es uns nicht eingestehen. Wir blenden den Tod aus, und sind erschrocken, wenn er eintrifft. Sie vergleicht die Geburt mit dem Tod. Man wird geboren, aber man stirbt aktiv. Nur lernen wir ihn nicht wirklich. Die Lehrpläne haben ihn nicht auf der Agenda. "Aber wir lernen doch sonst so vieles. [...] Vielleicht, weil der Tod etwas Einmaliges ist."

Die Japaner:innen haben eine besondere Beziehung zum fragilen Leben und dem Sterben. Das Land liegt auf dem "Pazifischen Feuerring". Wissenschaftler:innen gehen davon aus, dass es in den nächsten Jahren ein gewaltiges Erdbeben mit über "200.000 Toten geben wird". Von Kindheit an wird allen beigebracht, wie sie sich in solchem Fall verhalten müssen. Es gibt Vorsichtsmaßnahmen, aber auch Rituale und lebenskluge Haikus, an denen wir uns festhalten können, und die für mich die japanische Literatur wie Kultur zu etwas Außergewöhnlichen macht.

Die teilt die Autorin mit uns auf ihrem Weg. "When it comes - just so! When it go - just so" schrieb Musho Josho, ein Zen Mönch im 14. Jahrhundert.

Wir beginnen in Osaka, treffen dort auf jugendliche Ausreißer - die "Guri Shita Kids". 30.000 Obdachlose zählt Japan, zunehmend Jugendliche, die sich für ein Leben auf der Straße entscheiden. Danach reisen wir weiter nach Tsuyama, wo ihre Tante mit elf Katzen lebt. Nur knapp ist sie dem Tod entkommen, dem sogenannten "Kodokushi", den Tod der Alleinstehenden, der Bestandteil ihres Buches "Oben Erden, unten Himmel ist". Gleichwohl denkt sie an den erst kürzlich verstorbenen Vater. Wie es ist, dem Tod vor sich zu sehen, nichts mehr zu Wollen und Können, schildert sie eindringlich, bevor ihr an MS erkrankter Vater seinen letzten Atem ausgehaucht hat.

"Sterben lernen auf Japanisch" ist so vieles in einem. Ein ganz persönlicher Reisebericht durch Japan, der uns in die Riten einführt wie der unperfekten Wabi-Sabi-Ästhetik, die das Hinfallen verdeutlicht. Das Buch blickt dem Tod mutig, würdig und elegant ins Gesicht. Er wird dadurch nicht kleiner, aber wie heilsam Worte sein können, wissen wir alle. Die picken wir mit diesem Essay auf, der beim neugegründeten unabhängigen Verlag "Wasser Publishin" erschienen ist. Sie sehen hier nur die eBook-Variante, aber wir haben das Werk auch klassisch als Buch vorrätig.

Sterben lernen auf Japanisch

von Milena Michiko FlaSar

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Einer reist mit
Simone Finkenwirth

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Heutzutage ist eine Fahrt mit der Deutschen Bahn fast aufregender als ein Trip durch Indien. Stets taucht das Wort Verspätung oder Ausfall auf. Aber verzagen Sie bei der nächsten Zugreise nicht, und haben Sie dieses Buch parat. Dann wird ihr Grummeln verstummen, das Lachen aus ihrem Rachen um so lauter.

Anne Serre ist "eine veritable Entdeckung" - schreibt Meike Feßmann über die mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten Autorin. Dem kann ich nur zustimmen. Nachdem mich Anne Serrre mit den filmreifen "Governanten" tief beeindruckt hat, wurde sie für mich zu einer Wiederholungstäterin in Sachen herausragender Literatur. Bereits der Einstieg versetzt meine Glückshormone in Partystimmung. Die Erzählerin plaudert offenherzig: "Ich stehe nicht gern früh auf. Seit nunmehr zehn Jahren bleibe ich so lange liegen, wie ich möchte, gut und gern bis neun, aber vor allem schätze ich einen ruhigen Vormittag ohne jede Störung."

Ungünstigerweise muss die Autorin jetzt früh hoch, da sie eine Einladung zu einem Literaturfestival in Montauban erreicht hat. Die Ich-Erzählerin überlegt abzusagen, geht im Geiste verschiedene Ausreden durch, wie so oft bei Auftritten, aber unsere Heldin tritt die Reise mutig an. Und begegnet am Pariser Bahnhof eine Autorin-Freundin. Wiedersehensfreude einerseits, andererseits wird wohl jetzt wohl nichts mit der Ruhe. Trotzdem bleibt auf der siebenstündigen Fahrt ausreichend Zeit für Beoachtungen und Gedanken, und gerade Letztere haben es mitunter in sich. Sie werden sogar leicht magisch, als die Autorin plötzlich ihren spanischen Lieblingsautor Enrique Vila-Matas entdeckt, und mit ihm anfängt zu plaudern.

Gleichzeitig lässt uns die Autorin an ihrem Leben als Schriftstellerin teilhaben. Sie erzählt von den Anspannungen vor öffentlichen Auftreten, überlegt, wie ihr in Montauban der Zustand konzentriertem Präsens gelingen kann. Dafür müsse sie sich "umdrehen, umstülpen, als wäre man ein Handschuh."
Als ebenso bemerkenswert erweisen sich die Gedanken über Autoren wie Franz Kafka, Thomas Bernhard, Marcel Proust, Robert Walser, und andere. Hat man diese noch nicht gelesen oder lange nicht, nach dem Buch will man es unbedingt oder gern wieder.

"Einer reist mit" ist ein literarischer Glücksgriff - und ich stehe mit der Feststellung nicht allein da. Schauen Sie mal bei Perlentaucher vorbei. Hinreißend sind die Einfälle, erfrischend, charmant und erhellend die Sprache wie die Reflexionen zu so vielem. Das Buch ist eine große Liebeserklärung an die Literatur, ihre Schöpfer:innen, dem Zauber des Unterwegsseins und eine großartige wie fantastische Lektüre.

Übrigens passt das Buch perfekt in die Handtasche. Ist das Magie oder berechnet? Ich weiß es nicht. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann: Dieser Roman ist ein großer Gewinn, herausgegeben von einem unabhängigen Verlag, der in den Ruhestand gegangen ist. Also kaufen Sie dieses Buch, so lange es noch lieferbar ist! Lesen Sie es mit Freude und verschenken Sie es. Man wird es Ihnen danken. Davon ist auszugehen wie die nächste Zugverspätung.

Einer reist mit

von Anne Serre

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Dreihundert Männer
Frank Menden

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Kann man die Geschichte der deutschen Wirtschaft mitreißend, klug, pointiert und mit einer Prise Humor erzählen?
Oh ja, man kann, wie Konstantin Richter in „Dreihundert Männer - Aufstieg und Fall der Deutschland AG“ beweist.

Auf 543 Seiten erzählt Richter von den Männern und Firmen, die die deutsche Wirtschaft und damit auch unser aller Leben wesentlich prägten und zum Teil bestimmten.
Dabei entsteht ein Zeitporträt, das nie trocken daherkommt.
Richter verwebt die Porträts der Unternehmen und ihrer Führungspersönlichkeiten mit fundierten und teilweise amüsanten Anekdoten, ohne jedoch das große Ganze aus dem Blick zu lassen.
Dabei spannt er den Bogen von 1870 bis in die 1990er Jahre und wirft auch einen Blick in Gegenwart und Zukunft der Bundesrepublik.
Diese Verbindung von historischen und politischen Zusammenhängen bietet neben einem hohen Erkenntnisgewinn auch äußerst spannende, intelligente Unterhaltung.
Ein absolutes MustRead für alle, denen „normale“ Wirtschaftsbücher zu trocken sind .
Und für mich neben Henning Sussebachs „Anna“ das Sachbuch des Jahres!

Dreihundert Männer

von Konstantin Richter

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Seidenstraße
Frank Menden

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In Hamburg werden die Proteste gegen ein geplantes Handelsabkommen mit China immer lauter, vor den Toren der Hamburger Transportgesellschaft wird demonstriert. Als in der Innenstadt eine chinesische Unternehmensberaterin ermordet wird, ist dies für die Boulevardpresse und die sozialen Medien ein gefundenes Fressen: war Jessica wang vielleicht eine chinesische Spionin?
Fast gleichzeitig kommt in Berlin ein Bundestagsabgeordneter unter mysteriösen Umständen zu Tode. Könnte es eine Verbindung zwischen den beiden Todesfällen geben?

Der ehemalige BND Agent Max Österreich, seines Zeichens Sicherheitschef des Hamburger Hafens und die Journalistin Laura Schneider machen sich erst unabhängig voneinander, dann aber gemeinsam, auf die Suche nach Motiven und Zusammenhängen. Dabei kommen sie einer Verschwörung auf die Spur, die globale Auswirkungen zu haben scheint - und sie immer mehr ins Fadenkreuz von Polizei, Politik und Geheimdiensten geraten lässt…

Robert Lackner legt mit „Seidenstrasse“ einen temporeichen intelligenten und kenntnisreichen Polit- und Wirtschaftsthriller vor. Das Thema ist brandaktuell, und durch die Vermischung von Fakten und Fiktion erhält der Thriller noch mehr Brisanz.
Ein hervorragend recherchierter, actionreichen Roman, der gekonnt die vielen Handlungsfäden zusammenführt und der an atemloser Spannung kaum zu überbieten ist.

Seidenstraße

von Robert Lackner

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Mit Liebe und Safran
Frank Menden

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Dieses Buch ist ein Seelenwärmer!

Am Anfang steht etwas Safran, per Post verschickt an Imogen Fortier, eine knapp 60jährige Kolumnistin, die zurückgezogen auf Cameo Island in der Nähe von Seattle mit ihrem Mann Francis wohnt.
Die Absenderin der ungewöhnlichen Gewürzsendung ( ein passendes Rezept wurde beigelegt ) ist die 27jährige Joan Bergstrom aus Los Angeles, ein Fan von Imogens Kolumne, die gerade versucht als Journalistin Fuß zu fassen.
Zwischen den beiden Frauen entsteht eine immer inniger und offener werdende Freundschaft, die beider Leben nicht nur kulinarisch bereichern und verändern wird…

„Mit Liebe und Safran“ von Kim Fay , übersetzt von Manfred Allie, ist ein wunderschöner, herzerwärmender Briefroman, der die Freundschaft und Solidarität von Frauen feiert, der uns zeigt, wie kochen Grenzen überwinden kann, und uns lehrt, sich der Welt gegenüber zu öffnen.
Nebenbei zeigt es die politischen und gesellschaftlichen Strömungen der 1960er auf und hinterlässt uns mit einer großen Portion Zuversicht und Hoffnung - und jeder Menge kulinarischer Anregungen.

Mit Liebe und Safran

von Kim Fay

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Mama & Sam
Simone Finkenwirth

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„Wie kann man nur so dämlich sein? Das ist doch offensichtlich!“ So oder ähnlich heißt es, wenn wir von Love Scammer-Opfern erfahren. Aber wie ist es überhaupt möglich, dass Menschen ihr gesamtes Vermögen an jemanden abtreten, den sie nie persönlich getroffen haben? Davon erzählt Sarah Kuttners neues autofiktionales Buch „Mama & Sam“.

Nach dem Tod der Mutter findet die Ich-Erzählerin heraus, dass ihre Mutter 104.000 Euro an einen Love Scammer abgegeben hat, meist unter enormen Aufwand, dieses aufzuspüren. Mir ist immer noch ganz schlecht, wenn ich daran zurückdenke.

Die Erzählerin bezeichnet sich selbst als Kinderdetektivin und versucht mit der Zeit im Rücken, dieses Unfassbare bis zur Bestattung aufzudecken. Dabei folge ich fassungslos dem Chatverlauf zwischen der Mutter und Sam Heughan, ein berühmter Schauspieler, so gibt er sich aus.
An vielen Stellen denke ich, dass ist doch gelogen! Sieht sie das nicht?! Aber ich stecke nicht in der Haut der Frau, die lange schon einsam ist und in Sam ihre große Liebe findet.

„Mutter & Sam“ hat eine große Brisanz, zeigt das Ausmaß und damit verbunden die fatalen Verbrechen der Herzen. Obendrein enthält Sarahs Buch eine eine wichtige Botschaft: Nicht aufs Recht pochen, sondern mit den Betroffenen mitgehen, so schwer es auch sein mag. Es gibt im Anhang noch Adressen.

„Mama & Sam“ versprüht trotz aller Eindringlichkeit den fluffigen und liebenswerten Charme der Autorin. Zudem ist es ein aufrichtiges Buch über eine angespannte Mutter-Tochter-Beziehung, das Spuren hinterlässt.

Mama & Sam

von Sarah Kuttner

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Familiensache
Frank Menden

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„Fünfeinhalb Stunden nachdem man ihm gesagt hatte, dass er bald sterben würde, fuhr Heron zu seinem Lieblingssupermarkt.“

Mit diesem Satz beginnt Claire Lynchs Debütroman „Familiensache“. Es ist Juli 2022 und Heron wird wie jeden Donnerstag seinen Wocheneinkauf tätigen und abends seine Tochter Maggie anrufen. Er wird ihr nichts von seiner Krankheit erzählen, wie er ihr auch nie etwas davon erzählt hat, warum ihre Mutter sie vor vierzig Jahren verlassen hat.
Warum sie sich für ein anderes Leben entschieden hat , entscheiden musste.
Weil die Gesellschaft und die Gesetze es so vorschrieben und ihr Heron auch keine Hilfe war.
Unbequeme Wahrheiten lassen sich lange unterdrücken, aber nie ganz aus der Welt schaffen. Und so offenbart sich Maggie in diesem Juli die wahre Geschichte ihrer Eltern, ihrer Mutter….

Mich hat der Roman durch seine nüchterne, klare Sprache ( Übersetzung: Bernhard Robben ) überzeugt. Gerade weil die überaus dramatische und von Tatsachen inspirierte Handlung so unaufgeregt erzählt wird, und die Figuren so psychologisch fein ausgelotet werden, hat mich die Geschichte von Heron, Dawn, Maggie und Hazel so mitgenommen.
Es ist ein leiser Roman, ein eindringlicher Roman, über antiquierte Moralvorstellungen, über Bigotterie und Hilflosigkeit, über die Liebe und die Ehe , und darüber, dass auch wenn alle nur das Beste wollen, dies nicht unbedingt dabei herauskommt.

„Familiensache“ ist ein Roman über die verschiedenen Möglichkeiten von Familie und einer Gesellschaft, die diese verhindern will.
Eine klare Leseempfehlung!

Familiensache

von Claire Lynch

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Wenn die Sonne untergeht
Simone Finkenwirth

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Florian Illies zu lesen, ist wie nach Hause zu kommen. Man weiß, was einen erwartet und es fühlt sich verdammt gut an. Gut, Illies ist noch ein bisschen besser. Wie schon vor zwei Jahren nutzt der Autor das Jubiläum eines bekannten Mannes. Während sich das Thomas Mann Jahr allmählich dem Ende neigt, schenkt uns der S. Fischer Verlag mit seinem Erfolgsautor ein abschließend berauschendes Feuerwerk. Denn so empfinde ich "Wenn die Sonne untergeht - Familie Mann in Sanary".

Wir schreiben das Jahr 1933, in dem die Machtergreifung Hitlers einsetzt. Damit folgt auch eine Fluchtbewegung der Intellektuellen, Künstler:innen sowie den Autor:innen ein, die ahnen, was da passieren könnte und schließlich ja auch eintrifft. Aus einer Reise nach Amsterdam, geht es für Katja und Thomas Mann weiter über die Schweiz und endet schließlich in Frankreich, in Sanary sur Mer. Bis alle Mann-Schäfchen dort angekommen sind, erleben wir eine aufregende Reise, die übrigens genauso spannend ist wie die nachgeschickten und nicht ankommenden Tagebücher von Thomas Mann. Während sich alle mit der Situation anfreunden, hadert der große Meister, bezieht keine Stellung. Immerhin pocht die deutsche Kultur noch im Herzen des Nobelpreisträgers. Aus dem Zauberer wird sozusagen ein Zauderer, der durchzogen wird von einer dunklen Melancholie. Einzig Tolstois "Krieg und Frieden" erschafft ihm eine Atempause aus dem finsteren Tal.

In Sanary treffen die Manns auf weitere Exilanten, die Feuchtwangers, die Zweigs und weitere bekannte Persönlichkeiten. Als Leserin flaniere ich mit leuchtenden Augen durch die luftigen leichten Zeilen des schreibenden Chrononisten, der wieder einmal mehr als nur ein Sachbuch verfasst hat. So empfinde ich das Buch als großen Familienroman. Und wissen Sie, was das Schöne ist? Ich sehe sie alle leibhaftig vor mir. Dank Illies natürlich, aber durch die fantastischen Verfilmung "Die Manns" von Heinrich Breloer, die ich mittlerweile schon etliche Male gesehen habe.

Folgen Sie dem Feuerwerk und vertrauen Sie unserem must-read November. Wir wissen, was gut ist und gut tut.

Wenn die Sonne untergeht

von Florian Illies

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Stories
Simone Finkenwirth

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Ich habe diese spektakuläre Kurzgeschichtensammlung noch gar nicht aufgeschlagen und schon strahlt sie mich an wie eine weiße Wand, die das Sonnenlicht reflektiert. Denn auf dem Umschlag feiern große Namen wie Lauren Groff, Raymond Carver, Bret Easton Ellis und Don DeLillo ihre amerikanische Kollegin. Auch hierzulande überschlugen sich kurz nach Erscheinen die Feuilletons über das Werk der Autorin mit der Sonnenbrille. Da war mein literarischer Jagdinstinkt natürlich sofort entfacht. Als große Freundin von Kurzgeschichten sowieso. Und jetzt? Bin ich verstört und begeistert gleichermaßen.

Wie das? Nun, die Geschichten haben es wahrlich in sich. Williams lichtet das Leben ab, sie erzählt von den kleinen und größeren Dramen unterschiedlicher Menschen - von gewöhnlichen bis hin zu nun ja, außergewöhnlichen. Gleich eingangs erlebe ich die zu Herzen gehende Geschichte eines Predigers - dessen Frau liegt mit einer Bluterkrankung im Krankenhaus. Während sich seine Tochter selbst finden will, hat sie ihren Eltern ihre kleine Tochter anvertraut. So pendelt der Mann zwischen der Angst, seine Frau zu verlieren, und dem Glück, das ihm seine kleine Enkelin beschert.

Oder die Zusammenkunft verschiedener Mütter, deren Kinder im Gefängnis sitzen. Durch Zufall ziehen sie alle in die gleiche Gegend. Sie fühlen sich schuldig, und suchen einen Weg damit zu leben. Ebenso bemerkenswert ist die Geschichte eines Liebespaars. Dwight wusste schon mit 25 Jahren, dass er das Baby eines Tages heiraten wird. Wie? Ja! Und so kommt es. Und noch etwas passiert in „Rost“. Dwight kauft sich und Lucy einen schwarzen Ford Thunderbird, der fast auseinanderfällt, aber Dwight hat die Lösung. Und was für eine! Ob eine Schlange die Veränderung des Lebens bewirken kann? Dieser Frage spürt Williams in „Lu-Lu“ nach.

Das sind mitunter beunruhigende, verstörende und komische wie berührende Geschichten. Sie bleiben auf der Netzhaut haften und hinterlassen ein unterschwelliges Surren im Kopf. „Stories“ ist keine Feelgood-Lektüre. Aber das muss Literatur ja nicht immer sein. Glücklicherweise streut Williams besondere Aufheller in ihre Erzählungen. Wunderschöne Bilder oder Sätze, über die man stolpert, weil man plötzlich lachen muss oder solche, die einen still werden lassen: „Sie dachte, dass jeder Mensch jeden Augenblick kurz vor der Ewigkeit steht und die Wege, diese Welt zu verlassen, zahllos und oft unvorhersehbar sind.“

Die Lobeshymnen sind so wahr wie das Grün auf den Blättern der Bäume. Joy Williams ist wirklich die „strahlende Großmeisterin der Kurzgeschichte“ wie es Lauren Groff treffend formuliert. Eine große und beeindruckende Entdeckung und ein Must Read für alle Fans der kurzen Erzählform.

Stories

von Joy Williams

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Blue Sisters
Simone Finkenwirth

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Endlich ist das neue Buch von Coco Mellors in der deutschen Übersetzung von Lisa Kögeböhn beim Eichborn Verlag erschienen. Ich bin sofort in der Geschichte gefangen. Wie bereits in „Cleopatra und Frankenstein“ zieht mich der mitreißende Erzählstil vollkommen mit.

In ihrem neuen Roman dreht sich alles um die drei Schwestern: Lucky, Bonny und Avery. Genau vor einem Jahr ist ihre Schwester Nicky an einer Überdosis Tabletten gestorben. Als wäre das Datum nicht schon furchtbar genug, will ihre Mutter die New Yorker Wohnung jetzt verkaufen, in der Nicky zuletzt gelebt hat. Und das obwohl Avery die laufenden Kosten trägt. Und jetzt? Noch etwas brummt zwischen den Seiten wie ein nicht enden wollender Kopfschmerz: Die Narben der drei Schwestern, die immer noch pulsieren. Können sie sich gemeinsam retten?

Mellors holt alles hervor, was wehtut: Trauer, Sucht, ungesunde Fluchtaktionen, schwierige Eltern und Verletzungen, die nicht einfach heilen wollen. Doch sie können es, das zeigt uns die Autorin mit ihrem unverwechselbaren Stil aus Leichtigkeit und Tiefe. Ein lautes wie stilles Buch, das man am Ende mit einem glücklichen Seufzer zuschlägt.“

Blue Sisters

von Coco Mellors

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Der Morgen gehört uns
Frank Menden

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Ettore lebt mit seinen Eltern in einem kleinen Ort nahe Mailand. Seine einzige Vertraute ist seine Großmutter Elsa. Doch im dem Sommer, in dem Ettore 18 wird, verändert sich sein Leben. Er wechselt die Schule und lernt dort Giulio kennen, der ihn mit seinem Charisma in den Bann zieht . So wie dieser gut aussehende junge Mann möchte er sein, so selbstbewusst, so lässig. Und tatsächlich sucht Giulio auch seine Nähe, sie werden Freunde - und Ettore auch bald Mitglied der Federazione, einer Jugendorganisation, in der Giulio eine große Rolle spielt. Und die durch und durch faschistisch ist.

Was treibt junge Leute nach rechts, was macht den Faschismus für sie so interessant und wählbar? Davide Coppo versucht in seinem Roman „Der Morgen gehört uns“ , übersetzt von Jan Schönherr, am Beispiel von Ettore zu zeigen, wie so etwas passieren kann. Der unter die Haut gehende Roman bietet weder einfache Antworten noch Lösungen - und gerade dies macht ihn so überzeugend. Aus der Sicht des älteren und politisch geläuterten Ettore wird diese Geschichte erzählt, die erkennbar macht, dass Sexualität und Gewalt wichtige Bestandteile auf dem Weg nach rechts sind, wie auch der Wunsch sich der „linken Antiglobalisierungsfolklore“ - so Ettore - entgegenzustellen, einfach um nicht dem vermeintlichen Mainstream hinterherzurennen.

Man lernt durch Davide Coppos Roman viel über Postfaschismus und seine Versprechungen und Verlockungen, seine Gefahren und Mechanismen. Über deren jugendliche Anhänger und wie sehr er auch in den intellektuellen Bereich eingedrungen ist, durch Wort, Bild und Musik. Ein Roman der lehrt, noch genauer hinzusehen.

Der Morgen gehört uns

von Davide Coppo

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Das Game
Frank Menden

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Es ist ein bescheidenes Leben, welches Anna mit ihrem 13jährigen Sohn Leo führt.
Aus einem alten Kastenwagen heraus verkauft sie Brathähnchen, Leo geht Wellenreiten, man schlägt sich so durch.
Doch dann summieren sich die Schicksalsschläge und Anna steht plötzlich vor dem Nichts.
Da kommt die Rettung in Gestalt der Reality Show „Das Game“, bei der man 50.000 Euro gewinnen kann - wenn man als letztes die Hand vom zusätzlich zu gewinnenden Auto nimmt.
Das „Spiel“ soll am französischen Nationalfeiertag enden, dem 14. Juli.

Schnell steigen Anna und Leo zu Helden auf, die Medien feiern sie, die Fans werden immer zahlreicher, selbst die Präsidentin fiebert mit Anna.
Doch ist „Das Game“ wirklich eine Chance oder nur ein Zirkus? Und sind 50.000 Euro wichtiger als die eigene Menschenwürde?

Joseph Incardonas „Das Game“ , übersetzt von Lydia Deweritsch, ist ein entlarvender Roman über zynische Macht- und Gesellschaftsstrukturen, in einer klaren, lakonischen Sprache erzählt und genau deshalb so wirkkräftig.

Wer „Squid Game“ mochte, ist bei diesem Roman goldrichtig, ebenso Fans von französischen Gesellschafts - und Sozialdramen.
Ein Buch , das definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient!

Das Game

von Joseph Incardona

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Der Beweis meiner Unschuld
Frank Menden

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Jonathan Coe schreibt hervorragende politische Romane, die zugleich äußerst unterhaltsam sind .
Sein neuester, „Der Beweis meiner Unschuld“ , übersetzt von Cathrine Hornung, ist da keine Ausnahme.

Auf den ersten Blick ein Kriminalroman ( die FAZ bezeichnet ihn gar als „idealen Krimi für das postfaktische Zeitalter“) bietet der Roman jedoch deutlich mehr .

Aber kurz zur Handlung: der Journalist Christopher will bei einem Kongress in einem alten englischen Herrenhaus, eine rechtsextreme Organisation entlarven - und kurze Zeit später muss die herbeigerufene herrlich schrullige an Margaret Rutherfords Miss Marple erinnernde Kommissarin einen Mord aufklären. Oder sind es gar zwei ?

Die junge Literaturwissenschaftlerin Phyl, wieder bei den Eltern wohnend und von ihrem Job in einem Sushi Schnellrestaurant am Flughafen genervt, geht diesen Fall anders an.
Im Stil eines Cosy Crime Krimis beschreibt sie den Fall, im Stil von „Dark Academy“ kommt sie einem verschollenen Manuskript auf die Spur, welches eine signifikante Bedeutung im verhandelten Fall innehat . Und zu guter letzt verhandelt der dritte Teil die Vor- und Nachteile von Fiktion und Autofiktion.

Verwirrt? Müsst ihr nicht sein. Jonathan verbindet beste Unterhaltung mit einer spannenden und überaus aktuellen Geschichte, die hervorragend recherchiert ist und die trotz aller literarischen Verspieltheit ihre Aussagen sehr ernst nimmt .

„Wütende Männer. Ich weiß nicht, worüber sie so wütend sind, denn eigentlich setzen sie doch immer ihren Kopf durch, oder? Und doch sind wir ein Leben lang von wütenden Männern umgeben.“

Der Beweis meiner Unschuld

von Jonathan Coe

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Haus zur Sonne
Simone Finkenwirth

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Das große Deutsche Buchpreis Finale längst Geschichte, doch die nominierten Bücher atmen weiter. Das ist gut und notwendig. So möchte ich Ihnen meinen Favoriten präsentieren: "Haus zur Sonne" von Thomas Melle. Das Buch hat mich tief beeindruckt, auch dank der grandionsen Hörbuchfassung, die von Jens Harzer brillant vorgetragen wurde. Nicht nur deshalb möchte ich es vorstellen. Sondern stellvertretend für die Menschen, die diese dunklen Phasen kennen. Es ist wichtig, dass seelische Krankheiten in unserer Gesellschaft gesehen und anerkannt werden. Wie viele scheuen sich noch davor, zuzugeben, dass sie an einer Depression leiden. Jeder hat mal schlechte Tage, sagen manche. Aber diese Krankheit geht tiefer. Schlimmer noch ist eine bipolare Störung.

Von der unser Ich-Erzähler betroffen ist. Er hat sich viel aufgebaut und wieder zerstört. Jetzt will er nicht mehr, und hat die Zusage für das "Haus zur Sonne" erhalten. Ein Ort, an dem Menschen, die sich für den Freitod entschieden haben, ihre letzten Wochen verbringen. Plötzlich ist unser Held nicht mehr isoliert, sondern eins mit den anderen: "Wirklich seltsam und unheimlich, in diesem Haus voller Zeit mit Menschen ohne Zukunft zu leben! Ich war nur einer von ihnen, und mein Schicksal war nicht wichtig."

Diese Institution ermöglicht seinen Klienten u.a. Reisen in Situationen, die sie gern wollen. Mal ein berühmter Star werden oder ein anderes Leben führen. Doch manchmal hakt selbst dieses System. Das sorgt für Unruhe, ebenfalls bei unserem Erzähler, der - je länger er dort ist - mehr bei sich ankommt, bis eines Tages ein Gedanke auftaucht...

"Haus zur Sonne" blickt in die dunklen Täler der Seele. Das erfordert eine Offenheit und gefestigte Stimmung. Trotz der Finsternis leuchtet der Roman durch äußerst lebenskluge, offenherzige Betrachtungen. Zudem ist er stilistisch fein justiert, zeigt das Innenleben eines bipolaren Menschen und fungiert als Sprachrohr für diejenigen, die nicht schlecht drauf, sondern ernsthaft erkrankt sind. Davor verneige ich mich. Ich wünsche dem Buch weitere mutige Lesende, und den Erkrankten alles erdenklich Gute!

Haus zur Sonne

von Thomas Melle

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Der Hase im Mond
Simone Finkenwirth

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Ich hatte das große Glück, Milena Michiko Flašar persönlich zu interviewen. Den Coffeetalk finden Sie auf unserer Startseite. Lange schon bewundere ich ihr literarisches Schreiben. "Ich nannte ihn Krawatte" habe ich seinerzeit mit so vielen anderen gefeiert. Das Debüt verkaufte sich über 100.000 Mal und war für den Deutschen Buchpreis nominiert. Danach folgten zwei weitere lesenswerte Romane "Herr Kato spielt Familie" und "Oben Erde, unten Himmel". Und jetzt "Der Hase im Mond".

Hier ist etwas anders. Zum einen hat sich die japanisch-österreichische Autorin für Erzählungen erschienen. Zum anderen blitzen sie durch eine von mir geschätzte japanische Zutat in meinen Augäpfeln hervor: magischer Realismus. Jede Geschichte hat es wahrlich in sich. Sie kommen ruhig daher, und plötzlich reißt etwas auf und ich schlage die Hände über die Augen. Kann nicht sein!? Oder doch?

Ich denke an die erste Geschichte "Die Füchsin". Ein angesehender Autor trifft auf seinem Heimweg auf eine weinende Frau. Der bescheidene kleine Fukuda kommt gerade angetrunken von einer Verlagsparty, als er das traurige Etwas aufsammelt und mit sich nach Hause nimmt. "Zum Weinen", schreibt die Autorin, "braucht es ein Dach über dem Kopf." Tut das gut? Oh ja!

Zwischen den beiden passiert natürlich mehr. Dann ereignen sich seltsame Dinge... die ich hier nicht ausführen möchte. Ebenso bemerkenswert ist die Erzählung über den ruhigen Kalligraphie-Meister, der stets auf Achtsamkeit, gutes Essen und Zen bedacht ist. Doch dann eines Abends macht ein Schüler von ihm eine unglaubliche Entdeckung und stürzt ihn in eine Krise.

Unwirklich ist "Hawaiian Dreams". Hier begegnen wir einem Ehepaar, das kurz vor der Trennung steht. Akiko und Nubo haben sich auseinandergelebt, schlafen sogar in getrennten Betten. Aber als Nobu auf dem Balkon durch sein Fernrohr in dem gegenüberliegenden Haus das Spiegelbild seiner Frau entdeckt, gerät das Leben der beiden aus den Fugen. Wer ist diese Frau? Akiko selbst?

Für mich ist "Der Hase im Mond" ein Buch der Wandlungen und das in vielfältiger Form. Absolut fantastisch und beeindruckend schön!

Der Hase im Mond

von Milena Michiko Flašar

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Bad Men
Frank Menden

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Saffy Huntley-Oliver ist ein ehemaliges Model mit einem abgeschlossenen Kunstgeschichtsstudium, sitzt im Vorstand dreier Wohltätigkeitsorganisationen, ist Vegetarierin und – Serienkillerin. Letzteres ist für sie jedoch überhaupt kein Gegensatz zu ihrem „normalen“ Leben, schließlich bringt sie ausschließlich Männer um, die es verdient haben. Und davon gibt es ja leider Gottes mehr als genug auf der Welt.
Das einzige, was Saffy tatsächlich etwas peinlich ist: sie hat sich verliebt. Und zwar nicht in irgendjemanden, oh Nein!
Ihr Auserwählter ist der berühmte Podcaster Jonathan Desroisiers, der sich um die Aufklärung von Morden verdient macht.
Während Saffy sich also auf ihren nächsten „gesellschaftlichen Auftrag“, ergo ihren nächsten Mord vorbereitet, muß sie sich auch noch Gedanken darum machen, wie sie Jonathan für sich gewinnen kann.
Aber wenn Saffy eins kann, dann ist es Männer aufzuspüren….

Was für ein Spaß! Diese exquisite Mischung aus Krimi und sehr schräger RomCom überzeugt durch eine wunderbar gezeichnete Hauptfigur und jeder Menge Spannung.
Ein etwas anderer Krimigenuss!

Bad Men

von Julie Cohen

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Pretty Perfect
Frank Menden

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Eigentlich sollte es der Ort für ein romantisches Wochenende sein, ein Ort, um die Ehe von Ellery und Luke Wainwright wieder in die „richtigen“ Bahnen zu lenken. Doch nun ist die Ehe nur noch Geschichte, Luke hat eine neue Freundin und Ellery ist am Boden zerstört.
Nur durch das gute Zureden ihrer besten Freundin macht sie sich doch auf den Weg in das luxuriöse und abgelegene Luxusressort. Dass dort zu allem Überfluß auch noch eine Hochzeit ansteht droht das fass an Emotionen für Ellery zum überlaufen zu bringen. Gottseidank lernt sie doch schnell sympathische Menschen kennen. Als es so scheint als könne es nun doch ein halbwegs schönes Wochenende werden, findet Ellery beim morgendlichen schwimmen eine Leiche – den Bräutigam am Vortag überraschend abgebrochenen Hochzeit.
Zu allem Unglück macht ein verheerendes Unwetter das Ressort unpassierbar. Niemand kann rein, niemand kommt raus. Und dann geschieht ein weiterer Mord…

Wer seine Freude an der Anthologieserie „White Lotus“ hatte kommt hier voll auf seine Kosten. Ellery und ihre neugewonnen Freunde sind sympathische Hobbydetektive, die raffiniert und mit Charme an die Aufklärung der Verbrechen herangehen – und das ein oder andere Geheimnis der anderen Gäste aufdecken.
Perfekt für einen kuscheligen Herbstnachmittag auf der Couch.

Pretty Perfect

von Ally Condie

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Hotel Love
Frank Menden

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„Er schiebt liebenswert, lebensfroh, leidenschaftlich und treu nach rechts, schiebt feministisch und politisch aktiv nach links, zu ihrem eigenen Schutz. Er wählt die Interessengebiete Kuscheln, Restaurantbesuche, romantische Netflix-Serien, Crosstrainer und All-Inclusive-Urlaube aus.“

Willkommen im Hotel Love. Hier können Männer ihre ideale Frau zusammenstellen, d.h. ihren persönlichen FemBot herstellen lassen: optisch und charakterlich ganz auf ihre Bedürfnisse abgestimmt.
Denn seit die Männerpartei an der Macht ist, stehen die Bedürfnisse der Männer ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Frauenrechte? Wurden abgeschafft, schließlich haben Männer ein Anrecht auf Frauen, die ihnen völlig ergeben sind.
Deswegen gibt es das „Hotel Love“. Es bietet den Express Service, Heirat nach wenigen Tagen inclusive.

Roman, seines Zeichens Reality Star, checkt im Hotel ein, mit dem Ziel, das perfektionierte Abbild seiner großen Liebe Julia nachzubilden und zu heiraten. Der Optimierungsprozess läuft jedoch nicht ganz rund, Roman hat immer wieder Änderungswünsche. Aber auch bei schwierigen Fällen lässt das „Hotel Love“ nicht locker, bis alle zufrieden sind…

„Toni und Moni“ ist eines meiner allerliebsten Bücher . Verständlich, dass ich dem neuen Roman von Petra Piuk entgegengefiebert habe. Und „Hotel Love“ hat mich nicht enttäuscht.

Gewohnt bitterböse und entlarvend, ganz auf der Höhe der Zeit , knallig und subtil, mit einem ungeheuren Sog und einer Struktur, die zwischen „Black Mirror“, Reality-Soap incl. Werbeeinblendungen und überdrehtem Liebesroman changiert.

Dieser Roman ist so beeindruckend wie sein Cover. Die Geschichte von Roman & Julia & Julia 2.0 ist beste Satire mit Widerhaken, bei dem einem das Lachen im Halse steckenbleibt und das seine Ideen konsequent zum Ende führt.

Ein absolutes Highlight!

Hotel Love

von Petra Piuk

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Lázár
Simone Finkenwirth

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Es ist wirklich unglaublich, was Nelio Biedermann in seinem zweiten Roman erzählt und vor allem wie. In einer derart schönen, klugen, bildreichen wie rhythmischen Sprache. Das Feuilleton spricht vom neuen Wunderkind am Literaturhimmel. Da ist verdammt viel dran. Auch der Buchhandel jubelt. Ich kenne niemanden, die oder der bei diesen fünf Buchstaben keine leuchtende Augen hat und glücklich grinst. Selbst mein Kollege Frank Menden und ich sind uns hier so was von einig. Daher ist es kein Wunder, dass "Lázár" auf der Shortlist für den Preis Lieblingsbuch der Unabhängigen steht.

Mit 16 Jahren begann der Autor während der Corona Epidemie mit dem Schreiben. 2023 erschien sein Debüt "Anton will bleiben". Es war gewissermaßen die Ouvertüre zu seinem Kunstwerk "Lázár", das wahrlich formvollendet die Geschichte der wohlhabenden ungarischen Familie Lázár über drei Generationen hinweg erzählt. Sie setzt ein, als Lajos, "das durchsichtige Kind mit den wasserblauen Augen" das Licht der Welt erblickt. Die Lázárs residieren in einem Waldschloss, abgeschottet von der Welt. Doch die bricht bald bei ihnen ein und auseinander wie das Ende des Habsburgerreichs, der sich breitmachende Nationalsozialismus, der Stalinismus, Krieg, Enteignung, Flucht. Und dazwischen jede Menge Liebe, mystische Momente, Natur, Alkohol, Kunst, Verluste und Hoffnung auf ein helles Ende.

Dieser Roman berauscht alle Sinne! Wenn Sie jetzt nur noch ein Buch lesen können, dann bitte diesen fulminanten, berührenden, packenden und wunderschönen Roman. Der zu Herzen geht, sich an große Namen der schreibenden Zunft anlehnt, sie zitiert und uns im nächsten Moment vollkommen atemlos macht. Weil wir nicht glauben können, was wir lesen oder hören. Das Hörbuch hat Max von Pufendorf kongenial eingesprochen. Es ist beim Argon Verlag erschienen und verspricht allerfeinsten Hochgenuss!

Lázár

von Nelio Biedermann

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Nacht über Soho
Simone Finkenwirth

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Ich bin dem Dunklen und Verbotenen nicht gänzlich abgeneigt. Sieht man mir nicht an. Ist auch gut so und gewissermaßen mein Deckmantel. Aber ich sauge Geschichten über Figuren auf, die nicht immer ganz konform sind. Daher rührt wohl meine Begeisterung für die meisterhafte Serie "The Sopranos". An die musste ich bei "Nacht über Soho" von Kate Atkinson denken, deren Buch sehr lange in der Krimibestenliste thronte. Was mich erfreut und gleichermaßen erstaunt hat.

Denn dies ist kein Krimi oder sagen wir kein gewöhnlicher. Kate Atkinson hat sich von Kate Meyrick inspirieren lassen. Die Dark Lady war viele Jahre lang die Herrscherin über die Clublandschaft von Soho. Kate hatte wie Atkinsons Hauptfigur Nellie Coker eine reiche Kinderschar. Durch einen Zufall gerät die alleinerziehende Nellie an Diebesgut und beginnt damit ihr Imperium geschickt aufzubauen. Nun einige Jahre später ist sie aus dem Gefängnis entlassen worden. Ihre vier Kinder haben während iher Abwesenheit die Clubs am Laufen gehalten. Aber nicht alle sind einfach oder sagen wir businesslike.

Seit geraumer Zeit tauchen tote junge Frauen auf. Der Inspektor John Frobisher saust von einem Leichenhaus zum nächsten und hat gleichwohl Nellie im Visier. Als er auf die Bibliothekarin Gwendolen trifft, sieht er in ihr die perfekte Ermittlerin, die sich undercover in den Clubs umhören soll. Als die junge Frau in einer ihrer Nächte bei einer Schießerei in einem der Clubs jemanden rettet, wird Nellie auf sie aufmerksam...

Das Figurenkabinett ist vielseitig und von Atkinson empathisch gezeichnet. Wir haben neben den Cokers und dem Ermittler zudem korrupte Beamte und zwei Mädchen aus York, die in London ihr Glück als Tänzerinnen finden wollen.

"Nacht über Soho" ist ein Slowburner im allerfeinsten Sinne. Atkinson entführt uns ins London der 20er Jahre. Es funkelt, vibriert und ist verboten gut! Als absolut anziehend empfinde ich jede Seite. Und das Gros der Figuren wächst mir sehr ans Herz, selbst der schreibende Ramsay Coker. Oder sein Bruder Niven, der Gwendolen umschwärmt wie eine Motte das Licht. Ein must-read für alle Sopranos, Clubmenschen und Fans verbotener Früchte!

Nacht über Soho

von Kate Atkinson

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Marnie Mitternacht. Das Geheimnis der Mondmagie (Band 1)
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Ich habe ein Faible für eigensinnig-schön illustrierte Kinderbücher. Und ich bin eine Mondanbeterin. Als mir "Marnie Mitternacht" mit der Magie des Schneiderbuch Verlags in die Hände fiel, habe ich gegrinst und mache es immer noch. Denn die Lektüre ist herrlich!

Aber von vorn. Hier begleite ich die junge Motte Marnie auf ihrer Reise. Gemeinsam mit ihrer Familie, inklusive dem noch nicht geschlüpften kleinen Bruder, der als Larve auftritt, fährt sie zur Minitier-Akademie. Hier soll das Mottenmädchen alles lernen, was für so ein Insekt wichtig ist. Zudem hofft sie, auf ihr großes Idol zu treffen: Lunora Flügelherz. Sie hat an der Akademie alles über Mond gelernt und gilt als eine der führenden Mondologinnen. Als Marnie an der Schule noch gar nicht richtig angekommen ist, spürt sie einen Widerstand. Keiner will etwas über den Mond sagen. Und es wird auch nichts darüber gelehrt. Hat der grimmige Lehrer Herrn Atlas etwas mit Lunoras Verschwinden zu tun?

Zusammen mit ihren neuen Freunden, dem Bienenjungen Flavio Flairissimo und der Ameisenprinzessin Stella, geht sie dem ganzen auf den Grund und erlebt vielerlei abenteuerliche Dinge, die - so viel darf ich schon mal verraten - natürlich auch zum Mond führen werden.

Großer Lesespaß für alle ab 8 Jahren, auch für Lesemuffel wegen der großen Schrift und den vielen zauberhaften, frechen wie fantastischen Illustrationen.

Dies ist übrigens der 1.Band. Der 2. Band erscheint schon bald Ende Oktober.

Marnie Mitternacht. Das Geheimnis der Mondmagie (Band 1)

von Laura Ellen Anderson

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Alice und die Geister von nebenan
Simone Finkenwirth

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Halloween kommt uns in großen Schritten näher. Passend dazu habe ich die perfekte Geschichte: "Alice und die Geister von nebenan". Wobei die Geister in diesem Falle überhaupt nicht böse sind, auch wenn wir uns alle im ersten Moment erschrecken. Allen voran die titelgebende Heldin dieses hinreißenden Buches.

Alice ist soeben mit ihren Eltern in ein abgewracktes Haus gezogen. Ihr Vater und Alice lieben es, Häuser zu reparieren, während ihre Mutter an der Uni erstaunliche Vorlesungen abhält. Nun ist es so, dass die Uni die Handwerkskunst der Familie nutzt, und sie stets in andere reparaturwürdige Häuser versetzt.

Doch dieses Mal machen sie alles anders. Nix wird neu in Stand gesetzt, denn die Familie will endlich heimisch werden und sie haben die geldgierigen Machenschaften der Uni durchschaut. Diese verkauft nämlich nach der fabelhaften Instandsetzung die Häuser.

Wie passend, dass es ein ebenso abbruchreifes Haus nebenan gibt, in das die neugierige Alice natürlich hineinschaut. Und nicht nur das, sie fängt an Stellen zu reparieren. Als sie das Herzstück - eine Kachel neu befestigt, atmet das Haus Geister aus: Ivy, Mugwort und Danny. Wobei sie das Wort Geister gegen Seelen eintauschen.
Mugwort erklärt, dass es verschiedene Arten von ihnen geben würde. Sie zählten zu den Überfälligen, weil sie vor ihrem Tod noch eine unvollendete Herzensangelegenheit haben, die sie zu Lebzeiten nicht mehr beenden konnten. Ob Alice ihnen zur ewigen Ruhe helfen kann?

Das ist eine fantastische wie liebenswerte Geistergeschichte für alle ab zehn Jahren! Mit tollen Figuren und packenden Elementen! Wirklich gruselig wird es nie, wobei am Ende schon, als Alice noch die Bekanntschaft mit der Furie vom Dachboden macht.

Alice und die Geister von nebenan

von Jacqueline Davies

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Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache
Simone Finkenwirth

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Rückenprobleme? Kennen wir doch alle. Bei dem einen sind es kleine Zwicker, die vor allem pieksen, wenn man Stress hat. Andere haben täglich damit zu kämpfen und sind mitunter in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Sie fühlen sich machtlos und haben es nicht leicht. Mein Mitgefühl ist bei all den Schmerzpatienten. Gleichwohl präsentiere ich Ihnen eine erste mögliche Erleichterung: "Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache" von der Diplom-Psychologin Catrin Marnitz und ihrer Co-Autorin Tina Epking. Catrin Marnitz ist leitende Psychologin am renommierten Hamburger Rückenzentrum "Am Michel". Die Psychologin hat 2010 die Weiterbildung im Bereich der Speziellen Schmerztherapie abgeschlossen. Sie ist eine Fachfrau auf ihrem Gebiet und kann ihr Wissen praxisnah vermitteln.

"Schmerz ist auch immer das Ergebnis einer Lerngeschichte" schreibt Marnitz an einer Stelle. Manche sind geprägt durch überängstliche Eltern, die ihre Kinder dafür mehr als gewöhnlich sensibiliseren, so dass sich das Thema fester im Gehirn verankert als es sollte. Dies zu erkennen, könnte ein erster möglicher Schritt in einen Lebensabschnitt mit weniger Schmerzen sein. Aber nicht nur. Natürlich spielen auch andere Faktoren eine bedeutende Rolle: Bandschreibenvorfälle, Sport- oder Arbeitsunfälle, starke emotionale Belastungen. Und natürlich unser Leben: "Wir wollen alle mehr, mehr, mehr." Fühlen Sie sich ertappt? Keine Bange, ich auch. Unser Leben ist einfach schnell geworden, die Anforderungen sind hoch, die Ablenkungen wie das Internet enorm.

Wie nun mit dem Schmerz umzugehen ist, davon erzählt die Psychologin absolut lebensnah und nachvollziehbar. So betrachtet sie den Schmerz als ganzheitlich. "Bei der Aufrechterhaltung einer Erkrankung oder einer Schmerzsymptomatik spielen immer verschiedene Faktoren eine Rolle. Wir sprechen deswegen auch von einem multifaktoriellen Geschehen. Deshalb sollte man sich alles angucken: die medizinische, die psychologische und die soziale Ebene." Sie löst den Begriff chronisch auf, wandelt ihn in die Chronifizierung und ermutigt uns, Schritt für Schritt für uns selbst zu sorgen. Denn darin liegt der Schlüssel: In einem selbstwirksamen Umgang mit Stress und dem Schmerz, dem man sich nicht vollkommen ausliefern muss.

Das ist ein ganzheitlicher und nachhaltiger Ratgeber, der uns sehr viel Input und Werkzeuge an die Hand gibt. Doch beim Lesen allein sollte es nicht bleiben. Wie auch in ihrem Alltag im Hamburger Rückenzentrum appeliert die Diplom-Psychologin an alle:
"Ärmel hoch und mitmachen."

Das werde ich kommenden Mittwoch, dem 8.10., um 19.30 Uhr, wenn wir die Autorin und Tina Epking bei uns zu Gast haben werden.

Wir haben noch freie Plätze. Melden Sie sich unter anmeldungen@stories-hamburg.de für die Veranstaltung an und bringen Sie gern zahlreiche Fragen mit.

Ein gesunder Rücken ist auch Kopfsache

von Catrin Marnitz, Tina Epking

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Working Class Girl
Frank Menden

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„Als ich sieben war, wanderte mein Vater zum ersten Mal hinter Gitter. Alles Schlimme ereignete sich in jener Zeit. Meine Mutter war heroinsüchtig, sich selbst überlassen und musste zusehen, wie sie in einem Drecksloch und erbärmlichster Armut sich selbst und fünf Kinder durchbrachte.“

Schonungslos, ehrlich , direkt, aufrüttelnd, schwer zu ertragen, unvergesslich.
„Working Class Girl“ von Katriona O'Sullivan , übersetzt von Sylvia Spatz, erzählt vom Alltag in einer der ärmsten Vororte von Coventry. Es erzählt von Hunger , Vernachlässigung durch suchtkranke Eltern, von Drogenmissbrauch vor Kindern und von sexueller Gewalt. Es erzählt davon, wie Katriona sich erst in der Schule von ihrer Lehrerin wirklich wahrgenommen fühlt. Es erzählt davon, warum Kinder trotz schwerer Vernachlässigung unbedingt loyal zu ihren Eltern halten, wie sehr dieses Gefühl von „wir gegen die“ verinnerlicht wurde. Es erzählt von Vorurteilen und Stereotypen.
Es erzählt auch , wie Katriona O‘Sullivan es durch finanzielle Förderung schaffte zu studieren, in Psychologie zu promovieren - und wie sehr das Stigma der vorzeigbaren „Guten Armen“an ihr klebte.

Dieses Memoir zu lesen ist schwierig, weil es zum einen stellenweise kaum zu ertragen ist, und es uns zum anderen mit eigenen Vorurteilen konfrontiert.
Dabei bleibt O‘Sullivan immer differenziert, was man ihr angesichts ihrer Erlebnisse nicht hoch genug anrechnen kann.

Ein überaus wichtiges, hartes Buch, welches man einigen Politikern in die Hand drücken sollte.

Working Class Girl

von Katriona O'Sullivan

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The Bitter Side of Sweet
Frank Menden

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Ein Leben ohne Schokolade? Für mich keine Option. Auch wenn Schokolade immer teurer wird, manche Firmen absurd hohe Preise aufrufen.
Doch den wahren Preis zahlen nicht wir Verbraucher, den zahlen die ArbeiterInnen auf den Kakao-Plantagen.

So wie die Brüder Amadou, 15 Jahre, und Seydou, gerade einmal acht Jahre alt.
Sie haben auf einer ivorischen Kakao-Plantage angeheuert, weil ihre Großeltern, malische Bauern, sie nicht mehr ernähren können.
Eine Saison wollen sie bleiben und dann mit dem erarbeiteten Geld nach Mali zurückkehren.
Doch die Brüder müssen unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten, erfüllen sie ihr Soll nicht setzt es Peitschenhiebe und ihnen wird die Nahrung verweigert. Sie versuchen zu fliehen, werden erwischt, härter bestraft - und kapitulieren.
Als eines Tages mit der 13jährigen Khadija zum ersten Mal ein Mädchen auf die Plantage kommt, hat das für die Brüder einschneidende Folgen. Die aus einer wohlhabenden Familie stammende Khadija wurde entführt, weil ihre Mutter eine Reportage über die Missstände auf den Plantagen veröffentlichen wollte.
Und sie plant schon bald ihre Flucht, zusammen mit Amadou und Seydou….

„The Bitter Side of Sweet“ von Tara Sullivan , übersetzt von Sandra Knuffinke und Jessika Komina ist ein Jugendroman, der es in sich hat und den man auch als Erwachsener mit Gewinn liest.
Der brutale Alltag wird nahezu nüchtern und sehr direkt erzählt, hier wird nichts beschönigt. Mit großem Einfühlungsvermögen schildert die Autorin die Gefühle ihrer jungen Protagonisten, man bangt und hofft mit ihnen - und weiß doch, dass ihre Kindheit unwiderruflich vorbei sein wird.

Im Nachwort erfährt man, dass laut einer amerikanischen Studie 2025 1,56 Millionen Kinder Zwangsarbeit im Kakao-Anbau verrichten.
Man sollte diese Zahl beim nächsten Schokoladenkauf unbedingt vor Augen haben - und ein paar Euro mehr in Fairtrade Produkte investieren.

The Bitter Side of Sweet

von Tara Sullivan

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Ein höheres Ziel
Frank Menden

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Vier Freunde der Stockholmer Society feiern einen standesgemäßen Junggesellenabschied an der Cote dÀzur. Doch als die für einen feuchtfröhlichen Abend ausgesuchte Bar von bewaffneten Männern überfallen wird, beginnt für Amir Yasin ein Alptraum.
Der aus dem Irak stammende Amir wollte an der Bar eine Runde Getränke ordern, als er mitten in die beginnende Schiesserie gerät und unter einem der Opfer begraben wird. Die herbeieilende Polizei stuft den Angriff als Terrorakt ein und nimmt Amir trotz aller Proteste seinerseits als Tatverdächtigen mit - schliesslich passt er aufgrund seiner Herkunft exakt ins Täterschema des ehrgeizigen Ermittlungsrichters.
Was folgt ist ein Martyrium ohnegleichen: Amir landet in einem der berüchtigten Gefängnisse Frankreichs, völlig isoliert, ohne nennenswerte juristische Unterstützung oder gar einem Dolmetscher.
Die schwedische Justiz und seine Familie und Freunde sind machtlos. Als sich jedoch die schwedische Staatsanwältin Esther Edh und ihre Chefin Fabia Moretti den Fall genauer ansehen scheint es etwas Hoffnung für Amir zu geben…

Zur falschen Zeit am falschen Ort -und schon ist man den Mühlen des ( ausgehebelten ) Gesetzes vollkommen ausgeliefert. So könnte man das Schicksal Amirs beschreiben. Malin Thunberg Schunkes überaus fesselnder und erhellender Kriminalroman „Ein höheres Ziel“ verdeutlicht, wie Ehrgeiz auf Seiten der Ermittlungsbehörden zu fatalen Fehleinschätzungen führen kann. Die studierte Rechtswissenschaftlerin bleibt bei aller Spannung immer faktentreu und fächert sowohl das europäische Rechtssystem als auch die Emotionen aller Beteiligten auf beiden Seiten genau auf.
Herausgekommen ist ein ungewöhnlicher und Justizkrimi, der auf der Höhe der Zeit ist - und einen mitunter schaudern lässt.
Ein erhellendes Nachwort der Autorin erklärt noch einmal die wichtigsten Fakten des Buches.
Ein Jahres-Krimihighlight!

Ein höheres Ziel

von Malin Thunberg Schunke

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Die Rheinreise
Frank Menden

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Sommer 1851. Charlotte Morrison macht mit ihrem Bruder Reverend James Morrison und dessen Frau Marion und Tochter Ellie eine Dampfschifffahrt von Koblenz nach Köln .
Für Charlotte, die als Gouvernante, Gesellschafterin und Zofe in Personalunion von ihrer Familie in Anspruch genommen wird, wird diese Reise vor allem eine Reise zu sich selbst werden.
Nicht nur wegen des kürzlich geerbten kleinen Vermögens könnte sie die familiären Fesseln abstreifen. Auch die Begegnung mit einem Mitreisenden, der sie an ihre einstige große Liebe erinnert ( die der Familie nicht standesgemäß genug war ), wühlt Charlotte auf. Langsam aber stetig wächst Widerstand in Charlotte heran…

Ann Schlees „Die Rheinreise“ , übersetzt von Werner Löcher-Lawrence , ist eine willkommene Wiederentdeckung.
Schon vor über 40 Jahren erschienenen erlebt der Roman nun seine überfällige Renaissance.

Dabei verwebt der Roman geschickt die Selbstermächtigung der Mitte 50jährigen Charlotte aus dem viktorianischen England subtil mit der politischen Lage in Deutschland, in der Misstrauen und Zensur herrschen..

Mich hat dieser wunderbar geschriebene und übersetzte Roman durch seine klare Sprache überzeugt, durch die präzise Charakterisierung seiner Figuren - und durch die überaus zeitgenössische Botschaft.
Dieser moderne Klassiker - ein Kritiker nannte ihn sehr treffend „eine Kreuzung aus Heine und Henry James“ - ist übrigens mit einem sehr klugen Nachwort von Lauren Groff versehen.
Die Lektüre lohnt also in mehrfacher Hinsicht.

Die Rheinreise

von Ann Schlee

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Alle unsere Leben
Frank Menden

Frank Menden

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„Bald würde das Jahr 1980 beginnen.(…) Aber vorerst war dies ihr Zuhause. Alles, was sie nur irgend brauchen könnte, war in diesem Zimmer. Die kommenden paar Tage konnte sie alles andere wegschieben.“

Milly ist 18 als sie von Irland nach London kommt, auf der Suche nach Arbeit und einer Bleibe. Im Pub von Mrs Oaks findet sie beides, bald ist dies ihr Zuhause, ihre Zuflucht. Aus Kolleginnen und Arbeitgeberin werden Freunde, aus dem Zimmer über dem Pub ein Heim. Und dann ist da noch der junge Boxer Pip, Ire wie sie, nur etwas älter, charismatisch, attraktiv.
Doch die sich anbahnende Liebesgeschichte ist fast so schnell vorbei wie sie begonnen hat…

Über einen Zeitraum von fast vierzig Jahren begleiten wir Milly und Pip durch ein sich stetig wandelndes London. Sie leben ihr Leben, treffen Entscheidungen, driften in verschiedene Richtungen. Aber immer wieder kreuzen sich ihre Wege, ist da eine Verbundenheit zu spüren, die evtl. einen Weg aus der Einsamkeit bietet…

Christine Dwyer Hickeys neuer Roman „Alle unsere Leben“ , übersetzt von Kathrin Razum, hat mir bei der Lektüre das Herz gebrochen und stückweise wieder zusammengesetzt. Milly und Pip sind eindringliche Charaktere, die jeder für sich mit den Dämonen der Vergangenheit kämpfen, die sich immer wieder erneut dem Leben stellen, ihren manchmal holprigen Weg gehen, die man ab und zu schütteln möchte und die mir nach 556 Seiten sehr ans Herz gewachsen sind .

Dieser Roman, der an Claire Keegan und Douglas Stuart erinnert, ist so viel mehr als „nur“ eine Liebesgeschichte. Es ist ein Roman über Fremdheit und Einsamkeit, über Sehnsucht und Freundschaft, über Klasse und Herkunft und über das Unvermögen Glück zu erkennen, wenn es einem begegnet.
Ein Buch wie der langsam beginnende Herbst, voller Melancholie und Schönheit. Und mit einem unvergesslichen Ende!

Alle unsere Leben

von Christine Dwyer Hickey

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Maifliegenzeit
Frank Menden

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„Daniel hat angerufen.“
Drei Worte, die ein Erdbeben auslösen. Denn Daniel ist offiziell seit 40 Jahren tot, gestorben bei seiner Geburt.

Mit diesem Paukenschlag beginnt „Maifliegenzeit“ von Matthias Jügler.

Den Anruf hat Anne entgegengenommen, seit zehn Jahren die Lebensgefährtin des mittlerweile pensionierten Lehrer Hans.
Der hatte ihr beim kennenlernen von seiner Ehe mit Katrin erzählt, von dem größten Unglück was Eltern passieren kann, welches schließlich auch die Ehe nicht überlebte: der Tod des Kindes kurz nach der Geburt.
Katrin hatte nie daran geglaubt, hatte darauf bestanden, dass der Sohn noch leben müsse. Warum sonst hätte man ihn nicht sehen dürfen? Und er hätte doch kräftig geschrieen?

Kurz vor ihrem Tod bittet Katrin Hans noch einmal um ein Treffen und appelliert an ihn: sollte sich je eine Chance ergeben, dann solle er sie nutzen und Licht ins Dunkel der Geburt bringen.
Die Wende 1989 scheint diese Chance zu sein, doch nach vielversprechenden Ansätzen verläuft sich die Angelegenheit.
Und wieder zieht sich Hans zurück in seinen geliebten Angelsport.
Bis der Anruf kommt…

Nur 156 Seiten hat dieser ruhig erzählte Roman, der sich mit einem dunklen Kapitel der DDR beschäftigt, welches auch schon in der Serie „Weißensee“ aufgegriffen wurde - und seitdem eine große Kontroverse ausgelöst hat.

Jügler verschränkt verschiedene Zeitebenen, mischt das Schweigen und die Schuldgefühle mit Allegorien zum Angeln und enthüllt mehr und mehr, wie schwer sich eine einmal verinnerlichte Wahrheit trotz Fakten revidieren lässt.
Ein ungemein berührender Roman, der gerade durch den verdichteten, ruhigen Ton enorm eindrücklich ist.

Maifliegenzeit

von Matthias Jügler

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Karen W.
Frank Menden

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„Was war das bloß für eine Zeit und ein Land um mich rum? Immer blieb ich für oder gegen was verwickelt, und immer traf jede Wahl die ungewählte Kehrseite mit. Gab‘s denn nie ein vollkommenes rundes Ja? Nicht mal in der Liebe?“

Eines Nachts beschließt die 29jährige Karen Waldau ihren Mann, mit dem sie mehr nebeneinander als zusammen gelebt hat,zu verlassen. Sie nimmt mit Tochter Bettina den ersten Zug von Leipzig nach Osthausen, dem kleinen Dorf in Thüringen, in dem sie aufgewachsen ist. Vor zwölf Jahren hat sie die ländliche Enge verlassen, jetzt sucht sie hier , ja was? Einen Neuanfang, Selbstbestimmung? Das wirkliche Leben ?

„Karen W“ von Gerti Tetzner erzählt eine auf den ersten Blick einfache Geschichte - und doch ist sie komplizierter als es der erste Blick erscheinen lässt. Kritisches Denken, die Suche nach der eigenen Identität und weibliche Selbstbestimmung sind in diesem Land nicht vorgesehen.
1974 erschien der Roman zum ersten Mal, und es ist ein großes Glück, das er nun wieder aufgelegt wurde.
Zum einen, weil der Text absolut zeitlos ist und auch heute noch aktuelle Fragen erörtert.
Und zum anderen, weil wir Gerti Tetzner entdecken können, eine studierte Juristin, die durch Christa Wolf zum Schreiben ermutigt wurde, die am Leipziger Literaturinstitut exmatrikuliert wurde, weil sie den Einmarsch russischer Truppen in Prag nicht gutheißen konnte.

Dieser unbedingt zu empfehlende Roman enthält ein Interview mit der Autorin. Danach möchte man unbedingt mehr von ihr lesen. Hoffentlich bald.

Karen W.

von Gerti Tetzner

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Death Valley
Frank Menden

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„Ohne es mir einzugestehen, wollte ich eine echte Katharsis, die ganze Welt sollte ein großes, wahres Drama sein, das nur dazu diente, mich aus meinem Leben zu befreien und mir ein neues zu schenken.“

Man möchte dem Protagonisten von Steven Uhlys neuen Roman „Death Valley“ , einem gewissen Steven Uhly, zurufen „be careful what you wish for“… Doch da ist man schon mittendrin.
Mittendrin in dieser Geschichte um einen Mann, der die Asche seiner im Death Valley zu Tode gekommenen Mutter in einen Krater am besagten Ort verstreuen soll. Und der dies zusammen mit Hans machen soll, dem Sohn des dort gleichzeitig zu Tode gekommenen Lebensgefährten seiner Mutter.

Wie hier Lebenswelten aufeinander prallen, die von Steven und Hans, aber auch die von Steven und den Menschen, denen er in Trumps Amerika begegnet, was eine zufällige Begegnung im Flugzeug auslösen kann und was dies mit Goldbarren und einem Haus in der Eifel zu tun hat - nun, das sollte man unbedingt selbst lesen!

Denn dieser Roman ist „ein wilder Roadtrip, grell und zärtlich, intim und larger than life, politisch, mit einem tollen Ende, voller Humor und Melancholie.“
So mein „Blurb“ auf dem Cover dieses mitreißenden Buches über Wahrheit und Lüge, über allzu schnell gefällte Urteile, vollgepackt mit unvergesslichen Szenen.

Ein absoluter Hochgenuss, erfrischend und klug, ein bisschen verrückt und doch sehr real - ich habe jede Zeile genossen.
Ein Instant Lieblingsbuch !

Death Valley

von Steven Uhly

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Onigiri
Simone Finkenwirth

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Yuko Kuhn erzählt im sanften Ton einer Zen-Meisterin eine deutsch-japanische Familiengeschichte. Nach dem Tod ihrer Großmutter will Aki in die Heimat ihrer Mutter reisen. Diese ist an Demenz erkrankt. Trotzdem geht die junge Frau das Wagnis ein. Die Reise nach Japan wird für alle Beteiligten in vielerlei Hinsicht eine ganz besondere. Wer einen demenzkranken Menschen kennt, weiß, was passieren kann, diesen aus gewohnten Bahnen zu ziehen. Aber Akis japanische Familie ist so gütig und aufmerksam, dass sich die Anspannung der Reise recht bald legt.

In wechselnden Zeitzonen reflektiert Aki die Familiengeschichte. Ihre Mutter Keiko ist nach Deutschland gegangen, um so den traditionellen Hochzeitsriten zu entkommen und sich ein eigenes Leben aufzubauen. Aber das dies nicht einfach war, kann man sich gut vorstellen. Die Musik war stets eine Konstantante, sie trägt ihre Mutter: "Meine langjährige Gesangserfahrung ist, ohne, dass es mir bewusst war, eine Kraftquelle hier für mich in Deutschland geworden."

Sie verliebt sich in der neuen Heimat des Öfteren, wird jedoch nie zurückgeliebt, bis sie auf Karl trifft. Die beiden heiraten, bekommen zwei Kinder: Aki und Kento. Dies ist jetzt kein Happy End, denn das Leben bleibt für Keiko angespannt. Eine vollkommen andere Welt eröffnet sich für Aki und Kento bei den recht eigenwilligen wie wohlhabenden Großeltern väterlicher Seite.

Irgendwann fängt Akis Mutter an, sich zurückziehen. Sie legt öfter die Hände über ihre Augen, um vieles auszublenden. Ist die Demenz womöglich eine selbst gewählte Flucht?

Das Buch geht zu Herzen, ohne kitschig zu sein und einen herunterzuziehen. Das ist dem Feingespür der Autorin zu verdanken, die liebevoll erzählt, wie Aki, den Spagat versucht, als junge Mutter und fürsorgliche Tochter für alle da zu sein. Yuko Kuhn streut charmante und mitunter verrückt-schöne Momente ein, die mich häufig schmunzeln lassen. Große Empfehlung nicht nur für Japan-Fans!

Onigiri

von Yuko Kuhn

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Was wäre, wenn ...
Simone Finkenwirth

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Dieser Leseschatz ist mir sofort in die Augen gesprungen, von dort übers Blut direkt mitten ins Herz. Und ich spürte: Das muss ein ganz besonderes Bilderbuch sein.

Sabine Bohlmann ist u.a. durch ihre Kinderbüchern "Frau Honig" und "Das Flusskind" bekannt und beliebt geworden. Stella Dreis hat dem philosophischen Buch die passenden weichen und verträumt-schönen Bilder geschenkt.

Im Kern dreht sich alles um eine Frage: Was wäre, wenn... alle freundlich zueinander wären, heißt es gleich auf den ersten beiden Seiten. Zu sehen ist ein älterer Herr, der vor einer Schnecke seinen Hut zieht. Und das rothaarige Mädchen mit ihrer schwarzen Katze, die zwei kleinen Kätzchen beim Milchschlecken zusehen. Auf der nächsten Seite steht: Was, wenn jeder einfach lächeln würde...

Am Ende gibt es natürlich die Auflösung - getragen von einer großen Menschlichkeit und Herzenswärme. Das Buch feiert die kleinen wichtigen Dinge des Lebens. Und zelebriert sie auf hinreißend schöne Weise, das einem wahrlich warm wird und man lange lächelt.

Das Bilderbuch richtet sich an alle nachdenklichen ruhigen Kinder ab 5 Jahre. Und es ist ein wunderbares Geschenk für einen erwachsenen Menschen, der gerade Zuspruch braucht oder dem die Sanftmut abhanden gekommen ist.

Was wäre, wenn ...

von Sabine Bohlmann

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Jakob und Jelena
Simone Finkenwirth

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Die großen Sommerferien sind vorbei selbst bei Jelena und Jakob, den titelgebenden Figuren in Tamara Bachs neuen Roman. Vieles ist anders und nicht wirklich einfach.

Jelenas beste Freundin ist auf eine andere Schule gewechselt, die Lotte ziemlich unter Stress setzt. War sie bisher ein Einserschreiberin gibt es jetzt Vieren und sogar eine Fünf. Auf dem Gymnasium weht ein anderer Wind.

Jelena hat es ebenso nicht einfach. Sie trägt den neuen roten großen Parka und bekommt von der fiesen Franzi gleich einen neuen Spitznamen verpasst: Radieschen. Und der neue Mitschüler Jakob wird Flummi gerufen. Alles nicht schön, doch Augen zu und durch. Auf dem Schulweg im Bus und in der Pause vergräbt sich Jakob am liebsten in Büchern. Die Bibliothek ist sein liebster Ort. Dort ist er viel lieber als beim Schwimmkurs, den er eigentlich belegen sollte. Eine Gemeinschaftsarbeit soll nun die neuen Schülerinnen und Schüler zusammenbringen. Jelena und Jakob bilden ein Team. Obgleich sie nicht viel gemeinsam haben, finden sie doch zueinander. Und Jakob findet in Samson einen weiteren neuen Weggefährten, der wie er genauso gern liest.

Tamara Bach schreibt aus abwechselnden Perspektiven. Mal sind wir bei Jelena und ihrer alleinerziehenden Mutter, die einem Spagat versucht, zwischen dem Muttersein und Job. Wenn ihre Mama nicht da ist, kümmern sich entweder Felix oder die Rambke um das Mädchen. Jakob hat indes einen sehr fürsorglichen Vater, dem das Wohl seines Sohnes sehr am Herzen liegt. Aber er kann halt nicht überall helfen.

"Jakob und Jelena" ist ein realitätsnahes Kinderbuch für alle Zehnjährigen! Sehr kindgerecht, einfühlsam erzählt die Autorin von den Stürmen des Lebens, lässt sie laufen und selbst nach Lösungen suchen. Und am Ende wird alles gut. Ebenfalls bemerkenswert sind die Illustrationen von der mir sehr geschätzten Illustratorin Barbara Yelin, die mich beispielsweise im vergangenen Jahr mit ihrer berührenden Graphic Novel über Emmie Arbel begeistert hat.

Jakob und Jelena

von Tamara Bach

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Tiere, vor denen man Angst haben muss
Frank Menden

Frank Menden

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Von Lübeck ins nördliche Mecklenburg, von einer komfortablen Wohnung auf einen maroden Hof. Für Madeleine und ihre Familie hat sich einiges verändert, nicht nur der Standort. Vater und Brüder haben sie verlassen, sie lebt nur noch mit ihrer Schwester Ronja und ihrer Mutter auf dem Hof. Dieser ist eine von der Mutter initiierte Auffangstation für Haus- und Wildtiere geworden – und die Tiere verdrängen fast die menschlichen Bewohner. Dau zieht es an allen Ecken und Madeleine friert fast die ganze Zeit über – und das nicht nur körperlich, denn die Mutter zieht augenscheinlich die Tiere und die Sorge um deren Schicksal ihrer Familie vor. Das ist viel Verantwortung für die Schwestern, die früh schon erwachsen sein müssen und nur zusammen Momente der Geborgenheit erleben….

Eindringlich, berührend und mit einem zwingenden, unvergesslichen Ende -das ist Alina Herbings zweiter beeindruckender Roman.
Ein Roman, den man nicht aus der Hand legen kann und der so schmal wie kraftvoll ist. Ein Buch, das man gelesen haben sollte!

Tiere, vor denen man Angst haben muss

von Alina Herbing

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Die Verschwörung der Idioten
Frank Menden

Frank Menden

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Es gibt Bücher, die gehören zum festen „Empfehlungsstamm“ eines jeden im Buchhandel arbeitenden Menschen. Bücher, die immer da sein müssen, auf die man immer zurückgreift.

Bei mir gehört „Die Verschwörung der Idioten“ von John Kennedy Toole dazu, seit einigen Jahren neu übersetzt von Alex Capus.

Es ist ein wunderbar schräger, absurder, hochkomischer Roman voller skurriler Charaktere. Im Zentrum steht Ignatius J. Reilly, der seine Tage auf der Couch seiner Mutter verbringt, sich mit Süßigkeiten vollstopft und das Fernsehprogramm kommentiert.
Gewisse Umstände führen dazu, dass er diese allzu bequeme Position verlassen muss und wieder Teil der ( Arbeits- ) Welt wird. Wie er zu seinem eigenen Hot Dog Stand kommt, was seine aberwitzigen politischen Ambitionen bedeuten und welch bizarren Menschen er auf seinem Weg begegnet, gehört für mich zu den abstrusesten, lustigsten, absurdesten, satirischsten und klügsten Romanen überhaupt.

Toole schrieb diesen Roman 1963, sechs Jahre später nahm er sich das Leben. Erst elf Jahre nach seinem Tod wurde das Buch verlegt und er erhielt 1981 posthum den Pulitzerpreis.

Ein wahrer Klassiker, dessen Humor sicherlich nicht für jeden ist . Aber wenn, dann gibt man diesen Roman nie wieder her!

Die Verschwörung der Idioten

von John Kennedy Toole, John K. Toole

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Bevor es geschah
Frank Menden

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Mitarbeiter bei stories!

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Das jährliche Barbecue steht an - und so machen sich alle vier Haynes Geschwister nebst PartnerInnen und Kindern auf den Weg zu ihrem Elternhaus, wo Matriarchin Elisabeth seit dem Tod des Vaters mit kühler Eleganz und Strenge waltet.
Die Stimmung ist angespannt, denn jedes Familienmitglied hat etwas zu verbergen. Ein Geheimnis, das schon lange in ihnen gärt und tunlichst nicht an die Öffentlichkeit geraten soll. Und erst recht nicht innerhalb der Familie.
Doch sind wirklich alle Geheimnisse so geheim?
Während die Anspannung bei allen Beteiligten steigt und alle mit sich und dem belauern der anderen beschäftigt sind, geraten andere Dinge aus dem Focus. Und das hat Folgen…

Zugegebenermaßen ist dies kein neuer Plot . Aber Celine Spierer erzählt ihn in ihrem Roman „Bevor es geschah“ , übersetzt von Sina de Malafosse, so einnehmend, dass man diesen geradezu filmischen Pageturner nicht aus der Hand legen mag . Wie hier eine Familie seziert wird, in der wirklich alle in der ein oder anderen Weise „eine Leiche im Keller haben“ ist höchst vergnüglich zu lesen - und lässt einen mit Freude dem nächsten Familientreffen entgegenblicken.
Denn so wie bei den Haynes wird es sicherlich nicht sein - oder ?

Bevor es geschah

von Céline Spierer

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Service
Frank Menden

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Daniel, Sternekoch und Besitzer eines angesagten Restaurants, steht vor Gericht. Sein Restaurant musste schließen, sein Leben droht aus den Fugen zu geraten, er steht kurz davor, alles zu verlieren.

Daniels Frau Julie fühlt sich mit der Situation überfordert, muss sich mit Paparazzi auseinandersetzen, versucht ihre Kinder zu schützen und ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, ihrem Mann beizustehen und der Angst, dass die Anschuldigungen wahr sind. Mehr und mehr fragt sie sich, ob sie wirklich weiß, wer der Mann ist, mit dem sie ihr Leben teilt.

Hannah, eine ehemalige Kollegin von Daniel, soll im Prozess wegen sexueller Übergriffe aussagen, fühlt sich aber nicht in der Lage dazu. Jahrelang hat sie die Vergangenheit verdrängt, doch dann bringen Ereignisse alles wieder an die Oberfläche

Sarah Gilmartin erzählt in „Service“ ( Übersetzung: Anna-Christin Kramer ) abwechselnd aus diesen drei Perspektiven .
Aus den verschiedenen Versionen und Erinnerungen setzt die Autorin gekonnt ein Puzzle zusammen – und fordert den Leser dabei heraus, sich selbst eine Meinung zu bilden und diese immer wieder zu hinterfragen.
Leicht und eindringlich, atmosphärisch und scharf beobachtet, erzählt Gilmartin vom Alltag in der Sternegastronomie, von den Lügen, mit denen wir uns selbst zu täuschen versuchen, und von dem Mut, der nötig ist, um sich der Wahrheit zu stellen.
Herausgekommen ist ein Roman, der durchrüttelt und uns einmal mehr dazu auffordert genau hinzusehen und den Mut zu haben, Missständen und Fehlverhalten Einhalt zu gebieten. Und zwar jederzeit und überall.
Ein gelungener Roman, den man nicht oft genug empfehlen kann.

Service

von Sarah Gilmartin

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Atmosphere
Simone Finkenwirth

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I've landed again. Wow, that was an exciting reading trip to America and outer space! Now it's time to take a deep breath! And find the words to describe this great book.

Taylor Jenkins Reid is no longer an unknown planet in this country. And yet this book has shown me once again what an outstanding author the American is. Like many other novels, “The Seven Men of Evelyn Hugo” is a global bestseller. But “Atmosphere,” as its promising cover suggests, is extremely cool, absolutely gripping, and a stand-alone.

When Joan learns from her sister that NASA wants to train women to be astronauts again, the astronomer and physicist pricks up her ears. There had been a project before, but it was scrapped. Now, however, the women are returning. And Joan becomes one of them. Together with Lydia, Donna, and Vanessa. Group 9 includes others, including Griff. The training brings the people together. Warmth flows through my veins, but my breath catches when I suddenly experience a space mission in which complications arise – four years later in the book. Vanessa is the only one who is not injured in an explosion. Now every second counts! Joan is sitting on Earth in mission control—the center that is in contact with the space shuttle crew, coordinating everything and being pushed to its limits.

Taylor Jenkins Reid switches between the present and the path that led to it. I follow Joan's journey, which is remarkable. Not only in how she cares for her little niece Frances. Because there is also Vanessa, who triggers something in her that she had never experienced before. And then it happens. But love between two women at NASA in the 1980s is allowed to exist, of course...

Jenkins Reid proceeds very sensitively, without falling into kitsch. The relationships between the characters are so realistic that I feel like I have real friends by my side. Equally remarkable are Reid's thoughts on the universe and the stuff we are made of. As she so beautifully writes: “When you look up at the night sky, you see parts of what once was and what you may one day be.”

“Atmosphere” is so many things in one: a love story, a family history, a shimmering flight to the stars, a call to follow your dreams and your heart, and to fight for what you love and what is important to you, without compromise.

Atmosphere

von Taylor Jenkins Reid

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Atmosphere
Simone Finkenwirth

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Ich bin wieder gelandet. Wow, das war ein aufregender Leseausflug nach Amerika und ins Weltall! Jetzt erstmal tief durchatmen! Und Worte finden für dieses großartige Buch.

Taylor Jenkins Reid ist ja selbst hierzulande kein unbekannter Planet mehr. Und doch hat mir dieses Buch erneut gezeigt, was für eine herausragende Autorin die Amerikanerin ist. "Die sieben Männer der Evelyn Hugo" ist wie viele andere Romane ein Weltbestseller. Aber "Atmosphere" ist wie sein verheißungsvolles Cover verspricht, extrem cool, absolut packend und ein Stand Alone.

Als Joan von ihrer Schwester erfährt, dass die NASA wieder Frauen zu Astronautinnen ausbilden wollen, wird die Astronomin und Physikerin hellhörig. Es hatte schon mal ein Projekt gegeben, dass dann aber wieder eingestampft wurde. Doch jetzt kehren die Frauen zurück. Und Joan wird eine von ihnen. Zusammen mit Lydia, Donna und Vanessa. Zur Gruppe 9 gehören noch weitere u.a. auch Griff an. Die Ausbildung schweißt die Menschen zusammen. Wärme durchzieht meine Adern, doch mein Atem stockt je, als ich plötzlich - im Buch sind's vier Jahre später - eine Weltraum-Mission erlebe, in der es zu Komplikationen kommt. Vanessa ist die Einzige, die bei einer Explosion nicht zu schaden kommt. Jetzt zählt jede Sekunde! Joan sitzt auf der Erde in der Missionskontrolle - das Zentrum, das Kontakt mit der Space Shuttle Crew hat, koordiniert alles und wird selbst an ihre Grenzen geführt.

Taylor Jenkins Reid wechselt zwischen der Gegenwart und dem Weg dorthin. Ich verfolge Joans Weg, der beachtlich ist. Nicht nur, wie sie sich um ihre kleine Nichte Frances kümmert. Denn da ist ja noch Vanessa, die etwas bei ihr auslöst, was sie bis dahin noch nicht kannte. Und dann passiert es. Aber die Liebe zwischen zwei Frauen in den 80er Jahren bei der NASA darf natürlich bestehen...

Jenkins Reid geht sehr feinfühlig vor, ohne ins Kitschige zu verfallen. Die Beziehungen untereinander sind derart realitätsnah, dass ich das Gefühl habe, echte Freundinnen an meiner Seite zu haben. Ebenso bemerkenswert sind Reids Gedanken zum Universum und der Stoff, aus dem wir sind. Denn wie schreibt sie so schön: "Wenn man in den Nachthimmel schaut, sieht man Teile dessen, was einmal war und was man vielleicht eines Tages sein wird."

"Atmosphere" ist so vieles in einem: Eine Lovestory, eine Familiengeschichte, ein flirrender Flug zu den Sternen, ein Aufruf seinen Träumen und dem Herzen zu folgen, und dafür zu kämpfen, was einem lieb und wichtig ist, ohne Kompromisse.

Atmosphere

von Taylor Jenkins Reid

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James
Simone Finkenwirth

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Wir sind auf der Flucht. Der Mississippi zischt wie eine Schlange. Ich spitze meine Ohren, und versuche die verdrehten Wörter zu verstehen. Jim spricht ganz komisch mit Huckleberry Finn, als hätte er einen Knoten in der Zunge. Was ist passiert? Vor allem: Was machen wir hier?

Jim ist ein Sklave. Als er erfährt, dass er an einen Mann in New Orleans verkauft werden soll, haut er ab. Denn er will nicht von seiner Tochter und Frau getrennt werden. Wenn Jim verschwunden ist, kann man ihn auch nicht verkaufen. So sein Plan. Dummerweise gelangt Huck Finn auf seine versteckte Insel. Er ist mit Schweineblut besudelt, weil er Mrs Watson glauben lassen will, dass er tot ist, und hat in ihrem Haus Blut verteilt. Was das nach sich zieht, können Sie sich bestimmt denken…

Und doch übersteigt die Vorstellung die tatsächliche Lektüre bei Weitem. Außergewöhnlich ist sie und voller Einfallsreichtum in der Handlung und sprachlich, derart packend wie mitreißend erzählt, berührend und nachdenklich stimmend. Ein Buch mit lauten gewaltigen Szenen und ebenso stillen Momenten. Ja, ein Wechselbad von Temperaturen, auch von Gefühlen. Wut, Angst, Hoffnung, Liebe… alle da!

Bewundernswert, wie Percival Everett Mark Twains Abenteuergeschichte ein anderes Gesicht verleiht, sie uns neu erzählt. Und Twains Nebenfigur in seinem Roman zur Hauptfigur macht, dabei Themen hineinwebt, die selbst heute noch aktuell sind.

Obwohl ich längst angekommen bin nach dieser Reise, so bin ich immer noch bei dem mutigen Helden Jim. Oder viel mehr sitzt er in meinem Herzen. „James“ von Percival Everett zählt für mich zu den herausragendsten Werken des Jahres! Sie da draußen, was immer Sie über „James“ vernommen habt, stimmt. (Ich kenne nur Gutes.) So begeben Sie sich auf eine unvergessliche Abenteuerreise! Und vergessen Sie Ihre Schwimmkleidung nicht.

Ich danke von Herzen meiner Kollegin Sarah O'Connor, die mich erst auf diese ungewöhnliche Lektüre aufmerksam gemacht hat!

Wir haben das Buch auch in englischer Sprache vorrätig – Strange Flowers. Don't forget: Imagine a world where it’s Friday every day! For 30 days in a row! stories! – card holders (and applicants) can now live this dream: you will get a 20 % discount on English books - every day throughout June! (valid also for online purchases, to be collected in the shop!)

James

von Percival Everett

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Das Lied des Propheten
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

Mitarbeiterin bei stories!

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Möchte man in unseren unruhigen Zeiten aufwühlende Bücher lesen? Eher weniger. „Das Lied des Propheten" ein wichtiges Buch, das man trotzdem aufschlagen sollte. Was der Booker Preisträger erzählt, ist äußerst beklemmend, und vor allem, wie er die Geschichte darstellt: Dunkel, beunruhigend, fesselnd, bewegend und spannend bis zur letzten Seite. Literatur darf ablenken, aber sie sollte genauso zum Diskurs und Austausch anstoßen. Apropos Anstoß: Ich habe das Buch meiner lieben Kollegin Sarah O'Connor zu verdanken. Sie hat das Original lange Zeit vor mir gelesen und sich schon seit vergangenem Winter dafür stark gemacht.

"Das Lied des Propheten" ist eine Dystopie, weit weg und doch sehr nah an uns dran. Hätten wir vor einem Jahr gedacht, dass die Rechtspopulisten hierzulande und in der EU derart erstarken würden?

Paul Lynch erzählt in seinem Roman von einer radikalen Regierung, die das Land reformieren will. Alle Andersdenkenden werden verhaftet, mundtot gemacht. Eilishs Mann Larry, der in der Lehrer-Gewerkschaft engagiert ist, kehrt am Abend einer Demo nicht zurück. Was mit ihm passiert ist, erfährt sie nicht. Diese Ungewissheit zermalmt sie genauso wie das Virus, das um sie greift. In ihrer Firma übernehmen regierungsnahe Menschen die Leitung und entlassen immer mehr Menschen. Eilishs älterer Sohn Mark rebelliert. Nachdem Eilish ihn bei einer Freundin untergebracht hat, verschwindet er eines Tages, schließt sich einer Untergrundorganisation an. Die einzige Verbindung ist ein Prepaid-Handy, doch das bleibt eines Tages stumm. Mark ist nicht zu erreichen. Plötzlich wird alles knapp, selbst das Wasser. Eilishs Schwester drängt sie, auszureisen. Aber was, wenn Mark wieder zurückkommt? Und Larry? Und was ist mit Simon - Eilishs Vater? Soll sie ihn zurücklassen?

Ich lese mich mit angehaltenem Atem durch diese Geschichte, die nur schwer auszuhalten ist. Vom ersten Satz an schafft der irische Autor eine beklemmende Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Atemlos sind die dichten Sätze, denen ich genauso hinterher laufe wie Eilish - eine Löwin, die versucht zwischen Ohnmacht, Hilflosigkeit, weiterzuleben, für ihre Familie da zu sein. Denn Eilish hat noch drei weitere Kinder, für die sie da sein will und muss. Stets an ihrer Seite: die Hoffnung, dass am Ende alles gut wird.

"Das Lied des Propheten" erschüttert einen bis ins Mark. Und trotzdem sollte man das Buch lesen. Was Literatur alles bewegen kann, zeigt der Booker Preisträger auf erschreckende Weise.

Das Lied des Propheten

von Paul Lynch

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Annas Lied
Simone Finkenwirth

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Ich liebe jede Seite dieses Romans. Erst jetzt habe ich "Annas Lied" von Benjamin Koppel für mich entdeckt. Frisch ist das Buch als Taschenbuch erschienen und so besonders! Der Saxophonist erzählt darin die Geschichte seiner langverschollenden Schwester des Großvaters. Hannah. Sie war das einzige Mädchen in der Koppelman Familie.

Eine große Bürde liegt auf dem Mädchen, nachdem ihre vier Brüder sich in nicht-jüdische Mädchen verliebt hatten und somit dem Ruf der Mutter nach einer würdigen und gesitteten Heirat mit Jüdinnen entgangen sind. Großes Familiendrama! Diese Szenen von der Mutter sind zum Schmunzeln schön und dramatisch berührend.

Die Familie ist musikalisch veranlagt. Jeder spielt ein Instrument, bei Hannah ist es das Klavier. Sie träumt von einer Karriere als Pianistin, aber den Wunsch zu verwirklichen, scheint ein schwieriges Unterfangen. Selbst nachdem Hannah am Kopenhagener Konservatorium angenommen wurde. Mutter Bruche hat für ihre Tochter ein anderes Leben vorgesehen. Sie soll den Pariser Francoise heiraten. Als Hannah durch ihre beste Freundin Elisabeth den revolutionären Aksel kennenlernt, keimt Hoffnung eines Ausbruchs auf...

Ich folge Hannahs Weg wie dem Leben der Familie mit klopfendem Herzen und bin berührt, höchst beglückt über die vielen Seiten, die mir der Autor beschert. Er schreibt in alter jüdischer Erzähltradition mit diesem gewissen Verve, den wir an jüdischen Geschichten so lieben. Wir bewegen uns zwischen den politischen Entwicklungen der späten 30er Jahre, schlittern hinein in den 2. Weltkrieg, erleben Angst und Flucht. Dabei stellt sich in mir eine Stille an, die nur die Musik durchbrechen kann.

Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung, denn im Oktober erscheint "Großmutters Geheimnis" - dafür hat der Autor den wichtigsten dänischen Literaturpreis "Die goldene Lorbeere" erhalten.

Annas Lied

von Benjamin Koppel

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Sein Name ist Donner
Simone Finkenwirth

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Ich gebe offen zu: Zuerst war da dieses hinreißende Cover. Danach folgte eine hymnische Besprechung bei Deutschlandradio Kultur. Als ich schließlich Tommy Orange auf dem Buchrücken las, wusste ich: Das vielfach ausgezeichnete Werk muss ich lesen! Was Tommy Orange schreibt? "Es steckt so viel rohe und schöne Kraft in diesem Buch." So wahr!

Das Buch beginnt auf bizarre Weise: Der Ich-Erzähler will Drogen kaufen, findet sein Geld nicht mehr. Doch der Dealer will Kohle, und lässt den jungen Mann leer ausgehen. Dieser läuft zurück und hört plötzlich im Wald ein Stöhnen. Als David dem nachgeht, entdeckt er seinen Freund, der mit seinen langen Haaren festgefroren ist. Als David das Haar vom Eis mit seinem Messer befreien will, sagt Fellis: "Geh zu mir nach Hause und hol kochendes Wasser." Geht natürlich nicht im Winter. Also schneidet er das Haar ab. Doch sie müssen es verbrennen, damit die Geister nicht auf Fellis Nacken auftauchen. Willkommen in der Welt der Native Americans!

Dieses Buch ist in Amerika als Sammlung von Short Stories erschienen. Bei uns als Roman, was ich nur begrüßen kann. Obwohl es zwischen den Kapiteln kurze Breaks gibt, erschließt sich das Erzählte als fundierte Geschichte. Wir erleben den kleinen David, der mit seiner Mutter und hohem Fieber ins Reservat auf eine Insel flüchtet. Dort angekommen, findet der Junge ein Glas mit Zähnen und Haaren. Sofort wird Frick gerufen, der Medizinmann. Der räuchert das Haus mit Salbei aus, David und seine Mutter gleich mit. Danach bleibt Frick. Irgendwann taucht Davids ältere Schwester Paige auf.

In verschiedenen Episoden bin ich beim kleinen David, ein anderes Mal beim Herwanwachsenden, der mit einer labilen Mutter groß wird, und später zu Drogen greift, sich keine stabile Zukunft aufbaut. An einer Stelle sagt er über seine Mutter: "Sie ist indigen, und sie hat ein Trauma. Ich vielleicht auch - ich bin nämlich derjenige, der alles hautnah mitbekommen hat - , aber sie denkt, sie sei schlimmer betroffen."

Der Ton ist unbeschwert, ironisch, doch dunkle zu Herzen gehende Nuancen bleiben nicht aus. Sollen sie auch nicht. Dafür haben wir andere Bücher. Dieses hier bleibt bei mir. Dank auch der famosen Übersetzung von Thomas Überhoff!

Sein Name ist Donner

von Morgan Talty

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Jacaranda
Frank Menden

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Für den in Versailles aufwachsenden Milan ist Ruanda nur ein weit entferntes Land in Afrika - obwohl seine Mutter von dort kommt. Doch die scheint all ihre Verbindungen in ihre Heimat gekappt zu haben, ist völlig assimiliert.
Der Krieg in Ruanda bleibt für Milan bloßes Hintergrundrauschen aus dem Fernseher.
Dies ändert sich jedoch, als eines Tages Claude auftaucht, der ihm als Cousin vorgestellt wird, und dessen lange Narbe auf dem Schädel und das nächtliche Wimmern im Schlaf auf unvorstellbare erlebte Gewalt hinweisen.

Die Begegnung mit Claude, mit einem Teil der Vergangenheit seiner Mutter, ist der Beginn von Milans Interesse für Ruanda, er wird Jahre später dort hinreisen, auf den Spuren seiner Mutter, seiner Familie…

„Jacaranda“ , übersetzt von Andrea Alvermann und Brigitte Große, ist ein Roman, der schon im Titel auf die Verästelungen zwischen verschiedenen Generationen hinweist.
Milan durchlebt während der Erkundung seiner Wurzeln eine Identitätskrise, die Landesgeschichte und die damit verbundenen Kriegstraumata werden ihn nachhaltig verändern - und auch uns, die wir dieses schonungslose und stellenweise schwer auszuhaltende Buch lesen.
Dabei ist es Gael Faye hoch anzurechnen, dass er die geschilderte Gewalt nie zum Selbstzweck benutzt, sondern immer beide Seiten sieht, die Chancen auf eine friedliche Zukunft nur gemeinsam erreicht werden können.
Ausgezeichnet mit dem Prix Renaudot, wünsche ich diesem schnörkellosen, beeindruckenden Roman eine große Leserschaft.

Jacaranda

von Gaël Faye

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Girls
Frank Menden

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„Girls“ ist eines dieser Werke der modernen Kunstgeschichte, das nahezu jeder kennt.
Und nahezu jeder hat eine Meinung zu der exzentrischen und berüchtigten Künstlerin Ingrid Olssen, die auf diesem Selbstporträt zusammen mit ihren Töchtern Matilda und Nora zu sehen ist.
Doch was steckt hinter diesem Bild, wie lebte es sich mit einer Mutter, die der Welt mit ihren Eskapaden stetig neue Schlagzeilen lieferte?

Zwei Jahre nach Ingrid Olssens Tod nimmt ein Biograf Kontakt zu Matilda auf. Er möchte ein Buch über die Künstlerin schreiben, ehrlich und aus der Sicht derer, die sie wirklich kannten.
Matilda muss sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen, mit dem komplizierten Verhältnis zu ihrer Schwester, die in ihren Selbstzweifeln und künstlerischen Ambitionen gefangen scheint, ihrer Tante, die das Werk entgegen dem ausdrücklichen Wunsch Ingrids ausstellen will - und mit ihrer eigenen Tochter Beanie, der sie eine andere Jugend wünscht als die, die selbst durchlebt hat.
Ein Roadtrip durch Amerika, der den letzten Wunsch Ingrids - ihre Asche soll in einem Canyon verstreut werden - erfüllen soll, wird zu einer Chance für beide Schwestern. Eine Chance der Annäherung und der Aussöhnung mit der Vergangenheit….

„Girls“ ,übersetzt von Judith Schwaab, ist ein facettenreicher Roman über die Komplexität von Familien, über die Auswirkungen der Kindheit auf das Leben als Erwachsene, über Kunst, Ruhm und Selbstzerstörung.
Dabei ist dieser Roman bei aller Melancholie und Tragik auch stellenweise voller Humor und bittersüßer unvergesslicher Szenen.
Die Erzählstruktur erinnert an „Daisy Jones & The Six“, wechseln sich hier Interviewpassagen und Auszüge aus der Biografie über Ingrid Olssen mit Matildas Erzählperspektive ab.
Dies verdeutlicht zum einen die Widersprüche in den Biografien aller Beteiligten, ihre verschiedene Sichtweise und Deutungsversuche. Zum anderen wird dieser Roman dadurch unglaublich lebendig und abwechslungsreich.
Leseempfehlung!

Girls

von Kirsty Capes

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Der Engel von Rom
Frank Menden

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„Ich begegnete dem Engel von Rom im Jahr meiner Neuerfindung, 1993.“

So beginnt der wunderbare Kurzroman „Der Engel von Rom“ .
Hauptfigur ist Jack Riegel, ein unerfahrener Student aus Nebraska, der ein Stipendium für einen Studienaufenthalt im Vatikan erhält und in der Heiligen Stadt die Orientierung zu verlieren droht, als ihm der titelgebende Engel erscheint - ganz aus Fleisch und Blut.
Was durch diese Begegnung ausgelöst wird, welche Weichen diese Begegnung stellt, nun, das sollte selbst gelesen werden.
Als Entscheidungshilfe seien noch der frühe John Irving, die Filmbranche und natürlich Rom genannt.
Denn: „Immer wieder krempelt Rom das Leben von Menschen um, indem die Stadt sich für jede Generation neu erfindet. Genau wie wir, nehme ich an, wenn wir nur den Mut dazu finden und Menschen haben, die uns an die Hand nehmen.“

Ein wirklich hinreißender kleiner Roman von einem Romancier, der hierzulande aufs Neue zu entdecken ist.
Sehr zu empfehlen!

Der Engel von Rom

von Jess Walter

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Himmel ohne Ende
Simone Finkenwirth

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Mit 15 Jahren hätte ich mir so ein Buch gewünscht. Julia Engelmann erzählt Charlies Geschichte auf behutsame wie sensible und schöne Weise. Die 15jährige ist eine junge Melancholikerin, ihre Oma bezeichnet sie als Philosophin. Zu viele Gedanken, zu viele unguten Gefühle jagen Charlie Tränen in die Augen und kennen keine Grenzen, selbst nicht vor dem Klassenzimmer. Das führt zu Häme unter ihren Schulfreund:innen. Sogar Charlies beste Freundin Kati findet das Verhalten seltsam und wendet sich ab.

Charlie muss sich in der neuen Rolle der Einzelgängerin zurechtfinden. Dass sie auch noch unglücklich verliebt ist, macht die Gefühlslage nicht leichter. Glücklicherweise taucht nach den Sommerferien Charlies Sonne auf: Kornelius. Weil der blonde Junge, Charlies Schulfreund Schmitti an Pommes erinnert, bekommt das neue Klassenmitglied den Namen verpasst. Pommes setzt sich neben Charlie. Und die beiden werden sehr schnell ein Herz und eine Seele.

„Himmel ohne Ende“ ist für mich die melancholischste Coming-of-Age-Geschichte ever. Aber sie hat mich erstaunlicherweise gar nicht heruntergezogen. Eher berührt und auf zarte Weise beglück. Charlie stellt die richtigen Fragen, hat interessante Einsichten wie aufbauende Sätze, und zeigt, wie stark und hell eine gute Freundschaft sein kann, und noch viel mehr: Sie kann Grenzen durchschreiten, einen wieder aufrichten und manchmal sogar fliegen lassen.

„Himmel ohne Ende“ ist so gesehen viel mehr als die Geschichte vom Erwachsenwerden. Eine wärmende Decke für eine aufgewühlte Seele, egal ob mit 15 oder 45 Jahren.

Himmel ohne Ende

von Julia Engelmann

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Gym
Simone Finkenwirth

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Verena Keßler hat mich mit "Gym" aus einem Lesetief gezogen, das ich gar nicht hatte. Aber hätte ich eins, dann wäre dieses grandiose Buch die beste Medizin zum Aufbau von Lesemasse.

Apropos. Um Muskelaufbau geht es hier. Aber im zweiten Step. Im ersten stehe ich neben der Ich-Erzählerin und denke: Ich müsste sie dringend mit Marisa aus "Geht so" von Beatriz Serrano verkuppeln. Zwei völlig andere Geschichten, aber die beiden Frauen könnten gut miteinander. Denn auch unsere Heldin des Romans ist eine Lügnerin. So hat sie im Vorstellungsgespräch im Fitnessstudio MEGA GYM angegeben, eine junge Mutter zu sein. Warum sie das gemacht hat? Ist sie gewieft? Am Ende des Romans erahne ich den Grund. Nach dem Finale muss ich mich übrigens erstmal sammeln. Denn die Autorin hat mir da ganz schön zugesetzt.

Zwischendurch habe ich viel gegrinst, spürte meinen Puls wie auf einer Autobahn rasen. Doch zurück zum Anfang. Unsere namenlose Frau beginnt am Tresen des MEGA GYM an Millis Seite, hält den Schein der Mutter clever aufrecht. Irgendwann hat sie neben Milli eine Art Offenbarung und danach wendet sich das Blatt. Fortan beginnt die Erzählerin mit einem straffen Fitnessprogramm, besorgt sich figurbetonte Kleidung. Als sie eines Tages auf die Profi-Bodybuilderin trifft, gibt's einen weiteren Kick.

Was hat die junge Frau ins Fitness-Studio gebracht? Sie hatte ein Vorleben als erfolgreiche Businessfrau. Bis es zu einem Bruch kam. Und noch etwas ist passiert. Genau diesen Trumpf zieht Verena Keßler hervor, und zwingt mich zu Boden.

Die Autorin ist bekannt für ihre eindringlichen Bücher. Keins gleicht dem anderen. Aber alle sind Garanten für High-End-Reading-Feelings! Auch dieses hinterlässt Spuren in meinem Geist. Ich brodele, weiß nach dem Ende nicht, wohin mit mir und schreie: Verdammt, wie gut bist du bitteschön?!

Rasant, bewegend, witzig und mit einem extrem coolen Rhythmus erzählt die Autorin die Geschichte einer gefallenen Frau und einer Obsession, die mich umhaut. Danke, liebe Verena! Weiter so!

Gym

von Verena Keßler

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Sorry, aber ich bleibe
Simone Finkenwirth

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Der italienische Autor und Buchhändler wurde mit seinem ersten Kinderbuch mit dem renommierten Literaturpreis Strega Regazze e Strega Regazzi ausgezeichnet. Auch sein Jugendroman "Sorry, aber ich bleibe" ist in meinen Augen preiswürdig und wichtig. Hier erzählt Alessandro Barbaglia die Geschichte von Zeno mit dem Kopf ins Klo gesteckt und dabei gefilmt wurde. Das Video ging viral. Danach hagelte es im Schulchat nur so von hämischen Nachrichten. Bis auf eine. Und die kam von Luna.

Luna wendet sich direkt an Zeno. Der ist überhaupt nicht begeistert und will einfach nur seine Ruhe. Doch "Luna Nervensäge niemals antworten" - so speichert er die unbekannte Nummer ab, bleibt hartnäckig. Sie schreibt: "Ich bin nicht wie all die anderen. Nur damit du's weißt." Zeno reagiert ziemlich drastisch: "Geht's eigentlich noch? Dich find ich fast noch schlimmer als die anderen." Harte Worte, aber Luna lässt nicht locker. Und irgendwie entsteht zwischen den beiden eine Verbindung, liebenswert, offenherzig, frech und am Ende ist es so berührend. Denn auch Luna hat ihre Geschichte.

Im digitalen Zeitalter sind solche Bücher wichtig, weil sie uns für das Thema sensibilisieren. Zudem zeigt uns Alessandro Barbaglia, was Mobbing bei den Opfern bewirken kann. Trotz der Schwere erzählt der Autor mit jugendlicher Lässigkeit.

So ist der Roman cool und authentisch in Whats-APP-Chat-Form geschrieben, punktet obendrein mit klugen Aussagen wie dieser: "Weil es keine richtigen Menschen gibt, denn wir alle sind ein bisschen falsch. Deswegen muss man den richtigen Falschen suchen. Wie wir."

Ab 12 Jahren.

Sorry, aber ich bleibe

von Alessandro Barbaglia

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Plötzlich Mama!
Simone Finkenwirth

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Der alte Dachs ist ein Griesgram und wird daher von den Waldtieren gemieden. Als seine Essensvorräte nun aus, muss er Nachschub besorgen. Also macht sich der alte Dachs auf den Weg in den Wald. Als er im hohen Gras ein Ei entdeckt, nimmt er dies mit. Er überlegt, welche Köstlichkeiten er damit anstellen kann: Rührei, gekochtes Ei oder Eierkuchen? Als der alte Dachs jedoch nach seinem langsamen und langen Gang zu Haus ankommt, entdeckt er ein Loch.

Dieses wird schließlich immer größer, bis dort ein kleiner gelber Kopf herausschaut und laut ruft: "Mama! Mama!" "Ich und Mama? Nie und nimmer!" Was soll er mit einem Küken? Enttäuscht bringt er es zuück an den Teich. Läuft hungrig zurück und wird vom Küken verfolgt. Sie ahnen sicherlich schon, worauf die Geschichte hinausläuft.

Unser alter Griesgram wird Mutter, eine glückliche dazu. Und später sogar siebenfache "Großmutter".

Eine wundervolle Geschichte über Versöhnung, Liebe und die kleinen Wunder des Lebens. Rebekka Stelbrinks Scherenschnitt-artige farbenfrohe Bilder haben mich vollends begeistert.

Plötzlich Mama!

von Rebekka Stelbrink

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Eingeladen!
Simone Finkenwirth

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"Eingeladen" ist das perfekte Mitbringsel zu einer Kindergeburtstagsparty! Denn genau darum geht es in dieser wunderschönen illustrierten Geschichte.

Bis wir beim Geburtstagskind ankommen, folgen wir der Postbotin Paulina, die allen Gästen einen Brief überreicht. Wir beginnen beim Marienkäfer Marie, die den Brief liest und sofort ein Kleeblatt abzupft. Dann gehen wir mit Paulina und Marie zur Feldgrille Ferdinand. Bis wir beim sechsten Briefempfänger - dem Igel Isidor -angekommen sind, konnten wir alle Baus der Tiere voller Neugier betrachten.

Natürlich wissen wir noch nicht, was in den Briefen steht. Genau das macht Ganze ja so spannend. Maja P. Kastelic lässt ihre Geschichte auch durch die hinreißenden Bilder leuchten, in denen sich viele kleine Details entdecken lassen.

Dieses Buch hat mich absolut berührt und verzaubert. Für alle ab 3 Jahren.

Eingeladen!

von Maja Kastelic

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Großer Bär und Kleiner Bär machen einen Ausflug
Simone Finkenwirth

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Die Tuschebilder von Amy Hest haben mich ebenso entzückt wie die Geschichte.

Kleiner und großer Bär wollen angeln. Aber bevor sie losziehen, müssen sie sich erstmal anziehen. Und die Angelruten einpacken. "Jetzt ist es so weit - der Ausflug kann beginnen." Aber Halt: "Noch nicht ganz." Denn natürlich müssen noch Muffins mit. Okay. Also backen die beiden ihr Proviant. Jetzt aber los. "Noch nicht ganz". Es fehlt noch ein Buch voller Geschichten. Gut, auch das kommt noch ins Wägelchen. Doch nun kann es losgehen.

Werden sie am Ende Fische angeln?

Den beiden zu folgen, rührt mein Herz. Diese ruhig erzählte und unglaublich stimmungsvolle Geschichte ist durchaus auch das ideale Geschenk für Angler, ob kleine (ab 3) oder große.

Großer Bär und Kleiner Bär machen einen Ausflug

von Amy Hest

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Selma, du machst das falsch!
Simone Finkenwirth

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Ich gebe es zu: Ich hatte bisher große Angst vor Spinnen. Doch nach diesem Buch sehe ich diese seltsamen Tiere mit anderen Augen. Denn wer weiß, ob sich unter ihnen nicht auch eine Selma befindet? Und die gilt es zu beschützen.

Selma ist anders als ihre Artsgenossen. Statt gewöhnliche Netze zu spinnen, schafft sie wahre Kunstwerke. Eins sieht aus wie der Regen, ein anderes spiegelt die Schönheit des Nachthimmels. Die anderen Spinnen rufen immer: "Selma, das machst du falsch!" Aber unserer kleinen Spinne ist das egal.

Eines Tages will sie ihr Netz möglichst nah am Himmel spinnen, und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise, die sie tatsächlich hoch hinausführt.

Drollig und fantasievoll ist dieses charmante wie witzige Kinderbuch für alle ab 3!

Selma, du machst das falsch!

von Tini Malina

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Die Schwestern
Frank Menden

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Nach der Lektüre von „Die Schwestern“ von Jonas Hassen Khemiri bin ich in eine veritable Lesekrise gestürzt, so überwältigend ist dieser Roman, so unfassbar gut, so brillant von Ursel Allenstein übersetzt, so mitreißend, so komplex und faszinierend.

Die titelgebenden Schwestern sind Ina, Evelyn und Anastasia. Sie wachsen bei ihrer tunesischen alleinerziehenden Mutter auf, und schnell sind sie wie sie Anlass für wilde Gerüchte und Spekulationen in der schwedischen Drakenbergsiedlung. Hier lebt auch Jonas, wie die Schwestern tunesischer Herkunft, der fasziniert ist von den Mikkola-Schwestern, immer wieder ihre Nähe sucht, und aus dessen Perspektive wir das Geschehen über dreißig Jahre lang verfolgen - in Schweden, den USA, in Tunesien, Stockholm, New York, Tunis und Berlin .
Die Lebensgeschichte dieser vier Menschen ist unwiederbringlich miteinander verflochten, sie durchleben die grossen weltumspannenden Geschehnisse ihrer Zeit, erleben Krisen und Triumphe - und sind sich immer ihres Fluches bewusst : dass man verliert, was man liebt.

Ich bin sehr widerwillig nach 736 Seiten ( die sich angefühlt haben wie höchstens 200 ) aus diesem prallen, immer rasanter werdenden Roman wieder aufgetaucht.
Seit über zwei Wochen ringe ich um die richtigen Worte , seit über zwei Wochen kam keins der nach diesem fulminanten Leseerlebnis begonnenen Bücher auch nur annähernd an diesen bittersüßen, an Cliffhangern reichen, spannenden, lebensnahen, furiosen Roman heran ( dessen einziges Manko das für mich leider null ansprechende Cover ist ).

Die SZ spricht von einem „postmodernen Meisterwerk“, Deutschlandfunk Kultur nennt den Roman „ein berauschendes Leseerlebnis“, die NZZ schreibt „ große Literatur“.
Und ich kann nur sagen: Wer sich diesen Roman entgegen lässt, ist selbst Schuld.

Die Schwestern

von Jonas Hassen Khemiri

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Scheue Wesen
Frank Menden

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Helen arbeitet als Kunsttherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Die Anfang 30jährige ist in eine langjährige Affäre mit einem der leitenden Ärzte der Klinik verstrickt, der zudem verheiratet ist. Als man eines Tages einen verwahrlosten jungen Mann auffindet, der offenbar seit Jahrzehnten das Haus seiner alten Tanten nicht verlassen hat, und dessen Existenz den Nachbarn völlig unbekannt war, wirkt dies wie eine Initialzündung auf Helen.
William Tapping, so der Name des Mannes, entpuppt sich in der Klinik als begabter Künstler, der positiv auf Helens Zuwendung reagiert. Diese beginnt sich mehr und mehr für seine Geschichte zu interessieren, stellt Nachforschungen an - und bringt Dinge ans Licht , die auch ihr Leben verändern werden…

„Scheue Wesen“ von Clare Chambers übersetzt von Wibke Kuhn, ist einer dieser Roman , bei dem einfach alles stimmt.
Die Verknüpfung von Helens allmählicher Emanzipation mit dem Schicksal eines stark traumatisierten Mannes und den neuen Entwicklungen in der psychiatrischen Pflege der 1960er ist überaus stringent gelungen.
Mit Empathie und genauer psychologischer Finesse zeichnet die Autorin ihre Figuren , der Plot entwickelt gerade in der durch Rückblenden erzählten Geschichte Williams einen geradezu krimihaften Sog, so dass einem der umfangreiche Roman wesentlich kürzer vorkommt.

Wieder einmal hat Julia Eisele gezeigt, warum ihr kleiner feiner Verlag sich einer so großen Beliebtheit bei Leserinnen und dem Buchhandel erfreut: weil sie Romane wie diesen findet, die beglückend, berührend und mitreißend sind und auf beste Art und Weise intelligent unterhalten.

Scheue Wesen

von Clare Chambers

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Die Sache mit Rachel
Simone Finkenwirth

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Endlich ist unser Herzensbuch erschienen! Frank Menden und Simone Finkenwirth sind selten einer Meinung, doch manchmal erfreuen sie sich gemeinsam an einem #nichtimmereinigaberimmereins-Buch. Dieses hier ist solch ein Werk. Und hey! ganz ehrlich: Wenn sich zwei verschiedene Menschen so einig sind, dann solltet ihr hellhörig werden! Dolly Alderton findet das übrigens auch. Also, dass dieses Buch ein Knaller und brillant ist. Und sicherlich auch, dass sich die beiden nicht täuschen können.

Weil wir unser Glück gern teilen, haben wir ein besonderes Geschenk: Die ersten vier Käufer:innen von „Die Sache mit Rachel“ erhalten beim Kauf einen blauen oder pinken Stoffbeutel. Reservierungen sind möglich, aber sollte vor euch jemand kommen, geben wir den Beutel mit. Gleiche Chance für alle.

Was macht dieses Buch nun derart außergewöhnlich? Vieles! Rachel und James natürlich! Aber auch all die Verwicklungen und Fallstricke, die sie zum Stürzen bringen - und das in einer schwierigen Zeit, denn die Geschichte spielt 2010/2011 während der Rezession in Irland. Das Lebensgefühl von jungen Heranwachsenden, denen noch alles offen steht, und an das wir uns alle gern zurückerinnern. Obendrein ist da ein fein ausbalancierte Mix aus Übermut, Melancholie, Witz, Tiefsinn.

Caroline O'Donoghue schreibt klug und scharfsinnig wie feinfühlig über die großen Themen des Lebens. Es gibt berührende wie herzerwärmende und übersprudelnde Momente, die wir mit jeder Faser gespürt haben. Am Ende erfüllt uns das Gefühl, das nur wenige gute Bücher bei uns hinterlassen. Darin waren wir uns so was von einig!

Die Sache mit Rachel

von Caroline O'Donoghue

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Trophäe
Frank Menden

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Hunter ist ein reicher, amerikanischer Grosswildjäger, der darauf versessen ist , endlich die „Big Five“ zu vollenden.
Dafür bietet er viel Geld. Doch als sein Traum platzt, weil Wilderer das ihm zugedachte Nashorn vor ihm erwischen, überrascht ihn sein Freund Van Heeren mit der Aussicht auf eine noch größere Trophäe….

Lange habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich über „Trophäe“ schreiben könnte, wie diesem außergewöhnlichen Leseerlebnis mit Worten beizukommen wäre.
Nun, ich weiß es immer noch nicht.
Die Wirkung dieses Romans besteht weniger in der Überraschung ( für mich war das Ende von Beginn an absehbar), als in der Intensität, in der die Geschichte erzählt wird. In den nahezu philosophisch Betrachtungen über die Jagd und die Ausbeutung eines Kontinents, über den Mangel ( und die Bereitschaft) an Verständnis für andere Kulturen . Und in den ethischen Fragen, die hier erörtert werden und keine einfachen Antworten liefern.
Ein außergewöhnlicher Roman , in dem das „wie“ mir viele Gedankenräume öffnete - und der definitiv nichts für Zartbesaitete ist.
Man muss die Geschichte in all ihrer plastischen Darstellung aushalten können. Vor allem aber muss man die Bilder, die sich von alleine einstellen, aushalten.
Wenn man sich dazu entschließt wird man mit einem außergewöhnlichen Leseerlebnis belohnt, das man wohl nie vergessen wird.

Trophäe

von Gaea Schoeters

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Wir werden jung sein
Frank Menden

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Was wäre, wenn man nicht mehr altern würde ? Wenn man immer jung sein könnte bzw. sich wieder verjüngen könnte? Und dies ganz einfach ginge, nur die Einnahme eines Medikaments wäre nötig? Würde man es nehmen?
Im ersten Schritt könnten viele von uns dies sicherlich bejahen.
Aber was wären die Folgen ?
Überbevölkerung , kollabierende Renten- und Sozialsysteme, einfrieren des Status Quo und weniger Innovationswillen da man ja jetzt nahezu unsterblich ist …

Diesen Fragen geht Maxim Leo in seinem neuen Roman „Wir werden jung sein“ nach.
Anhand von vier Menschen unterschiedlichen Alters , die als Folge einer neuen Therapie gegen Herzprobleme langsam jünger und fitter werden, beleuchtet er dieses Gedankenexperiment auf vielfältige Art und Weise .
Herausgekommen ist ein mitreißender und überaus kurzweilig zu lesender Roman , der gerade im letzten Drittel vermehrt zum nachdenken anregt und die eingangs erwähnten wichtigen Fragen aufwirft.
Das hätte für meinen Geschmack gerne noch mehr in die Tiefe gehen können, ist aber auch so ein gelungener Beitrag zu einer Diskussion, die uns alle immer wieder beschäftigt ( Stichwort „Jugendkult“ ) und an der die Wissenschaft schon lange intensiv forscht und arbeitet.
Sehr zu empfehlen

Wir werden jung sein

von Maxim Leo

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In den Augen meiner Mutter
Frank Menden

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Durch einen Zufall stößt die hochschwangere Georgie im Internet auf ein Bild ihrer Mutter . Offensichtlich hat die Frau , die vor 20 Jahren von heute auf morgen ohne jeglichen Grund ihre Familie verließ, in den schottischen Highlands ein verirrtes Mädchen in einer Höhle gefunden.

Spontan macht sich Georgie zusammen mit ihrem Bruder Dan auf die Suche nach dieser Frau - und auf Antworten zu lange unausgesprochenen Familiengeheimnissen….

„In den Augen meiner Mutter“ von Jo Leevers ist ein flüssig und mitreißend erzählter Roman, der auf mehreren Zeitebenen von familiären Verstrickungen und Geheimnissen erzählt, von trügerischen Erinnerungen und nie ausgesprochenen Dingen, von Schuld und Lügen und Verdrängung - und von Liebe.
Es ist der Autorin hoch anzurechnen, dass die Geschichte den Kitsch stets vermeidet. Die Übersetzung von Marie Hochsieder trägt dazu bei, dass mich dieser Roman im diesjährigen Weihnachtsgeschäft wunderbar unterhalten hat.

Wer gute Unterhaltung mit dem richtigen Maß an Tiefgang sucht ist hier genau richtig.

In den Augen meiner Mutter

von Jo Leevers

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Der Sommer zu Hause
Simone Finkenwirth

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Der Sommer zeigt sich jetzt in seiner vollen Blüte. Passend dazu möchte ich Ihnen noch ein Buch kredenzen, das in diese Jahreszeit so gut passt, aber natürlich auch im Herbst und Winter gelesen werden kann. Der Berlin Verlag hat sich mit dem deutschen Titel keinen Gefallen getan, und somit die Halbwertzeit des Buches etwas gedrosselt. Das englische Original heißt "Tom Lake", übrigens vom Guardian und der Washington Post gefeiert. Und das zu Recht!

Lara ist die Ich-Erzählstimme. Die 57jährige ist die Mutter von drei erwachsenen Töchtern, die beim ersten Lockdown zur Kirschernte nach Hause gekommen sind. Die Eltern betreiben im nördlichen Michigan eine Obstfarm. Emily will das Gut nach ihrem Studium der Agrarwissenschaften übernehmen, Maisie möchte als Tierärztin arbeiten und Nell in die Fußstapfen der Mutter treten: Sie will Schauspielerin werden.

Genau das war Lara in jungen Jahren. Eher zufällig ist sie in diesen Job hineingestolpert. Es mag neben ihrem Talent wohl auch diese Leichtigkeit sein, die aus dem Provinzmädchen eine gefragte Schauspielerin gemacht hat. Ein Mädchen, das an der Seite eines bekannten Schauspielers gestanden hat. Aber wie kam das alles? Und was hat es mit Peter Duke auf sich? Warum hat sich die Mutter der Schauspielerei abgewandt und wurde stattdessen eine Farmerin? Diesen Fragen beugt sich Lara, während ihr Kirschen zwischen den Fingern hängen.

So mäandern wir zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. All das fließt ganz harmonisch wie in einem Atemzug ineinander. Wir bleiben dabei besonders in jenem Sommer am Tom Lake hängen, wo Lara die Emily aus Unsere kleine Stadt in einem Sommertheater gespielt hat. Dort traf sie auf Duke, Sebastian, und ihre Freundin Pallas. Was für eine tolle Kulisse! Was für herrliche Szenen!

Und was für ein wundervolles Buch! Atmosphärisch dicht, herzerwärmend und herrlich ruhig geschrieben. Das Buch zeigt, dass selbst leise Töne laut sein können. „Der Sommer zu Hause“ ist ein Reigen aus schönen Sätzen, in die ich mich seufzend geschmiegt habe. Obendrein ist's ein friedvoller wie sommerlich flirrender Slow-Burner zum Gernhaben und Nicht-wieder-Loslassen-wollen.

Eine literarische Meditation über die Liebe in jeglicher Form, übers Erwachsenwerden, Träume, Sehnsüchte, Schauspielerei und die Familie. Das perfekte Geschenk für die beste Freundin, die liebe Kollegin, die Liebste, die Tochter, Tante, Nichte, Cousine oder Mutter für laue Sommernächte - sofern es zwischen den Zeilen auch mal ruhiger zugehen darf.

Der Sommer zu Hause

von Ann Patchett

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Porträt auf grüner Wandfarbe
Simone Finkenwirth

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Elisabeth Sandmann publiziert In ihrem gleichnamigen Verlag seit über 20 Jahren Bücher über herausragende Frauen. War es da nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst schriftstellerisch tätig wird? Vielleicht. Mit Sicherheit weiß ich, dass die Verlagsbuchhändlerin mit „Porträt auf grüner Wandfarbe“ für mich einen der schönsten Frauen- und Familienromane des Jahres geschrieben hat. Ein Buch, das nicht nur optisch eine Augenweide ist, auch das Innenleben leuchtet. Und ganz ehrlich? Ich weiß nicht, wie ich Ihnen in wenigen Worten die Fülle die Geschichten in kurzen Zeilen wiedergeben soll.

Am besten beginne ich von vorn. Die Londonerin Übersetzerin Gwen bekommt von ihrer betagten Tante Lily einen Anruf. Wir schreiben das Jahr 1989. Die Mauer ist gefallen. Lily will mit Gwen nach Pommern reisen - zu den Familienwurzeln, jetzt, wo das wieder möglich ist. Gwen fühlt sich überrumpelt, eigentlich wollte sie mit ihrer besten Freundin Laura nach Italien. Und nun das. Gwen besinnt sich, fragt Laura. Diese willigt ein. Zusammen reisen Gwen, Laura und Lily mit ihrer Freundin Lotte von Berlin an die polnische Ostsee.

Vorher passieren ungeplante Dinge, denn Gwen taucht in die Tiefen ihrer Familiengeschichte ein. Und die ist bunt, bewegend, aufregend. Und obendrein derart mitreißend erzählt. Kunst kommt darin vor, aber auch lang verschwiegene Geheimnisse, nicht ganz verheilte Wunden. Gwen liest alte Briefe und Aufzeichnungen und entdeckt dabei Ellas Geschichte, sie ist eine der tragenden Frauen, die mich die ganze Zeit wie eine Freundin begleitet. Und dann ist da noch ein verborgenes Geheimnis, das niemand ansprechen will, aber ein wichtiges Mosaiksteinchen ist, das vieles erklären könnte - wie den Tod von Gwens Mutter.

Keine Seite ist zu viel in diesem Familien- und Frauenepos, das uns auch quer durch Europa führt, und die politischen Verflechtungen genauso klug einwebt wie den Wunsch der Frauen nach Unabhängigkeit. So treffe ich auf taffe Frauen, die ihrer Zeit voraus sind und mich durch ihre eigene selbst bestimmte Art tief beeindrucken.

Elisabeth Sandmann weiß, was gut erzählte Romane auszeichnet, die aus der Masse hervorblitzen. Nicht nur mit einer wundervollen Covergestaltung. Sie berührt mich an vielen Stellen, lässt mich nach charmanten Dialogen gleichwohl schmunzeln. Und am Ende fehlen mir die Figuren. Auch das zeichnet gute Romane aus, wenn ihr Innenleben in unseres übergeht.

Sollten Sie gern Hörbücher hören, dann möchte ich Ihnen die Hörbuchfassung ans Herz legen, denn dieser bin ich mit großer Begeisterung gefolgt. Elisabeth Günther spricht die Geschichte kongenial und schafft ein hochklassiges Erlebnis, sie gibt jeder Figur eine eigene Stimme! Doch selbst in Buchform ist dieser Roman einprägend und eine absolute Empfehlung! Nicht nur für Fans von Alena Schröder.

Porträt auf grüner Wandfarbe

von Elisabeth Sandmann

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The Safekeep
Simone Finkenwirth

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I am caught in the spider's web. That's how I felt at first in “In Their House.” Quite uncomfortable, because Isabel is an unpleasant woman. She lives alone and secluded in the family home after her mother's death. Only her brothers, Hendrik and Louis, and an admirer draw her outside. During a meal with her brothers, she meets Louis' new girlfriend: Eva.

Shortly afterwards, Louis turns up at Isabel's with Eva. He has taken on an important job at short notice and is reluctant to leave his girlfriend alone in his shared flat with his roommate. After a brief interlude, Eva is allowed to stay with Isabel.

Can this work out? The two are like cats and dogs. What else is bothering Isabel: things keep disappearing. Here a spoon, there a bowl, a knife. She suspects her housekeeper Neelke and watches her with eagle eyes. But Eva is also a monster to her. Then something happens that turns both their lives upside down. Mine too. The spider has me firmly in its clutches.

In the end, I took both women into my heart, breathless and completely thrilled by what the Dutch author has cleverly woven into the story.

The author was shortlisted for the 2024 Booker Prize with her debut—so well deserved. I am particularly pleased that it was published by Gutkind Verlag. They fit together as well as our two characters. What do you mean? Yes, you missed something. You'll find the answer between the pages.

The Safekeep

von Yael van der Wouden

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Wir sehen uns wieder am Meer
Simone Finkenwirth

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Mit ihrem Roman "Als Großmutter im Regen tanzte" eroberte die norwegische Erfolgsautorin auch hierzulande die Herzen vieler Leserinnen und Leser im Sturm. Danach folgte "Und Großvater atmete mit den Wellen" und jetzt ganz neu: "Wir sehen uns wieder am Meer".

Für gewöhnlich beuge ich mich ja vornehmlich über eher unbekannte Stimmen in der Literatur. Die anderen gehen ja auch so. Hin und wieder piekst mich dann aber doch die Neugier und ich frage mich: "Was ist eigentlich dran an dieser Begeisterungswelle?" So lese ich gerade antizyklisch: Ich habe mit dem 3. Band begonnen und möchte die anderen beiden auch noch lesen. Die Bände bauen nicht aufeinander auf, jeder steht für sich. Einzig die Figuren kreuzen unsere Leselinien.

In "Wir sehen wieder uns am Meer" stehen wir an der Seite von Birgit. Eine junge Krankenschwester, die im Jahr 1944 die Besetzung deutscher Soldaten in Norwegen miterlebt. Birgit spricht Russisch, die Sprache hat sie durch ihren Klavierlehrer erworben. Als ihr geliebter Iwan plötzlich verstirbt, entscheidet sich die junge Frau für einen Neuanfang und tritt eine Stelle im Bodoer Krankenhaus an.

Im Küstenort beschäftigt eine Fischerfabrik Zwangsarbeiter:innen aus Osteuropa. Nadia ist eine von ihnen. Als die junge Frau einen entzündeten Blinddarm hat, kreuzen sich die Wege der beiden Frauen. Eine Verbindung, die bleiben wird, trotz der Fallstricke und Gefahren. Und das ist nicht nur die eine Gefahr, in die sich Birgit mit ihrer Zimmergenossin und ihrem Klinikarzt begibt.

Trude Teige schickt uns von Norwegen bis nach Moskau und begeistert mich vor allem durch die große menschliche Note und ihre mutigen Heldinnen. Sie verknüpft Lebensschicksale mit dem Weltgeschehen. Und baut einen unglaublichen Spannungsbogen auf, dem man nicht entkommt. Also, der Hype ist so was von berechtigt.

Wir sehen uns wieder am Meer

von Trude Teige

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Furye
Simone Finkenwirth

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Ich hatte dieses Buch noch nicht geöffnet, wusste da aber schon, dass wir Freundinnen werden würden. Nicht nur, da mein Kollege Frank Menden „Furye“ mit Begeisterung gelesen hatte. Es waren die Vibes, die ich vernahm. Nennen Sie es Magie oder einfach den siebten Sinn einer Buchhändlerin.

Wissbierig folge ich der Ich-Erzählerin, eine erfolgreiche Musikmanagerin mit einem Kinderwunsch. Als sie einen Anruf aus der alten Heimat erreicht, streicht sie die Segel und fährt in ihren Heimatort, den sie vor zwanzig Jahren verlassen hat. Zur Empörung ihres Künstlers, den sie betreut. Wie könne sie es wagen! Doch die Frau bleibt so was von cool, dass ich grinsen muss.

Parallel wechselt Kat Eryn Rubik in Alecs Vergangenheit. Dort erlebe ich sie mit ihren Freundinnen Meg und Tess im aufblühenden Frühling der Jugend mit allen Fallstricken und Verführungen sowie die Macht der Weiblichkeit, die sie auslotet.

Das Buch hat einen ganz eigenen Sound, der sich wie ein Ohrwurm festsetzt. Die Autorin webt allerhand Themen in die Geschichte, die ihr damit eine besondere Tiefe verleihen. So ist "Furye" viel mehr als nur ein flirrender Summer Read. Ein Schwergewicht mit der Leichtigkeit einer Fliege, deren Abdruck man lange noch auf der Lese-DNA spürt.

Furye

von Kat Eryn Rubik

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Na und?
Simone Finkenwirth

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Dieses Buch habe ich einer Kundin zu verdanken. Als diese in unserer Kinderbuchabteilung daraus ihren Kindern vorlas, dachte ich: "Das ist ja interessant und wichtig."

Bosse ist ein giftgrünes Krokodil, das stellvertrtend für gemeine Kinder steht. Jeden Tag macht sich Bosse über ein Tier im Kindergarten lustig. Alle knicken ein, bis das Leopardenmächen Pauline Teil des Tier-Kindergarten wird. "Hey", ruft Bosse. "Deine Flecken sehen komisch aus. Pfui, bäh!"

Alle bleiben still und verfolgen das Gespräch. Doch Pauline bleibt forsch und antwortet: "Na, und?" Auch am nächsten Tag macht sie so weiter und steckt die anderen mit dem Mutausbruch an.

Ein wichtiges wie hinreißend schön illustriertes Buch über Ausgrenzung, Mobbing und Courage! Für alle großen wie kleinen Kinder ab 3 Jahren.

Na und?

von Sonia Coudert

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Reality
Simone Finkenwirth

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Wer fühlt sich nicht manchmal verloren in dieser lauten und hektischen Welt? Sollte es Ihnen mal so ergehen, dann haben Sie für solche Momente Jasmin Ramadan im Regal zu stehen. Allein schon die Aufmachung von „Reality“ weckt das müde Herz. Und der charmante wie kluge Text sowieso.

Ums Herz geht’s hier übrigens. Vornehmlich um die Liebe. Die sucht die Ich-Erzählerin Lilith Innocenta West, kurz Lit genannt. Allerdings nicht aus einer romantischen Laune heraus, sondern als Auftrag. Vorher hat unsere Ich-Erzählerin mit ihrer ungeduldigen Vermieterin Viktoria zu kämpfen. Lit ist mit ihren Zahlungen im Rückstand. Es wäre so einfach, das Geld aufzutreiben. Die Künstlerin könnte ihre bekannte Mutter anrufen. Wanda ist Psychologin, die einen erfolgreichen Podcast hat. Auch Lits Vater könnte helfen. Aber nein! Stattdessen trifft sie sich mit ihrer Affäre Junius, der sie mit einem Galeristen bekanntmachen will. Bei einem sündhaft teuren Abendessen, läuft alles aus dem Ruder. Lit flüchtet zum Bahnhof, setzt sich in den nächsten Zug und landet schließlich auf einer Insel. Dort kümmert sie sich um die menschenscheue Frau Auve. Dafür kann sie umsonst in einer kleinen Villa wohnen. Als die Dame verstirbt, winkt ein großes Erbe, das sie nur bekommt, wenn sie die Liebe findet. Das eröffnet ihr ein gewisser Plü.

Eben dieses fremde Gefühl, was Lit bisher nicht gefunden hat. Alle Spuren führen zurück in ihr kindliches Wesen. Mit 11 Jahren ist offenbar etwas Traumatisches passiert. Lits Eltern waren mit ihr auf der Loveparade und haben sie dort verloren.

Dieses Buch ist ein irrer Ritt! Nichts für Leser:innen geradliniger Romane. Wer die Bücher von Tamar Noort oder Mariana Leky schätzt, sollte sich diese außerordentliche Hamburger Autorin mal genauer anschauen. Mein Kollege Frank Menden schwört auf ihren Roman "Auf Wiedersehen". Mit einem Auszug daraus wurde sie 2020 zum Ingeborg Bachmann Preis eingeladen. Und auch Fatih Akin ist Fan. Er hat ihr Debüt "Soul Kitchen" kongenial verfilmt. Genau den beiden Männern habe ich diese literarische Entdeckung übrigens erst zu verdanken.

Reality

von Jasmin Ramadan

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Seascraper
Simone Finkenwirth

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It doesn't take Benjamin Wood long to get me hooked. I bite into the book immediately. It's more my eyes that get stuck in it. The further I immerse myself in the story, the warmer I feel, even though it's cold the whole time. This is due to the two main characters: Edgar and Thomas.

At first, I see Thomas at work. The 20-year-old is a crab fisherman and carries on his grandfather's legacy. Every day he takes his horse and cart into the mudflats, collecting crabs at low tide. There used to be more men, now he is the only one. It's wet, mostly dripping or fog hanging over the landscape. It was precisely this setting that led the American director Edgar Acheson to Thomas' mother. The two of them are waiting for Thomas at home after work.

There, Edgar tells him that he is offering him a job: He could give him a hand with the filming. Edgar wants to film a well-known novel that Thomas, a frequent reader, has never heard of. Thomas becomes increasingly fond of the man and 100 pounds is a lot of money. After all, it is the 1960s. Thomas only gets two pounds and four shillings for his daily catch from his customer.

So they become business partners and relatively fast friends. Their conversations are sometimes profound, spiced with charm and a pleasant warmth of heart. For the first time, Thomas looks beyond his small world in Longferry and senses what could be possible. He confides his big secret to Edgar: Thomas has been playing the guitar for a long time. He should go out and show everyone. But Thomas, in his modesty, refuses. Then Edgar suddenly disappears into the fog and strange things pull the rug from under our feet...

Wow, what a read! It lives from wonderful atmospheric descriptions of nature as well as from the lovable characters and the unexpected twists that quietly creep into the story and blew me away in the end. “The Crab Fisherman” is a book with a quiet power that creates a lingering echo and won over the Booker Prize jury. That's why the title is currently on the longlist.

Seascraper

von Benjamin Wood

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Der Krabbenfischer
Simone Finkenwirth

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Benjamin Wood braucht nicht lange, um mich an die Angel zu bekommen. Ich beiße sofort ins Buch. Viel mehr sind es meine Augen, die darin hängenbleiben. Je weiter ich in die Geschichte eintauche, um so wärmer wird mir, obwohl es die ganze Zeit kalt ist. Das liegt an den beiden Hauptfiguren: Edgar und Thomas.

Zunächst erlebe ich Thomas bei seiner Arbeit. Der 20jährige ist Krabbenfischer und führt das Erbe seines Großvaters fort. Täglich fährt er mit seinem Pferd und dem Karren ins Watt, sammelt bei Ebbe Krabben ein. Früher waren es mehr Männer, jetzt ist er der Einzige. Es ist nass, meistens tröpfelt es oder Nebel hängt über der Landschaft. Genau dieses Setting hat den amerikanischen Regisseur Edgar Acheson zu Thomas' Mutter geführt. Die beiden erwarten Thomas nach seiner Arbeit zu Hause.

Dort eröffnet ihm Edgar, dass er ihm einen Job anbietet: Er könne ihm bei den Dreharbeiten zur Hand gehen. Edgar will einen bekannten Roman verfilmen, von dem der Vielleser Thomas bisher nichts gehört hat. Thomas wird der Mann zunehmend symphatischer und 100 Pfund sind 'ne Stange Geld. Immerhin befinden wir uns in den 60er Jahren. Thomas bekommt für seinen täglichen Fang bei seinem Abnehmer lediglich zwei Pfund und vier Schilling.

Also werden sie Geschäftspartner und relativ schnell Freunde. Es sind mitunter tiefsinnige Gespräche gewürzt mit Charme und einer wohltuenden Herzenswärme. Thomas schaut zum ersten Mal über seine kleine Welt in Longferry hinaus, ahnt, was alles möglich sein könnte. So vertraut er Edgar sein großes Geheimnis an: Sehr lange schon spielt Thomas Gitarre. Er solle damit rausgehen und es allen zeigen. Aber Thomas in seiner Bescheidenheit wiegelt ab. Dann ist Edgar plötzlich im Nebel verschwunden und seltsame Dinge ziehen uns den Boden unter den Füßen weg...

Wow, was für eine Lektüre! Sie lebt von wunderschönen atmosphärischen Naturbeschreibungen wie von den liebenswerten Figuren und den unerwarteten Wendungen, die leise ins Geschehen schleichen und mich am Ende umgehaut haben. "Der Krabbenfischer" ist ein Buch, das mit einer stillen Wucht ein nachklingendes Echo erzeugt, und die Booker Prize Jury überzeugt hat. Daher steht der Titel aktuell auf der Longlist.

Der Krabbenfischer

von Benjamin Wood

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Licht zwischen den Bäumen (Steidl Pocket)
Frank Menden

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„An dem Abend, als wir Ellen am Straßenrand zurückließen, fuhren wir die 252 in nördlicher Richtung entlang….“

Mit diesen Worten beginnt „Licht zwischen den Bäumen“, der Debütroman von Una Mannion, übersetzt von Tanja Handels.
Der Ton ist gesetzt, dies ist keine heitere Familiengeschichte, keine der üblichen Coming of Age Erzählungen.

Ellen ist 12, sieht aufgrund ihrer schmächtigen Statur jedoch deutlich jünger aus. Die alleinerziehende Mutter Faye ist überfordert vom Leben , überfordert vom ihren fünf Kindern . Und so wirft sie kurzerhand ihre Tochter aus dem Auto , als diese sie fortwährend um die Teilnahme an einer Kunstakademie bittet.
Die Dämmerung hat bereits eingesetzt , das kleine Mädchen bleibt alleine zurück .
Eine Entscheidung, ein Augenblick , der alles verändern wird, der die 14jährige Erzählerin Libby schlagartig erwachsen werden lässt und auch ihre vier Geschwister nachhaltig prägen wird.
Denn obwohl Ellen an diesem Abend wieder den Weg nachhause findet, wird fortan nichts mehr sein wie es war …..

Das klingt jetzt ein wenig nach Kolportage und schlechtem Cliffhanger, doch lasst euch bitte nicht täuschen : dieses Buch ist ein Juwel.
Voller Andeutungen, mit geschickt eingestreuten Krimielementem, erzählt Una Mannion von fünf Geschwistern, die auf ihre Art dem Schicksal trotzen, eine Gemeinschaft, die wahre Not kennt und aus Unkenntnis der Welt der Erwachsenen gegenüber fatale Entscheidungen trifft .
Ein ungemein atmosphärischer Roman , der sich einer Genrefestlegung entzieht, ungemein berührend , spannend und durch und durch bemerkenswert.

Licht zwischen den Bäumen (Steidl Pocket)

von Una Mannion

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Das Geschenk
Frank Menden

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„Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet ihr einfach mal selbst versuchen, mit Megafauna zurechtzukommen. Deshalb habe ich mich entschlossen, Deutschland 20.000 Elefanten zu schenken.“

Plötzlich sind sie da, die Elefanten aus Botswana, als Reaktion auf einen politischen Schachzug, der Deutschland gut aussehen lässt, Botswanas Probleme jedoch gewaltig vergrößern.
Da ist das Geschenk des afrikanischen Präsidenten eine gelungene Retourkutsche.
Was Gaea Schoeters in „Das Geschenk“ daraus macht, ist eine intelligente Satire auf den Politikbetrieb. Bissig und überraschend zeigt sie unser aller Doppelmoral, unser ambivalentes Verhältnis zu Umwelt und Integration.
Dabei sind die Elefanten in Berlin - und ganz Deutschland ( bis auf die sich zurückhaltenden Bayern) nicht nur eine Metapher, geht es doch auch um Artenschutz und die Frage: was ist wichtiger , Mensch oder Tier / Natur ?
Wer muss sich wem unterordnen? Wie weit geht unsere Verantwortung der Natur gegenüber?
Wie weit reicht unsere Bevormundung anderer Staaten? Was macht den Unterschied aus zwischen dem verwalten von Prinzipien und dem leben dergleichen?

Für mich ist dieser Roman, übersetzt von Lisa Mensing, nach dem außerordentlichen Vorgänger „Trophäe“, deutlich zugänglicher, aber genauso einprägsam.
Er trifft genau den Ton zwischen Unterhaltung und Ernsthaftigkeit und erzählt eindringlich von Populismus und Macht um der Macht willen.
Bei aller Absurdität der Ausgangssituation ist „Das Geschenk“ ein ebensolches: 138 pointierte Seiten, bei denen einem das Lachen durchaus im Hals stecken bleiben kann.

Ich bin gespannt womit uns Gaea Schoeters demnächst überraschen wird.

Das Geschenk

von Gaea Schoeters

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Der Lärm des Lebens
Frank Menden

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Schreibende SchauspielerInnen gibt es einige. Nicht alle vermögen auch auf dem Papier zu überzeugen. Einige reüssieren - und andere leider nicht .
Jörg Hartmann, bekannt u.a. aus „Weißensee“ und dem Dortmunder „Tatort“, überzeugt mit „Der Lärm des Lebens“ auf ganzer Linie.

Sein mit großer Offenheit geschriebener Text schildert sowohl das Berufliche wie auch das Private.
Man erfährt viel Wesentliches über den Schauspielberuf ( und natürlich auch pointiert geschriebene Anekdoten ), über aktuelle identitätspolitische Diskurse in diesem Metier.
Man erfährt aber auch viel über das Leben abseits von Bühne und Filmset.
Über die gehörlosen Großeltern, die den Nazis entkamen. Über die Eltern, die Demenzerkrankung und den Tod des Vaters. Über die Partnerschaft und das Leben mit drei Kindern.
Und über den Ruhrpott im allgemeinen und Dortmund-Herdecke im besonderen.

Dies alles ergibt ein sehr rundes Buch, ein Buch über den titelgebenden Lärm des Lebens mit all seinen Aspekten. Es ist ein eher leises Buch , grundsympathisch, uneitel und offen.
Ich habe dieses Buch mit großem Gewinn gelesen, denn der Kreislauf des Lebens , die Frage über Herkunft und Heimat, die beschäftigen uns alle immer wieder.
Jörg Hartmann geht ihnen auf besondere Art und Weise nach.
Sollte man lesen!

Der Lärm des Lebens

von Jörg Hartmann

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Polyphon Pervers
Frank Menden

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„Irgendwas müsse man ja machen, hat die Sabin gesagt. Irgendwas müsse man machen, sonst gehe man kaputt. Und wenn man schon was mache, dann könne mans auch gleich gut machen, oder, wenn möglich sogar mega gut. Wenn man schon was mache, dann könne man auch gleich nach den Sternen greifen, hat Sabin gemeint.“

Eine Unitheatergruppe in Luzern, ein Kiffer, ein eher uninspirierter Regisseur und eine umso engagiertere Managerin.
Mit diesen Ingredienzen beginnt „Polyphon Pervers“ von Bela Rothenbühler , ein irrwitziger, hochkomischer Roman.
Wie diese zusammengewürfelte Truppe die bürgerliche Kulturszene der Schweiz kapert und aufmischt , das muss man einfach gelesen haben. Denn wie man gut, gar hervorragend leben kann indem man Kultur vortäuscht, um so wiederum Subventionen und Fördergelder abgreifen zu können, das hat das titelgebende Kollektiv hervorragend raus .
Aber natürlich kann so etwas nicht ewig weitergehen , erst recht nicht in der Corona Pandemie. Aber was dann passiert ….

Der Schweizer Literaturpreis wurde diesem Schelmen- und Hochstaplerroman völlig verdient verliehen. Jetzt wurde er aus dem ursprünglichen Schweizerdeutsch ins Hochdeutsche von Uwe Dethier übersetzt.
Ich habe mich köstlich amüsiert mit diesem intelligenten Heimatroman aus einer völlig schrägen Szenerie.
Wer Wolf Haas und Thomas Bernhard mag sollte unbedingt einen Blick in diesen Roman werfen - um sich dann gleich festzulesen.

„Das sei mega vage, da könne man nächtelang drüber streiten, was das überhaupt bedeute: Kunst. Und so Wörter, wo die Philosoph:innen schon seit paar Tausend Jahren drüber streiten, was sie eigentlich bedeuten, die solle man am besten gar nicht in den Mund nehmen, hat die Sabin gesagt.“

Polyphon Pervers

von Béla Rothenbühler, Voland & Quist

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Anna oder: Was von einem Leben bleibt
Frank Menden

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„…eine Frau namens Anna Raesfeld, geborene Kalthoff, verwitwete Vogelheim, die eine wie keine war und eine wie viele.“

Der Journalist Henning Sussebach schreibt in „Anna oder : Was von einem Leben bleibt“ die Geschichte seiner Urgroßmutter auf .
Eingebettet in den historischen Hintergrund , sowohl global als auch lokal, fächert er Annas Leben auf. Das Leben einer Frau , die er nicht persönlich kannte, von der nur einige Fotos blieben, ein Poesiealbum, Postkarten, ein Kaffeeservice und ein Verlobungsring.
Anna war eine Frau , die den Konventionen ihrer Zeit trotzte, die ein unübliches Leben in einem Dorf im Sauerland führte, die sich nahm was ihr ihrer Meinung nach zustand, in der Liebe, im Leben .
Vieles bleibt Vermutung und ist doch schlüssig. Dabei vermeidet der Autor allzu plakatives, schafft Raum für Zwischentöne und Nuancen.
Berührend, beeindruckend und überaus fesselnd ist diese Lebensgeschichte, die wieder einmal verdeutlicht wie sehr das private auch immer politisch ist.

In einer sich immer schneller lebenden Welt ist dieses Buch ein Aufruf, zurückzuschauen, sich die Kämpfe und Errungenschaften der vorherigen Generationen bewusst zu machen und sie so vor dem Vergessen, dem sozialen Tod zu bewahren.
Ein Buch das bewegt, zum nachdenken anregt und uns auf eine so unaufdringliche wie intelligente Art lehrt, wie wichtig das Leben unserer Ahnen nicht nur für uns persönlich ist, sondern wie sehr die Vergangenheit unser aller Gegenwart prägt.

Eines DER Sachbücher in diesem Jahr!

Anna oder: Was von einem Leben bleibt

von Henning Sußebach

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Die Insel der Schlasocks
Simone Finkenwirth

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Ich liebe fantastische Kinderbücher. Als mich "Die Insel der Schlasocks" von Nils Mohl und Michael Roher angrinste, wusste ich schon vor der ersten Zeile: Wir werden dicke Freunde! Jasper lebt mit seiner Schwester allein, das Geld ist knapp. Bis Bonnie ihren Bestseller geschrieben hat, arbeitet sie nachts in einem Kaufhaus. Jasper weiß, dass sie bald aus dem Haus ziehen müssen, und er in ein Internat kommen wird.

Am ersten Ferientag beobachtet Jasper, wie sein Ferienfreund sich weigert aus dem elterlichen Auto auszusteigen. Honz soll wieder bei seinem Opa, Eiche, die Ferien verbringen. Eiche ist ein seltsamer liebenswerter Kerl. Der bei sich im Gartenpool ein seltsames Gerät versteckt: die Drohnatella. Eine Art Drohne mit Flügeln. Bevor Jasper kneift, wagt er den Schritt. Die Drohne ist von Eiche so programmiert, dass sie direkt ins Meer der Langeweile steuert. Und ehe sich Jasper versieht, fliegt er huuui looos! Und landet auf einer Insel, die vom Meer umgeben ist.

Und dort trifft er auf wahrlich seltsame Lebewesen. "Zottelig, klobig und verranzt. Kräftige, behaarte Arme und Beine, behaarte Körper, um die Bäuche herum breit wie Fässer, die Köpfe verwachsen. Ein krummes Horn links, ein krummes Horn rechts oberhalb der flachen Stirn. Unterschiedlich groß sind die Ungetüme. Mal mit eher lockigem, mal mit richtig stacheligen, mal mit eher glattem Fell. Und das Fell wiederum ist bei einigen einfarbig oder sogar gestreift,"

Erstmal müssen diese Schlasocks und Schnarnas entscheiden, was sie mit diesem neuen Wesen anstellen? Apropos anstellen, das ist auch so ein Wort. Denn diese felligen Wesen machen überhaupt nichts. War bisher doch ganz nett. Aber jetzt soll sich das ändern?

Das Buch macht so viel Spaß! Nicht nur wegen Zebrazzo, Schäff Laso, Tetete, Lobsta, Pank, Fluffi, Drops, Nana, Fidi, Pidi und der herrlich schiefen Dialoge bzw. Wörter. Kaum haben sich alle aneinander gewöhnt, purzelt auch noch Honz auf die Insel und sorgt für Aufregung. Und dann passiert das Unfassbare. Honz verwandelt sich in ein seltsames Wesen... aber warum bleibt Jasper wie er ist. Dafür gibt es eine plausible Erklärung, die zu einer großen anderen Kette von Ereignissen führt.

Die Auflösung ist überraschend und lässt mich lange grinsen. Ja, überhaupt das Grinsen bekomme ich nicht mehr aus meinem Gesicht. Wie die fantastischen Illustrationen von Michael Roher.

Leseempfehlung ab 10 Jahren.

Die Insel der Schlasocks

von Nils Mohl

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Frida und die Blaubeersuppe
Simone Finkenwirth

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Manchmal läuft es im Leben nicht so wie gewünscht. Diese bittere Pille muss auch Lina schlucken. Ihre Mutter eröffnet ihr, dass sie ihre Urlaubspläne geändert haben, da der Vater kurzfristig beruflich nach Japan muss. "Ständig ist das so! Immer müssen wir uns nach Papas oder deiner blöden Arbeit richten." Lina ist sauer, zumal es jetzt nicht nach Spanien geht, sondern nach Schweden. Was Lina zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, das wird ein richtig toller Sommer in Schweden.

Dort angekommen im schönen Schwedenhaus, das wirklich aussieht wie Ikea, macht Lina eines Nachmittags eine interessante Bekanntschaft. Viel mehr ist es ihr Hund Oscar, der ausbüxt und sie dorthin führt. Lina ruft Oscar, ist verzweifelt und hört sie ihn hinter einem Gebüsch, bleibt vor einem Bach stehen, und wagt dann doch den Schritt auf die wackelige Brücke. Und die führt mitten hinein in einen wunderschönen Garten, der sogar Lina den Atem raubt. Ihr grinst ein Mädchen mit total wilden Haaren entgegen. Eine halbt Pipi Langstrumpf, die irgendwie seltsam spricht. Sie wollte gerade ihre Wilden Hühner anknabbern und spricht von Drückerich. Was? Warum Frida so seltsam spricht, erfahre ich später. Und noch viel mehr. Himmel, das ist alles aufregend und herrlich erfrischend.

Frida rettet ihre neue Freundin auch vor der frechen Bande Jonne, Benny und Tilla. Und sie kommt in den Genuss von sehr leckeren Gerichten, die Fridas Oma kocht und backt. Jetzt wird es nur schwierig die Ausflüge der Eltern wirklich zu genießen.

Die beiden unterschiedlichen Mädchen sind bald unzertrennlich und erleben einen fantastischen Sommer, den wir alle so schnell nicht vergessen werden.

Für alle Leser:innen ab 8 Jahren.

Frida und die Blaubeersuppe

von Alva Bengt

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Das Sommerfest
Simone Finkenwirth

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Kurz - wirklich nur ganz kurz wollte ich zwischen den Jahren in dieses Buch reinlesen. Das mache ich zu der Zeit immer. Ich begutachte die Neuerscheinungen des Frühlings. Doch dann wurde es länger. Und wissen Sie was? Genau das fand ich großartig! Wenn ich einen Leseschatz Monate vor Erscheinen entdecke, fühlt sich das stets wie ein Feuerwerk an. Genauso empfand ich den neuen Roman von Adrienne Brodeur „Das Sommerfest“. Wem der Name bekannt vorkommt, liegt richtig. Denn die Autorin hatte mit ihrem Debüt „Wild Game“ etliche begeisterte Leser:innen. Nun legt sie nach. Und ich vermute: Ich bleibe nicht die einzige Jubelstimme. Der englische Titel „Little Monsters“ trifft für mich den Inhalt mehr. Aber Monster gehen im deutschsprachigen Raum offenbar nicht ganz so leicht, daher wohl diese Verlagsentscheidung.

Es ist so ein Buch, das man einmal aufgeschlagen, nicht mehr an die Seite legen möchte. Brodeur erzählt von einer interessanten Familie. Adam ist das Familienoberhaupt. Sein siebzigster Geburtstag nähert sich und der soll groß gefeiert werden. Warum bis dahin alte Dinge nicht ablegen? Wie die Tabletten, die Adam seit Jahren nimmt, um seine bipolare Störung in Schach zu halten. Während Adam dieses Experiment wagt, staucheln seine beiden erwachsenen Kinder. Abby ist schwanger von ihrem langjährigen Geliebten. Gleichzeitig wächst das Interesse an ihrer Kunst. Abbys Bruder hingegen ist getrieben vom Erfolg, verdrängt die Rufe seiner verletzten Seele, doch Monster lassen sich schwer besänftigen. Und wer ist diese fremde Frau? Steph taucht plötzlich auf und hat ein Geheimnis in der Tasche.

Atemlos bin ich durch die Seiten gepeitscht – bis zum furiosen filmreifen Finale. Überhaupt ist das ganze Setting – Cape Cod – wie zahlreiche Szenen absolut filmreif. So verwundert es mich nicht, dass auch Miranda Cowley Heller - die Autorin von „Der Papierpalast“ - ihrer Kollegin ein begeistertes Zitat gewidmet hat. Denn ich sah einige Parallelen, obwohl der Kern der Geschichte ein anderer ist. Aber wir Buchhändler:innen denken ja gern in sogenannten Referenztiteln: "Mochten Sie das Buch, dann werden Sie dieses ebenso lieben."

„Das Sommerfest“ ist eine bewegende Familiengeschichte, ein flirrender Kosmos aus verschiedenen Figuren. Ein Roman, der mitunter zu Herzen geht, aber niemals ins Kitschige kippt. Alles ist perfekt ausbalanciert.

Das Sommerfest

von Adrienne Brodeur

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Der Sommer der unmöglichen Dinge
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Waschbären, die die Hausherrschaft übernehmen. Eine Großmutter, die mit einem Geist spricht und deren Herz schwächelt. Eine zehnjährige Kaffeeschlürferin und eine sechsjährige Bankräuberin. Wenn ich Sie jetzt noch an meiner Seite habe, dann sollten Sie mir folgen, und sich wie ihrem Sprößling dieses ungewöhnliche Sommerbuch gönnen.

Während Kate DiCamillo absolutes Neuland für mich ist, schwärmt Annerose Beurich: "Wie toll! Die Autorin ist fantastisch!" Dass wir beide auch die Kinderbücher von Eva Ibbotson feiern, ist kein reiner Zufall, sondern die Magie der Bücherwelt.

Kate DiCamillo erzählt in ihrem Sommerbuch einfach die Geschichte einer ungewöhnlichen Familie. Einfach ist gut, ha - denn einfach ist hier nichts und gerade das hat mich begeistert. Das verunsichert mich einerseits ein bisschen, weil ich selbst keine Mutter bin und weiß, wie Zehnjährige das Buch aufnehmen werden. Andererseits bin ich mir sicher, dass es dort draußen junge Leser:innen gibt, die genau solche abstrusen Geschichten lieben.

Ferris ist die zehnjährige Romandheldin. Stets an ihrer Seite - ihr Klavier spielender Freund Billy Jackson wie der zottelige Hund Boomer. Dieser Sommer stellt sie vor einigen Herausforderungen. Ihnen zu folgen, ist hinreißend, berührend, komisch, witzig und einfallsreich. Wie der Erzählton. Raffiniert baut die Autorin Wörter und deren Bedeutung mit ein: „Donquichottisch bedeutete weltfremd und närrisch so wie jemand, der seinen Job aufgab, um dir Geschichte der Welt zu malen.“ So ist Ferris' Onkel, der gerade im Keller der Familie wohnt, da sich seine Frau deshalb von ihm getrennt hat. Die wiederum verpasst Ferris eine Dauerwelle.

Wir lesen uns durch aufwühlende Momente. Doch überall grinst der Schelm und reichlich Fantasie um die Ecke. Ich reibe mir oft verwundert und höchst verzaubert meine Augen. Das ist ein Kinderbuch, das ich mir als Zehnjährige gewünscht hätte.

Der Sommer der unmöglichen Dinge

von Kate DiCamillo

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Die Stadt und ihre ungewisse Mauer
Simone Finkenwirth

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Der neue Roman von Haruki Murakami erfreut sich ja derzeit großer Beliebtheit und führt die Spiegel Bestsellerliste an. Für mich ist das eine ganz besondere Freude, denn ich bin seit vielen Jahren eine große Bewunderin des japanischen Autors, der in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden ist. Was ist nun dran an diesem Hype? Lohnt sich die Lektüre?

Allen Murakami-Fans kann ich das neue Buch uneingeschränkt empfehlen, denn bereits nach den ersten Seiten treffen wir auf eine vertraute Murakami-Szene: Die Freundin des Erzählers berichtet von der anderen Stadt. Dort lebe ihr wahres Ich. Hier im Jetzt sei nur ihr Schatten. Ein wandernder Schatten sozusagen. Für uns eingefleischte Murakami-Fans liest sich das ganz normal, so als würde der Nachrichtensprecher das Wetter für morgen ankündigen.

Für Neulinge könnte das allerdings befremdlich erscheinen. Ja, man braucht eine bestimmte Offenheit, um in diesen Murakami anzukommen. Aber es lohnt sich.

Denn Murakami nimmt uns nicht nur mit in verschiedene Ebenen und zeigt, wie kraftvoll die Fantasie sein kann, er schreibt genauso über all die Themen, die uns Menschen gleichermaßen beschäftigen: Das Leben als solches, über die Wirklichkeit, die Ängste, die Einsamkeit und die große Liebe, für die man bereit ist, alles zu geben. So folge ich seinem verliebten Helden, bleibe ganz oft an großen Sätzen hängen wie vor etlichen Szenen, reibe mir ungläubig die Augen. Und denke: Wie unglaublich ist das bitte nur?!

Murakami seziert alles bis ins Kleinste, er eröffnet uns ein Mikrokosmos und es wird nie langweilig. So ist er mitunter sehr philosophisch, poetisch, weise und natürlich rätselhaft. Aber auch melancholisch. Kaum ein Autor versteht es, derart schön über das dunkle Gefühl zu schreiben, dass man sich gleich weniger traurig fühlt. Nicht zu vergessen, das vielseitige, feine Figurenkabinett, das er mit großer Liebe ausgearbeitet hat. Übrigens ist die Grundidee des Romans vor vielen Jahren entstanden 1980, damals erschien eine Kurzgeschichte. Da er von der Geschichte nicht überzeugt war, wollte er sie nicht in Buchform veröffentlichen. Aber ganz losgelassen hat sie ihn nie. Und während des Lockdowns fing er wieder an, an ihr zu arbeiten, zwei Jahre lang. Und das ist das Ergebnis!

Wer je bezweifelt hat, ob Murakami den Literatur-Nobelpreis verdient hat, der findet in „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ eine Antwort. Denn hier zeigt sich große Erzählkunst, die tief beeindruckt und nicht ohne Grund eine große feste Fangemeinde hervorgehoben hat. Diese trifft sich aktuell auf Instagram bei reading_haruki_murakami. Kommen Sie gern vorbei und sprechen mit uns. Oder natürlich auch bei uns im Laden. Ich freue mich auf den Austausch!

Allen Hörbuch-Freunden empfehle ich auch das von David Nathan eingesprochene Hörbuch! Großes Kopfkino!

Ich verneige mich vor allen: dem Autor, seiner Übersetzerin Ursula Gräfe und dem Vorleser. Und Ja, der Hype ist so was von berechtigt!

Die Stadt und ihre ungewisse Mauer

von Haruki Murakami

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Durch das Raue zu den Sternen
Frank Menden

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„Eines Tages werde ich zu den überragenden Persönlichkeiten der Musikgeschichte zählen. Das wissen die nicht, aber irgendwie wissen sie es doch.“

Wer da so von sich überzeugt ist, das ist Arkadia Fink, 13 Jahre, graublaue Augen, von den meisten Leuten in ihrem kleinen bayerischen Dorf Moll genannt.
Molls Mutter ist vor acht Monaten, drei Wochen und sechs Tagen kurz weggegangen. Mit einer geradezu überbordenden Fantasie und ungebündelter Energie kämpft Moll gegen die Leerstelle in ihrem Leben an, ordnet ihre Gefühle einem großen Ziel unter: sie wird in einem weltberühmten Knabenchor singen und auf der Bühne stehen. Und dann, und das weiß Moll mit absoluter Gewissheit, dann wird ihre Mutter wiederkommen.
Nur ist Moll eben ein Mädchen. Und Mädchen singen nicht in einem Knabenchor. Doch Moll stemmt sich mit atemberaubender Vehemenz gegen dies in ihren Augen eher unerheblichen Problems…

„Durch das Raue zu den Sternen“ besticht zum einen durch seine unvergessliche, in wahrsten Sinne eigenartige und merkwürdige Protagonistin und durch seinen unverwechselbaren Ton, der ebenso eigen ist wie Moll und so voller Musik wie sie. Kraftvoll, poetisch, mit einem wunderbaren Humor und eindrucksvollen Bildern führt uns Kloeble durch Molls Welt, an deren Seite ihre beste Freundin Bernhardina steht, eine ehemalige Musiklehrerin, die jetzt in einer Seniorenresidenz lebt, nicht mehr gut hört, aber dafür umso besser zuhören kann, und ihr Vater, ein Schreiner, der nicht mehr schreinert, obwohl seine Hände für Holz gemacht sind.
Moll auf ihrem Weg gegen alle Widerstände und Regeln der Gesellschaft zu begleiten ist ein besonderes Leseerlebnis. Und auch wenn einem Moll durchaus mitunter auf die Nerven geht , bleibt man doch gern bei ihr, tief beeindruckt und berührt, mit einem leisen Lächeln. Denn : „Man kann nur richtig laut sein, wenn man das Leise versteht.“

Durch das Raue zu den Sternen

von Christopher Kloeble

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Das Ausmaß von Liebe
Simone Finkenwirth

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Eine geschätzte Stammkundin hat mir den Italiener wärmstens empfohlen. Erschienen ist „Das Ausmaß von Liebe" bei der Edition Converso, die 2021 mit dem Verlagspreis prämiert wurde. Nicht nur haptisch ist das Buch eine Augenweide, auch das seidenweiche Papier und der Satz sind einfach fantastico! Wer ist die Edition CONVERSO?

„Die Edition CONVERSO will – wie bereits im Namen anklingt – die Kehrseite der Dinge ans Licht holen; spannt dazu Literaturen aus allen Regionen rings um Mittelmeer, Adria und von den Küsten Kleinasiens ein: Widerstand und Aufklärung. Aufbrechen stereotypisch, rassistisch geprägter Denkmuster." So steht es auf der liebevollen gestalteten Verlagsseite. Wer Italien liebt, sollte sich das Programm unbedingt anschauen wie den ausgezeichneten Autor. 2024 hat Fabio Stassi für „Die Seele aller Zufälle" den Hermann-Kesten-Preis des deutschen PEN erhalten.

Vince Corso ist der Ich-Erzähler dieses charmant erzählten Detektivromans. Er arbeitet als Bibliotherapeut und Detektiv in Rom. Unser Held will seine Liebste in Neapel besuchen und landet im falschen Zug. Dieser fährt nach Mailand. Sein Reisegenosse sagt, dass alles seine Richtigkeit hat, während er auf das Buch seines Gegenüber deutet. „Vielleicht wissen Sie es noch nicht, doch es könnte der Moment gekommen sein, diese Reise zu machen." Am Ende landet Vince in Nizza. Ich könnte ihn dafür umarmen, dass er tapfer seinen neuen Weg einschlägt.

Dieses Buch ist einfach grandios schön und Vince ein unglaublich sympathischer Held, die Sprache eine Wonne an Lesesfreude und die Kulisse traumhaft. Alle Sinne sind geschärft und seufzen. Man kann die Bände unabhängig voneinander lesen, das hat mir die Verlegerin Marion Lustig bestätigt. Annette Kopetzki hat das Buch ins Deutsche übertragen. Un grande ringraziamento a tutti!

Das Ausmaß von Liebe

von Fabio Stassi

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Lichtungen
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Wie zarte Regentropfen berühren mich Iris Wolffs Sätze. Ich spüre, „Lichtungen“ ist kein Buch, das man mal eben in der Bahn liest. Dafür ist es zu gehaltvoll, wertvoll. Jeder Satz möchte mit voller Aufmerksamkeit betrachtet werden. Und noch etwas passiert während des Lesens: „Lichtungen“ entschleunigt mich auf bezaubernde Weise. Liegt es an der besonderen Beziehung der Hauptfiguren, Lev und Kato? Oder an der feinsinnigen, zarten wie poetischen Sprache? Oder dem ungewöhnlichen Erzählstil? So beginnt die Autorin mit dem Ende.

Im Mittelpunkt stehen Kato und Lev, die sich als Schulkinder kennenlernen, als Lev erkrankt. Das Band zwischen ihnen bleibt die Jahre bestehen, und wir begleiten die beiden auf ihren verschiedenen Stationen des Lebens, lernen die unterschiedliche Charaktere kennen. Während Kato als Straßenzeichnerin durch die Welt reist, bleibt Lev im Ort der Kindheit. Erst als Kato Lev eine selbstgemalte Karte mit der Frage schickt: „Wann kommst du?“ wagt Lev den Aufbruch... - genau der steht nun am Anfang des Buches, und wir bewegen uns langsam zurück.

Wie bereits in „Die Unschärfe der Welt“ reist Iris Wolff mit uns an den Ort ihrer Kindheit – nach Siebenbürgen. Die Autorin wurde in Rumänien geboren, verbrachte dort die ersten acht Jahre des Lebens. Es scheint, als gäbe es eine unsichtbare Schnur, die sie immer wieder dorthin zurückführt. Ich bin ihr - wie mein Kollege Frank Menden ebenfalls - auch dieses Mal mit Staunen und Bewunderung gefolgt. Wie viel Themen sie in diesem schmalen wie gehaltvollen Buch eingearbeitet hat, ist derart kunstvoll, dass sich das Feuilleton und die Leserschaft alle einig sind: Dieses hier ist ein umwerfend schönes wie beeindruckendes Buch, das zeigt: Wir brauchen nicht immer auf alles Antworten, manchmal ist das Schweben auch ein schöner Zustand. Kato und Lev werden es ihnen bestätigen.

Lichtungen

von Iris Wolff

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Die Gouvernanten
Simone Finkenwirth

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„Die Governanten“ von Anne Serre wurde unlängst von der SWR-Lesenswert-Redaktion so wohlwollend besprochen, dass ich sofort ins Buch einsteigen wollte. Gleich zu Beginn habe ich ein Déjà vu: Ich fühle mich an Nabokovs „Ada oder Das Verlangen“ von Vladimir Nabokov erinnert. Da ist diese fantastische leicht märchenhafte Atmosphäre, die ich bis heute nicht vergessen kann. Sonderbar ist hier einiges und wie Sie wissen, mag ich auch solche Bücher.

Im Zentrum des Romans bewegen sich drei Governanten, die eingestellt wurden, um die Kinder zu erziehen. Doch diese Arbeit ist nur reine Nebensache. Der Dienstherr Monsieur Austeur hat die drei Frauen auch angestellt, weil er Unordnung in seinem Leben braucht. Und so stolzieren Éléonore, Inés und Laura in die abgeschiedene Villa – das Gepäck besteht nicht nur aus Koffern, sondern auch aus Erinnerungen, Bäumen, Häusern... alle drängen sie ins Haus, denn mit dem Dienstantritt geben die Frauen alles Bisherige aus ihrem Leben ab.

Wie jetzt? werden Sie sich jetzt vielleicht fragen, das geht doch nicht. Hier schon. Die Geschichte hat surrealistische Elemente, für die man offen sein sollte. Angekommen, mischen die Governanten mächtig auf, ziehen dahergelaufene unbekannte Männer am Tor in den Garten und fallen über sie her wie Spinnen über ihre Beute. Obendrein wird jede Handlung von einem Herrn von gegenüber – dem alten Greis - mit seinem Fernrohr beobachtet.

Wer erzählt uns jetzt die Geschichte? Der Spanner? Monsieur Austeur? Seine Frau? Man weiß es nicht. Ich muss es auch nicht, denn ich bin mit etwas anderem beschäftigt: Hinter fast jedem Satz mache ich eine sinnliche oder skurrile Entdeckung, über die ich schmunzele oder mir verwundert die Augen reibe. Ich lasse mich komplett in die Szenerie fallen, höre ein Seufzen, ein Rascheln und andere Geräusche.

Nach der Lektüre kehre ich mit roten Wangen und glühenden Augen in die Gegenwart zurück, denke wieder einmal: Wie großartig ist die Welt der Literatur!? Was kann sie auf wenigen Seiten für Filme erzeugen?! Dass dieser Roman in Hollywood gerade verfilmt wird, verwundert mich daher überhaupt nicht. Nabokov hätte das sicherlich auch gefallen.

Die Gouvernanten

von Anne Serre

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Auf Wiedersehen
Frank Menden

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Jasmins Ramadans erster Roman seit sieben Jahren handelt von einer Gruppe Mitt-und Endvierzigern in Hamburg. Wie eine Art moderner Reigen erzählt sie von einer ehemaligen Freundesgruppe, die aufgrund des Verschwindens von Hendrik, dem unsympathischsten Mitglied der Ex-Clique, wieder zusammenfindet.

Der Roman bietet neben wunderbaren Hamburg Motiven und Momenten eine etwas überzeichnete, aber ungemein unterhaltsame und spitzfindige Analyse des Lebens dieser Altersgruppe und ihrer Befindlichkeiten. Vom Überdruss in Partnerschaften, Luxusproblemen und Entfremdung unter ehemals besten Freunden, von Unsicherheiten, neuen und alten Lieben.
Das bietet Suchtpotential wie eine Miniserie, vor allem weil Jasmin Ramadan lustvoll mit jedweden Klischees spielt.
Vor allem Hamburger*innen sollten sich diesen mitreissenden und sehr viel Spaß machenden Roman nicht entgehen lassen!

Auf Wiedersehen

von Jasmin Ramadan

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Schwebende Lasten
Frank Menden

Frank Menden

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„Der gelungene Strauß ist einfach gehalten, in der Gestaltung wie in der Fertigung. Auf die innere Ordnung ist zu achten. Aber was sie gelernt hatte, vergaß sie im Leben oft genug und mit Absicht.“

Es gibt wenige deutschsprachige Romane, die dieses Jahr so viel positive Kritik erhalten haben wie „Schwebende Lasten“ .
Kein Wunder, denn dieser Roman ist so hervorragend beobachtet wie geschrieben.
Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna ist eine Frau, der im 20. Jahrhundert wenig erspart bleibt.
Sie erlebt zwei Weltkriege, durchlebt alle Irrungen und Wirrungen ihrer Zeit, erlebt viele persönliche Niederlagen und wenig Triumphe, bringt sechs Kinder zur Welt, packt an was anzupacken ist. Sie ist eine normale Frau in einer sehr unnormalen Zeit, durchaus emanzipiert, aber doch ganz ein Produkt ihrer jeweiligen Lebenswelten.
Magdeburg ist ihre Stadt, Blumen bleiben lebenslang ihre Leidenschaft, werden durch eine Begegnung ein kleines Fenster in eine andere, kultiviertere Welt.
Annett Gröschner erzählt dieses Leben detailliert und voller Empathie, sehr real und lebendig und trotz der Härte mit Charme und einer gewissen Portion leiser Heiterkeit.
Sie hat so einen Roman geschaffen, der individuell und exemplarisch ist, und dem man direkt auf der allerersten Seite vollkommen verfällt.
Man ist ja manchmal misstrauisch, wenn allenthalben Lobeslieder gesungen werden.
Braucht man in diesem Falle nicht zu sein.
Sie stimmen !

Schwebende Lasten

von Annett Gröschner

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Gesellschaftsspiel
Frank Menden

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Dass ein Milliardär eine Stadt als Kulisse für eine mehrtägige private Feier quasi mietet haben wir gerade erleben können.
Was aber wäre, wenn ein Tech-Milliardär per App der Demokratie, dem demokratischen Leben ein Update verpassen würde. Und dies in Deutschland, in Weimar genauer gesagt. Wäre das nicht eine Chance für unsere sich immer mehr auseinander dividierende Gesellschaft? Eine kleine Revolution, die uns alle fern von parteipolitischen Schachzügen wieder enger zusammenbringt, echte Diskussionen und ein wahres Miteinander ermöglicht?
Oder wäre dies eher das Ende als ein wirklicher Neustart ?

Dies ist die Ausgangssituation in „Gesellschaftsspiel“ .
Im Mittelpunkt des Romans stehen die entfremdeten Schwestern Isabelle und Annika, die am Sterbebett ihrer Mutter zusammen mit deren Schwester Dagmar aufeinandertreffen.
Während sie mit dem privaten Schicksalsschlag fertig werden müssen und ihre Beziehungen untereinander aufarbeiten, schreitet die öffentliche Debatte immer weiter fort - mit einschneidenden Folgen für die drei Frauen.

Für mich ist dieser Roman ein sehr intelligentes Gedankenspiel, das zum nachdenken anregt und über den man sich nach der Lektüre austauschen muss.
Und der seit meiner Lektüre vor einigen Wochen immer noch sehr in mir arbeitet .
Ich bin äußerst gespannt, wie dieses „Gesellschaftsspiel“ aufgenommen werden wird, welche Diskussionen er auslösen wird.
Kalt lässt dieser Roman bestimmt niemanden.

Gesellschaftsspiel

von Dora Zwickau

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Das Geheimnis des roten Hauses
Frank Menden

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Sommerfrische auf dem Land. Mark Ablett, Mäzen der schönen Künste und seines Zeichens Schriftsteller, wenn auch ein recht schlechter, hat wie üblich in seine Residenz geladen. Unüblich ist jedoch, dass sein Bruder Robert zu Besuch kommen möchte. Ein Bruder, von dem noch nie jemand gehört hat und der wahrscheinlich nicht ohne Grund seit fünfzehn Jahren in Australien lebt.
Unter den Gästen befindet sich auch Anthony Gillingham, der hier einen Freund besuchen möchte. Bei seiner Ankunft wird er Zeuge eines dramatischen Vorfalls: nach einem Streit zwischen den Brüdern fällt in Marks Studio ein Schuss. Als man die Tür endlich öffnen kann findet man Robert mit durchschossenen Schädel, von Mark fehlt jede Spur.
Für den herbeigerufenen Inspektor Birch ist der Verdächtige schnell klar: es muss der flüchtige Mark sein. Doch Anthony Gillingham hat berechtigte Zweifel und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln…

Wie bedauerlich, dass „Das Geheimnis der roten Hauses“ der einzige Kriminalroman des „Winnie the Pooh“ Schöpfers A.A. Milne ist. Dieser in bester britischer Kriminalliteratur stehende Roman bietet alles, was das Hertz begehrt: ein englischer Landsitz, die feine Gesellschaft, ein verschlossenes Zimmer, mysteriöse Gäste, hervorragend entwickelte Charaktere und eine verwickelte, intelligente Handlung, die bis zum Schluß hervorragend unterhält.
Ein zu Recht wieder aufgelegter Klassiker.

Das Geheimnis des roten Hauses

von A. A. Milne

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Das Jahr ohne Sommer
Frank Menden

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In ihrem neuen Roman erzählt Constanze Neumann von einem Mädchen zwischen zwei Welten, der DDR und der BRD.
Als die namenlose Protagonistin etwa sechs Jahre alt ist planen die Eltern die Flucht in den Westen . An der Grenze werden sie jedoch zusammen mit ihrer kleinen Tochter durch einen Verrat gefasst und ins Gefängnis gesteckt .
Das Mädchen kommt zur Großmutter bis sie den von der BRD freigekauften Eltern in den Westen folgen kann .
In Aachen finden sie ein neues Heim, ein Zuhause wird es lange nicht werden….

Nach „Wellenflug“, in dem Constanze Neumann über die Herkunft ihrer Familie erzählte, ist „Das Jahr ohne Sommer“ ihr zweiter Roman. Ebenso autobiografisch, erzählt sie hier ihre eigene Kindheit und Jugend .
In kurzen, dichten Sätzen erzählt sie frei von Pathos und fern jeglicher Sentimentalität vom Alltag in der DDR und den Schwierigkeiten sich in der neuen westlichen Welt zurechtzufinden.
Eltern wie Tochter stehen vor schweren Herausforderungen und durchleben die Schwierigkeiten sich ein neues Leben aufzubauen, sich einzugliedern und doch fremd zu bleiben . Dabei kämpft die Mutter zusätzlich noch mit den psychischen Folgen ihrer zweijährigen Haftzeit.
Dies alles schildert die Autorin sehr offen, mit einem ungeheuren Gespür für Feinheiten und Nuancen . Es ist eine mir bis dato nie so deutlich klargewordene Zwischenwelt, die hier in all ihrer Deutlichkeit und Komplexität dargestellt wird.

„Es war nun so, wie es hatte sein sollen, wie wir es uns immer gewünscht hatten, und doch war alles ganz anders und fremd und verwirrend, und so würde es lange bleiben.“

Diesen Roman sollte man sich nicht entgehen lassen!

Das Jahr ohne Sommer

von Constanze Neumann

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Herzgrube
Frank Menden

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„Das Dorf, das sie jetzt links liegen lassen, schläft noch, keiner sieht die Wanderung der müden Leiber. (…) Und unter ihren Füßen, eine Meile tief, Geschichte. Die darauf wartet, dass man sie in Stücke hackt und herauszieht.“

Das Dorf heißt Barnsley und liegt in England. Der Bergbau ist Vergangenheit, hat den Ort geprägt, seine Bewohner.
Alex hat Jahrzehnte in den Minen verbracht, in der Dunkelheit. Das Licht, das nun sein Leben prägt, bringt lange Verdrängtes an den Tag.
Sein Sohn Simon arbeitet tagsüber in einem Callcenter und abends als Dragqueen , bedient nebenbei einen „Only Fans“- Account.
Während sein Vater von den Geistern der Vergangenheit eingeholt wird, steht Simon sein bislang größter Auftritt bevor, der sein Durchbruch sein könnte…

„Herzgrube“, das Romandebüt des Lyrikers Andrew McMillan , übersetzt von Robin Detje, ist ein Roman über Klassenbewusstsein und Homosexualität, über Sichtbarkeit und Herkunft .
McMillan erzählt nicht nur die Identitätssuche seiner Protagonisten, er erzählt auch von der Arbeit in den Bergwerken, davon, wie prägend die Arbeit für die Menschen, die Region ist.
Wie lebt es sich als queerer Mensch in einer Umgebung, in der dies unmöglich scheint? Wie einsam kann man in einer Gemeinschaft sein?

Ein sprachlich wie inhaltlich äußerst beeindruckender Roman, vielschichtig und ungemein berührend.
Bitte mehr davon.

Herzgrube

von Andrew McMillan

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Paradise Garden
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Für mich steht „Paradise Garden“ im Schatten eines anderes Debüts, das ich mir auf der diesjährigen Longlist gewünscht hätte: „Gewässer im Ziplock“ von Dana Vowinckel. Und wer weiß, hätte ich jenes Debüt nicht vor Elena Fischers Erstling gelesen, wäre meine Meinung enthusiastischer. Dennoch hat mich „Paradise Garden" beim Lesen durchaus beglückt, deshalb ziehe es hier noch einmal hervor.

„Paradise Garden“ erzählt mit leichter Feder von einer schweren Geschichte. Die 14jährige Billie wächst mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einer Hochhaussiedlung auf. Geld ist knapp. Die Mutter hat zwei Jobs, tagsüber putzt sie, abends arbeitet sie in einer Bar. Als die beiden bei einem Gewinnspiel Geld gewinnen, steht fest: Sie gehen auf Reisen. Doch dazu kommt es dann doch nicht, da sich am Tag der Abreise Billies Großmutter meldet. Sie ist krank und reist von Ungarn nach Deutschland, da hier die ärztliche Versorgung besser ist. Als sich die Mutter und Großmutter streiten, passiert etwas Schlimmes, das unserer jungen Heldin den Boden unter den Füßen wegzieht...

Einmal begonnen, fliege ich durch die Seiten. Elena Fischer hat mit Bilie eine wunderbare Erzählstimme geschaffen. Sie hat Chuzpe, ist cool und mutig – alle Figuren wachsen einen ans Herz, das ist der Zauber dieses Buches.

„Paradise Garden“ ist ein Buch über Verlust, Sehnsucht, Fragen und eine Suche. Eine mitreißend erzählte Coming-of-Age Geschichte, die man jungen Leser:innen ab 14 Jahren in die Hand drücken kann. Denn ich hätte so ein Buch als Jugendliche mit großer Freude verschlungen.

Paradise Garden

von Elena Fischer

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Sofra
Simone Finkenwirth

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Woran denken Sie bei türkischer Küche als Erstes? Also ich an Bulgur und Döner. Doch weit gefehlt. Dank Yelda Yilmaz weiß ich nicht, was sich wirklich hinter der türkischen Küche verbirgt. In ihrem neuen Kochbuch "Sofra" präsentiert sie vegetarische und vegane Gerichte - und das in vielseitiger Form.

Die türkische Küche ist von vielen Einflüssen geprägt. Die Ursprünge reichen zurück bis zu den nomadischen Stämmen der asiatischen Steppe, auch die Araber und Perser im Mittelalter haben ihr Knowhow mit einfließen lassen wie die Inder. Dann sind da noch die geographischen Voraussetzungen, die eine Vielfalt aus Obst, Gemüse, Gewürze, Getreide und Früchte bietet.

Gleich zu Beginn feiert die Autorin die Kunst der Einfachheit, und erzählt, wie schon ihre Mutter und Großmutter mit wenigen saisonalen Zutaten wahre Festmahle gezaubert haben. Bevor wir loskochen, zeigt sie zudem die türkische Vorratskammer. Welche Gewürze, Nüsse, Öle und Beilagen nicht fehlen dürfen. Für mich übrigens ist die Melasse, dickflüssiger Sirup aus den Kernen von Trauben, mein Aha-Erlebnis. Zusammen mit dem selbstgebackenen Fladenbrot erleben Sie eine Geschmacksfreude.

Passend zur sommerlichen Jahreszeit möchte ich Ihnen gern Yeldas Seftali Salatasi - Pfirsich-Gurken-Salat mit Dill kredenzen. Wenn es ein bisschen würziger sein darf, dann probieren Sie mal die Döner-Tacos aus, dessen Füllung aus 400 g Kräuterseitlingen oder Austernpilze besteht. Für die Schlemmerkatzen von süßen Speisen, warten zum Abschluss noch einige Backtipps wie mit Walnuss gefüllte Plätzchen.

Wie schon mit ihrem Kochbuch "Hitzefrei" hat mich die Autorin inspiriert und wieder einmal gezeigt, wie gut und lecker, einfache wie raffinierte Küche sein kann.

"Sofra" bedeutet übersetzt gedeckter Tisch. Genau das eint die Rezepte, sie laden ein, mit Freunden und Familie zusammen die leckeren Gerichte zu vernaschen. Am Ende gibt es sogar noch Menüvorschläge.

Sofra

von Yelda Yilmaz

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Unbedingt lesen, wenn ...
Simone Finkenwirth

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Wer kennt das nicht? Situationen, die uns herausfordern und Momente, in denen wir uns eine Hand wünschen, die uns die richtige Richtung weist und wieder aufrichtet. Wenngleich Bücher keine Therapie ersetzen, können sie uns trotzdem auffangen wie ein Erste-Hilfe-Notfall-Kit dienen.

Dr. Julie Smith hat bereits mit „Aufstehen oder liegen bleiben?“ zahlreiche Leser•innen für sich gewinnen können. Auch „Unbedingt lesen, wenn…“ lohnt sich. Die Psychologin greift verschiedene Turbulenzen des Lebens auf wie zu viel Grübelei, lähmende Angst, Trauer, Vergleiche, geringes Selbstwertgefühl oder wenn du immer wieder Ja sagst, obwohl du eigentlich Nein sagen willst. Wenn es dir schwer fällt, im Hilfe zu bitten.

Jedes Thema beginnt mit einem Brief an die Lesenden. Im zweiten Step folgt ein Toolkit mit praktischen Lösungen und den richtigen Fragen für persönliche Reflektionen. Smith erklärt dabei auch die Abläufe in unserem Körper und Nervenbahnen, und zeigt, wie eng alles miteinander verknüpft ist. Was schon kleine Veränderungen bewirken können.

„Unbedingt lesen, wenn…“ ist ein wohltuendes, aufbauendes wie kluges Trostpflaster.

Unbedingt lesen, wenn ...

von Julie Smith

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Hard Girls
Frank Menden

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Ich mag Bücher, die sich jeglicher Kategorisierung entziehen. Die überraschen und ausgetretene Genrepfade verlassen.

„Hard Girls“ von J. Robert Lennon , übersetzt von Stefan Lux trägt das Etikett „Thriller“ auf dem Cover. Und ja, die Geschichte der beiden Schwestern Jane und Lila, die sich nach jahrelanger ( und sich in Rückblicken erklärender ) Funkstille auf die gemeinsame Suche nach ihrer ebenfalls vor Jahren verschwundenen Mutter machen, hat viele Zutaten eines Thrillers .
Gleichzeitig ist dies jedoch auch ein Familienroman, ein Roman über Schwestern, über das Verhältnis von Muttern und Töchtern, ein Spionageroman, ein Buch über unglückliche Beziehungen und auch eine „Road Novel“.

Vor allem aber ist dieser Roman ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann, ein Buch voller Twists, unglaublich spannend, mit lakonischem Humor gewürzt und mit zwei Protagonistinnen, die spröde sind und uns doch wunderbar unterhalten, die uns an Herz wachsen und unvergesslich sind.

Wer also Lust hat auf eine fesselnde, spannende, dramatische Geschichte voller familiärer Verwicklungen hat, der sollte zu diesem Buch greifen und sich mit Jane und Lila auf eine Reise begeben, die so überraschend wie erfrischend die Genres vermischt.

Hard Girls

von J. Robert Lennon

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Der Name an der Wand
Frank Menden

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Südfrankreich. Der Schriftsteller Herve Le Tellier möchte ein Haus kaufen. Im kleinen Dorf La Paillette wird er schließlich fündig: die ehemalige Keramikwerkstatt soll sein neues Zuhause werden. Beim abhängen einer Keramiktafel sieht Le Tellier, dass ein Name in den Rohputz geritzt wurde: André Chaix. Wer war dieser Mann?
Es ist das Frühjahr 2020, die Pandemie hat die Welt fest im Griff - und Herve Le Tellier beginnt zu recherchieren. Sehr bald kennt er die nackten Fakten: im August 1944 wird André Chaix als Mitglied der Résistance von deutschen Soldaten in einem Gefecht ermordet. Er ist nur 20 Jahre, zwei Monate und 30 Tage alt geworden…
Doch Le Tellier will mehr wissen: wer war dieser junge Mann, wie hat er gelebt, wen hat er geliebt, was trieb ihn um ?

„Der Name an der Wand“, das neue Buch des Prix Goncourt Preisträgers Herve Le Tellier , übersetzt von Romy und JürgenRitte, ist kein Roman, aber die Spurensuche des Schriftstellers liest sich ebenso fesselnd.
Es ist die Erforschung der Vergangenheit, einer Epoche, „in der Großherzigkeit und Mut mit Egoismus und Niedertracht eng beieinanderlagen wie nur selten.“
Immer wieder durchbricht Le Tellier diese Reise in die Vergangenheit mit Assoziationen und führt uns LeserInnen so auch ins Hier und Jetzt.
Indem er uns von André Chaix erzählt, erzählt er auch vom Phänomen Mut in dunklen Zeiten, davon, wie man Hass und Faschismus begegnen kann ( und soll ).

„Man diskutiert solche Ideen nicht, man bekämpft sie. Weil die Demokratie ein Gespräch unter zivilisierten Menschen ist, endet die Toleranz beim nicht Tolerablen. Wer auch immer den Hass auf andere sät, verdient nicht die Gastfreundschaft einer Diskussion“.

Ein ungemein berührendes und wichtiges Buch!

Der Name an der Wand

von Hervé Le Tellier

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Der alte Apfelgarten
Simone Finkenwirth

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Sharon Gosling kann es einfach. Wie groß der Anteil ihres Mannes bei ihrer schreibenden Tätigkeit ist, weiß ich nicht. Er besitzt einen Buchladen. Doch eins ist gewiss: Sharon Goslings Romane beglücken mich immer wieder.

Ich habe mir "Der alte Apfelgarten" von Anja Kalischke-Bäuerle vorlesen lassen (das macht sie wundervoll). Dieses Mal nimmt uns die Engländerin mit an die Steilküste Schottlands. Kürzlich ist Bern Crowdie verstorben, Bettes und Ninas Vater. Nina lebt mit ihrem Sohn Barnaby auf dem familiären Bauernhof, und hat ihren liebenswerten Nachbarn Cam als wichtigen wie besonderen Freund an der Seite. Bette hat sich indes eine Kariere als Anwältin in London aufgebaut und steht kurz davor, Partnerin einer großen Kanzlei zu werden.

Doch die Beerdigung und Testamentsvollstreckung führt Bette in ihre alte Heimat, die sie vor Jahren verlassen hat. Nur für ein Wochenende will sie hier sein. Aber dann kommt alles anders. Denn das Testament stellt die beiden Schwestern vor neuen großen Herausforderungen: Der Hof ist verschuldet. Bette weiß, sie kann jetzt nicht zurück. Und bleibt bei ihrer Schwester, die ihr bisher mehr Zorn als Liebe entgegengebracht hat.

Nina kümmert sich weiterhin um den Hofbetrieb, Bette sichtet alle Unterlagen, sucht nach Lösungen und der Rauch zwischen den beiden nimmt ab. Als Bette das Grundstück von einer Immobilienmaklerin schätzen lassen will, entdeckt sie einen verborgenen Apfelgarten mit Bienen-Alkoven. Warum wussten die Schwestern bisher nichts davon? Als Cam einen fachkundigen Mann kommen lässt, um eine ungewöhnliche Apfelbaumsorte einorden zu können, trifft Bette auf denjenigen, der der Grund ihrer Flucht gewesen ist.

Nein, das Buch ist nicht gefühlig, eher herzenswarm. Es lebt durch die kleinen feinen Verflechtungen aller Akteurinnen, ist berührend wie mitreißend. Sharon Gosling erzählt leichtfüßig über schwere Themen wie ungleiche Schwesternschaft, und bezieht dabei die betörend schöne wilde Natur mit ein.

Der alte Apfelgarten

von Sharon Gosling

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Riot Girl
Simone Finkenwirth

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Den zweiten Monat in Folge steht Susanne Kaiser mit ihrem Krimi-Debüt "Riot Girl" in der Krimibestenliste. So was stimmt mich besonders neugierig. Daher habe ich das Buch aufgeschlagen.

Bevor wir in die Geschichte eintauchen, sollten Sie wissen, dass die Autorin bereits ein Sachbuch unter dem Titel "Backlash" veröffentlicht hat. Darin geht es um die neue Gewalt gegen Frauen. Ich erwähne dies deshalb, weil das Thema in dem Krimi eine zentrale Rolle spielt.

Die LKA-Forensikerin Obalski wird als verdeckte Ermittlerin beim Jugendamt in München eingesetzt. Sie soll Verbindungen und Infos zu einer neuen radikalen weiblichen Vereinigung "Influenzas" herausfiltern. Über Social Media planen die Mädchen Aktionen, einmal geht sogar ein Beben durch München.

Gleich zu Beginn wird die Ermittlerin mit einem verletzten Mädchen konfrontiert. Maja hat an den Handgelenken Verletzungen, die beim genaueren Hinsehen auf ein Symbol hindeuten. Handelt es sich um ein Runenzeichen? Als Obalski später Maja zu Hause aufsucht, macht sie erschreckende Entdeckungen.

Der Krimi ist rasant, nimmt natürlich im Verlauf an Spannung zu und wartet mit einem packenden Finale auf. Atemlos folge ich der sympathischen Ermittlerin. Man merkt der Autorin ihre Expertise an. So beschäftigt sich die Journalistin seit 20 Jahren mit den Machtverhältnissen zwischen Männern und Frauen in muslimischen und westlichen Gesellschaften. Sie schreibt und spricht u.a. für Die Zeit, Der Spiegel, Deutschlandfunk Kultur. Und teilt ihr Wissen auch bei arte, WDR und Pro7.

Ein zeitgemäßer Kriminalroman, der erneut verdeutlicht, welchen Einfluss die sozialen Netzwerke wie TikTok heutzutage haben können. Und wie sich Wut und Verzweiflung junger Frauen entladen kann. Viel schlimmer ist allerdings die Tatsache, was wirklich hinter der Aktion der Mädchen steht. Das lässt mich einerseits fassungslos zurück. Andererseits bin ich der Autorin dankbar, dass sie dieses Thema in ihrem literarischen Krimi aufdeckt.

Riot Girl

von Susanne Kaiser

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Der Schlaf der Anderen
Simone Finkenwirth

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Tamar Noort konnte mich vor drei Jahren mit ihrem Debüt "Die Ewigkeit ist ein guter Ort" als großen Fan für sich gewinnen. Mit ihrem neuen Roman hat mir die Autorin ein Herzensbuch geschenkt. Das Annerose Beurich genauso begeistert hat wie den NDR. Dieser hat "Der Schlaf der Anderen" zum Buch des Monats Juni gekürt. Das ist so schön und natürlich mehr als verdient!

Tamar Noort hat mich mit ihrem Debüt auch deshalb beeindruckt, weil sie ein Händchen für eigensinnige und doch liebenswerte Menschen hat. Sina und Janis führen das fort. Sina ist Lehrerin, Mutter zweier Kinder und hat ein ernstes Problem: Sie kann nicht mehr schlafen. Ihr neuer Hausarzt will ihr aber kein Schlafmittel verschreiben, sondern schickt sie ins Schlaflabor an. Diagnose: Verdacht auf Schlafapnoe.

Im Schlaflabor überwacht Janis seit Jahren die Patienten. Als sie Sina begegnet, duzt sie die neue Patientin sofort, spürt eine innige Verbundenheit. Weil beide am gleichen Tag Geburtstag haben? Nein, es ist etwas anderes, wie sich später herausstellt.

Sina braucht etwas Zeit, aber dann gelingt es ihr tatsächlich, in die warmen Arme des Schlafs zu sinken. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für eine SMS ihres Ehemannes. Janis sieht das auf ihrem Bildschirm und will verhindern, dass Sina aufwacht. Sie eilt in ihr Zimmer und erreicht genau das Gegenteil, indem sie Sina unabsichtlich anstößt.

Danach gewinnt der Roman an Geschwindigkeit, unerwartete und bisweilen urkomische Szenen spielen sich in abwechselnden Erzählperspektiven ab. Aus Patientin und Betreuerin werden Ausbrecherinnen, die die Nacht zum Tag machen. Eine Nacht, die alles ändert. Den beiden zu folgen, ist komisch und rührend zugleich.

„Der Schlaf der Anderen“ macht in vielerlei Hinsicht Schluss. Schluss mit den scheinbar richtigen und sicheren Lebensläufen. Schluss mit den Schubladen eines vermeintlich geordneten Lebens. Das Buch stimmt nachdenklich und brilliert mit unglaublich tollen, berührenden und skurrilen Szenen.

Der Sound wechselt zwischen Melancholie und Witz. Man seufzt, schweigt und lacht mit. Das Buch richtet sich an Lesende von guten Romanen und vor allem an alle, die sich im sogenannten richtigen Leben manchmal an der falschen Stelle fühlen. Und natürlich an alle, denen Schlaflosigkeit nicht fremd ist. Ich verspreche euch: Nach diesem Buch fühlen Sie sich in einer schlaflosen Nacht weniger allein.

Der Schlaf der Anderen

von Tamar Noort

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Schneeflocken wie Feuer
Frank Menden

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Die fast 80jährige Dora fährt zu einem Klassentreffen. Ein Anlass , um aus der heutigen Sicht auf die 17jährige Dora und ihre Jugend in den 1960ern der BRD zurückzublicken.
Auf das Leben mit der von chronischen Schmerzen geplagten Mutter, die ihre als Kind in der NS-Zeit aufgesogenen Ansichten immer wieder in ihre Erziehung einfließen lässt.
An den Vater, der psychisch und physisch Gewalt ausübte.
An die 13 Jahre jüngere Schwester, die sie abgöttisch liebt.
Und an eine Zeit, in der die Selbstbestimmung der Frau fast unmöglich war. Dora lehnt sich auf , rebelliert in dieser engen und spiessigen Welt und setzt ihr sexuelles Erwachen und das Bewusstsein über ihre körperlichen Reize zielgerichtet ein.

„Schneeflocken wie Feuer“ von Elif Conrad ist eine schonungslose Chronik eines Frauenlebens in der damaligen Zeit. Die Ich-Erzählerin reflektiert aus der Sicht der älteren Frau ihr Leben als Jugendliche, sieht die Verbindungen aus Politik und Gesellschaft. Dabei bewegt sie sich fließend durch die verschiedenen Zeitebenen und hat mich auch dank dieser Struktur und der präzisen und manchmal lakonischen Sprache gefesselt. Dieses so ehrliche wie kluge Buch über die Befreiung der Frauen von gesellschaftlichen Zwängen, über selbstbestimmten Sex und Körpergefühl, über Liebe und die Suche nach einem Platz im Leben gehört für mich zu den großen Entdeckungen dieses Frühjahrs.
Wer Annie Ernaux schätzt sollte sich dieses kühne und unkonventionelle Buch nicht entgehen lassen!

Schneeflocken wie Feuer

von Elfi Conrad

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Hallo, du Schöne
Frank Menden

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William Waters Start ins Leben ist kein leichter: kurz nach seiner Geburt stirbt seine ältere Schwester unerwartet an einer überstanden geglaubten Lungenentzündung. Die Eltern verfallen in eine Art Schockstarre, leben ihr Leben zwar weiter, können William aber weder Zuneigung noch Zuwendung geben. Einzig die Liebe am Basketball hält ihn im wahrsten Sinne aufrecht..
Als er am College Julia Padavano kennenlernt scheint sich alles zum Guten zu wenden. Die attraktive Frau verliebt sich in ihn, die Heirat ist beschlossene Sache, wie auch Julia alles andere genauestens plant. Das Wichtigste für William ist jedoch die Geborgenheit, die er durch Julia, ihre drei Schwestern und seine zukünftigen Schwiegereltern erfährt.
Und dann, eines Tages, kommt alles ganz anders und wird das Leben aller Beteiligten für immer verändern…

Barack Obama zählt diesen Roman zu seinen Lieblingsbüchern, die „New York Times Book Review“ war ebenfalls des Lobes voll. Ich verstehe dies sehr gt, ikst dies doch ein Roman, der einen von den ersten Zeilen an gefangen nimmt, der ProtagonistInnen hat, die man sich als Freunde und Bekannte wünscht und deren Leben zuzuschauen einen bei aller Tragik glücklich macht. Aber das größte Kompliment ist wohl, dass man dieses Roman auch nach 520 Seiten nicht beenden möchte.
Und wenn der Titel gegen Ende von einer Figur ausgesprochen wird bleibt kein Auge trocken.

Hallo, du Schöne

von Ann Napolitano

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Demon Copperhead
Simone Finkenwirth

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Wann hatte ich zuletzt mit einer literarischen Figur eine so enge Beziehung gehabt wie mit Demon Copperhead? Ich weiß es nicht. In jedem Fall spüre ich jetzt nach der Lektüre eine, sagen wir, literarische Melancholie. Abschied nehmen von einem Protagonisten, der mir ans Herz gewachsen ist. Gleichzeitig empfinde ich große Dankbarkeit für diese Begegnung. Für mich ist dieser Roman ein Meilenstein auf der Straße der vielen Neuerscheinungen.

Barbara Kingsolver war mir bis zu diesem Buch, ihrem ersten internationalen Bestseller, kaum bekannt. Dabei hat die amerikanische Autorin bereits sechzehn Bücher geschrieben, sechs wurden ins Deutsche übersetzt, die allerdings bei verschiedenen Verlagen erschienen sind. Für „Demon Copperhead“ hat sie den Pulitzer Preis und den Women’s Prize for Fiction erhalten – mehr als verdient!

Die Story beginnt Mitte der Neunziger Jahre mit der Geburt ihres Romanhelden. Demons Start ins Leben ist alles andere als leicht, seine Mutter ist ein Junkie, sein Vater tot. Die Mutter lebt in einem Trailer in den Wäldern Virginias – der Welt von Tabakbauern und Hillbillys. Als rothaariger Melungeon ist Demon eher ein Außenseiter, hat jedoch stets Menschen an seiner Seite, die ihn auffangen. So wie sein bester Freund Maggot, dessen Pflegeeltern sich Demon annehmen, später folgen noch Angus, Ms Annie, June, Emmie und Tommy. Wir verfolgen nicht nur Demons dramatische Lebensgeschichte, Barbara Kingsolver webt die verheerende Opioidkrise, die Amerika seit Mitte der Neunziger Jahre heimsucht, mit ein, sind nah dran an den Menschen, die damit leben und mitunter daran zerbrechen.

Barbara Kingsolver hat den sogenannten Hillbillys mit ihrem Werk ein Denkmal gesetzt. Sie hat mich mitgenommen in die dunkelsten Momente eines Menschenlebens und dabei stets am Horizont einen Hauch Hoffnung scheinen lassen, der alles trägt. Der dir sagt: Nie aufgeben, kämpfen lohnt sich! Und vielleicht wird am Ende doch noch alles gut. Wird es das? Das möchte ich nicht verraten, denn das Werk verdient noch viele weitere Leser:innen. Doch eine Gewissheit haben wir: Menschen wie Demon, vermeintliche Verlierer, können zu Gewinnern werden, wenn sie den Ungerechtigkeiten dieser Welt nur die Stirn bieten.

Demon Copperhead

von Barbara Kingsolver

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Ungebetene Gäste
Frank Menden

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Es beginnt alltäglich. Eine junge Mutter bietet dem in ihrer Wohnung arbeitenden Handwerker einen Kaffee und Kekse an, ihr einjähriger Sohn wuselt um sie herum.
Naomi versucht ihr Unbehagen gegenüber dem freundlichen und dem kleinen Uri sehr zugewandten Mann zu überspielen - und dann ist es passiert : in einem unbeobachteten Augenblick hat Uri den Hammer des arabischen Arbeiters vom Balkon gestoßen, ein sich auf der Straße befindender Jugendlicher wird von ihm erschlagen.
Schnell kochen die Emotionen hoch, von einem Attentat ist die Rede.
Naomi löst das Missverständnis nicht sofort auf, stellt sich dann aber doch der Polizei.
Aber die Schuldgefühle wird sie auch nach einem etwas überstürzten Umzug nach Lagos nicht los, wie auch die Familien der anderen Beteiligten nicht zur Ruhe kommen…

Ayelet Gunder-Goshen verhandelt in ihren Romanen mit psychologischen Geschick Fragen der Moral. So auch ihr neuer Roman „Ungebetene Gäste“ , übersetzt von Ruth Achlama.
Eindringlich schildert sie, wie sich eine Gemengelage aus Schuld, Mitgefühl, unausgesprochenen Geheimnissen und bewusstes Wegsehen vor den Konsequenzen des eigenen Handelns zu immer neuen Konflikten führen.
Mich hat dieses Buch einmal begonnen nicht mehr losgelassen. Spannend wie ein Krimi, von einer mitreißenden Stringenz, zeigt Ayelet Gunder-Goshen wie sehr Lügen, und seien sie auch noch so gut gemeint, unser Leben prägen und zu zerstören im Stande sind. Und das selbst in bester Absicht ausgeführte Handlungen oftmals verheerende Folgen haben können, niemand moralisch überlegen ist.
Beeindruckend und nachdenklich stimmend.

Ungebetene Gäste

von Ayelet Gundar-Goshen

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Die Rettung
Simone Finkenwirth

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Stürmisch, dunkel, unheimlich, anarchisch und unglaublich anziehend ist der neue Roman von Charlotte McConaghy. „Die Rettung“ hat mich förmlich mitgerissen. Immer noch stehe ich auf Shearwater Island und kann nicht fassen, was ich da aufgelesen habe.

Die Insel liegt mitten im Südpolarmeer, ist „fünfzehnhundert Kilometer entfernt vom nächsten Land.“ Dort leben Dominic und seine drei Kinder: Raff, Fen und der jüngste Spross Orly. Sie sind die Hüter der wichtigsten Samen der Welt, die sie bewahren und retten müssen. Bevor die Insel vom Wasser überschwemmt wird. In wenigen Wochen sollen sie abgeholt werden. Doch jetzt spült das Meer ein lebendiges Wesen an den Strand. Die mit dem Wasser verbundene und ausgezeichnete Schwimmerin Fen fischt das menschliche Treibgut an. Und welch Wunder: Der Mensch lebt noch! Wie ist das möglich? Wunder gibt es immer wieder.

Rowan heißt die Überlebende, die nicht zufällig an diesem Ort. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, denn das würde den Spannungsbogen zersprengen.

Weshalb ich Charlotte McConaghy derart schätze, ist einerseits ihr erzählerisches Talent. Mitreißend und spannend waren auch ihre vorangegenen Werke: „Zugvögel“ und „Wo die Wölfe wohnen“. Andererseits ist sie Botschafterin der Natur- und Tierwelt. Kaum eine versteht es, auf die wichtigen wie existenziellen Themen wie Klimawandel, Artenschutz anzugehen, fundierte Sätze über den Zustand der Welt darzulegen. Trauma und psychische Erkrankungen begleiten ihre Werke wie das Rauschen des Meeres, das Rascheln der Blätter und die Stimmen der Tiere.

„Die Rettung“ gräbt sich erneut tief in die Seelen der Lesenden, indem sie obendren über den Tod, Verlust, die allumfassende Liebe, Familie, Elternschaft und die Hoffnung schreibt. Ob am Ende alles gut wird?

Die Rettung

von Charlotte McConaghy

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Die Chance unseres Lebens
Simone Finkenwirth

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Alles richtig gemacht, lieber Fischer Verlag! Genau einem Jahr nach dem wundervollen Debüt „Helle Sommer“ gibt’s zum nahenden Sommer von Sophie Astrabie das zweite Buch, das perfekt in die Urlaubstasche passt. Wie schon in ihrem Erstling konnte mich die Französin erneut von der ersten Zeile an für sich gewinnen.

„Man muss an das Glück glauben. Nur so kann es existieren.“ Das sagt Sara ihrem guten Freund Stanislas. Wahre und gute Worte von einer unsteten Frau. Die beiden haben sich in der Schule kennengelernt und ein inneres Band geknüpft. Das aber je unterbrochen wurde. Und jetzt viele Jahre später schreibt Sara Stanislas, nachdem sie eine Todesanzeige von seinem Namensvetter in der Zeitung gesehen hat. „Ich hoffe, ich höre von dir“, schreibt sie. Dieser Satz versetzt Stanislas in Aufruhr, raubt ihm den Schlaf.

Er antwortet. Natürlich. Was dann passiert, ist aufregend schön. Nicht glatt und weder kongruent. Doch Stanislas kann nicht anders, als Sara zu folgen. Was seinem guten Freund Laurent so gar nicht gefällt. Er hat für den 39jährigen eine andere Frau entdeckt.

Ich weiß nicht, wie sie das machen, die Franzosen. Aber es gelingt ihnen stets mit einem ganz eigenen Ton flirrende Liebesgeschichten zu erzählen, ohne kitschig zu werden.

An Sophie Austrabie liebe ich besonders die rotzige Melancholie. Wenn es die so überhaupt gibt, aber die Umschreibung fiel mir nach der Lektüre ein. Astrabies Ton
ist witzig, würzig und absolut miteißend. Doch bei aller Überheblichkeit baut die Autorin nachdenkliche Gedanken ein. Obendrein ist sie eine Meisterin von spannenden Plots, quirligen Dialogen und abstrusen Momenten. C'est très bien!

Die Chance unseres Lebens

von Sophie Astrabie

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Fast & Tasty
Simone Finkenwirth

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Bis zu diesem Kochbuch war mir Achim Oecal nicht vertraut. Obwohl der Autor des Kochbuchs im Instagram-Universum über 1,9 Millionen Follwer:innen hat. Oha! Das ist eine Zahl, bei der mir sofort heiß wird. Wie bei seinen einfachen und leckeren Gerichten.

Dass Achim ein großer Feigen-Fan ist, wird mir schon bei seinen Vorspeisen klar. Und ich frage mich: Warum ist mir diese Kombination nicht schon früher eingefallen? Ich denke hier an den gebackenen Feta mit Feigen. Sie brauchen neben Feta und Feigen nur noch 20g geröstete Pinienkerne, Honig und Thymian. Oder die Feigenrosen. Zusammen mit Walnusskernen, einer Kugel Burrata, Honig und sechs Schreiben Serranoschinken erleben Sie eine Geschmacksxeplosion auf der Zunge.

Auch die kalte-Avocado-Gurken-Suppe hat es mir angetan. So easy und lecker. Daran schließt sich gleich noch der warme Süßkartoffel-Salat an. Apropos Süßkartoffel, da hat Achim noch ein schnelles und raffiniertes Gericht parat: Gefüllte Süßkartoffeln, für die man nur Feta; Paprika, 2 Eier, Olivenöl und eine Frühlungsziebel braucht.

Sie sehen, Achim Oecal löst sein Titel-Versprechen ein. Wie schnell und raffiniert man kochen kann, zeigt der Koch auf einfache Art. Weiter hinten gibt es noch reichhaltigere Rezepte, die in ihrer Zubereitung nicht kompliziert sind, aber tiefergehender, allerdings nur ein bisschen. Dieses Kochbuch ist eine schnelle und tolle Inspirationshilfe für die alltägliche Küche!

Fast & Tasty

von Achim Oecal

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Der Kaiser der Freude
Simone Finkenwirth

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Wie soll ich Ihnen in wenigen Worten dieses unglaublich reichhaltige und beeindruckende Buch nur schmackhaft machen? Maike Albath hat für ihre wohwollende Besprechung im Deutschlandfunk 19 Minuten in Anspruch genommen. Okay, I'll try it shorter.

Vielen von Ihnen ist Ocean Vuong sicherlich mit seinem beliebten Debüt „Auf Erden sind wir kurz grandios“ vertraut. Ganze fünf Jahre mussten alle Vuong-Fans nun warten. Aber hier trifft der Spruch voll zu: „Wer warten kann, der wird belohnt.“ Für mich zählt „Der Kaiser der Freude“ schon jetzt zu meinen Jahreshighlights.

Warum? Nun, ich bin eine Freundin von bildstark erzählten Geschichten und habe ein großes Herz für alle Menschen, auch für die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren sind, kämpfen und täglich ihre Tapferkeit unter Beweis stellen müssen. Davon gibt es hier einige wie Hai, er ist die Hauptfigur. Der 19jährige hat seinen College-Abschluss in New York versemmelt. Er hat sich durch die exzessive Einnahme von Tabletten, und einen sehr guten Freund verloren. Nun weiß er nicht mehr weiter. Will sich in den Fluss stürzen, der sich durch das freudlose Städtchen East Gladness, in New England, bewegt. Doch kurz vor seinem Sprung flattern ihm Kleider ins Blickfeld. Die kommen von Grazina. Eine alte Dame aus Litauen, die wohl ahnt, was der Knabe vorhat. Sie nimmt ihn kurzerhand bei sich auf, bis es ihm wieder besser geht. Doch als Erstes soll er erstmal auf Brötchen treten, das helfe in Krisen. Und reichlich Möhren knabbern: „Karotten sind Wurzeln. Und Wurzeln verhindern, dass man trübsinnig wird.“ So besagt es eine Tradition aus Litauen. Möhren gedeihen in der dunklen Erde, doch trotzdem sind sie voller Farbe und Licht.

Sie einigen sich darauf, dass sich Hai um Grazina kümmert, denn die Dame lebt allein in einem verfallenen Haus, hat Demenz und immer wieder kleine Aussetzer. Wie Hai diesen begegnet, rührt mein Herz.
Als das Geld ausgeht, sucht sich Hai einen Job, und strandet im HomeMarket, einem Schnellimbiss, in dem auch sein Cousin Sony arbeitet. Die Chefin ist eine große Erscheinung und außerdem Wrestlerin. Dort findet Hai eine zweite Wahlfamilie, alle haben ihre Päckchen zu tragen, sind liebenswert. Was Voung aus diesem Schnellimbiss macht, ist umwerfend. Und ein Statement, ein Denkmal.

Ocean Vuong wollte viel in seinem zweiten Roman. Er hat nicht nur Operah Winfrey berührt, er hat mich ebenso tief getroffen und gefüllt wie eine Weihnachtsgans. „Der Kaiser der Freude“ atmet und lebt durch so vieles: Skurrile Momente, Lebensklugheit, Solidarität, formschöne Sätze, tröstliche Gedanken, eine starke Gemeinschaft und eine große Menschlichkeit. Sie leuchtet. Und ist das tragende Element. Das immer noch bei mir ist wie dieses umwerfend famose Buch, das ich einfach noch nicht loslassen will.

Der Kaiser der Freude

von Ocean Vuong

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Einer fehlt
Frank Menden

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In den Büchern von Tommie Bayer geht es immer wieder um Freundschaft, Liebe und Kunst. Diesmal sind die Protagonisten drei Herren um die 70, und es ist kein Wunder, dass es sich um einen Filmkomponisten, einen Maler und einen Verleger handelt, wobei der Maler nach dem Tod seiner Frau spurlos verschwunden ist. Aus Angst, dass er sich etwas antun könnte, machen sich seine beiden Freunde auf die Suche nach ihm. Die Spur führt im komfortablen Jaguar nach Italien. Ein Roadmovie also, in dem traumhafte Kulissen, gutes Essen und geistreiche Gespräche eine gelungene Mischung bilden.

Immer wieder gibt es Rückblenden. Wie haben sich die Freunde kennengelernt? Wie haben sie sich entwickelt? Und welche Rolle spielte eine ganz bestimmte Frau im Leben der drei? Und was bedeutet überhaupt Freundschaft?

Wieder einmal ist es Thommie Bayer gelungen einen leichten Roman mit Tiefe zu schreiben. Ein wunderbares Buch für den Lesehunger zwischendurch - und das perfekte Geschenk für alte Freunde.

Einer fehlt

von Thommie Bayer

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Auf der Kippe
Frank Menden

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Wie betrachten wir unser Leben angesichts einer großen Katastrophe?

Annie hatte sich ihr Leben anders vorgestellt. Eine große Dramatikerin wollte sie werden, Pulitzerpreis inklusive. Doch nach dem ersten vielversprechenden Stück passierte … nichts. Das Geld wurde knapp, Kompromisse wurden gemacht, die Jahre zogen vorbei, die Notizbücher blieben leer. Ehemann Dom wartet seit Ewigkeiten auf den Durchbruch als Schauspieler, hangelt sich von Vorsprechen zu Vorsprechen.
Nicht die besten Vorraussetzungen, um auch noch ein Kind in die Welt zu setzen .

Aber nun steht Annie schwanger bei IKEA in Portland. Es ist heiß, die Verkäuferin nur mäßig gewillt zu helfen und das gewünschte Babybett scheint ausverkauft zu sein.
Da beginnt die Erde zu beben : das seit Jahrzehnten befürchtete große Erdbeben verwüstet die Westküste der USA.
Wie durch ein Wunder überlebt Annie - und kennt nur ein Ziel: sie muss ihren Mann finden.
Während sie durch das zerstörte Portland irrt, Fremden hilft und Hilfe erfährt, lässt sie ihr Leben Revue passieren - und versucht im Angesicht des Schreckens für ihr Kind zu überleben….

„Auf der Kippe“ von Emma Pattee hat mich überrascht. Überrascht wegen der vielen Themen, die sehr ernsthaft, aber auch mit unerschrockenen Witz aufbereitet werden.
Vor allem aber hat mich Annie von den ersten Sätzen an „gehabt“: eine Protagonistin, der ich gerne durch das äußerliche und innere Chaos gefolgt bin, deren Cheerleader ich während der 249 Seiten geworden bin und die ich nur ungern habe gehen lassen.
Ein nicht nur durch das Setting ungewöhnlicher Debütroman der Journalistin Emma Pattee.
Es wird hoffentlich nicht ihr letzter sein.

Auf der Kippe

von Emma Pattee

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Ámbar
Frank Menden

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Mit 12 lernte Ambar von ihrem Vater Kugeln zu entfernen und Wunden zu nähen. Ein Jahr später brachte er ihr das Schießen bei und wie man ein Auto kurzschließt.
Für die mittlerweile 15jährige Ambar ist es also normal, mit ihrem kostbarsten Besitz, einer Schrotflinte, ihren Vater zu begleiten – Victor Mondragon ist schließlich ein gefährlicher und gesuchter Gangster.
Doch das von Gewalt, gefälschten Pässen, Scheinidentitäten und immer neuen Unterkünften geprägte Leben hat zwar durchaus seinen Reiz, aber was, wenn sie ihrem geliebten Vater doch nicht so voll vertrauen kann wie immer gedacht?

Mit einer ungewöhnlichen Protagonistin wartet dieser hochgelobte argentinische Thriller auf. Und nicht nur dies ist ungewöhnlich an dieser explosiven und absolut kurzweiligen Mischung aus Road-Novel, Coming-of-age Geschichte und rasantem Thriller. Wie Nicolas Ferraro durch die Augen Ambars die ( argentinische ) Machokultur entlarvt und wie sich seine zwar noch durchaus kindliche aber äußerst gewiefte Heldin in ihr behauptet, das muss man einfach gelesen haben. So einen Thriller, so eine Heldin hat man schon lange nicht mehr erlebt, wenn überhaupt. Rasant, knackig, explosiv!

Ámbar

von Nicolás Ferraro

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Yellowface
Frank Menden

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Juniper Hayward ist eine leidlich erfolgreiche Autorin, ihre Bekannte Athena Lius dagegen ein richtiger Str der Literaturszene. Als die beiden Athenas Netflix Deal feiern und leicht alkoholisiert in Atenas Wohnung ein Pancake-Wettessen veranstalten, verschluckt sich diese so doll, dass sie erstickt.
Juniper ist völlig geschockt, geniesst aber gleichzeitig die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Und da ist ja auch noch das Manuskript, dass sie von Athenas Schreibtisch mitgenommen hat: der Entwurf ihres neues Romans.
Junier beginnt diesen zu überabeiten, schickt die neue Fssung an ihren Agenten - und alle sind begeistert. Das Buch wird ein Risenerfolg, alle feiern Juniper als den neuen Star am Literaturhimmel, bis....

Dieser Roman ist eine so beißende wie unterhaltsame Satire auf den modernen Literaturbetrieb und zugleich ein willkommener Diskussionsanlass um identitätstheoretische Diskurse.
Vor allem aber sollte man sich diesen profunden und mitreissenden Lesespaß auf keinen Fall entgehen lassen!

Yellowface

von Rebecca F. Kuang, R. F. Kuang

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Drei Sommer lang Paris
Frank Menden

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Ich wollte so viel, am liebsten alles auf einmal.“

Im Sommer 1989 wird der Ausreiseantrag der 21jährigen Ulrike bewilligt. Ihr Weg aus der DDR führt sie nach Paris, zu Mutter und Stiefvater. Ohne Französischkenntnisse stürzt sie sich in die Stadt, die sie bislang nur aus Büchern und von Bildern her kannte. Bewaffnet mit ihrer Kamera und einer jugendlichen Unbedarftheit schafft Ulrike sich eigene Bilder der Metropole, erschließt sich die Sprache und, erst zaghaft, dann immer bestimmter, ein Leben in Paris.
Doch während sie sich von ihrer Herkunft, ihrem alten Leben emanzipiert, bricht ihre alte Heimat zusammen. Wer ist man, wenn man kein Land mehr hat, in das man zurückkehren kann? Erkennt man Geschichte während sie passiert? Und ist ein Sehnsuchtsort der richtige Platz für ein neues Leben?

2021 erschien „Kassbergen“ von Patricia Holland Moritz, ebenfalls im Aufbau Verlag, und hat mich sehr begeistert. Jetzt erzählt die Autorin Ulrikes Geschichte weiter, und auch „Drei Sommer lang Paris“ habe ich wieder mit großer Freude gelesen ( man kann die Romane auch gut unabhängig voneinander lesen ).
Zwar ist dieser Roman konventioneller erzählt, aber die Autorin schafft auch hier eine neue Perspektive, einen neuen Blick auf die DDR zu werfen und eine Vielzahl von Themen aufzubereiten.
Vor allem aber schafft sie es hervorragend das Zeitgefühl der damaligen Zeit zu vermitteln. Und Patricia Holland Moritz gelingt das Kunststück, die schon vielfach beschriebene Stadt Paris neu erlebbar zu machen, sie mit ihrer Protagonistin neu zu entdecken.

Ein wunderbarer Paris Roman, eine mitreißende Entwicklungsgeschichte, ein erfrischender Sommerroman und ein Buch über die DDR.
Liebe Patricia Holland Moritz: ich würde Ulrike auch in einem dritten Roman folgen.

Drei Sommer lang Paris

von Patricia Holland Moritz

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Die Frau im lila Rock
Simone Finkenwirth

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Sie geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf: Die Frau im lila Rock. Eine komische Person. Aber noch seltsamer ist ihre Beobachterin: Die Frau mit der gelben Strickjacke. Sie erzählt uns diese Geschichte. Sehr akribisch dokumentiert sie beinah jede Regung dieser fremden Person von der Parkbank. Sie weiß, wann die Frau im lila Rock arbeitet und wann nicht. Als sie im gleichen Hotel beginnt wie ihre Beobachterin, sind wir ihr ganz nah. Schmunzeln oft über die naiven Reaktionen der Frau im lila Rock.

Doch wer glaubt, sie hätte alles im Überblick, täuscht sich. Denn unsere Ich-Erzählerin spinnt ein Netz, in dem man sich sehr schnell verfängt und hängenbleibt. Und am Ende gibt es einen Aufschrei. So ist es mir ergangen. Denn ich wusste nach dem Buch nicht, wohin mit meinen Gedanken und wie ist doch gleich die (Auf)-Lösung?

Natsuko Imamura hat mit ihrem schmalen, aber gehaltvollen Band nicht nur mich, sondern auch Leila Slimani, Hiromi Kawakami und Paula Hawkins begeistert. Es ist ein Buch über eine eigenartige Obsession und Observation.

„Die Frau im lila Rock“ ist durch und durch Japanisch. Suspekt , nah am Leben dran und irgendwie nicht von dieser Welt. Man steht Kopf, der gleichwohl von einer frischen Brise durchgeschüttelt ist, und sich nach der Lektüre erst einmal neu sortieren muss. Allerbestes Lesefutter für alle Japanfans und Lesekreise. Denn wie viel man über die 127 Seiten sprechen kann, weiß ich nun. Und es ist noch nicht zu Ende.

Die Frau im lila Rock

von Natsuko Imamura

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Great Big Beautiful Life
Simone Finkenwirth

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Emily Henry beschert uns jedes Jahr zum Sommer einen neuen Roman. Ihre Bücher sind so sicher wie das Amen in der Kirche. Jeder Roman ist eine erfrischende Lesefreude. Doch dieses Mal ist etwas anders. Halt, nicht zurückschrecken, denn das Anders finde ich gut. Und dass ihre Schriftstellerkollegin Taylor Jenkins Reid ihrem neuen Roman mit einem wohlwollenden Zitat schmückt, dürfte alle Plagiatsvorwürfe abprallen lassen.

Denn in der Mitte treffen sich die beiden. Wie in Reids Roman „Die sieben Männer der Emily Hugo“ steht eine glamouröse Frau im Zentrum der Geschichte. Bei Reid war es Evelyn Hugo, bei Henry ist es Margaret Ives, die Tochter einer skandalumwitterten wohlhabenden Familie. Margaret möchte ihre Geschichte in einem Buch erzählen. Und sucht nur noch die Richtige oder den Richtigen, die/der das aufschreibt.

Nun stehen sich der Pulitzer-Preis-Gewinner Hayden Anderson und die Ich-Erzählerin Alice Scott gegenüber. Zwei gegensätzliche Menschen. Alice ist ein Sonnenschein und ein optimistischer Zeitgeist. Hayden recht grummelig. Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Das hat sich offenbar auch unsere Autorin gedacht. Während Alice frei von der Leber heraus über Margaret sprechen möchte, blockt Hayden alles ab. Was er jedoch schwer verdecken kann, sind seine Gefühle, doch er bleibt hart „Ich werde mich mit niemanden einlassen, dem ich den Traumjob wegenehmen werde.“ Oha, das hat gesessen!

Die beiden konkurrieren um ihre Beute. Denn Margaret wird sich einen Monat lang mit den beiden treffen und dann entscheiden, wem sie ihre Zusage für das Buchprojekt geben wird.

Emily Henry ist beliebt und bekannt für ihre fluffigen, charmanten Romane, in denen die Liebe stets im Mittelpunkt steht wie Freundschaftsgeschichten. In diesem Buch hat sie eine neue Weggabelung eingeschlagen. Der Ton zwischen den beiden Akteuren ist natürlich ganz im Emily Henry Stil äußerst übermütig, charmant und zum Schmunzeln. Doch Margarets Geschichte verströmt ernste, andere Nuancen. Und ich spüre, die Autorin will mehr als nur locker leicht sein. Ein Wagnis. Was sie aber für mich eingelöst hat.

Great Big Beautiful Life

von Emily Henry

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Und ich werde dich nie wieder Papa nennen
Simone Finkenwirth

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Caroline Darian ist die Tochter von Gisèle Pelicot, die über acht Jahre lang von ihrem Mann betäubt und von anderen Männern missbraucht wurde, ohne, dass sie davon wusste. Viele haben den Prozess sicherlich beobachtet. Doch ganz nah am Geschehen waren nur wenige. Das holt Caroline Darian mit ihrem wichtigen Buch nach. Caroline ist die Tochter von Gisèle Pelicot.

Wie konnte das passieren? Durch „chemische Unterwerfung“ - „Medikamente wie Schlafmittel, Antiallergika oder Hustenmittel, die eigentlich heilen sollen“ kommen zum Einsatz, und betäuben die Opfer. Werden ins Essen oder Getränke gefüllt. Dann fallen sie in einer Art komatösen Schlaf und bekommen nichts mit.

Dominique Pelicot hat verschiedene Männer zu sich nach Hause geholt, die seine betäubte Frau vergewaltigen, was er aufgenommen hat. Junge Familienväter waren dabei wie 70jährige. Er selbst hat dies auch bei anderen Frauen gemacht. Wie kann man nur?

Was macht das mit den Angehörigen? Und vor allem mit dem Opfer? „Leider hängt die Versorgung noch sehr von der Willensstärke der Opfer ab und ist zu wenigen von ihnen zugänglich.“ Gisèle Pelicot hat das Glück, drei erwachsene Kinder zu haben, die sich ihrer annehmen.

Als Caroline von sich auch eine Aufnahme sieht, weiß sie: Sie selbst ist ein Opfer geworden, durchlebt ein Trauma. Panikattacken überfallen sie, rauben ihre jede Kraft, aber sie bleibt stark, denn sie will kämpfen.

Das Buch macht fassungslos, aber es ist so wichtig! Neben den persönlichen Einblicken in ihr Innerstes zeigt die Autorin auf, was diese Gewalttat mit Betroffenen macht und ist ein Weckruf: „Seien Sie auf der Hut, wenn Ihr Gedächtnis Sie regelmäßig im Stich lässt. Suchen Sie lieber einen Arzt auf und unterziehen Sie sich einer toxilogischen Analyse.“

Und ich werde dich nie wieder Papa nennen

von Caroline Darian

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Das Echo der Sommer
Simone Finkenwirth

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Elin Anna Labba ist eine schwedisch-sámische Journalistin und Autorin. Bereits ausgezeichnet mit dem wichtigsten schwedischen Buchpreis sowie den renommierten Norrlands-Literaturpreis für ihr Sachbuch über die Zwangsumsiedlung der Samen.

Rávdná ist eine von drei samischen Frauen, die Elina Anna Labba in ihre Familiengeschichte eingewoben hat. Sie lebt mit ihrer Schwester Ánne und ihrer Tochter Ingá im Wechsel der Jahreszeiten zwischen dem sogenannten Sommer- und Winterland.

Als die Frauen in ihr Sommerland zurückkehren, ist alles überflutet. Der Grund ist der Staudamm, der ein neues Zeitalter der Energieversorgung einläuten soll, aber ausgerechnet den Lebensraum der Samen entscheidend einschränken würde. So kollidieren zwei Welten: Die Samen wollen weiterhin ihr traditionelles Leben am See führen, Fische fangen und in ihren Häusern bleiben. All das sollen sie opfern, um den Weg freizumachen für eine sogenannte neue, ökologische Produktion von Wasserkraft.

Die Geschichte erstreckt sich über 30 Jahre, ich begleite die kleine Ingá, die zur erwachsenen Frau wird. Erlebe Ànnes Krankheit, eine von tiefer Trauer getragenen Frau, die sich immer mehr zurückzieht, bald nicht mehr zu sehen ist, bis sie ganz verschwindet. In den Armen des Sees. Überhaupt der See! Eigentlich der vierte Protagonist, spricht er doch zu uns und ist das bindende Glied zwischen den Kapiteln.

Und er bleibt in meinem Gedächtnis. Wie ein Echo. Und all die mutigen und tapferen Menschen, die für ihre Selbstbestimmung kämpfen. Für die Verbundenheit von Mensch und Natur. Ohne die es bald keine Sommer mehr geben wird.

Das Echo der Sommer

von Elin Anna Labba

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Zuhause ist das Wetter unzuverlässig
Frank Menden

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„Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken.
Man muss nur gehen: Kein Gefühl ist das fernste.“ ( Rainer Maria Rilke )

Im Sommer soll Schluss sein. Schluss mit allem. Vierzig Tage, so lange währt die festgesetzte Frist der namenlosen Erzählerin.
Vierzig Tage, in denen sie ihr eigenes Leben Revue passieren lässt, aber auch die der Frauen vor ihr .
Es entstehen Muster weiblichen Lebens, Muster voller Erwartungshaltungen und Ansprüchen, die keinen oder kaum Platz lassen für Träume, für Freiräume.
Es sind Leben, die von patriarchalen Strukturen geprägt sind. Doch bleibt am Ende wirklich nur der eigene Tod, um alles Alte hinter sich zu lassen ?

Es ist nicht so einfach „Zuhause ist das Wetter unzuverlässig“ zusammenzufassen.
Die Autorin verknüpft Geschichten mit tagebuchartigen Passagen, es gibt Einschübe zu Literatur, zu Autorinnen.
Was evtl etwas unstrukturiert klingt ist aber ungemein lesbar - und beeindruckend, wie sehr diese Form die Themen verdichtet.
Individualität und das Kollektiv gehen so eine zwingende Verbindung ein in einem durch und durch überzeugenden Text.
Klasse !

Zuhause ist das Wetter unzuverlässig

von Carolin Würfel

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Simone
Frank Menden

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„Einen Tag vor ihrem Tod rief Simone mich noch einmal an. Das weiß ich genau, denn ich hatte keine Zeit.“

Mit diesen Sätzen beginnt „Simone“ von Anja Reich.
Es ist die Geschichte einer Spurensuche, einer Suche nach den Gründen, warum sich Simone, die bewunderte Freundin seit Teenagerzeiten, mit 27 das Leben nimmt.
Es ist gleichzeitig auch eine Geschichte der DDR und über die Umbruchjahre nach der Wende, die für manche einen Neuanfang bedeutete, für andere hingegen einen kompletten Bruch, der schwer - wenn überhaupt - zu kitten war.

In Gesprächen mit den Eltern, dem Bruder und alten FreundInnen Simones geht die Journalistin Anja Reich der Frage nach, wie es so weit kommen konnte, dass diese junge Frau, die in der DDR quasi ein High Society Girl war und für die die Wende keinen sichtbaren Bruch bedeutete, keinen Sinn mehr in ihrem Leben sah.

Mich hat dieses Buch sehr aufgewühlt, sicherlich weil auch ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich ein Bekannter das Leben genommen hat. Die Frage nach dem „Warum“ treibt einen ebenso um wie das „Hätte ich etwas bemerken müssen, etwas tun können.“
Anja Reichs Buch weist über diese Fragen hinaus. Sie stellt einen biografischen, gesellschaftlichen und soziologischen Zusammenhang her, setzt sich mit psychologischen Krankheiten auseinander ( sie erfährt im Laufe ihrer Recherche, dass Simone an Depressionen litt) und fügt alle Puzzleteile zu einem komplexen Ganzen zusammen, das uns Simone nahebringt.
Den psychischen Kraftakt der Autorin beim Schreiben dieses Buches kann man immer wieder zwischen den Zeilen lesen und ich habe große Hochachtung vor ihrer Leistung.

Ein ungemein bewegendes und erschütterndes Buch!

Simone

von Anja Reich

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Windstärke 17
Simone Finkenwirth

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Der zweite Roman ist immer ein Wagnis. Für die Schreibenden, den Verlag und die Leserschaft. So habe auch ich dem neuen Roman von der gefeierten Bestsellerautorin mit großer Erwartung entgegengefiebert.

Dieses Mal steht Tildas kleine Schwester im Mittelpunkt. Ida befindet sich am Tiefpunkt ihres jungen Daseins. Nachdem sich ihre Mutter an einem Wochenende der Abwesenheit mit einer Überdosis das Leben genommen hat, spürt Ida eine schwere Last der Schuld auf ihren zarten Schultern. Doch statt die Hilfe von ihrer Schwester anzunehmen, macht sie einfach dicht, verschließt sich, tobt in einem Vakuum aus Gefühlen und Gedanken. Sie knallt uns ihre Wut entgegen. Die ist es auch, die mir den Einstieg nicht leicht gemacht hat. Es stürmte gewaltig. Trotzdem hält mich Caroline Wahl mit ihrem unvergleichlichen Sound fest, für auch die auch Benedict Wells bewundernde Worte gefunden hat.

Während ich ganz zersaust neben Tilda stehe, gesellen sich plötzlich Marianne und Kurt zu mir. Zwei Sonnen, die nicht nur mir gut tun. Diese beiden Menschen nehmen sich der wütenden jungen Frau auf Rügen an. Genau dorthin flüchtet sich Ida. Im Wasser fühlt sie sich Zuhause, hier taucht sie ein, fordert das Meer heraus: „Das Meer, das so krass wunderschön und gewaltig ist, zeigt mir, dass ich mit meinen Nichtigkeiten ganz klein und egal bin.“ Findet Ida auf Rügen, das, was sie sucht und braucht? Und was ist mit Leif, der plötzlich auftaucht, ein Star-DJ, der von der Bühne getreten ist, und auch durche tiefe Wasser schwimmt...

„Windstärke 17“ kann man als Fortsetzung lesen, aber genauso unabhängig. Doch begeisterte Leser:innen von „22 Bahnen“ werden sich in dem Roman zu Hause fühlen, und noch etwas feststellen: Dieser Roman mag im Grundton dem Debüt ähneln, aber er überragt seinen Vorgänger, und macht deutlich: Hier entwickelt sich eine vielversprechende Autorin, von der wir zukünftig noch mehr lesen wollen.

Windstärke 17

von Caroline Wahl

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Very Bad Company
Frank Menden

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Das Start-Up „Aurora“ lässt es an seinem exclusiven Wochenende für die Führungskräfte richtig krachen: ein Luxushotel in Miami Beach, Spabesuche, Jet-Ski Ausflüge, das Essen ist exquisit. Hier bleiben keine Wünsche offen.
Doch hinter der glattpolierten Fassade brodelt es. Was bedeutet die Einstellung von Caitlin, einer enorm erfolgreichen Eventmanagerin, für ein Unternehmen, dass keine Events ausrichtet? Welche große Ankündigung will Chef John Schiller machen? Was treibt Personalchefin Olive wirklich um ? Und ist Johns persönliche Assistentin Madison ihm wirklich so ergeben wie es scheint?
Als dann eine Angestellte spurlos verschwindet und diverse Geheimnisse an die Oberfläche kommen ist klar: in dieser Firma kann man keiner Person vertrauen…

Nach „Bad Summer People“ hat Emma Rosenblum nun mit „Very Bad Company“ ( ein wunderbares Wortspiel ) nachgelegt. Man kann sich dem Sog dieser Geschichte nicht entziehen, sie bietet Glamour, Klatsch und Spannung und ist wie der Vorgänger unputdownable.

Ein wunderbarer kurzweiliger Spaß für die sonnigen Frühlingstage.

Very Bad Company

von Emma Rosenblum

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Der Duft des Wals
Frank Menden

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Dieser Roman kam genau zur richtigen Zeit. Ich suchte etwas kurzweiliges, mit Witz, aber nicht zu cheesy - et voila: „Der Duft des Wals“ von Paul Ruban , erschienen i Aufbau Verlag, übersetzt von Jennifer Dummer.

Schauplatz: ein All-Inclusive Luxus Ressort in Mexiko.
Hier wollen Hugo und Judith zum letzten Mal versuchen, ihre Ehe zu kitten - während Tochter Ava alles zeichnet was ihr vor die Augen kommt.
Stewardess Celeste möchte endlich einen Geist aus ihrer Vergangenheit loswerden ( und damit auch die nicht enden wollende Selbstgeisselung ).
Zimmermädchen Belen leidet an Narcolepsie, währenddessen Waldemar nicht nur ihre Liebe sondern auch seinen Posten als Chefportier zurückgewinnen will.
Ob es bei all diesen Bemühungen hilfreich ist, dass am Strand des Hotels ein toter Wal strandet, explodiert und einen bestialischen Gestank verbreitet?

Dies ist ein 220 Seiten andauerndes Vergnügen. Gut beobachtet, pointiert geschrieben ( Paul Ruban ist auch Drehbuchautor ) und herrlich unterhaltsam, voller Situstionskomik und Skurrilitäten - und auch ein wenig Stoff zum nachdenken.

Wer beim lesen gerne schmunzelt oder leise lacht sollte diesen Duft des Wals schleunigst inhalieren.

Der Duft des Wals

von Paul Ruban

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Somebody told me
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Bücher über die Wechseljahre gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die besten herauszupicken, sehe ich als meinen Auftrag. „Somebody told me“ von Susanne Liedtke und Dr. med. Christina Enzmann zählt zu solchen herausragenden Titeln.

Im Vorwort klären die beiden Autorinnen ihr Anliegen und Wissen auf. Während sich Christina Enzmann mit der funktionellen Medizin in diesem Bereich beschäftigt hat, fokussiert Susanne Liedtke die Ernährung. Entstanden ist ein Wechselspiel aus beiden Bereichen mit wirklich fundiertem Wissen und nachvollziehbaren Life-Hacks.

So laufe ich seitdem jeden Morgen einmal stramm um den Block und nehme fix die Treppen bis in meine 4. Etage. Und bei meinem Joggingrunden habe ich kurze Sprints integriert. Warum? Es geht um den Blutzucker. Den im Griff zu haben, sei eines der wichtigsten Grundziele. Die „All-out-Bursts“ haben einen bedeutenden Effekt: Damit wird der Insulinspiegel reguliert. „Das hilft, den restlichen Zucker in deinem Blutkreislauf zu verbrennen...“ Der wiederum dafür verantwortlich ist, dass die Fettverbrennung läuft.

Allein dafür hat sich die Lektüre für mich gelohnt. Aber sie ist natürlich noch reichhaltiger. So erläutern die beiden Autorinnen, welche Lebensmittel man möglichst vermeiden sollte und welche uns Frauen in den Wechseljahren gut tun. Und worauf man bei der Ernährung achten sollte. Ich bin in dem Bereich schon gut aufgestellt, und fühle mich bestätigt. Dennoch finde ich das Body-Reset-Ernährungsprogramm aus dem Buch sehr inspirierend.

Auch der Hormonhaushalt spielt eine bedeutende Rolle wie Vorsorgetipps ärztliche Konsultationen beim Hausarzt oder der Internistin und der Frauenärztin.

„Somebody told me“ ist daher ein ganzheitlicher und wichtiger Beitrag für alle Frauen ab 40! Das hat mir übrigens auch eine versierte Kundin, die in dem Bereich tätig ist, bestätigt.

Somebody told me

von Susanne Liedtke, Christina Enzmann

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Good Girl
Simone Finkenwirth

Simone Finkenwirth

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Lügen als Fundament der Freiheit. Geht das? Und wenn ja, wie lange kann man darauf laufen, ohne einzubrechen? Diese Frage ploppt bei der Lektüre von „Good Girl“ von Aria Aber immer wieder in meinem Kopf auf. Ich kann sie nicht zähmen ebenso wenig wie ihre Heldin Nila.

Aria Aber steht mit ihrem Buch auf der Shortlist des Women’s Prize for Fiction 2025. Und ich freue mich so sehr über die Nominierung! Fatma Aydemir, Raven Leilani und Garth Greenwell sind begeistert von diesem außergewöhnlichen Buch, bei dem ständig mein Puls pocht.

Das hat natürlich mit Nila und ihrem Leben zu tun. Sie ist die Tochter von afghanischen Einwanderern, was sie jedoch vertuscht. Nilas Mutter ist verstorben. Sie lebt immer noch zu Hause bei ihrem Vater und ihrer Großmutter in einem Plattenbau, den sie Marlowe verschweigt. In einer ihrer nächtlichen Fluchtaktionen ins Berliner Nachtleben trifft sie auf den Autor.

Sie nehmen zusammen nicht wenige Drogen und haben Sex. Aber die beiden führen mitunter tiefsinnige Gespräche, an denen ich länger hängenbleibe. Dabei offenbart Nila ihrem Geliebten ihre große Sehnsucht: Sie möchte Fotografin werden wie die Künstlerin Nan Goldin. Als Marlowe ihr eine Kamera schenkt, fängt sie an. Parallel erzählt Aria Aber aus dem Leben der Familie, zeigt die Zwänge und Vorstellungen auf, denen die junge Frau entkommen will. Wird es ihr am Ende gelingen?

Was für ein Ritt! Nila ist alles andere als brav. Und gut? Nun lest selbst! Das Buch versprüht einen ganz eigenen Sound und man spürt, dass hier eine Lyrikerin am Werk ist. So wurde Aria Aber für ihren Lyrikband „Hard Damage“ mit dem Prairie Schooner Prize ausgezeichnet.

„Good Girl“ ist eins der pulsierendsten Bücher der letzten Zeit! Doch sie hat es mir nicht immer leicht gemacht. Am Ende siegt allerdings dann doch die Begeisterung. Wild, einnehmend, unberechenbar und mitunter sehr weise wie menschlich ist diese funkelnde Lektüre. Ein Buch, das dem Schrecken mutig ins Gesicht schaut und standhält. Komme, was da wolle!

Good Girl

von Aria Aber

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Wie Zugvögel
Frank Menden

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Yellowknife, eine kleine, heruntergekommene Stadt im hohen Norden Kanadas, ist der Schauplatz von „Wie Zugvögel“ von Elizabeth Hay, übersetzt von Anke Carolin Burger.
Hier treffen 1975 die unterschiedlichsten Menschen in einem lokalen Radiosender aufeinander.
Da ist zum Beispiel Harry, der ehemalige Radiostar, der nach einem missglückten Versuch im Fernsehen zu reüssieren, wieder zurückgekehrt ist .
Dido, deren Stimme wie gemacht ist für das Radio, der alles zuzufallen scheint und die schwer greifbar ist, vor allem für sich selbst .
Gwen, die über 5.000 Meilen gefahren ist um hier ihren Traum vom Leben als Hörspielproduzentin zu verwirklichen - und an der Realität ihres Unvermögens als Sprecherin zu scheitern droht.
Sie und ihre KollegInnen versuchen sich am Leben, an der Liebe, an der Flucht vor der Einsamkeit, mal mit mehr und oft mit wenig Erfolg.

Der geplante Bau einer Gaspipeline durch das Gebiet der indigenen Bevölkerung sorgt für zusätzliche Dynamik , wie auch die geplante Expedition auf den Spuren John Hornbys, der vor 50 Jahren auf genau dieser Tour mit seinen Begleitern zu Tode kam…

2010 ist dieser Roman unter dem Titel „Nachtradio“ schon einmal erschienen, leider ohne Erfolg, trotz durchgehend positiver Kritiken.
Ich wünsche diesem Buch beim zweiten Versuch eine wesentlich größere Resonanz.
Denn dieser ruhige und überaus eindringliche Roman über Einsamkeit und das Ringen mit dem Leben und der Natur ist einfach zu gut, um nicht gelesen zu werden und Elizabeth Hay eine Stimme, die entdeckt werden muss!

Wie Zugvögel

von Elizabeth Hay

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All dies könnte anders sein
Simone Finkenwirth

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Wer kennt das nicht? Wenn einem das Leben in den Bauch boxt? Ist uns allen bestens vertraut. Egal, welches Alter. So fühlt sich „All dies könnte anders sein“ von Sarah Thankam Mathews wie die Umarmung einer Seelengefährtin an. Obwohl die Erzählerin ein paar Jahre jünger ist als ich. Darauf erstmal ein Glas Rharbarberschorle!

Die Ich-Erzählerin ist das Kind von indischen Einwanderern, die es nach einem Studium geschafft hat, in Milwaukee als Changemangement-Beraterin einen gutbezahlten Job bei einer Agentur zu ergattern. Endlich kann Sneha ihren Eltern Geld in ihrer Heimat zukommen lassen und Freunde einladen. Und doch gibt es die Fallstricke des Lebens, in denen sich unsere sympathische Romanheldin verheddert. Ihr zu folgen, berührt und trotzdem falle ich nie in ein Tal der Tränen. Denn die Autorin hält geschickt die Waage zwischen Drama und Humor.

Mit Augenzwinkern und einem wohligen Gefühl folge ich dieser sympathischen Frau, die auf der Suche nach einer erfüllenden Beziehung ist. Auf ihrem Weg knüpft sie neue Kontakte, die in keiner Lovestory endet, dafür ereignen sich andere schöne Dinge.

Noch etwas passiert:: Unsere Romanheldin erfährt eine große Solidarität: „Was ich in den darauffolgenden Jahren schwer zu erklären fand, war die Tatsache, wie sehr die Menschen, die ich in Milwaukee kennenlernte, füreinander da waren, selbst für Fremde.“ Unvergesslich: Die Schlüsselverlust-Sache, bei der Sneha eine große Unterstützung bekommt. Ich sehe sie alle noch vor mir, wie sie versuchen, Sneha in ihre Wohnung zu helfen.

Sarah Thankam Mathews stand mit ihrem Buch auf der Shortlist der National Book Awards 2022. So verdient! „All dies könnte anders sein“ belebt, verführt, trifft einen Nerv und beglückt daher im allerfeinsten Sinne. Lauren Groff hat über ihre Kollegin so treffende wie wertschätzende Worte gefunden: „Sarah Thankam Mathews“ ist eine geniale Autorin, und jeder ihrer Sätze hat sowohl Biss als auch Herz.“ Mehr kann ich dem nicht hinzufügen: Außer: Lesen und dem Bauchtritten ins Gesicht lachen. Vergesst nie, wie stark ihr seid!

All dies könnte anders sein

von Sarah Thankam Mathews

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Sieben Tage einer Ehe
Frank Menden

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Jess und Malcolm sind eines dieser Paare, die seit Ewigkeiten zusammen sind, sich immer noch lieben, deren Lebenswege aber in verschiedene Richtungen driften.
Die erfolgreiche Juristin Jess wollte immer ein Kind, doch zahlreiche aufwändige und kostspielige Behandlungen bleiben erfolglos.
Malcom hat sich den Traum einer eigenen Bar erfüllt, doch diese wirft nicht genug Gewinn ab. Zudem trägt die Arbeitszeit wenig dazu bei, die sich in einer gefährlichen Schräglage befindenden Ehe zu konsolidieren.
Als ein Schneesturm über die kleine kanadische Ortschaft hinwegfegt und die Strom- und Wasserversorgung kappt, werden Jess und Malcolm gezwungen unabhängig voneinander eine Inventur ihrer Ehe vorzunehmen und ihre Gefühle zu überdenken…

„Sieben Tage einer Ehe“ ist bereits mein dritter Roman von Mary Beth Keane , wie die Vorgänger im Eisele Verlag erschienen.
Den von Heike Reissig übersetzten Roman zeichnet die Ruhe aus, mit der die Geschichte erzählt wird. Die Autorin konzentriert sich aufs Wesentliche und verzichtet auf konstruierte Dramen und exzessive Gefühlsduseleien.
Und gerade dies macht dieses Buch so eindringlich, lässt einen viele (Alltags-) Situationen gut nachempfinden, viele Dialoge kommen einem bekannt vor.
Letztendlich geht es um Fragen, die wir uns alle stellen: Was will ich wirklich? Wie soll es weitergehen?
Für mich ein ruhiger, nachdenklich stimmender und berührender Roman der zeigt, dass das Gegenteil von Liebe nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit ist.

Sieben Tage einer Ehe

von Mary Beth Keane

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Verheiratete Frauen
Simone Finkenwirth

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Ein echtes Tabuthema – Fremdgehen. Manche tun es, andere wieder nicht. Ich will es gar nicht. Aber Gabriela sieht das ein bisschen anders. Die Mutter eines kleinen Sohnes fühlt sich zu einem Autor magisch angezogen. Sehr lange schon. Bis sich Pablo und Gabi endlich näherkommen, dauert es. Wenngleich der Roman mit ihrer Romanze beginnt und einer großen Frage.

Denn Gabi will ihr Verhältnis in eine richtige Beziehung umwandeln. Aber soll sie das Wagnis eingehen? „In einem Jahr wirst du aufhören, mich zu begehren, und nichts wird mehr so sein wie jetzt", sagt ihr Geliebter. Die 45jährige kann sich das allerdings nicht vorstellen. Noch nie hat sie so empfunden. Was sagen ihre Freundinnen?

Nun, die haben es auch keineswegs leicht. Silvia ist nicht glücklich in ihrer Ehe, und Cósima hat mit der Enthaltsamkeit ihres Ehemannes zu kämpfen. Sie spürt der Sache nach und macht eine erschütternde Entdeckung.

Was für eine mitreißend erzählte Geschichte! Besonders schön ist, dass sich die Frauen über die Frauenzeitschrift „La Femme" nähergekommen sind. Gabi arbeitet als Journalistin, Silvia ist Fotografin und Cósima Stylistin. Unterschiedliche Vitas, die doch zueinander finden und zeigen: Es geht nichts über eine wahrhaftige und innige Freundschaft! Genau das ist „Verheiratete Frauen": Eine Hommage an unsere Freundinnen und Verbündeten. Keine kennt uns so gut wie unsere Freundin. Doch selbst die kann uns so manche Entscheidung nicht abnehmen. Die müssen wir dann allein treffen.

Was den Roman obendrein lesenswert macht – er zeigt die Herausforderungen der modernen Frau, die ständig einen Spagat zwischen Karriere und Familie machen muss. Der große Wunsch nach Mutterschaft spielt ebenso eine große Rolle, wie das Muttersein selbst, die Liebe zum Kind wie die Selbstzweifel.

So ist "Verheiratete Frauen" viel mehr als nur ein Roman über weibliches Begehren und Freundschaft. Er umarmt dich als Frau auf wirklich wohltuende Weise und flüstert dir zu: Du bist nicht allein. Allein deshalb lohnt sich die Lektüre!

Verheiratete Frauen

von Cristina Campos

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Die Zeit-Agenten 1. Das Propeller-Dilemma
Simone Finkenwirth

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Während die Erwachsenen mit unserem Mai „must read“- Titel „Das Ministerium der Zeit“ von Kaliane Bradley die Zeit durchbrechen, können die jüngeren Bücherwürmer mit „Die Zeit Agenten“ von S. J. King ebenfalls durch die Zeit reisen.

Jasmin ist Teil der Zeit Agenten. Gerade, als sie mit ihren Eltern durch das Museum der Flugfahrt schlendert, selbst in einem Simulator fliegt, fragt sie sich: „Wie es wohl gewesen war, als erster Mensch auf der Welt einen solchen Flug zu vollbringen?“ Kaum hat sie den Gedanken zu Ende gedacht, da meldet sich ihre Agentenuhr und beamt sie zu ihrem geheimen Club. Denn der böse Mora hat wieder für Ärger gesorgt. Genau dann wird die Zeit Agenten Crew zusammengesammelt.

Solange alle Agenten aus ihrer wirklichen Welt verschwinden, bleibt dort die Zeit stehen. So bekommen Jasmins Eltern ihr Verschwinden nicht mit. Eine bunte Truppe aus aller Welt ist diese Agentenschar. Der flinke Vogel Tempo ist derjenige, der seine Aufträge verteilt. Die Wahl fällt dieses Mal auf Jasmin und Min-Juns. Flugs landen die beiden im Jahr 1903 auf dem Flugplatz der Gebrüder Wright, die am ersten Flugzeug tüfteln. Als der Propeller verschwunden ist, wissen Jasmin und Min-Juns, wer dahinter stecken muss: Mora!

Das ist eine abenteuerliche wie lebendig erzählte Geschichte für alle ab 7 Jahre! Tolle Illustrationen versetzen dem Ganzen einen charmanten wie hinreißenden Anstrich. Große Schrift sorgt für ein federleichtes Leseerlebnis, daher ist die Lektüre auch für Lesemuffel geeignet. Dies ist der 1. Band der Reihe. Der zweite führt zu den ersten Olympischen Spielen.

Kleiner Bonustrack an allen Bänden: Spielerisch werden in allen Bänden leichtfüßig dargestellt.

Die Zeit-Agenten 1. Das Propeller-Dilemma

von S. J. King

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Jenseits aller Zeit
Simone Finkenwirth

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Krimis gibt es wie Sand am Meer. Meine Passion ist es, daraus die Perlen zu fischen. Ich lese die skandinavischen genauso gern wie die englischen, aber auch Noirs, klassische Detektivgeschichten und literarische feine Titel, die ich regelmäßig aus der Krimibestenliste von Deutschlandradiokultur empfange wie „Jenseits aller Zeit“ von Sebastian Barry.

Hier stehe ich neben Tom Kettle. Der pensionierte Kriminalbeamte hat sich nach vierzig Jahren zur Ruhe gesetzt und lebt in einer kleinen Wohnung, die Teil eines großen viktorianischen Hauses ist, das im beschaulichen Küstendorf Killeney steht. Am liebsten sitzt Tom in seinem Korbsessel, hier ist er „der Hüter der Zeit", der aufs Wasser blickt und übers Leben sinniert. Von dort muss er sich jetzt erheben, als es unerwartet an der Tür klingelt. Wer stört ihn da in seiner Ruhe?

Zwei Polizeibeamte, und sie haben etwas auf dem Herzen. Es dauert, bis sie mit der Sprache herausrücken, erstmal Smalltalk über dies und das. Sie bitten ihn schließlich, sie bei einem ungeklärten Mordfall zu unterstützen, der dreißig Jahre zurückliegt. Tom hält inne und überlegt, ob er diesen Schritt zurück in eine Vergangenheit gehen soll, die er ad acta gelegt hat. Denn dieser Fall ist eine sehr persönliche Angelegenheit.

Was Sebastian Barry hier Seite um Seite brillant spinnt, ist fein komponiert und gleichwohl harter Tobak. So wandelt sich die zunächst stille in eine tragische Geschichte, geht es doch um Kindermissbrauch in der katholischen Kirche. Viel Wut ist im Spiel, und eine Rache, die Erlösung schaffen soll.

„Jenseits aller Zeit" enthält alles, was ich an Barry so schätze: Seine eigensinnigen Figuren, die Liebe zur irischen Natur und das Feingespür, unterschiedlichste Nuancen des Lebens literarisch kunstvoll abzulichten, sodass sich das Buch ganz tief in deine Seele einbrennt.

Brillant, eindringlich und unbedingt empfehlenswert, auch für Lesekreise. Aber ich will ehrlich sein: Freunde von Mainstream-Krimis könnten enttäuscht sein. Alle anderen haben die Chance, einen der besten Kriminalromane seit langer Zeit zu lesen. Sozusagen einen Krimi jenseits aller gewöhnlichen Krimis.

Jenseits aller Zeit

von Sebastian Barry

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Das Schwarz an den Händen meines Vaters
Simone Finkenwirth

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Lena Schätte erzählt Mottes Geschichte, und die fühlt sich an wie ein Faustschlag in den Bauch. So zeigt die Autorin sehr authentisch, wie es ist, in einer dysfunktionalen Familie großzuwerden. Der Vater ist ein Spieler und Alkoholiker.

„Als ich noch Kind bin, denke ich oft, ich habe zwei Väter. Den einen nüchternen, der schnell rennen kann. […] Und dann gibt es noch den anderen Vater. Der sich darüber legt und ihn verschwinden lässt.“

Der Vater arbeitet in einer Fabrik, wird wegen seines unsteten Zustands versetzt und verliert später seinen Job. Auch die Mutter erkrankt, wird depressiv. An einer Stelle heißt es: „Wir denken nicht nach in dieser Familie, über die Reihenfolge der Dinge oder darüber, wer wen aufhebt.“ Diese Aussage ist so exemplarisch für den Kern der Geschichte. Zeigt sie das Verantwortungsgefühl der Kinder wie die bedingungslose Liebe. Das geht wahrlich unter die Haut.

Lena Schätte holt ihre Ich-Erzählerin ganz nah an uns Lesende heran, und das in einem dichten wie klaren Erzählton, der seinesgleichen sucht. Ich folge der jungen Frau, die später selbst im gefährlichen Sumpf des Alkohols fällt, sich verliert und gleichwohl ihren Platz finden will. Wir bewegen uns zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit, zwischen dem Kind und der jungen Frau. Als der Vater erkrankt, bleibt das nicht ohne Folgen auch für unsere Ich-Erzählerin.

Die Autorin hat als Krankenschwester in der Psychiatrie gearbeitet, und ist in einem Arbeitermilieu groß geworden. All das strömt hier glasklar hinein, entlädt sich in einer unaufgeregten Form, denn die Autorin wollte keine klassische Täter-Opfer-Kategorien einnehmen. Das hat sie mir in einem Interview auf der Leipziger Buchmesse erzählt, das Sie auf meinem Instagram-Kanal "Klappentexterin" jetzt sehen können. Ebenso bemerkenswert ist, dass die 1993 geborene Autorin sehr lange an ihrem Wunsch des Schreibens festgehalten hat und schließlich am renommierten Literaturinstitut Leipzig weiterentwickeln konnte. Der Roman sei schon seit 15 Jahren in ihr gewesen, geschrieben hat sie diesen im Café eines Baumarktes.

Das Buch ist ein Leichtgewicht, und doch sind die 187 Seiten unglaublich füllend und hinterlassen einen bleibenden Abdruck bei allen Lesenden. Der Roman hat das Feuilleton und Blogger:innen gleichermaßen beeindruckt. Und wenn das der Fall ist, soll das viel heißen. Denn wie oft sind sich beide Formen der Literaturkritik schon einig? Eben!

Das Schwarz an den Händen meines Vaters

von Lena Schätte

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Ruhm für eine Nacht
Simone Finkenwirth

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Ein Buch so aufregend wie ein Trip! Ich hatte noch keinen, aber so stelle ich ihn mir in etwa vor. Ein bisschen jedenfalls. Nicht nur diese aufgeladene Stimmung hat mich trichterförmig ins Buch hineingesogen. Auch alte Erinnerungen wurden plötzlich putzmunter: Sofort war ich wieder in Berlin - dieser wilden Metropople, so ungestüm wie eine Leopardin in Netzstrumpfhosen. Ich denke an die Zeit zurück, als wir alle versuchten, ins Cookies zu gelangen. Oder die langen Abende in der Volksbühne, an denen unsere Popos ganz heiß wurden von den vielen Stunden der Castorf-Inszenierungen. Während unsere Augen glänzten, unsere Köpfe glühten, derart berauscht waren wir vom Rauch, dem Schauspiel und seinen Akteur:innen. Solch einen Abend erlebe ich in dem Buch wieder. Die Autorin hat an der Volksbühne gearbeitet. So kann nur jemand über dieses Theater schreiben, der es liebt wie wir, denke ich und grinse.

Calla Henkel hat mit "Ruhm für eine Nacht" eine der irrsten Berliner Geschichten geschrieben. Ein wundersames und äußerst erfrischendes Gegenstück zum nasskalten Winter. Aber Vorsicht, die Lektüre ist nicht für jedermann geeignet, sie ist ebenso verstörend. Ein Faible für Kunst und Schräges solltet ihr schon mitbringen. Und wenn ihr es habt, dann werdet ihr an Zoes und Haileys Fersen festkleben wie Kaugummis an den Absätzen ihrer Pumps.

Die beiden New Yorker Kunststudentinnen sind für ein Auslandssemester nach Berlin gekommen. Zoe erzählt uns die Geschichte aus ihrer Perspektive. Zoe ist die Zögerliche, Hailey hingegen hält die Zepter in den Händen. So springt sie auf eine Wohnungsanzeige an und beide Mädels dürfen die Wohnung von Beatrice anmieten. Die Autorin hat ein Arbeitsstipendium in Österreich ergattert und wird sich dahin zurückziehen.

Doch es kommt anders. Wir stehen Kopf und ich denke, wie großartig Literatur doch sein kann. Kunstvoll, schräg und so mitreißend, dass selbst der graue Himmel über mir Funken versprüht. Was für ein Trip!

Ruhm für eine Nacht

von Calla Henkel

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Nachtglimmen
Frank Menden

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„Ich schreibe eine Geschichte der Welt.“.
Dies sagt die todkranke ehemalige Kriegsreporterin und Historikerin Claudia Hampton.
Viel Zeit wird ihr nicht bleiben, um all das Erlebte niederzuschreiben. Von der Kindheit kurz nach dem Ersten Weltkrieg, der ständigen Rivalität mit ihrem Bruder Gordon. Oder von ihrer schwierigen Beziehung zu ihrer Tochter Lisa, ihrer großen Liebe Tom.
Von den zahlreichen politischen Ränkespielen, bei denen sie mal mehr oder weniger beteiligt war.

Claudia Hampton ist keine einfache Protagonistin. Sie ist selbstbezogen und durchaus bösartig, trotzdem kommt man nicht umhin ihrem Leben gebannt zu folgen, während sie durch das 20. Jahrhundert jagt. Dabei ist sie voller spröder Energie, immer stilsicher und hat dabei für alle ( und sich selbst) immer eine Prise verächtlichen Humor übrig.

1987 gewann Dame Penelope Lively für „Nachtglimmen“ den Booker Prize. Jetzt liegt der früher auch unter seinem Originaltitel „Moon Tiger“ in Deutschland erhältliche Romanim Doerlemann Verlag in einer Neuübersetzung von Ulrike Müller und einem Vorwort von Elif Shafak vor.
Es ist ein zeitloser Roman, der viele Themen verhandelt, politisch ist, literarisch ambitioniert und dabei doch immer gut lesbar ist.
Der Roman zeigt auf anschauliche und eindrucksvolle Art und Weise, dass „Wenn alles aus dem Gleis ist, dann wird man unangenehm darauf gestoßen, dass Geschichte wahr ist und dass man selbst leider ein Teil von ihr ist.“
Ein geradezu prophetischer Satz aus einem zeitlosen Roman von großer Aktualität!

Nachtglimmen

von Penelope Lively

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Radikale Freundlichkeit
Simone Finkenwirth

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Wir alle wollen freundlich sein, und sind es. Doch kennen Sie nicht auch die Momente, wenn Sie ein unhöflicher Mensch derart aus der Fassung bringt? Oder wenn Sie von Ihrer eigenen Eile getrieben unachtsam hantieren und dann passiert es. Wie können wir mit solchen Herausforderungen umgehen, und die Freundlichkeit trotzdem bei uns tragen?

Nora Blum liefert in ihrem Buch „Radikale Freundlichkeit“ Antworten auf diese Fragen. Die studierte Psychologin lässt uns verstehen, warum uns unhöfliche Menschen so triggern. Und geht noch weiter, in dem sie die unsensiblen Handlungen durchleuchtet. Warum agiert jemand so unwirsch? Was hat das wirklich mit uns zu tun? Welche Reaktion wäre angemessen? Und wie kann sie gelingen?

Weiterhin verdeutlicht die Gründerin von Selfapy anhand von wissenschaftlichen Studien, wie positiv sich Freundlichkeit auf unsere Gesundheit auswirkt. Schnell umsetzbare Tipps lassen mich staunen und lächeln. Ebenso erhellend sind ihre eigenen Geschichten zum Thema, in denen ich mich mitunter sogar wiedererkenne.

Das Buch ist in verschiedene Kapitel eingeteilt und bezieht jeden Lebensbereich mit ein. Die Psychologin schreibt, wie wichtig es ist, auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören, auch mal Nein zu sagen. Oder nach einer groben Kontakftaufnahme, zunächst dreimal TIEF durchzuatmen.

So erweist sich „Radikale Freundlichkeit“ als ein lebensnaher und nachhaltiger Ratgeber mit wertvollen Impulsen wie Anstößen zur Selbstreflexion.

Radikale Freundlichkeit

von Nora Blum

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Beeren pflücken
Simone Finkenwirth

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Bereits vor Erscheinen der deutschen Ausgabe ging ein Leuchten aus unserer englischen Abteilung aus. Denn meine geschätzte Kollegin Sarah O'Connor hat „The Berry Pickers“ längst mit großer Begeisterung gelesen. Nun liegt die von Brigitte Jakobeit übersetzte Fassung auf unserer Eingangspyramide, strahlt allen entgegen und ich mit.

Die Autorin ist eine Native American und zählt zum Stamm der Mi'kmaq, ein indigenes Volk, das im östlichen Nordamerika angesiedelt ist wie die Familie, um die es hier geht. Sie hilft zur Saison auf einer Farm aus und pflückt Beeren. Alle packen mit an: Die Eltern und ihre vier Kinder. Eines Tages verschwindet die Jüngste, Ruthie. Alle suchen nach dem fünfjährigen Mädchen, doch Ruthie wird nicht gefunden. Der ältere Bruder Joe zerbricht an diesem Verlust, fühlt die Schuld auf seiner Schulter. Die Wut nagt an ihm wie ein Geschwür und treibt ihn zu schrecklichen Handlungen, vor denen wir alle zurückschrecken.

An einer Stelle heißt es: „Manche Wunden sind nicht zu heilen. Manche Wunden schließen sich nie, desto einfacher wurde es zu lächeln.“ Das sind nur zwei von zahlreichen bemerkenswerten Sätzen, an denen ich anhalte und innehalte.

Was mit Ruthie passiert ist, davon erzählt Amanda Peters auf wirklich berührende Weise. Wir Lesende wissen mehr als alle zusammen, bleiben dennoch still, neugierig und hören unsere eigenen Herzen ganz laut klopfen. Denn diese Geschichte, die in den 1960er Jahren beginnt, geht einem unglaublich nah.

„Beeren pflücken“ ist ein vielschichtiger Roman über Ethnie, Familienbande, Traumata und Wunden - manche bleiben, andere dürfen heilen. Und lassen etwas Neues entstehen.

Ich liebe jede Faser des Romans, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Und ich hoffe, Sie finden die leuchtenden Beeren, die meine Kollegin und ich aufgepickt haben.

Bevor ich schließe, möchte ich noch erwähnen, dass wir die Übersetzerin am 13. Juni zusammen mit dem Übersetzer Cornelius Hartz bei uns zu Gast haben werden. Sie können sich schon jetzt unter anmeldungen@stories-hamburg.de einen Platz sichern.

Beeren pflücken

von Amanda Peters

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Mittsommertage
Frank Menden

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Berlin, Sommer 2022.
Die Ethikprofessorin Ruth Lambert steht im Zenit ihrer Karriere: die Berufung in den Deutschen Ethikrat steht kurz bevor.
Auch für ihren Mann Ben könnte es nicht besser laufen: der Architekt gewinnt eine wichtige Ausschreibung. Und Bens Tochter Jenny, für die Ruth Freundin, Vorbild und Inspiration in Personalunion ist, scheint mit ihrem Studium in Leipzig angekommen zu sein.
Zusammen mit der abflauenden Corona Pandemie scheinen sich alle Dinge wunderbar zu fügen.
Doch dann wird Ruth bei ihrer morgendlichen Joggingrunde von einem Hund gebissen, und so wie die anfangs harmlose Wunde sich als äußerst hartnäckig erweist , häufen sich die erst kleinen, dann immer gewichtiger werdenden Irritationen in Ruths geordneten und gutsituierten Leben. Und dann holt sie ihre Vergangenheit ein…

Ulrich Woelk schildert in seinem neuen Roman „Mittsommertage“ eindringlich, wie innerhalb einer kurzen Woche ein vermeintlich perfektes Leben ins Wanken gerät.
Die Kunst dieses klugen und genau beobachteten Romans besteht darin, dass er trotz der Vielzahl der Themen ( Klimaschutz, sexuelle Befreiung, KI - um nur einige zu nennen) nie überfrachtet wirkt, sondern genau am Puls der Zeit .
Nach „Der Sommer meiner Mutter“ ( Longlist Deutscher Buchpreis) und „Für ein Leben“ ( Alfred Döblin Preis) wieder ein rundum überzeugender Roman!

Mittsommertage

von Ulrich Woelk

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Am Meer
Simone Finkenwirth

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Eine Literaturfreundin meinte kürzlich zu mir: „Elizabeth Strout zu lesen, fühlt sich an, als würde man nach Hause kommen.“ Wie wahr! Genauso empfinde ich die Bücher der Amerikanerin. Jüngst ist „Am Meer“ erschienen und ich habe das Buch viel zu schnell gelesen, und es hat mich gewärmt. Obwohl die Umstände, die Corona-Pandemie setzt ein, eher ungemütlich sind, spüre ich schnell dieses hyggelige umarmende Strout-Feeling.

Die Ich-Erzählerin Lucy wird von ihrem Ex-Mann William, mit dem sie noch ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, aus New York nach Maine bugsiert. Lucy versteht die Aufregung nicht, folgt aber seinem Drängen und fährt mit ihm an die Ostküste. Dort beziehen sie ein Haus, es ist klirrend kalt, immer grau. Wir schreiben den Februar 2020 und bis April wird es dort wohl so bleiben, also absolutes schlechte Laune-Wetter. Und was macht unsere knurrende Heldin?

Sie fügt sich diesem neuen Lebensabzweig... ihr dabei zu folgen, tut gut, nicht zuletzt durch ihre klugen Gedanken, die mich hier und da anhalten lassen. Die Gespräche mit William und Lucy sind genauso wärmend wie die zwischen den Menschen, die die beiden umkreisen. Obwohl natürlich nicht alles nur schön ist, denn so ist das Leben ja auch nicht. Unsere Gegenwart lichtet sie voller glasklarer Wahrheiten ab, und das ist weniger erfreulich. Dennoch vermute ich: In dem Buch findet sich jede oder jeder auf die eine oder andere Art wieder als wollte die Autorin sagen: „Du bist nicht allein!“

Das zeichnet die Literatur von Elizabeth Strout für mich aus: Dieses zutiefst Menschliche, das uns mit ihren Figuren verbindet und sie zu Weggefährten macht. Man kann dieses Buch – wie alle ihre Bücher – unabhängig von einander lesen. Vor allem dann, wenn einem gerade besonders kalt ist oder die Nase tropft. Denn auch das ist Elizabeth Strout: beste Medizin für Körper und Seele.

Am Meer

von Elizabeth Strout

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Leuchtfeuer
Simone Finkenwirth

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„Das Glück sucht Gesellschaft, und das Unglück – das will nur in Ruhe gelassen werden.“ So wahr, so gut. Apropos gut genauso liest sich „Leuchtfeuer“ von Dani Shapeiro. Für mich zählt dieser Roman zu meinen Highlights des Frühjahrs. Nicht ohne Grund war dieses Buch ein gefeierter Bestseller in den USA. Es wurde mehrfach ausgezeichnet und von verschiedenen Medien zum besten Buch des Jahres ernannt. Welch Glück übrigens, dass hanserblau das Übersetzerpaar Ulrike Wasel und Klaus Timmermann für die Übersetzung gewinnen konnte. Die beiden haben u.a. schon „Der Gesang der Flusskrebse“ übersetzt. Und wer jetzt wie ich bei dem Buchtitel lächelt, darf gern weiterlesen. Aber auch alle anderen. Denn die Lektüre lohnt sich.

Und das obwohl die Erzählperspektive ungewöhnlich ist. Glücklicherweise wurde Dani Shapiro von ihrer Kollegin Jennifer Egan ermutigt, diese beizubehalten. So bewegen wir uns wie Planeten durch verschiedene Zeiten, sind in verschiedenen Köpfen. Ausgangspunkt ist eine nächtliche Autofahrt drei junger Teenager: Misty und das Geschwisterpaar Sarah und Theo rauschen im August 1985 durch die Nacht. In einem Moment der Unachtsamkeit kommt es zu einem schweren Unfall, bei dem Misty stirbt. Sarah legt schützend den Arm um ihren Bruder und sagt: Ich bin gefahren. Obwohl dem nicht so war. Und dann? Cut!

Jetzt sind wir bei Benjamin – Theos und Sarahs Vater, der den Nachbarsjungen Waldo an einem Abend im Jahr 2010 beobachtet. Die beiden stehen im Austausch. Warum und wie, das erfahren wir erst später, wie all die Verflechtungen der beiden Familien. Und wir lernen Waldo noch näher kennen, seine Eltern, schauen auf die erwachsenen Kinder Theo und Sarah, erleben eine sehr eindringliche Szene mit ihrer Mutter...
Die Kapitel haben eine enorme Sogkraft. Und wenngleich sie oft wechseln, verliert man nie den Pfaden oder die Verbindungen zu allen Figuren.

„Leuchtfeuer“ ist eine berührende, spannungsgeladene Geschichte über die Familienbande wie über die Narben der Kindheit. Ein Buch sehr dicht erzählt, und es wundert mich nicht, dass dieses Buch als Serie verfilmt werden soll. Trotz der wechselnden Perspektiven und Zeitsprünge verliert man nie den Überblick oder Anschluss. Jeder findet sich in der einen oder anderen Figur wieder, da die Autorin wirklich alles anspricht: Frausein, Außenseiter, Muttersein, Sucht, Beziehungen, Älterwerden und Altsein, Verbundenheit, Geschwisternbande, Familie. Und über den Genuss von gutem Essen. Ein universelles Buch also. Und ein Buch mit einem Summen, das erst verstummt, wenn man das Buch ausgelesen hat. Doch selbst dann vibriert es noch.

Leuchtfeuer

von Dani Shapiro

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Der Traum vom Fliegen
Simone Finkenwirth

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Eigentlich dachte ich, ich sei satt von Coming-of-Age-Romanen. Denn ich habe 2023 so einige gelesen. Doch da fiel mir „Der Traum vom Fliegen“ von Milena Moser in die Hände. Ich wollte nur kurz hineinlesen, doch ehe ich mich versah, klebten meine Augen in den Seiten und wollten von dort nicht mehr weg.

Sofia ist die Romanheldin und sie wächst mir sofort ans Herz. Ein schlaues Mädchen mit Superkräften. Sofia hatte immer schon den großen Traum, ins Weltall zu fliegen. So belegte sie in der Mittelstufe zusätzliche Kurse in Mathematik und Physik, und bekam ein Stipendium an dem renommierten Institute of Technology in Boston. Sie war eine der Jahrgangsbesten. Doch dann kam der Lockdown, brachte alles durcheinander. Zudem setze ihr die andere Sache mehr zu. Und sie beschloss zuzunehmen, um dem anderen Ding zu entkommen. Nun soll Sofia in einer Privatklinik wieder zu sich kommen, und bestenfalls ihr Übergewicht minimieren.

In der Klinik passieren ungeahnte Dinge, das Allerschönste aber ist: Sofia bekommt Freunde und trifft auf Seelengefährten. Besonders in Zach und Carmel findet sie einen warmen Kreis. Alle drei verfügen über Superkräfte. Zach, ein ehemaliger Manager aus der High-Techbranche kann Gedanken lesen, Carmel – Mutter von zwei Kindern und Lottogewinnerin - kann sich unsichtbar machen, allerdings nicht auf Befehl, es passiert einfach so bei allen dreien. Klingt schräg. Ist es auch, aber nur ein bisschen, denn das Verrückte fühlt sich hier irgendwie normal an. Sofias Superkraft ist das Fliegen. Da sie nachts auch schlimme Sachen gesehen hat, ist sie schließlich daran zerbrochen und hat zugenommen. Natürlich haben alle mit den gewöhnlichen Problemen des Lebens zu kämpfen. Die Klinik erdet alle und ist ein Heim, in dem sie länger sind wie Sofias immer sprudelnde Zimmergenossin, die an einer Essstörung leidet.

Was für eine Geschichte, die mich mitunter an Nick Hornbys A Long Way Down hat denken lassen. Denn hier kommt eine liebenswerte Schicksalsgemeinschaft zusammen, die mich berührt und gleichermaßen amüsiert. Milena Moser erzählt in ihrer schnörkellosen Sprache mit ganz viel Einfühlungsvermögen über Menschen und deren Brüche, die wir alle kennen und vor denen selbst eine Therapeutin wie Skye nicht gefeit ist.

Man muss nicht unbedingt an Superkräfte glauben, um das Buch zu lieben. Sie kommen bei der Lektüre von ganz allein. Unterm Strich ist dies ein All-Age-Roman für junge und ältere Leser:innen. Vielleicht fühlte ich mich deshalb darin so pudelwohl. Große Empfehlung und volle Punktzahl für mein letztes Jahreshighlight 2023!

Der Traum vom Fliegen

von Milena Moser

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Stromlinien
Simone Finkenwirth

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Ich bin die Patin für "Stromlinien" von Rebekka Frank, dessen Cover schon unverschämt gut aussieht. Patin deshalb, weil ich eine der Ersten war, die das Manuskript gelesen haben. Annerose Beurich war ja von Rebekkas Debüt "Das Echo der Gezeiten" bei S. Fischer bereits sehr angetan. Als der Verlag dann mit dem neuen Werk auf uns zukam, war meine Neugier entfacht. Eigentlich wollte ich nur mal reinschauen, aber dann habe ich es an einem Wochenende verschlungen. Und dachte: Wow! Das zweite Buch! So gut! Doch Rebekka Frank ist nicht neu in dem Metier, sie hat bereits als Rebekka Eder erfolgreich historische Bücher geschrieben.

Zur Story: Enna und ihre Zwillingsschwester Jale warten seit siebzehn Jahren darauf, dass ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch am Tag der Entlassung verschwindet Jale plötzlich, und Enna bleibt allein zurück mit einem großen Gepäck an Fragen. Wo ist Jale? Enna begiebt sich auf eine Suche, die sie immer näher an ein Familiengeheimnis heranführt, das ich hier nicht verraten möchte. Erstaunlich ist die Figurenzeichnung der Autorin und der Spannungsbogen, den sie aufbaut. Geschickt webt sie verschiedene Handlungsstränge ein, die zum großen Finale führen. Sie wechselt dabei die Perspektiven, setzt kurze Plots. Stets an unserer Seite die faszinierende Elbmarschen-Landschaft, das Alte Land und sein historischer Background. Ich spüre Rebekkas Liebe zur Natur mit allen Sinnen. Erstaunlich, was die Autorin alles in ihrem Buch vereint. Eine atmosphärische, naturnahe Geschichte mit extrem spannenden Elementen.

Mein Tipp für alle Hamburger und Leser:innen, die spannende Bücher mit Familiengeheimnissen genauso gern verschlingen wie ich!

Stromlinien

von Rebekka Frank

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Der letzte Mord am Ende der Welt
Simone Finkenwirth

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Stuart Turton ist der Meister der Locked-Room-Mystery. Schon seine beiden Romane „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ und „Der Tod und das dunkle Meer“ hat hierzulande für begeisterte Leserstimmen gesorgt. Auch sein neues Buch „Der Mord am Ende der Welt“ ist ein packendes, raffiniertes, unheimliches und unvergessliches Lesevergnügen. Diejenigen, die wie ich „Prophet“ von Sin Blaché und Helen Macdonald gelesen haben, werden hier auf ihre Kosten kommen.

Dieses Mal nimmt uns Turton mit auf eine Insel, auf der noch einige hundert Menschen leben, die letzten ihrer Art. Eine Handvoll Wissenschaftler sorgen fürs Überleben. „Jeder Einzelne von euch muss gepflegt und gewartet werden, damit ich meine Arbeit erledigen kann. Gelegentlich müsst ihr versetzt werden.“ Das sagt Abi – die Ich-Stimme, die sich hin und wieder ins Geschehen einmischt und sogar in die Köpfe der Menschen eindringt. Jede Person erreicht nur das 60. Lebensjahr. Stirbt einer, kommt Nachschub. Woher und wie, erfährt man erst im Laufe der faszinierenden Geschichte.

Um diese Insel herum ist eine Nebelwand, die alles abtötet, was sich darin verfängt. Als nun eine der Wissenschaftlerinnen stirbt, droht die Ausrottung aller Lebewesen auf der Insel. Es bleiben nur 107 Stunden, um den Mörder zu finden. Oder das angeknackste System – denn das ist die Insel – am Laufen zu halten.

Atemlos folge ich den wichtigen Retterinnen wie Emory, ihrer Tochter Clara und Thea, eine der Wissenschaftlerinnen. Bei ihrer Spurensuche macht Emory erstaunliche Entdeckungen, die ihr bisheriges Weltbild ins Wanken bringt.

Wow! Was für ein Wahnsinnsbuch! Da es sich zwischen Science Fiction und Krimi bewegt, habe ich das Buch in unsere Fantasy-Abteilung gestellt. Denn gewöhnliche Krimifans könnten fremdeln. Alle anderen werden begeistert sein und sich in einen Rausch lesen. Sprachlich wie vom Plot her ist das Buch allererste Sahne. Besonders berührt hat mich am Ende noch das Nachwort des Autoren, das sich an uns Lesende richtet.

Der letzte Mord am Ende der Welt

von Stuart Turton

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Frau im Mond
Frank Menden

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Die Zwillingsschwestern Lilit und Lina el Shami sind nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei ihrem Großvater in Montreal aufgewachsenen. Eine alte Postkarte von ihrer ihnen unbekannten Großmutter Anoush bringt sie auf die Spur ihrer Familie – und auf lang vergessene Geschehnisse in ihrer früheren Heimat: dem Libanon.
Was hatte Anoush mit der ominösen „Lebanese Rocket Society“ zu tun? Was bedeutet die Widmung an ihren Großvater auf der Postkarte? Und was hat es mit der „Frau im Mond“ auf sich?
Lilit beschließt diesen Fragen im Libanon auf den Grund zu gehen. Während sie das Land neu erlebt und den Aufruhr der libanesischen Gesellschaft zu spüren bekommt, findet sie immer mehr Antworten – und stößt auf eine faszinierende Geschichte. Doch der 04. August 2020 ist nicht mehr fern….

Pierre Jarawan hat einen prallen, meisterhaft konstruierten Roman geschrieben, der auf faszinierende Art und Weise eine spannende Familiengeschichte mit den Themen Wissenschaft, Politik, Film und Kunst verbindet. Herausgekommen ist ein fulminanter Roman, der berührt, inspiriert und noch lange nach der letzten Seite nachhallt.
Ganz großes Kino!

Frau im Mond

von Pierre Jarawan

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Wellness
Frank Menden

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Chicago 1993. Unter ungewöhnlichen Umständen werden aus den Nachbarn Jack und Elizabeth ein Jahr. Trotz der Unterschiede zwischen dem jungen Fotografen mit ländlichen Wurzeln und der Psycholgiestudentin aus gutem Hause verleben sie in der vibrierenden Kunstszene Chicagos ein aufregende Zeit.
Doch zwanzig Jahre und ein Kind später ist die Liebe merkwürdig schal geworden. Routine hat sich breit gemacht, die anfangs so aufregenden charakterlichen Unterschiede sind jetzt eher Quell für kleine und große Streitigkeiten. Der Kauf einer Wohnung wird zum Katalysator ihrer Ehe und sie erkennen, dass sie sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen müssen, um als Individuum UND als Paar eine Chance auf den Erhalt ihrer (Selbst-) Liebe zu haben.

Nathan Hills zweiter Roman ist ein perfekt geschriebener amerikanischer Gesellschaftsroman. Es geht um Geschichten, die man sich so lange erzählt, bis man sie für wahr hält - obwohl sie es vielleicht gar nicht sind. Dabei offenbart er viele Wahrheiten über familiäre Strukturen, über Liebe, Nähe und Intimität und gibt wie nebenbei Einblicke in die Kunstszene und die Absurdität der Selbstoptimierung. Ein trotz des Umfangs von 736 Seiten äusserst kurzweiliger und hochintelligenter Roman, der auf dem Weg ist ein moderner Klassiker zu werden.

Wellness

von Nathan Hill

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Letzte zärtliche Augenblicke
Frank Menden

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Ein Highlight aus dem diesjährigen Gastland der Leipziger Buchmesse ist Kjersti Anfinnsens Roman „Letzte zärtliche Augenblicke“.

Der Titel mag einen leicht verkitschten Blick auf die letzten Lebensjahre suggerieren, doch sehr schnell wird bei der Lektüre klar, dass dies mitnichten so ist.
Dafür ist die Protagonistin viel zu eigen, zu sarkastisch - und zu ehrlich.
Denn die einst enorm erfolgreiche norwegische Herzchirurgin Brigitte Solheim weiß um ihre sozialen Defizite, ihre Unfähigkeit Freundschaften zu pflegen, dauerhafte Liebesbeziehungen einzugehen. Sie ist allein, auf die Hilfe und Freundlichkeit von Fremden angewiesen.
Sie räsoniert über ihr Leben, die schwierige Kindheit, das Verhältnis zu ihrer Schwester, über den Betrug ihres Kollegen, der die Lorbeeren für die von ihr entwickelte revolutionäre OP-Technik eingestrichen hat.
Und doch schleicht sich etwas Hoffnung in ihr Leben, und zwar in Gestalt des Architekten Javier, mit dem sie erst chattet, sich dann trifft , Wein trinkt , Sex hat, sich streitet und versöhnt. Doch im hohen Alter ist das Ende nah.

Kjersti Anfinnsen erzählt konsequent aus Brigittes Perspektive und das ist ein großer Pluspunkt dieses ungewöhnlichen Romans. Der Ton ist nüchtern, auch wenn sich ab und an Selbstmitleid in den sarkastischen Betrachtungen findet. Brigitte ist keine Sympathieträgerin, eine Frau, die trotz ihres Geldes und der damit einhergehenden Privilegien weiß, dass diese ihr auch nur bedingt helfen. Denn gegen Einsamkeit und Ängste kommt kein Geld der Welt an.
Und trotzdem gibt es immer wieder unerwartete Lichtblicke, wie der Roman überhaupt ein Licht wirft auf Dinge, die in der Literatur gern verschwiegen werden -und die doch zu jedem Leben gehören.

„Man sagt, das Leben verlaufe zyklisch, doch der Vergleich hinkt. Irgendwas fehlt. Jedes Mal, wenn ich in den Spiegel schaue, fehlt etwas. (…) Ich weiß genau, was da fehlt: Mir fehlt eine Zukunft.“

Letzte zärtliche Augenblicke

von Kjersti Anfinnsen

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Echokammer
Frank Menden

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Norwegen, kurz vor der Parlamentswahl.
Die Anti-Terror Ermittler Liselott Benjamin und Martin Tong versuchen fieberhaft einer Gruppe von nationalen Extremisten auf die Spur zu kommen, die mit einem Anschlag auf die norwegische Zivilgesellschaft drohen.
Gleichzeitig wird der Wahlkampf mit immer härteren Bandagen geführt, niemand scheint mehr den Überblick zu haben, ob wirklich die Akteure die Schlagzeilen diktieren oder ob sie selbst manipuliert werden.
Fakt ist nur: es soll Chaos herrschen.
Während die politische Situation immer undurchsichtiger wird scheinen Benjamin und Tong endlich vor einem Durchbruch zu stehen. Doch werden sie es in der knappen Zeit noch schaffen das Ruder rumzureissen?

Ingar Johnsruds Thriller „Echokammer“ wirkt wie eine Mischung aus „Borgen“ und den Thrillern von Jo Nesbo. Temporeich, intensiv und fesselnd, am Puls der Zeit und meisterhaft komponierte preisgekrönte Thriller, der einen erst nach 448 Seiten wieder zu Atem kommen lässt. Ein raffinierter und hochgradig glaubwürdiger Thriller mit Suchtcharakter

Echokammer

von Ingar Johnsrud

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Maman
Simone Finkenwirth

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Wenn es ein Buch gibt, das meine Lesevorlieben am besten charakterisiert, dann ist es „Maman“ von Sylvie Schenk. Bereits vor sieben Jahren habe ich mir nach ihrem Debüt „Schnell, dein Leben“ einen Platz in der Longlist gewünscht. Damals hat es nicht geklappt. Daher war meine Freude in diesem Jahr riesig, als ich den Namen der Autorin in der Liste entdeckt habe.

„Maman“ ist eine Spurensuche. Die Erzählerin spürt dem Leben ihrer Mutter nach. Voller Poesie, Klarheit und Zärtlichkeit folge ich der Autorin, bin berührt, bewegt und begeistert.

Die Mutter ist das Kind einer Frau, die nach einem kurzen Intermezzo mit einem Mann schwanger wird. Die junge Frau verstirbt nach der Geburt der Tochter. Renée – so heißt Maman – kommt erst in die Obhut einer armen Bauernfamilie. Verwahrlost dort jedoch und wird zwei Jahre später von dem wohlhabenden Ehepaar Legendre adoptiert. Vor allem Marguerite Legendre kümmert sich liebevoll um die neue Adoptivtochter. In der Privatschule wird Renée anfangs kritisch beäugt, später gehänselt. Renée findet nie richtig Anschluss.

Es ist eine besondere und eindringliche Erzählung. Einerseits gelingt dies Sylvie Schenk durch die Sprache, andererseits durch die Form des Erzählens. So zoomt sich die Autorin in die damalige Zeit ihrer Mutter direkt hinein, dass wir die kleine Renée direkt vor uns sehen, förmlich ihren Atem spüren.

Beeindruckend, nachhallend und formschön ist dieser autobiographisch gefärbte Roman, dem ich einen Platz in der Shortlist wünsche!

Maman

von Sylvie Schenk

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Kleine Kratzer
Simone Finkenwirth

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Vorhang auf für Jane Campbell. Ich verneige mich vor dieser Frau – die 80 Jahre alt ist und nicht nur Christine Westermann und Elke Heidenreich mit ihrem Debüt begeistert hat. Aufgespürt hat sie der neu gegründete Kjona Verlag, den wir auch schon bei uns zu Besuch hatten. Genau, das ist der kleine feine unabhängige Verlag mit dem goldenen Klima-Fußabdruck.

Was macht „Kleine Kratzer“ nun derart lesenswert? Keine Geschichte ist wie die andere. Und noch etwas schillert aus dem Band hervor: Die Heldinnen sind alle über 70. Ihnen verschafft die Autorin Verhör. Gleich die erste Erzählung beginnt mit einem Paukenschlag, es ist eine bittersüße Rachegeschichte. Im Mittelpunkt steht eine Ich-Erzählerin, die ihre Mitmenschen feinsinnig versteht und ein bisschen überheblich, frech über die schreibt. Ihre Nachbarn haben einen Hund – keinen tiefenentspannten und friedvollen wie unseren Bobby – nein, Brutus, ein bissiger Hund mit einer offenbar schwierigen Kindheit. Das Ehepaar Leo und Mattie haben ihn aus Rumänien mitgebracht. Leo wollte keinen kleinen Dackel, nein, es sollte was Größeres sein. Leo ist - Sie ahnen es sicherlich – ein furchtbarer Menschen, ein selbstgerechter und furchtbarer, seine Frau Mattie klein, dumm, ihrem manipulativen Leo treu ergeben. Als die beiden nun wegfahren, wissen sie nicht wohin mit ihrem Brutus, die Erzählerin erweist sich als Retterin, als sie sagt, sie würde ihn zu sich nehmen. Aber nicht ohne Hintergedanken. Die Auflösung – o la la - die ist bittersüß.

Jane Campbell schlägt aber auch andere Töne an – nachdenkliche, melancholische. Berührend ist beispielsweise die Begegnung einer Pflegerin und ihrer Patientin in der Geschichte „Susan und Miffy“. Jane Campbell schenkt in ihren 13 Geschichten den alten, zerbrechlichen, betagten Damen eine Stimme, setzt sie in unerhörte, freche, humorvolle, selbstbewusste und mitunter überraschende Plots, so dass ich manchmal gar nicht weiß, wohin mit mir und keine Furcht mehr davor habe, alt zu werden.

Kleine Kratzer

von Jane Campbell

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Halbinsel
Frank Menden

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„Inzwischen habe ich begriffen, es grenzt an ein Wunder, wenn man geliebte Menschen um sich hat und sie nicht zu früh verliert. Ein noch größeres Wunder ist es, wenn es einem mehrmals im Leben gelingt, jemanden zu finden, der es gut mit einem meint.“

Lange herbeigesehnt, jetzt ist er da: „Halbinsel“, der neue Roman von Kristine Bilkau.
Es ist die Geschichte von Annett, einer Bibliothekarin, die nach dem frühen Tod ihres Mannes die gemeinsame Tochter Linn allein aufzog und sich nach deren Auszug in ihrem Leben eingerichtet hat.
Als Linn auf einer Tagung einen Zusammenbruch erleidet, holt Annett sie zu sich in das Haus im nordfriesischen Wattenmeer.
Aus ein paar Tagen werden Wochen, dann Monate. Linn, die für Annett immer so voller Leben war, voller Ideen und Tatendrang, ist antriebslos, sucht nach einer neuen Ausrichtung ihres Lebens. Für Annett ist dies schwer zu ertragen, aus ihrer Hilflosigkeit heraus brechen Konflikte auf, die beide anders auf das jeweilige Leben blicken lassen.

Kristine Bilkau beherrscht die Kunst Romane zu schreiben, die leise und unauffällig daherkommen, bei denen kein Wort zu viel ist und die vielschichtig sind und eine enorme Tiefe haben.
Die Annäherung von Mutter und Tochter ist gleichzeitig auch eine Annäherung an das Leben, an die Natur, an das zulassen von Veränderung.

Mit der Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse erscheint der Roman mit einer großen Erwartungshaltung und vielen Vorschusslorbeeren. Für mich hat er sie alle eingelöst.

„Wo würde die Einsamkeit lauern? Hinter der Veränderung oder dem Vertrauen?“

Halbinsel

von Kristine Bilkau

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Das Schattenjahr
Frank Menden

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Eine echte Entdeckung!

Der Autor Jeffrey Ford war mir bis dato nirgendwo begegnet. Umso erfreulicher ihn jetzt entdeckt zu haben .
Schon 2008 ist „Das Schattenjahr“ im Original erschienen , jetzt ist er im Wandler Verlag ( von dem ich auch noch nie etwas gehört habe ) in der Übersetzung von Eva Bauche-Eppers erschienen.

Wir sind in den USA, in den 1960ern. Hier lebt der Ich-Erzähler zusammen mit seinen Geschwistern Mary und Jim, dem überarbeiten Vater und der dem Alkohol gern zusprechenden Mutter in einer Kleinstadt, die Großeltern leben gleich nebenan.
Das Leben ist leidlich spannend und ereignislos, das Warten auf den Eiswagen und die Aussicht auf den Gewinn des legendären Super Eisbechers sind die Highlights des Sommers.
Das ändert sich, als bei den Nachbarn ein Spanner durch das Badezimmerfenster schaut - und kurz darauf ein Junge verschwindet.
Für die Geschwister ein klarer Fall: sie werden den Verschwundenen finden. Doch Detektiv zu spielen war noch nie ungefährlich….

Dies ist ein ungemein fesselnder Roman, voller wunderbarer Ideen, atmosphärisch gelungen und changierend zwischen Stephen King und Jack Kerouac, wie die FAZ sehr richtig feststellt.
Jeffrey Ford hat insgesamt fünf Romane und diverse Kurzgeschichten geschrieben, die sich einer festen Genrebezeichnung entziehen - und wahrscheinlich deshalb so faszinieren.

Ich kann diesen Roman allen ans Herz legen, die sich vor allem mal wieder in einer etwas anderen Geschichte verlieren wollen.

Das Schattenjahr

von Jeffrey Ford

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Überall ist Wasser
Simone Finkenwirth

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„Überall ist Wasser" von Inger Bråtveit ist ein tiefes Eintauchen ins Wasser und in die Seelenlandschaft einer schreibenden Frau. Alle Leser:innen von Rachel Cusk sollten jetzt aufhorchen, denn ich spüre sofort Parallelen zu ihrer Outline-Trilogie.

Dass mein Exemplar aussieht wie ein Punk liegt an den allerhand klugen Gedanken und Zitaten von großen Namen wie Marguerite Duras, Herta Müller, Tove Jansson, Jeanette Winterson und anderen bekannten Frauen, die die Norwegerin kunstvoll einarbeitet. Voller Faszination und mit leuchtenden Augen folge ich der Ich-Erzählerin, die gefangen ist. Einerseits als sich sorgende Ehefrau mit einem kranken Mann, einer kleinen Tochter und zwei Stiefsöhnen. Andererseits als Künstlerin und schreibende Frau, bei der die Inspiration nicht immer so fließt, wie sie´s sollte. Rettende Anker sind die Natur, das Wasser und die Kraft der Literatur.

An einer Stelle fragt sie rätselhaft: „Ist der Sommer, wie das Leben, nur ein kurzer Lichtstrahl auf dem Weg hinab ins Meer?" Wissen wir das? Nein, aber ich begebe mich mit der Erzählerin hinein ins kühle Nass. Wir sind eins in dem Element, in dem die Sorgen von allein schmaler werden und sich ein neuer, heller Raum öffnet.

Inger Bråtveit schreibt über eigene Krisen, wenn sich Wörter nicht mehr so einfach finden lassen, oder sie ihre Rolle als Mutter sucht, die sich manchmal fremd anfühlt, beängstigend und gleichwohl erfüllend ist. Einmal wagt sie es, schwimmt einfach hinaus, und lässt ihre Tochter zurück. Die sie hinterher dafür bestraft. Das schmerzt. Aber auch das ist das Leben. Nicht alles ist schön als Mutter, davon berichtet die Autorin sehr offenherzig und berührend schön.

„Ich denke, das Schwimmen dem Schreiben und dem Lesen ähnelt. Du musst zulassen, dass das Wasser ein Teil von dir wird und du ein Teil von ihm." So ein wahrer Satz. Dass man sich manchmal in unbekannte Gewässer begeben muss, um daran zu wachsen, zeigt sie auf beeindruckende Weise. Es heißt Abschiednehmen von geliebten Menschen. Auch davon erzählt die Autorin sehr feinsinnig.

Also, liebe Schwimmfreunde, Sinnsucher des Lebens, Freunde des Schreibens und des Lesens, folgt dieser interessanten und jungen Stimme aus Norwegen. Das Dagbladet schreibt: "Bråtveit ist eine sensible und scharfe Betrachterin, Denkerin und Schriftstellerin!" Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen außer dies: Nach der Lektüre seid ihr reich erfüllt – eine Meditation für Geist und Seele!

Überall ist Wasser

von Inger Bråtveit

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Frühlingsnacht
Simone Finkenwirth

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Pünktlich zum Buchmesse-Schwerpunkt hat Sebastian Guggolz einen norwegischen Klassiker zum ersten Mal auf Deutsch herausgebracht: „Frühlingsnacht" von Tarjei Vesaas, erneut kongenial übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Vesaas hat zeitgenössische Schriftsteller wie Tomas Espedal und Karl Ove-Knausgard inspiriert wie begeistert.

Mit seiner klaren wie atmosphärischen Sprache zieht mich der Autor atemlos in seine Geschichte. Sissel und ihr jüngerer Bruder Hallstein sind die Hauptfiguren. Hallstein erinnert mich an Mattis aus Vessas´ ebenfalls lesenswerten Roman „Die Vögel". Ist er doch ein recht seltsamer Junge mit großer Fantasie und eigentümlichen Gedanken. So sucht er Gudrun auf, eine Freundin, die er in einem leerstehenden Haus entdeckt hat und mit der er spricht. Aber es gibt sie nicht wirklich, sie ist lediglich eine imaginäre Bewohnerin seiner ganz eigenen Fanatsiewelt. Aber vor ihm liegt eine freie, wunderbare Zeit ohne Eltern.

Seine Schwester nutzt diese, um mit ihrem Verehrer Tore anzubandeln, was Hallstein neugierig beobachtet. Als sich die beiden Geschwister auf einen ruhigen Abend vorbereiten, klopft es plötzlich an der Tür. Wer kann das sein? Tore? Nein, eine ganze Familie, die sofort hektisch auf die beiden einredet. Das Auto sei kaputt, und bei der hochschwangeren Grete haben die Wehen eingesetzt. Eine Hebamme muss her! Sofort!

So radelt Hallstein mit Gretes Mann Karl in den Ort, um eine Hebamme zu besorgen. Fahren vorbei am kaputten Auto der Familie, in der noch Kristine sitzt, die nicht mehr laufen kann und auch nicht spricht, außer mit Hallstein. Sie ist zudem mit Karls Vater liiert. Und dann ist da noch Gudrun, ja, Gudrun, leibhaftig und aus Fleisch und Blut. Hallstein verliebt sich augenblicklich.

Waren die vorherigen Werke vor allem von Innenansichten geprägt, öffnet der Autor hier eine Wundertüte aus Dialogen und Aktionen, gleich einem mitreißenden Theaterstück. Obgleich viel gesprochen wird, erweist sich Vesaas als Meister der Auslassung. Einiges hängt in der Schwebe wie Tautropfen an Blumen. So schafft er eine ganz besondere, geradezu zauberhafte Stimmung. Und er beweist erneut auf beeindruckend schöne Weise, dass er ein Freund von eigentümlichen Figuren und Geschichten ist.

Tarjei Vesaas ist einer der großen literarischen Stimmen aus Norwegen, die es lohnt, entdeckt zu werden. Findet übrigens auch Siri Hustvedt, die den Autor sehr schätzt. Dem möchte ich an diesem Vorfrühlingstag nicht widersprechen.

Frühlingsnacht

von Tarjei Vesaas

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Haltlos
Simone Finkenwirth

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Sarah Nisi ist für ihre raffinierten psychologisch feinen Thriller bekannt und beliebt. Diesem Ruf wird sie auch in ihrem neuen Buch „Haltlos“ gerecht. Eine atemlos machende Lektüre, durch die man förmlich hindurch rauscht.

Emily ist eine der Hauptfiguren. Sie ist gerade dabei, die Wohnung ihrer Freundin Liv auszuräumen. Liv wurde kürzlich auf die Londoner U-Bahngleise geschubst und starb. Emily war Zeugin der Tat, kann sich aber an nichts mehr erinnern. Seitdem plagen sie Albträumen und auch der seltsame Nachbar von Livs Wohnung Shakes verhält sich seltsam. Während die Polizei den Vorfall als Selbstmord einstuft, kann Emily nicht daran glauben und beginnt eigenständiig zu recherchieren...

Sarah Nisi hält den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht. Das gelingt durch sehr kurze Kapitel und Perspektivwechsel verschiedener Figuren. So erleben wir nicht nur Emilys und Shakes Sicht, sondern auch noch die einer dritten Person. Und noch etwas hat mich eingenommen: Eine düstere Atmosphäre, die an verregnete Tage erinnert.

Ein unblutiger und flotter Thriller mit einem schönen Setting: So spielt die Handlung in London.

Haltlos

von Sarah Nisi

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No Hard Feelings
Simone Finkenwirth

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Wenn dich das Leben gerade an mehreren Stellen zwickt, dann lies dieses Buch! Es enthält zwar keine Gebrauchsanweisung für das perfekte Leben, aber Genevieve Novak zu lesen, tut einfach gut, und sie ist eine Schwester im Geiste. So steht ihre Romanheldin Penny vor Herausforderungen und verliert nicht selten das innere Gleichgewicht.

Da ist ihre toxische Chefin, und Pennys Job im Allgemeinen macht sie nicht glücklich. Ebenso anstrengend ist die On-Off-Beziehung mit Max. Und als Pennys Freundin Bec verkündet, dass sie demnächst heiraten wird, ist Penny eher zum Schreien als zum Feiern zumute.

Penny weiß: Es muss sich etwas ändern. Sie will etwas ändern. Wird es ihr gelingen?

Dieses Buch passt wieder einmal perfekt in die pola-DNA. Das ist der Verlag, der seinen jungen Leser:innen einen Mehrwert geben will. Raffiniert hat die Autorin herausfordernde Themen wie toxische Beziehungen, Perfektionismus, Bodyshaming eingewoben. Der Witz und liebenswerte, mitfühlende Menschen ziehen nicht nur unsere Ich-Erzählerin aus den tiefen Tälern.

„No Hard Feelings“ ist alles andere als hart. Eher weich, sonnig, witzig und spritzig!

No Hard Feelings

von Genevieve Novak

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Ich dachte, bis dahin bin ich tot
Frank Menden

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Silke Maier-Witt war in den späten 1970ern, dem „Deutschen Herbst“, eine der meistgesuchten Terroristinnen der BRD. Was bringt jemand aus dem bürgerlichen Milieu dazu, sich einer terrotristischen Vereinigung anzuschliessen und ein Leben im Untergrund zu führen? Und wie kann man damit leben?
Silke Maier-Witts Autobiographie ist keine Rechtfertigung ihrer Taten, es ist eine wahrhaftige Selbstbefragung und - erforschung. Sie schildert ihr Leben in Etappen, ihre Kindheit, die Jugend, die zunehmende Politisierung, die Zeit in der RAF, der Ausstieg und das Leben in der DDR, die Entdeckung und Verhaftung, den Prozess und ihr heutiges Leben im Kosovo und ihre Arbeit als Friedensstifterin .

Dieses Buch ist sicherlich nicht exemplarisch, es ist aber ein weiterer Schritt, die Strukturen mitsamt der psychologischen Mechanismen innerhalb der RAF zu verstehen.
Silke Maier-Witt vermittelt glaubhaft ihre Suche nach ihren Beweggründen. „Dass ich eines Tages Verantwortung übernehmen müsste, kam mir nie in den Sinn, ich dachte, bis dahin bin ich tot.“ Sagt sie anbei er Stelle dieses Buches.
Ein beeindruckendes Zeitdokument, dass durchaus ambivalente Gefühle hervorruft, aber absolut lesenswert ist!

Ich dachte, bis dahin bin ich tot

von Silke Maier-Witt

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Schmerz
Frank Menden

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Im Thingvellir Nationalpark auf Island verschwindet ein Teenager. Da alle Beamten bei einer großangelegte Razzia benötigt werden fällt der Fall zwei Aussenseitern zu: Dora, die nach einer Hirnverletzung an den Schreibtisch verpennt wurde und Rado, der Aufgrund familiärer Verstrickungen im Kollegium misstrauisch beäugt wird.
Doch was wie ein leichter Vermisstenfall aussieht entpuppt sich mehr und mehr zu einem undurchsichtigen Dickicht, der das ungleiche Duo auf ständig neue Fährten führt - und mit einer absoluten Überraschung endet!

Als Island Fan MUSSTE ich diesen neuen Island Thriller einfach lesen - und ich wurde nicht enttäuscht. Nerven mich sonst die zumeist ausufernden Macken der Ermittler, wurden sie hier kongenial eingesetzt. Auch die Geschichte entwickelt sich völlig anders als anfangs geglaubt. Durch die Mischung aus Ermittlung und Backstory von Dora und Rado gewinnt der Roman an Fahrt und wird zunehmend eindringlicher.
Ein hervorragender skandinavischer Thriller auf der Höhe der Zeit, mit einem wirklich überraschenden fulminanten Ende. Im Herbst geht es weiter, und ich verspreche Ihnen: nach der Lektüre werden sie diesem ebenso entgegenfiebern wie ich.

Schmerz

von Jón Atli Jónasson

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Ein Geist in der Kehle
Simone Finkenwirth

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Doirerann Ni Ghriofa erzählt in ihrem beeindruckenden Debüt von einer Frau. Diese Frau ist sie selbst. Denn das Buch ist autofiktional. Die Mutter arbeitet sich mit to-do-Listen durch ihren Alltag. Sie stillt, kümmert sich um ihre Kinder, spendet ihre Muttermilch an unbekannte Säuglinge, die keine Muttermilch bekommen können, sie studiert Angebote, wo sie am günstigsten einkaufen kann. Und dann erinnert sich die Autorin eines Tages an die Dichterin, mit der sie als Schülerin erstmals in Berührung gekommen ist.

Eibhlin Dubh Ni Chonaill hat es tatsächlich gegeben. Die Lyrikerin wurde dafür bekannt, dass sie im 18. Jahrhundert das längste Klagelied - "Caoineadh Airt Uí Laoghaire" - verfasst hat. Nachdem sie ihren Geliebten tot aufgefunden und dessen Blut getrunken hat.

Die junge Mutter entsinnt sich nun dieses Gedichts. Und findet darin – ja so etwas – wie einen hellen Stern, der sie durch die dunklen Tage geleitet. „Ich richte mir mein Leben so ein, dass ich immer, wenn ich mal sitze, gleichzeitig blasse Silben aus Milch von mir gebe und selbst dunkle Nahrung aus Tinte trinke.“

Sie will die Zeilen selbst neu übersetzen und mehr über die Lyrikerin erfahren. Plötzlich ist sie wie von einem Fieber erfasst und taucht immer, wenn sie einen offenen Raum dafür findet, darin ein, übersetzt Wort für Wort, Vers für Vers. Und sie recherchiert den Ursprung, die Geschichte dieser Frau.

Die irische Autorin ist Lyrikerin und das spüre ich sofort. In ihrem Text sind kurze Sätze mit einer Kraft, die mich festhalten.
Beschreibungen, die meinem Geist mit einem inneren Feuer anzünden. Und es finden sich Lebenswahrheiten, derart schön und klug formuliert.

Dies ist ein Buch übers Muttersein und die damit verbundenen Aufgaben.
Aber nicht nur. Denn ich bin keine Mutter und fühlte mich trotzdem darin so gut aufgehoben und elektrisiert.

Denn „Ein Geist in der Kehle“ ist ein Buch übers Frausein. Über die Macht von Lyrik und den kurzen wie prägenden Momentaufnahmen in unserem Leben. Zudem Autorin erzählt eine hochspannende Geschichte einer Frau, die mit ihrem Klagelied zum nationalen irischen Mythos wurde.

Ein außergewöhnliches Debüt aus Irland, von dem Sie in den nächsten Wochen sicherlich noch mehr hören werden.

Ein Geist in der Kehle

von Doireann Ní Ghríofa

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Der Sohn des Friseurs
Frank Menden

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Wie schon sein Vater und Großvater vor ihm ist Simon Friseur. Er wohnt über dem in dritter Generation geführten Laden , führt ein ruhiges Leben - seine Mutter nennt es langweilig.
An der Wand in seinem Schlafzimmer hängen Plakate von Schwimmern, den Idolen seiner Jugend. Ab und an nimmt der Anfang 40jährige einen Mann mit zu sich nach Hause, aber alles in allem bleibt er für sich .
Zwei Begebenheiten bringen Simons in ruhigen Bahnen verlaufendes Leben in Bewegung.
Da ist zum einen ein Stammkunde, ein Schriftsteller, der sich für das Schicksal von Simons Vater zu interessieren beginnt. Diesen hat Simon nie kennengelernt, ist er doch noch vor seiner Geburt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen - und weder Mutter noch Großvater sprechen über ihn.
Und da ist zum anderen Igor, ein junger attraktiver Mann, den er mit seiner Mutter im Schwimmbad zusammen mit anderen geistig beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen betreut und zu dem er sich zu seiner Überraschung und Scham hingezogen fühlt…

Gerbrand Bakkers neuer Roman „Der Sohn des Friseurs“ , übersetzt von Andreas Ecke, ist ein ruhiger Roman , der mit jeder Seite einen größeren Sog entfacht und durch immer neue Wendungen zu überraschen weiß.
Dabei weckt er beim lesen durchaus ambivalente und unbehagliche Gefühle, vieles bleibt angedeutet .
Leicht zu lesen ist dieser Roman, der trotz der Behandlung von existenziellen Fragen auch immer wieder Momente leiser Komik zulässt.
Simons Bedürfnis nach echter Nähe, nach Antworten und sein unbestimmtes sehnen haben mich sehr berührt, auf eine leise, unaufgeregte Art und Weise.
Ein sehr besonderer Roman !

Der Sohn des Friseurs

von Gerbrand Bakker

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Der Junge, der Rache schwor
Frank Menden

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Kajsa Coren ist eine erfolgreiche Journalistin. Ihre Arbeit fürs Fernsehen ist zeitintensiv, voller Deadlines und hält sie wie ihre beiden Kinder ständig auf Trapp. Ihr Ehemann, der als Profiler für die Kriminalpolizei arbeitet, ist da nur bedingt eine Hilfe.
Als Kajsa mitten in der Recherche zu Missbrauchsfällen in staatlichen Kinderheimen recherchiert, wird unweit von Ihrem Haus ein älteres Ehepaar ermordet. Obwohl sie ihrem Ehemann versprochen hat nicht mehr zu aktuellen Kriminalfällen zu recherchieren kann Kajsa nicht anders – vor allem, als sie mehrere mysteriöse Anrufe zu bestätigen scheinen was sie schon bald ahnte: es gibt einen Zusammenhang zwischen ihrer Fernsehrecherche und dem Doppelmord an ihren Nachbarn. Doch wie sehr Kajsa in ein Wespennest gestochen hat wird ihr erst klar, als es fast zu spät ist….

Trude Teige ist hierzulande durch ihren Bestseller „Als Großmutter im Regen tanzte“ bekannt geworden. Ich persönlich finde ihre Reihe um die Journalistin Kajsa Coren, deren erster Band jetzt wieder neu aufgelegt wurde, noch viel besser. Trude Teige verbindet hier historische Begebenheiten mit einem sozialkritischen und spannenden Plot. Kombiniert mit einer so sympathischen Hauptfigur wie Kajsa kommt dabei packende Krimikost heraus, die keine Wünsche offen lässt!

Der Junge, der Rache schwor

von Trude Teige

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Dienstmädchen für ein Jahr
Simone Finkenwirth

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Begeistern Sie auch die Bücher von Irmgard Keun? Dann könnte „Dienstmädchen für ein Jahr" von Sigrid Boo etwas für Sie sein. Dieser norwegische Klassiker ist jüngst frisch in der besonderen Reihe „rororo"-Entdeckungen erschienen. Sigrid Boo hat zwischen 1922 und 1942 zehn Romane veröffentlicht, die uns hoffentlich Buch für Buch erfreuen werden. Denn die Autorin ist eine wunderbare Wiederentdeckung.

„Dienstmädchen für ein Jahr" hat mich von der ersten Seite an verzückt. Boos Schreibe verströmt eine belebende Frische, die die letzte Wintermüdigkeit charmant vertreibt. Ich verneige mich vor Gabriele Haefs, die diesen Ton perfekt ins Deutsche übertragen hat.

Helga ist die Ich-Erzählerin. Das Mädchen aus gutem Hause wollte eigentlich nach Frankreich, aber ihr Vater eröffnet ihr, dass es um die finanzielle Situation der Familie nicht gut bestellt ist und sie das Vorhaben verschieben müsse. Helga dazu: „... aber ich wäre doch, ehrlich gesagt, nie auf die Idee gekommen, dass ausgerechnet ich mich jemals mit einer Wirtschaftskrise befassen müsste."

Die junge jährige Frau hatte eine ausgezeichnete Abiturarbeit zur „Wirtschaftskrise nach dem Krieg" geschrieben. Und jetzt? Trifft sie sich erstmal mit Freunden und aus einer Laune heraus entsteht eine Wette, entspinnt sich aus einer Diskussion über das moderne Mädchen. „Ja, was könnt ihr denn eigentlich?" fragt ein junger Ingenieur an diesem Abend. Und Helga ruft: „Wir können alles!" Dann wagt sie es und begibt sich für einen Diamantenring in den Kampfring.

Helga arbeitet zunächst bei einer Familie, wo die Mutter am liebsten im Bett liegt und der Vater dem mit Glücksspiel verfallen ist. Und die fünf Kinder? Haben das Nachsehen. Glücklicherweise nicht mit Helga. Doch die nimmt bald Reißaus und beginnt neu bei einer besser gestellten Adresse. Dort bedient sie die Menschen, an deren Stelle sie sonst sitzt, und erfährt eine warmherzige und freundschaftliche Arbeitsatmosphäre.

Wir alle fragen uns ja gerade: Was lesen in derart schwierigen Zeiten? „Dienstmädchen für ein Jahr" ist meine Antwort. Geistreich, unterhaltsam und klug schreibt die Autorin über Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt, Identität und den Klassenunterschied – gewichtige Themen, die bis heute nicht an Aktualität verloren haben.

Dienstmädchen für ein Jahr

von Sigrid Boo

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Das Eis-Schloss
Simone Finkenwirth

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»Das Eis-Schloss« erinnert mich an einen Eiskristall, denn Tarjei Vesaas erzählt in einer eisklaren Sprache von einem zarten Glück, das viel zu schnell zerbricht. Dieser moderne Klassiker der norwegischen Literatur erschien erstmals 1963. Und wieder einmal haben wir es dem Verleger Sebastian Guggolz zu verdanken, dass das Werk bei uns in einer neuen Übersetzung erscheint. »Das Eis-Schloss« erhielt seinerzeit den Preis des Nordischen Rats, den wichtigsten Literaturpreis Skandinaviens. Völlig zu recht, strahlt das Buch doch durch seine eindringlich, elegante Sprache, die den Leser mitsamt der Geschichte magisch anzieht: »Vier Augen voller Funkeln und Strahlen unter den Wimpern. Der ganze Spiegel davon erfüllt. Ich weiß nicht: Funkeln und Strahlen, Funkeln von dir zu mir, von mir zu dir, und von mir allein zu dir – in den Spiegel hinein und zurück, und keine Antwort darauf, was das jetzt ist, keine Auflösung.«

Sofort sehe ich die Protagonisten Unn und Siss an einem Winterabend vor mir. Sie sind zum ersten Mal unter sich, neugierig, zurückhaltend, und doch fragend. Denn die Freude zwischen ihnen ist zerbrechlich. In Unns Seele lauert ein lang gehütetes Geheimnis, das aus den Tiefen ihres Ichs heraus will. Es braucht viel Überwindung, denn das Mädchen hat noch nie jemandem davon erzählt. Siss soll es nun erfahren, aber sie ergreift die Flucht und will nur noch weg, nach Hause. Tarjei Vesaas erzählt von einer besonderen Freundschaft zwischen zwei elfjährigen Mädchen, einer Freundschaft, die eher einem rohen Diamanten gleicht. Sie kann nicht zu dem werden, was man den beiden Mädchen wünscht, denn das Schicksal hat was dagegen: Der kalte Atem des Winters bringt eines der Mädchenherzen zum Stillstand.

Was geschehen ist? Nur soviel: Der Autor spricht über den Verlust in seiner ganz eigenen Sprache, die einfach nur einzigartig ist. Taucht ein in dieses faszinierende, winterliche Buch, das mich berührt und mit seinen stimmungsvollen Naturbeobachtungen regelrecht begeistert hat. Und durch seine tiefe Menschlichkeit, wie ein warmes Mäntelchen um das trauende Mädchen legt.

Das Eis-Schloss

von Tarjei Vesaas

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Vermissen auf Japanisch
Simone Finkenwirth

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Nur wenige Atemzüge und ich bin im Buch angekommen. Yukiko Tominaga verströmt eine umarmende Wärme, die mich sofort wie ein Kokon umhüllt.

Kyoko ist die Ich-Erzählerin in „Vermissen auf Japanisch“. Ihre familiären Wurzeln liegen in Japan, aber in Amerika hat sie eine liebevolle Wahlfamilie gefunden. Vor allem ihre Schwiegermutter Bubbe ist ihr eine besondere Seelentrösterin. Gemeinsam trauern sie um Kyokos verstorbenen Mann Levi. Ich folge der Erzählerin, die Mutter eines Sohnes ist. Als Levi stirbt, ist Alex vier Jahre alt. Wie mit der Lücke leben?

Davon erzählt die Autorin mit einer Sanftheit, die mich derart berührt. Um sie herum sind liebenswerte Figuren wie Bubbe und ihre Mitbewohnerin Mi Cha. Die Südkoreanerin ist mit ihrer Familie in Kyokos Haus eingezogen, weil der Witwe das Geld fehlt. Sie sagt ihrer Freundin aber auch wahre Dinge wie: „Lauf nicht vor der Liebe davon, Kyoko. Lauf nicht vor ihr davon. Und selbst wenn die ganze Welt gegen dich wäre, du selbst eingeschlossen, ich bin es nicht.“

Ich folge der Romanheldin mit Ruhe und Besonnenheit. Die Geschichte fühlt sich so typisch Japanisch an. Für mich ist sie eine Meditation für die Augen und den Geist. Es sind kleine Puzzleteile, Rückblenden und gegenwärtige Momente, die Yukiko Tominaga elegant aneinandersetzt. Wer geradlinig erzählte und schnelle Plots bevorzugt, könnte enttäuscht werden. Fans von japanischer werden bei der Lektüre Sterne in ihren Augen haben.

„Vermissen auf Japanisch“ ist ein Buch übers Abschiednehmen, Trauer – und der tapfere Weg von dort weg in ein neues Kapitel mit mehr Leichtigkeit und wohltuender Hoffnung.

Vermissen auf Japanisch

von Yukiko Tominaga

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Eine Zeit, zu leben
Frank Menden

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„Hedda ist Hedda“!
Nur eine der Schlagzeilen, die der großen Premiere auf Norwegens bedeutendster Bühne entgegenfiebern.
Hedda - das ist Hedda Christine Foss, eine der berühmtesten Schauspielerinnen des Landes. Das Stück : „Hedda Gabler“ von Hendrik Ibsen.

Doch nicht alle sind ausschließlich der doppelten Hedda wegen bei der Premiere anwesend .
Da ist zum Beispiel der junge Mann, der seine ( Vielleicht) Freundin nicht enttäuschen will, ist sie doch wesentlich weltgewandter als er.
Oder die bekannte Influencerin „Stalking Stine“, die wie der dem jungen Colin Firth verblüffend ähnlich sehende britische Diplomat ganz eigene Interessen verfolgt .
Die Anwesenheit des gefürchtetsten Theaterkritikers Norwegens ist selbstverständlich, aber was macht der preisgekrönte Autor im Saal , in dem die Ministerpräsidentin ganz prominent in der Mitte der ersten Reihe sitzt?
Vor allem aber: warum ist die Pistole, die im Stück zum Einsatz kommen soll, mit scharfer Munition geladen?

Ich verehre Jan Kjaerstad schon sehr lange, jeden Roman habe ich mit Spannung erwartet und wurde selten enttäuscht.
„Eine Zeit, zu leben“, wie immer im Septime Verlag erschienen, ist wie für mich gemacht : eine Gesellschaftsstudie, multiperspektivisch erzählt, nah am Puls der Zeit. Ein Roman über das Theater, das auf der Bühne und das des Lebens, über die Macht der Aufmerksamkeit und die Sucht nach eben dieser, über Sinn und Unsinn von Begegnungen, über Liebe und Hass, Trauer und Freude , und und und ….
Und natürlich auch über Hedda Gabler.

Ein lebenspraller Roman ist dies, den man auch Dank der Übersetzung von Bernhard Strobel nicht mehr aus der Hand legen kann.
Wer Jan Kjaerstad noch nicht für sich entdeckt hat sollte dies schleunigst ändern. Und wer bereits ein Fan ist wird auch an seinem neuesten Werk großen Gefallen finden.
Was für ein intelligent komponiertes, überraschendes und stilsicheres Lesevergnügen!

Eine Zeit, zu leben

von Jan Kjaerstad

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Die erste halbe Stunde im Paradies
Frank Menden

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„Drei sind eine Party.“
Und was für eine Party ist die kleine, aufeinander eingeschworene Dreierfamilie. Die Mutter Sängerin und Musikerin, immer zu haben für Spontaneität und „verrückte“ Ideen. Und ihre beiden Kinder: die kleine Anne und der große Kai.
Sie sind füreinander da, ohne wenn und aber und Anne bedauert alle, die nicht so einen tollen Bruder haben wie sie.
Die chronische Krankheit der Mutter führt die Familie nach Flensburg, des Klimas wegen. Doch auch das vermag den stetig voranschreitenden körperlichen Verfall der Mutter nicht aufzuhalten. Immer mehr werden Anne und Kai in die Verantwortung genommen, immer mehr leisten sie, halten alles im wahrsten Sinne am laufen. Drei Menschen, die füreinander da sind . Bis….

Was ist passiert, dass aus den Geschwistern, zwischen die kein Blatt Papier passte, zwei einander Fremde wurden? Warum gab es jahrelang keinerlei Kontakt, keine Verbindung mehr? Bis zu diesem Anruf auf dem Teambildungsevent in Hamburg, bei dem die erfolgreiche Pharmareferentin Anne eigentlich nur die nötigen Punkte für den nächsten Karriereschritt sammeln will - und sich stattdessen der Vergangenheit stellen muss.

„Die erste halbe Stunde im Paradies“ ist der zweite Roman von Janiune Adomeit - und er ist vollkommen verdient das NDR Buch des Monats Februar 2025.
Mit leichter Hand erzählt die Autorin von Loyalität, Verantwortung und Überlastung, von Liebe und den Konflikten die aufbrechen, wenn die Fürsorge die eigenen Bedürfnisse vollkommen überlagert.
Wie Janine Adomeit es schafft diese Themen vollkommen ohne Kitsch und Klischees, eindringlich und bewegend, voller Empathie und leisem feinen Humor zu verhandeln, das sollte unbedingt gelesen werden.
Ein tröstliches Buch voller Hoffnung, das ist diese erste halbe Stunde im Paradies!

Die erste halbe Stunde im Paradies

von Janine Adomeit

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Cleopatra und Frankenstein
Simone Finkenwirth

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Schon vor Erscheinen der deutschen Ausgabe von „Cleopatra und Frankenstein“ gab es einen Hype um das Debüt von Coco Mellors. Manchmal meide ich derartige laute Rufe in der Bücherwelt. Ein anderes Mal lasse ich mich in so eine Welle hineinfallen. Wenn meine Neugier - wie in diesem Fall - zu stark ist. Was ist dran an dieser gefeierten Autorin?

Der Roman ploppt wie der Korken einer übermütigen Proseccoflasche auf. Der Einstieg ist charmant, witzig und lässt mich sofort an Bücher von Sally Rooney denken. Coco Mellors nimmt mich mit in eine meiner Traumstädte: New York. Dort treffen sich in einer Silvesternacht Cleo und Frank. Schon der Anfang macht deutlich: Das ist ein Buch der Dialoge, schneidend scharf. Die beiden verlieben sich, obwohl sie einige Jahre trennt, Frank ist Mitte 40, Cleo 25. Er aufsteigender Werbemann mit einer eigenen Agentur, sie eine Künstlerin, die bangt, ihr Visum zu verlieren und zurück nach England muss. Kurzerhand heiraten die beiden. Recht schnell, aber aus Liebe. Und dann? Wird alles schön wie im Märchen?

Der Roman durchlebt eine erstaunliche Entwicklung. Am Anfang scheint alles auf Glanz, Party, Unterhaltung und Oberflächlichkeit aus zu sein. Doch ab der Mitte kippt die Tonlage durch eine Ich-Erzählerin, die sich in die Geschichte mit ihrer eigenen Stimme einfügt. Und nicht nur das sorgt für einen Richtungswechsel. Denn die verschiedenen Figuren fangen an zu wanken. Dunkle Dämonen übernehmen das Ruder, nicht verarbeitete Traumata bahnen sich den Weg nach draußen, treiben Cleo zu einer fassungslosen, verzweifelten Aktion.

Dies ist keine seichte Lektüre, die nur perlt und unterhält. Das ist ein Buch, das sich Löcher gräbt, berührt und mich am Ende atemlos beglückt zurücklässt. Und ja, der Hype ist so was von berechtigt. Sally Rooney hat eine ernstzunehmende Kontrahentin hinzubekommen.

Cleopatra und Frankenstein

von Coco Mellors

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Sommerwasser
Simone Finkenwirth

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Regentropfen überall! Auf der Brille, zwischen den Wimpern, auf der Jeans und den Lippen. Auch in den Schuhen? Nein, da glücklicherweise nicht. Dafür im Buch. Wer beim Titel „Sommerwasser“ an den Sommer denkt, hat nur bedingt Recht. Denn in Sarah Moss' Roman ist es nass und kalt. Der Sommer in diesem schottischen Landstrich hat verregnete Züge und erinnert mehr an den Herbst.

Beim genaueren Blick ins Buch erlebe ich eine weitere Jahreszeit: den Winter. Den sogenannten inneren Winter, durch den die verschiedenen Figuren stolpern. Sarah Moss fährt ein vielstimmiges Figurenkabinett auf. Und obwohl sich die Menschen nicht kennen, sind sie miteinander verbunden: Sie wohnen alle in einer Anlage mit zügigen Ferienhäusern. Die Autorin zoomt sich in die Köpfe der Figuren. Da ist Justine, die sich in den Regen traut und joggt: „Wasser auf bettwarmer Haut, und warum genau macht sie das noch mal?“ Die Antwort findet sich zwischen den Seiten. Dort treffe ich später auch auf Claire. Eine einstige erfolgreiche Businessfrau, die ihr zweites Kind bekommen hat. Als Claires Mann ihr anbietet, mit den Kindern für eine Stunde rauszugehen, sagt sie nicht nein. Doch was macht sie in dieser Zeit?

Der Roman teilt sich wie Regen in kleine einzelne Geschichten, die in meine Augen tröpfeln. Oft stehen weibliche Figuren im Mittelpunkt. Frauen, die große Fragen aufwerfen. Wer sind sie heute? Wer damals? Wer wollen sie sein? Der Regen schubst sie in ihre inneren Räume, und ich folge ihnen, manchmal lache ich auf, zu komisch sind die Gedanken und Situationen, ein anderes Mal werde ich still, bin berührt, seufze tief.

Sarah Moss' Ton bewegt sich zwischen nachdenklich melancholisch bis hin zu witzig, komisch. In allem steckt so viel Wahrheit und Tiefe. Doch die Lektüre zieht mich nie herunter, viel mehr erfrischt sie mich wie freche Regentropfen, die überallhin tanzen - ob ich nun will oder nicht.

Sommerwasser

von Sarah Moss

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Die Halbwertszeit von Glück
Simone Finkenwirth

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Dass die Hamburger Autorin keine Debütantin ist, merke ich sofort. Louise Pelt hat bereits unter einem anderen Namen Bücher geschrieben. In diesem Roman verknüpft sie drei Frauenporträts, die alle miteinander verbunden sind. Vor allem durch ihre Neugier und noch etwas anderem, das ich nicht verraten darf.

Mylènes Leben verläuft in geordneten Bahnen. Die Pariserin ist erfolgreiche Unternehmerin und wird demnächst ihren berühmten Freund heiraten. Doch als sie ein Erbschein erreicht, gerät Mylènes Leben aus den Bahnen.

Viele Jahre vorher – im Jahr 1987 – führt Johanna in der DDR ein einsames gewähltes Leben. Im Wald bewohnt sie eine Hütte, bewirtschaftet sich mehr oder weniger selbst. Warum sie das macht, erfahre ich im Verlauf der Geschichte. Als Johanna im Wald ein verletztes Mädchen vorfindet, das die Dorfbewohner suchen, nimmt sie sich diesem an. Das Mädchen wollte über die Grenze in den Westen zu ihrem Liebsten nach Frankreich, denn es ist schwanger. Was macht Johanna jetzt? Helfen oder melden?

In Los Angeles träumt Holly im Jahr 2003 davon, Drehbuchautorin zu werden. Als ihre Mitbewohnerin, die Schauspielerin ist, ihr Manuskript an eine bekannte Regisseurin weiterleitet, meldet diese sich bei ihr. Sie treffen sich, doch dann passiert ein Unglück, das Holly den Boden unter den Füßen wegzieht, und der Traum verliert an Kraft, weil andere Dinge Hollys Kopf und Herz vollends einnehmen.

Dieses Buch lebt vor allem von den Menschen und ihren Geschichten. Es geht um Verlust, Familiengeheimnisse, Liebe, Solidarität und das vergängliche Glück. Neben den starken Frauen webt Louise Pelt weitere Figuren feinfühlig und gekonnt ein, auf die unsere Heldinnen treffen. Sie sind das Öl in ihren stockenden Motoren. All das liest sich federleicht, ohne oberflächlich zu sein. Wenngleich sich auf dem ersten Blick drei Geschichten eigenständig ihren Raum schaffen, muss ich widersprechen – denn da ist noch viel mehr. Aber lesen Sie selbst!

Die Halbwertszeit von Glück

von Louise Pelt

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Schönwald
Frank Menden

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Anlässlich der Eröffnung eines queren Buchhandlung in Berlin kommt die ganze Familie Schönwald zusammen. Vater Harry, seines Zeichens Staatsanwalt, seine Frau Ruth, die für die Kinder ihr Vorhaben Professorin für Literatur zuwenden aufgab, und die drei Kinder Chris, Karolin und Benni. Doch Proteste vor Karolins Buchhandlung, die die Gründung durch Nazigeld aufs schärfste verurteilen, zwingen die Schönwalds dazu, sich verdrängten Wahrheiten zu stellen, reinen Tisch zu machen.
Sei es Chris, der längst nicht mehr der erfolgreiche New Yorker Literaturprofessor ist, sondern nun in Trumps MAGA Bewegung eine wichtige Rolle spielt. Oder Karolin, die Probleme hat ihren Platz im Leben und in in der Liebe zu finden. Und Benni, der jüngste der Geschwister, der mit der millionenschweren Erbin Emilia und zwei Kindern in einem Fertighaus in Brandenburg lebt und dem der Spagat zwischen seiner eigenen Kleinfamilie und seiner Ursprungsfamilie immer unmöglicher wird…

Philipp Oehmkes Debütroman erzählt eine deutsche Familiengeschichte am Puls der Zeit. Multiperspektivisch erzählt erhalten wir Einblick in das Innenleben aller Familienmitglieder und streifen dabei relevante gesellschaftliche Themen aus Literatur, Musik und Politik. Dabei ist der Roman bei aller Ernsthaftigkeit in politischen und philosphischen Zeitfragen hervorragend zu lesen und wird von ironischen Einschüben durchbrochen.

Ein intelligenter Gesellschaftsroman auf der Höhe der Zeit, der sicherlich für Diskussionen sorgen wird.

Schönwald

von Philipp Oehmke

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Für Polina
Simone Finkenwirth

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Der Roman lebt vor allem durch seine besonderen und liebenswerten Figuren. Fritzi ist die Erste. Das Mädchen reist vor ihrem Abitur ins sonnenreiche Land der Genüsse. Dort hat sie ein kurzes Intermezzo mit einem Geschäftsmann. Leider nicht ohne Folgen: Fritzi wird schwanger. Ihr großes Ziel nach München zu gehen, um Jura zu studieren, rückt erstmal in weite Ferne.

Im Krankenhaus lernt Fritzi Günes kennen, die zeitgleich mit ihr gebärt. Ein Mädchen, das den Namen Polina trägt. Ein untypischer Name für ein türkisches Mädchen. Aber Günes verehrt Dostojewski, und Polina ist eine Figur aus einem ihrer liebsten Romane des Russen. Die beiden Frauen bleiben auch nach der Entbindung in Kontakt, folglich auch ihre Kinder. Wann aus dieser Freundschaft mehr geworden ist, mag niemand so genau sagen. Aber es leuchtet, brennt zwischen Polina und Hannes und sorgt für mehr Unruhe, als allen lieb ist.

Fritzi zieht aber zunächst mit Hannes in eine alte Villa nach Kananohe, ein Naturschutzgebiet bei Hannover, umgeben von einer Moorlandschaft. Dort treffen sie auf den 60jährigen Heinrich Hildebrand. Als junger Mann hat Heinrich am Wiener Konservatorium Klavier studiert, und so findet sich in der Villa auch ein Klavier. Das Instrument wird für Hannes noch eine bedeutende Rolle spielen.

Der Roman besticht nicht nur mit seiner einzigartigen Familien- und Liebesgeschichte. Takis Würger gelingt es quasi spielend, dass ich mich als Leserin wieder sehr zur klassischen Musik hingezogen fühle. Mit ihr zu fühlen, Taste für Taste, Ton für Ton.

Takis Würger öffnet wahrlich eine große Palette an leichten wie schwerwiegenden Themen, verarbeitet sie mit leichter Hand, baut unerwartete Wendungen ein, und ist voller Empathie für das bunte Figurenensemble. Allen zu folgen, bereitet mir derartig große Freude, dass ich am liebsten selbst ein Stück komponieren möchte. Zahlreiche Momente lassen mich lächeln, filmische Szenen gehen vor meinem inneren Auge auf. Und ich denke: Das ist die Art von Geschichten, die wir gerade brauchen. Warm, berührend, charmant und voller sensibler Herzlichkeit. Ein Buch wie eine sehnsuchtsvolle Klaviersonate, die lange nachklingt.

Für Polina

von Takis Würger

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Hilda Hasenherz. Das Abenteuer im Fuchswald
Simone Finkenwirth

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Ich habe ein großes Herz für Tiere. Für Wölfe, Raben, Füchse, Ferkel, Mäuse und natürlich für Hasen. Insofern war „Hilda Hasenherz“ Pflichtlektüre für mich.

Hilda ist eine Buddelhäsin. Täglich gräbt sie mit ihren Artgenossen nach Möhren, die der Baron von Ratezahn mit der Spinne Ottilie einfordert. Sie lebt und arbeitet in den Tiefen der Erde, hat noch nie die Sonne oder den Mond gesehen. Überhaupt den Mond, den gibt es nicht, sagt der Baron. Statt der Möhren bekommen die Hasen nur Heu zu essen.

Wir alle wissen ja, was Möhren für Hasen bedeuten. Doch unsere Heldin bleibt tapfer und ist extrem neugierig. Großmutter Graupfote sagt: Du hast immer Fragen im Kopf. Wenn man dir eine beantwortet, hüpfen drei neue hinein und wuseln darin herum wie Hasenbabys, die das erste Mal den Bau verlassen.“ Gesagt, getan!

Denn unsere kleine Heldenhäsin buddelt sich eines Tages tatsächlich frei und landet fast in den Armen von Prinz Lämpchen. Der Hasenprinz sozusagen. Prinz Lämpchen reicht ihr Möhren, erklärt ihr die Sonne und den Mond, und ermuntert sie, den Fuchs zu finden. Sam Grau. Denn vor dem hat selbst der unverschämte Baron von Ratezahn Angst. Denn eins ist klar, Baron von Ratezahn muss besiegt werden.

Was Hilda auf ihrer Reise alles passiert, wem sie begegnet, ist hinreißend wie spannend. Da haben wir beispielsweise Igromir, den Igel oder Eicho, das Eichhörnchen. Werden sie Sam Grau finden? Eins darf ich in jedem Fall schon verraten: Unsere Buddelhäsin wird eine Abenteuer- und Heldenhäsin. Und es gibt einen packenden Showdown am Ende!

Verena Körtling hat der Geschichte zauberhafte Illustrationen geschenkt! Ein wunderbares Buch über Mut, Gemeinschaft und Neugier für Leser:innen ab 8 Jahre und zum Vorlesen ab 5 Jahre.

Hilda Hasenherz. Das Abenteuer im Fuchswald

von Tobias Goldfarb

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Dunkle Momente
Simone Finkenwirth

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Wir urteilen täglich, meistens unbewusst. Es sind vor allem unsere Vorstellungen und Prägungen, die uns dabei lenken. Nur wer gibt schon gern zu, dass er sich getäuscht hat in seiner Meinung? Elisa Hoven macht dies auf zutiefst menschliche Weise. Allein dafür möchte ich das Buch allen in die Hand drücken. Die Autorin ist Professorin für Strafrecht und Richterin im Sächsischen Verfassungsgerichtshof. Aber nicht nur deshalb ist die Lektüre lesenswert.

Elisa Hoven hat bereits Bücher geschrieben. Mein Kollege Frank Menden schwört sehr auf „Strafsachen“, das sie zusammen mit Thomas Weigend geschrieben hat. Während dieses ein Sachbuch ist, handelt es sich bei „Dunkle Momente“ um einen Roman. Allerdings ist es keiner mit einer stringenten Handlung, sondern eine Sammlung aus verschiedenen Geschichten um die Hauptfigur herum.

Neun Fälle sind es insgesamt und es ist wirklich alles dabei, was wir schon mal irgendwo gehört und gelesen haben. Oder es sind vollkommen neue Fälle und Einsichten. Manches scheint eingangs als ausweglos, entwickelt sich im Verlauf der Recherche als plausibel.

Wie die Geschichte des Kannibalen. Frank Schanzer wird angeklagt, einen Mann umgebracht zu haben. Und mehr noch: Körperteile gegessen zu haben. Dass Tobias Rennler diesen Tod aus freien Willen wollte, weil er in sich das Bedürfnis gespürt hat, scheint uns allen suspekt, aber: „Sexuelle Phantasien sind unsere intimsten Gedanken...“ Was sie herausfindet und belegt, ist bemerkenswert.

Die Geschichten gehen wirklich sehr nah, aber sie sind wichtig und alle eint: Eine tiefe Menschlichkeit seitens der Verteidigerin, die stets nach dem Warum sucht.

Einige denken jetzt vielleicht: Moment, das kenne ich doch von Ferdinand von Schirach. Stimmt! Doch beide haben ihren eigenen Ton. Dieses Buch empfinde ich anders. Vor allem durch die offenherzigen Einsichten und Denkimpulse. Vor allem Laien wie ich werden mit Staunen und Entsetzen durch das teilweise verzwickten Justizsystem geführt.

Was ebenfalls bemerkenswert ist, sind Hovens Töne für die Nebenfiguren: „Dabei geben sich die Anstaltsleiter meist große Mühe, das Leben der Inhaftierten erträglich zu machen. Viele, die dort arbeiten, haben Sozialpädagogik studiert, sie sind das Gegenteil dessen, was man aus amerikanischen Filmen kennt. […] Und es ist ein Kampf, denn die wenigsten Politiker wollen mehr Geld für Straftäter ausgeben, damit gewinnt man keine Wähler.“

Das sitzt. Und noch etwas passiert bei der Lektüre und dem fabelhaften Hörbuch - eingesprochen von der Schauspielerin Nina Kunzendorf: Einige Aussagen halten mich an, lassen mich länger über die Fälle nachdenken sowie über Elisa Hovens Worte: „So vieles erklärt sich aus der Kindheit des Menschen.“ Da haben wir sie: Unsere Prägungen.

Wenn ich also das nächste Mal urteile, werde ich mit Sicherheit länger innehalten. Denn jede, jeder hat seine Geschichte, handelt nicht ohne Grund.

Dunkle Momente

von Elisa Hoven

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